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        <title>Bericht des Dr. Wolfgang Püdler üb. d. Entwurf einer Landtafel des Erzh.
                    Oesterreich u. d. E. 1573 </title>
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                        Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
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        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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          <author corresp="marcrelator:aut">
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          <title>Bericht des Dr. Wolfgang Püdler über den Entwurf einer Landtafel des
                        Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns 1573</title>. In:
                        <series>Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte /
                        Germanistische Abteilung. Bd. 21 = 34</series>, (<publisher/>
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      <editorialDecl>
        <p>Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung.
                    Bd. 21 = 34, 1900, S. 235-243.<lb/> Digitale Bibliothek des Max-Planck-Instituts
                    für Europäische Rechtsgeschichte <lb/>
        </p>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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      <div xml:id="Einführung">
        <head>[Bericht des Dr. Wolfgang Püdler über den Entwurf einer Landtafel des
                    Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns 1573.]</head>

        <p> Die wechselreiche Codificationsgeschichte der österreichischen Landesordnung war
                    bei einem entscheidenden Wendepuncte angelangt, als die Landschaft des
                    Erzherzogthums unter der Enns im December 1564, fünf Monate nach dem Ableben
                        <name type="person">Kaiser Ferdinand I.</name>, vom neuen Herrscher die
                    Erlaubniss erwirkt hatte, mit guter Berathschlagung verständiger, erfahrener
                    Landleute und gelehrter Doctores eine Landtafel, darinnen ein gewisser,
                    beständiger Landsbrauch begriffen ist, abzufassen und dem Kaiser zur endlichen
                    Resolution vorzulegen.</p>

        <p> Im Interesse der geplanten Gesetzgebung muss wohl lebhaft bedauert werden, dass
                    gerade zu jener Zeit der "Vater der österreichischen Jurisprudenz" einem Rufe
                    des <name
            type="person">Erzherzog Karl</name> als Kanzler des neu errichteten
                    Regimentes für die innerösterreichischen Lande gefolgt war. Hatte doch <name type="person">Dr. Bernhard Walther</name> mit feinem Verständnisse und einer
                    für die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts geradezu bewunderungswürdigen Hingabe
                    an die noch triebkräftigen Zweige der volksthümlichen Rechtsbildung sich der
                    dornenvollen Aufgabe unterzogen, den in verblassender Erinnerung der
                    Zeitgenossen fortlebenden Landsbrauch zu erkunden und den gesammten Rechtsstoff
                    heimischer wie fremder Herkunft mit den zu Bologna und Pavia erworbenen Mitteln
                    juristischer Technik in wissenschaftlicher Verarbeitung zu bemeistern.</p>

        <p> Nach dem Abgange des Berufenen, dessen goldene Tractate als Canon des
                    Landsbrauches bei den Gerichten Eingang gefunden hatten, [Seite 236] gebrach es
                    zwar keineswegs an tüchtigen Juristen im Lande, wohl aber an einer
                    Persönlichkeit, welche Willens gewesen wäre, die Landtafel im Geiste <name
            type="person">Walthers</name> zu entwerfen. Die Situation lag eben beim
                    Regierungsantritte <name type="person">Kaiser Maximilian II.</name> nicht viel
                    anders als zweiundzwanzig Jahre später, da im Kreise der Ritterschaft die
                    Aeusserung verlautete, dass die Rechtsgelehrten zu diesem Werke wenig Lust
                    hätten und durch sie schwerlich eine Förderung zu erhoffen sei.</p>
        <p> Solche Umstände machen es begreiflich, dass sich zunächst die Verhandlungen über
                    die Zusammensetzung des Berathungscollegiums jahrelang hinzogen und dass zur
                    erstmaligen Sitzung, welche im Februar 1569 stattfinden sollte, nur ein einziger
                    ständischer Deputirter in Wien eingetroffen war; sie liefern zugleich den
                    Erklärungsgrund für die Erscheinung, dass der Inhalt des im Jahre 1573 fertig
                    gestellten Entwurfes, soweit dieser nicht geradezu auf den Walther'schen
                    Tractaten beruht, fast ausschliesslich aus den fremden Rechten geschöpft
                    ist.</p>

        <p> Die Relation der Verordneten vom Januar 1572 an den Landtag meldet, dass der
                    Kaiser nicht nur bewilligt, sondern schon Mass und Ordnung gegeben habe, durch
                    wen und wie die Verfassung der Landtafel geschehen solle. Den Namen des Autors
                    erfahren wir aus einem Berichte, mit welchem der niederösterreichische
                    Regimentsrath <name
            type="person">Dr. Wolfgang Püdler</name> sein Elaborat dem
                    Landmarschall <name type="person">Hans Wilhelm Freiherr von Roggendorf</name>
                    vorlegte. Der Verfasser, Wiener von Geburt, studierte 1549 zu Padua, wirkte
                    bereits 1553 an der Universität seiner Heimatsstadt als Professor des
                    canonischen Rechtes, zeitweilig auch als pandectarum ordinarius, bekleidete
                    während des Zeitraumes von 1556-1566 dreimal das Decanat, zweimal das Rectorat
                    und übte neben der Lehrthätigkeit zugleich die Advocatur beim
                    landmarschallischen Gerichte aus. Ende 1567 erfolgte seine Ernennung zum Rathe
                    und Regenten der niederösterreichischen Regierung, 1588 zum Hofkammerrathe; in
                    dieser Amtsstellung verstarb er am 7. März 1595.</p>

        <p> Ueber die Anlage der Arbeit, die benutzten Quellen und den methodischen Vorgang
                    bei Abfassung des Entwurfes verbreitet sich das zum Abdruck gebrachte
                        Schriftstück<note
            n="1" place="foot">Original im niederösterreichischen
                        Landesarchiv Fasc. B IV. 2, 4 1/2 Bogen, Petschaft fehlt. Abschr. Sammlung
                        Chorinsky.</note>, dessen Erledigung vom 19. December 1573 datirt.</p>
      </div>
      <div xml:id="Text">

        <p> Wollgeborner herr landmarschalch, gnediger und gebietunder herr. Eur gnaden
                    haben sich gnediklich zu erindern wasmassen eur gnaden mich durch herrn <name type="person">Joachim von Sinczendorff zu Goggitsch</name> rom. kais. maj.
                    rath und regenten des regiments der n. o. landen meinen gunstigen herrn
                    gnedikhlich ansprechen lassen, dieweil höchstgedachte röm. kais. maj. unser
                    allergenedigister herr daz löblich und notwendig werkh der österreichischen
                    landtafl under der Enns gnedigist gern befiedert sachen, daz ich mich sollicher
                    müehe und arbait underwinden [Seite 237] und ainer ersamen landschaft zu ehren
                    und wolfart ain neue landsordnung compillieren verfassen und aufrichten
                    solle.</p>
        <p> Nun hab ich mich zu berichten gehabt, das angeregtes werkh von irer kais. maj.
                    meermals und fast in allen landtagen eiferig und hastig getriben, darzue auch
                    viel unterschiedliche comissarien erkhiest und deputiert worden; es ist aber
                    solliches allzeit stöckhet verblieben und hat den wenigisten anfang nit
                    erraichen wöllen. darumben mir unwierdigen und gering verstendigen nit wenig
                    bedenkhlich gefallen, daz ich mich umb solliches nambhafts hoches weitschweifigs
                    und arbaitsambs werkh ôn alle hülf und beistand allain annemben, und durch mein
                    hand gehen lassen soll. so hab ich mich dessen auch nit wenig zu besorgen
                    gehabt, das mein vorsteunde compillation und verfassung in villerlai hend
                    khumben, mancherlai censur und bedenkhen außstehen, auch lezlich durch alle
                    hoche gericht laufen werde. zu dem hab ich auch zu gmiet gefiert, daz mier
                    solliche vilfeltige hochwichtige und tagliche extraordinari arbait neben meinen
                    habenten schwaren ordinari ratsdienst an meinem gesund schmellerung geberen
                    werde, deßgleichen daz ich meiner wirtschaft und haußhaltung umb so vill weniger
                    vorsein und an derselben mangl leiden mueßen, sonderlich weil solliche arbait
                    continuiert und befiedert sein solle. iedoch ungeacht sollicher und aller
                    anderen ungelegenhaiten hab ich nach gehabtem langem notwendigen bedenkhen in
                    dem namen gott des allmechtigen, wellicher zu ehrlichen cristlichen und gemainen
                    nucz wolfarigen sachen seinen sondern gaist gnadt und segen verleicht, in eur
                    gnaden begern gsünnen und willen mich ergeben und das erfordert statlich werkh
                    auß folgunden beweglichen ursachen an die hand genomben.</p>
        <p> Erstlich, hat mich eur gnaden genedigs ansinnen, hoches und sonders vertrauen,
                    welliches eur gnaden zu mir unverdienter sachen in namben und an statt einer
                    hochlöblichen edlen und ersamben landschaft geseczt, zum höchsten bewegt,
                    angesehen das ich mich bei eur gnaden und wolgedachter landschaft aller
                    möglichen gnadt gonst und wilfarung gehorsamist zu getrösten. dann wie
                    gnadenreich dankhbar und milt sich wolgedachte löbliche landschaft gegen allen
                    denen so sich zu derselben diensten nucz und wolfart gehorsamblich gebrauchen
                    lassen iederzeit wirkhlich erzaigt, das gibt die wahr und wislich erfarung zu
                    erkhennen.</p>
        <p> Zum andern, hat wolgedachter herr <name type="person">Joachim von
                        Sinczendorff</name> auf eur gnaden anmannen bei mir so embsig und treuherzig
                    angehalten, das ich mich ferrer dises vilfeltigen ansuechens mit fueg nit
                    entweren khünnen noch sollen.</p>

        <p> Fürs dritt, als das erst und zum thail andere verfast puech eur gnaden ich
                    begerter massen zu einer prob umb genedige ersechung ubergeben, haben eur gnaden
                    daran ein sonders genedigs wolgefallen getragen und mich schriftlich, auch durch
                    wolgedachten <name type="person">herrn von Sinczendorff</name> mündlich, zu
                    prosequierung des angefangnen werkhs mermals genedikhlich vermonen lassen, dem
                    ich hernach billich gehorsambt. [Seite 238]</p>
        <p> Zum dritten, hab ich hierinnen weilent des wolgebornen herrn herrn <name type="person">Joachim von Schënkhirchen</name> gewesnen stathalters meines
                    genedigen herrn säliger und löblicher gedachtnuß rath insonderhait gephlegt,
                    auch seiner gnaden zu einer prob den titl von massigung der exspensen
                    fürgebracht, wellichen seine gnaden alspald ubersechen und mit seiner aignen
                    hand etliche bedenkhen ad marginem gestelt, wie eur gnaden hieneben genedikhlich
                    abzunemben. seine gnaden haben mich auch damals mit dem allerhöchsten stimuliert
                    und ermont von meinem fürnemben nit zu setzen sonder ainer ersamen landschaft
                    begerter massen ôn alle wagerung zu wilfaren, mit angehengter vertröstung, wann
                    solliche landsordnung gar beschlossen und wolgedachter landschaft fürtrogen
                    werde, so wol er selbst verhülflich sein, das ich meiner gehabten mihe und
                    arbeit zu meinem gueten benüegen contentiert und befridet werden solle;
                    welliches er warlichen, do ime der allmechtig gott daz leben lenger gefrist, mit
                    pestem treuen volbracht het. dann seine gnaden in zeit seines lebens wie es umb
                    solliche arbeit stehe mermals gefragt, mich auch zu vortseczung derselben mit
                    grosser vertröstung animiert und gesterkht.</p>

        <p> Zum vierten, als eur gnaden obbemeltes erstes und zum tail anderes puech dem
                    herrn landschreiber <name
            type="person">Larentzen Saurer</name> meinem gonstigen
                    herrn zu ersechen ubergeben, hat gedachter herr <name type="person">Saurer</name> dieselben mit sonderm fleis durchlesen und mir nachmals
                    beiligende zwai schreiben zuegeschikht, mich auch damit dermassen an meinem
                    fürnemben gesterkht, das ich lüst und lieb gewongen das angefangen werkh
                    vermitlung gotlicher gnaden gar zu beschliessen, wie es dann gotlob nunmer
                    beschechen.</p>
        <p> Dasselb aber hab ich in vier unterschiedliche piecher abgetailt: im ersten puech
                    wierdt von dem gerichtlichen proceß und allem dem so dem gerichtlichen wesen
                    anhengig, im andern von allerlai contracten pacten und verpindlichen handlungen,
                    im dritten von testamenten auch allen andern schriftlichen und mindlichen
                    letzsten willen sambt der succession und erbrecht ab intestato, im vierten von
                    allerlai sachen welliche auf dem land am maisten gewöndlich und breüchig, auch
                    etlichen davon herriereten strafmessigen handlungen ausfierlich tradiert und
                    ordenlich gehandlet.</p>
        <p> Solliche landsordnung aber hab ich nit nach gedunkhen oder auf ainen gefassten
                    wohn gestelt sonder aus denen geschribnen weltlichen und gaistlichen rechten,
                    auch derselben glossen scribenten consulenten decidenten tractaten und
                    repertorien, auch ungeverlich auß 60 underschiedlichen püechern mit sonderm
                    vleiß gezogen. danebens hab ich etliche teütsche püecher landsordnung
                    gerichtsordnungen und statutten, deßgleichen daz generall-puech so bei der n. o.
                    canzlei verhanden, item daz consuetudinari-puech welliches bei der n. o.
                    regierung, item die Khirchpergerischen oder Waltherischen tractätl gebraucht.
                    und ob woll mein compillation etwon das ansehen bei etlichen haben möcht alß
                    ware der meiste thail auß obbemelten tractatln gezogen, so hab ich doch darauß
                    uber 40 oder aufs allermaist 50 pletter nit [Seite 239] gebraucht, wie ich dann
                    auf begern dasselb specifice erleütern und außfüeren khan. ich hab auch den
                    inhalt obbemelter bletter von neuem durchsehen und meines verhoffens nit allain
                    denselben ordenlicher und formblicher gemacht, sonder an villen orten augiert
                    gemert und gepessert.</p>
        <p> Sonderlich die materi von erbrecht ab intestato, welliche ich mit lautern
                    schonen und nuczen sibpaumben erclärt und uber einen ieden ain besondere
                    application gemacht. waß aber soliche sibpaum für nachgedenkhen mihe und arbait
                    genomben das wierdt ainer vill leichter erwegen alß nochthain khinnen. ich hab
                    damit nit wenig wochen zurgebracht und wolt zwar nit zweihundert thaller pares
                    gelte nemben, daz ich mir mit solichem schwärem nachsinnen ferrer so wehe
                    geschechen wolt lassen. dann die maisten sibpaum vermogen unter einer figur
                    dreierlai ehe und drei unterschiedliche geschwistret, namblichen die auf der
                    rechten hand von vattern allain, die in der mit von baiden panden, die zue der
                    linkhen seiten von der muetern allain.</p>
        <p> Waß aber causam formalem, den stilum und puechstamlichen inhalt anlangt, hoff
                    ih, man werde an notwendiger gueter richtiger ordnung khainen mangl finden.</p>
        <p> Dann sovil erstlich die vier piecher belangt, ist das gerichtlich wesen
                    derhalben in das erst puech verleibt und an den spicz gestelt, das solliche
                    ordnung in corpore juris und andern jurisdischen piechern auch befunden wierdt.
                    wie dann alle andere 3 püecher allain der ursach halben verfast, daz man wissen
                    solle was bei gericht in ainem oder dem andern faal gebillicht oder erkhennt
                    solle werden. darauf folgt daz puech von contracten, dann die
                    contracts-handlungen gehen aller vernunft und erfarung nach denen lezsten willen
                    vor, wie daz leben dem todt. nachmals folgt daz drit puech von testamentlichen
                    und andern lezsten willen damit daz menschen leben beschlossen wierdt. das 4.
                    buech handlet von allerlai extraordinari landsachen, wie in corpore juris
                    solliche und dergleichen materi auch erst nach denen lezsten willen gehandlet
                    werden.</p>
        <p> Will man alßdann die maleficz- und landgerichts-ordnung so derzeit zu hoff
                    stehet zum beschluß für daz fünft puech setzen, so khan solliches mit guetem
                    fueg woll beschehen, dann mit denen maleficzen wirdt unser corpus juris auch
                    beschlossen.</p>
        <p> West also nichts daz sollicher landsordnung sovil die khüerz erdulden mag
                    manglen soll, allain daz [von] den personis und von denen obrigkhaiten und
                    ambtern welliche bei ainer ersamen landschaft im gebrauch nichts tractiert
                    wierdt. solliches ist aber in der landgerichts-ordnung so des 57. jars
                    publiciert zuvor beschechen, darbei mag es berueen. will man aber alle materien
                    in ain aincges puech zusamen panschen, so khan solliches woll sein, und der erst
                    thail obbemelter landgerichts-ordnung in dise newe landsordnung gezogen und für
                    das erst puech gestelt, der ander thail aber mag nach allerhand gelegenhait in
                    die titl meines ersten puechs welliches von gerichten handlet ôn sondere mhie
                    eingespikht und untergebracht werden. [Seite 240]</p>
        <p> Von gemeiner landschaft sonderbaren freihaiten und privilegiere hab ich nichts
                    tractiert, dann mir dieselben nit communiciert worden. wil mans aber zu disem
                    werkh stellen, so mügen si zum beschluß meines vierten puechs gar ordenlichen
                    placz finden. dieweil aber darinnen gehaimbe sachen begriffen welliche etwo nit
                    iederman zu divulgieren, stöll ichs in einer ersamen landschaft bedenkhen was
                    hierinnen zu thuen oder zu lassen.</p>
        <p> Die lehensrecht hab ich hierinnen auch nit berüert, dann solliche materi wierdt
                    in corpore juris nit ordinarie sonder extraordinariter beschriben, ist auch so
                    außfierlich und weitleüfig, daz si ein aignes puech allein geberen, ich auch
                    darzue etlich vill monath bedurftig sein wierde. dieweil man aber umb
                    befiederung bei mir starkh angehalten, hab ich die vier volenden piecher derzeit
                    gehorsamblich ubergeben wöllen. und sofer sich wolgedachte ersame landschaft
                    gegen mir der gebier nach und wolverdienter massen daran mir gar nit zweiflet
                    erzeügt, ir auch mit angedeutem puech von lehenssachen nochmallen gedient, will
                    ich solliche mhiesame arbait willig und gern über mich nemben und dieselb sovil
                    müglich befierdern, auch hoffenlich ehers zu end bringen alß die andern 4
                    puecher revidiert und beratschlagt werden. dieweil auch solliche ordnung etwas
                    lang, wierdt ein register nach ubersechnem und beschloßnem werkh von notten
                    sein.</p>
        <p> Was der titl und rubrickhen continuation antrifft hab ich darzue sondern vleiß
                    gebraucht, daz si aller gebier nach ein guete und gleiche folg auf einander
                    haben sollen , und ist khaine ân sondere bedenkhen der andern fürgestelt oder
                    nachgesezt worden, wie dann in specie außgefiert möcht werden. ich will es aber
                    umb geliebter khuerz willen derzeit underlassen und damit wo von nötten alzeit
                    gefasst sein.</p>
        <p> Was die articl saczungen und decisionen so unter die titl und rubrikhen gestelt
                    anlangt, die hab ich auch nit ôn underschaid oder nach wohn sonder mit sonderm
                    fleiß auf ainander geordnet, und also in dem nigro wie es die juristen nennen
                    sowoll alß in dem rubro oder titl ein wolzimete guete ordnung und disposition
                    gehalten, welliches der inhalt auch bezeugen wierdt; und khan mich dessen mit
                    grund woll beruemben, daz in rubro et nigro ein solliche feine auf einander
                    laufente und lautere condepentenz ist, welliche in corpore juris oder andern
                    jurisdischen piechern immediale nit zu befinden, darinnen ich der jurisden
                    censur woll erdulden khan.</p>
        <p> Das aber solliche text saczungen und ordnungen nit alzeit an einander hangen und
                    stehen sonder ire absacz haben und articlweiß gestelt worden, daz ist mit
                    fürsezlichem willen und sondern fleiß beschehen , dann die geschicht seint
                    unterschiedlich und bedürfen absonderlicher ordnung und decision; es wär auch
                    ain grosser unformb wann man dieselb fürfal an einander alzeit heften und gleich
                    alß widerwartige materi in einen tögl seczen wolt. sovill aber die
                    gleichformigkhait der handl erleiden mögen, hab ich mich beflissen was zusamen
                    gehörig an ainander zu heften. so ist auch einer gueten saczung art und rechte
                    aigenschaft, daz si khuerz sei, wie in andern [Seite 241] lands- und
                    statordnungen zu ersehen, darzue dann derlai absacz von nötten.</p>

        <p> Den stilum anlangent versiech ich mich, man soll davon auch nit vill
                    desiderieren. dann ob er gleich nit aufgemuzt noch hochprächtig, so ist er doch
                    mittermassig khlar und verstandlich, welliches meines erachtens das pest ist,
                    wie dann solliches <name
            type="person">Cicero</name> und <name
            type="person">Quintilianus</name> so in derlai fallen maister gewesen bezeugen und sagen:
                    virtus orationis est perspicuitas, und wie <name type="person">Ennius</name>
                    schreibt: ornari res ipsa negat contenta doceri. und dieweil die warhait, wie
                    auch ain lateinisch sprichwort, khaines schmukhs bedarf, so hab ich mich meerers
                    des markhs alß der glatten pain, auch der frücht dann der schönen pletter
                    beflissen, zumall cum leges non verbis sed rebus impositae sint, wie die
                    juristen sagen.</p>
        <p> Und ob woll daz ganz unverschaidenlich werkh der 4 verfassten piecher etwas lang
                    und manichem ain abscheuchen zum lesen geberen möcht, so haben doch so vil
                    ansehenlich vilfeltig und underschiedlich materi warlich in khain andere eng
                    noch khierz gepracht mögen werden. dann angeregte püecher halten die fürnembsten
                    tractat aller juristerei in sich und sein nichts anderß alß ain gewinschter
                    summari-begriff des ganzen khaiserlichen rechtens und der hielendischen
                    landbreuch. derhalben nit woll müglich gewesen solliches werkh zu khierzen, ich
                    het es dann halbieren und unvolkhumen machen wöllen. so ferr es aber ie für zu
                    lang gehalten, so mag man etlich titl , deßgleichen in nigro allerlai saczungen
                    deren man am maisten geratten khan außlassen, darzue ich mein guetachten auf
                    ersuechen gern geben will. wie mir dann nit zweiflet, es werde sich solliches
                    bei der revision und beratschlagung selbst fein in die hand geben und dise
                    verfassung etwas khürzer werden, sonderlich do es khain algemaine durchgeunde
                    ordnung für alle 4 ständ sein sonder sich allein auf die drei höchern stand
                    reimen und erstrekhen solle. do es auch nach beschechner verpesserung in druckh
                    gedeien soll, wuerdt der dritt oder fast halb thail diser schriftlichen leng
                    eingehn und verschwinden. des alles bei ainer ersamen landschaft cognition und
                    discretion stehet.</p>
        <p> Dann ferrer, damit ich ad causam finalem und zu erkhlärung aller meiner gehabten
                    intention schließlichen khomb, so ist mein willen gmiet und fürnemben nie dachin
                    gestanden, das ich einer löblichen ersamen landschaft ein unverkherlichs
                    volkhumnes und perfects werkh fürpringen wolt, dann sollichs nit mir allein
                    sonder vilen ansechentlichen leuten zu schaffen gäb. sonder mein mainung und
                    propositum ist dachin gestanden wolbemelter ersamen landschaft gleich wie locos
                    comunes, das ist manicherlai und viltausendveltig unterschiedliche geschicht
                    welliche sich bisher in facto begeben und noch täglich zuetragen möchten, als
                    einen gemainen schacz aller gerechtigkhait billigkhait und aequitet fürzutragen,
                    daraus dann wolgemelte landschaft nach irem gueten gefallen und hochem verstand
                    auskhlauben und erwellen solle was ir zu wolfart des lands, befiederung des
                    rechtens und notturft des gerichts gefellig und gemaint sein wil. darumben
                    [Seite 242] stöl ich daz ganz werkh in mehr wolgemelter landschaft censur
                    bedenkhen und verpesserung, auch eines ieden merverstandigen urtl.</p>

        <p> Was mich aber solliche gestelte landsordnung für sorg mihe und arbeith khost,
                    das wierdt das starkh miesam und langwierig werkh hoffentlich selbst gnuegsam
                    bezeugen. doch khann ich hienebens mit grund unvermeldt nit lassen, das ich bei
                    dritthalben jar nach einander damit zuegebracht, fürs erst. am andern, hab ich
                    meinem ordinari dienst einen weg als den andern beiwohnen und abwarten, auch zu
                    disem werkh die tag und zeit zuebringen müessen deren ich von dienst sonsten
                    frei gewesen, als die ferien fest- und sontag, erichtag phinstag und sambstag
                    nach essen. desgleichen hab ich in zuegestandnen schwachaiten, wann ich mich
                    anderst ein wenig wol befunden, solliche arbeit prosequiert und wegen begerter
                    befiederung mir damit oft saur lassen werden, auch bei vier fünf stunden nach
                    einander laboriert. fürs dritt, ist solliches ganz puech sibenmal<note
            n="242.1" place="foot">Corrigiert; urspr. „sechsmal".</note> unterschiedlich
                    durch meine hend und augen geloffen.</p>

        <p> Dann erstlich, ehe ich ain oder die ander materi gemacht, hab ich mir einen
                    ieden titl, als von zeugen kheufen schermen testamenten cridahandlungen und was
                    die andern al seint, kheinen davon ausgeschlossen, besonders fürgenomben, und
                    darüber wie oben beriert die text glossen scribenten consulenten decidenten
                    tractaten und repertoria welliche uber gleichmassige titl geschriben sambt denen
                    teutschen püchern so auch davon gehandlet nach ordnung uberlesen und also die
                    invention bekhomben. zum andern, hab ich die gelesen materi ehe und zuvor ich
                    etwaß gestelt in etliche fragstukh und circumstanz stellen, und daneben die
                    allegationen auß wellichem puech oder ort ein ieder articl genomben daselbst
                    verzaichnen miessen. fürs dritt, hab ich das ganz werkh mit meiner aignen hand
                    selbst gestelt und in die federn gebracht. zum vierten, nach vollbrachter
                    stellung hab ich einen ieden titl ehe und zuvor er abgeschriben worden widerumb
                    uberlesen corrigieren und pessern miessen. zum fünften, wann alsdan mein
                    handschrift abcopiert worden, hab ich einen ieden titl wider von neuen
                    ubersechen und mit dem schreiber collationiern miessen, dann solliches andern so
                    nit rechts erfaren und selbst stöller nit zu vertrauen gewesen. zum sechsten,
                    ehe solliche landsordnung zu standen geschriben und von ainer darzue erpettnen
                    canzleiperson ad mundum in daz uberaicht puech abgeschriben worden, hab ich von
                    pessers forms wegen daz werkh noch ainmal ansechen und sonderlich auf das
                    achtung haben müessen, damit ein saczung nit zwier einkhomb oder widerwartige
                    decisionen darinen befunden wuerden<note
            n="242.2"
            place="foot">hs. f. h: „zum
                        sibenten, hab ich den stilum aller vier piecher baser durch die schmitten
                        lassen", jedoch gestrichen.</note>. ich habs<note
            n="242.3" place="foot">ich
                        habs] nach der Correctur hinzugefügt.</note> auch damals mit etlichen neuen
                    titln gemeret, daneben dem abschreiber maß und ordnung geben wie er sich mit
                    denen titln sippaumben und in ander weg verhalten soll. und als er das
                    abschreiben compliert und vollendet, hab ich für das sibentmal daz ganz puech
                    von anfang biß zu end mit ime collationiert und nach notturft ersechen. [Seite
                    243]</p>
        <p> Was nun solliche sibenfeltige erdenkhung stöllung ubersechung und
                    collationierung für zeit mihe und arbeit genomben gib einen jeden verstandigen
                    ich gönstikhlich zu erwegen, eracht auch, do etliche von ainer ersamen
                    landschaft erkhieste herren comissarien so starkhes werkh zusamen getragen
                    hetten, si wuerden damit proportionabiliter mer zeit verzert und ainer ersamen
                    landschaft etlich tausent gulden darauf geloffen sein. es werde nun solliche
                    mein miehsame arbeit judiciert und geurtlet wie da well, so mogen eur gnaden mir
                    sicherlich glauben , wann ich anfangs gewest als ich hernach mit der that
                    befunden, das mir solliches werkh so vil zeit nemben und so statte schware mihe
                    khosten soll, wolt ich mich in der warheit darumben nit angenumben haben. do man
                    mir auch geraiter tausent ducaten perzeit aufleget ein solliches oder
                    gleichmassigs werkh in so khuerzer zeit und bei andern meinem vilfeltigen
                    obligen zu verfertigen, khunt ichs warlichen nit verdienen, trag auch sorg, ich
                    hab mir etliche järl an meinem gesund und leben abgearbeith. solliches wierdt
                    aber nit derwegen gemeldt, das ich dises werkh uber gebier commendieren
                    aufmuczen und beriemen, oder aber ainer ersamen landschaft mas und ordnung
                    anteuten wolt wie und was gestalt sich wolbemelte landschaft gegen mir der
                    refusion halben verhalten sol, sonder allein, das eur gnaden ausfierliche
                    erinderung entphiengen was sich mit disem begerten werkh von anfang biß zu end
                    verloffen. ich bin des geringfiegigen verstands und der ungezweifleten hofnung
                    wol, ein ersame landschaft werde mich dermassen gnaden- und mildreich ausser
                    aller masgebung zu bedenkhen, zu begaben und zu remunerieren wissen, das ich
                    daran zu meinem angenemben gueten gefallen wol content und zufriden sein, mich
                    auch dessen zu erfreüen und die zeit meines lebens unterthanikhlich zu bedankhen
                    wirdt haben, sonderlich weil ich der canzleiperson welliche solliches werkh
                    beharlich fleissig und treulich abgeschriben bei fünf monath lang meinen tisch
                    ohn all entgelt vergonstigt, wie ich dann sollicher refusion von eur gnaden ich
                    schriftlich und muntlich vertröst worden. und zweiflet mir zum wenigisten gar
                    nit, eur gnaden werden nochmallen hierin mein genediger herr fiederer und patron
                    sein. deßgleichen wöllen eur gnaden mit gnaden verhülflich sein, damit obbemelte
                    canzleiperson seiner vleissigen härrigen und treulichen arbeith halben einer
                    wolverdienten genadengab habhaft werde. wo entgegen eur gnaden oder ainer
                    ersamen landschaft ich die tag meines lebens rathsam wilferig und dienstlich
                    sein khan, wil ich mich ieder zeit dermassen willig gehorsam und dankhbar
                    erfinden lassen, daran eur gnaden und wolgemelte landschaft ein vilgnedigs
                    gefallen und gniegen haben und tragen sollen.</p>
        <p> Tue wolgemelter landschaft und eur gnaden mich hierait gehorsamblich und
                    dienstlich bevelchen<lb/> eur gnaden dienstwilliger<lb/>
          <name type="person">Wolffgang Püdler</name> dr. m. p.</p>
        <p> Wien. Dr. Theodor Motloch.</p>
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