- 141r - Nr. 12 d.d. Adrianople 18. Julii 1719

Hochlöbl. ksl. hof-kriegs-rath.

An eüer hochfürstlichsten durchleuchtigsten excellenzien und meinen hochgeehrtisten herren habe ich auß einem lager eine halbe stund von Philipopoli unter den neünten dises mit abschickhung eines janizaren nach Belgrad gehorsambst und schuldigst berichtet, daß wegen der in selber statt regirenden c[on]tagiosen kranckheiten, mich ausser derselben gelagert und wider dises übel sonsten alle nöttige praecautionen, sovill an mir gelegen, vorgekhert habe. Solchemnach bin auch von dannen biß anhero jedesmahl im feld unter gezelten gebliben, die inficirte örther ausgewichen und, sovill sich thuen gelassen, der communication mit denenselben vorgebogen. Es befindet sich auch (Gott sey danckh) all mein gefolg nicht allein von disen alß anderen kranckheiten zu dato frey und in gesundem - 141v - wohlstand. Weillen ich aber vermeynt, daß es ansehentlicher und villeicht auch wegen künfftiger consequenzien zu reflectiren, wan ich in einer so berüehmten statt und ksl. residenz alß Adrianople logiren kunte, alß habe einen medicum nebst dollmetschen vorauß anhero geschickht, einige sichere information, wie es wegen der kranckheiten seye, einzuhollen und da mir selbe im gestrigen lager rapportirt, daß die seüche darinnen nicht so starckh grassire, sondern fast mehrers in pödötschen und dergleichen bestehe, auch eben keine grosse mortalität allda seye und nur dort und da unter dem gemeinen volckh etwas sterbe, so habe kein bedenckhen gemacht einen solennen einzug, gleichwie zu Nissa und Sophia, hier zu halten, auch in solche haüser zu logiren, - 142r - in welchen kein infection zu vermuthen. Hingegen seyndt von Constantinople die fatale nachrichten eingeloffen, daß aldort die leydige seüche fast schon in flagranti und auch in das jenige canton oder gassen zu Pera, allwo für mich und mein gefolg die quartier schon destinirt und würckhlich zuberaithet worden, und welches eben die jenige seyndt, so die ksl. öttingische grosbottschafft innen gehabt, eingegriffen habe. Und wie ich von dem dollmetsch Theyls vernehme, so ist nächst dem für mich zugerichten hauß ein freüdthoff, also daß alle daherumb sterbende dahin und vor meinen und meines gefolg augen vorbey getragen werden, wie nicht weniger wären kürzlich zwey spittäller für die mit disem übel behaffte leüth mitten unter denen für die bottschafft angeschribenen quar - 142v - tieren gestüfftet und angelegt worden. Ob nun ich zwar vor mein person kein abscheüen hievor habe, so befinde jedoch, daß erstlich auf ihrer ksl. und catholischen Mt. allerhöchsten dienst reflexion zu machen und sodan wegen meines gefolgs zu sorgen, dahero gar nicht rathsamb seye, so blatter dingen nach Constantinople und zwar in die so gefährlich situirte wohnungen einzuziehen. Disemnach befinde nöttig, alsogleich jemand an den groß vezir zu schickhen und selbem die behörige remonstrationes thuen zu lassen, damit mir eine station bey einem nahe Constantinople gelegenen aber gesunden orth oder dorffschafft angewisen werde, umb sich darauf nur einige täge aufzuhalten, biß aigentlich und recht sicher erfahren kan, ob und wie ohne gefahr mich mit meinem gefolg - 143r - hinein begeben dörffe, zumahlen auch alle ausländische ministri sich schon auf das land retiriret haben. Wobey doch keine gelegenheit versaumben werde, alles das jenige zu beobachten und vorzunehmen, was nach möglichkeit zu ihrer ksl. und catholischen Mt. dienst sich thuen würdt lassen.

Nach solchem entschluß habe dem ksl. legation[s] secretario dise commission aufgetragen und ihne sogleich nach expedirung dises mit dem dollmetsch Theyls abschickhe. Allhier hat mich der residirende bostangi bassa nebst denen vornembsten sowohl militar alß civil officieren vor der statt empfangen und nach gewonheit complimentirt.

Das leztere von eüer hochfürstlichen durchleuchtigsten excellenzien und meiner hochgeehrtisten herren an mich erlassene rescript ware vom vierzehenden verlittenen monaths Junii und erwartte ich auch - 143v - noch von Belgrad die antwortten, ob meine auß Sophia und bey Philipopoli dahin durch janizaren abgesändte expeditiones richtig überbracht worden, gleichwie auch dises widerumb durch einen janizaren schickhe, indem den jenigen bey mir befündlichen courrier Lucas zu fernerer nothdurfft und wichtigkeit zuruckh behalte, womit mich gehorsambst und dienstschuldigst empfehle, verharrend.

Euerer hochfürstlichsten durchleuchtigsten excellenzien und meiner hochgeehrtisten herren

Gehorsambster und dienstschuldiger diener Damian Hugo graff von Virmonten Adrianopl
- 144r - - 144v - Exped. Wienn den 4. Augusti 1719 18. Julii