Nachdem er schon im Herbst 1661 begonnen hatte, seine
Vermögensverhältnisse zugunsten von Ehegattin
Benigna zu ordnen – er ließ sie als
Miteigentümerin seines Hauses am Kohlmarkt im Grundbuch zuschreiben95 –, errichtete Johann Baptist Suttinger sodann im
Februar 1662 – „beÿ gueter Gesundtheit vnnd Vernunften“ – eigenhändig
sein Testament.96 Bald darauf
ist er erkrankt und nach 14-tägigem Leiden am 1. Mai 1662, „frühe umb 3.
Uhren“ – nachdem er die „H. letzte Oelung von sich selbst begehrt“ hat –
in seinem Haus am Kohlmarkt in Wien verschieden; Todesursache: „das
hietzige Fieber“.97 Suttinger ist 54 Jahre
alt geworden. Er war, wie der Leichenprediger, ein Barnabiten-Pater,
beim Begräbnis am folgenden 3. Mai 1662 blumig ausführte: „Anno 1608. in
das Holtz der Wiegen“ und „Anno 1662. in das Holtz der Todten=Saerch
gelegt“ worden.98 Sein Leichnam
wurde gemäß letztwilliger Anordnung „ohne Pomp“ in der Familiengruft zu
St. Michael in Wien beigesetzt.99 Unter den
Trauergästen fanden sich „viel Adeliche/ Hochwitzige und in allen
Wissenschaften erfahrne ... Männer“, die Suttinger die letzte Ehre
erwiesen, der vom Leichenprediger als ein neuer Aristoteles, als
„Aristides Austriacus“ gepriesen und mit Thomas Morus, Kanzler Heinrichs
VIII. von England, und Einhard, Kanzler Karls des Großen, verglichen
wurde.100
Die Testamentseröffnung am folgenden 9. Mai geschah im Beisein von
Schwiegersohn Ott Ferdinand Volkra, damals
Rait-Marschall der Landstände, als Vertreter von Suttingers Tochter, und
von Johann Michael Seiz, Kollege Suttingers beim
Regiment und Nachfolger in der Koordinierung des Landesordnungsprojekts,
als „Gewalttrager“ der Witwe. Zugleich vorgelegt wurde eine
Erbteilungsanordnung Suttingers und der Stiftbrief über die von ihm 1659
angeordneten Stipendien zugunsten armer Studenten (oben II.C und unten
3).
Außer den Verfügungen über seine Beisetzung enthält Suttingers Testament
auch Anordnungen zugunsten geistlicher Bruderschaften, denen er als
Mitglied angehört hatte; insgesamt elf Einrichtungen wurden – verbunden
mit
| Seite 380| der „bitt ... für Mich zu beten vnd Meßlesen Zulassen“
– mit je 75 Gulden bedacht, insgesamt hatte Suttinger also 825 Gulden zu
seinem Seelheil gestiftet. Weitere „Allmosen vnd Messen für Mein arme
Seel auß Zuthailen vnd lesen Zulassen“ stellte er seinem „lieben Weib
vnd Kindt“ anheim.101
Eine weitere pia corpora-Verfügung traf er zugunsten der
Universitätsstiftung „Zum Goldberg“: nämlich ein Legat, das aus den seit
1650 ausständigen Remunerationen aus seinem Amt als Superintendent der
Universität – von 100 Gulden jährlich – bestand. Die von ihm 1659
angeordnete Stiftung musste von den Erben dem Landmarschallamt
(Landrecht) zur Verwaltung übergeben werden. Eine weitere Stiftung102 von 1000
Gulden zulasten des Thurnhofs in Brunn ordnete er zur Erhaltung der
dortigen Kapelle der Heiligen Barbara an.
Die anderen Einzelverfügungen im Testament betrafen Familienangehörige:
Suttingers Mutter Elisabeth Schniczer erhielt zum
lebenslänglichen Unterhalt 200 Gulden jährlich als Pension, seinem
Halbbruder Johann Valentin Schniczer schenkte er
seine Kleidung und eine silberne Flasche. Seiner Schwiegermutter
Katharina Rumpff vermachte er eine große
silberne Kanne und seinem Schwiegersohn Ott Ferdinand
Volkra eine große goldene Kette im Wert von 500 Dukaten.
Reich bedacht wurde auch dessen ältester Sohn Ott
Christoph: Er erhielt Suttingers Bibliothek „vnd alles
was darzue gehört“.103 Zugunsten seiner „Pergenschen Enkel“ verfügte
Suttinger, dass ihnen seine Tochter als ihre „leibliche Mutter ... die
Jenigen Zwainzigtausend Gulden, so sÿ Vber Ihren Heÿrathsbrief Zur
wittiblichen abfertigung bekhombe, auß Meinem, oder Ihrem Vermögen,
gemache“;104 Enkelin Maria Anna Theresia
(„Thereserl“) sollte mit einem „ergübigen praelegat“ ausgestattet
werden, damit „sÿ vmb sovil desto besser verheÿrathet werden möge“.
Die Untertanen in Brunn wurden mit einem Schuldenlegat von 300 Gulden
bedacht, welche nach Billigkeit aufzuteilen waren. Landschreiber
Seiz erhielt einen „Guldenen Todt, so beÿ 24
Ducaten wigt“, vermutlich eine Skulptur aus Gold im Wert von 24 Dukaten,
und sollte als Gegenleistung Suttingers Stipendien-Stiftung bei der
„Gerotzkischen Curatorÿ in Ordnung richten“.
Als Universalerben des übrigen Vermögens hatte Suttinger zu gleichen
Teilen seine Ehefrau Benigna und seine Tochter
Maria Rosina unter Anordnung einer „Abtheilung“
berufen, welche er in einer Beilage zu seinem Testament genauer
ausführte. Diese Erbteilung ist, da durch den Erblasser angeordnet, als
eine solche „ohne Verzicht“ zu interpretieren;105 an die
Ehefrau erging
| Seite 381| daher auch die Bitte, „sÿ wolle“ – für den
Fall ihres Ablebens – „solchen Erbthail Ihrem Khindt wiederumb
verlassen“.
Der Ehefrau war als Anteil zugedacht: das Haus am Kohlmarkt samt der
„verhandenen Vahrnuß“, soweit Suttinger darüber nicht speziell verfügt
hatte, dann der gesamte Schmuck („Silber, goldt vnd Clainodien“) und vom
vorhandenen Bargeld 12000 Gulden, die „auff den Badnerischen Taz ligend“
waren;106 ferner ein „Garten mit aller Vahrnuß“,
dessen Lage ungenannt bleibt, und die Wiesen zu Simmering, dazu 500
Eimer Wein107, „Roß und Wagen“ sowie der
Fruchtgenuss der Lehen zu Röschitz und Patzmannsdorf. Die Ehefrau wurde
als Erbin des Hauses am Kohlmarkt verpflichtet, den jährlichen
Rentenzins zugunsten der Pacherschen Stiftung abzustatten.
Der Tochter war als Anteil zugedacht: der „Thurnhoff zu Brunn“ samt den
Zehenten zu Inzersdorf, Vösendorf und am Wienerberg, der Rest an Bargeld
oder Forderungen sowie der Weine im Keller und was „des Badnerischen
m/12 fl noch ... verbleibt“; offenbar das, was an Zinsen von den am
Badener Tatz liegenden 12000 Gulden noch übrig war; schließlich das
restliche von Verfügungen frei gebliebene Vermögen. Die Tochter wurde
als Erbin des Thurnhofs mit der Erfüllung der Stiftung zugunsten der
Kapelle zur Hl. Barbara belastet.
Eine weitere Beilage zum Testament betraf die Lehen Suttingers mit der
Anordnung, die landesfürstlichen Lehen zu Vösendorf, Inzersdorf und am
Wienerberg sowie zu Röschitz „fürderlich zu ersuechen“; der Zehent zu
Patzmannsdorf, ein Lehen der Grafen Puechaim, war gesondert
nachzusuchen. Die Lehen der – minderjährigen – Pergenschen Enkel, die
Suttinger als deren Lehenträger verwaltete, mussten „von Neuem ersuecht
werden“.
Gemäß letztwilliger Verfügung waren der Thurnhof und die anderen
Lehen Suttingers seiner Tochter Maria Rosina
Volkra zugefallen;108 im April 1663 erfolgte die
Belehnung an Ehemann Ott Ferdinand als ihrem
„vorgeschützten lehenträger“.109 Im März 1667 wurden die
väterlichen Lehen, den Thurnhof in Brunn ausgenommen, verkauft.110
| Seite 382|
Im Juni 1670 verstarb Suttingers Tochter Maria
Rosina
111 in Heidenreichstein:112 Aufgrund letztwilliger Verfügungen gelangte
der Thurnhof an die Volkra-Kinder und schließlich 1712 an Suttingers
Enkel Ott Christoph Volkra.113 Nach dem
Verkauf im Jahr 1718114 wurde der Thurnhof über
mehrere Rechtsnachfolger schließlich 1799 von Fürst Johann
von Liechtenstein erworben und dem Haupt-Fideikommiss
des fürstlichen Hauses einverleibt; seit 1808 diente der Thurnhof
als Amtshaus im Markt Brunn. Der Turm wurde im August 1944 durch
einen Bombentreffer zerstört.115
Am 7. Oktober 1672 starb Benigna Suttinger im
Haus am Kohlmarkt.116 Mit Testament117
ordnete sie diverse Legate an: für Schwiegersohn Ott
Ferdinand Volkra und Schwager Johann
Valentin Schniczer, Suttingers Halbbruder. Ihre
Enkelin Maria Benigna Volkra erhielt 2000
Gulden als Voraus und ein „grösseres Cleinot“. Weitere Vermächtnisse
betrafen die Bediensteten und diverse Bruderschaften, insbesondere
ordnete sie eine besondere Meßstiftung bei „St.Ivo in der Juristen
Capelln“ an. Die betagte Mutter Catharina
Rumpff erhielt 200 Gulden jährlich zum Unterhalt
sowie ein lebenslanges Wohnrecht im Haus am Kohlmarkt. Das übrige
Vermögen ging an die Enkel aus den beiden Ehen ihrer Tochter als
Universalerben verbunden mit der Anordnung, sie mögen den Nachlass
„fridtlich vntereinander verthaillen.“ Nach Verzicht der
Pergen-Enkel waren die Volkra-Enkel Miteigentümer, letztlich
Ott Christoph, Alleineigentümer des Hauses
am Kohlmarkt geworden.118 Nach seinem Tod fiel es 1744 an Franz
Josef Waldstätten, seinen Universalerben.119
| Seite 383|
Die Bibliothek Suttingers, die sich zunächst in seiner Wohnung in
Wien befunden hatte, ist später nach Brunn verbracht worden. Er
hatte sie seinem Enkel Ott Christoph
letztwillig zugedacht. Über das Schicksal dieser Bibliothek
berichtet Schwiegersohn Ott Ferdinand Volkra in
seinem 1694 errichteten Testament120, dass sie 1683 bei
einem Überfall „von Türckhen in dem Thurmhoff verbrent ward“. Dass
Suttingers Bibliothek sehr wertvoll gewesen sein muss, zeigt eine
Verfügung in Ott Ferdinands Testament, worin
dieser „pro Compensatione der Suttingerischen Bibliothec“ seinem
Sohn Ott Christoph die eigene umfangreiche
Büchersammlung vermacht hat. Ott Christoph
Volkra galt als ein Mann von großer Gelehrtheit,
insbesondere auch in der Rechtswissenschaft, er war Mitglied der
Royal Society (der Wissenschaften) in London. Auf Grundlage der
Büchersammlung seines Vaters hat er eine reichhaltige Bibliothek
aufgebaut, die zunächst in Schloss Köttenhof (Schwechat) aufgestellt
war. Von dort ist sie aufgrund letztwilliger Verfügung 1744 an die
niederösterreichische Landschaftsakademie gekommen. Nach deren
Auflösung im Jahr 1749 ist der Großteil der Bücher an die
Windhagsche Stiftung gelangt und mit dieser an die
Universitätsbibliothek Wien; ein Teil fiel an die Stände zurück und
befindet sich nun in der Landesbibliothek in St. Pölten.121
Die von Suttinger letztwillig zugunsten der „Goldberg“-Stiftung
legierten Aufwandsentschädigungen als Superintendent der Universität
Wien wurden erst 1668 angefordert; die Remunerationen von 100 Gulden
jährlich waren vom Amtsantritt Suttingers im Oktober 1650 bis zu
seinem freiwilligen Ausscheiden im Sommer 1659 zu berechnen; in
Summe ergab dies 900 Gulden.122 Suttingers eigene Stiftung war nach
etwa 100 Jahren nicht mehr ausreichend dotiert, um mehr als zwei
Stipendiaten zu versorgen; 1755 wurde mit Hofresolution die Vergabe
des dritten Stipendiums solange suspendiert, bis wieder genug
Kapital angespart war, um drei Stipendiaten mit je 200 Gulden
versorgen zu können; freilich ohne durchgreifenden Erfolg: 1802
konnte nur mehr ein Stipendiat im Jesuiten-Konvikt versorgt werden.
Nach seinem Ausscheiden durfte das Landrecht als Stiftungskurator
auf Anordnung der Hofkommission in Konviktssachen keine weitere
Stipendiaten mehr präsentieren.123 Damit war die Stiftung erloschen.
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Die Familiengruft Pergen-Suttinger in der Michaelerkirche besteht
noch; nach Johann Baptist Suttinger wurde 1672
seine Gattin Benigna darin beigesetzt;124 sein Enkel
Ott Christoph Volkra errichtete für sich
dort eine eigene Grabstelle mit Epitaph in einem Seitenaltar der
Kirche.125