[3r] Nr. 4 d.d. Belgrad× 3. Iunii 1719

Hochlöblichster ksl. hof-kriegs-rath p.

1Gleich wie eüer hochfürstlichsten durchleüchtigsten excellenzien und meine hochgeehrtiste herren durch lezte ordinaire post gehorsambst und dienstlich berichtet habe, daß zwar damahls ein aga× allhier angekomben, welchen der seraskier× von Nissa× abgeschickht, umb das caeremoniale zur verwechslung auf der gränize meiner und des ottomannischen pottschaffters×, alß eines und des anderen reception zu vergleichen, man aber damahls noch nichts zuständen gebracht gehabt oder verläßliches davon schreiben können. Also ist sodan anjezo der herr general Oduyer× mit ihme nach villen schwärigkeiten übereinsgekomben und hat sich auf verschidene [3v] zu papier gebrachte puncta einverstanden, welche er, wie zu hoffen, noch mit heünt abgehender post einem hochlöblichsten ksl. hof-kriegs-rath einsendten wirdt können und ich mich auf deren enthalt und was er sonsten dabey ausführlich berichtet, gehorsambst und dienstlich beziehe. Es hat mir wehrend diser abhandlung ermelter herr general Oduyer× allzeit das, was dabey vorgekomben, referirt und habe ich zwar jedesmahlen meine mainung ihme darüber eröffnet, das werckh aber auszuführen alle hand gelassen, wie es dan auch ihme aufgetragen ware und er es schon noch vor meiner ankhunfft durch den vormahls hier gewesten [4r] aga×, in denen vornembsten puncten bey dem seraskier× zu Nissa× angebracht, also daß auch der articul wegen der revisite und des vorsitz oder ehrenplaz bey denen besuchungen schon auf dem tapet gelegen und obwollen der zu tractiren anhero geschickhte aga× sich sehr hartnäckhig dargegen bezaiget, auch ex capite religionis und mit unterschidlichen vorwanden, besonders mit dem, daß ein bassa mit drey roßschwaiffen niemandt besuchen därffte, sich opponiren wolte, so hat man doch geglaubt, daß diser articul noch zu erhalten seyn wirdt und da mir der Türckhen tractirens arth von Posaroviz× her bekhant ist, so bin auch nicht [4v] zuwider gewest, daß standthafftig darauf getrungen worden, sondern gleichfahls meines orths die jenige rationes und argumenta suggerirt und alles das an die hand gegeben, was mich gedunckhte des aga× seine allegirungen zu widerlegen und dise grosse vortheyll zu erlangen. Besonders aber hat nicht wenig darzue gedienet, daß auf mein anhandgebung dem aga× remonstrirt und wohl in kopff gebracht worden, daß es gleichfahls umb die mehrere erheb- und beleüchtung seines sultans× hochheit dabey zu thuen seye, weillen ihrer ksl. und cathol. Mt.× intention, seinem pottschaffter× darumben [5r] sovill ehr anthuen zu lassen, damit sie ihre hochachtung gegen einen ottomannischen kayser besser, und umb so kentlicher vor der welt an tag geben und durch dergleichen höfflichste tractament disen von anderen potentaten zu distinquiren, wohingegen dieselbe durch sye, Türckhen, selbst davon abgekheret wurden, wan man nicht auch dero pottschaffter auf gleiche arth honoriren solte. Ich mueß sonderlich des herrn general feldwachtmaisters grafens von Oduyer× in diesem ganzen werckh erwisenen und angewendtem beschaidenen eyfer, auch geschickhlichkeit rüehmen und were unter anderen auch auß disem abzunehmen, wie [5v] schwähr es denen Türckhen geschehen seyn müesse, den articulum receptionis auf eine solche weis (davon noch kein exemple) einzugehen, da der aga×, wie mir mehrgedachter herr general Oduyer× gesagt, fünffzig beütl geld angetragen, wan man desistiret hätte, zuesezend, daß der seraskier× dem sultan× selbst, wan er zu ihn nach Nissa× kombete, nicht mehrer venerirung anzuthuen wuste, alß für mich, alß ihrer ksl. und cathol. Mt.× pottschaffter in disem vergleich bedungen worden, welches ich zwar für eine etwelche exagerirung halte, die dahin muethmassentlich abzihlet, umb zu verstehen zu geben, [6r] wie grosse sachen sie eingestandten hätten. Es seye aber, wie ihm wolle, so ist nicht ohne, daß es zu ihrer ksl. und cathol. Mt.× decor vortrefflich geraichet und es einer allerunterthänigsten schuldigkeit zu seyn erachte, sich mit derselben darüber allergehorsambst zu erfreüen.

2Solchemnach ist zwar dise sach geschlüchtet, ich mues aber beklagen, daß sowohl zu hemmung ihrer ksl. und cathol. Mt.× dienst, alß zu meinen last ville täge schon dahier verlohren und noch mehrers verliehren werde müessen, weillen die zu fortbringung meiner bagage nöttige wäg, alß eben auch die [6v] zum permutations-actum commandirte trouppen noch nicht an der hande, sonderlich aber die von denen löblichen regimentern Vasquez und Cordova nach der ihnen vorgeschribenen marche-route erst ohngefehr den fünfften dises hier eintreffen sollen, obwollen man noch gar nichts gehört, wo sie zu stund seyn möchten.

3Es seyndt zwar vorgestern die auß dem Bannat× commandirte mannschafft und wägen auf der andern seitten der Donau× unweit von hier angelangt, so hatte sich aber wegen transportirung derselben ein differenz eraignet, indeme das wasser starckh [7r] ausgegossen ist und man nicht an die gewöhnliche überfuhr komben kan, welches doch mittels meiner gehoben und ausgemacht worden, daß sie zwischen morgen und übermorgen disseiths gebracht sollen werden, dahero auch ich künfftigen Montags, alß den fünfften dises, mich moviren und nach Semendria× zu wasser hinabruckhen werde, umb alles meines orths anzukheren, was möglichst meinen weitheren zug und reys beförderen kan.

4Eben wegen der noch ermangleten commandirten mannschafft und nicht zusamben gebrachten vorspann hat man in denen [7v] caeremonial vergleichen oder reglement den tag der permutation soweit hinauß sezen müessen, umb sicher zu seyn, biß dahin an der stell einzutreffen und allen mißvergnügen und beschwehrden der Türckhen vorzukomben, wan sie etwan alda widerumb wartten müesten. Ich empfehle mich hiemit gehorsambst und verbleibe.

Euer hochfürstlichsten durchleuchtigsten excellenzien und meiner hochgeehrtisten herren.

Gehorsambst und dienstschuldiger diener Damian Hugo graff von Virmonten× Belgrad×
[8r] [8v] 1719 3. Iunii Exped. Wienn× den 11. Junii 1719