Onlineportal Alte Geschichte und Altertumskunde

PDF« zurück

Thuk. 7,87,2-4

TitelGeschichte des Peloponnesischen Krieges
AutorThukydides
Zeitangabe5. Jh.v.Chr.
Originaltext ...καὶ λιμῷ ἅμα καὶ δίψῃ ἐπιέζοντο (ἐδίδοσαν γὰρ αὐτῶν ἑκάστῳ ἐπὶ ὀκτὼ μῆνας κοτύλην ὕδατος καὶ δύο κοτύλας σίτου), ἄλλα τε ὅσα εἰκὸς ἐν τῷ τοιούτῳ χωρίῳ ἐμπεπτωκότας κακοπαθῆσαι, οὐδὲν ὅτι οὐκ ἐπεγένετο αὐτοῖς· καὶ ἡμέρας μὲν ἑβδομήκοντά τινας οὕτω διῃτήθησαν ἁθρόοι· ἔπειτα πλὴν Ἀθηναίων καὶ εἴ τινες Σικελιωτῶν ἢ Ἰταλιωτῶν ξυνεστράτευσαν, τοὺς ἄλλους ἀπέδοντο.
Quelle K. Hude, Thucydides Historiae, 2 Bde, Leipzig : Teubner, 1913-25 (Bücher 1-2 überarbeitet von O. Luschnat, 1960).
Übersetzung …und zugleich quälten sie Hunger und Durst – denn sie gaben einem jeden von ihnen acht Monate lang ein Maß Wasser und zwei Brote –, von allen Leiden, die an solchem Ort Menschen zu gewärtigen haben, war keines, das sie nicht betroffen hätte. Etwa siebzig Tage lebten sie so beieinander, dann wurden außer den Athenern und wenn aus Sizilien und Italien welche den Kriegszug mitgemacht hatten, alle übrigen verkauft.
Quelle der ÜbersetzungThukydides. Geschichte des Peloponnesischen Krieges, übers. von G.P. Landmann, 2 Bde, München 1993.
Beschreibung Schilderung des Schicksals der von den Syrakusern gefangen genommenen Athener und ihrer Verbündeten nach der letzten Schlacht, während der zweiten Sizilischen Expedition, im Sommer 413 v.Chr. Das athenische Heer unter Nikias war auf der Flucht ins Landesinnere, um Hilfe bei ihren Verbündeten, den Sikelern, zu suchen, als die Syrakuser die Nachhut unter Demosthenes einholten. Die Athener wurden umzingelt und heftig beschossen, schließlich ergaben sie sich freiwillig. So gelangten Demosthenes und seine Männer – es waren an die 6000 – in syrakusische Gefangenschaft. Dem übrigen Heer unter Nikias war indessen der Rückzug bis an den Erineos gelungen (s. Thuk. 7,81-85; vgl. Plut. Nik.19,6), wo sie jedoch tags darauf von den Syrakusern eingeholt wurden. Es kam zu Verhandlungen zwischen Nikias und Gylippos, die Kapitulation betreffend, doch gelangte man zu keiner Einigung. In Folge kam es zur letzten Schlacht der Athener auf sizilischem Boden, bei der sie vernichtend geschlagen wurden. Die Syrakuser und ihre Verbündeten hatten viele getötet, die Überlebenden gerieten in Gefangenschaft, so auch Nikias und Demosthenes, die jedoch nicht lange am Leben blieben. Die übrigen Gefangenen (insg. 7000 Mann) wurden von den Syrakusern in einen Steinbruch gesperrt, wo sie unter kärglichen Bedingungen 70 Tage lang ausharren mussten. Die meisten waren dabei ums Leben gekommen oder wurden in die Sklaverei verkauft, nur wenige kehrten nach Hause zurück.
KategorieKrieg: abseits der Kampfhandlungen
QualitätHistorisch
SchlagwortBestrafung, Gefangene, Gefangennahme, Gefangenschaft, Hunger, Strafe, Verhungern, Versklavung
BearbeiterInMargit Linder
Permalinkhttp://gams.uni-graz.at/o:via.106