| Titel | Geschichte des Peloponnesischen Krieges |
| Autor | Thukydides |
| Zeitangabe | 5. Jh.v.Chr. |
| Originaltext |
παραλαβόντες δὲ αὐτοὺς οἱ Κερκυραῖοι ἐς οἴκημα μέγα κατεῖρξαν, καὶ ὕστερον
ἐξάγοντες κατὰ εἴκοσιν ἄνδρας διῆγον διὰ δυοῖν στοίχοιν ὁπλιτῶν ἑκατέρωθεν
παρατεταγμένων, δεδεμένους τε πρὸς ἀλλήλους καὶ παιομένους καὶ κεντουμένους ὑπὸ
τῶν παρατεταγμένων, εἴ πού τίς τινα ἴδοι ἐχθρὸν ἑαυτοῦ· μαστιγοφόροι τε
παριόντες ἐπετάχυνον τῆς ὁδοῦ τοὺς σχολαίτερον προϊόντας. καὶ ἐς μὲν ἄνδρας
ἑξήκοντα ἔλαθον τοὺς ἐν τῷ οἰκήματι τούτῳ τῷ τρόπῳ ἐξαγαγόντες καὶ διαφθείραντες
(ᾤοντο γὰρ αὐτοὺς μεταστήσοντάς ποι ἄλλοσε ἄγειν)· ὡς δὲ ᾔσθοντο καί τις αὐτοῖς
ἐδήλωσε, τούς τε Ἀθηναίους ἐπεκαλοῦντο καὶ ἐκέλευον σφᾶς, εἰ βούλονται, αὐτοὺς
διαφθείρειν, ἔκ τε τοῦ οἰκήματος οὐκέτι ἤθελον ἐξιέναι, οὐδ’ ἐσιέναι ἔφασαν κατὰ
δύναμιν περιόψεσθαι οὐδένα. οἱ δὲ Κερκυραῖοι κατὰ μὲν τὰς θύρας οὐδ’ αὐτοὶ
διενοοῦντο βιάζεσθαι, ἀναβάντες δὲ ἐπὶ τὸ τέγος τοῦ οἰκήματος καὶ διελόντες τὴν
ὀροφὴν ἔβαλλον τῷ κεράμῳ καὶ ἐτόξευον κάτω. οἱ δὲ ἐφυλάσσοντό τε ὡς ἐδύναντο καὶ
ἅμα οἱ πολλοὶ σφᾶς αὐτοὺς διέφθειρον, οἰστούς τε οὓς ἀφίεσαν ἐκεῖνοι ἐς τὰς
σφαγὰς καθιέντες καὶ ἐκ κλινῶν τινῶν αἳ ἔτυχον αὐτοῖς ἐνοῦσαι τοῖς σπάρτοις καὶ
ἐκ τῶν ἱματίων παραιρήματα ποιοῦντες ἀπαγχόμενοι, παντί <τε>τρόπῳ
τὸ πολὺ τῆς νυκτός (ἐπεγένετο γὰρ νὺξ τῷ παθήματι) ἀναλοῦντες σφᾶς αὐτοὺς καὶ
βαλλόμενοι ὑπὸ τῶν ἄνω διεφθάρησαν. καὶ αὐτοὺς οἱ Κερκυραῖοι, ἐπειδὴ ἡμέρα
ἐγένετο, φορμηδὸν ἐπὶ ἁμάξας ἐπιβαλόντες ἀπήγαγον ἔξω τῆς πόλεως. τὰς δὲ
γυναῖκας, ὅσαι ἐν τῷ τειχίσματι ἑάλωσαν, ἠνδραποδίσαντο. τοιούτῳ μὲν τρόπῳ οἱ ἐκ
τοῦ ὄρους Κερκυραῖοι ὑπὸ τοῦ δήμου διεφθάρησαν,…
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| Quelle |
K. Hude, Thucydides Historiae, 2 Bde, Leipzig : Teubner, 1913-25 (Bücher
1-2 überarbeitet von O. Luschnat, 1960).
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| Übersetzung |
Als die Kerkyrer ihrer habhaft wurden, sperrten sie sie in ein großes Gebäude,
und später führten sie sie heraus in Gruppen von 20 Mann, fesselten sie
aneinander und trieben sie durch zwischen zwei Reihen beidseits aufgestellte
Gepanzerte, die von rechts uns links nach ihnen hieben und stachen, wo einer
einen persönlichen Gegner sah; Männer mit Peitschen gingen nebenher und jagten
sie voran, wenn sie des Wegs zu langsam zogen. Gegen 60 Mann führten sie so
heraus und brachten sie um, ohne dass die im Gebäude es merkten; Als sie es aber
erfuhren…weigerten sie sich, das Gebäude noch zu verlassen…Aber die
Kerkyrer…stiegen auf das Dach des Gebäudes, rissen das Gebälk auf und schossen
mit Ziegeln und Pfeilen hinunter. Die drinnen…gaben sich die meisten selbst den
Tod, indem sie die von ihren Feinden abgeschnellten Pfeile sich in die Kehle
drückten und von einigen zufällig dort vorgefundenen Betten aus den Riemen oder
aus Mänteln Schlingen machten und sich erhängten. Fast die ganze Nacht
hindurch…und auf alle Weisen, durch eigne Hand oder durch Schüsse von oben
starben sie dahin…Und alle Frauen…verkauften sie in die Sklaverei. Auf diese
Weise wurden die Kerkyrer aus dem Gebirge vom Volk vernichtet.
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| Quelle der Übersetzung | Thukydides. Geschichte des Peloponnesischen Krieges, übers. von G.P.
Landmann, 2 Bde, München 1993. |
| Beschreibung |
Die Athener unternahmen gemeinsam mit der Stadtbevölkerung von Korkyra einen
Vergeltungsschlag gegen die dortige Gebirgsbevölkerung, da diese im flachen Land
geplündert und viel Schaden angerichtet hatte. Die Gebirgsfestung am Istone
wurde erstürmt, die Männer gefangen genommen und auf die Insel Ptychia gebracht.
Unter der Bedingung, nicht zu fliehen, durften sie am Leben bleiben. Durch eine
List der Stadtbewohner, die ihnen über Mittelsmänner die Nachricht zukommen
ließen, die Athener hätten vor, sie an das Volk von Korkyra auszuliefern,
brachen sie den Vertrag, indem sie zu entkommen versuchten. Noch auf der Flucht
wurden sie gefasst. So wurden sie allesamt an ihre eigenen Landsleute
ausgeliefert und getötet. (s. Thuk. 4,46-48). Der Ursprung dieser
Bürgerkriegsähnlichen Zustände auf Korkyra ist zwei Jahre vor diesen Ereignissen
zu suchen, und zwar im Sommer 427 v.Chr., als die Parteikämpfe zwischen
Oligarchen und Demokraten ausbrachen und das Volk entzweiten. Die einen wollten
Verbündete der Athener bleiben, die anderen einen Anschluss an Korinth, welches
die im Krieg um Epidamnos (435 v.Chr.) gefangenen Korkyrer zurückgegeben hatte.
Dies führte zu blutigen Kämpfen, aus denen die Oligarchen letztendlich als
Sieger hervorgingen. Mit der Vernichtung der Gebirgsbevölkerung endete der
Bürgerkrieg auf Korkyra.
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| Kategorie | Abseits des Kriegs: Öffentlich |
| Qualität | Historisch |
| Schlagwort | Bestrafung, Bürgerkrieg, Ermordung, Gewalt innerhalb der Gemeinde, Mord, Selbstmord, Stasis, Strafe, Verrat |
| BearbeiterIn | Margit Linder |
| Permalink | http://gams.uni-graz.at/o:via.59 |