»Das« Großelend: Bezeichnung des hinteren Maltatals in den östlichen Hohen Tauern; »der« Großelend: Großelendkopf (3317 m), der Hochalmspitze nördlich vorgelagert. Wenn sich Kofler bei der Auswahl der Berge auch auf die Topographie der Hohen Tauern in Oberkärnten und Osttirol konzentriert, hat er sich wohl an der Kuriosität oder Onomatopoesie der Namen orientiert.

TopographieBerg

Für ihre Eisrinnen und die »Felsgendarmen« (Blocktürme) am Grat bekannte vier Erhebungen (3117–3163 m) in der Schobergruppe

TopographieBerg

Höchste Erhebung der Goldberggruppe in den Hohen Tauern (3254 m)

TopographieBerg

Der sogenannte Rauchtopas ist kein echtes Topas-Mineral, sondern ein Rauchquarz.

Die Akelei gehört (wie die Türkenbund-Lilie) in Österreich zu den mittels Verordnungen der Landesregierungen »vollkommen geschützten« Wildpflanzen. Bei Koflers Schreibweise »Ackeley« dürfte es sich um einen Bezug auf das Kräuterbuch von Adam Lonitzers. Eintrag ›Kräuterbuch‹ handeln: »Ackeley […]. Ist ein bekannt kraut/hat bletter gleich d’Schelwurtz […] Heylet behend den bösen Grind am leib/mit Weyzenmehl unnd Weinsteinöl angestrichen. [/] Der safft mit essig vermischet/unnd das haupt damit gesalbet/vertreibt die schupen.« (Lonicerum 1573, CLXV verso)

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PersonAutorIn/JournalistInMedien

»Aconitum tauricum Wulfen«: vom Kärntner Botaniker Franz Xaver von Wulfen (1728–1805) im Jahre 1788 erstmalig beschriebenes und benanntes giftiges Hahnenfußgewächs, selten, geschützt

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1928 stellte die AEG (Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin) ein Großprojekt vor, in dem die abfließenden Gletscherwässer der Hohen Tauern durch ein 1200 km langes Hangkanalsystem gefasst und in Großspeichern gefasst werden. 1938 wurde dieses Projekt zu sechs Speichern erweitert, wobei der größte im Dorfertal bei Kals in Osttirol vorgesehen war. Von den in einer weiteren Variante vorgesehenen sieben Großspeichern wurde von der verantwortlichen Gesellschaft, den Alpenelektrowerken (AEW), während der NS-Zeit nur die Anlage in Kaprun begonnen. (vgl. Arbter 1987) Ab den 1950er Jahren wurden verschiedene Varianten projektiert und bis zum Bewilligungsverfahren vorbereitet, zuletzt ein von weitverzweigten »Beileitungen« versorgter Wasserspeicher im Dorfertal mit Kraftwerk in Matrei (»Projekt 1986«, vgl. Baier 1989). Das Projekt ließ sich politisch nicht durchsetzen, 1989 erklärte Wirtschaftsminister Robert Graf (ÖVP) das »Aus«. Das Kraftwerksprojekt Dorfertal-Matrei war mit ein Grund, warum Tirol als letztes der drei beteiligten Bundesländer den Nationalpark Hohe Tauern verwirklichte.

TopographieBergOrtschaftPersonPolitikerInEreignis

Tobias Reiser d. Ä. (1907–1974), Salzburger Volksmusiker und Brauchtumspfleger, »die herausragende Gestalt in der Geschichte der Volksmusik Österreichs im 20. Jahrhundert« (Deutsch 1997, 6), der ausgebildete Fleischhauer und Selcher musizierte von früh an in verschiedenen Formationen, gilt als Erfinder der »Stubenmusik«, er entwickelte ein chromatisches »Salzburger Hackbrett«; 1939 NSDAP-Mitgliedschaft, 1938–41 Beauftragter für die Volksmusik der Salzburger »Landesbauernschaft Alpenland«, in dieser Tätigkeit versuchte er, das »deutsche Wesen«, die Idee der »Volksgemeinschaft« mit der Pflege der Volksmusik zu verbinden (vgl. Deutsch 1997, 76f.), 1941–45 Kriegsdienst, Freistellungen für die Arbeit an »Kulturfilmen« über die Musik am Land und für Gastspielreisen. 1946 gründete er das heute noch bestehende »Salzburger Adventsingen« (damals noch nicht unter diesem Namen), 1946 übernahm er die Leitung des »Salzburger Heimatwerks« (1942–45 bestand bereits eine gleichnamige Institution).

PersonMusikerIn

Florian Köll (1934–2007), 1974–1989 ÖVP-Bürgermeister von Matrei in Osttirol

TopographieOrtschaftPersonPolitikerIn

»Windisch«: historische, auch pejorative gebrauchte Bezeichnung für die slowenische Sprache (in Österreich); hier als Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Nordtiroler Matrei am Brenner verwendet. 1922 beschloss der Gemeinderat die Umbenennung in»Matrei in Osttirol«.

TopographieOrtschaft

1984 wurde Matrei in Osttirol vom Europarat zur »Europagemeinde« gewählt und mit der Ehrenfahne des Europarats ausgezeichnet.

TopographieOrtschaft

Eduard Wallnöfer (1913–1989), 24 Jahre lang (1963–1987) Tiroler Landeshauptmann

PersonPolitikerIn

Werbespruch der Verbund-Gesellschaft, Österreichs größtem Stromerzeuger, aus der Mitte der 1980er Jahre. Nach dem Scheitern des Baus des Donaukraftwerks bei Hainburg1985 startete das Unternehmen eine Werbekampagne, die das ökologische Image von Flusskraftwerken heben sollte. Auf Plakaten wurden Vogelarten gezeigt, die an Stauseen heimisch geworden seien: Eisvogel, Graureiher, Reiherente.

TopographieOrtschaftMedienWerbung/InseratEreignis

Möglicherweise bezieht sich Kofler damit auf den Titel einer Rede von Chinas Vizeaußenminister und UNO-Delegationsleiter Ch’iao Kuan-hua auf der Plenartagung der 26. UNO-Vollversammlung im November 1971: »Die Welt wird unbedingt zum Fortschritt, zum Licht vordrängen und keinesfalls zur Reaktion, zur Finsternis« (Kuan-hua 1972). Kofler bezog zu dieser Zeit die »Peking Rundschau«, das offizielle deutschsprachige Organ der Kommunistischen Partei Chinas - die im Nachlass befindlichen Ausgaben beinhalten die Rede nicht (125/S17).

PersonPolitikerIn

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

s. Eintrag ›Tobias Reiser‹

PersonMusikerInMedien

Thomas Bernhard (1931-1989), österreichischer Schriftsteller

PersonAutorIn/JournalistIn

Künstlich aufgestauter Gebirgssee (2538 m) im Fleißtal oberhalb von Heiligenblut

TopographieOrtschaft

»Ein Landarzt«: Erzählung von Franz Kafka (1917 entstanden, 1918 veröffentlicht) bzw. Buch mit der Erzählung gleichen Titels und dreizehn weiteren Prosatexten (1920)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Pension am Iselsberg oberhalb von Lienz, die 1935 abbrannte. Die Familie Kofler urlaubte seit den 1960er Jahren am Iselsberg, Anfang der 80er Jahre errichteten Koflers Eltern dort ein Ferienhaus. 1999 vermerkt der »Gemeindebote Iselsberg/Stronach«in einer Chronik diesen Brand; der Ort trage seither die Bezeichnung »Brandstatt«. (Gemeindebote 1999, 12)

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TopographieBergOrtschaftMedienZeitung/Zeitschrift

Unter der Regie von Gustav Ucicky und mit Paula Wessely in der Hauptrolle stellt der Film »Das Herz muß schweigen« (1944) das Schicksal zweier Röntgen-Pioniere in den Mittelpunkt, die ein »Leben im Dienste einer großen Idee« führen und deren Forschungsarbeit, bei der sie ungeschützt Strahlung ausgesetzt waren, ihnen das Leben kostet – der Film »zeigt Vorbilder altruistischen Verhaltens« . ( Brecht/Loacker/Steiner 2014 , 378) Ob dies im Sinne des Regimes interpretiert wurde, blieb den Zuschauern überlassen.

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Der norwegische Schriftsteller Trygve Gulbranssen (1894–1962) veröffentlichte 1933–1935 die sogenannte »Björndal-Trilogie«, die zu einem der meistverkauften und -übersetzten Werke der norwegischen Literatur wurde. Der erste Teil wurde unter dem Titel »Und ewig singen die Wälder«von Paul May1959 verfilmt. Nach dem Erfolg dieses Films produzierte die Wiener Mundus-Film unter der Regie von Gustav Ucicky auch den zweiten Teil der Gulbranssen-Trilogie. »Das Erbe von Björndal« gilt als »unspektakuläre, aber effektive filmische Umsetzung«der literarischen Vorlage (Brecht/Loacker/Steiner 2014 , 491).

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PersonAutorIn/JournalistInSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/RadioZitate

Gustav Ucicky (1899–1961), Sohn von Gustav Klimt und seinem zeitweiligen Modell Maria Učická, österreichischer Kameramann und Regisseur, der als »routinierter Handwerker […] die Qualität seiner Arbeiten über alle Zäsuren und Systembrüche hinweg an die Anforderungen seiner Auftraggeber«anpasste. (Brecht/Loacker/Steiner 2014, 8) In der NS-Zeit führte er bei insgesamt 16 Filmen Regie (vgl. Klee 2009, 561f.), darunter viele eindeutige Propagandafilme – berüchtigt ist der nationalsozialistische Hetzfilm »Heimkehr« (1941) mit Paula Wesselyin der Titelrolle. Nach 1945 drehte er vornehmlich Heimatfilme, beginnend mit »Singende Engel « (1947), einem Film über die Wiener Sängerknaben.

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PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Die Begriffe »Absicht«und »Zweck«spielen in Immanuel Kants Werk in Bezug auf die Natur eine große Rolle. In seiner »Kritik der Urteilskraft« (1790) legt Kant Natur entsprechend der Teleologie so dar, »als ob die Zweckmäßigkeit in ihr absichtlich sei« (Kant 2000a, § 68, 201), wobei diese »Absicht«in Analogie zu einer verstandesgelenkten Absicht gedacht wird: »Naturzweck«sei jene Verknüpfung von Ursache und Wirkung, bei welcher die Ursache, soKant in »Die Metaphysik der Sitten« (1797), »auch ohne ihr dazu einen Verstand beizulegen, doch nach der Analogie mit einem solchen«, als »gleichsam absichtlich«etwas hervorbringend, begriffen wird.(Kant 2000b, MST § 7, 654)

PersonPhilosophInZitate

1987 wurde am Wurtenkeesam Fuße des Schareckin der Gemeinde Flattachein Sommerskigebiet errichtet, mit der Inbetriebnahme ging die Umbenennung in »Mölltaler Gletscher«einher. Das geschah nicht zuletzt aus Imagegründen, war doch die Bezeichnung Wurtenkees mit den starken Protesten vor allem des Österreichischen Alpenvereins gegen das Projekt, die mit einem starken medialen Echo einhergingen, verknüpft. 1985etwa schrieb das Nachrichtenmagazin »profil«, bezugnehmend auf die erfolgreichen Proteste gegen ein Donaukraftwerk bei Hainburgim Jahr zuvor, von einem »Hainburg am Gletscher«. 1997 ermöglichte die Errichtung einer Stollenbahn den Ganzjahresbetrieb. (vgl.Lamprechter 2006)

TopographieBergOrtschaftMedienZeitung/ZeitschriftEreignis

Rudolf Streicher (* 1939), Manager in der Metall- und Autoindustrie, 1986–1992 Minister der SPÖ für Öffentliche Wirtschaft und Verkehr.

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PersonPolitikerInMedien

Abwandlung des Spruchs des ehemaligen SPÖ-Bundeskanzlers Bruno Kreisky, dass ihm »einige hundert Millionen mehr Schulden weniger Kopfzerbrechen bereiten als einige tausend mehr Arbeitslose« (Fischer 1994, 8). Die Sentenz wird in mehreren Versionen kolportiert, etwa auch: »Ein paar Milliarden mehr Schulden bereiten mir weniger schlaflose Nächte als ein paar hundert Arbeitslose.« (Dahlke 2011, 173) Oder: »Und wenn mich einer fragt, wie denn das mit Schulden ist, dann sag ich ihm das, was ich immer sage, und zwar, dass mir ein paar Milliarden Schulden weniger schlaflose Nächte bereiten als ein paar hunderttausend Arbeitslose mir bereiten würden.« (profil 2015)

PersonPolitikerIn

Konkrete Pläne zur Errichtung eines streng geschützten Landschaftsteils in den Ostalpen gibt es seit ca. 1910. Erst in der »Vereinbarung von Heiligenblut« 1971 konnten die rechtlichen und topographischen Grundlagen eines Nationalparks in Kärnten, Tirol und Salzburg festgelegt werden. Die Umsetzung stieß auf zahlreiche Schwierigkeiten, vor allem in Osttirol kam es zum »Widerstreit zwischen Naturdenkmal und Hoffnungsgebiet für die Energiewirtschaft« (Floimair/Retter 1985, 50). Kärnten erklärte 1980 einseitig Teilgebiete zum Nationalpark, 1983 folgte Salzburg, Tirol erst 1992. Mit der »Dreiländervereinbarung«, einem »Staatsvertrag zwischen den drei Ländern und dem Bund« (Kupper/Wöbse 2013, 144), wurde der Bestand des Nationalparks Hohe Tauern 1994 endgültig rechtlich abgesichert.

TopographieOrtschaftBerg

Die Bezeichnung »sanfter Tourismus«wurde erstmals 1980 durch den Zukunftsforscher Robert Jungkeinem größeren Leserkreis bekannt gemacht, Jungk veröffentlichte in der Zeitschrift »GEO « (Nr. 10/1980) die Kontrastliste »Hartes Reisen – Sanftes Reisen«: »Massentourismus / Einzel-, Familien- und Freundesreisen // Wenig Zeit / Viel Zeit // […] ,Sehenswürdigkeiten‘ // Erlebnisse« (Broggi 1985, 19). Eine der ersten Definitionen stammt vom österreichischen Geograph Arthur Spiegler: »Sanfter Tourismus ist jene Form des Urlaubs- und Reiseverhaltens, bei der sich sowohl der Gast als auch der Gastgeber der Natur gegenüber verträglich verhalten. Mechanische Transportmittel, wie sie für den Massentourismus charakteristisch sind, treten in den Hintergrund, oft wird aus sie gänzlich verzichtet, und die Bewegung aus überwiegend eigener Kraft tritt in den Vordergrund.« (Spiegler 1984)

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Kofler spielt hier womöglich auf die »Berichte von Hinze und Kunze« (1983) s. Eintrag ›Dichter Hintze und Kunze‹ des deutschen Schriftstellers und Dramatiker Volker Braun (* 1939) an.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

»An der Baumgrenze« : Erzählung von Thomas Bernhard , erstmals 1967 in der Zeitschrift »Jahresring«, 1969 in einem Band mit Erzählungen publiziert

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

Anspielung auf Franz Vranitzky (* 1937), SPÖ-Politiker, ab 1976 in diversen österreichischen Banken in leitender Funktion tätig. 1984 Ernennung zum Finanzminister im Kabinett Sinowatz, nach dessen Rücktritt nach der Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsident im Juni 1986 wurde er Bundeskanzler, im November des Jahres gab es Neuwahlen, Vranitzky wollte die Koalition mit der FPÖ unter dem neuen Parteiobmann Jörg Haider nicht fortführen. Die Besteigung von Österreichs dritthöchstem Berg, dem Großvenediger (3666 m), Ende August 1986 war Teil einer Imagekampagne im Vorfeld des Wahlkampfes. Ein Reporter der »Kronen Zeitung« war Teil der Seilschaft, Vranitzky erwies sich als »konditionsstarker Bergsteiger«. (Kindermann 1986)

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TopographieBergPersonPolitikerInMedienZeitung/ZeitschriftEreignis

Helene von Damm (* 1938 als Helene A. Winter in Ulmerfeld,Oberösterreich), 1959 Auswanderung in die USA, Assistentin von Ronald Reagan, 1983–1985 US-Botschafterin in Wien, 1985 heiratete sie Peter Gürtler, den Besitzer des Hotels Sacher in Wien.In ihrer Autobiographie wird die Besteigung des Großglockners auf das Jahr 1984datiert. (vgl. Damm 1987, Abb. 18) Ihre mit viel Publizität verbundene diplomatische Tätigkeit bezeichnete Damm als »public diplomacy«, die Ersteigung des Großglocknersfand ihr Echo bis in die »New York Times«. (Markham 1985)

TopographieBergOrtschaftPersonPolitikerInUnternehmerInMedienZeitung/ZeitschriftEreignis

Der Familienbetrieb Piz Buin erzeugte in Vorarlberg ab den 1950er Jahren Kosmetika, 1962 brachte das Unternehmen als erster Anbieter Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor auf den Markt und wurde damit zum Inbegriff für Bräune, in den 80er Jahren warb die Firma mit viel nackter, gebräunter Haut. 1989 wurde die Firma an den Konzern Johnson & Johnson verkauft, die Marke blieb bestehen. (vgl. Feurstein 2015)

MedienWerbung/Inserat

Im Vorfeld der Nationalratswahl am 17. November 1986 warben im Rahmen des Personenkomitees »Österreicher für Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky« auch Schriftsteller für eine Fortsetzung der Kanzlerschaft Vranitzkys, der na ch dem Rücktritt von Bundeskanzler Sinowatz im Zuge der »Waldheim-Affäre« seit 16. Juni Regierungschef war. Der Unterhaltungsschriftsteller Johannes Mario Simmel (1924–2009) sowie der im englischen Exil lebende »unorthodoxe Marxist« Erich Fried (1921–1988), der sich auch als Friedensaktivist betätigte (u.a. »Kalender für den Frieden«, Fried 1984), beteiligten sich an dieser Kampagne. Im Kofler-Nachlass sind beide Inserate vorhanden, der Text bezieht sich auf den durch die »Waldheim-Affäre« ramponierten »Ruf Österreichs in der Welt« (Inserat Simmel: »Vranitzky wird den guten Ruf Österreichs in der Welt wieder herstellen. Wer ein offenes, fortschrittliches Österreich will, mußVranitzky wählen.« Inserat Fried: »Nur ein Wahlsieg Vranitzkys und der SPÖ kann den in der Welt schwankenden Ruf Österreichs wieder herstellen und zugleich im Land selbst soliden Fortschritt erleichtern«) (11/W7/1).

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PersonPolitikerInAutorIn/JournalistInZitateEreignis

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

Seit 1935 bestehende »Glockner Sesselfabrik« im Oberkärntner Flattach, Ortsteil Außerfragant (www.stuehle.cc)

TopographieOrtschaft

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

Robert Rogner (* 1941), Kärntner Baumeister, ab 1969 Ausführung von Großprojekten vor allem in der Fremdenverkehrsbranche (Appartementhäuser, Feriendörfer), 1995 Einstieg in den Thermenbereich, 2004 Übergabe der Unternehmensleitung an die beiden Kinder. Bekannt wurde der »Baulöwe« 1981 auch durch den Erwerb des Mittagskogels, eines markanten Bergs der Karawanken (angeblich ein Geschenk an seine Frau als Jagdrevier; vgl. Grotte 2011). 2014 übergab er diesen Grundbesitz dem Land Kärnten und ließ ihn als Naturschutzgebiet widmen.

TopographieBergPersonUnternehmerIn

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

Die nicht zuletzt durch Auftritte in zahlreichen Hollywood-Filmen weltweit bekannte Waffe wurde von Gaston Glock (* 1929) entwickelt. 1963 gründete er im niederösterreichischen Deutsch-Wagram eine erste Produktionsstätte, der Stammsitz befindet sich in Velden am Wörther See. Glock bestritt stets – teils auf juristischem Weg –, dass er die FPÖ und den Kärntner LandeshauptmannJörg Haider unterstütze. »Klar ist dennoch, dass Glock und Haider ein Naheverhältnis pflegen bzw. pflegten.« (Maierbrugger 2004)

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TopographieOrtschaftPersonUnternehmerInPolitikerInMedien

s. Eintrag ›Klammerköpfe‹

TopographieBergMedien

1985 lanciertes Projekt des Bauunternehmers Robert Rogner, in Villach (am Gailspitz bei der Einmündung der Gail in die Drau) eine riesige Kugel zu bauen, in der man eine Liliputbahnfahrt durch die Menschheitsgeschichte (»Geschichte, wie sie wirklich war«, Mnemosyne 1989, 4) unternehmen kann. Das Projekt wurde – auch wegen der von einer Bürgerinitiative getragenen Proteste gegen die »radikal simplistische Aufbereitung von Geschichte« (Mnemosyne 1989, 7) – nicht realisiert. Das »History Land« sollte dann, so Rogners kurzfristiger Plan 1988, in dem nicht in Betrieb genommenen Atomkraftwerk Zwentendorf realisiert werden. Kofler hat das Motiv der »Begehbarkeit von Geschichte« im Abschnitt der Führung durch das »Museum der deutschen Geschichte« verarbeitet.

TopographieOrtschaftPersonUnternehmerInEreignis

»Die stammesgeschichtliche Entwicklung der Lebewesen entweder in ihrer Gesamtheit oder (meist) bezogen auf bestimmte Verwandtschaftsgruppen« (Kompaktlexikon der Biologie 2001)

Höheren Bundes- und Landesbeamten wird in Österreich ab einer gewissen Gehaltsstufe der Amtstitel »Hofrat« verliehen. Man bezeichnete diese Hofräte als »Wirkliche Hofräte«, um sie von den ehrenhalber verliehenen Titeln zu unterscheiden (»Titularhofrat«). Der Zusatz wurde auf Bundesebene bei einer Reform der Amtstitelordnung abgeschafft.

»Realitätsprüfung« ist »ein von Freud postulierter Vorgang, der es dem Subjekt ermöglicht, die aus der Außenwelt stammenden Reize von inneren zu unterscheiden und einer möglichen Verwechslung zwischen dem, was das Subjekt wahrnimmt, und dem, was es sich lediglich vorstellt, zuvorzukommen, einer Verwechslung, die der Halluzination zugrunde liegt«. (Laplanche/Pontalis 1973, 431)

PersonAutorIn/JournalistIn

Koflers Verleger Klaus Wagenbach lehnte das Manuskript zu »Am Schreibtisch« zur Drucklegung ab. Den Brief vom 30. August 1987, in dem er die Ablehnung des Textes begründet, beschließt er mit den Worten: »Lieber Werner, offen und als langjähriger Freund gesprochen: mach endlich eine Entziehungskur. [/] Herzlich Dein Klaus«. ( Amann 2000, 143)

Ereignis

Zitat aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper »Die Zauberflöte«, 2. Aufzug, 28. Auftritt: »Die Geharnischten: Der welcher wandert diese Straße voll Beschwerden, [/] Wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden. [/] Wenn er des Todes Schrecken überwinden kann, [/] Schwingt er sich aus der Erde himmelan! [/] Erleuchtet wird er dann imstande sein [/] Sich den Mysterien der Isis ganz zu weihn. –« (Assmann 2012, 122).

PersonMusikerInMedienMusik

Kofler zitiert hier wortwörtlich eine Zeitungsanzeige der Fleischhauerei Obernosterer aus dem Jahre 1987 (11/W7/1). 1992 stellte die Fleischhauerei ihren Betrieb ein.

MedienWerbung/Inserat

Peter Turrini (* 1944), österreichischer Schriftsteller, der v.a. zur Zeit der Kanzlerschaft Bruno Kreiskys (1970–1983) der Sozialdemokratie nahe stand. Die SPÖ konnte damals u.a. mit kulturpolitischen Maßnahmen, wie etwa der Einrichtung eines Sozialfonds für AutorInnen, viele KünstlerInnen für sich gewinnen, die auch offen für Kreisky und seine Politik auftraten. Turrini verfasste gemeinsam mit Gerhard Roth die Texte zu einem Fotoband aus Anlass von Kreiskys 70. Geburtstag im Jahr 1981. (vgl. Müller 1981)

PersonAutorIn/JournalistInPolitikerInEreignis

Mario Ferrari-Brunnenfeld (1932–2001), Kärntner Arzt und Politiker, ab 1975 Kärntner Landtagsabgeordneter, 1983–1987 Gesundheitsstaatssekretär. 1976machte er als FPÖ-Landesparteiobmann Jörg Haiderzum Kärntner FPÖ-Landesgeschäftsführer, zu einem Zeitpunkt, als der 26-jährige Haider sich als jüngstes Mitglied des Bundesparteivorstands in Wien Feinde gemacht hatte. (vgl. Zöchling 1999, 101) In einer Vorstufe zu »Am Schreibtisch«schreibt Kofler von einer physiologischen Ähnlichkeit zwischen Ferrari-Brunnenfeld und Turrini: »dieser (fette) ferrari [...] mit seinen kritischen glotzaugen etwa, den ich immer mit dem staatssekretär turrini verwechsle, gut, beide haben ein feistes gesicht u kommen aus der klagenfurter gegend (beide haben diese fett(ig)e, erdige stimme)« (11/W7/2).

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInAutorIn/JournalistInEreignis

Wendelin Schmidt-Dengler (1994, 299) erkennt hier einen Bezug zur Identitätsproblematik in Max Frischs Roman »Stiller« (1954), die bereits im ersten Satz angesprochen wird: »Ich bin nicht Stiller!« (Frisch 1996, 7) Turrinis. Eintrag ›Turrini‹

PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

Abgewandeltes Zitat aus Samuel Becketts Roman »Molloy«: »Ein Zahnarzt ist so gut wie der andere, sagte ich.« (Beckett 1976 , 143)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Durch gestörten Gasaustausch in den Lungenbläschen bedingte Form der Überblähung der Lunge, bei der Lungenbläschen zu bis zu 1 cm großen Blasen verschmelzen

Fritz Wunderlich (1930–1966), deutscher Opernsänger, ab 1960 Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper München, ab 1964 internationale Engagements, u.a. an der Wiener Staatsoper, den Salzburger Festspielen. Zwei Wochen vor seinem Tod sang er in Edinburgh jene Rolle, mit der er bekannt geworden war: den Taminoin Mozarts »Zauberflöte«, er starb an den Verletzungen eines Treppensturzes während eines Jagdaufenthaltes in der Nähe von Karlsruhe (vgl. Grieser 1999, 230ff.).

PersonMusikerInMedienMusik

»Freischütz«: 1821 uraufgeführte Oper von Carl Maria von Weber (1786–1826), Libretto von Johann Friedrich Kind (1768–1848). Im »Jägerchor« besingen Jäger die Freuden der Jagd: »Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen? [/] Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich? [/] Beim Klange der Hörner im Grünen zu liegen, [/] Den Hirsch zu verfolgen durch Dickicht und Teich, [/] Ist fürstliche Freude, ist männlich Verlangen, [/] Erstarket die Glieder und würzet das Mahl« (von Weber 1872, 18).

PersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienMusik

Im sogenannten Trinklied in Giuseppe Verdis Oper »Otello« (1887 uraufgeführt) macht Jagoseinen Vorgesetzten, den Hauptmann Cassio, betrunken: »Chi all’esca ha morso [/] Del ditirambo [/] Spavaldo e strambo [/] Bevea con te.« (»Wer in den Köder [/] Des wilden und wundersamen [/] Dithyrambus gebissen hat, [/] Der trinkt mit dir.« (Csampai/Holland 1981, 56f.)

PersonMusikerInMedienMusik

Anspielung auf die Sorgfaltspflicht nach § 347 I des Deutschen Handelsgesetzbuchs: »Wer aus einem Geschäft, das auf seiner Seite ein Handelsgeschäft ist, einem anderen zur Sorgfalt verpflichtet ist, hat für die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns einzustehen.«

Deutsche Band, deren Geschichte 1980 mit einem Auftritt in dadaistischer Manier beginnt. Auf ihren frühen Alben werden etwa eine alte Waschmaschine, ein Vorschlaghammer, eine Bohrmaschine oder Kettensägen zu Instrumenten; mit dieser Geräuschästhetik galt die Band rasch als »Avantgarde«. Auch die etablierte Kunstszene interessierte sich für die Gruppe, sie nahm an der Documenta in Kassel teil und kooperierte in Theaterproduktionen u.a. mit Regisseur Peter Zadek und Autoren wie Heiner Müller oder Werner Schwab.

PersonMusikerInSchauspielerIn/RegisseurInAutorIn/JournalistIn

Vermutlich Anspielung auf Alfred Hitchcocks Film »North by Northwest« (1959, dt. »Der unsichtbare Dritte«), in dem der Regisseur das Thema der verlorenen Identität variiert, wobei die Verwechslung mit einer fiktiven Person zusätzlich für Irritationen sorgt.

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Wahrscheinlich Verweis auf ein Statement des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl im Rahmen der Waldheim-Affäre, bei dem er im Österreichischen Rundfunk als »Privatmann« Partei für Kurt Waldheim ergriff und von der »Arroganz der Spätgeborenen«, die sich gegen den Präsidentschaftskandidaten gerichtet habe, sprach. Medienberichte fokussierten in der Folge auf den Begriff (vgl. Staberl 1986).

PersonPolitikerIn

Beginn von Friedrich Hölderlins Hymnus »Patmos«»« (erste Fassung): »Nah ist [/] Und schwer zu fassen der Gott. [/] Wo aber Gefahr ist, wächst [/] Das Rettende auch.« (Hölderlin 1992, 447)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Friedrich Nietzschespricht in »Götzendämmerung« von einem »inneren Feind« (Kap. 7, »Moral als Widernatur«): »Nicht anders verhalten wir uns gegen den ,inneren Feind‘: auch da haben wir die Feindschaft vergeistigt, auch da haben wir ihren Werth begriffen.« (Nietzsche 1999, 84)

PersonPhilosophInZitate

Sud von der Wurzel der Teufelskralle, »Harpagophytum procumbens«, Zuschreibung von appetit- und verdauungsanregender, für die Gallesekretion stimulierender und entzündungshemmender Wirkung. Die Pflanze stammt aus dem Kalahari-Gebiet, das teilweise in Namibia, von 1884–1915 »Deutsch-Südwestafrika«, liegt.

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Medien

Kofler war laut Auskunft des Leiters des Literaturhauses Berlin Ernest Wichner, der auch damals schon im Haus war, im Zeitraum 1986/87 aus Anlass von Lesungen zu Gast und übernachtete in den dafür vorgesehenen Appartements. (Januszewski 2015)

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TopographieOrtschaftEreignis

Jolyon Brettingham Smith (1949–2008), britischer Musiker und Komponist, Radiomoderator, ab 1976 unterrichtete er an der Hochschule der Künste in Berlin.

PersonMusikerIn

Die für die Krimiserie »Tatort«»«verantwortliche Redaktion im Österreichischen Rundfunk startete zu Beginn der 1980er Jahre den Versuch, österreichische Schriftsteller an der Konzeption und Drehbuchgestaltung von »Tatort-«Folgen zu beteiligen. Umgesetzt wurden schließlich nur Drehbücher von Ernst Hinterberger und Alfred Paul Schmidt. Ernst Petz, dem zuständigen Redakteur, gelang es nicht, Werner Kofler zu einer Beteiligung zu überreden. (Petz 2015) Das Ansinnen des ORF floss aber in ein Hörspiel Koflers ein: »Treatment oder (Wie) ein Tatort entsteht. Mein Name ist Schmidt. Ich komme wegen der Miete. Ein Hörspiel 1985. « (11/W29) Das Hörspiel wurde nicht produziert. Der Name Schmidt könnte auch auf Koflersdamaligen Lektor im Rowohlt-Verlag, Delf Schmidt, verweisen.

PersonAutorIn/JournalistInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Der Münchner Verleger Klaus G. Renner kündigt im Dezember 1986 in einem Brief an Kofler eine für Frühjahr 1987 geplante Sammlung von Texten mit dem Titel »Der wilde Jäger« (einem Libretto Franz Grillparzers folgend) an und lädt Kofler zur Mitarbeit ein. In seinem Schreiben nennt er auch das »Umfeld«, das heißt die Namen der anderen BeiträgerInnen, u.a. H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Konrad Bayer, Franz Grillparzer, Friederike Mayröcker, Gerhard Rühm. Am Brief finden sich Markierungen von Kofler und die Notiz: »ah, ich erledige sie alle«. (11/W7/2) Darauf basiert das mit 17. Dezember 1986 datierte Gedicht »Der Wilde Jäger, prompt«. (Kofler 1994, 7)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Gerhard Lampersberg (1928–2002), österreichischer Komponist, Autor und Mäzen. Ab Mitte der 1950er Jahre bot der »Tonhof« in Maria Saal (Kärnten), den die Familie seiner Frau Maja erstanden und renovieren lassen hatte, SchriftstellerInnen Wohn- und Arbeitsmöglichkeit, u.a. H.C. Artmann, Peter Turrini (s. Eintrag ›Turrini‹) und Thomas Bernhard (s. Eintrag ›Th. Bernhard‹). Lampersberg war Vorlage für die Figur des Komponisten Auersbergerin Bernhards Roman »Holzfällen« und löste, weil Lampersberg juristisch gegen das Erscheinen des Buches vorging und eine Beschlagnahme erwirkte, 1984 einen der prominentesten Literaturskandale Österreichs aus.

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TopographieOrtschaftPersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienZitateEreignis

»Auslöschung. Ein Zerfall« (1986): Roman Thomas Bernhards

PersonAutorIn/JournalistInZitate

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

s. Eintrag ›Rogner‹

PersonUnternehmerInMedien

Horst Schiesser (* 1930), ehemaliger Inhaber eines Backwarenunternehmens, das mit der Tochterfirma »Geschi-Brot« u.a. den Discounter Aldi belieferte. 1986, damals Marktführer, sorgte Schiesser für Schlagzeilen mit dem Erwerb des gewerkschaftseigenen Immobilienkonzerns »Neue Heimat« mit rund 190.000 Wohnungen und 17 Milliarden Mark Schulden um den symbolischen Preis von 1 DM. Nach sechs Wochen musste er den Kauf rückabwickeln, da die Banken seine Sanierungspläne nicht unterstützten. Schiesser blieb weiterhin der »bunte Vogel unter den Unternehmern« (»Der Spiegel« 32/1997) mit teils absurden Geschäftsideen, bis das Backwarenunternehmen 1997 Konkurs anmelden musste. (vgl. Austilat 2006)

PersonUnternehmerInEreignis

Wolfgang Antes (* 1944), deutscher CDU-Politiker, war seit 1981 Baustadtrat des Berliner Bezirks Charlottenburg und 1986in einen großen Korruptionsskandal (»Antes-Skandal«) involviert: Antes hatte sich bei der Vergabe der Pacht eines Lokals mit 50.000 DM bestechen lassen (von einem Bordellbetreiber namens Otto Schwanz, s. Eintrag ›Otto Waldemar Schwanz‹) und mit einem Teil des Geldes Beiträge von CDU-Karteileichen ohne deren Wissen bezahlt, um sich zusätzliche Stimmen und somit seine Stellung innerhalb der CDU zu sichern. Im Laufe des Prozesses wurden noch weitere Bestechungen innerhalb der Immobilienbranche aufgedeckt. (vgl. Sontheimer/Vorfelder 1986)

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInVerbrecherInMedienEreignis

Otto Schwanz (1940–2003), Berliner Bordellbetreiber und CDU-Mitglied, wurde im Zuge des Berliner Korruptionsskandals rund um Baustadtrat Wolfgang Antes 1987 wegen Bestechung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherIn

Dietmar "Lackschuh« Traub (1949–1984), 1984ermordet von Werner Pinzner, der wegen seiner Auftragsmorde im Hamburger Rotlichtmilieu als »St.Pauli-Killer« bekannt wurde. Traub betrieb gemeinsam mit dem Kärntner Josef Nusser (»Wiener-Peter«), der als HauptauftraggeberPinzners galt, ein Bordell und war in diverse Rauschgiftgeschäfte verwickelt. Pinzner erschoss schließlich während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den Staatsanwalt, seine eigene Frau und sich selbst und ging damit in die Geschichte spektakulärer Kriminalfälle der BRD ein. (vgl. Harrich-Zandberg 2004)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInEreignis

Anspielung auf Benito Mussolinis Machtergreifung in Italien, die man auch als »Marsch auf Rom« (»Marcia su Roma«) bezeichnet. In den letzten Oktobertagen 1922 mobilisierte Mussolini seine faschistischen Anhänger, wegen des schlechten Wetters machten sich allerdings keine Massen an »Schwarzhemden« auf den Weg nach Rom – Mussolini selbst reiste im Zug an. Am 31. Oktober wurde er als Ministerpräsident vereidigt.

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInEreignis

Jörg Haider (s. Eintrag ›Landesverweser‹), auf den hier angespielt wird, war ein Wahlkärntner, stammte aus Oberösterreich. Während des »Dritten Reichs« wurde Kärnten als deutsches Grenzland stilisiert (z.B. »Grenzlandtheater«, s. Eintrag ›Grenzlandtheaterzauberflöte‹).

PersonPolitikerInMedien

1986 bekam Jörg Haider vom Südtiroler Unternehmer Wilhelm Webhofer, seinem Großonkel, dessen 1565 Hektar großen Landbesitz im Kärntner Bärental geschenkt (geschätzter Verkehrswert 1986: 150 Millionen Schilling, ca. 11 Millionen Euro; vgl. Weber 1986, 56f.) Das Jagdrecht und den Fruchtgenuss behielt sichWebhofer bis zu seinem Ableben vor. Er hatte das Tal 1941 erworben, einen ehemals jüdischen Besitz, der mit seinem Geld »entjudet« wurde. Die Bedingung der Nationalsozialisten damals war, das »Deutschtum« in diesem slowenischsprachigen Teil Kärntens hochzuhalten. Als Reaktion auf die Aktivität von Partisanengruppen vertrieben die Nationalsozialisten slowenische Familien systematisch aus Südkärnten, diese Aussiedlungsaktionen verhalfen Haiders Großonkel zum Erwerb des Bärentals (vgl. Zöchling 1999, 19 u. 97). Bald nach dem Erhalt des Bärentals beendete im Mai 1986 der Kärntner FPÖ-Landesparteiobmann Haider die Zusammenarbeit mit dem damaligen FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Steger. Sowohl in Thomas Bernhards »Auslöschung« als auch in »Ungenach«spielt das Motiv der Abschenkung eine Rolle. Mit dem Beschenken geht der Versuch der Protagonisten einher, das eigene Erbe zu überwinden, sich von der Vergangenheit zu befreien. Die Forschung hat diese Wiedergutmachungsgeste ambivalent beurteilt, die Last der Geschichte, so der Tenor, lasse sich nicht so einfach tilgen. (vgl. Delms-Derfert 1997, 83–85; Judex 2010, 131)

PersonPolitikerInSchauspielerIn/RegisseurInAutorIn/JournalistInZitateEreignis

1966gewann Haiderals 16-Jähriger einen Redewettbewerb im Rahmen eines Bundesturnfests des Österreichischen Turnerbunds in Innsbruck. Dieser erste öffentliche Auftritt wird immer wieder erwähnt, da Haider in seiner Rede die Zugehörigkeit der Österreicher zum deutschen Volk erklärte. Die Rede wurde in der »Deutschen National- und Soldatenzeitung« abgedruckt (29. 7. 1966) und basierte auf den Erläuterungen zum freiheitlichen Parteiprogramm aus dem Jahr 1958. (vgl. Zöchling 1999, 28)

PersonPolitikerInMedienZeitung/ZeitschriftEreignis

»profil« -Chefredakteur Helmut Voskabeginnt 1985 ein Interview mit Jörg Haider, das sich zentral der Haltung Haiders zum Nationalsozialismus widmet, mit folgender Frage: »Sitz’ ich noch jenem Jörg Haider gegenüber, der mir vor Jahren erklärte, ein ehemaliger SS-Mann hätte nichts an der Spitze einer demokratischen Partei zu suchen, einem Haider, denBruno Kreiskyeinen ,echten Liberalen‘ nannte, oder sitzt mir die Reinkarnation eines HJ-Rotzbuben des Jahres 1938 gegenüber?« (Voska 1985, 18)

PersonAutorIn/JournalistInPolitikerInMedienZeitung/Zeitschrift

Im Alter von 22 Jahren, als er bereits im »Ring Freiheitlicher Jugend« aktiv war und mediale Inszenierungen für sich entdeckte, begann Haider Pfeife zu rauchen. Es ging ihm dabei um Imagebildung und Unverwechselbarkeit. (vgl. Zöchling 1999, 83)

PersonPolitikerIn

Kofler spielt hier auf Jörg Haider und Hans Haider an. Ersterer (1950–2008) war ein österreichischer Politiker, der ausgebildete Jurist wurde 1976 FPÖ-Landesparteisekretär in Kärnten, 1979 Nationalratsabgeordneter, 1986–2000 war er Vorsitzender der FPÖ, 2005 Mitbegründer des »Bündnis Zukunft Österreich« (BZÖ), 1989–1991 und 1999–2008 Kärntner Landeshauptmann. Hans Haider (* 1946), österreichischer Literaturkritiker, 1974–2008 für die Tageszeitung »Die Presse«tätig, brachte 1984den Skandal um Thomas Bernhards »Holzfällen« ins Rollen, weil er in seinem Rezensionsexemplar noch vor Auslieferung der Bücher bekannte Wiener Persönlichkeiten zu erkennen glaubte, u.a. Gerhard Lampersberg (s. Eintrag ›Lampersberg‹), den er daraufhin kontaktierte und der eine einstweilige Verfügung gegen das Buch erreichte.

PersonPolitikerInAutorIn/JournalistInMusikerInMedienZeitung/ZeitschriftZitateEreignis

Zitat aus Bertolt Brechts Gedicht »Lob der Dialektik« (1934): »Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich! [/] Wer verloren ist, kämpfe! [/] Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein? Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen [/] Und aus Niemals wird: Heute noch!« (Brecht 1988a, 238)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Umkehrung der vor allem von autonomen AktivistInnen eingesetzten Parole unklaren Ursprungs: »Wer begriffen hat und nicht handelt, der hat nicht begriffen.« (vgl. Howald 1981, 137)

Methode der Geschichtswissenschaften, die darauf abzielt mittels mündlicher Auskünfte von Zeitzeugen die subjektive Erfahrung einzelner Menschen zu erfassen. Bereits in den 1930ern auf Basis sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschungsmethoden entstanden, erlangte sie vor allem im Zusammenhang mit dem Historikerstreit(s. Eintrag ›Geschichte als Erlebnisraum‹) größere Aufmerksamkeit.

Medien

Der seit Anfang der zwanziger Jahre projektierte Straßenbau wurde ab 1930 von Norden (Fusch) und Süden (Heiligenblut) hier begonnen, die beiden Rampen waren 1932 fertiggestellt. Die Errichtung der Scheitelstrecke über das Hochtor (2504 m) verzögerte sich wegen Kostenüberschreitungen und Finanzierungsschwierigkeiten; die »Großglockner Hochalpenstraße« wurde schließlich im August 1935 als Prestigeprojekt des austrofaschistischen Regimes eröffnet. (vgl. Rigele 1998)

TopographieOrtschaftBergEreignis

Währender der NS-Herrschaft verächtliche Bezeichnung für die Zeit der Weimarer Republik (Deutschland) bzw. des Austrofaschismus (Österreich 1933–1938), in der die NSDAP verboten war (vgl. Schmitz-Berning 2000, 598f.)

Ereignis

Das Klagenfurter Café Lerch war vor 1938 ein beliebter Treffpunkt für Anhänger und Mitglieder der während des Austrofaschismus verbotenen NSDAP. Auch Ernst Lerch (1914–1997), der Sohn des Lokalbetreibers, war ein »Illegaler«, ab 1934 war er Mitglied der SS. Nach dem »Anschluss« wurde er Adjutant und Büroleiter Odilo Globocniks (s. Eintrag ›Globotschnigg‹) und war mitverantwortlich für die Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung des »Generalgouvernements« Polen; 1943 folgte er Globocnik in die »Operationszone Adriatisches Küstenland«. Nach Kriegsende floh Lerch aus britischer Gefangenschaft und versteckte sich. Lerch konnte 1950 das Lokal seines Vaters übernehmen und als beliebtes »Tanzcafé« etablieren. Zwei gegen Lerch angestrebte Prozesse führten zu keiner Verurteilung.

TopographieOrtschaftPersonNationalsozialistInMedien

Odilo Globocnik (1904–1945) kam 1918 mit seiner Familie nach Klagenfurt. Er übernahm in Kärnten führende Tätigkeiten während der Zeit der Illegalität im Austrofaschismus. Nach dem »Anschluss« war er Gauleiter in Wien, 1939 wurde er »SS- und Polizeiführer« im Distrikt Lublin und war dort für die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich. 1943 wurde er in die »Operationszone Adriatisches Küstenland« versetzt, auch dort organisierte er Deportationen und verantwortete die Partisanenbekämpfung. Im Mai 1945 beging er in britischer Gefangenschaft Selbstmord. Sein Vorgesetzter, Heinrich Himmler, verwendete für Globocnik in seinem Dienstkalender manchmal den Spitznamen »Globus« (vgl. Witte 1999, 204, 306, 566), Briefe an Globocnik begann er mit der Anrede »Mein lieber Globus« (vgl. Schwindt 2005, 142 FN 114).

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TopographieOrtschaftPersonNationalsozialistInMedien

Ernst Kaltenbrunner (1903–1946) wuchs in Oberösterreich auf und schloss in Graz ein Jusstudium ab, 1931 wurde er SS-Mitglied und war in der Zeit der Illegalität im Austrofaschismus ein wichtiger Kontaktmann Himmlers in Österreich. Nach dem »Anschluss« machte ihn Himmler zum Leiter der SS und Polizei in Österreich, 1943 wurde er Leiter des »Reichssicherheitshauptamtes« – damit stand er u.a. dem Gestapo-Amt vor. Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde er zum Tode verurteilt und im Oktober 1946 hingerichtet.

PersonNationalsozialistIn

Seit dem 19. Jahrhundert vor allem in deutschen Großstädten wie Dresden, Berlin oder München bestehende (teilweise privat betriebene) Fortbildungsstätten für textile Gestaltung und Ausstattung.

Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft im Osten Polens. Von Lublin aus wurde 1942/43 unter der Leitung von Odilo Globocnik (s. Eintrag ›Globotschnigg‹) die »Aktion Reinhardt« organisiert, die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung im »Generalgouvernement« Polen.

TopographieOrtschaftPersonNationalsozialistInMedienEreignis

Der spätere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky (1911–1990) floh 1938 nach Schweden, 1951 remigrierte er nach Österreich.

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PersonPolitikerIn

Kofler zitiert hier einen Gassenhauer, der sich in der Weimarer Republik Beliebtheit erfreute. Zur Melodie des »Fehrbelliner Reitermarsch«»es« von Richard Henrion (1854–1940) entstand zu einem unbekannten Zeitpunkt der Text, der sich ironisch auf die »gute, alte Zeit« und auf Kaiser Wilhelm I. (»der mit dem Bart«) – im Gegensatz zu Wilhelm II. – bezieht. Refrain: »Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben, [/] Aber den mit dem Bart, mit dem langen Bart.« Das auch als »Kaiser-Wilhelm-Marsch« bekannte Lied wurde u.a. vom deutschen Schlagersänger Heino interpretiert.

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PersonMusikerInMedienMusik

Es gab zwei Zeitschriften »Das neue Reich«: einerseits eine monarchistische »Wochenschrift für Kultur, Politik und Volkswirtschaft«, erschienen 1918–1932 in Wien; andererseits die 1959 unter dieser Bezeichnung einsetzende Fortführung der NS-Zeitschrift »Das Reich«, nun mit Nähe zur rechtsradikalen Deutschen Reichspartei (Kofler bezieht sich wahrscheinlich auf Letztere).

MedienZeitung/Zeitschrift

Die holländische Königin Wilhelmina verbrachte in der Zwischenkriegszeit einige Male die Sommerfrische auf Schloss Lengberg im Osttiroler Drautal. Die Königsfamilie war mit der Familie May, den Besitzern des Schlosses, befreundet. In »Guggile« erinnert sich der Ich-Erzähler an Spaziergänge in der Umgebung von Lienz, wo man auch das Schloss Lengberg besucht habe, »die tante unterwelz sei damals köchin und die tant’ marie verwalterin auf schloß lengberg gewesen«, die Mutter, so die Familiengeschichte, sei »,als junges mädchen‘ als serviererin auf schloß lengberg beschäftigt gewesen« (s. Eintrag ›schloß lengberg‹).

TopographieOrtschaftMedien

Mit diesem Ende der 1930er Jahre in den USA entwickelten Gerät kann man stereoskopische Bilder betrachten, die auf einer kreisförmigen Kartonscheibe angebracht sind, die man in das Gerät schiebt und mit einem Hebel weiterdrehen kann.

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Medien

Protagonist des unvollendeten Romans »Der Verschollene« von Franz Kafka, entstanden zwischen 1911 und 1914, 1927 posthum von Max Brod unter dem Titel »Amerika« veröffentlicht. Zu Lebzeiten Kafkas erschien das erste, eigenständige Kapitel »Der Heizer« (1913).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Adam Lonitzer (1528–1586), latinisiert »Lonicerus« (s. Eintrag ›Ackeley‹), deutscher Naturforscher und Arzt, beschäftigte sich u.a. mit den Wirkungen und Anwendungen von Kräutern und verfasste mehrere »Kräuterbücher«. 1573 erschien in Frankfurt am Main folgender Titel: »Kreuterbuch, Kunstliche Conterfeytunge der Bäume, Stauden, Hecken, Kräuter, Getreyde, Gewürtze. Mit eygentlicher Beschreibung derselbigen Namen, Vnderscheyde, Gestalt, Natürlicher Krafft vnd Wirckung. Item von fürnembsten Gethieren der Erden, Vögeln und Fischen. Auch von Metallen, Gummi und gestandenen Säfften, Sampt Distillierens künstlichem und kurzem Bericht. Jetzo gantz fleissig von newem durch gesehen, gebessert und weit ober alle vorige Editiosi gemehret Durch Adamum Lonicerum Medicum Physicum zu Frankfurt. Mit fleissigen vollkommenen Registern in Sechserley Sprachen, Nemlich, Griechisch, Lateinisch, Italianisch, Frantzösisch, Spanisch, Teutsch. Auch besonderem Register der Heylung allerhandt gebresten. «Lonitzers »Kreuterbuch« wurde 1934 (Leipzig, Verlag Hendel) und 1962 (München, Verlag Kölbl) nachgedruckt.

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PersonAutorIn/JournalistInMedien

Lachsfisch, der vor allem in der Donau und ihren größeren Nebenflüssen vorkommt; kann bis max. 150 cm lang werden; heute vom Aussterben bedroht.

Im Nachlass befindet sich ein Foto, das – wie im Text beschrieben – einen Mann mit einem Fisch zeigt. Auf der Rückseite des Fotos die Aufschrift: »Wilh. Kohler, Kondukteur Lienz, Albin-Egger-Str. 13«. (11/W7/1)

TopographieOrtschaft

Kofler bezieht sich vor allem auf Alexis (Alexander) May de Madiis (1852–1911), gebürtiger Schweizer, der 1863 mit seinem Vater nach Oberkärnten kam. Die Familie engagierte sich im Edelmetallbergbau und reaktivierte alte Erzförderstätten (ohne wirtschaftlichen Erfolg). Alexis May betrieb auch ausführliche geologische Forschungen, etwa über den historischen Goldbergbau in den Hohen Tauern (den er ebenfalls zu reaktivieren suchte), 1897 etwa erschien seine Schrift »Das Bergbauterrain in den Hohen Tauern«. (vgl. Wießner 1950, 19)

TopographieBerg

Anspielung auf Thomas Bernhards Erzählung »Die Mütze « (1966). Darin versucht ein junger, seit Jahren an Kopfschmerzen und der Angst, verrückt zu werden, leidender Forstwissenschaftler, im ländlich abgeschiedenen Haus seines Bruders an einer Studie zu arbeiten. Um seinen regelmäßig mit der Dämmerung einsetzenden Depressionen zu entkommen, unternimmt er Spaziergänge in die Ortschaften Mondsee, Burgau und Parschallen. (Bernhard 2003a, 19)

TopographieOrtschaftPersonAutorIn/JournalistInZitate

Auf einem seiner abendlichen Spaziergänge findet der Ich-Erzähler in Thomas Bernhards Erzählung »Die Mütze«»«eine Schildmütze, wie sie Fleischhauer, Holzfäller und Bauern in dieser oberösterreichischen Gegend tragen; er versucht, den Besitzer der Mütze ausfindig zu machen, trifft allerdings nur auf Menschen, die eine solche Kopfbedeckung bereits tragen. Er behält sie also, setzt sie auf und beginnt mit der Mütze auf dem Kopf, die Erzählung, die der Leser vor sich hat, zu schreiben (vgl. Bernhard 2003).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Der Ich-Erzähler in Bernhards Erzählung »Die Mütze « erträgt die Finsternis nicht, sie ist gleichermaßen in ihm wie außerhalb: »Die Dämmerung und die auf die Dämmerung folgende Finsternis in Ungenach kann ich nicht in meinem Zimmer aushalten, aus diesem Grund laufe ich jeden Tag, wenn die Dämmerung die Finsternis in diese grauenhafte Gebirgsatmosphäre hereinzieht, aus meinem Zimmer hinaus und aus dem Haus hinaus auf die Straße« ( Bernhard 2003a , 19).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Ludwig Fels (* 1946 in Treuchtlingen, Fränkische Alb), deutscher Schriftsteller, Malerlehre, danach u.a. Maschinist in verschiedenen Farbwerken und Packer in einer Halbleiterfabrik in Nürnberg ehe er sich ab 1973 ausschließlich der Schriftstellertätigkeit widmete und seither mehrere Gedichtbände und Romane veröffentlichte; lebt seit 1983 in Wien und erhielt neben diversen Förderpreisen 1987 das Villa-Massimo-Stipendium.

TopographieOrtschaftPersonAutorIn/JournalistIn

»Das Kalkwerk« (1970), »Auslöschung. Ein Zerfall« (1986): Romane Thomas Bernhards

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Sitz der Deutschen Akademie Rom, eine deutsche Kultureinrichtung, an der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien jährlich zehn Aufenthaltsstipendien an Künstler und Künstlerinnen in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik (Komposition) und Architektur vergeben werden

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TopographieOrtschaftMedien

Friedrich Hölderlin: »Abendphantasie« (1799)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Verknüpfung von »Kaspar«, Sprechstück von Peter Handke (Uraufführung 1968), und Ohlsdorf, dem bevorzugten Wohnort Thomas Bernhards im oberösterreichischen Traunviertel. Dort hat Bernhard 1965 einen Vierkanthof erworben und aufwändig renoviert. Seit 1990 ist das so genannte Bernhard Haus der Öffentlichkeit zugänglich.

TopographieOrtschaftPersonAutorIn/JournalistInZitate

Anspielung auf die Malerlehre von Ludwig Fels (s. Eintrag ›Treuchtlingen, Fels‹)

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Horst H. Vollmer (* 1935), deutscher Germanist und Übersetzer zahlreicher englischer Theaterstücke; seit 1964 Regisseur am Hessischen Rundfunk; führte Regie bei Koflers Hörs piel »Oliver « ( 1980 ORF, 1982 HR; 1983 wurde das Hörspiel mit dem »Prix Futura« ausgezeichnet).

PersonSchauspielerIn/RegisseurIn

In dieser Passage persifliert Kofler den repetitiven, zwei Subjekt- bzw. Objektpositionen gegenüberstellenden Stil Thomas Bernhards, wie er ihn etwa am Anfang der Erzählung »Gehen« pflegt (vgl. Bernhard 1971, 7).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Wahrscheinlich Anspielung auf den Tod des österreichischen Schauspielers Oskar Werner (1922–1984), der auf einer Rezitationstournee 1984 in Marburg an der Lahn nachts im Hotel einen Herzinfarkt erlitt. »Ein Notarztwagen wurde gerufen, der Oskar Werner zum Städtischen Krankenhaus bringen sollte. Doch er starb […] auf dem Weg in die Klinik.« ( Georg 2016, SEITE???)

TopographieOrtschaftPersonSchauspielerIn/RegisseurInEreignis

Wahrscheinlich ein Verweis auf die unter der Bezeichnung »Krefelder Krawalle« bekannten Demonstrationen im Zuge des Besuchs von US-Vizepräsident George Bush am 25. Juni 1983 in Krefeld. Die Teilnehmer der (teilweise gewalttätigen) Kundgebung demonstrierten gegen das Wettrüsten und den NATO-Doppelbeschluss (atomare Aufrüstung in Westeuropa und zugleich Forderung nach Verhandlungen über Atomwaffenbeschränkungen).

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInEreignis

Konstantin Hierl (1875–1955) baute ab 1931 den »Arbeitsdienst« der NSDAP auf, ab 1934 leitete er den »Reichsarbeitsdienst« (RAD), 1935 erhielt er den Titel »Reichsarbeitsführer«. Ab 1935 musste jeder junge Mann, ab 1939 auch jede junge Frau eine halbjährige Arbeitspflicht im RAD ableisten.

PersonNationalsozialistIn

»Wehrwirtschaftsführer« war ein Titel, den das Wehrwirtschaftsamt im Oberkommando der Wehrmacht ab 1935 an Leiter rüstungswichtiger Betriebe, ab 1940 auch an kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe verliehen. Die Firma Dr. Oetker, als »Nationalsozialistischer Musterbetrieb« ausgezeichnet, war für die Nahrungsmittelversorgung von Bedeutung. Ab 1920 leitete Richard Kaselowsky, mit der Firmenerbin Ida Oetker verheiratet, das Unternehmen, nach dessen Tod 1944 sein Stiefsohn Rudolf-August Oetker. Sowohl Kaselowsky als auch Oetker waren NSDAP- und SS-Mitglieder, die Zuerkennung des Titels »Wehrwirtschaftsführer« an Rudolf-August Oetker ist in der einschlägigen Literatur nicht belegt. (vgl. Finger/Keller/Wirsching 2013)

PersonNationalsozialistIn

In Österreich assoziiert man mit »Volkserhebung« den »Ehrentitel« von Graz (»Stadt der Volkserhebung«), den die Stadt in der NS-Zeit zugesprochen bekam, weil es seit Februar 1938 zu massiven Machtdemonstration der Nationalsozialisten gekommen war und bereits vor dem »Anschluss« am 13. März Nationalsozialisten die Kontrolle in der Stadt übernommen hatten.

TopographieOrtschaftEreignis

InBielefeld nannte man 1983 den Bahnhofsvorplatz »Platz des Widerstandes«, um an Verfolgte und unbekannte Widerstandskämpfer während der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern. 1990 kehrte man zum Namen »Bahnhofsplatz« zurück, da »eine Ortsbezeichnung, die der Orientierung dient«, vorzuziehen sei. (vgl. Pollmann 1990) Diese Benennung blieb die einzig bekannte.

Verweis auf Franz Mai (1911–1999), dessen Leitung des Saarländischen Rundfunks (1958–1977) von zahlreichen Kontroversen geprägt war, besonders die Öffnung von Programmen für Werbeeinschaltungen und sein Vorgehen gegen »linke« Mitarbeiter waren umstritten.

Buntekuh: Stadtteil von Lübeck

TopographieOrtschaft

Himmelsthür: Stadtteil von Hildesheim

TopographieOrtschaft

Badeort an der Lübecker Bucht in Schleswig-Holstein. Kofler befreundete sich in den 70er Jahren in Wien mit dem Mediziner Hanns-Ulrich Hermann. Nach der Rückkehr des gebürtigen Hamburgers nach Deutschland 1980 besuchte ihnKofler im Wochenendhaus der Familie in Sierksdorf. (Hermann 2015)

TopographieOrtschaft

Kofler zitiert hier aus einem Notizbuch, das er im Wochenendhaus der Familie Hermann vorfand und das von handwerklichen Verrichtungen eines Familienmitglieds berichtet. (Hermann 2015)

Hans Albers (1891–1960), deutscher Schauspieler und Sänger

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PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedien

»Das Nachtlager in Granada«: Oper von Conradin Kreutzer (1780–1849), Libretto: Karl Johann Braun von Braunthal (1802–1866), Bearbeitung nach dem Schauspiel »Das Nachtlager von Granada« (1818) von Johann Friedrich Kind.

PersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienMusikZitate

s. Eintrag ›Jolyon Brettingham Smith‹

PersonMusikerInMedien

Spitzname des Hamburger Bordellpächters Friedrich Schroer (wegen seiner schräg stehenden Augen), der 1981 in seinem Stammlokal (»Ritze«) auf der Hamburger Reeperbahn von einem Fremden erschossen wurde; der Mord wurde bis heute nicht geklärt und war Auftakt einer blutigen Mordserie zwischen zwei Zuhältergruppen am Kiez. (vgl. Eckelsberger/Skrabal 2011)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherIn

Giuseppe di Giorgio, der vor seiner Ausweisung aus den USA Fahrer des legendären Mafiabosses »Lucky« Lucianogewesen sein soll und in den 1970ern für ein paar Jahre in Hamburglebte, ließ sich »Mr. Joe« nennen; im »Hamburger Abendblatt« schaltete der Kiez nach seinem Tod 1979 eine Anzeige: »Nach Deinem Kodex woll’n wir streben«, auf dem Grab seien Dutzende von Kränzen, einer mit der Aufschrift »Farewell, Wilfrid Schulz «gelegen. (Der Spiegel 34/1986)

TopographieOrtschaftPersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Wilfrid Schulz (?–1992), Hamburger »Unterweltskönig«, Besitzer diverser Etablissements im Rotlichtmilieu St. Paulis, wurde in den 70er Jahren dort »der Pate« genannt, weil man ihm Kontakte bis in die höchsten Mafiakreise nachsagte. 1982 wurde im Zuge einer polizeilichen Großaktion gegen organisierte Kriminalität gegen ihn ermittelt. Man konnte ihm allerdings nur kleinere Delikte wie Steuerhinterziehung, Anstiftung zur Falschaussage und Förderung der Prostitution nachweisen. (vgl. Zand-Vakili 2006)Kofler dürfte durch Lektüre des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«, das in den 1980er Jahren über Schulz berichtete, auf ihn gestoßen sein.

PersonVerbrecherInMedienZeitung/Zeitschrift

Tomaso Albinoni (1671–1751), venezianischer Komponist. Der Schwerpunkt seines Schaffens lag auf Opern und Instrumentalmusik (vor allem Concerti und Sonaten).

PersonMusikerIn

Zitat aus dem Roman »Molloy« von Samuel Beckett (1906–1989): »Es ist Mitternacht. Der Regen peitscht gegen die Scheiben. Ich bin ruhig. Alles schläft. Doch ich stehe auf und gehe zu meinem Schreibtisch. Ich bin nicht schläfrig.« (Beckett 1976, 128) Kofler variiert das Zitat in der Folge häufig – und hebt dabei ebenso wie Beckett die Verschachtelung der Erzählebenen und die Unzuverlässigkeit des Erzählers hervor.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Figuren aus der seit 1946 erscheinenden Comicserie »Lucky Luke« des belgischen Zeichners Morris (1923–2001). Den vier Brüdern im Comics liegt ein echtes Bankräuber-Brüderpaar zugrunde.

PersonMedienZeitung/Zeitschrift

Möglicherweise eine Kontamination zweier Zitate von Georg Büchner (1813–1837): »Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht« (»Woyzeck«, Büchner 2005, 19); »Die Welt ist das Chaos«. (»Dantons Tod«, Büchner 2000, 486)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Dieses Kleidungsstück ist bei Kofler ein Insigne des Spießer- und Querulantentums. In »Der Hirt auf dem Felsen« trägt es der »Lavantgedichteaufsager«, »Lavantgedichteauswendigkönner«, der »Klagenfurter Mittelschul-, mehr noch: Handelsakademieprofessor Strutz« (s. Eintrag ›weinroter ärmelloser Pullover‹).

Medien

Zur doppelten Wortbedeutung von »verlegen« vgl. auch Ernst Jandls Gedicht »haiku in wien«, in dem er auf die Publikation seines ersten Lyrikbands »Andere Augen« (1956) Bezug nimmt: »beim bergland verlag [/] hab ich mein erstes [/] buch verlegt [/] und futsch wars« (Jandl 1973, 115).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

»[D]ie Hölle, das sind die andern«, sagt Garcin, ein Journalist, der für den Tod seiner Frau verantwortlich ist, in Sartres 1944 uraufgeführtem Stück »Geschlossene Gesellschaft« (Sartre 1986, 59). ( Sartre 1986 , 59) Gemeinsam mit zwei anderen toten Mördern ist er für alle Ewigkeit in einem Zimmer eingesperrt. Alle drei wollen vom anderen die Anerkennung ihres Selbstbildes, aber alle verweigern einander eben diese. (vgl. Honneth 1990)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Patrick Süskind (* 1949), deutscher Schriftsteller, veröffentlichte 1985 den Roman »Das Parfum«, der mit Übersetzungen in 49 Sprachen und weltweit über 20 Millionen verkauften Exemplaren zum internationalen Bestseller wurde. (vgl. ScreenShot 2015)

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PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

»Ist denn kein Stuhl da für meine Hulda«ist ein Schlager aus dem Jahr 1895, komponiert vom Berliner Komödien- und Coupletautor Wilhelm Wolff (1851–1912).

PersonMusikerInMedienMusik

Das Space Shuttle »Challenger« brach am 28. Jänner 1986 rund 70 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral auseinander, die Besatzung, fünf Astronauten, zwei Astronautinnen, kam dabei ums Leben.

Ereignis

Michelangelo Antonioni (1912–2007), italienischer Filmregisseur, u.a. »Blow Up« (1966) und »Zabriskie Point« (1970), letzterer enthält eine filmtechnisch auffällige Sequenz, die die Explosion einer Villa in Zeitlupe und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigt.

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Auf den US-Präsidenten Ronald Reagan wurde in Washington am 30. März 1981 ein Schussattentat verübt.

PersonPolitikerInEreignis

»Verstörung« (1967): Roman von Thomas Bernhard, Tod und Krankheit sind die beiden zentralen Themenkomplexe des Textes.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Deutsche TV-Serie der 1980er Jahre

MedienFilm/Fernsehen/Radio

Morbus Boeck: nach einem norwegischen Dermatologen benannte Bindegewebeerkrankung (auch: Sarkoidose), die meist Lunge oder Lymphsystem angreift. Thomas Bernhard litt an Morbus Boeck in Verbindung mit einer Herzschwäche. (vgl. Mittermayer 2015, 433)

PersonAutorIn/JournalistIn

s. Eintrag ›Landarzt‹

MedienZitate

Der Schweizer Schriftsteller Hermann Burger (1942–1989) gewann mit einem Ausschnitt aus der Erzählung »Die Wasserfallfinsternis von Bad Gastein« 1985 den Ingeborg-Bachmann-Preis.

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PersonAutorIn/JournalistInZitate

Eine popularisierte, häufig in dieser Form auftretende Verkürzung eines 1940 entstandenen Epigramms aus Bertolt Brechts »Kriegsfibel«. Brecht schrieb in diesem Werk prägnante Vierzeiler zu gesammelten Fotografien, er nannte sie im »Arbeitsjournal« »Fotoepigramme«. (vgl. Kienast 2001, 7) Das betreffende Epigramm entstand zu einem Foto eines Hauses, das nach einem Bombentreffer zu einem Trümmerhaufen zusammengefallen ist, auf dem eine Frau herumirrt: »Such nicht mehr, Frau: du wirst sie nicht mehr finden! [/] Das Schicksal aber, Frau, beschuldige nicht! [/] Die dunklen Mächte, Frau, die dich da schinden [/] Sie haben Name, Anschrift und Gesicht.« (Brecht 1988b, 172) Erst 1955 kam eine Buchausgabe der »Kriegsfibel« heraus, der westdeutsche Reprint 1978 bescherte dem Werk »eine ungeahnte Karriere in der westdeutschen Friedensbewegung« (Kienast 2001, 8).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Franz Schuhbetitelte seine Laudatio zur Verleihung des Bremer Förderpreises an Werner Kofler 1981 mit »Werner Kofler und die Sprengkraft der österreichischen Literatur.« Er bezog sich dabei kritisch auf die Wahrnehmung österreichischer Literatur im deutschen Feuilleton, die etwa zu der Artikel-Überschrift »Das Gedicht als Molotowcocktail« geführt habe. (Schuh 1981)

PersonAutorIn/JournalistInEreignis

s. Eintrag ›keinen weinroten ärmellosen Pullover‹

Medien

s. Eintrag ›Süskind-Syndrom‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

s. Eintrag ›keinen weinroten ärmellosen Pullover‹

Medien

Thomas Bernhards Protagonisten »treten immer als Leser eines Werkes auf, dessen unmittelbare Bedeutung im Text vom Autor nie explizit gemacht wird.« (Schmidt-Dengler 1986, 44) In »Frost« etwa ist es Henry James ( Bernhard 2003b , 95); in »Alte Meister« spricht der Protagonist Regervon »meine[m] geliebten Montaigne oder meine[m] vielleicht noch mehr geliebten Pascal oder meine[m] noch viel mehr geliebten Voltaire« (Bernhard 2008, 26). In einer Vorstufe zu »Am Schreibtisch« rechnetKofler mit dieser Praxis Bernhards ab: »dieser unfug muß ja einmal abgestellt werden mit dem sei[n]en … u[nd] dem seinen .. u[nd] dem seinen .. […] außer den ja nur als bedrohung eingesetzten namen findet sich ja nichts, das auf tatsächliche beschäftigung, auf versthenen [sic], verstehen wollen schließen ließe«. (11/W7/3)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Möglicherweise ein Bezug zu Frank Wedekinds Liedentwurf »O Ruhe, o süße Ruhe« (Wedekind 2007, 301)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variation des Lieds »Heimweh« (1956) von Freddy Quinn, einer Cover-Version des Dean-Martin-Songs »Memories are made of this« (1955): »Dort, wo die Blumen blüh’n, [/] dort, wo die Täler grün, [/] dort war ich einmal zuhause. [/] Wo ich die Liebste fand, [/] da liegt mein Heimatland – [/] wie lang bin ich noch allein?« (Quinn o.J.)

PersonMusikerInMedienMusik

Die 1884 in Dornbirn gegründeten Benedikt-Mäser-Textilwerke produzierten 1931–1966 unter dem Markennamen »Elastisana«, danach nannte man die Produkte »Mäser«.

Friedrich Schröder Sonnenstern (1892–1982), deutscher Maler und Zeichner, Vertreter der Art brut. Seine Arbeiten waren durch die Einbeziehung von Kopisten und Mitarbeitern sowie durch Fälschungen weit verbreitet.

Erich Ruprecht(er) (* 1931), Maler und Bildhauer, Studium an der Kunstgewerbeschule Graz und an der Kunstschule der StadtLinz (1948–1953), erlangte Bekanntheit, weil 14 seiner Werke 1960 wegen Pornografie beschlagnahmt wurden, im Berufungsverfahren wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, er scheute von da ab die Öffentlichkeit.

»Ein feste Burg ist unser Gott«: bekanntes Kirchenlied nach einem Text von Martin Luther. (vgl. Mawik 2008, 62)

PersonReligiöse/r WürdenträgerInMedienMusik

Zentraler Begriff der Geschichtsphilosophie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831)

PersonPhilosophIn

Mehrfach Verweise auf Beckett, etwa s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Anspielung auf Schillers Antrittsvorlesung in Jena 1789: »Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?« (Schiller 1970)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Union Carbide war zeitweise der zweitgrößte Chemiekonzern der USA; verursachte 1984 einen Umweltskandal, als durch einen Unfall in einer Pestizide herstellenden Fabrik einer Tochtergesellschaft in Indien und dessen Folgen wahrscheinlich etwa 25.000 Menschen umkamen.

1897 gegründeter US-amerikanischer Chemiekonzern

s. Eintrag ›keinen weinroten ärmellosen Pullover‹

Medien

Otto Hans Böhm (1919–1996), österreichischer Schauspieler und Theaterleiter, 1940 Schauspiel-Staatsprüfung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst inWien,danach verschiedene Engagements in Deutschland und Österreich. (vgl. Rudan 1960, 140) 1959–1968 Intendant desKlagenfurterStadttheaters, brachte den gesamten Ring-Zyklus Richard Wagners zur Aufführung; 1969–1985 Intendant des Landestheaters Detmold

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMusikerIn

s. Eintrag ›Trinklied aus Otello‹

Medien

s. Eintrag ›Mutmaßungen über die Königin der Nacht‹

Medien

s. Eintrag ›Jägerchor aus dem Freischütz‹

Medien

Es gibt alle drei möglichen Schluss-s-Varianten, z.B. Richard Strauss (1864–1949), Johann Strauß sen. (1804–1849), Oscar Straus (1870–1954).

PersonMusikerIn

Richard Strauss, s. Eintrag ›Richard Strauss‹

PersonMusikerInMedien

s. Eintrag ›Mutmaßungen über die Königin der Nacht‹

MedienMusik

s. Eintrag ›Nieder, mit dir‹

MedienMusik

s. Eintrag ›Jägerchor aus dem Freischütz‹

MedienMusik

Begriff aus der nordisch-germanischen Mythologie; eine der vier eschatologischen Katastrophen im Rahmen des Untergangs der Welt, die auch in der »Edda« beschrieben wird: »Der Seherin Gesicht, S.26 – 35): »Die Sonne verlischt, [/] das Land sinkt ins Meer; [/] vom Himmel stürzen [/] die heitern Sterne. [/] Lohe umtost [/] den Lebensnährer; [/] hohe Hitze [/] steigt himmelan.« ( Edda 1992 , 33)

Zitate

Im Nachlass findet sich das Programmheft dieser »Zauberflöte«-Inszenierung, der die folgende Aufzählung der beteiligten Sängerinnen und Sänger entnommen ist. (11/W7/1)

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MedienMusikEreignis

Gottfried Hornik (* 1940), Bariton, Gesangsstudium in Wien, erstes Engagement in Klagenfurt, ab 1965 an der Grazer Oper, ab 1976 für mehr als 25 Jahre an dieWiener Staatsoper, wo er 45 Rollen sang, weltweite Gastspiele, gefeierter Wagner-Sänger

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TopographieOrtschaftPersonMusikerIn

Margarita Kyriaki (* 1942), Sopran, Musikausbildung in Athen, danach Musikhochschule inWien. Bühnendebüt als Paminain der Klagenfurter »Zauberflöte«1964/65. Danach Engagements in Wiesbaden und Graz, 1971–80 Mitglied der Wiener Volksoper, Gastauftritte an der Wiener Staatsoper und an Opernhäusern weltweit. »Ihr Repertoire für die Bühne war umfangreich und enthielt vor allem lyrische Sopranpartien, darunter auch Werke zeitgenössischer Komponisten.« (Kutsch/Riemens 2003, 2561)

PersonMusikerInMedienMusikEreignis

Das Programmheft im Nachlass gibt den Namen Rotraud Völkelan. (11/W7/1)

PersonMusikerIn

Elisabeth Erfurt, laut Programmheft Gast vom Opernhaus Graz (11/W7/1)

PersonMusikerIn

Hubert Trattnig, Ensemblemitglied des Stadttheaters

PersonMusikerIn

Das Programmheft der »Zauberflöte«-Inszenierung am Klagenfurter Stadttheater der Spielzeit 1964/65v erzeichnet vier Besetzungen für die Partie des Tamino: Sowohl Anton Dermota (s. Eintrag ›Anton Dermota‹), der die Premiere sang, als auch William Blankenship (s. Eintrag ›William Blankenship‹) sind mit dem Kürzel »a.G.« versehen (»als Gast«), Hermann Rungewird genannt, der »junge Schwede« ist Curt Malm. Malm (* 1935) begann, nachdem er in Schweden 1957 einen Gesangswettbewerb gewonnen hatte, inWieneine Gesangsausbildung. 1989–2003 unterrichtete er »Musikdramatische Darstellung« an der Wiener Musikuniversität. (vgl. Hasitschka 2003, 215)

TopographieOrtschaftPersonMusikerInMedienMusikEreignis

s. Eintrag ›die beiden Geharnischten‹

Medien

Slavo Aljinovic und Franz Josef Nagl, Ensemblemitglieder des Stadttheaters

PersonMusikerIn

Das Programmheft gibt den Namen Karl Sekera an. (11/W7/1)

PersonMusikerIn

Rudolf Christ (1916–1982), Tenor, Gesangsstudien in Wien, Debüt 1941 als Solist am Innsbrucker Stadttheater, 1946–49 in Zürich, danach Wiener Volksoper, zahlreiche Gastauftritte u.a. in Deutschland, an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen, verfügte über ein »schön gebildete, lyrische Stimme« (Kutsch/Riemens 2003, 822).

PersonMusikerIn

William Blankenship (* 1928), texanischer Tenor, Gesangslehrer, Schauspieler, Ausbildung an der New Yorker Juilliard School sowie der Wiener Musikakademie, 1956 hatte er am Stadttheater Klagenfurt sein europäisches Debüt, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper bis 1979.

PersonMusikerIn

Helge Roswaenge (1897–1972), dänischer Opernsänger, 1930–1944 führender Tenor an der Berliner Staatsoper, 1933 NSDAP-Beitritt in Graz, 1935 Gast bei Görings Hochzeit, auf der »Gottbegnadeten-Liste« (Führerliste) der wichtigsten Künstler des »Dritten Reichs«, nach 1945 pendelte er vorwiegend zwischen Berlin und der Staatsoper in Wien. (vgl. Klee 2009, 453f.)

PersonMusikerIn

Anton Dermota (1910–1989), Tenor, gebürtiger Slowene, 1937 Debüt an der Wiener Staatsoper unter Bruno Walter in der »Zauberflöte«, auf der »Gottbegnadeten-Liste« (Führerliste) der wichtigsten Künstler des »Dritten Reichs«, er entwickelte sich an der Wiener Staatsoper zum Publikumsliebling und war bis ins Alter ohne Unterbrechung, auch während des Nationalsozialismus, an der Staatsoper tätig. (vgl. Klee 2009, 98)

PersonMusikerInMedienMusik

Nachdem im März 1945die Wiener Staatsoper durch Bombentreffer großteils zerstört wurde, nahm der Wiederaufbau zehn Jahre in Anspruch. Die Wiedereröffnung fand mit Beethovens »Fidelio« am 5. November 1955statt. Dirigent war Staatsoperndirektor Karl Böhm, die Inszenierung leitete Heinz Tietjen – der Uraufführungsregisseur von Egks »Joan von Zarissa« 1940 –, Anton Dermota sang die Partie des Florestan.

PersonMusikerInSchauspielerIn/RegisseurInMedienMusikEreignis

Figur aus Thomas Bernhards Roman »Alte Meister«, Musikkritiker der »Times«

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

Erzählerfigur des Romans »Alte Meister«

PersonZitate

Claus Peymann (* 1937), deutscher Regisseur, 1974–1979 Schauspieldirektor des Schauspielhauses Stuttgart, 1979–1986 Intendant des Schauspielhauses Bochum, 1986–1999 Burgtheaterdirektor, 1999–2017 Leiter desBerliner Ensembles im Theater am Schiffbauerdamm

PersonSchauspielerIn/RegisseurIn

Gustav Bartelmus (1898–1984), »Sohn eines Regierungsrates am Verwaltungsgerichtshof, humanistisch gebildet« (Kosch 1953, 77), leitete in Beuthen das Oberschlesische Landestheater, bevor er 1938 von Goebbels’ Ministerium zum Intendanten des »Kärntner Grenzlandtheaters« in Klagenfurt berufen wurde. Er war Leiter der örtlichen Stelle der Reichstheaterkammer. Im Sommer 1941 verließ er aus nicht mehr rekonstruierbaren Gründen Klagenfurt (vgl. Jamritsch 2010, 589), ab 1942 führte er in Berlin gemeinsam mit dem Schauspieler Richard Handwerk die Gastspielbühne »Bartelmus & Handwerk«. (vgl. Baur/Gradwohl-Schlacher 2011, 43) Nach 1945 Rückkehr nach Klagenfurt, editorische Tätigkeit, u.a. Bearbeitung und Herausgabe von Stücken Ludwig Anzengrubers (1947/48), und Leitung der Abteilung Hörspiel und Literatur von Studio Kärnten (vgl. Schmitz-Mayr-Harting 1977, 354).

TopographieOrtschaftPersonSchauspielerIn/RegisseurInPolitikerInAutorIn/JournalistIn

s. Eintrag ›Mutmaßungen über die Königin der Nacht‹

MedienMusik

Arie des Sarastroin der »Zauberflöte«: »In diesen heil’gen Hallen [/] Kennt man die Rache nicht! [/] Und ist ein Mensch gefallen [/] Führt Liebe ihn zur Pflicht. [/] Dann wandelt er an Freundeshand [/] Vergnügt und froh ins bessre Land.« (Assmann 2012, 97)

PersonMedienMusik

Anspielung auf Erich Fried s Gedicht »Herrschaftsfreiheit« (1984): »Zu sagen [/] ,Hier herrscht Freiheit‘ [/] ist immer [//] ein Irrtum [/] oder auch [//] eine Lüge: [//] Freiheit herrscht nicht«. ( Fried 1993 , 25)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

1984 eröffnetes Kulturzentrum nahe des Linzer Hafens, in einer Außenstelle der Linzer Postmeisterei aus dem 18. Jahrhundert untergebracht

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TopographieOrtschaft

(Immer noch verwendeter) Werbespruch des Linzer Kulturzentrums Posthof

TopographieOrtschaft

s. Eintrag ›Köll‹

PersonPolitikerInMedien

s. Eintrag ›Tobias Reiser‹

PersonMusikerInMedien

Anspielung auf Theodor W. Adorno s »Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben« (1951): In »Kalte Herberge« (Aphorismus 75) zeigt Adorno am Beispiel des – seiner Ansicht nach – Verfalls der Gastlichkeit in Wirtshäusern, wie in einer Gesellschaft, die von Sachlogik erfasst wird, Kälte oder nur eine Fassade von Wärme die Beziehung zwischen Individuen dominiert. »Zug um Zug [...] vernichten die Mittel den Zweck«, kehrten sich die Mittel des Gastgewerbes gegen das Wohl des Gastes. »Die Arbeitsteilung, das System automatisierter Verrichtungen, bewirkt, dass keinem am Behagen des Kunden etwas gelegen ist.« ( Adorno 2003 , 132) Die aus ökonomischen Gründen rationalisierte Organisation des Wirtshauses mache dieses zur »Kalten Herberge« und bewirke kulturelle Entfremdung. 2004 griff Kofler den Begriff für seinen Roman »Kalte Herberge « auf.

PersonPhilosophInZitate

Prellung des Unterarms

Beginn des »Weihnachtsoratorium« von Johann Sebastian Bach (Uraufführung Leipzig 1734/35)

PersonMusikerInMedienMusik

s. Eintrag ›Posthof‹

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Medien

s. Eintrag ›Mutmaßungen über die Königin der Nacht‹

MedienMusik

s. Eintrag ›meinen geliebten Beckett‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Als »Grenzlandtheater« bezeichnete man im Nationalsozialismus Theater in den an damaligen Reichsgrenzen gelegenen Städten; sie wurden entweder neu errichtet oder bestehende Theater (renoviert und) umbenannt. Das »Kärntner Grenzlandtheater« ging 1938 aus dem Stadttheater Klagenfurt hervor: »Nun wird es also im Großdeutschen Reich, seiner Bestimmung gemäß, Träger und Künder deutscher Kultur an der Südostgrenze des Reiches werden.« (Kärntner Grenzruf, 1.9.1938) Im November 1939 sowie im Oktober 1943 stand Mozarts »Zauberflöte« auf dem Programm, eine Übernahme der Inszenierung aus der Spielzeit 1913/14. (vgl. Rudan 1960, 318 u. 328)

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TopographieOrtschaftPersonMusikerInMedienMusikEreignis

Anspielung auf Thomas Bernhard s Dramolett »Der deutsche Mittagstisch« (1978); darin wird die von der Familie Bernhard gegessene Nudelsuppe wortwörtlich zur »Nazisuppe«: »HERR BERNHARD springt auf [/] Jetzt hab ich aber genug [/] In jeder Suppe findet ihr die [/] Nazis [/] »schlägt mit den Händen in den noch vollen Suppenteller und schreit« [/] Nazisuppe [/] Nazisuppe [/] Nazisuppe« ( Bernhard 1988 , 111).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Ein Teil der Regieanweisung für die Schlussszene der »Zauberflöte«: »Sogleich verwandelt sich das ganze Theater in eine Sonne« (Assmann 2012, 134).

MedienMusik

Den Begriff Vorschein prägt Ernst Bloch (1885–1977) in seinem Hauptwerk »Prinzip Hoffnung« (erstmals 1954–1959), um den Zusammenhang von Kunst und Utopie darzulegen. Kunst könne ästhetischer Vor-Schein werden, der im Horizont des Wirklichen stünde. (Bloch 1954b)

PersonPhilosophInZitate

Zitat aus Blochs »Prinzip Hoffnung«: »Wobei die großen, also realistischen Kunstwerke durch die Notierung der Latenz, ja durch den – wie immer ausgesparten – Raum des Überhaupt nicht weniger realistisch werden, sondern mehr; denn alles Wirkliche verläuft mit Noch-Nicht in ihm. Bedeutende Tagtraumphantasiegebilde machen keine Seifenblasen, sie schlagen Fenster auf, und dahinter ist die Tagtraumwelt einer immerhin gestaltbaren Möglichkeit« (Bloch 1954a, 112).

PersonPhilosophInZitate

Im Kapitel »Prunk, Elysium in Oper und Oratorium « in »Das Prinzip Hoffnung«»« beschäftigt sich Bloch mit den Opern Mozarts und deren Ursprüngen im Barock: »auch die ,Zauberflöte‘ (mit der Regie-Anweisung zuletzt: ,Das ganze Theater verwandelt sich in eine Sonne‘) endet in dem Triumphton, Triumphland, dem die Barockoper verschworen war« (Bloch 1959, 971).

PersonPhilosophInMusikerInZitate

Kofler zitiert den Titel eines Kapitels aus Blochs »Prinzip Hoffnung«: »Tagtraum in entzückender Gestalt: Pamina oder Das Bild als erotisches Versprechen« (Bloch 1954a).

PersonPhilosophInZitate

Am 9. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas 1969, der Mao in seiner wiedererrungenen Macht festigen sollte, wurde sein innerparteilicher Gegner Liu Schao-Tschi als »absolut besserungsunwilliger Machthaber auf dem kapitalistischen Weg« bezeichnet (vgl. Kraus 1979, 350).

PersonPolitikerInEreignis

Variation und Umkehrung des (u. a. von Otto Bauer 1929) Victor Adler zugeschriebenen Ausspruchs: »Lieber mit den Arbeitern irren, als gegen sie Recht haben!« (Bauer 1961, 206)

PersonPolitikerIn

s. Eintrag ›Grenzlandtheaterzauberflöte‹

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Medien

»NS-Frauen-Warte«: ab 1932 herausgegebene Zeitschrift der NS-Frauenschaft, der Frauenorganisation der NSDAP, Untertitel: »die einzige parteiamtliche Frauenzeitschrift«

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MedienZeitung/Zeitschrift

Fortsetzung der ab 1933 erschienenen Wochenzeitung »Österreichische Woche«, 1938 unbenannt in »Ostmark-Woche«, erschien als Beilage zu regionalen »Volks-« und »Heimatblättern«

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MedienZeitung/Zeitschrift

»Der getreue Eckart«: Nach einer Goethe-Ballade benannte völkische Wiener Zeitschrift, zeitweise mit dem Untertitel: »Halbmonatsschrift für das deutsche Haus«, 1923 von Adolf Lusergegründet, bestand bis 1955

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Bruno Brehm (1892–1974) war ein »ausgesprochener NS-Propagandaautor« (Hillesheim 1993, 85), dessen vor 1938 geschriebene Bücher erst nach dem »Anschluss« reüssierten; so bekam er für seine Weltkriegstrilogie (1931–33 entstanden) den »Nationalen Buchpreis« 1939 zuerkannt. Den »Anschluss« seiner Heimat an NS-Deutschland begrüßte er mit der Publikation Glückliches Österreich (Brehm 1938), von 1938 bis 1942 gab er die Zeitschrift »Der getreue Eckart« heraus.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

Die Journalistin Trude Polley (1912–1992) berichtet im »Getreuen Eckart«im Februar 1940: »Erst Ende November hat in dieser Spielzeit das Kärntner Grenzlandtheater mit drei einander folgenden glanzvollen Premieren – des Egmont, Der Zauberflöteund des Zigeunerbaron– seine Tore geöffnet, nachdem es [...] eine modernen Ansprüchen genügende technische Ausgestaltung erfahren hatte, die ihm das nötige Rüstzeug gibt, seine bedeutende kulturelle Aufgabe als einzige Bühne des Landes Kärnten zu erfüllen« (Polley 1940).

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftMusik

Hanns Gobsch (1883–1957), Offizier im Ersten Weltkrieg, »seit 1922/23 in Oberbayern tätiger Kämpfer für Hitler« (Klee 2009, 168), ließ sich in Murnau nieder, erfolgreicher Bühnenautor der NS-Zeit, Werkliste ohne Unterbrechung von 1927 bis 1948, vor allem historische Stoffe (vgl. Kosch 1953, 567). »Maria von Schottland. Drama der Leidenschaft in fünf Akten« liefert die »Vorgeschichte« zu Schillers »Maria Stuart«, das Stück wurde – zugleich mit Chemnitz und Augsburg – am 7. Februar 1940am »Kärntner Grenzlandtheater« uraufgeführt. (vgl. Rudan 1960, 101 u. 318)

PersonAutorIn/JournalistInZitateEreignis

Hans Sittenberger (1863–1943), aus Klagenfurt gebürtiger Pädagoge, Theaterkritiker und konservativer Schriftsteller, Autor literaturhistorischer Studien sowie historischer Prosa, lebte in Wien und Lednice/Eisgrub. Sein Drama »Sturm überm Land« thematisiert eine Kärntner Episode des NS-Putsches 1934, 1940 erhielt er dafür den »Kärntner Literaturpreis«.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Neben Hans Sittenberger, der in Lednice/Eisgrub unterrichtete, spielt Kofler hier u.a. auf Josef Friedrich Perkonig (1890–1959, s. Eintrag ›Josef-Friedrich-Perkonig-Gesellschaft‹), ein Lehrer Ingeborg Bachmanns, an.

PersonAutorIn/JournalistInMedien

s. Eintrag ›meinen geliebten Beckett‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

s. Eintrag ›Tanzcafé Lerch‹

Medien

s. Eintrag ›Lublin‹

TopographieOrtschaftMedien

Schlusschor der »Zauberflöte«: »Heil sei euch Geweihten! Ihr dranget durch die Nacht! [/] Dank sei dir Osiris! dir Isis gebracht! [/] Es siegte die Stärke und krönet zum Lohn [/] Die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron« (Assmann 2012, 135).

MedienMusik

Ern(e)st Bornemann (1915–1995), vor allem autodidaktisch gebildeter deutscher Anthropologe und Sexualwissenschaftler, 1933–1960 Exil in Großbritannien und Kanada, lebte ab 1970 in Österreich, Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg

PersonAutorIn/JournalistIn

Kofler zitiert aus der Kolumne »Bornemanns Box« in der »Neuen AZ«»« (11.11.1986, 27), wie sich die »Arbeiter-Zeitung« ab 1985 nannte. Ernest Bornemann antwortete hier einmal wöchentlich Leserzuschriften. Unter dem Titel »Meine Freundin spritzt ab« schreibt ein Mann: »Wir können jedoch nie miteinander schlafen, ohne Vorsorge zu treffen, wenn wir im Urlaub sind oder in Hotels übernachten. Nun meine Frage: Ist dieses Spritzen normal, und welche Flüssigkeit ist das, die da herausgeschleudert wird?« (11/W7/1)

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MedienZeitung/Zeitschrift

In der Beantwortung obiger Anfrage (»Meine Freundin spritzt ab«) klärt Bornemann den Leser über den »G-Punkt«, der auch Gräfenberg-Zone genannt werde, auf. Erogener Bereich in der Vagina, den der deutsche Arzt Ernst Gräfenberg 1950 in einem Artikel beschrieb. Sie wurde in Zusammenhang mit der »weiblichen Ejakulation« gebracht und war in den 1970er und 80er Jahren Teil des Aufklärungs- und weiblichen Selbstbestimmungsdiskurses.

PersonAutorIn/JournalistIn

Bornemann verweist in der Erklärung der »Gräfenberg-Zone« (unter Angabe von Adresse und Telefonnummer) auf den »Wiener Sexualtherapeut[en] Dr. Karl Stifter«, der seit Jahren an einem Forschungsprojekt zum Thema arbeite. Dr. Stifter hat viele Laborproben der ausgeschiedenen Flüssigkeit sammeln und analysieren lassen. Karl Stifter (* 1951) spezialisierte sich »als erster Psychologe in freier Praxis auf die ,Sexualtherapie‘«, war in Forschung und Lehre tätig und entwickelte die »Urkraftmethode« und die Methode der »Transzendenten Resonanz«. (www.drstifter.com/person.htm, 24.11.2015)

PersonAutorIn/JournalistIn

s. Eintrag ›Wie war ich entsetzt‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Wie war ich entsetzt‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

Kurt Jaggberg (1922–1999), Michael Janisch (1927–2004), Miguel Herz-Kestranek (* 1948), österreichische Schauspieler, die häufig für das Fernsehen arbeite(te)n, alle drei verkörperten Ermittler der TV-Serie »Tatort«: Jaggberg und Janisch zwischen 1984 und 1986 die Figuren Hirth und Fichtl, Herz-Kestranek den Kommissar Ullmann (1986).

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Namen der österreichischen Ermittler der TV-Serie »Tatort« in den Jahren 1984–1986: Oberinspektor Hirth (dargestellt von Kurt Jaggberg ) Inspektor Fichtl (Michael Janisch), Inspektor Schulz (Heinz Zuber)

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹

PersonMedien

Udo Proksch (1934–2001), »Freund der Mächtigen und Bonvivant« (Pretterebner 1987, 13), übernahm 1974 die Führung der Wiener »Hofkonditorei« Demel, wo er in der Folge seinen vor allem von sozialistischer Prominenz frequentierten »Club 45« betrieb. Von hier aus habe sich für Prokscheine »ideale Drehscheibe für den illegalen Waffenhandel« (Pretterebner 1987,88) ergeben, der Verteidigungsminister und ein leitender Geheimdienstbeamter waren Mitglieder in der »roten Loge«. 1977 sank der von ihm gecharterte Frachter »Lucona« nach einer Explosion, sechs Menschen starben. Erst 1992 wurde Proksch – nach der Aufdeckung durch den Journalisten Hans Pretterebner– dafür verurteilt, er starb in Haft.

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PersonVerbrecherInAutorIn/JournalistInEreignis

s. Eintrag ›Glock-Pistole‹

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Medien

s. Eintrag ›Jolyon Brettingham Smith‹

PersonMusikerInMedien

s. Eintrag ›Ich, Herr Korbes‹

Medien

Im Kofler-Nachlass ist ein undatierter Zeitungsartikel aus dem »Kurier« erhalten: »Mord und Selbstmord nach Streit in Jenbach. Gendarm erschoß zuerst seine Freundin, dann sich selbst [...] Sie hatten bereits vor Monaten einen Dia-Abend mit einem befreundeten Ehepaar fixiert und wollten Bilder aus ihrem gemeinsamen Urlaub zeigen.« Der Kommentar zum beigefügten Bild lautet: »Eine riesige Blutlache in der Küche erinnert an die Tragödie.« (11/W7/1)

TopographieOrtschaftMedienZeitung/Zeitschrift

Kurz bevor er Desdemona tötet (5. Aufzug, 2. Szene), befiehlt OthelloDesdemona auf den Boden: »Nieder mit dir, Metze!« (Shakespeare 1897, 388; Metze: leichtfertige Frau)

Person

Im Nachlass ist die Chronik-Seite der Tageszeitung »Kurier« (4.6.1986, 19) erhalten, deren Berichte dieser Passage zugrunde liegen. Der eine Artikel berichtet über die Sexualdelikte eines Pornofilmproduzenten in Wien(»Der eiskalte Sexgangster mit der Clownmaske, der die Brüder Peter, 10, und Johann, 12, in ihrer Wohnung vergewaltigte«) und bringt zwei Fotos des geständigen »Sexgangsters« (einmal mit Videokamera, einmal mit Clownmaske). Der andere Artikel berichtet von der Vergewaltigung einer Neunjährigen, deren Vertrauen der geständige Verbrecher (»mit polnischem Akzent«) mit einer Tafel Schokolade und einer Golduhr gewonnen habe. (11/W7/1)

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MedienZeitung/Zeitschrift

s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Detektive‹ (Veränderung des Namens Schulz in Schmutz)

PersonMedien

Held der Romanheft-Reihe »Rolf Torring’s Abenteuer«, verfasst von Autoren unter dem Sammelpseudonym Hans Warren; erschien zunächst zwischen 1930 und 1939 mit insgesamt 445 Ausgaben; ab 1950 wurde die Reihe fortgesetzt, aber bald stark verändert, sodass sie abgesehen von den handelnden Personen kaum noch etwas mit der Vorkriegsserie gemeinsam hatte. 1961 wurde sie eingestellt.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variation der Kapitelüberschrift »Erlebnisse in der Höhle« aus einer »Rolf Torring«-Episode. Die betreffende Einzelseite im Nachlass weist keine bibliographischen Angaben auf (11/W7/1). Zugleich bezieht sich Kofler damit auf den einzigen Roman Peter Turrinis (1972), ein experimentelles Frühwerk.

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Person

Leo Frank (Geburtsname: Leo Maier, 1925–2004), bis 1948 Gendarm in Braunau (Oberösterreich), danach Staatspolizist in Linz, beobachtete 1961 als offizieller Berichterstatter den Eichmann-Prozess. 1967 wurde er in seiner erneut aufgenommenen Tätigkeit als Kriminalbeamter in Linz in eine Informationsaffäre um den Voest-Konzern verwickelt. Strafversetzung nach Wien, schließlich nach Zypern, wo er begann, unter dem Namen Leo Frank seine ersten Kriminalromane zu schreiben. Ab 1974 leitete er verschiedene Referate in Linz. Bekannt wurde er v.a. durch seine Radio-Serie »Alles klar, Herr Kommissar« und Drehbuchvorlagen für die TV-Serie »Tatort«.

PersonAutorIn/JournalistInMedienFilm/Fernsehen/Radio

In eine vom ORF produzierten Folge der TV-Serie »Tatort«mit dem Titel »Alleingang« (Ausstrahlung 1986) baute der Drehbuchautor Ernst Hinterberger die Figur des »Zuhälterkönigs« Jellinekein. Dieser will groß ins Waffengeschäft einsteigen, einer seiner Leibwächter versucht dabei einen »Alleingang«. Dabei kommt es zu drei Mordfällen, eines der Opfer ist eine alte Bekannte des ermittelnden Inspektors Fichtl.

PersonAutorIn/JournalistInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Ernst Hinterberger (1931–2012), Schriftsteller und Drehbuchautor, ging bis zu seiner Pensionierung 1991 verschiedenen Lohnarbeiten nach (Bücherei-Angestellter, Expedient). Seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu war die zentrale Quelle für sein Schreiben. Er wohnte bis zu seinem Tod in einer kleinen Gemeindebauwohnung (die Wohnanlage am Wiener Margaretengürtel wurde 2013 nach ihm benannt). Seinen größten Erfolg hatte er mit den Drehbüchern für die Fernsehserie »Ein echter Wiener geht nicht unter« (produziert vom ORF 1975–79).

PersonAutorIn/JournalistInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Zitat aus Koflers »Treatment « (s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹): »B: Hirth, Fichtlund Schulz ermitteln da und dort. Viel Milieu.« (11/W29)

PersonMedien

Parkanlage in der Nähe des Pratersterns in Wien, der Flurname für diese damals mit Wassergräben durchzogene Au ist seit dem Spätmittelalter belegt.

TopographieOrtschaft

Der im Schweizer Exil lebende deutsche Schriftsteller Kurt Kläber (1897–1959) veröffentlichte unter dem Pseudonym Kurt Held 1941 den Jugendroman »Die rote Zora und ihre Bande«, inspiriert von einer Jugoslawien-Reise des Autors im Jahr davor. Um 1974organisierte sich in der BRD unter diesem Namen eine linksextreme Frauengruppe (eine Abspaltung der »Revolutionären Zellen«), die mit terroristischen Formen (Anschläge auf Institute und Wirtschaftsunternehmen) gegen das Patriarchat und ,strukturelle Gewaltverhältnisse‘ (u.a. Gentechnik, Ausbeutung von Arbeitern in der Dritten Welt) protestierten.

PersonAutorIn/JournalistInZitateEreignis

Euphemistische Bezeichnung für Urin in Zusammenhang mit Urophagie, dem Lustgewinn durch orale Aufnahme von Urin

s. Eintrag ›Glock-Pistole‹

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Medien

Anspielung auf Udo Proksch und die »Lucona«-Affäre. (s. Eintrag ›Industrieideologe‹)

PersonVerbrecherInMedien

s. Eintrag ›Detektive‹

PersonMedien

Zitat eines geistlichen Volkslieds: »Herr, es will Abend werden, der Tag hat sich geneigt, [/] schon sinkt die Nacht auf Erden und alles ruht und schweigt.« (Stubenvoll 1995, 94) Der Liedtext bezieht sich auf das »Neue Testament«, die Bitte der Emmaus-Jünger: »Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.« (Lukas 24,29)

Zitate

s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹

PersonMedien

Kardinal Franz König (1905–2004), 1956–1985 Erzbischof von Wien

PersonReligiöse/r WürdenträgerIn

Zitat aus einer Anzeigenkampagne der Tageszeitung »Kurier« gegen Sonntagszeitungsdiebe. Der Anzeigentext bezieht sich auf das beliebte Lied »So ein Tag, so wunderschön wie heute«, das als Auf- und Abtrittslied beim Mainzer Fasching 1952 erstmals zu hören waren und das u.a. der deutsche Schlagersänger Heino interpretierte. Der Text stammt von Walter R. Rothenburg (1889–1975), die Melodie von Lotar Olias (1913–1990).

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PersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienWerbung/Inserat

Berliner Unterweltfigur, die Hinweise zur Aufdeckung des Schussattentats auf den Immobilienmakler Günter Schmidt im Jahr 1985 gab und damit die Korruptionsaffäre rund um Baustadtrat Antes (s. Eintrag ›Antes‹) ins Rollen brachte. Das Attentat auf Schmidt, das dieser schwer verletzt überlebte, wurde im Auftrag seines ehemaligen Geschäftspartners, des Rechtsanwalts Christoph Schmidt-Salzmann, verübt. Beide waren Kern einer berüchtigten »Sanierungsmafia« in Berlin (vgl. Rott 2009, 378).

TopographieOrtschaftPersonUnternehmerInVerbrecherInMedien

s. Eintrag ›Rolf Torring‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹

PersonMedien

1949 startete der Verleger Otto Hirsch in Wien die Heftserie »Der Kriminalroman der Woche – Kommissar Wiltons Kriminalberichte«. Im Mittelpunkt steht ein in Südfrankreich agierender Kommissar. Von diesen Heftchenromanen sind über 1550 Nummern belegt.

Zitate

»Der späte Gast«: Gedicht von Willibald Alexis (1798–1871), bekannt als Lied durch die Vertonung Carl Loewes (1796–1869). Der späte Gast bringt bei Alexis den Tod.

PersonAutorIn/JournalistInMusikerInZitate

Anspielung auf das 1939 gegründete »Reichssicherheitshauptamt«, eines der 12 »Hauptämter« innerhalb der SS-Organisationsstruktur. Ab 1943 war Ernst Kaltenbrunner der Leiter (s. Eintrag ›Kaltenbrunner‹).

PersonNationalsozialistInMedien

s. Eintrag ›keinen weinroten ärmellosen Pullover‹

Medien

s. Eintrag ›Mein Name ist Schmidt‹

PersonMedien

Erneut greiftKoflerhier auf die »Kurier«-Kampagne gegen Sonntagszeitungsdiebe zurück: »Ob’s stürmt oder schneit [/] ob die Sonne scheint oder Nebelschwaden ziehen, [/] an jedem Ort [/] in den kleinen Gemeinden und in den großen [/] im Dickicht der Städte und im Unterholz des freien Landes [/] in aller Herrgottsfrüh [/] oder im Zwielicht der Dämmerung [/] kann‹s passieren. [/] Keiner weiß die Stunde, [/] keiner weiß wie. [/] Aber eins ist sicher: [/] einmal erwischt’s jeden. [/] Jeden Zeitungsdieb.« (Kurier, 6. 12.1986, 11/W7/1) Der Anzeigentext bezieht sich auf das Brecht-Stück »Im Dickicht der Städte«»« (UA 1923).

PersonAutorIn/JournalistInMedienWerbung/InseratZitate

Heinz G. Konsalik, eigentlich Heinz Günther (1921–1999), deutscher Bestsellerautor, veröffentlichte unter mehreren Pseudonymen.

PersonAutorIn/JournalistIn

Am 17. Februar 1986 erschien das deutsche Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« mit der Titelgeschichte »Menschentausch. Wann kommt Sacharow?« (Der Spiegel 8/1986). Andrei Dmitrijewitsch Sacharow (1921–1989), Atomphysiker, war maßgeblich an der Entwicklung der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe beteiligt, Regimekritiker und Friedensnobelpreisträger wurde nach Protesten gegen die sowjetische Intervention in Afghanistan 1980 verhaftet und nach Gorki (heute: Nischni Nowgorod) verbannt, wo er unter Aufsicht des Staatssicherheitsdienstes KGB leben musste. Dort arbeitete er am Entwurf einer neuen sowjetischen Verfassung, bis Parteichef Michail Gorbatschow 1986 die Verbannung aufhob.

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PersonPolitikerInMedienZeitung/Zeitschrift

Johannes Mario Simmel (1924–2009), österreichischer Bestsellerautor

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PersonAutorIn/JournalistInMedien

Die Entführung von Hanns Martin Schleyer (1915–1977) war das zentrale Ereignis des »Deutschen Herbstes« im Jahr 1977: Aufgrund seiner NS-Vergangenheit geriet der Arbeitgeberpräsident ins Visier der RAF, die mit seiner Geiselnahme die Freilassung inhaftierter Genossen erpressen wollte. Bis heute ist ungeklärt, welcher der Terroristen Schleyer erschoss.

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PersonPolitikerInMedienEreignis

Am 2. Oktober 1978 erschien das deutsche Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« (14/1978) mit der Titelgeschichte »Krebs: Hackethal gegen die Ärzte. Aufruhr in der Medizin«und brachte im Blattinneren ein Streitgespräch zwischen den Krebsspezialisten Julius Hackethal und Carl-Friedrich Rothauge, in dem Hackethal auf Rothauges Aussage, er würde Krebszellen radioaktiv markieren, ausrief: »Sie sind wohl verrückt geworden, Mensch!«Julius Hackethal (1921–1997), Chirurg, sei, so der Nachruf im »Spiegel«, in den siebziger Jahren »Deutschlands berühmtester Arzt« gewesen. (»Der Spiegel«, 43/1997) Er schrieb u.a. Bücher über ärztliche Kunstfehler.

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MedienZeitung/Zeitschrift

Helmut Kohl (1930–2017), deutscher CDU-Politiker, 1982–1998 Bundeskanzler der BRD

PersonPolitikerIn

Günter Grass (1927–2015), deutscher Schriftsteller

PersonAutorIn/JournalistIn

Protagonist des gleichnamigen US-amerikanischen Actionfilms aus dem Jahr 1982, dargestellt von Sylvester Stallone

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PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedien

Boris Becker (* 1967), deutscher Tennisspieler, Olympiasieger, gewann als bis heute jüngster Tennisspieler das Turnier von Wimbledon

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Medien

Falco, eigentlich Johann Hölzl (1957–1998), österreichischer Musiker, der in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre internationalen Durchbruch erlangte mit Hits wie »Rock me >Amadeus«und »Jeanny«

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PersonMusikerInMedienMusik

André Heller (* 1947), österreichischer Sänger, Liedermacher, Künstler, Autor, Kulturmanager: In den 1980er Jahren machte er mit spektakulären Großevents wie dem "Theater des Feuers" (1983), dem "Sturz durch Träume" (1984), einem "Feuerspektakel" vor 650.000 zahlenden Zuschauern, oder den weltweit gezeigten Heißluftballon-Skulpturen "Himmelszeichen" (1986) von sich reden. Nicht zuletzt durch diese Inszenierungen wurde er zu einer zentralen Figur der Kofler‹schen Satire.

PersonAutorIn/JournalistIn

Der Protagonist in Samuel Becketts »Molloy« kann sich nicht daran erinnern, wie er an den entsprechenden Ort gelangt ist: »Ich bin im Zimmer meiner Mutter. Ich wohne jetzt selbst darin. Wie ich hierhergekommen bin, weiß ich nicht« (Beckett 1976, 7).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Kofler montiert hier zwei weitere Inserate der »Kurier«-Kampagnegegen Sonntagszeitungsdiebe: 1. »Dass Kontrollore nur pensionierte Polizisten und Judokas sein sollen, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, dass sie aus allen Bevölkerungsschichten kommen«. 2. »Ing. Dietmar A., gutsituierter Wiener Bürger, hat soeben seine Sonntagszeitung geholt […]Zeitungskontrollore! Das Blut schießt ihm in den Kopf, blitzschnell überlegt er, was er tun kann.« (Kurier, 25.10.1986) (11/W7/1)

MedienWerbung/Inserat

»Achtung Sprachpolizei! «war der Titel einer ORF-Radiosendung des Journalisten und »Presse«-Kolumnisten Karl Hirschbold (1908–1994), die von 1952 bis 1978 produziert wurde und – teils humoristisch – inkorrekte Sprachverwendungen kritisierte. Die charakteristische Kennmelodie klang wie das Folgetonhorns eines Polizeiautos.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Anne-Sophie Mutter (* 1963), deutsche Geigerin. Herbert von Karajan gilt als ihr »Entdecker«, unter seinem Dirigat spielte sie als 13-Jährige 1977 bei den Salzburger Pfingstfestspielen ein Mozart-Violinkonzert. Das erwähnte Violinkonzert von Brahms spielte sie mit Karajan und den Berliner Philharmonikern als 19-Jährige 1983 ein.

PersonMusikerIn

Kofler zeichnet André Heller (s. Eintrag ›André Heller‹) als Erlöserfigur: »Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.« (Lukas 18, 16) Zwischen 1983 und 1986 inszenierte Heller diverse Freiluftaufführungen mit Feuer und Ballons (etwa 1983 »Theater des Feuers« in Lissabon, 1984 »Feuertheater mit Klangwolke« vor dem Berliner Reichstag, 1986 »Himmelszeichen« genannte Heißluftballon-Skulpturen).

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Abwandlung eines Zitats aus dem historischen Roman »Elisabeth Wandscherer, die Königin« von Joseph von Lauff (1855–1933): »Die Stadt lag ihm zu Füßen, und in Kraft seines Willens sandte er [der »König des neuen Jerusalem«] noch in selbiger Stunde seine Apostel nach allen Seiten der Windrose, um die neue Lehre auch in die äußersten Ecken seines ihm vorschwebenden Reiches zu tragen. Nach Soest oder der Mittagsgegend zu: Joachim Kosser, den Weber, Philippus Butendick, Lorenz Vischer und Thyß Ummegrove.« (Lauff 1931, 153) Dieser 1931 erschienene Roman handelt von den Wiedertäufern im Münsterland, vom sogenannten »Täuferreich von Münster« im 16. Jahrhundert. Lauff war ein zu Lebzeiten vor allem im deutschnationalen Lager vielgelesener Autor, der mit bis zu zwei veröffentlichten Trivialromanen pro Jahr die Geschichte seiner niederrheinischen Heimat behandelte.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Tibor Foco (* 1956), ehemaliger Nachtklubbesitzer, 1987 wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt, begann während der Haft ein Jusstudium. 1995 flüchtete Foco während eines Studienausgangs aus der Haft in Linz, er lebt seitdem an einem unbekannten Ort und ist zur Fahndung ausgeschrieben. Das Bundeskriminalamt hat (Stand 2015) eine Belohnung von EUR 2900 für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung Focos führen. Foco flüchtete mit Motorrad, das ihm Komplizen zur Verfügung stellten. Foco war früher Motorrad-Straßenrennen gefahren, allerdings ohne nennenswerten Titel.

PersonVerbrecherInEreignis

Elfriede Hochgatterer, Prostituierte, mutmaßliches Mordopfer Focos

PersonVerbrecherIn

Nach dem österreichischen Konstrukteur Georg Luger (1849–1923) benannte Selbstladepistole, eigentliche Bezeichnung: Parabellum 08. Luger entwickelte in den Jahren vor 1900 ein erstes Serienmodell, die Waffe war nach ihrer Weiterentwicklung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine beliebte Dienst- und Armeewaffe.

Im Grimm-Märchen »Herr Korbes« machen ein Hühnchen und ein Hähnchen eine Reise mit einem Wagen, vor den sie vier Mäuse spannen: »Nicht lange, so begegnete ihnen eine Katze, die sprach: ,Wo wollt ihr hin?‘ Hähnchen antwortete: ,Als hinaus [/]nach des Herrn Korbes seinem Haus‘« (Grimm 1980, 223). Die Katze steigt zu, ebenso des Weiteren ein Mühlstein, ein Ei, eine Ente, eine Stecknadel und eine Nähnadel. Alle verstecken sich, als sie Herrn Korbesnicht anwesend finden, im Haus. Als Korbes zurückkommt, wirft ihm die Katze Asche ins Gesicht, sticht ihn die Nähnadel im Polster usw., bis den aus dem Haus fliehenden Mann schließlich der Mühlstein erschlägt, der über der Tür lag. Ab der 6. Auflage von 1850 wurde den vorher abrupt endenden, willkürlich erscheinenden Gewalttaten ein Satz angefügt: »Der Herr Korbes muß ein recht böser Mann gewesen sein« (Grimm 1980, 224).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Franz Josef Murau: Protagonist in Thomas Bernhards Roman »Auslöschung«

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Georg Hauptfeld (* 1954), Studium der Geschichte und Publizistik in Wien, Abschluss am Institut für österreichische Geschichtsforschung, Lektor und dann Verlagsleiter bei den Verlagen Löcker, Böhlau, Bohmann, Ueberreuter, 1993 eigene Textdesignfirma, 2014 Gründung des Verlags »Edition Konturen«. Hauptfeld, ein Freund Elfriede Jelineks, war mit Koflernur entfernt bekannt.

PersonAutorIn/JournalistIn

Beginn der 3. Strophe von Friedrich Hölderlins »Abendphantasie«: »Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen [/] Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh’ und Ruh’ [/] Ist alles freudig; warum schläft denn [/] Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?« (Hölderlin 1992, 230) Zugleich Titel eines 1963 erschienenen Bandes mit autobiografischen und theoretischen Reflexionen der Lyrikerin Marie Luise Kaschnitz. (vgl. Kaschnitz 1963)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Namen von Protagonisten aus der US-amerikanischen TV-Serie »Der Denver-Clan« (Originaltitel »Dynasty«, 1981–1989; ab 1983 Ausstrahlung im österreichischen und deutschen Fernsehen): Adam Carrington, der verlorene Sohn, Öl-Magnat Blake Carrington und Krystle (bei Kofler: Krystina) Jennings, seine ehemalige Sekretärin

PersonMedienFilm/Fernsehen/Radio

s. Eintrag ›keinen weinroten ärmellosen Pullover‹

Medien

»Alte Meister. Eine Komödie« (1985): Roman von Thomas Bernhard

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Einen eigenen nach dem Renaissancemaler Paris Bordone (ca. 1500–1571) benannten Saal gibt es im Wiener Kunsthistorischen Museum nicht, dafür besitzt das Museum zu wenige Bordones. (vgl. Steiner 2011)

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Medien

Rolf Michaelisbetitelt seine Rezension zu Thomas Bernhards »Auslöschung«mit »Vernichtungsjubel«und betont darin mehrfach die sprachlichen Strategien des Vernichtens: »Hier soll Erzählen einmal nicht nur etwas retten, für die Vergangenheit aufbewahren, sondern im Erzählen, im atemlos wütenden Reden vor allem vernichten, kaputtmachen, auslöschen.« (Michaelis 1986)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Kofler bezieht sich hier auf Kants in der »transzendentalen Logik« der »Kritik der Vernunft«dargestellten Prinzipien des Denkens. Darin entwirft Kant zwölf Urteilsformen unter vier »Titeln«: Quantität, Qualität, Relation und Modalität, wobei jedes Urteil eine der zum jeweiligen Titel gehörenden Formen annehmen müsse. Kant ging es jedoch nicht um eine Klassifizierung der Urteile, sondern um eine Erfassung elementarer logischer Funktionen (Handlungen und Momente des Verstandes), die in den einzelnen Urteilen ausgeübt werden und darin zum Ausdruck kommen. »Die Tafel der zwölf Urteilsformen ist für Kant erschöpfend. Sie gibt ein vollständiges Bild der Leistungen des Verstandes«. (Wenzel 2011, 2287)

PersonPhilosophInZitate

Thomas Bernhards Stil wird mit diesem Begriff charakterisiert, vgl. etwa: »Eine Prosa, die von Tiraden und Schimpfkanonaden gekennzeichnet ist, wird im Ausland längst als bernhardesk rezipiert; in Österreich ist diese besondere Art des Räsonierens nichts Außergewöhnliches« (Betz 2003, 76).

PersonAutorIn/JournalistIn

Abgewandeltes Zitat der Figur Reger aus »Alte Meister«: »Wohin immer wir heute in diesem Land schauen, wir schauen in eine Senkgrube der Lächerlichkeit« ( Bernhard 2008 , 76). Bernhard zitiert diese Metapher im September 1985 in einer »Erwiderung« der kurz davor getätigten öffentlichen Aussage des damaligen Finanzministers Franz Vranitzky, dass Bernhards Theaterstück »Der Theatermacher«, das Österreich-Beschimpfungen enthalte, mit Steuergeldern finanziert sei: »Der Herr Vranitzky ist [...] genau einer von jenen dubiosen Nadelstreifsozialisten à la Kreisky, die unseren österreichischen Staat als die Zweite Republik dorthin gebracht haben, wo er heute ist, in der Senkgrube der Lächerlichkeit ( Alte Meister!), an seinem Ende.« (Bernhard 1985b)

PersonAutorIn/JournalistInPolitikerInZitate

Zitat aus Bernhards »Alte Meister«: »An jedem Morgen steigt uns die Schamröte ins Gesicht vor soviel Lächerlichkeit, mein lieber Atzbacher, das ist die Wahrheit.« (Bernhard 2008, 76)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Der Kritiker Rolf Michaelis (1933–2013) wurde nach seiner leitenden Tätigkeit bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«1973 Leiter des Literaturteils der Wochenzeitung »Die Zeit«, 1985–1998 war er dort Feuilletonredakteur.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Kofler meint wahrscheinlich den Germanisten Peter Demetz (* 1922 in Prag), der ab 1974 für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« rezensierte.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Zitat aus Thomas Bernhards »Alte Meister«: »Sie leben in einer durch und durch lächerlichen und in Wirklichkeit verkommenen Welt, sagte er« (Bernhard 2008, 76).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Weiteres Zitat aus Michaelis’ Bernhard-Rezension: »In diesen in Vernichtungswut kreisenden, sich aufschichtenden Sätzen ist – erstem Anschein entgegen – kein Wort zuviel und jeder Hinweis wichtig« (Michaelis 1986).

PersonAutorIn/JournalistIn

Zitat aus Thomas Bernhards »Alte Meister«: »Die ganze Welt ist heute eine lächerliche und DAZU ZUTIEFST peinliche und kitschige, das ist die Wahrheit« (Bernhard 2008, 80).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Zitat aus »Alte Meister«: »Ein so schönes Land, sagte Reger, und ein so abgrundtiefer moralischer Morast, sagte er [...]« (Bernhard 1985a , 264).

PersonZitate

Rolf Michaelis schreibt in seiner Rezension von » Thomas Bernhards Kunst der Fuge« (Michaelis 1986). Die Kunst der Fuge ist ein Zyklus von Fugen und Kanons von Johann Sebastian Bach (1685–1750), Erstdruck 1751.

PersonAutorIn/JournalistInMusikerIn

Kofler bezieht sich hier auf die Besprechung von Thomas Bernhards »Der Untergeher«»«von Peter Demetz (s. Eintrag ›Peter Demetz‹) in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« und deren Untertitel: »Thomas Bernhard schreibt sich energisch und unbeirrt in die Weltliteratur hinein«. (Demetz 1983) Demetz nützt die Rezension zu einem Rundblick auf das Œuvre, dessen Wiederholungen und in seinen Augen schematisches Figureninventar er durchaus kritisch sieht, das er jedoch mit dem »Untergeher« und seinen Vorgängern »Die Billigesser«und »Wittgensteins Neffe« auf dem unbeirrbaren Weg in die Weltliteratur sieht.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

»Zeichen« und »Bedeutung« sind zwei Begriffe, die in ihrer Beziehung zueinander zentral sind für den linguistischen Strukturalismus: Nach dessen Begründer, Ferdinand de Saussure (1857–1913), kommt einem Zeichen keine Bedeutung aus sich heraus zu, Bedeutung ist vielmehr ein Effekt der Verwendung der Zeichen durch die Sprachgemeinschaft. Sprache als ein System von Zeichen setzt sich laut de Saussure aus zwei Komponenten zusammen: dem Ausdruck (»signifikant«) und dem Inhalt (»signifié«), d.h. einer Lautgestalt und einer Bedeutungsvorstellung. (vgl. Nünning 2004, 634)

PersonAutorIn/JournalistIn

s. Eintrag ›Atzbacher‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Poesie der Urteilstafeln‹

Medien

Jean-Baptiste Grenouille: Protagonist des Bestsellers »Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders« (1985). Der im Paris des 18. Jahrhunderts angesiedelte Roman von Patrick Süskind (s. Eintrag ›Süskind-Syndrom‹) erzählt die Geschichte eines Parfumeurs mit außergewöhnlichem Geruchssinn.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

Variiertes Zitat aus Süskinds »Das Parfum«: »Es stanken die Flüsse, es stanken die Plätze, es stanken die Kirchen, es stank unter den Brücken und in den Palästen.« (Süskind 1985, 6)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variiertes Zitat aus Süskinds »Das Parfum«: »Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett; die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigem Staub, die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien stanken die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen stank das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen […]« (Süskind 1985, 5–6).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variiertes Zitat aus Süskinds »Das Parfum«: »Der Bauer stank wie der Priester, der Handwerksgeselle wie die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel [...]« (Süskind 1985, 6).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Wörtliches Zitat aus Süskinds »Das Parfum«: »Die Luft war schwer vom süßen Schweißgeruch der Lust [...]« (Süskind 1985, 303).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variiertes Zitat aus Süskinds »Das Parfum«: »Männer stolperten mit irren Blicken durch das Feld von geilem aufgespreiztem Fleisch […] kopulierten in unmöglichster Stellung und Paarung, Greis mit Jungfrau, Taglöhner mit Advokatengattin, Lehrbub mit Nonne, Jesuit mit Freimaurerin, alles durcheinander, wie’s gerade kam« (Süskind 1985, 303).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

s. Eintrag ›der Signifikant mit dem Signifikat‹

Medien

Kofler meint hier möglicherweise nicht nur das englische Wort für Verlierer, sondern dürfte auch auf Andreas Loser, Protagonist in Peter Handkes Roman »Der Chinese des Schmerzes« (1983), anspielen.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Naglist der Name des Protagonisten in Gerhard Roths Roman »Winterreise« (1978), der seinen Lehrerberuf aufgibt und sich mit seiner Freundin Annaauf eine Italienreise macht. In Koflers »Aus der Wildnis« spielt die »Winterreise« eine stärkere Rolle, u.a. persifliert Kofler eine Sexszene aus dem Roman (s. Eintrag ›Winters Reiseabenteuer‹).

PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

Michael Schrott (* 1949), österreichischer Radiojournalist, ab 1984 u.a. für Ö1; seine erfolgreichste und mit Preisen ausgezeichnete Produktion war die 1986 in der »Ö3-Musicbox« ausgestrahlte 50-teilige Radioserie »Italienische Reisen – Goethe 1786 – Schrott 1986«

PersonAutorIn/JournalistIn

Abgewandeltes Zitat aus Becketts Roman »Molloy«, s. Eintrag ›Eine Praxis ist so gut wie die andere‹

PersonAutorIn/JournalistInMedienZitate

Aufkleber der deutschen Bundeswehr aus den 1980er Jahren mit einem Igel, der BRD-Flagge und den Worten: »Ich bin für Verteidigung«

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Koflers Aufzählung bezieht sich auf drei real existierende Firmennamen. Bilderland war eine von 1967 bis 2002 bestehende Grazer Firma für Fotoausarbeitung, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre in Wien auch Kultursponsoring betrieb. Der Wiener Unternehmer Horst Jeschek gründete 1971 die Firma Teppichland, die er zu einer Handelskette mit Fachmärkten ausbaute, 1999 ging die »Holz-Steiner Teppichland und Fliesencity AG« in Konkurs. Die Bezeichnung Grabsteinland für Steinmetzbetriebe, die sich auf Grabsteine spezialisiert haben, findet sich an mehreren Orten, u.a. in Wien-Simmering in der Nähe des Zentralfriedhofs. Die Bezeichnung Pizzaland trat und tritt im deutschsprachigen Raum ebenfalls mehrmals auf, vornehmlich für Gastronomiebetriebe und Restaurantketten, die einen Pizza-Lieferdienst oder -Gassenverkauf anbieten.

PersonUnternehmerIn

Christoph Willibald Gluck (1714–1787), deutscher Opernkomponist, der viele Jahre seines Lebens in Wien verbrachte. 1750 heiratete er hier und wurde einige Jahre später Kapellmeister, nach seinen Pariser Jahren (1770–1779) lebte er bis zu seinem Tod wieder in Wien.

PersonMusikerIn

Reinfried war der zweite Vorname Werner Koflers.

»Die amerikanische Nacht« (1973): Kinofilm des französischen Regisseurs Francois Truffaut, der ein spezielles technisches Verfahren – einen Filtertrick (nach dem Film »Amerikanische Nacht« oder »Day-for-Night« genannt) – anwendet, um dem Zuschauer zu suggerieren, es sei Nacht, obwohl die jeweilige Szene am Tag gedreht wurde.

PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/Radio

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

Der Schweizer Schriftsteller Hermann Burger (s. Eintrag ›Wasserfallfinsternis‹) setzte sich im Oktober 1985 in einem Artikel für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« kritisch mit Koflers Roman »Konkurrenz « auseinander. Nachdem Ulrich Weinzierl im März des Jahres das Werk positiv besprochen hatte (vgl. Weinzierl 1985), hebt Burger zu einer Fundamentalkritik an: Das Juristendeutsch sei naiv nachgebildet, die Spannung sabotiert, Klischee folge auf Klischee, Kofler habe sich »hoffnungslos verrannt«, der Roman strotze vor Geschmacklosigkeiten. Der Artikel ist nicht als »kritische Anmerkung« ausgewiesen, Burger spricht einmal von der »Quintessenz meiner Kritik« am Roman (Burger 1985).

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

In den 1950er Jahren hergestelltes Radiomodell der Wiener Firma Kapsch

Die Aktion »Denk ans Herz« (1986) war eine Radioprogramminitiative des ORF und der österreichischen Ärztekammer zur Prophylaxe von Herzerkrankungen.

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MedienWerbung/Inserat

Bezug zu dem von Joseph Goebbels geführten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, 1918 existierte in Österreich ein »Ministerium für Volksgesundheit«.

PersonNationalsozialistIn

»Der stumme Frühling« (im Original: »Silent Spring« , 1962): Sachbuchbestseller der Biologin Rachel Carson (1907–1964), die darin den Einsatz von Pestiziden scharf kritisiert. Das Buch gilt als ein Auslöser der amerikanischen Umweltbewegung und als Klassiker der ökologischen Literatur.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Dave Shand (* 1956), kanadischer Eishockeyspieler, spielte in der kanadischen und amerikanischen Profiliga, von 1985 bis 1989 für den KAC in Klagenfurt, danach Trainer; Jus-Studium in Michigan, seither Scheidungsanwalt.

Brian Stankiewicz (* 1956), kanadischer Eishockey-Torhüter, kam 1980 nach Österreich und wurde eingebürgert, er spielte hier in Salzburg, Wien, Innsbruck, Graz sowie im Nationalteam. Nach seiner aktiven Karriere kehrte er nach Kanada zurück.

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

Im Nachlass findet sich ein Formular mit der Bezeichnung »Vermögensverzeichnis § 47 Abs. 2 EO [Exekutionsordnung]«. Es dient bei einem Exekutionsantrag der gegenüber dem Gericht verpflichtenden Angabe sämtlicher »Vermögensstücke«. (11/W7/1)

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Kofler montiert auf den folgenden Seiten Textteile aus dem »Vermögensverzeichnis« (kursiviert): »Der Schuldner »wird zu beschwören haben, daß «die folgenden Angaben »richtig« und vollständig »sind«. […] »Was besitzen Sie? 1. Bargeld? 2. Wertpapiere, Sparbücher, Pfandscheine« (genaue Bezeichnung, Aussteller, Nummer usw.)? »3. Schmuck und sonstige Wertsachen,« Taschen»uhren und Ketten,« Armbanduhren? 4. Wohnungseinrichtungsgegenstände ( »Möbel«,Spiegel, Teppiche, Wanduhren, Standuhren, Bilder)? 5. Küchengeräte, Speise- und Kochgeschirr? 6. Elektro- und Gasgeräte (Elektroheizöfen, »Bestrahlungslampen, elektrische Kochtöpfe«,Kühlschränke, Waschmaschinen, Mixer, elektrische »Rasierapparate«, Gasofen, Gaststrahler)? 7. »Kleidungsstücke« (Kleider, Anzüge, Mäntel), Hüte, »Mützen, Schuhe, Schirme, Stöcke«?; 8. Wäsche (Leib-, Tisch und Bettwäsche), Vorhänge, »Vorräte zur Anfertigung von Wäschestücken« (Leinwand usw.)? »9. Taschen, Koffer, Körbe?« 10. Ski, »Skiausrüstung, Faltboot, andere Sportgeräte, Waffen?« 11. Schreib-, Rechenmaschinen, Vervielfältigungsgeräte? 12. »Nähmaschinen«, sonstige Maschinen, Handwerkszeug, Wirtschaftsgeräte? 13. »Bücher, Landkarten, Sammlungen«, Musikinstrumente? 14. Fotoapparate, andere Fotogeräte, Filmgeräte, Feldstecher? 15. Radiogeräte, »Fernsehgeräte«, Plattenspieler, Schallplatten, Tonbandgeräte? 16. Warenvorräte? 17. Geschäftseinrichtungsgegenstände, »Kisten, Fässer, Flaschen? «18. »Vieh«und andere Haustiere? 19. »Wagen und Geschirr? «20. »Vorräte an« Getreide, Früchten, Futter, Nahrungs- und »Genußmitteln (Wein- und Biervorräte usw.)?« 21. Feuerungsmittel? 22. Fahrräder, Motorroller, »Motorräder, Kraftfahrzeuge, Motorboote« oder andere Fahrzeuge (polizeiliches Kennzeichen, Ein- oder Abstellplatz)? 23. Schrebergartenhütte, Verkaufshütte, Haus auf fremdem Grund?« (11/W7/1)

s. Eintrag ›Süskind-Syndrom‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Utta Danella (1924–2015), deutsche Unterhaltungsschriftstellerin (bürgerl. Name: Utta Denneler), die Gesamtauflage ihrer Bücher wird auf 70 Millionen geschätzt. Seit 2000 werden ihre Bücher von der ARD in einer nach der Autorin benannten Reihe verfilmt.

PersonAutorIn/JournalistIn

In der Erzählung »Lenz« (postum 1839) schildert Georg Büchner einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792), seinen Aufenthalt »im Gebirg«, im Steintal (Vogesen), bei Pfarrer Oberlin.Der Text hat einen der bekanntesten Anfänge der deutschsprachigen Literatur: »Den 20. ging Lenz durch’s Gebirg.« (Büchner 1986, 5) Lenz gehört zu den von Kofler geschätzten Außenseitern.

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Die am 1. 8. 1975 in Helsinki unterschriebene Schlussakte der KSZE (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) gliederte sich in drei Arbeitsfelder, die man auch als »Körbe« bezeichnete. Diese Dreiteilung hat bis heute in den »drei Dimensionen« der OSZE Bestand (1: Sicherheit und Abrüstung; 2: Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Umwelt; 3: humanitäre Belange).

TopographieOrtschaftEreignis

Zur Zeit der Entstehung konnten die in einem »Medienkoffer« versammelten Unterrichtsmaterialien z.B. Leuchtstifte, Videos, Kassetten, Bücher, Spiele oder Dias umfassen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war die Einführung eines Medienkoffers zur Sexualerziehung (auch »Sexualkoffer« oder »Sexkoffer« genannt), der 1989 an die Schulen kam, österreichweit ein intensiv diskutiertes Thema.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um den Schutz der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in Südtirol wurde 1969 das sogenannte Südtirol-Paket, das die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Autonomie enthielt, unterzeichnet. Es trat 1972 in Kraft.

Ereignis

In »Guggile« schreibt der Ich-Erzähler davon, dass »meine großeltern mütterlicherseits [...] schneider gewesen« seinen, »schneider der opa, schneiderin die oma« (GU 26).

Die nordkoreanische Chuch’e-Ideologie versteht sich als Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus, sie stellt die Interessen Nords über jene der internationalen kommunistischen Bewegung. Kim Il-sŏngs Buch »Über Dschutsche in unserer Revolution« erschien 1979 in Pjongjang auch auf Deutsch.

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PersonPolitikerInZitate

Mao Tse-tung (1893–1976), Vorsitzender der KP Chinas ab 1943, prägende Figur der chinesischen Geschichte im 20. Jahrhundert, auch »Großer Vorsitzender« genannt. Der Maoismus, der sich aus seinen Schriften herleitete, war in der linken europäischen Studentenbewegung der späten 1960er und frühen 1970er Jahre populär. Kofler meint hier wohl die »Ausgewählten Werke« in vier Bänden, 1955 im Ostberliner Dietz-Verlag und 1968/69 im Pekinger Verlag für fremdsprachige Literatur erschienen. Band 1 dieser Ausgabe befindet sich in der Nachlassbibliothek.

PersonPolitikerInZitate

Anspielung auf eine Publikation Mao Tse-tungs: »Vom Kriege « (1969)

PersonPolitikerInZitate

Anspielung auf die Publikation Mao Tse-tungs »Über den Widerspruch« (1954)

PersonPolitikerInZitate

Ab 1964 erschien die so betitelte deutschsprachige Ausgabe der »Peking Review«, die vor allem vonmaoistischen Organisationen in der BRD bezogen wurde.

MedienZeitung/Zeitschrift

General Tschu Teh (auch: Zhu De, 1886–1976), Oberbefehlshaber der kommunistischen Truppen im chinesischen Bürgerkrieg.

PersonPolitikerIn

Titel einerin den 1970er Jahren in China beliebten »Peking-Oper«, ein »revolutionäres Musterstück«, das den Sieg von Maos Partisanenarmee über eine Räuberbande, die sich am »Tigerberg« verschanzt hat, feiert.

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PersonPolitikerIn

Karl May schrieb 1888 für die Knabenzeitung »Der gute Kamerad« die Erzählung »Der Geist des Llano Estacado«. Darin treibt eine Bande, die »Die Geier« genannt wird, ihr Unwesen. Zwei Jahre später wurde die Erzählung gemeinsam mit »Der Sohn des Bärenjägers« (1887) mit geringen Änderungen zum ersten »Jugendroman« Mays zusammengeführt (»Unter Geiern«). »Unter Geiern« wurde 1964 mit angepasstem Drehbuch und in der bekannten Besetzung mit Pierre Brice als Winnetou verfilmt.

PersonAutorIn/JournalistInSchauspielerIn/RegisseurInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

Anspielung auf die Süßwarenfabrik von André Hellers Eltern (s. Eintrag ›André Heller‹)

PersonAutorIn/JournalistInMedien

1971 von der RAF (Roten Armee Fraktion) verfasstes 14-seitiges Positionspapier, das den bewaffneten Kampf aus der Illegalität heraus rechtfertigt. Teile tragen die stilistische Handschrift Ulrike Meinhofs. (vgl. Colvin 2009, 94f.) Das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« brachte am 26. April 1971 Ausschnitte. In der Nachlassbibliothek findet sich ein Exemplar der Flugschrift (125/S1/9).

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PersonPolitikerInMedienZeitung/Zeitschrift

Fritz Teufel (1943–2010) und Rainer Langhans (* 1940) waren Gründer der »Kommune I«, die ab 1967 aus der Studentenbewegung und als Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie entstand. Die Kommunarden lebten in unterschiedlichen Wohnungen in Berlin, u.a. in den leerstehenden Wohnungen von Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson. Beteiligungen an politischen Aktionen (gegen konservative Gesellschaftsbedingungen, gegen den Vietnam-Krieg, etc.) in den 1960er Jahren, auch im Umfeld von Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die 1970 gemeinsam mit Ulrike Meinhof die linksextremistische terroristische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) gründeten.

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TopographieOrtschaftPersonPolitikerInAutorIn/JournalistInMedien

Alfred Döblin (1878–1957), deutscher Schriftsteller, 1929 erschien sein Großstadtroman »Berlin Alexanderplatz«. Im einem Brief an seinen Lektor Delf Schmidt schreibt Kofler über »Am Schreibtisch« als »eine Art Überleitung, Vorformen zum dritten Buch (meinem Ulysses, meinem ALEXANDERPLATZ – ein 200-Seiten-Werk zeichnet sich ab« (Amann 2000, 188f.)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Albert Ehrenstein (1886–1950), Lyriker und Erzähler, Sohn jüdisch-ungarischer Eltern, verfolgt, emigriert, Kontakt zu Vertretern des Expressionismus wie Werfel, Benn, Lasker-Schüler; publizierte u.a. in Karl Kraus’ »Fackel«

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/Zeitschrift

Österreichischer Operettenfilm (1934), typisches Beispiel des so genannten Wiener Films, der in den 1930er Jahren seine Hochphase erlebte, Elemente der Genres Komödie, Liebesfilm, Melodram und Historienfilm verquickte und das historische Wien als Schauplatz der Handlung inszenierte. Regie führte Willi Forst, der gemeinsam mit Walter Reisch auch das Drehbuch verfasst, für die weibliche Hauptrolle wählte ForstPaula Wessely, die hier erstmals vor der Kamera stand.

PersonSchauspielerIn/RegisseurInAutorIn/JournalistInMedienFilm/Fernsehen/Radio

Willi Forst (1903–1980), österreichischer Schauspieler, Sänger, Drehbuchautor und Regisseur, ab 1934 war er als Eigner der Will-Forst-Film auch Produzent. Während der NS-Zeit drehte Forst für die »Wien-Film«, der seine Produktionsfirma unterstellt wurde, vier leichte Unterhaltungsfilme (»Operette«, »Wiener Blut«, »Frauen sind keine Engel«, »Wiener Mädeln«). Nach 1945 wird er diese Arbeiten als Statements für »das Österreichische« bezeichnen, es sei darum gegangen, schreibt er 1946 in einem seiner Leitartikel für die Zeitschrift »Film«, »das letzte Österreichische […] vor den langen Fingern der braunen Herren zu verbergen«. (Heiss 2003, 112) Nach 1945 betätigte er sich am Heimatfilm-Sektor, 1947 produzierte er »Der Hofrat Geiger«.

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PersonSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/RadioZeitung/Zeitschrift

Zitat aus einer Rede Mao Tse-tungs am 26. Mai 1939, das »Konzept Stadtguerilla« zitiert es am Titel. (Rote Armee Fraktion 1971, 1)

PersonPolitikerIn

Von Studentenführer Rudi Dutschke (1940–1979) geprägte Formulierung in seiner Forderung an die sozialrevolutionären Kräfte Deutschlands, das seiner Meinung nach repressive und manipulative gesellschaftliche und politische System durch die berufliche Praxis in Behörden, Schulen und anderen Institutionen zu verändern. Anspielung auf den historischen »Langen Marsch« Mao Tse-tungs 1934/35, bei dem er die kommunistischen Truppen der chinesischen Roten Armee über rund 12.000 Kilometer von Kiangsi nach Schensi führte und der als Symbol für den Sieg der Revolution gilt.

PersonPolitikerInEreignis

Wilhelm Zobl (1950–1991), österreichischer Komponist und Musikwissenschaftler, Studien in Wien, Warschau und Ost-Berlin, ab 1987 Lehrer für elektroakustische Musik an der Musikhochschule Wien; stark beeinflusst von Bert Brecht und Hanns Eisler. »Musik ist für mich ein Mittel zur Kommunikation, zur ungeschminkten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.« (Goertz 1989, 237) Das KPÖ-Mitglied Zobl (daher »Genosse) war mit Elfriede Jelinek, mit der ihn 1969 eine Liaison verbunden hatte (vgl. Mayer/Kober 2006, 54), und mit Werner Kofler befreundet.

PersonMusikerInAutorIn/JournalistIn

Wilhelm Reich (1897–1957), austro-amerikanischer Psychiater, Sexualforscher und Soziologe. Der besonders in den 1970er Jahren gebräuchliche Ausdruck »sexuelle Revolution« bezieht sich auf den Titel von Reichs 1945 veröffentlichtem Werk »The Sexual Revolution« (dt. 1966), in dem er die Doppelmoral der Gesellschaft kritisierte und die negativen Folgen der Unterdrückung sexueller Triebe (Frustration, Aggression, Lust an Herrschaft und Unterwerfung) betonte. »Die Funktion des Orgasmus. Zur Psychopathologie und zur Soziologie des Geschlechtslebens« erschien 1927.

PersonAutorIn/JournalistIn

Tupamaros, vollständige Bezeichnung: Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros (MLN-T, Nationale Befreiungsbewegung – Tupamaros), kommunistische Guerillabewegung Uruguays, von 1963 bis 1972 als Untergrundbewegung tätig; nach dem Ende der Militärdiktatur 1985 gründete sich eine Partei gleichen Namens. Ende der 1960er entstanden nachahmende Bewegungen in Europa, u.a. ab 1969 die »Tupamaros West-Berlin«.

Der junge Werner Kofler las am 22. April 1968 im Salzburger Literaturforum »Leselampe«. In einer Besprechung der Lesung im »Salzburger Volksblatt« stand zu lesen, dass das »etwas verwirrte Publikum« um einen »Leitfaden zum Prosatext« gebeten und »mit dem Hinweis: ›Assoziatives Delirium‹« erhalten habe (Carsten 1968). Der Zeitungsausschnitt hat sich (ohne Datums- und Quellenangabe) im Nachlass erhalten (11/S6), Datum (24. 4. 1968) und Medium der Besprechung konnten eruiert werden.

Der Wachtelkönig gehört, zoologisch gesehen, zur Ordnung der Kranichvögel und ist nicht mit den Wachteln (Ordnung: Hühnervögel) verwandt. Da er etwas größer ist als die Wachtel, bezeichnete man ihn als König der Wachteln. Kofler bezieht sich wahrscheinlich auf das Gedicht »Dir untertänig durchs Mondgehör« von Christine Lavant, 1962 in einer Literaturzeitschrift erschienen. Die zweite Strophe lautet: »Du, wenn die dritte Saatfolge keimt [/] und das Enkelglied nachwächst im Hungerhalm, [/] bei Sonnenaufgang erwartet dich dann [/] der Wachtelkönig und ruft und verruft [/] jeden Tritt deiner herrischen Hufe [/] und verquert dir die Lichter« (Lavant 2014, 603).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

s. Eintrag ›Ackeley‹

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Medien

»Gier unter Ulmen«, Theaterstück des US-amerikanischen Dramatikers Eugene O’Neill (1888–1953), 1924 entstanden (Originaltitel: »Desire under the Elms«); Liebesdrama um eine Kindsmörderin im ländlichen New England um 1850, mit Versatzstücken griechischer Tragödien. 1958 wurde das Stück mit Sophia Loren und Anthony Perkins verfilmt (dt. »Begierde unter Ulmen«).

PersonAutorIn/JournalistInSchauspielerIn/RegisseurInMedienFilm/Fernsehen/RadioZitate

Beginn von Friedrich Hölderlins »Abendphantasie« (1799): »Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sizt [/] Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Heerd. [/] Gastfreundlich tönt dem Wanderer im [/] Friedlichen Dorfe die Abendgloke« (Hölderlin 1992, 230).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

In dem in der Nachlassbibliothek vorhandenen Buch zur »Geschichte des Kärntner Bergbaues«, das Kofler nachweislich zur Abfassung von »Der Hirt auf dem Felsen «konsultiert hat, wird ein Aufsatz dieses Titels aus dem Jahr 1940 erwähnt. (Wießner 1950, 23)

Zitate

Anspielung auf zwei zentrale Ereignisse der jüngeren Geschichte Österreichs, in denen der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) eine Rolle spielte. 1) Ende September 1950 kam es zu Streiks mit Ausschreitungen wegen geplanter Preissteigerungen. Da kommunistische Betriebsräte maßgeblich an der Organisation der Streiks beteiligt waren, wurde der »Oktoberstreik« – in einer Hochphase des Kalten Kriegs – auch als kommunistischer Putschversuch interpretiert. (vgl. Rathkolb 1991) Der Chef der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, Franz Olah, mobilisierte »Schlägertrupps«, um gegen die kommunistischen Anführer der Streiks vorzugehen und den Streik zu beenden. 2) Als es vor Baubeginn eines Donaukraftwerks bei Hainburg1984 zu Protesten von Umweltschützern kam, trat ÖGB-Chef Anton Benya vehement für den Bau ein. Als Kraftwerksgegner im Dezember 1984 den Baubeginn durch die Besetzung der Stopfenreuther Au verhinderten, kündigte Benya die Bereitschaft der Gewerkschaft zu einer gewaltsamen Räumung des Baugeländes an. Eine angekündigte Großdemonstration der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft vor Ort, die wahrscheinlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hätte, wurde auf Betreiben von Bundeskanzler Sinowatz abgesagt. Benya erreichte aber eine Räumung des Geländes am 19. Dezember durch die Polizei. Die Besetzung konnte dadurch allerdings nicht längerfristig verhindert werden, Regierung und ÖGB mussten schlussendlich einlenken. (vgl. Kriechbaumer 2008, 308–310)

TopographieOrtschaftPersonPolitikerInEreignis

Vor allem in der historischen Schule der Nationalökonomie und in der marxistischen Theorie gebräuchliche Bezeichnung für das angenommene Endstadium des Kapitalismus. Die Autoren der Frankfurter Schule (Max Horkheimer, Theodor W. Adorno) verwendeten diesen Begriff für den nachliberalen, monopolistischen Kapitalismus. Jürgen Habermas’ »Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus« (1973) trug dazu bei, dass der Begriff ein »berüchtigtes Reizwort aus den Theoriekämpfen der siebziger Jahre [wurde]. Gemeint war damit, dass Demokratie und Kapitalismus keine natürlichen Verbündeten sind.« (Asshauer 2012)

PersonPhilosophInZitate

Hier verwendet Kofler wieder das im Nachlass vorhandene Formular zum Vermögensverzeichnis (s. Eintrag ›Fragebogen‹) und zitiert den Abschnitt »B. Forderungen«, in dem Schuldner aufgefordert wird, »Forderungen, die er selbst an Dritte zu stellen hat, zahlenmäßig anzuführen.«

Medien

s. Eintrag ›Vor seiner Hütte‹

Medien

Anspielung auf die Theorien der französischen Feministin, Psychoanalytikerin und Kulturtheoretikerin Luce Irigaray (* 1930). Sie kritisiert in ihren Schriften den Statuts der Frau als Ware, diese sei »in zwei unversöhnliche Körper geteilt: ihren ,natürlichen‘ Körper und ihren gesellschaftlich wertvollen, austauschbaren Körper: (mimetischer) Ausdruck männlicher Werte« (Irigaray 1979», «187). Die Frau habe »Wert nur, sofern sie getauscht werden kann«, so Irigaray – und unter expliziter Bezugnahme auf Marx: »Die Wirtschaft, im engen und allgemeinen Sinn, wie sie in unseren Gesellschaften besteht, erfordert also, daß die Frauen sich zur Entfremdung durch Konsumtion und zu den Tauschhandlungen, an denen sie nicht teilhaben, hergeben, und daß die Männer dem Gebrauch und ihrer Zirkulation als Waren entzogen werden.« Die Zirkulation der Frauen unter Männern sichere die patriarchale Gesellschaftsordnung (Irigaray 1979, 179).

PersonAutorIn/JournalistInPolitikerIn

Gemeint ist Helmut Zilk (1927–2008), mediengewandter Bürgermeister von Wien 1984–1994

TopographieOrtschaftPersonPolitikerIn

Anspielung auf Kurt Waldheim (1918–1907): Kofler impliziert aus dem physiologisch-antisemitischen Vorurteil der Hakennase eine Antithese zu Waldheims Kampagne zur Bundespräsidentenwahl 1986, in deren Verlauf es zu einem Aufwallen des Antisemitismus in Österreich kam (s. Eintrag ›Waldheim, er ist gerade nicht da‹).

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PersonPolitikerInMedienEreignis

Mitglied der Wiener Adelsfamilie Pallavicini, die u.a. das gleichnamige Palais am Josefsplatz besitzt

Die zweite Frage zu den Forderungen im Vermögensverzeichnis lautet: »2. Wodurch ist die Forderung entstanden?«

Die von Kofler hier genannte Zahl ist deutlich übertrieben: In Österreich werden die Zahlen der so genannten Drogentoten seit dem Jahr 1985 erhoben, wobei damals auch Personen, die an Folgeerkrankungen verstarben, dazugerechnet wurden. 1985 gab es in Österreich 58, 1986 46 Fälle ( Busch 2015 ). Für die Situation in Deutschland stammen die ältesten noch vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 1988 (670 Todesfälle, 1989: 944). Die Zahlen wurden in den damals so genannten Rauschgiftjahresberichten des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) veröffentlicht. (Focke 2015)

Der Nordatlantik-Pakt, die NATO (North Atlantic Treaty Organisation), war seit dem »Doppelbeschluss« 1979 und der daraus folgenden Stationierung von Atomraketen in Deutschland 1983 massiven Protesten ausgesetzt.

Ereignis

Roberto Gallo bezeichnete 1984 den von ihm kurz nach dem Franzosen Luc Montagnier entdeckten HI-Virus als HTLV, Typ III – diese Bezeichnung hielt sich nicht lange. Das HI-Virus verbreitet sich seit Anfang der 1980er Jahre, es wird über Körperflüssigkeiten übertragen und kann zum Ausbruch von AIDS (engl. Acquired Immunodeficiency Syndrome) führen.

1945 wurde in den USA die heute noch bestehende Hilfsorganisation CARE gegründet (»Cooperative for American Remittances to Europe«). Ihre Hauptaufgabe bestand im Versenden von Lebensmittelpaketen nach Europa.

Standort des US-amerikanischen Militärs, 1943–1969 wurde Fort Detrick für die Entwicklung biologischer Waffen genutzt.

Demonstrationsslogan, der sich auf den US-Präsidenten Ronald Reagan (1911–2004) und das vom libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi (1942–2011) eingeführte »Volksgericht« – eine Nachfolgeinstitution der »Revolutionsgerichte«, die außerhalb der restlichen Judikative stand – bezieht.

PersonPolitikerIn

Kärntnerischer Diminutiv von »Tögl«, dem hochdeutschen Tiegel entsprechend, Matthias Lexers »Kärntisches Wörterbuch« (1862) liefert zwei Begriffserklärungen: »ein irdenes Gefäss, schmalztögl, dann auch ein unbehülflicher, ungeschickter Mensch« (Lexer 1862, 61f.).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Vogel Bülow hat sich als Bezeichnung für den Singvogel Pirol in Anleihen an den Namen des deutschen Adelsgeschlechts Bülow in deren mecklenburgischer Heimat etabliert. Der Künstlername des Humoristen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, Loriot, ist die französische Bezeichnung für diesen Vogel.

PersonSchauspielerIn/RegisseurIn

s. Eintrag ›Auf den Spuren des Wachtelkönigs‹

Medien

s. Eintrag ›Vor seiner Hütte‹

PersonMedien

s. Eintrag ›Vor seiner Hütte‹

Medien

Ausschnitt aus Hölderlins »Abendphantasie«, 5. Strophe: »In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb’ und Laid! – [/] Doch, wie verscheucht von thöriger Bitte, flieht [/] Der Zauber; dunkel wirds und einsam [/] Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –« (Hölderlin 1992, 231).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Variation der Hölderlin’schen »Abendphantasie«: »Gastfreundlich tönt dem Wanderer im [/] Friedlichen Dorfe die Abendgloke« (Hölderlin 1992, 230).

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Kofler bezieht sich hier (und im gesamten »Museumsabschnitt«) auf Fragen der musealen Darstellbarkeit, Instrumentalisierung und Simulation von Geschichte sowie der Erinnerungskultur – Fragen, die im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung eines »Deutschen Historischen Museums« in Berlin während der 80er Jahre intensiv öffentlich diskutiert wurden (vgl. Stölzl 1988), nicht zuletzt auch im Rahmen des sogenannten »Historikerstreits« um die zeitgeschichtliche Beurteilung des Holocausts. Das Museum wurde schließlich 1991 im Berliner Zeughaus eröffnet.

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TopographieOrtschaft

Textfragment in Franz Kafkas »Amerika« (bzw. »Der Verschollene«, entstanden zwischen 1911 und 1914, postum publiziert 1927)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Die seit 1916 über dem Westportal des Reichstagsgebäudes in Berlin in Versalien angebrachte Inschrift lautet: »Dem deutschen Volke«.

TopographieOrtschaft

Horst Kurnitzky (* 1938), deutscher Philosoph, Religionswissenschaftler und Architekt, lebt in Mexiko und Berlin. Er publizierte in den 1970er Jahren wie Kofler beim Berliner Verlag Wagenbach (u.a. »Triebstruktur des Geldes: Ein Beitrag zur Theorie der Weiblichkeit«, 1974), war auch als Filmregisseur tätig (u.a. gem. mit Marion Schmid: »Niemanns Zeit. Ein deutscher Heimatfilm«, 1984/85). Gemeinsam mit Schmid war er 1986 Gast des von Werner Kofler organisierten Autorenprojekts »Ohne Motto, ohne Konzept« in der Alten Schmiede, Wien. Er beteiligte sich ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre (u.a. mit Rudi Dutschke) an sozialrevolutionären Initiativen. (vgl. Holmig o.J.) 1968 gab er Guevaras Schriften zur Guerilla-Methode heraus. (vgl. Guevara 1968)

TopographieOrtschaftPersonPhilosophInPolitikerInMedienFilm/Fernsehen/RadioZitate

Kofler dürfte sich für dieses Bild an der Walhalla bei Regensburg orientiert haben. Am 6. Juni 1937 kam es dort zu einem großen Festakt anlässlich der Aufstellung einer Büste Anton Bruckners in der Ruhmeshalle – die vom Münchner Bildhauer Adolf Rothenburger geschaffene Büste blieb die einzige während der NS-Zeit in der Walhalla installierte. Ein Foto, das einen in Ehrbezeugung die Uniformmütze ziehenden Adolf Hitler vor der frisch enthüllten Büste auf einem schwarzen Postament mit Hakenkreuz zeigt, ziert das Cover des Standardwerks »Musik im NS-Staat « von Fred K. Prieberg, das Kofler offensichtlich für diese Passage konsultierte.

TopographieOrtschaftPersonMusikerInNationalsozialistInAutorIn/JournalistIn

Hans Pfitzner (1869–1949), deutscher Komponist und Musikschriftsteller. Fred K. Prieberg schreibt davon, dass Pfitzner bereits in den 1920er Jahren Verschwörungstheorien gegen linke Positionen vertrat und antisemitisch eingestellt war und damit »aus äußerster rechter Ecke […] eine scheinbar moralische Position [verfocht], die den Mythos von ,Blut und Ehre‘ vorwegnahm.« (Prieberg 1982 , 35) Pfitzners Musik war dann allerdings wenig »brauchbar« für den NS-Staat, die Zahl der Aufführungen seiner Werke ging nach 1933 zurück, Pfitzner hatte »das Gefühl der Enttäuschung über das Dritte Reich« (Kater 2004, 220). Das bedeutet aber nicht, dass er gar mit Repressalien zu kämpfen hatte: Er erhielt etwa von Goebbels eine persönliche Ehrengabe von 50.000 RM (vgl. Prieberg 1982, 131) und stand auf der Sonderliste der drei wichtigsten Musiker der »Gottbegnadetenliste« (vgl. Klee 2009, 413). Als sein Hauptwerk gilt die Oper »Palestrina« (1917).

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PersonMusikerInAutorIn/JournalistInNationalsozialistInMedienMusik

Norbert Schultze (1911–2002), deutscher Komponist und Dirigent, war als Kabarettist, Opernkapellmeister, Aufnahmeleiter einer Schallplattenfirma tätig, ab 1937, durch den Erfolg der Oper »Schwarzer Peter« (1936) ermutigt, freier Komponist, schrieb Filmmusiken sowie Kampf- und Soldatenlieder. Im Juni 1941 erhielt er von Goebbels den Auftrag für ein »Lied vom Feldzug im Osten«, das den Angriff auf die Sowjetunion propagandistisch begleitete (»Vorwärts nach Osten«, Refrain: »Von Finnland bis zum Schwarzen Meer, vorwärts, vorwärts! Vorwärts nach Osten, du stürmend Heer. Freiheit das Ziel, Sieg das Panier! Führer, befiehl, wir folgen Dir!« (Schultze 1941)

PersonMusikerInNationalsozialistInMedienMusik

Richard Strauss (1864–1949), deutscher Dirigent und Komponist, neben Hans Pfitzner der letzte Vertreter der musikalischen Spätromantik . Strauss’ Werk war »für das Ansehen des NS-Regimes von immenser kulturpolitischer Bedeutung, da schon bald nach der Machtübernahme die meisten bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten Deutschland verlassen hatten« (Karner 2002 , 82). Er wurde als »unpolitischer Botschafter« instrumentalisiert. Strauss wurde 1933 von Goebbels zum Präsident der Reichsmusikkammer ernannt, 1935 des Amtes enthoben, weil er am Libretto »Die schweigsame Frau« des »Nicht-Ariers« Stefan Zweig festhielt und ein kritischer Brief an Zweig ab gefangen wurde. Seine Werke erfreuten sich im NS-Staat ungebrochen großer Beliebtheit, er konnte ungestört in Garmisch-Partenkirchen komponieren, aber seine Bedeutung schwand, er galt in Berlin zusehends »als Fossil aus einer anderen Epoche« (Prieberg 1982, 210).

PersonMusikerInNationalsozialistInAutorIn/JournalistInZitate

Lehár (1870–1948), österreichischer Operettenkomponist. Die Libretti seiner Operetten wie »Die lustige Witwe« (1905) stammten durchwegs von jüdischen Schriftstellern. Da sich Goebbels für ihn einsetzte, konnten die Werke nach 1933 weiterhin aufgeführt werden. Seine jüdische Gattin wurde 1938 zur »Ehrenarierin« erklärt (eine umgangssprachliche Bezeichnung für die von Hitler persönlich genehmigten Ausnahmen vom Nürnberger »Reichsbürgergesetz« 1935). 1942 wurde am Linzer Landestheater »Das Land des Lächelns« in einer »Führerausstattung« inszeniert, der Librettist dieser Operette, Fritz Beda-Löhner wurde im selben Jahr in Auschwitz ermordet. (vgl. Goldberger/Sulzbacher 2008, 91)

PersonMusikerInNationalsozialistInAutorIn/JournalistInMedienMusik

Anton Bruckner (1824–1896) gehörte zu den im Nationalsozialismus am stärksten vereinnahmten Komponisten, Hitler schätzte seine Musik. Albert Speers Pläne für den Ausbau von Linz umfassten auch eine »Brucknerhalle«. Das Stift St. Florian, wo Bruckner drei Jahre in die Schule ging und 1845–1855 als Lehrer und Stiftsorganist tätig war, sollte als Sitz der Deutschen Bruckner-Gesellschaft und der Reichsrundfunkgesellschaft sowie mit einer Musikhochschule »den angemessenen Rahmen für die Bruckner-Verehrung bieten« (Goldberger/Sulzbacher 2008, 90). Das »1.Großdeutsche Brucknerfest«1939 in Linz, St. Florian und Wien war Ausdruck dieser nationalsozialistischen Vereinnahmung. Die Wiener Philharmoniker waren beteiligt, unter den Dirigierenden waren Eugen Jochum und Wilhelm Furtwängler, Letzterer hielt die Festrede. (vgl. Deutsche Bruckner-Gesellschaft 1939)

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PersonMusikerInNationalsozialistIn

Uniformmütze. Kofler beschreibt hier detailgenau das Coverfoto von »Musik im NS-Staat «von Fred K. Prieberg.

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PersonAutorIn/JournalistIn

Carl Orff (1895–1982), deutscher Komponist und Musikpädagoge. Über seine Rolle im »Dritten Reich« gibt es unterschiedliche Auffassungen, Orff selbst habe nach 1945 darauf beharrt, »dass sein Werk, besonders die szenische Kantate »Carmina Burana« ,von den Nazis geächtet worden und er ihnen als Komponist und Bürger suspekt gewesen sei« (Kater 2004, 151), meist wird er als »Mitläufer« eingestuft. Die 1937 in Frankfurt/M. uraufgeführte »Carmina Burana« wurde trotz kritischer Stimmen in der NS-Zeit zu einem großen Erfolg. 1938 übernahm Orff den Auftrag, seine früheren Kompositionen zu Shakespeares »Sommernachtstraum« zu überarbeiten, als Ersatz für das Stück des »Juden Mendelssohn-Bartholdy« (Wagner-Régenys »Sommernachtstraum«-Musik betrachtete man als der Dichtung nicht ebenbürtig). Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Orff dieNS-Ideologie guthieß (vgl. Kater 2004, 176), aber für das Regime war er politisch offensichtlich ohne Makel.

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Rudolf Wagner-Régeny (1903–1969), deutscher Komponist, beeinflusst u.a. von Kurt Weill und Hanns Eisler. Im Zentrum seines Schaffens stand die Oper; »Der Günstling oder Die letzten Tage des großen Herrn Fabiano« (1935) mit einem Libretto von Caspar Neher wurde zu einem großen Erfolg. Den Nationalsozialisten stand er anfangs »hilflos bis ablehnend« gegenüber (Karner 2002, 177), aber er nahm Aufträge an. 1934 lud die »NS-Kulturgemeinde« mehrere Komponisten ein, eine neue Instrumentalmusik zu Shakespeares »Sommernachtstraum« zu schaffen. Wagner-Régeny nahm, im Gegensatz etwa zu Hans Pfitzner und Werner Egk, die mit einem Honorar von 2000 Reichsmark verbundene Einladung an. (vgl. Prieberg 1982, 150f.) Seine Oper »Johanna Balk« führte bei der Uraufführung 1941 an der Wiener Staatsoper zu Tumulten zwischen Gegnern und Befürwortern dieser Musik. Wagner-Régeny arbeitete in der NS-Zeit als freischaffender Komponist und gab Kompositions- und Theorieunterricht, 1943–45 Militärdienst. Nach 1945 lebte er in der deutschen Sowjetzone bzw. DDR.

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Cesar Bresgen (1913–1988), österreichischer Komponist, Studium in München, 1936–1939 Tätigkeit beim »Reichssender München«, ab 1939 Leiter der »Mozartspielschar der HJ« und Professor für Kompositionslehre am Salzburger Mozarteum (1941 »Reichsmusikschule«). »Seine Arbeitsberichte zeigen das Bild einer engen Verzahnung von Musikunterricht und politischer Instrumentalisierung je nach Anlass.« (Nußbaumer 2013) 1944 gab das SS-Hauptamt eine »Bläserfanfare« >in Auftrag, die zur Eröffnung der Schau »Deutsche Künstler und die SS« in Salzburg ertönte. (vgl. Klee 2009, 71; Prieberg 1982, 15) Als Leiter der »Musikschule für Jugend und Volk« war er gemeinsam mit Tobias Reiser (s. Eintrag ›Tobias Reiser‹) Vorreiter der Musikerziehung in Salzburg. Das Orchesterstück »Totenfeier« (1937) wurde in der NS-Zeit viel gespielt ;Bresgens »Bläsermusik op. 17« umfasst einen »Festlicher Ruf« benannten Teil und ist für Blechbläser und Pauken notiert. Aufgrund seiner NS-Vergangenheit war Bresgenerst ab 1950 wieder am Mozarteum tätig.

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Werner Egk (1910–1983), deutscher Komponist, von seinem Freund Carl Orff beeinflusst, stilistisch lehnte er sich an Strawinsky und Weill an, was nicht der orthodoxen NS-Kunstauffassung entsprach. Nach 1933 passte er sich an und machte Karriere, er war etwa Kapellmeister an derBerliner Oper Unter den Linden und Funktionär in der Reichsmusikkammer. Mit der 1935 uraufgeführten »Spieloper« »Die Zaubergeige« gelang Egk der musikalische Durchbruch, »[d]as Werk kam mit seinem volkstümlichen Märchenstoff und einer Musik voller bayerischer Volksmelodien dem neuen Zeitgeschmack sehr entgegen.« (Karner 2002, 147) Für die Olympischen Spiele 1936 erhielt Egk einen Auftrag zu einer »Festmusik«, die am Eröffnungstag im Berliner Olympiastadion uraufgeführt wurde. Seine Kompositionen waren in der NS-Zeit nicht unumstritten, aber seitdem sich Hitler von seiner Oper »Peer Gynt« (1938) begeistert zeigte, war er sakrosankt, er stand auf der »Gottbegnadeten-Liste«. Im Jänner 1945 kam er der Einberufung zum Volkssturm nicht nach und setzte sich ab. Das ermöglichte ihm nach der Befreiung die Einstufung als »Antifaschist«. Egk zählte zu den bekanntesten Komponisten Nachkriegsdeutschlands und hatte zahlreiche öffentliche Positionen inne.

PersonMusikerInNationalsozialistInMedienMusik

Diese Figur in Werner Egks Oper »Die Zaubergeige« wird – der sprechende Name deutet es an – als Wucherer dargestellt: »So ein Sack voll Geld ist doch das beste Skapulier [Überwurf eines Ordensgewandes]. Ich weiß, was das Geld gilt und halt’s für meinen Gott!« (Egk 1935, 87f.) Die »verschwiegene Quelle« des Stücks »ist das berüchtigte Grimm-Märchen vom Juden im Dorn , der in der Oper als Wucherer Guldensack auftritt und den des Kaspars Geige so lange zum Tanzen zwingt, bis der ,unchristliche Geldwolf‘ bewusstlos zusammenbricht.« (Braunmüller 2001)

PersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienMusikZitate

Nachdem Josef Weinheber (1892–1945) mit dem Gedicht »Dem Führer« bereits eine Eloge zu Hitlers 50. Geburtstag 1939 geschrieben hatte, entstand – offensichtlich bei einem Treffen mit dem Intendanten des Reichssenders, Veit Roßkopf – im Jänner 1939 die Idee einer »Fleißaufgabe« (Berger 1999, 300). Das »Hörspiel« »Die Hohen Zeichen«, für das Werner Egk Fanfaren- und Orgelmusik komponierte, bezieht sich auf die Übersiedlung der Reichsinsignien von Wien nach Nürnberg. Im ersten Teil rufen Schwert, Krone, Zepter und Reichsapfel chorisch nach dem »Einen«, der zweite thematisiert die »Wanderschaft« der Insignien, der dritte sei, so Weinheber, »als Apotheose der endlich vollzogenen Einheit des Reiches und des Mannes zu verstehen, der sie schuf« (zit. n. Berger 1999, 299). Das Stück wurde am 19. April 1939, am Vorabend des »Führer-Geburtstags«, im Rundfunk gesendet, Egk dirigierte die Ursendung in Leipzig selber. (vgl. Herbort 1970)

PersonAutorIn/JournalistInNationalsozialistInMusikerInMedienMusikZitateEreignis

1941 vertonte Werner Egk einen Text von Hans Fritz Beckmann zum »Marsch der deutschen Jugend«, eine Komposition im Rahmen von Egks Filmmusik für »Jungens«, einen UFA-Propagandafilm (Regie: Robert A. Stemmle), der sich direkt an Kinder und Jugendliche richtete. Egks Marsch erlangte in der Folge innerhalb der Hitlerjugend große Beliebtheit. Der Refrain lautet: »Fahren, Fahren wir! Die Fahne weht voran! [/] Groß-Deutschland heißt unser stolzes Schiff, [/] drauf steh’n wir, Mann für Mann!« (zit. nach Prieberg 1982, 26)

PersonMusikerInAutorIn/JournalistInSchauspielerIn/RegisseurInMedienMusikFilm/Fernsehen/Radio

Ballett in vier Bildern von Werner Egk, uraufgeführt im Jänner 1940 unter der Regie des Intendanten Heinz Tietjen an der Berliner Staatsoper. Egk verfasste das Libretto selber, es handelt im Spanien des 16. Jahrhundert und stellt eine Variation des Don-Juan-Themas dar.

PersonMusikerInSchauspielerIn/RegisseurInMedienMusik

Herbert von Karajan (1908–1989), österreichischer Dirigent, war von 1935 bis 1942 Generalmusikdirektor am Stadttheater Aachen, ab 1938 hielt er sich aber vorwiegend in Berlin auf. Karajan selbst gab an, deshalb NSDAP-Mitglied geworden zu sein, um die Stellung in Aachen antreten zu können: »Es ist kein Geheimnis, ich war Parteimitglied, und zwar bin ich es 1935 in Aachen geworden, als ich Generalmusikdirektor werden sollte.« (Haeusserman 1968, 81) Oliver Rathkolb wies nach, dass der Beitritt früher erfolgte: »Karajan trat am 8. April 1933 in Salzburg unter der Nummer 1.607.525 der NSDAP bei«. (Rathkolb 2013, 144)

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TopographieOrtschaftPersonMusikerInAutorIn/JournalistIn

Gedichtband von Baldur von Schirach (s. Eintrag ›Baldur von Schirach‹), 1929 im »Deutschen Volksverlag zu München« erschienen. Dem Band, den er »Adolf Hitler, dem Führer«, zueignete, stellte er ein Motto voran: »Die neue Front! Das ist kein Schlagwort, sondern das Symbol einer Jugend, die sich ihres gewaltigen Erbes bewußt ist. Diese Front der Wollenden, Sehnsüchtigen und Brennenden kennt nur Freunde oder Feinde, weil ihre Ziele die des Volkes sind. Man mag sie darum bekämpfen oder bejahen: immer bleibt sie das Deutschland, das da kommt!« (Schirach 1929, 4)

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PersonAutorIn/JournalistInNationalsozialistInMedienZitate

Richard Trunk (1879–1968), deutscher Komponist; im Mai 1933 wurden zwei Sätze seiner kleinen Serenade zur Bücherverbrennung in München gespielt (vgl. Klee 2009, 559), der 1931 der NSDAP beigetretene Komponist war bis 1945 Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises nationalsozialistischer Komponisten. Trunk vertonte den Gedichtband »Feier der neuen Front «von Baldur von Schirach (s. Eintrag ›Baldur von Schirach‹dresde) als »Zyklus für Männerchor«, op. 65 (Teile: "1. Hitler"; "2. Des Führers Wächter"; "3. O, Land"; "4. Horst Wessel"). 1934 wurde das Stück vom Berliner Lehrergesangsverein Hitler in der Reichskanzlei vorgetragen (vgl. Prieberg 1982, 193).

PersonMusikerInAutorIn/JournalistInMedienZitate

Baldur von Schirach (1907–1974), Germanistik- und Kunstgeschichtestudium in München, dabei auch literarisch mit NS-Panegyrik tätig, Führer des NS-Studentenbundes, ab 1931 »Reichsjugendführer« der NSDAP, nach kurzem Kriegsdienst 1940 »Reichsstatthalter« und Gauleiter in Wien, hier für die Deportation der jüdischen Bevölkerung mitverantwortlich. Nach dem Nürnberger Prozess von 1946 bis 1966 in Haft.

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PersonAutorIn/JournalistIn

Horst Wessel (1907–1930), »Sturmführer« der SA in Berlin ,wurde 1930 bei einem Schussattentat getötet. Er verfasste den Text des nach seinem »Märtyrertod« nach ihm benannten Liedes auf eine populäre Melodie. Das Lied avancierte zum "Kampflied" der SA, ab 1933 wurde es zur Parteihymne der NSDAP und zu einer zweiten Nationalhymne.

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PersonNationalsozialistInMedien

Unter dem Markennamen Höfer existierten seit der Zwischenkriegszeit verschiedene Baby- und Kosmetikprodukte. Die Apotheke Höfer in der Wiener Ungargasse entwickelte einen Hautpuder, »ein[en] borsäurehaltige[n] Talkum-Puder in verschiedenen Stärken als Kinderpuder, Toilettepuder und Schweißpuder«. (Kosmetik 1936, 235)

Hanns Martin Schleyer (1915–1977), 1933 SS-Mitglied, 1938–1939 in Innsbruck, dort an der Universität Leiter des »Studentenwerks« und Promotion zum Dr. jur., 1940 Wehrdienst, im Jahr darauf verletzungsbedingt wehrunfähig, ab 1943 Mitarbeit im »Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren«, der für die »Arisierungen« in der tschechischen Wirtschaft und die Rekrutierung von Zwangsarbeitern zuständig war. Ab 1951 Tätigkeit bei Daimler-Benz, 1973 Wahl zum Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. 1977 Entführung und Ermordung durch die RAF

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PersonPolitikerInMedienEreignis

Variation des bekannten Goethe-Aphorismus: »Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist; weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.« (Goethe 1993, 40)

PersonAutorIn/JournalistIn

Anspielung auf die Waldheim-Affäre: Kurt Waldheim, österreichischer Bundespräsident 1986–1992, hatte in biographischen Angaben seine Tätigkeit als Wehrmachtsoffizier am Balkan und in Griechenland nicht erwähnt und nach deren Bekanntwerden im Wahlkampf 1986 eine Beteiligung an sowie eine Kenntnis von NS-Verbrechen dementiert. (vgl. Gehler 1997)

PersonPolitikerInEreignis

s. Eintrag ›Tanzcafé Lerch‹

PersonNationalsozialistInMedien

s. Eintrag ›Lublin‹

TopographieOrtschaftMedien

s. Eintrag ›meinen geliebten Beckett‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

s. Eintrag ›O süße Ruhe‹

Medien

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

»Der Stürmer« (1923–1945) war der Titel einer hetzerisch-antisemitischen Zeitschrift.

MedienZeitung/Zeitschrift

Kurt Schuschnigg (1897–1977) übernahm nach der Ermordung Engelbert Dollfuß’ 1934 die Regierungsspitze des austrofaschistischen Regimes. Im Februar 1938 zwang Hitler Schuschnigg zum »Berchtesgadener Abkommen«, er musste etwa den Nationalsozialisten Seyß-Inquart als Innenminister akzeptieren. Für den 13. März setzte er eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ein, der Einmarsch deutscher Truppen kam dieser zuvor. Schuschnigg verbrachte in St. Gilgen am Wolfgangsee 1935–1937 seine Sommerurlaube.

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TopographieOrtschaftPersonPolitikerInNationalsozialistIn

Einige SS-Männer fingierten am 31. 8. 1939 einen polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz (poln. Gliwice), um »Beweise« für polnische Aggression und damit einen Kriegsgrund zu haben; Adolf Hitler sprach die von Kofler zitierten Worte in seiner vom Rundfunk übertragenen Reichstagsrede am Vormittag des 1. 9. 1939.

PersonNationalsozialistInEreignis

10. 5. 1940: Die Deutsche Wehrmacht beginnt den »Westfeldzug«, den Überfall auf die Beneluxstaaten.

Ereignis

Warum Kofler in diesem Zusammenhang die Bezeichnung für die englische Kirche verwendet, bleibt unklar, eventuell eine Kontamination aus »amerikanisch« und »englisch« oder eine Anspielung auf das Bombardement von Dresden (s. Eintrag ›Bombardement von Dresden‹), das unter dem Kommando der britischen Luftwaffe ausgeführt wurde.

Medien

Am 24. August 1939 unterzeichneten der deutsche Außenminister, Joachim von Ribbentrop, und sein sowjetischer Amtskollege, Wjatscheslaw Molotow, in Moskau einen Nichtangriffspakt (»Hitler-Stalin-Pakt«).

TopographieOrtschaftPersonNationalsozialistInPolitikerInEreignis

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 flog die Britische Luftwaffe einen schweren Luftangriff auf Dresden, der die Innenstadt komplett zerstörte.

TopographieOrtschaftEreignis

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

Kofler zitiert Ernst Blochs »Philosophische Grundfragen«: »Das, was ist, kann nicht wahr sein.« (Bloch 1961, 65)

PersonPhilosophInZitate

Kofler bezieht sich hier wohl auf Friedrich Nietzsches »Lehre von der ewigen Wiederkunft«, einem zyklische Zeitverständnis, das auf der Annahme basiert, dass alles schon einmal existierte, »aber in jedem Moment trotzdem Neues entsteht« (Skirl 2000, 222). Im Gegensatz zum einfachen Nihilismus, der in seiner Wertnegation noch wertbezogen sei, führe jedoch erst die Umwertung aller Werte in der Wiederkehr bzw. Wiederkunft (Nietzsche gebraucht beide Begriffe) des Gleichen zur »Überwindung des Menschen im Übermenschen« (Mittelstraß 1996, 691). Trotz unterschiedlichster Interpretationen scheint sich die Forschung darin einig, dass Nietzsche mit diesem Gedanken »eine Synthese aus antiken (kreisenden) herakliteisch-pythagoreischen Lehren und dem neuzeitlichen Zeitpfeil der modernen Physik« anstrebte – »auf daß diese Versöhnung von Antike und Neuzeit in die Welt- und Wertvorstellung der Menschen gelange«. (Skirl 2000, 222).

PersonPhilosophIn

s. Eintrag ›André Heller‹

PersonAutorIn/JournalistInMedien

Hans Hollein (1934–2014), österreichischer Architekt

s. Eintrag ›Industrieideologe‹

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PersonVerbrecherInMedien

Kofler beschreibt hier eine Abbildung, mit der der Themenschwerpunkt »Die Stellung der nordischen Frau in Brauchtum und Recht« im 2. Januarheft der Zeitschrift »NS-Frauenwarte«, auf den Kofler in diesem Abschnitt mehrfach Bezug nimmt, illustriert ist. Die Abbildung trägt die Bildunterschrift: »Vor dem germanischen Hof«. (NS-Frauenwarte 1939 Jg. 7, Heft 15, 467)

MedienZeitung/Zeitschrift

Anspielung auf Werke der deutschen Schriftstellerin Annemarie von Auerswald (1875–1945), die großteils in der Germanenzeit angesiedelt sind, etwa: »Das Radkreuz. Eine Erzählung aus der Germanenzeit«, (1939), »Die ewige Ordnung. Germanenleben in der Broncezeit« (1943). Ein Auszug aus der Erzählung »Die Tochter vom Gerwartshof « wurde (in einer von der späteren Buchversion minimal abweichenden Form) in der Zeitschrift »NS-Frauenwarte« vorabgedruckt (Auerswald 1939), auf die Kofler in diesem Abschnitt mehrfach Bezug nimmt.

PersonAutorIn/JournalistInMedienZeitung/ZeitschriftZitate

s. Eintrag ›Rogner‹

PersonUnternehmerInMedien

Im erwähnten Beitrag in der »NS-Frauenwarte« ist ein »Hünengrab bei Waldhusen-Lübeck«abgebildet, Bildunterschrift: »Die Hünengräber sind die Fundstätten für die Zeugen von der hochstehenden Kultur der Germanen.« (NS-Frauenwarte 1939, 2. Januarheft, 463)

MedienZeitung/Zeitschrift

In Annemarie von Auerswalds Erzählung »Die Tochter vom Gerwartshof« (1939) soll die Protagonistin Edelberga den Fürsten eines fremden Volkes heiraten, um mit diesem Bündnis in künftigen Kämpfen den Besitz ihrer Familie zu retten; sie weigert sich allerdings, kann die Heirat abwenden und durch die Vermählung mit dem Bruder einer Freundin ihrer Heimat treu bleiben. (Auerswald 1942)

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PersonAutorIn/JournalistInZitate

Das »stille Reich« meint in Auerswalds Erzählung das Vorratshaus des Hofes, in dem sich die Protagonistin zu Beginn aufhält: »So prüfte sie noch einmal die gewählten Kräuter, fand, daß alles beisammen war, und ging nun aus dem stillen Reich hinaus, ein wenig neugierig zu sehen, was sich auf dem Hof begeben mochte.« (Auerswald 1942, 6)

PersonAutorIn/JournalistIn

Die Szene, in der Auerswalds Protagonistin mit der Bäuerin Brot bäckt, befindet sich nur in der in der Zeitschrift abgedruckten Version: »Sie kam mit einem Tonstempel in der Hand, der das Heilszeichen des Hofes trug. Es war ein Radkreuz. Dieses Heilszeichen drückte sie auf jedes Brot.« (Auerswald 1939, 469) Das Radkreuz ist ein seit der Jungsteinzeit verwendetes und in Funden überliefertes Ritzzeichen, ein Symbol für Licht und Sonne, im asiatischen Raum sehr verbreitet; bei den Germanen war es ein »Bild des Jahreslaufes und des sich immer wieder erneuernden Lebens«. (Forstner/Becker 1991, 123) Taucht im Frühchristentum als vereinfachtes Christussymbol auf; seit dem 19. Jahrhundert in Abwandlung verbreitet, z.B. im Neopaganismus, in Esoterik und Okkultismus, aber auch bei Gruppierungen mit rassistischer und (neo)nazistischer Ideologie.

PersonAutorIn/JournalistIn

Abgewandeltes Zitat aus Auerswalds »Die Tochter vom Gerwartshof«: »Der herbe Duft der Arznei- und Würzkräuter erinnerte sie an blühenden Sonnenhang oder Waldesdunkel, aus dem sie gesammelt worden waren, Augentrost, Wohlverleih, Nachtschatten, Gänsefuß, Ampfer und wie sie alle hießen.« (Auerswald 1942, 5)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Abgewandeltes Zitat aus Auerswalds Erzählung: Edelberga war in der Vorratskammer, »als vom Hofe her das wilde, starke Gebell der Hunde, Klappen von vielen Pferdehufen und laute Männerstimmen bis in die Stille ihrer Abgeschlossenheit drangen.« (Auerswald 1942, 5f). »Die Hunde waren nicht zu beruhigen. Sie zerrissen die Luft mit ihrem Gebell.« (Auerswald 1942, 6)

PersonAutorIn/JournalistIn

Abgewandeltes Zitat aus Auerswalds Erzählung: »Sie sah sie, wenn sie zu einem Waffenspiel ritten, das blonde Haupt frei, die Haare zum Knoten geschürzt, an der Seite das Schwert, in der Hand die Lanze.« (Auerswald 1942, 7)

PersonAutorIn/JournalistIn

Abgewandeltes Zitat aus Auerswalds Erzählung: »Im Stillen zählte sie die Ankömmlinge und überlegte, daß noch genug Frischfleisch vorhanden war, einen neuen Braten an das Feuer zu bringen.« (Auerswald 1942, 8)

PersonAutorIn/JournalistIn

Kofler zitiert hier »Das Lied von Rig« (auch: »Das Merkgedicht von Rig«, altnord. »Rígsþula«), Teil der so genannten »Älteren Edda« oder »Liederedda« (häufig auf 1270 datiert), einer Sammlung von Liedern unbekannter Autoren, die Stoffe der nordischen Mythologie, aber auch germanische Heldensagen behandeln. »Das Lied von Rig« schildert den Ursprung der Stände (Knechte, freie Bauern und Adlige), hier im Ausschnitt die Bauern. Gott Rigbesucht nacheinander drei Familien, die in unterschiedlichen Verhältnissen leben. Er zeugt jeweils einen Sohn mit der Frau des Hauses. Die genannten Kinder sind die Nachfahren des mit der zweiten Frau gezeugten Sohnes. »Sie hausten behaglich [/] und hatten Kinder; [/] die hießen: Hölder , [/] Hausmann und Schmied , [/] Bauer , Pflüger , [/] Bonde , Steilbart , [/] Breit , Garbenbart , [/] Bursch , Degen , Mann .« (Edda 1992, 99)

PersonZitate

Kofler spielt mit diesem Bild auf die bereits in der NS-Zeit aufgekommene (falsche) Vorstellung von »Lebensborn«-Heimen als »Zuchtanstalten« für reinrassige »Arier« an. »Lebensborn« war ein 1935 vom »Reichsführer-SS« Heinrich Himmler gegründeter Verein, der im Umfeld von Himmlers »Germanisierungsphantastereien« (Koop 2007, 5) zu sehen ist. Der Verein betrieb in Deutschland und den besetzten Ländern Heime, in denen Frauen uneheliche Geburten ermöglicht wurden. (In Österreich gab es zwei solcher Heime.) Die Frauen mussten strengen Aufnahmekriterien entsprechen, also etwa »guten Blutes«, »erbrein« sein. Die im Kofler-Nachlass vorhandene Muttertagsausgabe der »NS-Frauenwarte_1939« aus dem Jahr 1939 (11/S3) widmet sich dem Thema »Frau und Mutter als Lebensquell des Volkes«: »Denn sie steht als Trägerin des Lebens zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie ist der unerschöpfliche Born des blutmäßigen Lebens unseres Volkes«.

PersonNationalsozialistInMedienZeitung/Zeitschrift

von hinten

Sanitätsgefreiter Neumann: zotige Figur in variabel veränder- und erweiterbaren schmierig-obszönen Liedversen, die von den Soldaten im Kriegseinsatz nach verschiedenen Melodien gesungen wurden. Die Figur tauchte Mitte des 19. Jahrhunderts in Zwickau erstmals auf. (vgl. Schalk 1973, 5) Eine Version lautete: »Er lebe hoch, [/] Er lebe hoch, [/] Er lebe hoch der Sanitätsgefreite Neumann, [/] Der, schon lang ist’s her, [/] Die neue Wichsmaschine hat erfunden. [/] Früher mußte man sich plagen, [/] Um sich einen abzujagen. [/] Heute wendet jeder Mann [/] Neumanns Wichsmaschine an.« (Schalk 1973, 6)

PersonMedienMusik

s. Eintrag ›Tanzcafé Lerch‹

PersonNationalsozialistInMedien

s. Eintrag ›Jolyon Brettingham Smith‹

PersonMusikerInMedien

s. Eintrag ›Großelend‹

TopographieBergMedien

Ulf Kadritzke (* 1943), deutscher Soziologe, ab 1976 Professur für Industrie- und Betriebssoziologie an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, Hauptarbeitsgebiete: Lohnarbeit, Klassen, Qualifikationsstruktur. Kadritzke »nahm an der Studentenbewegung und an den daraus hervorgegangenen kollektiven Studien- und Forschungszusammenhängen des Instituts für Soziologie an der FU Berlin teil, in denen versucht wurde, die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zu rekonstruieren und auf konkrete Ausschnitte der gesellschaftlichen Realität anzuwenden« (Bernsdorf/Knospe 1984, 402).

TopographieOrtschaftPersonAutorIn/JournalistIn

s. Eintrag ›Tobias Reiser‹

PersonMusikerInMedien

»In der Strafkolonie«, Erzählung Kafkas (1914 entstanden, 1919 veröffentlicht): Ein Forschungsreisender wohnt während seines Besuches in der Strafkolonie einer Exekution bei, welche den Delinquenten das Urteil nicht verkündet, sondern von einer eigens dafür konstruierten Maschine immer tiefer in die Haut geschrieben wird. Die Schuld des Verurteilten besteht darin, seine Pflicht des nächtlichen stündlichen Salutierens vor der Tür des Hauptmanns vernachlässigt zu haben. Der Hauptmann hat den Diener schlafend vorgefunden: »Er holte die Reitpeitsche und schlug ihm über das Gesicht. Statt nun aufzustehen und um Verzeihung zu bitten, faßte der Mann seinen Herrn bei den Beinen, schüttelte ihn und rief: ,Wirf die Peitsche weg, oder ich fresse dich.‘« (Kafka 1994, 213)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

Zitat aus der erste Strophe der Ballade »Die Bürgschaft« von Friedrich Schiller: »Zu Dionys dem Tirannen, schlich [/] Möros, den Dolch im Gewande, [/] Ihn schlugen die Häscher in Bande. [/] Was wolltest du mit dem Dolche, sprich! [/] Entgegnet ihm finster der Wütherich. [/] ,Die Stadt vom Tyrannen befreien!‘ [/] Das sollst du am Kreutze bereuen.« (Schiller 1992, 421)

PersonAutorIn/JournalistInZitate

s. Eintrag ›Es ist Mitternacht‹

Medien

s. Eintrag ›Großelend‹

TopographieBergMedien