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      <titleStmt>
        <title>Traktat über das eheliche Güterrecht in Österreich ob der Enns</title>
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                        Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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          <title>Traktat über das eheliche Güterrecht in Österreich ob der Enns
                        (1573)</title>, In: <series>Zeitschrift der Savigny-Stiftung für
                        Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung Band 23 (36)</series>, (<publisher/>
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      <editorialDecl>
        <p>Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung
                    Band 23 (36) 1902, 275-280<lb/> Digitale Bibliothek des Max-Planck-Instituts für
                    Europäische Rechtsgeschichte <lb/>
        </p>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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        <language ident="de">Deutsch</language>
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              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.oberoesterreich" type="context">Oberösterreich</ref>
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    </front>
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      <div xml:id="NA.1">
        <head>[Traktat über das eheliche Güterrecht in Österreich ob der Enns.]</head>
        <p> Gleichwie im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns, so sind auch im
                    Schwesterlande ob der Enns die auf Kodifikation des Territorialrechtes
                    abzielenden Bestrebungen der ständischen Initiative entsprungen. Dort reichen
                    sie bis zum Mainzer Libelle vom 8. April 1499 zurück; hier lassen sich dieselben
                    bis zum Jahre 1560 verfolgen.</p>

        <p> Erweist sich der im Kernlande des Habsburgischen Hausbesitzes 1528 fertig
                    gestellte, unter dem Titel "<ref
            target="/o:repat.1526-noelrentw">Zeiger in das
                        Landrechtsbuch</ref>" handschriftlich überlieferte Entwurf<note
            n="1"
            place="foot">Mit der vom Landuntermarschall Johann Joachim von Aichen († 20.
                        IX. 1729) seiner Handschrift willkührlich beigesetzten Bezeichnung des
                        Werkes als Institutum Ferdinandi Imi sollte gebrochen werden.</note> vermöge
                    seiner unbefangenen Stellungnahme zu den fremden Rechten als ein ebenso
                    interessantes als rechtsgeschichtlich bedeutsames Denkmal der Receptionszeit, so
                    blieb ihm doch die landesfürstliche Sanktion in der richtigen Erwägung versagt,
                    dass zum Gelingen des geplanten Gesetzgebungswerkes vor Allem "die Uebersehung
                    und Erkundigung nach Gelegenheit des Landes Eigenschaft und Wesens, sowie seiner
                    Gebräuche" noththue. Zwei verschiedenartige Unternehmungen waren dazu bestimmt,
                    vor neuerlicher Angriffnahme der Kodifikationsarbeiten der Erforschung des
                    Landesbrauches zu dienen: einerseits das Konsuetudinarienbuch, in welchem die
                    auf amtliche Anfrage der Regierung ertheilten Auskünfte über das
                    Gewohnheitsrecht aufgezeichnet werden sollten, andererseits die grundlegenden
                    Bearbeitungen einzelner, vorzugsweise durch den Landsbrauch geregelten
                    Rechtsmaterien in den "goldenen Traktaten" des Regimentsrathes und nachmaligen
                    Kanzlers der niederösterreichischen Regierung Dr. Bernhard Walther. Diese
                    Quellen wurden denn auch in dem vom Regimentsrathe Dr. Wolfgang Püdler im Jahre
                    1573 abgefassten Landtafelentwurfe eingehend berücksichtigt.<note
            n="2"
              place="foot">Vgl. den Bericht Püdlers im XXXIV. Bande dieser Zeitschrift S. 235ff.
                        besonders S. 238. Das Konsuetudinarium der n. ö. Regierung ist nicht mehr
                        erhalten, lässt sich indessen aus den <ref target="https://play.google.com/books/reader?id=yQJFAAAAcAAJ&amp;pg=GBS.PA">Consuetudines Austriacae</ref> des Dr. Johann Bapt. Suttinger (Nürnberg
                        1718) theilweise rekonstruiren. Im letztgenannten Werke sind die
                        Walther'schen Traktate anhangsweise (S. 927-1032) abgedruckt. —
                        Forschungen zur altösterreichischen Kodifikationsgeschichte liefern Carl
                        Graf Chorinsky Beiträge zur Erforschung der österreichischen Rechtsquellen
                        (Allgem. Oesterr. Gerichtszeitung 42. Jahrgang Nr. 3, S. 18ff.), v. Luschin
                        Oesterr. Reichsgeschichte S. 345ff., Motloch Art. Landesordnungen und
                        Landhandfesten (im Oesterr. Staatswörterbuche von Mischler und Ulbrich II.
                        Band 1. Hälfte S. 552), derselbe Carl Graf Chorinsky Ein Nachruf
                        (Mittheilungen der dritten [Archiv-]Sektion der k. k. Centralkommission zur
                        Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 4. Band S.
                        221ff., insbesondere S. 233ff.).</note>
          <pb n="276"/> Im Lande ob der Enns haben die Traktate Bernhard Walthers nicht
                    nur grosse Verbreitung gefunden, sondern auch zur Nachahmung angeregt, wie die
                    zum Abdrucke gebrachte Abhandlung über das eheliche Güterrecht erweist. Ganz im
                    Geiste Walthers abgefasst, verräth auch die Darstellungsform eine unverkennbare
                    Anlehnung an die Behandlungsweise ihres Vorbildes.</p>
        <p>Der Text beruht auf einer vom Herrn Landesgerichtsrathe Adolf Ritter von Grosser
                    für die Sammlung Chorinsky besorgten Abschrift aus dem Cod. Mscr. Nr. 128 der
                    bischöflichen Bibliothek zu Gleink (Bl. 617b-625a).</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2">
        <head>Von den hairaths-contracten in gmain.</head>
        <p/>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.1">
        <head>Daß erste capitl.</head>
        <p>Im erzherzogthumb Ossterreich ob der Enß werden dreierlai contract gebraucht, alß
                    der erst nach den landsrechten, der ander auf gerent, so man kopf an kopf nent,
                    und der drit auf bestimbte geldvermäht.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.2">
        <head>Daß ander capitl. Nach dem landsbrauch.</head>
        <div xml:id="NA.2.2.1">
          <p>[1.] Verschribend zwai eheleuth einander all ihr zusamen bringend, auch mit
                        und bei einander gewinent, anligend und varend guet durchauß gleich halbs
                        sovil sie uber iere glaubiger uberig haben, wann nun der aine tail stirbet
                        und verläst leibserben oder sonst seitenfreund hinter ime, so wirt des
                        verstorbenen verlassung aufs treulichst geschäzt, und seine glaubiger von
                        ungetailten guet sampt der grundobrigkeit gebürliche herr-forderung bezalt
                        und abgericht. waß alsdan uber bleibet, das felt dem lebendigen halbs und
                        des verstorbenen erben oder freunden auch halbs. doch wo kinder verhanden,
                        so hat das lebendig, wan es bei der besizung des guet bleibet, der kinder
                        halbes guet unverthonlich inzuhaben und zue geniessen biß zu ierer
                        vogtbarkheit. davon soll es die kinder ohne ieres guets schaden zu
                        gottesfurcht ehr und zucht auferziehen und mit aller leibs notturft versehen
                        und underhalten biß sie ier narung selbs erdienen und gewinnen mügen, alsdan
                        zu ierer vogtbarkheit iederm sein gebürnuß gegen landbreuchigen verzicht und
                        quitung bezahlen. da aber kein kind verhanden, so ist daß lebendige des
                        verstorbnen negsten erben oder freunden ihr gebürnuß halbs guet inner
                        jarsfrist nach des verstorbnen abgang zu bezahlen schuldig, eß könne dan mit
                        gebeth lenger frist bei innen erlangen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.2.2">

          <p>[2.] Wo auch im heirats-contract nit bedingt worden noch beredt noch
                        beschlossen, das der lebendige tail bei der besizung des guets bleiben soll,
                        und dan die kinder oder negsten freund das anligund guet in die besizung
                        nemben walten, so mueß sich das lebendige ehegemahl <pb n="277"/> mit geld
                        sovil ime davon zu halben tail gebürt abfertigen lassen, und innen dargegen
                        das ligend guet zu gewöndlicher und ordentlicher stiftzeit wie im lands
                        ieders orth gebreuchig ist unwaigerlich abtretten. die gewohnlichen
                        stiftzeit aber sein zu liechtmeß, S. Georgen tag und S. Michäelß tag.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.2.3">
          <p>[3.] Und so das lebendige von dem grund oder poden abgefertiget, so wirdt im
                        der kinder halbes gueth nicht auß der herrschaft gelassen, sondern in
                        demselben und auf dem grundstuckh behalten, oder da es par gelt ist, auf
                        andere grundstuckh in derselben herrschaft umb zimbliche verzinßung den
                        erben zu nuz außgelichen und angelegt.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.3">
        <head>Das 3. Capitl. Nach dem form kopf an kopf, so in gemein gerent heirath genent
                    werden.</head>
        <div xml:id="NA.2.3.1">
          <p>[1.] Verschreiben beede ehegemahl ainander all ir anliegend und varend haab
                        und guet durchauß ganz und gar , doch nemen zu zeiten ihnen die ehegemahl
                        etwas bevor das ieren negsten gesibten erben für ier legitima fallen soll
                        — alß wan eines stirbt, so felt und bleibet dem lebendigen alles des
                        verstorbnen anligund und fahrend guet volkomblich bei einander, sie haben
                        leibeserben mit einander oder nit — davon ist das lebendige des
                        verstorbnen erben nit mehrers alß was ihnen im heirats-contract ausgenomben
                        oder vorbehalten ist worden, oder da ihnen nichts ausgenomben oder
                        vorbehalten ist, gar nichts hinaußzugeben schuldig, sondern es behelt kinder
                        und guet alles bei einander aldieweil es sich nicht verehelichet. doch mueß
                        er seine kinder wo deren verhanden treulich zu gottesforcht ehr und zucht
                        auferziehen und mit aller leibs notturft versehen und unterhalten, und wan
                        ein kind zu seinen vogtbarn jahren kombt und sich verehlicht, alßdan
                        dasselbe mit ainem hairatgueth nach seinem vermugen aussteuren und betreuen,
                        wie vatter oder mueter auß angeborner lieb vor gott zu thuen schuldig
                        ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.3.2">
          <p>[2.] Wann sich aber das lebendige gemahl widerumb verehelicht und abermalß
                        ein kerrendte hairat kopf an kopf treffen, machen oder beschliessen will,
                        und im ersten hairats-contract des verstorbnen erben oder erbserben nichts
                        für ier legitima ausgenomen worden, so mueß es seinen bei dem verstorbnen
                        ehelich eroberten kindern eine benente suma gelts für ier angefallen und
                        künftig gebüerend legat außnehmen und vorbehalten. und was ihnen nach
                        billichen dingen ausgenomben wirdt, das soll es den kindern zu ieres ieden
                        vogtbarkeit, den frembden aber (wo die kinder vor abgiengen oder nit mehr
                        vorhanden) inner jarsfrist hinaußgeben, und die kinder mitler weil mit ainem
                        ordentlichen schuldbrief auf grund und poden umb ier gebüerend angefäll
                        vergwißern und versichern und gegen der gebürlichen kinder zucht aller
                        interesse oder zinß davon frei sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.3.3">

          <p>[3.] So aber die ander ehegemahl auch weiter unbeehelicht mit todt abginge
                        und kein testament oder geschäft machet oder aufrichtet und in disen ersten
                        contract des erst verstorbenen erben nichts <pb n="278"/> ausgenommen
                        worden, so erben des ersten ehegemahls erben oder eheliche kinder und freund
                        des lesten verlassung in ligenden und varunden sovil dessen nach der
                        obrigkeit gebürender herrn-forderung und ierer gläubiger schulden abrichtung
                        uberbleibet mit einander, nemblich ieder tail halbs guet.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.3.4">
          <p>[4.] Wann aber testament und geschäft vorhanden sein, so bleibet es bei
                        denselben wie sie lauten und was sie vermügen oder außweisen unverendert, da
                        sie anders mit recht und billichkeit alß nichtig nit abgefochten und
                        widertriben werden.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.4">
        <head>Das vierte capitl. Auf ein bestimbt guet.</head>
        <div xml:id="NA.2.4.1">
          <p>[1] Wann aber zwai junge leuth zusamen hairathen, was nun die braut dem
                        breitigam zu freien hairatguet zubringet, das mueß er ier mit sovil wieder
                        erlegen und mit halb soviel alß ier hairatguet ist bemorgengaben, auch
                        darumben den halben driten oder vierten tail auß aller seiner varenden habe
                        (darinnen er ime doch außziehen mag was er will, das seinen erben oder
                        kindern frei bleiben und nit darin verstanden werden soll) vermachen und
                        verschreiben. alß exempl, ain jungfraw praut bringt ihrem breutigam 100 fl.
                        zu freiem hairatguet zu, so mueß er ier dieselben mit 100 fl. widerlegen und
                        mit 50 fl. bemorgen gaben, das also ier zubringen, sein widerlag und
                        morgengab 250 fl. bringt. das soll ier nach seinem abgang durch seine negste
                        erben oder freund vor allen andern glaubigern frei und unverhindert sampt
                        dem halben, driten oder vierten tail seiner varunden haab laut des
                        heirats-contract geraicht und gegeben werden. mittler weil soll sie im besiz
                        seiner güeter bleiben und dieselbige nicht ehe abzutretten schuldig sein biß
                        sie allerdings abgefertiget worden. welcher abfertigung aber sie iederzeit
                        wan deren von ier begert würdt statt zu thuen schuldig ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.4.2">
          <p>[2.] Nimbt aber ein witber eine junkhfraw oder ein witwe einen jungen
                        gesellen, so muß das hairatguet duplirt und die morgengab dem hairatguet
                        gleich gemacht werden. und dan wann es zu fallen kombt soll es mit
                        abfertigung gehalten werden, wie negst hievor gemeldt und begriffen, oder
                        der hairatsbrief so ainer aufgeriht wirdet vermag und außweiset.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.4.3">
          <p>[3.] Wann nun der mann vor dem weib stirbet und das weib obgehörter massen
                        abgefertigt wirdt, so hat sie under dem herrn- und adlstande die wiederleg
                        nuer ihr leben lang unvertähnlich inzuhaben, zu nüzen und zu niessen. und
                        wan sie auch tods abgeet, so felt alsdan dieselbe widerlag widerumb hinter
                        sich auf ieres haußwirts negste erben oder freund, er hette ier dan dieselbe
                        im hairats-contract oder sonderbarem testament oder einer ordentlichen
                        donation verschafft oder vermacht.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.4.4">

          <p>[4.] Wann aber das weib vor dem mann stirbt, so felt im sein widerlag und
                        morgengab, wofer sie die in ierem leben nit verschafft, <pb n="279"/> das
                        sie doch guet fueg und macht hett, sampt aller ierer verschribenen varunden
                        haab frei widerumb haim. davon ist er ieren negsten erben oder freunden
                        etwas hinaußzugeben nicht schuldig alß was ungeverlich im hairatsbrief oder
                        vermaht begriffen und benent, so anders ainer aufgerichtet worden. ier
                        zubracht hairatguet aber hat er allein sein leben lang unverthönlich
                        innzuhaben, zu nuzen und zu niessen, und nach seinem tödlichen abgang felt
                        dasselbe in ainem sonderbaren testament oder ordentlichen donation
                        verschafft und vermacht.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.4.5">
          <p>[5.] Aber unter der burger- und paurschaft, in stätte[n] markhten und auf dem
                        land felt kain widerlag noch hairatguet hinder sich, sondern bleiben beed
                        des lebendigen aigenthumlich. davon ist es des verstorbenen erben oder
                        freunden nichts hinaußzugeben schuldig alß was das verstorbene in seinem
                        leben durch testament oder sonderliche legat seinen erben davon verordnet,
                        testirt oder legirt hette.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.5">
        <head>Das 5. capitl. Von der weiber ubrigen zubringen.</head>
        <p>Item, was ein weib ihrem mann mehrers geld alß das versprochene hairatgueth in
                    sein gewaldsam bringet, das ist er ier mit gnugsamen schuldbrief zu vergwisern
                    schuldig, damit sie solches nach seinem oder aber iere negste erben nach ierem
                    tödlichen abgang bei dem mann oder seinen haab und güetern zu suechen wissen und
                    vor allen andern glaubingern habhaft werden müegen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.6">
        <head>Das 6. capitl. Ob ein weib ieres mans schulden zu bezalen schuldig sei.</head>
        <p>Eß ist auch kein weib ieres manß schulden zu bezallen schuldig, er habe die
                    gemacht ehe er sie ehelich genomben oder weil er sie gehabt, sie wehre dan mit
                    und neben ime in den schuldbriefen begriffen und hette sich der freihaiten
                    Vellejani austrukhlich verzügen, so gebürt ier alßdan von oder mit ierem guet
                    den halben tail darumb sie verschriben ist zu bezallen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.7">
        <head>Das 7. capitl. Daß ein weib nit schuldig sei mit ierem ubrigen, so sie
                    schriftlichen schein darumb hätt, zu warten biß andere ieres haußwirths
                    glaubiger bezalt werden.</head>
        <p>Si ist auch nit schuldig mit ierem ubrigen zubringen zu warten biß andere ieres
                    haußwirts glaubiger bezalt worden, sonder so sie destwegen gnugsamen
                    schriftlichen schein oder ordentlichen schuldbrief hat, so soll sie vor allen
                    andern glaubigern mit solchem ierem zubringen sambt und neben ieren
                    hairats-vermächtnuß unverhinderlich abgefertigt werden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.8">
        <head>Das achte capitl. Daß ein weib in iren ubrigen zubringen, so sie kein
                    schriftlichen schein oder gnugsame weisung darumb hat, neben andern
                    unverbrieften glaubigern zu stehen schuldig sei.</head>

        <p>Wenn aber ein weib umb ier ubriges zubringen kein ordentlichen schuldbrief oder
                    gnugsame weißung hat, so mueß sie mit demselben <pb n="280"/> ierem ubrigen
                    zubringen stillstehen biß ieres mans verbriefte schulden bezalt werden, und also
                    neben andern unverbrieften glaubigern von dem was uberbleibt nehmen was ir
                    iederm ungeverlich nach treulicher außtailung für ain gulden werden mag. doch
                    mueß sie zuvor beweislich darthuen, was oder wie vil sie ime uber das
                    versprochen hairatgueth zugebracht habe.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.9">
        <head>Das 9. capitl. Von vahrunder haab, auch was under der burger- und paurschaft
                    vaarunde habe sei oder genent werde.</head>
        <div xml:id="NA.2.9.1">
          <p>[1.] Alles gold und silbergeschire, paar gelt, brieft und unverbrieft
                        schulden, wein getraid vihe und allerlai kaufmanswahr wie die ist oder namen
                        hat, pett- lein- leibgewand, roß harnisch manßwehr geschüz munition, frawen
                        zier allerlai zühn meßing kupfer und eisern kuchlgeschier, hülzern haußrath
                        alß spanbeth truchen tisch penkh, wagen wagengschirr pflueg egen, hai strei
                        was nicht auf die wurzen steet, und in summa alles benent und unbenents
                        beweglich guet das mit wied nagl oder banden nit verhaft oder verfangen
                        sondern geführt getriben und getragen werden mag, daß ist alles varnuß oder
                        varende haab. aber abgeschlagenes zimmerholz zaunholz, stain und kalch so zu
                        erbawung eines hauses hierzu gebracht, gleichsfals auch die gail bei hauß so
                        man zu bedungung der feld und wißgrund bedarf, das ist nicht varnuß.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.9.2">
          <p>[2.] Wann nun in ainem hairats-contract ein ehegemahl dem andern den halben
                        driten oder vierten tail aller seiner varnuß verschrieben und nichts
                        bedingliches darinn außnimbt oder vorbehelt, so hat das lebendige demselben
                        verstorbnen verschriben tail in allem varundem guet was nur wie obgemeldt
                        beweglich ist, geführt getriben und getragen werden mag.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.9.3">
          <p>[3.] Eß mag ime aber ein iedes ehegemahl auß seinem varunden gueth außnemben
                        und vorbehalten was es will, eß sei gold silber parschaft schulden vihe wein
                        traid roß harnisch geschüz munition manßwehren claider clainoder, frawen
                        zier und allerlei kaufmanswahr damit ainer hanthiert, wie das namen haben
                        mag. und was also in dem hairats-contract ausgezogen und benentlichen
                        vorbehalten oder auch nach ainer ieden statt sonderm gebrauch und alten
                        herkhomen nit für varnuß gehalten geraith oder ausgenommen würdet, das soll
                        alsdan nit für varnuß verstanden noch in des lebendigen ehegemals
                        abfertigung gezogen oder getailt werden, sondern des verstorbenen erben frei
                        und allein verbleiben, und dem lebendigen nur auß dem was nit bedinglich
                        ausgenomben oder vorbehalten ist sein verschribener halber driter oder
                        vierter tail ervolgen und zugestelt werden.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.3">
        <p>Wien. Dr. Theodor Motloch.</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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