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      <titleStmt>
        <title>Zur Bedeutung der österreichischen Landesordnungsentwürfe des 16. und 17.
     Jahrhunderts</title>
        <author corresp="marcrelator:aut">
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            <forename>Gunter</forename>
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          <orgName corresp="https://digital-humanities.uni-graz.at" ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Institut für Digitale Geisteswissenschaften,
      Universität Graz</orgName>
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      Management System</orgName>
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      4.0</licence>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
        <idno type="PID">o:repat.wesener-1975-landesordnungsentwuerfe</idno>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums digitaler
     Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit von Heino
     Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>
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          <author corresp="marcrelator:aut">
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              <forename>Gunter</forename>
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          </author>
          <title>Zur Bedeutung der österreichischen Landesordnungsentwürfe des 16. und 17.
      Jahrhunderts</title>. In: <series>Festschrift Nikolaus Grass zum 60. Geburtstag Band
      I</series> (<publisher/>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Innsbruck</pubPlace>
          <date when="1974">1974/75</date>) <biblScope from="613" to="631">613-635.</biblScope>
        </bibl>
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      <editorialDecl>
        <p>Der Text der Abhandlung wurde mit freundlicher Erlaubnis des Autors aus dem Band "Festschrift
     Nikolaus Grass zum 60. Geburtstag (Innsbruck 1974/75) Band I S. 613 - 631" gescannt und mit
     Hilfe eines OCR-Programms (Omnipage 18) in einen Volltext umgewandelt, der durch den
     Herausgeber korrigiert wurde. Eventuelle Lese- und andere Fehler sind daher mir zuzurechnen;
     ein Hinweis auf derartige Fehler würde die Qualität weiter verbessern.</p>
        <p>Der Versuch, die Allegationen im Text in Hyperlinks umzuwandeln, so dass die zitierten Texte
     in ihrer jeweiligen elektronischen Version direkt aufgerufen werden können, scheitert
     naturgemäß in den Fällen, in denen es von urheberrechtlich geschützten Werken keine digitale
     Version gibt. Dass dies bedauerlich ist, scheint mir evident zu sein. Daher gebührt mein
     besonderer Dank Herrn Professor Wesener, der seine wissenschaftlichen Beiträge für eine
     Hypertextualisierung bereitgestellt hat.<lb/> Eine technische Besonderheit darf ich erwähnen:
     Ich hatte jedes Zitat gleichermaßen gekennzeichnet, ob nun ein Digitalisat vorlag oder nicht.
     Denn - so meine Hoffnung - dieses Werk könnte ja noch digitalisiert werden. In der jetzt
     gültigen Version P5 der Text Encoding Initiative gilt aber, dass ein Verweisziel nicht leer
     sein darf. Somit hätte ich alle Kennzeichnungen von Quellen, zu denen es noch kein Digitalisat
     gibt, entfernen müssen. Da ich das für wenig sinnvoll halte, habe ich stattdessen einen Link
     auf einen Hinweis eingefügt, der einfach meldet: "Noch kein Digitalisat". Wenn der Mauszeiger
     über einen Link streicht, so wird die Adresse unten links (jedenfalls im Firefox-Browser)
     angezeigt, so dass man sich vorher vergewissern kann, ob ein Anklicken sinnvoll ist. Also: etwa
     230 (von insgesamt 490) Links auf Quellen führen nur zu diesem Vermerk. Möge es als Hinweis auf
     ein Desiderat verstanden werden ...<lb/> Heino Speer :: 30. September 2012</p>
      </editorialDecl>
      <schemaRef url="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd"/>
      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
     Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
      </projectDesc>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
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        <language ident="de">Deutsch</language>
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                <ref target="info:fedora/context:repat.sekundaerliteratur" type="context">Sekundärliteratur</ref>
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              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.oesterreich" type="context">Österreich</ref>
              </term>
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  <text xml:lang="de">
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      <divGen type="toc"/>
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      <div xml:id="TA.0">
        <head>Gunter Wesener, Zur Bedeutung der österreichischen Landesordnungsentwürfe des 16. und 17.
     Jahrhunderts</head>
        <div xml:id="TA.1">
          <head>A.</head>

          <p> Für eine eingehende Beschäftigung mit der österreichischen Rechtsgeschichte des 16. bis 18.
      Jhs., insbesondere mit der Geschichte des Privatrechtes ist in der zweiten Hälfte des vorigen
      Jhs. Dr. Carl Graf Chorinsky, zuletzt Präsident des Oberlandesgerichtes Wien (†
       1897)<note
                n="N.1">Biographisches zu C. Chorinsky in: <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Allg. österr.
        Gerichts-Ztg. Jg. 47 (1896), Nr. 3, S. 17</ref>; Th. Motloch, Carl Graf Chorinsky, ein
       Nachruf, in: <ref
                target="/o:repat.motloch-1899-chorinsky">Archiv-Mitteil. d. k. k.
        Central-Commission f. Kunst- u. histor. Denkmale. Bd. IV (Wien 1898)</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Biograph. Lexikon 1815-1950, 1 (1957), S. 146</ref>.</note>,
      eingetreten. Ihm und seinen Mitarbeitern verdanken wir eine umfangreiche Sammlung
      lithographierter Mitteilungen und Abschriften betreffend neuere österreichische Rechtsquellen,
      die sog. Sammlung Chorinsky<note
                n="N.2">Vgl. dazu C. Chorinsky, Beiträge zur Erforschung
       österreichischer Rechtsquellen, in: <ref
                target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege">Allg. österr.
        Gerichts-Ztg. Jg. 47 (1896), Nr. 3, S. 18ff.</ref>; Motloch, a.a.O. (<ref
                target="#N.1">o.
        Anm. 1</ref>); <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">G. Wesener, Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit
        der Rezeption (1957), S. 12ff.</ref> — Diese Sammlung Chorinsky ist u. a. vorhanden in der
       Österr. Nationalbibl. (664.027-B), in der Univ.-Bibl. Wien (I 8768) und im Steiermärk.
       Landesarchiv (Sign. 374k).</note>. Besonders wichtig sind die Abschriften der
      Landesordnungsentwürfe für Österreich unter und ob der Enns aus dem 16. und 17. Jh.<note
                n="N.3"> Zu den erhaltenen Handschriften dieser Landesordnungsentwürfe Motloch, a.a.O. (<ref
                target="#N.1">o. Anm. 1</ref>), <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 16ff.</ref> Vgl. <ref
                target="#N.47">u. Anm. 47</ref> (Zeiger), <ref target="#N.68">68 (Entwurf Püdler)</ref>, <ref
                target="#N.83">83 (Entwurf Strein-Linsmayr)</ref>, <ref
                target="#N.96">96 (Kompilation der
        vier Doktoren)</ref>, <ref target="#N.119">119 (Landtafel für Österreich ob der
       Enns)</ref>.</note> Diese Abschriften sollten eine Vorstufe zu einer textkritischen Ausgabe
      der Entwürfe darstellen; eine solche Edition bildet noch immer ein Desiderat der
      österreichischen Rechtswissenschaft.</p>
          <p>Es handelt sich um vier Landesordnungsentwürfe für Österreich unter der Enns, den "<ref
              target="/o:repat.1526-noelrentw">Zeiger in das Landrechtsbuch</ref>" oder "Institutum Ferdinandi I." von
      1528 (= Zeiger), den <ref
              target="/o:repat.1573-noestlrentw">Entwurf Püdler von 1573</ref>, den <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Entwurf Strein-Linsmayr von 1595</ref> und die "<ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Kompilation
       der vier Doktoren" von 1654</ref> (= Kompilation) sowie um die <ref
              target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz">Landtafel für Österreich ob der Enns von 1609</ref> (= Oe. Ltf.). Während Tirol schon im 16.
      Jh. seine Landesordnung erhielt, kamen Österreich unter und ob der Enns über das
      Entwurfsstadium nicht hinaus; die kaiserliche Sanktion blieb den Entwürfen versagt. Nur Teile
      der Kompilation der vier Doktoren wurden als selbständige Gesetze publiziert. Theodor
       Motloch<note
                n="N.4">Nachruf von A. v. Wretschko, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ZRG, GA 28 (1907),
        S. 629</ref>.</note>, ein Mitarbeiter Chorinskys, hat im Artikel "Landesordnungen
      (geschichtlich) und Landhandfesten (I. Österr. Ländergruppe)"<note
                n="N.5">Im: <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen">Österr. Staatswörterbuch, hrsg. v. Mischler und
        Ulbrich, 2. Aufl., III (1907), S. 331 ff.</ref>
            </note>
            <pb
              n="614"/> die österreichische Kodifikationsgeschichte vom 16. bis 18. Jh. eingehend
       dargestellt<note
                n="N.6">Dazu mit wichtigen Ergänzungen F. Wisnicki, Die Geschichte der
       Abfassung des Tractatus de juribus incorporalibus, in: <ref
                target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung">Jahrbuch f. Landeskunde u. Heimatschutz v.
        Niederösterreich u. Wien, N.F. 20 (1926 u. 1927), II (Wien 1927), S. 69ff.</ref>; Überblick
       bei <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">A. Ehrenzweig, System des österr. allg. Privatrechts<hi
                rend="sup">2</hi> I/1 (1951),
        S. 18ff.</ref> und <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 12ff.</ref>
            </note>.</p>

          <p>Die österreichischen Landesordnungsentwürfe haben in der Literatur nicht die verdiente
      Beachtung gefunden und wurden bei privatrechtsgeschichtlichen Untersuchungen nur selten
       verwertet<note
                n="N.7">Vgl. W. Brauneder, in: <ref target="/o:repat.brauneder-1971-ehescheidung">Österr. Archiv. f. Kirchenrecht 22 (1971), S. 274 A. 7</ref>.</note>.</p>

          <p>Herangezogen wurden diese Entwürfe bzw. die sonstigen Materialien zur österreichischen
      Gesetzgebung des 16. und 17. Jhs. in ihren Untersuchungen und Werken von Joseph v. Wörth<note
                n="N.8">Über das gesetzliche Erbrecht des überlebenden Ehegatten in den Fällen des § 757 des
       a.b.G.B., <ref
                target="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aog&amp;datum=18541107&amp;seite=1&amp;zoom=45">Allg. österr. Gerichts-Ztg. 5 (1854), Nr. 133-136</ref>. — Vgl. auch <ref
              target="http://gdz-srv1.sub.uni-goettingen.de/content/PPN669450782/800/0/00000034.jpg">L.
        Johanny, Geschichte und Reform der österr. Pfandrechts-Pränotation (Wien 1870), S. 26 A.
        4</ref>.</note>, C. Chorinsky<note n="N.9">
              <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Das Notariat und die
        Verlassenschaftsabhandlung in Österreich (Wien 1877)</ref>; <ref
                target="http://archive.org/stream/dasvormundschaf00chorgoog#page/n">Das Vormundschaftsrecht Niederösterreichs vom 16.
        Jh. bis zum Erscheinen des Josefinischen Gesetzbuches (Wien 1878)</ref>; <ref
              target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/%22118858%22">Der
        österr. Executiv-Proceß (Wien 1879)</ref>.</note>, R. v. Canstein<note n="N.10">
              <ref
                target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/ &quot;115037 &quot;">Lehrbuch der Geschichte und Theorie des Österr.
        Civilprozeßrechtes I (1880), S.103</ref>, <ref target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/ &quot;115037 &quot;">106ff.</ref>
            </note>, Ernst Rabel<note n="N.11">
              <ref target="http://drqerg.de/PDF/rabel_haftung_1.pdf#page=222">Die Haftung des
        Verkäufers wegen Mangels im Rechte I (1902), S. 202ff.</ref>
            </note>, Alexander Gál<note n="N.12">
              <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Der Ausschluß der Ascendenten von der Erbenfolge und das
        Fallrecht (1904), S. 84ff.</ref>
            </note>, Robert Bartsch<note n="N.13">
              <ref
                target="/o:repat.bartsch-1905-gueterrecht">Eheliches Güterrecht im Erzherzogtum Österreich im 16.
        Jh. (1905)</ref>; vgl. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">P. Hradil, Untersuchungen zur spätmittelalterl.
        Ehegüterrechtsbildung I (1908), S. 5, 80f.</ref>
            </note>, Egon Weiß<note n="N.14">
              <ref
                target="http://drqerg.de/DRQI/weiss_untersuchungen2_34-35.jpg">Pfandrechtliche Untersuchungen II (1910), S.
        34ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zur Geschichte des Realfoliums und des Hauptbuchsystems in
        Österreich</ref>, in Festschrift z. Jahrhundertfeier des ABGB II (1911), S. 509ff.</note>,
      Fritz Wisnicki<note n="N.15">
              <ref
                target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung">Die Geschichte der
        Abfassung des Tractatus de juribus incorporalibus</ref> (<ref
                target="#N.6">o. Anm.
       6</ref>); <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1929-tractiurincorp">Der Tractatus de juribus
        incorporalibus. Ein Beitrag zur Geschichte des österr. Patronatsrechts</ref>, in: ZRG 49, KA
       18 (1929), S. 112ff.</note>, Max Rintelen<note n="N.16">
              <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Bernhard Walthers
        privatrechtliches Traktat aus dem 16. Jh. (Leipzig 1937), s. S. 230</ref>.</note> und in
      jüngster Zeit von G. Wesener<note n="N.17">
              <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Geschichte des Erbrechtes in
        Österreich seit der Rezeption (1957)</ref>; <ref
                  target="/o:repat.wesener-1966-vorkaufsrecht">Vorkaufs- und Einstandsrecht der "gesippten Freunde" (<hi
                rend="it">jus retractus
         consanguinitatis</hi>) im Recht der altösterr. Länder, Gedächtnisschrift f. R. Schmidt
        (Berlin 1966), S. 535ff.</ref>; <ref
                target="/o:repat.wesener-1971-buergschaftsrecht">Die
        Entwicklung des Bürgschaftsrechts in den altösterr. Ländern, Recueils de la Societe Jean
        Bodin 29 (1971), S. 673ff.</ref>; <ref
                target="/o:repat.wesener-1972-kauf">Der Kauf nach österr.
        Privatrecht des 16. u. 17. Jhd., in: Festschrift H. Hämmerle (1972), S. 433ff.</ref> Vgl.
        <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Th. Mayer-Maly, Die Morgengabe im Wiener Privatrecht des
        Spätmittelalters, in: Festschrift Hans Lentze (1969)</ref>, S. 381ff., bes. S. 385f.</note>
      und Wilhelm Brauneder<note
                n="N.18">Die Ehescheidung dem Bande nach in den
       Landesordnungsentwürfen für Österreich unter und ob der Enns 1595 und 1609, in: <ref
                target="/o:repat.brauneder-1971-ehescheidung">Österr. Archiv. f. Kirchenrecht 22 (1971), S.
        273ff.</ref>; <ref
                target="/o:repat.brauneder-1971-stillschweigende-hypotheken">Die 'stillschweigenden Hypotheken' und der
        österr. Landesbrauch</ref>, in: Bericht über den 11. Österr. Historikertag (Wien 1972), S.
       226f.; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Die Entwicklung des Ehegüterrechts in Österreich (Salzburg-München
        1973)</ref>.</note>.</p>

          <p>Die Landesordnungsentwürfe für Österreich unter und ob der Enns sind in zweifacher Hinsicht
      als Quellen für die österreichische Rechtsgeschichte, insbesondere die Privat- und
      Prozeßrechtsgeschichte von Bedeutung. <pb n="615"/>
          </p>
          <div xml:id="TA.1.1">
            <p>1. Die Entwürfe haben, abgesehen von Teilen der Kompilation der vier Doktoren<note
                  n="N.19">Dazu Motloch, Landesordnungen (<ref target="#N.5">o. Anm. 5</ref>), <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.346">S. 346ff.</ref>

              </note>, nicht die
       kaiserliche Sanktion erlangt; der Landesordnungsentwurf für Österreich unter der Enns von
       1573 (Entwurf Püdler) und der Entwurf für Österreich ob der Enns von 1609, die
       obderennserische Landtafel, haben aber in der Gerichtspraxis und in der Rechtsliteratur große
       Beachtung gefunden, so daß man von einer gewohnheitsrechtlichen Geltung sprechen kann<note
                  n="N.20">Dazu im einzelnen u. bei <ref target="#N.74">Anm. 74</ref> u. <ref
                  target="#N.123">123ff.</ref>; vgl. Chorinsky, Vormundschaftsrecht (<ref
                  target="#N.9">o. Anm. 9</ref>),
         <ref
                  target="http://archive.org/stream/dasvormundschaf00chorgoog#page/n35">S. 18ff.</ref>; bes. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">A.
         19</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 14 u. 15</ref>; <ref
                  target="/o:repat.rintelen-1958">M. Rintelen, Landsbrauch u. gemeines Recht im Privatrecht der
         altösterr. Länder, in: Festschrift A. Steinwenter (1958), S. 96</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Baltl, Österr. Rechtsgeschichte (Graz 1972), S. 158</ref> u. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">159</ref>.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="TA.1.2">

            <p>2. Die Landesordnungsentwürfe stellen zum Großteil keine Rechtsneuschöpfungen dar, sondern
       weitgehend Aufzeichnungen des in Österreich geltenden Rechtes. Sowohl das altösterreichische
       Gewohnheitsrecht, der Landesbrauch, als auch das gemeine Recht, die "geschriebenen,
       kaiserlichen Rechte" finden in den Entwürfen ihren Niederschlag. An Hand der einzelnen
       Entwürfe läßt sich der allmähliche Romanisierungsprozeß in materieller wie formeller Hinsicht
       schön verfolgen. Am stärksten ist der Einfluß des römisch-gemeinen Rechtes naturgemäß in der
        <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Kompilation der vier Doktoren</ref> (Mitte des 17. Jhs.)<note
                  n="N.21">Vgl. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 15</ref>; <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch S. 96</ref>.</note>.</p>

            <p>In den Entwürfen wird häufig auf den althergebrachten Landsbrauch und auf die geschriebenen
       Rechte hingewiesen bzw. auf die Abweichungen der beiden voneinander<note
                  n="N.22">Z. B.: <ref target="/o:repat.1526-noelrentw#3.10.2">Zeiger III 10 § 2</ref>; <ref
                  target="/o:repat.1573-noestlrentw#NA.2.4">Püdler II 4 §§ 9</ref>, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">11</ref>,
         <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">38</ref>; <ref
                  target="/o:repat.1573-noestlrentw#NA.2.27">II 27 § 22</ref>;
         <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Strein-Linsmayr II 4 § 15</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Kompilation der vier
         Doktoren II 10 § 17</ref>; <ref
                  target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.14.12">Oe. Ltf. III 14 §§
         12</ref>, <ref
                  target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.14.13">13</ref>, <ref
                target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.14.23">23</ref>.</note>, so daß sich zumeist leicht feststellen
       läßt, ob ein Rechtssatz dem österreichischen Landesbrauch oder dem gemeinen Recht zuzurechnen
       ist. Die Entwürfe sind insoferne mit der in Österreich gepflegten Differentienliteratur
        vergleichbar<note
                  n="N.23">Dazu <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">A. Steinwenter, Studi Koschaker I (1954),
         S. 406 (A. 1)</ref>, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">425f.</ref>; <ref
                  target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch S. 83 ff.</ref>; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Baltl, Österr. Rechtsgeschichte,
         S. 161 f.</ref>

              </note>. Die üblichen Formulierungen in den Entwürfen lauten: "Der gemain
       landsprauch unsers furstenthumbs Österreich ist .." (<ref
                target="/o:repat.1526-noelrentw#3.10.2">Zeiger
        III 10 § 2</ref>); "dem Landsbrauch nach"; "dem wissentlichen Landsbrauch nach"; "Und
       wiewohl bei denen geschribnen rechten versehen .., so ist doch dem lantbrauch nach .." (<ref
                target="/o:repat.1573-noestlrentw#NA.2.4">Püdler II 4 § 28</ref>); ".. so ist doch solchem der
       uralte landsgebrauch und löblich herkhomen zuwider" (<ref
                target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.5.6.1">Oe. Ltf. V 6 § 1</ref>)<note n="N.24">Zu dieser Stelle <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener,
         Erbrecht, S. 54 (A. 44)</ref>. — Die gleichen Formulierungen finden sich in der
        juristischen Literatur, etwa in Bernhard Walthers privatrechtlichen Traktaten (hrsg. von M.
        Rintelen, Leipzig 1937), <ref
                  target="/o:repat.1584-walther-trakt-ri#T.7.15">VII 15/2</ref>: "dem
        Landsprauch nach .. das Widerspill nach vermüg den geschribnen Recht erkennt und
        declariert"; vgl. dazu <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 78</ref>; vgl. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 210f.</ref> s. v.
        Landesbrauch, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 207</ref> s. v. die geschribnen Recht. — <ref
                  target="https://books.google.at/books?id=SuNfAAAAcAAJ">J. H. Reutter, Viginti quinque tabulae iuridicae (Ratisbonae 1674). Ad.
         Tab. I n. 1</ref>: "Consuetudo. Haec in Austria infra Anasum vocatur der Lands-Brauch".
         <ref
                  target="http://drqerg.drqedit.de/DRQI/suttinger_1718-bsb_0429.jpg">J. B. Suttinger,
         Consuetudines Austriacae (2. Aufl. 1718), S. 429f. s. v. Lands-Brauch</ref>; <ref
                target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10506460_00145.html">ders., Observationes practicae (1656, 1678), obs. 67</ref>.</note>. <pb n="616"/>
            </p>
            <p>Max Rintelen hat in seinem wertvollen Beitrag zur Festschrift für A. Steinwenter<note n="N.25">
                <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Bd. 3 der Grazer rechts- u. staatswiss. Studien, hrsg. v. H.
         Baltl (Graz-Köln 1958), S. 78 ff.</ref>, bes. <ref target="/o:repat.rintelen-1958">S. 88
        ff.</ref>

              </note> das Verhältnis von Landsbrauch und gemeinem Recht im Privatrecht der
       altösterreichischen Länder<note
                  n="N.26">Zur Rezeption in Österreich Lit. bei <ref
                    target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesenberg-Wesener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte<hi
                  rend="sup">2</hi> (1969), S.
         92ff.</ref>, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">98</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 12 A.
         12</ref>; ferner <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">31</ref>. Rintelen, Zur österr. Agrarverfassung im
        Zeitalter der Rezeption, in: <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wiss. Vierteljahrsschrift zur Prager Jurist.
         Zs. Jg. 5 (1925), S. 67ff.</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Th. Mayer-Maly, Ein Wiener
         Ehegutsprozeß aus der Rezeptionszeit, in: Jahrbuch des Vereines f. Gesch. d. Stadt Wien, 11
         (1954), S. 39ff.</ref>; <ref
                  target="/o:repat.braumueller-rezeption">H. Braumüller, Die
         Rezeption des Rechts und die Kärntner Landstände, in: Carinthia I, 153 (1963), S.
         457ff.</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Demelius, Reichshofrat Schwarz und sein Testament, in:
         Festschrift H. Lentze (1969), S. 117ff.</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Eheliches
         Güterrecht im spätmittelalterl. Wien (Sitz.-Ber. d. Österr. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Kl.
         265/4, Wien 1970)</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Baltl, Aus einer krainischen
         Rechtshandschrift, in: Festschrift E. C. Hellbling (1971), S. 11ff.</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Österr. Rechtsgeschichte (1972), S. 160f.</ref> Vgl. auch die Arbeiten
        von Wesener (<ref
                  target="#N.17">o. Anm. 17</ref>) und W. Brauneder (<ref
                  target="#N.18">o.
         Anm. 18</ref>); ferner <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. E. Troje, Gemeines Recht und Landesbrauch in
         Bernhard Walthers (1516-1584) Traktat "De iure protomiseos", in: Studien zur europäischen
         Rechtsgeschichte, Helmut Coing zum 28. 2. 1972 (1972), S. 151ff.</ref>

              </note> eingehend
       untersucht und dargestellt, insbesondere auf Grund der juristischen Literatur der Zeit.
       Primär galt in Österreich der Landesbrauch, das gemeine Recht galt nur subsidär<note
                  n="N.27">Vgl. etwa <ref
                  target="/o:repat.1584-walther-tract-ri#7.7.2">Walther, Trakt. VII 7/2.</ref> — Zu den
        böhmischen Ländern <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">J. Klabouch, in: Symbolae R. Taubenschlag dedicatae II
         (1957), S. 329ff.</ref>

              </note>. Wenn es aber die Rechtssicherheit verlangte, mußte der
       Landesbrauch den geschriebenen Rechten weichen<note n="N.28">
                <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B.
         Walthers privatrechtl. Traktate, S. 30*ff.</ref>; <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Landsbrauch, S.
         88</ref>.</note>. Bekannt ist der Satz Bernhard Walthers (<ref target="/o:repat.1584-walther-tract-ri#5.2.2">Traktat V c. 2/2</ref>): "Dan wa ein Landsbrauch zweiflig
       und ungewiß ist, soll yederzeit dem geschribnen Rechten nach erkennt werden".</p>
            <p>Eine Durchsicht der Landesordnungsentwürfe und anderer Rechtsquellen bestätigt diese
       Prinzipien.</p>

            <p>Nach dem "Zeiger in das Landrechtsbuch" ist die subsidiäre Geltung der geschriebenen Rechte
       noch eingeschränkt durch die Forderung, daß sich diese in Einklang befinden müssen mit dem
       löblichen Gebrauch und der Gewohnheit des Erzherzogtums und dem Grundsatz gleichen Rechtes
       und der Vernunft<note
                  n="N.29">Vgl. <ref
                  target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Motloch, Landesordnungen, S. 335</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">F. Klein-Bruckschwaiger, in:
         Jur. Blätter 70 (1948), S. 162</ref>; <ref
                  target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch,
         S. 96</ref> (zu den Gründen für die Ablehnung des röm. Rechtes). Inhaltlich ist der Zeiger
        aber sehr stark romanistisch (<ref
                  target="#N.50">s. u. Anm. 50</ref>, Text bei <ref
                target="#N.60">Anm. 60ff.</ref>).</note>. Der Gedanke der Geltung des römisch-gemeinen
       Rechtes imperio rationis klingt hier an<note
                  n="N.30">Dazu vgl. <ref
                    target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesenberg-Wesener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte<hi
                  rend="sup">2</hi>, S. 54</ref>; zum Einfluß
        des Humanismus auf den Zeiger u. bei <ref
                  target="#N.48">Anm. 48ff.</ref>; vgl. auch <ref target="#N.44">Anm. 44</ref> u. <ref
                target="#N.45">45</ref>.</note>. Der Zeiger (<ref
                target="/o:repat.1526-noelrentw#1.3.4">I 3 § 4</ref>) gibt für den Landmarschall und die Beisitzer des
        Landrechtes<note
                  n="N.31">Das Landrecht, das landmarschallische Gericht in Österreich unter
        der Enns, war das Gericht des landständischen Adels in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. —
        Der Landmarschall hat nach dem Zeiger (<ref
                  target="/o:repat.1526-noelrentw#1.1.1">I 1, § 1</ref>) zu
        schwören: ".. gleiches gericht und recht füeren und ergeen lassen dem armen als dem reichen
        und dem reichen als dem armen nach dits erzherzogthumbs Österreich freihaiten, löblichen und
        rechtsmessigen gebreuchen und gewonhaiten und sonderlich nach ausweisung und ordnung dits
        landsrechtspuechs, .."; im Eid der Beisitzer des Landrechtes heißt es (<ref
                  target="/o:repat.1526-noelrentw#1.3.1">Zeiger I 3, § 1</ref>): "ich soll und will dem landßrechten
        getreulich und mit vleiß ob sein, nach disem landsrechtpuech desselben Satzung und ordnung,
        auch nach redlichem erbern und leidlichen gebrauch und gueten gewonhaiten des
        erzherzogthumbs Österreich under der Enns und, sovil mich mein vernunft zu der erberkhait
        und pillichait geleiches rechtens weiset, ..". Vgl. damit den Eid der Richter und Beisitzer
        nach der <ref
                  target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=RKGO.+1495&amp;fs=Art.+3">Reichskammergerichtsordnung von
         1495</ref>; dazu <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 78f.</ref>
              </note>
       folgende Anordnung: "Dann si sollen richten nach <pb n="617"/> der ordnung und den gesazten
       dits landßrechtpuechs, die aber nit nach der redner oder gwalttrager auslegung wie si alle
       ding inen zu vortail teutschen, sonder wie die zu fürderung des rechten, gemaines nutz und
       die partheien am wenigsten zu belaidigen verstanden worden. Und sollen deshalben
       landmarschalch und beisitzer ausserhalb dits landßrechtpuechs auf andere geschribne recht
       nicht aufsehen noch achtung haben, dann allain in sachen und händlen, wo khain außgetrukht
       recht oder gesetzt hierin begriffen wär. Doch in denselben auch nit mer noch anderst dann
       nach löblichem geprauch und gewonhaiten dits erzherzogthumbs und so vil si die erberkhait und
       pillichait geleiches rechtens und ursach der vernunft weiset und bewegt".</p>
            <p>Nach dem Entwurf Strein-Linsmayr<note n="N.32">
                <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">II 1, § 23 a. E.</ref>:
        "da aber aines oder deß andern articls bei der khaufshandlung ône gevär außtrückhenlich nit
        gedacht wierdet, solle es mit demselben diser unser ordnung, oder ob davon hierin nicht
        begriffen dem in gmain üeblichen gebrauch nach, und da auch solcher ungwiß denen gemainen
        geschribnen khaiserlichen rechten gemäß gehalten und verstanden werden".</note> sollte
       primär die Landesordnung gelten; wenn diese nichts bestimmte, der "gemein übliche Gebrauch",
       und wenn solcher ungewiß war, die "gemeinen geschriebenen kaiserlichen Rechte".</p>
            <p>Im selben Sinne bestimmt die Landtafel für Österreich ob der Enns (<ref
                target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.14.12">III 14 § 12</ref>), daß bei Fehlen einer besonderen
       Abrede "üblicher Landsgebrauch und Gewohnheit" maßgebend sein sollen, bei Mangel derselben
       die "allgemeinen geschriebenen Rechte"<note n="N.33">
                <ref target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.NA.3.14.12">Oe. Ltf. III 14, § 12</ref>: ".. Da aber bei ainen
        oder den andern puncten nichts sonderbahres abgeredt, noch gewisse ding beschlossen worden,
        soll die handlung und schluß nach inhalt und außweißung deß iieblichen landgebrauchs und
        gewohnhait, auch in mangl dessen der algemainen geschriben rechten verstanden, sonderlichen
        in zweifentlichen reden die außlegung wider den verkaufer, alß der anfangs deutlicher hette
        reden können und sollen, gemacht werden..".</note>.</p>
            <p>Die subsidiäre Geltung des gemeinen Rechts wird auch ausdrücklich ausgesprochen in <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Art. 16</ref> ("Welchermassen zu erkenen") der innerösterreichischen
       Regierungsinstruktion vom 1. Juni 1597<note
                  n="N.34">Bei V. Thiel, in: <ref
                target="/o:repat.thiel-zentralverwaltung-inneroesterreich#100">AÖG 105 (1917), S. 100ff.</ref> (Beilage IV).</note>. Diese
       Bestimmung geht zurück auf die niederösterreichische Regierungsinstruktion vom Jahre
        1545<note n="N.35">
                <ref target="/o:repat.thiel-zentralverwaltung-inneroesterreich#101">Thiel, a.a.O., S. 101</ref>, <ref target="/o:repat.thiel-zentralverwaltung-inneroesterreich#120">120 A. 2</ref>.</note>.</p>
            <p>Art. 16 Abs. 1 lautet<note n="N.36">
                <ref
                  target="/o:repat.thiel-zentralverwaltung-inneroesterreich#120">Thiel, a.a.O., S.
         120</ref>. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Vgl. Art. 1</ref>. — Die <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">innerösterr.
         Instruktion vom 1. Juni 1609, Art. 15</ref> ist gleichlautend bis auf die Formulierung: "..
        oder alten löblichen landsgebreuchigen, da aber kaine, sonder wahre landsfreihaiten,
        gebrauch oder sazungen verhanden wären, alsdann nach dem gemain.." (<ref
                  target="/o:repat.thiel-zentralverwaltung-inneroesterreich#120">Thiel, a.a.O., S. 120</ref>). Vgl. auch die <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Instruktion für die niederösterr. Regierung vom 4. März 1625</ref>: "erkennen
        soll man am ersten nach der Länder Freyheiten und Gebräuchen, <hi
                  rend="it">secundo in
         defectum secundum Iura communia</hi>" (vgl. <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers
         privatrechtl. Traktate 31* A. 13</ref>).</note>: "Unser statthalter, canzler und regenten
       sollen in obbeschribnen und in allen andern sachen, die iner und ausserhalb rechtens <pb n="618"/> für si komen, auf anlangen der parteien oder von amtswegen nach irem höchsten
       vleiß handlen und erkenen, was recht ist, also das si ir erkantnus tuen sollen nach
       obberierten unsern und unsers haus Österreichs, auch aines jedes lands freihaiten oder alten
       löblichen landsgebreuchen und wo aber die freiheiten oder die alten löblichen landgebreuch
       nit verhanden wären, als dann nach den gemeinen geschribnen rechten sprechen und erkenen bei
       dem aid, den si uns geschworen haben, und in summa alle sachen mit dapferkait und seinem
       bestendigen wesen handlen und regiern".</p>

            <p>Die subsidiäre Geltung des römisch-gemeinen Rechts bringt für das 17. Jh. Nic. v. Beckmann
       in seiner "Idea juris statutarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci cum jure Romano
       collati" (Graecii 1688), einem Werk der Differentienliteratur, im <ref
                target="http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10796777_000375.html">Art.
        Possessio (S. 345)</ref> zum Ausdruck<note
                  n="N.37">Zu den steirischen Rechtsquellen <ref
                  target="/o:repat.luschin-1896-259-386#376">Luschin, Österr. Reichsgeschichte, S. 376ff.</ref>;
         <ref
                  target="http://www.literature.at/viewer.alo?objid=19290&amp;viewmode=fullscreen&amp;rotate=&amp;scale=3.33&amp;page=280">Mell, Grundriß der Verfassungs- u.
         Verwaltungsgeschichte des Landes Steiermark (1929), S. 280ff.</ref> Vgl. <ref
                  target="/o:repat.wesener-1975-beckmann">Wesener, Der innerösterr. Regimentsrat Nikolaus von
         Beckmann und sein Kodifikationsplan, in: Festschrift der Universität Graz f. Joh. Kepler
         (Graz 1974)</ref>, bei <ref
                  target="#N.50">Anm. 50</ref> u. <ref target="#N.51">51</ref>.
        Vgl. u. <ref
                target="#N.127">Anm. 127</ref>.</note>: ".. darum ich dann billich, <hi
                rend="it">generaliter</hi> meinen Schluß also mache: daß so offt nichtes (1.) in der
       hochlöblichen Steyrischen Land-hand-fest, (2.) nichts in der Steyrischen Gerichtsordnung,
       (3.) nichts in der Land-Gerichts-Ordnung, und (4.) nichts in der Policey-Ordnung, und in den
       andern kleinen Steyrischen Rechten, als Berg-Rechts-Büchlein, Bergwercks-Ordnung,
       Zehend-Ordnung, <hi
                rend="it">pupillar</hi>-ordnung, etc. oder <hi
                rend="it">jure
        consuetudinario, specialiter contra jus R.</hi> verordnet, und <hi
                rend="it">contra jus
        R.</hi> geändert ist, so werden alle die übrigen Rechts-Sachen, <hi
                rend="it">juxta jus
        commune</hi>, und die allgemeine Kayserl. Rechten, <hi
                rend="it">regulariter</hi> decidiret,
       worbey es dann billich verbleibet, <hi
                rend="it">cum jura R. ex tribus rivis, vel fontibus.
        (puta: honeste vivere, neminem laedere, et suum cuique tribuere) fundatis, in jure naturae,
        et gentium naturali, quasi fluxu rationabiliter fluant, seque ad omnes humanas actiones, tam
        civiles, quam criminales, prudentissime extendant, et per consequens, in ipsa ratione
        naturali, et aequitate, regulariter se fundent, et ob id jura R. in tota Europa merito
        vigeant etc</hi>". Das <hi
                rend="it">jus consuetudinarium</hi> geht nach Beckmann dem <hi
                rend="it">jus commune</hi> nur dann vor, wenn es "<hi
                rend="it">specialiter contra jus
        R.</hi> verordnet, und <hi
                rend="it">contra jus R.</hi> geändert ist". Beckmann sieht die
       Geltung des römischen Rechtes dadurch gerechtfertigt, daß sich dieses regelmäßig auf die <hi
                rend="it">ratio naturalis</hi> und <hi rend="it">aequitas</hi> gründet.</p>

            <p>Die Geltendmachung des Landesbrauchs wurde mit dem Erstarken des gemeinen Rechts immer mehr
        erschwert<note
                  n="N.38">Vgl. <ref
                  target="/o:repat.1526-noelrentw#Vorrede">Zeiger, Vorrede zum I.
         Buch, "Gewonhait"</ref>: "Die gewonhait ist ein recht, das nit geschriben, sonder durch ein
        gemain wissentlich aus erbern ursachen der vernunft lang zeit numallen gebraucht ist".
        .."Die gewonhait mag clag- und auszugsweiß in recht angezaigt und furgebracht werden. und wo
        dieselb offenbart und nit widersprochen wierdet, also das dawider öffentlich gehandelt oder
        geurthailt worden, so ist ôn not solch gewonhait zu weisen. wo aber die gewonhait
        widersprochen wuerdet, so soll si volkhumenlich gewisen werden, nemblich also das die zeugen
        wissen, solch gewonhait in recht furgewendt durch ain gemain also gehalten und emsiclich,
        das ist mer dann ainest auch zehen jar und darob, vor solcher rechtfertigung geiebt und
        gebraucht, auch inen den zeugen nicht wissent, das offenlich und unwidersprochenlich der
        gemain oder irer obrigkhait rechtlich darwider gehandelt und geurthailt sei.."; <ref
                    target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/goToPage/bsb10506458.html?pageNo=437">Suttinger, Consuetudines Austriacae<hi
                  rend="sup">2</hi>, S. 429f. s. v. Lands-Brauch</ref>; <ref
                  target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10506460-5">ders., Observationes practicae (1656/1678)</ref>, obs. 76:
        "Wer etwas vor einen Landsbrauch ausgibt, und ihms der Gegentheil widerspricht, muß derselbe
        den Landsbrauch erweisen" <ref
                  target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10506363_00595.html">B. Finsterwalder,
         Practicarum observationum ad consuetudines Archi-Ducatus Austriae Superioris accommodatarum
         lib. II (1719), obs. 107</ref>; "<hi
                  rend="it">Consuetudinem qui allegat eam probare
         tenetur</hi>". Dazu eingehend <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S.
         89f.</ref>
              </note>. Im 16. Jh. war die Stellung des <pb
                n="619"/> Landesbrauchs noch
       günstig. Die niederösterreichische Regierung verlangte noch keineswegs stets einen Beweis des
       Landesbrauchs von der den Landesbrauch geltend machenden Partei, sondern stellte allenfalls
       von Amts wegen Erhebungen über das österreichische Gewohnheitsrecht an<note
                  n="N.39">Etwa
        durch Anfragen an das landmarschallische Gericht in Österreich unter der Enns (<ref
                  target="#N.31">s. o. Anm. 31</ref>) bzw. an das landshauptmannschaftliche Gericht in
        Österreich ob der Enns; zu den sog. "Erbrechtsfragen", <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Großer, in:
         Festschrift zur Jahrhundertfeier des ABGB I (1911), S. 164ff. (Anhang IV)</ref>; zu
        Anfragen <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 36*ff.</ref>;
         <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Landsbrauch, S. 84f.</ref>; vgl. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener,
         Erbrecht, S. 77ff.</ref>; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">K. Ebert, Gesetzgebung und Rechtswissenschaft,
         in: ZRG, GA 85 (1968), S. 106f.</ref>

              </note>. In diese Zeit fällt auch die Anlegung des
       Consuetudinariums, einer Aufzeichnung des Landesbrauchs (seit 1554), und des Motivenbuches,
       einer Entscheidungssammlung (seit 1550), bei der niederösterreichischen Regierung<note
                  n="N.40">Dazu <ref target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege">Chorinsky, Beiträge</ref> (<ref
                  target="#N.2">o. Anm. 2</ref>), S. 21; eingehend <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers
         privatrechtl. Traktate, S. 38*ff.</ref>; <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Landsbrauch, S.
        85</ref>.</note>. Die Anlegung dieser Bücher geht wahrscheinlich auf eine Initiative des
       niederösterreichischen Regimentsrates und späteren Regierungskanzlers Bernhard Walther
        zurück<note n="N.41">
                <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, S.
         39*</ref>; <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Landsbrauch, S. 85</ref>.</note>. Beide Werke sind
       leider nicht erhalten. J. B. Suttinger zitiert Consuetudinarien- und Motivenbücher sehr
       häufig in seinen Consuetudines Austriacae (1. Aufl. 1716, <ref
                target="https://play.google.com/books/reader?id=yQJFAAAAcAAJ&amp;pg=GBS.PA001">2. Aufl. 1718</ref>)<note n="N.42">
                <ref target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege">Chorinsky, Beiträge, S. 24</ref>.</note>.</p>

            <p>Während man im 16. Jh. eine bloße Bescheinigung des Landesbrauches anerkannte, verlangte
       man im 17. Jh. vollen Beweis, sofern der Landesbrauch nicht notorisch war. Dies war er dann,
       wenn er im Motivenbuch oder Consuetudinarium der niederösterreichischen Regierung, in einem
       Landesordnungsentwurf oder bei einem anerkannten Schriftsteller wie Bernhard Walther, J. B.
       Suttinger oder Nicolaus von Beckmann überliefert war<note
                  n="N.43">Dazu vgl. <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 89f.</ref>
              </note>.</p>

            <p>Die Landesordnungsentwürfe und juristischen Autoren berufen sich mitunter auf die
       "natürliche Billigkeit"<note
                  n="N.44">Etwa <ref target="/o:repat.1573-noestlrentw#NA.2.4">Püdler II
         4, § 39</ref>; <ref
                  target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.NA.3.14.13">Oe. Ltf. III 14, § 13</ref> u.
         <ref
                  target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.NA.3.14.33">33</ref>; <ref
                  target="/o:repat.1584-walther-trakt-ri'#T.1.11">Walther, Trakt. I 11/5</ref>, <ref
                    target="https://play.google.com/books/reader?id=yQJFAAAAcAAJ&amp;pg=GBS.PA768">Suttinger, Consuetudines Austriacae<hi
                  rend="sup">2</hi>, S. 760</ref>.
         <ref
                  target="/o:repat.1526-noelrentw#Buch.1.3.4">Zeiger I 3, § 4</ref> spricht von "ursach der
        vernunft" (s. o.<ref
                  target="#N.29"> bei Anm. 29</ref>); vgl. <ref
                  target="/o:repat.1526-noelrentw#Vorrede">Zeiger, Vorrede zum I. Buch, "Gewonhait"</ref> (o. <ref
                  target="#N.38">Anm. 38</ref>). — Zur Berücksichtigung der "natürlichen Rechte" in der
        Rezeptionszeit <ref
                  target="/o:repat.voltelini-1914-rezeption">H. Voltelini, Zur Rezeption des
         gemeinen Rechtes in Wien, in: Festschrift d. akad. Vereines deutscher. Historiker in Wien
         (1914), S. 88f.</ref>; vgl. <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Th. Mayer-Maly, in: Jahrbuch d. Vereines f.
         Geschichte d. Stadt Wien 11 (1954), S. 44 (A. 30)</ref>. Mayer-Maly, a.a.O., sieht die
        Wurzel dieser frühen Naturrechtspraxis in der <hi
                  rend="it">aequitas canonica</hi> in ihrer
        Bearbeitung durch die Kommentatoren; dazu <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">E. Wohlhaupter, Aequitas
         canonica (1931), S. 88ff.</ref>; zuletzt <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">P. G. Caron, "Aequitas" romana,
         "Misericordia" patristica ed "Epicheia" Aristotelica nella dottrina dell' "Aequitas"
         canonica (Milano 1971)</ref>.</note>. Diese Vorstellung tritt also schon lange vor den
       Naturrechtskodifikationen auf<note
                  n="N.45">Vgl. H. Baltl, in: <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Festschrift
         E. C. Hellbling (1971), S. 14</ref>, zur Orientierung der Steirischen Gerichtsordnung von
        1622 am "natürlichen Verstand"; zu dieser Gerichtsordnung <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Das
         innerösterr. Landschrannenverfahren im 16. u. 17. Jh. (1963), S. 20f.</ref> — Zur
        "natürlichen Billigkeit" in den Naturrechtskodifikationen etwa <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Conrad,
         Deutsche Rechtsgeschichte II (1966), S. 387</ref>, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">389</ref>, <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">392</ref>; vgl. auch <ref
                  target="http://books.google.at/books?id=wyAMAAAAYAAJ&amp;pg=PA60">Harras v.
         Harrasowsky, Geschichte der Codifikation des österr. Civilrechts (1868), S. 60</ref>, <ref
                  target="http://books.google.at/books?id=wyAMAAAAYAAJ&amp;pg=PA129">129f.</ref>; <ref
                  target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Baltl, Österr.
         Rechtsgeschichte (1972), S. 198</ref>. Zur Lehre vom natürlichen Privatrecht vor Grotius
         <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Thieme, in: ZRG, GA 70 (1953), S. 230ff.</ref>
              </note>. <pb n="620"/>
            </p>
          </div>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="TB">
        <head>B</head>
        <p>Die Bedeutung der einzelnen Landesordnungsentwürfe für die rezeptions- und
     privatrechtsgeschichtliche Forschung ist unterschiedlich. Es muß daher auf die Entwürfe im
     einzelnen eingegangen werden.</p>

        <p>Nachdem bereits unter Maximilian I. Reformbestrebungen aufgetreten und ein Plan zur
     Aufzeichnung des Privatrechtes entwickelt worden war<note
              n="N.46">Dazu <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.333">Motloch, Landesordnungen, S. 333f.</ref>; <ref
              target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 95</ref>; <ref target="/o:repat.baltl-1962-roemr#63">Baltl, IRMAE V, 7 (1962), S. 63f.</ref>

          </note>, entstand unter
     Ferdinand I. für Österreich unter der Enns der Entwurf einer Landesordnung in drei Büchern, der
     sog. "<ref
            target="/o:repat.1526-noelrentw">Zeiger in das Landrechtsbuch</ref>" oder "Institutum
     Ferdinandi I.", vollendet 1528<note
              n="N.47">Dazu <ref target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege#20">Chorinsky, Beiträge, S. 20</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.334">Motloch, Landesordnungen, S. 334ff.</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1902-tractgueterrecht">ders., in: ZRG, GA 23 (1902), S. 275</ref>; <ref
              target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen,
       Landsbrauch, S. 96</ref>. — Der Abschrift in der Sammlung Chorinsky liegt zugrunde Cod. Mscr.
      Nr. 178 (Originale) des N. Ö. Landesarchivs; die Abschrift führt Textvarianten nach dem Codex
      Thinnfeld (C. Th.) an (im Schloßarchiv Thinnfeld, Deutschfeistritz, Steiermark, nicht
      auffindbar). Andere Handschriften: Österr. Nationalbibliothek 14.862 (Bl. 1ff.), vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, p. XX (NB 21)</ref> u. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 17*</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Hs. Bl.
       512</ref> (= <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Böhm, Supplement 386</ref>), vgl. <ref
              target="/o:repat.luschin-1896-259-386;#374">Luschin, Österr. Reichsgeschichte, S. 374</ref>. Vgl.
      ferner <ref target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/ &quot;115037 &quot;119.gif&quot;">Canstein, Lehrbuch der Geschichte u.
       Theorie des Österr. Civilproceßrechtes I, S. 103</ref>.</note>.</p>
        <p>Dieses Werk stand stark unter humanistischem Einfluß<note n="N.48">Vgl. <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Motloch, Landesordnungen, S. 335</ref>; vgl.
       <ref
            target="#N.65">u. bei Anm. 65</ref>.</note>. Es zeigt sich das Bestreben nach Worttreue
     der Übersetzung, wobei es oft zu künstlichen Wortbildungen kommt (z. B. <ref
            target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=erfinder">Erfinder</ref> für Inventar, unterredliches Urteil für
      Interlokut)<note n="N.49">
            <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Motloch,
       a.a.O.</ref>
          </note>. Der romanistische Einfluß ist sehr stark bemerkbar<note n="N.50">So
      schon <ref
              target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege#20">Chorinsky, Beiträge, S. 20</ref>; <ref
              target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/ &quot;115037 &quot;119.gif&quot;">Canstein, Civilproceßrecht I, S. 103</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 13.</ref> Anders Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#74">S. 74</ref> (wohl im
      Hinblick auf die Titel betr. <hi
            rend="it">jura incorporalia</hi>).</note>. Für die
     Rechtspraxis ist dieses Werk ohne Bedeutung geblieben<note
              n="N.51">Zum Einfluß auf spätere
      Kodifikationsarbeiten <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Motloch,
       Landesordnungen, S. 335</ref>.</note>. Wie Motloch<note n="N.52">
            <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Landesordnungen, S. 335</ref>.</note> mit
     Recht feststellt, hat dieser Entwurf die gestellte Aufgabe der Fixierung des Landesbrauchs
     nicht gelöst. <pb n="621"/>
        </p>

        <p>Die Vorrede zum I. Buch enthält rechtstheoretische Erörterungen; es wird eingegangen auf die
     Beweggründe zur Schaffung des Landrechtsbuches; die Begriffe Gerechtigkeit, Recht, "Gebot des
     rechten", "Teilung des rechten", Gesetz und Gewohnheit<note
              n="N.53">S. o. <ref target="#N.38">Anm. 38</ref>.</note> werden erläutert.</p>
        <p>Der Verfasser des Landrechtsbuches ist unbekannt. Chorinsky<note n="N.54">
            <ref
            target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege#20">Beiträge, S. 20</ref>.</note> hat die Vermutung
     ausgesprochen, daß es denselben Verfasser habe wie die Wiener Stadt- und Stadtgerichtsordnung
     Ferdinands I. von 1526<note
              n="N.55">Dazu H. Voltelini, in: <ref
              target="/o:repat.1570-wiensachwo#105">Mitteil. d. Vereines f. Gesch. d. Stadt Wien 9/10
       (1929/30), S. 105ff.</ref>; vgl. H. Demelius, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Festschrift W. H. Plöchl
       (1967), S. 34f.</ref>; <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">B. Sutter, Ferdinand I. (1503-1564), Einleitung zu
       F. B. von Bucholtz, Geschichte der Regierung Ferdinand des Ersten, Bd. I (Nachdruck, Graz
       1971), S. 54*</ref>.</note>; diese dürfte aber nicht das Werk eines einzigen Mannes sein<note
              n="N.56">Ferdinand I. erklärt in der Einleitung zur Wiener Stadtordnung, daß er diese verfaßt
      habe "mit unsern getreuen räthen" (<ref
              target="https://archive.org/details/dierechteundfrei02vienuoft#page/n132">Tomaschek, Die Rechte u.
       Freiheiten d. Stadt Wien II, S. 132)</ref>; vgl. <ref
              target="/o:repat.1570-wiensachwo#107">Voltelini, a.a.O., S. 107 A. 18</ref>. - Zu den Räten Ferdinands I. vgl. Sutter (o. <ref target="#N.55">Anm. 55</ref>), S. 165* ff.</note>
        </p>

        <p>Das I. Buch des Zeigers handelt von den Gerichtspersonen beim landmarschallischen Gericht,
     das II. Buch vom Verfahren (1. Tit. "Von dem gericht und seiner ordnung")<note
              n="N.57">Vgl.
      dazu <ref
            target="http://dlib-pr.mpier.mpg.de/mfer-cgi/kleioc/0010MFER/exec/books/ &quot;115037 &quot;119.gif&quot;">Canstein, Civilproceßrecht I, S.
      103</ref>.</note>; das III. Buch behandelt das Privatrecht in 18 Titeln<note n="N.58">
            <list type="unordered">
              <item>1. Tit. Von thailung des recht.</item>
              <item>2. T. Von gebrauch und nutz, auch von gebrauch allain ôn nutzung der gueter.</item>
              <item>3. T. Von dienstperkhait der heuser und veldgüter.</item>
              <item>4. T. Von der grundmarichen und der marichstain gerechtigkeit.</item>
              <item>5. T. Von allerlai verträgen, vertrautem und gelihnem gelt und guet.</item>
              <item>6. T. Von schulden und schuldbriefen. von bezallung und erledigung derselben.</item>
              <item>7. T. Von handlung der kheuf und verkheuf.</item>
              <item>8. T. Von gweerschaft.</item>
              <item>9. T. Von gemächt und verschreibung zwischen den conleuten.</item>
              <item>10. T. Von heirat, heiratguetern, widerlegung und morgengab und derselben
        handlungen.</item>
              <item>11. T. Von geschäften und letzten willen.</item>
              <item>12. T. Von geschäften, so wider die natürlichen güetigkhait beschehen.</item>
              <item>13. T. Was gestalt ain erbschaft angenumen werden soll.</item>
              <item>14. T. Von dem zuelegen oder erstattung in die erbschaft.</item>
              <item>15. T. Von geschaftem guet, geschäftmannen und treuhaltern.</item>
              <item>16. T. Von clag und thailung der erbschaft und wie die ôn geschäft der sipsal
        volgt.</item>
              <item>17. T. Von den inventarien und beschreibungen varender haab und güeter.</item>
              <item>18. T. Von gerhabschaft.</item>
            </list>
          </note>.</p>
        <p>Eine Übereinstimmung mit der Bayerischen Landrechtsreformation von 1518<note n="N.59">In:
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Quellen zu neueren Privatrechtsgeschichte Deutschlands I/2 (1938), S.
       1ff.</ref> [Anm. H.S: S. jetzt <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=BayrLRRef.+1518">DRQEdit-Digitalisat</ref>]</note> ist weder in der Gliederung noch inhaltlich
     festzustellen.</p>

        <p>Der Verfasser des Zeigers lehnt sich oft sehr enge an römisch-rechtliche Definitionen und
     Rechtssätze an. Die Definition von "Gebrauch und nutz"<note n="N.60">
            <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zeiger
       III 2, § 1</ref>: "Gebrauch und nutz ist ain recht zu gebrauchen und niessen aines frembden
      guets ôn verletzung desselben guets und das es in ime selbst behalten werdt".</note> ist eine
     Übersetzung der Definition des Ususfructus von Paulus (<ref target="/o:repat.ciciv-inhalt#D.7.1.1">Dig. 7, 1,
      1</ref>).</p>
        <p>
          <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zeiger III 5 § 11</ref> enthält die römisch-rechtliche Bestimmung, daß ein
     Haussohn, der sein Reisegeld, sein <hi
            rend="it">viaticum</hi>, zum Darlehen gibt, vom Gericht
     Hilfe erlangen solle (<ref target="/o:repat.ciciv-inhalt#D.12.1.17">Ulp. Dig. 12, 1, 17</ref>).</p>
        <p>
          <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zeiger III 5 § 15</ref> normiert dem römischen Recht entsprechend, daß
     derjenige, der einem anderen ein Darlehen zum Bau oder zur Ausbesserung eines Gebäudes <pb
            n="622"/> oder zum Kauf eines Grundstückes gibt, von Rechts wegen ein stillschweigendes
     Pfandrecht daran habe ("ainen haimblichen Satz"), das privilegiert sei<note
              n="N.61">Vgl. <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">M. Kaser, Das römische Privatrecht I<hi
              rend="sup">2</hi> (1971), S. 466 (A. 34)</ref>, <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">468</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">II (1959), S. 228f.</ref>, <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">321
       A. 36</ref>; vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">W. Brauneder, die 'stillschweigenden Hypotheken' und der
       österr. Landesbrauch, in: Bericht über den 11. Österr. Historikertag (Wien 1972), S.
       233</ref> (<ref target="#N.74">A. 74</ref>).</note>".</p>

        <p>Die Bestimmung des Senatus Consultum Macedonianum (Verbot von Gelddarlehen an Haussöhne)
     findet sich im <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zeiger III 6 § 10</ref>
          <note n="N.62">Vgl. <ref target="https://play.google.com/books/reader?id=yQJFAAAAcAAJ&amp;pg=GBS.PA775">Suttinger, Consuetudines Austriacae', S. 767f. s. v.
       Senatus Consultum Macedonianum</ref>.</note>:</p>
        <p>Der Zeiger nimmt mitunter Bezug auf den "gemeinen Landsbrauch des Fürstentums Österreich”
      (<ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">III 9 § 2</ref>). Mehrfach wird bewußt vom römischen Recht abgegangen. So
     sieht der Zeiger (<ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">III 12 § 17</ref>) einen höheren Pflichtteil der
     Nachkommen vor (bei vier oder weniger Kindern die Hälfte, bei mehr als vier Kindern drei
     Viertel des gesetzlichen Erbteils) als das römisch-gemeine Recht: "Wiewohl die geschribnen
     khaiserlichen recht ain maß geben, was die eltern iren erben in den geschäften ires guets
     zuezustellen schuldig sein, so haben wir doch erwogen .."<note
              n="N.63">Zum Ausmaß und zur
      Berechnung des Pflichtteils <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 180f.</ref>; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., in: Festgabe U. v. Lübtow (1970), S. 584f.</ref>
          </note>.</p>
        <p>Die Gerhabschaft (Vormundschaft) über Knaben soll mit 18 Jahren endigen, bei Mädchen mit 14
      Jahren<note n="N.64">
            <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Zeiger III 18, § 10</ref>: "Wiewol die recht die
      khinder der gerhabschaft entledigen, ..". Zu den Altersstufen in Österreich vgl. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">V. Hasenöhrl, Zur Geschichte des deutschen Privatrechts in den österr.
       Alpenländern (Wien 1908, Sep. aus AÖG 97, I. Hälfte), S. 15ff.</ref>
          </note>.</p>

        <p>Das Landrechtsbuch Ferdinands I. ist vor allem von Bedeutung als ein Werk des juristischen
     Humanismus in Österreich<note
              n="N.65">Literatur zum jur. Humanismus bei <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesenberg-Wesener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte<hi
              rend="sup">2</hi> (1969), S. 63f. (§ 6
      IV)</ref>; ferner <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Mitteis, Renaissance, Humanismus und Rezeption der
       fremden Rechte in Deutschland (Vortrag 1949), in: Die Rechtsidee in der Geschichte (1957), S.
       552ff.</ref>; zuletzt <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. E. Troje, Graeca leguntur (1971)</ref> mit
      umfangreicher Bibliographie; ders., in: <ref target="http://data.rg.mpg.de/iuscommune/ic03_troje.pdf">IUS COMMUNE 3 (1970), S. 33ff. [Anm.
       H.S.: PDF-Download]</ref>
            <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">G. Kisch, Studien zur humanistischen Jurisprudenz (Berlin 1972)</ref>. —
      Zum Humanismus in Österreich <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">J. Aschbach, Die Wiener Universität und ihre
       Humanisten (Wien 1877)</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">G. Bauch, Die Rezeption des Humanismus in
       Wien (Breslau 1903)</ref>; <ref
              target="http://repoestrg.info/wp/wp-content/uploads/2012/02/pfaff_walther_1917.html">I.
       Pfaff, Bernhard Walther von Walthersweil als Romanist des 16. Jhs., Sitzungsberichte d. k.
       Akad. d. Wiss. in Wien, phil.-hist. Kl. 186 (1918), S. 5ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">O.
       Brunner, Adeliges Landleben und europäischer Geist (1949), S. 151ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Ankwicz-Kleehoven, Der Wiener Humanist Johannes Cuspinian (1959)</ref>; vgl.
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Baltl, IRMAE V, 7 (1962), S. 68f.</ref>; Wesener, in: <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Bartolo da Sassoferrato. Studie documenti per il VI centenario I (Milano 1962), S.
       100ff.</ref>

          </note>. Der Verfasser (bzw. die Verfasser) besaß eingehende Kenntnisse des
     römischen Rechtes, das er geschickt verwertete. Der Landesbrauch wird relativ wenig
      berücksichtigt<note
              n="N.66">Vgl. <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.335">Motloch,
       Landesordnungen, S. 335</ref>.</note>. In der Gerichtspraxis hat dieses Werk kaum Beachtung
     gefunden, so daß ihm für die Rezeptionsgeschichte keine allzu große Bedeutung zukommt<note
              n="N.67">Vgl. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 13</ref>.</note>.</p>

        <p>Von weit größerer Bedeutung ist in dieser Hinsicht die "Landtafel oder Landesordnung des
     Erzherzogtums Österreich unter der Enns" von 1573, der <pb
            n="623"/> Entwurf Püdler<note n="N.68">Dazu <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.338">Motloch, Landesordnungen, S.
       338f.</ref> — Die Abschrift in der Sammlung Chorinsky erfolgte nach der Handschrift des
      Juridisch-politischen Lesevereins in Wien, <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rechtswissenschaft 34 (Pap. XVI,
       Bl. 1-394)</ref>. Die Paragraphen sind Zusatz der Abschrift. Andere Handschriften: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Nationalbibl. 14.428</ref> u. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">14.732</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">N.Ö. Landesarchiv Hs. 13</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Univ.-Bibl. Wien Mscr.
       509</ref>. Vgl. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 42* A.
       7</ref>.</note>, so benannt nach seinem Verfasser, dem niederösterreichischen Regimentsrat
     Dr. Wolfgang Püdler. Püdler hatte in Padua studiert (1549), wurde 1553 Professor des
     kanonischen Rechtes und Mitglied des Doktorenkollegiums in Wien, 1567 Regimentsrat; er war ein
     Vertreter des mos Italicus, der Methode der Kommentatoren<note n="N.69">
            <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.338">Motloch, Landesordnungen, S. 338, 339</ref>.
      Vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Luschin, Österreicher an italienischen Universitäten zur Zeit der
       Reception des römischen Rechts (Sep., Wien 1886), I. Abt., Nr. 507</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, in: Bartolo da Sassoferrato I</ref> (o. <ref target="#N.65">Anm. 65</ref>), S.
      98f.</note>.</p>

        <p>Püdler verwendete für seinen Landesordnungsentwurf neben den "geschriebenen weltlichen und
     geistlichen Rechten" und gemeinrechtlicher Literatur "etliche deutsche Bücher, Landesordnungen,
     Gerichtsordnungen und Statuten, ferner das Generalienbuch bei der n.-ö. Kanzlei und das
     Konsuetudinarium bei der n.ö.- Regierung, endlich die Kirchbergerschen oder Waltherschen
     Traktate". Besonders die Traktate Bernhard Walthers hat Püdler, wie er selbst anführt, sehr
     stark herangezogen. Seine vier Bücher sind, wie er sagt, nichts anderes als "ein gewünschter
     summari begriff des ganzen kaiserlichen rechtens und der hieländischen landbreuch"<note
              n="N.70">Abschrift in Sammlung Chorinsky am Schluß des I. Buches des Entwurfs Püdler (<ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">N.Ö. Landesarchiv, Fasc. B. 4. 2</ref>). Vgl. <ref
              target="/o:repat.motloch-1900-puedler#235">Motloch, Bericht des Dr. W. Püdler über den Entwurf einer
       Landtafel des Erzherzogtums Österreich unter der Enns 1573, ZRG, GA 21 (1900), S.
       235ff.</ref>; <ref
              target="/o:repat.bartsch-1905-gueterrecht#3">R. Bartsch, Eheliches Güterrecht im
       Erzherzogtum Österreich im 16. Jh. (1905), S. 3</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B.
       Walthers privatrechtl. Traktate, S. 42* (A. 7)</ref>. — Zum Consuetudinarium s. o. bei <ref
              target="#N.40">Anm. 40</ref> u. <ref
              target="#N.41">41</ref>. — Zum Anteil des
      Land-Untermarschalls Ludwig Kirchberger an Walthers Traktaten <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen,
       a.a.O., S. 19*ff.</ref>
          </note>.</p>
        <p>Der Entwurf Püdler besteht aus vier Büchern (Prozeßrecht, Kontrakte, Erbrecht, jura
      incorporalia)<note n="N.71">
            <list>
              <item>I. Buch. Von ordinary und extraordinary oder summary Recht.</item>
              <item>II. Buch. Von allerlay Contractibus, Gedingen und verbündlichen Handlungen.</item>
              <item>III. Buch. Von den Testamenten, auch lester Wille und Erbrecht ab intestato, auch was
        sonsten denen Todtfählen anhengig.</item>
              <item>IV. Buch. Von der Landtgüter Rechten und Gerechtigkeiten, auch Zueständten und anderen
        Sachen, welche sich auf dem Land begeben, samt etlichen davon herrührenden strafmäßigen
        Handlungen.</item>
            </list> (Hs. XVII. Jh.).</note>; er ist sehr umfangreich und leidet an einer allzustarken
     Kasuistik.</p>

        <p>Dieser Entwurf stellt weitgehend eine bloße Aufzeichnung des in Österreich unter der Enns
     geltenden Rechtes und keine Neuschöpfung dar. Püdler beruft sich zu wiederholten Malen auf den
     althergebrachten ("überuralten") Landsbrauch, dessen fortdauernde Geltung er allerdings als
     romanistisch geschulter Jurist entweder mit ausdrücklicher Konfirmation des Landesfürsten oder
     mit Immemorialpräskription begründet<note n="N.72">
            <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.338">Motloch, Landesordnungen, S.
     338</ref>.</note>. Dieser Entwurf ist von <pb
            n="624"/> größter Bedeutung als Erkenntnisquelle
     des altösterreichischen Gewohnheitsrechtes<note n="N.73">
            <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 96</ref>.</note>.</p>

        <p>In starkem Maße hat er gewohnheitsrechtliche Geltung erlangt und ist von der Gerichtspraxis
     und Rechtsliteratur stark beachtet worden<note
              n="N.74">Vgl. J. v. Würth, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Allg. österr. Gerichts-Ztg. 5 (1854), S. 542</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Pfaff-Hofmann, Commentar zum österr. allg. bürgerl. Gesetzbuche. II/1 (1877), S. 764 A.
       54</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Chorinsky, Vormundschaftsrecht (1878), S. 18ff. A. 19</ref>
      (unter Berufung auf Vossius u. a.); <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 14</ref>; <ref
              target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 96 (A. 40)</ref>; W. Brauneder, in: <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Archiv f. Kirchenrecht 22 (1971), S. 288 A. 128</ref>.</note>. Das sog.
     "Jus consuetudinarium Austriacum", das öfters zitiert und fälschlich Bernhard Walther
     zugeschrieben wurde, z. B. von B. Finsterwalder<note
              n="N.75">Practicarum observationum .. (o.
       <ref target="#N.38">Anm. 38</ref>) <ref
            target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10506363_00051.html">lib. I obs. 11 n. 20</ref> und öfters.</note>, ist nichts anderes als der Entwurf
      Püdler<note
              n="N.76">Vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Pfaff-Hofmann, Commentar II/1, S. 765 A.
      54</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">A. Gál, Der Ausschluß der Ascendenten von der Erbenfolge und das
       Fallrecht (1904), S. 88 A. 1</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl.
       Traktate, S. 42* (A. 7)</ref>; <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Ehrenzweig, System<hi
              rend="sup">2</hi> I/1 (1951), S. 18 A.
       3</ref>; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 13 A. 5</ref>.</note>.</p>

        <p>Die erste Überarbeitung des Entwurfes Püdler stammt von dem niederösterreichischen
     Regimentsrat und Reichshofrat Dr. Melchior Hofmayr aus den Jahren 1584 bis 1586<note
              n="N.77">Vgl. dazu <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.339">Motloch, Landesordnungen, S.
       339</ref>; Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref
            target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#78">S. 78</ref>. Hofmayr war seit 1555 Professor der Rechte
      in Wien gewesen.</note>. Diese Bearbeitung ("Landtafel des Erzherzogtums Österreich unter der
     Enns") sollte aus drei Teilen bestehen (I. Von den Personen, II. Von allerlei Kontrakten und
     anderen Handlungen, III. Von den Aktionen oder Klagen) und somit dem Institutionensystem
     folgen. Infolge des frühen Todes des Verfassers (1586) blieb dieser Entwurf fragmentarisch. Vom
     I. Teil sind sechs Bücher vorhanden, vom II. Teil nur drei Titel des I. Buches (Vom Kaufe,
     Einstandsrechte und Scherm, Bestandrechte)<note n="N.78">
            <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.339">Motloch, Landesordnungen, S. 339</ref>. —
      Hofmayrs Fragmente im N. Ö. Landesarchiv, <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Fasc. B. IV. 3</ref>. Die
      Bearbeitung Hofmayrs ist identisch mit der von Rabel [<ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Haftung des
       Verkäufers I (1902), S. 206 A. 1</ref>] sog. "Landtafel des Schönkirchnerbuches";
      Schönkirchner-Bücher (N.Ö. Landesarchiv) in Sammlung Chorinsky; vgl. dazu <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Chorinsky, Beiträge, S. 19f.</ref>; <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl.
       Traktate, p. XXI (SchW)</ref>.</note>.</p>

        <p>Eine weitere Umarbeitung der Landesordnung (Landtafel) für Österreich unter der Enns erfolgte
     durch die Mitglieder des protestantischen Herrenstandes Reichart Strein Freiherrn von
     Schwarzenau und Hertenstein<note
              n="N.79">Lebte von 1538 bis 1600; studierte 1554 in Padua,
      dann in Straßburg bei Hotomanus die Rechte, wurde geh. kais. Rat, 1571-1581 Präsident der
      niederösterr. Hofkammer. Vgl. zu dieser bedeutenden Persönlichkeit <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Franz C.
       Fl. v. Khautz, Versuch einer Geschichte der österr. Gelehrten (Frankfurt u. Leipzig 1755), S.
       229ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Luschin, Österreicher an italienischen Universitäten</ref>
      (o. <ref
              target="#N.69">Anm. 69</ref>) <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">I. Abt., Nr. 628</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.339">Motloch, Landesordnungen, S. 339</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">K. Großmann, Reichart Streun von Schwarzenau. Ein österr. Staatsmann und
       Gelehrter aus der Zeit der Renaissance, Reformation u. Gegenreformation, in: Jahrbuch f.
       Landeskunde u. Heimatschutz von Niederösterreich u. Wien, N. F. 20 (1926 u. 1927), II. T.
       (Wien 1927), S. 1ff.</ref>, bes. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">21f.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Der
       Historiker Reichart Streun von Schwarzenau, MIÖG 11. Erg.-Bd. (1929), S. 555ff.</ref>; vgl.
      Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#75">S. 75</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Plöckinger, Reichart
       Streun als Gutsherr, in: Jahrbuch f. Landeskunde von Niederösterreich, N. F. 24 (1931), S.
       271ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">O. Brunner, Adeliges Landleben und europäischer Geist
       (1949), S. 170ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">F. Klein-Bruckschwaiger, in: Jur. Blätter 70
       (1948), S. 162</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, in: Bartolo da Sassoferrato I (1962), S.
       98</ref>; <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Brauneder, in: österr. Archiv f. Kirchenrecht 22 (1971), S.
       279</ref>.</note> und <pb
            n="625"/> Dr. Johann Bapt. Linsmayr zu Weinzierl<note
              n="N.80">Studierte 1564 zu Padua, wurde 1567 in das Doktorenkollegium zu Wien aufgenommen und wurde
      Professor Pandectarum, Beisitzer des Landrechtes in Österreich unter der Enns, Hofkammerrat,
      gest. 1609. Dazu Luschin, Österreicher an italienischen Universitäten (o. <ref
              target="#N.69">Anm. 69</ref>) <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">I. Abt., Nr. 377</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.340">Motloch, Landesordnungen, S. 340</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">O. Brunner, Adeliges Landleben und europäischer Geist (1949), S. 171</ref>,
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">188</ref>; <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, in: Bartolo da Sassoferrato I
       (1962), S. 98</ref>.</note>. Reichart Strein war Sprecher des protestantischen Herrenstandes,
     ein bedeutender Geschichtsforscher und durch seine vielfältigen Amtsgeschäfte sehr in Anspruch
     genommen. Er selbst hat nur am I. Buch der Landesordnung mitgearbeitet<note
              n="N.81">Großmann,
      R. Streun von Schwarzenau (o. <ref target="#N.79">Anm. 79</ref>), <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S.
       22</ref>: "Streuns Arbeit daran beschränkt sich aber auf 'Additionen und Bedenken' zum ersten
      Buch und er sucht darin in den einzelnen Anmerkungen die alten Rechte der Stände historisch zu
      begründen". Vgl. Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#78">S. 78f.</ref>
          </note>; die Ausarbeitung des Werkes
     erfolgte durch Dr. Linsmayr<note n="N.82">Vgl. <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.340">Motloch, Landesordnungen, S.
     340</ref>.</note>.</p>
        <p>Dieser Landesordnungsentwurf von 1595 (Entwurf Strein-Linsmayr)<note n="N.83">Dazu <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Chorinsky, Beiträge, S. 22</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.339">Motloch, Landesordnungen, S. 339ff.</ref>;
      Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#78">S. 78ff.</ref>; Brauneder (o. <ref
              target="#N.79">Anm.
       79</ref>), <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 273ff.</ref>, bes. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">279</ref>. — Die
      Abschrift (der ersten drei Bücher) in der Sammlung Chorinsky erfolgte nach einer Hs. (Pap.
      XVII. 280 Bl.), die sich im Besitze von Prof. A. Luschin v. Ebengreuth befand.</note> umfaßt
     sechs Bücher (I. Gerichtspersonen und Zivilprozeß, II. Kontrakte, III. Testamentarisches
     Erbrecht, IV. Intestaterbrecht, V. Jura incorporalia und Lehensrecht, VI. Strafrecht)<note
              n="N.84">Das VI. Buch des Landrechtes (Strafrecht) wurde durch eine eigene Kommission beraten;
      vgl. <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.340">Motloch, Landesordnungen, S.
       340</ref>.</note>. Auch diesem Entwurf blieb die kaiserliche Sanktion versagt<note
              n="N.85">Zum Schicksal dieses Entwurfes Wisnicki, Abfassung (o. <ref target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#80">S. 80f.</ref>
          </note>.</p>

        <p>Im Nov. 1615 wurden die unterbrochenen Beratungen wieder aufgenommen und ihr Ergebnis in den
     vom Syndicus der Landschaft Dr. Christoph Hafner konzipierten Additiones et notae (zum Entwurf
     Püdler) zusammengefaßt<note n="N.86">
            <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.341">Motloch, Landesordnungen, S. 341</ref>; <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#82">Wisnicki,
       a.a.O., S. 82</ref>. — Hafners "Additiones et notae" sind aufgenommen in die <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Sammlung Chorinsky, Materialien zur Gesetzgebung des 16. u. 17. Jhs., II.
       Bd.</ref>; vgl. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Brauneder, Ehegüterrecht (1973), S. 429</ref>.</note>.
     Seit dem Jahre 1630 fehlt jeder Beleg für eine Fortsetzung dieser Kodifikationsarbeiten<note n="N.87">
            <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#83">Wisnicki, a.a.O., S. 83</ref>.</note>.</p>

        <p>Die Umarbeitung durch Strein und Linsmayr zeichnet sich gegenüber dem Entwurf Püdler, der als
     Grundlage diente, durch ihre knappe und präzise Ausdrucksweise und generalisierende Methode
     aus; sie stellt gesetzgebungstechnisch einen großen Fortschritt dar. Die Titeleinteilung ist
     weitgehend übernommen. Inhaltlich lassen sich gegenüber dem Entwurf Püdler keine allzu großen
     Änderungen feststellen<note
              n="N.88">Vgl. <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.340">Motloch, Landesordnungen, S. 340</ref>; <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#80">Wisnicki,
       a.a.O., S. 80</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 14</ref>; <ref
            target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 96</ref>.</note>. <pb n="626"/>
        </p>

        <p>Die Bedeutung dieses Entwurfes für die Rechtspraxis war viel geringer als die des Entwurfes
     Püdler; dies ergibt sich schon aus der weit geringeren Anzahl von Handschriften<note
              n="N.89">Vgl. Brauneder (o. <ref target="#N.79">Anm. 79</ref>), <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S.
      288</ref>.</note>. Der Entwurf Püdler, auch bezeichnet als "Jus consuetudinarium Austriacum"
     (s. o. bei <ref target="#N.76">Anm. 76</ref>), wurde weiter in der Praxis herangezogen.</p>

        <p>Bis zur Mitte des 17. Jhs. ruhte die Kodifikationstätigkeit. Die Macht der Stände, die bisher
     die Gesetzgebungsarbeiten vorangetrieben hatten, war stark geschwächt<note n="N.90">
            <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 96</ref>. Vgl. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H.
       Hassinger, Die Landstände der österr. Länder, in: Jahrbuch f. Landeskunde von
       Niederösterreich, N.F. 36 (1964), S. 989ff.</ref>
          </note>. Der Dreißigjährige Krieg wirkte
     naturgemäß hemmend<note n="N.91">
            <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.341">Motloch,
       Landesordnungen, S. 341</ref>.</note>. Die Macht des Landesfürsten war inzwischen so
     gestiegen, daß von einer Landesordnung nur eine Festigung seiner Stellung zu erwarten war.</p>

        <p>Der Anstoß zur Wiederaufnahme der Gesetzgebungstätigkeit ging aus vom Landmarschall für
     Österreich unter der Enns, <name
            type="person">Georg Achaz Grafen zu Losenstein</name>, der im
     Jahre 1650 mit einem Plan hervortrat, der durch den österreichischen Kanzler <name
            type="person">Dr. Johann Matthias Prickhelmayer</name> beeinflußt war. Zur Beseitigung der
     bestehenden Rechtsunsicherheit empfahl der Landmarschall die Aufrichtung einer Landesordnung,
     damit sich das Land nicht einzig und allein dem Gutdünken der Doktoren und Rechtsgelehrten
     unterwerfen müsse. Dem neu zu wählenden Ausschuß sollten vier Doktoren beigezogen werden,
     welche die vorliegende Landtafel zu bearbeiten hätten<note n="N.92">
            <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.344">Motloch, Landesordnungen, S. 344f.</ref>; <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#83">Wisnicki, a.a.O., S. 83ff.</ref>
          </note>. Es handelte
     sich hierbei um den niederösterreichischen Regimentskanzler <name type="person">Johann Bapt.
      Suttinger von Thurnhof</name>
          <note n="N.93">Zu J. B. Suttinger (gest. 1662) und seiner
      literarischen Tätigkeit <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Chorinsky, Beiträge S. 23f.</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.345">Motloch, Landesordnungen, S. 345</ref>; <ref
              target="/o:repat.luschin-1896-259-386;#366">Luschin, Österr. Reichsgeschichte (1896), S. 366</ref>,
       <ref
              target="/o:repat.luschin-1896-259-386;#376">376</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S.
       18</ref>; <ref
              target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 85</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Baltl, Österr. Rechtsgeschichte (1972), S. 159</ref>, <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">161f.</ref>
          </note>, den Landschreiber <name
            type="person">Johann Michael von Seiz</name>,
     seit 1654 niederösterreichischer Regimentsrat, und die beiden Syndici der Landschaft <name
            type="person">Johann Georg Hartmann</name> und <name type="person">Johann Leopold</name>
          <note n="N.94">Vgl. zu diesen <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.345">Motloch,
       Landesordnungen, S. 345</ref>.</note>.</p>
        <p>Nach einem Beschlusse des Kollegiums vom Jahre 1654 sollte die Landesordnung, die heute als
      "<ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Kompilation der vier Doktoren</ref>" bezeichnet wird<note n="N.95">
            <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.344">Motloch, Landesordnungen, S. 344ff.</ref>;
       <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#83">Wisnicki, a.a.O., S. 83ff.</ref> — <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">E. Weiß, Eine ältere Quelle des österr. bürg. Rechtes, in Jur. Bl. 63 (1934),
       S. 520ff.</ref>
          </note>, aus sechs Büchern bestehen (I. Die gerichtlichen Handlungen
     insgeheim, II. <hi
            rend="it">De contractibus</hi>, III. <hi rend="it">De testamentis</hi>, IV.
      <hi
            rend="it">De successionibus ab intestato</hi>, V. <hi
            rend="it">De feudis</hi>, VI. Von
     der Landgerichtsordnung). Die Landgerichtsordnung sowie die der Landesordnung zugerechnete
     Gerhabschaftsordnung blieben schließlich bei der Bücherzählung unberücksichtigt; das V. Buch
     wurde hingegen in zwei <pb
            n="627"/> Teile zerlegt, von denen der erste das Lehnrecht, der
     zweite die <hi
            rend="it">jura incorporalia</hi> behandelt<note n="N.96">
            <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.346">Motloch, Landesordnungen, S. 346</ref>. — Der
      Abschrift in der Sammlung Chorinsky ("Niederösterreichische Landesordnung") liegt zugrunde
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Cod. Mscr. Nr. 61 des N.Ö. Landesarchivs</ref>. Das III. Buch fehlt in
      dieser Hs. und in der Sammlung Chorinsky; vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 14 A.
       10</ref>. Andere Handschriften: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">N.Ö. Landesarchiv Nr. 68</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Nationalbibl. 14.795</ref> (II. u. III. Buch) (von <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate S. 24* A. 14</ref> irrtümlich als Entwurf
      Strein-Linsmayr bezeichnet); <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Nationalbibl. Series nova 2786</ref> (I., III.
      u. IV. Buch).</note>.</p>

        <p>Dieser Landesordnungsentwurf weist bereits einen wesentlich stärkeren Einfluß des
     römisch-gemeinen Rechtes auf als die Redaktionen Püdler und Strein-Linsmayr<note
              n="N.97">Vgl.
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 15</ref>; <ref
            target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen,
       Landsbrauch, S. 96</ref>.</note>. Die Verfasser waren Rechtsgelehrte, die mit dem gemeinen
     Recht, aber auch mit dem Landesbrauch sehr vertraut waren. Dieser Entwurf gibt Zeugnis für den
     gestiegenen Einfluß der gemeinrechtlichen Doktrin in Österreich<note
              n="N.98">Zum
      rechtswissenschaftlichen Schrifttum in Österreich vgl. <ref
              target="/o:repat.luschin-1896-259-386;#364">Luschin, Österr. Reichsgeschichte, S. 364ff.</ref>; <ref
              target="/o:repat.luschin-1896-259-386#376">376</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S.
       17ff.</ref>; <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch, S. 83ff.</ref>
          </note>.</p>

        <p>Rechtshistorisch von großer Bedeutung sind die Anmerkungen (Allegate) zu den einzelnen
     Paragraphen dieses Entwurfes<note
              n="N.99">Ähnlich wie die Anmerkungen in den Traktaten B.
      Walthers, dazu <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, S. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 56</ref>.
      Vgl. Wesener, in: <ref
              target="/o:repat.wesener-1966-vorkaufsrecht">Gedächtnisschrift f. R. Schmidt
       (1966), S. 539 A. 23</ref>; <ref
            target="/o:repat.wesener-1972-kauf">ders., Kauf, in: Festschrift f.
       H. Hämmerle (1972), S. 435</ref>.</note>, welche die Quellen angeben, aus denen die Verfasser
     geschöpft haben<note
              n="N.100">Zu den Quellen vgl. Wisnicki, Abfassung (o. <ref target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#84">S. 84f.</ref>
          </note>.</p>

        <p>Angeführt werden für das römisch-gemeine Recht Institutionen, Digesten, Codex, Authentiken
     und die Glosse, Juristen wie Bartolus de Saxoferrato, Alexander Tartagnus (Imolensis), Jason de
     Mayno, Felinus Sandeus, die Consultationes des Tiberius Decianus<note n="N.101">
            <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">5 vol., Venedig 1602</ref>. Vgl. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Calasso, Medio evo del
       diritto I (1954), S. 593</ref>.</note>, Cuiacius, Matthaeus Wesembeck<note
              n="N.102">Dazu
       <ref
              target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000351">Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft I
       (1880), S. 351ff.</ref>; <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesenberg-Wesener, Neuere deutsche
       Privatrechtsgeschichte<hi
            rend="sup">2</hi> (1969), S. 65</ref>.</note>, M. Berlichius<note n="N.103">Dazu
       <ref target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000736">Stintzing, a.a.O., I, S. 736f.</ref>
          </note>, der
     Institutionenkommentar von Joh. Schneidewein<note n="N.104">Dazu <ref
              target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000309">Stintzing, a.a.O., I, S. 309f.</ref>; <ref
              target="http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Schneidewein,_Heinrich">v. Jacoby, in: Allg.
       deutsche Biographie 32, S. 144ff., 146ff.</ref>; vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht,
       S. 21</ref>; Brauneder (o. <ref
              target="#N.79">Anm. 79</ref>), <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S.
       281</ref>, <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">283</ref>.</note>, sehr häufig Bernhard Walthers Traktate<note
              n="N.105">Vgl. dazu <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 41*
       (A. 5.)</ref>

          </note>, J. B. Suttingers Observationes practicae (1650), die Polizeiordnung
     Ferdinands I. für die fünf niederösterreichischen Länder von 1552 (repetiert und reformiert
      1568)<note n="N.106">
            <ref target="https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/codexaustriacus1704bd2/147">Codex Austriacus II, S. 147 ff.</ref>
          </note>,
     eine "Grundbuchsordnung oder instruction"<note
              n="N.107">Beim Tit. 14 des II. Buches "Von den
      dienstbaren güetern und gründen, auch erb- und leibgedingen, sonsten emphyteusis genant"; zu
      Grundbuchsordnungen für Österreich unter der Enns eingehend <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen, B.
       Watthers privatrechtl. Traktate, S. 16*ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">E. Weiß, in: Festschrift
       z. Jahrhundertfeier des ABGB II (1911), S. 515f. (A. 25)</ref>; vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Kauf, in: Festschrift f. H. Hämmerle (1972), S. 437 A. 34</ref>. —
      Grundbuchsordnung der Stadt Wien von 1566 bei <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Tomaschek, Die Rechte u.
       Freiheiten der Stadt Wien II (1879), S. 169ff.</ref>
          </note>, die <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=NuernbRef. 1564">Nürnberger Reformation</ref>
          <pb n="628"/> von 1564, das <ref target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/drwBayernLR1616/0001">Bayerische Landrecht von
      1616</ref>
          <note
            n="N.108">Hrsg. von H. Günter, Text u. Apparat (München 1969).</note>, der
     Bayerische Gantprozeß und die Bayerische Malefizordnung von 1616<note
              n="N.109">Diese
      bayerischen Gesetze sind Teile des großen Gesetzeswerkes: <ref
              target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/drwBayernLR1616/0001">"Landrecht/Policey:
       Gerichts-, Malefiz- und andere Ordnungen. Der Fürstenthumben Obern und Nidern Bayrn" (München
       1616)</ref>; dazu <ref
              target="http://books.google.de/books?id=G78OAAAAYAAJ&amp;pg=PA366">O. Stobbe, Geschichte der deutschen
       Rechtsquellen II (1864), S. 366f.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Conrad, Deutsche
       Rechtsgeschichte II (1966), S. 365</ref>; eingehend <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Günter, Das
       Bayerische Landrecht von 1616 (München 1969), S. 125ff.</ref>

          </note>, weiters kaiserliche
     Generalia und Resolutionen, Entscheidungen des landmarschallischen Gerichts für Österreich
     unter der Enns und der niederösterreichischen Regierung, Consuetudinarien- und Motivenbücher
     der niederösterreichischen Regierung (s. o. bei <ref
            target="#N.40">Anm. 40</ref>), die
     Landtafel für Österreich ob der Enns (s. u.), zitiert als "Oberens. l. o.", der "Landsbrauch,
     so durch viel exempla könte bestättigt werden" (<ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Anm. h zu II 22 § 6</ref>),
     die "practica quotidiana in hac provincia" (<ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Anm. i zu 11 10 § 9</ref>) und
     der "Wienerische Stadtgebrauch" (<ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Anm. r zu II 13 § 18</ref>).</p>

        <p>Während die Kompilation der vier Doktoren als Ganzes betrachtet gleichfalls Entwurf blieb,
     wurden einzelne Teile davon als selbständige Gesetze publiziert<note
              n="N.110">Dazu <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.346">Motloch, Landesordnungen, S.
      346ff.</ref>
          </note>, so die <ref
            target="/o:repat.1669-oestgerhabo">Gerhabschaftsordnung am 18. 2.
      1669</ref> für Österreich unter der Enns<note n="N.111">
            <ref
              target="https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/codexaustriacus1704bd1/410">Codex
       Austriacus I, S. 410ff.</ref>; zu dieser Materie <ref
            target="http://archive.org/stream/dasvormundschaf00chorgoog#page/n1">Chorinsky, Das Vormundschaftsrecht Niederösterreichs
       (1878)</ref> passim.</note>, der <ref
            target="/o:repat.1679-tractiurincorp">Tractatus de juribus
      incorporalibus</ref> am 13. 3. 1679 für Österreich unter der Enns<note n="N.112">
            <ref
              target="https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/codexaustriacus1704bd1/581">Codex Austriacus I, S. 581ff.</ref>; dazu Wisnicki, Abfassung (o. <ref
              target="#N.6">Anm. 6</ref>), <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1926-abfassung#69">S. 69ff.</ref>;
      ders., in: <ref
              target="/o:repat.wisnicki-1929-tractiurincorp">ZRG 49, KA 18 (1929), S. 112ff.</ref>
      Vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Baltl, Österr. Rechtsgeschichte (1972), S. 141</ref>, <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">159</ref>.</note> und die "<ref
            target="/o:repat.1720-erbrecht">Neue Satz- und Ordnung
      vom Erbrecht außer Testament</ref>" im Jahre 1720 für Österreich unter der Enns, 1729 für
     Österreich ob der Enns und Steiermark, 1737 für Krain und 1747 für Kärnten<note
              n="N.113">Dazu
       <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 108ff.</ref>
          </note>.</p>
        <p>So war den Kodifikationsbestrebungen in der niederösterreichischen Ländergruppe doch ein
     Teilerfolg beschieden; wichtige Gebiete des Privatrechtes und des öffentlichen Rechtes hatten
     eine gesetzliche Regelung erhalten.</p>

        <p>Die Einführung der "Neuen Satz- und Ordnung vom Erbrecht außer Testament" bedeutete eine
      Spätrezeption<note
              n="N.114">Zum Begriff der Spätrezeption <ref
                target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesenberg-Wesener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte<hi
              rend="sup">2</hi> (1969), S. 96f.</ref> Für die
      Schweiz vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Cl. Soliva, Das eidgenössische Stadt- u. Landrecht des Zürcher
       Bürgermeisters J. J. Leu. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechtswissenschaft in der Schweiz
       des 18. Jhs. (1969), S. 17ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">B. Christ, Die Basler
       Stadtgerichtsordnung von 1719 als Abschluß der Rezeption in Basel (1969), bes. S.
       138ff.</ref> (<ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 139</ref> "Nachsommer der Rezeption"); <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">P. Caroni, Einflüsse des deutschen Rechts Graubündens südlich der Alpen (1970), S.
      1f.</ref>, bes. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">S. 2 A. 7</ref>.</note> des römischen Rechtes auf dem
     Gebiete der gesetzlichen Erbfolge. Die justinianische Intestaterbfolge wurde fast unverändert
     übernommen. Erst jetzt wurde mit den tiefverwurzelten Grundsätzen des österreichischen
     Gewohnheitsrechtes, Ausschluß der Aszendenten von der Erbfolge und Fallrecht, gebrochen<note
              n="N.115">Dazu <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">A. Gál, Der Ausschluß der Ascendenten von der Erbenfolge und
       das Fallrecht (1904), S. 81ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 39ff.</ref>,
       <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">56ff.</ref>, <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">76f.</ref>
          </note>. Diese "Neue Satz- und
      <pb
            n="629"/> Ordnung" galt bis zum Josephinischen Erbfolgepatent von 1786, das die
     Parentelenordnung brachte<note
              n="N.116">Zur Herkunft der Parentelenordnung vgl. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 112 A. 21</ref>.</note>.</p>

        <p>In Österreich ob der Enns tauchten Kodifikationsbestrebungen erst in der späten
     Regierungszeit Ferdinands I. (um 1560) auf<note
              n="N.117">Dazu <ref
              target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege#21">Chorinsky, Beiträge, S. 21ff.</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.348">Motloch, Landesordnungen, S. 348ff.</ref>;
      Brauneder (o. <ref
              target="#N.79">Anm. 79</ref>), <ref target="/o:repat.brauneder-1971-ehescheidung#279">S. 279f.</ref>
          </note>. Man wollte hier an die
     Gesetzgebung in Österreich unter der Enns anschließen und wartete auf deren Ergebnisse.</p>

        <p>Die Vorarbeiten in Österreich ob der Enns setzten ein unter dem evangelischen Stadtschreiber
     von Linz, Veit Stahel<note
              n="N.118">Dazu F. Klein-Bruckschwaiger, Veit Stahels erster
      Landtafelentwurf für Österreich ob der Enns, in: <ref
              target="/o:repat.klein-1947-stahel">Jahrbuch
       der Oberösterr. Musealvereines 92 (Linz 1947), S. 215ff.</ref>; ders., Veit Stahel. Notar und
      Stadtschreiber in Linz, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Jahrbuch d. Stadt Linz 1951, S. 389ff.</ref>;
      vgl. H. Mitteis, in: <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ZRG, GA 66 (1948), S. 524ff.</ref>
          </note>.</p>
        <p>Aber erst im Jahre 1609 entstand die "<ref
            target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz">Landtafel des
      Erzherzogtums Österreich ob der Enns</ref>" in sechs Teilen (I. Gerichtspersonen, II.
     Zivilprozeß, III. Kontrakte einschließlich der <hi
            rend="it">jura incorporalia</hi> und des
     ehelichen Güterrechts, IV. Testamentarisches Erbrecht, V. Intestaterbrecht, VI. Lehnrecht)<note
              n="N.119">Inhaltsangabe bei <ref
              target="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10543034_00202.html">De Luca, Justizcodex I
       (1793) Nr. 202, S. 182ff.</ref> — Die Abschrift in der Sammlung Chorinsky erfolgte nach der
      Hs. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Nr. 187 der Bischöfl. Bibliothek zu Gleink</ref> (diese Bibliothek
      wurde zum Teil vereinigt mit der Bibliothek des Priesterseminars in Linz, wo die Hs. aber
      derzeit nicht auffindbar ist). Andere Handschriften: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Österr. Nationalbibl.
       Series nova 2749</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">2787</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">2834</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Steiermärk. Landesarchiv 479</ref> u. <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">594</ref>.</note>.
     Verfasser dieser Landtafel war der herzogl. bayrische Rat zu Neuburg, <persName
            ref="http://repertorium.at/pe/personen.html#Schwarz">Dr. Abraham Schwarz</persName>, der von den oberösterreichischen
     Ständen berufen und Professor der Institutionen an der ständischen Landschaftsschule in Linz
      wurde<note
              n="N.120">Vgl. v. Krackowitzer, Dr. Abraham Schwarz. Der Verfasser der o.-ö.
      Landtafel, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Linzer Zeitung 1895, Nr. 58</ref>; <ref
              target="/o:repat.doblinger-1961-schwarz">M. Doblinger, Dr. Abraham Schwarz, der Verfasser der
       obderennsischen Landtafel von 1616, in: Jahrbuch d. Ges. f. Gesch. d. Protestantismus in
       Österr. 77 (Wien 1961), S. 17ff.</ref>; Brauneder (o. <ref
              target="#N.79">Anm. 79</ref>),
       <ref target="/o:repat.brauneder-1971-ehescheidung#279">S. 279f.</ref>
          </note>. Schwarz benützte die
     im Lande verbreiteten Walther'schen Traktate<note n="N.121">Dazu <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Rintelen,
       B. Walthers privatrechtl. Traktate, S. 41 *f.</ref>
          </note> und den Entwurf Püdlers, während
     ihm die Redaktion Strein-Linsmayr unbekannt war<note n="N.122">
            <ref target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.349">Motloch, Landesordnungen, S.
     349</ref>.</note>.</p>

        <p> Diese Landtafel für Österreich ob der Enns erlangte, obgleich auch ihr die kaiserliche
     Sanktion versagt blieb, gesetzesgleiche Geltung und beherrschenden Einfluß in der Rechtspflege
     und Literatur bis in das 18. Jh.<note
              n="N.123">Vgl. <ref
              target="http://archive.org/stream/dasvormundschaf00chorgoog#page/n18">Chorinsky, Vormundschaftsrecht (1878), S.
       18ff.</ref>; <ref
              target="/o:repat.chorinsky-1894-beitraege#23">ders., Beiträge, S. 23</ref>; <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.350">Motloch, Landesordnungen, S. 350</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Klein-Bruckschwaiger, in: Jur. Blätter 70 (1948), S. 162</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 15 (A. 14)</ref>; <ref
            target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen,
       Landsbrauch, S. 96</ref>.</note>. So schreibt De Luca in seinem Justizcodex<note n="N.124">
            <ref
            target="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10543034_00217.html">Justitzcodex I (Wien 1793), Nr. 202, S.
      197</ref>.</note>: "Die oberenserische Landtafel hat niemals eine Landesfürstl. Bestätigung
     erhalten, indessen war solche <hi
            rend="it">per Consuetudinem</hi> immer in Übung. Die
     Weingärtler und Fünsterwalder berufen <pb
            n="630"/> sich in ihren Schriften bei jedem Vorfalle
     darauf. Das Original besitzen die Herrenstände". Dieselbe Auffassung über die
     gewohnheitsrechtliche Geltung der Oe. Landtafel findet sich in einem "Bericht an das o. ö.
     Verordnetenkollegium über die Entstehung und Rechtsgiltigkeit der obderenserischen Landtafel"
     vom 16. Nov. 1836<note
              n="N.125">Abgedruckt in <ref
              target="http://anno.onb.ac.at/chs.htm">Sammlung Chorinsky,
       Miscellanea juridica, 3. Heft</ref>. Zu den Mitgliedern der Kommission <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 15f. A. 14</ref>. Vgl. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">v. Zeiller, Jährl. Beiträge
       zur Gesetzkunde u. Rechtswissenschaft I (1906), S. 15</ref>; <ref
            target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen#TA.350">Motloch, Landesordnungen, S.
     350</ref>.</note>. Dieser Bericht enthält folgende Feststellungen: "Es ist demnach gewiß, daß
     die unter dem Namen der o. ö. Landtafel geschehene Zusammenstellung der Rechte und Gewohnheiten
     dieser Provinz niemals die landesfürstliche Bestätigung erhalten hat.. Die Verfassung des
     Landes ob der Enns ist nun in dem Consuetudinario, dem Landrecht, der Landtafel dieser Provinz
     enthalten; diese Landtafel war das <hi
            rend="it">jus publicum</hi>, und <hi rend="it">jus
      privatum</hi>, sowie die Gerichtsordnung dieser Provinz, sie bestand als Gewohnheitsrecht so
     wie sie selbst nur aus der Zusammenstellung der Landesgewohnheiten entstanden ist, sie mußte
     als solches gelten, weil ein anderes nicht vorhanden war, und doch Recht gesprochen werden
     mußte .. .. der kais. Befehl vom 2. Juni 1631 enthält die Worte: "Weilen wir die vorhero im
     Lande gebräuchliche Landtafel wiederum von Neuem revidieren lassen..". Die gefertigte
     Commission glaubt hiemit ihre Aufgabe gelöst und dargetan zu haben, daß die o. e. Landtafel
     eine authentische Rechtsquelle war..".</p>

        <p>Die Landtafel für Österreich ob der Enns ist so wie der Entwurf Püdler (für Österreich unter
     der Enns), ja in noch stärkerem Maße, Erkenntnisquelle für den Landsbrauch und das löbl.
     Herkommen. Der Einfluß des römisch-gemeinen Rechts war in Österreich ob der Enns im allgemeinen
     geringer als in Österreich unter der Enns, wo der Einfluß der gelehrten Juristen stärker
      war<note
              n="N.126">Vgl. zu dieser Frage, die noch weiterer Untersuchungen bedarf, <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">F. Klein-Bruckschwaiger, in: Jur. Blätter 70 (1948), S. 163</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S. 193f.</ref> Zur Rezeption in Oberösterreich <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">O. Hageneder, Zur Frührezeption des röm.-kanon. Prozeßverfahrens im Lande ob
       der Enns, in: Festschrift Karl Pivec (= Innsbrucker Beitr. z. Kulturwiss., 12) (1966), S.
       131ff.</ref>; <ref
            target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., Die. geistliche Gerichtsbarkeit in Ober- und
       Niederösterreich (1967)</ref>.</note>. Aber auch in der Landtafel für Österreich ob der Enns
     finden sich typisch römisch-rechtliche Sätze und Konstruktionen, so die Altersgrenze von 25
     Jahren für die Großjährigkeit und die Konstruktion des <hi
            rend="it">negotium claudicans</hi>
     beim Abschluß von Rechtsgeschäften durch Minderjährige ohne Einwilligung ihrer Eltern oder
     Gerhaben (<ref
            target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.1.4">Oe. Ltf. III 1 § 4</ref>; vgl. <ref target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz#NA.3.37.5">III 37 § 5</ref>).</p>
      </div>
      <div xml:id="TA.3">
        <head>C</head>

        <p>Die größte Bedeutung für die Kenntnis des in Österreich unter und ob der Enns im 16. und 17.
     Jh. geltenden Rechtes kommt neben der juristischen Literatur der Zeit, insbesondere Bernhard
     Walthers Traktaten und Joh. Bapt. Suttingers Consuetudines Austriacae<note
              n="N.127">Vgl. o.
       <ref
              target="#N.98">Anm. 98</ref>. — Für die innerösterr. Länder (Steiermark, Kärnten, Krain)
      ist die wichtigste Quelle die <ref
              target="https://books.google.at/books?id=dgVGAAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;pg=PA">"Idea juris.." (1688)</ref> des
      innerösterr. Regimentsrates Nic. v. Beckmann; dazu o. <ref
              target="#N.37">Anm. 37</ref>. Zur
      innerösterr. Kodifikationsgeschichte <ref
              target="/o:repat.motloch-1907-landesordnungen350">Motloch,
       Landesordnungen, S. 350f.</ref>; Mell (o. <ref
              target="#N.37">Anm. 37</ref>), <ref
              target="http://www.literature.at/viewer.alo?objid=19290&amp;viewmode=fullscreen&amp;rotate=&amp;scale=3.33&amp;page=280">S. 280ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Wesener, Erbrecht, S.
       16f.</ref>; <ref
              target="/o:repat.wesener-1963-landschrannenverfahren">ders., Das innerösterr.
       Landschrannenverfahren im 16. u. 17. Jh. (1963), S. 19ff.</ref>; <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Baltl,
       in: Festschrift Hellbling (1971), S. 11ff.</ref> — Zum Entwurf einer "Landrechtsordnung des
      löblichen herzogtumbs Steyr, im 1645 Jahr formiert und aufgesetzt durch Zacharian Winter von
      Wintershaimb beeder Rechten Doctorn. Röm. Kay. May. I. Ö. Regimentsrath" s. <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">P. Hradil, Untersuchungen zur spätmittelalterl. Ehegüterrechtsbildung I (1908), S. 3f.</ref>
      (Die Hs. ist im Schloßarchiv Thinnfeld, Deutschfeistritz, Steiermark derzeit nicht
      auffindbar). Zacharias Winter v. Wintershaimb — Zu den sog. "Landtsgebreich in Steyer und
      Karndten" (Beginn des 17. Jhs.) <ref target="http://repoestrg.info/wp/sekundarliteratur/torggler-darstellungen-1936/#130">K. Torggler, in: Archiv f.
       vaterländ. Gesch. u. Topographie 24/25 (1936), S. 130f.</ref>
          </note>, dem Entwurf Püdler von
      <pb n="631"/> 1573 und der <ref target="/o:repat.1608-ooeltfl-linz">Landtafel für Österreich ob der Enns
      von 1609</ref> zu. Eine textkritische Ausgabe dieser beiden Werke erscheint daher als
     besonders wünschenswert.</p>
        <p>Das <ref
            target="/o:repat.1526-noelrentw">Landrechtsbuch Ferdinands I.</ref> ist vor allem von Interesse
     als Werk der humanistischen Jurisprudenz in Österreich, die hier in der ersten Hälfte des 16.
     Jhs. eine bedeutende Rolle gespielt hat. Der Entwurf Strein-Linsmayr gibt Zeugnis für die
     fortgeschrittene Gesetzestechnik, weicht aber inhaltlich nicht allzu stark vom Entwurf Püdler
     ab. Den Einfluß des Protestantismus auf den Entwurf Strein-Linsmayr sowie die Oe. Landtafel hat
     jüngst W. Brauneder<note
              n="N.128">In: <ref target="/o:repat.brauneder-1971-ehescheidung">Österr.
       Archiv. f. Kirchenrecht 22 (1971), S. 273ff.</ref>

          </note> aufgezeigt. In der Kompilation der
     vier Doktoren wird der fortgeschrittene Einfluß des römischen Rechts bzw. der gemeinrechtlichen
     Doktrin in Österreich sichtbar; sie ist aber auch für die Kenntnis des Landesbrauchs von
     Bedeutung. A. Steinwenter<note
              n="N.129">In: <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Studi Koschaker I (1954), S.
       425f.</ref>

          </note> hat auf die in der österreichischen Rechtsliteratur und bei den
     Gesetzgebungsarbeiten vom 16. bis ins 18. Jh. bestehende Tendenz hingewiesen, "das im Lande
     geltende Recht eigener und fremder Herkunft unter einheitlichen Gesichtspunkten
      darzustellen"<note
              n="N.130">Zustimmend <ref target="/o:repat.rintelen-1958">Rintelen, Landsbrauch,
       S. 99</ref>.</note>.</p>

        <p>Der verehrte Jubilar, dem wir viele wertvolle Untersuchungen zur österreichischen
     Wissenschaftsgeschichte verdanken<note
              n="N.131">Zuletzt N. Grass, Cusanus als
      Rechtshistoriker, Quellenkritiker und Jurist, in: <ref
              target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">Cusanus-Gedächtnisschrift
       (1970), S. 102ff.</ref> u. <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">ders., F. Schupfer und T. v. Sartori-Montecroce
       als Rechtshistoriker der Universität Innsbruck, in: Festschrift Hellbling (1971), S. 195
       ff.</ref>

          </note>, hat in seinem eindrucksvollen Vortrag auf dem 15. Deutschen
     Rechtshistorikertag 1964 in Wien über "die Geschichte der Erforschung des deutschen Rechts in
      Österreich"<note
              n="N.132">Vgl. dazu <ref target="http://drqerg.de/DRQT/kein_digitalisat.html">H. Hattenhauer, in: ZRG, GA 82 (1965),
       S. 527</ref>.</note> die Bedeutung der österreichischen Privatrechtsgeschichte entsprechend
     gewürdigt.</p>
        <p>Anschrift des Verfassers: o. Univ.-Prof. Dr. Gunter Wesener, A-8010 Graz, Rosenberggürtel
     21</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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