Wollgeborner herr landmarschalch, gnediger und gebietunder herr. Eur gnaden
haben sich gnediklich zu erindern wasmassen eur gnaden mich durch herrn Joachim von Sinczendorff zu Goggitsch rom. kais. maj.
rath und regenten des regiments der n. o. landen meinen gunstigen herrn
gnedikhlich ansprechen lassen, dieweil höchstgedachte röm. kais. maj. unser
allergenedigister herr daz löblich und notwendig werkh der österreichischen
landtafl under der Enns gnedigist gern befiedert sachen, daz ich mich sollicher
müehe und arbait underwinden [Seite 237] und ainer ersamen landschaft zu ehren
und wolfart ain neue landsordnung compillieren verfassen und aufrichten
solle.
Nun hab ich mich zu berichten gehabt, das angeregtes werkh von irer kais. maj.
meermals und fast in allen landtagen eiferig und hastig getriben, darzue auch
viel unterschiedliche comissarien erkhiest und deputiert worden; es ist aber
solliches allzeit stöckhet verblieben und hat den wenigisten anfang nit
erraichen wöllen. darumben mir unwierdigen und gering verstendigen nit wenig
bedenkhlich gefallen, daz ich mich umb solliches nambhafts hoches weitschweifigs
und arbaitsambs werkh ôn alle hülf und beistand allain annemben, und durch mein
hand gehen lassen soll. so hab ich mich dessen auch nit wenig zu besorgen
gehabt, das mein vorsteunde compillation und verfassung in villerlai hend
khumben, mancherlai censur und bedenkhen außstehen, auch lezlich durch alle
hoche gericht laufen werde. zu dem hab ich auch zu gmiet gefiert, daz mier
solliche vilfeltige hochwichtige und tagliche extraordinari arbait neben meinen
habenten schwaren ordinari ratsdienst an meinem gesund schmellerung geberen
werde, deßgleichen daz ich meiner wirtschaft und haußhaltung umb so vill weniger
vorsein und an derselben mangl leiden mueßen, sonderlich weil solliche arbait
continuiert und befiedert sein solle. iedoch ungeacht sollicher und aller
anderen ungelegenhaiten hab ich nach gehabtem langem notwendigen bedenkhen in
dem namen gott des allmechtigen, wellicher zu ehrlichen cristlichen und gemainen
nucz wolfarigen sachen seinen sondern gaist gnadt und segen verleicht, in eur
gnaden begern gsünnen und willen mich ergeben und das erfordert statlich werkh
auß folgunden beweglichen ursachen an die hand genomben.
Erstlich, hat mich eur gnaden genedigs ansinnen, hoches und sonders vertrauen,
welliches eur gnaden zu mir unverdienter sachen in namben und an statt einer
hochlöblichen edlen und ersamben landschaft geseczt, zum höchsten bewegt,
angesehen das ich mich bei eur gnaden und wolgedachter landschaft aller
möglichen gnadt gonst und wilfarung gehorsamist zu getrösten. dann wie
gnadenreich dankhbar und milt sich wolgedachte löbliche landschaft gegen allen
denen so sich zu derselben diensten nucz und wolfart gehorsamblich gebrauchen
lassen iederzeit wirkhlich erzaigt, das gibt die wahr und wislich erfarung zu
erkhennen.
Zum andern, hat wolgedachter herr Joachim von
Sinczendorff auf eur gnaden anmannen bei mir so embsig und treuherzig
angehalten, das ich mich ferrer dises vilfeltigen ansuechens mit fueg nit
entweren khünnen noch sollen.
Fürs dritt, als das erst und zum thail andere verfast puech eur gnaden ich
begerter massen zu einer prob umb genedige ersechung ubergeben, haben eur gnaden
daran ein sonders genedigs wolgefallen getragen und mich schriftlich, auch durch
wolgedachten herrn von Sinczendorff mündlich, zu
prosequierung des angefangnen werkhs mermals genedikhlich vermonen lassen, dem
ich hernach billich gehorsambt. [Seite 238]
Zum dritten, hab ich hierinnen weilent des wolgebornen herrn herrn Joachim von Schënkhirchen gewesnen stathalters meines
genedigen herrn säliger und löblicher gedachtnuß rath insonderhait gephlegt,
auch seiner gnaden zu einer prob den titl von massigung der exspensen
fürgebracht, wellichen seine gnaden alspald ubersechen und mit seiner aignen
hand etliche bedenkhen ad marginem gestelt, wie eur gnaden hieneben genedikhlich
abzunemben. seine gnaden haben mich auch damals mit dem allerhöchsten stimuliert
und ermont von meinem fürnemben nit zu setzen sonder ainer ersamen landschaft
begerter massen ôn alle wagerung zu wilfaren, mit angehengter vertröstung, wann
solliche landsordnung gar beschlossen und wolgedachter landschaft fürtrogen
werde, so wol er selbst verhülflich sein, das ich meiner gehabten mihe und
arbeit zu meinem gueten benüegen contentiert und befridet werden solle;
welliches er warlichen, do ime der allmechtig gott daz leben lenger gefrist, mit
pestem treuen volbracht het. dann seine gnaden in zeit seines lebens wie es umb
solliche arbeit stehe mermals gefragt, mich auch zu vortseczung derselben mit
grosser vertröstung animiert und gesterkht.
Zum vierten, als eur gnaden obbemeltes erstes und zum tail anderes puech dem
herrn landschreiber Larentzen Saurer meinem gonstigen
herrn zu ersechen ubergeben, hat gedachter herr Saurer dieselben mit sonderm fleis durchlesen und mir nachmals
beiligende zwai schreiben zuegeschikht, mich auch damit dermassen an meinem
fürnemben gesterkht, das ich lüst und lieb gewongen das angefangen werkh
vermitlung gotlicher gnaden gar zu beschliessen, wie es dann gotlob nunmer
beschechen.
Dasselb aber hab ich in vier unterschiedliche piecher abgetailt: im ersten puech
wierdt von dem gerichtlichen proceß und allem dem so dem gerichtlichen wesen
anhengig, im andern von allerlai contracten pacten und verpindlichen handlungen,
im dritten von testamenten auch allen andern schriftlichen und mindlichen
letzsten willen sambt der succession und erbrecht ab intestato, im vierten von
allerlai sachen welliche auf dem land am maisten gewöndlich und breüchig, auch
etlichen davon herriereten strafmessigen handlungen ausfierlich tradiert und
ordenlich gehandlet.
Solliche landsordnung aber hab ich nit nach gedunkhen oder auf ainen gefassten
wohn gestelt sonder aus denen geschribnen weltlichen und gaistlichen rechten,
auch derselben glossen scribenten consulenten decidenten tractaten und
repertorien, auch ungeverlich auß 60 underschiedlichen püechern mit sonderm
vleiß gezogen. danebens hab ich etliche teütsche püecher landsordnung
gerichtsordnungen und statutten, deßgleichen daz generall-puech so bei der n. o.
canzlei verhanden, item daz consuetudinari-puech welliches bei der n. o.
regierung, item die Khirchpergerischen oder Waltherischen tractätl gebraucht.
und ob woll mein compillation etwon das ansehen bei etlichen haben möcht alß
ware der meiste thail auß obbemelten tractatln gezogen, so hab ich doch darauß
uber 40 oder aufs allermaist 50 pletter nit [Seite 239] gebraucht, wie ich dann
auf begern dasselb specifice erleütern und außfüeren khan. ich hab auch den
inhalt obbemelter bletter von neuem durchsehen und meines verhoffens nit allain
denselben ordenlicher und formblicher gemacht, sonder an villen orten augiert
gemert und gepessert.
Sonderlich die materi von erbrecht ab intestato, welliche ich mit lautern
schonen und nuczen sibpaumben erclärt und uber einen ieden ain besondere
application gemacht. waß aber soliche sibpaum für nachgedenkhen mihe und arbait
genomben das wierdt ainer vill leichter erwegen alß nochthain khinnen. ich hab
damit nit wenig wochen zurgebracht und wolt zwar nit zweihundert thaller pares
gelte nemben, daz ich mir mit solichem schwärem nachsinnen ferrer so wehe
geschechen wolt lassen. dann die maisten sibpaum vermogen unter einer figur
dreierlai ehe und drei unterschiedliche geschwistret, namblichen die auf der
rechten hand von vattern allain, die in der mit von baiden panden, die zue der
linkhen seiten von der muetern allain.
Waß aber causam formalem, den stilum und puechstamlichen inhalt anlangt, hoff
ih, man werde an notwendiger gueter richtiger ordnung khainen mangl finden.
Dann sovil erstlich die vier piecher belangt, ist das gerichtlich wesen
derhalben in das erst puech verleibt und an den spicz gestelt, das solliche
ordnung in corpore juris und andern jurisdischen piechern auch befunden wierdt.
wie dann alle andere 3 püecher allain der ursach halben verfast, daz man wissen
solle was bei gericht in ainem oder dem andern faal gebillicht oder erkhennt
solle werden. darauf folgt daz puech von contracten, dann die
contracts-handlungen gehen aller vernunft und erfarung nach denen lezsten willen
vor, wie daz leben dem todt. nachmals folgt daz drit puech von testamentlichen
und andern lezsten willen damit daz menschen leben beschlossen wierdt. das 4.
buech handlet von allerlai extraordinari landsachen, wie in corpore juris
solliche und dergleichen materi auch erst nach denen lezsten willen gehandlet
werden.
Will man alßdann die maleficz- und landgerichts-ordnung so derzeit zu hoff
stehet zum beschluß für daz fünft puech setzen, so khan solliches mit guetem
fueg woll beschehen, dann mit denen maleficzen wirdt unser corpus juris auch
beschlossen.
West also nichts daz sollicher landsordnung sovil die khüerz erdulden mag
manglen soll, allain daz [von] den personis und von denen obrigkhaiten und
ambtern welliche bei ainer ersamen landschaft im gebrauch nichts tractiert
wierdt. solliches ist aber in der landgerichts-ordnung so des 57. jars
publiciert zuvor beschechen, darbei mag es berueen. will man aber alle materien
in ain aincges puech zusamen panschen, so khan solliches woll sein, und der erst
thail obbemelter landgerichts-ordnung in dise newe landsordnung gezogen und für
das erst puech gestelt, der ander thail aber mag nach allerhand gelegenhait in
die titl meines ersten puechs welliches von gerichten handlet ôn sondere mhie
eingespikht und untergebracht werden. [Seite 240]
Von gemeiner landschaft sonderbaren freihaiten und privilegiere hab ich nichts
tractiert, dann mir dieselben nit communiciert worden. wil mans aber zu disem
werkh stellen, so mügen si zum beschluß meines vierten puechs gar ordenlichen
placz finden. dieweil aber darinnen gehaimbe sachen begriffen welliche etwo nit
iederman zu divulgieren, stöll ichs in einer ersamen landschaft bedenkhen was
hierinnen zu thuen oder zu lassen.
Die lehensrecht hab ich hierinnen auch nit berüert, dann solliche materi wierdt
in corpore juris nit ordinarie sonder extraordinariter beschriben, ist auch so
außfierlich und weitleüfig, daz si ein aignes puech allein geberen, ich auch
darzue etlich vill monath bedurftig sein wierde. dieweil man aber umb
befiederung bei mir starkh angehalten, hab ich die vier volenden piecher derzeit
gehorsamblich ubergeben wöllen. und sofer sich wolgedachte ersame landschaft
gegen mir der gebier nach und wolverdienter massen daran mir gar nit zweiflet
erzeügt, ir auch mit angedeutem puech von lehenssachen nochmallen gedient, will
ich solliche mhiesame arbait willig und gern über mich nemben und dieselb sovil
müglich befierdern, auch hoffenlich ehers zu end bringen alß die andern 4
puecher revidiert und beratschlagt werden. dieweil auch solliche ordnung etwas
lang, wierdt ein register nach ubersechnem und beschloßnem werkh von notten
sein.
Was der titl und rubrickhen continuation antrifft hab ich darzue sondern vleiß
gebraucht, daz si aller gebier nach ein guete und gleiche folg auf einander
haben sollen , und ist khaine ân sondere bedenkhen der andern fürgestelt oder
nachgesezt worden, wie dann in specie außgefiert möcht werden. ich will es aber
umb geliebter khuerz willen derzeit underlassen und damit wo von nötten alzeit
gefasst sein.
Was die articl saczungen und decisionen so unter die titl und rubrikhen gestelt
anlangt, die hab ich auch nit ôn underschaid oder nach wohn sonder mit sonderm
fleiß auf ainander geordnet, und also in dem nigro wie es die juristen nennen
sowoll alß in dem rubro oder titl ein wolzimete guete ordnung und disposition
gehalten, welliches der inhalt auch bezeugen wierdt; und khan mich dessen mit
grund woll beruemben, daz in rubro et nigro ein solliche feine auf einander
laufente und lautere condepentenz ist, welliche in corpore juris oder andern
jurisdischen piechern immediale nit zu befinden, darinnen ich der jurisden
censur woll erdulden khan.
Das aber solliche text saczungen und ordnungen nit alzeit an einander hangen und
stehen sonder ire absacz haben und articlweiß gestelt worden, daz ist mit
fürsezlichem willen und sondern fleiß beschehen , dann die geschicht seint
unterschiedlich und bedürfen absonderlicher ordnung und decision; es wär auch
ain grosser unformb wann man dieselb fürfal an einander alzeit heften und gleich
alß widerwartige materi in einen tögl seczen wolt. sovill aber die
gleichformigkhait der handl erleiden mögen, hab ich mich beflissen was zusamen
gehörig an ainander zu heften. so ist auch einer gueten saczung art und rechte
aigenschaft, daz si khuerz sei, wie in andern [Seite 241] lands- und
statordnungen zu ersehen, darzue dann derlai absacz von nötten.
Den stilum anlangent versiech ich mich, man soll davon auch nit vill
desiderieren. dann ob er gleich nit aufgemuzt noch hochprächtig, so ist er doch
mittermassig khlar und verstandlich, welliches meines erachtens das pest ist,
wie dann solliches Cicero und Quintilianus so in derlai fallen maister gewesen bezeugen und sagen:
virtus orationis est perspicuitas, und wie Ennius
schreibt: ornari res ipsa negat contenta doceri. und dieweil die warhait, wie
auch ain lateinisch sprichwort, khaines schmukhs bedarf, so hab ich mich meerers
des markhs alß der glatten pain, auch der frücht dann der schönen pletter
beflissen, zumall cum leges non verbis sed rebus impositae sint, wie die
juristen sagen.
Und ob woll daz ganz unverschaidenlich werkh der 4 verfassten piecher etwas lang
und manichem ain abscheuchen zum lesen geberen möcht, so haben doch so vil
ansehenlich vilfeltig und underschiedlich materi warlich in khain andere eng
noch khierz gepracht mögen werden. dann angeregte püecher halten die fürnembsten
tractat aller juristerei in sich und sein nichts anderß alß ain gewinschter
summari-begriff des ganzen khaiserlichen rechtens und der hielendischen
landbreuch. derhalben nit woll müglich gewesen solliches werkh zu khierzen, ich
het es dann halbieren und unvolkhumen machen wöllen. so ferr es aber ie für zu
lang gehalten, so mag man etlich titl , deßgleichen in nigro allerlai saczungen
deren man am maisten geratten khan außlassen, darzue ich mein guetachten auf
ersuechen gern geben will. wie mir dann nit zweiflet, es werde sich solliches
bei der revision und beratschlagung selbst fein in die hand geben und dise
verfassung etwas khürzer werden, sonderlich do es khain algemaine durchgeunde
ordnung für alle 4 ständ sein sonder sich allein auf die drei höchern stand
reimen und erstrekhen solle. do es auch nach beschechner verpesserung in druckh
gedeien soll, wuerdt der dritt oder fast halb thail diser schriftlichen leng
eingehn und verschwinden. des alles bei ainer ersamen landschaft cognition und
discretion stehet.
Dann ferrer, damit ich ad causam finalem und zu erkhlärung aller meiner gehabten
intention schließlichen khomb, so ist mein willen gmiet und fürnemben nie dachin
gestanden, das ich einer löblichen ersamen landschaft ein unverkherlichs
volkhumnes und perfects werkh fürpringen wolt, dann sollichs nit mir allein
sonder vilen ansechentlichen leuten zu schaffen gäb. sonder mein mainung und
propositum ist dachin gestanden wolbemelter ersamen landschaft gleich wie locos
comunes, das ist manicherlai und viltausendveltig unterschiedliche geschicht
welliche sich bisher in facto begeben und noch täglich zuetragen möchten, als
einen gemainen schacz aller gerechtigkhait billigkhait und aequitet fürzutragen,
daraus dann wolgemelte landschaft nach irem gueten gefallen und hochem verstand
auskhlauben und erwellen solle was ir zu wolfart des lands, befiederung des
rechtens und notturft des gerichts gefellig und gemaint sein wil. darumben
[Seite 242] stöl ich daz ganz werkh in mehr wolgemelter landschaft censur
bedenkhen und verpesserung, auch eines ieden merverstandigen urtl.
Was mich aber solliche gestelte landsordnung für sorg mihe und arbeith khost,
das wierdt das starkh miesam und langwierig werkh hoffentlich selbst gnuegsam
bezeugen. doch khann ich hienebens mit grund unvermeldt nit lassen, das ich bei
dritthalben jar nach einander damit zuegebracht, fürs erst. am andern, hab ich
meinem ordinari dienst einen weg als den andern beiwohnen und abwarten, auch zu
disem werkh die tag und zeit zuebringen müessen deren ich von dienst sonsten
frei gewesen, als die ferien fest- und sontag, erichtag phinstag und sambstag
nach essen. desgleichen hab ich in zuegestandnen schwachaiten, wann ich mich
anderst ein wenig wol befunden, solliche arbeit prosequiert und wegen begerter
befiederung mir damit oft saur lassen werden, auch bei vier fünf stunden nach
einander laboriert. fürs dritt, ist solliches ganz puech sibenmal242.1 unterschiedlich
durch meine hend und augen geloffen.
Dann erstlich, ehe ich ain oder die ander materi gemacht, hab ich mir einen
ieden titl, als von zeugen kheufen schermen testamenten cridahandlungen und was
die andern al seint, kheinen davon ausgeschlossen, besonders fürgenomben, und
darüber wie oben beriert die text glossen scribenten consulenten decidenten
tractaten und repertoria welliche uber gleichmassige titl geschriben sambt denen
teutschen püchern so auch davon gehandlet nach ordnung uberlesen und also die
invention bekhomben. zum andern, hab ich die gelesen materi ehe und zuvor ich
etwaß gestelt in etliche fragstukh und circumstanz stellen, und daneben die
allegationen auß wellichem puech oder ort ein ieder articl genomben daselbst
verzaichnen miessen. fürs dritt, hab ich das ganz werkh mit meiner aignen hand
selbst gestelt und in die federn gebracht. zum vierten, nach vollbrachter
stellung hab ich einen ieden titl ehe und zuvor er abgeschriben worden widerumb
uberlesen corrigieren und pessern miessen. zum fünften, wann alsdan mein
handschrift abcopiert worden, hab ich einen ieden titl wider von neuen
ubersechen und mit dem schreiber collationiern miessen, dann solliches andern so
nit rechts erfaren und selbst stöller nit zu vertrauen gewesen. zum sechsten,
ehe solliche landsordnung zu standen geschriben und von ainer darzue erpettnen
canzleiperson ad mundum in daz uberaicht puech abgeschriben worden, hab ich von
pessers forms wegen daz werkh noch ainmal ansechen und sonderlich auf das
achtung haben müessen, damit ein saczung nit zwier einkhomb oder widerwartige
decisionen darinen befunden wuerden242.2. ich habs242.3 auch damals mit etlichen neuen
titln gemeret, daneben dem abschreiber maß und ordnung geben wie er sich mit
denen titln sippaumben und in ander weg verhalten soll. und als er das
abschreiben compliert und vollendet, hab ich für das sibentmal daz ganz puech
von anfang biß zu end mit ime collationiert und nach notturft ersechen. [Seite
243]
Was nun solliche sibenfeltige erdenkhung stöllung ubersechung und
collationierung für zeit mihe und arbeit genomben gib einen jeden verstandigen
ich gönstikhlich zu erwegen, eracht auch, do etliche von ainer ersamen
landschaft erkhieste herren comissarien so starkhes werkh zusamen getragen
hetten, si wuerden damit proportionabiliter mer zeit verzert und ainer ersamen
landschaft etlich tausent gulden darauf geloffen sein. es werde nun solliche
mein miehsame arbeit judiciert und geurtlet wie da well, so mogen eur gnaden mir
sicherlich glauben , wann ich anfangs gewest als ich hernach mit der that
befunden, das mir solliches werkh so vil zeit nemben und so statte schware mihe
khosten soll, wolt ich mich in der warheit darumben nit angenumben haben. do man
mir auch geraiter tausent ducaten perzeit aufleget ein solliches oder
gleichmassigs werkh in so khuerzer zeit und bei andern meinem vilfeltigen
obligen zu verfertigen, khunt ichs warlichen nit verdienen, trag auch sorg, ich
hab mir etliche järl an meinem gesund und leben abgearbeith. solliches wierdt
aber nit derwegen gemeldt, das ich dises werkh uber gebier commendieren
aufmuczen und beriemen, oder aber ainer ersamen landschaft mas und ordnung
anteuten wolt wie und was gestalt sich wolbemelte landschaft gegen mir der
refusion halben verhalten sol, sonder allein, das eur gnaden ausfierliche
erinderung entphiengen was sich mit disem begerten werkh von anfang biß zu end
verloffen. ich bin des geringfiegigen verstands und der ungezweifleten hofnung
wol, ein ersame landschaft werde mich dermassen gnaden- und mildreich ausser
aller masgebung zu bedenkhen, zu begaben und zu remunerieren wissen, das ich
daran zu meinem angenemben gueten gefallen wol content und zufriden sein, mich
auch dessen zu erfreüen und die zeit meines lebens unterthanikhlich zu bedankhen
wirdt haben, sonderlich weil ich der canzleiperson welliche solliches werkh
beharlich fleissig und treulich abgeschriben bei fünf monath lang meinen tisch
ohn all entgelt vergonstigt, wie ich dann sollicher refusion von eur gnaden ich
schriftlich und muntlich vertröst worden. und zweiflet mir zum wenigisten gar
nit, eur gnaden werden nochmallen hierin mein genediger herr fiederer und patron
sein. deßgleichen wöllen eur gnaden mit gnaden verhülflich sein, damit obbemelte
canzleiperson seiner vleissigen härrigen und treulichen arbeith halben einer
wolverdienten genadengab habhaft werde. wo entgegen eur gnaden oder ainer
ersamen landschaft ich die tag meines lebens rathsam wilferig und dienstlich
sein khan, wil ich mich ieder zeit dermassen willig gehorsam und dankhbar
erfinden lassen, daran eur gnaden und wolgemelte landschaft ein vilgnedigs
gefallen und gniegen haben und tragen sollen.
Tue wolgemelter landschaft und eur gnaden mich hierait gehorsamblich und
dienstlich bevelchen
eur gnaden dienstwilliger
Wolffgang Püdler dr. m. p.
Wien. Dr. Theodor Motloch.