Urkundenbuch des Herzogtums Steiermark

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LA 3

Verunechtet bzw. Unecht.

König Heinrich IV. bestätigt und übergibt dem Kloster Lambach auf Fürsprache seiner Mutter, Kaiserin Agnes, und auf Bitte des Bischofs Adalbero von Würzburg den Marktbann in Wels, den Zoll in Lambach, das Fischereirecht in der Traun und in bestimmten Bächen in genannten Begrenzungen und den Forstbann in vier benannten Waldungen, so wie diese der Bischof und seine Vorfahren, nämlich Großvater Arnold [I. Graf von Lambach und Wels] und Vater [Graf] Arnold [II.], sowie sein Bruder Gottfried, Markgraf [der Kärntner Mark], besessen haben, mit aller Zugehörung zu Eigen.

1061 Februar 19, Regensburg.

Verunechtetes Or. Lambach StiftsA: U 2 (A¹) und angebl. Or. ebenda: U 3 (A²).

Kurz, Beytr. 2 (1808) 434 Nr. 2 aus A¹ = Hormayr, Archiv 6 (1815) 498 = Hormayr, Beytr. 2 (1819) 168. — UBLOE 2 (1856) 90 Nr. 71 aus A² und 91 Nr. 72 aus A¹. — MGH DD 6/1 (1941) 90 Nr. 70 aus A¹A².

Ausz.: Hormayr, Taschenbuch 3 (1813) 91 aus A¹. — Keutgen, Urk. z. städt. Verfassungsgesch. (1899) 34 Nr. 60 aus A².

Reg.: Böhmer, Regesta (1831) 87 Nr. 1738. — Hormayr, Taschenbuch 25 (1836) 512. — Stumpf, KU (1865) 215 Nr. 2592. — Böhmer – Struve, RI (1984) 85 Nr. 210.

Abb.: Trinks in Jb. OÖ. Musealverein 83 (1930) nach S. 30 Tafel 1 (A¹) und Tafel  2 (A²). — Kramml in (Katalog) OÖ. Landesausstellung 1989, Histor. Teil (1989) 146 (A²).

Obwohl nur für einen Empfänger bestimmt, gibt es eigenartigerweise zwei Ausfertigungen, die sich bei Gleichheit des Wortlautes in den äußeren Merkmalen deutlich unterscheiden.

In der Fassung A¹ sind die erste Zeile mit Chrismon und Protokoll und am Ende das Eschatokoll mit Signum- und Rekognitionszeile samt Monogramm sowie Da­tie­rung von einem von August 1060 bis Juli 1062 häufig tätigen Schreiber der königlichen Kanzlei (Hilfsbezeichnung: Friedrich A) ausgefertigt worden. Das Mo­nogramm mit dem deutlich erkennbaren, somit eigenhändigen Vollziehungs­strich des Königs und das jetzt nur noch zum Teil erhaltene Siegel in ursprünglicher Befestigung weisen ebenso auf eine Ausfertigung in der Reichskanzlei hin. Während die vorgenannten Formularteile auf glattem Grund des Pergamentblattes stehen, ist der gesamte Kontext auf Rasur von einer anderen unbekannten Hand geschrieben worden, die sich bemühte, gewisse Eigenheiten der erwähnten Kanzleikraft (Verschleifung der Oberlängen, diplomatisches Kürzungszeichen, ver­einzelt offenes a), die ursprünglich den gesamten Text des Diploms schrieb, nach­zu­ahmen.

Die Fassung A² ist zur Gänze von einer Hand auf glattem Pergament geschrieben, die mit der Kontexthand von A¹ schulverwandt ist. Das nun stark beschädigte Siegel ist eindeutig eine plump angefertigte Fälschung.

Den Unterschied zwischen den beiden Ausfertigungen erkannte zwar schon Trinks a. a. O. 80ff., aber seiner Meinung nach waren alle im Diplom angeführten Rechte und Forste tatsächlicher Besitz des Klosters. A¹ wäre ursprünglich für einen anderen Empfänger bestimmt gewesen, aber aus Gründen der Sparsamkeit wurde das Pergamentblatt durch Rasur des Kontextes weitgehend für eine neuerliche Beschriftung bereit gemacht. Daher sei “mit voller Sicherheit die Kanzleimäßigkeit von A¹" gegeben (S. 100f.). Da aber ein Diplom mit so großer Rasur im Text bei einem Prozeß als Beweis unbrauchbar war und Bischof Adalbero nach 1076 als politi­scher Gegner des Königs keine tadellose neuerliche Ausfertigung verlangen konnte, habe er, vielleicht als er 1086 wieder in Würzburg weilte, durch einen mit dem Brauch der königlichen Kanzlei vertrauten Schreiber “eine in ihrer gra­phi­schen Ausführung einwandfreie Abschrift des ursprünglichen Diploms anfertigen lassen, die mit einem falschen, dem echten nachgebildeten Siegel versehen" wurde (S. 105).

Dem Zeitpunkt der Verfälschung nach der Absetzung des Bischofs Adalbero durch Kaiser Heinrich IV. im Mai 1086 — vgl. dazu Wendshorst, Bistum Würzburg 1 (1982) 105ff. — und vor Adalberos Ableben am 6. Oktober 1090 ist zwar große Wahrscheinlichkeit zuzubilligen, den anderen nicht belegbaren Vermutungen von Trinks hat schon der Bearbeiter der Diplome Heinrichs IV. für die MGH, Diet­rich von Gladiß, zu Recht widersprochen, nicht zuletzt mit Hinweis auf andere Lambacher Fälschungen. Gladiß unterließ auch die Kennzeichnung des verfälschten Textes durch spitze Klammern, da einzelne Teile des Kontextes gewiß den Tatsachen entsprochen haben. Dies wird auch im folgenden so gehalten.

Die Fassung A² ist eine wohl erst in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts angefertigte Fälschung, um den durch die Rasur sich ergebenden Verdacht von A¹ zu vermeiden. Die Anfertigung erfolgte wahrscheinlich zugleich mit der Herstellung der Fälschung auf den Namen Kaiser Friedrichs I. mit der Datierung zu 1172 (s. unten Nr. ..), die weitgehend den Text von A² wiederholt.

Auf der Rückseite von A¹ wurde noch im ausgehenden 11. Jahrhundert der Vertrag zwischen Bischof Christian von Passau und dem Grafen Arnold — gemeint ist Graf Arnold I. von Lambach und Wels — von (992/993) (UBLOE 2, 69, Nr. 51; Boshof a. a. O. 1, 77 Nr. 255) aufgezeichnet.

Anstatt eines gesonderten Abdruckes der unechten Fassung A² werden im folgenden nur die Abweichungen gegenüber A¹ im Variantenapparat ausgewiesen.

(C.) ‡ In nominea sanctae et individuae trinitatis. Heinricus divina favente clementia rex. ‡ Notumb esse volumus omnibus Christi nostrique fidelibus tam futuris quam presentibus, qualiter nos ob interventum dilectissimȩc genitricis nostrȩ Agnetis impe­ratricis augustȩd et ob petitionem fidelis nostri Adalberonis Wirziburgensis ȩpiscopie bannum mercati in loco Wels et theloneum in Lambach et insuper bannum piscationis de superiori casu Trvnae et in Agra ab Asintalf usque ad ea loca, ad quȩg prediorum suorum termini pertingunt, et ab Asintal sursum communem utilitatem usque ad portum Veclahaah, in Albanai, in Rintbach et iterum in Rintbach et in Steinbach, nec non quatuor nemorum, unum ad Eitirvvalt, alius etiam ad Bvchvnloch, duo, quȩ vulgo appellatione dicuntur superiorisk sive inferioris Hardis, eo iure, quo parentes eius, scilicet avusl Arnoldvsm et item pater suus Arnoldvsm, et frater suus marchio Gotefridus et ad ultimum idem episcopus Adelberon eundem bannum habuerunt, aecclesiaeo in Lambach, quȩg in honore sanctae Mariȩp et sancti Kyliani sociorumque eius constructa est, cum omni utilitate, quȩ ullo modo inde provenire potest, legitime annuimus, potestative confirmamus et perpetuo in proprium dedimus atque tradidimus ea videlicet ratione, ut nullus in predictis locis aut mercatum destruere aut theloneum impedire aut piscari aut novalia facere aut domos ȩdificareq sine consensu abbatis in Lambach suorumque successorum presumat. Et ut hȩcr nostra regalis traditio nunc et in evums stabilis et inconvulsa permaneat, hanc cartam inde conscribi et, ut subtus cernitur, manu propria corroborantes sigilli nostri impressione iussimus insignirib.
‡ Signum domni Heinrici quarti regis. ‡ (M.)t (SI.)
‡ Fridericus cancellarius vice Sigifridi archicancellarii recognovi. ‡
Data XII kalendas martii anno incarnationis domini M LXI, indictione XIIII, anno autem ordinationis domni Heinrici quarti regis VII, regni vero V; actum Ratisboneu; feliciter amen.


a) A¹, Inomine

b) Notum – insigniri auf Rasur von anderer Hand A¹

c) A¹, dilectissimae

d) A¹, augustae

e) A¹, episcopi

f) n von gleicher Hand über der Zeile nachgetragen A²

g) A¹, quae

h) A¹, Vehclaha

i) A¹, Albanaa

k) A¹, sup(er)oris

l) A¹, avus eius

m) A¹, Arnoldus

n) A¹, Adalbero

o) A¹, ecclesiae

p) A¹, Mariae

q) A¹, aedificare

r) A¹, haec

s) A¹, ȩvum

t) Vollziehungsstrich von anderer Hand nachgetragen A¹, von gleicher Hand A²

u) A¹, Ratisponae A².

Siegel von A¹ aus naturfarbenem Wachs durchgedrückt, rund, stark beschädigt, thronender König im Ornat mit [Zepter] in der Rechten und Reichsapfel in der Linken, Umschrift nicht mehr erhalten; Typar 2 s. Posse, Siegel 1 (1909) 15 Tafel 16. Siegel von A² aus naturfarbenem Wachs durchgedrückt, rund, stark beschädigt, thronender König, offensichtlich ohne Umschrift; mithin plumpe Fälschung.

Metadaten

Aussteller König Heinrich IV.
EmpfängerLambach
RegestKönig Heinrich IV. bestätigt und übergibt dem Kloster Lambach verschiedene genannnte Gerechtigkeiten
Datum (ISO 8601)1061-02-19
OrtRegensburg
SpracheLatein
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MetadatenTEI anzeigen TEI
LizenzCreative Commons BY-NC-SA
Permalink/Handlehttps://gams.uni-graz.at/o:stub.56, hdl.handle.net/11471/505.10.118
ZitiervorschlagUrkundenbuch des Herzogtums Steiermark I,1, bearb. v. Friedrich Hausmann, LA 3, digitale Fassung: hdl.handle.net/11471/505.10.118, Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 2007 (14.04.2024)