Pyritinol (Handelsname: Encephabol) ist ein Arzneistoff zur Behandlung seniler Demenz. Kofler spielt in dieser Passage immer wieder auf die kolportierte Psychopharmaka-Sucht des »Hotel Mondschein«-Mörders Bernt Burchhart an. (vgl. Kimeswenger 1987, 7)

PersonVerbrecherIn

Die Krankenschwester Waltraud Wagner und drei Komplizinnen ermordeten auf der geriatrischen Station des Krankenhauses Lainz in Wien zwischen 1983 und 1989 mit Insulin- oder Morphiumspritzen oder Rohypnol sowie durch Ertränken eine größere Anzahl von Patienten, das Gericht hielt im Prozess 32 Morde für erwiesen. Im Laufe der medialen Berichterstattung etablierten sich Ausdrücke wie »Mordschwestern« oder »Mundspülung« und »Mundpflege« für die Ertränkungsmethode.

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherIn

Die »Kronen Zeitung« schrieb am 23. 4. 1989 davon, dass die im Fall Lainz Hauptverdächtige, die Krankenschwester Waltraud Wagner, als »Geheimprostituierte« in einem »schummrigen Nachtlokal« als »Animierdame« gearbeitet habe, wo sie die »Kunden« als »Trude, das Schweinchen, das alles macht«, bezeichnet hätten. (Hauenstein/Heigl 1989a)

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Im »Hotel Mondschein« in Klagenfurt ermordete ein Gast, der Wiener Autor Bernt Burchhart, 1987 den Nachtportier. In der Berichterstattung tauchten verschiedene Bezeichnungen des Hotels auf.

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInEreignis

Am 2. 7. 1989 bringt die »Kronen Zeitung« die »Dokumentation einer Verwechslung«, durch eine »Verkettung schier unglaublicher Zufälle« hätten die Zeugen Waltraud Wagner mit der ehemaligen Prostituierten Gertrude G., einer »Doppelgängerin« Wagners, die heute verheiratet sei und »völlig zurückgezogen« lebe, verwechselt. (Hauenstein/Geigl 1989b)

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Wolfgang Antes (* 1944), deutscher CDU-Politiker, war seit 1981 Baustadtrat des Berliner Bezirks Charlottenburg und 1986in einen großen Korruptionsskandal (»Antes-Skandal«) involviert: Antes hatte sich bei der Vergabe der Pacht eines Lokals mit 50.000 DM bestechen lassen (von einem Bordellbetreiber namens Otto Schwanz, s. Eintrag ›Otto Waldemar Schwanz‹) und mit einem Teil des Geldes Beiträge von CDU-Karteileichen ohne deren Wissen bezahlt, um sich zusätzliche Stimmen und somit seine Stellung innerhalb der CDU zu sichern. Im Laufe des Prozesses wurden noch weitere Bestechungen innerhalb der Immobilienbranche aufgedeckt. (vgl. Sontheimer/Vorfelder 1986)

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInVerbrecherInMedienEreignis

Otto Schwanz (1940–2003), Berliner Bordellbetreiber und CDU-Mitglied, wurde im Zuge des Berliner Korruptionsskandals rund um Baustadtrat Wolfgang Antes 1987 wegen Bestechung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherIn

Dietmar "Lackschuh« Traub (1949–1984), 1984ermordet von Werner Pinzner, der wegen seiner Auftragsmorde im Hamburger Rotlichtmilieu als »St.Pauli-Killer« bekannt wurde. Traub betrieb gemeinsam mit dem Kärntner Josef Nusser (»Wiener-Peter«), der als HauptauftraggeberPinzners galt, ein Bordell und war in diverse Rauschgiftgeschäfte verwickelt. Pinzner erschoss schließlich während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den Staatsanwalt, seine eigene Frau und sich selbst und ging damit in die Geschichte spektakulärer Kriminalfälle der BRD ein. (vgl. Harrich-Zandberg 2004)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInEreignis

Abwandlung von Zeitungsberichten zur Mordtat: »Der Mörder war nach der Tat in die Küche des Hotels geschlichen, um sich etwas zum Essen zu stehlen. Dort wurde er vom Koch ertappt.« (vgl. Luchscheider 1987, 11) Dieser »hatte den Gast Bernd [sic] Burchhart im Eingang überrascht, als er mehrere Plastiksäcke mit verschiedenen Gegenständen bei sich trug, darunter auch Küchentöpfe und Besteck« (Tschernitz 1987, 9).

PersonVerbrecherIn

Abwandlung eines Zeitungsberichts zur Mordtat: »Burchhart ließ daraufhin sofort die Säcke fallen und verpaßte Bhaget einen gestreckten Faustschlag ins Gesicht. Während die Polizei zu Hilfe gerufen wurde, hielt das Küchenpersonal den randalierenden Burchhart fest« (Tschernitz 1987, 9).

PersonVerbrecherIn

Harald Sassak (1948–2013), österreichischer Serienmörder. Er verschaffte sich (im Herbst 1971/Frühjahr 1972) als »Gasmann« – als Mitarbeiter des Gaswerks – bei alleinstehenden alten Personen Zutritt in die Wohnung und raubte sie aus. Wenn er trotz Ablenkungsmanöver beim Raub ertappt wurde, schlug er seine Opfer nieder, sechs Personen starben an den Verletzungen. Bei einigen Überfällen hatte Sassak einen Komplizen.

PersonVerbrecherIn

Spitzname des Hamburger Bordellpächters Friedrich Schroer (wegen seiner schräg stehenden Augen), der 1981 in seinem Stammlokal (»Ritze«) auf der Hamburger Reeperbahn von einem Fremden erschossen wurde; der Mord wurde bis heute nicht geklärt und war Auftakt einer blutigen Mordserie zwischen zwei Zuhältergruppen am Kiez. (vgl. Eckelsberger/Skrabal 2011)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherIn

Stefanija Meyer, Maria Gruber und Irene Leidolf waren die Komplizinnen Waltraud Wagners bei ihren Morden. Kofler bezieht sich auf den Bericht einer ehemaligen Kollegin in der »Neue«»n«» Revue«: »,Das war wie beim Militär: Sie war der General, die Mayer der Feldwebel, die Gruber der Unteroffizier, und die Leidolf hat getan, was ihr gesagt wurde.‘ […] Wenn auf Nachtwachen ein Patient klingelte, befahl die Wagner: ,Klingeln lassen. Net glei hinrennen.‘« (Sünder 1989, 7)

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Giuseppe di Giorgio, der vor seiner Ausweisung aus den USA Fahrer des legendären Mafiabosses »Lucky« Lucianogewesen sein soll und in den 1970ern für ein paar Jahre in Hamburglebte, ließ sich »Mr. Joe« nennen; im »Hamburger Abendblatt« schaltete der Kiez nach seinem Tod 1979 eine Anzeige: »Nach Deinem Kodex woll’n wir streben«, auf dem Grab seien Dutzende von Kränzen, einer mit der Aufschrift »Farewell, Wilfrid Schulz «gelegen. (Der Spiegel 34/1986)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Wilfrid Schulz (?–1992), Hamburger »Unterweltskönig«, Besitzer diverser Etablissements im Rotlichtmilieu St. Paulis, wurde in den 70er Jahren dort »der Pate« genannt, weil man ihm Kontakte bis in die höchsten Mafiakreise nachsagte. 1982 wurde im Zuge einer polizeilichen Großaktion gegen organisierte Kriminalität gegen ihn ermittelt. Man konnte ihm allerdings nur kleinere Delikte wie Steuerhinterziehung, Anstiftung zur Falschaussage und Förderung der Prostitution nachweisen. (vgl. Zand-Vakili 2006)Kofler dürfte durch Lektüre des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«, das in den 1980er Jahren über Schulz berichtete, auf ihn gestoßen sein.

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Kofler bezieht sich hier auf das Attentat auf Leopold Wagner (1927–2008), SPÖ-Politiker und Kärntner Landeshauptmann (1974–1988), am 6. Oktober 1987. Bei der Feier des 40-jährigen Maturajubiläums im »Volkskeller« in Klagenfurt folgte sein ehemaliger Klassenkollege, der Lehrer Franz Rieser, Wagner mit einem Revolver auf die Toilette und stellte ihn zur Rede, weil er sich bei einer Postenvergabe übergangen fühlte. Als Wagner ihm die Waffe entreißen wollte, feuerte Rieser. Der Politiker überlebte schwer verletzt, zog sich aber ein Jahr darauf aus der Politik zurück. Rieser wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt und kam nach knapp drei Jahren frei.

Bild anzeigen

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInVerbrecherInEreignis

Gottfried von Einem (1918–1996), österreichischer Komponistmit ähnlich weiß gelocktem Kopfhaar und Bart wie Franz Rieser

Bild anzeigen

PersonMusikerInVerbrecherIn

Franz Rieser (1927–2007), Lehrer in Klagenfurt, der im Herbst 1987 ein Attentat auf den Kärntner Landeshauptmann Leopold Wagner verübte

PersonVerbrecherInPolitikerIn

Zitat aus der »Kurier«»-«Berichterstattung zum Mord im Hotel Mondschein: Der Mörder habe »im Zug bei Bruck/Mur Reisende bestohlen. [...] In Bernt Burchharts Handkoffer fanden sich neben Wäsche rund 20 verschiedene Führerscheine und Klubkarten.« (Gabriel 1987)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Weitere Bezüge auf widersprüchliche Berichterstattung: Laut »Kleine Zeitung« brach der Mörder in Pörtschach ein Auto auf (Kleine Zeitung 1987), laut »Kronen Zeitung« gestand Burchhart»in der Nacht vor dem Mord einem Arzt in Krumpendorf die Tasche gestohlen zu haben.« (Meissnitzer 1987) Zudem habe er zuvor versucht »ein Auto zu stehlen, ein Zimmer zu plündern«. (Gabriel 1987)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Johann Kowalczyk, Bekannter des Mörders, wird im »Kurier« zitiert: »Ich wollte schon die Gendarmerie informieren, als Burchhart dann aber zusammen mit Retzner ,Stellts meine Roß in Stall‘ sang, dacht ich nicht mehr an den Koffer. Wir alle hatten Tränen der Rührung in den Augen ...«. (Grolig/Wrussnig 1987)

PersonSchauspielerIn/RegisseurInVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Burchhart»hatte die letzten Stunden vor dem Mord in der Tabaris-Bar bei Sekt und mit Frauen verbracht.« (Gabriel 1987)

PersonVerbrecherIn

Der »Kurier« schreibt etwa von Burchhart als dem »angeblich schon 20mal psychiatrierte[n] Mörder«. (Gabriel 1987)

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Udo Proksch (1934–2001), »Freund der Mächtigen und Bonvivant« (Pretterebner 1987, 13), übernahm 1974 die Führung der Wiener »Hofkonditorei« Demel, wo er in der Folge seinen vor allem von sozialistischer Prominenz frequentierten »Club 45« betrieb. Von hier aus habe sich für Prokscheine »ideale Drehscheibe für den illegalen Waffenhandel« (Pretterebner 1987,88) ergeben, der Verteidigungsminister und ein leitender Geheimdienstbeamter waren Mitglieder in der »roten Loge«. 1977 sank der von ihm gecharterte Frachter »Lucona« nach einer Explosion, sechs Menschen starben. Erst 1992 wurde Proksch – nach der Aufdeckung durch den Journalisten Hans Pretterebner– dafür verurteilt, er starb in Haft.

Bild anzeigen

PersonVerbrecherInAutorIn/JournalistInEreignis

Anspielung auf Udo Proksch und die »Lucona«-Affäre. (s. Eintrag ›Industrieideologe‹)

PersonVerbrecherInMedien

Berliner Unterweltfigur, die Hinweise zur Aufdeckung des Schussattentats auf den Immobilienmakler Günter Schmidt im Jahr 1985 gab und damit die Korruptionsaffäre rund um Baustadtrat Antes (s. Eintrag ›Antes‹) ins Rollen brachte. Das Attentat auf Schmidt, das dieser schwer verletzt überlebte, wurde im Auftrag seines ehemaligen Geschäftspartners, des Rechtsanwalts Christoph Schmidt-Salzmann, verübt. Beide waren Kern einer berüchtigten »Sanierungsmafia« in Berlin (vgl. Rott 2009, 378).

TopographieOrtschaftPersonUnternehmerInVerbrecherInMedien

Tibor Foco (* 1956), ehemaliger Nachtklubbesitzer, 1987 wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt, begann während der Haft ein Jusstudium. 1995 flüchtete Foco während eines Studienausgangs aus der Haft in Linz, er lebt seitdem an einem unbekannten Ort und ist zur Fahndung ausgeschrieben. Das Bundeskriminalamt hat (Stand 2015) eine Belohnung von EUR 2900 für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung Focos führen. Foco flüchtete mit Motorrad, das ihm Komplizen zur Verfügung stellten. Foco war früher Motorrad-Straßenrennen gefahren, allerdings ohne nennenswerten Titel.

PersonVerbrecherInEreignis

Elfriede Hochgatterer, Prostituierte, mutmaßliches Mordopfer Focos

PersonVerbrecherIn

s. Eintrag ›Mundpflege‹

PersonVerbrecherInMedien

s. Eintrag ›Industrieideologe‹

Bild anzeigen

PersonVerbrecherInMedien

»Die Welt« schrieb anlässlich des von Klaus Croissant initiierten Besuchs von Jean Paul Sartre bei Andreas Baader von »Schmierentheater« und »Spektakulum«. (Zehm 1974)

PersonVerbrecherInAutorIn/JournalistInPolitikerInMedienZeitung/Zeitschrift

Klaus Croissant (1931–2002), Berliner Rechtsanwalt, Verteidiger von Ulrike Meinhof und Andreas Baader. Seine Kanzlei wurde zu einer Verbindungsstelle zwischen den Inhaftierten der RAF und den Helfern draußen. 1979 wurde Croissant wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er war später für die Westberliner Alternative Liste und anschließend für die PDS politisch aktiv. In den 1980er Jahren war Croissant inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, wofür er 1993 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. (vgl. Der Spiegel 2002)

Bild anzeigen

PersonVerbrecherInPolitikerIn

Jack Unterweger (1950–1994) wurde 1976 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis begann er zu schreiben und galt bald als »Häfenliterat«. 1990 wurde er aus der Haft entlassen, in der Folge gab es eine Serie von elf Prostituiertenmorden, 1994 wurde Unterweger vor Gericht für neun dieser Morde schuldig befunden. Da er nach der Verkündung des Ersturteils Selbstmord beging, wurde das Urteil nicht rechtsgültig.

PersonVerbrecherInEreignis

Venezulanischer Terrorist (* 1949), bekannt unter dem Namen »Carlos, der Schakal«, verantwortlich für zahlreiche Anschläge in den 1970er Jahren, u.a. maßgeblich an der Geiselnahme von Ministern der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) 1975 in Wien beteiligt; seit 1994 in Frankreich inhaftiert, mehrfach zu lebenslanger Haft verurteilt

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInEreignis

Damit gemeint ist Iljitsch Ramirez Sanchez.

PersonVerbrecherIn