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        <title>Bernhard Walther von Walthersweil</title>
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            Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
          digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen
          Neuzeit von Heino Speer</title>
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              <forename>Ivo</forename>
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          </author>
          <title>Bernhard Walther von Walthersweil als Romanist des 16. Jahrhunderts </title>. In:
            <series>Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Philosophisch-historische Klasse;
            Sitzungsberichte, 186. Band, 3. Abhandlung; Vorgelegt in der Sitzung am 24. Oktober
            1917</series> (<publisher/>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Wien</pubPlace>
          <date when="1918">1918</date>) </bibl>
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      <editorialDecl>
        <p>Quelle: Ivo Pfaff, Bernhard Walther von Walthersweil als Romanist des 16. Jahrhunderts
          (1917), in: Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Philosophisch-historische Klasse;
          Sitzungsberichte, 186. Band, 3. Abhandlung; Vorgelegt in der Sitzung am 24. Oktober 1917
          (Wien, 1918)</p>
        <p>Zur Person des Autors vgl. heute den <ref target="http://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Pfaff">Wikipedia-Artikel</ref>.</p>
        <p>Die Transkription beruht auf der Bearbeitung des Druckes durch ein OCR-Programm (Omnipage
          18) und eine anschließende Strukturierung entsprechend der TEI-Richtlinien. Soweit
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          einen grauen Font hervorgehoben. Namen sind in grüner Schrift gehalten.<lb/>
          <lb/>[Heino
          Speer, Klagenfurt im September 2012]</p>
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      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
          Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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                <ref target="info:fedora/context:repat.sekundaerliteratur" type="context">Sekundärliteratur</ref>
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      <div xml:id="T.1">
        <p>
          <pb n="6"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="TA.1">
        <head>VORWORT.</head>
        <p> Diese Skizze über Bernhard Walthers Lebensgang und seine romanistische Tätigkeit
          verdankt ihre Entstehung einer Anregung des Herrn Hofrates <persName>v.
          Luschin</persName>, der mich auf Walthers Miscellaneae hinwies. Für mannigfache, wertvolle
          Unterstützung bei Abfassung der Arbeit sei dem allverehrten Altmeister österreichischer
          Rechtsgeschichte an dieser Stelle ergebenster Dank ausgesprochen. Auch Herrn Sektionsrat
            <persName>Dr. Goldmann</persName> bin ich für die große Bereitwilligkeit, mit der er mir
          schätzenswerte Auskünfte aus dem Wiener Universitätsarchiv erteilte, zu großem Danke
          verpflichtet.<lb/> Graz, Oktober 1917.<lb/> J. Pfaff.</p>
      </div>
      <div xml:id="TA.2">
        <head>I.</head>
        <p> Der Ausspruch <persName>Lessings</persName>:<note n="1"
              place="foot">19. Bd. der
            Hempelschen Ausgabe S. 57. Rezension über <ref target="http://data.onb.ac.at/rec/AC00938371">Khautz Versuch einer Gesch. der österr.
              Gelehrten</ref>.</note> "Es ist nicht zu leugnen, daß die meisten von den
          österreichischen Gelehrten unbekannter geblieben sind, als sie es verdienen", gilt auch
          für den in Österreich durch Jahrzehnte wirkenden Bernhard Walther. Und doch handelt es
          sich bei ihm um einen Mann, der bei den Wenigen, welche sich mit österreichischer
          Rechtsgeschichte ex professo befassen, das höchste Ansehen genießt. So bezeichnet ihn
            <persName>Luschin</persName>
          <note n="2" place="foot">
            <ref target="#365">Österr. Reichsgeschichte (1896) S. 365</ref>.</note> als "Vater der österreichischen
          Jurisprudenz", <persName>Chorinsky</persName>
          <note n="3" place="foot">Beiträge zur
            Erforschung österr. Rechtsquellen S. 12. S. auch Motloch Karl Graf Chorinsky, ein
            Nachruf (S.-A. d. Archiv. Mitt. der k. k. Zentralkomm. f. Kunst u. histor. Denkmale IV
            S. 20 ff.).</note> als "eine epochale Erscheinung in der österreichischen
          Rechtsgeschichte". Nichtsdestoweniger fehlt selbst bei <persName>Stintzing</persName>
          <note n="4" place="foot">
            <ref target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000001.jpg">Gesch. der deutschen
              Rechtswissenschaft Bd. I.</ref>
          </note> jegliche Erwähnung dieses hochverdienten
          Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert,<note n="5"
              place="foot">Darauf verwies schon <ref
              target="#365">Luschin a. a. O.</ref> Sein Name fehlt auch in den älteren
            Nachschlagewerken, wie bei <ref
              target="http://swb.bsz-bw.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=326953310&amp;INDEXSET=1">Struwe Bibl.
              hist. select. 1740</ref> und bei <ref
              target="http://www.worldcat.org/oclc/165096848">Niceron Nachrichten von den Begebenheiten und Schriften berühmter Gelehrter,
              herausgeg. von Baumgarten 1749</ref>. Desgleichen bei <ref
            target="http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10740244.html">Holtzendorff Enzyklop. der Rechtswissenschaft</ref>.</note> dessen Traktate die
          Rechtsprechung bis zum allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuche wesentlich beeinflußt
            haben.<note
            n="6" place="foot">S. <ref
            target="#365">Luschin a.a.O.</ref>,
            neuestens Großer in der Festschrift zur Jahrhundertfeier des a. b. G. B. I S. 152
            ff.</note>. Was Walthers äußere Lebensumstände anlangt, so wissen wir über dieselben
          bisher nur die wichtigsten Daten. Nach Luschins Angaben dürfte er zu Leipzig um 1520
          geboren worden sein. Ein glücklicher Zufall gestattet es, den Zeitpunkt genauer
          feststellen zu können. Auf der Stiftsbibliothek zu Admont <pb
            n="6"/> befindet sich
          nämlich ein Band aus der Bibliothek Walther s. Derselbe enthält die <ref
            target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k527608">libri quatuor de verborum
            significatione</ref> des <persName>Alciatus</persName>, zusammengebunden mit den
          Commentaria perelegantia in primam Dig. veteris partem des <persName>Hippolytus Rimidaldus
            Ferrarensis</persName>. Auf dem letzten Blatte des ersteren Werkes hat Walther mit
          eigener Hand seinen Namen und den Zusatz geschrieben: anno post Christ. Iesum nat. 1534
          Lipsie; auf dem rückwärtigen Deckel findet sich abermals seine Unterschrift sowie sein Ex
            libris.<note
            n="7"
            place="foot">Auch die Grazer Univ.-Bibl. besitzt einen Band aus dem
            Bücherschatze Walthers. Derselbe enthält den Apparatus dom. Innocentis IV super toto
            voluminis decret. (1495) und des <persName>Philippus Decius</persName> Consilia.
            Walthers Autograph mit dem Zusatz anno domini 1545 Viennae sowie sein Ex libris-Wappen
            findet sich hier vor. Dabei stehen die Worte: Hic codex est Bernhardi Walther anno
            domini 1571.</note> Letzteres ist Porträt, ein schöner Holzschnitt, der die gedruckte
          Legende hat: Bernhardus Walther anno aetatis LVII, anno Domini MDLXXIII.<note
            n="8"
            place="foot">Dies Bücherzeichen soll, wie ich höre, von dem Bibliothekar der Abtei Admont,
              <persName>P. Friedrich Fiedler</persName>, im Jahrbuch der österr. Ex
            libris-Gesellschaft veröffentlicht werden.</note> Walther war demnach 1516 geboren. Er
          entstammte dem schweizerischen Geschlechts der Walther von Walthersweil. Nach einem im
          Stifte Rein bei Gratwein aufbewahrten Stammbaum hatte die Familie Walther in der Schweiz
          einst ein Stammhaus "Walthersweil" besessen. Als 1380 die Herzoge Albert und Leopold von
          Österreich mit der Schweiz Krieg führten, stellte sich die Familie Walther auf die Seite
          des Hauses Österreich. Wie der Stammbaum erzählt, seien damals, bis auf einen einzigen,
          alle Mitglieder des Hauses Walther von Walthersweil zugrunde gegangen, ihr Stammhaus sei
          verbrannt und hiebei auch alle alten Privilegien und Schriften der Familie vernichtet
          worden. Der einzig überlebende sei der 1350 geborene <persName>Gerhard Walther zu
            Walthersweil</persName> gewesen, der sodann in Schlesien als Reiteroberst gedient habe.
          Aus seiner Ehe mit <persName>Euphrosyna von Roth</persName> stammte ein Sohn
            <persName>Erhard I.</persName> Als Sohn dieses Erhard I. aus seiner Ehe mit
            <persName>Kunigunde von Arlsperg</persName> wird <persName>Jobst I.</persName>
          angeführt, der zuerst <persName>Herzog Sigismunds</persName> von Österreich und Tirol und
          sodann <persName>Kaiser Maximilians I.</persName> Rat <pb
            n="7"/> gewesen; aus dessen Ehe
          mit <persName>Barbara Pfisterin</persName> stammten drei Söhne: <persName>Jobst
            II.</persName>, <persName>Bernhard I.</persName> und <persName>Hieronymus I.</persName>
          Von diesen hatte nur Hieronymus Leibeserben, und zwar aus seiner ersten Ehe mit
            <persName>Rosina Preisserin</persName> drei Söhne und drei Töchter; aus der zweiten Ehe
          mit <persName>Katherina von Preitigam</persName> einen Sohn <persName>Erhard
            II.</persName> Der unter den Söhnen an dritter, in der Reihe der Kinder an sechster
          Stelle im Stammbaum genannte <persName>Bernhard Walther II.</persName> ist unser Kanzler
            Walther.<note
            n="9" place="foot">Auf die übrigen Daten des interessanten Stammbaumes,
            nach denen unter anderen ein Zweig der Familie nach Spanien gekommen ist, seien
            Genealogen hiermit verwiesen. (Bibl. des Stiftes Rein bei Gratwein, Cod. Manus., Nr.
            200.) Einige Daten enthält auch ein Aufsatz von <persName>Bergmann</persName> in den
            Mitteil. der k. k. Zentralkommission für hist. Denkmale IV S. 79 ff. über
            verwandtschaftliche Beziehungen Bernhard Walthers durch seine Verehelichung mit
              <persName>Barbara Seherin</persName> s. Quellen zur Gesch. der Stadt Wien I. Abt. Bd.
            V n. 5578</note>
        </p>

        <p> Über Walthers Studienzeit wissen wir, daß er in Leipzig, in Bologna und Pavia studiert
            habe;<note
            n="10" place="foot">Über seine Studien in Leipzig s. <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/uc1.l0052360732">Knod Deutsche Studenten in Bologna
              S. 609 Nr. 4058 [Digitalisat nicht frei zugänglich!]</ref>. Danach wurden Bernhard
            Walther und sein Bruder Jodocus (<persName>Jobst</persName> des Stammbaumes, der
            Begründer des spanischen Zweiges der Familie) im April 1525 zu Leipzig inskribiert.
            Bernhard Walther war also damals 9 Jahre alt. Daß er sich auch schon in Leipzig mit
            juristischen Studien befaßte, beweist das auf der Admonter Bibliothek befindliche Buch
            mit der Eintragung aus dem Jahre 1534.</note> daß er 1534 noch in Leipzig war, bezeugt
          die angeführte Notiz in dem aus seiner Bibliothek stammenden Buche. Nach Bologna dürfte er
          wohl gleichzeitig mit <persName>Hieronymus Biener</persName> (aus Dresden) gekommen sein,
          da beide gemeinsam bei der Inskription in die Nationsmatrikel einen ungarischen Dukaten
          erlegen. (<ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/njp.32101074835875">Act. nat. Germ.
            univ. bonon. Ausgabe von Friedlander und Malagola. p. 314</ref>.) Seine Anwesenheit in
          Bologna ist für die Jahre 1537, 1538 (als sindicus), 1539 (als procurator nationis)
          bezeugt. 1539 reist er ab und gab discedens nationi coronatum num. dono. In Bologna hatte
          er unter <persName>Alciatus</persName> studiert, der dort bekanntlich von 1537 bis 1541
            wirkte.<note
            n="11" place="foot">Zu den auf Bologna sich beziehenden Daten vgl. <ref
              target="http://hdl.handle.net/2027/uc1.l0052360732">Knod a.a.O.</ref> und <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/njp.32101074835875">Acta nationis Germanicae univ.
              Bonon. S. 314</ref>. Über die verschiedenen Universitäten, an denen Alciat wirkte,
            siehe neuestens <persName>Möller</persName> Andreas Alciat in den Studien zur
            Erläuterung des bürgerl. Rechtes, herausgeg. von Leonhard Heft 25 S. 71 ff.</note>
          Seiner Studien in <pb n="8"/> Bologna wird auch in den Briefen
            <persName>Muslers</persName>
          <note n="12"
              place="foot">Vgl. E. Cicogna intorno a Giovanni
            Muslero Venezia 1858 (Memorie dell' Istituto Veneta VII S. 43. Über andere Deutsche, die
            im 16. Jahrhundert in Bologna studierten, s. <ref target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/stoelzel1872ga">Stölzel Die
              Entwicklung des gelehrten Richtertums I S. 49 ff.</ref>
          </note> mit den Worten gedacht:
          Waltero Bernardo studiava in Bologna nell' 1538 sotto la disciplina di Andrea Alciato. Daß
          Walther zu dem Kreise Muslers irgendeine Beziehung gehabt hat, ergibt sich auch aus
          Muslers Apologia rustica cum authoris Protestatione. Nach derselben war Walther im Laufe
          des Jahres 1538, in dem er als sindicus in Bologna fungierte, in Padua und nahm dortselbst
          an einem Gespräche teil, das über den Streit Muslers mit einem gewissen <persName>Dr.
            Gruber</persName> zwischen den Schülern Muslers stattfand. Es heißt hier:
            <persName>Hieronymus Piner</persName> coram Bernardo Walthero studioso et optimo juvene
          narravit ...</p>

        <p> Daß Walther 1539 Bologna verließ, steht fest. 1540 dürfte er wohl in Pavia zugebracht
          haben, wo er auch am <date
            when="1541-02-22">22. Februar 1541</date> das Doktorat erwarb:
          Doctoratus in U. I. domine Bernardo Walther, diocesis Merseburgensis ... post peractos et
          feliciter consumatos a vobis in hoc studio actus omnes. <persName>Ioannes Maria de
            Trovamalla</persName> I. U. Dr. et ecclesiae cathedralis Papiensis praepositus,
          promotor. (Pavia Univ. Arch. Abt. Facolté legist. Doctoratus a 1525-1566. Nr. 2.)<note
            n="13" place="foot">Walther hatte demnach mit 25 Jahren das Doktorat erworben. Über das
            Alter der Scholaren an italienischen Universitäten im allgemeinen s. Luschin Vorläufige
            Mitteilungen über die Geschichte deutscher Rechtshörer in Italien in Sitzungsberichte
            der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien Bd. 127 S. 47.</note>
        </p>

        <p>Seiner Lehrjahre in Pavia gedenkt Walther gelegentlich in seinen Miscellaneae, so lib. I
          c. 39: Hanc glossam cum magni nominis Iurisconsultus in Ticinensi gymnasio ante annos
          aliquot, me presente, in publicis scholis interpretaretur und lib. II c. 1: Quam opinionem
            <persName>Andreas Alciatus</persName>, cum dictam Rubricam, me auditore, in Ticinensi
          Gymnasio publice interpretatur his fere verbis quae sequuntur, confirmabat. Doch auch
          anderer Lehrer gedenkt Walther, wenn er auch nicht ausdrücklich ihre Namen nennt. So
          gelegentlich seiner Ausführungen über eine damals vielumstrittene Frage aus der Lehre vom
          jus altius non tollendi (lib. I c. 4) mit den Worten: <pb
            n="9"/> Et quidem memini quendam
          ex praeceptoribus meis novo sensu Iustiniani locum declarasse; lib. I c. 17: quod quidam
          ex praeceptoribus meis quandoque admonuit. Auf seine Verbindung mit Padua bezieht sich die
          Äußerung lib. I c. 10, wo er auf eine in Patavino gymnasio vertretene Anschauung,
          betreffend die l 10 § 7 de grad. et off. 38. 10 verweist. Nach seiner Promotion in Pavia
          muß sich Walther bald nach Wien begeben haben, denn wir finden ihn noch im Wintersemester
          1540/41 in der Juristenmatrikel eingetragen: (Matr. fac. jur. II. fol. 69b) Bernhardus
          Walther I. U. Dr. et ejusdem ordinarius dedit 4 sol. den. (Das Wintersemester begann mit
          dem Kolomanstag, <date
            when="1540-10-13">13. Okt. 1540</date>, und reichte bis zum Tage
          Tiburtii et Valeriani, <date when="1541-04-14">14. April 1541</date>.) Ebenso finden wir
          im folgenden Sommersemester seinen Namen in der Universitätsmatrikel (Matr. univ. IV. fol.
          478): Bernhardus Walther utriusque juris Doctor Lipsiensis 1 tal. den.</p>
        <p>Bis zur Reformation der Wiener Universität durch <persName>Ferdinand I.</persName> vom
            <date
            when="1554-01-01">1. Januar 1554</date> war jeder Doktor berechtigt zu lehren und
          verpflichtet, an den Disputationen teilzunehmen. Erst durch das Ferdinandeische Gesetz
          wurde diese Berechtigung aufgehoben und hatten seitdem die doctores mit dem Unterrichte
          nichts mehr zu schaffen, der vielmehr ausschließlich den Professoren zustand.<note
            n="14" place="foot">
            <ref target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10733444-5">Kink Gesch. der kaiserl. Univ. Wien I S. 262 ff.</ref>

          </note> Walther hätte demnach
          anno 1541 als Doktor Vorträge halten können, auch ohne Professor zu sein. Er war aber zum
          Professor durch das n.-ö. Regiment ernannt worden, und zwar hatte er von den damals
          (Reformgesetz vom <date
            when="1537-09-15">15. Sept. 1537</date>) bestehenden vier
          Ordinariaten das der Institutionen inne. Es geht dies aus einem vom Jahre 1544 stammenden
          Berichte der Universität an die n.-ö. Regierung hervor, wo es heißt: "E. G. haben vormaln,
          wievil Lectores und Auditores vorhanden, Erkundigung than, und dieweil nach Gelegenheit
          dieser Zeit ain gnugsame Anzall Lectores befunden, lecturam Institutionum Dr. Bernhardum
          Walter zu verrichten bevollen, wie dann derselbig dieselbig bisher verricht." (Univ.-Arch.
          Fasz. I Nr. 13.) Dieser Lektur erwähnt Walther in der Widmung seiner Rhetorices praecepta
          (Norimb. 1545), datiert vom <pb n="10"/>
          <date when="1541-09-26">26. Sept. 1541</date>, mit den Worten: "Cum ab ordinario legendi
          munere ob belli et pestilentiae calamitates nuper mihi vacandum esset ... So wird er denn
          mit Recht bei <persName>Eder</persName>
          <note n="15" place="foot">
            <ref
            target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10679174-8">Catalogus rectorum et illust. virorum, Ausg. 1670</ref> von Sorbeit p. 84.</note> als
          ein Mann bezeichnet, der per aliquot annos maxima cum diligentia publice docuit, von
            <persName>Reinacher</persName> Doctorum in Viennensi accademia brevis depictio unter den
          Mitgliedern der juridischen Fakultät, und von <ref target="http://books.google.at/books?id=BNRLAAAAcAAJ">

            <persName>Locher</persName> Spec.
            accad. Vienn. II 38</ref> und III 22 als Professor der Institutionen angeführt.<note
            n="16"
              place="foot">Locher II und III sind bloß handschriftlich vorhanden und befinden
            sich im Besitze des Herrn Hofrates v. Luschin; nach Locher l. c. war Walther auch
            dreimal Prokurator der sächsischen Nation an der Wiener Universität. Er nennt ihn zum
            ersten Male p. 278 electus mense Octobri 1542. Ebenso führt ihn <ref
              target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN669266701">Joh. Bertr. Mayer
              Catalog. decanor. p. 23</ref> für das Jahr 1542 als Prokurator der sächsischen Nation
            an. Eine quellenmäßige Überprüfung dieser Angaben ist leider unmöglich, da die Acta
            nationis Saxonicae an der Wiener Universität schon lange nicht mehr vorhanden sind. Über
            Wesen und Bedeutung dieser Stellung s. <ref target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10733444-5">Kink Gesch. der kaiserl. Univ. Wien I S. 63 ff.</ref>
          </note>
        </p>
        <p>Walther selbst gedenkt dieser Zeit an der Wiener Universität sowohl in seinen
          Miscellaneae lib. I c. 21, indem er sich auf eine Konjektur beruft, die er zu Wien gehört
          habe: ego igitur, quod a jurisconsulto quodam in gymnasio Viennensi quandoque accepi, in
          medium offeram, wie in der Vorrede zu seinem Werke de dialectica in jure libri tres.
          Gleichzeitig neben der Lehrtätigkeit, welche er als Professor ausübte, war Walther in der
          Praxis tätig; der diesbezügliche Passus in der letzterwähnten Schrift lautet: usque adeo
          negotiis forensibus in dies magis magisque obrutus sum, accedente praesertim publico
          profitendi munere.</p>

        <p>Als Schriftsteller unterschied sich Walther wesentlich von seinen damaligen Zeitgenossen,
          welche den Lehrberuf an der Wiener Universität ausübten. Dieselben vernachlässigten
          literarisch die Rechtswissenschaft durchaus und widmeten sich ausschließlich
          humanistischen Studien.<note
            n="17" place="foot">Darüber <ref
            target="http://books.google.at/books?id=aSQMAAAAYAAJ&amp;pg=PA40">Kink Die Rechtslehre
              an der Wiener Universität S. 40</ref>.</note> Er dagegen gab 1546 seine Miscellaneae,
          über die weiter unten zu sprechen sein wird, heraus und ließ im gleichen Jahre zu Nürnberg
          libri tres de dialectica ex jure erscheinen. Im selben <pb
            n="11"/> Jahre wurde er über
          Vorschlag des <persName>Joh. Lud. Brassicanus</persName> zum Superintendenten der
          Universität bestellt,<note
            n="18" place="foot">
            <ref
              target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10679174-8">Eder-Sorbeit Catalog. rectorum p. 84</ref>: Cum jus civile per annos aliquot maxima
            cum diligentia publice docuit, vocatur in consilium regium, in quo summa omnium cum
            admiratione supremum agit Austriae cancellarium, vir aequitate et pietate insignis, qui
            etiam superintendentis officio (a. 1546) hujus accademiae summa diligentia perfunctus
            est. Im Wiener Universitätsarchiv mangelt es an ausreichenden Zeugnissen für Walthers
            Superintendenz; überhaupt fehlen Verzeichnisse derartiger Amtsorgane. Dagegen enthält
            das Staatsarchiv (Steiermark fasc. 49) einige Originalquittungen, durch welche die
            Universität dem Stifte Neuberg den Empfang der Prälatenkontribution bestätigt. Auf
            diesen ist <date
              when="1547-12-24">1547 Weihnachten</date>, <date
              when="1548-12-20">1548
              20. Dez.</date> und <date
            when="1549-12-20">1549 20. Dez.</date> Walther als
            königlicher Superintendent genannt.</note> ein Beweis dafür, wie hoch man Walther
          schätzte, da der Superintendent im Rang unmittelbar nach dem Rektor und Kanzler
            stand.<note
            n="19" place="foot">Über die Bedeutung der Stelle eines Superintendenten s.
              <ref
              target="http://books.google.at/books?id=aSQMAAAAYAAJ&amp;pg=PA35">Kink
              Rechtslehre S. 35</ref> und ebendesselben <ref target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10733444-5">Gesch. der kaiserl. Univ. Wien I S. 258 ff.</ref>
            <ref
            target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10733444-5">II S. 340</ref> und 402; vgl. auch Gesch. der Wiener Univ. von 1848 bis 1898 S. 9
            ff.</note> Dies Amt soll er nach Locher Specim. accadem. I 54 bis zum Jahre 1548
          versehen haben.<note
            n="20"
            place="foot">Vgl. hiezu die Nachträge zum 3. Bd. von Aschbach
            Gesch. der Wiener Univ. von Hartl und Schrauf I. Abt. S. 117 und die dortselbst
            zitierten epistolae ad <persName>Frid. Nauseam</persName>.</note> In Wahrheit hat
          Walther jedoch das Amt bis 1550 verwaltet, in welchem Jahre er es niederlegte. Das
          beweisen die im Wiener Universitätsarchiv vorhandenen Acta Bursae Rubrae Rosae fol. 16b
          zum <date
            when="1550-12-18">18. Dez. 1550</date>, wo es heißt: Post resignationem
          Bernhardi Gualtheri I. U. D. Regii consiliarii est in almae universitatis Vienn. Regium
          superintendentem a Regimine constitutus Mag. <persName>Lucas Agathopedius</persName>. 1547
          wurde Walther niederösterreichischer Regimentsrat, 1556 niederösterreichischer
            Kanzler,<note
            n="21"
              place="foot">S. das in der Sammlung Chorinsky Miscellanea jurid. 8.
            Heft S. 137 ff. enthaltene "Verzeichnus aller bishero gewesten Herren Regimentsräth ab
            anno 1530", woselbst sich Bernhard Walther für das Jahr 1547 als Regimentsrat, für 1556
            als Kanzler angeführt findet. Vgl. auch Status excelsi regim. (n.-ö. Landesarchiv-Kodex
            Manuskript Nr. 89); hier heißt es: "Herr Bernhard Walther, Doctor, ein Österreicher aus
            der Stadt Steyr, ist zuvor als Regimentsrat <date
              when="1547-02-07">7. Febr. 1547</date>
            angestellt, nach Austritt des vorigen Canzler <persName>Dr. Widmannstädter</persName>
            aber Canzler geworden beyläufig im Dezember 1556, continuirt in solchem Amt bis nach
            Kaiser Ferdinand Ii Tod anno 1556; hernach ist er mit Erzherzog <persName>Carl von
              Österreich</persName> als dessen Hofrat nach Steyermark gezogen und daselbst dessen
            Canzler in der Regierung zu Grätz gewesen. Er hat etliche Traktate von den
            österreichischen Landrechten und Landesbräuchen geschrieben, welche in Druck gekommen
            sind." Vgl. "Die niederösterr. Statthalterei von 1501 bis 1896", wo es auf S. 422 heißt:
            "Walther D<hi
            rend="sup">or</hi> Bernhard aus Steyr, Regimentsrat 1547 Febr. 7 bis 1556;
            Kanzler des Regiments 1556 Dezember, bis Ende 1564; hierauf Kanzler Erzh. Carl.
            Verfasser einer Reihe juridischer Werke, die größtenteils die k. k. Hofbibliothek
            besitzt ..."</note> letzterer als <pb
            n="12"/> Nachfolger des <ref target="http://d-nb.info/gnd/117342580">
            <persName>Dr.
            Widmannstädter</persName>
          </ref>.<note n="22" place="foot">über diesen gelehrten
            Orientalisten s. <ref
            target="http://www.literature.at/collection.alo?from=1&amp;to=50&amp;orderby=author&amp;sortorder=a&amp;objid=11104&amp;page=">Wurzbach Biogr. Lex. 55. Bd. S. 262 ff.</ref> und Mayer Histor.-polit. Blätter Bd. 82
            S. 512 ff.</note> Ein Versuch, seiner Wiener Amtstätigkeit nachzugehen, ist hier nicht
          beabsichtigt, wiewohl die Wiener Archive hiezu gewiß manche Anhaltspunkte bieten
            mögen.<note
            n="23"
              place="foot">Nur gelegentlich sei hier erwähnt, daß Walther bei den
            Verhandlungen des Königs Ferdinand mit dem Erzbischof von Salzburg 1553 — also noch ehe
            er Kanzler war — als einer der Vertreter des Königs fungierte. <date
              when="1553-12-08">1553, 8. Dez.</date> Gewaltbrief und Instruktion König Ferdinands für seine Vertreter
            bei den Verhandlungen mit dem Erzbischof von Salzburg zu Mühldorf: <persName>Abt Gregor
              von Kremsmünster</persName> und dem kaiserl. Rat Bernhard Walther. Diese Verhandlungen
            fanden vom 17. bis 30. Dezember statt. Näheres hierüber bei Druffel Briefe und Akten zur
            Gesch. des 16. Jahrh. Bd. IV S. 334, herausgeg. von Brandi. Die Akten des Klosterrates
            s. bei Wiedemann Gesch. der Reformation und Gegenreformation im Lande u. d. Enns I 119.
            Ferner erging <date
              when="1559-04-26">1559, 26. April</date>, ein Befehl Kaiser
            Ferdinands an <persName>Bischof Anton</persName>, den Statthalter <persName>Niclas von
              Neuhaus</persName> und den Kanzler der n.-ö. Lande, Bernhard Walter, sich genau zu
            erkundigen, wie der Abt von den Schotten sich mit der Kommunion sub utraque verhalte (s.
            Wiedemann a. a. O. II S. 92); endlich <date
              when="1562-07-25">1562, 25. Juli</date>,
            unterzeichnet Walther das Inventar des Bistums Wien beim Abgange des Bischofs Anton
            (Wiedemann a. a. O. II S. 98). Auch sei hier angeführt, daß Walther am <date
              when="1564-11-27">27. November 1564</date> mit den vier öden Lehen zu Aichstauden,
            nachdem sie durch den Tod <persName>Christoph Paldaufs</persName> erledigt waren,
            belehnt wurde. Darüber Starzer in "Quellen zur Gesch. der Stadt Wien' 1. Abt. Bd. V n.
            5565 und 5566; ebendaselbst n. 5547 wird Walther als "spitelmaister und gegenschreiber
            unseres kays. hofspitals" bezeichnet und angeführt, daß er "etliche lehenstuck dem
            Hospitale vollmechtiglichen übergeben und donirt" habe. S. auch ebendaselbst Bd. I n.
            1208, woraus hervorgeht, daß Bernhard Walther die vier öden Lehen zu Aichstauden am
              <date
            when="1580-12-14">14. Dezember 1580</date> "aufgesandt" hat. In den "Quellen zur
            Gesch. der Stadt Wien" 1. Abt. Bd. II finden sich auch eine Reihe von Vorschriften
            Kaiser Ferdinands I., die auch die Unterschrift Bernhard Walthers als Kanzlers tragen,
            so n. 1457, 1458, 1461, 1464, 1465, 1468, 1469, 1470, 1473, 1474, sämtlich aus den
            Jahren 1559 und 1560.</note> Welche Wertschätzung Ferdinand I. seinem <pb
            n="13"/>
          Wirken entgegenbrachte, beweist unter anderem der Umstand, daß Walther zu seiner
          jährlichen Besoldung von 500 Gulden ein Gnadengehalt von 300 Gulden Rheinisch ausgesetzt
            wurde.<note
            n="24" place="foot">
            <date
            when="1561-08-24">24. Aug. 1561</date>; s.
            Hofkammerakten ad 1570 Febr. Nr. 129 (Grazer Statthaltereiarchiv); desgleichen Patente
            1566 I. Jan. (ebenda).</note> Um diese Provision, welche durch Kaiser Maximilian II.
          1565 bestätigt wurde,<note
            n="25"
            place="foot">Hofkammerakten Graz ad 1570 Febr.
            129.</note> handelt es sich in einer Reihe von Eingaben Walthers, die sich in den
          Hofkammerakten des Grazer Statthaltereiarchivs befinden.<note
            n="26" place="foot">Aus den
            Jahren 1564 bis 1569 sind bloß Rudimente von Akten vorhanden und findet sich — soweit
            ich sehen konnte — hier nichts auf die Provision Bezügliches. Dagegen betreffen die
            genannte Provision: Hofkammerakten 1573 Juli 14, 1573 März 17, 1574 Januar 38, 1574 Juli
            20, 1575 Febr. 32, 1575 März 39, 1575 Oktober 21, 1576 Januar 71, 1585 Juli 80. Die
            Provision war aus den Gefällen des Salzamtes Gmunden zu bezahlen gewesen und hatte
            Walther dieselbe durch vier Jahre hindurch nicht erhalten. Nachdem über einen Vorschlag
              <persName>Wucherers</persName> der Mautner von Rottenmann angehalten worden war, einen
            Teil der Schuld zu bezahlen, mußte Walther die noch ausständigen 300 fl. in weiteren
            Eingaben begehren. Nach seinem Tode mußten seine Erben wiederum um noch ausständige
            Provisionen für zwei Jahre bittlich werden. Die Hofkammer-Kopialbücher enthalten 1570
            Blatt 44 gleichfalls einen Fall, der sich auf ein durch vier Jahre schuldig gebliebenes
            Zubußgeld, das dem Dr. Bernhard Walther gebührt, bezieht. Bei einer Reihe anderer in den
            Hofkammerakten des Statthaltereiarchivs Graz eingesehener, auf Walther bezügliche Akten
            handelt es sich um Weingeld, Umwandlung seines Holzbezugsrechtes in Geld (so
            Hofkammerakte 1569 Sept. 37, 1572 Juli 59, 1575 Okt. 17, 1583 April 83) sowie um diverse
            Rechtsgeschäfte, bei denen Walther beteiligt war, über welche jedoch keinerlei nähere
            Aufschlüsse gegeben sind, so Hofkammerakte 1571 Januar 52 und Hof-Kopialbücher 1575
            Blatt 60 und 1576 Blatt 76.</note>
        </p>

        <p>1564 ging Walther mit dem Erzherzog Karl nach Steiermark, wo er als innerösterreichischer
          Kanzler wirkte;<note
            n="27"
            place="foot">Bei Leuchsenhofen Saec. regiminis Austriae
            interioris (Ausg. 1665) ist unter den domini Cancellarii angeführt für das Jahr 1565:
            "Bernhardus Walcher (sic)! installatus 16. Ianuarii. Postmodum Sereniss. Archiducis
            Caroli Aulae Cancellarius. Dortselbst auch Walthers Wappen. S. auch Verzeichnis vormal.
            innerösterr. Statthalter, Kanzler etc. 1565-1782 (steiermärk. Landesarchiv), angeführt
            in der Sammlung Chorinsky Misc. jur. Heft 5 S. 30. Gelegentlich sei erwähnt, daß Walther
            1565 in Graz im Hause des Kastners <persName>Wilhalbmen Wezler</persName> gewohnt habe
            und einen jährlichen Zins von 32 Gulden bezahlte. Dies führt er selbst an in den
            berichtlichen Anzeigen (an die Kammerräte), in welchen er mitteilt, wieviel einem
            Kanzler zu Wien an Wein, beziehungsweise Weingeld gebührt, sowie daß dem Wiener Kanzler
            freie Wohnung in der Kanzlei gewährt sei. Auf die dem Wiener Kanzler gewährte
            "Behöltzung" für zwei Stuben verzichtet Walther, während er die Bezahlung des Hauszinses
            beansprucht. Eine Ablösung für die ihm gebührenden 36 Eimer Wein wird Walther bewilligt.
            S. Statthaltereiarchiv Graz, Hofkammerakten 1565 Majus 42.</note> ob <pb
            n="14"/> hiebei
          der Umstand eine Rolle spielte, daß Walther, als gebürtiger Sachse, den
          niederösterreichischen Ständen, die dem Kaiser die Anstellung von Ausländern oft
          vorgeworfen hatten, nicht ganz genehm war, mag dahingestellt bleiben.<note
            n="28" place="foot">Diese Vermutung findet sich bei Chorinsky a.a.O. S. 12 ausgesprochen.</note>
        </p>

        <p>Über die Größe des Einflusses, welche Walthers Abstimmung in den Sitzungen zukam, gibt
          uns eine Beschwerde Nachricht, welche am <date
            when="1585-02-05">5. Febr. 1585</date> von
          der Hofkammer an den Erzherzog gerichtet worden war. Bei den gemeinschaftlichen Sitzungen,
          die zwischen Regierung und Kammer stattfanden, hatte Bernhard Walther, ohne daß vonseiten
          der Kammer Widerspruch erhoben worden war, immer die erste Stimme abgegeben. Nach dem Tode
          Walthers und nachdem Kobenzl Kammerpräsident geworden war, wandte sich die Kammer an den
          Erzherzog und wies darauf hin, daß in Wien der Kanzler die letzte Stimme abgab, während
          die erste dem Kammerpräsidenten zustand. In der bei Thiel<note
            n="29"
            place="foot">S.
            hiezu Thiel im Archiv für österr. Gesch. 105. Bd, S. 76.</note> abgedruckten Beschwerde
          der Kammer heißt es: Dr. Walther habe darum stets die erste Stimme abgeben können, "weil
          man anfangs allain von ime dependirt, wo andere schwer nichts zu den sachen als das placet
          zu sagen gewüsst, wie es denn auch anfangs bey der Kammer kain presidenten gehabt, sondern
          das ambt allein der herr <persName>Urschenbegg</persName> seliger<note
            n="30"
            place="foot">Über ihn s. Sammlung Chorinsky Misc. jur. Bd. V S. 24.</note> verwaltet, welchem es ein
          wunsch gewest, dass herr D<hi
            rend="sup">or</hi> Walther vor ime gefragt worden, damit er
          auf Vernennung seiner mainung auch mehrs zu den Sachen zu sagen gewüsst". <pb n="15"/>
        </p>
        <p> Als Todesjahr Walthers wird vielfach das Jahr 1564 angegeben,<note n="31"
              place="foot">So bei Locher Specimen; ebenso im Verzeichnis der n.-ö. Kanzler im Codex Austriacus. S.
            ferner <ref
              target="http://books.google.de/books?id=G78OAAAAYAAJ&amp;pg=PA217">Stobbe Gesch. der deutschen Rechtsquellen II
              217</ref> und Handbuch des deutschen Privatrechtes I S. 135; Pfaff und Hofmann
            Commentar I, S. 4; Aschbach-Horowitz Die Wiener Universität III. Bd. S. 294. Auch bei
              <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/uc1.l0052360732">Knod Deutsche Studenten in
              Bologna S. 609 [Digitalisat nicht frei zugänglich]</ref> findet sich das unrichtige
            Datum.</note> also das Jahr, in welchem seine Tätigkeit in Wien ihr Ende fand. Das
          richtige Datum findet sich bei Luschin.<note
            n="32" place="foot">
            <ref target="#365">Österr. Reichsgeschichte a.a.O.</ref>

          </note> Es ist das
          Jahr 1584. Daß Walther 1585 bereits tot war, beweist die eben zitierte Beschwerde der
          Hofkammer; daß er 1583 noch gelebt habe, eine in den Hofkammerakten des Jahres 1583 April
          83 enthaltene Eingabe, in welcher "Bernhard Walther bitt umb bezahlung seines ausständigen
          Wein- und Holzgeldes", sowie eine Eingabe seiner Erben (Hofkammerakten 1585 Juli 80) "die
          Waltherschen Erben bitten um ihres Vaters und Ehms ausständige Provision". In derselben
          heißt es: "Nachdem man unserem abgeleibten Herrn Vattern und Ehm Herrn Bernhard Walther
          ... an seiner gehabten kaiserlichen Provision der jährlichen 300 fl. vom drey- und
          vierundachtzigsten Iahr in die sechshundert Gulden ... schuldig verblieben." Das Jahr 1584
          muß also Walther noch erlebt haben, so daß die Provision für dasselbe fällig geworden.
          Auch der bereits erwähnte Stammbaum der Familie Walther führt als Todesjahr das Jahr 1584
          an. Die diesbezügliche Stelle lautet: Bernhard Walther zu Walthersweil auf Dierpach und
          Mittelfron war K. Ferdinand I. Maximiliani et Rudolfi, aller drei Röm. Kais. Majestät
          Regimentsrat zu Wien in Osterreich; dann auch Erz. Carl zu Osterreich geheimer Rat und I.
          Ö. Hofkanzler, ist anno 1584 in Grätz verschieden, ligt bei den P. P. Iesuiten<note
            n="33"
            place="foot">Gemeint ist damit die heutige Hof- und Domkirche zum heil. Egydius.
            Der Grabstein Walthers lautete nach den Aufzeichnungen <persName>Formentinis</persName>
            in seiner Sammlung der Denk- und Grabschriften in den Kirchen der Stadt Grätz und ihrer
            Vorstädte (Graz 1829), Handschrift des steirischen Landesarchivs 37, 352, 570 (sämtlich
            gleichlautend:<lb/> Hoc. momim. cond. ille<lb/> D. Bern. Walther de<lb/> Walthersweil
            III. Aug.<lb/> Imp. Ferd. I. Maxim. II. et<lb/> Rud. II. Regim. int. Austr.<lb/> XXIV.
            ann. canc. gubin.<lb/> Srn. Archid. Caroli Cons.<lb/> int. ac aul. cnc.<lb/> mort. A.
            MDLXXX.<lb/> Mit Rücksicht darauf, daß Walther 1583 noch lebte, muß es sich hier
            entweder um ein Übersehen Formentinis handeln, oder aber erklärt sich die Datierung aus
            dem Umstand, daß Walther den Denkstein sich selbst bei Lebzeiten setzen ließ und nach
            seinem Tode bloß das Datum ergänzt werden sollte, was dann aber unterblieben ist.<lb/>
            Ein Testament Walthers vermochte ich in Graz nicht aufzufinden. Die hier aufbewahrten
            Testamente reichen bis zum Jahre 1535 zurück.</note> craft Epitavii, hatte zwei
          Ehefrauen 1) <persName>Anna Terschin</persName>, dabei hatte er eine Tochter namens Anna,
          die hat sich <pb n="16"/> mit <persName>Wolfg. Schranzen</persName> verehelicht. 2)
            <persName>Barbara Seherin v. Sohntal</persName>, dabei hatte er zwei Söhne.</p>
        <p>Nach dem Tode Walthers richteten seine Erben an den Erzherzog eine Eingabe, datiert vom
            <date
            when="1585-02-20">20. Febr. 1585</date>, die einen Schluß hierauf gestattet, daß
          Walther wohl gegen Ende des Jahres 1584 gestorben sein dürfte. Sie beginnt nämlich mit den
          Worten : "Nachdem sichs leider zurgetragen, dass kurz verschiedener Zeit Gott der
          Allmächtige unsern Herrn Vattern usw." Auf die in ihr enthaltene Bitte wurde den Erben
          eine einmalige Gnadengabe von 4000 fl. bewilligt. Im April 1585 (Hofkammerakten 1585 April
          86) wurden die Waltherschen Erben neuerlich vorstellig und baten den Erzherzog, das
          Gnadengeld zu erhöhen, nachdem der Verstorbene 42 Jahre bis an sein Lebensende gedient
          habe und derart mit Arbeiten überladen war, daß "sowol sein aigne<note
            n="34"
            place="foot">Daß Walther in Wien ein Haus am Khienmarkt (heutigen Wildpretmarkt) besessen hat, ist
            sicher. Es war dies das Haus "zu den sieben gelben Sternen" Nr. 237. Im Jahre 1566 wird
            Herr Dr. Bernhard Walther als Eigentümer angeführt, und zwar als solcher bis zum Jahre
            1586, während 1587 Dr. Bernhard Walthers Erben erscheinen. Vgl. das Häuserverzeichnis
            der Stadt Wien, mitgeteilt von Birk in den Mitt. des Wiener Altertumsvereines X (1866)
            S. 111.<lb/> Über das von seiner Frau Barbara, einer geborenen Seherin (s. Starzer
            Quellen zur Gesch. der Stadt Wien V 1 n. 5578), stammende unbewegliche Gut ist mir
            nichts eruierhar gewesen.</note> als unsere anererbte <pb
            n="17"/> mütterliche liegende
          Stuck und Gründ, dousst in Österreich, allain zu erzaigung seines Gehorsamb und das es
          durch EFD<hi
            rend="sup">t</hi> ime oder seinen Erben kunftig mit Gnaden widerumb ergötzt
          werden sollte, also mit Schaden verlassen, das dieselben gar in abbau und verödung geraten
          und endlich mit merklichen seinem und unseren Schaden gar hindan in frembde Hand verkauft
          müssen werden". Erzherzog Karl verständigte hierauf die Kammer, daß er "weiland seines
          gewesten Rats und Regimentskanzlers Dr. Bernharden Walther seligen nachgelassenen Sunen
          und Enikel als Stefan und Bernharden Walthern Gebruedern auch Margaretha Schranzin, von ir
          der Walthern Schwestern herkommend"<note
            n="35"
              place="foot">Walthers Tochter erster Ehe
            hatte sich mit einem <persName>Dr. Wolfgang Schranz</persName>, der gleichfalls in
            erzherzoglichen Diensten stand, vermählt. Hierüber spricht Walther in einem Briefe ddo.
              <date
            when="1570-09-06">6. Sept. 1570</date> an den geheimen Rat und Hofvizekanzler
              <persName>Kobenzl</persName>, der sich als Beilage in den Hofkammerakten 1570 Sept.
            Nr. 27 vorfindet.</note> in Erwägung der ihm und seinem Vater Kaiser Ferdinand "in die
          42 jar lang auch bis in seine Grueben gelaister ansehnlicher erspriesslicher, beharriger
          und getreuer gehorsamer fleissiger Dienste ... zumal weil er unser, die Zeit seines
          Dienens mit Ansuechen und Begerung der Gnaden gehorsamblich verschont, auf einmal 6000 fl.
          Gnadengelt bewilliget" habe und befiehlt ihr, das Nötige aufzurichten (Hofkammerakten 1585
          April 86 Originalkonzept). Dem hier von maßgebender Stelle ausgesprochenen Lobe Walthers
          braucht wohl nichts beigefügt zu werden; zur Charakterisierung seines Verhaltens im
          Dienste gegenüber seinem Landesherrn ist es wohl völlig ausreichend; er hat, was ihm
          gebührte — wie zahlreiche Eingaben zeigen —, wenn man es ihm schuldig blieb, begehrt,
          darüber hinaus aber niemals etwas angesprochen.<note
            n="36"
              place="foot">Zu den in der
            älteren Literatur erwähnten kärglichen Daten aus dem Leben Bernhard Walthers siehe —
            außer den bereits zitierten — auch Jöcher Allg. Gelehrtenlexikon und Zedler
            Universallexikon (beide unter Berufung auf Geßners Bibliothek); ferner Denis Wiener
            Buchdruckergeschichte. Die Daten sind vielfach ungenau; so, um nur eines hervorzuheben,
            wird von Denis die bei Jöcher mitgeteilte Notiz, Walther habe zu Graz gelebt, schlankweg
            für unmöglich erklärt! Die kurzen Angaben bei <ref
            target="http://www.literature.at/collection.alo?from=1&amp;to=50&amp;orderby=author&amp;sortorder=a&amp;objid=11104&amp;page=">Wurzbach Biogr. Lex. Bd. 53 S. 22</ref> beruhen auf der Darstellung bei Jöcher und
            enthalten gleich diesen nur die dürftigsten Daten. Vgl. auch Buchholtz Gesch. Ferdinands
            I. Bd. VIII S. 237; Chorinsky Beiträge S. 12 ff.; Aschbach-Horowitz Gesch. der Wiener
            Univ. III S. 294</note> Der Erzherzog hingegen hat sein <pb
            n="18"/> erfolgreiches
          Wirken voll anerkannt und nach seinem Tode durch die für diese Zeit unerhörte Höhe des
          Gnadengeldes an seine Erben gewürdigt.<note
            n="37"
              place="foot">Aus dem Leben seiner
            Nachkommen sei hier nur noch erwähnt, daß seine beiden Söhne zweiter Ehe, Stephan und
            Bernhard, sich 1604 an die steirische Landschaft um Erteilung der Landmannschaft
            wandten. Zur Unterstützung ihres Gesuches führen sie an: Demnach nun unser baider
            Gebrueder Steffan und Bernharten Walthern zu Walthersweil Vorältern sich eine ziemliche
            Zeit in denen österreichischen Diensten befunden, also daß unser Uhrähn Iobst Walther
            Ir. R. K. Mt Maximilian I Rath, unser Öhn Hieronymus W. Kaiser Karl V Rat, vnser Vater
            Bernhardt Walther K. Ferdinandi und volgunds I. F. Drchl. Erzh. Carls zu Oesterreich
            hochsel. Gedächtnuss Rath gewest, in welchen Diensten er 42 Iar lang gehorsambst
            zugebracht, wie dann mein Brueder und ich bei hochstgemelter I. F. Drchl. gleichfalls
            gehorsambst gedient und ich mich nun auch in das 11. Iahr bei I. F. Dr. Eh.
              <persName>Max Ernesto zu Osterreich</persName> für dero unwirdigsten Camrer gebrauchen
            und derselben noch bis dato gehorsambist dienen thue, Wann dann wir baide Gebrueder
            Vorhabens sein, mit erster fürfallender Gelegenheit ein Landgut zu kaufen und uns in das
            gemein dieses L<hi
              rend="sup">a</hi> mitleiden einzuverleiben und zu verbinden, also
            dass wo wir einer Er. L<hi
              rend="sup">a</hi> zu dero wolfahrt dienen khönen, wir unss
            alle Zeit willig und berait darzu fünden wollen lassen ... Sohin bitten sie um Aufnahme
            in die Landmannschaft, die ihnen auch unter Anerkennung der Dienste ihres Vaters gewährt
            wird (<date
              when="1604-01-13">13. Januar 1604</date>, Steir. Landesarchiv, Abt.
            Landsmannschaftsakten Bd. I Nr. 16. Vgl. Steir. Landesarchiv Abt. B L<hi
              rend="sup">a</hi> Urkunden D 15, wo die Gebrüder Walther den Landmannschaftsrevers
            ausstellen).<lb/> 1642 erhebt Kaiser Ferdinand III. den Erhardt Walther von Walthersweil
            zu Türpach zum Reichsfreiherrn und gestattet ihm die Vereinigung seines Wappens mit dem
            seiner Schwiegermutter <persName>Maria Pürkherin</persName>, geborenen von Hollenburg,
            als der Letzten ihres Namens und Stammes. Eine Kopie des Freiherrndiploms befindet sich
            im steir. Landesarchiv und werden in der Verleihungsurkunde alle Verdienste der Familie
            — auch des nach Spanien gelangten Zweiges — aufgezählt.<lb/> In Macher Graecium inclyti
            ducatus Styriae Metropolis topogr. descript. 1700 findet sich unter den illustres
            familias, quae comitia frequentant noch die Familie Walther de Walthersweil L. B.
            angeführt. In Franz Leop. Freih. v. Stadls "Hellleuchtender Ehrenspiegel des
            Hertzogthumbs Steyr (1732-1741, Handschrift des steir. Landesarchivs) fehlt der Name der
            Familie. Einzelne Daten über die Familie bei Zahn in der Sammlung Chorinsky Misc. jur.
            Heft 5 S. 29 ff. S. auch oben <ref target="#Note9">Anmerkung 9</ref>.</note>
          <pb n="19"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="TA.3">
        <head>II.</head>

        <p>Es ist nicht der Zweck dieses kurzen Aufsatzes, ein völliges Bild von Walthers Leben und
          Wirken — soweit dies überhaupt möglich wäre — zu versuchen. Das stünde mir auch nicht zu.
          Liegt doch sein Hauptverdienst ohne Zweifel auf dem Gebiete des österreichischen Rechtes,
          wo er, "der Verfasser der berühmten aurei tractatus juris Austriaci" "dem heimischen
          Rechtsbrauch einen Platz neben dem gemeinen Recht zu erhalten" (<ref
            target="#365">Worte Luschins a.a.O.</ref>) bemüht war. Ich freue mich
          daher, mitteilen zu können, daß mein Kollege an der Grazer Universität, Prof.
            <persName>Max Rintelen</persName>, sich bereit erklärt hat, seinerzeit Walthers
          Bedeutung in dieser Hinsicht einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen, zu welchem
          Behufe auch all die vielen von Walther vorhandenen und niemals gedruckten Traktate über
          die verschiedensten Materien heranzuziehen sein werden.<note
            n="38"
            place="foot">So die
            auf der Hofbibliothek zu Wien vorhandenen Manuskripte (über dieselben Aschbach-Horawitz
            III); die auf der Bibliothek des Stiftes St. Peter in Salzburg befindliche Handschrift
            von 189 Blättern (Format 225 x 296 cm; Ende des 17. Jahrh. Sign. b. VIII 30 Tractatus
            varii juridici); ferner die Manuskripte der Münchner Hof- und Staatsbibliothek Nr. 1154
            und 1155. (S. Catalogus codicum manuscriptorum bibl. Reg. Monacenesis Tom. V.) Für die
            Angaben über das in St. Peter vorhandene Manuskript sei hiemit Herrn Stiftsbibliothekar
            P. <persName>Augustin Jungwirth</persName> verbindlichster Dank abgestattet. Daß
            Handschriften von Walthers Traktaten dortselbst sich finden, ist bereits von Koch in den
            Österr. Blättern f. Literatur u. Kunst 1844 verzeichnet. Auch an anderen Bibliotheken,
            so z. B. in Laibach, Admont, Graz, befinden sich handschriftliche Werke Walthers.<lb/>
            Auch das Stift Zwettl (Cod. Manuscr. rechtshist. Nr. 1) besitzt eine Handschrift, welche
            einige aufs österreichische Recht bezügliche Arbeiten Walthers enthält. Beilage 1 bringt
            eine Übersicht der in dieser Handschrift enthaltenen Arbeiten Walthers und jener, welche
            in der Druckausgabe der Suttingerschen Consuetudines austriacae als "tractatus aureus"
            herausgegeben sind. Näheres hierüber: Sammlung Chorinsky Misc. jur. Heft 8 S. 289 ff.,
            woselbst auch ein Gutachten des Landuntermarschalls <persName>Kirchberger</persName> zu
            einer der Abhandlungen Walthers (Über Abfertigung von Witwen usw.) wiedergegeben ist.
            Über einen Cod. Manuscr. der Bibliothek des k. k. Landesgerichtes Wien, das Walthersche
            Traktate enthält, s. Sammlung Chorinsky Misc. jur. Heft 3 S. 298. Darüber, daß sich
            Walthersche Traktate fast in jedem heimischen Archive, oft in mehreren Exemplaren,
            vorfinden, s. Motloch Karl Graf Chorinsky, ein Nachruf S. 15 Anm. 1.</note> Ich möchte
          hier bloß <pb
            n="20"/> Walthers schriftstellerische Tätigkeit nach einer — soviel ich sehe
          — bisher gänzlich unbeachtet gebliebenen Seite ins Auge fassen und seine romanistischen
          Studien, die er in den Miscellaneae niedergelegt, in Kürze besprechen. Er hat dieselbe
          1546 zum ersten Male drucken lassen<note
            n="39" place="foot">Im gleichen Jahre erschien
            aus Walthers Feder ein Werk <ref
              target="http://www.worldcat.org/oclc/504451913">de
              dialectica ex jure libri tres. Norimbergae apud Iohann Petreium Anno 1546</ref> (das
            einzige Exemplar, das ich aufzufinden vermochte, befindet sich auf der Berliner königl.
            Bibliothek, Signatur: F. K. 8762). Dasselbe ist dem österreichischen Kanzler
              <persName>Beck von Leopoldsdorff</persName> gewidmet und gibt Walther über die
            Entstehung des Werkes und seine Tätigkeit in den ersten Jahren seines Wiener
            Aufenthaltes in der Vorrede einige Andeutungen, so daß es geboten erscheint, den Text
            dieser Vorrede hier in extenso anzuführen: Ante armos plus minus quatuor vir Magnifice
            Dialectiae praecepta ex jure civili pontificioque ingenii exercendi causa composui, quae
            cum Magnificentiae tuae probari videre animus mihi subiit exemplaribus aliquot amicorum
            auditorumque meorum causa ea propagare. Ne tamen rudia, quem admodum principio paucorum
            dierum spatio conscripseram, in aliorum manus venirent, editionem minime praecipitandam
            esse censui, si forte otium aliquod iis recognoscendis, mihi daretur. Sed quanto diutius
            libellum pressi, eo minus otii ad recognoscendum mihi concessum est: usque adeo negotiis
            forensibus in dies magis magisque obrutus sum, accedente praesertim publico profitendi
            munere. Ne tamen libellus diutius prematur, sed tandem ad amicorum auditorumque manus
            venire possit, per hosce dies eum quantum quidem potui, succisivis horis recognovi Qui
            si M. tua probabitur, non valde solicitus ero, quid alii de illo iudicent. Ea enim
            doctrina prudentiaque praeditus es, ut tu unus (quod de Platone Antimachus iudicavit)
            omnium instar mihi merito esse debeas. Sane si M. tua in hoc scribendi argumento versari
            vellet, nemini dubium est, quin id multo melius quam a me factum est, praestare posset.
            Sed praestat, te hisce minutiis relictis, id quod officii tui est agere. Nam qui
            Dialecticam ex jure tradere possunt, plures fortassis sunt. At qui tanta dexteritate
            amplissimo Cancellariatus officio his praesertim periculosis temporibus praeesse queant,
            haut facile quisquam reperiatur. Vale vir Magnifice, Viennae Austriae cal. Novemb. anno
            post Christum natum 1545. Der so Apostrophierte ist <persName>Markus Freiherr Beck von
              und zu Leopoldsdorff</persName>, zwischen 1524 und 1537 Vizedom in Niederösterreich,
            später k. k. Rat und Regimentskanzler. Über ihn s. <ref
              target="http://books.google.at/books?id=1LhBAAAAcAAJ">Wißgrill Schauplatz des
              landsässigen niederösterr. Adels 1794 I. Bd. S. 326 ff.</ref> und <ref
            target="http://books.google.at/books?id=-5NAAAAAcAAJ">Kneschke Neues allg. deutsches
              Adelslexikon I S. 255</ref>. Das Werk hat 76 Seiten Oktav, ist also eine kurzgefaßte
            Einführung in die Dialektik, diese von Walther für die Studierenden wie für die Praxis
            hoch eingeschätzte Disziplin. Im 1. Buche handelt es von Definitionen und Divisionen, im
            2. von den verschiedenen Formen der Argumentationen, im 3. de locis, unde ceu ex penu
            argumenta depromuntur; hier unterscheidet er loca personarum und loca rerum und fügt zur
            Begründung dieses Abschnittes bei: Et si vero Alciatus lib. II de verb. sign. in fine,
            hanc dialecticae partem nihil ad jurisconsultos pertinere contendat, re ipsa tamen
            comperimur, quam infoeliciter in jure versentur, qui vel minimam dialecticae partem non
            didicerunt. Nec enim aliam ob causam Cicero Servium praefert Scaevolae, quam quod
            dialecticam iuris scientiae adiunxerat. Sed ex Labeonem Artistium ad enodandos iuris
            laqueos dialectica plurium adiutum esse, Gellius lib. 13 c. 10 scribit. Itaque quae de
            locis dicturi sumus, minime spernenda esse arbitror. Sunt autem loci duplices, alii
            personarum, alii rerum, ut recentiores Dialectici tradunt. De rerum locis plurimi
            Iurisconsulti scripsere. Sed de personarum locis nihil a quoquam scriptum extat. Für
            diesen letzteren Abschnitt kommen nach Walther in Betracht: patria, sexus, parentes,
            educatio, mores, vitae, genus, aetas, mors. Daß Walther auch in den Miscellaneae sich
            gelegentlich auf die dialektischen Grundsätze beruft, ist selbstverständlich, so lib. I
            c. 2, c. 14, c. 30; II c. 11; III c. 4.</note> und am Abende <pb n="21"/> seines Lebens
          in bedeutend erweitertem Zustande neuerlich herausgegeben. Das Werk scheint ihm also recht
          am Herzen gelegen gewesen zu sein.</p>

        <p>Bekanntlich sind <persName>Alciatus</persName> und <persName>Budaeus</persName> nächst
            <persName>Zasius</persName> die Reformatoren der Rechtswissenschaft im 16. Jahrhundert.
          Hatte Budaeus gezeigt, wie man die antiquarischen und sprachlichen Kenntnisse für die
          Interpretation der juristischen Quellen verwenden könne, so bemühten sich Alciat und
          Zasius ihrerseits, die wichtigsten Stellen des corpus juris "so richtig zu erklären, wie
          es seit sechs Jahrhunderten nicht geschehen".<note
            n="40" place="foot">
            <ref target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000162.jpg">Stintzing Gesch. der deutschen Rechtswissenschaft I
              162</ref>.</note> Den Geist des Humanismus in die Jurisprudenz zu tragen, war ihnen
          gelungen, und insbesondere war es, wie <persName>Duarenus</persName>
          <note n="41"
            place="foot">... juris scientiam a literis elegantioribus non abhorrere. Alciato igitur hoc
            debemus, quando etsi iuventutem instituendo in minutis quibusdam et fatilibus magis quam
            subtilibus quaestionunculis nimis haeserit, tamen primus omnium animos invenum ad hanc
            elegantiae cum iurisprudentiae coniunctionem excitavit. (Oratio recitata in cooptatione
            D. Nicolii Bugnerii 1552. Ausgabe Frankfurt 1598 p. 1115.)</note> bezeugt, dem Alciat zu
          verdanken, "daß der <pb
            n="22"/> Geist der Jugend zur Verbindung der Jurisprudenz mit den
          literae elegantiores angeregt worden sei".<note
            n="42" place="foot">Worte <ref
            target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/content/PPN372047610/800/0/00000367.jpg">Stintzings a.a.O. S. 367</ref>. Speziell über die
            Bedeutung Alciats als Stifter der humanistischen Schule des 16. Jahrhunderts s. Möller
            Andreas Alciat in den Studien zur Erläuterung des bürg. Rechtes, herausgeg. von
            Leonhard, Heft 25 S. 91, 93 ff. über die Bedeutung des Humanismus als der in der Antike
            wurzelnden Geistesbildung für den heutigen Juristen s. neuestens Kipp Humanismus und
            Rechtswissenschaft.</note> Zu denjenigen, auf welche Alciatus in diesem Sinne eingewirkt
          hat, gehört Bernhard Walther; fast jede Seite seines Werkes Miscellaneorum ad jus
          pertinentium libri quatuor beweist dies. Bekämpft er auch in vielen Fragen speziell die
          Ausführungen seines Meisters,<note
            n="43" place="foot">So, um eine Reihe solcher Stellen
            anzuführen, lib. I c. 19, 21, 23, 24, 31; lib. II c. 1, 17, 18, 38; lib. III c. 9, 17,
            28, 32; lib. IV c. 10, 33.</note> so folgt er ihm doch in der Methode.</p>
        <p>Die Miscellaneae sind in erster Auflage zu Wien in der officina Syngreniana unter dem
          Titel: <ref
            target="http://www.worldcat.org/oclc/504451923">Miscellaneorum libellus
            Bernhardi Waltheri I. U. Doct. Vienna Austr. A. d. 1546</ref> erschienen,<note
            n="44"
            place="foot">Denis Wiener Buchdruckergeschichte bis 1560 S. 424.</note> also zu
          einer Zeit, in der aus verschiedenen Gründen sehr wenig Werke gedruckt wurden.<note
            n="45"
            place="foot">S. Denis Merkwürdigkeiten der Garellischen Bibliothek S. 275.</note>
          Diese Ausgabe enthält 18 Kapitel. In den Jahren 1548 und 1549 erschienen Fortsetzungen,
          welche die cap. 19-36, beziehungsweise cap. 37-44 brachten.<note
            n="46"
            place="foot">S.
            Mayer Wiens Buchdruckergeschichte 1482-1882 Bd. I S. 59 sub. Nr. 217.</note> In dieser
          Gestalt, 44 Kapitel enthaltend, findet sich das Werk in der Wiener Dominikaner-Bibliothek
          (Sign. R. R. II. 10. Nr. 12.396) vor und konnte von mir eingesehen werden.<note
            n="47"
            place="foot">Das bei Denis a.a.O. S. 424 erwähnte Exemplar, das sich auf der
            Ratsbibliothek zu Wien befand — diese ist bekanntlich in der kaiserl. Hofbibliothek
            aufgegangen —, war mir des Krieges halber erst jetzt (Okt. 1917) zugänglich. Dasselbe
            deckt sich vollständig mit dem aus 18 Kapiteln bestehenden ersten Teile des Exemplares
            auf der Wiener Dominikaner-Bibliothek, wie die Vergleichung ergab.</note> Daß sich
          Walther von Haus aus mit dem Gedanken getragen hat, die Arbeit, welche er in <pb n="23"/>
          dem Werkchen von 18 Kapiteln geleistet, zu erweitern, deuten wohl die Worte der Vorrede zu
          dieser 1. Ausgabe an: Erunt fortasse, qui libellum nimis exiguum damnabunt, verum hi
          cogitent, argumentum eius modi esse, quod a me quotidie augeri possit.</p>

        <p>Ein vollständiges Exemplar des Werkes befindet sich auf der Grazer
          Universitätsbibliothek: Bernhardi Waltheri Miscellaneorum ad jus pertinentium libri
          quatuor ab eodem recogniti et aucti; cum licentia Superioritatis. Grezii Styriae, anno
          domini 1574. (Sig. 109/40 C, I 21 778.) Hier enthält Buch I 39 Kapitel, Buch II 42
          Kapitel, Buch III 39 und Buch IV 37 Kapitel. In dieser sehr wesentlich erweiterten Ausgabe
          ist das Werk offenbar gleichfalls sukzessive erschienen, denn Buch I und II enthalten eine
          gemeinschaftliche, vom <date
            when="1572-01-25">25. Januar 1572</date> datierte Vorrede,
          während Buch III und IV je eine 1573 datierte Vorrede besitzt.<note
            n="48"
              place="foot">Die Vorrede zum III. Buch trägt bloß die Jahreszahl 1573, während die zum IV. Buch die
            Datierung <date when="1573-07-18">18. Juli 1573</date> hat.</note>
        </p>
        <p>In der Grezii Styriae XXV die Ianuarii Anno domini 1572 datierten Vorrede zu Buch I und
          II der Gesamtausgabe vom Jahre 1574 gibt Walther selbst ein Stück der
          Entwicklungsgeschichte dieses seines romanistischen Werkes mit den Worten wieder:
          Conscripseram anno post nativitatem I. Chti 1546 Miscellaneorum libellum ad jus
          pertinentem, quem Viennae Austriae aliquot exemplaribus excudendum curavi, eundemque
          postea anno 1548 et 1549 auctiorem reddidi. Ex illo autem tempore aliis occupatus
          negotiis, totam fere curam augendi libelli deposui, donec nuper otium ad aliquot menses
          nactus essem, quo tempore ea quae iam antea excussa erant, obiter recognovi. Et cum inter
          recognoscendum pleraque non omnino omittenda (ut mihi videbatur) oecurrerent, nolui
          intermittere, quin et illa annotarem et novis capitibus complecterer. Quae quidem capita,
          in eum numerum excreverunt, ut iam priori libro secundum adiecerim.</p>

        <p>Über den Zweck seiner Arbeit finden wir bei Walther an zwei Stellen Auskunft. Am Schlusse
          der 1549 edierten Fortsetzung richtet Walther eine Zuschrift an <persName>Freiherrn von
            Herberstein</persName>,<note
            n="49"
              place="foot">Wohl <persName>Siegmund Freiherr von
              Herberstein</persName>, geb. 1486, gest. 1566. Derselbe war unter anderem auch
            Präsident der niederösterreichischen Kammer. Über sein Leben siehe seine interessante
            Selbstbiographie in <ref
            target="http://books.google.at/books?id=KZQxAQAAIAAJ&amp;pg=PA67">Fontes rerum
              austriacarum I 67-396</ref> und Luschin Herbersteiniana, S.-A. der Beiträge zur Kunde
            steiermärk. Geschichtsquellen.</note> in welcher er mitteilt, daß er das Büchlein nur
          für Freunde drucken ließ und dasselbe dem Schutze Herbersteins empfehle. In dieser
          Zuschrift heißt es: Est enim libelli argumentum eius modi, ut ubique fere ceterorum
          interpretum opinionibus refragetur. Quam ob rem defensore etiam apud amicos non parum
          indiget. Und in der Vorrede vom Jahre 1572 zur erweiterten Ausgabe des Jahres 1574 sagt
          Walther: In his autem libris institutum meum fuit, non aliena, jam antea in lucem edita
          interpolare et pro meis venditare, sed ea potissimum in medium adferre, quae forte ab
          aliis aut non recte, aut non omnino non sunt explicata. Qua in re magni nominis
          interpretum exempla secutus sum, qui et ipsi non contenti vulgaribus interpretationibus
          pleraque proprio ingenio aliter quam ante ipsos factum est, interpretati sunt. Nolim tamen
          in iis, quae a me tradita sunt ita refractarius esse, ut aliis cedere nolim: sed illa
          omnia aliorum relinquo iudicio.<note
            n="50" place="foot">Bei Lipennius (Ausg. 1775 Supp.
            C.) werden von Walthers Miscellanea folgende Ausgaben erwähnt: Coloniae 1573 (Oktav),
            Grecii 1575 (Quart) und Coloniae 1596 (Oktav). In den handschriftlich vorhandenen
            Annales typogr. Colonienses von K. v. Büllinger, welche in den Jahren 1830-1850
            ausgearbeitet wurden und sich in der Kölner Stadtbibliothek befinden, ist II 192 bloß
            erwähnt: Miscellaneorum ad. jus pertin. libri duo. Auth. Bern. Walthero. Col. I.
            Gymniceus 1573 (Oktav). Über den Druck vom Jahre 1596 enthält Büllinger nichts.
            (Freundliche Mitteilungen des Herrn Prof. Hausen, Direktors des Histor. Archivs zu Köln
            a. Rh., für die auch an dieser Stelle verbindlichster Dank ausgesprochen wird.) Eine
            Ausgabe Grecii 1575 vermag ich nicht festzustellen; ebensowenig eine bei Geßner Bibl.
            erwähnte Ausgabe Köln 1583. Eine Ausgabe Grezii 1574 besitzt die Wiener Hofbibliothek.
            Unter Berufung auf Geßner erwähnen sowohl Eder Catalog. rect., als auch
            Aschbach-Horawitz a.a.O., daß zu Venedig II libr. Miscellaneorum ad jus pertin. von
            Walther erschienen seien. Der volle Titel lautet: Miscellaneorum ad ius pertinentium
            libri duo, nunc recens in lucem editi, Venetiis, Ad candentis salamandrae insigne 1572.
            Ein Exemplar dieser Ausgabe hat die Wiener Hofbibliothek.</note>
          <pb n="25"/> So wird denn die eigene Auffassung der Ansicht der ceteri doctores oder der
          eines besonders hervorragenden Gelehrten entgegengesetzt, z. B. I c. 2, c. 12, c. 19, c.
          20, c. 24, c. 28, c. 31, c. 34, c. 38; II c. 1, c. 8, c. 21, c. 26, c. 32, c. 33, c. 39 ;
          III c. 1; IV c. 6 u. a. m.</p>

        <p>Was die Methode anlangt, so folgt Walther, wie bereits gesagt, dem von seinem Meister
          eingeschlagenen Wege; die nicht juristische Literatur wird vielfach zur Erklärung
          juristischer Quellen verwendet, so insbesondere <persName>Plautus</persName>,
            <persName>Juvenal</persName>, <persName>Terenz</persName>,
            <persName>Suetonius</persName>, <persName>Macrobius</persName>,
            <persName>Plinius</persName>, <persName>Gellius</persName>, <persName>Cicero</persName>
          und <persName>Ovid</persName>; andererseits werden aber auch manche Stellen der genannten
          Autoren wieder aus Gesichtspunkten der juristischen Quellen zu erklären versucht, worauf
          hier natürlich nicht eingegangen werden kann.<note
            n="51"
            place="foot">So werden, um
            einige Beispiele anzuführen, Ausdrücke bei <persName>Cicero</persName> (Misc. lib. I c.
            6), <persName>Vergil</persName> (lib. I c. 26, III 8), <persName>Plautus</persName>
            (lib. I 32), <persName>Ovid</persName> (lib. III 7), <persName>Plinius</persName> (lib.
            III 8), <persName>Terenz</persName> (lib. IV c. 19) erklärt.</note> Auch Urkunden sowie
          Inschriften werden zur Erläuterung und Aufhellung damals unklarer Quellenstellen
          gelegentlich herangezogen.<note
            n="52"
              place="foot">So gibt Walther (lib. II c. 12) einen
            kleinen Exkurs über die Beschaffenheit der notae im Anschluß an die Schrift des
              <persName>Valerius Probus</persName> und zitiert hiebei in extenso das in notae
            geschriebene Testament des <persName>Sempronius Tucidanus</persName>, das er dem Buche
            Epigrammata antiquae urbis entnimmt. (Die <ref
              target="http://edit16.iccu.sbn.it/scripts/iccu_ext.dll?fn=10&amp;i=18162">epigrammata
              antiquae urbis c. figuris aeneis Rom. Mazodici 1521</ref> sind angeführt bei Georgi im
            1. Supplementband zu seinem Allg. europ. Bücherlexikon 1750.)<lb/> Ein anderes
            Testament, auf das sich Walther II c. 12 beruft, ist das des <persName>Gallus Tavonius
              Iucundus</persName>, das aus <ref
              target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marliani1588">Marliani Urbis Romae
              Topogr. p. 118</ref> entnommen ist.<lb/> Lib. II c. 6, II c. 31 werden Inschriften zur
            Erklärung herangezogen; an ersterer Stelle, um in l 2 § 30 D. de orig. jur. 1. 2. eine
            Emendation vorzunehmen, an letzterer, um anläßlich der Besprechung von <ref
              target="/o:repat.ciciv-inhalt#I.2.19.7">§ 7 Inst. de hered. qualitate et diff.</ref> — nach Polemik
            gegen <persName>Viglius</persName> — Literaten und insbesondere Grammatikern die Frage
            vorzulegen, ob heres oder haeres zu schreiben sei. Ferner zieht Walther zur Erklärung
            von <ref
              target="/o:repat.ciciv-inhalt#I.1.2">§ 6 I. de jure natur. 1. 2</ref>. ("lege Regia") die
            tabula aenea heran, die apud. Sanctum Ioannem in Laterno sich befand. (Hiezu <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015058359160">Krüger Gesch. der Quellen</ref>
            S. 229.)</note> Der Tradition wird mutig der Krieg angesagt.<note
            n="53"
            place="foot">So
            bekämpft Walther bald die Glossen und die Doctores, bald die Recentiores (lib. I c. 2,
            c. 11, c. 19, c. 20, c. 28, c. 31, c. 34, c. 38; lib. II c. 23, c. 26, c. 38; lib. IV c.
            1), bald <persName>Accursius</persName> (lib. I c. 29; II c. 8; III c. 23, c. 24, c. 26;
            IV c. 6, c. 9; <persName>Castro</persName> lib. I c. 16; <persName>Iason</persName> lib.
            I c. 37; <persName>Bartolus</persName> lib. II c. 20; IV c. 24), aber auch seinen Lehrer
              <persName>Alciatus</persName> (lib. I c. 23, c. 38; lib. III c. 13, c. 38; lib. IV c.
            5), <persName>Zasius</persName> (lib. I c. 12; lib. II c. 7),
              <persName>Viglius</persName> (lib. II c. 31) u. a. m.</note> Immer geht Walther von
            <pb
            n="26"/> den Quellen selbst aus und verwendet zu ihrer Erklärung die
          verschiedensten, auch aus anderen Wissensgebieten herbeigeholten Argumente. Dabei leitet
          ihn das Bestreben, nur seine eigensten Ansichten vorzubringen, wie er dies ja auch in der
          Vorrede ausdrücklich betont. Die Literatur seiner Zeit wie die altüberlieferten Werke
          werden hiebei — soweit ich dies verfolgen konnte — sorgfältig berücksichtigt. Wie sehr
          Walther bemüht war, fremdes geistiges Eigentum als solches hervorzuheben, zeigt sich an
          mehreren Stellen seines Werkes: so lib. I c. 10: et sane quidam in Patavino gymnasio
          arbitrabatur Paulum in d. 1. Iurisconsultus parentes, non de significatione vocabuli
          parentum agere, sed longe aliter significare. Gelegentlich sei bemerkt, daß er diese
          Ansicht bekämpft, die er durch einige Jahre für neu gehalten, bis er sie dann später auch
          bei <persName>Jason</persName> gefunden; lib. I c. 13: verum ea res ex Corn. Tac. lib. 3
          Annalium explicari potest, quod Iurisconsultus quidam ad me perscripsit; lib. I c. 15: De
          hac difficultate nuper mihi cum viro docto antiquitatum investigatore experientissimo
          sermo fuit; lib. I c. 21: Ego igitur quod a iurisconsulto quodam in gymnasio Viennensi
          quandoque accepi, in medium adferam; lib. II c. 9: Sed hanc rationem quidam legum
          professor minimum admittendam esse censebat; lib. II c. 28: Ego igitur arbitror, quod
          olim, nescio a quo, audivisse videor, hanc glossam aliter intelligendam esse. Man darf
          selbstverständlich an dies Jugendwerk Walthers, an dem er bis in sein Alter hinein feilte,
          nicht jenen Maßstab anlegen, der einer von einem einheitlichen Gedanken getragenen,
          großangelegten Arbeit gegenüber am Platze wäre. Sind es doch Miscellaneae von
          verschiedenartigem Wert. Immerhin aber verdienen meines Erachtens diese gelegentlichen
          Arbeitsresultate eines reichen Geistes, der allen Fragen möglichst auf den Grund gehen
          will, auch heute noch — wenn auch bloß vom Gesichtspunkte rein historischen Interesses —
          Beachtung <pb n="27"/> und können das ihrige zur Würdigung Walthers beitragen, dem in der
          Literaturgeschichte ein Platz als Schüler <persName>Alciats</persName> gebührte.</p>
      </div>
      <div xml:id="TA.4">
        <head>III.</head>
        <p>Um einen Einblick in den reichen Komplex von Fragen zu geben, die Walther erörtert, sei
          zuerst auf die Textesänderungen verwiesen, die er vorschlägt. Natürlich greife ich aus dem
          vorliegenden Material bloß einige Beispiele heraus. Walther beruft sich bei solchen
          Vorschlägen bald auf die inhaltliche Unmöglichkeit der damals allgemein üblichen Lesart,
          bald darauf, daß in anderen, ihm bekannt gewordenen vetustiora exemplaria ein anderer
          Ausdruck sich vorfinde. In dieser Hinsicht seien hier erwähnt: l 3 D. de iurisdict. 2. 1
          (lib. I c. 2), wo für die Lesart "iudicis dandi" gegen die Konjektur des
            <persName>Viglius</persName> "iuris dicendi" eingetragen wird, was heute allgemein
          anerkannt ist; I. de leg. 2. 20 § 1 haben die in den damaligen Drucken enthaltenen Worte
          der Legatsdefinition "ab haerede praestanda" wegzufallen (lib. I c. 7); in Mommsens
          Ausgabe sind dieselben nicht enthalten; l 1 D. de div. reg. jur. 50. 17 ist conjectio (wie
          dies jetzt auch in Mommsens Ausgabe zutrifft), zu lesen, statt der damals üblichen
          coniunctio (lib. I c. 21); zu l 16 pr. D. 4. 4 wird lib. I c. 31 mitgeteilt sed ego in
          quibusdam codicibus non alia "sed aliqua" legi video; l 2 D. § 30 de orig. jur. 1. 2
          schlägt Walther vor, II c. 6 statt flatores "flandi feriendi" zu lesen ; nam cum
          Iustinianus Imp ... constituisset ut pandectarum codex non signis, sed sola literarum
          consequentia scriberetur fieri potuit ut is qui apud Pomp. AA. A. A. F. F. scriptum
          reperit, pro "flandi feriendi" "flatoris" substituerit.</p>

        <p>Zu l 1 § 1 D. de verb. obl. 4511 wird II c. 21 bemerkt: reperio in margine annotatum in
          scriptis exemplaribus aliter legi nempe hoc modo; "intervallum enim medium non". Diese
          Lesart ist heute bei Mommsen gleichfalls angenommen und dazu die von Walther bekämpfte
          "modicum" in der Anmerkung angeführt; l 1 D. si quis jus dicendi 2. 3. Hier will Walther
          lib. III c. 1 nicht, wie dies allgemein auch heute der Fall ist, lesen: Is videtur ius
          dicenti non obtemperasse, qui quod <pb n="28"/> extremum in iurisdictione est, non fecit,
          sondern "Is non videtur ius dicenti non obtemperasse qui quod extremum in jurisdictione
          est, fecit". Nam particulam "non" a librariis transpositam suspicor. Diese von ihm
          vertretene Lesart, auf welche er auch die Erklärung der l 68 D. 6. 1 aufbaut, findet sich
          in der 1534 zu Lugdunum gedruckten Ausgabe, auf welche sich Walther beruft (lib. III c.
          1); l 46 D. 26. 7 will Walther III c. 10 reliqua contraxit lesen, statt reliqua traxit,
          wie dies die Glosse tut; l 7 Cod. 10. 19; in den damals üblichen Texten hieß es missi
          opinatores i. e. exactores militaris annonae. Diese Worte bestreitet Walther und glaubt
          lib. IV c. 12, sie seien "ab aliquo studioso interpretationis causa ad marginem adnotata
          et a librariis ex errore in contextum constitutionis relata"; die spätere Zeit gibt ihm
          hierin Recht; bei Krüger finden sie sich nicht mehr im Text, sondern sind in die
          Anmerkungen verwiesen. In ebenderselben Stelle will Walther für eine Lesart tabularius
          fideliter prodere statt providere eintreten ; l 2 C. de cens. et censitor. 11. 58; Walther
          IV c. 21 will hier in dem Satze Quisquis vitem succiderit auf feracium ramorum fetus
          vetaverit statt letzteren Wortes "vietaverit" lesen; dabei bemerkt er, daß er am Rande von
          Texten die Worte "necaverit, alias vitaverit" verzeichnet gefunden habe. Bei Mommsen steht
          jetzt im Texte hebetaverit. Vgl. auch Walther Misc. II 36, III 11, III 37, IV 1, IV 5 u.
          a. m.</p>

        <p>Auch Änderungen im üblichen Texte einiger nicht juristischer Schriften werden
          gelegentlich von ihm in Vorschlag gebracht, so lib. I c. 6 bez. Cicero de off. libr. 3;
          bez. Plautus lib. I c. 27 Aulalaria; lib. III c. 18 bez. Caesar de bello Gall. lib. I;
          lib. IV c. 15 bez. eine Stelle des Suetonius betr. Titus Vespasian; lib. III c. 7 bez.
          Vergil Georg lib. 3; lib. III c. 8 bez. Plinius lib. 9 epistolae u. a. m. Entsprechend dem
          Titel handelt es sich Walther bei diesem Werke um eine Reihe von Fragen, die in keinem
          Zusammenhang miteinander stehen, um Arbeitsresultate, die sich ihm gelegentlich der
          Durchforschung der Rechtsquellen überhaupt boten. Dabei werden bald einzelne
          Quellenstellen mehr minder eingehend besprochen (Beispiele dieser Art I 17, 22; II 11, 18,
          26, 34, 37; III 32, 39; IV 9, 20, 24 u. a. m.), bald wird eine Vereinbarung einander
          widersprechender Quellen versucht (so I 5, III 38, IV 2,IV 3, <pb
            n="29"/> IV 9, IV 34 u.
          a. m.).<note n="54" place="foot">So z. B. l 14 D. de inoff. test. 5. 2, l 1. D. si a
            parente quis mann. 37. 12, l 59 § 2 D. de mann. test. 40. 4, l 134 D. de verb. obl. 50.
            16, l 13 § 2. C. de iud. 3. 4, l 21 § 3 C. de test. 6. 23, l 7 C. de dot. prom. 5. 11, l
            24 C. de lib. caus. 7. 16, l 2 C. de debil. civ. 11. 33, l 6 Cod. de re mil. 12. 35 (36)
            u. a. m. erklärt und l 24 c. de lib. causa 7. 16 mit l 41 C. 7. 16, l 37 D. de vulg.
            subst. 28. 6 mit l 87 § 2 de leg. II, l 17 pr. D. de leg. I mit l 164 D. de verb. sig.
            50 16, l 23 D. de donat. inter vir. 24. 1 mil. l 32 pr. u. § 22 eod.; l 5 C. de nat.
            lib. 5. 27 mit l 6 Cod. eod.; I. § 2. de action. 4. 6 mit l 37 D. de serv. praed.
            rustic. 8. 3 zu vereinen versucht.</note> Oft geht Walther dabei von einem
          Einzelausdrucke in der betreffenden Stelle aus, den er an der Hand der autores ex
          humanitate (IV 19) anders erklärt, als dies bisher in der Literatur der Jurisprudenz der
          Fall war. Daß hiebei nicht bloß juristisch relevante Fragen, sondern auch Fragen rein
          antiquarischer Natur erörtert werden, darf nicht unerwähnt bleiben.</p>

        <p>Beginnen wir mit ein paar Fragen mehr äußerlicher Natur. Walther fragt, woher das Zeichen
          § stamme, und betont dabei, daß seines Wissens niemand dies bisher auseinandergesetzt habe
          (IV 17). Er fährt fort: Putavi aliquando sicut lex liteara C hodie quoque designatur, ita
          paragraphum litera p. olim designari solitum: eamque literam a librario aliquo distorte
          scriptam in signum illud § excruose primum mutatam, idque signum deinde in consuetudinem
          venisse. (Über die Geschichte der Entwicklung des Paragraphenzeichens vom 8. Jahrhundert
          bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert s. Capelli Lexicon abbreviaturarum S. 424. Im übrigen
          Isidorus Etymolog. lib. XX [lib. I c. 21, 34] in Migne Patrolog. 82. Bd., und auch <ref
            target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10328522-0">Walther Lexicon diplomaticum 1756, Tab. 224, Columne 455</ref>. Die Frage überhaupt
          erklären zu wollen, mag Walther durch die Bemerkungen bei Alciat Dispunct. lib. III c. 16
          angeregt worden sein, wiewohl sich dessen Ausführungen in ganz anderer Richtung bewegen.)
          Lib. II c. 4 wird gefragt: Cur pandectarum seu digestorum libri hac literarum nota ff.
          citentur. Zur Erklärung will Walther den Fehler der Abschreiber heranziehen, die statt PP.
          ff. geschrieben hätten. Die Pandekten seien mit PP bezeichnet worden, wie ja die
          Doppelbezeichnung AA für <pb
            n="30"/> Augusti, CC für Consules usw. bei den Römern üblich
          gewesen sei. Doch fügt Walther selbst bei: Sed haec omnia nihil aliud sunt, quam
          coniecturae in quibus nihil pro certo affirmari facile potent, quamvis hoc certum
          videatur, ex errore hunc scribendi modum introductam esse.<note
            n="55"
            place="foot">S.
            hiezu auch die bei Alciat. Disp. III c. 16 versuchte Erklärung.</note> Daß das ff aus
          dem durchstrichenen D (= Digesten) entstanden ist, unterliegt nach neueren Forschungen
          heute keinem Zweifel.<note
            n="56"
              place="foot">Vgl. Fitting Über die Entstehung des
            Zeichens ff für Digesten im 12. Bd. der Zeitschr. für Rechtsgeschichte S. 300 und
            Stölzel ebendaselbst 13. Bd. S. 399. Desgleichen schon <ref
              target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10801171-0">Savigny Gesch. des röm. Rechtes</ref>; auch <ref target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10359228-5">Wattenbach Anleitung zur latein. Paläographie 4. Aufl. S. 74</ref>.</note> Walthers
          Erklärungsversuch sei, wie mir von fachmännischer Seite gesagt wird, paläographisch nicht
          unmöglich; aber die Erklärung aus dem D. ist weitaus vorzuziehen.</p>
        <p>Noch eine dritte Frage sei hier angeführt. Lib. II c. 5 handelt Walther de etymologia
          vocabuli infortiati. Auch diese Ausdrucksweise ist nach Walther auf ein vitium scriptorum
          zurückzuführen, und glaubt er unter Berufung auf Plinius lib. 35 c. 14, es habe
          ursprünglich "infarcitum" geheißen: Tertia pars inter primam et ultimam media, digestum in
          fortiatum dicta est, sive potius infarcitum, ut puta quae inter primam et ultimam digesti
          partem inserta est. Gewiß ist die Erklärung anderer Art, welche <persName>Dionysius
            Gothofredus</persName> 1583 in seiner Note zur Rubrik v. D. 24. 3 gegeben und die
            <persName>Kantorowicz</persName> Sav. Zeitschr. R. A. Bd. 31 S. 72 unabhängig hievon
          gefunden hat, weit besser; aber auch Walthers Hypothese scheint mir — wenn sie auch
          sprachwissenschaftlich kaum möglich ist — doch nicht zu jenen "aberwitzigen Deutungen" zu
          gehören, die seit der bolognesischen Tradition, wie <persName>Kantorowicz</persName>
          hervorhebt, "Ströme von Tinte" verbraucht haben. (Darüber, daß schon
            <persName>Accursius</persName> und <persName>Bartolus</persName> die zu ihrer Zeit
          überlieferten Deutungsversuche mißbilligt haben, siehe bereits Walther a.a.O.)</p>

        <p>Ein paar quellengeschichtliche und rechtsgeschichtliche Fragen seien gleichfalls hier
          angeführt. So verweist Walther I 33 betreffend die Lesung von l 2 § 38 D. 1. 2 auf Cicero
          de <pb
            n="31"/> amicitia, wo L. Acilius statt P. Attilius zu lesen sei. (S. hiezu <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015058359160">Krüger Gesch. der Quellen S.
            53</ref>.) I 19 wird der Unterschied zwischen provincia, dioecesis und praefectura im
          Gegensatz zur Auffassung der recentiores erörtert; I 29 wird die Ansicht des
            <persName>Accursius</persName>, daß bloß den Konsuln die potestas senatus consulendi
          zugestanden habe, unter Berufung auf <persName>Gellius</persName> abgelehnt; III 3 wird
          die Frage besprochen: quae causa esse videbatur, quod olim Aegypto praefectus et non
          proconsul constitutus fuerit und als Grund angegeben, daß es unzulässig gewesen sei,
          fasces consulares Alexandriam ingredi, denn den Ägyptern sei versprochen worden, so lange
          frei zu sein, als nicht die fasces und die praetexta Romanorum zu ihnen gelangen. Als
          Zeugen dieser Behauptung werden <persName>Spartianus</persName> und
            <persName>Cicero</persName> bezogen; doch bemerkt Walther selbst: qua in re nihil pro
          certo affirmo. III 24 versucht Walther den Titel des Gajanischen Werkes res cottidianae zu
          erklären. Er bekämpft dabei die Ansicht des <persName>Accursius</persName>, der
          behauptete: librum sic appellatum esse, quod singulis diebus gerenda a magistratibus
          continebat, qualiter iudicarent und fährt fort: sed ego commentarios rerum quotidianorum
          intellego librum, quo <persName>Gajus</persName> ea complexus est, quae illi quotidie
          occurrerunt: ut facere so liti sunt etiam nostrates doctores
          <persName>Bartolus</persName>, <persName>Baldus</persName>,
          <persName>Alexander</persName>, <persName>Iason</persName>, <persName>Decius</persName> et
          plerique alii qui responsa sive consilia sua in causis quottidie occurrentibus libris
          complexi sunt, eine Annahme, die allerdings mit Rücksicht darauf, daß sich in
            <persName>Gajus</persName>' Schrift "keine Spur von praktischer Tätigkeit, insbesondere
          von responsa findet" (<ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015058359160">Krüger
            Gesch. der Quellen S. 191</ref>), gewiß nicht zu billigen ist. Der Titel erklärt sich
          bekanntlich wohl einfach und ungezwungen, wie dies schon <ref target="http://dlib-zs.mpier.mpg.de/mj/kleioc/0010MFER/exec/series/%222085190-x%22">Göschen (Zeitschr. für gesch. Rechtsw. I S. 54ff.)</ref> erwies, daraus, daß er hier
          solche Gegenstände bezeichnet, "welche in den Gerichten alle Tage zur Sprache kommen und
          deren Kenntnis also eben deshalb ganz besonders wichtig und notwendig ist" (S. 61).</p>

        <p>In diesem Zusammenhang sei hier auch eines Versuches Walthers gedacht, den Widerspruch
          zwischen zwei in den Quellen vorkommenden Etymologien historisch zu lösen. III c. 20 fragt
          er nämlich, wie sich die von <persName>Gajus</persName> in l 2 D. de adopt. 1. 7 (= Gajus
          Just. I 99) gegebene Ableitung des <pb n="32"/> Wortes adrogalio erkläre und in welchem
          Verhältnis sie zu der von <persName>Gellius</persName> lib. 5 c. 19 vertretenen Ansicht
          stehe. Bei <persName>Gajus</persName> heißt es: Principis auctoritate adoptamus nos, qui
          sui juris sunt. Quae species adoptionis dicitur arrogatio: quia et is, qui adoptet,
          rogatur, i. e. interrogatur, an velit eum, quem adoptaturus sit, iustum sibi filium esse.
          Bei <persName>Gellius</persName> dagegen: arrogatio autem dicta, quia genus hoc in aliam
          familiam transitus per populi rogationem fit. Walther schlägt, um beides in Einklang zu
          bringen, folgenden Weg ein: Ego Gellium ad primam originem vocabuli arrogationis
          respexisse arbitror, Gajum autem ad tempora imperatorum. Da die rogatio an das römische
          Volk außer Gebrauch gekommen war, sei die Vermutung möglich: Gajus hanc novam etymologiam,
          temporibus imperatorum convenientem excogitasse ...</p>
        <p>Walthers Stellung zu rechtshistorischen Problemen drückt er selbst III 26 bei einer
          kurzen Erörterung über die l. Fufia Caninia, in welcher er die Meinung der Glosse
          bekämpft, wonach in ultima voluntate non ultra duos vel tres manumittirt werden konnten,
          dahin aus: Dicet aliquis, quorsum haec, cum lex Caninia hodie in usu amplius non sit?
          Atqui ego arbitror nihil antiquitatis etiamsi in usu amplius non sit, ignorandum esse
          ...</p>

        <p>Einen großen Teil des Buches füllen kleine Untersuchungen aus den verschiedensten
          Rechtsgebieten. In dieser Hinsicht sei darauf verwiesen, daß Walther sich mit der Frage
          nach dem imperium merum und mixtum (I c. 2, II c. 9)<note
            n="57"
              place="foot">Vgl. hiezu
            auch Alciat Paradox. II c. 1, 6 und 8, dem Walther opponiert. Seine Ausführungen über
            dies vielerörterte Thema (s. neuestens <ref
            target="http://hdl.handle.net/2027/njp.32101065265710">Leifer Die Einheit des
              Gewaltgedankens im röm. Staatsrecht S. 21 ff.</ref>) bewegen sich jedoch nur nach der
            einen Richtung, ob <persName>Ulpian</persName> l 3 D. 2. 1. die Erscheinungen der imp.
            merum. und mixtum definieren wollte oder nicht; sie gehen also nicht in die Tiefe der
            Frage.</note>, actio und officium judicis (I c. 31, I c. 35) mit dem Satze actore non
          probante (IV 11) beschäftigt; es werden weiters Fragen untersucht wie die, ob die
          restitutio in integrum adversus jus commune eingeführt (I c. 12), ob die stipulatio juris
          civilis oder juris gentium sei (I c. 11);<note
            n="58" place="foot">Auch hier bekämpft
            Walther die These, welche von Alciat de verb. sig. (<ref
            target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k527608">Ausgabe 1530 p. 104</ref>)
            vertreten worden war.</note>, warum es bei der <pb
            n="33"/> Stipulation nötig sei, daß
          die Frage der sponsio vorhergehe (I 23); II c. 38 fragt Walther cur filius familias ex
          contractu obligatur, non autem ex agnitione bonorum. Als Grund hiefür vermutet er: quod
          filius sine consensu patris in judicio stare non poterat et quoniam agnitio bonorum
          possessionis in judicio facienda est.<note
            n="59" place="foot">Auch hier Opposition
            gegenüber der von Alciat lib. IV paradox. c. 2 geäußerten Ansicht.</note>
        </p>

        <p>Aus der Zahl der erbrechtlichen Untersuchungen seien hier folgende erwähnt: I c. 24
          erörtert Walther im Gegensatz zu Alciat Paradox. II c. 13 die Frage, ob in petenda bonorum
          possessione decreto opus esse, für das Recht seiner Zeit in verneinendem Sinne; II c. 16
          die Frage, durch welches Gesetz die libera testamenti voluntas eingeführt worden sei, II
          c. 30 die Bedeutung des Wortes heres, II c. 31 den Grund, warum das test. in procinctu
          schon frühzeitig verschwand; III c. 27 die quatuor genera legatorum, wobei seine
          Ausführungen Alciats Lehre (Paradox. III c. 3) ergänzen wollen; I c. 7 die Definition des
          Legates; IV c. 27 die <ref target="https://de.wikipedia.org/wiki/lex_falcidia">l. Falcidia</ref>; I c. 3 wird
          gefragt quomodo apud <persName>Ulpianum</persName> accipienda sit, argento legato nummos
          non contineri, während I c. 14 davon handelt: argento suo legato non contineri nomina
          debitorum. Lib. III 28 und 29 erörtern die Frage: cur antiqua jure postumus alienus
          institui non potuerit und wird im Anschluß hieran eine Vereinigung § 28 I. de leg. II 20,
          princ. I. de bon. poss. 3. 9 und l 127 D. de leg. I versucht. Dabei will Walther den Grund
          der Bestimmung des alten Rechtes im Mangel der väterlichen Gewalt über diesen postumus
          erblicken.</p>

        <p>Eine Reihe weiterer Ausführungen ist familienrechtlichen Fragen gewidmet; so I c. 10 der
          Frage, was unter dem Ausdruck parentes zu umfassen sei; III c. 32 der Dotationspflicht des
          Vaters, III c. 33 der a. rei uxoriae; IV c. 5 der Frage, ob die filii dem Vater gegenüber
          als proximi agnati erscheinen; IV c. 6 über das in manum viri convenire; IV c. 10 der
          Frage an filius bona materna veteri iure patri suo acquiret. Walther bejaht sie, während
          Alciat Parad. IV c. 3 der Ansicht beitrat, wonach schon vor Konstantin <pb n="34"/> dem
          Sohne an den bona materna das Eigentum, dem Vater bloß der usus fructus zustand; IV c. 34
          Fragen aus der Lehre von der donatio inter virum et uxorem.</p>

        <p>Auch in einer Reihe anderer Erörterungen bringt Walther für seine Zeit meines Erachtens
          beachtenswerte, von der damals herrschenden Auffassung abweichende Anschauungen zum
          Ausdruck. So, wenn er III c. 5 das dominium directum als in den Quellen nicht begründet
            bezeichnet.<note
            n="60" place="foot">S. <ref target="#365">Luschin österr.
              Reichsgeschichte a.a.O.</ref>

          </note> Einige wenige diesbezügliche Punkte mögen hier
          noch angeführt werden. So bespricht Walther I c. 34 den Begriff des scrinium. Gegenüber
          den verschiedensten damals vertretenen Auffassungen vertritt Walther die Ansicht, es sei
          darunter das armarium, wo epistolae, libelli, tabulae caeteraque Imper. literaria
          monumenta conservabantur, zu verstehen. I c. 38 wird die Frage besprochen, ob ein
          prodigus, qui ad bonos mores rediit, ohne richterliches Dekret, die Verwaltung und
          Verfügung über sein Vermögen wieder erhalte. Walther erscheint — im Gegensatz zu den
          doctores — selbst bei Notorietät der Besserung eine sententia declarativa notwendig. III
          c. 13 behandelt die Frage nach der Natur der servi vicarii. Während <ref
            target="http://www.worldcat.org/oclc/421831777">Alciat de verb. sig. p. 204 (Ausg.
            1530)</ref> lehrte, die vicarii seien diejenigen, qui ordinarii servi vice gerebant,
          erklärt Walther: sed ego arbitror vicarium servum esse, qui in alterius servi dominio sive
          potestate est, vertritt also die gewiß richtige Ansicht.<note
            n="61"
            place="foot">Man vgl.
            die eingehende Studie Ermans Servus vicarius l'esclave de l'esclave Romain in Recueil
            publié par la Faculté de droit Univ. Lausanne 1896 p. 391-572.</note> IV c. 25 fragt
          Walther: ubi nam in Digestis unicus ille casus cuius in § aeque Inst. de act. (sic!) (d.
          i. l 2 D. 4. 6) mentio fit, extat. Er will denselben in der lex prius Vers. idemque e
          contrario ff. de op. nov. ment. (l 15 D. 39. 1) finden.<note
            n="62" place="foot">Eine
            Interpretation der <ref
              target="/o:repat.ciciv-inhalt#D.15.39.1">l 15 D. 39. 1</ref> hatte <ref
            target="http://www.worldcat.org/oclc/630728561">Alciat Parerga lib. III c. 16 (Ausg.
              Basileae 1538)</ref> vorgenommen, novo intellecta declarata lex si prius de op. nov.
            nunt., durch welche die herrschende Lehre angegriffen und eine neue Auslegung versucht
            wurde. Mit dem unus casus brachte er sie jedoch keineswegs in Zusammenhang.
            (Gelegentlich mag hier die von Alciat an diesem Punkte erhobene Beschwerde über
            literarischen Diebstahl erwähnt werden, als Zeichen, daß schon damals Fälle vorkamen, in
            denen Außenstehende das Kollegienheft eines akademischen Lehrers plünderten. Alciat
            sagt: nescio quis Symmista redemptis ab auditore nostro aliquo dietatis, omnes haste
            meas traditiones sibi asseruerat et alicuis plumis induta cornicula penes huius rei
            inscios plurima sibi honoris vendicarat...)</note> Schon in der Auflage der Miscellaneae
          vom Jahre <pb
            n="35"/> 1546 findet sich diese Frage in c. 6 besprochen und äußert sich
          Walther, nachdem er eine von ihm als möglich bezeichnete Lösung selbst abgelehnt hat: sed
          iam magis mihi placet, ut unicum illum casum in l. si prius ff. de op. nov. ment. extare
          dicam. Seine Ausführungen — nach der Ausgabe von 1573 — mögen hier in extenso eine Stelle
          finden: Cum Iustinianus Imp. in § aeque Inst. de act. confessoriae et negatoriae actionis
          exempla retulisset, postea subiit: Quod genus actionis in rebus corporalibus proditum non
          est. Nam in his is agit, qui non possidet. Et vero qui possidet, non est actio prodita,
          per quam neget rem actoris esse. Sane uno casu, qui possidet, nihilominus actoris partes
          sustinet: ut ex latioribus Digestorum libris oportunius apparebit. Quaerunt autem Doct.
          ubi nam in Digestis unicus ille casus extet. Et in hac re variae sunt eorum sententiae.
          Sed ego casum illum unicum. in l. si prius Vers. idemque e contrario <ref
            target="/o:repat.ciciv-inhalt#D.39.1">ff. de oper. novi</ref> ment. extare puto. Verba autem d. l si
          prius haec sunt: Si priusquam aedificatum esset, ageretur ius vicino non esse altius aedes
          tollere, nec res ab eo defenderetur: partes iudicis non alias fuisse Cassius ait. quam ut
          eum, quo cum ageretur, cavere iuberet, non prius se aedificaturum, quam ultro egisset, ius
          sibi esse iniurio adversario altius tollere. Idemque e contrario: si cum agere vellet quis
          sibi ius esse invito adversario altius tollere eo non defendente similiter inquit, officio
          iudicis continebitur. Ut cavere adversarium iuberet, nec opus novum se nuntiaturum, nec
          aedificandi vim facturum. Eaque ratione hactenus is qui rem non defenderet, puniretur. Ut
          de iure suo probare necesse haberet. Id enim esset petitoris partes sustinere. Hactenus
          verba legis. Ea autem verba dicti vers. idemque e contrario ad casum unicum (cuius in d. §
          aeque mentio fit) referenda esse ex infra scriptis clarius apparebit. Nam Iustinianus
          imperator in d. § aeque de rerum incorporalium <pb
            n="36"/> actionibus tractaturus in
          prima parte ejus paragraphi exempla confessoriae et negatoriae actionis, quae pro iuribus
          incorporalibus competunt, recenset. Et quoniam confessoriis et negatoriis actionibus
          peculiare est, ut etiam possessori competant l. pen. §. fin. si usus ff. per. Ideo
          Iustinianus in secunda parte d. § aeque in Vers. Quod genus subiicit. Quod genus actionum
          in rebus corporalibus proditum non est. Nam in his is agit, qui non possidet. Ei vero qui
          possidet, non est actio prodita, per quam neget rem actoris esse. In tertia demum parte
          videlicet in vers. sane uno casu, redire videtur Iustinianus ad actionem negatoriam
          dicens: sane uno casu qui possidet nihilominus actoris partes sustinet, ut ex latioribus
          Digestorum libris opportunius apparebit. Quasi diceret: quamvis in negatoria actione actor
          esse potest, is, qui eorundem iurium possessor est, tamen unus id est, specialis, casus
          extat in quo possessor non actor est, sed partes dumtaxat actoris sustinet. Idque in
          Digestorum libris (nempe in d. l. si prius vers. idemque e contrario) oportunius
          apparebit. Ubi quidam negatoriam actionem adversus vicinum instituere volebat nempe sibi
          ius esse aedes invito eo altius tollere. Et quoniam actor iste nondum aedificaverat,
          eveniebat, ut reus possessor constitueretur iuxta d. l. si forte § sciendum ff. si servit.
          vendi. Qui reus contumax existens cum actori non responderet, cautio ab illo exigitur nec
          opus novum se actori nuntiaturum nec aedificanti vim facturum. Quae cautio eo respicit, ut
          de iure suo probare necesse habeat: id enim est actoris partes sustinere: ut ex d. 1. si
          prius, latius colligitur. Et hic sensus dicti Vers. sane uno casu aptior videtur, quam
          quod alii, versiculum illum, ad casus actionis rerum corporalium (de quo tamen actionis
          genere Iustinianus in d. § aeque incidenter dumtaxat tractare videtur) trahere volunt.
          Caeterum quod casum unicum, cuius in d. § aeque mentio fit, ad casum dicti Vers. idemque e
          contrario in d. l. si prius referendum dixerim et non etiam ad primum casum eiusdem legis:
          id ea ratione feci, quia in primo casu reus nihil adhuc aedificaverat. Ideoque non ipse
          sed adversarius, hoc est, actor possessor erat. Idque iuxta d. l. et si forte § sciendum.
          At Iustinianus in d. § aeque expressim dicit in casu unico in Digestis existenti eum, qui
          partes actoris sustinebat, possessorem existere. <pb n="37"/>
        </p>
        <p>An l 15 D. 39. 1 (de op. nov. nunt.) hatte man, wie Walther selbst hervorhebt, bei
          Ergründung des unus casus schon gedacht gehabt, jedoch den ersten Fall dieser Stelle als
          zutreffend erachtet. Dagegen wendet sich Walther und glaubt den vielgesuchten unus casus
          im zweiten Falle der Stellen zu entdecken. Daß er hiebei keinen Vorgänger in seiner
          Auffasung gehabt habe, ist wohl anzunehmen; geht doch einmal der Zweck seines ganzen
          Buches dahin, eigene gegenüber bisher vertretenen Ansichten zu erbringen, und ist er
          andererseits so genau in der Respektierung von fremdem geistigen Eigentum, daß er lib. I
          c. 21 eine Konjektur, die er a jurisconsulto quodam in gymnasio Viennensi gehört hat, als
          fremden geistigen Besitz anführt.</p>

        <p>Dieselbe Auffassung findet sich im wesentlichen allerdings auch bei
            <persName>Contius</persName> (1517-1586). Sie wird von ihm in seinem <ref
            target="http://www.worldcat.org/oclc/604605960">Lectionum subsecivorum jur. civ. liber
            primus 1555</ref> [Anm. HS: Digitale Version der <ref
            target="https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/65432/1/">Ausgabe 1607</ref>]
          vertreten (p. 8: Eum casum mihi reperire visus sum apud Africanum in l. si prius de novi
          op. nunt. in postrema parte legis ...). Soviel ich zu sehen vermag, ist diese Auflage des
          Büchleins von Contius die erste.<note
            n="63"
            place="foot">Die Nachschlagewerke von Jöcher,
            Zedler, Struwe, Niceron sowie la grande Encyclopaedie, die Bibliographie universelle
            sub. verb. Le comte Antoine enthalten keine diesbezügliche Notiz.</note> Seine Vorrede
          spricht jedenfalls dafür. Sonach wäre die These, es handle sich beim unus casus um den
          zweiten Fall der l 15 D. 39. 1, von Contius später vertreten worden, als dies von Walther
          (1546) geschehen war. Daß Contius dabei unabhängig vorgegangen ist, soll nicht im
          geringsten bezweifelt werden. Hat doch Walther die erste Auflage seines Buches, wie er in
          der Vorrede betont, bloß seinen Freunden zukommen lassen und es überhaupt nur in wenigen
          Exemplaren ediert, so daß es an sich wenig wahrscheinlich ist, daß Contius hiervon
          Kenntnis besessen. Sodann hebt Contius ausdrücklich (<ref
            target="http://www.worldcat.org/oclc/64779744">Iust. jur. civ. lib. IV, Ausgabe Parisiis
            1560</ref>, p. 118) hervor: Intelligit Iustinianus eum casum, qui est in l. si prius de
          op. nov. nunt. ut libro I subseciv. e. t. demonstravi. In der nachfolgenden <pb
            n="38"/>
          Literatur wird — soviel ich zu sehen vermag — allerdings immer nur
            <persName>Contius</persName> für diese Auffassung, die zeitlich zuerst Walther vertrat,
            angeführt,<note
            n="64"
              place="foot">So denn auch in dem neuesten Werke, das dem unus
            casus gewidmet ist, bei <ref target="http://books.google.at/books?id=DjEsAQAAMAAJ&amp;pg=PA45">Henle unus casus S.
              45</ref>.</note> was nicht wundernehmen kann, da Walthers Buch der Vergessenheit
          verfiel. Daß dieselbe eine unverdiente gewesen, mögen die vorstehenden Beispiele aus dem
          Inhalte des Werkes ergeben haben! </p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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