Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20) – Editionsrichtlinien

1. Transkriptionsregeln

1.1 Osmanisches Türkisch

Die Transkriptionen aus dem Osmanischen Türkisch werden nach der İslam Ansiklopedisi Transkripsiyon Alfabesi vorgenommen, die hier [1] abgerufen werden kann. Die folgenden Regeln gelten:

  • Vormoderne osmanische Texte haben keine Interpunktionszeichen. Bei der Transkription wurden jedoch vom Bearbeiter (Yasir Yılmaz) Punkte und Kommas gesetzt, um das Lesen und Verstehen zu erleichtern. Das gilt auch bei Übersetzungen ins Englische. Um Eingriffe in den Text zu minimieren, wurden weitere Satzzeichen, die im modernen Türkisch verwendet werden, vermieden, etwa Apostrophe, die zur Trennung von Eigennamen und Suffixen Verwendung finden (z.B. Mehmed Aġanın, Beçden; nicht Mehmed Aġa’nın, Beç’den.)
  • Offizielle Titel in osmanischen Texten werden im modernen Türkisch nur großgeschrieben, wenn sie zusammen mit dem Namen einer natürlichen Person erscheinen (z.B. Yeniçeri Aġası Ahmed Aġa, Defterdār Emīni Mustafa). In allen anderen Fällen erfolgt keine Großschreibung, ausgenommen Eigennamen am Satzanfang (z.B. Başbākī kuluna hüküm ki, Dergāh-ı ʿālī yeñiçeri aġasına hüküm ki).
  • Die osmanische Schreibweise wird beibehalten und die Rechtschreibung nicht modernisiert (z.B. virildü, gelinüb, çıkılub, görülmişdür, statt den modernen Schreibweisen verildi, gelinip, çıkılıp, görülmüştür.
  • Die erste Gruppe von Dokumenten, die auf der QhoD-Website veröffentlicht wurden, stammt aus den Jahren 1719-1720. Die Labialharmonie war im frühen 18. Jahrhundert noch nicht etabliert. Deshalb gilt:
    • Die verbale Vergangenheitsform für abgeschlossene Handlungen ist immer -mış/-miş. -Muş/-müş wird nicht verwendet (z.B. ḳonmış, görülmiş).
    • Possessiv 3. Singular ist immer -i/-ı (z.B. güni, kapusı).
    • Verbale Substantive auf -dük/-duk und -dık/-dik werden verwendet, um eine abgeschlossene Handlung oder ihr Ergebnis auszudrücken. Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde nur -dük/-duḳ verwendet, die einzige Form, die hier in Transkriptionen Verwendung fand.
    • Türkische Substantive und Verben werden immer ohne lange Vokale geschrieben.
    • Lange Vokale in allen nicht-türkischen Personen- und Ortsnamen, einschließlich Arabisch, Persisch, Slawisch, Griechisch, Ungarisch usw., werden gezeigt, wenn sie mit langen Vokalen geschrieben werden (z.B. Pārakīn, Belġrād).
    • Sofern im Manuskript nicht ausgeschrieben, werden die islamischen Monatsnamen vom Bearbeiter entsprechend der modernen türkischen Schreibweise eingefügt: Muharrem, Safer, Rebiülahir, Rebiülevvel, Cemaziyülevvel, Cemaziyülahir, Receb, Şaban, Ramazan, Şevval, Zilkade, Zilhicce
  • Bei der Transkription arabischer Wortkonstruktionen (d.h. Phrasen) wurde ein Apostroph (’) verwendet, um die Verbindung zwischen dem bestimmten Artikel -al (ال) und dem vorangehenden Teil der Phrase zu verdeutlichen, anstatt der Praxis zu folgen, ein einzelnes Leerzeichen zwischen den Wörtern zu verwenden (z.B. iftiḫārü’l-ümerāʾi’l-ʿiẓāmi’l-ʿĪseviyye statt iftiḫārü l-ümerāʾi l-ʿiẓāmi l-ʿĪseviyye).

1.2 Frühes Neuhochdeutsch

Die Transkriptionsregeln für Frühes Neuhochdeutsch folgen für handschriftliche Quellen den im Projekt „Die Internuntiatur des Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn (1649)“ an der Universität Salzburg ausgearbeiteten Regeln.

Allgemeines

  • Transkribiert werden schriftliche Quellen wie Briefe, instruktionen, Druckwerke und Textpassagen in bildlichen Quellen. Beilagen (z.B. in Briefen) werden als Faksimile bereitgestellt, jedoch nicht transkribiert. Zu den Besonderheiten der Transkription von Drucken und bildlichen Quellen siehe unten.
  • Überschriften, Randbemerkungen, Sonderzeichen, Bilder sowie Absätze wurden gemäß der Vorlage transkribiert bzw. als solche ausgezeichnet. Zeilenumbrüche wurden nicht übernommen.
  • Sonderzeichen zur Kennzeichnung von Texteinschüben, Randbemerkungen etc. der Autoren der jeweiligen Quelle wurden nicht übernommen.
  • Seitenumbrüche wurden gemäß der Vorlage übernommen und gekennzeichnet. Wurde ein Wort im Original im Seitenumbruch getrennt und auf der nächsten Seite noch einmal vollständig ausgeführt, so wird lediglich letzteres transkribiert. Reklamanten werden stillschweigend ignoriert.
  • Einschübe oder Übernahmen aus anderen Quellen werden, falls bekannt, ausgezeichnet.

Buchstabenbestand

Die Textwiedergabe erfolgt originalgetreu, ausgenommen:

  • i, j, u, v, w wurden entsprechend ihrem Lautwert umgeschrieben (z.B.: beuelch → bevelh, fraw → frau)
    Ausnahmen: Eigennamen sowie ie- am Wortanfang (bleibt ie- und wird nicht zu j transformiert).
  • S, ß, ss, sz, z wurden beibehalten, ßs wird jedoch als ß vereinfacht; aus dem Frikativ sh wird sch, wenn es dem Buchstabenbestand des modernen deutschen Wortes entspricht.
  • Diakritische Zeichen der Vokale wurden sinngemäß wiedergegeben (z.B. freündtschafft, Teütschland, breüch). Im Fall des lateinischen Genitivs wurde ÿ (wie auch ij) auf ii vereinfacht (z.B. Martÿ → Martii, Internuntÿ → Internuntii); bei deutschen Wörtern wird ÿ auf y vereinfacht.
  • Diakritische Zeichen wie etwa bei ů wurden nicht übernommen.
  • Die Endung -ieren folgt dem Original, wie z. B. cediren, dechiffriren.
  • Abgekürzte Wortendungen und offensichtlich fehlende Buchstaben wurden stillschweigend ergänzt.

Datumsangaben, Zahlzeichen, Währung etc.

  • Nach Kardinalzahlen steht kein Punkt, das gilt auch für Buchstaben wie z. B. „laut beylag A.“ → „laut beylag A
  • Ordinalzahlen in ungewöhnlicher Form wurden der heutigen Rechtschreibung nach umgeschrieben (z.B.: 3.ten. → 3.).
  • Mindere Zahlen bei Jahresangaben werden ausgeschrieben (z.B.: 719 → 1719)
  • Tausend wurde umgeschrieben (z.B.: 70m → 70.000).
  • Zahlenangaben über zwölf wurden in Ziffern wiedergegeben.
  • Währungsangaben wurden gemäß dem Abkürzungsverzeichnis abgekürzt, sofern dies der Vorlage entspricht. Wird die Währung in der Vorlage ausgeschrieben, erfolgte das auch in der Transkription.

Groß- und Kleinschreibung

  • Grundsätzlich gilt die Kleinschreibung.
  • Großschreibung erfolgte grundsätzlich nur am Satzanfang sowie bei Eigennamen, dem Wort “Gott” und seinen Synonymen, dem Wort “Pforte” und seinen Synonymen, ethnischen und religiösen Gruppenbezeichnungen sowie bei Ortsnamen, Wochen-, Feiertagen und Monatsnamen. Amtsbezeichnungen (z.B. resident, kapudan, internuntius), Anreden, Titel, Institutionen und alle hier nicht spezifizierten Substantive werden kleingeschrieben.

Worttrennung und Interpunktion

  • Die Worttrennung blieb so weit wie möglich originalgetreu (z.B. groß vesir); ausnahmsweise wurde jedoch die moderne deutsche Grammatik berücksichtigt (insbesondere bei Strukturen mit „zu + Inf.“ bzw. im Fall von Konjunktionen wie hiermit, inmassen u.ä.). Dies gilt auch für Textstellen, bei denen die originale Worttrennung nicht eindeutig ist.
  • Die Interpunktion orientiert sich, so weit wie möglich, an den Regeln der modernen deutschen Grammatik. Um den logischen Zusammenhang eines Textes leichter zu erkennen, folgt die Zeichensetzung mitunter inhaltlichen Notwendigkeiten, z.B. wurden lange Sätze sinnvoll gegliedert. Verwendung fanden dabei Punkt, Komma, Semikolon, Frage-, Anführungs- und Ausrufezeichen, Klammer und Bindestrich.

Graphische Zeichen, Hervorhebungen

  • Graphische Zeichen (z.B. bei Worteinfügungen) werden nicht abgebildet. Ausnahmen bestehen dort, wo sie für das Textverständnis notwendig sind (z.B. §).
  • Hervorhebungen (z.B. Unterstreichungen) werden nicht wiedergegeben.

Textfehler und Streichungen:

  • Fehler in der Vorlage wurden stillschweigend korrigiert, es sei denn, der Fehler hat inhaltliche Bedeutung; Streichungen wurden, sofern sie noch nachvollzogen werden können, ausgezeichnet.

Unlesbare bzw. fehlende Textstellen

  • Wurden in der Transkription ausgezeichnet.

Abkürzungen

  • Typ 1: Häufig vorkommende, abgekürzte Höflichkeitsformen, Titel, usw. wie z. B. Gn(aden), allergnädigst(e), allerunterthänigst(e), (aller)gehorsamst(e), (durch)lauchtigst(e), kayser(lich) werden nach zeitgenössischer Schreibweise aufgelöst bzw. laut Abkürzungsverzeichnis abgekürzt.
  • Typ 2: Häufige grammatikalische Abkürzungen wie z.B. Nasalen, die Endungen -en/-er/-e/-es, das Wort „dass“ sowie abgekürzte Monatsnamen wurden ohne weitere Bemerkung sinngemäß umgeschrieben. Abgekürzte Eigennamen werden, wenn rekonstruierbar, sinngemäß aufgelöst (z.B.: Ioh. Georg Metzger → Iohann Georg Metzger).
  • Typ 3: Unveränderte Abkürzungen nach Vorlage wie z. B. p.p. mpp., etc., usw. wurden im Abkürzungsverzeichnis ausgewiesen. Bei Kürzungen, die in mehreren Varianten vorkommen, wird in der Edition eine standardisierte Variante wiedergegeben, z.B. "ksl. Mt." oder "Nr.".


1.3. Drucke und bildliche Quellen

Die Transkriptionsrichtlinien für gedruckte Quellen sowie mit Texten versehene Bildquellen orientieren sich prinzipiell an jenen für handschriftliche Quellen. Es wurden jedoch einige Adaptionen vorgenommen.

Allgemeines

  • Überschriften, Randbemerkungen, Sonderzeichen, Bilder sowie Absätze wurden gemäß der Vorlage transkribiert bzw. als solche ausgezeichnet. Zeilenumbrüche wurden nicht übernommen.
  • Seitenumbrüche wurden gemäß der Vorlage übernommen und gekennzeichnet. Reklamanten werden übernommen und ausgezeichnet.

Buchstabenbestand

  • Der Buchstabenbestand der jeweiligen Quelle wird übernommen.
  • Diakritische Zeichen wie etwa bei ů werden übernommen.

Groß- und Kleinschreibung

  • Die Groß- und Kleinschreibung folgt der Vorlage.

Worttrennung und Interpunktion

  • Die Worttrennung folgt weitestgehend an der Vorlage.
  • Die Interpunktion folgt der Vorlage.