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Freytag / den 21. July. Gestern ware für das löbl. Kaiserl. Feld=
Marschall Baron Geschwindische Regiment zu Fuß die benöhtigte
Muntirung nacher Belgrad× unter Begleitung 10. Grenadierer abge⸗
führet worden; Hingegen ware von Esseck× die Nachricht dahier ein⸗
gelanget / wie daß der Türkische Groß=Botschafter / Ibrahim Bassa× /
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Beglerbeg in Rumelien ×/ den 15. Dito seine Reyß ferners von dar anher
angetretten habe; wie aus beygehendem Auszug=Schreiben zuersehen.
Auszug
Eines Schreiben von Esseck× / von
dem 17. July / 1719. betreffend die Abreyß
des Türkischen Groß=Botschafters×.
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ES ware / jüngstgedachter Massen / der Türkische Groß=Botschafter×
von Belgrad× auf dem Wasser zu Semlin× den 2. July ankommen / und der⸗
selbe von dem Kaiserlichen dermalen im Königreich Sclavonien× und Herzogtum Syr⸗
mien× Commandirenden Hrn. General=Feld=Marschall=Lieutenant / Freyherrn von Becker /
durch einig= abgeschickte Hn. Officiers complimentirt: dan ihme bedeutet worden; Wie
daß alles durch dieses Land veranstaltet seye / daß er ohn einige Verhinderung seine
Reyß fortsetzen könne; Welches gleichfals auch zu Vuckovar× / so der Paß in Scla⸗
vonien× / geschehen / alwo demselben den 9. Dito auf des Commandirenden Herrn
Generals Ordre das alda campirend=Splenische Hussaren=Regiment vor der Bru⸗
cken die Parada gemacht;
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Welchemnach den 12. Dito darauf besagter Groß=Botschafter× zu Esseck× unter Ab⸗
feurung einer dreyfachen Salve aus 30. halben Cartannen angelanget / und folglichen
in deme für ihm ausgesteckten Lager vor der doppleten Contrascarpe hart an der
Festung campiret / gleichwie auch daselbsten der dabey befindlichen Bedeckung von
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den Spannischen Regimentern zu Pferd / Cordua und Vasques / die Lagerung
angewiesen worden; Zur Wacht ware vor des Groß=Botschafters× Zelt eine Compa⸗
gnie Grenadiers mit dem Fahne gestelt über dieses auch das Lager durchgehends
noch mit einer andern darzu commandirten Wacht versehen / um alle Unordnungen
zuverhüten / und das häufig herbeygeloffene Volk / worunter einig= liederliches Ge⸗
sindel / wegzujagen.
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Den 13. und 14. Dito brachte man von Frühe bis in die Nacht mit Uberführung
dessen Bagaschy / Pferden / Maulthier / Cameelen / und des grösten Theils dessen Be⸗
dienten / Janitscharen / und Spahy über den sehr hoch ergossenen Drag=Fluß zu /
worauf der Groß=Botschafter× den 15. dito um 7. Uhr Frühe diese Festung durch das
neue Walbacher=Thor / über den Parada=Plaz / der Hauptwacht vorbey / unter Lö⸗
sung derer Canonen / zu dem Wasser=Thor hinaus an die Drag× passirt; Die ganze
Besatzung spallirte von einem Thor bis zu dem andern; Die Haupt= und Thor=
Wachten waren verdoppelt / und die erstere hatten 12. Feld=Stückel vor ihnen ge⸗
pflanzet; Gleich an dem Wasser=Thor war ein absonderliches Schiff / mit aufge⸗
steckt=Kaiserlichen Fahnen und darauf befindlichen Stucken / zur Uberfuhr bereitet /
welche bey dem Ein= und Aussteigen abgefeuret worden / für welche empfangen⸗
sondere Ehr der Groß=Botschafter× sich gegen dem Herrn General sehr höflich be⸗
danken lassen; Auf der andern Seiten des Drag=Fluß wurde besagter Groß=Bot⸗
schafter× durch einige von dem Herrn General darzu commandirte Officiers dem Herrn
Baron Royer / Obrist=Lieutenant von dem Löblich=Hohenzollerischen Regiment / über⸗
geben; Welcher mit der bey sich habenden Bedeckung / von 200. wohlberittenen
Cuirassierern / samt Trompeten und Paucken / auch drey Standarten von diesem Re⸗
giment / seiner an dem Ufer gewartet / um die fernere Begleitung bis nacher Wien×
zumachen.