| Titel | Geschichte des Peloponnesischen Krieges |
| Autor | Thukydides |
| Zeitangabe | 5. Jh.v.Chr. |
| Originaltext |
...καὶ λιμῷ ἅμα καὶ δίψῃ ἐπιέζοντο (ἐδίδοσαν γὰρ αὐτῶν ἑκάστῳ ἐπὶ ὀκτὼ μῆνας
κοτύλην ὕδατος καὶ δύο κοτύλας σίτου), ἄλλα τε ὅσα εἰκὸς ἐν τῷ τοιούτῳ χωρίῳ
ἐμπεπτωκότας κακοπαθῆσαι, οὐδὲν ὅτι οὐκ ἐπεγένετο αὐτοῖς· καὶ ἡμέρας μὲν
ἑβδομήκοντά τινας οὕτω διῃτήθησαν ἁθρόοι· ἔπειτα πλὴν Ἀθηναίων καὶ εἴ τινες
Σικελιωτῶν ἢ Ἰταλιωτῶν ξυνεστράτευσαν, τοὺς ἄλλους ἀπέδοντο.
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| Quelle |
K. Hude, Thucydides Historiae, 2 Bde, Leipzig : Teubner, 1913-25 (Bücher
1-2 überarbeitet von O. Luschnat, 1960).
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| Übersetzung |
…und zugleich quälten sie Hunger und Durst – denn sie gaben einem jeden von ihnen
acht Monate lang ein Maß Wasser und zwei Brote –, von allen Leiden, die an
solchem Ort Menschen zu gewärtigen haben, war keines, das sie nicht betroffen
hätte. Etwa siebzig Tage lebten sie so beieinander, dann wurden außer den
Athenern und wenn aus Sizilien und Italien welche den Kriegszug mitgemacht
hatten, alle übrigen verkauft.
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| Quelle der Übersetzung | Thukydides. Geschichte des Peloponnesischen Krieges, übers. von G.P.
Landmann, 2 Bde, München 1993. |
| Beschreibung |
Schilderung des Schicksals der von den Syrakusern gefangen genommenen Athener und
ihrer Verbündeten nach der letzten Schlacht, während der zweiten Sizilischen
Expedition, im Sommer 413 v.Chr. Das athenische Heer unter Nikias war auf der
Flucht ins Landesinnere, um Hilfe bei ihren Verbündeten, den Sikelern, zu
suchen, als die Syrakuser die Nachhut unter Demosthenes einholten. Die Athener
wurden umzingelt und heftig beschossen, schließlich ergaben sie sich freiwillig.
So gelangten Demosthenes und seine Männer – es waren an die 6000 – in
syrakusische Gefangenschaft. Dem übrigen Heer unter Nikias war indessen der
Rückzug bis an den Erineos gelungen (s. Thuk. 7,81-85; vgl. Plut. Nik.19,6), wo
sie jedoch tags darauf von den Syrakusern eingeholt wurden. Es kam zu
Verhandlungen zwischen Nikias und Gylippos, die Kapitulation betreffend, doch
gelangte man zu keiner Einigung. In Folge kam es zur letzten Schlacht der
Athener auf sizilischem Boden, bei der sie vernichtend geschlagen wurden. Die
Syrakuser und ihre Verbündeten hatten viele getötet, die Überlebenden gerieten
in Gefangenschaft, so auch Nikias und Demosthenes, die jedoch nicht lange am
Leben blieben. Die übrigen Gefangenen (insg. 7000 Mann) wurden von den
Syrakusern in einen Steinbruch gesperrt, wo sie unter kärglichen Bedingungen 70
Tage lang ausharren mussten. Die meisten waren dabei ums Leben gekommen oder
wurden in die Sklaverei verkauft, nur wenige kehrten nach Hause zurück.
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| Kategorie | Krieg: abseits der Kampfhandlungen |
| Qualität | Historisch |
| Schlagwort | Bestrafung, Gefangene, Gefangennahme, Gefangenschaft, Hunger, Strafe, Verhungern, Versklavung |
| BearbeiterIn | Margit Linder |
| Permalink | http://gams.uni-graz.at/o:via.106 |