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      <titleStmt>
        <title>Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1573</title>
        <editor corresp="marcrelator:edt">
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                        Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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          <orgName ref="https://gams.uni-graz.at">GAMS -
                        Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
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                        Commons BY-NC 4.0</licence>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Heino</forename>
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              <forename>Wolfgang</forename>
              <surname>Püdler</surname>, </persName>
          </author>
          <title>Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1573.</title> Hrsg.
                        <editor corresp="marcrelator:edt">
            <persName ref="http://d-nb.info/gnd/120005204">
              <forename>Wilhelm</forename>
              <surname>Brauneder</surname>
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          <series>Rechtshistorische Reihe, 461</series> (<publisher>Peter
                        Lang</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Frankfurt/ Main u. a. </pubPlace>
          <date when="2015">2015</date>) </bibl>
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      <editorialDecl>
        <p>Dieser digitalen Version liegt die gedruckte Edition des Landrechtsentwurfs durch
                    Wilhelm Brauneder [2015: Peter Lang ISBN 978-3-631-57007-4] zugrunde. Dank der
                    Großzügigkeit des Herausgebers konnte diese Edition zur Anfertigung einer
                    digitalen Version verwendet werden, deren Vorzug insbesondere darin besteht,
                    dass jeder Paragraf einzeln angesteuert werden kann. Ein digitaler Link in der
                    Form "http://repertorium.at/qu/1573_noestlrentw.html#3.4.5" würde direkt zu Teil
                    III Titel 4 § 5 führen. Damit können alle Zitate aus diesem Landrechtsentwurf,
                    die in digital vorliegenden Texte, etwa in diesem Repertorium, vorkommen, als
                    Link auf den genauen Fundort ausgestaltet werden.</p>
        <p>Durch die Archivierung des Textes in <ref target="https://gams.uni-graz.at/">GAMS</ref> ergeben sich neue Adressierungsregeln: Die URL für obigen Text
                    lautet dann: "https://gams.uni-graz.at/o:repat.1573_noestlrentw#NA.3.4.5".</p>
        <p>Vor jedem Paragraphen gibt es einen Link zu der entsprechenden Faksimileseite des
                    ÖNB-Digitalisats der Handschrift in der Sammlung Chorinsky. Bei mehrfachen
                    Transkriptionen (Handschrift =&gt; Sammlung Chorinsky =&gt; Transkription Brauneder =&gt;
                    digitaler Text) sind Abschreibfehler kaum ganz zu vermeiden. Daher empfiehlt
                    sich bei Zweifeln ein Blick auf den Text in der Sammlung Chorinsky als
                    demjenigen, der der Originalhandschrift am nächsten steht. Die Druckausgabe
                    weist eine Einleitung und die Anmerkungen der Chorinskyabschrift auf, so dass es
                    immer hilfreich sein wird, sie ebenfalls heranzuziehen. Diese digitale Ausgabe
                    versteht sich nur als Hilfsmittel und Werkzeug für die Bereitstellung des
                    Volltextes im Internet und ist keine eigenständige Bearbeitung des Textes.<lb/>
                    Heino Speer Klagenfurt am Wörthersee, Jänner 2016</p>
        <p>Dem Deutschen Rechtswörterbuch verdankt sich ein Skript, das es ermöglicht, durch
                    einen doppelten Mausklick auf ein Textwort das Rechtswörterbuch nach den
                    diversen Vorkommen des Wortes zu durchsuchen. Probieren Sie es etwa hier aus:
                    Landeshauptmann.</p>
      </editorialDecl>
      <schemaRef url="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd"/>
      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
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      <langUsage>
        <language ident="de">Deutsch</language>
        <language ident="la">Latein</language>
      </langUsage>
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        <keywords>
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            <item>
              <term>
                <ref target="info:fedora/context:repat.quellen" type="context">Quellen</ref>
              </term>
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              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.niederoesterreich" type="context">Niederösterreich</ref>
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                <date type="dcterms:temporal" when="1573">1573</date>
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      <divGen type="toc"/>
    </front>
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        <head>Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1573.</head>
        <p>
          <pb
            n="Edition 2015 S. 15"/>LANDRECHTSENTWURF FÜR ÖSTERREICH UNTER DER ENNS
                    1573<lb/> [neues Blatt]<lb/> Landt Taffel oder Landts ordtnung des Hochlöblichen
                    Ertzhertzogthumb Österreich <pb n="Edition 2015 S. 16"/> vnder der Ennß. 1573.<lb/>
          <pb n="Edition 2015 S. 17"/> [neues Blatt]<lb/> Das Erste Buech. Von den Gericht
                    und gerichtpreüchigen Acten und processen auch was dem gerichtlichen wesenn
                    sonsten Zugehörig vnd anhengig.<lb/>
          <pb n="Edition 2015 S. 18"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.1">
        <head>[ Buch I Titel 1]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=67">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Erste Tittl. Von dem Gericht vnndt Gerichts
                    Persohnen auch in was fällen sich ainer des Richterlichen Ambts enthalten, oder
                    aber seinn selbs Richter sein möge. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.1"> [Buch I Titel 1 § 1]<lb/> § 1 Zu ainem ordentlichen und
                    Rechtmessigen Gerichtt gehörn fürnemblich dreÿ Persohnen, ein Richter, Cläger
                    und beclagter. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.2"> [Buch I Titel 1 § 2]<lb/> § 2 Soviel nun den Richter und seine
                    Zugeordtnete Gerichts Persohnen anlangt, mag ein ieder so Zu dem Ambt ordentlich
                    beruffen, beÿ denen daselbst fürkombenden handtlungen siczen, auch darüber
                    Judiciern und Recht sprechen. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.3"> [Buch I Titel 1 § 3]<lb/> § 3 Doch sein etliche sondere fäll,
                    in welchen sich ein Gerichts Persohn der gerichtlichen Cognition und erkentnus
                    enthalten solle. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.4"> [Buch I Titel 1 § 4]<lb/> § 4 Erstlichen in seinen aigen
                    schwebenden Rechtssachen, darunter dann seiner ehefrauen und Kinder handtlungen
                    auch begriffen, deßgleichen wann der ehehalten, diener unnd underthanen sachen,
                    für die höheren Instantz komben, solle sich Ihr Hauß und ober Herr derselben
                    massen. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.5"> [Buch I Titel 1 § 5]<lb/> § 5 Also auch fürs ander solle kein
                    Nahender bluetsfreundt ob seines befreundten handlungen siczen. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.6"> [Buch I Titel 1 § 6]<lb/> § 6 Für das driete, welche gerichts
                    Persohn mit ainem Andern in widerwillen, mißgunst und Zwitracht stehet, solle
                    sich von seines widerwertigen sachen enthalten. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.7"> [Buch I Titel 1 § 7]<lb/> § 7 Zum Vierten, welcher beÿ der
                    strittigen handlung, inn einem oder dem andern fall, gegenwürtig oder künftig
                    interessiert, der solle sich derselben sachen nit anmassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.8"> [Buch I Titel 1 § 8]<lb/> § 8 Zum fünften welcher vor Gerichtt
                    ainen schwebent hat der sich mit dem strittigen vergleichen thuet, soll den
                    strittigen mit entschaiden helfen. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.9"> [Buch I Titel 1 § 9]<lb/> § 9 Zum Sechsten welcher in ainer
                    sachen Gerichtliche Zeugnuß laisten mues, soll sich des Richterlichen Ambs
                    darinnen enthalten. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.10"> [Buch I Titel 1 § 10]<lb/> § 10 Zum Sibenden, welcher Zu der
                    strittigen sachen als ein Advocat oder gewalttrager gebraucht worden, oder sonst
                    raht und that vor dem Richterlichen Ambt darczu geben, der soll ob derselben
                    sachen nit siczen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.1.11"> [Buch I Titel 1 § 11]<lb/> § 11 Wiewohl die geschribnen
                    Rechten vermögen, das keinn Gerichts Persohn, so mit ainem andern Rechts
                    anhengig worden, bey seines gegenthails sachen siczen, noch darüber Judiciren
                    solle, so ist doch das widerspiel dem wissentlichen Landtsbrauch nach, bißhers
                    erhaltenn worden, darbeÿ wie es nochmahlen aus Landtsfürstlicher volmacht
                    gnedigst beruhen lassen. <pb n="Edition 2015 S. 19"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.1.12"> [Buch I Titel 1 § 12]<lb/> § 12 Deßgleichen solle ainem
                    Lehensman Zugelassen sein, obseines Lehenherren handlung Zusiczen, doch ausser
                    des Lehens, das er von Ihme possedirt. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.13"> [Buch I Titel 1 § 13]<lb/> § 13 Und dieweill die Löb: gericht
                    darumben eingeseczt und verorddtnet, das darbeÿ recht und gerechtigkait
                    Zusuchen, so solle keiner Parteÿ gebüren, mit einziehung gewalt, verbott,
                    Pfendung aufhalt oder in ander thättliche weeg sein selbs Richter und Rechner
                    Zusein, sonder Zu aller fürfallender notturfft der für geseczten ordenlichen
                    obrigkait pflegen, doch ist hiebeÿ außgenomben, das sich ein ieder Grundtherr
                    umb seiner ausstende gewisse dienst, Steur und andere landtsgebreuchige
                    herrusforderung [!] auf seinen selbst dienstgrundt, mit aufhalt, verbott und
                    pfendung selbst handthaben möge. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.14"> [Buch I Titel 1 § 14]<lb/> § 14 Deßgleichen kann sich ein
                    Perckrechts und Zehentherr umb ausstendige richtige Pergkrechts und Zehent
                    selbst handhaben. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.15"> [Buch I Titel 1 § 15]<lb/> § 15 Item so ainem ein frembdes
                    Viech schaden thät, und auf wahrer that betretten würdt, so mag er gepfendt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.16"> [Buch I Titel 1 § 16]<lb/> § 16 Also mag auch ein Haußherr
                    und bestandts verlasser, seinen bestandtmann die guetter, welche in dem
                    bestandnen guett befunden werden, prorata des schuldigen verfallenen Zinß, biß
                    auf völlige beczahlung aufhalten, dann Ihme dieselben hÿpotheciert seinn. </p>
        <p xml:id="NA.1.1.17"> [Buch I Titel 1 § 17]<lb/> § 17 Item welchem Gewalt am Leib
                    oder guett Zugefuegt würdt, der mag auf frischer that sein selbs Richter wohl
                    sein und sich gewalts mit gewalt erwehrenn, Doch das solches stracks und in
                    continenti, auch mit gebürlicher maß und unerweißlicher Defension, so die
                    Rechten moderamen inculpatae tutelae nennen, beschehe. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.2">
        <head>[ Buch I Titel 2]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=72">SlgChor. Faksimile</ref>] Der ander Tittl. Von ordinari und Summarisachen
                    auch welche Handlungen fur die Niderösterreichische Regierung oder des
                    Landtsrechten erster Instantz gehörig. </p>
        <p xml:id="NA.1.2.1"> [Buch I Titel 2 § 1]<lb/> § 1 Die Gerichtlichen sachen, sein
                    fürnemblich Zwaÿer ort und aigenschafft, etliche müessen durch einen
                    ordentlichenn process in ofnen gehenden ordinari Landtsrechtenen ventiliert,
                    etliche aber extra ordinari, summariter und schriftlich ausser oder ofnen
                    Rechten, durch das gancze Jhar abgehandlet werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.2.2"> [Buch I Titel 2 § 2]<lb/> § 2 Inn das ordinari Landrecht
                    gehörn alle realsachen, und wann umb ein ligendes guet, gestritten wirdt,
                    desgleichen alle Schermbs und <pb n="Edition 2015 S. 20"/>
                    gegenschermbshandlungen, so von ligenden guettern herrüren, Item wann umb das
                    aigenthumb unsichbarlicher Rechten und gerechtigkaiten, als Vischweiden,
                    Wildtbanen, Vogteÿen, Lehenschaften Kriegt wirdt, dann derleÿ Jura werden den
                    liegenden guettern verglichen. </p>
        <p xml:id="NA.1.2.3"> [Buch I Titel 2 § 3]<lb/> § 3 Die Iniuri sachen oder wortliche
                    Ehrenhändl, desgleichen Lantsfürstliche Lehen, Causae feudales genent, sollen in
                    den ordinari Recht vor unserer Regierung der Niderösterreichischen Landen
                    außgeführt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.2.4"> [Buch I Titel 2 § 4]<lb/> § 4 Summarÿ Landtrechtssachen und
                    handlungen aber, seint nemblichen die Clagen und sachen so betreffen schulden
                    Gewalt, Arme Leutt, welche das ordinarÿ Recht Zumerlegen unnd außczustehen
                    unstathafft sein, Item depositum oder vertrautte behaltnuß, Item alimenta unnd
                    Aczungen Item gefancknussen, Item personas miserabiles, Item arme Pupillen und
                    Wittiben, insonderhait Ihr der Wittiben vermächt und abfertigung/: wogleich
                    dieselben Wittiben sonst mit armbsein:/ Item edict oder Crida handlungen, Item
                    execution sachen, Item Lidtlon, Item außlender/: wo augenscheinlich das sie dem
                    ordenlichen rechten an Ihr verderben, mit außworten mögen, Item gerhabschafften
                    sachen, und sonst all ander dergleichen handlungen, Item alle Clagen so ainer
                    possession halben beschehen und possessoristritt sein, gehören in das Summari
                    Recht, Item wann umb die quasi possession unsichtberlicher Gerechtigkaiten, als
                    Wildtpanen, Vischwaidt, groß und klain Zehent, Robatt und was dergleichen herrns
                    anforderung sein, kriegt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.2.5"> [Buch I Titel 2 § 5]<lb/> § 5 Wo ein strittiger handl Gerichts
                    anhengig ist, alda soll er erörtert werden derwegen so sich ain oder der
                    anderfaill inhangenden Rechten, unter ein ander Jurisdiction begeb, solle sich
                    dasselb neu gericht, der sachenn nit anmassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.2.6"> [Buch I Titel 2 § 6]<lb/> § 6 Es begibt sich wohl, das ein
                    Parteÿ etwo mancherleÿ Jurisdictionen underworfen, vor welcher obrigkait dann
                    der beclagt der Clag statt gegeben, und sich würcklich eingelassen, daselbst
                    soll es biß Zum beschlus der sachen außwarten, und solche handlung nach
                    beschehener Kriegsbefestigung, fur kain andere obrigkait Ziechen, dann die
                    Gerichtlich Instantz lest sich nit tailen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.3">
        <head>[ Buch I Titel 3]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=76">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Dritte Tittl. Von der Jurisdiction und under
                    welchen Gerichts Zwang ain iede Persohn gehörig. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.1"> [Buch I Titel 3 § 1]<lb/> § 1 Unsere Geistliche und Weltliche
                    Landtleutte, sollen vor unserm Lande ober= oder under Marschalch Ihrer
                    gebürlichen Obrigkait erster Instantz verclagt unnd darwider niemandts beschwert
                    werden. <pb n="Edition 2015 S. 21"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.3.2"> [Buch I Titel 3 § 2]<lb/> § 2 Doch sein etliche sondere fäll,
                    darin non unsere Praelaten und Landtleutt, auch derselben underthanenn vor unser
                    Regierung der Niderösterreichischen Landen, Zu recht stehen, und sich auf das
                    Landtmarschalchisch Gericht nit waigern können. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.3"> [Buch I Titel 3 § 3]<lb/> § 3 Erstlichen wann unser Cammer
                    Procurator, in unserm als Herrn und Landtsfürsten Nahmen, wider ainen Praelaten
                    herrn und Landtmann, auch derselben Underthanen Zu Clagen hat, so soll solches
                    vorgedachter unserer Niderösterreichischen Regierung beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.4"> [Buch I Titel 3 § 4]<lb/> § 4 Hergegen auch, welcher wider
                    unsern Camer procurator in ordinari oder Summarÿ Rechten Zuclagen hatt, der
                    solle solches vor ermelter unserer Niderösterreichischen Regierung thuen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.5"> [Buch I Titel 3 § 5]<lb/> § 5 Gleichsfals da ainer umb das
                    aigenthumb lig unter guetter, deren nit wir, sonder andere von unsert (fol 5.)
                    wegen, Pfandtschafftweise oder auf widerkauf in possess sein, Zu Clagen hette,
                    der solle solche darbeÿ, gemelter unserer Niderösterreichischen Regierung, wider
                    den Inhaber oder unsern Camer procurator, da sich der Inhaber auf Ihne waigert,
                    ausführen, Wo aber iemandts umb gewalt eingrief oder andere Persöhnliche Spruch,
                    wider solche Pfandtschaffter oder Inhaber auf wider Kauf Zuclagen vermaint, der
                    solle dasselb vor unerer Regierung und Cammer, wider den Inhaber selbst ohn
                    unsern entgelt thain, und solle unser Cammer procurator die Inhaber Zu schermen,
                    oder darleÿ Clag von unsertwegen außczustehen, mit schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.6"> [Buch I Titel 3 § 6]<lb/> § 6 Item, wann einer umb liegende
                    haab und güetter, vor dem Landtrechten fürgenomben wirdt, darumben wir Ihme
                    schermbs halben verschriben, so soll die selbe sachenn nach fürgebrachten
                    genuegsamben schein, des Verschribenen Schermbs, für ermelte unser
                    Niderösterreichische Regierung remittiert werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.3.7"> [Buch I Titel 3 § 7]<lb/> § 7 Deßgleichen sollen alle andere
                    sachen, unser Cammer guet berührendt, für unser N.O.Regierung gewisen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.8"> [Buch I Titel 3 § 8]<lb/> § 8 Verrer welcher wider ainen
                    Praelaten, Landtmann oder ein ganze Statt, unns als Herrn und Landtsfürsten
                    Zugehörig, umb Iniuri oder Ehrenhändel Zuclagen, der solle solche vor angeregter
                    unser N.O.Regierung, in gehenden Hofrechten thun . </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.9"> [Buch I Titel 3 § 9]<lb/> § 9 Ebner massen, wo ainer wider
                    ainen Praelaten oder Landtmann umb Landtsfürstliche Lehen in diesem Landt
                    Zuclagen hatt, der solle dieselben vor kainem andern Gericht, als vielbemelter
                    unser N.O: Reg., in wehrendem hofrechtem fürnehmen. <pb n="Edition 2015 S. 22"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.3.10"> [Buch I Titel 3 § 10]<lb/> § 10 Umb Affterlehen aber, solle
                    vor dem Affterlehens herrn clagt werden, der ist alßdann schuldig, seinen
                    Lehensmann, und desselben gegenthail, ein unparteÿsch Lehensrecht nider
                    Zuseczen, und was sich gebüert erkennen Zulassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.11"> [Buch I Titel 3 § 11]<lb/> § 11 Wann sich auch in Affter
                    lehens sachen Zwischen dem Lehensherrn selbst, und seinen Lehensmann, völligkait
                    oder anderer ursachen halben, von Lehen herrüerent, stritt erheben, so sollen
                    dieselben vor des Lehensherrn Vasallen und Lehensleutten pares Curiae genent
                    oder aber vor unsern Landtsrechten, wie in mehr fällen beschehen, außgetragen
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.12"> [Buch I Titel 3 § 12]<lb/> § 12 Alle Praelaten gehörn mit
                    denen handtlungen, welche von Ihren Vogtheÿen und Geistlichen Lehenschafften
                    herrüeren, under mehrbemelte unser N.Ö.Regr. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.13"> [Buch I Titel 3 § 13]<lb/> § 13 Dergleichen alle Pfarherrn,
                    Sie sein Cläger oder beclagte, sollen mit Ihren handlungen, die Pfargüetter, und
                    lehenschafften betreffent, es seÿ umb das aigenthumb oder die possess Zuthuen,
                    under unser N.O.Regierung, sonsten aber in Persöhnlichen spruchen für Ihren
                    ordinari Richtter und den officialen gehören. (<ref target="#Handschrift_6">fol.
                        6</ref>) </p>
        <p xml:id="NA.1.3.14"> [Buch I Titel 3 § 14]<lb/> § 14 Die Stätt unnd Märcktt, unns
                    als herrn und Landtsfürsten Zugehörig, sollen in sachen die gantz Communen
                    antreffendt es seÿ gleich in Real oder personalspruchen, vor unserer
                    N.O.Regierung und Cammer beclagt werden, welches auf die Stätt und Märckt, so
                    pfandtschafft weiß oder auf wider Kauf, von andern innen gehabt werden,
                    Zuverstehen ist, Die andern Stätt und Märckt aber, so nit unns sonder Praelaten,
                    herrn und Landtleutten Zugehören, sollen in Communen sachen vor Ihren
                    Herrschafften als obrigkaiten erster Instantz beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.15"> [Buch I Titel 3 § 15]<lb/> § 15 Umb ungelt, und Zapfenmaß,
                    soll vor unserer N.Ö.Regierung und Cammer Clagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.16"> [Buch I Titel 3 § 16]<lb/> § 16 Ein ieder so in diesem Landt
                    erbt, soll die Erblichen spruch in diesem Landt, und beÿ der obrigkait darunter
                    die Erbschafft gefallen ausstehen, ungeacht das er etwo sonst ainer andern
                    Jurisdiction underworfen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.17"> [Buch I Titel 3 § 17]<lb/> § 17 Vor welchem Gerichtt der
                    abgestorben Principal ainn sachen anhengig gemacht, beÿ denselben soll es der
                    Erb austragen, und kann sich auf sein ordenliche obrigkaitt nit Ziehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.18"> [Buch I Titel 3 § 18]<lb/> § 18 Welcher in diesem Landt mit
                    kauffen, verkauffen, Schulden, bestanden oder in ander Rechtmessige weg
                    Contrahiert, der solle umb solchen Contract im dem Landt auch Zu recht steen,
                    und sich ob Er gleich sonstenn ein außlender und <pb n="Edition 2015 S. 23"/>
                    anderstwo mit ruckgesessen, auf sein ordenliche obrigkait erster Instantz nit
                    waigern. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.19"> [Buch I Titel 3 § 19]<lb/> § 19 Welcher auslendischer sich in
                    diesem Landt ausser der Contract sonsten verobligiert oder umb etwz verschreiben
                    thuet, der soll im Landt darumben Zu recht stehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.20"> [Buch I Titel 3 § 20]<lb/> § 20 Welcher außlender sich
                    verschriben oder verbunden in diesem Landt beczahlung Zuthain, es geschehe
                    gleich für sich selbst, oder fur ainen andern, der soll im Landt und an dem
                    ortt, da die solution bedingt wordenn, Zu recht stehen, und die exception auf
                    sein ordenliche Obrigkeit, nit statt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.21"> [Buch I Titel 3 § 21]<lb/> § 21 Also auch welcher Außlender
                    in diesem Landt, an einem gewissen ortt hantiert, und daselbst offentlich oder
                    in Zugelaßnen heimblichen Gwelben, Kaufmanschaften treibt, der solle unter
                    desselben orts Jurisdiction ungeachtet das er ainderstwo haussässig, soviel
                    seinn handtierung belangt, gehören. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.22"> [Buch I Titel 3 § 22]<lb/> § 22 Gleichermassen welcher
                    Außlender in disem Landt ain Administration Ambt oder Verwaltung hatt, der solle
                    darumben im Landt antwort geben, und sich auf sein Vatterlandt oder Haimbsieg
                    nit referiren. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.23"> [Buch I Titel 3 § 23]<lb/> § 23 Welche Außlender umb ein
                    guett in diesem Landt gelegen, wider ainen andern Außlender, dem es Zugehörig
                    clagen wiell, der soll solches nit der orten, da der beclagtt haussessig, sonder
                    in diesem Landt da das guett liegt, thain. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.24"> [Buch I Titel 3 § 24]<lb/> § 24 Welcher Außlender in diesem
                    Landt, malefitz unnd (<ref target="#Handschrift_7">fol. 7</ref>) strafmessige
                    that begeet, der soll sein verbrechen darin büessen, des nit allein in Capital
                    und hochern malefitzen delicta publica genant, sondern auch dem gemeinen so
                    privata haissen, statt haben solle, dann da ein Außlender einen in diesem landt
                    Iniuriren oder vergwaltigen thätte, so soll er darumben im Landt fueß halten. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.25"> [Buch I Titel 3 § 25]<lb/> § 25 Wann ein Außlender in diesem
                    landt claget, so soll er die gegenclag und reconvention in dem Landt auch
                    ausstehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.26"> [Buch I Titel 3 § 26]<lb/> § 26 Wann sich ein Weibs Persohn
                    verechlicht, so kombt sie under Ihres Ehemanß Jurisdiction, und solle alda
                    beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.27"> [Buch I Titel 3 § 27]<lb/> § 27 Ein Widtfrau bleibt so lang
                    bey Ihres vertorbenen Ehemannes Gerichts Zwang, biß Sie iehren Standt verkehret,
                    und sich under ein andere Jurisdiction verheürahtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.28"> [Buch I Titel 3 § 28]<lb/> § 28 Die kinder so lang sie unter
                    Ihrer Eltern Gewaltsamb sein, so gehören sie unter derselben Eltern
                    Jurisdiction. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.29"> [Buch I Titel 3 § 29]<lb/> § 29 Welcher sich wider Ehehalten,
                    haußgesindt und dienstleutt Zubeschweren hatt, der soll sein notturft vor Ihren
                    herrn und frauen, vor allen dingen anbringen, da Ihme aber auf ersuchen Kein
                    außrichtung eruolgt, so stehet Ihme <pb n="Edition 2015 S. 24"/> bevor, die
                    Ehehalten vor derselben herrn und frauen ordentlichen obrigkait, wie sich
                    gebüert Zuerclagen . </p>
        <p xml:id="NA.1.3.30"> [Buch I Titel 3 § 30]<lb/> § 30 Gleichsfals gehören der
                    Praelaten, herrn und Landtleutt underthanen mit der ersten Instantz, under Ihre
                    grundt und oberherrn, da aber einem Cläger von denselben Kaine ausrichtung
                    ervolgt und dessen schein fürczwlegen were, Sollen sie alßdann vor Ihrer herrn
                    ordentlichen obrigkait beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.31"> [Buch I Titel 3 § 31]<lb/> § 31 Ein ieder Gerhab ob er gleich
                    sonsten ainer andernn Jurisdiction, so solle er doch umb sein gepflegte
                    Gerhabliche verwaltung, vor seiner pupillen obrigkait Zu recht stehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.32"> [Buch I Titel 3 § 32]<lb/> § 32 Ein verschribener Schermb
                    soll die Schermbung vor des Principalns gericht, und mit seiner aignen
                    Jurisdiction thuen. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.33"> [Buch I Titel 3 § 33]<lb/> § 33 Welcher ainen auf
                    widerstellung außgebürgt, der gehört solcher gelaisten Burgschafft halben, under
                    seines Principalns darfür er guet worden, Gerichtsstab. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.34"> [Buch I Titel 3 § 34]<lb/> § 34 Die andern gemainen Burgen
                    aber sollen vor Ihrer ordentlichen Obrigkait, und nit Ihren Principalns bericht
                    fürgewont werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.35"> [Buch I Titel 3 § 35]<lb/> § 35 Wer umb Matrimonial unnd
                    Ehesachen Zuclagen hatt, der solle sein notturft beÿ der Geistlichen obrigkaitt
                    anbringen, und daselbst ausführen, derhalben da ein Landtmann von dem officialen
                    in derleÿ fellenn citiert, oder umb stellung seiner undergegebnenn Persohnen
                    ersucht wirdt, so solle er sich in diesem specialfall des gehorsamb nit waigern,
                    noch wider die Geistlich Obrigkait, auf sich selbst oder sein ordenliche Instanz
                    excipieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.36"> [Buch I Titel 3 § 36]<lb/> § 36 Welcher umb Weingarten,
                    Wisen, Acker oder dergleichen behauste und unbehauste ligende Grundt Zuclagen
                    hat, der solle vor desselben guets Grundtherrn, er seÿ geistlich oder weldtlich
                    agieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.37"> [Buch I Titel 3 § 37]<lb/> § 37 Es solle allen Laÿschen und
                    Weldtlichen Parteÿenn bevorstehen, sich in ainer oder mehr particular sachen
                    Ihrer ordenlichen obrigkait Zuuercziechen und einen frembden Gericht
                    underczugeben, doch das solches aus keinem Irrthumb noch in allen Handtlungen
                    universaliter beschehe, sonsten würdt der ordentlichenn obrigkait Ihr Hocheit
                    und Instantz, dardurch benomben und geschmellert. </p>
        <p xml:id="NA.1.3.38"> [Buch I Titel 3 § 38]<lb/> § 38 Also ist allen Parteÿen
                    unerwereth, hindann gestelt, Ihrer ordenlichen Obrigkait inn Compromiss oder
                    Commission handlung einzugeben, auch darczue solche Persohnen Zuerkiesen, welche
                    mit Ihrer, sonder ainer frembden Jurisdiction seÿen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.3.39"> [Buch I Titel 3 § 39]<lb/> § 39 Sonsten und in der gemain
                    solle alle Zeit der Cläger des beclagten Gerichts Zwang nachfolgen, und daselbst
                    seinn notturfft ordenlich fürbringen. <pb n="Edition 2015 S. 25"/> . </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.4">
        <head>[ Buch I Titel 4]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=89">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Viertel Tittl. Vonn Ladungenn, Citationen und
                    erforderungen. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.1"> [Buch I Titel 4 § 1]<lb/> § 1 Welcher ainer Ladung betürftig
                    solle dieselb (:doch ausserhalb des gemainen eingangs und beschluß:) selbst
                    stellen, und dem Gericht fürbringen, auch darneben das gericht durch ein
                    Supplication bittenn, Ihme solche ladung fertigen Zulassen, die solle alßdann in
                    der Canczleÿ mit dem gewöhnlichen nigres und beschlus geschriben und verfertigt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.2"> [Buch I Titel 4 § 2]<lb/> § 2 Wiewohl beÿ denen Kaÿserlichen
                    Rechten verordtnet, das die Ladungen mündtlich und schrifftlich beschechen
                    mögen, so werden doch dem uralten Gerichtsbrauch nach die Ladungen allein
                    schrifftlich gestelt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.4.3"> [Buch I Titel 4 § 3]<lb/> § 3 Ain iede schriftliche Ladung,
                    solle von Rechtswegen siben underschiedtliche stuckh begreiffen, Erstlich den
                    Namben des Richters so die Ladung außgehen lest Zum andern den Namben des
                    Clägers, Zum dritten den Namben des Beclagten, Zum vierten das strittig stuckh
                    darumben die Ladungen geworben, Zum fünften die Zeit der auferlagten
                    erscheinung, (<ref target="#Handschrift_9">fol. 9</ref>) Zum Sechsten das ortt,
                    dahin der gladen erscheinenn solle, Zum siebenden das solche Ladung aufainen
                    entlichen und peremptorischen termin gestelt seÿ. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.4"> [Buch I Titel 4 § 4]<lb/> § 4 Soviel nun den ublichen Gerichts
                    brauch anlangt, sollen alle Ladungen unter unsers Landtmarschalchs Titl in
                    unserm als Herrn und Landtsfürsten Namben gefertigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.5"> [Buch I Titel 4 § 5]<lb/> § 5 Also solle auch der so die
                    Ladung außgebracht, mit seinem tauf und Zu Nahmen, und da der Außbringer mehr
                    wehren, dieselben Persohnen alle mit Ihrenn underschiedtlichen Tauf und Zunamben
                    in der Ladung benent werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.6"> [Buch I Titel 4 § 6]<lb/> § 6 Wann aber ein Praelat in sachen
                    sein Gottshauß betreffendt, ein ladung erlangt, soll er mit seinem Taufnamben,
                    und neben Ihme das Convent oder das Capitl einverleibt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.7"> [Buch I Titel 4 § 7]<lb/> § 7 Gleicher weiß in den Ladungen,
                    welche die Stätt oder Marckt erlangen, solle des N. Burgermaisters oder Richter
                    und Rahts gedacht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.4.8"> [Buch I Titel 4 § 8]<lb/> § 8 Wann durch die ladung mehr als
                    ein Persohn beruffen wirdt, sollen dieselben alle mit Ihren Tauff und Zunamben
                    darinnen bemelt werden. <pb n="Edition 2015 S. 26"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.4.9"> [Buch I Titel 4 § 9]<lb/> § 9 Wo einer wider angeuogte
                    Pupillen Zuclagen hatt, solle sein ladung auf derselben verordtnete Gerhaben
                    gestelt, solche auch mit Ihren Namben darinnen verleibt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.10"> [Buch I Titel 4 § 10]<lb/> § 10 Wo ein Persohn Zu aines
                    verstorbenen Haab unnd guettern ansprach hett, und die Wittib von solchenn
                    guettern noch unabgefertigt wehre, so soll die Ladung an die Wittib unnd Erben
                    mit ein ander gestelt werden, So baldt aber die Wittib abgefertigt, ist sie im
                    Rechten weiters Zuverfahrenn nit schuldig, sondern die Erben sollen ausser der
                    Wittib beÿsein und entgelt, ohn ainige neue ladung und verkundigung in der
                    angefangen sachen biß Zu ende procedirn. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.11"> [Buch I Titel 4 § 11]<lb/> § 11 Das ienig darumben der Cläger
                    agieren wiel, sambt dem ganczen geschicht und beschließlichen begehrnn, solle in
                    die Ladung nit mit schlechter sonder aller nottürfftiger und volkombener
                    ausführung inserirt werden, also das die substanz und der inhalt der Clag in der
                    ladung allerdings begriffen, Zumahl weill beÿ unsern Landtsrechten, nach der
                    ladung kein absonderliche Clag eingelegtt, sonder die Ladung an Clag statt
                    gehalten wirdt, doch soll niemandts verbotten sein, ein ordentliche Clag, und
                    neben derselben alle brifliche Uhrkundenn oder glaubwürdige Copeÿen, dessen
                    darein sich sein Ladung oder Clag Ziehen thuet, dem Gericht fürczubringen . </p>
        <p xml:id="NA.1.4.12"> [Buch I Titel 4 § 12]<lb/> § 12 So viell den Termin der
                    fürforderung belangt, wiewohl beÿ gemainen Rechten verordtnet, den beclagten
                    durch dreÿ underschiedtliche ladungen Zuerfordern, so wirdt doch nach gerichts
                    gebrach dem Cläger nit mehr als ein ainige ladung bewilligt, darinnen dreÿ
                    underschidtliche frist, Nemblichen vierzehentag fur den ersten vierczehen tag
                    für den andern, und tag für den dritten leczten unnd entlichen peremptori Rechts
                    termin, dem Antworter gegeben, und solche tag von dato der geantworten ladung
                    geraidtet worden, der tag aber darann die uberantwortung beschehen, gehört Zu
                    dem termin nitt. </p>
        <p xml:id="NA.1.4.13"> [Buch I Titel 4 § 13]<lb/> § 13 Beÿ unsern Lands rechten ist
                    nit gebreuchig, den beclagten Zu einem ieden gerichtlichen Act obsonderlich
                    Zuerfordern, sondern er solle durch ein ainige ladung im eingang des Rechtens
                    citiert werden, welche sich alß dann auf alle und iede gerichtliche Act
                    erstrecken thuet, Also das der citiert ohn verrer ladung Zu allen Gerichts tägen
                    oder Acten in aigener Persohn, oder durch ainen volmechtigen Gwalttrager
                    Zuerscheinen schuldig, Thuet er das nit, so wirdt auf des Cläger anruffen gegen
                    Ihme in contumaciam verfahren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.4.14"> [Buch I Titel 4 § 14]<lb/> § 14 Die gemeinen Rechten
                    vermögen, wann einer inn Gericht betretten wirdt, das Er daselbs ohne ainige
                    neue ladung mit Clag fürgenomben werdenn <pb n="Edition 2015 S. 27"/> möge,
                    Solches hatt aber beÿ unsern Landtsrechten nit statt, sondern es solle umb ein
                    iede handlung ein ordentliche ladung außgebracht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.4.15"> [Buch I Titel 4 § 15]<lb/> § 15 Wann etliche Persohnen umb
                    schulden, burgschafftenn oder in ander weeg samentlich verschriben seinn, so ist
                    nit von nötten einer ieden Persohn ein besondere ladung Zuczuschicken, sonder
                    genueg, das soviel ladungen, alls viel der beclagten Persohnen seÿen, gefertigt
                    und underschriben werden, Welchem Consorten alßdann unter ihnen allen die
                    Hauptladung, sambt denen Andern abschrifften Zugeschickt würdt, der soll seine
                    andern mit verwanten mit solchen abschrifften ersuchen, und Ihnen die ladung
                    also verkunden, damit sie erscheinen und Ihme die Clag verantworten helfen, Es
                    komben nun seine mitverwanten oder nit, solle nichts weniger gegen dem so die
                    ladung empfangen, gehandlet werden waß recht ist, doch ist Ihme vorbehalten
                    seinen verlust, gegen seinenn mitverwanten, die Ihme in der sachen verlassen Zu
                    ersuchen wie recht ist. (<ref target="#Handschrift_11">fol. 11</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.5">
        <head>[ Buch I Titel 5]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=96">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Fünffte Tittel. Von Exequirung der Ladungen. </p>
        <p xml:id="NA.1.5.1"> [Buch I Titel 5 § 1]<lb/> § 1 Alle Ladungen, so mann in der
                    Statt alhie exequiren kann, die sollen durch gemeiner Landtschafft fürbietter
                    und nit andere geschworne botten denen Parteÿen uberantwort, ausserhalb der
                    Statt aber, und auf dem Landt, sollen die Ladtungen durch gemeiner Landtschafft
                    geschworne Botten, dem geladnen Zugestelt und exequirt werden, sonsten ist der
                    geladnenn dieselb von andern anczunemben, oder darauf beÿ Gericht Zuerscheinen
                    nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.5.2"> [Buch I Titel 5 § 2]<lb/> § 2 Ein Landtbott ist nit schuldig,
                    einen Landtmann mit der Ladung Persohnlich Zubetretten, sonder genüegen, das er
                    Ihme die ladung auf seinen sicz oder haimbwesen antworte, und ob gleich der
                    geladen nit anheimbs, so soll doch seinn Pfleger, diener und leutt, die ladung
                    anczunemben verbunden seinn, da aber die ladung von denen herrn oder derselben
                    Leutten, nit angenomben würdt, mag der Bott dieselb in oder vor des geladnen
                    Sicz und Haimbwesen niderlegen, welches soviel gelten soll, alls ob er die
                    ladung dem geladtnen würcklich Zugestelt, doch das solches in der execution
                    vermeldt werde. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.5.3"> [Buch I Titel 5 § 3]<lb/> § 3 Welcher wider ainen obwesendten
                    Landtmann Zuclagen hatt, der solle nit verbunden sein, Ihme solche ladung ausser
                    Landts Zuczuschicken, sonder genueg das er dieselb in des beclagten Sicz, denn
                    er im Landt hatt antworten lasse. <pb n="Edition 2015 S. 28"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.5.4"> [Buch I Titel 5 § 4]<lb/> § 4 Wann der geladen mehr als ainen
                    Sicz im Landt hatt, so solle die oberantwortung alda beschehen, da der beclagtt
                    mit rucken Zu wohnen Pflegtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.5.5"> [Buch I Titel 5 § 5]<lb/> § 5 Wann der geschworn Bott, die
                    ladung geantwortt, so solle er dem Pottenmaister mit allen umbstenden, wann, wo
                    und wie er die ladung exquiriret, und was Ihme darauf ervolgt, vleissig,
                    ordenlich, underschiedtlich und wahrhafftig wie es an Ihme selbst ist,
                    anczaigen, von welcher ausrichtung alsdann der Bottenmaister dem Cläger ein
                    gefertigte Kundtschafft und Execution mitthailen solle. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.6">
        <head>[ Buch I Titel 6]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=99">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Sechste Tittl. Von Gerichtlichen Bevelchen so
                    in Summarj sachen gebreuchig. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.1"> [Buch I Titel 6 § 1]<lb/> § 1 So viell aber die Summari und
                    Extra ordinarÿ sachen anlangt, ist nit gebreuchig, einiche ladung außczubringen,
                    sonder der Cläger mag sein beschwerung in ainer Supplication dem gericht
                    fürbringen, So wirdt alßdann dem beclagten durch einen verschloßnen bevelch
                    auferlegtt, den Cläger unclaghafft Zuhalten. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.2"> [Buch I Titel 6 § 2]<lb/> § 2 Es solle niemandts im ersten
                    bevelch etwas durch aufgesagte Poenfall, Straff oder Pöenen sonder erst im
                    dritten, oder wos es die notturfft so hoch erfordert beÿ dem andern bevelch
                    auferlegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.3"> [Buch I Titel 6 § 3]<lb/> § 3 Also solle auch kainer im ersten
                    bevelch peremptorie oder beÿ bekantnus der sachen citiert, noch Ihme nit derleÿ
                    Clauseln etwas auferlegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.4"> [Buch I Titel 6 § 4]<lb/> § 4 Alle Gerichtliche bevelch und
                    auflagen tragen Clausulam Justificatoriam tacite auf dem Rucken, nemblichen
                    woferr dem fürgebrachter massen also. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.5"> [Buch I Titel 6 § 5]<lb/> § 5 Welcher ainen gemeinen bevelch
                    oder andern gerichtlichen brieff, nit annemben wiell, dem soll er nach
                    Landtbrauch beÿ seinen haimbwesen nidergelegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.6.6"> [Buch I Titel 6 § 6]<lb/> § 6 Es solle sich weder frau,
                    Pfleger, Verwalter noch iemandts anderer in abwesen Ihrer Ehemänner und Herrn
                    der annembung Gerichtlicher Bevelch waigern, Sonderlich weill Ihnen Ihre bericht
                    des abwesens halbern bevorsteen, sonsten soll gegen ihnenn mit gebürlicher
                    straff fortgangen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.6.7"> [Buch I Titel 6 § 7]<lb/> § 7 Die Advocaten, procuratorn unnd
                    gewaltträger aber seinn die verschloßnen bevelch unnd andere Gerichtliche
                    verfertigte brieff, so an Ihre Principalen lauten, anczunemben nit schuldig .
                        <pb n="Edition 2015 S. 29"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.7">
        <head>[ Buch I Titel 7]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=101">SlgChor. Faksimile</ref>] Der sibendt Tittl. Von etlichen anhengigen
                    aigenschafften der Citationen. </p>
        <p xml:id="NA.1.7.1"> [Buch I Titel 7 § 1]<lb/> § 1 Wann einer auf anhalten seines
                    Gegentails, fur ein obrigkait erfordert wirdt, und under dasselbig Gericht
                    erster Instantz nit gehörig, so solle er demnach gehorsamb laisten, und sein
                    exception incompetenticae, Nemblichen das er anderstwohien erster Instantz
                    gerichtbar seÿ, fürbringen, Alßdann auch beÿ seinen ordentlichen Gerichts Zwang
                    gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.7.2"> [Buch I Titel 7 § 2]<lb/> § 2 Wann ein Parteÿ auf einen
                    gewissen Termin erfordert wirdt, so gehet solcher Termin an dem Tag des
                    empfangenen bevelchs nit ahn, sonder erst den darauf negstvolgenden tag. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.8">
        <head>[ Buch I Titel 8]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=102">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Achte Tittl. Von billicher entschuldigung der
                    Vermainten Ungehorsamb. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.8.1"> [Buch I Titel 8 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl ein erforderter,
                    gehorsamblich Zuerscheinen schuldig, so seÿen doch etliche fäll, welche sein
                    abwesenhait von Rechtwegen entschuldigen, als Kranckhait und schwachhait,
                    ungewitter, gefehrliche uberfuher, (<ref target="#Handschrift_13">fol. 13</ref>)
                    böse weeg, grosse gewässer unsicherheit der strassen Item das er von gemeines
                    nutz wegen, und reipublicae causa verreisen müessen, Item das er Kundtschafft
                    unnd Zeugniß halber anders wohin erfordert, Item das ein Weib, Kinder oder
                    negste freundt abgeleibt, Item das Er in verhafftung Arrest oder verbott seÿ,
                    Item das Ihm. Der fürgeseczte Termin Zu der Reiß Zukurtz gewesen, Item das Ihme
                    der bevelch oder Gerichtlich auflag Zu spatt Zu Komben, Item das er damals uber
                    Landt gewesen, Item das sein Hausfrau niderkomben, Item das er mit seiner
                    Hochczeit freudt occupiert, Item das er ein Ambt oder verwaltung hab, und der
                    Zeit nit erlaubnis bekomben mögen, Item das er für die höcher Obrigkait
                    erfordert worden und beÿ dem nidern Gerichtt nit erscheinen mögen, unnd was
                    dergleichen rechtmessige billiche ursachen mehr sein, so in des löblichen
                    Gerichts discretion steen sollen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.8.2"> [Buch I Titel 8 § 2]<lb/> § 2 Und ob sich wohl gebüert solche
                    und dergleichen billiche impediment und verhinderungen das löb: Gericht
                    Zuberichten, Jedoch wann solches durch die <pb n="Edition 2015 S. 30"/> Parteÿen
                    auß ehehafften on verachtung der Obrigkait underlassen, sollen sie einen weeg
                    alls den andern entschuldiget und ohn straff sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.8.3"> [Buch I Titel 8 § 3]<lb/> § 3 Welcher ainen erforderten
                    fürseczlicher weise verhindert, das er auf gesezten tag nit erscheinenn Kundt,
                    derselb solle dem Clager allen desthalben erlitttenen schaden abczutragen
                    schuldig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.9">
        <head>[ Buch I Titel 9]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=105">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Neundte Tittl. Von bestandt oder Caution Zum
                    Rechten. </p>
        <p xml:id="NA.1.9.1"> [Buch I Titel 9 § 1]<lb/> § 1 Welcher wider ainen Landtmann
                    clagt, und dem Landtmarschalckischen Gericht weder mit Persohn noch guet
                    underworfen, der solle des beclagten begehren, Ungeacht das der Cläger im Landt
                    angesessen, oder under ainer andern Obrigkait begüetet, dem beclagten Caution
                    und bestandt Zum Rechten, mit einem angesessnen Landtmann und Bürgen, thain sich
                    auch dahin verobligieren, das er Cläger oder sein Bürg des Rechten ausstehen,
                    und der erkandtniß in alweeg geleben, auch dieselb volcziehen völle, sonsten ist
                    Ihme der beclagt Zu antworten nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.9.2"> [Buch I Titel 9 § 2]<lb/> § 2 Welcher Cläger Kainen
                    gerichtlichen Burgen abgehörter massen bekomben und die fideiussori caution nit
                    haben kann, der soll ein pfandt nach gelegenhait und werth der strittigen
                    sachen, unter Gericht erlegen, und die pignoratitiam cautionem laisten. </p>
        <p xml:id="NA.1.9.3"> [Buch I Titel 9 § 3]<lb/> § 3 Da er aber armueth halben deren
                    kaines hette, noch Zu bekomben wüsste, soll er dem Gericht glaubwürdigen Schein
                    fürbringen oder mit seinem Aÿdt beteurn, das er sich beÿ Landtleutten und
                    Burgschafft beworben, aber Kainen dar Zu vermögen können, Allß dann damit er
                    nicht rechtloß bleibe, soll er Zu der Juratori caution gelassen werden, und dem
                    Gericht beÿ seinem Aÿdt angeloben, das er dem Rechtenn außwarten auch der
                    erkantnuß geleben und nachkomben wölle. </p>
        <p xml:id="NA.1.9.4"> [Buch I Titel 9 § 4]<lb/> § 4 Die Caution Zum Rechten solle
                    vor der kriegs befestigung begehrt werden, sonst hatt sie nit mehr statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.9.5"> [Buch I Titel 9 § 5]<lb/> § 5 Von ainem angeseßnen Landtman,
                    ob er gleich inn grossen schulden stecket, solle kein Caution alweill er für
                    ainen wurcklichen Landtmann gehalten und gelitten begert werden. (<ref
            target="#Handschrift_15">fol. 15</ref>) <pb n="Edition 2015 S. 31"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.10">
        <head>[ Buch I Titel 10]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=107">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Zehent Tittl. Von der Gerichtlichen
                    Burgschafft auf widerstellung. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.1"> [Buch I Titel 10 § 1]<lb/> § 1 Der sich beÿ Gericht auf
                    widerstellung außbürgen weil, der solle dem Gericht ein angeseßne Persohn
                    darstellen dann ein unbegüetter ist kainer Gerichtlichenn Bürgschafft gemeß. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.2"> [Buch I Titel 10 § 2]<lb/> § 2 Es solle auch solcher Bürg umb
                    den ganzen werth des anhengigen strits gesessnen, und der Jurisdiction, darunter
                    der Principal gehörig sein, da er aber eines andern Gerichts Zwang wehre, soll
                    er sich desselben soviel die Burgschafft belangt, begeben und verczeichen. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.3"> [Buch I Titel 10 § 3]<lb/> § 3 Die unVogtbarn Weibs bilder
                    und alle Mannß Persohnen, welche Ihre Vogtbaren Ihar noch nit erraicht oder
                    bewisen, sollen Zu Gerichtlicher Bürgschafft nit angenomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.4"> [Buch I Titel 10 § 4]<lb/> § 4 Wann der Principal vor
                    bestimbten Termin der auferlegten widerstellung neue Schulden macht, solle sein
                    pürg dessen nit entgelten, es were dann sach, das Ihme Principalen, Gerichtliche
                    Inhibition beschehen, biß auf widerstellung mit seinem Guett nichts Zu
                    innovieren . </p>
        <p xml:id="NA.1.10.5"> [Buch I Titel 10 § 5]<lb/> § 5 Wann aber der Burg in
                    wehrender Bürgschafft ann guett abnimbt, oder mercklichen erarmen thuet, soll
                    dem Principalen, welchen die Burgschafft beschehen, neue Burgen Zubegern, bevor
                    stehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.6"> [Buch I Titel 10 § 6]<lb/> § 6 Welcher mit aignen ligenden
                    Guettern angesessen, der solle Zu der Burgschafft auf widerstellung nit gehalten
                    werden, dann sich kainer flucht beÿ Ihme Zubesorgen. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.7"> [Buch I Titel 10 § 7]<lb/> § 7 Deßgleichen wo einer Ihärliche
                    einkomben auß frembden liegenden guettern hette, dann dieselben denenliegenden
                    guettern verglichenn werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.8"> [Buch I Titel 10 § 8]<lb/> § 8 Also auch da einer viel
                    bewegliche Guetter hett, welche nit leichtlich vertuscht noch verführt werden
                    mügen. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.9"> [Buch I Titel 10 § 9]<lb/> § 9 Welche aber kein anders guett,
                    allß das strittig hatt, der solle dieser Burgschafft nit erlassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.10"> [Buch I Titel 10 § 10]<lb/> § 10 Deßgleichen so er andere
                    aber geringschäczige liegende guetter hette, welche dem anhengigen stritt nit
                    gemes. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.11"> [Buch I Titel 10 § 11]<lb/> § 11 Also auch da Er deren
                    guetter, welche Er possediert, nicht rechter Aigenthumber sonder nur ein blosser
                    fruchttgeniesser were, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.10.12"> [Buch I Titel 10 § 12]<lb/> § 12 Wann ein Principal seinen
                    Bürgen verstehen lest, unnd der Bürg die widerstellung nit mehr laisten kann, so
                    soll der Burg nit strax Condemnirt, <pb n="Edition 2015 S. 32"/> sonder Zu allen
                    seinen und seines unhaltigen Principalns behelfen gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.10.13"> [Buch I Titel 10 § 13]<lb/> § 13 Wann der Principal in
                    hangender Burgschafft stürbt, so ist der Burg von seiner Zusag und verbindtnuß
                    entbrochen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.11">
        <head>[ Buch I Titel 11]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=111">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Aindtlifft Tittl. Von Clagen Libelln, und
                    Beschwär, Supplicationen auch derselben Zierligkait und aigenschafft. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.1"> [Buch I Titel 11 § 1]<lb/> § 1 Ain iede Gerichtliche Clag,
                    solle Zu Ihrer Substantz und Zierligkait, siben stuckh begreiffen, Erstlich den
                    Nambes des Richters, Zum andern den Namben des Clagers, Zum dritten den Namben
                    des Beclagten, Zum vierten das stuckh oder ienig darumben clagt würdt, Zum
                    fünften die gerechtigkait oder haubtursachen, darauf der Cläger sein Clag
                    grundtet, Zum Sechsten, das geschicht, Zum siebenden die petition und ...
                    begehrn. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.2"> [Buch I Titel 11 § 2]<lb/> § 2 Inn denen Clagen, welche umb
                    ein herrschafft, Marckt, Dorff, Erbschafft oder dergleichen Universal stuckh
                    beschehen, und Actiones universales sein, ist nit von nötten, alle und iede haab
                    und guetter oder derselben Zugehörung Zu specificieren, sonder genueg, das der
                    Clager die Herrschafft, Marckt oder das Dorff, mit seiner ein: und Zugehörung in
                    genere, also auch die Erbschafft in der gemein benenne und begere, Doch solle
                    das geschicht (<ref target="#Handschrift_17">fol. 17</ref>) lautter außgeführt
                    werden, damit der Beclagtt desselb aigentlich vernomben und hierüber seinn
                    notturfft einbringen möge. Insonderhait aber soll erleuttert werden von welher
                    Persohn diese Clag herrüere, und ob mann das gantz stuckh oder desselben tail
                    begehre. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.3"> [Buch I Titel 11 § 3]<lb/> § 3 Beÿ denen Clagen aber so
                    generales genent werden, darinnen mann umb Raittung von Gerhabschafften oder
                    andern verwaltungen herrüerent, agieren thuett, ist gleicher weiß nit von notten
                    alle und iede posten davon die Raittung beschehen solle, in dem Clag Libell
                    einczuleiben, oder dieselben Zu specificiern, sonder es mag die Raittung in
                    gmain erfordert und begert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.4"> [Buch I Titel 11 § 4]<lb/> § 4 Die Particular Clagen, so
                    singulares und speziales actiones gehaissen werden, sollen mit aller
                    nottwendigen specification und erleutterung beschehenn Nemblichen wann die Clag
                    umb Weingarten, Äcker, Wisen, Gehültz, Waÿdt oder andere ligende stuckh, die
                    besonder Namben haben, Zuthuen, So sollenn dieselben stuckh mit Ihren Namben in
                    der Clag, auch Rainen und stainen, wo die <pb n="Edition 2015 S. 33"/>
                    verhanden, deßgleichen die negsten anreinenden Nachtbarn benent werdenn . </p>
        <p xml:id="NA.1.11.5"> [Buch I Titel 11 § 5]<lb/> § 5 Deßgleichen da die Clag nit
                    auf ligende sonder Varende haab und güetter steet, so sollen dieselben auch in
                    specie nach eines ieden guets art und aigenschafft, erleuttert werden,
                    Nemblichen was sich Zehlenn lest, dessen solle die Anczahl, was gewegen wirdt,
                    das Pfundt, was gemessen die Edlen, was gestrichen der meczen, was geuisiert der
                    Emer, was gearbeit werckh sein, der formb, was Thüer sein derselben Namben
                    exprimirt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.6"> [Buch I Titel 11 § 6]<lb/> § 6 Und Summariter nach gestalt
                    und art einer ieden Clag, soll der Cläger die specificierung dermassen
                    ordentlich und teuglich thuen, damit sich der Beclagt aigentlich bedencken möge,
                    ob er der Clag statt geben, oder den Cläger unclaghafft halten wölle, wo aber
                    der Cläger solches nit thette, sonder mit seiner Clag unlautter fürkömb, so mag
                    der Beclagt die specification und erleütterung begern, ob auch ein guett,
                    darumben Clagt wirdt, in der Clag obermelter massenn nit specificiert noch
                    aigentlich angeczeigt wirdt, so steet dem beclagten abermals bevor, den
                    Augenschein desselben beclagten guts Zubegehren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.7"> [Buch I Titel 11 § 7]<lb/> § 7 Welcher umb ainen
                    Persöhnlichen spruch Clagen wiel, der solle die ursach seiner Clag erleuttern,
                    Nemblichen das er diß oder Jenes, als ein gelihens geldt, ver(<ref target="#Handschrift_18">fol. 18</ref>)trauttes guett, oder erkaufftes
                    stuckh begehre, und was dergleichen rechtmessige Contract mehr sein, welcher beÿ
                    den geschribenen Rechten causa proxima petendi genant wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.8"> [Buch I Titel 11 § 8]<lb/> § 8 Wann mann aber umb ein
                    liegents guett clagt, ob wohl die Rechten Zugelassen, das in derleÿ fällenn der
                    Cläger sich des aigenthumbs allein berühmenn müge, der Ursachen aber, warumben
                    Ihme solches aigenthumb Zugehöre in seiner ladung und Clag nit specificiren
                    dörfe, so solle doch hinfür ahn Zwischen den Real und personal Clagen in diesen
                    unsern Landt Österreich under der Ennß kein underschiedt gehaltn werden, sonder
                    in obbemelten Realsachen ein ieder Cläger schuldig sein, den Titl seines
                    habenden aigenthumbs in der Clag Zu erleuttern, dann damit werden viel
                    exceptione abgestelt, auch weisungen und erweitterung der sachen verhuett. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.9"> [Buch I Titel 11 § 9]<lb/> § 9 Es ist nit vonnötten, die
                    abgenombenen nuczungen in der Haubt Clag Zu specificieren, wann aber hernach dem
                    Cläger die abnuczung neben der Haubtsach Zuerkendt. Allß dann soll er dieselben
                    in ainer aestimation schrifften particulariter anschlagen, darüber durch das
                    Gericht noch beeder Parteÿ fürgebrachten notturfft, messigung beschehen solle.
                        <pb n="Edition 2015 S. 34"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.11.10"> [Buch I Titel 11 § 10]<lb/> § 10 Jedoch wann der Clager
                    solche abgenombene nutzung in der Clag particulariter benennen, oder dieselben
                    auf ein Summa gelts anschlagen wolte, solle Ihme solches unuerwert sein, Wann
                    Ihme der Cläger die abgenomben nutzungen in seiner Clag Zuerstatten begehrt, so
                    werden in solcher generalitet nit alleinn die frucht, so der Beclagt vor der
                    Clag eingenomben, sondern alle könftige biß Zu austrag der sachen eingeschlossen
                    und verstanden, derwegen unnott, das der Cläger die gegenwürtigen und könfftigen
                    expresse erfordere. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.11"> [Buch I Titel 11 § 11]<lb/> § 11 Wann der Beclagte dem
                    Cläger umb die Schäden oder vertzinsung, so in der gemain Interesse genant wirdt
                    Insonderhait verschriben, so solle er Clager seine schäden und Interesse inn der
                    Haubtclag austrucklich neben dem Haubtguett begehren, sonsten sollen sie Ihme
                    nit Zuerkendt werden, Also solle er auch expens mit austruckten wortten
                    begehren, sonsten werden Ihme dieselben nit Zugesprochen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.12"> [Buch I Titel 11 § 12]<lb/> § 12 Ein iedes Liebell, es seÿ
                    gleich schrifften Bericht, Supplicationen, Anruffen, oder alle andere Product,
                    welche mann dem Gericht fürbringt, sollen vermüeg unserer iungst publicierten
                    Ordnung, von dem Schrifftenmacher mit Tauf und Zunahmen underschrieben werden
                        (<ref target="#Handschrift_19">fol. 19</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.11.13"> [Buch I Titel 11 § 13]<lb/> § 13 In welchem Libell
                    Ehrnrührige einführungen, stumpfierungen oder Verschimpfungen begriffen, der
                    solle nit erledigt, sonder der Parteÿen /:daselb der ordnung gemeß stellen
                    Zulassen:/ wider hienaus gegebenn werden, Es solle auch die Parteÿ sambt dem
                    Schrifftenmacher nach gelegenhait der verweislichen wort gestrafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.14"> [Buch I Titel 11 § 14]<lb/> § 14 Welcher sein fürgebrachte
                    Clag oder beschwär Supplication an der Substanz corrigieren, verendern und
                    verbessern wiel, dem soll es vor des Krigsbenestigung bevorsteen, Nach
                    verfangenem Rechten aber und der litis contestation soll dise verenderung
                    niemandts gestattet werden, Allein es wolte der Cläger in seiner neuen Clag
                    weniger als Zuvor beschehen, fordern, da er aber mehrers Zubegeben vorhabens,
                    kann Ihme die mutation von seinem gegentaill gewaigert werden, doch soll Ihme
                    die ubermaß durch ein besonders Libell Zuersuchen unbenomben sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.15"> [Buch I Titel 11 § 15]<lb/> § 15 Also soll auch kain Cläger
                    die mutation und verkehrung seiner Clag vor der Litis contestation, öffter dann
                    nur ainßmals Zugelassen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.16"> [Buch I Titel 11 § 16]<lb/> § 16 Welcher Cläger die
                    Substantz seines Libels nit verendern, sondern allein den Inhalt desselben
                    erleuttern wiel, dem solle es sowohl nach, als vor der Krigsbefestigung
                    bevorstehen, dann wer etwz erleutert, der macht nichts neues . <pb n="Edition 2015 S. 35"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.11.17"> [Buch I Titel 11 § 17]<lb/> § 17 Welcher Clager vor oder
                    nach der Krigsbefestigung von seiner Clag fallen, und derselben auf ewig
                    abstehen wolt, dem soll es ob gleich der Beclagt darein nit willigen wolt,
                    unuerwehrt seinn, Es werde dann sach, das dem Beclagten solches der auferlofnen
                    Expens halben, oder in ander billich weeg beschwerlich, in welchen fall der
                    Cläger seinn Action prosequieren und außtrag des Rechtens erwarten soll. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.18"> [Buch I Titel 11 § 18]<lb/> § 18 Wann der Cläger aber, sein
                    angebracht Clag nit einmahl für alle mahl aufgeben, sondern nur ein Zeitlang
                    nach seinem wohlgefallen aufhalten unnd suspendieren oder in ain ander Instantz
                    verwechslen wolt, solle Ihme solches nit gestatt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.19"> [Buch I Titel 11 § 19]<lb/> § 19 Wiewohl die geschribnen
                    Rechten, vermügen, das die verendung des Libels nit beschehen möge, es erstatte
                    dann der Cläger den angeclagten die Expens, so hatt doch solches dem
                    Landtsbrauch nach nitt statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.20"> [Buch I Titel 11 § 20]<lb/> § 20 Mitt wieviel schrifften in
                    ainer ieden Haubt exception incident oder anderer sachen vor Gericht procediert
                    werden, deßgleichen wann die einlagen beschehenn sollen, und was sonsten der
                    verfahrung anhengig, Ist in der Landtgerichts ordtnung, so des 57 Ihars
                    publiciert worden, underschiedtlich und lautter fürgesehen, darbeÿ lassen wir es
                    nochmahlen gnedigist verbleiben . </p>
        <p xml:id="NA.1.11.21"> [Buch I Titel 11 § 21]<lb/> § 21 Zuclagen kann von Rechts
                    wegen niemandts wider seinen willen und gelegenheit gedrungen noch compelliert
                    werden, es were dann sach, das sich ainer ausser gerichts, wider einen ehrlichen
                    Landtmann ehrnrühriger und beschwerlichen reden oder inzichten vernemben lest,
                    dann in diesem fall mag die Persohn, so also außgemähert, betzichtigt und
                    diffamiert worden, den Verleimbter und diffamanten für Gericht erfordern, und
                    Ihme auftzulegen begehren, das er die außgegossen Iniuri oder intzicht in einer
                    fürgesetzten peremptori Zeit darbring, Wo nit das Ihme diffamanten ein ewiges
                    stillschweigen, sambt abtrag der elittnen Schmach, gebotten werdenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.22"> [Buch I Titel 11 § 22]<lb/> § 22 Also auch in andern fällen,
                    do sich der Antworter Könfftiger ansprach von dem Clager oder einen andern
                    Zubesorgen hatte, Mag er vor Gerichtt begehrn, dem auftzigigen Cläger, Zeit und
                    termin Zu Volfiehrung seiner vermainten Clag Zusetzen, Er mag auch disfals
                    Zeugen Zu ewiger gedechtnus führen, damit Ihme sein rechtliche defension, Durch
                    des Clägers geverlichen vertzug nit entgehe. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.23"> [Buch I Titel 11 § 23]<lb/> § 23 Es ist kein notturft die
                    Action damit ainer agiern wiell, in seiner Clag Zubenennen, wann er nur sonsten
                    derselben gemeß Libelliert, auch sein <pb n="Edition 2015 S. 36"/> begern und
                    beschlues dahin gestelt, das mann aigentlich wissen kann, ob er umb aigenthumb
                    oder possess, Realich oder Persöhnlich, und auf waserleÿ weg clage. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.24"> [Buch I Titel 11 § 24]<lb/> § 24 Der seinen Beclagten vor
                    der Clag guetlich nit ersucht, der solle sein Clag dardurch nit verwürckt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.25"> [Buch I Titel 11 § 25]<lb/> § 25 Die Real Clagen, welche umb
                    güetter beschehen, sollen nit allein wider den ersten inhaber, sonder alle
                    volgende possessoren statt haben, doch stehet ainem ieden seinem Gaber und
                    Schermb fürtzuwenden bevor. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.26"> [Buch I Titel 11 § 26]<lb/> § 26 Welcher ein guett
                    geverlicher weiß, Zu ausflucht künftiger Clag verwenden oder alienirn thuet, der
                    ist für ainen würcklichen Inhaber Zuhalten, und von der Real Clag nit
                    enttprochen, doch solle dem Cläger die wahl und election bevorstehen, ob er den
                    Rechten Inhaber oder seinen Gaber für Gericht wenden wölle. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.27"> [Buch I Titel 11 § 27]<lb/> § 27 Die Persöhnlichen Spruch
                    und Actionen, so aus denen Contracts Handtlungen herfliessen, sollen nit allein
                    wider die Contrahenten und Principaln sondern auch Ihre Erben, statt haben, Es
                    seÿ gleich der Erben in dem Contract gedacht worden oder nit, Es hatt auch
                    solche transmission und nachvolg der Clag, wider die Erben nit allein vor,
                    sondern auch nach (<ref target="#Handschrift_21">fol. 21</ref>) der
                    Krigsbefestigung Zubaiden tailen, des Clägers und Beclagtens statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.28"> [Buch I Titel 11 § 28]<lb/> § 28 Die Persöhnlichen spruch,
                    welche von kainem Contract, sonder aus unthaten als Gwalt, Iniuri oder
                    dergleichen privat ubel herrühren, die werden auf des Beclagten Erben nit
                    transmittiert, allein da der Krieg in Ihrer Principalen lebtzeiten befestiget
                    worden, oder sie die Erben wehren solcher unrechtmessigeten guetter in
                    würcklicher possess, der Cläger Erben aber, mögen Ihrer Principalen Clag in
                    derleÿ fällen, vor und nach der Kriegsbefestigung wohl prosequieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.29"> [Buch I Titel 11 § 29]<lb/> § 29 Allein die Iniurÿ sachen
                    außgenomben, dann umb Iniuri wann der Cläger vor dem verfangnen Krieg stirbt,
                    kann sein Erb nit mehr, obgleich der Iniurierent thaill noch im leben, agieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.30"> [Buch I Titel 11 § 30]<lb/> § 30 Deßgleichen kann des
                    beclagten Erb, wann sein Principall vor der Litis contestation nit Tott abgangen
                    umb abtrag der angelegten Iniuri nit fürgenomben werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.31"> [Buch I Titel 11 § 31]<lb/> § 31 Wann die Erben und
                    Successorn Ihre habende Erbliche spruch Rechts anhengig machen wöllen, sollen
                    sie sich mit der Instantz nit thailen, sonder unuerschaidenlich und in einem
                    ainigen Libell Ihr Clag einbringen, do sie auch durch einen Gewalttrager agiern
                    wolten, sollen sie sich nit absondern nebeneinander ainen ainigen Gewalthaber
                    verordtnen, damit der <pb n="Edition 2015 S. 37"/> gegentaill durch unter
                    underschiedtliche, doch gleichmessige Clagen mit beschwert, auch die Gerichtt
                    nit unnotwendigen processen vergebens behelliget werden, da sich aber die Erben
                    diser Ainhelligkait nit vergleichenn kündten, und der stritt umb schulden und
                    dergleichen andere tailbare sachen Zuthuen were, Solle ainem ieden Erben für
                    sein portion absonderlich Zu clagen, bevor stehen, Also und gleichermassen, wann
                    ainer wider mehr Erben Zuclagen hatt, soll er keinen allein umb seinen
                    gebürenden thaill, sonder die Erben alle unverscheidenlich fürnemben, es were
                    dann umb thailbare sachen Zuthain wie obgehörtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.32"> [Buch I Titel 11 § 32]<lb/> § 32 Vielweniger soll er ainen
                    Erben, allein umb die gantz anforderung und insolidum fürnemben, dann die Erben
                    sein die Erblichen Actionen pro haereditaria portione und nach mass der
                    Erblichen gebüehrnuß mit einander außtzusteen schuldig, Es were dann sach, das
                    umb ein solches erbliches stuckh clagtt würde, welches einen Erben durch
                    geschäfft oder thaillung allein Zugestanden, so kan solcher Erb in solitum alls
                    Inhaber desselben stucks, wohl fürgenomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.33"> [Buch I Titel 11 § 33]<lb/> § 33 Welcher in die
                    verschreibung mehrers als Ihme sein gelter Zuthain, geuerlicher weiß setzen, und
                    auf solche obermessige verschreibung Clagen thuett der soll die gantz Schuldt
                    dardurch verwürckt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.34"> [Buch I Titel 11 § 34]<lb/> § 34 Wann einer auf Frist und
                    Termin etwas schuldig, und vor der bedingten Zeit beclagt wirdt, so solle der
                    unzeittige Cläger dem Zu frue beclagten taill noch so lang alls die noch oberige
                    Zeit gewesen, aus dem weeg Zuhalten schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.35"> [Buch I Titel 11 § 35]<lb/> § 35 Wann ein Erb mit Legat oder
                    Praelegat mehrers alls sein mitterb betreut worden, So ist er demnach nit pro
                    rata des Legats oder Præelegats, sondern allein nach maß und gelegenhait der
                    Institution und pro rata portione seiner Erblichen gebüernus, die Erblichen
                    anforderung Zuentrichten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.36"> [Buch I Titel 11 § 36]<lb/> § 36 Die Erblichen Creditorn und
                    Glaubinger sollen umb Ihre Persönliche Sprüch wider die Haubt Erben, und nit die
                    geschäfftiger oder legatorien clagen. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.37"> [Buch I Titel 11 § 37]<lb/> § 37 Da aber ainem ein guett
                    verschafft worden, welches dem Cläger verpfendt oder hipotheciert, so mag er den
                    geschäfftingen darumben wohlfürnehmen. </p>
        <p xml:id="NA.1.11.38"> [Buch I Titel 11 § 38]<lb/> § 38 Wann ein Wittfrau umb Ihr
                    abfertigung Clagenn wiell, solle sie die Erben und nit die Erbschafft Schuldtner
                    oder debitorn fürnemben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.11.39"> [Buch I Titel 11 § 39]<lb/> § 39 Welcher umb ein Erbschafft
                    aus einem Testament herrüerent clagen wiell, der bedarf keiner beweisten
                    Freundtschafft noch anderer legitimation, als des Testaments, Wer aber umb ein
                    Erbschafft ab intestats Clagt, der soll sich Zu der <pb n="Edition 2015 S. 38"/>
                    Clag und dem guett wie Landtbreuchig durch beaidigte Persohnenn legitimirn, . </p>
        <p xml:id="NA.1.11.40"> [Buch I Titel 11 § 36 recte=40]<lb/> § 36 (recte=40) Zu
                    Erblichen Clagen solle kain gewalthaber Zugelassen werden, er seÿ dann mitt
                    ordentlichen Gewaltt und genuegsamber Legitimation gefast, welches alles in der
                    Gerichtsdiscretion und approbation stehett. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.12">
        <head>[ Buch I Titel 12]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=130">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Zwelfte Tittl. Von denen Rechtmessigenn
                    Einreden, oppositionen und Exceptionen, welche wider das Gericht, Ladung, und
                    der Clager Persohn nach Landtsbrauch für gewendt werden, desgleichen welche
                    Persohnen Clagen mögen oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.1"> [Buch I Titel 12 § 1]<lb/> § 1 Erstlichen und vor allen
                    dingen, wann der geladen und Beclagt unter das Gerichtt dahin er Citirt worden,
                    nit gehörig, sonder ainem andern Gerichtstzwang unterworfen, soll er vor der
                    Krigsbevestigung die exeption incompetentis Judicis fürbringen, und sich fur
                    sein ordenliche Obrigkait Zu remitiern begehrenn, wohin aber ein ieder mit der
                    ersten Instantz gehörig, ist oben beÿ dem dritten Titl, von denen Iurisdictionen
                    und Gerichtszwang außgeführtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.2"> [Buch I Titel 12 § 2]<lb/> § 2 Zum andern wann der beclagt
                    vor seiner ordenlichen obrigkait fürgewendt wirdt, Ihme aber dieselb aus
                    billichen Ursachen verdechtlich oder suspect ist, So solle Ihme doch mit bester
                    beschaidenhait vor der Litis contestation bevorstehen, dieselben Ursachen und
                    bewegnüssen, dem negsten höhern Gerichtt schriftlich fürtzutragen, welches
                    alßdann das under Gericht, so verdechtlich angetzogen wirdt, mit seiner
                    schrifftlichen notturfft vernemben, und durch Summarische Cognition solchen
                    eingefallen verdachts strit, entschaiden solle. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.3"> [Buch I Titel 12 § 3]<lb/> § 3 Und so der beclagt recht
                    hette, solle die sachen fur ermelte negst gebürende Iurisdiction getzogen, und
                    alda erörtert werden, da aber der beclagt seiner fürgewenten Suspition nit
                    befuegt, solle Er Zu erhaltung des untern gerichts reputation, nach gelegenhait
                    der sachen gestrafft, und hierinnen niemandts verschont werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.4"> [Buch I Titel 12 § 4]<lb/> § 4 Welche Ursachen aber einen
                    Richter suspect und Verdechtig machen, deren fürnembste sein oben beÿ dem ersten
                    Titl von Gerichten vermeldt worden, diewell aber die Persohnen handlungen und
                    derselben umbstendt fast vergleicht, so solle in des höhern Gerichts /:dahin die
                    suspition gelangtt worden:/ discretion und erkantnuß stehen, welche ursachen
                    disfals erheblich und genuegsamb, und sollen andere mittl, davon beÿ denen
                    geschribenen Rechten furgesehen, hiebeÿ nit vonnötten sein. <pb n="Edition 2015 S. 39"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.5"> [Buch I Titel 12 § 5]<lb/> § 5 Und obwohl obensvermeldt, daß
                    solche exception vor der Kriegsbefestigung beschehen solle, iedoch (<ref target="#Handschrift_24">fol. 24</ref>) wann sich das Gericht erst nach der
                    Litis contestation verdechtlich ertzaigt, so mag die verdechtligkaitt hernach
                    auch fürgewendt werden, dann was von neuem fürfelt, betarf neuer einsehung. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.6"> [Buch I Titel 12 § 6]<lb/> § 6 Wann eine oder mehr Gerichts
                    Persohnen doch weniger als halber taill, und nit das gantz Gericht, fur
                    verdechtlich angetzogen werden, so solle obgemelte exception nit stat haben
                    sonder denen uberigen unparteÿschen die Cognition Zugelassen sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.7"> [Buch I Titel 12 § 7]<lb/> § 7 Fürs dritte, wann der Cläger
                    minder Ihärig und seine Vogtbare Ihar noch nit bewisen, so solle der beclagt
                    sich gegen Ihme eintzulassen nit schuldig sein, sonder mag vor der
                    Krigsbefestigung wider des Cläger ungerichtsmessige Persohn excipiern, Unnd
                    obwohl beÿ den geschribenn Rechten versehen, das die minder Ihärigen in
                    possessori clagen, Zutzulassen, so solle doch dem Landtsbrauch nach Zwischen den
                    Petitorn und possessorn striten, disfals kain underschiedt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.8"> [Buch I Titel 12 § 8]<lb/> § 8 Wann sich aber ein minder
                    Ihärige Manßpersohn vor Zwaÿ und Zwantzig, oder ein Weibsbildt vor Zwantzig
                    Iharen in ehestandt begeben thet, solle die selben von stundt an für Vogtbar
                    gehalten unnd Clags vehig sein, Also auch wann ein minder Ihäriger vor seinem
                    ehestandt seines alters volkombenhait und Veniam aetatis durch unser Kaÿserlich
                    oder Landtsfürstliche begnadung erlangt, solle Ihme seiner notturfft nach
                    Zuclagen unverwehrt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.9"> [Buch I Titel 12 § 9]<lb/> § 9 Zum vierten wiewohl die
                    geschriebnen Rechten ordnen, das alle Kinder, welche Ihre eltern noch im leben
                    haben und under derselben gwaltsamb sein, allein inn ettlichen besondern fällen,
                    als umb Iniuri, Gwalt vertrauttes und außgelihenes gelts; und sonsten inn gemein
                    nit clagen mögen, so solle doch wie bißher ublich gehalten, kainem Kindt,
                    welches nunmehr verehelicht, oder sein Vogtbare Ihar, obgehörter massen
                    erraicht, verbotten sein, umb alle fürfallende notturfften sowohl als ander
                    Zuclagen, ungeacht das seine eltern leben, und patria potestas noch unerloschen,
                    Demnach solle die exception patriae potestatis wider die Vogtbaren und
                    verheürahten Kinder, dem Landtsbrauch nach nit statt haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.10"> [Buch I Titel 12 § 10]<lb/> § 10 Zum funften, die Kinder
                    mögen vermüeg geschribner Rechten, wider Ihr eltern allein in etlichen besondern
                    fällen clagen, aber den bißher erhaltnen Landt brauch nach, solle Ihnen das
                    clagen in gemein /:doch mit bescheidenhait und verbis civilibus:/ unbenomben
                    sein. <pb n="Edition 2015 S. 40"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.11"> [Buch I Titel 12 § 11]<lb/> § 11 Zum Sechsten ist den
                    Knechten allein in etzlichen specialschachen, vermüeg geschribner Rechten
                    Zuclagen (<ref target="#Handschrift_25">fol. 25</ref>) Zugelassen, dieweill aber
                    die Dienstleuth und ehehalten, und den Christenthumb freÿ und ledig Persohnen
                    sein, auch ihr aigens guett und peculium haben, können sie nit allein umb Ihren
                    Lidtlohn sonder alle andere notturfft clagen, Also auch der Praelaten, Herrn und
                    Landt leutt underthonen, Holden und Stifftleutt, doch wo sie wider Ihre Herrn
                    und frauen Clagen wolten, sollen sie solches von gebürender ehr wegen Cum Venia
                    und mit sonderer erlaubnus des Gerichts, auch höchster bescheidenhait und verbis
                    civilibus thain. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.12"> [Buch I Titel 12 § 12]<lb/> § 12 Zum Siebenden, welchen von
                    wegen augenscheinlicher verthuligkait und prodigalitet oder aus andern
                    Rechtmessigen ursachen die Administration und freÿ verwaltung Ihrer guetter
                    verbotten, die sollen vor Gericht nit stehen, noch Zuclagen befuegt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.13"> [Buch I Titel 12 § 13]<lb/> § 13 Zum Achten ein untichtiger
                    und infamierter Cläger solle in aigner Persohn vor Gericht nit stehen, sonder
                    sein notturfft durch einen ordenlichen Gewalttrager handlen lossen, sonsten kan
                    wider ihn vor der Krigsbefestigung excipiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.14"> [Buch I Titel 12 § 14]<lb/> § 14 Wann einer wider Unns als
                    Landtsfürsten mißhandlet und Crimen lesae Maiestatis begangen, so mag vor
                    Gericht wider sein Clag vor und nach der Krigsbefestigung excipiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.15"> [Buch I Titel 12 § 15]<lb/> § 15 Die ordens Leutt so unter
                    Ihrer Praelaten Geistlichen gehorsamb sein, sollen in aigner Persohn nitt
                    agiern, sonder durch einen ordenlichen Gwalttrager ihr Recht mit Ihrer praelaten
                    Consens ersuchen lassen, sonsten solle die exception ordinis vor der litis
                    contestation wider sie statt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.16"> [Buch I Titel 12 § 16]<lb/> § 16 Die Praelaten aber mögen in
                    aigner Persohn alls Rechtmessige administratorn wohl clagen, und soll dem
                    ublichen Landtsbrauch nach unnott sein, das sie von Ihrem Convent gewalt oder
                    Ihrer höhern obrigkait Consens fürbringen, doch solle Ihr clag sowohl auf das
                    Convent als Ihre Persohnen gestelt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.17"> [Buch I Titel 12 § 17]<lb/> § 17 Ein Capitel und Convent,
                    soll mit aigner Clag seinen fürgesetzten Praelaten nit fürgreifen, allein es
                    geschehe mit vorwissen und Consens ermelter Ihrer praelaten und Geistlichen ober
                    herrn. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.18"> [Buch I Titel 12 § 18]<lb/> § 18 Wann ein ordensmann seinen
                    Praelaten verclagen will, soll solches mit sonderes erlaubnus des Gerichts
                    beschehen, sonsten solle die Exception non imperatae Veniae statt haben. <pb n="Edition 2015 S. 41"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.12.19"> [Buch I Titel 12 § 19]<lb/> § 19 Wann ein Weibs Persohn
                    anstalt und im Nahmen Ihrer kinder clagenn wiell, so soll es nit statt haben,
                    allein sie wehrenn der kinder fürgesetzte Gerhaben, Ihrer (<ref target="#Handschrift_26">fol. 26</ref>) aignen Eltern aber, mag sie sich
                    wohl annehmen so verr dieselben alters oder unvermögens halben nit clagen
                    können. </p>
        <p xml:id="NA.1.12.20"> [Buch I Titel 12 § 20]<lb/> § 20 Frembder Persohnen solle
                    sich kein Weibsbildt mitt gerichttlicher Clag mächtigen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.13">
        <head>[ Buch I Titel 13]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=140">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Dreÿtzehent Tittl. Von allerleÿ Dilatori oder
                    peremptori Exceptionen, einreden und austzügen, so einer Clag entgegen stehen,
                    auch Zu was Zeit ain iede fürgewendt soll werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.1"> [Buch I Titel 13 § 1]<lb/> § 1 Die erst Rechtmessige
                    Exception, so wider ein Clag opponirt werden kann, heist exceptio rei Judicatae,
                    das Ist ein außtzueg oder einredt eines Zuvor behaltnen abschiedts oder Urtls,
                    dann da einer umb etwas fürgenomben wirdt, und dasselb Zuvor mit recht erhalten,
                    So kann er sich dieser exception füeglich betragen, und damit der clag begegnen,
                    Zu dieser exception aber gehören etliche nottwendige stuckh. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.2"> [Buch I Titel 13 § 2]<lb/> § 2 Am ersten das das Urthell eben
                    wider die Persohnn so ietzo von neuen clagt, oder desselben Vorsidel, Antecessor
                    oder Gewalttrager ergangen, dann wider ainen andern neuen Cläger hatt dise
                    exception nit platz, angesehen, das ainer gegen einem Cläger obsiegen, gegen dem
                    andern aber wohl verlustig werden kann. (<ref target="#Handschrift_27">fol.
                        27</ref>) </p>
        <p xml:id="NA.1.13.3"> [Buch I Titel 13 § 3]<lb/> § 3 Am andern hat diese exception
                    alßdann statt, wo eben umb das Stuckh, so Zuvor erhalten, von neuen clagt wirdt,
                    dann umb ein gleichtmessiges mag von neuen wohl geclagt und alßdann nit füeglich
                    excipiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.4"> [Buch I Titel 13 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten ist vonnötten, das
                    die ursach und causa petendi in der alten und neuen clag gleichförmig seÿ, Wann
                    sie aber underschiedtlich, so mag diese exception nitt statt haben, Als wann
                    einer erstlich umb hundert gulden geliehen geldt clagt und verlustig wirdt, so
                    möchte Er hernach umb solche hundert gulden als eine vertrauttes geltt wohl
                    agiern. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.5"> [Buch I Titel 13 § 5]<lb/> § 5 Zum Vierten, so mues in Jure
                    agendi ein gleichhait seinn, dann wer umb aigenthumb clagt hatte, und verlustigt
                    worden, der möcht dasselb guett, durch ein Persöhnliche Clag, von neuen wohl
                    ansprechen, Also auch der in possessorio <pb n="Edition 2015 S. 42"/> verlustigt
                    worden, der kann dasselb guett in petitoris und umbs aigenthumb ansprechen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.6"> [Buch I Titel 13 § 6]<lb/> § 6 Zum fünften mues das behabt
                    Urtl, Zwischen dem Cläger und Beclagten Zuvorergangen seinn, Dann da es Zwischen
                    andern Persohnen beschehen, so kann solche Urthel als Res inter alias acta, dem
                    Cläger nit schaden noch praeiudiciern. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.7"> [Buch I Titel 13 § 7]<lb/> § 7 Zum Sechsten mues das Urtel
                    definitif unnd in der Haubtsachen Zuvor ergangen sein, dann wo ein Beclagter
                    allein von der Instantz absolviert worden, so mag ihn der vorig Cläger in der
                    Haubtsachen ohne scheuch obbemelter exception widerumben fürnemben. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.8"> [Buch I Titel 13 § 8]<lb/> § 8 Zum Siebenden ist vonnötten,
                    das solches ergangen Urtl in sein würckliche execution komben, dann da es durch
                    ein Landtsfürstliche restitution aufgehebt, und der cläger Zu seinen rechten von
                    neuenn gelassen worden, so kann vielberürte exception nitt statt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.9"> [Buch I Titel 13 § 9]<lb/> § 9 Zum Achten wann einer das
                    gantz guett mit Urtl verlohren, so kann er umb einen thaill daraus nit mehr
                    clagen, sonsten stehet ihme mehrgedachte exception im weg. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.10"> [Buch I Titel 13 § 10]<lb/> § 10 Zum Neunten, welcher das
                    Haubtstuckh verlohren, der kann die Acessorien, als Interesse, frucht, expens,
                    Schäden und dergleichen nit mehr begehren sonsten hat diese Exception statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.11"> [Buch I Titel 13 § 11]<lb/> § 11 Solche exception aber Rei
                    Judicatae, mag der Beclagt vor und nach der Kriegsbefestigung biß die
                    Haubtsachen beschlossen, fürwenden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.12"> [Buch I Titel 13 § 12]<lb/> § 12 Die ander exception so
                    einem Clager Zu nichtigung seiner clag fürgeworfen kan werden, heist Exceptio
                    doli mali ein ansetzung der geuer. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.13"> [Buch I Titel 13 § 13]<lb/> § 13 Solche Exception hat
                    erstlich statt, wann mann ein Schuldt oder andere sachen Zwier Gerichtlichen
                    erfordern thuet. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.14"> [Buch I Titel 13 § 14]<lb/> § 14 Zum andern, da einer
                    anderst Clagt, als der conditioniert und bedingt Contract beschlossen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.15"> [Buch I Titel 13 § 15]<lb/> § 15 Zum dritten wann einer was
                    begehrt, das er stracks dem Beclagten wider restituiern müsse, Alls wann ein Erb
                    ein schuldt einfordern woltt, welche der Testator dem Schuldtner freÿ geschafft. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.16"> [Buch I Titel 13 § 16]<lb/> § 16 Zum Vierten wann der Clager
                    den beclagten in ainem Contract genart, und umb voltziehung solches geuerlichen
                    Contracts clagen thuett. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.17"> [Buch I Titel 13 § 17]<lb/> § 17 Zum funften, Wann ein
                    Gelter seinen Creditoren Zu rechter weill und Zeit wiel Zahlen, aber der
                    Glaubiger solches nit annemben wolte, und das der <pb n="Edition 2015 S. 43"/>
                    Schuldtner nachmals durch unfall umb solches gelt kombt, so kann es glaubinger
                    nit mehr fordern, sonsten stehet Ihm die exception entgegen, </p>
        <p xml:id="NA.1.13.18"> [Buch I Titel 13 § 18]<lb/> § 18 Zum Sechsten, Wann ein
                    erkauftes guett, strittig wirdt, und der verkauffer die Kaufsumma in hangenden
                    stritt erfordern thet, kann ihme obberüerte exception opponiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.19"> [Buch I Titel 13 § 19]<lb/> § 19 Zum Siebenden welcher auf
                    eines andern grundt, bona fide bautt, der ist dem Aigenthumber desselben
                    grundts, das geben, so lang eruolgen Zulassen nit schuldig, bis er sich mit Ihme
                    das bau und anbau nach billichen dingen Zuertragen, sonsten da der Aigenthumber
                    umb abtrettung des erbauhten grundts claget, kann die exception doli mali,
                    fürgewendt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.20"> [Buch I Titel 13 § 20]<lb/> § 20 Zum Achten mag die
                    Exception wider alle unbefüegte begehrn opponiert werden, dann sie ist general
                    und concurriert mit allen andern rechtmessigenn außtzügen, Sie kann auch vor der
                    Krigsbefestigung und hernach biß die sachen beschlossen und sentenciert
                    gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.21"> [Buch I Titel 13 § 21]<lb/> § 21 Die dritt haubt exception,
                    wirdt metus causa genant, und hatt wider den Cläger statt, welchem der beclagt,
                    aus Zwungner und getrungner nott, etwas Zugeben, Zuthain oder Zulassen,
                    versprochen, Es mues aber solcher des Clägers geüebter gewalt und notzwang der
                    massen geschaffen seinn, das sich damit nicht allein ain liederlicher
                    schreckhafftiger Mensch, sonder aines ieden bestendigen Mannß Hertz und gemühtt
                    Zu derleÿ Zusag bewegen hette lassen, Alls wann einer mit Wehr, Waffen und
                    geuar, leibs und Lebens dermassen umbgeben, das er den Tott vor augen hatt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.22"> [Buch I Titel 13 § 22]<lb/> § 22 Deßgleichen da ainer mit
                    schwerer unleidenlicher (<ref target="#Handschrift_29">fol. 29</ref>) gefencknus
                    Zu einer verschreibung oder Zusag benöttigt und geursacht wirdt, Die Exception
                    ist peremptorisch, und hatt nach gethaner Krigsbefestigung biß die Haubtsachen
                    beschlossen statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.23"> [Buch I Titel 13 § 23]<lb/> § 23 Die Viert exception Juris
                    iurandi, ist ein Außtzug aines geschwornen Aÿdts, dann wobeÿ gericht ein thail
                    dem andern die Haubtsachen auf seinenn Aÿdt gelassen, und solcher Aÿdt wie Recht
                    ist, beschehen, So kann die Parteÿ, welche auf den deferierten Und Zugeruchtten
                    Aÿdt geschworen, Deßgleichen derselben Erben und Nachkomben, umb dasselb stuckh
                    und guett darüber Jurirt worden von dem vorigen Cläger, oder desselben
                    Nachkomben, verrer nit fürgenomben werden, sonsten hat obbemelte Exception
                    statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.24"> [Buch I Titel 13 § 24]<lb/> § 24 Ainen andern und Neuen
                    frembden Cläger aber kan solcher Aÿdt nit praeiudiciern solche exception ist wie
                    die negst peremptorisch. <pb n="Edition 2015 S. 44"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.13.25"> [Buch I Titel 13 § 25]<lb/> § 25 Der fünffte austzug heist
                    exceptio solutionis und hatt wider ainen solchen Cläger statt, welcher dessen so
                    er von neuem begehrt, Zuvor vergnüegt und entricht worden, solche vergnuegung
                    und satisfaction aber kan auf etliche weiß beschechen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.26"> [Buch I Titel 13 § 26]<lb/> § 26 Erstlich mit würcklicher
                    betzahlung. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.27"> [Buch I Titel 13 § 27]<lb/> § 27 Furs ander da sich der
                    Glaubiger der betzahlung guetwillig begeben oder den Schuldener durch ein
                    acceptilation freÿgesagtt hett. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.28"> [Buch I Titel 13 § 28]<lb/> § 28 Zum dritten, wann der
                    Glaubiger under das so mann Ihme Zuthain gewesen /:doch ausser gwalt:/ selbst
                    komben. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.29"> [Buch I Titel 13 § 29]<lb/> § 29 Zum Vierten, wo der
                    Glaubiger die Erbar und völlig betzahlung nit annemben wöllen, auch das gelltt
                    Zu ersparung der lauffenden Vertzinsung von dem Schuldtner unter Gerichtt erlegt
                    werden, dann derleÿ gerichtliche deposition wirdt ainer würcklichen bezahlung
                    verglichen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.30"> [Buch I Titel 13 § 30]<lb/> § 30 Zum fünfften, wann ein
                    schuldiges stuckh durch des glaubingers verursachung verdorben, So ist der
                    Schuldtner von Ihme sowohl als ob die betzahlung beschehen entbrochen, </p>
        <p xml:id="NA.1.13.31"> [Buch I Titel 13 § 31]<lb/> § 31 Zum Sechsten, Wann die
                    solution ainem Volmechtigenn gwalthaber beschehen, so kanns der Principal Zum
                    andern mahl nit fordern. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.32"> [Buch I Titel 13 § 32]<lb/> § 32 Zum Sübenden, Wann die
                    betzahlung rechtmessigen Administratorn als Gerhaben und Curatorn beschehen, so
                    künnens Ihre Pupillen noch erreichter Vogtbarkaitt ferrer nit einmohnen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.33"> [Buch I Titel 13 § 33]<lb/> § 33 Zum Achten, wann die
                    betzahlung ainen frembden auß der Creditorum ubergab beschehen, so kans (<ref target="#Handschrift_30">fol. 30</ref>) der ubergeber ferrer nit
                    einfordernn. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.34"> [Buch I Titel 13 § 34]<lb/> § 34 Wo die völlig betzahlung
                    nit beschehen, hatt diese exception demnach pro rata statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.35"> [Buch I Titel 13 § 35]<lb/> § 35 Wann aber etwas das schaden
                    manglhafftig were, betzahlt würdt, und das der Schuldtner an solchem mangl
                    schuldig, so ist solche betzahlung nit gerechtt, es hatt auch dise exeption nit
                    statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.36"> [Buch I Titel 13 § 36]<lb/> § 36 Deßgleichen wann die
                    betzahlung nit mit einem freyen ledigen guett, sonder aufgeladtner beschwerung
                    beschichtt, so hatt dise exception nit statt, Alls wann einem ein freÿes guett
                    verschafft worden, Welhes der Erb verpfenden, und nachmals dem gescheftinger
                    ubergeben hett. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.37"> [Buch I Titel 13 § 37]<lb/> § 37 Also auch wann die ubergab
                    mit aller bedingten gelegenhait nit beschehe, so kann mehrberürte Exception nit
                    bestehen, Alls wann der Verkauffer dem Kauffer das guett, doch ohn Kauf und
                    Schermbrief tradirt, und das der Kauffer <pb n="Edition 2015 S. 45"/> nochmals
                    umb solche Schein clagen thet, so kündt die beschehen ubergab des beschloßnen
                    guetts nach gegenwertige exception dem Verkauffer nit fürtragen, diese Exception
                    hatt nach der Krigsbefestigung biß Zu der sachen beschlues statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.38"> [Buch I Titel 13 § 38]<lb/> § 38 Die Sechste einredt wirdt
                    Exceptio transactionis, daß ist der Außtzug ainer vertragner sachenn genant, der
                    wegen da ainer wider ainen beschloßen Vertrag clagen thett, möcht Ihme solche
                    exception füeglich opponiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.39"> [Buch I Titel 13 § 39]<lb/> § 39 Es ist auch disfals genueg,
                    das der Vertrag beschlossen, ob er gleich nit verbriefft noch aufgerichtt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.40"> [Buch I Titel 13 § 40]<lb/> § 40 Doch sein etlich sondere
                    fäll, darinnen die vertrag nit bündig, auch angezogne Exception statt hat,
                    Erstlich wo der vertrag mit betrug und gevar beschehen, Zum andern, da er auf
                    fürgebrachte falsche schein beschehen, Fürs dritt, da er auf falsche
                    Kundtschafft oder Zeugnus ervolgt, Zum Vierten, Wann Er mit betrangnus und
                    gewalt aufgerichtt, Zum fünften wann sich ein Gewaltthaber ausser eines spezial
                    gewalts in den Vertrag eingelassen, Zum Sechsten wann beÿ dem Vertrag von dem
                    stritt, so iezunt einfelt nichts beschlossen worden, Zum Siebenden, da die
                    gerechtigkait darumben von neuem clagt wirdt, Zur Zeit des vertrags nit in rerum
                    natura gewesen, sonder ist seithero entstanden, Zum Achten, wann das stuckh,
                    darumben der Zeitt clagtt wirdt, von dem gegenthail Zuvor gehfärlicher weiß
                    verhalten oder verschwigen worden, Zum Neunten, Wo im vertrag, ein oder der
                    ander taill uber halben werth des strittigen haab und guets beuert und
                    enormirter laedirt worden (<ref target="#Handschrift_31">fol. 31</ref>). Zum
                    Zehenden, Wann der Vertrag nit mit dem neuen Clager, sonder ainem andern
                    beschehen, den Abwesenden und unwissenden Persohnen, kann kein vertrag
                    praeiudiciern noch schaden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.41"> [Buch I Titel 13 § 41]<lb/> § 41 Solche exception vertragner
                    sachen ist peremptorisch, doch mag sie vor und nach der Krigsbefestigung
                    fürgewent werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.42"> [Buch I Titel 13 § 42]<lb/> § 42 Die Siebendt Haubt
                    exception wirdt ein austzug praescriptionis und beschehener verihärung genant,
                    dann wer nach Landtsbrauch ein liegendt haab und guett, Zweÿ und dreÿssig Ihar
                    nach einander ohn ainigen unterpruch besitzt, dem kann es ferrer nit aberholten,
                    sonder dem Cläger dise Exception fürgeworfen worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.43"> [Buch I Titel 13 § 43]<lb/> § 43 Es hatt aber solche
                    exception mit etlichen fällen nit statt, <pb n="Edition 2015 S. 46"/> Erstlichen
                    wider unsern Landtsfürstlichen fiscum, Am andern, wider unsere Landtsfürstliche
                    Regalien, Zum dritten wider gemeine anlagen unnd Herrnsforderungen, so
                    functiones publicae genent werden, Zum vierten, in entfrembdten und
                    vergwaltigtten Haab und güettern, dann wo ainer gleich derleÿ haab und guetter
                    bona fide und unbewust diser mängl erkaufft, so kündt ers dennoch in Zwaÿ und
                    dreÿssig Iharen nit praescribiren, sonder wehre dem rechten herrn oder seinen
                    Erben, nach solcher Verlofner Zeitt, sowohl als auf vorgehende Clag dieselben
                    ervolgen Zulassen schuldig, Zum funften hat die verihärung in geistlichen
                    geweichten guettern nitt statt, Zum Sechsten hatt solche exception wider ainen
                    Pupillen oder minderihärigen nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.44"> [Buch I Titel 13 § 44]<lb/> § 44 Die achte exception haist
                    ein Außtzug einer beschehen novation oder eines verneuerten Contracts, denn wann
                    die Contrahenten von dem ersten Contract schreiten und sich neuer geding,
                    Condicionen und berednuß vergleichen, so kann auf den alten Contract nitt clagt
                    werden, sonsten hatt ermelte exception wider die Clag statt, doch ist kein
                    novation Zu vermuetten, es kombe dann darumben Schein für. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.45"> [Buch I Titel 13 § 45]<lb/> § 45 Die Neunte exception haist
                    der Außtzug Ainer ubergebnen oder delegierten schuldt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.46"> [Buch I Titel 13 § 46]<lb/> § 46 Wann nun ein Glaubiger dz,
                    so mann Ihme schuldig, einem andern beÿ seinem Schuldtner uberschafft, so kann
                    er nach beschehener ubergab, solche schuldt ferrer nit abfordern, sonsten stehet
                    Ihme obgedachte Exception im weeg, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.47"> [Buch I Titel 13 § 47]<lb/> § 47 Solche negst gehörte
                    exceptionen sein peremptorisch und sollen erst nach beschechener
                    Krigsbefestigung (<ref target="#Handschrift_32">fol. 32</ref>) gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.48"> [Buch I Titel 13 § 48]<lb/> § 48 Die Zehende Exception
                    Senatus Consulti Macedoniani hatt wider die anlechen statt, welche, Söhnen,
                    Töchtern oder Einecklen an vorwissen ihrer Eltern in derer gewaltsamb sie noch
                    sein bestehen, Dann umb betzahlung derleÿ schulden künnen weder die Kinder noch
                    Ihre eltern oder Burgen beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.49"> [Buch I Titel 13 § 49]<lb/> § 49 Es hatt auch disfals kein
                    bedencken, ob das Lehen mit oder ohn vertzinsung beschehen, also gült Es eben
                    gleich, es seÿ das Lehen in gelt oder geltswerth, Zuverführung der Jugent
                    beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.50"> [Buch I Titel 13 § 50]<lb/> § 50. Solche exception aber hatt
                    in etlichen fällen nit statt, Erstlich Wann die Kinder, das Lehen nit in Ihrem
                    aignen sonder der Eltern nutz verwenden, <pb n="Edition 2015 S. 47"/> Am andern,
                    wann die Eltern des Lehens ein wissen haben, dasselb mit wider sprochen noch
                    darwider protestien, Zum dritten, da die Söhn solches entlehnet gelt Zu Ihres
                    Studirens notturfft brauchen thetten, doch dz solches Lehen nit ubermessig seÿ,
                    noch den gewöhnlichen Vätterlichen vertrag ubertref, dann wagt ein Sohn mehrers
                    als Ihme sein Vatter Zu Ihärlicher underhaltung deputiert und raichet, entlehent
                    hette, were der Vatter solche ubermaß Zu erstatten nit schuldig. Zum Vierten,
                    Wann der Sohn ein Krigsmann were, und solches Lehen Zu Kriegs notturfft
                    aufgebrachtt hette, Zum funften, wann das Lehen von kainem frembden sondern von
                    einem Brudern beschehen, Zum Sechsten wann der entlechnet von menniglich für
                    Vogtbar und seiner selbst mächtig gehalten worden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.51"> [Buch I Titel 13 § 51]<lb/> § 51 Diese Exception mag nach
                    beschehener Kriegsbevestigung auch ergangenem Urtl fürgewendt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.52"> [Buch I Titel 13 § 52]<lb/> § 52 Die Aindlliffte einredt und
                    Exception des Velleianischen Rechtes und Weiblichen freÿhait hatt alßdann statt,
                    Wann sich ein Weibs Persohn für ainen andern verbunden, und für Ihne bürg
                    worden, Dann wo sie auf Ihr obligation oder gelaiste Bürgschafft beclagt, kann
                    sie sich der Clag mit dieser Exception entschutten, desgleichen auch Ihre Erben
                    und Bürgen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.53"> [Buch I Titel 13 § 53]<lb/> § 53 Doch hatt dise freÿhait und
                    einredt in etlichen sondern fällen nit statt, Erstlichen wo sich ein fraw umb
                    Heüratguett fur einen andern verobligiert, Zum Andern wann ein frau selbst
                    schulden machtt, oder in ander weeg Contrahiert, Zum dritten, wo sich ein fraw
                    fur andere leutt verpflichte, und beÿ derselben sachen gegenwüertig und Könfftig
                    ainen genies Zugewarten hatte; Zum Vierten wann ein fraw umb Ihr Pürgschafft
                    viel oder wenig eingenomben, und solches einnembens oberwisen kündt werden,
                        (<ref target="#Handschrift_33">fol. 33</ref>) Zum fünfften, wann sich ein
                    fraw arger mainung, und damit der Glaubinger Ihrer Persohn halber gevert wirdt,
                    in derleÿ verbindtung eingelassen, So kann sie solches Velleianisch Rechten nit
                    entheben, Zum Sechsten, Wann sich frau solcher freÿhait des Velleianischen
                    Rechtens austrücklich in beÿsein dreÿer Zeugen verzigen und Zuvor Ihrer
                    Weiblichen freÿhaitt lautter berichtt verständigt und certioniert worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.54"> [Buch I Titel 13 § 54]<lb/> § 54 Diese Exception kann nach
                    der Litis contestation und ergangenen Urtel gebrauchtt werden. <pb n="Edition 2015 S. 48"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.55"> [Buch I Titel 13 § 55]<lb/> § 55 Die Zwelfft einredt Non
                    numeratae pecuniae, wirdt aines nit dargetzehlten gelts halben fürgeworfen, dann
                    da einer auf guett vertrauen und in Hofnung gelt Zuempfahen einen Schuldtbrief
                    bekandtnuß, oder sein Handtschrifft von sich gegeben, Und nachmals der
                    würcklichen dartzehlung des gelts nit habhafft worden, so mag er dem Clager,
                    welcher auf derleÿ bekandtnuß agiern, und die betzahlung begehren thete,
                    innerhalb Zwaier Iharen obbemelte Exception opponiern, in welcher Zeit alßdann
                    der Cläger die würcklich außtzahlung unverhindert seines habendenn Schuldtbriefs
                    mit anderm glaubigem schein, darbringen mues, Nach verstreichung aber berüerter
                    Zwaÿer Ihar, wirdt der Cläger solcher weißung enthebtt (<ref target="#Handschrift_33">fol. 33v</ref>) und dem Beclagten, das er nichts
                    empfangen, die probation aufgebunden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.56"> [Buch I Titel 13 § 56]<lb/> § 56 Dise Exception ist
                    peremptorisch, und soll nach gethaner Krigsbefestigung fürgewendt werden, doch
                    steet dem, so sein Handtschrifft also auf gueten glauben und trauen von sich
                    gegeben, auch bevor, umb das geltt oder herausgebung seiner bekantnuß vor oder
                    nach Zwaÿen Iharen Zuclagen, deßgleichen seinen Erben und Bürgen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.57"> [Buch I Titel 13 § 57]<lb/> § 57 Die dreÿ Zehendt einredt,
                    Non numeratae dotis, oder eines unbetzahlten heürathguets mag sich ein ehemann
                    gebrauchen, welcher in Heurahtsbrief, oder in ander weeg bekent, das er seiner
                    Ehefrauen haimbsteur und Zugebrachtes heürath guett empfangen, dann da er
                    derselben mit barer betzahlung nit habhafft worden, Und die ehe nit Zwaÿ Ihar
                    gewert, mag er Ihren Erben so umb widergeltung desselben heürats guets clagen,
                    innerhalb eines Ihars, Hette aber die Ehe uber Zweÿ Ihar gewertt, inner dreÿ
                    Monaten dise exception, des nit empfangen Heüratguetts fürwerfen, da sie aber
                    uber Zehen Ihar gewehrt, und sie mit einander ehelich gelebt, und der Mann
                    solchen Ausstandt nit geant, So kann er sich nachmals ehebemelter Exception nit
                    mehr behelfen, Sonder ist das heürat guett denen erben richtig Zumachen
                    schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.58"> [Buch I Titel 13 § 58]<lb/> § 58 Solche (<ref target="#Handschrift_34">fol. 34</ref>) exception ist peremptorisch, und hat
                    auch nach der Litis contestation statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.59"> [Buch I Titel 13 § 59]<lb/> § 59 Die Viertzehendt exception
                    divisionis genant, gebürt einen Burgen, welcher neben andern Bürg worden, dann
                    da er umb die gantz Haubtschuldt insolidum fürgenomben wirdt, mag er sich auf
                    seine mittbürgen waigern oder in crafft dieser exception begehrn, das er für
                    sein gebürnus allein beclagtt werde, Es were dann sach, das sich der Bürg sament
                    und sonderlich verschriben, oder solcher freÿhait austruckenlich begeben, oder
                    die andern Bürgen unuermöglich und nit solvendo Alßdann hett solche einredt nit
                    Platz. <pb n="Edition 2015 S. 49"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.13.60"> [Buch I Titel 13 § 60]<lb/> § 60 Diese Exception ist
                    gleichsfals wie die vorige peremptorisch. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.61"> [Buch I Titel 13 § 61]<lb/> § 61 Die Funftzehende Einredt
                    Renuntiationis hatt nach der Krigsbefesstigung, und in dem fall statt, Wann sich
                    ainer Zuvor seines Rechtens oder gerechtigkaitt begeben, und ungeacht solcher
                    Renuntiation darumben clagen thet, Doch ist hiebeÿ vonnötten, das der begegent
                    thaill Vogtbar, und sein selbs mechtig seÿ, sich auch deren sachen vertzeiche,
                    welche in seiner gwaltsamb allein stehen und privat Juris sein, dann gemainer
                    sachen oder Solenniteten und Zierligkaiten kan sich niemandt begeben. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.62"> [Buch I Titel 13 § 62]<lb/> § 62 Die Sechtzehendt Einredt
                    Litis pendentis oder Instantiae non diüidendae kan sich ein ieder Beclagter
                    gebrauchen, welcher mit dem Clager vor einem gericht Zu rechtt steet, aber durch
                    Ihne Cläger, davon für ein andere Jurisdiction gezogen wirdt, dann weill ein
                    iede sach vor dem Gericht erordert werden solle, da sie rechts anhengig worden,
                    So Zimbt dem Cläger in undertragnen Rechten nit mit der Instantz also zu
                    wechßlen, oder dieselb Zuhalbieren, Thuet ers aber, so mag sich der Beclagt mit
                    gedachter Exception defendiren, unnd dieselb von der Krigsbefestigung, oder wo
                    der abwechsell erst nach verfangnem Rechten beschehe, hernach fürwerfen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.63"> [Buch I Titel 13 § 63]<lb/> § 63 Der Siebenzehent einredt,
                    mag sich ein Erb, doch vor der litis contestation behelfen, wann er vorgehaltnem
                    dreÿssigsten aufgerichten Inventari oder in hangender deliberation Ehe und Zuvor
                    er sich Zu ainen erben erclärtt, und Erbliche sprüch für Gericht gewendt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.64"> [Buch I Titel 13 § 64]<lb/> § 64 Also auch Zum Achzehenden,
                    da einer in wehrenden Gerichtsferien fürgenomben würdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.65"> [Buch I Titel 13 § 65]<lb/> § 65 Die neunzehendt einredt,
                    Non servatae fidei, hatt in denen fällen statt, wann sich Zwen Contrahenten
                    gegen einander reciproce, der ein taill umb das, oder ander umb ein anders
                    verbunden, dann wo dem Beclagten nit gehalten wirdt, so ist er von seinem gegen
                    Zusagen auch entsprochenn, Und mag dem Cläger dise exception nach der
                    Krigsbefestigung fürwerfen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.66"> [Buch I Titel 13 § 66]<lb/> § 66 Die Zwantzigist exception
                    wirdt Zugelassen, wann einer was begehrt, so wider rechtt statt Landtsbrauch,
                    general Policeÿ und dergleichen gemaine satzungen ist, Solche exception kann
                    allezeit opponiert werden, dann was wider gemeines oder Landtrecht ist, kan
                    weder vor noch nach dem Urtel bestehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.67"> [Buch I Titel 13 § 67]<lb/> § 67 Die Ain und Zwantzigiste
                    Einredt, einer untzeitigen clag wirdt nach der Krigs befestigung gebraucht,
                    Nemblichen wann einer vor gebürlicher Zeit clagt, Alls wann umb unschuldten vor
                    Außgang des verschribnen Termins oder umb <pb n="Edition 2015 S. 50"/>
                    bestandtgelt, vor endtung der verglichnenn bestandtsfrist, oder da der
                    verkauffer umb die Kaufsumme vor beschehener einantwortung des verkaufften
                    guets, oder der Erkäuffer umb einantwortung des guets, vor beschehener
                    betzahlung, oder der schuldtner umb Herausgebung des pfandts, vorgethaner
                    solution clagtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.68"> [Buch I Titel 13 § 68]<lb/> § 68 Die Zwaÿ und Zwantzigiste
                    Einredt hatt statt, wann einer sein aigne Handlung und Factum proprium
                    retractiert, alls da einer etwas verkaufft und hernach clagweis fürgeben wolt,
                    Er hett dessen nit fueg noch macht gehabt, so kann sich der Beclagt, obberürtes
                    außtzugs, wider Ihne behelfen, und derselben vor dem abschiedt opponieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.69"> [Buch I Titel 13 § 69]<lb/> § 69 Zum dreÿ und Zwanzigisten
                    ist ain Einredt von factae dispositionis Alls wann ainer sich reden vernemben
                    liesse, da Er stürb, wolt er dem oder disem das oder ienes verschaffen, aber
                    solches nit beschehen were, So kann auf solche reden, welche in kain würckliche
                    disposition komben, niemandts rechtlich Clagenn, geschicht es aber, so steet
                    denn Erben dieser behelf vorbeschloßner sachen bevor. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.70"> [Buch I Titel 13 § 70]<lb/> § 70 Zum Vier und Zwanzigisten,
                    wann die Actionen und Clagen dermassen geschaffen, das sie auf gewisse Ihar und
                    Zeit, als umb Iniuri oder gewält, so in Ihars frist beschehen sollen, gestelt
                    seÿen, und das in solcher gordtneter Zeit nit clagt wirdt, so mag sich der
                    beclagtt, der Einredt verloschener Clag dissimulatae vel expiratae actionis vor
                    der litis contestation betragen. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.71"> [Buch I Titel 13 § 71]<lb/> § 71 Zum fünf und Zwantzigisten,
                    Wann ein Cläger von uns als herrn und Landtsfürsten was mit verhaltnem grundt
                    obreptine erlangt, so hatt die exception obreptionis statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.72"> [Buch I Titel 13 § 72]<lb/> § 72 Zum Sechs und
                    Zwantzigisten, Wann ein schein Handel oder simulierter contract aufgericht, so
                    mag die exception simulationis vor beschloßner sachen gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.13.73"> [Buch I Titel 13 § 73]<lb/> § 73 Zum Siben und
                    Zwantzigisten, Wann durch den Cläger etwas mit falsch beschehen, beschlossen
                    oder aufgericht, so mach sich der Beclagt mit der Exception falsi vor und nach
                    ergangnem Abschiedt schutzen, (fol 36.). </p>
        <p xml:id="NA.1.13.74"> [Buch I Titel 13 § 74]<lb/> § 74 Zum Acht und Zwantzigisten,
                    wann einer umb Erbschafft clagen wiell, kann in die Exception, das er sich darzu
                    wie Landtbreuchig Legitimiren solle, und nach der Krigsbefestigung opponiert
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.13.75"> [Buch I Titel 13 § 75]<lb/> § 75 Und in Summa alle
                    vernunfftige Rechtmessige Landt und gerichtsgebreuchige behelf, damit sich einn
                    Beclagter wider den Cläger vor Gericht vertaidigen, schützen und schermen, kan,
                    sollen und mügen für Außtzung unnd einredten billich gehalten unnd gebraucht
                    werden, Angesehen <pb n="Edition 2015 S. 51"/> das die Exceptionen in gemain
                    nichts anderst alls Rechtliche defensionen sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.14">
        <head>[ Buch I Titel 14]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=171">SlgChor. Faksimile</ref>] Der Viertzehent Tittl. Von der Exceptionen,
                    Einreden und Auszugen underschiedt, art und Aigenschafft. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.1"> [Buch I Titel 14 § 1]<lb/> § 1 Der Gerichtlichen Exceptionen,
                    einreden und Außtzugen kann man sich auf Zweÿerleÿ weeg gebrauchenn, Erstlich
                    aufschieblich und dilatorie, in welchem fall die Clag und Action ein Zeit lang
                    aufgehaltenn, aber nit gar noch auf ewig außgeschlossen wirdt, Alls da mann
                    wider des Richters, Clägers oder Procurators Persohn, deßgleichen wider die
                    ladung, Clag oder gewalt excipiert, dann dardurch felt des Clägers Jus und
                    Intention nit, sondern wirdt allein so lang verschoben, biß die Persohnen,
                    Ladungen Clagen und gewält verendert werdenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.2"> [Buch I Titel 14 § 2]<lb/> § 2 Solche dilatori einredt sollen
                    vor der Krigs befestigung, ehe sich der beclagt verfäncklich oder im
                    Haubtsächliche antwort einläst, beÿ Gericht fürgewendt werden, sonsten sollen
                    sie nach verfangenem Krieg oder litis contestation nit statthaben, allein in
                    ethischen besondern fällen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.3"> [Buch I Titel 14 § 3]<lb/> § 3 Erstlichen wann die Exception
                    nach beschehener Haubtsächlicher Antwortt, entstünde, alls wann sich dz Gericht
                    erst nach des Krigs befestigung (<ref target="#Handschrift_37">fol. 37</ref>)
                    verdechtlich ertzaiget oder ein neuer gewalttrager fürgestelt wirdt, so nit
                    rechtmessig were. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.4"> [Buch I Titel 14 § 4]<lb/> § 4 Zum andern, Wann das Gerichtt
                    dieselb Dilatori Exception, erst hernach Zuvernemben, für ein notturfft
                    erachtet, Alls wann sich ein Cläger, Zu ainer Erbschafft legitimiren soll, mag
                    das Gerichtt seinn Haubt legitimation, welche zum guett geschehen mues, Zu dem
                    Haubtsächlichen disputat verschieben, unnd entzwischen den Beclagten, wann er
                    sich nur Zu der Clag legitimirt, in antwortt erkennen. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.5"> [Buch I Titel 14 § 5]<lb/> § 5 Fürs dritt wann der Beclagt
                    der Ihme gebürenden dilatori exception Zuvor kain wissen gehabt, sondern
                    derselben erst nach seiner beschehen antwort de facto erindert worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.6"> [Buch I Titel 14 § 6]<lb/> § 6 So ein Parteÿ mehr alls eine
                    dilatori exception fürtzuwenden hette, sollen sie dieselben samentlich auf
                    einmahl fürbringen, dann eine nach der andern Zu geuerlichen auftzueg der sachen
                    einzuwerfen, solle nit gestat werden. <pb n="Edition 2015 S. 52"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.14.7"> [Buch I Titel 14 § 7]<lb/> § 7 Under allen Dilatori austzugen
                    aber, sollen die welche wider das Gericht geordtnet, am ersten fürgewendt und
                    proponiert werden, dann da mann in das Gericht ainmahl verwilligt, hat derselben
                    recusation ferrer nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.8"> [Buch I Titel 14 § 8]<lb/> § 8 Die Andere weiß exceptionen
                    und Einredt vor Gerichtt fürzubringen, geschicht peremptorie und ausleschlich,
                    Nemblichen in dergestalt und mainung, das die clag und Action, dardurch gar
                    außgelescht, todt und abgemachtt wirdt, dahin sein nun alle behelf, Eintrag und
                    defensionen Zu verstehen, welche Zu der Haubtsachen gehören, Und dem Cläger
                    seine vermainte haubtgerechtigkaitt abstricken, alls da sein die exception eines
                    behabten Rechtens, Ainer beschehener betzahlung, begangner gevar, angelegter
                    betrangnus, und was dergleichen mehr ist. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.9"> [Buch I Titel 14 § 9]<lb/> § 9 Solche peremptori Exceptionen
                    sollen nach der Krigsbevestigung fürgewendt werden, Und haben so lang statt, biß
                    in der Haubtsachen beschlossenn, doch die Schlußschrifften außgenomben, darumb
                    kain neue einredt, dem Gerichtsbrauch nach Zu gedulten. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.10"> [Buch I Titel 14 § 10]<lb/> § 10. Welcher sich
                    aufschieblicher und Dilatorischer einredt gebrauchtt hatt, dem sollen seine
                    peremptori Aufzueg nach verfangenem Rechten fürtzubringen, unbenomben sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.11"> [Buch I Titel 14 § 11]<lb/> § 11 Wiewohl die geschribenen
                    Rechten vermögen das ein peremptori excepetion nach der andern underschiedtlich
                    fürgebracht und außgeführt mög werden, so wöllen, ordnen und setzen wir, doch
                    auß Landtsfürstlicher Volmachtt von wegen schleüniger befürderung des Rechtens,
                    wo ein Parteÿ mehr als mitt ainer peremptori exception gefast, das (<ref target="#Handschrift_38">fol. 38</ref>) Sie dieselben all unter einsten
                    fürbringen und Ventilieren solle. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.12"> [Buch I Titel 14 § 12]<lb/> § 12 Welcher Zum austrag der
                    Haubtsachen gereifft und hindangesetzt seiner habenden Dilatori einreden, seine
                    peremptorischen Austzug strax gebrauchen wiell, dem soll es umb weniger
                    behelligung wegen doch nach des Kriegsbefestigung bevor stehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.13"> [Buch I Titel 14 § 13]<lb/> § 13 Es seindt etliche peremtori
                    einredt, welche dilatorie und peremtorie auch vor und nach der Krigsbefestigung
                    fürgewendt künnen werden, Erstlich wann der Beclagtt fürgibt, das die sachen
                    darumben clagt wirdt, mit dem Aÿdt Zuvor erörtert, Zum andern, wann er antzeucht
                    das solche sachen Zuvor vertragen, Zum dritten das er von der sachen Zuvor mit
                    Rechtt und Urtel ledig erkendt, Zum Vierten, Wann der beclagtt die veriährrung
                    wider den Clager einführt, <pb n="Edition 2015 S. 53"/> Zum funften, wann er
                    sich vor beschehener betzahlung oder anderer liberation behüelfft, Zum Sechsten
                    wann die Legitimation Zu der Erbschafft begert wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.14"> [Buch I Titel 14 § 14]<lb/> § 14 Der formb Dilatorischer
                    Exception mag ohngeverlich in negstbemelten sechs einreden also beschehen, Weill
                    mich N.Cläger umb ein vermainte Schuldt fürnimbt, so bring ich hiemit der
                    beschehen bezahlung halben, dise glaubwürdige quittung für, wiell mich derhalben
                    in kain erweiterung noch verfenckligkait einlassen, sonder bitt mich in craft
                    des fürgebrachten lauttern und gefertigten scheins ausser alles ferrern Proceß
                    von der Instantz und des Clägers unbefuegten Clag, ledig Zu erkennen, sambt
                    abtrag der Expenß. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.15"> [Buch I Titel 14 § 15]<lb/> § 15 Peremptorie aber werden sie
                    also proponiert, Ich gestehe dem Cläger kainer schulden, dann er derselben
                    vergnüegt, welches ich mit Ihme wie recht ist außtzutragen keinen scheich hab,
                    etc. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.16"> [Buch I Titel 14 § 16]<lb/> § 16 Die peremptori und
                    außleschischen einreden sollenn nach ergangenem abschiedt, oder entdt Urtel nit
                    mehr statt haben, doch werden etliche sondere fäll hierbeÿ außgenomben,
                    Erstlichen die exception einer andern Jurisdiction und Instantz, Zum andern die
                    Exception eines vermaintenn gewalthabers, welcher mitt keinem gewaltt versehen
                    gewesen, Zum dritten die Einredt eines unordentlichen und nichtigen process, Zum
                    Vierten die Exception aines falschs Zum fünfften die einredt der Weiblichenn
                    freÿhait und des Velleianischen Rechtens, Zum Sechsten der Außtzug der
                    Macedonischen freÿhaitt (<ref target="#Handschrift_39">fol. 39</ref>) Zum
                    Siebenden, das ein Erb, so die Erbschafft cum beneficio Inventarÿ angetretten,
                    uber desselben vermügen Zutzahlen nit schuldig, Zum Achten, Wann ein peremptori
                    einredt, erst nach ergangenem abschiedt entstanden, so soll dieselb hernach
                    statt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.14.17"> [Buch I Titel 14 § 17]<lb/> § 17 Die exceptionen und
                    einreden verihären sich, wie etliche clagen in Ihars frist nit, sondern sollen
                    biß auf verihärte Zeitt, statt haben, doch die exception aines unbetzahlten
                    heürat guets und unerlegten gelts, wie oben gehört außgenomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.18"> [Buch I Titel 14 § 18]<lb/> § 18 Aller exceptionen, so dem
                    Beclagten bevorsteen, deren mögen sich ihre Erben und singular successorn auch
                    gebrauchen, deßgleichen Ihre bürgen, <pb n="Edition 2015 S. 54"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.14.19"> [Buch I Titel 14 § 19]<lb/> § 19 Welche exception die
                    Haubtsachen außlescht, die ertöttet auch alle accessorien, so der Hauptsachen
                    sonsten nachvolgen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.14.20"> [Buch I Titel 14 § 20]<lb/> § 20 Welcher unrechtmessig und
                    muetwillig Zu geverlichen auftzueg der sachen excipiert, der solle dem Clager
                    die Expens abtzutragen schuldig sein. (<ref target="#Handschrift_39">fol.
                        39v</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.15">
        <head>[ Buch I Titel 15]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=181">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 15. Tittl.<note n="N.1.15">Wechsel auf
                        Ziffern-Numerierung im Original.</note> Von des Clagers Ungehorsamb in
                    ordinari sachenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.15.1"> [Buch I Titel 15 § 1]<lb/> § 1 Wann der Cläger auf den ersten
                    gebürenden Rechtstag, weder in aigner Persohn, noch durch seinen Gewalttrager
                    (das sich weniger als mit dem beclagten begibt) erscheint, so mag der Beclagt
                    die Ladung originaliter fürbringen mit begehrn, Weil der Clager noch iemandts
                    von seinet wegen verhanden, sich vonn der Instantz und außgebrachten Ladung
                    ledig und muessig Zuerkennen, sambt abtrag der expens. </p>
        <p xml:id="NA.1.15.2"> [Buch I Titel 15 § 2]<lb/> § 2 Wann aber der Cläger auf den
                    fürgesetzten Rechtstag erscheinet, und sein ladung Clag und Execution einlegtt,
                    doch volgents der Clag nit nachkombt, sondern ungehorsamblich aussenbleibtt, so
                    solle der Beclagt Zu dreÿen Rechtstägen, wider Ihne umb Rechtt anruffen, Und
                    solche anrueffen, mögen auf Zwen weeg beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.15.3"> [Buch I Titel 15 § 3]<lb/> § 3 Erstlich wann des Beclagtenn
                    mainung nit ist, das das Gericht auf die einkomben Acta erkandtnuß thain solle,
                    mag er begehren, sich von der Ladung und clag, auf des Clägers ungehorsamb,
                    sambt abtrag der Expens ledig Zuerkennen. (<ref target="#Handschrift_40">fol.
                        40</ref>) </p>
        <p
            xml:id="NA.1.15.4"> [Buch I Titel 15 § 4]<lb/> § 4 Da aber dem Beclagten gemaint,
                    aus die einkomben Acta und producten wir recht ist, erkennen Zulassen, so steet
                    Ihme solches in seinem dritten und letstenn anruffen Zubegehren bevor, Unnd
                    sodann daß Gericht aus den Actis befindt, das der Krieg verfangen, auch baider
                    thaill notturfften und gerechtigkaiten genuegsamb einkomben, mag in der
                    Haubtsach erkantnus beschehen, Unnd wann alßdann der beclagt definitive ledig
                    erkent, so wirdt der Cläger zu solcher Handtlung ferrer nit Zugelassen, sonder
                    es bleibt allerdings beÿ dem Endt Urthel, So aber das Gericht die einkombenen
                    Acta ietz bemelter massen nit befindet, so geschicht kein entliche erkantnuß,
                    sondern der beclagt wirdt allein auf ungehorsamb von der Instantz des Gerichts,
                    sambt abtrag der Expens müessig erkendt, Und da solche erkandtnuß auf
                    ungehorsamb <pb n="Edition 2015 S. 55"/> beschehen, so wirdt dennoch dem Cläger
                    hernach Zugelassen gegen betzahlung des Expens innerhalb Ihars frist, in sein
                    Rechtt einzustehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.16">
        <head>[ Buch I Titel 16]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=184">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 16. Tittl. Von den Ungehorsamb, welcher sich
                    vor dem Abschiedt oder Endt urthel, in ordinari sachen durch den Beclagten
                    beschicht. </p>
        <p xml:id="NA.1.16.1"> [Buch I Titel 16 § 1]<lb/> § 1 Wann der Cläger in gehendem
                    ordinari Landts rechtens sachen, auf den Ersten Rechtstag sein Ladung Clag und
                    Execution einlegt, und der Beclagt, oder Jemandts von seinetwegen nit
                    erscheinet, soll er umb dem beruff Zum ersten mahl beruffen und solchen Zu
                    prothocollieren begehrn, Und da weder der Beclagtt noch iemandts von seinet
                    wegen den andern Rechtstag fürkümb, so mag der Cläger Zum andern mahl umb den
                    berueff anrueffen und solches abermals Zu prothocollieren begeren. So nun der
                    geladen abermals nit erschienen und der Cläger auf volgenden Rechtstag Zum
                    dritten mahl umb den beruff anruffet, solle derselb durch das Gericht, auf
                    nachvolgenden Rechtstag erkendt und von dem füerbietter exequiert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.16.2"> [Buch I Titel 16 § 2]<lb/> § 2 Unnd wann der beruff also
                    ergangen, mag der Cläger (<ref target="#Handschrift_41">fol. 41</ref>) nach
                    demselben Rechtstag umb den Ansatz ex primo Decreto anruffen, und solches
                    anruffen in das prothocol eintzuschreiben begehren, Wo alßdann der Beclagt
                    erscheint und sich den beruf gulden dem fürbietter Zuerlegen erbent, wirdt er
                    wider Zugelassen doch nicht eher als wann Er solchen gülden würcklich erlegt, da
                    aber solches nit beschehe, und der Cläger Zum andern und dritten mahl umb den
                    Ansatz anruffet, auch mitler weill weder beclagter noch iemandts von seinetwegen
                    mit gewalt erschine, solle dem Cläger der Ansatz erkent werden, Nach welcher
                    erkantnis der Clager Zwischen rechten umb den Ansatz supliciern mag, der solle
                    Ihme beÿ der Cantzleÿ gefertigt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.16.3"> [Buch I Titel 16 § 3]<lb/> § 3 Wann nun der Cläger die
                    angesetzten guetter ainn gantz Ihar innen gehabt, mag er vor Gerichtt umb den
                    Ansatz ex secundo decreto Zu dreÿen Rechtstägen anruffen, und so dann der
                    Beclagt Innerhalb Ihars frist erschiene, Soll er gegen erstattung aller
                    anferlofnen expens Zu seiner notturfft verlassen werden, Erscheinet er aber noch
                    iemandts von seinetwegen nit, solle der Cläger mit Rechtlicher erkantnus ex
                    secundo Decreto von Neuem in die güetter gesetzt werden. <pb n="Edition 2015 S. 56"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.16.4"> [Buch I Titel 16 § 4]<lb/> § 4 Wann nun der Cläger solchen
                    Ansatz ex secundo Decreto vor Gericht erlangt, so solle Er einn ordentliche
                    Commission begehren und sich mit Gerichts handten, in das strittig guett
                    einsetzen lassen, doch nach gelegenhait seiner Ladung und Clag dann da Er nicht
                    auf das gantze guett, sonder nur halben taill clagt hette, kan Ihme das gantz
                    guett nit eingeantwort werden, allein es beschehe pro rata der Expens unnd
                    schäden. </p>
        <p xml:id="NA.1.16.5"> [Buch I Titel 16 § 5]<lb/> § 5 Wann aber der Beclagt, gegen
                    dem Clager auf die Ladung und Clag erscheinet, sich doch in kain antwort
                    einliesse, Sonder wider den Cläger excipiern, volgendts der sachen nit
                    nachsetzen, sondern ungehorsamblich außen Bleiben thette, So mag der Cläger umb
                    erkantnus in der exception anruffen darauf soll uber das so in der exception
                    einkomben, mit erkantnus fürgangenn werden, da nun der beclagt in antwort
                    erkendt würdt, aber auf seiner ungehorsamb verharren thet, solle der Cläger Zu
                    dreÿen Rechts tägen, wider den Beclagten umb recht unnd verrer erkantnus
                    anruffen, darauf solle erkent werden, Der Cläger habe auf des Beclagten
                    Ungehorsamb seine spruch behabt unnd erlangt, Alß dann mag der Clager umb den
                    Ansatz anhalten, der solle Ihme der ordtnung gemes Zwischen der rechten
                    mitgethailt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.16.6"> [Buch I Titel 16 § 6]<lb/> § 6 Wo dann der Beclagt hernach
                    inner Ihars frist vor Gericht erscheint, und sich gegen betzahlung der Expens Zu
                    seiner Haubtsächlichen notturfft Zutzulassen begehrt, soll er mit seiner
                    antwortt gegen erlegung solcher Expens Zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.16.7"> [Buch I Titel 16 § 7]<lb/> § 7 Wann aber der Beclagt in der
                    Handlung so weit verfahren, das er den Krieg verfangen, das auch die sachen
                    durch weisung oder in andere weeg so lauter, das das Gericht darüber definitive
                    Urtln mag, So solle der Cläger Zu dreÿen Rechts tägen, wider den ungehorsamb
                    beclachten umb recht anruffen, mit den begehrn, Auf das so in der Haubtsachen
                    einkomben erkantnus Zuthain, alß dann sollen die Acten und producten, durch das
                    Gericht furgenomben, und wo dz gericht in Actis befindt, das der Parteÿen
                    notturfften und gerechtigkaiten genuegsamblich außgeführt und erleuttert,
                    Sonderlich wann die weisung volfüertt, so solle in der Haubtsachen entkantnuß
                    beschehen, darauf mag der Cläger umb den gebotsbrief und die andern Execution
                    mittl suppliciren, die sollen Ihme nach ordtnung mitgetailt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.16.8"> [Buch I Titel 16 § 8]<lb/> § 8 Wann aber die Acta dermassen,
                    wie ietzt vermelt nit befunden, so solle die erkantnus nit definitive sondern
                    allein auf ungehorsamb als Zuvor vernomben, beschehen, doch wann der beclagt
                    Innerhalb Ihars frist nach dem Urtel so auf <pb
            n="Edition 2015 S. 57"/>
                    Ungehorsamb ergangen erscheinet, und die Expensen bezahlet, solle er widerumben
                    als oben gehört Zugelassen werden. (<ref target="#Handschrift_43">fol. 43</ref>)
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.17">
        <head>[ Buch I Titel 17]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=190">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 17. Tittl. Von der Cläger Ungehorsamb, so
                    sich beÿ denen Summarj sachen begeben. </p>
        <p xml:id="NA.1.17.1"> [Buch I Titel 17 § 1]<lb/> § 1 In Summari und Extraordinari
                    Gerichtlichen sachen, wann der Cläger vor der Krigs befestigung seiner
                    eingebrachten Clag nit nachsetzt, soll der beclagtt begehren, das Ihme Cläger
                    durch dreÿ underschiedtlich bevelch Zu prosequierung seiner Clag verkundt werde,
                    Erscheinet er alß dann, so solle er gegen erlegung der expens Zuvolfüehrung
                    seiner clag gelassen erscheint er aber nit, solle der beclagtt auf sein begern,
                    vonn der Instantz absolviert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.17.2"> [Buch I Titel 17 § 2]<lb/> § 2 Da aber nach beschechener
                    Krigsbefestigung doch vor dem Endt Urtl ain Cläger saumig und auftzigig wehre,
                    auch sein clag hangen ließ, mag der beclagtte Thaill abermals begehren dem
                    Cläger Zu ausführung seiner Clag dreÿmahl durch gerichtliche bevelch Zuerkunden,
                    erscheint er, Allßdann solle Er gegen erstattung der Expens wider Zugelassenn
                    werden, kombt er aber nit so mag der Anclagt begehrn, auf das so vor der
                    ungehorsamb, von baiden Thailen ordenlich einkomben, wie recht ist Zuerkennen
                    und da die Haubtsachen dermassen lautter ausführlich und genuegsamb für komben
                    were, das das Gericht in derselben schließlichen entschiedt thain möchte, so
                    solle Haubtsachlich erkent, und der Anclagt nach gelegenhait befundener sachen
                    condemmirt oder absolviert, auch der Cläger Zu seiner notturft gegen erbietung
                    der Expens ferrer nit Zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.17.3"> [Buch I Titel 17 § 3]<lb/> § 3 Wann aber kain weisung
                    lautterkait noch gewißhaitt in der Haubtsachen verhanden, so solle der Beclagt
                    von der Instantz sambt abtrag der expens ledig und müessig erkent werden, und
                    vonn solchem Urtel es were gleich der Cläger in der Haubtsachen oder Instantz
                    verlustig, solle er Zu ainer straff seiner geübten ungehorsamb nit appellieren,
                    Er kömbt dann, weill das Gerichtt noch Zu rahtt sitzt, und thet seinen
                    Ungehorsamb purgiren. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.18">
        <head>[ Buch I Titel 18]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=193">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 18. Tittl. Von des Beclagten ungehorsam in
                    summari sachen. <pb n="Edition 2015 S. 58"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.18.1"> [Buch I Titel 18 § 1]<lb/> § 1 Wann sich der Beclagt thaill
                    vor der Krigsbefestigung ungehorsamblich verhelt und der Clag nit statt thuen
                    wiell, so hat der Cläger allerleÿ mittl dardurch der anclagtt Zu gehorsamb
                    compelliert mag werden, Erstlich durch peremptori bevelch, Am andern durch
                    Poenfall, Zum dritten, durch bevelch beÿ unserer straf und Ungnadt, Zum Vierten
                    beÿ bekantnuß der sachen, Zum fünften mag der Beclagt auf das Landthaus
                    persöhnlich ervordert werden, Zum Sechsten mögen wider Ihme die Gerichtlichen
                    und Landtsgebreuchigen Execution mittl alls gebots brief, Ansatz, Anbatsbrieff
                    Urlaub und Commission nach ordtnung geworben werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.2"> [Buch I Titel 18 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch dem Gericht
                    unbenomben, die Gerichtlich verachtung, an den Ungehorsamben insonderhait
                    Zustrafen. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.3"> [Buch I Titel 18 § 3]<lb/> § 3 Erschein nun der Beclagte tail
                    auf obgehörte mittl, soll er die Expens retardati processus, dem Clager
                    erstatten, und Zu seiner notturfft gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.4"> [Buch I Titel 18 § 4]<lb/> § 4 Erscheint er aber nit, so mag
                    der Clager so des rechtens haubtsächlichen austrag begehren thuet, gegen Ihme
                    bis auf die euserste execution fürgehen, oder uber das so einkomben auf
                    ungehorsamb erkennen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.5"> [Buch I Titel 18 § 5]<lb/> § 5 Wann alßdann der Beclagt
                    innerhalb Ihars frist kombt, und sich gegen erstattung der expens Zu seiner
                    notturfft Zutzulassen begehrt, solle Ihme solches gebillicht werden, wo nit
                    stehet dem Clager auf den ergangenen Abschiedt die execution bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.18.6"> [Buch I Titel 18 § 6]<lb/> § 6 Wann aber der beclagt nach der
                    Krigsbefestigung ungehorsamb wirdt, und dem Gerichtlichen austrag der sachen
                    fleucht, alsdann mag der Clager gleichfals begehren, Ihme dreÿmahl oder ainßmals
                    peremptorie nach gelegenhait seiner grossen ungehorsamb, Zu austrag der
                    befestigten sachen Zuerkunden, Im fall er kömb, soll er gegen erstattung der
                    expens ferrer Zugelassen werden, kömb er aber nitt, und die Acten und producten
                    so ausführlich und bescheinet, So solle Haubtsächlich verabschiedt, und da der
                    Ungehorsamb verlustigt würdt, Zu keiner appellation gelassen, Sonder neben der
                    Haubtsachen in die expens erkent werden, Es solle auch der Beclagt gegen
                    erlegung der Expens inner Iharsfrist nitmehr Zugelassen werden, er seÿ dann Zu
                    der Haubtsachen außsondern beweglichen Ursachen von uns als Herrn und
                    Landtsfürsten restituiert, da aber nit soviel fürkomben, das in der Haubtsachen
                    erkendt werden möcht, Alßdann soll der Cläger sein Clag auf ungehorsamb
                    erhalten, und also von Gericht auf ungehorsamb erkendt werden. <pb n="Edition 2015 S. 59"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.18.7"> [Buch I Titel 18 § 7]<lb/> § 7 Wann alßdann der beclagt
                    Innerhalb Ihars frist (<ref target="#Handschrift_45">fol. 45</ref>) Kombt, und
                    sich gegen erstattung der expens Zu seiner notturfft Zutzulassen begehrt, solle
                    Ihme solches gebillicht werden, wo nit, stehet dem Cläger die Werbung oder
                    execution bevor. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.8"> [Buch I Titel 18 § 8]<lb/> § 8 Weil dann der Cläger mit
                    obbemelter Erkantnus nit befürdert sein, sonder den volkombenen austrag der
                    saachen unter ainsten bekomben, so steet Ihme bevor, wider den ungehorsamben
                    beclagten umb Poenfall Persöhnliche erforderung, eintziehung oder Arrestirung
                    der Persohn oder gebots, Ansatz Anbots etc und urlaubbrieff abgehörter massen
                    antzuruffen, welche gebürliche Execution mitl Ihme nach ordtnung und wie
                    Landtsbreuchig nit vertzigen werden sollen. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.9"> [Buch I Titel 18 § 9]<lb/> § 9 Wie aber gegen denen
                    Ungehorsamben nach ergangenen Urtel oder abschiedt Zuverfahren seÿ, solle
                    hernach an seinem gebürlichen ortt geordtnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.18.10"> [Buch I Titel 18 § 10]<lb/> § 10 Die aufgesetzten Pöenfallen
                    eintzufordern und die ungehorsamben nach der Litis contestation Zustraffen,
                    solle dem Gericht absonderlich bevorstehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.19">
        <head>[ Buch I Titel 19]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=198">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 19 Tittl. Von verfenklicher antwort Litis
                    Contestation oder verfahrung des Krigs. </p>
        <p xml:id="NA.1.19.1"> [Buch I Titel 19 § 1]<lb/> § 1 Wann der Beclagt, dem Cläger
                    sein Clag durchauß oder fürgebrachter massen vernaint, so wirdt dardurch der
                    Krieg verfangen und befestigt. </p>
        <p xml:id="NA.1.19.2"> [Buch I Titel 19 § 2]<lb/> § 2 Wann auch der Beclagt
                    protestiert, das er sich verfänglich eintzulassen nit bedacht, und dennoch die
                    Haubtsachen einführen und disputiern thett, so solle ainen weeg als den andern
                    der Krieg verfangen sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.19.3"> [Buch I Titel 19 § 3]<lb/> § 3 Dieweill auch die Außleßlichen
                    peremptorische außtzug und exceptionen, die Haubtsachen auf Ihnen tragen, sollen
                    sie für verfänckliche Antwort gehaltenn werden, Demnach welcher in antwort
                    erkendt und darauf peremptori excipiern thuet, der hatt dem Abschiedt oder Urtl
                    ein benüegen gethan. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.20">
        <head>[ Buch I Titel 20]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=200">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 20 Tittl. Von der Kriegsbefestigung
                    aigenschaft und Wurckung. <pb n="Edition 2015 S. 60"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.20.1"> [Buch I Titel 20 § 1]<lb/> § 1 Durch die Kriegsbefestigung
                    werden Veriährung und praescriptionen unterbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.1.20.2"> [Buch I Titel 20 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen werden alle
                    Persohnliche Sprüch, so sonsten Ihärig als gewalt, eingriff und Iniuri durch die
                    Krigsbefestigung perpetuirt und biß auf veriährte Zeit geewigt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.20.3"> [Buch I Titel 20 § 3]<lb/> § 3 Also sollen auch durch die
                    Litis contestation alle (<ref target="#Handschrift_46">fol. 46</ref>)
                    Rechtssachen auf die Erben Transmittiert werden, ungeacht das sie poenales sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.20.4"> [Buch I Titel 20 § 4]<lb/> § 4 Die Zeugen sag und lebendige
                    Kundtschafft, welche der Cläger auftzunemben begehrt, sollen vermüeg geschribner
                    Rechten vor beschechener Krigsbefestigung, nit Zugelassen noch aufgenomben
                    werden, es were dann sach, das solches aus sondern nachvolgenden ursachen und
                    bewegnüssen Zu ewiger gedechtnus beschehe, Erstlichen sollen solche
                    Kundtschafften vor des Krigs verfahrung voluiert werden, wann die Zeugen
                    gevehrlich Kranck, und sich Ihres ableibens Zubesorgen, Zum andern, wann sie an
                    orten, da die sterbens leuff regieren wohnten, Zum dritten, Wann die Zeugen
                    gleich nit ligerhafftig, sonder ein sochete kranckheit, welche unversehens endt
                    macht, hetten, Zum Vierten, das die Zeugen ein geverliche Reiß, als in den
                    Krieg, oder uber Meehr vor Ihnen hetten, Zum fuenften, Wann die Raiß nit
                    geverlich aber dermassen lang wüerig, das mann sich der Zeugen wider herkonfft
                    so baldt nit Zugetrösten, Zum Sechsten, wann die Zeugen aines grossen bedachten
                    Alters, Zum Siebenden, Wann unser Cammer Procurator und Fiscal schulden handlet,
                    Zum Achten, wann die sachen aines Pidermannß Ehr und gueten Leobmuett antroffen,
                    dann weil ainem ieden Principalen, und seinen Erben an derleÿ stritten mehrers
                    als andern gelegen, auch die Iniuri sachen, sonsten langwürig, so solle die
                    Zeugnuessen umb soviel fürdersamber dem Landtsbrauch nach hinfüehran aufgenomben
                    werden, Zum Neundten, Wo spüerlichen Zubefinden das der beclagt die sachen durch
                    ungebürlich exceptionen und ausflicht auf das der Clagendt thaill, Zu der
                    weisung und haubtsachen lang nit komben soll, in die hare Zeucht. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.20.5"> [Buch I Titel 20 § 5]<lb/> § 5 Aber dem beclagten taill mag
                    ieder Zeit und bevorab wann der Cläger mit seiner Clag saumig erschien, und die
                    sach selbst auftzügt, die verhörung der Zeugen Zu könfftiger gedechtnus ohn
                    underschaidt und ungeacht, ob gleich der hievor ertzehlten Ursachen keine
                    verhanden, gestattet, Doch sollen Zu solchen <pb n="Edition 2015 S. 61"/>
                    verhörungen der Zeugen den gegentail iedertzeit ordentlich und wie Recht ist
                    verkündt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.20.6"> [Buch I Titel 20 § 6]<lb/> § 6 Und wann nun dergleichen
                    weisungen, ad perpetuam rei memoriam aufgenomben, sollen die Kundtschafften
                    durch dis Zeugs verhörer, in die Cantzeleÿ verschlossen, und Zu der ordentlichen
                    registratur gebracht, und daselbst uneröffnet untzt die Parteÿen mit erkandtnus
                    dartzu gelassen, behalten werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.20.7"> [Buch I Titel 20 § 7]<lb/> § 7 Nach beschehener
                    Krigsverfahrung, solle keinn (<ref target="#Handschrift_47">fol. 47</ref>)
                    dilatori exception mehr statt habenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.20.8"> [Buch I Titel 20 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen die Verkherung der
                    Ladung und Clagen. </p>
        <p xml:id="NA.1.20.9"> [Buch I Titel 20 § 9]<lb/> § 9 Die verenderung aber aines
                    Gewalttragers solle nach der Krigs befestigung sowohl als Zuvor in des
                    Principalens willkühr steen und hierinnen ungeacht geschribnen Rechten niemandts
                    gespert sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.21">
        <head>[ Buch I Titel 21]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=204">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 21 Tittl. Von Gegenclagen und Reconventionen </p>
        <p xml:id="NA.1.21.1"> [Buch I Titel 21 § 1]<lb/> § 1 Dieweill die gegenclagen und
                    Reconventionen beÿ unsern Landtmarschalchischen Gericht von alters her nit
                    breuchig gewesen, so lassen wir es aus Landtsfürstlicher Volmacht nochmahlen
                    gnedigist beruhen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.21.2"> [Buch I Titel 21 § 2]<lb/> § 2 Demnach welcher wider ainen
                    Landtmann Gegenspruch Zuhaben vermaint, der soll es nit per modum
                    Reconventionis, sonder durch ein absonderliche Clag thuen, wie sich gebüertt,
                    und wie recht ist. (<ref target="#Handschrift_47">fol. 47v</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.22">
        <head>[ Buch I Titel 22]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=205">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 22 Tittl. Von beweisungen und probationen in
                    gemain, auch denen vermuettungen und Praesumptionen </p>
        <p xml:id="NA.1.22.1"> [Buch I Titel 22 § 1]<lb/> § 1 Dem Cläger solle nach ordtnung
                    der Rechten beweisung seiner Clag und nit den Beclagten ordinarie auferlegt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.2"> [Buch I Titel 22 § 2]<lb/> § 2 Doch wann sich beclagter der
                    beweisung selbst anbeutt und dieselb uber sich nimbt, solle er datzu gelassen
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.22.3"> [Buch I Titel 22 § 3]<lb/> § 3 Item wann der Beclagt fürgibt,
                    es seÿ ein geschicht oder sachen nit ordenlich Landtbreuchig, Zierlich oder
                    Gerichtmessig beschehen, solle Ihme die Probation Zustehen. <pb n="Edition 2015 S. 62"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.22.4"> [Buch I Titel 22 § 4]<lb/> § 4 Deßgleichen da der beclagt in
                    seiner exception unnd einredt etwas antzeucht, welches ein affirmation auf Ihme
                    hatt, alls da er fürgeb, er habe betzahlt, oder daß strittig guett mit recht und
                    Urtel erhalten, und was dergleichen behelf mehr sein, So solle der Beclagt,
                    solche sein exception Zu beweisen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.5"> [Buch I Titel 22 § 5]<lb/> § 5 Also auch wann der Beclagt die
                    praesumption und vermuettung geschriebner Rechten wider sich hatt, so steet Ihme
                    die weisung Zu, als da er fürgeb, er wehre gevärdt worden oder betrangt und
                    betrogen, dann deren keines Zuvermuetten, biß es genuegsamlich erwisen, Also
                    auch wann ein Beclagter fürgeb, das (fol 48.) strittig guett wehre Ihme
                    geschenckt worden, Item die schuldt wehre Ihme nachgelassen. Item er hab sein
                    Zusag nit im ernst, sonder schertz gethan so gebüert Ihme solches wahr Zumachen. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.6"> [Buch I Titel 22 § 6]<lb/> § 6 Ebenermassen, Wann beclagter
                    das geschicht der sachenn besteet,a) darnebens aber fürwendt, er habs aus
                    rechtmessigen und befuegten Ursachen gethann, so solle Ihme die Haubtweisung
                    auferlegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.7"> [Buch I Titel 22 § 7]<lb/> § 7 Welcher das geschicht
                    durchaus, fürgebrachter massen widerspricht, dem soll kain Haubtweisung sonder
                    seinem gegentaill aufgebunden werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.8"> [Buch I Titel 22 § 8]<lb/> § 8 Welcher etwas vernaint, da nit
                    in facts sonder Jure steet, dem soll die Haubtweisung auferladen werden, Alls
                    wann ein Parteÿ fürgeb der Testator hatte nicht macht gehabt, ein Testament
                    Zumachen, Item es wehre einer nit ehelich, Item mit Lehen fechig, Und was
                    dergleichen einwürf mehr sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.9"> [Buch I Titel 22 § 9]<lb/> § 9 Welcher fürgibt, das etwas
                    fälschlich beschehen, der mues es weisen, </p>
        <p xml:id="NA.1.22.10"> [Buch I Titel 22 § 10]<lb/> § 10 Deßgleichen welcher
                    antzaigt, mann seÿ von dem vorigen contract in ein neue Handtlung eingangen, der
                    soll es weisen. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.11"> [Buch I Titel 22 § 11]<lb/> § 11 Also auch welcher einführt,
                    das erkaufft guett seÿ vor dem Kauff mangelhafftig gewesen, der solle es weisen. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.12"> [Buch I Titel 22 § 12]<lb/> § 12 Der ainen letzten willen
                    inpugniern thuet, dem steet die weisung billig Zu, also auch mit allen andern
                    Instrumentischen behelffen. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.13"> [Buch I Titel 22 § 13]<lb/> § 13 Es ist kein Irrthumb Zu
                    vermueten, er werde dann bewiesen. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.14"> [Buch I Titel 22 § 14]<lb/> § 14 Was beÿ Gericht gehandlet
                    wirdt, solle für ordenlich und rechtmessig gehalten werden, biß das widerspiell
                    erleuttert und bewisen wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.1.22.15"> [Buch I Titel 22 § 15]<lb/> § 15 Es ist Zuvermueten, das ein
                    ieder ein guett bona fide und Erbarlich innen hab, biß das wider spiel
                    dargebrachtt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.22.16"> [Buch I Titel 22 § 16]<lb/> § 16 Es solle keines Brieflichen
                    Scheins, noch anderer sachen verlust vermuettet werden, ohn genuegsambe weisung.
                        <pb n="Edition 2015 S. 63"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.22.17"> [Buch I Titel 22 § 17]<lb/> § 17 Der umb das Aigenthumb von
                    alters her Zutzaigenn hatt, desselben soll es nachmahlen verbleiben, es werde
                    dann ein Iungerer Titl und Rechtmessige ankonfft erwisen, </p>
        <p xml:id="NA.1.22.18"> [Buch I Titel 22 § 18]<lb/> § 18 Also auch mit der Eltern
                    possession. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.22.19"> [Buch I Titel 22 § 19]<lb/> § 19 Wann in possessori stritten
                    beede tail der Clager sowohl als der beclagt die possession bewisenn, so solle
                    der thaill mit seiner weisung fürtziehen, welcher mehrer und glaubwürdiger
                    Zeugen hatt, oder die Elter possess oder dem Titl seiner possess bewisen hatt.
                        (<ref target="#Handschrift_49">fol. 49</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.23">
        <head>[ Buch I Titel 23]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=210">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 23. Tittl. Von lebendigen Kundtschafften und
                    Zeugen sagen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.1"> [Buch I Titel 23 § 1]<lb/> § 1 In aignem sachen und
                    Handlungen soll sich keinn Principal selbst Zu bestettung seiner weiß Artickel
                    darstellen, Es wolle dann Ihne sein gegentail darzu guetwillig komben lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.2"> [Buch I Titel 23 § 2]<lb/> § 2 Wann aber ein gegentaill den
                    andern selbst fürstellet, und sich der fürsteller seiner andern habenden Zeugen
                    freÿwillig begibt, So ist der fürgestellt an waigerung uber die eingebrachten
                    weiß Articl Zu kundtschafften schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.3"> [Buch I Titel 23 § 3]<lb/> § 3 Wann die Eltern und Uhreltern
                    in aufsteigender lini als Anherr Anfraw, Uhranherr, Uhranfrau in Ihrer Kinder
                    oder Einckhl sachen kundtschafften. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.4"> [Buch I Titel 23 § 4]<lb/> § 4 Deßgleichen so die Kinder und
                    Eineckhl in absteigender Lini, in Ihrer Eltern und Ihrer Uhreltern Handlungen
                    Zeugnus geben, so ist Ihr Aussag verdechtlich, derhalben kan nach eröfneter
                    weisung wider die excipiert werden, welches auf Ziech Vätter unnd Ziech Kinder
                    alweill sie beÿ einander wohnen, auch Zuverstehn. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.5"> [Buch I Titel 23 § 5]<lb/> § 5 Doch sein etliche sondere
                    fäll, darinnen der Elternn aussag Zutzulassen, und von Rechts wegen gültig,
                    Erstlich wann die Vogtbarkait oder Bluets freundtschafft Zubeweisen, dann in
                    derleÿ fällen kann niemandts bessern noch aigentlichen bericht haben, als eben
                    die Eltern, Zum andern in Ehe und Matrimonieal sachen, sonderlich wo Zwischen
                    den Parteÿen, des standts oder Vermögens habben ein gleichhait oder doch ein
                    schlechter unterschiedt verhanden, Fürs dritte, Wann Zwischen dem Zeugen führer
                    und seinem gegenthaill des gebluets oder gradts ein gleichhait ist, dann wo Zweÿ
                        <pb
            n="Edition 2015 S. 64"/> geschwistriget oder Eineckhl mit einander
                    Kriegten, möchten Vatter und Mutter, Anherr oder frau wohl Zeugnuß laisten,
                    angesehen, das der Zeug ainem taill so nahendt als dem andern, derwegen sein
                    aussag ohn verdachtt, Zum Vierten, Wann die Eltern und Kinder von frembden
                    Parteÿen miteinander fürgestelt werden, so soll solches unverwerth sein, dann es
                    ist wider geschribne Rechtten und vernunfft gar nit auß ainem ainigen Hauß
                    mehrerleÿ Persohnen /: ob sie gleich ainen ander befreundt:/ furtzustellen, Zum
                    fünfften, da die Eltern Ihre Kinder und Kindts (<ref target="#Handschrift_50">fol. 50</ref>) Kinder, oder her gegen die Kinder Ihr Eltern Zu kainer
                    mündtlichen, sonder Instrumentischen beweisung, Nemblichen Zu befestigung und
                    Zeugnus aines Contracts brauchen wolten, so mögen dieselben /:da es der
                    gegentaill nit antet:/ Zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.6"> [Buch I Titel 23 § 6]<lb/> § 6 Die Geschwistriget mügen in
                    Burgerlichen und Civil sachen, so kain Malefitz auf Ihnen haben fur oder wider
                    Ihre mitgeschwisteriget, wohl Kundtschafften alleinn etliche sondere fäll, darin
                    der geschwisteriget Zeugnus nit statt haben mag, außgenomben, Erstlich wann sie
                    noch unverthailt sein, Zum andern, da sie gleich vertailt, aber sonst beÿ dem
                    stritt interessiert, Furs dritt, Wann es umb einen Burgerlichen doch
                    Hochwichtigen Handl Zu thain, so solle kein geschwistrict fur das Ander Zeugnus
                    geben, dann derleÿ sachen, so grosser importanz, werden den Criminal und
                    Malefitz handlungen verglichen, in welchen kein geschwistret des andern Zeug
                    sein kann, allein die purgation sachen außgenomben, dann der anclagten
                    unschuldt, ist beÿ denen geschribenen Rechten so hoch befreÿet, das auch ein
                    Bruder den andern Zu darthueung seiner unschuldt fürstellen kan, Welche sachen
                    aber hochwüchtig oder nit, solle nach gelegenhait der strittigen Persohnen, des
                    Krigbaren guts und anderer umbstandt gelegenhait in des Gerichts discretion
                    stehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.7"> [Buch I Titel 23 § 7]<lb/> § 7 Also auch die andern
                    Collateral und beÿsteits bluetsfreundt, ober und unters stambens, als Vettern,
                    Maymben und dergleichen Persohnen, mögen in Ihrer befreundten burgerlichen und
                    Civilischen sachen Kundtschafft geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.8"> [Buch I Titel 23 § 8]<lb/> § 8 Die geschwägerten Persohnen
                    mögen biß auf den Sibenden gradt, wider einander Zu Zeugen fürgestelt werden,
                    doch sein hiebeÿ die Schweher und Aÿden, desgleichen Schwiger und Schnuer
                    ausgenomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.9"> [Buch I Titel 23 § 9]<lb/> § 9 Und obwohl hievor verstanden,
                    das die blutsfreundt und Schwäger, in sachen Ihre befreundte und geschwägerte
                    betreffent, kundtschafften mögen, so sein <pb n="Edition 2015 S. 65"/> doch ihre
                    Außagen nit so glaubwüerdig als der andern frembden Zeugs Persohnen desposition. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.10"> [Buch I Titel 23 § 10]<lb/> § 10 Inn allen obbegrifnen
                    exception fällen, darinnen die befreundten und geschwägerten nit Zugelassen
                    sein, soll es eben die mainung haben, wie Zuvor von denen Eltern vermeldt
                    worden, dann da einen freundt Zwischen Zweien gleichen Befreundten oder ein
                    Schwager Zwischen Zwaÿen gleichen Schwägern kundtschaffen thet, so wehre solches
                    unverwerth, es hette auch ainige exception darwider nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.11"> [Buch I Titel 23 § 11]<lb/> § 11 Die Ehemänner sollen von
                    Ihren Hausfrauen Zu Zeugen nit benent noch fürgestelt werden, Beschicht es aber
                    so hatt die Exception nach eröfneter weisung statt, doch wider Ihre Hausfrauen
                    mügen sie auf des gegentails begehren wohl kundtschafft geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.12"> [Buch I Titel 23 § 12]<lb/> § 12 Die Ehefrauen sollen von
                    Ihren Ehemännern auch nit furgestelt werden, deßgleichen sollen sie wider
                    Ehemänner nit kundtschafften, Geschicht es aber kann nach publicierter weisung
                    wider sie excipiert werden, Doch so sich der gegentail guetwillig Zuließ, oder
                    sonsten kein Zeug verhanden wehre, sein die Ehefrauen nit außtzuschliessen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.13"> [Buch I Titel 23 § 13]<lb/> § 13 Die Ehehalten, diener,
                    dienerin und alle ander Persohnen, so in eines Herrn und frauen brott, glüeb
                    unnd pflicht sein, kunnen für Ihre herrn und frauen, desgleichen wider Ihre
                    Herrn und frauen fürgestelt werden, doch sollen Sie Ihres glubs Zuvor wie
                    Landtsbreuchig erlassen sein, und denen Commissarien derhalbenn verfertigete
                    Schein fürbringen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.14"> [Buch I Titel 23 § 14]<lb/> § 14 Also soll es auch mit den
                    Underthanen, holden und Stifftleutten, die sie Ihre grundt Vogtt oder oberherrn
                    fürstellen, gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.15"> [Buch I Titel 23 § 15]<lb/> § 15 Die Lehensleutt mögen in
                    Ihrer Lehenherrn sachen dem Landtsbrauch nach, wo sie Ihrer pflicht erlassen
                    werden, Kundtschafften, doch die Lehen so sie selbst besitzen außgenomben, als
                    auch die Lehensherrn in Ihrer Lehenleüt sachen. (fol 51v) </p>
        <p xml:id="NA.1.23.16"> [Buch I Titel 23 § 16]<lb/> § 16 Die unbefreundten
                    Tischgenossen, so beÿ ainem Zu cost geen, sollen dem Landtsbrauch nach,
                    Zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.17"> [Buch I Titel 23 § 17]<lb/> § 17 Die mit einander in
                    gemeinschafft vor oder ausser Gericht stehen und Consorten einer sachen sein,
                    künnen für oder wider einander nit kundtschafften, es wölle dann der gegenthail
                    einen oder den andern selbst furstellen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.18"> [Buch I Titel 23 § 18]<lb/> § 18 Welcher Zeug ainem auß den
                    Parteÿen freundt ist der kann wider ihne nit kundtschafften, allein es wehre ein
                    schlechter und geringer unwill, dergleichen <pb n="Edition 2015 S. 66"/> wann
                    der Zeug ainer oder der andern Parteÿ gar Zu fast anhengig und wohlgemaint, so
                    ist er verdechtig. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.19"> [Buch I Titel 23 § 19]<lb/> § 19 Die Advocaten ,
                    Schrifftenmacher, Procuratorn, Gewalttrager und Sollicitatorn, sollen in denen
                    sachen darin sie handtlen oder sollicitiern für Ihre Principalen mit Zeugnussen,
                    Im fall sie aber fürgestelt werden, soll mann vor eröfnung der weisung wider sie
                    nit excipiern, sonder erst hernach, in denen sachen aber darinnen nit sie
                    sondern andere verwant, mügen sie Ihren Principalen wohl Zeugnuss geben,
                    desgleichen ist Ihnen das Kundtschafften wider Ihre Principalen da sie von dem
                    Gegentaill fürgestelt werden unverwertt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.20"> [Buch I Titel 23 § 20]<lb/> § 20 Die Gerichts Persohnen,
                    künnen in denen sachen, darinnen sie erster oder ander Instantz erkennen sollen,
                    nit Zeugen sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.21"> [Buch I Titel 23 § 21]<lb/> § 21 Die Vertrags Leutt,
                    Underhandtler und erbetne beÿstandt mögen in denen handtlungen, dartzu sie
                    erbetten und gebraucht werden wohl kundtschafften. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.22"> [Buch I Titel 23 § 22]<lb/> § 22 (<ref target="#Handschrift_52">fol. 52</ref>) Ein Gerhab mag in seines Pupillen
                    sachen dem Landtsbrauch nach Zeugnuß geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.23"> [Buch I Titel 23 § 23]<lb/> § 23 Welcher ein gleichmessige
                    handtlung, mit der, darüber er kundtschafften solt, hat, der mag dem
                    Landtsbrauch nach, nit außgeschlossen werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.24"> [Buch I Titel 23 § 24]<lb/> § 24 Ein Bürg soll in der
                    sachen, darinnen Er Bürg worden nit Zeugnuß geben, in andern sachen aber ist
                    Ihme solche unverwehrt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.25"> [Buch I Titel 23 § 25]<lb/> § 25 Wann Zwischen dem Erben und
                    einem andern des Erbrechts halben stritt einfelt, so mag ein geschafftmann und
                    legatari wohl kundtschafften, dann es erhalte die Erbschafft ain oder der ander
                    taill, so bleibt Ihme sein legat. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.26"> [Buch I Titel 23 § 26]<lb/> § 26 Wann sich aber der stritt
                    Zwischen den Erben und ainem geschäfftmann selbs des legatis halben hülte, so
                    kan der geschafftmann nit Zeugnus geben, angesehen, das er Parteÿ und Zeug, in
                    aigner sachen nit sein kann, seine mit legatarien aber, mögen von Ihme wohl
                    fürgestelt werden, Es were dann sach, das der Krieg nit umbsein legat, sonder
                    umb das gantz Testament zuthain, dann weill sie alle darbey Interessiert, sein
                    sie billich verdechtlichen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.27"> [Buch I Titel 23 § 27]<lb/> § 27 Wann das Testament strittig
                    wirdt, so kann der eingesetzt Erb nit Zeug sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.28"> [Buch I Titel 23 § 28]<lb/> § 28 Der ainem andern, ein guett
                    durch ainen Contract volmächtiglich ubergibt, oder sonst Cediert, der mag
                    hernach /:wann dasselb strittig wirdt, wohl Zugenüssen, so er anderst Schermbs
                    halben unverbunden ist, dann Er hatt darbeÿ keinen gwin noch verlust, da er aber
                    Zu Schermben schuldig, oder umb die eviction unnd Schadtloßhaltung verschriben,
                    so kan er nit Zeug sein, sondern möchte wider ihne nach eröfneter weisung
                    excipiert werden. <pb n="Edition 2015 S. 67"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.23.29"> [Buch I Titel 23 § 29]<lb/> § 29 Wann ein Praelat in sachen
                    sein Closter oder Kirchenn belangent Kriegt, so kan er nit Parteÿ oder Zeug mit
                    einander sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.30"> [Buch I Titel 23 § 30]<lb/> § 30 Die Priester mögen in
                    handtlungen Ihrer Kirchen betreffent Zeugnus geben, in frembden weltlichen
                    sachen aber nit, Es weren dann andere Zeugen nit verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.31"> [Buch I Titel 23 § 31]<lb/> § 31 Also auch die Ordens Leutt
                    und regulierten, doch mit sonderer erlaubnus Ihrer Geistlichen oberherrn. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.32"> [Buch I Titel 23 § 32]<lb/> § 32 Die Benachtbarten mögen an
                    ein ander Zeugnus geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.33"> [Buch I Titel 23 § 33]<lb/> § 33 Die Weibs Persohnen mügen
                    in Burgerlichen und Civilclagen, vor Gericht Zeugnus laisten, desgleichen wann
                    mann umb mißhandtlung Burgerlich und Peinlich agiert, als da mann umb gewalt
                    oder Iniuri auf einen aestimirten abtrag und keinen offenen widerruf clagt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.34"> [Buch I Titel 23 § 34]<lb/> § 34 Die Unvogtbaren sollen zu
                    Zeugs Persohnen nit gebrauchtt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.35"> [Buch I Titel 23 § 35]<lb/> § 35 (<ref target="#Handschrift_53">fol. 53</ref>) Deßgleichen die welchen die
                    Administration ihr guetter als verthuelichen verboten worden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.36"> [Buch I Titel 23 § 36]<lb/> § 36 Die Juden künnen wider
                    ainen Christen nit Zeugnuß geben, aber ein Christ wirdt wider sie Zugelassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.37"> [Buch I Titel 23 § 37]<lb/> § 37 Ein guett mag den andern
                    fürstellen, Welche Malefitzische intzicht auf Ihnen haben und in der purgation
                    stehen, sein nit Zeugs gemeß. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.38"> [Buch I Titel 23 § 38]<lb/> § 38 Item die diffamierten und
                    untüchtigenen Persohnen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.39"> [Buch I Titel 23 § 39]<lb/> § 39 Item die Mainaÿdigen, oder
                    welche Zuvor falsche Zeugnuß geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.40"> [Buch I Titel 23 § 40]<lb/> § 40 Item alle Persohnen, so
                    sich mit Kleingelt gelts werth, bitt oder in ander weg Zu der Zeugnuß
                    Corrumpieren lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.41"> [Buch I Titel 23 § 41]<lb/> § 41 Item der aines Ambts mit
                    unehren entsetzt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.42"> [Buch I Titel 23 § 42]<lb/> § 42 Die Armen Unvermügigen
                    Persohnen sollen gleich wohl Zugelassen werden, aber ihr aussag ist nitt
                    volkombentliches glaubens, wie dann auch der Nachtbaurn und aller anderer
                    Persohnen, welche Zu dem fürsteller ein affection tragen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.43"> [Buch I Titel 23 § 43]<lb/> § 43 Daß Alter und Kranckhait,
                    wo der verstandt noch verhanden, verhindert Keinen Zeugen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.44"> [Buch I Titel 23 § 44]<lb/> § 44 Wann ein Marckt, dorffmerig
                    oder andere Gemain ein Rechtsachen fürth, dessen ein ieder auß der (<ref
            target="#Handschrift_53">fol. 53v</ref>) Gemain genieß oder schaden haben
                    Kan, alß da umb ein Viechwaidt, auf welche alle aus der gemein treiben, oder umb
                    ein gehültz, daraus sich ein ieder behültzen mag, gestritten wirdt, So Kann die
                    gemein samentlich oder Zum taill in derleÿ sachen nit Zeugnus geben, In andern
                    gemainen handtlungen aber, deren sie absonderlich nit geniessen, sonder allein
                        <pb n="Edition 2015 S. 68"/> wegen erhaltung Ihrer freÿhaiten, clagen, mögen
                    etliche aus der gemain Zu Zeugen wohl fürgestelt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.45"> [Buch I Titel 23 § 45]<lb/> § 45 Welches Zeug von der Parteÿ
                    oder iemandts andern in seinem Namben /: was er aussagen soll:/ unterrichtt
                    worden, der ist nit taugentlich. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.46"> [Buch I Titel 23 § 46]<lb/> § 46 Deßgleichen die
                    eingedrungen Zeugen, oder welche sich selbst der Zeugnus anbieten. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.47"> [Buch I Titel 23 § 47]<lb/> § 47 Alle obbemelte Persohnen,
                    welche aus oberzehlten sondern ursachen, Zu der Zeugnuß nit tauglich sein sollen
                    Zu steur der Wahrheit, auf dem fall Zugelassen werden, Wann andere rechtmessige
                    Zeugs Persohnen nit verhanden, doch die Malefitzischen untüchtigen, Mainaÿdigen
                    und Corrumpierten außgeschlossen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.48"> [Buch I Titel 23 § 48]<lb/> § 48 Welche Parteyen ainen oder
                    den andern berüerten mangl, wider fürgestelten Zeugen, fürtzuwendenn hat, die
                    solle nach alten hergebrachten Gerichtsbrauch, solches vor eröfnung der weisung,
                    nit thain sonder sein einredt erst nach der attestaten (<ref target="#Handschrift_54">fol. 54</ref>) publication fürbringen, und also umb
                    weniger behelligung willen der Persohnen und aussag mangl, mit einander
                    ausführen. Es were dann des Zeugens untauglichkait der massen geschaffen, das
                    sein aussag in omnem eventum nichts gelten thett. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.49"> [Buch I Titel 23 § 49]<lb/> § 49 Alls wann sich ainer in
                    seiner aignen sachen Zu Zeugen selbst oder andere unvogthbare maleficische
                    untüchtige corrumpierte Mainaydige und dergleichen Persohnen fürstellet, welche
                    für gericht gar Keinen platz haben, Doch das solche mängl Notori und offen
                    wissentlich sein, sonsten da sie ainiger erleutterung bedürftig, sollen sie erst
                    nach eröfneter weisung opponiert und probiert werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.50"> [Buch I Titel 23 § 50]<lb/> § 50 Welche Persohnen aus
                    vorgehörten billichen Ursachen Zu lebendiger Kundtschafft untauglich, wider
                    derselben aussag ist ohn nott nach der eröfneten weisung, /: da manns umbgehen
                    wiel:/ zu excipiren, dann weill Ihr fürstellung nit gëlt, so ist Ihren aussag
                    auch nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.51"> [Buch I Titel 23 § 51]<lb/> § 51 Wider der Teuglichen Zeugs
                    Persohnen aussag aber, Kan mann auf vielerley weeg nach der attestation,
                    publication, excipiren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.52"> [Buch I Titel 23 § 52]<lb/> § 52 Erstlichen, Wann des Zeugen
                    führers gegenthail, Zu einbringung seiner frag stuck nit ordenlich verkündt
                    worden Am andern, Wann sich der Zeug Zu der Weisung selbst eingetrungen (<ref target="#Handschrift_54">fol. 54v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.23.53"> [Buch I Titel 23 § 53]<lb/> § 53 Zum dritten, da er beÿ der
                    weisung in einem oder den andern weeg interessiert. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.54"> [Buch I Titel 23 § 54]<lb/> § 54 Zum Vierten, Wann er
                    angelehrnt worden, was er sagen solle, oder sich mit seinem mitZeugen underredt
                    hat. <pb n="Edition 2015 S. 69"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.23.55"> [Buch I Titel 23 § 55]<lb/> § 55 Zum fünften, Wann Ihm etwas
                    von seiner aussag versprochen worden, oder da er ainiges nutzs darvon gewartet. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.56"> [Buch I Titel 23 § 56]<lb/> § 56 Zum Sechsten, Wann Er den
                    gegentaill feindt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.57"> [Buch I Titel 23 § 57]<lb/> § 57 Zum Siebenden Wann Zeug
                    sein aussag mit Keiner vernunfftigen Ursachen sterckhet, dann da er aus des
                    gegentails fragstucken, oder von denen Commisarien ex officiso umb die ursachen
                    seiner wissenhait befragt wirdt, und deren Kainer Zugeben wisse, Kündte sein
                    blosse aussag nit bestehen, Die ursachen aber der wissenhait solle Zeug auß den
                    fünf sinnen, Als dz ers gesechen, selbst gehört, oder anderer glaubwürdigen
                    schließligkait nemben. Derhalben welches Zeugens aussag nit von seinem
                    aigentlichen wissen sonder glauben, erachten, Vermainen und geduncken meldet,
                    dieselb solle nit für glaubwürdig gehalten werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.58"> [Buch I Titel 23 § 58]<lb/> § 58 Zum Achten, Wann ein Zeug
                    mit seinen mit Zeugen nit concordirt und Zustimbt, sonder in seiner Kundtschafft
                    ainig und singular ist, auch etwas besonders aussagt, so ist sein nichtig (<ref target="#Handschrift_55">fol. 55</ref>). Dise singularitet aber soll nit aus
                    den wortten sondern der Substantz, und derselben notwendigen umbstenden
                    geschlossen werden. Alß wann ein Zeug von gelt, der ander von geltswerth, der
                    ain hundert gulden, der ander von weniger oder mehr Summa, der ain von gelt, der
                    ander von silbener müntz, der ein von dem, der ander von einem andern ortt, der
                    ain von der Zeitt, der ander von einer andern, der ain in beÿseinn deren
                    Persohnen, der ander von gegenwert anderer, der ain auf die frist, der ander auf
                    ein andere, der ein ohn Interesse, der ander mit Interesse, der ein mit denen
                    bedingten Conditionen, der ander mit andern außagt, Dise und dergleichen
                    umbstendt machen ein aussag Singular und Crafftloß, Wann aber die Zeugen von
                    einem gelt, einem ortt, ainer Zeit, gleichen Persohnen, frist, Interesse und
                    bedingten reden, auch in den andern haubtstucken gleichen Kundtschafften,
                    obschon solches ainer mit andern worten als der ander thete, So sein sie doch
                    nicht für Singular, sonder einhellig Zeugen Zu achten. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.59"> [Buch I Titel 23 § 59]<lb/> § 59 Zum Neundten, Wann sich ein
                    Zeug, mit gelt, geldts wert, bitt, oder in ander weeg corrumpiren lest, solle
                    sein sag nichts gelten. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.60"> [Buch I Titel 23 § 60]<lb/> § 60 Zum Zehenten, Wann des
                    Zeugens aussag dunckel, Irrig verwirrt und unverstendig, so sollen sie nichts
                    furtragen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.61"> [Buch I Titel 23 § 61]<lb/> § 61 Wann ein Zeug mit seiner
                    Aussag verihrt ist, und des articuliert, geschicht an einem ortt also, an dem
                        (<ref target="#Handschrift_55">fol. 55v</ref>) andern aber anderst, aussagt,
                    so solle sein ungleiche sag weder an einem noch an dem andern glaubwürdig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.62"> [Buch I Titel 23 § 62]<lb/> § 62 Wann ihme Zeug selbst
                    widerwertig ist, so mag darwider excipiert werden, <pb n="Edition 2015 S. 70"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.23.63"> [Buch I Titel 23 § 63]<lb/> § 63 Daßgleichen, wann ein Zeug
                    dem andern in der Sustantz oder Haubtstucken Zu wider, so ist Keiner auß ihnen
                    glaubwürdig, sonder Kan wider ihr beider aussag excipiert werden, Allß wann der
                    ain sagt, das geschicht seÿ beÿ dem tag, der ander, beÿ der nacht beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.64"> [Buch I Titel 23 § 64]<lb/> § 64 Wann ein ainiger Zeug
                    andern vielen Zeugen widerwertig ist, so solle nit sein sondern der mehrern
                    Zeugen aussag gelten. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.65"> [Buch I Titel 23 § 65]<lb/> § 65 Wann viel Zeugen Ihrer
                    mitzeugen in der Haubt oder gegenweisung, oder die in der Haubtweisung denen in
                    der gegenweisung Zuwider seindt, so solle denen mehrern oder bessern Zeugen,
                    glaubt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.66"> [Buch I Titel 23 § 66]<lb/> § 66 Wann des Zeugens aussag
                    Zweiflich und wanckelmühtig, so ist dieselb vergebens. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.67"> [Buch I Titel 23 § 67]<lb/> § 67 Wann ein Zeug von aignem
                    hören sonder das ers vonn andern vernomben, Kundtschafftet, so Kan wider sein
                    Aussag excipiert werden, allein etliche sondere fäll außgenomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.68"> [Buch I Titel 23 § 68]<lb/> § 68 Erstlichen in beweisungen
                    der Sipschafften und bluts freundtschafften, dann es begibt sich vielmals, das
                    sich ein freundt Zu dem andern uber hundert Jhar oder etlich mentschen
                    gedencken, Legitimiren muß. (<ref target="#Handschrift_56">fol. 56</ref>)
                    Derwegen nit wohl müglich derlaÿ Persohnen alletzeitt fürtzustellen, welche die
                    vor lengst abgestorbenen haubt Persohnen, davon solche gemaine freundtschafft
                    herrüerent erkent hetten, und von aigner wissenhait sagen Kundten. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.69"> [Buch I Titel 23 § 69]<lb/> § 69 Furs ander davon uhrhalten
                    geschichten, wercken oder wesen, als alten Confinien, Gränitzen, Rainen, Stainen
                    oder dergleichen getzeukt mueß werden, dann derleÿ stritt werden gemainiglich
                    nach uhralten Zeitten und wann die aigentlich wissenhait mit denen Persohnen so
                    anfangs darbeÿ gewesen, nunmehr abgestorben erweckt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.70"> [Buch I Titel 23 § 70]<lb/> § 70 Zum dritten in Ehe und
                    Matrimonial sachen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.71"> [Buch I Titel 23 § 71]<lb/> § 71 Aines ainigen Zeugens
                    aussag soll nichts gelten, dann ein Zeug Kein Zeug, es were dann ein
                    gerichtlicher anzueg, unnd das ein tail dem andern, die weisung auf seinen Aÿdt
                    gelassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.72"> [Buch I Titel 23 § 72]<lb/> § 72 Wann ein Zeug mehrers als
                    der Articuliert Inhalt, daruber er fürgestelt worden, vermag, aussagt. So macht
                    er sein sag damit verdechtig, es were dann sach, das er in gemain, was Ihme von
                    dem ganzen Handl wissent, befragt würdt, oder aber uber des Articels gemessene
                    wort ain solche ausführung thet, welche Zu desselben erleitterung und
                    nitweitterung der Substantz dienstlich were (<ref
            target="#Handschrift_56">fol.
                        56v</ref>). <pb n="Edition 2015 S. 71"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.23.73"> [Buch I Titel 23 § 73]<lb/> § 73 Wann ein Zeugnus vor der
                    Krigs befestigung ausser Gerichtlicher Zulassung geführt worden, solle sie
                    nichts fürtragen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.74"> [Buch I Titel 23 § 74]<lb/> § 74 Wann ein Zeugnuß nit
                    Gerichtlich aufgenombenn sonder von der Parteÿ ausser Gericht, durch verfertigte
                    und unverfertigte Kundtschafften erlangt worden, so sollen dieselben, weill der
                    gegentaill mit seinen fragstucken, gegenweisung oder ander notturfft darüber nit
                    vernomben, nichts gelten, sonder darwider füeglich excipiert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.75"> [Buch I Titel 23 § 75]<lb/> § 75 Wiewohl die geschribenen
                    Rechten lautter vermögen, das Keiner Zeugnus, was standts oder würdens derselb
                    Immer seÿ, Kain außag vor Gericht gelten solle, Er seÿ dann Zuvor wie rechtt
                    ist, ordentlich beaidigt worden, So haben wir doch auß Landtsfürstlicher
                    Volmacht, und von sondern gnaden, wegen unsern getreuen Landtleutten in
                    Österreich under der Ennß herrn und Ritterstandts, dahin gnediglich befreÿet,
                    begabt und begnadt, das sie Ihre Kundtschafften hinfürahn schrifftlich under
                    Ihren aignen handtschrifften, petschafften oder Sigillen, ausser alles Corporal
                    aÿdts thain mögen und sollen, wie wir dann insonderhait bevohlen, solche
                    freÿhait in dise unsere neue Landtsordt und derselben ietzt und Künfftig
                    würcklichen Zugenissen haben, und lantt die angeregte freÿhait. Also (<ref target="#Handschrift_59">fol. 59</ref>) ...... </p>
        <p>[sic!] </p>
        <p xml:id="NA.1.23.76"> [Buch I Titel 23 § 76]<lb/> § 76 Welcher vor eröfnung der
                    attestata in additional weisung führen wiel, der soll damit Zugelassen werden,
                    nach publicierter Weisung aber haben die lebendigen Kundtschafften nit mehr
                    statt, es were dann sach das die attestaten verlohren, oder die Parteÿen
                    guetwillig an einander Zuliessen, oder das beÿ erster verhörung etwas ubersehen
                    worden, oder die erst aussag dunckel were, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.77"> [Buch I Titel 23 § 77]<lb/> § 77 Es sein beÿ vorberürten
                    Kaÿserlichen Rechten etliche Persohnen dahin befreÿet, das sie wider Ihren
                    guetten willen Zu der Zeugnus nit gegrundt werden mügen, Alls ein bluetsfreundt
                    wider den andern, ein Schwager wider den andern, Krancke, Alte und andere mehr
                    Persohnen, welches aber dem Landtsbrauch nach, nit statt hatt, dann Zu steur der
                    wahrheit und befürderung des Rechtens, solle sich niemandts des Zeugnussen
                    enteusern Im fall es beschech sollen die fürgestelten Zeugen, durch Gerichtliche
                    einsehung dartzu Zuhalten, und dahin ernstlich compellirt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.78"> [Buch I Titel 23 § 78]<lb/> § 78 Welche Persohnen der Cläger
                    verhören lest, dieselben mag der Beclagt Zu seiner gegenweisung dem Landtsbrauch
                    nach, auch produciern, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.79"> [Buch I Titel 23 § 79]<lb/> § 79 Es ist ohn nott die
                    Gerichtlichen Zeugen, wie die Testamentischen Zeugen, von wegen leistung Ihrer
                    Kundtschafften antzusprechen, Im fall es aber <pb
            n="Edition 2015 S. 72"/>
                    geschehe, so schadet solches nit, dann Kainem Zeugenführer verbotten, mit seinen
                    Zeugen von (<ref target="#Handschrift_59">fol. 59v</ref>) der Kundtschafft
                    Zureden, wann er nur den Zeugen was und wie er Kundtschafften solle nit
                    informiert noch unterrichtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.80"> [Buch I Titel 23 § 80]<lb/> § 80 Dieweill die Gerichtt, mit
                    uberigen und unnotwendigen Zeugen behelligt, die gegen parteÿ Zu gleichen
                    uberflus geursacht, und die Zeugs Persohnen mit raisen und in ander weeg
                    vielmals ohn notturfft bemuhet werden, So sollen sich die Parteÿen hinfuran
                    aller uberflüssiger fürstellung der Zerungen gentzlichen enthalten, unnd
                    niemandts uber dreÿssig Zeugen aufs aller maist fürtzustellen erlaubt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.81"> [Buch I Titel 23 § 81]<lb/> § 81 Welche Zeugen glaubwürdiger
                    sein, und dem fürsteller mehres fürtragen, das stehet in des Gerichts discretion
                    und Cognition, doch werden hierrinnen etliche nottwendige anlaitung durch die
                    geschribenen Rechten docirt, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.82"> [Buch I Titel 23 § 82]<lb/> § 82 Erstlich soll denen von
                    Adel mehrers als gemainen Persohnen glaubt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.83"> [Buch I Titel 23 § 83]<lb/> § 83 Zum andern frembder
                    Persohnen Kundtschafften sein alle Zeit unverdechtlicher als der befreundten,
                    geschwägerten Haußgenossen, verglübten und verpflichten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.84"> [Buch I Titel 23 § 84]<lb/> § 84 Zum dritten, Wiewoll der
                    armen unvermögigenn aussag nit Zuverwerfen, iedoch weill sie der Corruption
                    halber etwas verdechtlicher, wirdt der vermuglichern Persohnen Kundtschafft fur
                    glaubwürdiger gehalten (<ref target="#Handschrift_60">fol. 60</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.23.85"> [Buch I Titel 23 § 85]<lb/> § 85 Zum Vierten die Aussag der
                    Mannßpersohnen ist sterker als der Weibsbilter, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.86"> [Buch I Titel 23 § 86]<lb/> § 86 Zum funfften umb alte
                    geschichtt, recht oder Gerechtigkait, solle alten Persohnen mehrers als Jungern
                    glaubt werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.23.87"> [Buch I Titel 23 § 87]<lb/> § 87 Zum Sechsten, Es wirdt gar
                    Recht und billich vermuth, das ein Nachbar umb seines Nachbarn sachen
                    gerechtigkaiten und Zugehörungen bessers wissen hab alls die weit gesessen,
                    derwegen in der leÿfällen solle der nahent gesessen Zeugen Kundtschafft
                    glaubwürdiger sein, als der andern ferr entlegnen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.88"> [Buch I Titel 23 § 88]<lb/> § 88 Zum Siebenden, welcher Zeug
                    die Aussag mit besserer Ursachen seiner wissenhait stercket, der solle
                    glaubwürdiger sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.89"> [Buch I Titel 23 § 89]<lb/> § 89 Zum Achten, welche Zeugen
                    sich auf die sachen, darüber sie Kundtschafft mehrers verstehen, denen ist als
                    peritis in arte auch mehrers Zuglauben, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.90"> [Buch I Titel 23 § 90]<lb/> § 90 Zum Neundten, denen
                    Persohnen so dem Gericht geschworen, soll inn gerichtlichen sachen mehrers als
                    frembtden Persohnen so dem Gericht nit verwant, glaubt wer werden. <pb n="Edition 2015 S. 73"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.23.91"> [Buch I Titel 23 § 91]<lb/> § 91 Zum Zehenden, welche Zeugen
                    glaubwürdiger und aigentlicher von der sachen Kundtschafften auch gemainer
                    vernunfft, ain bessers benüegen thain, die sein andern Zeugen fürzutziehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.23.92"> [Buch I Titel 23 § 92]<lb/> § 92 Zum Aintlifften, Wann beÿ
                    der Zeugen Persohnen (<ref target="#Handschrift_60">fol. 60v</ref>) kein sonders
                    bedencken, sondern dieselben all obgehörter massen qualificiert und omni
                    exceptione maiores seindt, so solle mann alßdann in gleicher aussag der Parteÿen
                    beÿfallen, welchs Ihr Articulierte Intention mit mehrern Zeugen bewisen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.93"> [Buch I Titel 23 § 93]<lb/> § 93 Zum Zwelften, Wann auf
                    einem tail mehrere und auf dem andern thail bessere unverdechtlichere undt
                    glaubwürdigere Zeugen sein, soll das Gerichtt nit nach der antzahl, sonder guete
                    der Zeugs Persohnen urthailen. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.94"> [Buch I Titel 23 § 94]<lb/> § 94 Zum dreÿtzehenden, Wann die
                    Zeugen und Ihr aussag an der Zahl und guete gleich, so soll der beclagtt
                    obsiegen, Dann Caeteris paribus sein die anclagten im Rechten mehrers begünstigt
                    als die Kläger allein die Ehesachen, heürahts vermächt und Testament handlungen
                    außgenomben, in welchen fällen der Cläger sein Clag, und mit der anclagt auf
                    gleiche gefüerte weisung erhalten solle. </p>
        <p xml:id="NA.1.23.95"> [Buch I Titel 23 § 95]<lb/> § 95 Wie aber die Zeugen sag
                    volführt aufgenomben und eröfnet werden sollen, ist beÿ dem Gerichts process so
                    das 57 Jahrs außgangen notturfftiglich furgesehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.24">
        <head>[ Buch I Titel 24]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=243">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 24. Tittl. Von Instrumentischer weisung
                    Briefflichen Uhrkunden, auch derselben glaubwürdigkaitten. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.1"> [Buch I Titel 24 § 1]<lb/> § 1 Die brieflichen Uhrkunden
                    haben in probation sachen eben die Crafft und würckung wie der lebendigen Zeugen
                    Kundtschafft. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.2"> [Buch I Titel 24 § 2]<lb/> § 2 All Gerichtliche Brieff so mit
                    unsern als Lanndtsfürstenn und Herrn Secret oder unsers nachgesetzten Landt ober
                    und untermarschalch Sigilln verfertigt worden, alls Gerhab brief, Raittbrieff,
                    Willbrieff, Mehlbrieff, Execution brief und dergleichen Gerichtliche Instrument
                    sollen für glaubwürdig gehalten und daruber als Uhrkunder volkombener Probation
                    erkent werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.3"> [Buch I Titel 24 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen alle General,
                    Edict, Crida, Vorder unnd andere signierte brieff, so beÿ den gewöhnlichenn und
                    gerichtlichen orten wird Tafeln angeschlagen werden. <pb n="Edition 2015 S. 74"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.4"> [Buch I Titel 24 § 4]<lb/> § 4 Also auch alle Vidimierte
                    briefliche Uhrkunden, welche durch unsern obern und untern Landtmarschalch sambt
                    Zweÿen des Landtsrechtens beÿsitzern, in gehörenten Landtsrechten oder ausser
                    der Rechtenn (<ref target="#Handschrift_61">fol. 61v</ref>)) von unsern
                    Landtschreiber collationirt und authenticiert werden, doch solle derleÿ
                    Vidimierung ohn sondere bewegliche Ursachen nit beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.5"> [Buch I Titel 24 § 5]<lb/> § 5 Die Gerichtlichen prothocol
                    gedenckh, Inventari Testament und abschiedt bücher auch in gemein alles dz, was
                    von Ambts und Künfftiger gedechtnus wegenn beÿ dem Landtmarschalchischen Gericht
                    eingeschriben und ad acta publica inserirt wirdt, das alles tregt volkombenen
                    glauben und genuegsambe probation auf Ihm, </p>
        <p xml:id="NA.1.24.6"> [Buch I Titel 24 § 6]<lb/> § 6 Deßgleichen alle verfertigte
                    abschrifften und extract auch außtzug so daraus genomben werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.24.7"> [Buch I Titel 24 § 7]<lb/> § 7 Auch also die extract, so mann
                    ans grundt oder andern glaubwürdigen büchern Zeucht, </p>
        <p xml:id="NA.1.24.8"> [Buch I Titel 24 § 8]<lb/> § 8 Die Gwehr und grundt bücher,
                    machen nach Landtsbrauch volkombene probation, dann es wirdt Niemandts an nutz
                    und Gewehr geschriben, Es hab sich dann Zuvor Zu dem grundt ordentlich
                    legitimiert, Doch sollen derleÿ Gwern, nit so starcker Crafft sein, das darwider
                    Kein weisung statt haben möcht, sonder welcher sich mit besserer gerechtigkait
                    Zu einem Grundt legitimirn Kan, der solle den selben ungeacht der Zuvor
                    außgebnen Gewehr erhalten, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.9"> [Buch I Titel 24 § 9]<lb/> § 9 Die Executionen unnd
                    Kundtschafften so unser für(<ref target="#Handschrift_62">fol. 62</ref>)bieter
                    und Potenmaister, beÿ dem Landts rechten als ein geschworne Persohn seiner oder
                    seiner undergebnen Landtbotten halben außgibt, sein glaubwurdig, und Zu
                    darthuung beschehener außrichtung genugsamb, da aber darinnen, wessen sich die
                    Parteÿen beÿ der uberantwortung verhalten oder vernemben lassen, oder andere
                    Impertinent sachen, eingemischt würden, so ist solches außer andern Schein
                    Keiner probation gemeß. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.10"> [Buch I Titel 24 § 10]<lb/> § 10 Welche brieff ausser
                    Gericht, Zu darthueung aines beschloßnen Contracts oder handels aufgericht
                    worden, die sollen neben dem Contrahenten Petschafft oder Sigill dreÿ Zeugen
                    oder fertiger haben, Alßdann auch fur original und glaubwürdig gehalten werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.11"> [Buch I Titel 24 § 11]<lb/> § 11 Die Unterschrifft solcher
                    Zeugen ist nach Landts brauch nicht vonnötten, die Parteÿen aber müssen sich
                    unterschreiben oder sich von andern da sie nit schreiben Kundten, undertzeichnen
                    lassen. <pb n="Edition 2015 S. 75"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.12"> [Buch I Titel 24 § 12]<lb/> § 12 Wann in solchen briflichen
                    Uhrkunden, was verfast stehet, welches wider den fertiger ist, so solle ihme
                    solches mit praeiudiciern noch schaden, ungeacht das etwo das gemain Clausl
                    (:doch Ihme und seinen Erben ohn nachtl und schaden:) worden, denn es nemben
                    sich derleÿ Landtbreüchige vorbehalt selbst tacite aus (<ref target="#Handschrift_62">fol. 62v</ref>)). </p>
        <p xml:id="NA.1.24.13"> [Buch I Titel 24 § 13]<lb/> § 13 Welcher ein brieflichs
                    Uhrkundt schreibt, der mag neben andern Zeugen, Zu der mitfertigung wohl
                    gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.14"> [Buch I Titel 24 § 14]<lb/> § 14 Die briefs Zeugen sollen
                    Manns und Weibs Persohnen sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.15"> [Buch I Titel 24 § 15]<lb/> § 15 Wann ein Schuldtbrieff von
                    dem Schuldtner unterschriben, und mit seinem aignen Petschafft oder Sigill
                    verfertigt worden, so soll er glaubwürdig sein, welches Schuldtner aber, neben
                    sein mehrere Zeugen brauchen oder den Schuldtbrieff in das gedenckh buch beÿ
                    gericht verleiben will lassen, dem soll es unverwehrt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.16"> [Buch I Titel 24 § 16]<lb/> § 16 Ein Schuldtbrief so des
                    Schuldtners handt underschrifft ohn sein Petschafft oder Sigill, deßgleichen der
                    fertigung ohn die handt underschrifft hatt, soll nit für glaubwürdig gehalten
                    werden, derwegen wo der Schuldtner nit schreiben Kundt, soll er einen andern
                    Zeugen und nebenfertiger, für sich erbieten. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.17"> [Buch I Titel 24 § 17]<lb/> § 17 Die Quittung betürfen
                    mehrer Zierligkait nit, als der quittirenden Persohnen Handt underschrift und
                    fertigung, es geschehe gleich mit Petschafft oder Sigill. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.18"> [Buch I Titel 24 § 18]<lb/> § 18 Die alten Urbar Bücher, so
                    vor Mentschen gedencken aufgerichtt, und von ainen Inhaber auf den andern
                    würcklich gebraucht werden sollen Zu darbringung der possession glaubwürdig in
                    aigenthumblichen (<ref target="#Handschrift_63">fol. 63</ref>) stritten, aber
                    ausser anderer Haubtschein, als thail Kauf, Wechßlbrieff, Testament, Vertrag,
                    Grichts Uhrkundt oder dergleichen Rechtmessige titl, nit volkombener Probation
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.19"> [Buch I Titel 24 § 19]<lb/> § 19 Die Gemain
                    Haußvertzaichnus, Handtbücher, Zehent Register und dergleichen Privat
                    schrifften, so von besserer richtigkait und memori wegen gemachtt werden, tragen
                    als domestica Instrumenta kein weisung auf Ihnen. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.20"> [Buch I Titel 24 § 20]<lb/> § 20 Der Verordtneten herrn
                    Commissarien Remiss Relationen und bericht, so unter Ihren handtschriftlichenn
                    und Petschafften beschehen, sollen gleichsfals glaubwürdig sein, Doch weill
                    dieselben nit allein von beaidigten Persohnen noch in plena causae cognitione
                    aufgenomben werden, sollen denen thailenn mit beschaidenhait darwider
                    fürtzubringen bevorstehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.21"> [Buch I Titel 24 § 21]<lb/> § 21 Die erkundigung und
                    inquisitionen, so ex officio eingezogen werden, sein nit volkombener probation,
                    derwegen da sich ein Parteÿ das widerspiel Zubeweisen anbeuth, soll sie dartzu
                    gelassen werden. <pb n="Edition 2015 S. 76"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.24.22"> [Buch I Titel 24 § 22]<lb/> § 22 Die gemainen Pergrecht,
                    Zechent und dienst Register sein ausser anderer haubtschein nit glaubwürdig. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.23"> [Buch I Titel 24 § 23]<lb/> § 23 Die Kundtschafften so mann
                    außer gerichtlicher bevelch (<ref target="#Handschrift_63">fol. 63v</ref>)
                    Compulsorial von unbeaidigten Persohnen erwirkt, sollen forthin nit glaubwürdig
                    gehalten werden, Es were dann sach, das sie von einem gantzen gerichtt und under
                    desselben Sigill außgiengenn oder das die Kundtschaffter geschworne Persohnen
                    weren, und an Aÿdtsstatt beÿ Gericht umb ihr wissenhait angesagt hatten, oder
                    das derleÿ Kundtschafften ein solche Zeugnuß in sich hielten, welche ausser
                    Gericht verfasset werden möcht, Alls Maisterbrief, Lehrbrieff, Postparten und
                    dergleichen extra Judicialische Kundtschafften sein, desgleichen da es umb
                    geringschätzig sachen Zuthuen, möchte solche Kundtschafft, da der Zwen, dreÿ
                    oder mehrers und aines gueten beruef glaubt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.24"> [Buch I Titel 24 § 24]<lb/> § 24 Die Brieflichen Uhrkunden,
                    so offene und geschworne Notarien in unserem Landt Österreich under der Ennß,
                    under Ihrem Namben aufrichten und verfertigen sein, bißhers für glaubwürdig nit
                    gehalten worden, darbeÿ wir es der Zeit noch genedigist beruhen lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.25"> [Buch I Titel 24 § 25]<lb/> § 25 Wann ein Handlßmann in
                    crafft seiner Handts bucher schulden oder ausstandt begehrt, so solle seinem
                    antzaigen, nach Landtsbrauch nit glaubt werden, (<ref target="#Handschrift_64">fol. 64</ref>) es bringe dann sein Handlsbuch, darinnen solche begerte
                    Ausstendt begriffen, orginaliter und uncassiert für, und thue darüber vor
                    Gericht einen Corporal Aÿdt, wie recht ist. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.26"> [Buch I Titel 24 § 26]<lb/> § 26 Welcher etwas mit seiner
                    aigen handt und Petschafft Missiv weise, oder in ander weeg wider sich selbst
                    schreibt, der soll es in crafft seiner aignen schrifftlichen bekantnus halten. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.27"> [Buch I Titel 24 § 27]<lb/> § 27 Welcher aber etwas für sich
                    selbst oder Ihme Zuguettem mit aigner handt schreibt, desselben handtschrifft
                    und Petschafft solle Ihme ausser anderer glaubwürdiger schein nit fürtragen. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.28"> [Buch I Titel 24 § 28]<lb/> § 28 Wann sich ein briflich
                    Uhrkundt in einem andern Haubtbrief Ziechen thuet, so solle derselb fürgebracht
                    werden, sonsten ist eines ohn des ander nit glaubwürdig, Es were dann sach, das
                    beÿder inhalt beÿ einander begriffen. </p>
        <p xml:id="NA.1.24.29"> [Buch I Titel 24 § 29]<lb/> § 29 Ain Abschrifft ohn das
                    original ist nit glaubwurdig, sie were dann ordentlich Vidimirt, oder das
                    gegentail dieselb originalis statt, guetwillig Zuließ. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.24.30"> [Buch I Titel 24 § 30]<lb/> § 30 Die Legitimationen und
                    beweisten freundtschafften so von beaidigten Zeugen außgesagt und testiert
                    worden, sein dem Landtsbrauch nach nit Crefftig und gültig, darnach sich alle
                    Außlender, so sich etlicher spruch halben in dieses <pb
            n="Edition 2015 S. 77"/>
                    Landt verfüegen, Zuersparung dopelter raiß und Uncostens, Zu richten werden
                    haben (<ref target="#Handschrift_64">fol. 64v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.24.31"> [Buch I Titel 24 § 31]<lb/> § 31 Die Panthaidung Büchel,
                    gebenn Keine volkombene probation, es were dann ein Landtman derselben in
                    würcklichen nutz unnd gebrauch. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.25">
        <head>[ Buch I Titel 25]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=254">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 25. Tittl. Von Exceptionen und Einreden,
                    welche wider briefliche Uhrkunden beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.1"> [Buch I Titel 25 § 1]<lb/> § 1 Wider ein briefliches uhrkundt
                    Künnen allerleÿ Rechtmessige einredt beschehen, Erstlich das es die gebürlichenn
                    Solennitet unnd Zierligkait nit hab, Alls nemblich der Contrahenten Tauf und
                    Zunamben, Item das geschicht oder den Contract darumben die verbriefung
                    beschehen, Item das ortt des Contracts oder der verfassung, Item den tag und die
                    Ihar Zahl, Item der Contrahenten unterschrifft und aigene fertigung, Item der
                    Zeugen Namben, Item das die Fertiger nit Mannß Persohnen, Item das derselb
                    nebenfertiger Zu wenig, Item das sie daselbst gleichwohl benent, aber mit
                    allgefertigt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.2"> [Buch I Titel 25 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, das der
                    fürgebrachtt Briff nit glaub (<ref target="#Handschrift_65">fol. 65</ref>)
                    würdig, noch Zu volkombener weisung dienstlich wie oben auß etlichen Artickeln
                    vernomben, </p>
        <p xml:id="NA.1.25.3"> [Buch I Titel 25 § 3]<lb/> § 3 Fürs dritt, das der brieff nur
                    ein abschrifft und Kain original. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.4"> [Buch I Titel 25 § 4]<lb/> § 4 Zum Viertten, das der brief
                    nit aufrichtig sonder falsch seÿ, welche einredt nit allein vor sonder auch nach
                    ergangenem Urthail, beschechen mag, solche falschhait aber wirdt aus etlichen
                    antzaigen und vermuettungen erkendt. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.5"> [Buch I Titel 25 § 5]<lb/> § 5 Erstlich wann der Brieflich
                    inhalt, anderst gesteltt als derselb beredt unnd beschlossenn, welches ainer
                    ieden parteÿen Zubeweisen bevor stehet. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.6"> [Buch I Titel 25 § 6]<lb/> § 6 Zum andern, Wann obbemelte
                    Zierligkaiten oder Substantz all stuckh, welche ein briflichs urkundt haben,
                    soll nit gerecht noch wahr sein, wie es dann die umbständt der Persohnen des
                    handls dertzeit und des orts gibt's. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.7"> [Buch I Titel 25 § 7]<lb/> § 7 Zum dritten, Wann der brieff
                    sonsten nit ordenlich noch förmblich gestelt, sonder mit ungebrauchigem Inhalt
                    verfast, doch wo allein in der orthographia oder ainer silben verfehlt, solle
                    diser gering mangl und defect nicht schaden, deßgleichen wo ainer oder mehr wort
                    außgelassen, daran die Substantz nit hengt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.8"> [Buch I Titel 25 § 8]<lb/> § 8 Zum Vierten, Wann der Brief,
                    an verdechtlichen (<ref
            target="#Handschrift_65">fol. 65v</ref>)) ortten als im
                    Namben, Zeit, örter, Haubtsumma Vertzinsung, fristen und Terminen, bedingtenn
                    Conditionen, datum, oder anderer dergleichen Sustantz puncten <pb n="Edition 2015 S. 78"/> geradirt worden. Wann nun die Rasur an einen
                    unverdechtlichen ort beschehen, so hat dieselb da sie nur leßlich nit nott.
                    Daßgleichen wann die radtierung an ainem bedechtlichen ort beschehen, und der
                    inhalt von einem Zeugen bestet wirdt, so schadet die Rasur auch nit. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.9"> [Buch I Titel 25 § 9]<lb/> § 9 Zum fünften wirdt die
                    falschhait auch aus der Handtschrifft erkent, dann da einer fürgibt, der
                    fürgebracht brieff wehre mit seiner Handt nit geschriben oder underschriben,
                    Solle er disfals Zu seiner weisung gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.10"> [Buch I Titel 25 § 10]<lb/> § 10 Zum Sechsten erscheint die
                    falschhait aus falschen Petschafften oder Sigillen, Nemblichen wann dieselben
                    das ordentlich Wapen oder die gebürlich ober oder umbschrifft nit haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.11"> [Buch I Titel 25 § 11]<lb/> § 11 Zum Siebenden auß dem
                    wachs, Als da sich ainer rohtes Wachs gebraucht, welcher dahin mit befreuet. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.12"> [Buch I Titel 25 § 12]<lb/> § 12 Zum Achten, aus
                    gegenhaltung der Contrahenten rechten handtschrifften so Comparatio literarum
                    genant wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.13"> [Buch I Titel 25 § 13]<lb/> § 13 Wann ein briflichs
                    Uhrkundt, an einem ortt falsch (<ref target="#Handschrift_66">fol. 66</ref>)
                    ist, so soll es durch und durch nichts gelten, es wehre dann sach, das die
                    darinnen verleibten geschicht unnd Artickl underschiedtlich, in welchen fall
                    wann ein Artickel im geschicht verfelscht, soll er dem andern abgesunderten nit
                    schaden, da aber der brieff an der Substantz als am Doto oder dergleichen orten
                    falsch, soll er durchaus richtig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.14"> [Buch I Titel 25 § 14]<lb/> § 14 Welcher ainen falschen
                    brief vor Gericht wißlich fürbringt, ob er gleich denselben nit gemacht noch
                    aufgerichtt, so solle er dennoch gestrafft werden, der es aber unwissentlich
                    thet, solle strafloß sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.15"> [Buch I Titel 25 § 15]<lb/> § 15 Die fünffte einredt wider
                    ein brifliches Uhrkundt, ist die verdechtligkait, dann ein verdechtlicher brief
                    beweiset nichts. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.16"> [Buch I Titel 25 § 16]<lb/> § 16 Die Verdechtligkait aber
                    wirdt aus etlichen Indicien vermerckt, Erstlichen wann der Brieff mehrlaÿ
                    Handtschrifft hatt, Zum andern wann nit allein die Handtschrifft sonder die Titl
                    ungleich, Zum dritten, wann Zwischen den Zeilen etwas uberschriben, Zum Vierten,
                    wann etwas heraus am randt und ad marginem vertzeichnet, Zum funften, wann etwas
                    darinnen durchstrichen oder außgethan, (<ref
            target="#Handschrift_66">fol.
                        66v</ref>) Zum Sechsten, wann die schrifften punctiert unnd nit leßlich, Zum
                    Siebenden, Wann der brieff verwexelt und am inhalt mangelhafftig, Zum Achten,
                    Wann ein Sigill unterschiedtlich wax hatt, Zum Neundten, wann die Sigill
                    Zerbrochen und nit erkantlich, Zum Zehenden, Wann die Sigill von briefen
                    abgeschnitten. <pb n="Edition 2015 S. 79"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.25.17"> [Buch I Titel 25 § 17]<lb/> § 17 Doch stehet in diesen
                    fällen allein der Parteÿen, welche ainen solchen verdechtlichen brief furbringt,
                    die verdechtlichkait Zuentschuldigen bevor, welcher aber solches nit thett, soll
                    nach gelegenhait der sachen gestrafft werden, solche purgation mag auch durch
                    ainen ainigen Zeugen beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.18"> [Buch I Titel 25 § 18]<lb/> § 18 Die Sechste einredt, so
                    ainem briflichen Uhrkundt fürgeworfen mag werden, ist dise, das die darinnen
                    bemelte Zeugen, das geschicht oder ihr fertigung widersprechen, Wann ihnen aber
                    die beschlossenn handlung allein abgefallen, soll darumben der brief nit
                    crafftloß sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.19"> [Buch I Titel 25 § 19]<lb/> § 19 Die Siebendt einredt ist,
                    Wann die Parteÿ des brifs inhalt selbs widerspricht, und sich das widerspiell
                    mit lebendiger Kundtschafft oder andern brief (<ref target="#Handschrift_67">fol. 67</ref>) lichenn scheinn Zubeweisenn anbeutt. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.20"> [Buch I Titel 25 § 20]<lb/> § 20 Die Acht einredt steet in
                    dem, das ein iungerer Vertrag oder anderer Contract und schein verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.21"> [Buch I Titel 25 § 21]<lb/> § 21 Gleichsfals die neundte in
                    dem, das dem fürgebrachten brief nunmehr ein benügen und volstrechtung
                    beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.22"> [Buch I Titel 25 § 22]<lb/> § 22 Wann die Parteÿ beÿ Gericht
                    wider wertige brifliche Uhrkunden fürbringt, so solle weder einem noch dem
                    glaubt werden, Wann aber baide Parteÿen widerwertig brief fürertragen, solle das
                    Gericht dem Brief beÿfallen, welche unverdechtlicher ist, und auf mehrere
                    antzaigung der wahrheit schleust, dann derleÿ unzeugen gleich solle in dubio des
                    Anclagten Schein fürtziehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.23"> [Buch I Titel 25 § 23]<lb/> § 23 Welcher fürgibt, das er umb
                    seine brifliche Uhrkunden Komben, und dieselben verlohren, der solle nit allein
                    den verlust, sonder auch solcher brief inhalt, da er sich desselben clag oder
                    exception weiß behelfen wolt beweisen, und da solche weisung mit briefs
                    verstendigen Persohnen geschehe, thuet sie ein volkombene, wo sie aber mit
                    gemeinen leutten, nur ein halbe probation gebeeren, da darauff die Parteÿ mit
                    Ihrem Aidt, Zu erstattung der weisung gehalten werden mag. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.24"> [Buch I Titel 25 § 24]<lb/> § 24 Welcher fürgibt das Ihme
                    sein gegentaill seine Uhrkunden (<ref target="#Handschrift_67">fol. 67v</ref>)
                    untergangen, der ist solches dartzuthain schuldig, und da er solche Subtraction
                    erwise, solle umb den inhalt derselben brief seinen Aÿdt, so er mit anderer
                    weisung nit gefast, Zu straff der entwendung glaubt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.25"> [Buch I Titel 25 § 25]<lb/> § 25 Wiewohl die lebendigen
                    Kundtschafften nach eröfneter weisung nit statt haben, so mögen doch die
                    briflichen Uhrkunden biß in der sachen beschlossen, fürgebracht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.26"> [Buch I Titel 25 § 26]<lb/> § 26 Allein die letzten Zwo
                    schlusschrifften außgenomben, darinnen Kain neuerung Zugestatten. <pb n="Edition 2015 S. 80"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.27"> [Buch I Titel 25 § 27]<lb/> § 27 Wann ein brief erst nach
                    beschloßner sachen erfunden und solches mit ainem Aÿdt bestat würdt, so mechte
                    derselb biß Zu des Abschiedts eröfnung wohl fürgebracht werden, Nach ergangenem
                    Urtel aber Kann mann Kainen brieflichen schein noch Instrumentischen beheff Zu
                    retractierung des Sententz für bringen, ungeacht das derselb erst nach
                    publiciertem Urtail an tagslicht Komben und gefunden worden, allein die Fiscal
                    Commun, Kirchen, Clöster und Pupillen Sachen außgenomben, doch solle ainer ieden
                    Parteÿen unverwehrt sein, durch neue clag und Instantz sein notturfft auf den
                    iungst erfundenn brief fürtzubringen, oder beÿ uns als herrn und Landtsfürsten
                    umb restitution anzuhalten (<ref target="#Handschrift_68">fol. 68</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.25.28"> [Buch I Titel 25 § 28]<lb/> § 28 Wann ein Contract anders
                    gehandlt und beschlossen und anderst gestelt und verbriefft worden, so scheidet
                    solche ungleichhaidt, sie seÿ fürsetzlich oder ungebüer durch Irthumb beschehen,
                    denen Parteÿen, da sie das widerspiel darbringen nit, sonsten aber wirdt dem
                    briflichen Inhalt so lang glaubt, biß sie das widerwertig auskindig machen, </p>
        <p xml:id="NA.1.25.29"> [Buch I Titel 25 § 29]<lb/> § 29 Wann ein Schein brieff
                    aufgericht wirdt so gielt solches simulirtes uhrkundt nach beschehener beweisung
                    der Simulation nichts. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.30"> [Buch I Titel 25 § 30]<lb/> § 30 Wann ein briefsteller die
                    Landtbreuchigen Clauseln und Cantellen außlest, so sollen dieselben tacite
                    verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.31"> [Buch I Titel 25 § 31]<lb/> § 31 Es ist Niemandts verwart,
                    ainenn taill des briefs Zubestehen, den andern aber Zu widersprechen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.32"> [Buch I Titel 25 § 32]<lb/> § 32 Was in einem briflichen
                    uhrkundt nit principaliter incidenter gemelt wirdt, das gepert Kain weisung. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.33"> [Buch I Titel 25 § 33]<lb/> § 33 Ain iedes brieflichs
                    Uhrkundt soll dem Landtsbrauch nach mit soviel Zeugen widertriben werden, alß
                    vil darinnen Zeugen begriffen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.34"> [Buch I Titel 25 § 34]<lb/> § 34 Wann die brifs fertiger vor
                    der Gerichtlichen production mit Tott abgehen, so solle der verfertigt brief
                    dennoch bestehen, Welches in Testamenten und letzten willen ungeacht
                    geschribener Rechten (<ref target="#Handschrift_68">fol. 68v</ref>) Wann nur der
                    fertiger Petschafft und Sigil unversehrt sein, auch statt haben sollen. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.35"> [Buch I Titel 25 § 35]<lb/> § 35 Welcher brieff an einem
                    Substantzial ortt als ahn dem dato oder dergleichenn haubt sächlichen stell
                    Zernagen oder Zerrissen, der probirt nichts, do er aber an einem andern gemeinen
                    ortt manglhafftig, so hat er sein würckung. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.25.36"> [Buch I Titel 25 § 36]<lb/> § 36 Ein Zerschnitnes Instrument
                    probiert nichts, es werde dann bewisen, das solche Cassation nit fürsetzlich
                    sonder ungeuer oder durch einen unfall beschehen. <pb n="Edition 2015 S. 81"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.25.37"> [Buch I Titel 25 § 37]<lb/> § 37 Welche Parteÿ ainen
                    briflichen schein für sich hatt und beÿ gericht fürbringt, derselben solle die
                    haubtweisung nit auferlegt werden, sonder seinen gegenthaill. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.38"> [Buch I Titel 25 § 38]<lb/> § 38 Ein fürgebrachtes
                    briefliches Uhrkundt soll unverscheidentlicher wirckung sein, und nit allein in
                    dem so für den Producten, sonder auch was wider Ihne ist, probations crafft
                    haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.25.39"> [Buch I Titel 25 § 39]<lb/> § 39 Der einen briflichen schein
                    einmahl in gestalt und formb seiner weisung dem Gericht fürbringt, der Kann
                    denselben nit mehr revocieren noch abstellen, es wölle dann der gegentaill
                    solches willig Zugeben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.26">
        <head>[ Buch I Titel 26]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=267">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 26. Tittl. Von edierung briefflicher
                    Uhrkunden. </p>
        <p xml:id="NA.1.26.1"> [Buch I Titel 26 § 1]<lb/> § 1 Wann sich der Cläger in des
                    beclagten briefliche Uhrkundt Zeucht, und dieselben Ihme Zu ediren begehrt, so
                    solle der Beclagt dieselben Zu befürderung des Rechtens und damit die
                    grundtliche wahrheitt an tag Kombe, ungeacht geschribener Rechten alle Zeit Zu
                    ediren schuldig sein, doch solle der Cläger Zuvor einen Aÿdt thain, das er
                    solche edition nit generlicher weise, sonder aus unvermeidtlicher notturfft
                    begehre. </p>
        <p xml:id="NA.1.26.2"> [Buch I Titel 26 § 2]<lb/> § 2 Also solle es auch mit dem
                    Beclagten, da er Ihme des Clägers briefliche Uhrkunden Zu edieren begehrt
                    abgehörter massen gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.26.3"> [Buch I Titel 26 § 3]<lb/> § 3 Wann ein oder der ander thail
                    fürgeb, Er hette die begehrten briflichen Uhrkunden oder aber mehrere als er
                    edirt, in seiner gewaltsamb nit, so soll er auff seines gegentails begehren
                    ainen Aÿdt der geuer Zuthain schuldig sein, das er mehrere nit inhendig noch
                    dieselben geverlicher weise vertilgt hab. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.26.4"> [Buch I Titel 26 § 4]<lb/> § 4 Wann die Ediction bewilligt
                    wirdt, so ist der gegenthaill schuldig die original brieff Zu der Cantzleÿ (<ref target="#Handschrift_69">fol. 69v</ref>) Zuerlegen, davon sollen dem
                    begehrten taill Collationierte und Vidimierte abschrifften des gantzen Inhalts
                    ervolgen, Wann aber die Ediction ann Lehens buchern, Urbarn, Grundtbuchern und
                    dergleichen Urkunden geschech, welche nit allein von der Rechts anhengigen,
                    sondern andern mehr sachen meldung thetten, so solle dem begerten tail mehrers
                    nit edirt, noch aus der Cantzleÿ mitgethailt werden, als was sich Zu dem
                    gegenwertigen stritt reimbt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.26.5"> [Buch I Titel 26 § 5]<lb/> § 5 Welcher die edition fur das
                    Gerichtt Zuthain begehrt, dem soll es gestatt werden, derhalben wann ainer mitt
                    Quittungen nit gefasst, die betzahlung aber durch des gegentails Raitt, Zehent,
                    Perckrechtt und dienst buch darbringen <pb n="Edition 2015 S. 82"/> möcht, so
                    solle denn Gegentail vom Gerichtt aufgeladen werden, dieselben originaliter
                    fürtzubringen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.27">
        <head>[ Buch I Titel 27]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=270">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 27. Tittl. Von Gerichtlichen und
                    wilkhurlichen Aÿdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.27.1"> [Buch I Titel 27 § 1]<lb/> § 1 Es solle sich Kain Cläger Zu
                    darthueung seiner clag (<ref target="#Handschrift_70">fol. 70</ref>) noch Kain
                    Beclagter Zu entschuttung des Clägers anspruch, eines Gerichtlichen Aÿdts selbst
                    anbieten, dann solches verdechtlich und Keines weegs Zugestatten. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.2"> [Buch I Titel 27 § 2]<lb/> § 2 Wann aber der Cläger dem
                    Beclagten die Haubtsachen auf seinen Aÿdt lest und Ihme selbst das Jurament
                    anbeutt, so soll des Beclagt Zu dem darbottenem Jurament gelassen werden, Also
                    mag auch der Beclagt dem Cläger die sachen auf seinen Aÿdt lassenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.3"> [Buch I Titel 27 § 3]<lb/> § 3 Wann der Beclagt den
                    deferirten Aÿdt nit thain woltt, stehet Ihme bevor, denselben dem Cläger
                    widerrumb haimtzustellen und Zu referiren, in welchem fall der Clager alß dann
                    unverweißlich schweren mag und da er gleich für sich und in seinen beuttl
                    iuriert, so behabt er dennoch sein Clag. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.4"> [Buch I Titel 27 § 4]<lb/> § 4 Da aber der Beclagt den
                    dargebottnen Aÿdt nicht laisten, noch dem Cläger wider haimbsetzen wolt, so
                    gielt dise unbefuegte waigerunng eben soviell alls bekanntnus der sachen,
                    derwegen mag der beclagt condemnirt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.5"> [Buch I Titel 27 § 5]<lb/> § 5 Wann der beclagt, von dem
                    Cläger dem Aÿdt der geuer begert, Nemblich das Cläger schweren soll, das er Ihme
                    Beclagten den Aÿdt nit geverlicher weise darbiet, So soll der Cläger solchen
                    Zulaisten schuldig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.27.6"> [Buch I Titel 27 § 6]<lb/> § 6 Die darbietung oder
                    widerstellung des Aÿdts, mueß von denen Principalen selbst beschehen, derwegen
                    soll Kein Gewalttrager macht habenn solchen Aÿdt dem gegentail Zu deferirn oder
                    Zureferirn (<ref target="#Handschrift_70">fol. 70v</ref>), Er habe dann darumben
                    von seinen Principaln ainen sondern gemeßnen special gewaltt. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.7"> [Buch I Titel 27 § 7]<lb/> § 7 Die unvogtbaren und
                    minderihärigen Kunnen derleÿ Aÿdt, weder darbieten, haimbsetzen noch laisten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.27.8"> [Buch I Titel 27 § 8]<lb/> § 8 Wiewohl die geschribenen
                    Rechten vermögen, daß die Gewalttrager, anstatt Ihrer Principalen solchen
                    gerichtlichen Aÿdt guetwillig thain mögen, Jedoch weill solches Jurament an
                    Probations statt beschicht, und ain Aÿdt der wahrheit ist, solle derselb dem
                    Landts brauch nach, Zu verhuettung Mainaÿdts Keinem Gewalttrager Zugemueth noch
                    von Ihme aufgenomben, sondern iedertzeit der Principal sacher selbst dartzu
                    gehalten werden. <pb n="Edition 2015 S. 83"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.27.9"> [Buch I Titel 27 § 9]<lb/> § 9 Ein Gerhab mag seines
                    Pupillens sachen wo sonsten Kein weisungen verhanden, dem gegenthaill auf seinen
                    Aÿdt lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.10"> [Buch I Titel 27 § 10]<lb/> § 10 Ein Weibs Persohn mag Zu
                    diesem Aÿdt gelassen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.27.11"> [Buch I Titel 27 § 11]<lb/> § 11 Wann sich ein Parteÿ den
                    Zugemuetten Aÿdt Zuthain erbentt, und die gegen parteÿen an diesem erbietten
                    benüegig, auch den angebotten Aÿdt guetwillig nachsicht, (<ref target="#Handschrift_71">fol. 71</ref>) so ist es gleich soviel alls ob der
                    Aÿdt würcklich beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.12"> [Buch I Titel 27 § 12]<lb/> § 12 Die Gerichtlichen Aÿdt
                    haben in real und personal sachen statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.13"> [Buch I Titel 27 § 13]<lb/> § 13 Wann der Principal ainen
                    Aÿdt thuet, so tregt derselb dem Burgen, desgleichen wann der Burg schwert, dem
                    Principalen für. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.14"> [Buch I Titel 27 § 14]<lb/> § 14 Also auch Wann der
                    Consorten viel sein, so nutzet aines tails Gerichtlicher Aÿdt denen andern
                    allen. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.15"> [Buch I Titel 27 § 15]<lb/> § 15 Die Gerichtlichen Aÿdt
                    dienen und nutzen dem schwerer, seinen erben singular Successorn allein wegen
                    denen Persohnen, wider welche geschworen worden, auch gegen desselben erben,
                    andern frembden aber Können sie nit schaden noch praeiudicirn. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.16"> [Buch I Titel 27 § 16]<lb/> § 16 Welcher Cläger die
                    Haubtsachen dem Antworter auf seinen Aÿdt einmahl gelassen, der mag sein
                    delation revociren und sich anderer ordinariweisung alles lebendiger
                    Kundtschafften oder Instrumentischer behelff anbieten, das Ihme biß die sachen
                    beschlossen, bevor stehen solle, doch mit der bescheidenhait, da er hernach
                    wider umbkehren und auf die Aÿdts laistung fallen wolt, das Ihme solches ferrer
                    nit Zugestatten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.27.17"> [Buch I Titel 27 § 17]<lb/> § 17 Wann der Cläger solches
                    Gerichtliches Jurament thuet und damit sein Clag bestet, so behabt er sein Clag,
                    für sich seine Erben und Nachkomben, nit allein in der Haubt sachen, sondern
                    auch denen abgenombenen (<ref target="#Handschrift_71">fol. 71v</ref>) früchten,
                    thuets aber der Beclagt, so soll Er wie Recht ist aller dings absolviert werden,
                    dann die Abschiedt sein in derleÿ fällen nach gethanem Aÿdt vonnetten. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.18"> [Buch I Titel 27 § 18]<lb/> § 18 Dise gerichtliche Aÿdt, und
                    die darüber beschehene erkandtnuß Kunnen nit mehr retractiert werdenn, Wann
                    gleich nach beschehenem Urtel neue briefliche Uhrkunden anß tags licht Komben,
                    allein es wehre ain Testament verhanden, </p>
        <p xml:id="NA.1.27.19"> [Buch I Titel 27 § 19]<lb/> § 19 Zu laistung dieser Aÿdten
                    solle dem gegenthaill al Zeit verkundt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.27.20"> [Buch I Titel 27 § 20]<lb/> § 20 Wann ein Parteÿ in solchen
                    wilkürlichen Juramenten ainen Mainaÿdt begangen, soll sie nach gelegenhait aller
                    umbstendt gestrafft werden, und die Zugesprochen sachen von Ihme wider
                    abgefordert, auch dem gegentaill Zugestellt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.28">
        <head>[ Buch I Titel 28]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=276">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 28. Tittl. <pb n="Edition 2015 S. 84"/> Von
                    denen Ayden, welche Zu erstattung ainer unvolkomnen weisung beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.28.1"> [Buch I Titel 28 § 1]<lb/> § 1 Wann ain Parteÿ Ihr Intention
                    und aufgeladtner weisung, wie Zu Recht genueg dargethan, so soll der(<ref target="#Handschrift_72">fol. 72</ref>)selben vom Gerichtt ferter Kain Aÿdt
                    Zugemuhtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.2"> [Buch I Titel 28 § 2]<lb/> § 2 Desgleichen da ein Parteÿ gar
                    nichts erhebliches bewisen soll ihr vom Gericht Kain Jurament aufgeladen,
                    sondern die gegen Parteÿ billich absolviert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.3"> [Buch I Titel 28 § 3]<lb/> § 3 Wann ein Parteÿ nur ein halbe
                    und unvolkombene weisung so semiplena probatio genent wirdt, volführt hette, und
                    sich mehrern schein, im fall der nottufft furtzubringen erbentt, oder solches
                    auß denen umbständen für Kombener sachen, sonsten Zuhoffen wehren, so soll die
                    Parteÿ Zu mehrer weisung durch die erkantnus gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.4"> [Buch I Titel 28 § 4]<lb/> § 4 Da dann weder auf einem, noch
                    dem andern tail mehrere beweisung verhanden, und solches die umbstendt der
                    sachen Zuerkennen geben, so mag das Gericht, entweder dem Cläger oder dem
                    Beclagten auf ihr begehren, nach gelegenhait Ihrer erbarkeit, guetts berufs,
                    wahrhafftiger aigenschafft, und in summa dem taill den Aÿdt Zuerstattung seiner
                    volkombener weisung auferladen, welcher umb die sachen bessers wissen hat, und
                    des Monaidts halben unverdechtlicher ist. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.5"> [Buch I Titel 28 § 5]<lb/> § 5 Und da die Persohnen dermassen
                    qualificiert, das sie disfals gleich, so soll das Jurament dem Beclagten, als
                    von Rechtswegen dem befreutenn taill auferlegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.6"> [Buch I Titel 28 § 6]<lb/> § 6 Es gehören aber Zu aufladung
                        (<ref target="#Handschrift_72">fol. 72v</ref>) obberuertes Aydts nottwendige
                    stuckh, Erstlich das die Persohn so den Aÿdt thain soll, aines ehrlichen berufs
                    wandls und Lobmuets seÿ, denen diffamierten untuchtigen, verdechtlichen und
                    unglaubwürdigenn Persohnen, solle diser Aÿdt Zu fürkomb des Monaidts nit
                    Zugemuetet werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.7"> [Buch I Titel 28 § 7]<lb/> § 7 Zum andern ist vonnötten, daz
                    dieses Jurament von den Principaln selbst und Keinem Procurator beschehen,
                    angesehen, das es nit ein Aÿdt der geuer sonder der wahrheit. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.8"> [Buch I Titel 28 § 8]<lb/> § 8 Zum dritten sollen die
                    Principalen selbst schweren, Ihre Erben aber Zu disem Aÿdt nit gelassen werden,
                    Es were dann sach, das sie die strittig sachen selbst gehandelt, stettigs omb
                    den versterbenen Principalen gewesen, oder sonsten umb sein thain guettes wissen
                    hatten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.28.9"> [Buch I Titel 28 § 9]<lb/> § 9 Zum Vierten ist vonnötten, das
                    die strittig handtlung also geschaffen, daß sie dieses Aÿdts fehig, dann in
                    Burgerlichen sachen, so wichtig und grösser <pb n="Edition 2015 S. 85"/>
                    importanz, desgleichen Lehens sachen, beinlichen und geistlichenn handtlungen,
                    hatt solcher Aÿdt nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.10"> [Buch I Titel 28 § 10]<lb/> § 10 Zum fünfften soll dieser
                    Aÿdt, dem Thail aufgebunden werden, welcher der sachen bessern berichtt hatt,
                    und de facto proprio schweren Kann. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.28.11"> [Buch I Titel 28 § 11]<lb/> § 11 Zum Sechsten soll dieser
                    Aÿdt, dem tail gelassen werden, welcher eines bessern berufs und wandls (<ref target="#Handschrift_73">fol. 73</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.28.12"> [Buch I Titel 28 § 12]<lb/> § 12 Wiewohl Zum Siebenden, die
                    geschribenen Rechten vermugen, das solcher Aÿdt Kainer Parteÿ sie begehr es dann
                    selbst aufgebunden solle werden, So solle doch dem Landtsbrauch nach in des
                    Gerichts discretion stehen, solchen Aÿdt auch unbegehrter sachen, ainem oder dem
                    andern thaill auftzulegen. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.13"> [Buch I Titel 28 § 13]<lb/> § 13 Wann nun diser Aÿdt, Ainer
                    oder der andern Parteÿ, durch das Gericht mit erkantnus aufgeladen wirdt, so
                    Kann sich Kein Parteÿ desselben waigern. Gleichfals Kan sich der gegentail
                    dessen nit beschweren, es geschehe dann durch die ordentlich appellation, Es
                    solle auch Kein Parteÿ solchen Aÿdt seinem gegentail Zuschieben, oder wider
                    haimbstellen, dann solche Relation hat allein in wilkürlichen Aÿden, davon oben
                    in den nechsten Titl gehandtlet, in derleÿ nottwendigen Juramenten aber nit
                    statt, darumben wirdts auch Juramentum necessarium genant. </p>
        <p xml:id="NA.1.28.14"> [Buch I Titel 28 § 14]<lb/> § 14 Wann nun der Cläger solchen
                    von Gericht angebotten Aÿdt thuet, soll er sein Clag erhalten, Thette aber
                    denselbn der beclagt, soll er von der Clag absolviert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.28.15"> [Buch I Titel 28 § 15]<lb/> § 15 Wann nach gethanem Aÿdt
                    briefliche Uhrkunden und Instrumentische behelf von neuem erfunden werden, so
                    stehet der verlustigen Parteÿen, unverhindert des gelaisten Aÿdts bevor,
                        die(<ref target="#Handschrift_73">fol. 73v</ref>)selben beÿ Gericht
                    fürtzubringen, doch soll die Parteÿ ainen Aÿdt der geuer thain, das sie umb
                    solche brief Kein wissen Zuvor gehabt, sonder dieselben erstlich nach dem
                    Jurament bekomben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.29">
        <head>[ Buch I Titel 29]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=282">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 29. Tittl. Von halbmässigen Beweisungen,
                    welches Semiplenae probationes genent werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.29.1"> [Buch I Titel 29 § 1]<lb/> § 1 Wann ein Parteÿ Ihr Intention
                    nur mit ainem Ainigenn Zeugen bewise, so ist solche weisung nit volkomben, dann
                    weill in Zwaÿer oder dreÿer Zeugen Mundt, alle wahrheit stehet, kann ein ainigen
                    Zeugen, wie Zu recht nit genueg sein, sonder sein sag wirdt allein fur ein
                    halbmessige probation, so die Rechten semiplenam nennen, gehalten, Solches hatt
                    aber statt wann derselbig ainig Zeug <pb
            n="Edition 2015 S. 86"/> ain Persohn
                    und aussag, nit verdechtlich, derhalben da Er ein blutsfreundt geschwägerter
                    oder sonsten dermassen qualificiert, das er alles verdachts nit freÿ, So gilt
                    sein aussag für kein halbe weisung, Es kann auch dieselb mit dem Aÿdt nit
                    erstatt werden (<ref target="#Handschrift_74">fol. 74</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.29.2"> [Buch I Titel 29 § 2]<lb/> § 2 Zum andern ist vonnötten, das
                    solcher Zeug sonsten ohn mangl, und wie es die geschribenen Rechten nennen omni
                    exceptione maior. Derhalben die infamirten untüchtigen maleficischen und ander
                    mehr persohnen so Zu lebendiger Kundtschafft nit taugentlich, kunnenn kein halbe
                    weisung würcken. </p>
        <p xml:id="NA.1.29.3"> [Buch I Titel 29 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, so gebert aines
                    ainiges Zeugens aussag alß dann halbe weisung, wann der Zeugsführer nit mehrern
                    als einen Zeugen furtzustellen, oder aber mehrere fürgestellt hette, darunter
                    doch nur ein ainiger Ihme fürsteller mit seiner Kundtschafft beÿ fiel, dann wo
                    der Zeugenführer, mehrere Zeugen producirn kundt, dieselben aber mit vleiß und
                    auf den Vorthail Zuerhören unterließ, damit er Zu seinem Aÿdt komben möchtt, so
                    hette derselb nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.1.29.4"> [Buch I Titel 29 § 4]<lb/> § 4 Zum Vierten ist vonnötten, das
                    solcher ainig Zeug seiner wissenhait, ein vernufftige ursachen aussag, dann sein
                    blosse Kundtschafft ohn die ursachen, /: er werde gleich darumben gefragt oder
                    nit:/ macht Kein halbe weisung. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.29.5"> [Buch I Titel 29 § 5]<lb/> § 5 Zum funften gebert ain ainiger
                    Zeug in denen orten und fällen halbe weisung, welche mit Zwaÿen Zeugen bewisen
                    kunnen werden, Alßdann Contract, pactionen und vertrag sein, wo aber mehr als
                    Zwen Zeugen, wie in Testament sachen vonnötten, so würcket ain Zeug solche halbe
                    weisung da nichtt (<ref target="#Handschrift_74">fol. 74v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.29.6"> [Buch I Titel 29 § 6]<lb/> § 6 Die ander unvolkomben weisung
                    stehet in der Handls Leutt bücher, dann wo sie dieselben originaliter und
                    uncassiert fürbringen, mögen sie volgents ainen Aÿdt darauf thuen. </p>
        <p xml:id="NA.1.29.7"> [Buch I Titel 29 § 7]<lb/> § 7 Die dritt stehet in der
                    Gerhaben und Curatorn haus vertzaichnussen, dann wo die Posten nit hochwichtig,
                    sonder geringschätzig und darumben kein Quittung verhanden, mag Ihnen solches
                    Jurament Zu besterckung Ihrer vertzaichnussen aufgeladen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.30">
        <head>[ Buch I Titel 30]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=286">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 30. Tittl. Von Gerichtlichen Bekandtnussen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.30.1"> [Buch I Titel 30 § 1]<lb/> § 1 Die Confessionen und
                    Bekantnussen, so vor Gericht mundtlich oder schrifftlich beschehen, sein fur die
                    hochst weisung Zuhalten, dann sie bedoerfen keiner andern probation, sondern es
                    soll der bekent thail, nach gelegenhait <pb n="Edition 2015 S. 87"/> seiner
                    Confession, darauf eintweder Condemnirt oder absolviert werden, doch sein Zu
                    solcher Confession etliche fürnembe stuckh vonnötten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.30.2"> [Buch I Titel 30 § 2]<lb/> § 2 Erstlich das die bekantnus von
                    den Principaln selbst beschehe, dann der Gewalthaber oder Advocaten (<ref target="#Handschrift_75">fol. 75</ref>) Confessionen, welche sie im abwesen
                    Ihrer Principalen thain, sollen denen Principalen nit schaden, Wann aber die
                    Principalen gegenwertig sein, und Ihrer gewalthaber bekantnus nit widersprechen,
                    so gelten dieselben eben soviel als ob sie von denen Principalen selbst
                    beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.3"> [Buch I Titel 30 § 3]<lb/> § 3 Am andern ist vonnötten, das
                    die Confession wohlbedechtlich und mit grundt beschehe, dann die ihrigen
                    Confessionen sindt ohne schaden, Kunnen auch alle Zeit von dem abschiedt
                    widersprochen und revociert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.4"> [Buch I Titel 30 § 4]<lb/> § 4 Furs dritt muessen die
                    Gerichtlichen bekandtnussen, von Vogtbaren Persohnen beschehen, was aber ein
                    minderihäriger bestehet, das ist nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.5"> [Buch I Titel 30 § 5]<lb/> § 5 Zum Vierten, die bekantnussen,
                    welche von ainem fremden Gericht beschehen, sein unpraeiudicierlich. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.6"> [Buch I Titel 30 § 6]<lb/> § 6 Zum funfften ist vonnötten,
                    das derleÿ Gerichtliche Confessionen, nit fur den bekennen, sonder wider Ihme
                    sein, dann da ein oder der ander Parteÿ Ihr selbs Zu guetten was bekennen thett,
                    hat solche Confession Kain crafft, ist auch fur Kein probation Zuhalten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.30.7"> [Buch I Titel 30 § 7]<lb/> § 7 Zum Sechsten mues solche
                    Confession in des gegentails oder seines gewalthabers beÿsein beschehen, do aber
                    der gegentail oder sein Gewalthaber abwesig, oder im fall sie gegenwürtig die
                    angehörte Con(<ref target="#Handschrift_75">fol. 75v</ref>)fession nitt für
                    bekandt annemben, so ist sie unschedtlich. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.8"> [Buch I Titel 30 § 8]<lb/> § 8 Zum Siebenden mueß dieselb
                    Confession special sein und etwas gewis begreiffen, dann auf ein general und
                    ungewisse Confession, Kan Kein gewisser abschiedt erfolgen. </p>
        <p xml:id="NA.1.30.9"> [Buch I Titel 30 § 9]<lb/> § 9 Zum Achten wann die
                    Gerichtlich bekantnus ainem andern Zu nachtl geraichen thet, so ist sie
                    ohngültig angesehen, das dem dritten abwesendten thail, damit nit praeiudiciert
                    werden kann. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.31">
        <head>[ Buch I Titel 31]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=289">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 31. Tittl. Von Verfahrungenn. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.1"> [Buch I Titel 31 § 1]<lb/> § 1 Nachdem die Gerichts
                    Verfahrung Zuerkennen gibt, das die Parteÿen nach eröffnung und publicierung der
                    Volführten attestaten ober Ihre weiß und gegenweisung mit unnotwendigen wortt
                    reichen und weitschweiffigen probation <pb
            n="Edition 2015 S. 88"/> und
                    einredtschrifften verfahren, auch die claren Kundtschafften, mit Ihrer
                    ubermessigen lang, und vonnotturfftiger ausführung Zu offtermahlen mehrers
                    verdunckeln als erleuttern, derhalben damit die Gerichtt ferrer (<ref target="#Handschrift_76">fol. 76</ref>) nit vergebens behelligtt, auch denen
                    strittigen tailen umb soviel ehers aus Ihren handtlungen geholffen werde, So
                    setzen, ordtnen und wöllen wir vonn Landtsfürstlicher volmacht wegen, das
                    hinfurahn aber weiß, und gegenweisung, nit mit acht underschiedtlichen
                    schrifften, deren Vier uber die Haubtweisung, die andern Vier uber die
                    gegenweisung, bei derseits produciert werden, verfahren, Sonder angeregte Haubt
                    und gegen weisung nur mit Vier Libelln, allermassen es in unserem Landt ob der
                    Ennß gebreuchig, außgeführt werden solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.2"> [Buch I Titel 31 § 2]<lb/> § 2 Nemblichen und also wann die
                    stittigen Parteÿen die eröffneten attestation angehendigt, so solle der taill
                    welcher die Haubtweisung geführt, innerhalb viertzehn tagen die negsten darnach
                    sein erste schrifften einlegen, und darinnen anfengklich sein volführte
                    Haubtweisung ausführen, Nachmals im andern taill solcher schrifften, seines
                    widersachers gegenweisung mit seinen nottwendigen einreden, doch aufs kürtzest
                    widertreiben, und solche schrifften, sein probation und einredt schrifften
                    Copulative intitulieren, Gleichermassen solle der gegentail sein habende
                    gegenweisung in seiner ersten schrifften erleuttern, und nachmals eben im selben
                    Libel des gegentails haubtweisung impugnieren und widerlegen (<ref target="#Handschrift_76">fol. 76v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.31.3"> [Buch I Titel 31 § 3]<lb/> § 3 Darauf nachmals beede thail
                    noch mit einem beschluß und gegenbeschluss nach ordtnung verfahren, und also mit
                    vier schriften Ihre geführte weisungen deduciren und ausfindig machen sollen, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.4"> [Buch I Titel 31 § 4]<lb/> § 4 Soviel aber andere verfahrung,
                    welche in der Haubtsachen emergent und incitent stritten, auch denen execution
                    handlungen beschehen anlangt, ist uns glaubwürdig fürkomben, das darinnen bißher
                    ungeacht des wissentlichen Gerichts gebrauch, und voriger publicierter ordtnung,
                    mehrmals grosse verordtnung und ubermessige antzahl, der schrifften Zugelassen
                    werden, Also das auch in geringen Summarisachen Zu Zeitten zwelf, sechtzehen
                    oder mehr schrifften und producten von baiden thailen einkomben, Demnach damit
                    solcher auftzigig mißbrauch abgesteltt und denen verfahrungen ein schleiniger
                    auch richtiger weeg gemacht werde, ordtnen, setzen und wöllen wir von
                    Landtsfürstlicher Volmacht wegenn, Wann der Cläger sein Clag oder begehren
                    eingebracht, unnd der gegenthaill darruber mit seinem bericht oder notturfft
                    vernomben worden, aber Clager daran nit ersettigt Zu sein vermaintt sonder
                    seinen gegenberichtt oder ferrere notturfft, deßgleichen der beclagt sein
                    Duplicen <pb
            n="Edition 2015 S. 89"/> und andere notturfft einlegt, das alßdann
                    in lauttern Liquitierten und unwidersprechlichen sachen, als schulden oder
                    andern (<ref target="#Handschrift_77">fol. 77</ref>) bescheinten handtlungen,
                    unser Landt ober oder unter Marschalch den Proceß Zu ferrer verfahrung nichtt
                    richten, sonder aber solche lautterkait und Vier einkombene schrifften einen
                    endtlichen bescheidt, nach geschaffenhait der sachen, durch einn Decret oder
                    Rahtschlag geben solle, doch dem beschwerten thaill die Appellation für unser
                    Niderösterreichische Regierung vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.1.31.5"> [Buch I Titel 31 § 5]<lb/> § 5 Und Zum fall ein oder der
                    ander thaill an solchem Rahtschlag und beschaidt nit ersettigt, sonder darüber
                    mitt seiner vermainten verzern notturfft fürkomben thette, So soll es unser
                    Landtmarschalch, oder in abwesen Landt under marschalch beÿ vorigem Rahttschlag
                    und beschaidt nochmahlen verbleiben lassen, und die Parteÿ der bevorstehenden
                    Appellation erindern. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.6"> [Buch I Titel 31 § 6]<lb/> § 6 Wann aber die anhengig sachen
                    Zweiflich, disputirlich und unbescheint, auch des völligen Proces und gesambter
                    erkantnuß bedürfftig, Welches dann in des Gerichts discretion und bescheidenhait
                    steet, So solle nach eingebrachtem gegenbericht oder der dritten schrifft, die
                    sachen Zu ordentlicher und volkombener verfahrung berahttschlagtt werden, und
                    iedes tails Zwo schrifften sambt einem beschlus so einkomben, auch nach
                    beschloßner sachen ordentlich Collationirt wird, auch daruber rechtlich erkent
                    werden, Und solches ist von der Haubtsachen Zuverstehen, dann in fürfallenden
                    nebenstritten, sollen uber vier schrifften baiderseits vermueg voriger (<ref target="#Handschrift_77">fol. 77v</ref>) publicierter ordtnung nit
                    Zugelassen noch gestattet werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.31.7"> [Buch I Titel 31 § 7]<lb/> § 7 Und dieweill ein iede Parteÿ
                    die Haubtsachen in summari oder extra ordinari sachen mit dreÿen schrifften, die
                    neben stritt aber mit Zweÿen Libeln der notturfft nach wohl ausführen Kann, so
                    soll das Gericht hinfurahn Kainem taill ainiges aufschreiben Zuverlengerung des
                    handls gestatten, sonder da der Cläger in seinem beschlus neuerung gebraucht,
                    steet dem beclagten dieselben in seinem gegen beschlus abtzulainen bevor, Da
                    aber der Beclagt in seinem nachstreich dergleichen neuerung eingeführt, oder mit
                    neuen einschluessen fürkömb, mag der Cläger solche nach wissentlichem Gerichts
                    brauch unterstreichen und ad marginem die neuerungen verzaichnen, doch steet dem
                    Beclagten sein Nain gleichfalß herauß Zu setzen, bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.8"> [Buch I Titel 31 § 8]<lb/> § 8 Dieweill auch die beclagten
                    mit sondern liest Ihre best behelf und ausführungen in ihre beschlus fürsetzlich
                    sparen, und mit solchem grief den Clager, so Kein nachschrifften hatt Zubevaren,
                    vorhaben, So sollen die Gericht nach befundtner sachen, auf solche verbottne
                    vorthailige neuerungen, nit allein <pb n="Edition 2015 S. 90"/> nichts erkennen,
                    sonder die Beclagten, sambt derselben Schrifftmacher darumben nach notturfft,
                    unableßlich straffen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.31.9"> [Buch I Titel 31 § 9]<lb/> § 9 Wann sich der Clager in seiner
                    ersten oder andern schrifften (<ref target="#Handschrift_78">fol. 78</ref>) der
                    weisung selbst anbeutt, und der handl also geschaffen, das derselb der
                    angebotnen probation bedürfftig, So solle das Gerichtt Zu erlengerung der
                    sachen, den process auf Kein ferrere Verfahrung richten, sondern den Cläger
                    durch ein Decret oder Ratschlag Zu begerten, oder wo es vonnötten einer
                    gemessnen unnd specificierten Weisung lassen, Doch dem gegenthaill sein
                    gegenweisung unnd rechtliche notturfft vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.1.31.10"> [Buch I Titel 31 § 10]<lb/> § 10 Also soll es auch wan der
                    beclagt die haubtweysung guettwillig uber sich nämb, gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.31.11"> [Buch I Titel 31 § 11]<lb/> § 11 Die nachschrifften, so
                    wider ordnung und gebürliche antzall der schrifften, nach beschlossner sachen Zu
                    Information des Gerichts einkhomben sollen von Gericht nit angenomben, vill
                    weniger darüber Ichtes erkhendt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.32">
        <head>[ Buch I Titel 32]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=298">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 32. Tittl. Von Gerichtlichen Urtln,
                    Abschiedten und Erkhandtnußen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.1"> [Buch I Titel 32 § 1]<lb/> § 1 Es solle ein Jeder Sententz,
                    Abschiedt unnd Urtl (<ref target="#Handschrift_78">fol. 78v</ref>) auf das, so
                    dem Gericht fürkhomben, unnd baiderseits Produciert worden, beschechen, auf das
                    aber so die Partheÿen nicht einbracht, sonder dem Gericht sonsten bewüsst; solle
                    nit Judiciert, noch erkhendt werden. Es were dan sach, das solches Nota unnd
                    offen wissentlich, oder das die Partheÿen unnd Ihre beÿständt etwas
                    fürzubringen, underlassen hetten, Welches nit in facto sondern Jure stehett,
                    dann in solchem fall kann und soll das Gericht supplicieren, mag auch auf die
                    Landtbreuch, Gerichtsordnung, General, geschribene Rechten und dergleichen
                    gemaine oder special Landtsatzung /:ungeachtt das solche Parteÿen nit angetzogen
                    noch fürgebrachtt:/ wohl gehen und darauf Sentecieren. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.2"> [Buch I Titel 32 § 2]<lb/> § 2 Wann der Cläger sein Clag
                    iustificirett hatt, so solle die erkantnuß nach gelegenhait seiner Haubt
                    petiticion beschehen, Es wehre dann im process mehrers als in der Clag begehrt,
                    von dem Clager erleuttert und bewisen oder von dem Beclagten Gerichtlich bekandt
                    worden, dann in solchen fällen mag der Abschiedt nach geschaffenhait des ganzen
                    process ergehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.3"> [Buch I Titel 32 § 3]<lb/> § 3 Ein iedes Endt Urthel und
                    Sentenz mues auf ein gewisshait gestelt sein, dann da verabschiedet würdt der
                    Beclagte seÿ dem Cläger Zubezahlen oder Ihme (fol. <pb n="Edition 2015 S. 91"/>
                    79) daß guett abtzutretten schuldig, unnd aber die Summa oder das guett in
                    abschiedt nit begriffen so Kundt solcher abschiedt nit bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.4"> [Buch I Titel 32 § 4]<lb/> § 4 Wann in einem urtel die
                    bewegnussen und motif der beschehenen erkantnuß nit begriffen, so soll der
                    Sententz darumben nit fallen, dann das Gericht ist nit verbunden, derleÿ
                    ursachen inn die abschiedt Zuverleiben. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.5"> [Buch I Titel 32 § 5]<lb/> § 5 Alle Sententz so beÿ ainer
                    fremden und ungebührlichen Obrigkait beschehen, die sollen für ein nullitet
                    gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.6"> [Buch I Titel 32 § 6]<lb/> § 6 Deßgleichen wann ohn gwalt
                    oder aber mit falschem gewalt gehandlet und darüber verabschiedt worden so solle
                    der abschiedt nit Crefftig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.7"> [Buch I Titel 32 § 7]<lb/> § 7 Also auch wann ein abwesender
                    und unverhörter contemnirt worden, es were dann auf ungehorsamb beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.8"> [Buch I Titel 32 § 8]<lb/> § 8 Item wann der abschiedt auf
                    falsche Zeugen sag unnd brifliche Uhrkunden oder irrige Rechten unnd
                    Landtsbrauch ergangen </p>
        <p xml:id="NA.1.32.9"> [Buch I Titel 32 § 9]<lb/> § 9 Item wann ein abschiedt inn
                    hangender dilation unnd erlangtem stilstandt ervolgtt. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.10"> [Buch I Titel 32 § 10]<lb/> § 10 Auf plosse Exempl und
                    vorige etwo in gleichenn fall beschehene erkandtnussen, soll das Gericht nit
                    gehen, dann sie umbständt der sachen, seint ungleich, also auch die ausführung
                    der Parteÿen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.11"> [Buch I Titel 32 § 11]<lb/> § 11 Die erkandtnussen, sollen
                    an denen gewöhnlichen (<ref target="#Handschrift_79">fol. 79v</ref>)
                    Gerichtsstaten in gar nit in privat heusern beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.12"> [Buch I Titel 32 § 12]<lb/> § 12 Also auch gar keinn
                    Sententz an heiligen festenn oder ferien gefelt werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.32.13"> [Buch I Titel 32 § 13]<lb/> § 13 Wann ein Parteÿ nach
                    ergangenem Urtel, fürgeb Sie hette Ihre Instrumentische behelff, der notturfft
                    nach nit fürgebrachtt, so solle dennoch die ordentlich erkandtnuß darumben nit
                    retractiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.14"> [Buch I Titel 32 § 14]<lb/> § 14 Also auch wann die Parteÿ
                    nach beschehener erkandtnus brifliche Uhrkunden vonn neuen erfunden, so kann
                    dadurch der Zuvor ergangenen abschiedt nit umbgestossen werden, Es were dann umb
                    Fiscal Commun, Kirchen oder Pupillarsachen Zuthain, Doch sollen der verlustigten
                    Persohnen solche neue erfundtne behelff in einer neuen Instantz fürtzubringen
                    bevorstehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.15"> [Buch I Titel 32 § 15]<lb/> § 15 Ain Rechtmässige erkandtnus
                    Kann nit revociert werdenn, ob gleich ain oder die ander Parteÿ hernach das
                    widerspiell bekent. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.16"> [Buch I Titel 32 § 16]<lb/> § 16 Deßgleichenn soll kain
                    erkandtnuß retractiert werden, wann der beclagt einn peremtorische exceptionem
                    erst nach dem entschiedt fürbring wolte, es were dann dieselben der artt unnd
                    aigenschafft, das sie sowohl nach als vor dem viertzehenden Titel (<ref
            target="#Handschrift_80">fol. 80</ref>) vonn Exceptionen unnd außtzungen
                    underschiedt vernemben. <pb n="Edition 2015 S. 92"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.32.17"> [Buch I Titel 32 § 17]<lb/> § 17 Item Wann sich ein Parteÿ
                    dessen Zubehelfen vermaint, das sie Keinen Advocaten gehabtt, oder derselb
                    hette, die gebürlich notturfft nit gehandlet, so solle dennoch der abschiedt nit
                    fallen. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.18"> [Buch I Titel 32 § 18]<lb/> § 18 Die Urtel abschiedt unnd
                    gerichtliche erkandtnussen sein enges verstandt und stricti Juris, kunnen auch
                    weiters nit alts der lebendig und buchstablich inhalt vermag, getzogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.19"> [Buch I Titel 32 § 19]<lb/> § 19 Wann viel Krigs Consorten
                    in ainem ainigen abschiedt Condemnirt werden, so ist einer für den andern
                    Zubezahlen nit schuldig, ungeacht das einer oder derselben mehr von solvendo
                    wehren, Wann aber ainer fur den andern guetwillig Zahlet, so stehet Ihme seinn
                    regress zu seinen mitverwanten bevor. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.20"> [Buch I Titel 32 § 20]<lb/> § 20 Welchen Sententz mann
                    innerhalb Zehen tagen nit Appelliert, derselbe erreicht sein wilkühr unnd ist
                    der execution fehig. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.21"> [Buch I Titel 32 § 21]<lb/> § 21 Nach beschenener
                    publication und eröfnung solle keinn urtel noch erkandtnuß, weder an worten noch
                    an der Substantz geendert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.22"> [Buch I Titel 32 § 22]<lb/> § 22 Wiewohl die geschribnen
                    Rechten Zulassen das die höhern Gerichtt Ihre erkandtnussen declariren unnd
                    erleutern mügen, Dieweill aber solches (<ref target="#Handschrift_80">fol.
                        80v</ref>) allerleÿ incident stritt und behelligung erweckenn möchtt, auch
                    dem beschwerten taill die Appellation bevorsteet, so sollen derleÿ declarationen
                    nitt statt haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.23"> [Buch I Titel 32 § 23]<lb/> § 23 Die Urtel und gerichtlichen
                    erkandtnussen sollen als res inter alios actae, keinem abwesenden dritten thaill
                    schaden noch praeiudiciern, Derhalben wann gleich der Clager seine spruch wider
                    ainen Erben, welchen er in sonderhait furgenomben, erhalten, So Kan solches
                    denen andern ungehörten mit erben nit schedtlich seinn. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.24"> [Buch I Titel 32 § 24]<lb/> § 24 Wann der Haubt Clager /:als
                    ein gesetzter Erb ist:/ verlüstigt wirdt, so schadt solcher abscheidt allein
                    andern abwesenden Interessierten und special geschaftleutten. </p>
        <p xml:id="NA.1.32.25"> [Buch I Titel 32 § 25]<lb/> § 25 Wann ein Urtell oder
                    abschiedt wider einen Gerhaben in seines Pupillens Namben ergangen, So ist der
                    Gerhab nach abgelegter Gerhabschafft davon entbrochen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.26"> [Buch I Titel 32 § 26]<lb/> § 26 Alle possession stritt
                    sollen vor dem Aigenthumblichen disputat außgetragen und decidirt werden, Also
                    soll mann auch die eingefallen neben stritt, als Incident und emergent Krieg,
                    Deßgleichenn die exceptionen, vor der Haubtsachen entschaiden (<ref target="#Handschrift_81">fol. 81</ref>). </p>
        <p
            xml:id="NA.1.32.27"> [Buch I Titel 32 § 27]<lb/> § 27 Welcher schädenn uncosten,
                    fruchtt Interesse oder ander dergleichen accessorien, so der Haubtsachen
                    nahvolgen in seiner Clag nit begehrtt, dem sollen sie nit Zuerkent werden. <pb n="Edition 2015 S. 93"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.33">
        <head>[ Buch I Titel 33]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=307">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 33. Tittl. Von gedingnussen und
                    Appellationen. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.1"> [Buch I Titel 33 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die Appellationen von
                    Natürlicher billigkait allen beschwerten thailen bevorstehen so sein doch
                    etliche sondere fäll, darinnen sie nit statt haben sollen. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.2"> [Buch I Titel 33 § 2]<lb/> § 2 Erstlich welcher auß
                    ungehorsamb verlustig worden demselben Zu straff seiner ertzaigten ungehorsamb
                    die Appellation abgeschnitten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.3"> [Buch I Titel 33 § 3]<lb/> § 3 Am andern wider seine aigne
                    Gerichtliche bekantnus, soll niemandt Appellieren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.4"> [Buch I Titel 33 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten, Wann ein Parteÿ
                    der andern die (<ref target="#Handschrift_81">fol. 81v</ref>) Haubtsachenn auf
                    den Aÿdt gelassen, und nach solchem Jurament verlustig worden, so Kann nit mehr
                    gedinget werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.5"> [Buch I Titel 33 § 5]<lb/> § 5 Zum Vierten, Welcher auf das
                    so Notori und offentlich wissent Condemnirt wirdt, dem solle kain Appellation
                    gestatt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.6"> [Buch I Titel 33 § 6]<lb/> § 6 Zum funfften, von straffen und
                    Poenen, welche inn Crafft der Gerichts ordtnung oder geschribnen Rechten,
                    aufgelegt werden, solle niemandt appellirn, Vonn andern straffen aber, welche
                    die Rechten oder gerichtsgebrauch nit verordtnenn sonder aus andern beweglichen
                    Ursachen, denen Parteÿen durch das Gericht aufgebunden werden mag mann wohl
                    appellirn. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.7"> [Buch I Titel 33 § 7]<lb/> § 7 Zum Sechsten von Gerichtlicher
                    Execution unnd des Weispotens außrichtung Kan nitt Appelliert werden, da Er aber
                    die Gerichtsbreuchig maß unnd ordtnung uberschritt, mag dasselb Supplicando dem
                    Herrn Landt ober oder unter Marschalch als seiner geburlichen Obrigkait
                    fürgebrachtt werden, unnd wo sich solches befindt, solle nottwendig einsehung
                    und abstellung auch bestraffung des Weißbotens ervolgen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.8"> [Buch I Titel 33 § 8]<lb/> § 8 Welcher wider ainen
                    wissentlichen Landt: oder Gerichts brauch appelliert, dem solle die (<ref target="#Handschrift_82">fol. 82</ref>) Appellation abgestricktt werdenn, </p>
        <p xml:id="NA.1.33.9"> [Buch I Titel 33 § 9]<lb/> § 9 Welcher verlustigt worden, und
                    ainen Termin Zu der betzahlung von Gericht begehrt, der kann nit mehr appellirn. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.10"> [Buch I Titel 33 § 10]<lb/> § 10 Von Fiscal schulden auch
                    gemeinen auflagen und Contributionen als Steurn Zehenten, Robaten und
                    dergleichen Landtbreuchigen herrn diensten soll niemandt Zu appellirn gestaltt
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.11"> [Buch I Titel 33 § 11]<lb/> § 11 Wiewohl die geschribnen
                    Rechten vermögen, das in possessori stritten Kein Appellation statt haben solle,
                    iedoch weill solcher satzung der Uhraltt ublich <pb n="Edition 2015 S. 94"/>
                    Landtbrauch Zu wider, so lassen wirs aus Landtsfürstlicher Volmachtt darbeÿ
                    nochmahlen genedigist wenden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.12"> [Buch I Titel 33 § 12]<lb/> § 12 Also auch wan uber ein
                    sachen Commissari verordtnet und Ihnen die erkantnuß Zuthain bevohlen worden,
                    mag der beschwertt tail ungeachtt geschribner Rechtten, davon appellirn, fur das
                    Gerichtt welches die Commission verordtnet, und nit stracks für die höcher
                    Instanz beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.13"> [Buch I Titel 33 § 13]<lb/> § 13 Gleichermassen soll es mit
                    denen Compromissen handlungen gehalten werden, es wehre dann sach daß sich die
                    Parteÿen der Appellation austrücklich begeben. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.14"> [Buch I Titel 33 § 14]<lb/> § 14 Denen geschribenen Rechten
                    nach, kann in Criminal und malefitz sachen, sowohl als in Burgerlichen und Civil
                    Handlungen, appellirt werden, welches aber allein in denen fällen statt haben
                    solle, Wann mann wider ainen Thätter, Clag, Accusation oder denunciation weise
                    procedirt, Wann aber das Gerichtt von Ambtswegen ex officio unnd inquisition
                    weise gegen ainen Thätter handlet, der soll auch auf sein aigne guettige und
                    Peinliche bekandtnuß, Zum todt verurthailt werden, so hatt die appellation wider
                    solche aigene Confession nit statt, also auch wo der Thätter auf ofner wahrer
                    thatt betretten worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.15"> [Buch I Titel 33 § 15]<lb/> § 15 Wiewohl etliche Geistliche
                    und Weldtliche fursten in unserm Landt österreich under der Ennß begüettet sein,
                    so solle doch vermüeg derwegenn außgangener general, derselben Pflegern,
                    Ambtleutten und underthanen Keines wegs gebühren fur gemelte Ihre Herrn aus
                    unserm Landt Zu appelliren, oder denen Underthanen ainige appellation dergestalt
                    auftzurichten, dann solches wider unsers Löblichen Hauß Österreich und unserer
                    getreuen Landtschafft wohl hergebrachte ersessene freÿhaiten auch denen Parteÿen
                    nit wenig beschwerlich fallen wirdt, (<ref target="#Handschrift_83">fol.
                        83</ref>) Solche außlendische Fürsten in führung der appellation mit
                    schwerem Uncosten Zubesuchenn. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.16"> [Buch I Titel 33 § 16]<lb/> § 16 Wann einem die Expenß
                    aberkendt, oder tacite aufgehebt worden, so mag derselb ob er gleich die
                    Haubtsachen erhalten, wegen ermelter expens wohl appellirn. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.17"> [Buch I Titel 33 § 17]<lb/> § 17 Wann die Appellation in
                    gebürlicher Zeit auß verhinderung der Cantzeleÿ oder andern billichen Uhrsachen
                    nit aufgericht worden, so Kann solcher verzug den Appellanten nit schaden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.18"> [Buch I Titel 33 § 18]<lb/> § 18 Es mag ein ieder Appellant
                    von seiner Appellation fallen und dieselb desertieren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.19"> [Buch I Titel 33 § 19]<lb/> § 19 Obwohl die geschribenen
                    Rechten Zugelassen, das ein Parteÿ alles das was in der ersten Instantz
                    verabseumbt, in der appellation und beÿ der andern auch <pb n="Edition 2015 S. 95"/> höhern Instantz einbringen möge, So lest doch der
                    Uhralt Landt und Gerichtsbrauch mehrers nit zu, als was beÿ der ersten Instanz
                    ordenlich einkomben, derwegen solle Keine nebenschrifften beÿ der Höchern
                    Obrigkait angenomben, nach auf ainiges neues product erkendt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.20"> [Buch I Titel 33 § 20]<lb/> § 20 Wann der Principall
                    Appellant mit Todt abgehet, solle sein Erb die gedingnuß prosequiren oder dem
                    Urtel ein benüegen thuen, doch solle Ihme (fol 83v) von Gericht ein Zeit
                    vergünstigt werden darinnen er deliberiren möge, ob Ihme die prosecution oder
                    desertation gemainter sein wölle. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.21"> [Buch I Titel 33 § 21]<lb/> § 21 Wann ainer aus denen Krigs
                    Consorten appelliert und die sachenn beÿ der höchern Instantz erhalten solle
                    dasselb seinen mitverwanten, auch nutzen. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.22"> [Buch I Titel 33 § 22]<lb/> § 22 Es soll kainer Parteÿ für
                    mehrere als Zwo unterschiedliche Instantz nach ordtnung Zu appelliren erlaubt
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.23"> [Buch I Titel 33 § 23]<lb/> § 23 Wann der abschiedt etliche
                    underschidtliche Artickel begreiffet, so soll denen Parteÿen bevorstehen ainen
                    taill Zu aingen, und den andern Unappellirt Zulassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.24"> [Buch I Titel 33 § 24]<lb/> § 24 Der erlassung des
                    Appellation Aÿdt, solle sich kein gewalttrager mechtigen, er habe dann derwegen
                    von seinem Principalen besondern schriftlichen special gewaltt. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.25"> [Buch I Titel 33 § 25]<lb/> § 25 Allso soll auch ainem
                    Gewaltthaber, welcher mit ainem schrifftlichen special gewalt versehen, den
                    appellation Aÿdt fur seinen Principalen Zuthuen unverwehrt sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.33.26"> [Buch I Titel 33 § 26]<lb/> § 26 Wann ein Principal oder
                    Gewalttrager die Appellation nit vor Gericht, sonder beÿ der Canzleÿ vermeldt,
                    solle dieselb dennoch statt haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.27"> [Buch I Titel 33 § 27]<lb/> § 27 Inn hangender Appellation
                    sollen die Parteÿen (<ref target="#Handschrift_84">fol. 84</ref>) ainige
                    Novation oder attentation nit fürnemben, Sie wolten dann in vergleichung oder
                    Commission eingehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.28"> [Buch I Titel 33 § 28]<lb/> § 28 Deßgleichen solle das
                    Gericht wider den Appellanten in hangender Appellation nichts fürnehmen, alleine
                    in etlichen besondern fällen, Erstlichen wann der verlustig taill in wehrunder
                    Appellation fluchtigen fueß setzen wolt, möcht er in Arrest genomben werden, Zum
                    andern wann der Verlustig thaill, die aber halten frucht, verschwendt oder
                    verwendt, so mag das Gerichtt ungeachtt seiner dingnus durch Sequestration,
                    einsehen thain, Zum dritten, da der verlustig taill, den obsiger in der possess
                    turbiert und betrüebt, möcht das Gerichtt entzwischen dem obsiger Zu Hüelff
                    komben, Also auch da ein Urtel auf weisung ergangenn und die sachen mit denen
                    verhandnen <pb n="Edition 2015 S. 96"/> Zeugen Kranckheitt halben oder in ander
                    wg geuerlich stundt, möchte das Gerichtt davon gedingt werden, entzwischen
                    solche Zeugen Zu ewiger gedechtnuß verhören lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.33.29"> [Buch I Titel 33 § 29]<lb/> § 29 Waß massen aber die
                    Appellationen vermelt aufgerichtt prosequirt und Remittirt sollen werden, ist in
                    der Gerichtsordtnung so des 57 Jhars ergangen, nach notturfft furgesehen, darbeÿ
                    wir es nochmahlen gendigist beruhen lassen. (<ref target="#Handschrift_84">fol.
                        84v</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.34">
        <head>[ Buch I Titel 34]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=317">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 34. Tittl. Von der Ungehorsamb welche nach
                    ergangenem Urthel oder Abschiedt beschicht, auch denen Gerichtlichen
                    executionen. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.1"> [Buch I Titel 34 § 1]<lb/> § 1 Waß gestalt die Gerichtlichen
                    Executionen nach ordtnung geworben und in welcher Zeit, dieselben bewilligt
                    werden sollen, ist in vorbemelter Landtgerichts Ordtnung, so des 57 Jhars
                    außgangen ausführlich begriffen, darbeÿ es nochmahlen allerdings verbleiben
                    solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.2"> [Buch I Titel 34 § 2]<lb/> § 2 Wann ein Parteÿ umb ein
                    liegendts oder Vahrendts guett clagtt, und dasselb mit recht und Urtel erhelt,
                    so solle der Ansatz, soviel dem Haubtstritt betrifft, auf das erhalten und kein
                    anders guett beschehen, der Expens schäden oder anderer unerkenten accessorien
                    halben aber mag sich die Parteÿ auf des verlüstigen thails aigne guetter wohl
                    ansetzen lassen, dieselben auch durch anbott brieff und Urlaub hernach
                    aigenthumblich bekomben (<ref target="#Handschrift_85">fol. 85</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.34.3"> [Buch I Titel 34 § 3]<lb/> § 3 Do aber die Clag und der
                    behabt Abschiedt auff Kein liegendts guett, sonder Persohnliche spruch als
                    schulden oder dergleichen Contract gieng, und dieselb anforderung sich uber
                    fünfftzig gulden erstrecktt, mag sich der obsigent tail, auf der verlüstigen
                    Parteÿen guetter dreÿmahl, oder da die anforderung weniger als fünftzig gulden,
                    viermals so hoch als dieselb anforderung ist, würcklich ansetzen lassenn. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.4"> [Buch I Titel 34 § 4]<lb/> § 4 Welches auch in dem fall statt
                    haben soll, wann gleich dem obsigenden thaill der Gerichts Uncosten oder anderer
                    accessorien nit Zuerkendt worden, dann weil die verlustig Partheÿ, die sachen Zu
                    Gerichtlicher execution ungehorsamblich komben lest, und den Cläger Zu neuem
                    außgeben verursachtt, So ist beclagter taill dieselben expensen, welche auf die
                    execution und Gerichtliche behebnuß laufen, billich Zuerstatten schuldig,
                    Derhalben dann die Execution auf solchen uncosten, sowohl als die Haubtsachen
                    geworben wirdt. <pb n="Edition 2015 S. 97"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.5"> [Buch I Titel 34 § 5]<lb/> § 5 Wiewohl die geschribnen
                    Rechten vermögen, das die execution, Persohnlichen spruch, erstlich auf Varende
                    und nachmals erst liegende guetter beschehen mues So solle doch dem allgemeinen
                    österreichischen brauch nach, in des obsigers wohl steen, sich auf ligende oder
                    varende guetter ansetzen Zulassen (<ref target="#Handschrift_85">fol.
                    85v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.34.6"> [Buch I Titel 34 § 6]<lb/> § 6 Welche ein Schuldt mit recht
                    erhalten, dem ist der Verlustig, da er sich nach ergangenem Abschiedt
                    ungehorsamblich verhelt und der execution statt gibt, das Interesse vom dato des
                    abschiedts ahn, Zubezahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.7"> [Buch I Titel 34 § 7]<lb/> § 7 Wann einem Viech, Wein, Traidt
                    oder dergleichenn bewegliche sachen Zuerkent worden, Aber vom wegen des
                    verlustigen thails geverlichen auftzugs unnd ungehorsamb hernach umbgefallen
                    oder verdorben, So mag die execution auf derselbenn sachen werdt und aestimation
                    geworben werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.8"> [Buch I Titel 34 § 8]<lb/> § 8 Dem Landt und Gerichtsbrauch
                    nach, mag der obsiegent thaill, den Ansatz auf den belehneten güetern
                    unverhindert, ob der Verlustig, sonst freÿ aigne Guetter hatt, nehmen, und sich
                    nit allein, auf die frücht oder nutzungen, sondern auch auf des Lehens
                    Haubtguett antsetzen lassen, Und wann er nach erlangtem Ansatz soweit verfehrt,
                    das ihme dz Urlaub gegeben wirdt so mag er umb verleichung der Lehen anhalten,
                    Alßdann werden Ihme die Lehen durch unser Niderösterreichische Regierung an
                    unser als Landtsfürsten statt und andere Lehens herrn verliehen (<ref target="#Handschrift_86">fol. 86</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.34.9"> [Buch I Titel 34 § 9]<lb/> § 9 Wann aber der Ehemann
                    verlustig worden, so solle die Execution auf seiner Ehefrauen guetter nitt
                    beschehen, also auch wann die Ehefrau Condemnirt worden, sollen Ihres Ehemans
                    guetter mit ainiger gerichtlichen execution, nit beschwert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.10"> [Buch I Titel 34 § 10]<lb/> § 10 Auf Jhärliche Ambts
                    besoldung, provisionen und dergleichen gnaden gelt, soll Kain execution
                    bewilligt werden, Es hette dann der verlustig taill sonsten an liegenden und
                    Varenden guettern nichts. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.11"> [Buch I Titel 34 § 11]<lb/> § 11 Also solle auch der
                    obsiegendt thail auf seines gegentails schulden Kain execution werben alleweill
                    andere ligende und varende guetter verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.12"> [Buch I Titel 34 § 12]<lb/> § 12 Auf Mühlen Viech oder
                    dergleichen sachen, so Zu täglicher Menschlicher aufenthaltung dienstlich, solle
                    alleweil andere guetter verhanden, Kein Execution erfolgen, Also auch auf Rist
                    Cammer und allen dem dardurch gemeiner nutz gespert wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.13"> [Buch I Titel 34 § 13]<lb/> § 13 Wann der verlustig thaill,
                    in hangender execution mit todt abgehett, so ist nit vonnötten, dieselb wider
                    seine Erben von neuem antzufahen, sonder mag in denen terminis /:darinnen sie
                    stehet:/ prosequirt werden . <pb n="Edition 2015 S. 98"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.34.14"> [Buch I Titel 34 § 14]<lb/> § 14 Inn hangender Appellation
                    hatt Kein execution statt, Wann aber an unns als herrn und Landtsfürsten umb
                    revision suppliciert worden, solle die execution Ihren fertigen lauf haben, es
                    werde dann dieselb von unns durch sondere bevelch eingestelt. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.15"> [Buch I Titel 34 § 15]<lb/> § 15 Wann der Verlustig thaill
                    das guet, welches er mit Rechtt und Urtel verlohren, nach beschehener erkandtnuß
                    in frembde handt geverlicher weiß alienirt und verwendt, so solle die execution,
                    ainenn weeg als den andern auf solches guett ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.16"> [Buch I Titel 34 § 16]<lb/> § 16 Wann ein Parteÿ obsiegt
                    oder etwas mit recht und Urtel behabt, verihärt sich die execution nichtt,
                    sonder stehet der Parteÿen oder seinen Erben bevor, umb dieselb innerhalb Zweÿ
                    dreÿssig Jharen antzuhalten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.17"> [Buch I Titel 34 § 17]<lb/> § 17 Wann ein Gerhab in sachen
                    seiner Pupillen betreffent verlustig wirdt, solle der gebots brief an dem
                    Gerhaben gestelt, die ferrer Execution aber in des Pupillen gar nit des
                    Gerhabenn haab und guetter ervolgen, Vermaint alß dann der Pupill nach erlangter
                    Vogtbarkeit der Gerhab hab Ihne beÿ der haubtsachen verkürtzt oder in (<ref target="#Handschrift_87">fol. 87</ref>) solche gerichtliche behebnuß
                    unbillich geführt, steet Ihme dasselb gegen den Gerhaben mit Recht Zuersuchen
                    bevor. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.18"> [Buch I Titel 34 § 18]<lb/> § 18 Gleicher gestalt solle die
                    execution altzeit in des Principalens und Keines verwalters oder Gewalthabers
                    haab unnd guetter ergehen. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.19"> [Buch I Titel 34 § 19]<lb/> § 19 Wann der Haubt Principal
                    verlustig worden, so solle auf das Burgens haab und guetter mit der Execution
                    nit griffen werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.20"> [Buch I Titel 34 § 20]<lb/> § 20 Wann ein guett Zuvor
                    angesetzt worden, so mag sich ein ander auf die ubermaß desselben guets und
                    werts auch ansetzen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.21"> [Buch I Titel 34 § 21]<lb/> § 21 Do ein guett Zwischen
                    Zweÿen Parteÿen strittig, so solle sich Kain dritter in praeiudicium des
                    hangenden strits alweill andere haab und guetter verhanden darauf ansetzen
                    lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.22"> [Buch I Titel 34 § 22]<lb/> § 22 Wann ein Parteÿ durch ein
                    Real Clag die Gerichtliche behebnus auf das gantz guett erhalten, So solle Ihme
                    dasselbig völlig eingeantwort werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.23"> [Buch I Titel 34 § 23]<lb/> § 23 Wann Ihme aber ein guett
                    umbschulden oder Persohnlich sprüch geurlaubtt wirdt, so solle Ihme das
                    angesetzte guett pro rata sein seiner anforderung durch die dartzu verordtneten
                    Commissarien eingeraumbt, die ubermaß aber dem ver(<ref
            target="#Handschrift_87">fol. 87v</ref>)lustigen thaill widerumb an guettern selbst Relaxirt und von
                    dem Ansatz ledig getzehltt. Doch die wahl an solchen guettern nit dem
                    Verlustigen sonder obsigendem taill gelassen werden, unnd obgleich der obsigundt
                    thaill die Guetter beÿsamben behalten, und den verlustigen die ubermaß der
                    guetter mit gewalt erstatten wolt, <pb n="Edition 2015 S. 99"/> so soll doch der
                    verlustig thaill wider seinen willen, von seinen guettern nit getrungen werden,
                    es solle auch hernach in seiner wilckhüer stehen, dieselben wem er wiell
                    Zuverkauffen oder in ander weeg Zuverhandteln, Wann aber das geurlaubtt guett,
                    als ein Schloß oder Hauß unthailbar wehre, so soll der verlustig thaill die
                    ubermaß dem obsiegenden thail abtzulösen geben und dessen er thue es gleich gern
                    oder nit, schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.24"> [Buch I Titel 34 § 24]<lb/> § 24 Die Warnungs bevelch so
                    bißher Zwischen dem gebotts brieff und Urlaub wider die ungehorsamb bewilligt
                    werden sollen hinfurahn, abgestelt und der billichen execution, ihr richtiger
                    und fertiger lauf immediate gelassen werden, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.25"> [Buch I Titel 34 § 25]<lb/> § 25 Nach behabtem Urlaub und
                    erlangtem würcklichen aigenthumb hatt die redemption und losung des
                    eingeantworten guets /:da sich gleich der verlustig tail desselben stracks
                    anbieten, auch die Uncosten volkombenlich ablegen woltt:/ (<ref target="#Handschrift_88">fol. 88</ref>) wider des obsiegenden thails willen
                    und gelegenhait, nit statt, </p>
        <p xml:id="NA.1.34.26"> [Buch I Titel 34 § 26]<lb/> § 26 Wann einem obsiegendten
                    thaill der verlustigenn Parteÿ Holden oder Underthanen geurlaubt worden, so mag
                    er an solche geurlaubte Underthanen von Gericht, einen gehorsamb brief begehrn,
                    welcher Ihme gewilligt werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.27"> [Buch I Titel 34 § 27]<lb/> § 27 Wann der Verlustig und
                    angesetzt thaill nach ergangenem Ansatz dem Urtel oder Abschiedt ein benügen
                    thuet, so solle er die angesetzte guetter, aignes gewalts nit antretten, noch
                    die beschehen gerichtliche Spännung vertilgen, Sonder von Gericht Relaxierung
                    des Ansatz, oder an die gespändten underthanen, einen gehorsamb brief begehren. </p>
        <p xml:id="NA.1.34.28"> [Buch I Titel 34 § 28]<lb/> § 28 Welcher aber ohn vorwissen
                    der obrigkait selbst in die gespändten güetter greifft, der soll in des Gerichts
                    straff verfallen sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.29"> [Buch I Titel 34 § 29]<lb/> § 29 Wann die verlustig Parteÿ
                    in disem Landt ainiges ligents guett nit hatt, so mag der obsigent thail das
                    Heilendisch Gerichtt anlangen, Ihme an des uberwundtnen ordentliche obrigkait,
                    darunter er gesessen und begüet, Compaßbrieff, damit das alhie ergangen Urtel
                    derselben orten volzogen werde, ervolgen Zulassen, Es solle auch dem
                    obsiegendten thail bevorstehen, dem verlustigen so nichts im Landt, mit seiner
                    Persohn, darinnen (<ref
            target="#Handschrift_88">fol. 88v</ref>) so lang
                    verarrestiren Zulassen, biß er der beschehenen erkantnuß ein benuegen thuet,
                    doch wo Zwischen denen thailen, das disputat der guetter halber einfühl, Solle
                    die Arrestirung oder verhafftung so lang nit verwilligt werden biß der obsiger
                    ausfindig macht, das der Verlustig tail nichts im Landt, oder doch nit soviell
                    hab das er seiner behabten sprüch völlig vergnüegt werden Kündt. <pb n="Edition 2015 S. 100"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.34.30"> [Buch I Titel 34 § 30]<lb/> § 30 Es solle keiner das gespänt
                    guett seinem gegentail wider ervolgen Zulassen schuldig sein, Er seÿe dann Zuvor
                    der Haubtsachen sambt aller erlitnen Uncosten so auf die Gerichtlich behebnus
                    geloffen völlig contentiert. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.34.31"> [Buch I Titel 34 § 31]<lb/> § 31 Wann die execution von der
                    Cognition fürgenomben unnd das Gerichtt die sachen ab executivis anfangt, So
                    kann die execution nit bestehen, Also auch, wann die Executions mitl verwechselt
                    und aines dem andern wider ordtnung fürgesetzt wirdt, gleicher gestalt wann sie
                    nit nach ordtnung auf einander, sonder per saltum beschehen, Item wann die
                    Execution in hangender Appellation ervolgtt. Item wann sie ubermessiger weiß
                    unnd wider ordtnung beschichtt, (<ref target="#Handschrift_89">fol. 89</ref>)
                    Item, Wann sie wider ain erlangte Landtsfürstliche restitution /:darinnen die
                    Parteÿ ungehindert des ergangenen Urtels Zu Ihrer defension unnd notturfft
                    gelassen:/ mitgethailt worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.35">
        <head>[ Buch I Titel 35]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=332">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 35. Tittl. Von Expensen Gerichtlichen
                    uncosten und Schäden </p>
        <p xml:id="NA.1.35.1"> [Buch I Titel 35 § 1]<lb/> § 1 Welche Parteÿ der andern den
                    aufgewenten Gerichts uncosten, und auß waserleÿ Ursachen abtragen und erstatten
                    solle, das alles stehet in des Gerichts discretion und erkantnuß, doch sein beÿ
                    denen geschribnen Rechten, etliche sondere fäll begriffen, darnach sich das
                    Gericht füeglich richten soll und mag. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.35.2"> [Buch I Titel 35 § 2]<lb/> § 2 Erstlich welcher wider ainen
                    wissentlichen Landt oder Gerichtsbrauch, Clagen Excipieren, oder sich
                    verantworten thuet, der solle für ein muetwillige Parteÿ gehalten, und in die
                    expens con(<ref target="#Handschrift_89">fol. 89v</ref>)demnirt werden, Also
                    auch da die Parteÿ wider ein lautters geschribenes Rechtt, welches durch den
                    Landtbrauch nit aufgehebt, Krigen thett, Item welcher wider ain general oder
                    Landtsfreÿhait streit. </p>
        <p xml:id="NA.1.35.3"> [Buch I Titel 35 § 3]<lb/> § 3 Item welcher Parteÿ auf
                    ungehorsamb Condemnirt wirdten, die solle alle Zeit den gehorsamben thaill in
                    die expens Zuerkent werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.35.4"> [Buch I Titel 35 § 4]<lb/> § 4 Item welcher Beclagter einn
                    muettwillige exception Zu auftzug der sachen führt, der solle in die expens
                    retardati processus erkent werden, </p>
        <p xml:id="NA.1.35.5"> [Buch I Titel 35 § 5]<lb/> § 5 Item welcher taill sich der
                    weisung angebotten und dieselb fallen lest, soll in die expens condemnirt
                    werden, </p>
        <p
            xml:id="NA.1.35.6"> [Buch I Titel 35 § 6]<lb/> § 6 Item welcher nach eröfnung der
                    Attestation vermercken, kan das sein weiß oder gegenweisung nichtig, und demnach
                    dieselb ausführen und guett machen wiell, der soll in die expens von dato der
                    publicierten attestaten Condemnirt werden. <pb n="Edition 2015 S. 101"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.35.7"> [Buch I Titel 35 § 7]<lb/> § 7 Welche verlustig worden, und
                    die sachen Zu der Gerichtlichen execution Komben lest, der soll allen uncosten,
                    so auf die gerichtlich behebnuß gangen abtzutragen schuldig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.35.8"> [Buch I Titel 35 § 8]<lb/> § 8 Wann denen Parteÿen in schuldt
                    oder andern (<ref target="#Handschrift_90">fol. 90</ref>) briefen der uncosten
                    verschriben und versprochen worden, so soll der, mit haltendt thail neben der
                    Haubtsachen die expensen Zubetzahlen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.35.9"> [Buch I Titel 35 § 9]<lb/> § 9 Wann ein Erb umb geschicht und
                    sachen von seinem antecessor herrüerent beclagt wirdt, und erligen thuet, soll
                    derselb in Kein expens Condemnirt werden, dann die Erben haben in Erbs sachen
                    ain unverweißliche unwissenhait. </p>
        <p xml:id="NA.1.35.10"> [Buch I Titel 35 § 10]<lb/> § 10 Welcher taill für sein
                    Intention ainen briflichen Schein fürbringt, und damit dennoch aus billichen
                    Ursachen nit gelangen Kan, der soll von der Expens entbrochen sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.35.11"> [Buch I Titel 35 § 11]<lb/> § 11 Deßgleichen welcher seinn
                    mainung nit Volkombmentlich, sonder allein Zum taill, als mit ainem einigen
                    Zeugen oder mit Zeugs Persohnen, deren doch Keiner Rechtmessig, und omni
                    exceptione maior bewisen, dessen solle mit Condemnierung der Expens verschonet
                    werden, Also auch wo ein Parteÿ dermassen qualificiert, das sich ainicher
                    muetwilln beÿ Ihr nit Zubesorgen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.35.12"> [Buch I Titel 35 § 12]<lb/> § 12 Ebenermassen da ein Parteÿ
                    dem Gericht furzubringen hett, das sie sich mit vorberahttung Rechts und
                    Gerichts verstendiger Leutt, in den oberkenten stritt begeben, so solle beÿ
                    derselben (<ref target="#Handschrift_90">fol. 90v</ref>) kain fräfel vermueth,
                    noch Sie in die Expens neben der Haubtsachen erkent werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.35.13"> [Buch I Titel 35 § 13]<lb/> § 13 Wann die Parteÿen kein
                    Expens begehren, so sollen ihnen dieselb wo gleich ursachen verhanden nit
                    zuverkent werden, Es solle kein Parteÿ ainige super expens begehrn, sie bringe
                    dann schein für, das Ihr solche Zuerkent worden, Also auch soviel die schäden
                    verzinsung und andere accessorien, Welche der Haubtsachen nachvolgen, belangen
                    thuett. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.36">
        <head>[ Buch I Titel 36]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=336">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 36. Tittl. Vonn mässigung der Expensen,
                    schädenn, abgenombner Frucht Interesse und andern Accessorien. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.1"> [Buch I Titel 36 § 1]<lb/> § 1 Nachdem die Expens und
                    aestimation schrifften mehrersmals unordenlich unbescheindt und dermassen
                    ubersezt fürkomben, das nit allein die Parteÿen dadurch beschwerdt, sonder auch
                    die Gericht beÿ messigung derselben fast behelligt werden, wiel die notturfft
                    erfordern hierinnen wen(<ref
            target="#Handschrift_91">fol. 91</ref>)dung
                    fürtzunemben, und obbemelte Expens und aestimation forderung auf einen <pb n="Edition 2015 S. 102"/> bessern und ordentlichen weeg Zurichten,
                    Nemblichen also und volgender massen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.2"> [Buch I Titel 36 § 2]<lb/> § 2 Erstlichen und vor allen
                    dingen, wann ein obsigende Parteÿ und Expens schäden, abgenombene nutzung
                    Interesse oder dergleichen anhang und Zugehörung, so der Haubtsachen nachvolgen,
                    clagen will, soll der Abschiedt, Urtel, Declaration oder Rathschlag, darinnen
                    dem Anforderer aines oder das ander austrucklich Zuerkent worden, Zu ainem
                    fundament seiner eingelegten schrifften originaliter in glaubwürdigem schein
                    fürgebracht werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.3"> [Buch I Titel 36 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen soll die erst
                    Haubtclag mit dem ordentlichen product fürgebracht werden, damit mann daraus
                    vermercken möge, Wann sich die Haubtsachen angefangen und widerumb geendet. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.4"> [Buch I Titel 36 § 4]<lb/> § 4 Soviell die Aussgaben, welche
                    beÿ Canzleÿ beschehen anlangt, mit denselben soll es also gehalten werden,
                    Nemblichen als offt ein obsigendt Parteÿ Kundtschafft aus der Cantzleÿ Zu
                    verführung seiner eingestelten Expens Posten bedürfftig, soll sie deßhalben die
                    ordentlich obrigkait ersuchen, die soll beÿ dem Taxator in der Cantzleÿ alßdann
                    verordtnung thain, damit ihr aller und ieder auß(<ref target="#Handschrift_91">fol. 91v</ref>)gaben, so in die Tax derselben sachen halben, vonn anfang
                    biß zu endt nach ordtnung beschehen, ain glaubwürdige und specificierte
                    Kundtschafft unter sein des Taxators fertigung gegeben werde, doch solle in dise
                    Kundtschafft nit der gantz inhalt verleibt, sonder umb weniger behelligung
                    wegen, dieselb summariter gestelt und davon die ordentlich Tax bezalt auch
                    solche außgab neben andern in der kundtschafft vertzaichnet, und von der
                    Obrigkait derleÿ Cantzleÿ außgaben, so unter des Taxator fertigung fürkomben,
                    fur guet Passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.5"> [Buch I Titel 36 § 5]<lb/> § 5 Welche Parteÿ aber solches
                    umbgehen wiel, die solle alle und iede Canzleÿ Posten keine außgenomben, mit
                    glaubwürdigem Schein, der dartzu gehörigen Rahtschlegen, bevelch, vorderbrieff,
                    Verkündung Zeugen sag, Execution brieff und dergleichen einschlüessen
                    Verificiern, damit welcher Artickel nit bescheinet noch erleuttert, solle nit
                    passiert, sondern als nichtig außgestelt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.6"> [Buch I Titel 36 § 6]<lb/> § 6 Ebener massen soll es mit dem
                    Uncosten so denen Thüerhüettern und furbittern umb Execution und dergleichen
                    verrichtungen geschicht gehalten, und von Ihnen aller und ieder daselbst
                    beschehener außgaben ain glaubwürdige specificierte Summari bekandtnus unter
                    Ihrer fertigung (<ref
            target="#Handschrift_92">fol. 92</ref>) genomben, Ihnen
                    auch von solcher kundtschafft, was sich nach billichen dingen gebüert betzahlt,
                    und beÿ der messigung passiert werden. <pb n="Edition 2015 S. 103"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.36.7"> [Buch I Titel 36 § 7]<lb/> § 7 Wiel dann ein Parteÿ alle
                    dergleichen Possten mit seinen beÿgelegten glaubwürdigen executionen
                    particulariter bescheinen, soll es unverwert seinn doch das solche execution
                    alle Zusamben gezogne und under ein Summari posten weniger behelligung haben,
                    gestelt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.8"> [Buch I Titel 36 § 8]<lb/> § 8 Es sollen auch die Meilwegs
                    von Richtiger meßigung wegen hinfuhran in die execution gesetzt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.9"> [Buch I Titel 36 § 9]<lb/> § 9 Die uberantworttung
                    Gerichtlicher Bevelch und auflag, soll soviel immer müeglich durch die
                    geschwornen Potten beschehen, Wo aber dieselben nit Zubekomben, soll mann uber
                    Zwo Persohnen hinfurahn Zu ersparung uberiges uncosten nit gebrauchenn, doch daß
                    dieselben angesessen, und eines ehrlichen berufs sein. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.10"> [Buch I Titel 36 § 10]<lb/> § 10 Was dann den Weißbotten von
                    wegen der exequirten ansatz und anderer gerichtlichen Executionen ansatz und
                    anderer Gerichtlichen Execution behebnuß betzahlt würdt, darumben sollen die
                    Parteÿen alle Zeit von Ihnen verfertigte quittungen fürbringen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.11"> [Buch I Titel 36 § 11]<lb/> § 11 So viell die Raiß so uber
                    Landt beschehen und der(<ref target="#Handschrift_92">fol. 92v</ref>)selbenn
                    außgaben anlangt inn dem sollen die Parteÿen bona fide handtlen unnd Kein
                    unnottwendige Reiß fürnemben noch etwas ubermessigs, wie bißhero Zu Ihrem vortl
                    und sondere behelligung des gerichts beschehen, Zehren, Insonderhait aber sollen
                    sie Zu denen sachen und Acten, darzu Ihr aigene gegenwart nit vonnötten,
                    Persohnlich nit herraisen sonder Ihr notturfft, durch einen diener, Botten oder
                    gesanten, ahn Ihre bestelte Gewalttrager alher gelangen lassen, und dieweill
                    disfals welche Raiß nottwendig oder nit seÿ, Ainige gewisse oder allenthalben
                    gleiche maß nit fürgeschribenn werden Kann, solle die nottwendigkaitt in des
                    Gerichtts Discretion und erkantnuß stehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.12"> [Buch I Titel 36 § 12]<lb/> § 12 Es sein aber dennoch etlich
                    fäll, welche ein procurator oder Gewalttrager von Ambts und bestallung wegen
                    ausser seines Principals hiesein, verrichten Kan und soll, als gemeine bevelch
                    ausbringen, der gegentailen bericht vernemben, umb verfahrung eröfnung der
                    attestaten, Collationierung und verabschiedtung antzuruffen, vorder Uhrkundt
                    unnd execution brieff Zuerlangen, umb erstreckung antzuhalten, unnd was
                    dergleichen gemaine begehrn sein, in forma communi beschehen auch an des
                    Principals gegenwart und berichtt (<ref
            target="#Handschrift_93">fol. 93</ref>)
                    wohl gehandelt werden mögen, Wo nun Zu disen oder dergleichen fällen ain
                    Principal persohnlich herraisen oder der für Ainig außgabenn setzen wirdt, soll
                    dieselb als unnottürfftig nit Passiert werden. <pb n="Edition 2015 S. 104"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.36.13"> [Buch I Titel 36 § 13]<lb/> § 13 Es begibt sich mehrmals,
                    Wann die Parteÿen Ihrer habenden Rechtsachen halben auf dem Wasser herabfahren
                    das sie nichts destoweniger Ihre expensen dahin stellen, als ob die Raiß Zu
                    Landt beschehen, Darauf soll beÿ der Gerichtlichen messigung Vleissig acht
                    gegeben werden, Und da ein Parteÿ dermassen qualificiert, das sie Zu Wasser viel
                    gelegner als Zu Landt herabkomen mögen, soll derselben die unnöttig Landtraiß
                    nit Passiert sonder auf die Wasser gelegenhait gemessigt werden, Es were dann
                    sach das mann Winters, Eÿß, Windtsgröse der Thonau oder anderer gefahr, auf dem
                    Wasser nit fahren Künnen, welches die Jhars Zeit so beÿ ainer ieden Raiß
                    absonderlich Zu specificiern Zuerkennen wirdt geben. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.14"> [Buch I Titel 36 § 14]<lb/> § 14 Die Stätt und Märckt haben
                    bißhero in gebrauch gehabt, daß sie Zu Ihren Schwebenden handtlungenn vier oder
                    mehr Persohnen hergeschickt, dieweill sie aber Ihre ordentliche Gewalthaber der
                    gerichts ordtnung gemeß alhie haben, und sich Zwo abgesante Persohnen mit
                    denselben auf Zuvor berathne sachen und habenden gemeßnen bevelch nach notturfft
                    bereden mügen, solle diser nottwendig uberflus abgesteltt und mehrers nit als
                    Zwo oder aufs maist dreÿ Persohnen Passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.15"> [Buch I Titel 36 § 15]<lb/> § 15 Verhörung der Zeugen
                    belangent, soll die fürstellendt Parteÿ von denen Zeus Commissarien verfertigte
                    Kundtschafften fürbringen wie viel derselben Zeugs Persohnen in der antzahl
                    gewesen und wie lang sie von wegen der begehrten verhörung alhie verharren
                    muessen, beÿ derselben Kundtschafft solle specificiert werden, wie viell
                    darunter vom Adl, Burgerschafft oder Baurschafft gewesen, damit das gericht mit
                    gebürlicher messigung fürüber gehen möge. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.16"> [Buch I Titel 36 § 16]<lb/> § 16 Wann die Zeugen inn
                    Wirdtsheusern an heer und haimbraisen, oder alhie Zehren, solle die fürstellendt
                    Parteÿ der beschehenen außgaben von dem Wirdt ein verfertigte Unparteÿsche
                    Kundtschafft nehmen, unnd dem Gericht dieselb fürbringen, doch solle disfals nit
                    mehrers als was die gemain Tax vermag. Passiert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.17"> [Buch I Titel 36 § 17]<lb/> § 17 Dem alten gebrauch nach
                    soll einem Grafen nit mehr als funf Pferdt, einem Praelaten und Herrn Viere
                    ainem Ritter dreÿ, ainem Edlmann Zweÿ, einem Priester oder Burger ains, und
                    alweg auf ein iedes, tags Zwanzig Kreutzer, ainen Hauer und Baurn aber nit meher
                    als Zehen Kreutzer fur Zehrung geraicht und Passiert werden (<ref target="#Handschrift_94">fol. 94</ref>). </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.18"> [Buch I Titel 36 § 18]<lb/> § 18 Wiewohl denen Baurn und
                    Haursleutten in aigenn sachen Kein Roß noch wagen Zu passiern, jedoch wann sie
                    sich Zu steur der Wahrheit als Zeugen uber Landt gebrauchen lassen, und Ihr
                    nahrung dadurch versaumben, soll dem <pb n="Edition 2015 S. 105"/> fursteller
                    unverwehrt sein, dieselben Zu und von Ihrer aussag führen Zulassen, doch umb ein
                    billiches allen uberflus außgeschlossen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.19"> [Buch I Titel 36 § 19]<lb/> § 19 Ainem Advocaten,
                    Schrifftenmacher oder Procuratorn solle nach altem herkomben, von einer ieden
                    sachen die er vom anfang biß Zum ende geführt, Jhärlichen Vier gulden fur sein
                    ergetzligkait passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.20"> [Buch I Titel 36 § 20]<lb/> § 20 Die extra ordinari
                    vergeltung aber, welche denen Advocaten und procuratorn ausser der bestallung
                    offtermahlen verschriben und geraicht worden, solle mann in keinem Expens Libel
                    einstellen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.21"> [Buch I Titel 36 § 21]<lb/> § 21 Deßgleichen sollen die
                    außgaben, welchen den Sollicitatorn und Schreibern beschehen, nit mehr
                    eingestelt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.22"> [Buch I Titel 36 § 22]<lb/> § 22 Die außgaben so vor der
                    Ladung oder Haubtclag beschehen, sollen keiner obsigenden Parteÿn passiert
                    werden, Es were dann sach, das sie nit allein die Expens, sonder auch die
                    Schäden expresse erhalten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.23"> [Buch I Titel 36 § 23]<lb/> § 23 Der erlitnen und Zuerkenten
                    schäden halben, sollen (<ref target="#Handschrift_94">fol. 94v</ref>) die
                    Parteÿen beÿ Ihren Expens schrifften so viel immer muglich, verfertigte
                    Kundtschafften fürbringen, als wann Ihnen durchs verlustigen tails verursachung
                    viech umbgefallen, Maisch, Wein oder Traidt verdorben, und was dergleichen
                    Augenscheinliche und beweißliche schäden mehr sein mögen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.24"> [Buch I Titel 36 § 24]<lb/> § 24 So es aber umb schäden an
                    liegenden stucken, alls Heusern, Weingarten, Ackher und dergleichen Zu thain,
                    soll der obsigendt thail, von der ordentlichen obrigkait unparteÿsche
                    Commissarien Zu ersehung und beteurung derselben ausbringen die sollen die
                    erlitnen schäden in beÿsein des verlustigen thails ordentlich besehen nach
                    billichen dingen und gelegenhait der verlofnenn Jahr, erbarlich beteuren, dessen
                    auch der obsigenten Parteÿ unter Ihrer fertigung Kundtschafft mitthailen, sich
                    derselben beÿ der Expens schrifften Zu gebrauchen haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.25"> [Buch I Titel 36 § 25]<lb/> § 25 Die Schäden so der
                    verlustig taill, mit seinem bewißnen gewalt ungehorsamb oder dergleichen
                    unbillich weeg nit verursacht, sonder durch Gottes gewalt oder Zustehündt unfall
                    beschehen, ist Kein Parteÿ den obsiger Zuerstatten schuldig, Alls wann einem an
                    herraisen oder in seinem aussein, diebstal, Prunst, Leibschäden oder dergleichen
                    gevar und unversehene unfäll Zustünden (<ref target="#Handschrift_95">fol.
                        95</ref>). </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.26"> [Buch I Titel 36 § 26]<lb/> § 26 Die Schädenn so ainer am
                    ausstendigen gelt leidet sollen anderer gestalt nit aestimirt noch erstatt
                    werden, als mit dem gebreuchigen Interesse, nemblichen funfgulden von hundert.
                        <pb n="Edition 2015 S. 106"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.36.27"> [Buch I Titel 36 § 27]<lb/> § 27 Deßgleichen wann einem die
                    Vertzinsung oder das Interesse Zugesprochen wirdt, soll dasselb nit höcher als
                    wie Landtsbreuchig funf vonn hundert aestimirt werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.28"> [Buch I Titel 36 § 28]<lb/> § 28 Damit die abgenomben und
                    Zuerkenten fruchtt dest aigentlicher gemessigt mögen werden, solle die obsigendt
                    Parteÿ alle Zeit ordentlich erleuttern von wehe solche frucht herrüren,
                    nemblichen obs Weingarten, Acker, Wisen, Gehultz oder dergleichen Grundt sein,
                    Es soll auch die Parteÿ underschiedtlich antzeigen, wieviel der Weingarten
                    Viertl, der Acker Joch, die Wisen Tagwerck, und der gehültz gewanten sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.29"> [Buch I Titel 36 § 29]<lb/> § 29 Deßgleichen solle sie von
                    denen grundt unnd Perckherrn Kundtschafft furbringen, oder durch andern
                    glaubwürdigen Schein erleuttern, wessen mann derselben Grundt Jhärlichen oder Zu
                    mittern Jharen geniessen Künnen, mehr soll specificiert werden wie viel Jhar der
                    verlustig thaill abgenombner frücht genossen (<ref target="#Handschrift_95">fol.
                        95v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.1.36.30"> [Buch I Titel 36 § 30]<lb/> § 30 Wehre es aber umb ein
                    gantze Herrschaft, Vesten oder solches stuckh Zuthain, dessen Jhärliches
                    einkomben, mit dem Urbar probiert Kundt werde, so solle die Parteÿ dasselb mit
                    der Expens schrifften fürbringen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.31"> [Buch I Titel 36 § 31]<lb/> § 31 Es sein etliche abgenumbene
                    nutzung der massen geschafften, das sie durch ordentliche beschau am besten
                    dociert werden mögen, als die Wäldt, gehültzt, Auen, Forst, Wildtpan,
                    Fischwasser, Stainbruch und dergleichen Inn derleÿ oder gleichmessigen fällen
                    mögen die obsiegendten Parteÿen unparteÿsche Commissari begehrn, die sollen in
                    beÿsein des gegentails auf den augenschein komben und die Jhärlich nutzung, nach
                    billichen dingen anschlagen, auch dem obsigendten Thaill, davon verfertigte
                    Kundtschafftenn erfolgen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.32"> [Buch I Titel 36 § 32]<lb/> § 32 Wann die abgenombenen
                    frucht nit vertzehrt oder verwendt, sonder in des verlustigen Thails gewalttsamb
                    noch verhanden, so mag der obsigendt thaill derselben restitution begehren, und
                    ist darfur die astimation in gelt oder gelts wehrrt anzunehmben nit verbunden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.33"> [Buch I Titel 36 § 33]<lb/> § 33 Wann ein Parteÿ die Expens,
                    schäden, abgenombener nutzung frucht oder dergleichen accessoria erhalten und
                    der gegentail vor abtrag derselben mit Todt abgieng, so sein dennocht des
                    abgeleibten Erben von erstattung derselben accessorien nit entbrochen (<ref target="#Handschrift_96">fol. 96</ref>). Dann derleÿ erkandtnuß fallen auf
                    die Erbenn ungeachtt das Ihrer in denen behabten Abschieden urtl oder
                    declarationen nit gedacht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.34"> [Buch I Titel 36 § 34]<lb/> § 34 Wann strittig Parteÿen in
                    der Haubtsachen verglichen unnd sich der guetter begeben, Aber darbeÿ der Expenß
                    oder frucht nit gedacht worden, so sein <pb n="Edition 2015 S. 107"/> dieselben
                    auch tacite verglichen und aufgehebt, dann wo das Principall felt, Können die
                    accessorien ferner auch nit bestehen, Es wehre dann sach, das ain oder der ander
                    thaill, solche Zuständt ihme austrucklich vorbehalten. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.36.35"> [Buch I Titel 36 § 35]<lb/> § 35 Beÿ messigung der
                    abgenombenen früchten dem verlustigenn thaill bevor, alles das, was Ihme auf
                    erbauung und einfexung der früchtt notwendig und unvermeidtlich gangen, dem
                    Gericht in glaubwürdigen schein fürtzubringen, dieselben außgaben sollen vermüeg
                    geschribner Rechten herdan gezogen und dem obsiger omb soviel weniger ann den
                    abgenombenen fruchten gemessigt werden, es wehre dann sach das der verlustig
                    thail die aberhaltnen guetter, an allen Titl, fueg oder scheinn mit ofnem
                    unrecht, als gewalt, eingrief, abtrang oder ander dergleichen strafmessig weeg
                    an sich brachtt, Alßdann soll er Zu straf seines geuebten gewalts, frävels und
                    unbilts, allen (<ref target="#Handschrift_96">fol. 96v</ref>) aufgewenten
                    Uncosten, dem Landsbrauch nach billich verliehren. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.36"> [Buch I Titel 36 § 36]<lb/> § 36 Die meliorration, welcher
                    der verlustig thail auf besserung und erhebung der aberhalten guetter gelegt,
                    kann er Ihme Zuerstatten nit begehren, vielweniger was er auf Ziergarten,
                    gemäll, füerneuß oder dergleichen unnottwendig lustgebeu gewendt. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.37"> [Buch I Titel 36 § 37]<lb/> § 37 Die guetter aber so er
                    darzu erkaufft, oder durch andere rechtmessige ankonfft und Titl an sich
                    gebrachtt, sollen Ihme billich bleiben. </p>
        <p xml:id="NA.1.36.38"> [Buch I Titel 36 § 38]<lb/> § 38 Entgegen so in hangendem
                    stritt von denen beclagten Guettern was geverlicher weiß alienirt und verwendt,
                    oder solche aus nachlessigkait von seinen handen komben lassen, dieselben ist er
                    ainen weeg als den andern, dem obsiegundten thaill einzuraumben oder guett
                    Zumachen schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1.37">
        <head>[ Buch I Titel 37]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0004&amp;page=356">SlgChor. Faksimile</ref>] Der 37. Tittl. Vonn Restitutionen. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.37.1"> [Buch I Titel 37 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die Restitutionen
                    darumben vielfältig (<ref
            target="#Handschrift_97">fol. 97</ref>) angelangt
                    werden ein weißlichs Regal, unns auch als herrn und Landtsfürsten aus haben der
                    volmachtt ohn mittl Zusteet, iedoch die weill die Rechten denen wachenden und
                    nit den schlaffenden Zu hülff Komben, auch die aigentlich erfahrung Zuerkennen
                    gibt, das sich die aufzigigen Parteÿen mehrmals auf solche extra ordinari hüelff
                    verlassen, und dem ordinari weg des Rechtens umb soviel leßlicher außwarten. Zu
                    dem es sich mehrmals Zutregt, was ainer mit schwerenn darlegen etlich viel Jhar
                    erhalten, das Ihme solches durch die Restitution unter ainsten abgestrickt
                    wirdt. <pb n="Edition 2015 S. 108"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.37.2"> [Buch I Titel 37 § 2]<lb/> § 2 Demnach damit sich niemandts
                    solcher Landtsfürstlicher gnaden hinfurahn Zu mißbrauchen hab, seindt wir auß
                    sondern genedigen Wohlmainen dahin bedachtt, und entlich entschlossen, das wir
                    Kunfftig in ainige Restitution ainer versambten verfahrung, Weisung Schubs oder
                    anderer dergleichen verschlafnen sachen nit willigen wellen, seÿ dann Zuvor des
                    Supplicanten gegentail mit seinem berichtt uber die begertt restitution auch das
                    Gericht vor welchem dieselb handtlung erster Instantz schwebt, sambt unserer
                    Landtsfürstlichen nachgesetzten Obrigkait der Niderösterreichischen Regierung,
                    mit guetbeduncken daruber vernomben, Auf welches alles alßdann an unserem
                    Kaÿserlichen Hoff schließlich deliberiert unnd erkendt solle werden, ob die
                    begehrt restitution, der billigkait nach statt habe oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.1.37.3"> [Buch I Titel 37 § 3]<lb/> § 3 Es solle auch hinfuhran ainige
                    Restitution nit bewilligt werden, Es were dann die fürgebracht verabsaumbnus mit
                    verstendigen gegründten und rechtmessigen ursachen erleuttert, purgiert und
                    bescheinet. </p>
        <p xml:id="NA.1.37.4"> [Buch I Titel 37 § 4]<lb/> § 4 Doch wöllen wir unnß unsers
                    Cammerguets der Clöster, Kirchen, Spittaler, Siechheuser, Wittib, Waisen,
                    Pupillen, Munderihärigen, deren so umb gemeines nutzwegen und Rei publicae causa
                    abwesig seindt, desßgleichen der Armsehligen Leutt, so personae miserabiles
                    genent werden, auch anderer dergleichen in Rechten hochvergünstigten Persohnen
                    Rechttsachen und Handlungen, darinnen nach unserm genedigen willen, und
                    wohlgetzimbneter Landtsfürstlichen Volmacht Zu disponiren hiemit vorbehalten
                    haben. </p>
        <p xml:id="NA.1.37.5"> [Buch I Titel 37 § 5]<lb/> § 5 Komben uns aber etliche
                    bedenckliche fäll fur, darinnen ainige Restitution hinfuhran nit statt haben,
                    sonder ietzt alß dann gewaigert werden solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.37.6"> [Buch I Titel 37 § 6]<lb/> § 6 Erstlich wann ein Parteÿ auf
                    beschehene versaumung die Restitution alßbaldt und re integra nit wirbt, sonder
                    die sachen Zu ordentlicher verabschiedung Komben lest, und verlustig wirdt, so
                    solle derselben Parteÿen die Appellation als der ordentlich weg und nit die
                    restitution bevorstehen, da aber solche (<ref target="#Handschrift_98">fol.
                        98</ref>) erkandtnuß Zu crefften gesprochen wirdt, mag umb die Restitution
                    auß billichen mitlauffendtenn ursachen gebeten werden. </p>
        <p xml:id="NA.1.37.7"> [Buch I Titel 37 § 7]<lb/> § 7 Inn hangentem Appellation
                    standt solle niemandts umb ainige restitution der gedingten sachen anhalten,
                    dann die ordinari und extra ordinari hüelf können nit Commerciern und mit
                    einander statt haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.37.8"> [Buch I Titel 37 § 8]<lb/> § 8 Zum andern wann ein Parteÿ
                    nach erindertem Abschiedt die Appellation umbgehet, und die euserist execution
                    wider sich lauffen lest, so solle die restitution ferrer nit statt haben,
                    Angesehen daß solchem beschwertem tail Zu appeliren oder die restitution
                    Zubegehren bevor gestanden. <pb n="Edition 2015 S. 109"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.1.37.9"> [Buch I Titel 37 § 9]<lb/> § 9 Zum dritten Wann abschiedt
                    uber abschiedt ergehet so solle nach doppelter erkantnuß die restitution uber
                    den ersten Abschiedt nit mehr statt haben, </p>
        <p xml:id="NA.1.37.10"> [Buch I Titel 37 § 10]<lb/> § 10 Zum Vierten Wann sich der
                    beschwert taill nach beschehener Condemnation in einen solchen Act einließ,
                    dadurch er den Abschiedt ratificiert unnd becrefftigt, so solle dieselb Parteÿ
                    ainiger restitution ferrer nit fehig sein, Alls wann sich der verlustig thaill,
                    der betzahlung selbst anbieten, oder dieselb aines tails voltziehen thett. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.37.11"> [Buch I Titel 37 § 11]<lb/> § 11 Ob aber die Restitution mit
                    oder ohne betzahlung (<ref target="#Handschrift_98">fol. 98v</ref>) der expens
                    retardati processus beschehen solle, Darinnen wöllen wir alle Zeit obbemelter
                    Unser Niderösterreichischen Regierung guett bedunckhenn gewertig sein, und unns
                    darüber alles billichkait gemeß auf einen oder den andern weeg disfals
                    austruckenlich resolvieren. </p>
        <p
            xml:id="NA.1.37.12"> [Buch I Titel 37 § 12]<lb/> § 12 Da auch ainer Parteÿen sein
                    sachen durch seinen Gewalttrager, Procuratorn oder Sollicitatorn verabsaumbt
                    oder verschlafen, und derselbenn die Restitution auß billichen bewegenden
                    Ursachen gewaigert wirdt, so solle solcher Parteÿen dennoch bevorstehen, sein
                    erlittne schäden durch ordentliche weeg und Clag, beÿ gedachtem seinen
                    Gewalttrager, Procurator oder Sollicitator wie sich gebüert und recht ist,
                    Zuersuchen. <pb n="Edition 2015 S. 110"/>
        </p>
        <p>[neues Blatt] (<ref target="#Handschrift_100">fol. 100</ref>) </p>
        <p
            xml:id="NA.2"> [Buch II]<lb/> Das ander puch etc. Von allerlei conträcten
                    gedingen und verpintlichen handlungen. (<ref target="#Handschrift_101">fol.
                        101</ref>) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.1">
        <head>[Buch II Titel 1]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=11">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der erst titl. Von kaufen und verkaufen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.1"> [Buch II Titel 1 § 1]<lb/> § 1 Denen eltern sollen ihrer
                    eheleiblichen Kinder frei aigenthumbliche haab und gueter (welche sie ererben
                    oder durch andere rechtmessige weeg bekomben und bona adventicia castrensia vel
                    quasi castrensia genant werden) zu verkaufen unverwehrt sein. da sie aber
                    solcher gueter ordentliche gerhaben verordnet werden, oder dieselben biß auf
                    ermelter ihrer Kinder vogtbarkeit durch heüratsabredt, letzte willen oder in
                    ander weeg zu geniessen hetten, so sollen derlei keuf ohn vorwissen der negsten
                    befreundten und bewilligung des gerichts nit creftig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.2"> [Buch II Titel 1 § 2]<lb/> § 2 Ein ehemann mag seiner
                    ehefrauen desgleichen die ehefrau ihres haußwirts haab und güetter wohl
                    erkaufen, dann die contract und verbintlichen handlungen sein denen ehe- und
                    conleuten zugelassen (<ref target="#Handschrift_101">fol. 101v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.2.1.3"> [Buch II Titel 1 § 3]<lb/> § 3 Wann ein ehemann seiner
                    ehefrauen zugebrachte heuratliche ligünde haab und gueter so res dotales genant
                    werden verkaufen wolt, solle dieses, obgleich die ehefrau darinnen verwilligt,
                    auß sondern beweglichen ursachen verbotten sein. wann er aber aus dem uberigen
                    res paraphernales genant, was verhandlet und solches mit seiner ehefrauen guetem
                    wissen und willen beschech, so ist solcher kauf creftig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.4"> [Buch II Titel 1 § 4]<lb/> § 4 Einem gerhaben solle seines
                    pupillen haab und gueter mit volgender maß und gelegenhait zu erkaufen
                    ânverboten sein: nemblichen und fur das erst, das solches palam et bona fide mit
                    vorwissen der negsten befreundten beschehe, dann da sie in den kauf einstehen
                    wolten, solle ihnen solches bevorstehen. <pb n="Edition 2015 S. 111"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.1.5"> [Buch II Titel 1 § 5]<lb/> § 5 Am andern, daß solcher verkauf
                    aus unvermeitlicher nottuft fürgenomben und dessen dem gericht glaubwurdiger
                    schein fürgebracht, auch alßdann darein verwilligt werde. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.6"> [Buch II Titel 1 § 6]<lb/> § 6 Zum dritten das der mitgerhab
                    in solchem verkauf bewillige und denselben mit seiner authoritet ratificier. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.7"> [Buch II Titel 1 § 7]<lb/> § 7 Zum vierten, das dieselben
                    gueter durch unparteüsche commissari oder geschworne persohnen geschätzt werden
                        (<ref target="#Handschrift_102">fol. 102</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.2.1.8"> [Buch II Titel 1 § 8]<lb/> § 8 Zum funften das der gerhab
                    solches guet eben in dem werth annembe, welcher ein anderer auch uber die
                    schäzung darumben geben wolt. doch sollen hierinnen geverliche staigerung, so
                    etwo die negsten befreundten aufwiglen und expracticiern möchten, umbgangen
                    werden und Keinesweegs nit statthaben. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.9"> [Buch II Titel 1 § 9]<lb/> § 9 Zum sechsten das der gerhab die
                    Kaufsumma seinem mitgerhaben straks nach beschloßnem und approbirtem Kauf in
                    barem gelt zustelle und nit erst zu zeit der raittung richtig mache, oder
                    entzwischen seinem mitgerhaben umb die Kaufsumma einen schultbrief gebe. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.10"> [Buch II Titel 1 § 10]<lb/> § 10 Die gerhaben sollen ihrer
                    pupillen und minderjärigen ligende haab und gueter ohn vorwissen und zugeben der
                    obrigkait nit verkaufen, sonder sich allezeit um ainen gerichtlichen wilbrief
                    zum verkaufen bewerben. dergleichen solle auch beschehen, wann sich die
                    inventierten varunden haubtgueter sament oder sonders verkaufen wolten. was aber
                    die haubtgueter järlichen ertragen, dieselben frücht und nuzbarkeit mögen sie
                    als rechtmessige administratorn ân der obrigkait consens wohl alieniren, dann es
                    wirdt beschwerlich fallen aines ieden verkaufs halben das gericht zu behelligen,
                    sonderlich weil sie umb ihr administration geburliche verantwortung und raitung
                    thain muessen (<ref target="#Handschrift_102">fol. 102v</ref>). </p>
        <p xml:id="NA.2.1.11"> [Buch II Titel 1 § 11]<lb/> § 11 Ein gerhab mag in wehrender
                    und nach abgelegter tutel seine gueter wohl verkaufen; wann er aber seinen
                    pupillen von wegen der administration in abtrag erkent worden, Kunnen seine
                    gueter nit verwendt werden, es wolle dann der kaufer die büert der hypotekh so
                    der pupill darauf hat uber sich nemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.12"> [Buch II Titel 1 § 12]<lb/> § 12 Wann ein testamentlicher
                    executor oder außrichter eines letsten willens auß des verstorbnen verlassung
                    selbst was erkaufen wolt, solle ihme solches eben mit denen conditionen und
                    gelegenhaiten, so obens der gerhaben halben verordnet worden, zugelassen sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.13"> [Buch II Titel 1 § 13]<lb/> § 13 Ein gewalttrager soll seines
                    principalens haab und gueter ausser eines besondern specialgewalts nit
                    verkaufen, es were dan sein volmacht so starkh und ausführlich, das ihme das
                    verkaufen in seinem habenden generalgewalt austrüklichen zugelassen. <pb n="Edition 2015 S. 112"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.1.14"> [Buch II Titel 1 § 14]<lb/> § 14 Die geistlichen praelaten
                    und inhaber der geistlichen gueter sollen kein ligents haab und guet ausser
                    unser als lantsfürsten und herrn besondern consens zuverkaufen macht haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.15"> [Buch II Titel 1 § 15]<lb/> § 15 Also auch kein järliches
                    einkomben oder andere recht und gerechtigkaiten, als lehenschaften vogteien
                    zehent perkrecht wildpan vischwasser und (<ref target="#Handschrift_103">fol.
                        103</ref>) was dergleichen mehr ist, dann derlei jura incorporalia werden
                    den ligenden guetern verglichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.16"> [Buch II Titel 1 § 16]<lb/> § 16 Gleicher gestalt sollen
                    unsere vasalln und lehensleut die lehengueter oder derselben ein- und
                    zugehörung, so von uns zu Lehen rühren, ausser vorgehunder aufsantung und unsers
                    darauf ervolgten consens nit verkaufen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.17"> [Buch II Titel 1 § 17]<lb/> § 17 Wiewohl die geschribenen
                    rechten vermögen, wann einem nachbarn ein liegent guet fail ist, das ers seinem
                    benachtbarten vor andern ervolgen lassen solle, iedoch weill dem lantsbrauch
                    nach ein ieder mit seinem guet frei ist, solle kein lantmann dahin verbunden
                    sein, sonder ihme bevorstehen sein guet nach seinem verlangen zuverkaufen wem er
                    wiel. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.18"> [Buch II Titel 1 § 18]<lb/> § 18 Ein erb mag nach beschehener
                    antretung der erbschaft die erbgueter wohl verkaufen, es weren dann dieselben
                    des erbrechts halben strittig und rechtsanhengig. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.19"> [Buch II Titel 1 § 19]<lb/> § 19 Wann ein guet commun und
                    gemain ist, so solle keiner seiner mitverwanten gebürenden tail neben dem
                    seinigen ohn ihr vorwissen und bewilligung verkaufen, beschehe es aber, so kann
                    der kauf der ubermaß halben nit bestehen. und obgleich der maiste tail aus denen
                    consorten darein consentiert und sich nur ein einiger mitgenoß dessen (fol 103v)
                    waigert, so solle dennoch der Kaufbrief so viel sein gebürnus anlangt nit bindig
                    sein. da aber ein solcher consort seinen tail allein verkaufen wolt, solt ihme
                    solches nach ervolgter ordentlicher thailung unverwehrt sein, doch das er sein
                    portion seinen mitverwanten für andern anfail; und wo solcher anbietung
                    beschicht, solle der welcher den mehrern tail am guett hat, denen andern so
                    weniger haben, in Kauf fuerziehen, da aber die thail gleich wehren, stehet in
                    des verkaufers wilkhüer, wem ers auß ihnen ervolgen wölle lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.20"> [Buch II Titel 1 § 20]<lb/> § 20 Was ein pupil und
                    minderjäriger ohn vorwissen seiner gerhaben oder curatorn von seinen guetern
                    verkauft, das kann für ainen creftigen kauf nit bestehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.21"> [Buch II Titel 1 § 21]<lb/> § 21 Gleichsfals wann einer ein
                    vergweltigsts entweder abgetrungenes spoliertes haab und guet kauft, so ist der
                    kauf nichtig. <pb n="Edition 2015 S. 113"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.1.22"> [Buch II Titel 1 § 22]<lb/> § 22 Also auch da mann
                    entfrembdts guet kauft, ungeacht das der keufer der untren und entfrembdung kain
                    wissen hette. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.23"> [Buch II Titel 1 § 23]<lb/> § 23 Welcher ein frembdes guet
                    kauft, der ist dasselb dem rechten aigenthumber auf sein begehren abzutreten
                    schuldig, doch stett ihme der regres gegen seinem verkaufer bevor. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.24"> [Buch II Titel 1 § 24]<lb/> § 24 Welcher auch ainem
                    unwissenden ein frembdes guet verkauft, demselben mags der kaufer, ehe und zuvor
                    er nit rechten darumben furgenomben würdt, wider haimbgeben und abtrag seines
                    erlitnen schadens begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.25"> [Buch II Titel 1 § 25]<lb/> § 25 Welche gueter ein
                    fideikommiss oder erblichen widerfall auf ihnen haben, die sollen keinesweegs
                    verkauft noch in ander weg verwendt werden, geschech es aber, so mag die persohn
                    auf welche der widerfall gestelt nach entstandnem widerfall das verkauft guet
                    gegen erlegung der kaufsumma wider vendiciern und an sich bringen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.26"> [Buch II Titel 1 § 26]<lb/> § 26 Die litigios kriegbaren und
                    rechtanhengigen haab und gueter sollen in wehrendem stritt vor austrag der
                    sachen nit verkauft werden. welcher aber umb solchen stritt wist und dennoch
                    dasselb strittig guet erkauft, der soll vermüeg geschribener rechten die
                    kaufsumma verwirkt haben und dieselb unserm Fisco ohne mitl heimbstellen und
                    verfallen sein. doch solle solches auf den fall verstanden werden, wann mann umb
                    der gueter aigenthumb kriegt, dann die possessoris stritt machen kein guet
                    litigios noch unverwendlich. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.27"> [Buch II Titel 1 § 27]<lb/> § 27 Wann ein erb auß
                    unzerthailter erbschaft ein guet erkauft, so haben seine miterben keinen tail
                        (<ref target="#Handschrift_104">fol. 104v</ref>) am guet, umb ihr geburendes
                    gelt aber mögen sie den kaufer wohl furnehmen. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.28"> [Buch II Titel 1 § 28]<lb/> § 28 Seine schulden mag ein ieder
                    nach seiner gelegenhait verkaufen, obgleich der schuldner nit darein verwilligen
                    wolt; also auch realisch recht und gerechtigkait. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.29"> [Buch II Titel 1 § 29]<lb/> § 29 Golt silber und pergament
                    solle niemant aufkaufen noch aus unsern landen verführen bei poen und straf,
                    welche in denen deßhalben außgangnen generalen verleibt sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.30"> [Buch II Titel 1 § 30]<lb/> § 30 Keinen außlender frembder
                    nation, wer und was stands der sei, so unsern nidern und ober-österreichischen
                    landen nit zugethan, solle ainiges lantherrn oder edelmanß guet in diesem unsern
                    erzherzogthum Österreich gelegen ohne besondern unsern und einer ersamben
                    lantschaft consens willen und bewilligung nit angefailt oder verkauft, noch auch
                    in bestant satz- oder pfantschillingsweise verlassen, gleichfals auch in unserer
                    statt Wienn heuser zu verkaufen ohn sondere stattliche wichtige ursachen
                    Keineswegs gestatt werden. wo aber <pb
            n="Edition 2015 S. 114"/> solches
                    hierüber beschech, solle ein ieder solcher contract Kaufbestand satz oder
                    pfantschilling an ihme selbst unbündig craftloß und nichtig sein und noch darzu
                    gegen den ubertretern mit sonderer straff furgefahren werden, als ver(<ref target="#Handschrift_105">fol. 105</ref>)mueg unsers außgangen general,
                    deren datum den 20. augusti im 65. jar. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.31"> [Buch II Titel 1 § 31]<lb/> § 31 Die kaufsabredt haben keine
                    gewisse maß noch stäten formb sonder stehen in des verkaufers und kaufers
                    freihen wilkühr, wie dann sonsten in allen verbintlichen handlungen der
                    contrahenten vergleichner weil und beschlossener mainung fur ein satzung zu
                    halten und davon nit zu schreiten, da aber eins oder des andern articels bei der
                    Kaufshandlung nit gedacht wirdt, solle es mit denselbigen nach gemeinem
                    lantsbrauch, oder wo disfals keiner verhanden, der geschriebnen rechten decision
                    gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.32"> [Buch II Titel 1 § 32]<lb/> § 32 Wann der verkaufer mit
                    ubergebung der verkauften gueter nach empfangener völliger kaufsumma geverlicher
                    weise saumbig were, so soll er dem kaufer allen destwegen erlidtnen schäden nach
                    erkantnuß des gerichts abzutragen schuldig sein. da er aber der kaufsumma nit
                    volkombentlich habhaft worden, stehent ihme die gueter pro rata des ausstendigen
                    gelts dem erkaufer vorzubehalten bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.33"> [Buch II Titel 1 § 33]<lb/> § 33 Gleicher gestalt wann der
                    verkaufer dem kaufer daß verkauft guet volkommentlich eingeraumt und tradiert
                    hatt, aber der Kaufer mit der bezahlung ainer oder der andern abgeredten wehrung
                    verzigig wehre, so solle er dem verkaufer die gebürlich verzinsung von dato des
                    erzaigten saumbsales neben der haubtsumma zu raichen schuldig sein, dann (<ref target="#Handschrift_105">fol. 105v</ref>) es wehre der naturlichen
                    billigkait zuwider, das der kaufer guet und gelt miteinander ohn verzinsung
                    brauchen und seines geverlichen verzugs genieß empfahen solle. deßgleichen soll
                    er dem verkaufer allen uncosten, welcher ihme zu einbringung der kaufsumma
                    auferlassen, nach billichen dingen erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.34"> [Buch II Titel 1 § 34]<lb/> § 34 Da aber der verkaufer ihme
                    kaufer am verkauftem guet oder kaufbriefen urbaren gruntbüchern oder dergleichen
                    briflichen uhrkunden etwas der kaufabredt zuwider verhielt oder sich der
                    schermung waigert, so mag der kaufer die Kaufsumma innen behalten oder bei
                    gericht in verbott legen, der solle auch daselbst so lang verbleiben, biß er
                    kaufer seiner habenden mängl von seinem verkaufer allerdings contentirt werde. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.35"> [Buch II Titel 1 § 35]<lb/> § 35 Wann in den kaufsanschlag
                    unrichtige und strittige güeter begriffen, welche der verkaufer seinem kaufer
                    nit tradiern noch uberliefern kann, so ist der kaufer die vollige kaufsumma
                    seinem verkaufer zu bezahlen nitt schuldig, sonder mag so viel an der kaufsumma
                    innen behalten oder bei gericht in verbott legen, als <pb n="Edition 2015 S. 115"/> derselb guetanschlag pro rato betrift, es were
                    dann sach das der kaufer dieser mängellt bei der kaufsabredt erinnerung
                    empfangen und sich derselben ausdruklich begeben oder die schermung guetwillig
                    uber sich genumben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.36"> [Buch II Titel 1 § 36]<lb/> § 36 Was einem erkauften ligenden
                    guet nach beschloßner (<ref target="#Handschrift_106">fol. 106</ref>)
                    kaufshandlung mit wassergueß fruchten oder in ander weeg zustehet, das gehört
                    dem kaufer und nit dem verkaufer zue. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.37"> [Buch II Titel 1 § 37]<lb/> § 37 Wann ein kaufer vor
                    bezahlter kaufsumma umb das erkauft guet furgenomben wirdt, so ist er dem
                    verkaufer die kaufsumma von handen zu geben nit schuldig, es were dann der
                    verkaufer umb disen stritt angesessen oder er versichert dem kaufer umb Könftige
                    schadloßhandlung mit genuegsamber burgschaft. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.38"> [Buch II Titel 1 § 38]<lb/> § 38 Die schäden, welche der
                    verkaufer dem kaufer unbilliches verzugs halben wie oben vernomben abzutragen
                    schuldig, die sollen nit nach seiner affection oder aestimation, sonder wie es
                    der gemein lantleuftige wert vermag, auch nach der zeit gelegenhait, da sich der
                    schaden begeben gemessiget werden. da nun einem ein erkauftes traid zu
                    gebürlicher zeit nit geliefert wirdt und dasselb hernach aufschlagen thett, soll
                    dem kaufer der wert zur zeit des angehenden verzugs gangen und gar nit die
                    ubermaß, so hernach zur zeit der clag aufgeschlagen, ergözt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.39"> [Buch II Titel 1 § 39]<lb/> § 39 Der verkaufer ist dem kaufer
                    ein freies ledigs gueth einzuantworten schuldig. derwegen wo das verkauft guet
                    mit pfandschaften dienstbarkeiten oder andern dergleichen burden und servituten
                    beladen, mag der kaufer aintweder umb abledigung derselben clagen oder an der
                    kaufsumma ainen (<ref target="#Handschrift_106">fol. 106v</ref>) nachlaß nach
                    gelegenhait solcher auf dem guet liegenden beschwerung quanto minoris actione
                    begehren, es were dann sach das der kaufer solcher bürden bei der kaufsabredt
                    erinnert worden und dieselb uber sich genomben. wo aber der verkaufer solche
                    stillschweigent verhalten, so Kunnen sie den kaufer nit aufgebunden werden es
                    wehren dann steur perkrecht gruntdienst und dergleichen realische onera, welche
                    vom grunt selbst herrüeren, dann dieselben volgen dem inhaber nach. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.40"> [Buch II Titel 1 § 40]<lb/> § 40 Wann der verkaufer dem
                    kaufer die bürden so auf dem grunt ligen, als perkrecht gruntdienst oder
                    dergleichen functionen, ungleich und weniger als järlich geraicht mueß werden,
                    anzaigt so solle dem kaufer bevorstehen umb solchen schaden quanto minoris
                    actione zu clagen und die ubermaß der kaufsumma, welche (da er der sachen recht
                    bericht worden, umb das guet nit geben hette) wider zuerholen. <pb n="Edition 2015 S. 116"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.1.41"> [Buch II Titel 1 § 41]<lb/> § 41 Wan ein lantguet verkauft
                    worden, so gehört die varunt hab in solchen kauf nit, es hetten sich dann die
                    contrahenten derselben austruklich verglichen, also auch kain waid- noch
                    arbeitviech. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.42"> [Buch II Titel 1 § 42]<lb/> § 42 Gleicherweise gehören die
                    abgenombenen und auf dem feld liegenden frucht, als abgeschnittens traid hew und
                    dergleichen fexungen, wo dieselben in der kaufsabredt nit expresse begriffen, in
                    kainem kauf; (<ref target="#Handschrift_107">fol. 107</ref>) die stehenden und
                    ungefexten frucht aber, weil sie pars fundi sein, volgen dem kaufer billich, eß
                    hett ihms dann der verkaufer austrukentlich vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.43"> [Buch II Titel 1 § 43]<lb/> § 43 Also stehet auch kainem
                    kaufer alle realische dienstbarkeit als weg stegrecht viechtrieb planab gesuch
                    und dergleichen servituten, so von guet herrüeren, obschon davon nichts
                    gehandelt worden, billich zu. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.44"> [Buch II Titel 1 § 44]<lb/> § 44 Der ein aigenes guet zweien
                    underschietlichen kaufern verkaufet, begert damit einen falsch und soll darumben
                    gestrafft werden; dem thail aber solle das guet bleiben, welcher die würkliche
                    tractation auß ihnen am ersten bekomben, der ander mag den verkaufer umb seine
                    erlittene schäden fürnehmben. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.45"> [Buch II Titel 1 § 45]<lb/> § 45 Welcher dem andern ainen auf
                    zusagt und denselben gar nit helt, der ist den schaden nach billichen dingen
                    abzutragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.46"> [Buch II Titel 1 § 46]<lb/> § 46 Wann der kaufer seinen
                    verkaufer nit zu bezahlen hatt, so kann er ihme wider seinen willen und
                    gelegenhait das verkauft guet nit haimbgeben noch ihme mit seinem aigen guet
                    zahlen; also auch wann der verkaufer mit der bezahlung aufgehalten wirdt, so mag
                    er daß verkauft guet wider des verkaufers gelegenhait nit begehren, sonder soll
                    umb bezahlung der kaufsumma clagen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.47"> [Buch II Titel 1 § 47]<lb/> § 47 Die kaufhendl erstrecken
                    sich auf des verkaufers und kaufers erben, obgleich derselben in der kaufs(<ref target="#Handschrift_107">fol. 107v</ref>)abredt oder denen kaufbriefen nit
                    gedacht worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.48"> [Buch II Titel 1 § 48]<lb/> § 48 Wann der verkaufer seinen
                    kaufer einen solchen mangel unguet oder schaden an verkauftem verhelt, welcher
                    den kaufer, da er desselben erinnerung gehabt, von den kauf abgehalten, so
                    stehet dem kaufer bevor von dem kauf gar abzustehen und das mangelhaftig stuckh
                    oder guet dem verkaufer widerrumb haimbzustellen. da aber der kaufer solches
                    mangelhaftig guet einen weeg als den andern nit geschehen, sonder von wegen des
                    mangls allein im geringen wert angenomben het, so solle ihme dennoch bevorstehen
                    das erkauft guet zu behalten und seinen verkaufer uber die ubermaß quanto
                    minoris actione furzunemben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.49"> [Buch II Titel 1 § 49]<lb/> § 49 Wann der kaufer die gueter
                    inmassen im kaufsanschlag begrifen nit erfragen noch derselben habschaft werden
                    kann, so mag er ein ordentliche <pb n="Edition 2015 S. 117"/> bereitung an sein
                    entgelt begehren, deren ist ihme der verkaufer stattzuthuen und die verkauften
                    gueter auf seinen aigen uncosten richtig zu machen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.50"> [Buch II Titel 1 § 50]<lb/> § 50 Wann dem erkauften guet nach
                    beschehener einantwortung und tradition mangel schaden oder gevar durch prunst
                    wassergueß ungewitter feints not oder dergleichen unfall zusteet, so mueß
                    solchen erlittnen schaden der Kaufer allein tragen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.51"> [Buch II Titel 1 § 51]<lb/> § 51 Deßgleichen da der kaufer
                    saumig were und das (<ref target="#Handschrift_108">fol. 108</ref>) erkauft guet
                    zu bedingter zeit nit annemben wolt, so soll ihme nach seinem geverlichen
                    verzueg aller schaden abliegen; also auch wann der verkaufer die einantwortung
                    zu beschloßner und gebürlicher zeit nit thett, mues er allen hernach ervolgten
                    schaden biessen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.52"> [Buch II Titel 1 § 52]<lb/> § 52 Die beschloßnen
                    kaufshandlungen kunnen nit revociert werden, allein es geschehe mit baider
                    contrahenten guetem und freuem willen. und da gleich der verkaufer doppelte
                    kaufsumma dem kaufer zu reukauf widerrumb geben wolt, dennoch ist er wider
                    seinen willen von dem kauf abzustehen nit schuldig. (<ref target="#Handschrift_108">fol. 108v</ref>) </p>
        <p xml:id="NA.2.1.53"> [Buch II Titel 1 § 53]<lb/> § 53 Welcher verkaufer an der
                    kaufsumma ultra dimidium justi praetii gevait und uber den halben thail des
                    rechten und lantleufigen werts seines verkauften guets verforthailt worden, der
                    mag sein verkauft guet gegen heraußgebung der ungleichen geringen kaufsumma
                    wider begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.54"> [Buch II Titel 1 § 54]<lb/> § 54 Wiel ihme aber der kaufer
                    die ubermaß des rechten werts erstatten, so ist der verkaufer dieselb anzunemben
                    schuldig, dann die wahl stehet in diesem fall nach ordnung der rechten bei dem
                    kaufer und nit dem verkaufer. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.55"> [Buch II Titel 1 § 55]<lb/> § 55 Wann sich aber die befahrung
                    nit auf oder uber halben tail der rechtens werts erstrekt sonder etwas
                    schlechter und und weniger ist, so kan der verkaufer ungeacht das er bevorthailt
                    worden von dem kauf nit stehn. ob auch ein guet umb rechten oder unzimblichen
                    werth verkauft worden, in dem solle die gegenwertig zeit des getrofnen kaufs und
                    nit die vor oder nachlaufent angesehen werden, dann die gueter schlagen auf und
                    ab nach gelegenhait der zeit. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.56"> [Buch II Titel 1 § 56]<lb/> § 56 Wann etwas nach der maß, als
                    joch viertl oder dergleichen, (<ref target="#Handschrift_109">fol. 109</ref>)
                    verkauft wirdt, und sich weniger befindt dann anzaigt worden, so ist der
                    verkaufer die ubermaß der kaufsumma herauszugeben schuldig, wirdt aber mehrers
                    befunden, so erstatt der kaufer die ubermaß billich. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.57"> [Buch II Titel 1 § 57]<lb/> § 57 Wann der Verkaufer den
                    kaufer nit allein an der kaufsumma sonder mit der ganzen kaufshandlung gewärt,
                    so Kann der kauf nit bestehen, dann der betrueg ist denen contracten so bonae
                    fidei seind zuwider. <pb n="Edition 2015 S. 118"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.1.58"> [Buch II Titel 1 § 58]<lb/> § 58 Es solle kein kauf under dem
                    schein revociert werden, das der verkaufer auß unvermeitlicher dringeter schult
                    oder anderer notturft sein haab und guet weniger als es werth verkaufen muessen,
                    dann die verkauf sein pur lauter wilkühr. also were auch zu widerrufung des
                    kaufs nit genuegsamb, da der verkaufer anzeigt, er hette seines verkauften guets
                    aigentlich werth nit gewist, dann schimpflich das einer in facto proprio irren
                    solt. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.59"> [Buch II Titel 1 § 59]<lb/> § 59 Von wegen aines unbedingten
                    leütkaufs solle kein rechtmessiger kauf widerruft werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.1.60"> [Buch II Titel 1 § 60]<lb/> § 60 Obwohl ein ieder kauf auf
                    bares gelt zu schliessen, iedoch wann man hernach für das gelt andere sachen dem
                    verkaufer mit seinem gueten willen in solutum gibt, bringt solches dem kauf
                    keinen mangl. (<ref target="#Handschrift_109">fol. 109v</ref>) </p>
        <p xml:id="NA.2.1.61"> [Buch II Titel 1 § 61]<lb/> § 61 Wann ein gruntherr ainen
                    grunt von wegen ausstendiger herrndienst mit eines unparteiischen nidergesezten
                    gedings erkantnus einzeucht so sollte dem voringen inhaber oder desselben erben
                    gegen erlegung der billichen kaufsumma der vorkauf bevorstehen; da er aber
                    denselben re integra nit begehret und erst hernach in den kauf einstehen auch
                    einen frembden kaufer davon stossen wolt, solle ihme solches nit gebilligt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.62"> [Buch II Titel 1 § 62]<lb/> § 62 Wann der verkaufer bei der
                    kaufsabredt die ausstendigen herrndienst gleich uber sich nemb, so solle solches
                    geding dem gruntherrn nit praeiudiciern, dann derlei ausstänt werden bei dem
                    kaufer als inhaber billich ersucht. </p>
        <p xml:id="NA.2.1.63"> [Buch II Titel 1 § 63]<lb/> § 63 Wann etwas beweglichs als
                    weinn traid oder dergleichen, verkauft worden, so ist der verkaufer nit schuldig
                    solches dem keufer zu lifern sonder der kaufer mues es selbst heben, es wehre
                    dann daß widerspiel gedingt worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.2">
        <head>[Buch II Titel 2]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=38">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der ander titl. Von vorbehalten
                    widerkaufen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.1"> [Buch II Titel 2 § 1]<lb/> § 1 Wann ainer sein guet verkauft,
                    so mag er (<ref target="#Handschrift_110">fol. 110</ref>) mit dem kaufer auf
                    einen widerkauf handlen, nemblichen da solches guet dem kaufer widerrumb fail
                    würdt, das es ihme verkaufer oder seinen erben vor allen wider erfolgen solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.2"> [Buch II Titel 2 § 2]<lb/> § 2 Ein widerkauf Kann eintweders
                    in des verkaufers oder in des erkaufers wülkühr gestelt werden. inn des
                    verkaufers willen wirdt es auf zweierlei weis gestelt: erstlich auf gewisse und
                    bedingte zeit, als funf, zehen, funfzehen jar oder dergleichen gemeßne zeit, zum
                    andern auf ein ungewisse zeit, nemblichen wann es ihme verkaufer gelegen so
                    solle ihme das erkauft guet wider keuflich erfolgen, in welchen fall der
                    verkaufer oder seine erben dem widerkauf innerhalb <pb n="Edition 2015 S. 119"/>
                    verjärter zeit und zwei und dreissig jaren begehren mögen in des erkaufers
                    wilkühr aber wirdt solches geding des widerkaufs am gemeinesten gestelt also und
                    dergestalt: wann ihme oder seinen erben das verkauft guet widerrumben uber kurz
                    oder lang fail würdt, das dem verkaufer oder seinen erben der widerkauf vor
                    andern bevorstehen solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.3"> [Buch II Titel 2 § 3]<lb/> § 3 Wann nun der widerkauf auf
                    gewisse jar beschlossen, so gehet die bedingzeit nit von dato der kaufs abredt
                    sonder erst nach der tradition und einantwortung des guets an; es stehet auch
                        (<ref target="#Handschrift_110">fol. 110v</ref>) dem verkaufer bevor den
                    widerkauf nit allein zu endt der verglichnen jaren sonder auch innerhalb
                    derselben zeit wann es ihme gefellig zu begehren, da er aber in solcher
                    ausgetragner zeit den widerkauf nit ersucht, so kann er nachmals davon
                    ausgeschlossen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.4"> [Buch II Titel 2 § 4]<lb/> § 4 Des verkaufers erben mügen das
                    verkauft guet widerrumb an sich lösen, wo gleich von ihnen in dem ersten verkauf
                    Kein meldung beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.5"> [Buch II Titel 2 § 5]<lb/> § 5 Es werden auch zu diesem
                    widerkauf nit allein des verkaufers not- und leibserben sonder auch seine
                    beiseits erben und testamentlichen successorn in craft des vorbehalten pacts
                    zugelassen. also auch hergegen seint des verkaufers bluetsfreund oder fremde
                    erben dem widerkauf stattzuthain schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.6"> [Buch II Titel 2 § 6]<lb/> § 6 Wann der verkaufer mehr erben
                    under sein verlest so kan einer an den andern den widerkauf nit begehren, es
                    wehre dan sach das sie mit einander thaileten und ainem aus ihnen solche
                    gerechtigkait allein zugethailt würdt; im fall sie aber unverthailt blieben, so
                    möchte ein erb den andern zu der widerlösung vermitlung des rechtens tringen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.7"> [Buch II Titel 2 § 7]<lb/> § 7 Da der kaufer viel erben under
                    ihme verließ und ainer daraus das verkauft guet beseß, so möcht er nit allein
                    umb seinen ererbten anthail sonder des ganzen guets widerkauf in solidum
                    furgenomben werden; wo aber die erben das erkauft (<ref target="#Handschrift_111">fol. 111</ref>) guet samentlich innen hetten,
                    sollen sie mit einander umb den ganzen widerkauf angesprochen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.8"> [Buch II Titel 2 § 8]<lb/> § 8 Wann sich der verkaufer und
                    kaufer bei der ersten kaufshandlung darinnen der widerkauf bedingt worden der
                    kaufsumma, so zur zeit der widerlösung außgezehlt werden solle, auf einen oder
                    den andern weg verglichen, so bleibt es bei der contrahenten wilkühr und
                    convention billich; da aber bei ermelten ersten kaufshandlung davon nichts
                    geschlossen wirdt, so vermügen die geschribenen rechten, das der verkaufer dem
                    kaufer nit mehr alß die erst summa, so er von ihme kaufer empfangen gewesen, zu
                    geben schuldig; dann da er ihme ein mehrers bezahlen muest, würde solches fur
                    einen würklichen contract gehalten. darbei wir es auß lantsfürstlicher volmacht
                    auch genedigist verbleiben lassen, es <pb n="Edition 2015 S. 120"/> were dan
                    sach das die gueter in stehender widerkaufs gerechtigkait in gemain
                    aufgeschlagen hetten, in welchen fall die kaufsumma bei dem letzten kauf billich
                    höcher und grösser als bei dem ersten nach gelegenhait derselben zeit sein soll. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.9"> [Buch II Titel 2 § 9]<lb/> § 9 Da der verkaufer sein verkaufts
                    guet in craft des vorbehaltnen widerkaufs widerrumb an sich lösen wolt, so soll
                    er den kaufer erstlich ersuchen und ihme die ganz kaufsumma unter einstem nit
                    mit plossem anbieten sonder barem gelt würklich erlegen. und so der kaufer
                    dieselb nit haben noch annemben wolt, so mag die kaufsumma verpetschiert unter
                    gericht (<ref target="#Handschrift_111">fol. 111v</ref>) erlegt werden. es solle
                    aber solche erlegung volkommentlich und ohn allen abgang beschehen, dann so an
                    der kaufsumma ein ainiger gulden abgieng, möchte der kaufer dem verkaufer das
                    ganze guet vorhalten, es wehre dann sach das der verkaufer solches nit mit vleiß
                    wißlich und bedechtlich sonder ohn gevär oder auß irrthumb des zehlens und
                    raitens gethann, so were ihme alßdann diser schlecht abgang ohn schaden. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.10"> [Buch II Titel 2 § 10]<lb/> § 10 Dise kaufsumma solle biß zu
                    austrag des strits bei gericht ligent verbleiben. dann wo der verkaufer solches
                    sein unterlegts gelt widerrumb von gericht hebt, so thuet er sich damit des
                    widerkaufs begeben und verzeihen. wann ers aber ungehebt bei gericht ligen lest
                    und den stritt des widerkaufs halben erhelt, solle ihme nit allein das haubtguet
                    sonder die abgenombenen frucht desselben guets von dato an des gewaigerten
                    widerkaufs billich ervolgen; doch solle der samen und andere notturftig
                    angewendt baucosten von solchen fruchten abgerait und herdan gezogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.11"> [Buch II Titel 2 § 11]<lb/> § 11 Wann ein aufer von wegen
                    angehender zeit der widerlösung die gueter fursezlich unerbant liegen ließ oder
                    dieselben ubl baut oder denselben zuviel aufsetzen thet, wie dann ein weingarten
                    mit dem schnit beschehen mag, so ist er dem ersten verkaufer allen erlitnen
                    schaden abzutragen schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.12"> [Buch II Titel 2 § 12]<lb/> § 12 Nach beschehener widerlösung
                    ist der kaufer welcher das guet wider an sich bringt dem verkaufer zu erstatten
                    schuldig: erstlichen so er fur ihne kaufer ausstendige herrnforderungen, als
                    steur zechent perkrecht gruntdienst und dergleichen, bezahlt hette, darunter
                    dann unsere lantfürstliche anlagen so auf die gueter geschlagen werden auch
                    gehörig; furs ander wo der verkaufer in zeit seines inhabens zu dem erkauften
                    guet ain dienstbarkait oder andere nuzbarkait gebracht hette, so solle ihme
                    dieselb bei der ablösung erstatt werden; zum driten wann der kaufer die gueter
                    seiner inhabung auf seinen uncosten erhebt und gebessert, solle ihme solche
                    melioration billich ergezt werden; doch solle dieses allein auf den costen,
                    welcher auf ein ewige oder bleibliche <pb n="Edition 2015 S. 121"/> nuzbarkeit
                    angelegt, verstanden werden, dann der costen so zu einbringung der frucht
                    aufgangen wirdt mit den jarlichen fruchten, deren der verkaufer vor der
                    widerlösung genossen, billich compensiert. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.13"> [Buch II Titel 2 § 13]<lb/> § 13 Es ist auch der verkaufer
                    vor völlicher entrichtung solcher besserung das guet abzutreten nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.14"> [Buch II Titel 2 § 14]<lb/> § 14 Und ob gleich der kaufer fur
                    sich selbst soviel, als der verkaufer gethan, in das guet nit gewendt hette, so
                    ist er dennoch dem verkaufer die besserung zu erstatten verbunden; doch das er
                    die maß des gewöhnlichs costens nit uber(<ref target="#Handschrift_112">fol.
                        112v</ref>)schritten, noch das guet dermassen uberschwenklich erbaut, das
                    der erst verkaufer die ablösung nit erschwingen sondern sich derselben wider
                    seinen willen verzeichen muest. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.15"> [Buch II Titel 2 § 15]<lb/> § 15 Die gueter, so von unsern
                    bistumben praelaturen pfarren beneficien und geistlichen stiftungen ausserhalb
                    unserer vorfahren löblicher gedächtnus oder unserm consens verkauft verpfendt
                    oder versezt worden, dieselben sollen zu ihren stiften davon sie herrüeren wider
                    gebracht werden, auch alle inhaber derselben gestiften gueter solchem widerkauf
                    und der ablösung statt zu thuen vermueg derhalben außgangener general schuldig
                    und verbunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.16"> [Buch II Titel 2 § 16]<lb/> § 16 Die verstandnen pfant mögen
                    auch auf widerlösung verkauft werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.17"> [Buch II Titel 2 § 17]<lb/> § 17 Wann in einem solchen auf
                    widerlösung verkauften guet ein schatz gefunden würdt, so gehört der halb thail,
                    soviel dem aigenthumb gebuert, dem verkaufer und der ander halb tail dem kaufer
                    zu. </p>
        <p xml:id="NA.2.2.18"> [Buch II Titel 2 § 18]<lb/> § 18 Wann ein guet auf
                    widerlösung verkauft wirdt, so stehett dem negsten blutsfreunden bevor,
                    innerhalb jarsfrist in solchen kauf einzustehen und künnen von dem verkaufer
                    ungeacht seins vorbehaltnen widerkaufs nit gespert noch gehindert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.2.19"> [Buch II Titel 2 § 19]<lb/> § 19 Wo der erkaufer ein solches
                    auf widerlösung erkauftes guet nit verkaufet sonder seinen leibsfreunden (<ref target="#Handschrift_113">fol. 113</ref>) so ihme ab intestato succedirten
                    verschaffet, so hat die widerlösung nitt statt, dann die paction der widerlösung
                    ist stricti juris und soll allein auf den verkauf und Keinen letzten willen
                    verstanden werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.3">
        <head>[Buch II Titel 3]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=49">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der drit titl. Von der gesipten freund
                    vorkauf so jus protomiseos genant wirdt. <pb n="Edition 2015 S. 122"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.3.1"> [Buch II Titel 3 § 1]<lb/> § 1 Wann einer ain liegents guet zu
                    verkaufens willens, soll er dasselb seinen negstgesipten bluetsfreunden
                    anzufailen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.2"> [Buch II Titel 3 § 2]<lb/> § 2 Im fall er aber denen
                    negstgesipten bluetsfreunden die anfailung obgemeltermassen nit thet und die
                    freund der verkaufung sonsten ihn ander weeg erindert würden, so bestehet ihnen
                    bevor, innerhalb jarsfrist von zeit der beschehenen erinderung und ihrer
                    wissenhait anzuraiten in den Kauf einzustehen; doch wo sie sich in solcher zeit
                    des einstands anbieten thetten, sollen sie hernach inner dreissig tagen die
                    negsten die kaufsumma erlegen, dann da sie sich innerhalb jarsfrist in den kauf
                    einzustehen nit anbieten (fol 113v) noch in obbemelten dreissig tagen die
                    kaufsumma erlegten, sollen sie weiter nit zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.3"> [Buch II Titel 3 § 3]<lb/> § 3 Die negsten bluetsfreund mögen
                    biß in den zecheten grad der sipschaft zu dem einstand gelassen werden, doch
                    solle alle zeit der negst in grad dem weidern bei dem kauf fürgehen; wann sich
                    aber der negste freund des verkaufs entschlieg, so mag alsdann der negst nach
                    ihme den kauf begehren. und wiewohl die eltern dem lantsbrauch nach ihre kinder
                    ab intestato nit erben, so sollen sie dennoch vor allen andern
                    collateral-freunden zu dem vorkauf ihrer kinder gueter nach altem herkomben
                    gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.4"> [Buch II Titel 3 § 4]<lb/> § 4 Wann mehr bluetsfreund dann
                    ainer allein verhanden und im gleichem grad der sipschaft seint, auch mit
                    einander den einstand haben wöllen, so sollen sie samentlich dazu gelassen
                    werden. iedoch wann ein guet unthailbar were und nit zertrent werden kunte,
                    möchte ein freund die andern mit barem gelt davon ablesen, da aber solche
                    ablösung in der zeit nit statt hette, sollen sie darumben lösen und sich also
                    das loß entschaiden lassen, es sollen auch die weibspersohnen von diesem
                    einstandrecht so wenig als die manßpersohnen außgeschlossen werden, doch bei dem
                    adl erst nach abgang des manstambens, dann alleweil der manstamben in leben,
                    bleiben die erbgueter bei demselbigen zu erhaltung des geschlechts und der
                    agnation gar billich. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.5"> [Buch II Titel 3 § 5]<lb/> § 5 Die unehelichen kinder mögen in
                    keinen kauf ihrer vermainten vätter gueter stehen, auch derselben kinder ob sie
                    gleich ehelich gebohren würden nit; weil sie aber das müeterlich auch ihre
                    mueterliche befreundten erben mögen, so stehet ihnen solcher mutterlichen
                    erbgueter halben der vorkauf bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.6"> [Buch II Titel 3 § 6]<lb/> § 6 Welcher sich des vorkaufs
                    einmahl begeben, der solle zu dem einstand ferrer nit gelassen werden. <pb n="Edition 2015 S. 123"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.3.7"> [Buch II Titel 3 § 7]<lb/> § 7 Wann zwen brüder oder
                    bluetsfreund ein guet, so commun und ihnen baiden zugehörig, ainer ainigen
                    persohn samentlich verkaufen thetten, so wirdt solches fur ainen
                    unverschaidentlichen kauf gehalten. Derwegen kan ihr kainer dem andern in kauf
                    stehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.8"> [Buch II Titel 3 § 8]<lb/> § 8 Der negst blutsfreund mag nit
                    allein von dem ersten andern und dritten sondern noch von einem weutern kaufer
                    das verkauff guet in craft des einstands recht an sich bringen doch das solches
                    vor verscheinung der rechtmessigen einstand zeit, so sich mit dem ersten kauf
                    angefangen hatt, nemblichen vor außgang des jars beschehe. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.9"> [Buch II Titel 3 § 9]<lb/> § 9 So der einstehent negste
                    befreund das guet durch den einstand an sich bringt und dasselb dem frembden
                    kaufer, welchen er zuvor (von) dem kauf ausgeschlossen, strachs widerrumben
                    ervolgen ließ, so mugen alßdann die negsten befreundten in solchen kauf
                    einstehn; wann aber der frembdt kaufer daz (<ref target="#Handschrift_114">fol.
                        114v</ref>) erkauft guet uber jarsfrist widerrumb verkauft, so mögen seine
                    negste bluetsfreund in den kauf nit einstehen, angesehen das solches kein
                    erbguet sonder aus frembden handen durch das kaufrecht an ihne komben. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.10"> [Buch II Titel 3 § 10]<lb/> § 10 So ein weiter freund mit dem
                    verkaufer oder kaufer dahin practiciert, daß sie ihme guet keuflich ervolgen
                    liessen, so möchte der nächner freund in den kauf stehen und ist nit schuldig
                    ihnen ausser der kaufsumma einigen ferrern uncosten abzutragen, es hette dann
                    der weiter freund den nächern zuvor guetlich angesprochen und bei ihme soviel
                    erhalten, das er sich des verkaufs begeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.11"> [Buch II Titel 3 § 11]<lb/> § 11 Wann ein ehemann ein guet so
                    sein aigen verkaufen wolt, so künnen seiner ehefrauen negste freund nit in kauf
                    stehen, dann sie sein nit bluetsfreund sonder nur schwäger, und als wenig die
                    schwagerschaft das erbrecht gibt so wenig gebüert sie auch das einstandrecht. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.12"> [Buch II Titel 3 § 12]<lb/> § 12 Der einstehent bluetsfreund
                    mag und soll sein gerechtigkait des einstands keinem frembden ubergeben, er kans
                    auch auf seinen testamentlichen erben, so ein frembder oder extraneus ist, ihme
                    auch ab intestato nit succediern kunt, nit transmittiern. da er aber sein
                    gerechtigkait dem negsten bluetsfreund nach ihm ubergab, so hatt solche cession
                    wohl statt ainen weitern freund aber (<ref target="#Handschrift_115">fol.
                        115</ref>) kann er sein jus in praejudicium deß nächern nit cediern. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.13"> [Buch II Titel 3 § 13]<lb/> § 13 Der erst kaufer mag das guet
                    so erkauft voraus vor außgang der einstandzeit ainen andern wohl verkaufen, dann
                    er ist desselben erkauften guets ein herr; es mag aber der negst freund des
                    ersten verkaufers von dem andern <pb n="Edition 2015 S. 124"/> kaufer nichts
                    weniger den einstand begehren, dann dise gerechtigkait des einstands geet nit
                    auf die persohn des kaufers, sonder auf das guet. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.14"> [Buch II Titel 3 § 14]<lb/> § 14 Alle erbgueter sollen nit
                    allein den negsten besipten grads verwanten, sondern allen bluetsfreunden
                    samentlich angefailt werden, wann es aber zum kaufrecht kombt, soll allzeit der
                    so im grad der negste ist zu den kauf den vorgang haben und den weitern
                    ausschliessen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.15"> [Buch II Titel 3 § 15]<lb/> § 15 Die gesipten blutsfreund
                    haben allein in den ligünden haab und guetern die gerechtigkait des vorkaufs und
                    einstands, als nemblichen heusern ackern weingarten vischwassern teuchten wisen
                    gärten wälden und auen, auch allen andern was ligent und unbeweglich ist oder
                    denen liegenden guetern verglichen würdt, nemblichen deren fruchten so noch zu
                    velt und auf der wurzel stehen, als das Korn so noch nit abgeschnitten oder die
                    trauben welche noch an den weinstockh stehen, item meuten zollen auflegen
                    prukgelt ungelt, item deren järlichen gewissen renten gülten zinsen und
                    einkomben, item zechenten perkrecht vogteien kirchlehen perkwerken und was
                    dergleichen, item in denen verkauften geltschulden ansprachen und anforderungen
                    welche auf unbeweglichen stuken gestelt seint, item denen dienstbarkeiten welche
                    dem erdbotten und unbeweglichen dingen anhangen, als bluembbesuchen und
                    viechwaiden. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.16"> [Buch II Titel 3 § 16]<lb/> § 16 In verkaufung der varenden
                    und beweglichen haab und güetern aber haben die vorkauf nit statt, dann damit
                    soll ein ieder verkaufer frei sein, deßgleichen auch mit denen ränten zinsen und
                    gülten, welche nit stättig noch ewig seint sonder sich nur auf etlich wenig jar
                    erstrecken, dann dieselben werden denen varenden guetern verglichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.17"> [Buch II Titel 3 § 17]<lb/> § 17 Das einstandrecht hat nit
                    allein in aigenthumblichen sonder auch denen lehenguetern statt; und wann der
                    mansstamben abgangen, solle die ahnfailung derselben dem untern und weibsstamben
                    auch beschehen, dann solcher stamben der lehengueter vermueg unserer gegebnen
                    lehensgnad auch vechig. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.18"> [Buch II Titel 3 § 18]<lb/> § 18 Wann ein praelat pfarherr
                    oder geistlicher ein gestiftes guet mit unserm consens zu verkaufen willens,
                    soll er dasselb des stifters negsten befreundten anfailen; dann da solches
                    umbgangen würdt, möchten desselben stifters bluetsfreund vermueg derhalben
                    außgangener general in den kauf einstehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.19"> [Buch II Titel 3 § 19]<lb/> § 19 Wo ain erbschaft verkauft
                    würdt darinnen ligende und bewegliche gueter miteinander begriffen, so hatt der
                    einstand statt; wo aber allein bewegliche erbliche gueter verhanden, so künnen
                    die negsten freund in den kauf nit stehen. <pb n="Edition 2015 S. 125"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.3.20"> [Buch II Titel 3 § 20]<lb/> § 20 Das jus prothomiseos und
                    einstandrecht hat allein in den keufen statt; derhalben da ainer ain liegents
                    guet auswexeln verschenken verheurahten in einen lezten willen verschaffen oder
                    sonst vermachen thette oder dasselb seinem gelter in solutum gäb oder das guet
                    durch ainen vertrag einem frembden ervolgen ließ, sollen ihme seine bluetsfreund
                    darinnen Kain verhindernuß zufüegen, er ist ihnen auch ainige anbietung oder
                    anfailung in solchem fall zu thain nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.21"> [Buch II Titel 3 § 21]<lb/> § 21 Wiewohl die geschribnen
                    recht vermögen, das in aufgebung der zinßgueter so emphiteoses genant werden das
                    jus prothomiseos statt habe, so solle doch mit derlei guetern contracten dem
                    lantsbrauch nach ain ieder frei sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.22"> [Buch II Titel 3 § 22]<lb/> § 22 Wann einer sein guet
                    verpfenden wolt, so künnen die negsten freund nit einstehen, dann der verpfender
                    bleibt seines guets ein herr, es were dann das pfant so hoch versezt, das Kein
                    hofnung mehr der ablösung verhanden, alßdann hat der einstand statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.23"> [Buch II Titel 3 § 23]<lb/> § 23 Das einstandrecht hatt
                    allein in stambenguetern welche der verkaufer von seinen voreltern oder
                    befreundten ererbt stat. was aber die gueter belangt, die einer iezt bemelter
                    massen nit ererbt sonder von neuem erkauft erdient erheurath oder sonst erobert,
                    die ist er seinen gesipten bluetsfreunden wider seinen willen anzufailen nit
                    schuldig. doch solle es in den erbguetern auch dise underschaid haben: </p>
        <p xml:id="NA.2.3.24"> [Buch II Titel 3 § 24]<lb/> § 24 Nemblichen wann einer seiner
                    vätterlichen erbgueter zu verkaufen vorhabens, so ist er dieselben seinen
                    geschwistrigten und befreunden, die ihme allein mutterhalben verwant, anzufailen
                    nit schuldig oder verbunden. also ist er auch nit schuldig seine mutterliche
                    erbgueter seinen geschwisterichten und befreundten, die ihme allein vatterhalb
                    zugethan, anzufailen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.25"> [Buch II Titel 3 § 25]<lb/> § 25 Wann einem schulden und
                    anderer persöhnlichen spruch halben seine gueter angesezt werden, so sollen
                    dieselben gespänten gueter durch ofne edict dem negsten befreundten angeboten
                    werden, ihnen auch bevorstehen solche aus dem ansatz zu lösen und an sich zu
                    bringen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.26"> [Buch II Titel 3 § 26]<lb/> § 26 Wann einer ein liegents guet
                    seinem negst gesipten blutsfreunden anfailt, so sollen sie die Kaufsumma
                    innerhalb dreissig tagen nach beschehener anfailung erlegen, es were dann sach
                    das sie durch ehehaft ursachen daran verhindert würden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.27"> [Buch II Titel 3 § 27]<lb/> § 27 Es solle auch die erlegung
                    in vorgedachter zeit nit durch blosses anbieten sonder würklich und mitt bahrem
                    gelt beschehen, und da der verkaufer dasselb <pb n="Edition 2015 S. 126"/> nit
                    annomen wolt, mögen die negsten befreundten solches gelt unter gericht deponirn. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.28"> [Buch II Titel 3 § 28]<lb/> § 28 Wann ein verkaufer einem
                    frembden kaufer die bezahlung auf bestimbte zeit und wehrung vergunstigt, so
                    solle dem gesipten bluetsfreund welcher in den Kauf stehet solche tag und termin
                    auch billich zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.29"> [Buch II Titel 3 § 29]<lb/> § 29 Wann die bluetsfreund alle
                    oder zum tail nit im lant wehren, so ist der verkaufer ihnen ausser lants
                    nachzuschicken nit schuldig, sonder mag die anfailung in ihrem abwesen an das
                    ort thuen da sie ihr wohnung oder sitz im lant haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.30"> [Buch II Titel 3 § 30]<lb/> § 30 Wo auch ein gesipter freund
                    noch unvogtbar und vergerhabt were, solle die anfailung seinem gerhaben
                    beschehen, der solle nach lantsbrauch die Kaufsumma innerhalb dreissig tagen
                    sowohl als ein anderer erlegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.31"> [Buch II Titel 3 § 31]<lb/> § 31 Die anfailung des kaufs mag
                    ausser gericht, auch an einem feirtag, durch den principalen oder einen andern
                    in seinem namben beschehen. es ist auch Kein notturft dieselb anbietung öfter
                    als ain ainigesmahl zu thuen. und obgleich der negste befreundt des kaufs so
                    ainem frembden beschicht wissen hette, so ist dennoch der verkaufer schuldig
                    ihme die lantbreuchig anfailung zu thain. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.32"> [Buch II Titel 3 § 32]<lb/> § 32 Wann ein kauf nit pure
                    sonder auf gewisse conditionen und Könftige fall beschlossen wirdt, so hat das
                    einstandrecht alßbald nit statt, dann es Kann Kein Kauf vor volbrachter
                    condition fur würkhlich noch volkomben gehalten, wann sich aber die condition
                    begibt so mögen die negsten befreundten den verkauf billich begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.33"> [Buch II Titel 3 § 33]<lb/> § 33 Also wann einer dem andern
                    ainen kauf auf könftige zeit verhieß und verschrieb, so hatt der einstand so
                    lang nit statt, biß der kauf würklich uberging. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.34"> [Buch II Titel 3 § 34]<lb/> § 34 Deßgleichen wo der verkaufer
                    und keufer vor einantwortung des erkauften guets guetwillig auß dem kauf
                    giengen, so kann der einstand nit begert werden, wann aber die tradition und
                    ubergab dem kaufer würklich beschehen, so mögen die contrahenten von den kauf
                    durch bereuung oder in praejudicum der negsten befreundten nit stehen und hatt
                    alßdann der einstand statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.35"> [Buch II Titel 3 § 35]<lb/> § 35 Wann einer ein liegents guet
                    ainem frembden zu kaufen gibt und dasselb seinen blutsfreunden zuvor nit
                    anfailt, sie auch in den kauf einzustehen bedacht, sollen sie ihr clag nit gegen
                    dem verkaufer sonder dem kaufer als inhaber des guets stellen; derselb mag sich
                    auf seinen verkaufer und scherm mit nichte waigern, sonder ist die clag da er
                    das guet ausser recht nit abzutreten vermaint, fur sich selbs anzustehen
                    schuldig. es mag auch solche clag summariter intendirt werden und kan sich der
                    beclagt auf das ordinari recht nit waigern. <pb n="Edition 2015 S. 127"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.3.36"> [Buch II Titel 3 § 36]<lb/> § 36 Wann nun der kaufer gegen
                    des verkaufers gesipten freunden verlustig und der ablösung stattzuthuen erkent
                    wirdt, woverr er bei beschliessung des kaufs wissen gehabt das der verkaufer die
                    lantsbreuchig anfailung seinen freunden nit gethan, so ist ihme der verkaufer
                    ainigen abtrag zu thain nit schuldig, er hette sich dann insonderhait darumben
                    verschriben. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.37"> [Buch II Titel 3 § 37]<lb/> § 37 Wann der negst blutsfreund
                    in den kauf einstehen wiel, so ist der verkaufer ihme die kaufsumma anzuzaigen,
                    auch im fall der notturft und von mehrer gewißhait wegen die kaufsabredt oder
                    den kaufbrief furzulegen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.38"> [Buch II Titel 3 § 38]<lb/> § 38 Entgegen da der kaufer sich
                    besorgt, das der negste bluetsfreund unter dem schein des einstandsrecht das
                    guet nit ihme selbst sonder einem frembden verkaufen wolt, so möcht der kaufer
                    begehren dem blutsfreund desthalben ainen aid aufzulegen und damit zu beteuren,
                    das er des einstands allein ihme selbst und keinen anderm zu nutz und wohlfart
                    begehre. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.39"> [Buch II Titel 3 § 39]<lb/> § 39 Es möchte auch der kaufer
                    derohalben bei gericht protestiren oder zu Könftiger sicherhait einen meldbrief
                    außbringen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.40"> [Buch II Titel 3 § 40]<lb/> § 40 Umb den einstand mag der
                    negst blutsfreund aintweders vor des kaufers instanz oder vor der obrigkait
                    clagen, darunter das strittig guet gelegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.41"> [Buch II Titel 3 § 41]<lb/> § 41 Daß einstandrecht kan nit
                    zertailt noch zertrent werden, derhalben da ein frembder etliche stuckh mit ein
                    ander in einer unverscheidentlichen kaufsumma annemben wolt, so ist der negste
                    blutsfreund schuldig, dieselben stuckh alle gleicherweise wie der frembt an sich
                    zu bringen. da aber viel stuckh unterschiedlich und ein iedes in ainem besondern
                    anschlag verkauft, daruber auch underschidlichen kaufbrief aufgericht würden, so
                    soll ein iedes stuckh fur einen besondern kauf gehalten werden, es hette auch
                    der einstand umb ein iedes stuckh besonderbar nach des einstehers willen und
                    gefallen statt; es were dann sach das ungeacht des abgetailten kaufs der
                    verkaufer keines ohn das ander annehmen wöllen, dann in diesem fall, mueß der
                    negst freund solche stuckh auch mit einander annemben. das auch guets und böses,
                    nutzes und unnutzes, fruchtbars und unfruchtbars unverschaidentlich einen
                    fremden verkauft würdt, ist der negst freund aines neben dem andern anzunemben
                    schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.3.42"> [Buch II Titel 3 § 42]<lb/> § 42 Wann ein frembder bona fidei
                    ohn simulation und subornation mehrers als ein blutsfreund umb das feilbar guet
                    geben wolt, so ist der verkaufer nit verbunden seinen negsten freunden solches
                    guet umb ein geringers ervolgen zu lassen. da aber der verkaufer umb ein
                    ubermessige summa gelts mit einen <pb n="Edition 2015 S. 128"/> frembden ainen
                    scheinkauf treffe und damit seinen negsten freund wider billigkait steigern
                    wolt, so mag der negst freund das gericht anrufen und die messigung des rechten
                    lantleufigen werts begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.43"> [Buch II Titel 3 § 43]<lb/> § 43 Wann der negst freund mit
                    dem verkaufer strittig wirdt und den vorkauf mit recht erhalten, auch
                    entzwischen das guet aufschlieg, so ist der negst freund nit schuldig solches
                    nach dem aufgeschlagnen wert anzunemben, sonder weil der verkaufer in mora
                    gewesen und ausser recht dem Kauf nit stattgeben wöllen, mueß er sich an dem
                    wert wie er zur zeit des angebotnen einstands geloffen benüegen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.3.44"> [Buch II Titel 3 § 44]<lb/> § 44 Wann der negst bluetsfreund
                    in den kauf einstehet und also den frembden Kaufer ausschleust, so ist der
                    einsteher dem kaufer allen uncosten so ihme uber den kauf gangen sambt der
                    kaufsumma den leutkauf, auch alles anders so aus redlichen und notwendigen
                    ursachen an disen kauf gelegt worden, bar zu bezahlen schuldig. wo aber der
                    einsteher solches nit thain wolt, so hatt der kaufer macht, sein erkauftes guet
                    zu bezahlen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.4">
        <head>[Buch II Titel 4]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=72">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der viert titl. Von gewerschaft schutz und
                    schermb der gueter. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.1"> [Buch II Titel 4 § 1]<lb/> § 1 Welcher ainem andern sein haab
                    und guet verkauft der solle seinen Kaufer darumben zu schutzen und zu schermen
                    schuldig sein. und obgleich bei der Kaufsabredt die schermung nit begehrt noch
                    in den kaufbrief verbleibt worden, so gebuert dennoch dem verkaufer ainen weeg
                    als den andern seinen kaufer, wann es umb solches guet wie recht ist
                    angesprochen wirdt, bei gericht zu vertretten und ihne ohn nachtl und schaden zu
                    halten, doch ist disfals vonnötten, das sich der kaufer gegen dem clager, so
                    ihme das erkeuft guet als der dritte tail anspricht, nit verfänklich einlaß,
                    sonder seinem gaber dem verkaufer zum rechten und seiner defension verkunden
                    lasse, der solle alßdann wie kaufsrecht vermag auf die empfangen verkindung bei
                    gericht erscheinen und seinem Kaufer wie recht ist schermen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.2"> [Buch II Titel 4 § 2]<lb/> § 2 Wann alßdann der haubtclager
                    wider den caufer und beclagten umb recht anruft, solle der beclagt nach
                    furgebrachter verkundung und execution gegen seinen schermb gleichsfals umb
                    recht anruefen. und so derselb schermb erscheint, aber ursachen furzuwenden
                    vermaint warumben er zu schermben nit schuldig, solle er solche ursachen
                    schriftlich furbringen und dem beclagten copi davon zustellen, volgents baide
                    tail ieder mit zweien schriften und einem <pb n="Edition 2015 S. 129"/>
                    rechtsatz verfahren und beschliessen; darüber solle das gericht was recht ist
                    erkennen, wann auch der haubtcläger von solchen ihren producten und einlagen
                    abschriften zu haben begehren wurdt, sollen ihme der beclagt und sein
                    furgewenter schermb dieselben abschriften vor gericht zustellen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.3"> [Buch II Titel 4 § 3]<lb/> § 3 Do dann der beclagt und sein
                    schermb in der verfahrung saumig sein und zu denen ordentlichen rechtslagen der
                    ordnung nach nit verfahren würden, so mag der haubtclager auf ihr verzigige
                    handlung gegen dem haubtbeclagten umb recht anrufen mit beger, ihne unverhindert
                    seines furgewenten,schermbs in antwort zu erkennen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.4"> [Buch II Titel 4 § 4]<lb/> § 4 Im fall aber der schermb nach
                    behendigter verkündung gar nit erscheinen thette, so solle der haubtbeclagt, als
                    oft der haubtcläger wider ihne haubtbeclagten anruft, gegen seinen verkundten
                    schermb umb den gerichtlichen beruef zum ersten, nochmals andern und lezlich zum
                    drittenmahl auch anrufen. Und wann solches drei rechtstag nach ordnung
                    beschicht, würdet der haubtbeclagt dem clager in verfahrung erkent und entgegen
                    dem haubtbeclagten wider seinen abwesenden schermb der beruef, volgents auch auf
                    sein verrers anhalten der ansatz ex primo decreto bewilligt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.5"> [Buch II Titel 4 § 5]<lb/> § 5 Wann aber der haubtbeclagt umb
                    keinen beruef, sonder allein blößlich umb recht wider seinen furgewenten
                    schermb, auch der haubtclager wider dem beclagten umb recht anrufen thet und
                    solche anrufen also zu dreien rechtstägen der ordnung nach von beeden thailen
                    beschehen, so solle der haubtbeclagt dem haubtclager abermals in verfahrung
                    erkent, entgegen dem haubtbeclagten seine spruch gegen seinem schermb von wegen
                    der nitschermung in dem urthail vorbehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.6"> [Buch II Titel 4 § 6]<lb/> § 6 Wo aber der schermb auf des
                    haubtbeclagten dritten anruefen vor gericht erschine und sich der schermung
                    anbieten thet, so solle der schermb, allermassen wie es sonsten dem
                    haubtbeclagten zu thuen gebüert, gegen dem haubtclager im rechten verfahren. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.7"> [Buch II Titel 4 § 7]<lb/> § 7 Doch solle nichts weniger der
                    haubtbeclagt vor gericht ieder zeit durch sich selbst oder seinen volmechtigen
                    gewalttrager zu erscheinen schuldig sein, dann das anrufen von dem haubtclager
                    nit gegen dem schermb sonder allein wider den haubtbeclagten beschicht, derwegen
                    so oft wider ihne haubtbeclagten von dem haubtclager angeruft wirdt, soll
                    haubtbeclagter gegen seinen schermb auch anrufen, welcher ihme iederzeit zu
                    verantworten und mit der defension zu vertretten schuldig. da aber der beclagt
                    nit verhanden were oder wider seinen <pb n="Edition 2015 S. 130"/> schermb
                    entgegen nit anruffen thett, ist der schermb nit schuldig sich gegen dem clager
                    mit verfahrung einzulassen, er wölle es dann freiwillig thain. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.8"> [Buch II Titel 4 § 8]<lb/> § 8 Die schermbung ist aber nit
                    allein der verkaufer als principal sonder auch sein erb dem kaufer und seinen
                    erben zu laisten schuldig. und do gleich der erben bei der kauf und
                    schermbabredt nit gedacht worden, so sollen sie dennoch sich der schermb nit
                    waigern, dann alle contract und verbintliche handlungen werden auf die erben
                    transmittirt, es were dann sach das sich die contrahenten des widerspils,
                    nemblichen das der contract allein auf ihre persohnen stat haben solle,
                    verglichen; doch ist vonnötten das des Kaufers erben sowohl als ihren
                    antecessorn ordentlich verkündt worden. es solle auch solche verkundung nit
                    ainem sondern allen erben mit einander beschehen, sonsten ist sich einer ohn den
                    andern einzulassen oder seinem miterben selbst zu verkunden nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.9"> [Buch II Titel 4 § 9]<lb/> § 9 Solche schermbsverbindung aber
                    geschicht auf dreierlei weise: erstlichen durch ein schermbsverschreibung oder
                    schriftliche obligation; am andern durch purgschaft, welche dem lantsbrauch nach
                    alßdann von nötten, wann der verkaufer gleichwohl ein lantman, aber mit ligenden
                    guetern umb die gewehrschaft in disem lant nit angesessen, deßgleichen wann ein
                    außlender in disem lant haab und gueter ererbt oder durch andere rechtmessige
                    weeg erobert und dieselben nachmals einem hielendischen verkaufen thette, solle
                    er dem kaufer mit angeseßnen lantleuten dieses lants umb künftiger ansprüch und
                    schermung wegen burgschaft thain, da er aber mit purgschaft nit gefast, mag er
                    vermüeg geschribener rechten fur das dritt pignorantiam cautionem laisten und
                    dem kaufer mit beweglichen pfanden vergwissen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.10"> [Buch II Titel 4 § 10]<lb/> § 10 Es sein aber etliche
                    besondere fäll darinnen ein verkaufer seinem kaufer zu schermen oder schadloß zu
                    halten nit schuldig: Erstlich da der kaufer die schermung bei der kaufsabredt
                    guetwillig uber sich genomben und derselben den kaufer und seine erben
                    wielkürlich erlassen, in welchem fall der verkaufer alle brifliche uhrkunden
                    schein und behelf zu könftiger defension dienstlich seinem kaufer ubergeben,
                    ihme auch mit aller habenden notturft armiren solle es kann sich auch nachmals
                    der kaufer aller und ieder behelf gebrauchen so dem verkaufer wider ainem
                    kunftigen clager bevorgestanden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.11"> [Buch II Titel 4 § 11]<lb/> § 11 Zum andern wann der
                    verkaufer seinem gaber oder desselben erben zum rechten nit verkundt, sonder
                    sich selbst vor gericht verfenklich einlasset und darüber verlustig wirdt, so
                    kan er ferrer ainige schermung nit begehren, dann <pb n="Edition 2015 S. 131"/>
                    solche verkundung hat dem wissentlichen lantsbrauch nach allein vor der
                    Krigsbefestigung, hernach aber nit mehr statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.12"> [Buch II Titel 4 § 12]<lb/> § 12 Für das dritt wann der
                    kaufer bei erster instanz verlustig wirdt und die appellation fur die höher
                    obrigkait verschläft oder verwarlost, so ist der verkaufer von aller
                    schadloßhaltung entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.13"> [Buch II Titel 4 § 13]<lb/> § 13 Zum vierten da sich der
                    kaufer in ein compromisshandlung on des verkaufers wissen und willen einlasset
                    und daselbst verlustig wirdt, so ist der verkaufer abermals von ihme entbunden. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.14"> [Buch II Titel 4 § 14]<lb/> § 14 Also auch zum funften da der
                    kaufer dem clager das erkauft guet ausser recht guetwillig abtritt und der
                    gerichtlichen defension nit erwartet oder dasselb sonsten pro derelicto hielt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.15"> [Buch II Titel 4 § 15]<lb/> § 15 Zum sechsten wann der kaufer
                    oder seine erben das erkauft guet uber zweiunddreissig jar ruebig und ohn einige
                    interruption besessen, so ist ainige schermbung ferrer nit vonnöten, dann daß
                    guet hatt sich bei ihnen verjärt derhalben mögen sie sich der praescription
                    selbst behelfen und betragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.16"> [Buch II Titel 4 § 16]<lb/> § 16 Zum siebenden wann der
                    kaufer zur zeit der gepflegten kaufshandlung aigentlich und wohl waiß, das daz
                    erkauft guet nit des verkaufers, sondern ainem andern und frembden zugehörig, so
                    kan er hernach kein schermung begehren, es were dann sach das sich kaufer und
                    verkaufer ainen weeg als den andern derselben austrückenlich verglichen hetten. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.17"> [Buch II Titel 4 § 17]<lb/> § 17 Zum achten wann der kaufer
                    nit umb das aigenthumb sonder allein die posses des erkauften guets angesprochen
                    wirdt, so ist der verkaufer ihne zu schermen nit schuldig; dann die
                    possessornstritten mueß ein ieder inhaber selbst ausführen und sich bei seiner
                    possession on des verkaufers entgelt hanthaben. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.18"> [Buch II Titel 4 § 18]<lb/> § 18 Zum neunten wann dem kaufer
                    an erkauftem guet gewalt bewisen wirdt, so kan er den verkaufer umb schutz
                    rettung und abstellung solcher gewalt thättigen eingrif nit angesprechen, dann
                    die schermung haben allein vor gericht und nit ausser gericht statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.19"> [Buch II Titel 4 § 19]<lb/> § 19 Zum zehenten wo der keufer
                    des erkauften haab und guet nit durch recht und urtl sonder wassergüeß feinds
                    not oder andere dergleichen unfäll verleret und darumben kombt, so ist ihme der
                    verkaufer dafür ainiger erstattung zu thuen nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.20"> [Buch II Titel 4 § 20]<lb/> § 20 Zum aintliften da der kaufer
                    auß seiner verschuldung um daß erkauft guet durch straff confiscation felonei
                    oder dergleichen verwürckhung kombt, so ist der <pb n="Edition 2015 S. 132"/>
                    verkaufer disfals von ihme entbrochen, ihme auch fur daß eingezogen guet ainige
                    ergetzung zu thain unverbunden. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.21"> [Buch II Titel 4 § 21]<lb/> § 21 Zum zwelften wann der kaufer
                    dem verkaufer erbt, so ist mit solcher succession die gewerschaft und schermung
                    erloschen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.22"> [Buch II Titel 4 § 22]<lb/> § 22 Zum dreizehenden wann ein
                    verkauftes guet strittmessig, aber derwegen noch kein clag furkomben were, so
                    kan der erkaufer nit begehren ihme das erkauft guet richtig zu machen dann weil
                    kein würkliche clag verhanden, ist ainiger vertretung oder richtigmachung nit
                    von nöten. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.23"> [Buch II Titel 4 § 23]<lb/> § 23 Zum vierzehenten wann ein
                    kaufer haab und güeter nach getrofnem kauf an sich bringt so ist ine der
                    verkaufer umb dieselben zu schermen nit schuldig, dann die schermung erstrekt
                    sich allein auf die gueter, deren der kaufer zur zeit des verkaufens im inhaben
                    gewesen oder darzu billiche spruch vermueg des urbars oder alten herkombens
                    gehabt; was einer aber fur sich selbst darzu bringt das ist er auch selbst zu
                    verthettigen schuldig, oder da es durch einen Kauf beschiecht solte ihne kaufer
                    der neu verkaufer darumben schermen wie recht ist. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.24"> [Buch II Titel 4 § 24]<lb/> § 24 Die schermb- und
                    schadloßhaltung hatt nit allein in kaufshandlungen sonder auch denen
                    außwechslung und permutation statt, deßgleichen wann ein schuldner seinem
                    glaubiger ein guet in solutum und an gelts statt ubergibt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.25"> [Buch II Titel 4 § 25]<lb/> § 25 Also auch wann die erben mit
                    einander thailen, sein sie an einander scherm und schadloß zu halten schuldig.
                    und in gemein, welcher von ainem andern guet durch einen oder den andern
                    contract aigenthumblich bekomben, der mag die gewehrschaft begehren und sich mit
                    der schermbung versichern. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.26"> [Buch II Titel 4 § 26]<lb/> § 26 Also hatt auch die
                    schermbung und schadloßhaltung nit allein in freis aignen sonder denen
                    verkauften lehensguetern, deßgleichen in liegenden und vahrenden haab und
                    guetern, item es werde das ganz guet oder nur ain tail daraus dem Kaufer
                    aberhalten, statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.27"> [Buch II Titel 4 § 27]<lb/> § 27 Welcher einem ain guet
                    schenkt oder ohn alle recompens frei ledig ubergibt, der ist umb solche donation
                    und freiwillige gab zu schermen nit schuldig, er hette sich dann dessen
                    austruckenlich verbunden oder verschriben. gleicherweise wann ainem gescheftman
                    sein legiertes und verschaftes guet nit recht aberhalten wirdt, so ist ihme der
                    eingesezt erb darfür einige erstattung zu thain nit schuldig, es were dann sach
                    der gescheftman kein frembder sonder ain notterb were und ihme das gescheft fur
                    sein naturliche legitima verlassen worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.28"> [Buch II Titel 4 § 28]<lb/> § 28 Wann des verkaufers erben
                    mehr dann ainer verhanden, so seien sie den kaufer samentlich und
                    unverschaidentlich vor gericht zu schermen und zu defendiren schuldig, da sie
                    aber erlegen und verlustig würden, sollen sie den <pb n="Edition 2015 S. 133"/>
                    kaufer pro haereditaria portione, auch nach eines ieden erbgebürnus und nit
                    weiter schadloß halten; derwegen in derlei fällen ain erb fur den andern oder
                    mehrers als seiner erblichen portion gebüert zu bezahlen nit schuldig. also soll
                    es auch wann die erben selbst die verkaufung thetten gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.29"> [Buch II Titel 4 § 29]<lb/> § 29 Wann ein hinderlaßnes
                    cridaguet zu bezahlung der ansprecher durch die glaubiger selbst oder die
                    obrigkait anstatt der glaubinger oder die darüber verordneten caratorn [!] denen
                    creditorn zu guetem verkauft und das gelt unter sie die glaubinger pro rato
                    gethailt wirdt, so sein die glaubinger und nit das gericht noch die curatorn den
                    kaufer zu schermen, und daß gericht auch die curatorn, als die ex officio
                    handlen und darbei kain interesse haben, schadloß zu halten nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.30"> [Buch II Titel 4 § 30]<lb/> § 30 Das schermbrecht hatt kain
                    gewisse zeit, sonder wann der kaufer umb sein erkauftes guet es sei uber kurz
                    oder lang angesprochen wirdt, so mag er die schermbung begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.31"> [Buch II Titel 4 § 31]<lb/> § 31 Es solle auch die schermbung
                    nit vor des verkaufers sonder des kaufers jurisdiction und obrigkait, auch nach
                    gelegenhait derselben gerichtsbrauch beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.32"> [Buch II Titel 4 § 32]<lb/> § 32 Die schermung leidet kein
                    erweiterung, sonder solle allein umb die gueter beschehen so in dem
                    kaufsanschlag begriffen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.33"> [Buch II Titel 4 § 33]<lb/> § 33 Wann der schermb vor gericht
                    verlustigt wirdt und der kaufer das erkauft guet dem cläger würklich abtrit, so
                    mag er die widergeltung der außgezelten kaufsumma nach gelegenhait der zeit, da
                    die kaufhandlung beschlossen und nit da das guet mit recht und urthail verlohren
                    worden, begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.34"> [Buch II Titel 4 § 34]<lb/> § 34 Furs ander ist ihme der
                    verkaufer die expens und erlitne schäden nach messigung des gerichts abzutragen
                    schuldig. . </p>
        <p xml:id="NA.2.4.35"> [Buch II Titel 4 § 35]<lb/> § 35 Furs dritt wann der
                    verkaufer das guet sambt denen aufgehebten nutzungen verlohren, so solle ihme
                    der verkaufer dieselben auch erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.36"> [Buch II Titel 4 § 36]<lb/> § 36 Zum vierten da er das
                    erkauft guet gebessert und erhebt, hat er solche melioration bei dem verkaufer
                    vermüeg der rechten auch zu ersuchen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.37"> [Buch II Titel 4 § 37]<lb/> § 37 Dem clager aber so das guet
                    mit recht und urtel erhalten kan weder erstattung der kaufsumma noch abtrag
                    ainiges accessori nit aufgebunden werden, denn er hatt sein aigenthumb erhalten
                    derwegen ist er allerdings von dem kaufer entbrochen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.4.38"> [Buch II Titel 4 § 38]<lb/> § 38 Und wiewohl bei denen
                    geschribnen rechten versehen, wann das verkauft aberhalten guet pretios und
                    hochwüchtig, das der verkaufer dem kaufer dasselb in doppelten wert erstatten
                    solle, so ist doch dem lantsbrauch nach zwischen <pb n="Edition 2015 S. 134"/>
                    denen guetern bißher kein differenz gehalten worden sonder der abtrag alzeit mit
                    einfachem werth beschehen, darbei wie es nochmahlen genedig ist verbleiben
                    lassen, es hetten sich dann die contrahenten des widerspiel verglichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.4.39"> [Buch II Titel 4 § 39]<lb/> § 39 Wiewohl die rechtlich
                    ansprechung der gueter niemants verbotten, so ist doch bei denen rechten
                    insonderhait verordnet, das der kaufer, seine erben und bürgen das verkauft guet
                    selbst nit ansprechen berechtnen noch evinciren mügen, welches er naturlichen
                    billigkait gemeß.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.5">
        <head>[Buch II Titel 5]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=91">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der funft titl. Von furkauf. Waß den
                    verbotnen und strafmessigen furkauf belangen thuet, darinnen ist in der zuvor
                    publicierten policeiordnung und etlichen derhalben außgangnen generalen
                    notwendige ordnung und fürsehung beschehen, darbei wir es nochmahlen genedigist
                    verbleiben lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.6">
        <head>[Buch II Titel 6]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=92">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der sechst titl. Von dem auß- und
                    einwechsel. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.1"> [Buch II Titel 6 § 1]<lb/> § 1 Die Geistlichen sollen kein
                    liegents guet noch andere kirchische rechten und gerechtigkaiten verwechßlen, es
                    geschehe dann solche permutation mit unserm als lantsfursten und herrns
                    vorgehendem consens und bewilligung. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.2"> [Buch II Titel 6 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen die lehensleut und
                    vasallen ihr inhabende lantsfürstliche lehensgueter ohn unsern consens nit
                    außwechßlen, also auch die pupillen und minderjärigen ohn erlaubnus ihrer
                    furgesezten vormunder gehaben und curatorn. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.3"> [Buch II Titel 6 § 3]<lb/> § 3 Ebenermassen sollen tutoren und
                    curatorn die pupillargueter ohn der ordentlichen obrigkait wilbrief nit
                    verwechßlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.4"> [Buch II Titel 6 § 4]<lb/> § 4 Denen chonpersohnen ist
                    unverwert ihre haab und gueter unter einander außzuwechßlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.5"> [Buch II Titel 6 § 5]<lb/> § 5 Die ligenten heuratgueter mögen
                    gegen andern bessern grunden verwechßlet werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.6.6"> [Buch II Titel 6 § 6]<lb/> § 6 Wann ein außwechsel beschlossen
                    und einem oder dem andern tail auf das auß- oder eingewechselt guet pargelt
                    nachgeben wirdt, so bestehet die permutation dennoch bei ihren creften. <pb n="Edition 2015 S. 135"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.6.7"> [Buch II Titel 6 § 7]<lb/> § 7 Es mögen nit allein die
                    aigenthumblichen haab und gueter sonder auch ander rechten und gerechtigkaiten
                    gegen einander permutiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.8"> [Buch II Titel 6 § 8]<lb/> § 8 Welcher in ainem außwechsel
                    ultra dimidium justi praetii und uber halben tail des billichen werts ledirt und
                    gevert worden, der mag die ubermaß von dem gegenwechßler begehren oder den
                    ungleichen außwechsel nitt halten. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.9"> [Buch II Titel 6 § 9]<lb/> § 9 Welcher einem unwissenden durch
                    wechsel ein schadhaft und mangelhaftig guet einreimbt, der ist dasselb wider
                    anzunemben schuldig . </p>
        <p xml:id="NA.2.6.10"> [Buch II Titel 6 § 10]<lb/> § 10 Wann sich die contrahenten
                    des auswechsels verglichen, aber derselb weder von einem noch dem andern tail in
                    das wer eck getzogen worden, so steet einem oder dem andern thail bevor von den
                    auswechsel wider abzusteen, ungeacht das solches der ander thail widersprechen
                    thett. </p>
        <p xml:id="NA.2.6.11"> [Buch II Titel 6 § 11]<lb/> § 11 Wann aber ein thail der
                    contrahenten das verwechselt guet seinem gegenwechsler anhendigt und derselb mit
                    ubergebung des gegenwexelten guets saumig were, so ist der haltent tail befuegt,
                    aintweder die restitution seines uberlieferten guets oder aber die würkliche
                    tradition des gegenwechsels zu begeren, darinnen der haltent thail und nit der
                    verzügig die wahl haben solle. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.7">
        <head>[Buch II Titel 7]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=95">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der sibent titl. Von denen beständen und
                    hinlassungen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.1"> [Buch II Titel 7 § 1]<lb/> § 1 Die eltern mögen ihrer kinder
                    und hergegen die kinder ihrer eltern gueter bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.2"> [Buch II Titel 7 § 2]<lb/> § 2 Ein eheman kan seiner ehefrauen
                    heuratliche gueter, res dotales genant, nit bestehen, dann er hatt dieselben von
                    wegen der conlichen burden, welche er ohn entgelt seiner ehefrauen tragen mueß,
                    ausser ainiges bestants als lang die ehe wert sonsten zu geniessen. die andern
                    gueter aber, welche ihr die ehefrau frei und ledig vorbehalten, die mag er
                    sowohl als ein anderer bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.2a"> [Buch II Titel 7 § 2a]<lb/> § 2a Obwohl des ehemanß gueter
                    seiner hausfrauen von wegen des heuratlichen zubringens hypotheciert und
                    verpfendt, so möchte sie dennoch dieselben im ehestand annemben, dann nit
                    verboten, ein verpfantes guet unvergriffen der pfantsgerechtigkait zu bestehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.3"> [Buch II Titel 7 § 3]<lb/> § 3 Die gerhaben mügen ihrer
                    pupillen haab und gueter mit bewilligung der ordentlichen obrigkait bestehen,
                    die solle zu aufrichtung des bestants unparteiische commissarien verordnen,
                    welche nach aigentlicher und genuegsamber ersehnung der gueter mit den gerhaben
                    einen bestant nach gelegenhait derselben schliessen und ihren beschlus der
                    obrigkait umb <pb n="Edition 2015 S. 136"/> ratification furbringen sollen mit
                    notturftiger versehung, das die gütter nit geschmehlert noch der pupillen arme
                    underthanen wo deren verhanden beschwert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.4"> [Buch II Titel 7 § 4]<lb/> § 4 Wann ein gerhab seines
                    pupillens ainzige gueter andern verlassen wiel, so bedarf er keines wilbrifs; do
                    er aber ainen haubtbestant aller gueter treffen wolt, solle solches mit
                    vorwissen und zugeben der obrigkait beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.5"> [Buch II Titel 7 § 5]<lb/> § 5 Die praelaten pfarherrn und
                    geistlichen sollen ihre clöster- und kirchengueter uber zehen jar ohn unsern als
                    herrn und lantsfursten consens keineswegs hinlassen, auf zehen jar aber
                    inclusive mögen sie solche gueter ohn unsern consens, doch mit vorwissen des
                    convents oder capitels wohl verlassen. deßgleichen da sie dieselben güeter von
                    jar zu jar locirn wollten, solle ihnen solches ohn einigen lantsfurstlichen
                    consens zugelassen sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.6"> [Buch II Titel 7 § 6]<lb/> § 6 Obwohl die zehent, so zu
                    geistlichen guter gestift, fur geistliche gueter zu halten, iedoch mögen
                    diselben nit allein von geistlichen sonder auch weltlichen persohnen bestanden
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.7"> [Buch II Titel 7 § 7]<lb/> § 7 Die lantsfürstlichen
                    lehengüeter mögen under zehen jar ohn unsern consens verlassen werden, uber
                    zehen jar aber solle dieselben ohn unser vorwissen und bewilligung niemants
                    hinlassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.8"> [Buch II Titel 7 § 8]<lb/> § 8 Es solle sich kein gewalthaber
                    noch verwalter ainiges bestants mechtigen, er hab dann darumben ainen gemesnen
                    specialgewalt. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.9"> [Buch II Titel 7 § 9]<lb/> § 9 Die bestant sein wie andere
                    contract ein pur lautter wilkühr, derhalben do ainer sein guet locieren oder
                    hinlassen wolt, kann sein negster bluetsfreund in den bestant dem lantsbrauch
                    nach nit einstehen, dann mit seinen guetern solle ein ieder frei und ungebunden
                    sein, es geschehe dann der bestant auf so lange zeit, das er einer alienation
                    gleich were, nemblichen uber zehen oder mehr jar, alßdann möcht der negst
                    befreundt billich in den bestant doch umb zinß, einstehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.10"> [Buch II Titel 7 § 10]<lb/> § 10 Auß obbemelter natürlicher
                    freihait fleist auch das heer, das ein bestantheer seinen bestantman nach
                    außgang des bestants verkehren kann. dann obgleich der bestantman oder seine
                    voreltern viel jar lang solches guet bestantweiß innegehabt, so gebärt ihme doch
                    solcher langwürig gebrauch vor einem andern kein jus, er kan auch keinen
                    bestantherrn wider sein gelegenhait nit tringen, ihme das guet vor einem neuen
                    bestantmann zu lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.11"> [Buch II Titel 7 § 11]<lb/> § 11 Alß hergegen solle kein
                    bestantherr seinen bestandman, ob er ihme gleich vor andern dem bestand
                    vergünstigt und aus guetwilligkait lange zeit im guet gelassen, nach außgang der
                    bestantjar wider sein gelegenhait cogieren in dem <pb n="Edition 2015 S. 137"/>
                    bestant lenger zu verharren, dann disfals ein tail sowohl als der ander frei, es
                    were dann das widerspiel außgetragen und bedingt worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.12"> [Buch II Titel 7 § 12]<lb/> § 12 Welcher einem ein guet in
                    bestant verlassen, der ist sein zusag, ob dieselb gleich nit verbrieft worden,
                    zu halten schuldig; dann der will und consens macht einen bestant und nit die
                    schrift. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.13"> [Buch II Titel 7 § 13]<lb/> § 13 Es kan auch der bestantherr
                    von dem versprochnen oder verschribnen bestant, ehe sich der bestantman
                    einzogen, nit weichen, allein aus etlichen sondern ursachen: erstlichen wann
                    sich der bestantman des bestant guetwillig begeben thett, furs ander wann der
                    bestantherr dem bestantman ein anders guet, so dem bestantman gleich und gemeß
                    oder dem bestantmann sonsten annemblich, einraumben thette, zum dritten do der
                    bestantherr aus einer hernach entspringenden ursachen seines guets selbst
                    bedurftig were, zum vierten wo der bestantherr in dem bestantguet auß hernach
                    eingefalner unvermeidenlichen notturft bauen und darzu raumb haben müest. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.14"> [Buch II Titel 7 § 14]<lb/> § 14 Gleicherweiß kan der
                    bestantherr seinem bestantman nach beschehener antrettung vor ausgang der
                    bedingten bestantszeit den bestant nit aufkunden noch ihme aus dem bestandnen
                    guet nit treiben, allein aus nachvolgenden ursachen: </p>
        <p xml:id="NA.2.7.15"> [Buch II Titel 7 § 15]<lb/> § 15 Erstlichen wann der
                    bestantman den zinß zur bedingter ungeburlicher zeit nit raichen thette. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.16"> [Buch II Titel 7 § 16]<lb/> § 16 Am andern wann der
                    bestantman das bestanden guet verwüstlich hielt und deterioriren thett. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.17"> [Buch II Titel 7 § 17]<lb/> § 17 Furs dritt wann in werender
                    bestantzeit ursachen vom neuen furfiehlen, dardurch der bestantherr
                    unvermeidtlicher weise bewegt würde, sein guet selbst zu gebrauchen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.18"> [Buch II Titel 7 § 18]<lb/> § 18 Zum vierten wann der
                    bestantherr nit umbgehen kunte, auß neuer eingefalner hoher notturft das
                    bestandne guet zu bauen oder zu bessern und darzu raumb zu haben, do aber der
                    bestantherr sein guet auf etliche benante jar verlassen und mit dem zinß
                    anticipiert, auch denselben zu eingang des bestants ainmahl fur alle volgende
                    jar empfangen hette, so kundten ihne die vorgehörten ursachen zu abschaffung des
                    bestantmans nit furtragen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.19"> [Buch II Titel 7 § 19]<lb/> § 19 Zum funften wann der
                    bestantherr des bestandnen guets durch einen lezten willen verschaffen thett,
                    were der bestantman dem geschaftmann zu weichen schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 138"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.7.20"> [Buch II Titel 7 § 20]<lb/> § 20 Also auch zum sechsten, wann
                    der bestantherr das bestanden guet verkaufet, solle der bestantmann den kaufer
                    weichen, sonsten möcht, ihne der kaufer austreiben; dann die kauf brechen alle
                    bestant doch steet dem bestantman bevor, den zuvor bezalten zins pro rato der
                    unverseßnen zeit sambt abtrag seines schadens, welchen er der unversehnen
                    weichung halben erleiden mueß, von dem bestantherrn zu begehren. den ist ihme
                    auch der bestantherr neben widergeltung des unabgeseßnen zinß zu erstatten
                    schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.21"> [Buch II Titel 7 § 21]<lb/> § 21 Wann sich aber der
                    bestantman mit dem bestantherrn anfangs dahin austrüklich verglichen, das er vor
                    ausgang der bedingten zeit, im fall gleich das guet verkauft würde, unvertriben
                    sein solle, so ist ihme der bestantherr die völlige zeit zu halten verbunden und
                    kan sich mit vernuegung des schaden nit entbinden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.22"> [Buch II Titel 7 § 22]<lb/> § 22 Derhalben ist er schuldig,
                    seinen kaufer des bestants und der uberigen bedingten zeit aigentlich zu
                    erinnern, auch bei ihme soviel zu erhandlen, das er den bestantman biß zu des
                    bestants entschafft unbetriebt verbleiben lasse; dann do das underlassen würdt,
                    mag sich der bestantman seines habenden bestants betragen und der kaufer seine
                    schaden bei dem bestantherrn suchen. hergegen mag auch der bestantherr bei der
                    hinlassung ihme die verkaufung expresse vorbehalten, so ist er alßdann mit
                    seinem guet frei. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.23"> [Buch II Titel 7 § 23]<lb/> § 23 zum siebenden wann der
                    bestantherr das bestanden guet mit recht und urthail verleurt, mueß der
                    bestantman dem obsieger weichen, er kan auch von dem bestantherrn keinen abtrag
                    begehren, dann wider recht kan niemants. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.24"> [Buch II Titel 7 § 24]<lb/> § 24 Wann der bestantman vor
                    endung des beschloßnen bestants außziehen wolt, so ist er dessen nit befuegt, er
                    bezahle dann dem bestantherrn nit allein den verseßnen sonder den ganzen
                    bedingten zinß. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.25"> [Buch II Titel 7 § 25]<lb/> § 25 Und obgleich die infection
                    daselbst einries und der bestantman weichen muest, so ist er dennoch den
                    völligen haußzins zu bezahlen schuldig. gleichsfals wann das bestanden guet
                    baufellig, so kan es der bestantman nit verlassen; es were dann dermassen
                    besorglich, das ers ohn gevar nit bewohnen kunt, in welchem fal der bestantman
                    die besserung von seinem bestantherrn begeren mag, die ist er zu thain schuldig.
                    do er sich aber derselben besserung waigerte, mag der bestantman sicherlich
                    außziehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.26"> [Buch II Titel 7 § 26]<lb/> § 26 Wann nun solche besserung
                    beschicht, solle der bestantman dieselb, do sie ihme an seinem bestant, thain
                    und wesen keinen sondern mangl bringt, ohn abschlag des haußzinß guetwillig
                    gedulden; do er aber des bestandnen guets entzwischen gar nit geniessen kündt
                    sondern ausziehen muest oder mit seinem <pb n="Edition 2015 S. 139"/> thain und
                    narung gespert were, solle ihme der bestantherr hierinnen mit dem zinß oder in
                    ander weeg ohn schaden halten. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.27"> [Buch II Titel 7 § 27]<lb/> § 27 Die ordenlichen aufgerichten
                    bestant sein nit allein der bestantherr und bestantman als principalen sonder
                    auch ihre erben beiderseits zu halten schuldig, ungeacht das etwa die erben in
                    dem bestantbrief nit verleibt; es were dann sach das der bestant auf eines oder
                    des andern leben lang und nit weiter austruklich beschlossen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.28"> [Buch II Titel 7 § 28]<lb/> § 28 Wann ein eheman seiner
                    hausfrauen gueter in bestant bona fide und mit ihrem vorwissen verlasset, so kan
                    sie nach seinem todt den bestant nit prechen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.29"> [Buch II Titel 7 § 29]<lb/> § 29 Gleicherweise mueß ein pupil
                    oder minderjähriger nach erreigter vogtbarkeit die bestant, welche seine
                    gerhaben oder curatorn geburlicherweise aufgericht, halten. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.30"> [Buch II Titel 7 § 30]<lb/> § 30 Also auch wann ein bischoff,
                    prelat pfarrherr oder anderr, so ainer kirchen volmechtiger administrator ist,
                    von seinen kirchen- oder closstergüeter in namben der khirchen oder des gotshauß
                    haab und güeter under zechen jaren ohn consenß oder uber zechen jar mit consenß
                    ordentlicherweiß verlassen, so khan nach seinem ableiben sein successor und
                    nachvolger solchen bestant nit aufheben. do aber der bestant allein auf des
                    bischofs prelaten oder pfarherrs persohn bedingt worden, so weret derselb nur
                    sein leben lang und thette sich mit seinem todt enden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.31"> [Buch II Titel 7 § 31]<lb/> § 31 Gleichermassen wann ein
                    thumbherr oder beneficiat von seinem canonicat- oder beneficigueter etwas
                    verlassen, so weret solcher bestant, er sei gleich im nahmen der kirchen oder
                    ihrer persohn beschehen, nur ihr leben lang, dann sie haben kein administration
                    oder kirchengewalt sonder sein allein ihrer pfründen und beneficien ihr leben
                    lang fruchtgeniesser. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.32"> [Buch II Titel 7 § 32]<lb/> § 32 Derhalben Kan sich ihr
                    hingelaßner bestant uber ihr leben lang nit erstrecken. darumben wann sich die
                    bestant ihr zur zeit ihrer ableibung noch nicht geendet, mögen ihre successorn
                    den bestant wohl widerrufen und die gueter an sich bringen. doch wo ein
                    bestantman in hofnung der völligen verschribnen bestantzeit solche hingelaßne
                    gueter erhebt erbaut oder bessert, were sich der successor mit dem bestantman
                    nach billigen dingen umb solche besserung zu vertragen schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.33"> [Buch II Titel 7 § 33]<lb/> § 33 Ebenermassen helt es sich
                    mit einem weltlichen usufructuaris, der ein guet sein lebenlang zu gebrauchen
                    hatt, auch dann, da er dasselb guet weiter verließ (das ihme dann unverwert), so
                    felt solcher bestant mit seinem todt und <pb n="Edition 2015 S. 140"/> ist der
                    aigenthumber, welchem der ususfructus wieder haimbgefallen, die uberigen bestant
                    jar zu halten nit schuldig, doch ist solcher bestantman von dem uberigen und
                    abgeseßnen zinß entbunden, und da derselb anticipiert worden, soll er ihme
                    bestantman von des hinlassers ererben pro rato wider erstatt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.34"> [Buch II Titel 7 § 34]<lb/> § 34 Wann ein bestantherr mit dem
                    zinß ultra dimidium justae pensionis gevärdt worden, ihme auch weniger als der
                    halbtail des rechten und billichen zinß geraicht wirdt, so mag er den bestant
                    nit halten; wann er aber umb ein schlechten fraudiert, Kan er den bestant under
                    dem schein, das er sein guet zu wolfail hingelassen, nit revocieren; also auch
                    wann in wehrenden bestant ain anderer herr füerkömb, welcher dem bestantherrn
                    mehrers geben und verzinsen wolt, so gebüert dennoch dem bestantherrn nit, den
                    bestant vor der zeit aufzuheben; nach außgang aber dasselben mag er den
                    bestantman steigern oder sein guet einem andern verlassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.35"> [Buch II Titel 7 § 35]<lb/> § 35 Do ihr etlich ein guet mit
                    einander unverschaidenlich und samentlich bestehen, so mag der haußherr von ihr
                    iedem den ganzen zinß in solidum begern; wo sie aber den bestant sonderlich und
                    verscheidenlich angenomben ist Keiner fur den andern zu betzahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.36"> [Buch II Titel 7 § 36]<lb/> § 36 Wann ein ehefraw in den
                    bestantbrief neben ihrem eheman nit verschriben, so ist sie ainigen zinß zu
                    bezahlen nit schuldig, es were dan sach das sie ihres mannes instituierte erbin. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.37"> [Buch II Titel 7 § 37]<lb/> § 37 Ein bestantman soll das
                    bestanden guet bona fidei und wie einem vleissigen getreuen haußhalter gebüert
                    innenhaben und gebrauchen, derhalben do er dasselb mit abprechen verwisten
                    verwarlosen unvleiß oder böser wirtschaft deterioriert und letzer macht, solle
                    er solchen schaden dem bestantherrn nach billigen dingen (do gleich im
                    bestantbrief davon kein meldung beschehen were) abtragen; dann derlei schaden
                    nemben sich ex natura contractus selbst aus. es gilt auch disfals gleich, ob
                    derlei schäden durch ihne bestantman, seine ehehalten haußgenossen oder auß- und
                    eingeher beschehen, dann er den schaden fur sie alle zu büessen schuldig; doch
                    steet ihme gegen frembden sein regres bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.38"> [Buch II Titel 7 § 38]<lb/> § 38 Deßgleichen do der
                    bestantman wider die bestant verschreibung oder derselben bedingten conditionen
                    handlet, ist er umb solchen misprauch seinem bestantherrn verbunden. do er auch
                    in werender bestantszeit von dem bestandnem guet etwas entziehen ließ und
                    dinstbarkeiten oder ander nuzbarkaiten vergeben thett, solle er solchen schaden
                    gleichfals erstatten. <pb n="Edition 2015 S. 141"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.7.39"> [Buch II Titel 7 § 39]<lb/> § 39 Fur zustende unfall aber,
                    als ungewitter wassergieß schaur krieg erdbiden und dergleichen casus fortuitos
                    ist der bestantman von den bestantherrn entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.40"> [Buch II Titel 7 § 40]<lb/> § 40 Wann sich von aussen ain
                    prunst erhebt und in das bestanden guet einfelt, soverr der bestantmann alle
                    menschliche und nuzliche rettung, so trewlich und vleissig als ers in seinem
                    aigen guet thet, furgewendt, aber dennoch der prunst nit furkomben mugen, so ist
                    er den bestantherrn ainigen prunstschaden abzutragen nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.41"> [Buch II Titel 7 § 41]<lb/> § 41 Deßgleichen wann sich die
                    prunst durch unversehene unfall als krigsleuf wilde oder gelegte feuer, zutrueg,
                    so ist der bestantman von dem bestantherrn entsprochen, es were dann sach das
                    der bestantman an solcher prunst schuldig und das feur mit seiner persohn durch
                    feintschaft oder ander unzimblich weg geursacht hette. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.42"> [Buch II Titel 7 § 42]<lb/> § 42 Do aber der bestantman
                    fursezlich aus frävel frechhait oder dolo malo ein prunst im bestandnen guet
                    stiftet, solle er dem bestantherrn allen erlittnen schaden zu seinem benügen
                    erstatten; also auch wann die prunst durch sein oder seiner ehehalten und
                    haußgenossen unvleiß nachlessigkait und unwirtschaft außkemb, solle er solchen
                    prunstschaden seinem bestantherrn nach billichen dingen abtragen; welches also
                    dem lantsbrauch nach gehalten werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.43"> [Buch II Titel 7 § 43]<lb/> § 43 Es solle aber solcher
                    unvleiß, es beweise dann denselben der bestantherr wie zu recht genueg, nach
                    lantsbrauch nit vermuetet werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.44"> [Buch II Titel 7 § 44]<lb/> § 44 Wiewohl die geschribenen
                    rechten vermögen, das ein bestantman das bestanden guet ainem andern seines
                    gleichens und zugleichem gebrauch ohn vorwissen seines bestantherrn weiter
                    verlassen möge, iedoch weil, under denen bestantleuten ain grosse underschaid,
                    auch ein anderer dem bestantherrn nit sowohl gemaint oder umb Künftige schäden
                    angesessen sein mag als der erst bestantman, so ordnen setzen wellen wir auß
                    lantsfürstlicher volmacht, das hinfurahn kein bestantman den haubtbestant ainer
                    andern persohn ohn vorwissen und zugeben seines bestantsherrn hinlassen solle,
                    es hette dann der bestantherr den bestantman dise freihait in bestantbrief
                    bevorgesezt oder es were nit umb das ganz bestanden guet sonder nur umb ein oder
                    mehr particularstuckh zu thain. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.45"> [Buch II Titel 7 § 45]<lb/> § 45 Wann der bestantherr seinen
                    bestantman zu ordentlicher und bedingter zeit nit aufkündt, so wirdt der bestant
                    wider tacite confirmirt; derhalben kan er den bestantman vor endung derselben
                    neu angehenden bestantzeit nit austreiben. <pb n="Edition 2015 S. 142"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.7.46"> [Buch II Titel 7 § 46]<lb/> § 46 Do der bestantman den
                    bestant zu rechter weil aufkündet oder zu gebürlicher zeit außziehen wolte, soll
                    ihne der bestantherr nit aufhalten; thett ers aber, so ist er ihme den schaden
                    abzutragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.47"> [Buch II Titel 7 § 47]<lb/> § 47 Was auch der bestantman in
                    das bestanden guet fur besserung nottwendig und mit vorwissen gewendet,
                    dieselben melioration solle ihme der bestantherr erstatten oder an den zinß
                    abgehen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.48"> [Buch II Titel 7 § 48]<lb/> § 48 Wiel dann der bestantman
                    das, so er etwo an gätter thierposten fenster oder dergleichen gewönlichen und
                    notturftigen stucken gebessert, mit sich weknehmen, das solle ihme auch
                    bevorstehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.49"> [Buch II Titel 7 § 49]<lb/> § 49 Damit sich aber der
                    melioration halben zwischen denen contrahenten destweniger unrath erhebe, solle
                    hinfuran Keinem bestantman erlaubt sein, in das bestandguet etwas zu legen oder
                    zu bauen, es geschehe dann mit seines bestantherrn wissen und willen,
                    außgenombenes were die ausgab gering oder der bestantherr ausser lant oder es
                    were die besserung in augenschein so notwendig befunden, das sie nit umbgangen
                    hett mögen werden. was aber Keinen notturft sonder ainem lust zier oder
                    uberflueß gleich, das solle nit passiert noch an dem zinß abgezogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.50"> [Buch II Titel 7 § 50]<lb/> § 50 Wann der bestantman den
                    bedingten zinß zu rechter weil und zeit nit bezahlt, so ist er den bestantherrn
                    das interesse von dato der verfalnen zahlzeit neben den haubtzinß richtig zu
                    machen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.51"> [Buch II Titel 7 § 51]<lb/> § 51 Die recht zeit aber ist die,
                    deren sich die contrahenten vergleichen, und do durch sie von der zeit nicht
                    beschlossen worden, were der bestantman den zinß nit zum eingang sonder außgang
                    des jars zu erlegen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.7.52"> [Buch II Titel 7 § 52]<lb/> § 52 Welcher sambt seinen erben
                    und successoren uber zweiunddreissig jar ein guet in bestant gehabt, der oder
                    desselben erben bekomben daran oder darauf kein aigenthumb, dann die langwürigen
                    bestant gebehren kein praescription noch verjärung </p>
        <p xml:id="NA.2.7.53"> [Buch II Titel 7 § 53]<lb/> § 53 Auf ewig ann kein guet
                    verlassen werden, dann solche unwiderrufliche hinlassung keinen bestant sonder
                    ainer aigenthumblichen alienation gleich. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.7.54"> [Buch II Titel 7 § 54]<lb/> § 54 Wann dem bestantman an
                    seinem bestant von andern derlei spör und hinderung in wehrender bestantzeit
                    begegnet, welche der bestantherr wenden kunte, aber solches auf ersuchen nit
                    thuet, so ist er dem bestantman den schaden abzutragen schuldig; do er aber die
                    irrung nit abstellen möcht, soll er den bestantman des unverseßnen uberigen zinß
                    freisagen, oder da er anticipirt demselben pro rata widerumb hienausgeben. <pb n="Edition 2015 S. 143"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.7.55"> [Buch II Titel 7 § 55]<lb/> § 55 Wann ein inman lange zeit
                    ausser lants were und den haußzins nit richtig machet, mag der haußherr begeren,
                    das die behausung durch commissarii eröfnet, und was darinnen befunden
                    ordentlich inventirt, ihme auch die behausung eingeraumbt werde. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.8">
        <head>[Buch II Titel 8]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=118">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der achte titl. Von geltschulden und paren
                    furlehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.1"> [Buch II Titel 8 § 1]<lb/> § 1 Die kinder und leibserben, so
                    ihre vogtbare jar nunmehr erraicht und (in) ihrer eltern gewaltsamb nit mehr
                    sein, mögen ihren eltern, deßgleichen die eltern ihren vogtbaren kindern, gelt
                    leihen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.2"> [Buch II Titel 8 § 2]<lb/> § 2 Ebenergestalt mögen die
                    ehemänner ihren ehefrauen und herwider die ehefrauen ihren ehewirten von der
                    parschaft damit sie in croft des heiratsvermacht gegen einander unverbunden und
                    frei sein leihen, die parschaft aber so ihr ein ehefrau vorbehalten kan der mann
                    on ihren willen andern persohnen nit außleihen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.3"> [Buch II Titel 8 § 3]<lb/> § 3 Die vogtbaren und minderjärigen
                    sollen ohn vorwissen und bewilligung ihrer furgesezten gerhaben oder curatorn
                    nichts außleihen, sonsten mögen bemelte gerhaben und curatorn solches gelt oder
                    do es nit mehr verhanden desselben gleichmessige erstattung wider einfordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.4"> [Buch II Titel 8 § 4]<lb/> § 4 Die gerhaben und curatorn
                    sollen ihrer pupillen und minderjärigen parschaft deren sie zu ihrer verwaltung
                    nit bedurftig lehensweise anlehgen, sonsten do sie dieselb verhielten oder
                    unnüzlich verligen ließen, sein sie ihren pflegkindern die lantgebreuchige
                    verzinßung auß ihrem aigen guet zu betzahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.5"> [Buch II Titel 8 § 5]<lb/> § 5 Solche ausleihung alle solle an
                    ehrliche gewöhnliche und sichere ort beschehen, damit ihr pflegkinder wann sie
                    zu ihren vogtbaren jaren komben solche schulden ohne ainigen abschlag und
                    schaden der haubtsumma sambt denen davon herrürenden vertzinsungen einfordern
                    mögen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.6"> [Buch II Titel 8 § 6]<lb/> § 6 Wann nun solches furlehen bona
                    fide erbarlich und treulich beschicht, obgleich nachmals die pupillen-schuldner
                    erarmeten aufstünden oder sonst zu betzahlen nit stathaft weren, so kündten die
                    pflegkinder ihre schäden bei angeregten ihren furgesezten pflegvättern nit
                    suchen, so were dann sach das sie die einforderung zu ordentlicher zeit nit
                    furgenomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.7"> [Buch II Titel 8 § 7]<lb/> § 7 Do sie aber einer oder mehr
                    persohnen furstreken thetten, welche zur zeit des furlehens um die schult nicht
                    genuegsamb noch solvendo weren oder mit ihren thain und wesen damals fur suspect
                    gehalten werden oder umb glauben <pb n="Edition 2015 S. 144"/> und trauen
                    zuvorkomben weren, so sollen sie ihren pflegskindern fur solche schedliche
                    ausleihung da sie anderer gestalt nit bezalt kunten werden guet sein, ihnen auch
                    dieselb schulden erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.8"> [Buch II Titel 8 § 8]<lb/> § 8 Es solle kein gerhab seiner
                    pflegkinder parschaft selbst brauchen noch lehensweise geniessen, es geschehe
                    dann mit vorwissen der ordentlichen obrigkait. also soll auch kein gerhab seinem
                    mittutorn aus der gerhabschaft leihen ohn vorwissen bemelter obrigkait. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.9"> [Buch II Titel 8 § 9]<lb/> § 9 Die andern gewalthaber pfleger
                    und verwalter sollen von ihrer herrn oder derselben underthanen guet einiges
                    furlehen nit thain ohn vorwissen und specialgewalt gedachter ihrer oberherrn. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.10"> [Buch II Titel 8 § 10]<lb/> § 10 Die ambtleut und dergleichen
                    persohnen, welche ihren herrn raitungen zu thain schuldig, sollen das gelt so
                    ihnen zu ihrer administration vertrauet wirdt zu aignem nutz nit brauchen noch
                    ohn vorwissen ihrer obrigkait außleichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.11"> [Buch II Titel 8 § 11]<lb/> § 11 Die lehensleut und versallen
                    sollen auf ihre habende lehensgueter ainiges furstrecken nit aufbringen, es were
                    dann sach das sie sonsten kein eigenthumblichs guet hetten und ihr entlehnen mit
                    unseren als herrn und lantsfursten consens beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.12"> [Buch II Titel 8 § 12]<lb/> § 12 Die geistlichen praelaten
                    und administratorn sollen ohn vorwissen ihres capittels und conventualen kein
                    namhafte parschaft außleihen noch die schultbrief auf ihre persohn allein ohn
                    vermeldung ihres convents stellen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.13"> [Buch II Titel 8 § 13]<lb/> § 13 Wann zwo oder mehr persohnen
                    in gleicher gemeinschaft als einem erbrecht oder andern rechtmessigen societet
                    stehen, so soll keiner ohn des andern vorwissen von solchem gemeinen guet etwas
                    außleihen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.14"> [Buch II Titel 8 § 14]<lb/> § 14 Welcher gelt entlehnet der
                    mag dasselb ferrer seinem andern hinumbleihen, doch soll er der erst außleiher
                    sein lehen bei dem ersten schuldner ersuchen und Kan von seinem schuldner auf
                    den andern nachschuldner nit gewisen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.15"> [Buch II Titel 8 § 15]<lb/> § 15 Ein unvogtbarer soll ohn
                    vorwissen und zugeben seiner gehaben und curatorn nichts entlehnen, do ihme aber
                    ausser derselben willen gelt oder geltswerth gelihen würdt, soll der glaubinger
                    keiner betzahlung wider habhaft werden, er bringe dann in glaubwurdigen schein
                    fur, das der unvogtbar solches gelt nit bößlich anworden sonder zu seiner
                    notturft und wohlfart verzehrt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.16"> [Buch II Titel 8 § 16]<lb/> § 16 Denen gerhaben und curatorn
                    solle unverwert sein zu ihrer pflegkinder unvermeidtlichen notturft gelt
                    aufzubringen, dasselb sollen auch ihre pflegkinder nach ihrer erraichten
                    vogtbarkeit wo die erstattung zuvor nit beschehen ohn entgelt ihrer gerhaben und
                    curatorn zu entrichten schuldig sein; doch <pb n="Edition 2015 S. 145"/> ist
                    disfals vonnötten das solches gelt zu der pflegkinder nutz und frumben angelegt
                    oder in ihre gueter verwendt sei worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.17"> [Buch II Titel 8 § 17]<lb/> § 17 Gleichermassen mögen die
                    geistlichen zu ihrer clöster und kirchen furgefallenden notturften schulden
                    machen und gelt auftreiben, doch das solches darlehen wie oben bei der gerhaben
                    und curatorn persohn vernomben zu der Kirchen nutz und fromben angelegt werde,
                    sunsten sein ihre successoren solche schulden zu erstatten nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.18"> [Buch II Titel 8 § 18]<lb/> § 18 Die gewalthaber pfleger
                    verwalter und ambtleut sollen ohn sondern ihrer herrn consens und specialgewalt
                    nichts entnemben, sonsten stehet ihnen und nit ihren herrn die bezahlung zu. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.19"> [Buch II Titel 8 § 19]<lb/> § 19 Unsere lantsfurstlichen
                    ambtleut desgleichen einer ersamben gemeinen lantschaft einnember sollen sich
                    mit dem entlehen ihrer instruction gemeß verhalten und darwider keineswegs
                    handlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.20"> [Buch II Titel 8 § 20]<lb/> § 20 Waß andere factorn agenten
                    und freihandler in ihrer herrn namben entlehnen und in ihrer herrn nutz
                    verwenden das sein die herrn ohn weigerung zu erstatten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.21"> [Buch II Titel 8 § 21]<lb/> § 21 Bei den geschribnen
                    Kaiserlichen rechten ist versehen das kein obrigkait von seinen undergebnen
                    deßgleichen kein gerichtspersohn von denen gerichtsanhengigen parteien gelt
                    entlehnen solle; dieweil aber der wissentlich lantsbrauch diser satzung
                    entgegen, lassen wir es bei solchem alten herkombenten gebrauch genedigist
                    verbleiben, doch das solches ohn verdacht corruption und allen argen wohn
                    beschehe. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.22"> [Buch II Titel 8 § 22]<lb/> § 22 Die schultverschreibung
                    werden underschidtlicher massen gestelt: erstlichen das sich die schuldigen
                    persohnen ,samentlich' oder furs ander ,unverscheidenlich' verschreiben, welcher
                    clausl iedes dise würckung auf ihme tregt, das kein verschribene persohn in
                    solidum oder allein sondern nur pro rata portione und fur seinen geburenden tail
                    umb die betzahlung furgenomben kan werden. furs dritt verbrieft man die
                    schultbrief auf daz clausl ,sunderlich' oder zum vierten mit dem wort
                    ,verscheidenlich', in welchem fall ein iede persohn welche umb die schult
                    verschriben in craft angeregter wort in solidum und umb die ganz schultsumma
                    verobligiert, auch die betzahlung allein ohn einige weigerung auf seine
                    mitverwanten zu thain schuldig. der funft inhalt beschicht mit den worten
                    ,sament und sonderlich' oder aber ,sament unverschaidenlich, sonderlich und
                    verschaidenlich' in welchen fall sich die persohnen all miteinander und ein
                    ieder daraus insonderhait umb die schult verbunden: derwegen steet dem
                    glaubinger <pb n="Edition 2015 S. 146"/> bevor solche schuldner all miteinander
                    oder aber einen daraus umb die vollige betzahlung furzunemben. die schuldbrief
                    aber so mit baiden worten ,sament und unverschaidenlich' qualificiert haben eben
                    die deutung, als ob deren clausl nur aines darin verbleibt, dann sie sein beede
                    ainer gleichmessigen würkung, nemblichen das die schulden pro rata portione
                    anzumahnen sei. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.23"> [Buch II Titel 8 § 23]<lb/> § 23 Was sich mehrer persohnen
                    umb ein ainige schult verschreiben und in solcher obligation obbemelter oder
                    gleichformiger clausl keines begriffen, so soll die verbindung pro rata portione
                    vermueg geschribener rechten verstanden werden, derowegen keiner umb mehrers alß
                    seinen der anzahl nach gebürenden thail furgenomben soll werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.24"> [Buch II Titel 8 § 24]<lb/> § 24 Welcher gelter nit
                    ,sonderlich' sonder ,sament und unverscheidenlich' umb schulden verschriben und
                    von seinem glaubinger umb die ganz summa furgenomben wirdt, der mag sich
                    derselben waigern und seinen gebürenden thail pro rata portione zu betzahlen
                    anerpieten, dabei soll er auch gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.25"> [Buch II Titel 8 § 25]<lb/> § 25 Im fall er aber die völlige
                    betzahlung aus guetwilligkait und keiner gerechtigkait thett, steet ihm der
                    regres umb die ubermaß gegen seinen mitverschribnen in allweg bevor, darzu ihme
                    durch beraite und fertige execution geholfen soll werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.26"> [Buch II Titel 8 § 26]<lb/> § 26 Wann ein glaubinger mehr
                    schuldner ,sament und sonderlich' verschriben, so solle in seiner wahl steen
                    dieselben alle oder allein ainen aus ihnen umb die völlig summa furzunemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.27"> [Buch II Titel 8 § 27]<lb/> § 27 Gleichfals wann sich mehr
                    persohnen umb schulden mit dem clausl ,sonderlich' verschriben, so steet
                    abermals dem glaubinger bevor ainen vor dem andern umb die ganze summa
                    furzunemben, also ist auch der glaubinger befuegt sein habende action zu tailen
                    und die schulden, darumben ihr mehr sonderlichen verschriben, von einem ieden
                    pro rata portione einzufordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.28"> [Buch II Titel 8 § 28]<lb/> § 28 Wann einer das entlehnet
                    gelt außgäb und der haubtschuldner hernach nit solvendo würdt, so kan der so das
                    gelt von ihme schuldner ausser lehen in ander rechtmessige weeg empfangen dem
                    ersten glaubiger nit furgenomben werden </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.29"> [Buch II Titel 8 § 29]<lb/> § 29 Auf lautere und liquidierte
                    schultbrief sollen die gericht vermüeg außgangner general fertige und schleinige
                    aussrichtung thain, darwider auch Kein exception gestatten, sie haben dann
                    paratam probationem und könne in continenti aufgelegt oder dociert werden
                    sonsten wo unlauter unrichtig oder unliquidiert gegenanforderungen
                    compensationen oder exceptionen furkomben, sollen die unwidersprechlichen
                    richtigen schulden damit nit aufgehalten noch gespert sonder dem opponierenden
                    thail sein gegenspruch oder einträgen in <pb n="Edition 2015 S. 147"/> einer
                    absonderlichen instanz furzubringen bevorgestelt werden, dann das unlauter Kan
                    das lauter nitt sperren. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.30"> [Buch II Titel 8 § 30]<lb/> § 30 Wann ein schuldner zu
                    vermainten behelf furgeb, sein glaubinger hab das gelt so er ihme gelihen mit
                    Keinem rechten fueg sondern mala fide und bösem titl an sich gebracht, so solle
                    er mit diser ausflucht nit gehört sondern abgewisen werden, dann er solches fur
                    sein persohn nit zu anten. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.31"> [Buch II Titel 8 § 31]<lb/> § 31 Es haben die außlendischen
                    schuldner vielmals im brauch, wann sie im lant betretten und wegen der bezahlung
                    angesprochen werden, das sie sich nit einlassen wöllen sonder auf ihre obrigkait
                    darunter sie mit rucken sitzen excipiern. dieweil aber ein ieder in dem lant do
                    er contrahiert von rechtswegen die betzahlung thain und im fall der waigerung
                    daselbst zu recht steen mues, so ordnen und setzen wir aus lantsfurstlicher
                    volmacht, das gegen derlei außlendischen schuldnern die gericht denen
                    inlendischen mit arrestierung der persohn und guets auch verschaffung würklicher
                    betzahlung fürdersambe außrichtung thain sollen, ungehindert aller allegierten
                    lantsfreihaiten gewohnhaiten und statuten, so von denen außlendischen angezogen
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.32"> [Buch II Titel 8 § 32]<lb/> § 32 Also begibt sich auch
                    vielmals, wann die inlendischen lantleut von persohnen welche unserm
                    lantmarschalchischem gericht nit zugethan gelt aufbringen und nachmals umb
                    betzahlung desselben verclagt werden, das unsere lantleut von solchen ihren
                    glaubingern wider lautere liquidirte schultbrief allein zu aufzug der sachen
                    caution zum rechten begern und sich ehers nit einlassen wollen, welcher
                    mißbrauch Keinesweegs zu billichen; dann wer einem lantman zum darlehen guet
                    genueg ist, des persohn soll wanns zum zahlen kombt auch genuegsamb sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.33"> [Buch II Titel 8 § 33]<lb/> § 33 Derhalben setzen und ordnen
                    wir das keinem liquidirten glaubinger die exception der caution zum rechten
                    hinfurahn gestatt werden solle, zumal weil die schultbrief kein disputat leiden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.34"> [Buch II Titel 8 § 34]<lb/> § 34 Wann ein schuldner durch
                    prunst wassergieß krigslauf oder dergleichen casus fortuitos verdirbt und von
                    seinem vermögen kombt, so ist er dennoch von den schulden nit entsprochen; ihme
                    steet aber bevor mit seinen glaubingern auf leidenliche frist und termin zu
                    handlen. wo nun dieselb bei denen creditorn stat findt, mag sich der gelter
                    ihrer wilkuhr betragen; do aber die guete bei ihnen nit verfenklich, solle der
                    ordentlichen obrigkait hiemit zugelassen sein durch taugliche commissarien mit
                    denen creditorn wilkürliche handlung pflegen, und im fall was erhandlet, den
                    schuldner dawider nit tringen zu lassen. wo aber dieselb commission ohn frucht
                    abgieng und bei denen glaubingern in der güet nichts zu <pb n="Edition 2015 S. 148"/> erheben, so mag die obrigkait auf furgebrachten
                    glaubwürdigen schein oder nach wohrhafter erkundigung solcher unversehener
                    zugestandner unfall oder unverschuldter erarmung nach gelegenhait der creditorn
                    und debitorn auch der jarn geschaffenhait denen creditorn einen zimblichen und
                    leidenlichen stilstant, nemblichen auf ein halbes oder ganzes jar, gegen
                    laistung bürgschaft oder wo dieselb nit zu bekomben gerichtlicher moratori
                    caution gebüeten. lenger moratori-zeit aber wöllen wir unß als herrn und
                    lantsfürsten in alweg vorbehalten haben. sonsten wo derlei unfall oder
                    gleichmessige billiche ursachen nit verhanden, solle hiemit alle eisene brief,
                    moratori freihaiten freibrief gelait bevelch und was dergleichen sein mag
                    hinfurahn aufgehebt und denen schuldnern zu geverlichen aufstant, fallierung,
                    abhandlung der verfalnen interesse, abbruch der haubtsumma, erweiterung der
                    schultfristen und anderer gleichmessiger beschwerlichen handlungen so in disem
                    lant vast einwurzlen, dardurch auch das gemein credit, glauben und trauen in
                    grossen abfall komben, under einem oder dem andern gerichtlichen schein nit
                    gegeben werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.35"> [Buch II Titel 8 § 35]<lb/> § 35 Und nachdem in unserem lant
                    Österreich under der Ennß bei wenig jaren heer etliche neue geverliche und
                    hochschädliche contract aufkomben so man partita nennet, bei welchen
                    partitahandlungen denen gelts notturftigen persohnen neben oder ohn gelt wahren
                    heuser weingarten wein silbergeschier geschmeid und andere dergleichen gattungen
                    in hohen ubermessigen und unertreglichen werth ohn einige schatzung denen
                    geltern eingeraumbt und die schultbrief auf den vorthail und aigennutz gestelt,
                    als ob der furlehen in guetem barem gelt beschehen, welches alles strafmessig
                    dahin gerichtt, damit man auf solche schultbrief als lauter liquidirte
                    instrument furdersambe und bereite execution thain solle; demnach dieweil wir in
                    gewisser und eigentlicher erkundigung befunden, das mit derlei gefehrlichen und
                    betrüeglichen handlungen unsere underthanen, sonderlich die armen nöttigen und
                    einfeltigen leut, nit allein ultra dimidium justi pretii sondern viel umb ein
                    höhers vergriffen bevärdt und verfortailt werden, auch durch solche geschwinde
                    und schädliche contract mehrmals euserstes verderben und gar an den pettelstab
                    gerathen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.36"> [Buch II Titel 8 § 36]<lb/> § 36 So setzen und ordnen wir aus
                    lantsfürstlicher volmacht, wo ein schuldner mit glaubwürdigen schein darthuen
                    und ausfindig machen kan, das sein schulden vonn derlei verbottnen
                    partitahandlungen herrüert, so solle er von dem partitamacher und glaubinger
                    aller anforderung entbunden sein, darüber auch bei allen gerichten frei und
                    ledig gesprochen werden. <pb n="Edition 2015 S. 149"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.8.37"> [Buch II Titel 8 § 37]<lb/> § 37 Soviel aber das recht lehen
                    nach lantleufiger schatzung oder erkantnuß des gerichts, außgeschlossen der
                    gefährlichen und beschwerlichen ubermaß bringen thätt, dasselb solle uns in
                    unser cammer doch ohn ainige verzinsung verfallen, auch der schuldner dasselb
                    unserer niderösterreichischen cammer auf erforderung nach verstrichnem
                    schulttermin zu erlegen schuldig sein, und do ein gelter in derlei
                    partitahandlungen mehrers als einmals befunden wirdt, soll er nach gelegenhait
                    seines aufbringens am leib oder guet gestrafft und hierinnen niemants verschont
                    werden. die partitamacher und creditorn (fol 139.) aber sollen uber
                    confiscierung des lehens, do sie zum andernmahl betretten, aus der stat Wien,
                    und wo sie ferrer furkomen allen unsern landen Künigreichen geschafft und darin
                    bei verlierung leibs und guets nit gelitten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.38"> [Buch II Titel 8 § 38]<lb/> § 38 Wie es mit furleihung auf
                    die feltfrucht gehalten soll werden, ist durch ofne general lauter furgesehen,
                    darbei wir es nochmahlen genedig ist wenden lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.39"> [Buch II Titel 8 § 39]<lb/> § 39 Welcher in einem schultbrief
                    mehrers alß die recht schuldig summa trifft gevärlicherweiß setzen lest, der
                    solle dardurch die ganze schult verwürkt haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.40"> [Buch II Titel 8 § 40]<lb/> § 40 Wann ein glaubinger sein
                    furlehen vor außgang der gedingten zahlfrist abfordert, solle dem schuldner der
                    termin von dato der beschehenen unzeitigen abforderung gedoppelt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.8.41"> [Buch II Titel 8 § 41]<lb/> § 41 Alßbalt der schuldner oder
                    sein gewalthaber an seiner statt das gelichen gelt in seine hant und gewahrsamb
                    empfangen, mues er damit ohn des glaubingers entgelt alle gefähr durch feur
                    diebstall und in ander weeg ausstehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.8.42"> [Buch II Titel 8 § 42]<lb/> § 42 In die schultbrief wirdt
                    oftermahlen gesetzt, wann der schuldner zu ordentlicher und bedingter zeit nit
                    zahlen thett, daß der glaubinger fueg und macht haben solle, sein des schuldners
                    gueter selbst ohn all gerichtliche hüelf execution oder behebnus antzutretten
                    und sich derselben aignes gewalts habhaft und fehig zu machen. Dieweil aber
                    durch solche pactionen nit allein gerichtlich hohait umbgangen sonder aus derlei
                    aigenthettigen antrettungen so von denen glaubingern beschehen vilmahlens
                    gevärliche geweltige und lantsschädliche mißhandlungen unrath und etwo
                    todtschleg ervolgen, dem allen furzukomben wöllen ordnen und setzen wir, das
                    hinfüro solche eigennutzige geding kein craft noch würkung haben sondern on alle
                    frucht und operation sein sollen. welcher auch under dem schein solcher
                    verbriften und unverbrieften bedingnus dem andern sein haab und guet aus
                    gerichtshanden occupiren und einnehmen thett, der solle dem belaidigten tail in
                    abtrag des erlitnen gewalts nach messigung des gerichts erkent werden. <pb n="Edition 2015 S. 150"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.8.43"> [Buch II Titel 8 § 43]<lb/> § 43 Welcher aber seiner
                    verschribnen oder hypothecierten gueter habhaft werden will, der solle hinfurahn
                    die gerichtlich hüelf begehren und mit gerichtshanden in dieselben würklich
                    gesezt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.9">
        <head>[Buch II Titel 9]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=142">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der neünte titl. Von natur art und
                    aigenschaft der schulden und crediten in gemein. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.1"> [Buch II Titel 9 § 1]<lb/> § 1 Welcher glaubinger seinen
                    schuldner ausser gerichtshanden selbst einziehen, gefenknussen oder verhaften
                    thuet, der solle dardurch sein darlehen verwürkt und verlohren haben, auch von
                    wegen des geübten gewalts und propter privatos carceres von der obrigkait
                    gestrafft werden, es sei dann sach das der schuldner fhlüchtigen fueß zu setzen
                    im werkh wer, alßdann möcht er fueglich durch seinen creditorn eingetzogen und
                    innerhalb vierundzwanzig stunden dem ordenlichen gericht uberliefert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.2"> [Buch II Titel 9 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen welcher sich mit
                    bewerter oder geweltiger hand selbst zahlhaft macht und die gerichtlich hüelf
                    umbgehet, der solle dardurch sein fürlehen verlohren haben und dasselb nit dem
                    fisco sonder dem vergweltigten schuldner (wie auch in obgehörtem fall) zustendig
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.3"> [Buch II Titel 9 § 3]<lb/> § 3 Welcher glaubinger ainen andern
                    inlendischen oder außlendischen an seines schuldner statt ausser sonderbaren
                    lantsfürstlichen concession pfenden aufhalten vergweltigen oder gefanknussen
                    lest oder sich mit seinem guet selbst zahlhaft machet, der solle dardurch sein
                    schult verwürkt haben und dem aufgehalten oder vergweltigten allen erlitnen
                    gewalt uncosten schaden schand spott und versaumbnus nach erkantnus des gerichts
                    abzutragen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.4"> [Buch II Titel 9 § 4]<lb/> § 4 Wann ein unhaltiger schuldner
                    in disem lant nit angesessen noch verbürgtt, sein glaubinger auch mit kainem
                    underpfant von ihme versehen, so mag glaubinger solchen schuldner der
                    betzahlungen halben im lant durch die obrigkait mit leib und guet wohl
                    verstriken und verarrestirn lassen, ihne auch solcher verstrickung so lang nit
                    begeben, biß er würklich zahlt oder ihme glaubinger zu seinem benügen
                    assecuriert. welcher aber ainen angeseßnen oder verbürgten umbschulden
                    arrestiren oder gefenknussen lest, der solle ihme den erlitnen gewalt spott
                    schand und schaden abzutragen schuldig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.9.5"> [Buch II Titel 9 § 5]<lb/> § 5 Do der glaubinger etwas
                    inhendig hett oder in stand der wehrenden schult bekumben thett, welches seinem
                    schuldner zugehörig, so soll er sich selbst nit <pb n="Edition 2015 S. 151"/>
                    pfenden noch davon zahlhaft machen sonder sein furlehen mit gerichtshanden
                    bekomben wie recht ist. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.6"> [Buch II Titel 9 § 6]<lb/> § 6 Also ist auch Kein glaubinger
                    befuegt unersucht seines schuldners auf desselben schuldners nachschuldner zu
                    greifen oder ihne umb betzahlung erster instanz furzunemben; wann aber der
                    haubtschuldner nit solvendo were, so möcht der glaubinger auf den nachschuldner
                    sein execution werben. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.7"> [Buch II Titel 9 § 7]<lb/> § 7 Wann ein glaubinger neben des
                    principals-schuldners obligation mit burgschaften oder verpfendten ligunden
                    gueter versehen, so soll ihme nach lantsbrauch bevor- und seiner wall steen
                    seinen habenden burgen vor dem haubtschuldner furzunemben oder vor allen dingen
                    auf sein underpfant zu clagen. do auch dieselben verpfendten gueter von einem
                    andern besessen, mag er glaubinger solchen inhaber darumben furnemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.8"> [Buch II Titel 9 § 8]<lb/> § 8 Welcher glaubinger auf ein gelt
                    verbott thuet, der solle sein verbott inner monatsfrist vor gericht prosequiren,
                    auch wie recht ist erleutern und ausführen; thett er solches ohn genugsambe
                    verhinderung in obbestimbten termin nit, so solle auf anhalten des gegentails
                    das verbott wider relaxiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.9"> [Buch II Titel 9 § 9]<lb/> § 9 Welcher im lant angesessen oder
                    verbürgt, gegen demselben solle kein verbott noch arrest statthaben. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.10"> [Buch II Titel 9 § 10]<lb/> § 10 Ein schuldner kan seinen
                    creditoren wider seinen willen nit nötten al sein guet in solutum anzunemben und
                    von der ubermaß seine glaubinger zu contentieren. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.11"> [Buch II Titel 9 § 11]<lb/> § 11 Die creditorn sollen gegen
                    des abgeleibten schuldners erben vor ordentlicher inventierung oder dem
                    gewöhnlichen dreissigisten nichts thättlichs noch gerichtlichs furnemben, auch
                    sein verlassung nit sperren lassen, es weren dann die erben abwesent oder der
                    verstorben im lant nit angesessen. </p>
        <p xml:id="NA.2.9.12"> [Buch II Titel 9 § 12]<lb/> § 12 Wann der glaubinger seinen
                    schuldner erbt, so wirdt die schult dardurch todt und ab, es were dann die
                    schult mehr als der erblich tail, dann im solchen fall möcht der glaubinger die
                    ubermaß der schulden bei seinen mitterben ersuchen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.10">
        <head>[Buch II Titel 10]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=148">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der zehent titl. Von gevehrlicher
                    alienation des schuldners haab und gueter auch von derselben revocation und
                    erholung. <pb n="Edition 2015 S. 152"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.10.1"> [Buch II Titel 10 § 1]<lb/> § 1 Wann ein schuldner viel oder
                    wenig seiner haab und gueter in stehender schult-zeit seinen glaubingern zu
                    gefar und schaden alienirt vergibt oder verwent, so mögen seine glaubinger
                    dasselb verwendt guet von den inhabern innerhalb jarsfrist von dato ihrer
                    wissenhait an zu rechnen revociern oder aber den schuldner in obbemelter zeit
                    furnehmen und von ihme rechtlich begeren, das er das verwent guet wider an sich
                    löß, sie auch ohn schaden halte. </p>
        <p xml:id="NA.2.10.2"> [Buch II Titel 10 § 2]<lb/> § 2 Es ist aber zu diser
                    revocation vonnötten: erstlich das der contrahent, welcher das alienirt guet
                    bekomben, der geverlichen alienation ein guetes wissen hab, dann da er bona fide
                    mit dem schuldner handlet und seines betrieglichen vorhabens nit bericht hett,
                    könten die gueter ihme nit genomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.10.3"> [Buch II Titel 10 § 3]<lb/> § 3 Zum andern hat dise
                    revocation statt, wann die glaubinger der beschehenen alienation kein wissen
                    haben, dann so sie solcher verwendung erinnerung empfangen und dieselb nit
                    verwehren noch den contrahenten darfur warnen, mögen sie die revocation nit
                    begeren. </p>
        <p xml:id="NA.2.10.4"> [Buch II Titel 10 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten kunnen die
                    alienierten gueter als dan erholt und revociert werden, wan sich die glaubinger
                    wurkhlich laedirt und gefärt befindten, also und dergestalt das sie nunmehr
                    ihrer habenden spruch und schulden volkhombentlich nit contentiert werden mögen;
                    wann aber der schuldner ungeacht seiner gevärlichen alienation noch solvendo
                    wehre und einen weg als den andern seine creditorn zu betzahlen hette, so kunte
                    die revocation nit beschehen, dann ihnen dardurch nichts entgangen. </p>
        <p xml:id="NA.2.10.5"> [Buch II Titel 10 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten ist vonnötten daß
                    solche alienation wilkurlich beschehe, dann do ein schuldner aines oder das
                    ander seiner haab und gueter durch gerichtliche erkantnuß absteen muest, kündt
                    ihme noch dem inhaber ferrer nichts zugemuetet werden. doch stiendt ainem ieden
                    glaubiger disfals bevor sein habende prioritet mit dem inhaber wie recht ist
                    auszuführen. </p>
        <p xml:id="NA.2.10.6"> [Buch II Titel 10 § 6]<lb/> § 6 Wann nun solche revocation
                    beschehen und das alienirt guet zu handen des alienanten gebracht worden, so
                    stehett dem widergeber sein regress nitt gegen denen glaubingern sonder ihme
                    alienanten bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.10.7"> [Buch II Titel 10 § 7]<lb/> § 7 Wann ein glaubinger seiner
                    schulden vor ander creditorn guetlich oder gerichtlich habhaft würdt, so Können
                    sich dessen die nebenglaubinger nicht beschweren, dann die wachenden sollen
                    ihres vleiß billich geniessen; es were dann sach das der betzahlt glaubinger
                    sein darlehen mit gewalt oder durch böse practicken bekomben, alßdann mues er
                    sich neben andern billich einlassen, dann gevehrliche handlungen sollen niemants
                    patrociniern. <pb n="Edition 2015 S. 153"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.11">
        <head>[Buch II Titel 11]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=152">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der aindlift titl. Von der unvogtbaren
                    Kinder gemachten schulden und dem Macedonischen rechten. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.1"> [Buch II Titel 11 § 1]<lb/> § 1 Die eltern sein deren kinder,
                    welche noch in ihren gewaltsamb verhaftt, gemachte schulden zu bezahlen nit
                    schuldig, allein in etlichen furgesehenen fällen: </p>
        <p xml:id="NA.2.11.2"> [Buch II Titel 11 § 2]<lb/> § 2 Erstlichen, wann die kinder
                    daz aufgebracht furlehen zu ihrer eltern notturft wenden. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.3"> [Buch II Titel 11 § 3]<lb/> § 3 Zum andern, do die kinder
                    solches darlehen zu ihres studirens notturft brauchen, doch soll solche schult
                    nit ubermessig sein noch dem gewöhnlichen verlag, welchen die eltern kunten auf
                    ihre kinder jarlich wenden, ubertreffen; dann do sie mehrers als ihnen zu
                    järlichem deputat verordnet wirdt entlehneten, weren die eltern solche ubermaß
                    erstatten nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.4"> [Buch II Titel 11 § 4]<lb/> § 4 Furs dritt, wann das lehen
                    mit der eltern willen und consens beschicht. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.5"> [Buch II Titel 11 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten, wann die eltern
                    der gemachten schulden hernach erinnert worden und dieselben expresse
                    ratificiern oder aber stilschweigent guet lassen sein und darwider nichts
                    protestiren. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.6"> [Buch II Titel 11 § 6]<lb/> § 6 Zum funften, wann die kinder
                    des gelihenen gelts zu ihrer unvermeidtlichen krigsnotturft brauchen. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.7"> [Buch II Titel 11 § 7]<lb/> § 7 Zum sechsten, wann die kinder
                    solches gelt zu ihrer underhaltung, als atzung klaidung und dergleichen
                    unvermeidtlichen naturlichen notturft, verzehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.11.8"> [Buch II Titel 11 § 8]<lb/> § 8 Und obwohl die geschribnen
                    rechten vermögen, das nit allein die eltern sonder auch die Kinder selbs derlei
                    schulden, so sie in ihren unvogtbaren jaren und der eltern gewaltsamb machen,
                    nach erreichter vogtbarkeit zu betzahlen nit schuldig, angesehen daz sie
                    dardurch in ihren volkombenen jaren zu allerlei leichtfertigkait und
                    verschwendung geursacht werden, iedoch weil die darlehen nach lantgebrauch
                    getreulich und ohn gevar beschehen, halten wir fur billich das solche schulden
                    durch die vogtbaren kinder als die principalen selbst betzahlt werden sollen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.11.9"> [Buch II Titel 11 § 9]<lb/> § 9 Gleichermassen wie die eltern
                    ihrer inder gemachte schulden abzurichten nicht schuldig, also sollen auch
                    hergegen die kinder umb ihrer eltern schulden nit furgenomben werden, sie hetten
                    dann dieselben würklich geerbt oder weren der eltern haab und gueter in posses.
                        <pb n="Edition 2015 S. 154"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.12">
        <head>[Buch II Titel 12]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=155">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 12. titl.<note n="N.2.12">[Wechsel auf
                        Ziffern-Numerierung im Original; vgl. im 1. Buch bei ,,15. Titel".]</note>
                    Von usuren interesse und verzinsungen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.1"> [Buch II Titel 12 § 1]<lb/> § 1 Wann der schuldner seinem
                    glaubinger kein interesse versprochen noch verschriben, so ist er biß zu ausgang
                    der ordenlichen zahlfristen Keines zu entrichten schuldig; do er aber eine, mehr
                    oder alle fristen nit hielte sonder dem glaubiger mit der bezahlung uber die
                    bedingt zeit geverlicherweiß aufzug, solle er ihne des unbillichen verzugs
                    halben ohn schaden halten und die gebreuchig verzinsung funf gulden vom hundert
                    von dato an seines verzügigen auf haltens betzahlen. und obgleich der glaubinger
                    seinen schuldner der verfalnen fristen nit erinnert noch die betzahlung von ihme
                    einmahnet, iedoch weil die bedingten und gemessen zahlfrist fur den glaubinger
                    interpelliert, solle ihme der schuldner von seinem verzug ahn das interesse
                    einen weeg als den andern richtig machen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.2"> [Buch II Titel 12 § 2]<lb/> § 2 Da sich aber die contrahenten
                    der verzinsung selbst verglichen, solle es bei ihrer bedingten convention
                    verbleiben, auch solche verzinsung vor und nach dem aufzueg erstatt werden. doch
                    das solches interesse sich auf ein höhers nit als zehen gulden von hundert
                    floren erstrecke; dann do unsern nachgesezten obrigkaiten glaubwürdig fürkomb,
                    das hierwider beschwerlich gehandlet oder ubermessig usuren verschriben und
                    empfangen würden, sollen dieselben einsehung furnehmen und einen tail sowohl als
                    den andern nach gelegenhait der persohnen der ubermessigen verzinsung halben
                    unableßlich straffen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.3"> [Buch II Titel 12 § 3]<lb/> § 3 Wann sich die contrahenten
                    der verzinsung gleichwohl verglichen, aber wie hoch dieselb sein soll
                    austrüklich und in specie nit bedingt, so sollen funf per cento vermug der
                    außgangnen policeiordnung und nit mehrers passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.4"> [Buch II Titel 12 § 4]<lb/> § 4 Also sollen sich auch alle
                    interesse und verzinsungen so bei gericht gemessigt werden uber funf gulden vom
                    hundert nit erstrecken. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.5"> [Buch II Titel 12 § 5]<lb/> § 5 Die verzinsungen mögen nit
                    allein auf dargelichnes pars gelt sonder alle andere contracten, darumben man
                    schultbrief aufrichtt geschlagen werden, doch mit vorgehörter maß und nit höher. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.12.6"> [Buch II Titel 12 § 6]<lb/> § 6 Wann der aufer und verkaufer
                    uber die bedingte oder verschriben zahlfrist mitt der kaufsumma geverlicherweiß
                    aufhelt, solle er ihme das gebreuchig interesse funf per cento von dato des
                    aufzugs erstatten, es hetten sich dann die contrahenten eines mehrern
                    verglichen. <pb n="Edition 2015 S. 155"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.12.7"> [Buch II Titel 12 § 7]<lb/> § 7 Welchem gelt ohn interesse
                    durch erkantnus zugesprochen wirdt, aber dasselb ausser gerichtlicher execution
                    von dem verlustigen thail nit bekomben an, dem solle die gebreuchig verzinsung
                    funf vom hundert passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.8"> [Buch II Titel 12 § 8]<lb/> § 8 Gleichsfals welchen pargelt
                    vertestiert oder verschafft worden und dasselb auf guetlich ersuchen von dem
                    erben oder executorn nit bekomben kan, dem solle das lantbreuchige interesse von
                    dato des aufzugs neben dem verschaften haubtlegat ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.9"> [Buch II Titel 12 § 9]<lb/> § 9 Welcher gerhab oder curator
                    seines vertrauten pflegskinds barschaft ohn der obrigkait wissen und willen zu
                    seinem aignem nutz gebraucht, der soll demselben pflegkint zu seinen vogtbaren
                    jaren nit allein die haubtsumma sonder daz geburlich interesse erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.10"> [Buch II Titel 12 § 10]<lb/> § 10 Deßgleichen welcher gerhab
                    oder curator seiner pupillen und minderjärigen gelt nit anlegt sonder dasselb
                    ohn frucht feiren und verligen lest, die sollen ihnen das gebreuchig interesse
                    funf per cento von dato ihres unfleiß betzahlen, es were dann sach das sie ihrer
                    pflegkinder gelt an sichere und gewisse ort nit anlegen Kunten oder solches
                    gelts zu ihrer gerhaben verwaltung selbst brauchen muessen, welches denen
                    gerhaben und curatorn zu beweisen billichen zuestehet. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.11"> [Buch II Titel 12 § 11]<lb/> § 11 Welcher bestantmann den
                    verlihnen oder verschriben zinß zu geburlicher und bedingter zeit nit zaltt, der
                    solle seinem bestantherrn das gebreuchig interesse funf per cento von dato des
                    unbillichen aufzugs neben dem haubtzinß erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.12"> [Buch II Titel 12 § 12]<lb/> § 12 Deßgleichen do einer
                    vertrauttes oder depentirtes gelt angreift und braucht, der solle das interesse
                    neben der haubtsumma richtig machen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.13"> [Buch II Titel 12 § 13]<lb/> § 13 Wann der glaubinger der
                    ordenlichen und bedingten betzahlung nit statt geben sonder den schuldner zu
                    gevar und von wegen des laufenden interesse in die här aufziehen thet, solle der
                    schuldner daß schuldig haubtgelt sambt denen verfallenen verzinsungen under
                    gericht erlegen und alßdann von seinem glaubinger allerdings entbunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.14"> [Buch II Titel 12 § 14]<lb/> § 14 Die verzinsung sollen zu
                    der zeit wie sich der contrahent verainiget betzahlt werden; da aber der zeit
                    halben durch sie nichts außgetragen, solle abrichtung der interesse erst zu
                    außgang des jars beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.12.15"> [Buch II Titel 12 § 15]<lb/> § 15 Welcher die haubtsumma
                    allein empfangt, der hatt sich dardurch des anstendigen interesse nit begeben,
                    es geschehe dann solches mitt außgedrukten worten. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.12.16"> [Buch II Titel 12 § 16]<lb/> § 16 Welcher die haubtsumma
                    guetwillig nachlest, der begibt sich auch der verfallen interesse, er thette ihm
                    dann dieselben austruckenlich vorbehalten. <pb n="Edition 2015 S. 156"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.12.17"> [Buch II Titel 12 § 17]<lb/> § 17 Daß superinteresse so man
                    auf die ausstendigen usuren schlegt sollen keinem ohn gerichtliche erkantnus
                    erstatt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.13">
        <head>[Buch II Titel 13]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=162">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 13. titl. Von denen wucherlichen
                    contracten. Waß die verbottnen und strafmessigen wucherlichen contract belangt,
                    darinnen ist in der zuvor publicierten policeiordnung und etlichen derhalben
                    außgegangenen generalen vormals notwendige orderung und fursehung beschehen,
                    darbei wir es nochmahlen gnedigist verbleiben lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.14">
        <head>[Buch II Titel 14]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=162">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 14. titl. Von pfanden hypothecken
                    sätzen und derselben aigenschaft. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.1"> [Buch II Titel 14 § 1]<lb/> § 1 Denen chon- und eheleuten
                    solle vermueg geschribner rechten erlaubt sein ihre freisaigene gueter fur
                    einander zu verpfenden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.2"> [Buch II Titel 14 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen denen eltern und
                    vogtbaren kindern. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.3"> [Buch II Titel 14 § 3]<lb/> § 3 Also ist auch einem iedem
                    frembden unverwert sein haab und guet fur ainem anderm welcher ihme mit keiner
                    blutsfreuntschaft zugethan, zu versezen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.4"> [Buch II Titel 14 § 4]<lb/> § 4 Die pupillen und
                    minderjärigen sollen ihr haab und gütter ohn ihrer furgesezten pfleger vätter
                    wissen und willen nit versezen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.5"> [Buch II Titel 14 § 5]<lb/> § 5 Hergegen aber mögen die
                    pflegvätter ihrer pflegkinder particular-haab und gueter aus furfallender
                    notturft ohn der obrigkait consens wohl versetzen, es were dann ein generalpfant
                    aller und ieder pupillengüeter, in welchem fall der obrigkait vorwissen von
                    nötten. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.6"> [Buch II Titel 14 § 6]<lb/> § 6 Die gerhaben sollen fur oder
                    zu ihrer aignen notturft ihrer pupillen gueter nit verpfenden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.7"> [Buch II Titel 14 § 7]<lb/> § 7 Die gewalttrager und
                    bevelchhaber pfleger ambtleut und dergleichen persohnen sollen ihrer herrn und
                    aigenthumber haab und gueter ohn specialgewalt nit verpfenden; do aber von ihren
                    ainiger versatz geschehe und derselb durch ihre herrn ratificiert würdt, solle
                    das underpfant bestehen. deßgleichen wo das entlehnet gelt in ihrer herrn nutz
                    verwendt wirdt, mag sich alßdann der außleiher seines habenden pfandts so lang
                    betragen, biß er seines darleihen völlig contentirt. <pb n="Edition 2015 S. 157"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.14.8"> [Buch II Titel 14 § 8]<lb/> § 8 Ein iede communitet und
                    gemein mag ihrer commungueter sowohl verpfenden als die privatpersohnen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.9"> [Buch II Titel 14 § 9]<lb/> § 9 Die underthanen und holden
                    sollen ihr ligende grünt und güeter ohn vorwissen ihrer gruntherrn nit
                    verpfenden; mit denen vahrenden aber sollen sie disfals frei sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.10"> [Buch II Titel 14 § 10]<lb/> § 10 Die geistlichen mögen ihre
                    gestifte Kirchengueter mit unsern als herrn und lantsfürstlichen vorwissen und
                    consens zu ihrer Kirchen notturft dem uralten lantbrauch nach, es geschehe
                    gleich solcher versatz geist- oder weltlichen persohnen, verpfenden. wann sie
                    aber solche gueter zu ihrer aignen privatnotturft versetzen, so sollen sie oder
                    ihre erben dieselben ohn der Kirchen entgelt wider lösen und freimachen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.11"> [Buch II Titel 14 § 11]<lb/> § 11 Es mögen nit allein die
                    abgenombenen sonder auch die hangenden und stehenden frucht pignoriert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.12"> [Buch II Titel 14 § 12]<lb/> § 12 Deßgleichen die zehenten
                    oder leibgedings haab und gueter, so man nit erblich sonder auf gewisse jar und
                    leib aufgibt, mögen ohn vorwissen des aigenthumbers verpfendt werden, doch soll
                    sich der versatz uber die verschriben leibsgedingzeit nit erstrecken. also mag
                    auch einer die gueter deren er fruchtgeniesser ist verpfenden, doch uber sein
                    lebenlang nit. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.13"> [Buch II Titel 14 § 13]<lb/> § 13 Die lantsfurstlichen
                    lehengueter sollen ohn unser vorwissen und consens weder ehefrauen noch andern
                    persohnen bei verwürkung des lehens nit hypotheciert noch versezt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.14"> [Buch II Titel 14 § 14]<lb/> § 14 Die strittigen und
                    kriegbaren gueter sollen vermueg der rechten auch nit versezt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.15"> [Buch II Titel 14 § 15]<lb/> § 15 Ein gemeines unvertailtes
                    guet solle keiner in solidum sonder allein fur die gebürnus, welche ihme
                    zustendig, versezen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.16"> [Buch II Titel 14 § 16]<lb/> § 16 Ein glaubinger mag seines
                    habents underpfant weiter einem ander versezen, doch steet dem ersten schuldner
                    die lösung seines guets bevor, es solle aber dieselb verpfendung umb höhers gelt
                    oder mit beschwerlichen conditionen als der erst glaubinger gethan nit
                    beschehen, der ander neu glaubinger solle es ferrer zu versezen nit macht haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.17"> [Buch II Titel 14 § 17]<lb/> § 17 Die schultbrief auch alle
                    andere verbrift und unverbrifte gerechtigkaiten mögen pfantsweiß eingesezt
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.18"> [Buch II Titel 14 § 18]<lb/> § 18 Ein ainiges stukh haab und
                    gueter mag underschidlichen persohnen pro rata der schulden hypotheciert werden,
                    doch solle der schuldner die nachvolgenden glaubinger der uberigen verpfendung
                    und wie hoch dieselben <pb n="Edition 2015 S. 158"/> beschehen derzeit erindern,
                    alßdann mag das nachpfant pro rata des ubermessigen werts wohl bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.19"> [Buch II Titel 14 § 19]<lb/> § 19 Welcher aber ein haab und
                    guet, so zuvor volkommentlich und in solidum versezt, ainem andern unwissenden
                    glaubinger ferrer pfantsweis geverlich einreumbt, der solle ihme allen
                    desthalben erlitnen schaden abzutragen schuldig sein, auch von wegen der
                    gepflegten betrueglichen handlung nach gelegenhait der persohn und des geüebten
                    betrugs von der obrigkait gestrafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.20"> [Buch II Titel 14 § 20]<lb/> § 20 Deßgleichen welcher
                    schuldner frembdes guet ohn des rechten aigenthumbers bewilligung wißlich
                    versezt, der soll seinem glaubinger ein anders pfant, so sein aigen und gleiches
                    werts, ubergeben und umb sein geverliche handlung gestrafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.21"> [Buch II Titel 14 § 21]<lb/> § 21 Welcher schuldner den
                    unwissenden glaubiger ein anders pfant als bedingt worden fursezlich einreumbt,
                    der solle darumb gestrafft werden und den glaubinger mit uberlieferung des
                    rechten underpfants ohn schaden halten. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.22"> [Buch II Titel 14 § 22]<lb/> § 22 Wann ein schuldner seinem
                    glaubinger alle seine haab und gueter verschreibt, so solle die dieselb
                    obligation fur ein außgetrukte verpfendung, welche die rechten expressam
                    hypothecam nennen, gehalten werden und ist disfals in efectu kein underschied,
                    es lautte gleich die aufgerichtt verschreibung auf alles haab und guet oder alle
                    haab und gueter. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.23"> [Buch II Titel 14 § 23]<lb/> § 23 Under solcher
                    generalverpfendung werden nit allein die gegenburtigen gueter so der schuldner
                    zur zeit der aufgerichten verschreibung hatt sondern auch die Künftigen,
                    nemblichen was er nachmahlen ererbt erobert oder rechtmeßiger weiß uberkombt,
                    begriffen und verstanden, deßgleichen nit allein die liegenden und farenden
                    sonder auch verbrieften und unverbriften schulden, item pares gelt, item
                    handels- und kaufmanswaren, item leibgedingsgueter. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.24"> [Buch II Titel 14 § 24]<lb/> § [2]4 Es seint aber hergegen
                    etliche stuck haab und gueter, welch in kein universalverpfendung eingeschlossen
                    sonder in craft geschribnen Kaiserlichen rechten davon tacite außgenomben
                    werden, als nemblichen die lehensgueter, es were dann ein consens derwegen
                    verhanden. welches aber allein auf die lehenshaubtgueter verstanden werden soll,
                    dann der lehngueter abgenombene frucht aufgehebte nutzungen werden fur
                    aigenthumb gehalten, darumben gehören dieselben sowohl als andere
                    aigenthumbliche haubtgueter in solches universalpfant. <pb n="Edition 2015 S. 159"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.14.25"> [Buch II Titel 14 § 25]<lb/> § 25 Zum andern werden die
                    gueter, welche fideicommiss und auf künftiger restitution stehen, von einem
                    universalpfant außgeschlossen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.26"> [Buch II Titel 14 § 26]<lb/> § 26 Zum dritten auch alle haab
                    und gueter, welche auf einem widerfall stehen, als heuratgueter und dergleichen.
                    doch werden die verzignen gueter hierbei fur nemblich außgenomben; dann obwohl
                    dieselben auf Kunftigen anfall das under und weibsstamben gestelt, iedoch weil
                    der mannstamben so lang er in leben solcher verzignen gueter legitimus
                    administrator, solle ihme dieselben wie andere seine freis aigne gueter zu
                    versetzen und zu hypothecirn nach lantsbrauch bevorstehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.27"> [Buch II Titel 14 § 27]<lb/> § 27 Zum vierten werden die
                    heuratgueter außgenomen; dann obgleich ein ehemann alle seine haab und gueter
                    verpfenden thett, so wer doch darunter die gueter, welche ihme sein hausfrau
                    verheürat, nit begriffen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.28"> [Buch II Titel 14 § 28]<lb/> § 28 Zum funften vermögen
                    gleichwohl die geschribnen Kaiserlichen rechten, das die stuck, derer man zu
                    taglicher narung bedurftig, als betgewant leibsklaider Kuchelgeschir
                    veltgeschier mühlgeschir viech, aines gelerten bücher, eines Krigsmans wehr und
                    rüstung, eines hantwerchers werchzeug und was dergleichen mehr, in keinem
                    generalversatz verstanden soll werden. iedoch weil nach algemeinem
                    gerichtsbrauch die gerichtlichen behebnussen ungeacht ehebemelter geschribnen
                    rechten auf solche gueter ergehen, und sollen dieselben dem lantsbrauch nach in
                    ein iedes unversalpfant auch begriffen sein und davon (man hette sich dann des
                    widerspiels austrukenlich verglichen) gar nit außgeschlossen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.29"> [Buch II Titel 14 § 29]<lb/> § 29 Wann sich ein schuldner
                    mit seinem creditorn dahin verglichen, im fall er das versezt pfant in einer
                    gewissen zeit nit widerrumb an sich lösen wirdt, das es alßdann ihme glaubinger
                    fur die haubtsumma verbleiben und genzlich verfallen sein soll, kan solches
                    geding pactum legis commissoriae genent von rechtswegen nit beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.30"> [Buch II Titel 14 § 30]<lb/> § 30 Do aber die contrahenten
                    ihr convention und willen auf einen solchen weg richten, nemblichen wann das
                    pfant in der furgesezten zeit nit gelöst wirdt, das alßdann nach billichem werth
                    oder ordentlichen schatzung oder erkantnus gutter leut dem glaubinger an
                    betzahlungstatt eingesezt werden solle so ist diese paction dem rechten und
                    billigkait nit zuwider. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.31"> [Buch II Titel 14 § 31]<lb/> § 31 Die versezten underpfant
                    erstrecken sich nit allein auf die haubtschult sondern andere anhengige
                    accessorien, als verzinsung erlitne schäden und dergleichen fäll; derhalben,
                    obschon die haubtsumma entricht, aber der <pb n="Edition 2015 S. 160"/>
                    glaubinger des verfallnen interess oder seiner erlitnen schäden nit contentirt
                    worden, mag er das underpfant seinem schuldner billicherweise vorhalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.32"> [Buch II Titel 14 § 32]<lb/> § 32 Welcher wißlich und
                    wohlbedechtlich seinem glaubinger doppelt so viel oder noch mehrers als die
                    schult macht versezt, der kan solches pfant under dem schein, daz er ultra
                    dimidium justi praetii ledirt worden, vor der würklichen bezahlung nit
                    revocieren noch abfordern; do ers aber unwissent gethan und das underpfant
                    thailbar were, kunt er heraußgebung der ubermas begeren; und zum fall dasselbe
                    pfant einunthailbar stukh als hauß oder anderer ligender grunt were, solle ihme
                    schuldner bevorstehen auf die ubermas an der zu verweisen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.33"> [Buch II Titel 14 § 33]<lb/> § 33 Wann ein ainiges guet
                    zwaien underschidtlichen persohnen verpfendt worden, so solle es dem, welcher am
                    ersten contrahiert, ungeacht daz es etwo dem andern und jungern glaubigern
                    eingereumbt worden, verbleiben. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.34"> [Buch II Titel 14 § 34]<lb/> § 34 Welchem ein beweglichs
                    oder ligents guet verpfendt worden, der soll dasselb nit nutzen noch brauchen
                    sondern es fur sein plosse assecuration behalten, es were dann sach das der
                    schuldner seinem glaubinger die nuzbarkeit austruklich bewilligt oder
                    verschriben, alsdann möcht er ohn abschlag der haubtschult nutzen und geniessen.
                    wo aber solches guets nuzbarkeit ihme glaubinger nit expresse bewilligt, so
                    stehet dem schuldner bevor solchen genieß in die betzahlung pro rato der
                    schulden einzuschlagen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.35"> [Buch II Titel 14 § 35]<lb/> § 35 Die beweglichen underpfant
                    sollen andern bestantweis nit verlassen werden. die ligenden aber mag der
                    glaubinger wohl hinlassen; doch das der genieß dem schuldner evolge [!] oder
                    aber der aufgehebt zins dem glaubinger in abschlag der haubtschulden eingerait
                    werde. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.36"> [Buch II Titel 14 § 36]<lb/> § 36 Wann die contrahenten die
                    alt schulden verendern und in ainen neuen contract eingeen, so begibt sich der
                    glaubinger durch solche novation seines von dem alten contract heerrürenden und
                    habenden underpfants, es sei dann sach das er ihme dasselb austrukenlich
                    vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.37"> [Buch II Titel 14 § 37]<lb/> § 37 Wann einem underpfant
                    durch wassergieß oder in ander billich weeg zusteet, dardurch er grösser oder
                    besser wirdt, dasselb kan der schuldner nit separiren sonder bleibt dem
                    glaubinger zu seiner assecuration unvertailt billich. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.38"> [Buch II Titel 14 § 38]<lb/> § 38 Deßgleichen wann ein
                    verpfendes guet durch feur wassergüeß oder ander unfall schlechter wirdt, so
                    endet sich dardurch die pfantschaft nit, sonder bleibt einen weeg alß den
                    andern; weil es aber geringschätziger worden, stehet dem glaubinger bevor mit
                    dem schuldner umb neupfant oder erstattung des vorigens zu handlen. <pb n="Edition 2015 S. 161"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.14.39"> [Buch II Titel 14 § 39]<lb/> § 39 Wann das underpfant gar
                    verdirbt vergehet oder in rerum natura zu sein aufhöret, so felt damit die
                    pfantsgerechtigkait auch; doch so der glaubinger an disem undergang nit
                    schuldig, mag er umb ein neue assecuration und versezung anhalten, die
                    haubtschult aber verbleibt disfals ainen weeg als den andern bei ihren wert. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.40"> [Buch II Titel 14 § 40]<lb/> § 40 Welcher glaubinger in die
                    alienation seines underpfant bewilligt, es geschehe gleich die alienation durch
                    contract oder lezte willen, der begibt sich dordurch seiner darauf habenden
                    gerechtigkait. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.41"> [Buch II Titel 14 § 41]<lb/> § 41 Deßgleichen do er wißlich
                    zuließ, das sein pfant ainem anderm glaubinger eingesezt wirdt oder das er sein
                    habende pfantsverschreibung oder das pfant selbst auß den handen geb. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.42"> [Buch II Titel 14 § 42]<lb/> § 42 Wann der schuldner das
                    underpfant haubtsächlich und mit recht verleurt, so Kan der glaubinger dasselb
                    dem obsigenden thail ungeacht seiner darauf habenden gerechtigkait nit
                    vorhalten, er mag aber seine schäden bei dem schuldner wie sich gebüert ersuchen
                    oder sich in ander weeg assecuriren lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.43"> [Buch II Titel 14 § 43]<lb/> § 43 Der glaubinger mues allen
                    unvleiß und gevar, welche er dolo oder culpa an dem underpfant verursacht,
                    büessen und solche erlitne schäden dem schuldner wider ergenzen; dergleichen do
                    er das underpfant deterioriren thet oder in obpau Komben ließ; also auch do er
                    neuerung oder dinstbarkeit auf das underpfant wider alt herkomben brecht. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.44"> [Buch II Titel 14 § 44]<lb/> § 44 Fur unversehene unfäll
                    aber casus fortuiti genant als wassergies prunst Krieg und dergleichen schäden,
                    ist der glaubinger dem schuldner ainigen abtrag zu thain nit verbunden; es
                    begeben sich dann derlei unfäll aus seinem unvleiß, als mit prunst oder
                    dergleichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.45"> [Buch II Titel 14 § 45]<lb/> § 45 Wann der glaubinger das
                    versezt underpfant durch diebstall oder in ander weeg verleuhert, ist [er] dem
                    schuldner ainig erstattung dafur zu thuen nit verbunden, es were dann sach das
                    er mit seiner unfursichtigkait an solchem verlust schuldig, welches dem
                    schuldner zu beweisen zustehen soll. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.46"> [Buch II Titel 14 § 46]<lb/> § 46 Die schlechten und
                    mittermessigen besserung ist ein glaubiger auf widergeltung an dem underpfant zu
                    than schuldig; die haubtgeben aber sollen nach beschehener erinnerung der
                    notturft von dem schuldner selbst ohne entgelt des glaubingers beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.47"> [Buch II Titel 14 § 47]<lb/> § 47 Deßgleichen was sonsten
                    aus unvermeidtlicher notturft auf daz underpfant gangen, soll dem glaubinger
                    wider erstatt werden. <pb n="Edition 2015 S. 162"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.14.48"> [Buch II Titel 14 § 48]<lb/> § 48 Wann einem ein grunt sambt
                    desselben fruchtgeniessung verpfendt worden, so ist der glaubinger alle
                    dienstbarkeit, welche von denen früchten herrüeren, ohn entgelt des schuldners
                    zu betzahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.49"> [Buch II Titel 14 § 49]<lb/> § 49 Wann der glaubinger den
                    schuldner erbt, so hatt daz underpfant ein ent. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.50"> [Buch II Titel 14 § 50]<lb/> § 50 Einem schuldner ist
                    unverwert das underpfant mit geben zu verendern, doch daz solches ohn abschlag
                    des pfants gerechtigkait beschehe. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.51"> [Buch II Titel 14 § 51]<lb/> § 51 Wann dem glaubinger ein
                    pfant ohn desselben nuzbarkeit auf ein gewisse zeit versezt worden, so stehet
                    dem schuldner bevor solches pfant, wann er wiel, auch vor endung derselben
                    bedingten zeit wider an sich zu lösen; do aber daß pfant mit der
                    fruchtgeniessung oder anderer nuzbarkeit dem glaubinger versezt worden, ist er
                    dasselb vor außgang der bedingten oder verschribnen zeit auch vollendung der
                    bewilligten nuzbarkeit abzutretten nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.52"> [Buch II Titel 14 § 52]<lb/> § 52 Welcher ein pfant umb sein
                    gelt lest der bekombt darauf kein underpfant, es hab dann solches der schuldner
                    austrüklich bewilligt. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.53"> [Buch II Titel 14 § 53]<lb/> § 53 Es soll kein schuldner
                    sein verseztes underpfant nach des glaubingers vergnüegen aigens gewalts
                    behendigen sonder, do es ihme von dem betzahlten glaubinger aufgehalten wirdt
                    mit gerichtshanden einziehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.54"> [Buch II Titel 14 § 54]<lb/> § 54 Die außwechslung der
                    underpfant hatt nit statt, es geschehe dann mit des glaubingers guetem willen
                    oder daz ihme ein gleichmessiges dargebotten wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.55"> [Buch II Titel 14 § 55]<lb/> § 55 Alle pfant volgen denen
                    erben und successorn, ob derselben gleich in der verschreibung nit gedacht
                    worden, billichen nach. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.56"> [Buch II Titel 14 § 56]<lb/> § 56 Ein gelöstes pfant soll
                    kein glaubinger fur ein andere schult, die ihme der schuldner auch zu thain, dem
                    schuldner vorhalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.57"> [Buch II Titel 14 § 57]<lb/> § 57 Wann gleich der schuldner
                    seinem glaubinger das underpfant an betzahlung statt furschlieg und in solutum
                    ervolgen lassen wolt, so ist doch der glaubinger dasselb wider sein gelegenhait
                    anzunehmen nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.14.58"> [Buch II Titel 14 § 58]<lb/> § 58 Deßgleichen wann der
                    schuldner nit neuer purgschaft abledigen wolt, ist der glaubinger dieselb wider
                    sein commoditet anzunemben nit verbunden </p>
        <p
            xml:id="NA.2.14.59"> [Buch II Titel 14 § 59]<lb/> § 59 Wann der erst glaubinger
                    daz underpfant ferrer ainem andern versezt und derselb damit aus dem lant
                    zeucht, so soll der haubt- und erstschuldner nit verbunden sein solchen
                    abwesenden nachzuraisen sonder mag seine spruch bei seinem glaubinger bekomen,
                    dem steet alßdann sein notturft gegen seinem nach glaubinger zu ersuchen. <pb n="Edition 2015 S. 163"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.15">
        <head>[Buch II Titel 15]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=184">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 15. titl. Von verkaufung der
                    underpfant. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.1"> [Buch II Titel 15 § 1]<lb/> § 1 Ein glaubinger mag sein
                    habents underpfant, wann er uber die verschribnen zeit mit der betzahlung
                    aufgehalten wirdt, verkaufen; doch ist vor der verkaufung vermüeg geschribnen
                    rechten vonnötten: </p>
        <p xml:id="NA.2.15.2"> [Buch II Titel 15 § 2]<lb/> § 2 Erstlich das sich die
                    contrahenden des verkaufens verglichen oder dieselb ex presse nit verboten. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.3"> [Buch II Titel 15 § 3]<lb/> § 3 Zum andern das der schuldner
                    mit der bedingten bezahlung saumig sei; dann do er nit in mora noch die
                    gebüerlichen zahlfrist verstrichen, solle einige verkaufung oder alienation des
                    underpfants nit beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.4"> [Buch II Titel 15 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten ist von nötten,
                    das der glaubinger den schuldner umb losung seines versezten pfants ersuch. wann
                    alßdann der schuldner nach solcher denunciation saumig und die losung inner
                    sechs wochen und dreien tagen nit thuet, mag der glaubinger mit verkaufung
                    sicherlich fortfahren; es hetten sich dann die contrahenten dahin verglichen,
                    das es ainiger verkündung nit bedürftig. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.5"> [Buch II Titel 15 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten ist von nötten,
                    wann die verkaufung oder alienation beschicht, das dem schuldner auch darzu
                    verkundt werde. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.15.6"> [Buch II Titel 15 § 6]<lb/> § 6 Zum funften ist von nötten,
                    das die verkaufung bona fide, auch umb den rechten lantgebreuchigen wert
                    beschehe, sonsten do der verkaufer und kaufer mit einander colludierten, auch
                    den kauf dem schuldner zu gevar und schaden beschlüessen, solle dem schuldner
                    bevorstehen seine erlitne schäden aintweder bei dem verkaufer zu ersuchen oder
                    aber sein pfant von dem kaufer gegen erlegung seiner außgezehlten kaufsumma mit
                    recht abzufordern. und do gleich der kaufer alßdann den abgang des rechten
                    werths erlegen wolt, so steet abermals in des schuldners wall solche ubermaß
                    anzunemben oder sein pfant obgehörter massen zu lösen. do aber der kaufer der
                    geverlichen alienation kein wissen hette sonder treulich und ohn alle gevär dem
                    kauf in einem geringem wert erhandlet, solle ihme daz erkauft pfant gegen
                    erstattung des austendigen billichen werths (obgleich der schuldner <ref target="#Handschrift_153">fol. 153.</ref> darin nit verwilligen wolt)
                    gelassen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.15.7"> [Buch II Titel 15 § 7]<lb/> § 7 Zum sechsten ist von nötten,
                    wann der schuldner seinen glaubinger alle seine haab und gueter verpfendt und
                    noch darüber ein specialstukh darauf würklich versezt, das der glaubinger
                    dasselb specialguet erstlich verkaufe, und do es sich auf sein völlige
                    vergnüegung nit erstrekt, alßdann soll er erst die andern in gemein
                    hypothecierten gueter angreifen. <pb n="Edition 2015 S. 164"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.15.8"> [Buch II Titel 15 § 8]<lb/> § 8 Zum siebenden wann der
                    glaubinger etliche specialpfant umb mehrer assecuration wegen wie oftermals
                    beschicht inhendig hett, so solle er davon nit mehrers als zu seiner betzahlung
                    von nötten verkaufen, dann do er alle underpfant verhandlet, möchte der
                    schuldner die andern revociern. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.9"> [Buch II Titel 15 § 9]<lb/> § 9 Zum achten erfordert auch die
                    billigkait, das glaubinger nit die besten sonder die mittermessigen pfant
                    angreife und verhandle, dann do er die besten verkaufft, möchten dieselben von
                    den kaufer revociert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.10"> [Buch II Titel 15 § 10]<lb/> § 10 Wann der glaubinger mit
                    ainem frembden nach des schuldners seumbsal und verabsaumbter verkündigung zeit
                    der sechs wochen und drei tagen in Kaufhandlung stünde und der schuldner sich
                    nachmals der losung seines pfants erbieten thette, so solle ihme desselben
                    billich stattgethan werden </p>
        <p xml:id="NA.2.15.11"> [Buch II Titel 15 § 11]<lb/> § 11 Wann der schuldner gleich
                    die haubtsumma zahlet, sich aber der ausstendigen verzinsung oder abtrag des
                    erlitnen schadens waigert, so stehet dem glaubinger einen weg als den andern das
                    underpfant zu verkaufen bevor, doch solle er die ubermaß soviel uber das
                    interesse und die gemessigten erlitnen schäden an der kaufsumma verhanden,
                    seinen schuldner hinausgeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.12"> [Buch II Titel 15 § 12]<lb/> § 12 Also ist es auch, do die
                    haubtschult nit gar sonder nur zum tail dem glaubinger betzahlt wirdt, zu
                    halten. derhalben wo ein schuldner viel erben verließ und ainer oder mehr daraus
                    seinen gebürenden tail an der schulden betzahlt, so ist dennoch der glaubinger
                    das underpfant biß auf völlige lösung von handen zu lassen nit schuldig sondern
                    mag es wegen der andern ausstendigen tail verkaufen. also auch wann der
                    glaubinger mehr erben verließ und ainem daraus die betzahlung beschech, so
                    möchten die andern unbetzahlten mit verkaufung vorgehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.13"> [Buch II Titel 15 § 13]<lb/> § 13 Der schuldner soll seinen
                    glaubinger wider sein gelegenhait nit dringen das underpfant zu verkaufen, es
                    were dann dasselb mehrers als die schult wert, in welchen fall der glaubinger
                    die ubermaß geben oder der verkaufung statt thain solle. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.14"> [Buch II Titel 15 § 14]<lb/> § 14 Dem glaubinger solle
                    ungewerth sein, wann das underpfant verkeuflich wirdt, dasselb in billichem
                    werth vor allen andern frembden selbst zu behalten; es ist ihne auch der
                    schuldner darumben zu schermben schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.15"> [Buch II Titel 15 § 15]<lb/> § 15 Wann aber das underpfant
                    einem frembden verkauft wirdt, so ist der glaubinger den kaufer darumben zu
                    schermen nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.15.16"> [Buch II Titel 15 § 16]<lb/> § 16 Der schuldner kan sein
                    verseztes underpfant nit verkaufen, allein es bewillige der glaubinger darein
                    oder es werde der glaubinger von derselben kaufsumma würklich betzahlt; wo aber
                    deren keines beschech, stehet dem <pb n="Edition 2015 S. 165"/> glaubinger bevor
                    aintweder den schuldner oder inhaber seines verkauften underpfants mit recht
                    furzunemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.15.17"> [Buch II Titel 15 § 17]<lb/> § 17 Also soll auch kein
                    schuldner das underpfant ohn seines glaubingers wissen und willen vor desselben
                    völligen lösung in ander weg verhandlen oder durch lezte willen verschaffen;
                    geschehe es aber ohn oder wider des glaubingers willen, so solle allein daz
                    aigenthumb transferirt die pfantsgerechtigkait aber ainen weg als den andern
                    darauf verbleiben und des glaubingers jus bei dem nachsidl ohn schaden sein.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.16">
        <head>[Buch II Titel 16]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=192">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 16. titl. Von underschid der pfanden
                    und hypothecen desgleichen von allerlei befreüten und unbefreuten glaubingern. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.1"> [Buch II Titel 16 § 1]<lb/> § 1 Die underpfant und
                    hypothecken sein dreierlei underschidlicher art und aigenschaft: erstlichen die
                    verschribnen und eingesezten pfant, zum andern die rechtlichen, zum dritten die
                    gerichtlichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.2"> [Buch II Titel 16 § 2]<lb/> § 2 Ein verschribnes oder
                    eingeseztes pfant macht und gebüert des schuldners und seines glaubingers
                    wilkühr, darumben es conventionale pignus oder ein unwilkührlichs underpfant
                    genent wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.3"> [Buch II Titel 16 § 3]<lb/> § 3 Dasselb mag mit beweglichem
                    vermögen als parschaft silber geschir Klaider oder dergleichen farnus beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.4"> [Buch II Titel 16 § 4]<lb/> § 4 Wann aber das underpfant auf
                    ligenden haab und guetern stehet, so wirts hypotheca gehaissen. solch hypotheca
                    seint auch zweierlei natur: etliche general, als wann der schuldner seinem
                    glaubinger alle und iede sein haab und gueter liegent und varunt nichts davon
                    außgenomben austrüklich verschreibt und verpfendt, etliche special, dardurch den
                    glaubinger ain oder mehr stuckh aus des schuldners haab und guetern verschriben
                    oder versezt worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.16.5"> [Buch II Titel 16 § 5]<lb/> § 5 Solche wilkürliche und
                    außgetruckte hypothecen aber geschehen auf allerlei weg und weis: Erstlich bei
                    denen grunt- und gewehrbüchern durch ainen verschribnen satz; Am andern durch
                    schriftliche satzverschreibungen, darinnen der schuldner seinem glaubinger seine
                    haab und gueter gar oder ainestails verpfendt; <pb n="Edition 2015 S. 166"/> Zum
                    dritten durch muntliche convention und vergleichung; dann die verbriefung machet
                    Kein pfant sonder der contrahenten wilkühr. Zum vierten do sich die contrahenten
                    dahin veraint, das bei dem gruntbuch Kein ordenlicher satzbrief zu ersparung des
                    uncostens aufgericht sondern nur ein notl ansatz statt dasebst [!] verleibt
                    werden solle, so gielt solches memorial nicht weniger als ain verfasster
                    satzbrief. wann aber ein schultbrief auf den gemeinen schadenpunt in Österreich
                    under der Ennß gestellt ist, so tregt solche verschreibung Keinen satz sonder
                    allein die schadloßhaltung auf ihr. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.6"> [Buch II Titel 16 § 6]<lb/> § 6 Ein rechtlichs underpfant
                    aber fleust auß des schuldners und seines gleubingers wilkuhr nit her sondern
                    wirdt von denen geschribenen Kaiserlichen rechten aus vernunftigen und billichem
                    bedenkhen verordnet. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.7"> [Buch II Titel 16 § 7]<lb/> § 7 Nemblichen und fur das erst
                    sein aller gerhab und pflegvetter haab und gueter ihren obligenden
                    verantwortungen halben ihren pflegkindern pupillen und minderjärigen verpfendt,
                    welches rechtliches underpfant aber sich auf bemelter gerhaben und curatoren
                    erben nit erstreckt. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.8"> [Buch II Titel 16 § 8]<lb/> § 8 Zum andern wann ein ehemann
                    von seiner ehefrauen ein geheurat guet empfangt, so seindt seine gueter der
                    ehefrauen desgleichen ihren erben nachkomben und allen getreuen inhabern des
                    heürathbriefs tacite verpfendt: es erstrecken sich auch solche underpfant nit
                    allein auf die vermachten heuratgueter sonder alles anders ubrigs zubringen,
                    welches ihr die ehefrau bei der heuratsabret vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.9"> [Buch II Titel 16 § 9]<lb/> § 9 Zum dritten welcher mit
                    unserem Kaiserlichen fisco contrahiert oder in unser lantsfurstliche camer waz
                    schuldig verbleibt, dessen schuldners haab und gueter seint dem fisco so lang
                    verbunden und hypotheciert, biß der schuldner seinestails dem contract ein
                    benüegen thuet oder den schuldigen ausstant richtig gemacht. umb geltstraff und
                    peen aber, welche wir aus lantsfürstlicher hohait strafmessigen personen
                    auflegen, seint uns der gestrafften gueter nit verpfendt, es kann auch unser
                    fiscus denen andern glaubingern disfals nit furgezogen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.16.10"> [Buch II Titel 16 § 10]<lb/> § 10 Zum vierten gemeiner statt
                    und markts ambtshandler, als cammerer steurhandler spitterlmaister zechleut
                    ungelter und dergleichen officirn, welche mit gemeiner stett und merkt gelt
                    ränth und gilten umbgehen, haab und gueter sein gemeiner statt und markt von
                    wegen ihrer tragenden administration tacite verobligiert und verpfendt. <pb n="Edition 2015 S. 167"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.16.11"> [Buch II Titel 16 § 11]<lb/> § 11 Zum funften wann ein
                    prelat die kirchengueter ubel verwalt und in abfall bringt, so seint seine aigne
                    haab und güeter, im fall er derselben habhaft, fur die schätlich administration
                    seiner kirchen facite verbunden. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.12"> [Buch II Titel 16 § 12]<lb/> § 12 Zum sechsten wer steur und
                    ander gemeine anlag schuldig, desselben haab und gueter von welichen solcher
                    ausstant herrüert seindt einer ersamben lantschaft oder wemb mans sonsten zu
                    thain tacite verpfendt. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.13"> [Buch II Titel 16 § 13]<lb/> § 13 Deßgleichen zum siebenden
                    umb zehent perkrecht und all andere herrnsanforderung seindt die dinstbaren
                    grunt und boden ihrem grunt- und oberherrn tacite verpfendet. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.14"> [Buch II Titel 16 § 14]<lb/> § 14 Zum achten was ein
                    bestantman in sein bestantnes behaustes guet von varender haab und beweglichen
                    sachen bringt, dasselb alles ist seinen bestantherrn tacite verpfendt, es
                    erstrecken sich auch solche underpfant nit allein auf den bedingten zinß sonder
                    auch fur alles das, so der inman in zeit seiner inhabung deteriorirt und erger
                    gemachtt. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.15"> [Buch II Titel 16 § 15]<lb/> § 15 Deßgleichen wann ein
                    bestantman das bestanden guet zum tail ferrer andern verlest, so sein desselben
                    nachbestandlers varende gueter, so viel deren in dem bestandnen guet zu finden,
                    dem aigenthumber und haußherrn auch verpfendt; doch pro rata portione seines
                    zinß und der deterioration, auch gar nicht weiter. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.16"> [Buch II Titel 16 § 16]<lb/> § 16 Und obgleich der
                    bestantman von solchen verpfendten guetern etwas austragen und anders wohin
                    deponiren ließ, so bleibt doch das underpfant ainen weeg als den andern darauf. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.17"> [Buch II Titel 16 § 17]<lb/> § 17 Do sich auch der
                    bestantherr mit ainem außgetruckten underpfant versehen, so wirdt doch diser
                    rechtlichen hypothecken damit gar nichts benomben sonder bleibt ainen weg als
                    den andern in ihrem wert. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.18"> [Buch II Titel 16 § 18]<lb/> § 18 Doch werden von solchen
                    rechtlichen hypothecken die varenden haab und gueter außgenomben, welche
                    gleichwohl in des bestantmans gewaltsamb doch ihme nit aigenthumblich sondern
                    andern zugehörig seint; desgleichen erstreckt sich solche hypothecken auf der
                    erhalten aigenes vermögen gar nit. Also auch auf handlswahr vermüeg geschribner
                    rechten, desgleichen auch Kein schult. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.16.19"> [Buch II Titel 16 § 19]<lb/> § 19 Zum neunten denen
                    legatarien und geschaftmannen sein des gestorbenen testators haab und gueter so
                    lang verpfendt, biß sie ihrer legat und gescheft würklich habhaft werden, doch
                    nur pro rata der legat und nit weiter; seines erbens aigene gueter aber bleiben
                    ihm freü und unverpfendt. <pb n="Edition 2015 S. 168"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.16.20"> [Buch II Titel 16 § 20]<lb/> § 20 Zum Zehenden wer zu
                    erbauung erhebung oder besserung aines guets gegen außgetruckte versetzung
                    desselben leichen thuet, dem ist dasselb guet tacite verbunden. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.21"> [Buch II Titel 16 § 21]<lb/> § 21 Zum aindliften was von
                    dargelichem pupillargelt erkauft oder erhandlt würdt, dasselb haab und guet soll
                    denen pupillen tacite verpfendt sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.22"> [Buch II Titel 16 § 22]<lb/> § 22 Deßgleichen was von eines
                    krigsmans gelt uberkomben wirdt, dasselb ist ihme auch tacite hypotheciert. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.23"> [Buch II Titel 16 § 23]<lb/> § 23 In iezgehörten fallen
                    allen werden nit allein die gegenwertigen sondern auch könftigen haab und
                    guetern begriffen, und do sich der obbemelten obligierten persohnen aine
                    understinde solch tacite hypothecirte und verpfendte gueter zu verwenden, so
                    steet dem, welchem sie versezt, von recht und billigkait wegen bevor dieselben
                    ohn ainige refusion von dem inhaber per actionem hypothecariam abzufordern;
                    demselben inhaber solle alßdann gegen dem haubtschuldner als seinem gaber aller
                    regress bevorgesezt sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.24"> [Buch II Titel 16 § 24]<lb/> § 24 Ein gerichtlichs
                    underpfant aber ist, wann ein ansprecher oder clager mit gerichtshanden in
                    seines schuldners haab und gueter angesezt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.2.16.25"> [Buch II Titel 16 § 25]<lb/> § 25 Solche obbemelte drei
                    underschiedtliche satzgelter werden hypothecirte creditores genant. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.16.26"> [Buch II Titel 16 § 26]<lb/> § 26 Es seint aber andere
                    glaubinger und creditorn, welche gleichwohl obgehörtermassen keinen satz an oder
                    auf ihrer schuldner haab und gueter haben sonder ausser ainiges underpfants
                    sonsten durch die geschribnen Kaiserlichen rechten befreüt sein und
                    privilegierte gelter genant werden, als nemblichen: alle persohnen, welche gelt
                    oder gueter bei oder ausser gericht zu treuen und dritten handen legen und
                    deponiern; deßgleichen welche mit außgetruckter beschaidenhait zu erkaufung
                    aines grunts oder besserung der haab und gueter ihr gelt dargelihen, aber sich
                    mit Keinem underpfant versehen haben; item die pupillen und minderjärigen wider
                    die so sich ihrer güeter ausser auferlegter gerhabschaft oder curatorei selbst
                    gemechtigt, item von welches darlehen ein satzgelter betzahlt und abgelöst
                    worden, derselb hatt vor andern gemeinen glaubigern den vorzueg; item wann unser
                    lantschaft etwas außleihet, so solle sie dem althergebrachtem lantbrauch nach
                    vor andern unbefreüten creditorn den vorzueg haben: wann aber das so man einer
                    ersamben lantschaft zu thain nit ein gemeine dargelichene schult ist, sonder von
                    wegen der ausstendigen steur herrüert, so solle sie disfals allen befreuten [!]
                    glaubigern und satzgeltern nach altem herkomben furziehen, doch uns als
                    lantsfursten und herrn außgenomben. <pb n="Edition 2015 S. 169"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.16.27"> [Buch II Titel 16 § 27]<lb/> § 27 Die letsten glaubinger
                    werden chirographarii genant und sein diese, welche umb ihr darlehen nur gemaine
                    schultbrief außer ainiges generals- oder specialspfants haben, sonsten auch mit
                    einer redlichen schuldens freihait nit begabt sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.17">
        <head>[Buch II Titel 17]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=204">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 17. titl. Von wilkurlichen purgschaften
                    so ausser gericht beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.1"> [Buch II Titel 17 § 1]<lb/> § 1 Die vätter mügen fur ihre
                    kinder bürg werden, desgleichen die vogtbaren Kinder fur ihre eltern. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.2"> [Buch II Titel 17 § 2]<lb/> § 2 Die müeter sollen sich ihrer
                    töchter halben so wenig als die töchter von wegen ihrer mueter in kein
                    purgschaft einlassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.3"> [Buch II Titel 17 § 3]<lb/> § 3 Die ehewirt mögen fur ihre
                    ehefrauen guet, aber die ehefrauen fur ihre ehemänner, ungeacht das sie sich der
                    weiblichen freihaiten und des Vellejanischen rechten austrüklichen begeben, nit
                    pürg werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.4"> [Buch II Titel 17 § 4]<lb/> § 4 Die unvogtbaren und
                    minderjärigen sollen sich ohn vorwissen ihrer furgesezten gerhaben und curatorn
                    in Kein fidejussion einlassen, aber die gerhaben mögen fur ihre pupillen wohl
                    bürg werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.5"> [Buch II Titel 17 § 5]<lb/> § 5 Die geistlichen priester
                    mögen fur andere geistliche persohnen wohl bürg werden, aber fur weltliche nit,
                    allein es kombe solche burgschaft ihren kirchenguetern zu gueten. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.6"> [Buch II Titel 17 § 6]<lb/> § 6 Die regulierten und
                    closterleut sollen sich keiner purgschaft mechtigen, es geschehe dann mitt ihrer
                    obristen vorwissen oder dem closter zu guetem. die prelaten aber mögen mit
                    vorwissen ihres contents fur andere dem lantsbrauch nach wohl bürg werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.7"> [Buch II Titel 17 § 7]<lb/> § 7 Es vermögen gleichwohl die
                    geschribnen rechten, das sich die würklichen krigsleut im kein purgschaft
                    einlassen sollen. dieweil aber der algemein lantsbrauch solchem zuwider, lassen
                    wir es darbei genedigist beruchen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.8"> [Buch II Titel 17 § 8]<lb/> § 8 Die underthanen mögen on
                    ihrer oberherrn consens in burgschaft eingehen, doch das dieselb nit general sei
                    noch bei verbindung aller haab und gueter beschehe, damit denen herrn von wegen
                    ihrer herrnanforderung nit praejudiciert werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.9"> [Buch II Titel 17 § 9]<lb/> § 9 Es mögen sich die bürgen
                    allein auf ihr leben lang oder auch fur ihre erben und nachkomben austrüklich
                    verbinden. do aber in der burgverschreibung expresse nit bedingt noch furgesehen
                    wie und was gestalt sich ein bürg <pb n="Edition 2015 S. 170"/> einlassen, so
                    wirdt die pürgschaft nit fur persohnlich gehalten sonder auf alle des bürgens
                    erben und successoren erweitert und transferirt. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.10"> [Buch II Titel 17 § 10]<lb/> § 10 Die würklichen bürgschaft
                    haben nit allein ein gelthandlungen und furlehen sondern allen andern
                    rechtmessigen contracten pactionen und gewerben statt, sie mügen auch von wegen
                    der ganzen schult oder umb derselben tail beschehen; in malefitzsachen aber hatt
                    ainige pürgschaft nit statt, es were dann sach das die unthat und verprechung
                    mit keiner leiblichen straff gebuest sonder in ander weg abgetragen mueste
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.11"> [Buch II Titel 17 § 11]<lb/> § 11 Zu wilkürlichen
                    ordenlichen und bestendigen pürgschaften gehören von rechtwegen etlich notwendig
                    stukh. Erstlichen das des purgens persohn der contracten und sonderlichen der
                    purgschaft fehig, davon obens gehandlet. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.12"> [Buch II Titel 17 § 12]<lb/> § 12 Am andern das die
                    verbündung willig ohn zwang und drang allerseits beschehe; derhalben welcher mit
                    gefanknus atzung oder ander unertreglich weg so hart streng und unleidenlich
                    gehalten wirdt, das er sich zu rettung gesunts leibs und lebens ausburgen mues,
                    desselben burgen sollen von aller widerstellung und fidejussion entbunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.13"> [Buch II Titel 17 § 13]<lb/> § 13 Furs dritte soll das
                    verburgte beding dahin gestelt sein, das sich der bürg als selbstschuldner und
                    zahler verobligiert; dann do einer die burgsverschreibung allein zu gezeugnus
                    der sachen underschriben oder verfertigen thett, so tregt solches kein
                    burgschaft auf ihme. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.14"> [Buch II Titel 17 § 14]<lb/> § 14 Zum vierten soll ein bürg
                    eben der jurisdiction und obrigkait unterworfen sein dahin der haubtschuldner
                    erster instanz mit seiner persohn gehörig; do er aber anderstwohin gerichtbar,
                    soll er sich soviel die bürgschaft anlangt seiner obrigkait begeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.15"> [Buch II Titel 17 § 15]<lb/> § 15 Die burgschaften
                    erstrecken sich furnemblichen auf die haubtschult; das interesse expensen
                    uncosten schaden und dergleichen accessorien aber so aus der haubtschult
                    ervolgen ist ein burg zu erstatten nit schuldig, er hab sich dann umb eines oder
                    das ander austruckenlich verschriben oder er were in gemein umb alles das,
                    dessen er glaubinger schaden nemben möcht, guet worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.16"> [Buch II Titel 17 § 16]<lb/> § 16 Welcher schuldner seinem
                    glaubinger einen benenten burgen furgeschlagen, der mag sich mit stellung eines
                    andern gleichmessigen von seiner zusag liberiren; wann er ihme aber einen
                    würklich bestelt so Kann er mit demselben ferrer nit abwechßlen, es geschehe
                    dann mit des glaubingers guten willen. <pb n="Edition 2015 S. 171"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.17.17"> [Buch II Titel 17 § 17]<lb/> § 17 Wann der schuldner seinem
                    glaubiger purgschaft zu thain versprochen und nochmals genuegsambe pfant
                    einsetzen thette, soll er von der purgschaft entbrochen sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.18"> [Buch II Titel 17 § 18]<lb/> § 18 Wiewohl die geschribnen
                    Kaiserlichen rechten vermügen, das die principalschuldner vor denen burgen umb
                    betzahlung furgenomben sollen werden, so vermag doch der algemein practiciert
                    lantbrauch, das die election und freiwahl disfals bei dem glaubinger steet, in
                    craft derselben mag glaubinger den burgen vor dem principalen umb dieselbig
                    schulden fur gericht wenden und den principalen beiseutz stellen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.19"> [Buch II Titel 17 § 19]<lb/> § 19 Es solle auch in des
                    glaubingers wilkühr nach beschehener krigsbefestigung doch vor dem endurtel
                    steen von dem beclagten bürgehn abzulassen und den haubtschuldner selbst
                    furzunemben; wie ihme dann hergegen auch unverwehrt, do er den haubtschuldner
                    erstlich furgewendt, von ihme vor der litiscontestation zu sezen und den burgen
                    an sein statt zu verclagen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.20"> [Buch II Titel 17 § 20]<lb/> § 20 Wann die burgen ,sament
                    und sonderlich' verschriben seint, so mag der glaubinger ainen oder den andern
                    daraus in solidum und umb die völlig schulden beclagen, desgleichen do die
                    verschreibung auf ,sament unverschaidenlich' und sonderlich gestelt; also auch
                    do sie auf ,unverschaidenlich und sonderlich' lauth; ebenermassen do die
                    obligation das cleußel ,sonderlich' allein begreifft. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.21"> [Buch II Titel 17 § 21]<lb/> § 21 Es solle auch dem
                    glaubinger disfals bevorsteen von dem ersten furgenomben burgen, ehe das
                    enturtel ergeet, gar zu fallen und auf ainen andern mitbürgen clagweiß umb die
                    ganz summa zu greifen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.22"> [Buch II Titel 17 § 22]<lb/> § 22 Wann aber der glaubinger
                    alle seine ihme ,sonderlich' verschribne burgen furgenomben und wider sie den
                    krieg befestigt, auch von einem daraus pro rato seine gebürnus betzahlt worden,
                    so künte er nochmals umb die ubermas von denen andern mitburgen nit setzen noch
                    auf den vorigen betzahler umb solche ubermaß clagen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.23"> [Buch II Titel 17 § 23]<lb/> § 23 Doch ist hergegen ainer
                    oder der ander furgenomben burg auch dahin befreiiet sich auf seine nebenburgen
                    zu waigern und beneficium divisionis zu begeren, in craft derselben (ungeacht
                    das er in solidum und ,sonderlich' umb die ganz schult verbunden) solle ihme
                    mehrers nit als seinen gebürenden tail pro rata portione der verbürgten schulden
                    zu bezahlen auferlegt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.24"> [Buch II Titel 17 § 24]<lb/> § 24 Es ist auch solche
                    freihait so groß, das der burg nit allein vor sonder auch nach der
                    krigsbefestigung dieselb furwenden kan, es were dann sach das er sich solcher
                    freihait austrüklich begeben oder das seine mit bürgen der betzahlung nit <pb n="Edition 2015 S. 172"/> statthaft noch solvendo weren oder das er die
                    bürgschaft vernainet und sich deren uberweisen liesse. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.25"> [Buch II Titel 17 § 25]<lb/> § 25 Wann aber die
                    bürgsverschreibung die clausl ,samentlich und verschaidenlich' allein begreifft,
                    so ist der glaubinger nit befuegt ainen aus den verschribnen burgen fur die ganz
                    haubtschult sonder allein umb sein pro rata portione gebürenden tail
                    furzunemben. es steet aber dem glaubinger in diesem fall dennoch bevor solche
                    burgen, so sich mit einander unverschaidenlich verschriben, mit einander umb die
                    ganz schult oder aber auch den mehrern thail daraus umb ihr gebürnus
                    furzunehmen. und so er ainen würklich umb seinen tail beclagt, mag er nach
                    ervolgter litiscontestation von ihme lassen und einen andern umb sein portion
                    beclagen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.26"> [Buch II Titel 17 § 26]<lb/> § 26 Welcher bürg sich in einem
                    oder dem andern fall umb mehrers als er von rechts- und lantsbrauch wegen
                    schuldig mit betzahlung gegen dem principalen einlest, derselb soll wider seine
                    nebenburgen umb die abgerichtt ubermaß seinen richtigen regress haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.27"> [Buch II Titel 17 § 27]<lb/> § 27 Es halten sich etliche
                    sondere fäll, dardurch ein burg seiner gelaisten burgschaft vermüeg geschribnen
                    rechten entbunden ledig und frei wirdt: Erstlich wann er den glaubinger allein
                    erbt; do er ihme aber nur aines tails succedirt, so erlischet die burgschaft nit
                    gar sonder allein pro rata portione der angetretten erbschaft. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.28"> [Buch II Titel 17 § 28]<lb/> § 28 Zum andern wann der burg
                    den schuldner fur welchen er guet geworden erbt, so wirdt die burgschaft todt
                    und ab; doch mues er als erb ainen weg als dem andern zahlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.29"> [Buch II Titel 17 § 29]<lb/> § 29 Zum dritten wann der
                    schuldner den burgen erbt, so ist die fidejussion auch aus. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.30"> [Buch II Titel 17 § 30]<lb/> § 30 Zum vierten wann der
                    glaubinger mit seinem schuldner in neue verbüntlich contract und handlungen ohn
                    vorwissen und bewilligung seines habenden purgens eingehett. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.31"> [Buch II Titel 17 § 31]<lb/> § 31 Zum funften wann sich der
                    glaubinger mit dem schuldners. ohn beisein des bürgen vertregt. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.32"> [Buch II Titel 17 § 32]<lb/> § 32 Zum sechsten wann der
                    glaubinger dem burgen die burgverschreibung guetwillig herausgibt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.33"> [Buch II Titel 17 § 33]<lb/> § 33 Zum siebenden wann sich
                    die schult praescribirt, so ist durch solche verjärung nit allein der
                    haubtschuldner sonder auch sein burg von dem glaubinger oder seinen erben
                    entbunden. <pb n="Edition 2015 S. 173"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.17.34"> [Buch II Titel 17 § 34]<lb/> § 34 Es seint auch etliche fäll
                    in welchen ein burg die erlassung der burgschaft, ehe und zuvor der glaubinger
                    seiner schulden contendirt, mit guetem fueg begeren mag: Erstlichen wann der
                    burg lange zeit in der purgschaft gesteckt; welche purgschaft aber fur langwürig
                    oder nit zu halten sei, solle in des gerichts nach gelegenhait aller umbstent
                    erbar- und billichen discretion stehen. es sollen auch hiebei die schermbsburgen
                    außgenomben sein, dann dieselben bleiben so lang verobligiert biß sich der
                    schermbsfall begibt, es geschehe gleich uber Kurz oder lang. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.35"> [Buch II Titel 17 § 35]<lb/> § 35 Zum andern wann der
                    principalschuldner haab und guet verschwendt und dardurch wuerklich erarmen
                    thuet, es were dann sach das er zur zeit der beschehenen burgschaft verthuelich
                    gewesen und deßen der burg guetes wissen gehabt. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.36"> [Buch II Titel 17 § 36]<lb/> § 36 Zum dritten wann er auf
                    gewiße frist und zeit bürg worden, mag er nach verlofner burgszeit die
                    liberation begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.37"> [Buch II Titel 17 § 37]<lb/> § 37 Zum vierten wann der
                    principalschuldner ohn des burgens verschuldung ihme burgen tötlich feint
                    worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.38"> [Buch II Titel 17 § 38]<lb/> § 38 Wann einer auf bedingte
                    zeit bürg worden und der glaubinger mit seinen schuldner neue abret solcher
                    schulden halben pflegt, auch dieselb auf lenger frist ausser des burgens
                    vorwissen und bewilligung erstrekt, so ist der burg nach außgang der ersten
                    bedingten zeit durch solche novation von der purgschaft entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.39"> [Buch II Titel 17 § 39]<lb/> § 39 Und wiewohl die neuen
                    verschreibung mehrmals dahin gestelt werden, das solche erstreckung des termins
                    der geleisten burgschaft unvergriffen sein soll, so kann doch solches clausl dem
                    burgen welcher in die novation nit gewilligt gar nit praejudicirn. do aber
                    glaubinger dem schuldner die betzahlungszeit durch neue bedingnus nit erweitert
                    sonder mit der anforderung seiner schult uber den bestimbten zahltag allein aus
                    dem weeg hielt, so bleibt der burg dennoch in der burgschaft verhaftt. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.40"> [Buch II Titel 17 § 40]<lb/> § 40 Wann ein glaubinger neben
                    der burgschaft mit einem underpfant versehen und wider deßselben inhaber clagt,
                    so thuet die burgschaft dennoch nit erleschen sonder steet ihme ainen weg als
                    den andern den burgen zu beclagen bevor. also hergegen mag er den pfantinhaber
                    unbeclagt laßen und den burgen fur gericht wenden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.41"> [Buch II Titel 17 § 41]<lb/> § 41 Wann des
                    principalschuldners gueter confisciert werden, so felt die burgschaft dennoch
                    nitt. <pb n="Edition 2015 S. 174"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.17.42"> [Buch II Titel 17 § 42]<lb/> § 42 Wann der burg nach
                    beschehener fidejussion erarmen thuet, stehet dem glaubinger ainen andern von
                    seinem schuldner zu begehren bevor, dessen er sich auch nit weigern kan. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.43"> [Buch II Titel 17 § 43]<lb/> § 43 Wann aber der glaubinger
                    einen unvermuglichen burgen zur zeit der angehender burgschaft fur genugsamb
                    wißlich und willig angenomben, so kan er hernach Keinen andern begehren. und was
                    er bei solchen burgen nit bekomben Kan steet ihme bei dem haubtschuldner zu
                    ersuchen bevor. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.44"> [Buch II Titel 17 § 44]<lb/> § 44 Wann der glaubinger umb
                    des burgen vermögen Kein aigentlich wissen gehabt noch dasselb gruntlich
                    erfragen mögen und von dem haubtschuldner dahin beredt worden, als solle der
                    burg umb die schult genuegsamb sein, hernach aber das widerspiel und des purgen
                    unvermögen erschine, so solle den lantbrauch nach der schuldner seinem
                    glaubinger ainen andern umb die ganz schult oder die ubermaß stellen, welches in
                    des schuldners und nit des glaubingers wahl steen solle. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.45"> [Buch II Titel 17 § 45]<lb/> § 45 Wann sich mehr burgen
                    gegen dem glaubinger ,in solidum und sonderlich' verschriben und ainem oder mehr
                    daraus vor einforderung der schulden erarmet, so sein die andern die völlig
                    summa zu entrichten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.46"> [Buch II Titel 17 § 46]<lb/> § 46 Wann der burg den
                    glaubinger zahlet und damit die versezten pfant an sich lösen wölt, kan er
                    dieselben wider des schuldners gelegenhait an betzahlungstatt nit behalten
                    sonder soll si dem schuldner gegen erstattung der abgetzahlten haubtschult
                    ervolgen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.47"> [Buch II Titel 17 § 47]<lb/> § 47 Es hatt ein ieder burg umb
                    alles das so er dem clagenten glaubinger betzahlt gegen dem schuldner darfur er
                    guet worden seinen regres, es sei gleich derwegen ain schadloßbrief verhanden
                    oder nitt. do er auch mit gelt nit gefast sonder dasselbe mit interesse
                    aufbringen muest, so solle ihme bürgen solches der haubtschuldner widerrumb
                    billiclich erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.48"> [Buch II Titel 17 § 48]<lb/> § 48 Wann der bürg umb die
                    betzahlung erster instantz verclagt wirdt, so sollen ihme alle behelf
                    exceptionen und einreden bevor, deren sich der principalschuldner selbst wider
                    den glaubingen auf dem weg rechtens zu gebrauchen hett, bevorstehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.49"> [Buch II Titel 17 § 49]<lb/> § 49 Do er aber mit dem
                    principalen der lautern purgverschreibung zuwider oder in ander weg ainen
                    muetwilligen strit vor gericht führet und daruber verlustig wirdt, ist ihme der
                    haubtschuldner desselben gerichtlichen uncosten zu erstatten nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.17.50"> [Buch II Titel 17 § 50]<lb/> § 50 Wann der burg wider den
                    glaubinger ein billiche exception führt nichtsdestweniger in der haubtsachen
                    verlustig wirdt, soll er fur die höher instanz <pb n="Edition 2015 S. 175"/>
                    solche erkantnus gedingen, sonsten do er die wohlbefuegt appellation
                    verabsaumbt, hett er zu dem schuldner kein ferrern regress. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.51"> [Buch II Titel 17 § 51]<lb/> § 51 Wann sich der beclagt burg
                    ainer rechtmessigen wohlbefuegten peremptori und haubtsachlichen excieption [!]
                    gebrauchen, sich auch dardurch von des glaubingers clag mit fueg entschutten
                    hette mögen, dieselb aber umbgangen oder verabsaumbt und volgents in die
                    betzahlung condemnirt, so hatt er zu dem schuldner fur welchem er guet worden
                    keinen regres noch weitern zuspruch. Die dilatori exceptionen aber, do er
                    dieselben gleich nit furgewendt, sollen ihme nit praejudicirn, dann er an der
                    haubtsachen damit nichts vergeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.17.52"> [Buch II Titel 17 § 52]<lb/> § 52 Die purden haben wider
                    ihre principalen des abgerichten glaubingers halben ihren regress, ungeacht das
                    sie guetwillig ausser vorgeender clag oder gerichtlicher auflag die betzahlung
                    thain, dann glauben und trauen solle gehalten werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.18">
        <head>[Buch II Titel 18]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=224">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 18. titl. Von Velleianischen rechten
                    und weiblicher freihait. </p>
        <p xml:id="NA.2.18.1"> [Buch II Titel 18 § 1]<lb/> § 1 Die weibspersohnen sollen
                    sich in gemein keiner bürgschaft mechtigen; do sie sich aber dem Velleianischen
                    rechten zuwider in ainige verbüntliche purgshandlung einliessen, sein sie in
                    craft obbemelter Velleianischen freihait von solcher ihrer verbuntnußen
                    entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.18.2"> [Buch II Titel 18 § 2]<lb/> § 2 Doch werden etliche sondere
                    von denen geschribnen rechten furgesezte fäll ausgenomben, darinnen angeregte
                    weibspersohnen um ihre gelaiste purgschaften fues halten und denselben ohn
                    waigerung nachkomben muessen: Erstlich wann sie umb heüratvermacht purg werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.18.3"> [Buch II Titel 18 § 3]<lb/> § 3 Zum andern do sie solcher
                    purgschaft halben gelt oder geltswert würklich und genießlich empfangen. </p>
        <p xml:id="NA.2.18.4"> [Buch II Titel 18 § 4]<lb/> § 4 Furß dritt wann sie sich
                    arger mainung und damit der glaubinger ihrer nichtigen burgschaft halben gevert
                    solle werden einliessen. </p>
        <p xml:id="NA.2.18.5"> [Buch II Titel 18 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten wann sich ihre
                    fidejussion iteriem und sich zum andernmahl verbinden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.18.6"> [Buch II Titel 18 § 6]<lb/> § 6 Zum fünften wann sie ihrer
                    hobenden weiblichen freihaiten und des Velleianischen rechten certiorirt und
                    verstendigt werden, sich auch derselben außtruklich und guetwillig begeben, zu
                    welcher renunciation und verzichtbecreftigung ainiger aid dem lantbrauch nach
                    nit von nötten. <pb n="Edition 2015 S. 176"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.19">
        <head>[Buch II Titel 19]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=226">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 19. titl. Von solutionen betzahlungen
                    und abrichtung der schulden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.1"> [Buch II Titel 19 § 1]<lb/> § 1 Die eltern sein ihren
                    vogtbaren kinder, deßgleichen die kinder ihrer eltern gemachten schulden zu
                    betzahlen nit schuldig, sie wöllens dann beiderseits auß guetwillig und keiner
                    gerechtigkait thuen oder ein tail erbe den andern. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.2"> [Buch II Titel 19 § 2]<lb/> § 2 Ein eheman ist fur sein
                    ehefrau deßgleichen die ehefrau für ihren eheman zu zahlen nit schuldig, es
                    hette sich dann eines neben dem andern gutwillig and austruklich verschriben, in
                    welchem fall, do sie ,sament und unverscheidenlich' verobligiert mag ein iedes
                    aus ihnen umb den halben tail, wo sie aber ,verschaidenlich' oder ,sunderlich'
                    verbunden aines allein umb die ganze summa furgenomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.3"> [Buch II Titel 19 § 3]<lb/> § 3 Doch ist dem lantbrauch nach
                    von nötten das die ehefrau ihrer weiblichen freihaiten und des Velleianischen
                    rechtens certioriert und erindert worden, sich auch derselben guetwillig
                    begeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.4"> [Buch II Titel 19 § 4]<lb/> § 4 Und obwohl bei dem
                    Kaiserlichen rechten lauter versehen, das ein ehefraw solche schulden darumben
                    sie neben ihrem haußwirt verschriben anderergestalt zu entrichten nit schuldig,
                    es were dann wider sie bewisen das solches gelt zu ihrer notturft und nutz
                    außgeben worden, so vermag doch der wissentlich allgemein lantbrauch das
                    widerspiel, nemblichen das die ehefrauen alle schulden darumben sie neben ihrem
                    ehewirt verschriben, sie haben gleich des entlehneten gelts genossen oder nit,
                    entrichten sollen; darbei wir es nochmahlen genedigist verbleiben lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.19.5"> [Buch II Titel 19 § 5]<lb/> § 5 Zu entschüttung aber solcher
                    eheschulden begibt sich oftermahlen das die ehefrauen bei gericht furgeben, sie
                    haben umb solche gemachte schulden kein wissen, die schultbrief sein auch ohn
                    ihr vorwissen aufgerichtt, deßgleichen das die underzaichnus nit ihre aigne
                    hantschriften, item das die signatur nit ihr petschaft oder sigill, das sie auch
                    niemants andern an ihrer statt zu fertigen oder sich zu underschreiben gebetten,
                    oder das sie mit troworten ubelhalten und schlegen zu solchen verschreibungen
                    wider ihren freien willen geursacht gezwungen und genöttigt worden. in solchen
                    und dergleichen fällen haben die ehefrauen die praesumption des rechtens wider
                    sie, derowegen muessen sie eins oder das ander wie zu recht genueg beweisen,
                    sonsten solle auf die furgebrachten schultbrief furdersambe und würkliche
                    ausrichtung beschehen. <pb n="Edition 2015 S. 177"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.19.6"> [Buch II Titel 19 § 6]<lb/> § 6 Damit aber vielen irrungen
                    abgeholfen und die gericht destweniger behelligt werden, so wollen ordnen und
                    setzen wir auß lantsfürstlicher vollmacht: als oft ein ehefrau aine oder mehr
                    persohnen an ihrer statt die schultbrief zu underschreiben und mit petschaften
                    oder sigillen zu verfertigen hinfur bitten thett, daß solches durch
                    lantbreuchige betzedln beschehen solle, damit man alßdann zur zeit furfallender
                    notturft gefast sein und die unbestendigen parteien desto bereitt- und richtiger
                    uberzeugen Kinnen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.7"> [Buch II Titel 19 § 7]<lb/> § 7 Die fertiger der schultbrief,
                    weil sie nit principalen sondern allein der sachen zeugen sein, sollen umb Kein
                    schult darzu sie gebetten angesprochen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.8"> [Buch II Titel 19 § 8]<lb/> § 8 Die pupillen und
                    minderjärigen sollen ohn vorwissen ihrer furgesezter pflegvetter nichts
                    bezahlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.9"> [Buch II Titel 19 § 9]<lb/> § 9 Die pflegvetter tutorn und
                    curatorn aber mügen ihrer pflegkinder schulden ohn vorwissen der obrigkait wohl
                    abrichten. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.10"> [Buch II Titel 19 § 10]<lb/> § 10 Die procuratorn
                    gewalttrager verwalter pfleger ambtleut und dergleichen persohnen sollen ohn
                    sondern habenden specialgewalt oder gemeßnen bevelch ihrer principalen und
                    oberherrn kein schult bezahlen noch entgegen ainiger betzahlung annehmen oder
                    dorfur quittiren. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.11"> [Buch II Titel 19 § 11]<lb/> § 11 Denen factorn und
                    handlsdienern, welche offentlich in gewelbern gebraucht werden, mag die
                    bezahlung in ihren schreibstubnen offenen oder heimblichen gewelben ausser ihrer
                    herrn specialgewalt wohl beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.12"> [Buch II Titel 19 § 12]<lb/> § 12 Also solle auch kein
                    unvogtbarer ainiger bezahlung stattthain sonder seine schuldner auf seine
                    pflegvätter weise, welche dann ausser der obrigkait bewilligung die betzahlung
                    annemben mögen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.13"> [Buch II Titel 19 § 13]<lb/> § 13 Es ist kein herr oder fraw
                    fur ihre diener oder ehehalten, deßgleichen die lantleut für ihre underthanen zu
                    bezahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.14"> [Buch II Titel 19 § 14]<lb/> § 14 Es solle kein schuldner
                    seinem glaubinger wider des glaubingers gueten willen umb dargelihenes bargelt
                    andere sorten und gueter, sie sein gleich ligent und varent, furschlagen; er
                    solle auch ihme glaubinger wider sein gelegenhait kein verbriffte oder
                    unverbriffte schulden einreümen; deßgleichen da einer ein ligents oder vahrents
                    stuckh, als weingarten acker wisen silbergeschier klait viech oder dergleichen
                    schuldig, soll sein glaubinger wider seinen willen darfur gelt anzunemben nit
                    verbunden sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.19.15"> [Buch II Titel 19 § 15]<lb/> § 15 Gleicherweise soll kein
                    schuldner seinen glaubinger ain corpus fur das ander zu der betzahlung
                    furschlagen, als äcker fur wisen, silbergeschier fur viech oder dergleichen; und
                    summariter in allen wilkürlichen betzahlungen, welche ausser <pb n="Edition 2015 S. 178"/> gerichtlicher execution und behebnus ervolgen, ist
                    kein glaubinger etwaz anders fur des, so man ihme zu thain, anzunemben schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.16"> [Buch II Titel 19 § 16]<lb/> § 16 Wann aber die betzahlung
                    durch gerichtliche behebnus beschicht, so mueß sich der glaubinger mit
                    einantwortung des gespenten oder angesezten guets es sei gleich ligent oder
                    varunt contentirn laßen, sonderlich weil die wahl under des schuldners guetern
                    alzeit dem glaubinger bevorsteet, auch in seiner election ist auf welche sich
                    ansezen wollen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.17"> [Buch II Titel 19 § 17]<lb/> § 17 Wann der schuldner das so
                    er zu thain nit inhendig hatt sonder ohn sein verwarlosung darumben komben, so
                    ist der glaubinger etwas anders aus des schuldners haab und guetern in gleichem
                    wert darfur anzunemben schuldig, doch solle die wahl disfals bei ihme glaubinger
                    und nit den schuldner stehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.18"> [Buch II Titel 19 § 18]<lb/> § 18 In denen sorten welche
                    gewogen und gemessen werden ist der glaubinger gleichen werth, wie es das
                    landsbreuchig gewicht und maß gibt (als wein fur wein, trait fur trait)
                    anzunemben schuldig; - aber ainerlei sort fur die ander, als wein fur trait oder
                    trait fur wein, - soll ihme wider sein gelegenhait nit eingereumbt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.19"> [Buch II Titel 19 § 19]<lb/> § 19 Wie es mit betzahlung
                    dargelihener oder sonsten schuldiger geltsumma zu halten, darinnen sollen sich
                    die parteien zu furkombung allerlei mißverstants bei dem contract selbst
                    aigentlich und lauter vergleichen, auch die münz mit ihrem derselben zeit
                    gangbaren und lantleufigen werth specificiren; es schlag nun hernach die munz
                    auf oder ab so soll sich der glaubinger mit dem bedingten werth betzahlen und
                    erstettigen lassen. er soll auch nit difficultirn, wann ihme ein sort gelts fur
                    die ander, als fur golt silber oder dergleichen münz so im lant gibig und gebig
                    auch gleiches werth ist, gereicht wirdt. allein in etlichen sondern fällen: </p>
        <p xml:id="NA.2.19.20"> [Buch II Titel 19 § 20]<lb/> § 20 Erstlichen wann die
                    contrahenten nit auf dem werth sondern auf die stuckh und materi handlen, als do
                    einer dem andern tausent stuckh im golt leichet und begert ihme dieselben in
                    gleicher guldener sort zu entrichten. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.21"> [Buch II Titel 19 § 21]<lb/> § 21 Zum andern wann die
                    contrahenten auf den munzformb und schlag contrahiren, nemblichen ducaten cronen
                    thaller zehner dieses oder eines andern schlags, so mus der schuldner mit
                    gleichem schlag betzahlen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.19.22"> [Buch II Titel 19 § 22]<lb/> § 22 Zum dritten welcher grobe
                    munz außgelihen der ist dafur keine munz, als pfenning zweier und dergleichen so
                    viel sich uber zwanzig gulden erstreckt, vermueg der außgangen lantsfurstlichen
                    munzordnung anzunemben nit schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 179"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.19.23"> [Buch II Titel 19 § 23]<lb/> § 23 Zum vierten wann ain
                    außlendischer ainem inlendischen gute gangbare münz gelichen, so solle ihme die
                    betzahlung in derlei münz ervolgen, die er entweder an dem ort des contract oder
                    in seinem haimwesen vertreiben kan. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.24"> [Buch II Titel 19 § 24]<lb/> § 24 Wann die münz, als ducaten
                    cronen thaler oder dergleichen sorten, abschlogen und auf widergeltung gleicher
                    sorten durch die contrahenten gehandlt werden, so solle die betzahlung in dem
                    werth beschehen, wie dieselben sorten zur zeit des getrofnen contracts gangbar
                    gewesen; derhalben der schaden dem schuldner obligt, er ist auch die ubermas
                    seinem glaubinger zu erstatten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.25"> [Buch II Titel 19 § 25]<lb/> § 25 Also auch wann die munz
                    aufschlegt, solle die bezahlung in dem werth beschehen wie derselben gang zur
                    zeit des beschloßnen contracts gewesen; dann weil der glaubinger den schaden des
                    abschlags nit leiden darf, solle er den gewien des aufschlags auch nit bekomben. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.26"> [Buch II Titel 19 § 26]<lb/> § 26 Wann der glaubinger moross
                    ist und die betzahlung zu der ordentlichen bedingten zeit von seinem schuldner
                    nit annemben wolt, auch volgents die munz abschlieg, so solle ime die betzahlung
                    zu straf seines geverlichen aufzugs in dem werth ervolgen, wie derselb zur zeit
                    des abschlags lauft; wann sie aber aufschlegt, soll er die betzahlung annehmen
                    allermassen wie sie vor dem aufschlag beschehen mögen, sonsten wirt er seiner
                    gevar gewün haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.27"> [Buch II Titel 19 § 27]<lb/> § 27 Die betzahlung so aus
                    keinem darlehen sonder andern contracten als Kaufen bestanden wechsl donationen
                    heuratsabreden oder dergleichen handlungen inter vivos herrüeren, sollen
                    allezeit dem lantsbrauch nach in dem werth beschehen, wie die munz zu der
                    bedingten betzahlungszeit auch einer ieden außgetragnen frist und werung gültig
                    ist und in der gemain laufen thuet. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.28"> [Buch II Titel 19 § 28]<lb/> § 28 Welchem durch ainen
                    letsten willen ein gewisse sort der munz, als ducaten cronen thaler oder
                    dergleichen stuckh, verschafft worden, der solle dieselbigen in dem werth
                    annemben wie sie zu zeit des aufgerichten und datirten lezten willens gangbar
                    gewesen; er kan auch die ubermaß, do derlei sorten zur zeit des gescheftingers
                    hernach ervolgten tötlichen abgangs aufgeschlagen, von den erben oder
                    testamentarien nit begehren. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.19.29"> [Buch II Titel 19 § 29]<lb/> § 29 Die betzahlung so nit auf
                    frist und wehrung gestelt sollen under einsten beschehen, darumben ist kein
                    glaubinger wider sein gelegenhait solche betzahlung zu einziger weiß oder auch
                    die haubtsumma ohn das verschriben intereße anzunemben schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 180"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.19.30"> [Buch II Titel 19 § 30]<lb/> § 30 Welcher etwas das er nit
                    schuldig auß irthumb oder ubersehen betzahlt, der mag es wider erholen und
                    revociren; der es aber wißlich thuet, der solle es nit mehr einmahnen noch
                    condiciern. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.31"> [Buch II Titel 19 § 31]<lb/> § 31 Die solutionen und
                    betzahlungen sollen an denen lantsorten beschehen do sie bedingt worden, wo sie
                    aber die contrahenten keines orts verglichen solle dieselb deren orten ervolgen
                    an welchem contrahiert worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.32"> [Buch II Titel 19 § 32]<lb/> § 32 Es ist auch der glaubinger
                    nit schuldig dem schuldner umb die bezahlung wider sein gelegenhait nachzuraisen
                    sonder der schuldner solle zu dem glaubinger ohn sein des glaubingers entgelt
                    verfuegen; do aber der glaubinger dem unhaltigen schuldner nachzusetzen
                    verursachtt und gedrungen wirdt, solle ihme der auferlofnen uncosten, ungeacht
                    das derselb in der schultverschreibung nit vermelt, billich erstatt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.33"> [Buch II Titel 19 § 33]<lb/> § 33 Es sollen die betzahlungen
                    zu denen bedingten fristen und werungen beschehen; do aber auf wolgefallen
                    ausgelihen oder der betzahlung Kein zeit fur gesezt worden, mag dieselb schult
                    nach des glaubingers guetem gefallen eingemanet werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.34"> [Buch II Titel 19 § 34]<lb/> § 34 Wann der glaubinger die
                    betzahlung zu ordentlicher und bedingter zeit nit annemben wiel, so soll der
                    schuldner das schuldig gelt verpetschiert under gericht erlegen und sich mit
                    solcher deposition von Künftigem interesse und schaden salviern. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.35"> [Buch II Titel 19 § 35]<lb/> § 35 Welcher ohn des glaubinger
                    wißen und willen ainem anderm zahlt der ist der schulden nit entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.36"> [Buch II Titel 19 § 36]<lb/> § 36 Deßgleichen der welcher
                    dem glaubinger fur ein freies gueth ein beschwertes zustelt. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.37"> [Buch II Titel 19 § 37]<lb/> § 37 Also auch der so dem
                    glaubinger ein schaden- oder mangelhaftiges guet einreumbt. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.38"> [Buch II Titel 19 § 38]<lb/> § 38 Item der welcher
                    gleichwohl der betzahlung urpuetig, aber dieselb bedingtermaßen nit volziehen
                    wiel. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.39"> [Buch II Titel 19 § 39]<lb/> § 39 Welchem lantman järlich
                    dienstgelt oder andere herrnsanforderung aus irthumb gereicht worden, dem wirdt
                    dardurch kein gerechtigkait gebert. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.40"> [Buch II Titel 19 § 40]<lb/> § 40 Derhalben solle er
                    ungeacht der langwirigen reichung den irrenten gäber zu keiner ferrern
                    betzahlung dringen, er were dann solche gab uber verjärte zeit verricht worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.19.41"> [Buch II Titel 19 § 41]<lb/> § 41 Dem die haubtsumma
                    betzahlt wirdt der begibt sich damit des interesse oder expensen nit, es
                    geschehe dann solcher nachlaß mit außgedrukten worten. <pb n="Edition 2015 S. 181"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.19.42"> [Buch II Titel 19 § 42]<lb/> § 42 Wann die betzahlung allein
                    dem schuldner zu guetem auf ain bestimbte gewisse zeit angestelt wirdt, so ist
                    ihme vor außgang solcher zeit seinen glaubinger zu contentiern und zu entrichten
                    unverwerth. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.43"> [Buch II Titel 19 § 43]<lb/> § 43 Wann aber der termin
                    solcher betzahlung von wegen beeder contrahenten frumben und gelegenhait bedingt
                    worden, so ist der glaubinger vor endung der verglichen zeit solcher betzahlung
                    statt zu thain nit schuldig, als wann einem glaubinger gegen leihung ainer
                    benanten summa gelts die fruchtgeniessung eines weingarten oder dergleichen
                    nuzbaren guets auf etlich jar verschriben worden und der schuldner solchen grunt
                    vor endung derselben bedingten zeit wider an sich lösen wolt so ist der
                    glaubinger solcher widerlösung vor außgang der beschribenen jar statt zu thain
                    nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.44"> [Buch II Titel 19 § 44]<lb/> § 44 Welcher umb ausstant
                    järlicher gefäll und einkomben, als dinstgelt zehent perkrecht und dergleichen
                    angesucht wirdt und mit glaubwürdigen schein darthain kan, daß er dieselben
                    negst verlofner dreien jar entricht, der solle anderer hinderstelligen ausstant
                    entbunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.45"> [Buch II Titel 19 § 45]<lb/> § 45 Wann dem glaubinger zu
                    ordenlicher bedingten zeit die betzahlung nit volgt und aus unvermeidlicher
                    notturft anderer orten gelt mit interesse aufbringen thuet, so soll ihme der
                    schuldner solches intereße, do es gleich mehrers dann funf per cento doch under
                    zehen gulden, von dato seines geverlichen aufhaltens und des entlehenten gelts
                    neben der haubtsumma zu erstatten schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.46"> [Buch II Titel 19 § 46]<lb/> § 46 Do aber der glaubinger
                    solches gelt ohn alles interesse bekomb, solle der schuldner ainen weg als den
                    andern die lantbreuchig verzinsung funf per cento dem glaubinger raichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.19.47"> [Buch II Titel 19 § 47]<lb/> § 47 Wann der schuldner zu
                    enthebung der betzahlung sein leibsschwachhait furwenden thet, soll ihme dieselb
                    gar nit furtragen, deßgleichen do er furgeb, wann man ihne zahl so wolle er
                    seine glaubinger auch zufriden halten, dann ein ieder solle ohn des andern
                    entgelt seine schulden einbringen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.20">
        <head>[Buch II Titel 20]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=245">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 20. titl. Von cessionen und ubergaben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.20.1"> [Buch II Titel 20 § 1]<lb/> § 1 Es stehet ainem ieden,
                    welcher seine vogtbare jar erraicht und der contracten vehig ist, bevor seine
                    action spruch rechten und gerechtigkaiten, sie sein gleich realisch oder
                    persohnalich [!], ainem andern gänzlich oder zum tail zu ubergeben und dieselben
                    aigenthumblich auf ihne zu <pb n="Edition 2015 S. 182"/> transferiren; doch mueß
                    solche cession und ubergab mit volgenden gelegenhaiten und aigenschaften
                    beschehen: </p>
        <p xml:id="NA.2.20.2"> [Buch II Titel 20 § 2]<lb/> § 2 Erstlichen erfordern die
                    geschribnen rechten, das die ubergab bona fide und ohn des gegentails
                    beschwerung beschehen solle. derhalben welche persohnen von obrigkait gewalts
                    oder gebiete wegen mechtiger als der ubergeber, denen solle kein ubergab
                    beschehen, dann dardurch wird des gegentails condition aggraviert. und obwohl
                    bemelte rechten darnebens verordnen, das der ubergeber mit solcher
                    beschwerlichen und vortailigen cession sein gerechtigkait damit verwürkt haben
                    solle, so wöllen wir es doch aus lantsfurstlicher volmacht bei dem mildern weg
                    beruhen lassen und die straff allein dahin wenden, das solche ubergab nichtig
                    und craftloß sein, und den ubergeber seine spruch ainen weg als den andern gegen
                    seinem haubtschuldner bevorstehen sollen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.3"> [Buch II Titel 20 § 3]<lb/> § 3 Zum andern soll kein ubergab
                    derlei persohnen beschehen, welche ausser gerichtlicher hoheit dem gegentail an
                    stant verlag oder in ander weg zu uberlegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.4"> [Buch II Titel 20 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten ist von nötten,
                    das die ubergab erbarer und aufrichtiger mainung ohn alle simulation beschehe,
                    dann die simulierten cessionen sollen von billigkait und lantbrauch wegen kein
                    craft haben, auch die parteien welche mit derlei aigennutzigen und vorteiligen
                    practicken umbgehen nach gelegenhait des handels und ihrer argen collusion dem
                    lantsbrauch nach gestrafft werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.20.5"> [Buch II Titel 20 § 5]<lb/> § 5 Es ist aber solcher
                    scheinhandel und simulirter contract aus etlichen inditien zu vermerken:
                    erstlichen wann die ubergab umb einen ungleichen werth oder ungemessen
                    widergeltung beschicht. zum andern wann das ubergeben guet zum tail verkauft und
                    zum tail verschenkt wirdt. zum dritten wann der ubergabbrief dahin gestelt, das
                    die cession geschanknusweise ohn alle vergeltung beschehe aber hergegen furkeme
                    und beweißlich were, das der ubergeber solcher cession halben heimblicher und
                    stiller weiß etwaz empfangen, zum vierten wann der ubergeber in der possess des
                    cedirten haab und guets bleibet. zum funften wann der ubergeber durch revers
                    oder andere bedingnus ungeacht des cedirten und uberantworten haab und guets den
                    gewien oder verlust davon zugewarten hette und solches ausfundig gemacht werden
                    Kündt, <pb n="Edition 2015 S. 183"/> zum sechsten wann die übergab ohn notturft
                    oder vernunftige erhebliche ursachen beschicht, alls wann ein vermügiger under
                    dem schein des unvermögens ein guet so rechts anhengig werden solle ainem
                    unvermöglichen ubergibt. zum siebenden wann das guet in einem häderischen und
                    zänkischen mentschen transferiert wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.20.6"> [Buch II Titel 20 § 6]<lb/> § 6 Hergegen aber sein allerlei
                    vermuetung, dardurch die simulation außgeschlossen und die ubergaben fur
                    aufrecht und rechtmessig zu halten: erstlichen wann ein unvermöglicher seine
                    habende rechten und gerechtigkaiten außzuführen nit statthaft ist, mag er
                    dieselben andern ubergeben, zum andern wann der ubergeber verraisen solle und
                    den künftigen rechten nit beiwohnen noch der notturft nach abwarten kann, furs
                    dritt do der ubergeber bettrisig und stetter schwachhait halben das reisen oder
                    berechten nit vermag, zum viritten do er gefangen leg, zum funften do er eines
                    geistlichen stants und die gericht scheuett, zum sechsten do er ein
                    thadelhaftiger mann seiner vernunft, gehöres oder gesichts beraubt were, zum
                    sibenden do er ain krigsman und dem gericht nit beiwohnen kunt, zum achten do
                    der ubergebent tail ein weibspersohn were und sich bei gericht nit gern
                    umbziehen ließ, zum neunten wann der ubergeber das rechten nit verstehet oder
                    dardurch seine tegliche narung schmelert, zum zehenden wann er ambts diensts
                    oder anderer ehehaften und obligen halben dem rechten nicht auswarten kan zum
                    aintliften wann die ubergab nit zu winkel sonder in beisein biederleut
                    beschicht, so ist kein simulation darbei zu vermueten, zum zwelften wann
                    wissentlich oder weißlich, das dem ubergeber das cedirt guet vor der ubrgab [!]
                    fail gewesen, zum dreizehenten wann die cession einem erben und fridsamben
                    bidersman, welcher fur keinen muetwilligen Kriger beschicht, zum 14. wann die
                    ubergeben gerechtigkait etwas zu disputierlich und zweifelhaftig ist, zum 15.
                    wann zu besorgen, das etwas mehrers auf den rechtstritt ergehen werde als der
                    obsieg nutzen möcht, <pb n="Edition 2015 S. 184"/> zum 16. wann des gegentails
                    vermögen nit zum besten stehet und etwo kunftig bei ihme wenig zu erheben ist,
                    zum 17. wann ein erb dem andern seinen thail ubergibt, so ist kein simulation zu
                    vermueten, sonderlich in thailbaren guetern, zum 18. wann der schuldner seinen
                    glaubinger an betzahlungsstatt seine schulden rechten und gerechtigkaiten
                    ubergibt, so ist solche cession creftig und aller simulation frei, zum
                    neunzehenden wann die ubergab mit vorwissen der obrigkait beschiecht, so ist
                    derselb ohn verdacht, zum 20. wann einem ein action vertestirt worden und der
                    erb dieselb dem gescheftinger ubergibt, so ist sie gleichsfals aufrecht und
                    bestendig. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.7"> [Buch II Titel 20 § 7]<lb/> § 7 Wiewohl bei denen
                    Kaiserlichen rechten lauter versehen, das die strittigen sachen und handlungen
                    so litigios und rechtsanhengig worden allein in etlichen sondern fällen vor
                    austrag des rechtens verkauft oder in ander weg ubergeben sollen werden, so ist
                    doch von uralten zeiten heer in unserm lant Österreich under der Ennß ublich und
                    gebreuchig gehalten worden, das alle rechten und gerechtigkaiten spruch und
                    actionen in gemein ohn alle underschied sowohl in hangenden stritt als zuvor
                    verkauft verhandlet und andern cedirt worden, darbei wir es nochmahlen
                    genedigist beruhen lassen. doch solle der nehment tail schuldig sein dem
                    angefangen stritt eben vor den gericht auszutragen darbei der krieg befesstigt
                    worden, ungeacht daz er etwa aines andern lants oder gerichtszwang were. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.8"> [Buch II Titel 20 § 8]<lb/> § 8 Wann ein glaubinger seine
                    verbriften oder unverbriften schulden verkauft, so kan solche verkaufung ohn
                    vorwissen und willen des schuldners wohl beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.9"> [Buch II Titel 20 § 9]<lb/> § 9 Deßgleichen vermag der
                    wissentlich lantsbrauch, das ein schuldner seinen gegenschuldner dem glaubinger
                    ohn vorwissen und bewilligung gedachts gegnschuldners durch ordenliche cession
                    ubergeben möge. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.10"> [Buch II Titel 20 § 10]<lb/> § 10 Welcher schulden ubergibt,
                    der solle dieselben dem ubernember auch anhellig machen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.11"> [Buch II Titel 20 § 11]<lb/> § 11 Es solle kein glaubinger
                    wider seine gueten willen zu ainiger ubergab von seinem schuldner getrungen
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.20.12"> [Buch II Titel 20 § 12]<lb/> § 12 Die vormunder gerhaben und
                    curatorn sollen nicht macht haben ihrer pflegkinder haab und gueter ohn
                    vorwissen der ordentlichen obrigkait zu ubergeben, desgleichen von andern
                    ubergab zu empfahen. also soll auch keinem gewalttrager pfleger ambtman oder
                    bevelchhaber gebüren seiner herrn und principalen rechten und gerechtigkaiten
                    andern zu cediren oder ein ubergab vor <pb n="Edition 2015 S. 185"/> andern in
                    ihrer herrn namben zu ubernemben, sie seien dann disfals mit sondern
                    specialgewälten oder schreiben versehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.13"> [Buch II Titel 20 § 13]<lb/> § 13 Die cessionen seint under
                    denen chon- und eheleuten dem lantsbrauch nach unverwehrt. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.14"> [Buch II Titel 20 § 14]<lb/> § 14 Deßgleichen zwischen
                    bluetsfreunden, doch das alle verdechtliche handlungen und simulation umbgangen
                    werde. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.15"> [Buch II Titel 20 § 15]<lb/> § 15 Die geistlichen mögen den
                    weltlichen, deßgleichen die weltlichen den geistlichen ihre spruch rechten und
                    gerechtigkaiten nach lantsbrauch ubergeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.16"> [Buch II Titel 20 § 16]<lb/> § 16 Die ubergab, so dessen
                    glaubingern zu gevar beschehen, sollen kein craft haben sondern wider erholt und
                    revociert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.17"> [Buch II Titel 20 § 17]<lb/> § 17 Deßgleichen der pupillen
                    und minderjärigen ubergab, welche ausser der obrigkait und ihrer furgesezten
                    vormunder oder curatorn wissen und willen beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.18"> [Buch II Titel 20 § 18]<lb/> § 18 Also auch alle cessionen,
                    welche durch personen denen die administration und verwaltung ihrer gueter auß
                    rechtmessigen ursachen verboten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.19"> [Buch II Titel 20 § 19]<lb/> § 19 Ein gefangener,
                    lantsverwister oder verurtailter zum tod mag seine schulden und anforderungen
                    cediren, soverr er anderst dem gericht mit leib und guet nit verfallen. do sein
                    malefiz aber dermassen geschaffen, dos er am guet sowohl als dem leben fällig
                    und strafbar worden, so hatt einige cession nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.20"> [Buch II Titel 20 § 20]<lb/> § 20 Wann einem ein volkombene
                    ubergab beschicht, so wirdt ihme dardurch nit allein die schult der
                    haubtgerechtigkait eingereumbt sonder auch alle andern anhengigen accessorien,
                    als underpfant bürgschaft cautionen verzinsungen und was dergleichen mehr,
                    ubergeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.21"> [Buch II Titel 20 § 21]<lb/> § 21 Welcher sich ainer
                    habenden cession vor gericht berüembt, der solle dieselb zu verificierung seines
                    intents originaliter furlegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.22"> [Buch II Titel 20 § 22]<lb/> § 22 Wann die ubergab
                    underschietlich persohnen beschicht, so schleust oder elter cessionari dem
                    jungern auß. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.23"> [Buch II Titel 20 § 23]<lb/> § 23 Alle realischen
                    exceptionen und eintreg, welche an der ubergebnen action und gerechtigkait
                    anhengig, die werden auf den ubernember transferirt und mögen ihme von seinem
                    gegentail opponiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.20.24"> [Buch II Titel 20 § 24]<lb/> § 24 Was aber persohnliche
                    mangl und einred seint, deren wirdt der ubernember nit thailhaftig, sollen ihme
                    auch nit furgeworfen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.20.25"> [Buch II Titel 20 § 25]<lb/> § 25 Wann einem ein
                    gerichtshandel ubergeben wirdt, so trit derselb ubernember in des ubergebnen
                    fueßstapfen und gleichmessigen stant des rechtens allermassen wie derselb zur
                    zeit der cession geschaffen, derhalben ist er den process von neuem anzufahen
                    nit schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 186"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.21">
        <head>[Buch II Titel 21]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=258">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 21. titl. Von entlehneten haab und
                    guetern so commodatum genant wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.1"> [Buch II Titel 21 § 1]<lb/> § 1 Es mögen nit allein die
                    varenden sondern auch die liegenden haab und gueter außgelihen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.2"> [Buch II Titel 21 § 2]<lb/> § 2 Die ehehalten diener und
                    dienerin sollen ohn vorwissen ihrer herrn und frauen nichts ausleihen, dann da
                    sie sich dessen unbewust ihrer herrn und frauen mëchtigen thetten und nachmals
                    solches verlihen guet schadhaft oder entfrembdt würde, seint sie solchen schaden
                    zu verantworten und zu büessen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.3"> [Buch II Titel 21 § 3]<lb/> § 3 Desgleichen sollen die
                    ehehalten diener und dienerin von andern personen ausser bevelch und geschäft
                    ihrer herrn und frauen nichts entlehnen, es were dann zu gemeiner und schlechter
                    haußnotturft dienstlich. do nun ainer oder mehr von klainotten silbergeschier
                    klaider betgewant roß wagen oder dergleichen nambhafter sachen ainem diener oder
                    dienerin ohn schein oder glaubwürdige zaigen, daraus ihrer herrn und frauen
                    bevelch willen und wissen zu vermerken, was leihen würdt, sollen gemelte herrn
                    und frauen derhalben allerlei gevär nachtails und schadens (welcher sich mit
                    enttragung entfuhrung verderbung oder in ander weg begeben möcht) entbrochen
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.4"> [Buch II Titel 21 § 4]<lb/> § 4 Doch seint hierbei die
                    ansehenlichen diener und dienerin, welche glaubwürdig und denen ambtsstants
                    vermögens wohlverhaltens gelaister burgschaft halben oder in ander weeg
                    zuvertrauen, außgenomben. dann do sich mit derlei persohnen etwo ein unfall
                    zutrüeg, sollen die herrn und frauen, in deren namben das lehen begert worden,
                    dem leüher ohn nachtel und schaden halten, und stehet ihnen ihr regres gegen
                    ihren glüebprüchigen dienern und dienerin oder derselben bürgen bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.21.5"> [Buch II Titel 21 § 5]<lb/> § 5 Die gewelbherrn und
                    handlsleut sollen denen, so sich auf ihre herrn und frauen zihen, von waren
                    specifinirn [!] oder dergleichen sorten nichts borgen, sie bringen ihnen dann
                    ihrer herrn und frauen hantschrift schult(<ref target="#Handschrift_174">fol.
                        174v</ref>)register oder andere glaubwürdige nottl und zaigen fur sonsten
                    sollen die herrn und frauen, da sie untreu oder verlust damit begeb, von ihnen
                    entbunden und der betzahlung frei sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.21.6"> [Buch II Titel 21 § 6]<lb/> § 6 Die gewalttrager und
                    bevelchhaber sollen ahn ihrer herrn und frauen vorwissen nichts ausleihen, es
                    were dann solches ihrer gewalttragerei anhengig und stunt ihnen zu verantworten,
                    sonsten da sie sich anderer sachen mit <pb n="Edition 2015 S. 187"/> außleihen
                    mechtigen würden, solle die verantwortung und gevar auf ihnen tragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.7"> [Buch II Titel 21 § 7]<lb/> § 7 Welcher ein frembdes guet in
                    seiner gewaltsamb hatt, der mag dasselb auf sein gevar und verantwortung
                    außleichen, doch sollen die under gericht erlegten deßgleichen die ausser
                    gericht deponierten und vertrauten also auch die sequestrirten hab und güeter,
                    weil dieselben zu dritter und treuer hant steen und durch den inhaber selbst nit
                    gebraucht werden mögen, hierbei ausgenomben sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.8"> [Buch II Titel 21 § 8]<lb/> § 8 Ein iedes entlehnts haab und
                    guet solle dem ausleicher unverlezt und in der güet zugestelt werden wie es der
                    entlehner empfangen, derhalben do es in seiner gewaltsamb schadhaft erger oder
                    schlechter worden, soll er schuldig sein solchen mangl schaden und deterioration
                    dem außleicher abzutragen und nach billichen dingen zu erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.9"> [Buch II Titel 21 § 9]<lb/> § 9 Doch werden hierbei gottes
                    gewalt, unversehene zufäll casus fortuiti genant, als prunst Krigsgevar
                    wassergüeß diebstal und dergleichen unglückh außgenomben, dann dieselben ist der
                    entlehner zu büessen nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.10"> [Buch II Titel 21 § 10]<lb/> § 10 Es were dann sach das er
                    solche unfäll mit seinem unvleiß und böser würtschaft verursachen thett, fur das
                    erst. zum andern wann der entlehner das gelihen guet bewilligtermassen nit
                    braucht sondern dasselbe mißbraucht oder mit der nutzung einen excess thuet, aus
                    welchem nachmals ein unfal ervolgt, ist er denselben abzutragen schuldig. Zum
                    dritten wann der entlehner alle unfäll austruklich uber sich genomben, so soll
                    ers auch tragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.11"> [Buch II Titel 21 § 11]<lb/> § 11 Wann das entlehnet guet
                    alters halben oder auf ander dergleichen weg, welche sich bei dem ausleüher
                    sowohl als dem entlehner natturlicherweiß begeben hetten mögen, vergieng oder
                    gar zu verderben kömb, so ist der entnehmer denselben unfall zu büessen nit
                    schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.12"> [Buch II Titel 21 § 12]<lb/> § 12 Do der entnehmer des
                    gelihen hab und guet uber die bedingte zeit oder nach volgendem gebrauch seinem
                    ausleiher vorhalt und also mit der zustellung moros und saumbig ist, so ligt dem
                    entnehmer hernach alle gevar, welche sich in seiner gewaltsamb begibt, ob. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.21.13"> [Buch II Titel 21 § 13]<lb/> § 13 Der entnehmer solle das
                    entlehnet guet bona fide und so fleissig als sein aigenthumb in aller
                    vorsteunden gevar versorgen. derwegen do er sein aigenes guet flehen, das
                    entlehnet aber stecken oder bleiben ließ, so ist er den schaden do sich ainiger
                    begeb zu ergötzen schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 188"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.21.14"> [Buch II Titel 21 § 14]<lb/> § 14 Wann die zustellung des
                    verlihenen haab und guet nit zu bedingter zeit beschicht, so soll der entnemer
                    schuldig sein sich mit dem verleichner umb die ubrig zeit nach billichen dingen
                    zu vertragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.15"> [Buch II Titel 21 § 15]<lb/> § 15 Wann der entnehmer das
                    entlehnet haab und guet durch diebstal oder dergleichen weg verleurt, so ist er
                    dem darleiher dafur billichen abtrag zu thain schuldig, es were dann sach das
                    solcher verlust durch unversehene unfall und casus fortuiti genant geschah, wie
                    oben vernomben. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.16"> [Buch II Titel 21 § 16]<lb/> § 16 Wann der entnehmer auf das
                    verlihen haab und guet was legt oder dasselb bessert, so solle ihme der
                    verleihner solche ausgab und melioration wider erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.17"> [Buch II Titel 21 § 17]<lb/> § 17 Was aber auf die atzung
                    oder underhaltung geet, die solle gegen dem brauch vergleicht und compensirt
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.18"> [Buch II Titel 21 § 18]<lb/> § 18 Welcher das entlehnet haab
                    und guet bei seinen ehehalten, denen ambtsstants vermögens wohlverhaltens oder
                    gelaister burgschaft halben zu vertrauen gewesen, dem verleiher haimbschickt,
                    der ist von aller ferrern verantwortung entbunden und ob gleichwoll derselben
                    ehehalten ainer damit entgieng oder ihme durch andere untreue leut solches haab
                    und guet genomben würde, so soll doch der entnehmer solcher entlittnen schäden
                    halben sicher und von allen abtrag frei sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.19"> [Buch II Titel 21 § 19]<lb/> § 19 Gleicherweiß wann der
                    leihner einen diener so obgehörtermassen qualificiert und glaubwurdig umb
                    heimbstellung des entlehneten guets schickt und derselb nach anhendigung treulos
                    und flüchtig oder aber von andern desselben guets beraubt wirdt, so kan dem
                    zusteller ferrer nichts zuegemuetet werden, sonder der leüher ist solchen
                    erlitnen schaden zu tragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.20"> [Buch II Titel 21 § 20]<lb/> § 20 Wann der leüher umb
                    restitution seines dargelihnen haab und guets anhelt, so kan sich der entlehner
                    mit der exception als solle das entlehnet guet sein aigen sein nit behelfen,
                    dann hatt er nach uberantwortung desselben billiche spruch, stehn ihme solche
                    hernach wie recht ist bevor. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.21"> [Buch II Titel 21 § 21]<lb/> § 21 Also solle auch keiner das
                    entlehnet guet dem darleiher von wegen anderer persohnlichen sprüch und gegen
                    anforderung aufhalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.21.22"> [Buch II Titel 21 § 22]<lb/> § 22 Deßgleichen soll ein
                    entlehnets guet gegen dem andern entlehneten nit vorgehalten werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.21.23"> [Buch II Titel 21 § 23]<lb/> § 23 Wann einem unwissenten ain
                    manglhaftiges guet, als vaß roß oder dergleichen, geliehen und des mangls nit
                    erinnert wirdt, so solle der darleiher den daraus ervolgten und erlitnen schaden
                    erstatten. <pb n="Edition 2015 S. 189"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.21.24"> [Buch II Titel 21 § 24]<lb/> § 24 Der darleiher soll sein
                    dargelihenes guet mit Keinem gewalt einziehen sonder dasselben mit
                    gerichtshanden habhaft werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.22">
        <head>[Buch II Titel 22]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=268">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 22. titl. Von haab und guetern so zu
                    geteuen handen hinderlegt bevohlen und vertraut werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.1"> [Buch II Titel 22 § 1]<lb/> § 1 Es solle kein haab und guet,
                    so von den principalen selbst hinderlegt vertrautt und bevohlen worden, einem
                    gewalthaber pfleger ambtmann oder dergleichen personen hinausgegeben noch wider
                    haimbgestelt werden, es Kombe dann derwegen ein specialgewalt oder schriftlicher
                    bevelch von den hinderleger den behalter fur. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.2"> [Buch II Titel 22 § 2]<lb/> § 2 Gleichfals soll kein behalter
                    ein vertrauts guet ainem diener oder dienerin zustellen, sie sein dann mit ihrer
                    herrn und frauen hantschriften petschaften oder andern glaubwürdigen scheinen
                    und entzweiflichen zeigen versehen, sonsten solle der behalter darfur antwort zu
                    geben und dem hinterleger erstattung zu thain schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.3"> [Buch II Titel 22 § 3]<lb/> § 3 Ein behalter ist das vertraut
                    haab und guet seinem hinderleger widerumben haimbzugeben und allermassen wie ers
                    empfangen anzuhändigen schuldig, ungeacht das der hinderleger desselben guets
                    etwo kein aigenthumber noch gerechter inhaber were, dann solches steet dem
                    hinderleger gegen andern zu verantworten. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.4"> [Buch II Titel 22 § 4]<lb/> § 4 Wann viel hinderleger als
                    unvertailte erben oder dergleichen persohnen ein ainiges unverscheidenliches hab
                    und guet deponirn, so solle dasselb vertrautt guet keinem außer seiner andern
                    mitverwanten beisein hinaußgegeben werden, es hetten sich dann die tail des
                    widerspiels austruckenlich verglichen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.22.5"> [Buch II Titel 22 § 5]<lb/> § 5 Wann der hinderleger mit todt
                    abgeet und mehr als einen erben hinder sein verlest, so soll die restitution des
                    vertrauten haab und guets allen erben mit(fol 177.)einander beschehen. do aber
                    einer oder der ander erb umb die zustellung allein anhalten thette und das
                    hinderlegt guet tailbar were, mag ihme der behalter seinen daraus gebürenden
                    tail pro rata portione ervolgen lassen, do es aber unthailbar, solle ihme
                    behalter bevorsteen dasselb den anhaltenden erben gegen einer
                    schadloßverschreibung herauszugeben, und woferr sich der erb solcher
                    verschreibung eusert, mag ihme der restitution gewaigert und das vertrautt guet
                    under gericht erlegt werden. <pb n="Edition 2015 S. 190"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.22.6"> [Buch II Titel 22 § 6]<lb/> § 6 Wann der mehrer tail
                    wissentlicher erben die restitution des von ihrem verstorbnen principalen
                    hinderlegts haab und guets begehren thett, so soll ihnen dieselb ungeacht der
                    anderen widersprechen gegen einer schadloßverschreibung ervolgen, der merer tail
                    aber solle hierbei nit nach der persohnanzal sondern nach mas und gelegenhait
                    der mehrern erblichen gebürnus verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.7"> [Buch II Titel 22 § 7]<lb/> § 7 Wann etwas vermacht
                    verpetschiert oder versiegelter deponirt und vertrauet worden, so ist der
                    behalter nit schuldig fur die inliegenden haab und gueter ret und antwort zu
                    geben sonder genueg, wann er das eingemacht oder verfertigt stuckh mit
                    unversehrtem petschaft oder sigill wiederumb ubergibt, es were dann sach das
                    ihme behalter solche inligende gueter gezaigt und eingetzehlt auch nach
                    ersetzung wider vertraut und verfertigt würden. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.8"> [Buch II Titel 22 § 8]<lb/> § 8 Der behalter solle das
                    vertrautt haab und guet zu seinem aignem nutz nit brauchen, es wölle ihme dann
                    der hinderleger solches guetwillig vergünstigen, sonsten mag ihme der
                    hinderleger umb die unbewilligt abnutzung und schäden furnemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.9"> [Buch II Titel 22 § 9]<lb/> § 9 Wann die erben der erbschaft
                    halben strittig und ein ieder thail zu dem vertrautem und hinderlegtem gelt oder
                    guet bessere gerechtigkait zu haben vermaint, mag der behalter ainen sowohl als
                    den andern die restitution biß zu rechtlichem austrag des angemasten erbrechts
                    waigern, es were dann sach das ein oder der ander tail sich der schadloßhaltung
                    anbeut und den behalter gegen der heraußgebung genuegsamb versichert. do sich
                    aber einer oder der ander erb solcher caution und schadloßhaltung weigert und
                    dennoch das hinderlegt kriegbar guet zu haben begert, so mag der behalter
                    dasselb als oben vernomben under gericht legen und sich mit solcher
                    gerichtlicher deposition von ainem oder dem andern entbinden. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.10"> [Buch II Titel 22 § 10]<lb/> § 10 Wann das hindergelegt guet
                    auf ein gewisse zeit dem behalter bevohlen worden, so steet demnach dem
                    hinderleger bevor dasselb vor ausgang der bedingten zeit abzufordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.11"> [Buch II Titel 22 § 11]<lb/> § 11 Das hindergelegtt guet
                    soll der behalter an dem ort wider haimb geben do es ihme vertrautt und bevohlen
                    worden. do aber der hinderleger die restitution an einem andern ort begehren
                    thett, so soll dieselb auf seinen uncosten und on des behalters entgelt
                    beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.22.12"> [Buch II Titel 22 § 12]<lb/> § 12 Wann der behalter des
                    hindergelegten und vertrauten haab und guets nit gestendig sonder sich dessen
                    gerichtlich uberweisen lest, so soll er zu bestraffung seines ungebürlichen
                    verlangens dem hinderleger noch so viel als das vertrautt guet werth ist
                    erstatten. <pb n="Edition 2015 S. 191"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.22.13"> [Buch II Titel 22 § 13]<lb/> § 13 Wiewohl die geschribnen
                    Kaiserlichen rechten vermügen und zulassen, das der behalter das hinderlegt haab
                    und gueth in andere und ferrere hant vertrauen und deponiren mög, iedoch weil
                    derlei hinderlegung auß sondern hohen vertrauen beschehen und darzu ain persohn
                    fur die ander erwehlt wirdt, ordnen wöllen und setzen wir von lantsfürstlicher
                    volmacht wegen, das solche afterhinderlegung ohn vorwissen und bewilligung des
                    ersten deponenten nit furgenomben solle werden, es geschehe dann solche
                    deposition in unversehenen eilenten und unvermeidtlichen zufällen, als prunsten
                    wassergüessen krigsleuften und dergleichen unfällen. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.14"> [Buch II Titel 22 § 14]<lb/> § 14 Der behalter solle dem
                    hinderleger sein vertrautes guet umb gegenschult oder anderer persöhnlichen
                    spruch und forderung Keines wegs aufhalten noch davon ichtes abziehe. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.15"> [Buch II Titel 22 § 15]<lb/> § 15 Deßgleichen soll er dem
                    hinderleger sein vertrautes guet under dem schein, als solle ihme das aigenthumb
                    zugehörig sein, nit vorhalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.16"> [Buch II Titel 22 § 16]<lb/> § 16 Ein vertrautes und
                    deponirtes gueth solle niemants bei dem behalter in arrest oder verbott legen,
                    es geschehe dann solches mit vorgehender gerichtlichen bewilligung. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.17"> [Buch II Titel 22 § 17]<lb/> § 17 Desgleichen solle niemants
                    anderer umb solcher vertrauts guet den behalter furnehmen, sondern do einer oder
                    der ander darauf oder daran recht zu haben vermaint, soll er wider den
                    hinderleger selbst wie sich gebüert clagen denselben solle auch der behalter auf
                    begehren bei gericht namhaft zu machen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.18"> [Buch II Titel 22 § 18]<lb/> § 18 Ainem hinderleger solle
                    auf sein liquidirte oder bescheinte clag furdersame und summarische ausrichtung
                    beschehen, dann derlei sachen tragen paratem executionem auf dem rucken. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.22.19"> [Buch II Titel 22 § 19]<lb/> § 19 Wann der behalter das
                    hinderlegt guet eröfnet und dem hinderleger davon etwas verrukht oder entwendet
                    würdt, so ist ihme der behalter solchen erlitnen schaden nach ordenlicher
                    weisung abzutragen schuldig. do aber der hinderleger derwegen mit keiner weisung
                    gefast, solle er juramentum in litem thain und mit seinem corporalait warmachen,
                    was ihme verwendt worden auch wie hoch er solchen verlust aestimier; dieselb
                    aestimation solle alßdann ihme hinderleger von dem behalter erstatt werden. do
                    aber die eröfnung durch anderer persohnen in des behalters gewarsamb beschech
                    und etwas davon entragen würdt, so mag der behalter ainen ait zu gott thain, daz
                    er ahn solchen schaden mit seinem unvleiß nit schuldig noch darzu weder rahtt
                    oder thatt geben, derselben <pb n="Edition 2015 S. 192"/> entwendung auch im
                    wenigsten nit genossen noch tailhaft worden, alßdann soll er solchen schaden zu
                    büessen nit schuldig sein, dann er solches unfals an seinen aigen guetern sowohl
                    als den hindergelegten gewertig sein müessen. derwegen so er dises zu getreuen
                    handen erlegt guet so vleissig und gewahrsamb wie seine aigne haab und gueter
                    verwart, so ist er von aller verantwortung und zufallen schäden entbrochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.20"> [Buch II Titel 22 § 20]<lb/> § 20 Wann das hinderlegt guet
                    durch prunst wassergüeß krigsgever erdbüden oder dergleichen unversehene zufäll
                    verdirbt oder zu nichten wirdt, so ist der behalter den erlitnen schaden dem
                    deponenten zu erstatten nit schuldig, dann fur gottes gewalt Kann niemants. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.21"> [Buch II Titel 22 § 21]<lb/> § 21 doch sollen disfals
                    etliche sondere fäll außgenomben sein: erstlichen wann der behalter solche
                    schäden austrüklich uber sich genomben und den hinderleger fur alle gefahr guet
                    worden; am andern wann der behalter an solchem schaden durch seinen unvleiß und
                    böse würtschaft schuldig; zu dritten do er wider glauben und trauen dem
                    hinderleger sein einbevolchenes guet vorhielt, dann wo sich auf solches
                    unbefugtes aufhalten an dem hinderlegtem guet nachmals einige gevar oder schaden
                    zutrüeg, solle der aufzigig behalter denselben buessen und abtragen; zum vierten
                    do er mitt dem vertrauten gueth geverlicherweiß und dolo malo umgieng, auch
                    derlei sachen fursezlich und muetwillig ursachen thett. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.22"> [Buch II Titel 22 § 22]<lb/> § 22 Wann aber ein hinverlegs
                    haab und guet aus natturlichen oder unverweißlichen ursachen verderbt, so ist
                    der behalter darfur ainige antwort zu geben nit schuldig, deßgleichen do es on
                    sein schult oder verwarlosung verloren und enttragen wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.23"> [Buch II Titel 22 § 23]<lb/> § 23 Wann der behalter mitt zu
                    nichtigen leuten haußhelt und das hinderlegtt guet von ihnen verruckt oder
                    entfrembdt wirdt, so ist er solchen schaden dem hinderleger abzutragen schuldig;
                    do er aber ehrliche erhalten, so aines gueten wandls und berufs, denen auch zu
                    vertrauen gewesen, aufhielte und sich dennoch solcher unfal zutrieg, ist er
                    darfur antwort zu geben nit schuldig, es were dann sach das er mit seinem
                    unvleiß darzu ursach gegeben hette. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.24"> [Buch II Titel 22 § 24]<lb/> § 24 Welcher ein deponirtes
                    gelt ausleiht, der mues dem hinderleger fur solches auslehen und aller daraus
                    erwachßnen schäden guet sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.25"> [Buch II Titel 22 § 25]<lb/> § 25 Gleichsfals der, welcher
                    ein vertrautes guet verkauft. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.22.26"> [Buch II Titel 22 § 26]<lb/> § 26 Welche persohnen in
                    eusseristen gevahren sorgen und nötten, als prunsten schifbruchen aufruhren oder
                    dergleichen unversehenen unfällen, etwas seiner <pb n="Edition 2015 S. 193"/>
                    haab und gueter einlegt oder einem vertraut und bevilcht, aber derselb behalter
                    solches in eil hinderlegtes guet fursezlich widerspricht und in abret zeucht,
                    der solle dem hinderleger nach beschehener uberweisung noch so viel als das
                    vertraut guet werth ist zustellen. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.27"> [Buch II Titel 22 § 27]<lb/> § 27 Do aber iemants in aines
                    andern hauß oder auf aines andern grunt was einlegt und dem inhaber nit
                    mitbevohlen oder sich der inhaber solcher desposition und verwarnung eusern
                    thett, und dasselb eingelegt guet hernach schadhaft oder verlohren würdt, so ist
                    der inhaber darfur antwort zu geben nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.28"> [Buch II Titel 22 § 28]<lb/> § 28 Waß der behalter
                    unvermeidtlicher notturft auf das vertrautt guet gewendt das solle ihme der
                    hinderleger erstatten, entgegen do solches guet in des behalters gewaltsamb
                    durch seinen unvleiß ergez worden, solle er solchen schaden dem vertrauer
                    abzutragen verbunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.29"> [Buch II Titel 22 § 29]<lb/> § 29 Do ainer aines
                    hinderlegten guets nach verlofner bedingter zeit nit ledig Kunt werden, stehet
                    ihme bevor dasselb under gericht zu erlegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.22.30"> [Buch II Titel 22 § 30]<lb/> § 30 Wann einer in seinem
                    lezten willen vermeldet, er hette haab und gueter bei ainem andern hindergelegt,
                    so ist solches anzaigen auf widersprechen des gegenthails ausser anderer schein
                    zu ainer rechtmessigen weisung nitt genuegsamb. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.23">
        <head>[Buch II Titel 23]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=283">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 23. titl. Von haab und guetern welche
                    ainem wirt zu verwaren bevolchen und vertraut werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.23.1"> [Buch II Titel 23 § 1]<lb/> § 1 Was einer seinem wirt in
                    einem ofnen gasthaus zu behalten oder zu verwahren gibt, dasselb ist er zu
                    verantworten schuldig. derwegen do solches vertrautes haab und guet durch ihre
                    eheholten gest oder andere persohnen entragen würde, ist der würth denselben
                    schaden abzutragen schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.23.2"> [Buch II Titel 23 § 2]<lb/> § 2 Doch seint etliche fell,
                    darinnen die wierth von aller verantwortung frei und entbrochen: erstlichen wann
                    ein guet in das wirtshaus getragen, aber dem wierth oder seinen underleuten nit
                    vertrauet noch bevohlen wirdt; zum andern wann der wirth den gast ain aignes
                    gemachtt zu seiner behaltnus eingibt, ihme auch die schlüssl darzu uberantwortt;
                    zum dritten wann der wirth die behaltnus und custodi uber sich genomben, auch
                    des gasts vertrautes gueth so vleissig wie sein aignes vermögen verwarlich
                    heltt, <pb n="Edition 2015 S. 194"/> und sich dennoch mit diebstall oder in
                    ander weeg ein schaden begeb, so ist er denselben zu büessen nit schuldig; zum
                    vierten wann ein gueter freunt den andern in sein privatbehausung annimbt und
                    sich daselbst an seinem vermögen derbei entfrembdung begibt, so ist der haußherr
                    solches zu buessen nit schuldig; zum funften wann ein gast sein haab und guet
                    nit gern sehen lest sonder dasselb haimblicher weiß vor dem wirt verchelt, so
                    ist der wirt nochmals von aller verantwortung entbrochen. doch wo sich mit
                    solchem guet in dem wirtshaus ein diebstal begeb, soll dem wirth der purgation
                    ait auferlegt werden, daß er umb diesen schaden kein wissen hab, daran auch nit
                    schuldig sei. </p>
        <p xml:id="NA.2.23.3"> [Buch II Titel 23 § 3]<lb/> § 3 Wann der gast seinem wirth
                    fälles satheltaschen reistruen oder dergleichen verpetschierte sachen zu
                    verwahren bevilcht und dieselben nachmals eröfnet werden, so ist der wierth fur
                    die inligünden stuckh antwort zu geben schuldig, und do gleich der gast mit
                    anderer weise nit gefast, solle seinem corporlichen ait, was davon entwendt
                    worden, wieviel auch dasselb werth, glauben gesezt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.24">
        <head>[Buch II Titel 24]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=286">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 24. titl. Von sequestration der
                    strittigen haab und gueter, welche zu dritter und treuer hant durch das gericht
                    gelegt und bevohlen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.1"> [Buch II Titel 24 § 1]<lb/> § 1 Die sequestrationen seint
                    ihrer arth und aigenschaft nach odios und verbotten, dann von recht und
                    billichkait wegen solle kein partei seiner habenden posses in hangendem
                    rechtsstritt durch das gericht entsezt, noch dieselb vor austrag der sachen auf
                    eines oder des andern tails begeren zu dritter und treuer hant gelegtt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.2"> [Buch II Titel 24 § 2]<lb/> § 2 Doch werden solche
                    sequestration aus erheblichen und rechtmessigen ursachen von gericht underweilen
                    verordnet und bewilligt: </p>
        <p xml:id="NA.2.24.3"> [Buch II Titel 24 § 3]<lb/> § 3 Erstlichen wann beid thail
                    der cläger sowohl als der beclagt der sequestration selbst begehren. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.4"> [Buch II Titel 24 § 4]<lb/> § 4 Zum andern wann sich der
                    streit umb ein bewegliches guet helt und des beclagten austrettung aus
                    furlaufenden glaubwürdigen indicien zu besorgen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.24.5"> [Buch II Titel 24 § 5]<lb/> § 5 Zum dritten wann der stritt
                    nit umb haubtgueter sondern die frucht als zehent perckrecht und dergleichen
                    sachen zu thain, sich auch der cläger aus billichen furlaufenden ursachen zu
                    besorgen hatt, der beclagt möchte dieselb <pb n="Edition 2015 S. 195"/>
                    aufgehebt frucht vor austrag der sachen verthain, so mögen solche frucht biß zu
                    des handels entschaft zu dritter und treuer hant bevohlen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.6"> [Buch II Titel 24 § 6]<lb/> § 6 Zum vierten wann der beclagt
                    tail das gericht scheucht und allein derwegen ungehorsamb aussenbleibtt, damit
                    er den cläger aushärren und müet machen müge, so kann in diesem fall das
                    strittig gueth ob contumatiam billich sequestriert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.7"> [Buch II Titel 24 § 7]<lb/> § 7 Zum funften wann der ehemann
                    also verthuelich, das sich sein ehefrau der verschwendung ihres heuratlichen
                    zubringens zu bevaren, so mögen dieselben zugebrachten gueter zu dritter und
                    treuer hant gelegt und die ehefrau von der ertragenden nutzung biß sich zwischen
                    ihnen der todfall begibt underhalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.8"> [Buch II Titel 24 § 8]<lb/> § 8 Zum sechsten wann das
                    strittig guet keinen possessorem hatt sonder sich ein und der ander thail darzu
                    anmeldt auch zu demselben erst legitimiren wiel, so solle das gericht vor
                    austrag der sachen Keinem thail die possess einreumben, sonder solches krigtbar
                    guet ehrlichen und treulichen sequestratorn biß auf ferrern beschait bevehlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.9"> [Buch II Titel 24 § 9]<lb/> § 9 Zum siebenden wann sich beede
                    parteien aines ligenden guets der würklichen possession beruemben und allein von
                    ainem tail schein oder probation derwegen furkombt, so solle derselb biß zu
                    austrag des aigenthumbs durch das gericht darbei hantgehabt, und der unbescheint
                    gegentail mit stilstant und pomfallen auch andern geburlichen mitteln davon
                    abgehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.10"> [Buch II Titel 24 § 10]<lb/> § 10 Do aber kain tail die
                    possess zu docieren hett und sich dennoch beiderseits derselben mechtigen
                    wolten, solle das gericht zu verhüetung allerlei beweglichen unrahts, so aus
                    diser gemainen und unverschaidenlichen possession ervolgen möcht, die strittigen
                    gueter sequestriren und die parteien austrag des rechtens erwarten lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.11"> [Buch II Titel 24 § 11]<lb/> § 11 Zum achten wann die
                    parteien sonsten ungeacht des gebotten stilstants vor austragung der sachen an
                    einander vergweltigen und ainer den andern an dem paw oder fechsung der
                    kriegbaren gueter einträg spörr und irrung thuet, oder die parteien dermassen
                    gegen ainander aufsetzig und verbittert, das sich bei ihnen oder ihren leuthen
                    allerlei concurs fechtmessig handl unraht und gevär zu besorgen, so mag ein
                    gericht die sequestration furnehmen, dann dardurch werden allerlei unfäll
                    totschlag und fridpruchig handel verhüet und abgesteltt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.24.12"> [Buch II Titel 24 § 12]<lb/> § 12 Zum neunten, wann ein
                    beclagter verlustig worden und zu geverlichem aufzueg der einantwortung fur die
                    höher instanz appelliert, auch in hagender <pb n="Edition 2015 S. 196"/>
                    appellation die nunmehr aberhalten gueter oder derselben abgenombene frucht
                    verwenden oder uber sein vorige gewohnhait verwisten verschwenden und verzehren
                    thett, so mag der obsigent clager begeren solche gueter oder frucht so lang in
                    das sequester zu legen biß die gedingt appellation von der höchern obrigkait zu
                    creften oder uncreften gesprochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.13"> [Buch II Titel 24 § 13]<lb/> § 13 Wann das gericht auß
                    billichen und beweglichen ursachen in einer oder andern sachen sequestratores
                    furzunemben bedacht, so solle solches nit straks ex officio beschehen sondern
                    denen parteien auferlegtt werden sich derselben in ainem gewissen termin zu
                    vergleichen und volgents die verglichnen persohnen bei gericht nambhaft zu
                    machen. do sie sich aber derselben nit vergleichen künten, sollen beede tail
                    etliche taugenliche persohnen dem gericht anzaigen, daraus alßdann das gericht
                    ex officio sequestratorn verordnen mag. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.14"> [Buch II Titel 24 § 14]<lb/> § 14 Doch sein zwen fäll darin
                    die obrigkait ex officio sequestration furzunehmen befuegt: erstlich, wann sich
                    beide tail umb ain ainiges guet wissten, auch keiner dem andern zu weichen noch
                    zu clagen sunder sich ain ieder seiner vermainten habenden possess zu halten
                    gedenkt und zu besorgen, es möchten die thaile in diesem verzueg an einander
                    komben auch etwa unraht stiften, so soll sich das gericht in die sachen ex
                    officio schlagen und die gueter in sequester legen, damit alßdann ainem oder dem
                    andern tail ursach gegeben werde die clag an die hant zu nemben und
                    gerichtlicher huelf zu pflegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.15"> [Buch II Titel 24 § 15]<lb/> § 15 Zum andern, wann einer von
                    wegen seines ambts oder diensts gueter innen hatt und seinem tragendem ambt oder
                    dienst der gebüer und aitspflicht gemeß nit nachkombt, so mag das gericht die
                    gueter seiner verwaltung ins sequester nemben und ihn damit compelliren seinen
                    habenden bevelch ein billiches begnuegen zu than. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.16"> [Buch II Titel 24 § 16]<lb/> § 16 Zu sequestratorn sollen
                    allein manspersohnen, welche in diesem lant angesessen und umb das vertrauet
                    sequestriert guet solvendo seint, furgenomben, es sollen auch nur ainer und nit
                    mehr persohnen ohn sondere hohe ursach zu sequestratorn verordnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.17"> [Buch II Titel 24 § 17]<lb/> § 17 Umb die sequestrierten
                    gueter solle kein sequester denen parteien caution zu thain oder reverss zu
                    geben schuldig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.24.18"> [Buch II Titel 24 § 18]<lb/> § 18 Wann sich die
                    sequestration geendet, soll der sequester von seiner verrichten administration
                    dem gericht ordentliche und gebuerliche raitung thain vorbehaltlich der
                    strittigen thailen notwendige einredt <pb n="Edition 2015 S. 197"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.24.19"> [Buch II Titel 24 § 19]<lb/> § 19 Ein sequester soll die
                    sequestrierten haubtgueter in wehrender sequestration nit verkommen noch in
                    ander weg alienieren. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.20"> [Buch II Titel 24 § 20]<lb/> § 20 Deßgleichen sollen
                    dieselben ohn vorwissen des gerichts nit hinlassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.21"> [Buch II Titel 24 § 21]<lb/> § 21 Die frucht und nutzungen
                    aber mag er als ain gerichtmessiger administrator wohl verhandlen und davon
                    nachmals geburliche raitung thuen </p>
        <p xml:id="NA.2.24.22"> [Buch II Titel 24 § 22]<lb/> § 22 Was gemeine unvermeitliche
                    gebew und besserung seint welche kain vleissiger hausvatter umbgehen solle,
                    dieselben mag ein sequestrator ohn vorwissen des gerichts furnemben, dann es
                    wiel ihme gebüeren die vertrauten haab und gueter beulich oder stiftlich zu
                    halten; was aber haubtgeben seint, derer soll er sich ohn vorwissen des gerichts
                    nit mechtigen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.23"> [Buch II Titel 24 § 23]<lb/> § 23 Ein sequestrator solle die
                    ligenden haab und gueter vor seiner antrettung ordenlich schätzen lassen, damit
                    zu seiner abtrettung erscheinen möge ob er die gueter gebessert oder
                    deterioriert. und do er dieselben erhebt, ist ihme die obsigent partei fur
                    solche melioration ainigen abtrag zu thuen nit schuldig, es brechte dann der
                    sequester ain glaubwürdigen schein fur, das solche besserung nit aus der gueter
                    ertragung sonder von seinem aigen vermögen beschehen. im fall er aber die
                    vertrauten gueter durch seinen unvleiß oder böse wirtschaft in abfall gebracht,
                    soll er sich mit gemelter obsigenden partei umb solche deterioration zu
                    vertragen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.24"> [Buch II Titel 24 § 24]<lb/> § 24 Von gottesgewalt und allen
                    andern unversehenen zufallen, als schauer wassergüessen krigsschaden umbfallung
                    des viechs und dergleichen cusibus fortuitis ist ein ieder sequester
                    entsprochen. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.25"> [Buch II Titel 24 § 25]<lb/> § 25 Desgleichen von prunsten,
                    er hette dann solche mit fursezlicher unvleiß oder böser wiertschaft
                    verursachtt. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.26"> [Buch II Titel 24 § 26]<lb/> § 26 Wann der beclagtt tail,
                    von welchem die possess aufgehebet und dritter hant gelegt worden, das
                    angehendigt rechtem nit zu verlegen hatt oder sich und die seinigen nit zu
                    erhalten weiß, so solle ihme nach messigung des ordenlichen gerichts ein
                    gewisses gelt aus denen sequestrirten haab und guetern nach gelegenhait aller
                    umbstent verordnet und solches deputat biß zu austrag der sachen järlich oder
                    quatemberlich gereicht werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.27"> [Buch II Titel 24 § 27]<lb/> § 27 Wann ainem clager die
                    begert sequestration auß billichen ursachen durch das gericht gewaigert wirdt,
                    so solle ihme dennoch auf sein anhalten bewilligt werden, das er bei fexung der
                    stittigen gueter ungeacht des gegenthails weigerung persohnlich sein und dieselb
                    verzaichnen möge lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.24.28"> [Buch II Titel 24 § 28]<lb/> § 28 Zu ainem sequestrator
                    solle niemants wider sein gelegenhait gedrungen werden, es were dann sach das er
                    solche gehorsamb von freuntschaft oder (fol. <pb n="Edition 2015 S. 198"/> 184v)
                    kunftiger erbfall wegen nit waigern kunt, oder das nachbarschaft halben kein
                    gelegener noch tauglicher persohn verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.29"> [Buch II Titel 24 § 29]<lb/> § 29 Do ein sequestration
                    ansehenlich und vieler mühe bedürftig, solle dem sequester zu ergetzung seiner
                    gehabten trew bemuhung und vleiß ain jhärliche besoldung nach gelegenhait aller
                    umbstent von der obrigkait verordnet oder bei der raitung passiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.30"> [Buch II Titel 24 § 30]<lb/> § 30 Wann bewegliche haab und
                    gueter zu sequestriren sein, solle das gericht dieselben zu verschonung anderer
                    leut selbst under sich nehmen und bei gericht behalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.24.31"> [Buch II Titel 24 § 31]<lb/> § 31 Ein sequestration endet
                    sich mit erkantnus der obrigkait erster instanz nitt sonder allererst, wann bei
                    der lezten instanz declarirt worden. derwegen kann der obsigent thail in
                    hangender appellation die einantwortung der sequestrirten gueter nit begeren;
                    welcher aber bei lezter instanz solche krigbare gueter erhebt, den stehet die
                    abtrettung zu ersuchen bevor. und do sich der sequester derselben waigern thet,
                    auch die anbevohlnen haab und gueter der obsigenden partei geverlicher und
                    aufzigiger weiß nit einraumben wolt, sollen allen daraus ervolgenden schäden dem
                    erhalter abzutragen schuldig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.25">
        <head>[Buch II Titel 25]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=299">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 25. titl. Von betzahlung des geltes so
                    zu gericht erlegt und deponiert wirdt. Wie und was gestalt ein gelt zu
                    gerichtshanden erlegt, auch dasselb in ordentlicher richtiger und gueter
                    verwahrung und sicherhait gehalten werden solle, davon ist in der
                    gerichtsordnung so des siebenundfunfzigisten jars publiciert worden notturftige
                    fursehung beschehen, darbei wir es nochmahlen genedigist beruen lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.26">
        <head>[Buch II Titel 26]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=300">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 26. titl. Von transactionen verträgen
                    und vergleichungen strittiger rechtsachen und händl. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.1"> [Buch II Titel 26 § 1]<lb/> § 1 Die unvogtbaren und
                    minderjharigen sollen sich ohn vorwissen und beisein ihrer furgesezten vormunden
                    gerhaben und curatorn keines vertrags mächtigen, sonsten solle derselb nit craft
                    haben. <pb n="Edition 2015 S. 199"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.26.2"> [Buch II Titel 26 § 2]<lb/> § 2 Die gerhaben und curatorn
                    aber mögen sich wegen ihrer strittigen pupillarsachen in vertrag wohl einlassen.
                    doch wo der krieg umb ligende haab und gueter zu thain solle solches mit
                    vorwissen der ordenlichen obrigkait beschehen, ihnen auch umb kunftiger
                    verantwortung willen ein wilbrief von gericht verfertigt, auch wo die sachen so
                    wichtig commissarien von gericht zugeordnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.3"> [Buch II Titel 26 § 3]<lb/> § 3 Die advocaten procuratorn
                    sollicitatorn bevelchshabere gewalttrager aftergewalttrager pfleger und
                    ambtleuth sollen sich in sachen ihrer herrn und principalen anlangent ungeacht
                    ihrer habenden generalgewalt und volmacht keines vertrags underwinden, sie sein
                    dann derhalben mit sondern specialgewälten versehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.4"> [Buch II Titel 26 § 4]<lb/> § 4 Die eltern, so sich ihrer
                    vogtbaren kinder frei lediger und aigenthumblicher haab und gueter undernehmen,
                    auch ohn ihr vorwissen und willen mit andern in vertrag eingeen, mögen gedachten
                    kindern mit ihren gepflegten vertragshandlungen nit praejudicirn. do die kinder
                    aber in ihrer gewaltsamb und vergehabungen weren, mögen die eltern wie andere
                    fremde curatorn mit vorwissen der obrigkait wohl transigirn. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.5"> [Buch II Titel 26 § 5]<lb/> § 5 Deßgleichen do ein vatter der
                    kinder güeter oder die mueter des vätterlich guet in craft aines
                    heurats-vermachts oder lezten willens biß auf der kinder vogtbarkeit zu nutzen
                    und zu gebrauchen hette, sich auch vor der kinder erraichten vogtbarkeit in
                    solchen guetern stritt erhieben, so stehet den eltern bederseits bevor solcher
                    krigbaren gueter halben, deren sie rechtmessige inhaber und volmechtige
                    administratorn sein, guetlich handlen zu lassen und denen verträgen statt zu
                    thain. also auch da ihren kindern adventicia bona durch gescheft oder andere
                    gelegenhait von freunden oder frembden persohnen zustienden und dieselben haab
                    und gueter in der kinder unvogtbarkeit strittig würden, möchten die eltern
                    darbei spann und irrungen ihren kindern zum besten in des guete abhandlen
                    lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.6"> [Buch II Titel 26 § 6]<lb/> § 6 Wann ein lantsfürstliches
                    lehenguet oder zum tail strittig wirdt, so sollen sich unsere vasallen und
                    lehensleut ohn unser verwilligung und consens in ainigen verbüntlichen
                    vertragshandlungen nit einlassen. do die clag aber nit umb die gueter sonder
                    andere zufellige persöhnliche sprüch, als eingrief gewält und dergleichen, zu
                    thain were, so solle ihnen die transaction von rueh und friedens wegen wie in
                    andern ihren aigenthumblichen guetern bevorsteen; doch in alweg der lehensherrn
                    an seiner habenden gerechtigkait unvergriffen. <pb n="Edition 2015 S. 200"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.26.7"> [Buch II Titel 26 § 7]<lb/> § 7 Also und gleicher gestalt
                    solle es mit unsern pfantschaften und denen inhabern, welche unsere cammergueter
                    auf wiederkeuf possedirn, gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.8"> [Buch II Titel 26 § 8]<lb/> § 8 Die geistlichen praelaten
                    administratoren und pfarrherrn deßgleichen die abtisin priorin und maistrin
                    sollen sich in sachen ihre kirchen closter und pfargueter betreffent ohn
                    vorwissen ihrer capitl und convent auch unsern besondern consens in ainigen
                    vertrag nit einlassen. waß aber die persöhnlichen spruch von solchen guetern
                    herrüerent anlangent, dieselben mögen sie güetlich oder rechtlich ohn unser
                    vorwissen als rechtmessige administratoren wohl abhandlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.9"> [Buch II Titel 26 § 9]<lb/> § 9 Die fruchtniesser oder
                    leibgedings-inhaber sollen sich keines vertrags das naturlich aigenthumb oder
                    andere darauf stehende aigenthumbliche freihaiten dienstbarkeiten oder realische
                    gerechtigkaiten anlangent geweltigen. was aber sein habents nuzliches jus
                    betriftt, darinnen stehet ihme die guet bevor, doch alzeit dem naturlichen
                    aigenthumb unvergriffen und ohn schaden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.10"> [Buch II Titel 26 § 10]<lb/> § 10 In peinlichen und
                    malefizsachen solle dem lantsbrauch nach, damit das ubel abgestelt und das lant
                    mit geburlichen bestraffung gereinigt werde, kain vertrag vergleichung oder
                    transaction statthaben, auch denen lantgerichtsherrn und ihren verwaltern bei
                    unser hochen straff und gnad verbotten sein malefizische thetter auf gepflegte
                    guetige underhandlung der wohl verdinte corporalischen straf zu erlassen und fur
                    dieselb gelt oder geltswert anzunemben. doch wo sich ain unfursezlicher und
                    casualtodschlag zutrueg oder begeb auch der thätter von uns lantsfurstliche
                    begnadung und huldigung bekemb, so solle ihme alßdann bevorsteen sich mit des
                    entleibten hausfrauen kindern oder befreundten desgleichen dem landgericht
                    unverweißlich zu vertragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.11"> [Buch II Titel 26 § 11]<lb/> § 11 Insonderhait aber ist zu
                    erhaltung erbarkait und gueter manzucht bei denen geschribnen rechten
                    furgesehen, das die ehepruch und andere schant und laster zwischen dem
                    verprecher und der beleidigten freuntschaft in kainerlei weise vertragen sonder
                    der gebürlichen bestraffung ihr billicher lauf gelassen werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.12"> [Buch II Titel 26 § 12]<lb/> § 12 Was gemaine und privat
                    mißhandlungen, als injuri eingrief gewalt und dergleichen sachen sein, darinnen
                    haben die verträg dem wissentlichen lantbrauch nach statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.13"> [Buch II Titel 26 § 13]<lb/> § 13 Nach ergangner
                    gerichtlichen haubtsachlichen und definitif erkantnus welche in rem judicatam
                    komben und die wirkung nunmehr erraicht soll zu neuer aufwiglung abgehandleter
                    sachen Kein vertrag mehr furgenommen werden, es <pb n="Edition 2015 S. 201"/>
                    sei dann umb die anhang als expens uncosten schaden aufgehebt nutzungen
                    interesse oder dergleichen accessorien zu thain, oder aber es were das enturtel
                    dermassen geschaffen, das andere nachstritt darauß unvermeitlicher weiß noch
                    ervolgen möchten. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.14"> [Buch II Titel 26 § 14]<lb/> § 14 Wiewohl die geschribnen
                    rechten vermögen, das sich niemant umb testirte oder verschaffte aliment atzung
                    underhalt wohnung klaidung oder dergleichen sachen ohn gerichtliche hüelf und
                    messigung vertragsweise einlassen soll, so ist doch das widerspiel bißher
                    ueblich und gebreuchig gewesen, darbei wir es von lantsfurstlicher volmacht
                    wegen nochmahlen gnedig ist verbleiben lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.15"> [Buch II Titel 26 § 15]<lb/> § 15 Die beschloßnen
                    transactionen und verträg künnen in etlichen fällen von recht und billigkait
                    wegen nit bestehen: erstlichen, wann die persohnen nit vertragsfähig; zum
                    andern, wann die notwendigen consens und wilbrief umbgangen worden; zum dritten,
                    wann die sachen und handlung kein vergleichung duldet, wie oben mit mehrern
                    vernomben; zum vierten, do der ein tail dolo malo und mit gesuchter fursezlichen
                    wissentlichen gevar von dem andern tail verfortailt worden; zum funften, wann
                    einer zum vertrag durch gefanknus oder andere unzimbliche und unleidenliche
                    mittl betrangt geursacht worden; zum sechsten, wann der vertrag auf furgebrachte
                    falsche brifliche schein beschehen; zum sibenden, do er auf falsche lebendige
                    kuntschaft und zeugnus ervolgt; zum achten, wann gleich der vertrag bona fide
                    und guter erbarer mainung beschlossen, sich aber hernach befindt, das ain oder
                    der ander thail uber halben werth et ultra dimidium des strittigen haab und
                    guets bevart und enormiter laedirt worden, so kann solche geverliche
                    vertragshandlung der billigkait nit bestehen; zum neunten, wann der vertrag
                    simuliert und ein beweißlicher scheinhandl ist. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.16"> [Buch II Titel 26 § 16]<lb/> § 16 Das solle aber keinen
                    vertrag prechen, das derselb nit verbrieft worden, do er nur sonsten beweißlich. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.17"> [Buch II Titel 26 § 17]<lb/> § 17 Deßgleichen schwechet
                    kainem vertrag, das umb desselben haltung die verainten parteien nit vergriffen
                    noch mit munt und hant an einander angelobett. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.18"> [Buch II Titel 26 § 18]<lb/> § 18 Wann in ainem vertag mit
                    der raitung geirret worden, so praejudiciert ihme der irrent thail nit, sonder
                    mag solchen irthumb hernach anten und revociern. <pb n="Edition 2015 S. 202"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.26.19"> [Buch II Titel 26 § 19]<lb/> § 19 Die reu hatt in verträgen
                    und transactionen auf einem thail allein nit statt, ungeacht das res integra und
                    etwo die vergleichung kainerseits ins werkh komben. Wann aber beede thail davon
                    guetwillig steen, so wirdt der vertrag mit ihren widerwillen aufgelöst. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.20"> [Buch II Titel 26 § 20]<lb/> § 20 Wann die ein partei den
                    beschlossen vertrag würklich volzeucht, die andern aber mit dem so ihme hergegen
                    zu thain gebuert aufzügig ist, so stehent in das haltenden thail wilküer und
                    wahl, aintweder umb die gegenvolziehung solches vertrags anzuhalten oder aber
                    wegen nithaltung des gegentails von dem vertrag gar abzulassen und do der
                    haltent thail seinerseits etwas nunmehr von handen geben, mag er dasselb wider
                    revociern. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.21"> [Buch II Titel 26 § 21]<lb/> § 21 Wann der vertrag verpöent
                    ist und die bedingt peen dem haltendem thail gar oder zum tail in craft solches
                    vertrags zustehet, so solle gleichsfals in seiner election und wahl sein, ob er
                    umb haltung des beschloßnen vertrags oder einforderung der verfalnen peen agiern
                    wölle. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.22"> [Buch II Titel 26 § 22]<lb/> § 22 Do auch der haltent thail
                    die volziehung des vertags begeren und nichtsdestweniger von wegen nithaltung
                    die albereit verfalne peen erfordern thette, soll ihm solches vermueg der
                    rechten unverwerth sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.23"> [Buch II Titel 26 § 23]<lb/> § 23 Welcher einem ganzen
                    vertrag nit difficultiert sonder nur ainen ainigen articel darinnen anfecht, der
                    handlet dem vertrag zuwider. derhalben mag der haltent thail die vollig bedingt
                    poen sowohl abfordern, als ob der ganz inhalt disputiert und zerstossen würdt.
                    do auch aine oder die andere vertragen partei dem beschloßnen vertrag nit
                    widersprech sondern sich allein der aufrichtung oder fertigung desselben
                    waigert, so möcht abermals der haltent thail die bedingt peen einfordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.24"> [Buch II Titel 26 § 24]<lb/> § 24 Wann die beschlossen und
                    verwürkt peen von uns aus lantsfurstlicher milt und gnad soviel auf unsern tail
                    gebuert eingestelt oder nachgesechen wirdt, so stehet dennoch dem haltenden
                    thail bevor sein verfalne portion einzufordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.25"> [Buch II Titel 26 § 25]<lb/> § 25 Ob auch die poen von dem
                    unhaltenden thail verwürkt worden oder nit, darinnen soll kein aufzügiger
                    process gestat sonder summariter verfahren und die verwürkung durch das gericht
                    declariert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.26"> [Buch II Titel 26 § 26]<lb/> § 26 Welcher den vertrag seines
                    tails nit helt, dem ist man entgegen denselben zu halten nit verbunden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.27"> [Buch II Titel 26 § 27]<lb/> § 27 Wann sich der beclagt
                    thail wider den aufgerichten vertrag legt und denselben nit zu halten vermaint,
                    deßhalben auch mit seinem gegentail in recht einwechst, so mag er alzeit vor der
                    gerichtlichen erkantnus von <pb n="Edition 2015 S. 203"/> seinem unfueg abstehen
                    und dem vertrag ein benüegen thain, sich auch damit von der verwürkten pöen
                    ledigen. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.28"> [Buch II Titel 26 § 28]<lb/> § 28 Wann der cläger dem
                    vertrag zuwider ainen oder mehr vertragnen articel vor gericht prosequirt oder
                    von neuem rechtsanhengig macht, so mag ihme der beclagt die exception
                    transactionis und vertragner sachen furwerfen. in welchen fällen aber dieselb
                    statt, ist oben im ersten buch in dem 13. titl außgeführt. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.29"> [Buch II Titel 26 § 29]<lb/> § 29 Wann der stritt so
                    rechtsanhengig worden umb etliche specificierte posten zu thain und im vertrag
                    bemelt worden, das die parteien aller ihrer habenden stritt verainigt, so solle
                    solche generalitet nit weiters als allein auf die posten, welche in der
                    haubtclag eingebracht und bei der vertragshandlung furkomben, gezogen und
                    verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.30"> [Buch II Titel 26 § 30]<lb/> § 30 Also auch wann die clag
                    vielerlei posten in sich hielt, der vertrag aber allein auf etliche clagte
                    stuckh eingezogen wirdt, so sollen die andern unvertragnen posten von solcher
                    vertragshandlung ausgeschlossen sein und nit den verstant haben, als wann eines
                    mit dem andern aufgehebt worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.31"> [Buch II Titel 26 § 31]<lb/> § 31 Die verträg und
                    transactionen, darinnen sich ein oder der ander thail seiner habenden rechten
                    und gerechtigkaiten begeben, erstrecken sich allein auf die gegenwertigen spruch
                    welche zur zeit des vertrags in rerum natura gewesen; die künftigen aber so noch
                    nit entstanden oder deren fäll sich nit begeben die gehören in den vertrag nit,
                    es were dan sach das solches austrukenlich beredt worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.32"> [Buch II Titel 26 § 32]<lb/> § 32 Es erstrecken sich auch
                    die verträg allein auf die sachen deren bei der transaction austruckenlich
                    geacht worden und gar nit auf die unbemelten. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.33"> [Buch II Titel 26 § 33]<lb/> § 33 Deßgleichen allein auf die
                    spruch und forderung deren der transigent ein wissen gehabt, auf das aber so
                    ihme unwissent gewesen soll der vertrag keineswegs erweitert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.34"> [Buch II Titel 26 § 34]<lb/> § 34 Also sollen auch die
                    vertrag auf die sachen welche den transigenten geverlicher weiße verhalten
                    worden nit verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.26.35"> [Buch II Titel 26 § 35]<lb/> § 35 Wann nach beschlossnem
                    vertrag brifliche schein vom neuem erfunden werden und ans taglicht Komben, so
                    sollen dennoch die vertragnen sachen nit zerstossen noch die abgehandleten
                    stritt wieder erweckt werden, es were dann sach das das gegentail solche schein
                    geverlicher weiß occultiert und verhalten hette. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.26.36"> [Buch II Titel 26 § 36]<lb/> § 36 Wann dem beclagten der
                    strittig grunt vertragsweiß gelassen und derselb ihme hernach mit recht
                    aberhalten wirdt, so ist ihme der cläger darfur ainige erstattung zu thain nit
                    schuldig. do aber der beclagt dem cläger fur das strittig <pb n="Edition 2015 S. 204"/> gut ainen andern unkrigbaren grunt ervolgen lest
                    und derselb ihme clager aberkent wirdt, so mag der clager solchen schaden bei
                    dem beclagten ersuchen wie recht ist. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.27">
        <head>[Buch II Titel 27]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=318">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 27. titl. Von ehelicher zusambenfuegung
                    vermahelschaft und heuraten. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.1"> [Buch II Titel 27 § 1]<lb/> § 1 Die heürath und verehelichung
                    haben in vielen furgesehenen fällen aus christlichen erberern und vernunftigen
                    ursachen nit statt: Erstlich künnen sich die blutsfreunt in aufsteigender lini,
                    als vatter mutter anherr anfrau uhranherr uranfrau und alle andere weiters
                    gesipte ureltern, zu ihren leibserben in abstreichender lini begriffen, als sühn
                    döchter enickel einkohlin urenigkel ureniklin und alle andere nachainickel es
                    sei gleich der grad so weit er immer sein kan, ehelichen nit verpflichten. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.2"> [Buch II Titel 27 § 2]<lb/> § 2 Hergegen auch sollen sich die
                    persohnen absteigender lini mit denen in aufsteigender durchaus und in infinitum
                    nit verehelichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.3"> [Buch II Titel 27 § 3]<lb/> § 3 Die bluetsfreunt so in der
                    zwerchsseiten und collateral-lini stehen, als brüder schwerster
                    geschwisterkinder geschwistret. kintskinder und dergleichen persohnen, mögen an
                    einander zu der ehe biß auf den virten eingeschloßnen grad nit nemben. derhalben
                    soll sich kein bruder mit seiner schwester so ihme im ersten, noch derselben
                    dochter so ihme im andern, noch ihrer nachdochter so ihme im dritten, noch
                    derselben nachtochter tochter so ihme im vierten grad der freuntschaft zugethan,
                    in heurat begeben noch einlassen; herwider kann kein schwester ihren brudern,
                    desselben suhne, eineckel und ureinigkel zu der ehe haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.4"> [Buch II Titel 27 § 4]<lb/> § 4 Also kann des bruders sühne
                    der schwester töchter, oder des brudern töchter der schwestern suhn zu der ehe
                    nit nemen, dann die geschwistreget-kinder sein im andern grad der
                    bluetsfreundtschaft gestelt. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.5"> [Buch II Titel 27 § 5]<lb/> § 5 Gleicher gestalt sollen sich
                    geschwistreget-kintskinder an einander nit vermacheln, dann sie sein im dritten
                    grad verfangen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.6"> [Buch II Titel 27 § 6]<lb/> § 6 Ebenermassen sollen zweier
                    geschwistriget-uhrenickel, weil sie im vierten grad befreundet, an einander nitt
                    nemben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.27.7"> [Buch II Titel 27 § 7]<lb/> § 7 Die andern nacheinkeln aber
                    von zwaien geschwistrigten herrüerent, weil sie uber den vierten grad steen,
                    mögen sie zu einander wohl verheürathen. <pb n="Edition 2015 S. 205"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.27.8"> [Buch II Titel 27 § 8]<lb/> § 8 Ein suhn kan seines vatters
                    oder seiner muttern schwester zu der ehe nit nemben, deßgleichen kein tochter
                    ihres vattern oder muettern brüder, dann sie sein in anderm grad nach
                    geistlichen rechten gegen einander befreundt. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.9"> [Buch II Titel 27 § 9]<lb/> § 9 Also solle auch kein sühne
                    seines anherrn oder seiner anfrauchen schwester und kein tochter ihres anherrn
                    oder anfrauen bruder zu der ehe nehmen, angesehen das sie im dritten grad mit
                    blutsfreunt schaft verwant. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.10"> [Buch II Titel 27 § 10]<lb/> § 10 Solches verbott
                    erstreckhet sich auf des uhranherrn und uranfrauens schwester und gebrüder, weil
                    dieselben im vierten grad begriffen, auch und in summa auf malle andere
                    blutsfreunt der collatoral- und beiseitslini innerhalb des funften grads. im
                    fall sich aber solche unzimbliche verehelichung fursezlich und wissentlich
                    begeben, sollen derselben strafwürdigen persohnen haab und güeter, wo nit
                    eheliche kinder verhanden, confisciert werden und unserer cammer haimbsteen;
                    deßgleichen sollen die verpruchigen thail auß dem lant verwisen oder do sie
                    geringes stants mit ainer ofnen leibsstraf castigiert werden, die kinder aber
                    aus solcher unzimblichen vermischung geboren sollen nit fur ehelich gehalten
                    sondern erloß sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.11"> [Buch II Titel 27 § 11]<lb/> § 11 Die stifgeschwistriget,
                    deren ein iedes ainen andern vattern und mutter gehabt und also weder von ainem
                    noch dem andern blutsfreuntbant befreundt seint, mögen aneinander zu der ehe
                    wohl nemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.12"> [Buch II Titel 27 § 12]<lb/> § 12 Die ander haubtursach und
                    verhindernus der ehelichen und chonlichen zusambenfüegung ist die affinitet und
                    schwagerschaft. dann welche persohnen in dem ersten andern dritten und vierten
                    grad gegen ainander geschwägert, die mögen sich zu einander nit verehelichen.
                    derwegen solle keiner seiner abgestorbnen hausfrauen schwester noch derselben
                    tochter noch ihr einiklin noch ihr ureiniklin zu der ehe nemben, deßgleichen
                    solle sich kain witfrau zu ihres abgeleibten ehewirts bruder, desselben
                    brudersuhn, noch seinem einickel, noch seinem urenickel verehelichen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.27.13"> [Buch II Titel 27 § 13]<lb/> § 13 Daß schwägerlich verbott
                    aber hatt allein zwischen dem eheman und seiner ehefrauen befreuntin auch
                    hergegen zwischen den ehefrauen und ihres ehemans blutsfreunten biß in den
                    vierten eingeschloßnen grad statt. aber beeder ehe- und conleute befreunte sein
                    gegenainander mit keiner schwägerschaft zugethan noch ainigem eheverbott
                    gebunden. derwegen mag der vatter die mutter, und sein sühne derselb töchter,
                    item zwen bruder zwo schwestern, item ein bruder seines bruders-weibs schwester
                    tochter einickel urainklin, item des manns schwester ihrer swäger, ir bruders
                    suhn, enikhl und urenikl zu der ehe nemben. <pb n="Edition 2015 S. 206"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.27.14"> [Buch II Titel 27 § 14]<lb/> § 14 Sein verwitibte schwiger-,
                    stiefmutter, schnuer oder stifdochter solle niemants vermaheln, desgleichen
                    solle keine ihren verwitibten schweher stiefvatter tochterman oder stiefsohn zu
                    der ehe nemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.15"> [Buch II Titel 27 § 15]<lb/> § 15 Die dritt verhindernus der
                    ehelichen zusambenfugung ist die geistlich gevatterschaft, dann niemants soll
                    sein göttin welche er aus der tauf gehebt zu der ehe nemben, angesehen das er
                    derselben gaistlicher vatter. desgleichen sollen sich des götten sühn zu solchem
                    göttl nit verehelichen, dann sie ist ihr geistliche schwester. also soll auch
                    der taufling seines geistlichen vattern verlassne witib nit vermahlen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.16"> [Buch II Titel 27 § 16]<lb/> § 16 Zweier gevatterleut kinder
                    mögen sich an einander wohl verehelichen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.17"> [Buch II Titel 27 § 17]<lb/> § 17 Ein ziechjunkfraw mag der
                    ziechherr dem lantbrauch nach zu der ehe nemben, es were dan sach das ers an
                    tochters stat und fur sein erwehlte erbin erzogen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.18"> [Buch II Titel 27 § 18]<lb/> § 18 Die kinder sollen sich ohn
                    vorwissen und bewilligung ihrer eltern in ainige eheliche versprechung sponsion
                    oder heurat nit einlassen. wo sie aber dahin beredt würden oder solches fur sich
                    selbst thetten, solle die ehelich zusag dem lantsbrauch nach nichtig und
                    craftloß sein, auch die persohnen welche die Kinder also undergangen sambt ihren
                    rahtgebern verhelfern und misgenossen nach gelegenhait ihres stants der gebüer
                    nach gestrafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.19"> [Buch II Titel 27 § 19]<lb/> § 19 Wann sich hinfurohn aines
                    lantsmans oder underthans tochter, was herkombens oder stants die immer sein
                    mag, vor funfundzwanzig jharen ihres alters ausserhalb ihrer vatter und mutter
                    oder aber nach absterben des vattern ohn ihrer mutter, negste befreundt,
                    gerhaben oder obrigkait vorwissen und bewilligung in heürat einlest und gibt, so
                    solle vatter und mutter solcher undankbaren und ungehorsamben tochter nit allein
                    kein heuratgueth noch haimbsteuer zu geben schuldig sein, sonder auch in ihrer
                    macht willen und gefallen sthen dieselb ungehorsambe tochter zu enterben. wo
                    aber einige tochter nach absterben ihrer eltern sich ausser ihrer negsten freunt
                    und curatorn oder der ordenlichen obrigkait wissen und willen verheürathen
                    würde, die solle halben tail ihres heuratguets auch vätterlichen und
                    mutterlichen erb dardurch verwürkt haben, doch uns als regierendem herrn
                    lantsfürsten und obristen curatorn hierinnen in alweg die begnadung vorbehalten. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.27.20"> [Buch II Titel 27 § 20]<lb/> § 20 Im fall aber das ainicher
                    tochter nach ihrer eltern absterben von ihren negsten freunden und curatorn ein
                    ehrliche gebürliche heürat wider ihren willen abgeschlagen würde, so solle und
                    mag dieselbig dochter derhalben ihr ordenliche obrigkait ersuchen, und so die
                    obrigkait in solche heuratt bewilligt, soll sie <pb n="Edition 2015 S. 207"/>
                    unangesehen ihrer freunt und curatorn waigerung mit ihrer verheurattung frei
                    sein und nichts verwürkt haben. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.21"> [Buch II Titel 27 § 21]<lb/> § 21 Nachdem sich auch zum
                    oftermahlen zutregt daß sich leuchtfertig muetwillig leut, dergleichen die
                    verpflichten diener ihrer herrn oder ander ehrbern leuten die töchter freundin
                    oder sonst vertraute junkfrauen arglistiger weise zu der ehe oder schmach
                    aufreden, ordnen und wollen wir das ein solcher, so ein junkfrauen dermassen
                    arglistiger weise zu der ehe oder schmach aufredete, zu geburlicher straf fur
                    recht gestellet, auch rechtliche erkantnus uber ihne ergehen, und was also
                    erkent wirdt würklich volzogen werden solle, alles vermüeg derhalben ausgangner
                    general. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.22"> [Buch II Titel 27 § 22]<lb/> § 22 Der pflegkinder und
                    minderjhärigen vereheligung sollen dem alt hergebrachtem lantsbrauch nach nit
                    bündig sein, sie geschehen dann mit vorwissen und willen und raht ihrer gerhaben
                    curatorn und der nechsten befreundten. Wann sie aber dieselben der sachen nit
                    vergleichen künten, solle die furgesezt ordenlich obrigkait darinnen mittler
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.23"> [Buch II Titel 27 § 23]<lb/> § 23 Nachdem sich mehrmals
                    etliche leichtfertige unachtsambe und gerings stants persohnen wider alle gebüer
                    und gebürende beschaidenhait understehen ansehenliche und nambhafte frauen des
                    herren- und ritterstants ohn vorwissen der negsten befreundten zu vermächeln und
                    mit ihnen in winkeln haimblich verehelichung zu stiften, dardurch die alten
                    löblichen geschlecht verschimpftt worden und in grosse nachret erwachsen, so
                    wiel uns zu erhaltung erbarkeit und gueter manzucht keineswegs gemaint sein
                    derlei strafmessige verglübung gedulden. ist demnach unser ernstlicher will und
                    mainung do sich kunftig solche ungereimbte haimblich und leichtfertige
                    zusamenschlaipfung begeben und dieselben ainer ehrlichen freuntschaft zuwider
                    weren, das dieselben manspersohnen, sie hetten gleich die verehelichung
                    geursacht oder weren von denen weibern darzu angeführt worden, in unser als
                    herrn und lantsfursten straf und ungnadt verfallen und nach gelegenhait aller
                    umbstent an leib oder guet gestrafft sollen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.24"> [Buch II Titel 27 § 24]<lb/> § 24 Was aber die
                    weibspersohnen anlangt, die sollen in ihrer befreundten straf sein, auch dieselb
                    gegen ihnen doch mit unserm vorwissen iederzeit unableßlich furnemben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.27.25"> [Buch II Titel 27 § 25]<lb/> § 25 Es solle keiner die
                    persohn welche er mit gewalt entfiert zu der ehe nehmen. <pb n="Edition 2015 S. 208"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.27.26"> [Buch II Titel 27 § 26]<lb/> § 26 Do aber aine nit per fortz
                    [!] sonder mit ihrem freien willen entführt worden und hernach der verehelichung
                    stattgebe, kan solche ehe, da sonsten beide persohnen frei und ledig, bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.27"> [Buch II Titel 27 § 27]<lb/> § 27 Es solle kein gerhab sein
                    pflegtochter zu der ehe nemen noch dieselb seinem suhn vermahlen, es hette dann
                    solches der junkfrauvatter in seinem testament also verordnet, oder der gerhab
                    sein reitung vor der ehelichen pflicht gethan, oder es geschehe mit unserm als
                    lantsfurstens sonderm consens. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.28"> [Buch II Titel 27 § 28]<lb/> § 28 Ein gerhab mag sein
                    eheliche tochter seinem pflegsohn wohl vermählen, doch das es kein practicierte
                    heurat sei und mit der hohen obrigkait auch der negst befreundten wilkühr
                    beschehe. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.29"> [Buch II Titel 27 § 29]<lb/> § 29 Wann ein gerhab seiner
                    gerhabschaft erlassen oder die vormuntschaft sonsten ihr und erreicht, so mag
                    derselb vormunder sein gewesne pflegtochter wohl zu der ehe nennen, ungeacht das
                    er ihr nach gethaner raitung ein ansehenlichen rest zu thain, dann er wirdt
                    disfals nur fur ainen schuldner gehalten; zwischen ainen gelter aber und seinem
                    glaubinger kan ein heurath wohl bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.30"> [Buch II Titel 27 § 30]<lb/> § 30 Wann zwo versprochne
                    persohnen in stehenden breütslant gegen einander verfeindt werden und sich in
                    kunftiger beiwohnung zwischen ihnen böser practicken auch gevar leibs und lebens
                    zu besorgen, so mögen sie mit gueter freier wilkhur von einander stehen und sich
                    der ehelichen sponsion vor würklich ehestant wohl begeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.31"> [Buch II Titel 27 § 31]<lb/> § 31 Do im werendem preutstant
                    ain oder der ander thail wider ehr und eheliche pflicht mit frembder vermuschung
                    handlet, so mag der ander haltent tail vor der hochzait von seiner ehelichen
                    zusag und pflicht (ungeacht des pruchigen tails widersprechen) abstehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.32"> [Buch II Titel 27 § 32]<lb/> § 32 Do sich ein vogtbarer
                    preutgam nach beschehenem versprechen vor der hochzeit in fremde und ferre lant
                    begeb und sich ausser seiner vermehelten und mansparen spons willen und zugeben
                    von ihr zwei jhar lang fursezlich und ohn billich ursachen absentiert, so möcht
                    sie sie mit der geistlichen obrigkait bewilligung ferrer zu ainem andern
                    verehelichen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.27.33"> [Buch II Titel 27 § 33]<lb/> § 33 Wann aber nach volbrachter
                    hochzeit der ehemann wegzüeg und sein ehefraw anheimbs sitzen liesse, kann sie
                    sich mit ainem anderm so lang und viel eheliche nit einlassen biß sie
                    glaubwürdig darbringt, das ihr voriger mann mit tot abgegangen. und obgleich
                    solcher mann krigs oder anderer gevar halben vermuetlich tot were, dennoch soll
                    das weib ausser derlei gegrundten kuntschaften an ihrem ehemann das glüeb nit
                    prechen. <pb n="Edition 2015 S. 209"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.27.34"> [Buch II Titel 27 § 34]<lb/> § 34 Wann zwo unvogtbare
                    persohnen in ihren unvolkombenen jharen durch ihre eltern gerhaben oder
                    befreundten gegen einander ehelich verglübt und versprochen worden, mag ein oder
                    der ander tail, do er seine vogtbare jhar erreicht und ihme solche sponsion nit
                    gemaint noch annemblich sein wiel, von solcher sponsion ungeacht des andern
                    tails widersprechen setzen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.35"> [Buch II Titel 27 § 35]<lb/> § 35 Wann sich ainer oder aine
                    mit ehelicher zusag so weit einlies, woferr dieselb bei denen eltern befreundten
                    pflegvettern oder der obrigkait zu erhalten, so ist solche sponsion, do gleich
                    ring daruber geben würden, kein unverkerliche ehe sonder nur ein condicionierte
                    sponsion. wo nun obbemelter persohnen consens solch bedingte und condicionirte
                    zusag nit bestettet sondern derselben zuwider ist, so solle zu verhüetung
                    unredlicher practicierter und strafmessiger winkelheurat dieselb vergliebung dem
                    lantsbrauch nach nichtig und unwiderbindlich sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.36"> [Buch II Titel 27 § 36]<lb/> § 36 Deßgleichen werden etliche
                    persohnen unterweilen auf wahrer thatt betretten und mit betroung leibs und
                    lebens gevar zu ainem ehespruch benöttigt; solche bezwungene zusag aber, da sie
                    der betrangt thail hernach alßbalt widerrufft, solle nichtig und craftloß sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.37"> [Buch II Titel 27 § 37]<lb/> § 37 Wann ein oder der ander
                    thail in stehenden preutstant tadlhaftig würdt oder an seinem leib einen grossen
                    schaden und mangl bekomb, so solle dennoch kein vermehlender thail von dem
                    andern setzen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.38"> [Buch II Titel 27 § 38]<lb/> § 38 Es ist keinem verwerth in
                    seiner tötlichen Krankheit, sonderlich damit seine naturliche kinder dardurch
                    geehelicht werden, eine zu der ehe zu nehmen. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.39"> [Buch II Titel 27 § 39]<lb/> § 39 Ein grosses oder bedachtes
                    alter solle kein christliche heurath verhindern, es weren dann andere obgehörte
                    eheverbott verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.2.27.40"> [Buch II Titel 27 § 40]<lb/> § 40 Wann ein ehemann seiner
                    ehefrauen oder die ehefraw ihrem ehewirt in einem lezten willen bei verlierung
                    des verlasnen guets oder vermachts den wittibstant aufbindt und ferrere
                    verehelichung verbeut, so solle solches verbott, weils wider naturliche und
                    christliche freihait, nit creftig noch bündig sein, auch die verlassung dardurch
                    zum wenigisten nit verwürkt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.28">
        <head>[Buch II Titel 28]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=337">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 28. titl. Von heuratguetern widerlegung
                    morgengaben auch derselben aigenschaften widerfällen freihaiten und
                    bedingnussen. <pb n="Edition 2015 S. 210"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.28.1"> [Buch II Titel 28 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl ein christlicher
                    ehestant ohn alle preutgab ehesteur und zupringen sein mag, so ist doch
                    lantbreuchig und allenthalben gewönlich, das ein praut ihren preutigam ain
                    haimbsteur von wegen ertragung cönlicher obligen purden und ausgaben verspreche
                    und vermache. dieselbe pflegt der preutigam mit einem gegenvermacht zu
                    widerlegen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.2"> [Buch II Titel 28 § 2]<lb/> § 2 Mit solchem heüratguet und
                    widerlegung wirdt bei der heuratsabredt auf dreierlei weeg und weise gehandlt
                    und pactiert: Erstlichen, auf uberleben oder Kopf um Kopf wie mans in der gemein
                    nennet, in welchem bedingtem fall der uberlebent conperson baide das heuratguet
                    und widerlegung aigenthumb haimbsteet und frei ledig fallen thuet. und obgleich
                    die abgestorben persohn leibserben aus solchem ehestant erzaigtt hinder sein
                    verliesse, so haben sie doch an solchem heuratguet und wiederlegung kein thail,
                    vilweniger mögen sich der verstorbnen persohn negste bluetsfreunt nach absterben
                    des uberlebenden thails ainiges widerfals hierbei getrösten. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.3"> [Buch II Titel 28 § 3]<lb/> § 3 Diese berednus auf uberleben
                    gestelt erraicht ihr würkung, wann eines aus denen chonleuten nach ehelicher
                    beiwohnung des naturlichen oder sonst aines unversechenen und geweltigen tots
                    verschaidt, auch durch ainen oder den andern unfall umbs leben kombt. wann es
                    aber von feunden gefangen würdt und noch im leben verhanden were, so stehet dise
                    paction ungeacht der stuntlichen totsgefahr biß auf den würklichen totfall
                    innen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.4"> [Buch II Titel 28 § 4]<lb/> § 4 Da sich durch laidige unfäll,
                    als prunst wassergües einfall Krigsgefahr oder dergleichen fortuitos casus,
                    begeb das mann und weib under einsten beliben und vergingen, so solle das
                    heüratlich vermecht welches auf uberleben gestelt des ehemans und nit der
                    ehefrauen erben zufallen, dann es ist aus naturlichen vernunftigen ursachen zu
                    vermueten, das die ehefraw von wegen weiblicher schwachhait und plödigkait ehers
                    den todt empfunden und ihren geist aufgeben als der mann. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.5"> [Buch II Titel 28 § 5]<lb/> § 5 Die andere paction und
                    berednus welche bei heuratsabreden des vermachts halben beschicht wirt auf
                    gesante hant gestellt und tregt disen verstant auf ihr das der uberlebendigen
                    persohn ihr aigne vermachte gab wider frei ledig und aigenthumblich ohn allen
                    widerfall haimbstehen, die gegenvermacht gab aber felt denen kindern oder wo die
                    nit verhanden des abgestorbnen negsten befreundten mit dem aigenthumb haimb.
                    doch hat der uberlebende thail in craft gesandter hant sein leben lang dasselb
                    vermacht zu gebrauchen und zu niessen, es seind gleich kinder verhanden oder
                    nit. <pb n="Edition 2015 S. 211"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.28.6"> [Buch II Titel 28 § 6]<lb/> § 6 Dergleichen bringt der
                    gesandten hant keinen mangl, ob sich die uberlebent persohn wider verheurat oder
                    nit. aber nach ihrem abgang felt dasselbe vermacht dem nahmen und stammen davon
                    es herruert wider frei ledig haimb und wirdt die fruchtgeniessung mit dem zuvor
                    gefalnen aigenthumb wider consolidiert. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.7"> [Buch II Titel 28 § 7]<lb/> § 7 Wo nun solches vermächt nit
                    im barem gelt sondern mit guetern beschehen, kunnen die kinder oder negsten
                    erben, alleweil die uberlebent chonpersohn noch im leben, solches vermacht guet
                    ungeacht ihres habenden aigenthumbs nit alienirn, es geschehe dann solche
                    alienation der werenden fruchtgeniessung unvergriffen und ohn schaden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.8"> [Buch II Titel 28 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen konnen sie
                    solches guet zu schmelerung der noch werenden fruchtgeniessung nit vertestiern,
                    es geschäch dann solches gescheft allein uber die nunmehr verfallen
                    aigenthumblich gerechtigkait und nit die fruchtgeniessung. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.9"> [Buch II Titel 28 § 9]<lb/> § 9 Wann die uberlebent persohn
                    umb solchen widerfall nit angesessen, mögen die negsten persohnen mit fueg
                    begeren ihnen denselben auf ainen liegenden gueth zu versicheren oder darumben
                    caution zu thain. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.10"> [Buch II Titel 28 § 10]<lb/> § 10 Do auch solches vermacht
                    an einem ligendem haab und guet, stehet denen negsten befreundten abermals
                    caution zu begeren bevor, das die uberlebent persohn solches widervolliges gueth
                    unverthuelich stiftlich und penlich halten wölle, dessen sie sich auch nit
                    waigern kann. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.11"> [Buch II Titel 28 § 11]<lb/> § 11 Do aber furs dritt
                    vorbemelter geding kaines beschech, auch die heuratsabredt weder auf uberleben
                    noch wie gesandter hant recht ist beschlossen würdt, so felt der uberlebent
                    chonpersohn sein vermecht und des verstorbnen gegenvermacht seinen kindern oder
                    negsten befreundten frei ledig mit aigenthumb und fruchtgeniessung wider haimb. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.12"> [Buch II Titel 28 § 12]<lb/> § 12 Solche drei
                    underschietliche pactionen und heuratliche geding haben den oben außgeführten
                    verstant, wo die conpersohnen ab intestato oder ohn lezte willen ableiben und
                    mit denen vermechten kein verenderung furnemben. dann do ein oder ander tail
                    durch testament, donation, causa mortis oder codicil daß heuratlich vermachtnus
                    cassiert oder mit demselben andere verordnung thet, so stehet in der
                    uberlebenden chonpersohn freien willen sich entweder ihres heurathvermachts zu
                    halten oder do es derselben gemeinter daraus zu schreiten und zum lezten willen
                    zu greifen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.13"> [Buch II Titel 28 § 13]<lb/> § 13 Wann aber ein lezte willen
                    den heuratbrief nit aufgehebt noch denselben zuwider ist sonder der uberlebenden
                    persohn uber das heuratvermacht etwas mehrers gibt, so hatt alßdann solche
                    lebendige conpersohn recht und fueg sich <pb n="Edition 2015 S. 212"/> des
                    heuratbriefs und lezten willens mit einander zu betragen, auch aines neben dem
                    andern einzufordern. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.14"> [Buch II Titel 28 § 14]<lb/> § 14 Die morgengab ist ein
                    heuratliche belohnung der junkfreulichen ehren und des magthumbs und wirdt von
                    dem preutigam, es sei gleich ein junger gesell oder wittiber, der junkfraw praut
                    vermacht. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.15"> [Buch II Titel 28 § 15]<lb/> § 15 Deßgleich do ein wittib
                    einem jungen gesellen vermählet, ist solche morgengab nit unbreuchig. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.16"> [Buch II Titel 28 § 16]<lb/> § 16 Wann aber wittiber und
                    wittib zusamben heüratten, hat einige morgengab nit stat. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.17"> [Buch II Titel 28 § 17]<lb/> § 17 Solche morgengab ist ein
                    freies und verlornes guet, bleibt auch der praut und ihren erben, sie uberleb
                    den preutigam oder sterb vor ihme, aigenthumblich und ohn allen widerfall.
                    derhalben stehet ihr auch bevor dieselb morgengab in ihrem testament zu
                    verschaffen wem sie wiell. doch wirdt in vielen heuratbriefen bedingt und
                    ausgenomben, wann die praut vor ihrem ehemann mit tot und testament abgehen
                    würd, das sie solche morgengab ihrem ehemann wider vor allen andern
                    haimbschaften und frei mache soll, welche paction der billigkait nit zuwider. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.18"> [Buch II Titel 28 § 18]<lb/> § 18 Die heuratgueter
                    widerlegung und morgengab haben kein gewisse maß noch lanttaxes, sonder werden
                    nach gelegenhait des stants würdens vermögens und anderer umbstent wilkührlich
                    abgeredt und beschlossen. derhalben wo solch heuratsabredt aus verhinderlichen
                    ursachen umbgangen, mag dieselb nach dem beischlaf aufgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.19"> [Buch II Titel 28 § 19]<lb/> § 19 Do aber solches auch
                    vermitten blieb und sich hernach zwischen eheleuten ein totfall ohn lezte willen
                    zutrüeg, seint die negsten befreundten die uberlebende chonpersohn nach
                    billichen dingen, soviel sich ungeverlich aller mitlaufenten gelegenhait und dem
                    lantsprauch nach gebüert, abzufertigen schuldig. do sie sich aber dessen wider
                    rechtlich weeg waigerten, solle die messigung bei gueter leut erkantnus oder
                    ordenlicher obrigkait ausspruch stehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.20"> [Buch II Titel 28 § 20]<lb/> § 20 Also auch wann vatter oder
                    mutter in ihrem lezten willen verordnung thain, das ihre kinder nach ihrem todt
                    ehrlich außgesteurt sollen werden und denselben keinen namben geben, so solle
                    die abfertigung derselben kinder nach gelegenhait ihreß stants und gemeinen
                    lantsbrauch gemeß beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.21"> [Buch II Titel 28 § 21]<lb/> § 21 Gleichergestalt wann ein
                    frembder einer junkfrauen in seinem testament ain heuratguet verschafft aber
                    dasselbe nit nambhaft macht, solle ihr solches nach aller umbstent
                    beschaffenhait passiert oder von gericht gemessigt werden. <pb n="Edition 2015 S. 213"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.28.22"> [Buch II Titel 28 § 22]<lb/> § 22 Mitt der morgengab aber
                    hatt es dem lantsbrauch nach dise gelegenhait, das dieselb der widerlegung nit
                    gemeß sonder gemeinlich nur halb so viel ist, als wann die widerlegung tausent
                    gulden antrifft wirdt die morgengab auf 500 fl gestelt. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.23"> [Buch II Titel 28 § 23]<lb/> § 23 Doch ist hierin Kein
                    einformiger noch unverkerlicher lantbrauch, sonder dise gab steet in der thailen
                    liberalitet mült und willkühr sowohl als anderer ehrsteurn. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.24"> [Buch II Titel 28 § 24]<lb/> § 24 Wiewohl die geschribnen
                    kaiserlichen rechten vermögen, das die widerlegung der heuratguet in allem
                    gleich und keines mehrer noch höher als der ander sein solle, iedoch wirdt in
                    disem lant mehrmals das widerspiel beredet und beschlossen, denn einem preutigam
                    unverwerth sein vertraute spons mit mehrer widerlegung als ihr zugebrachte
                    heimbsteur vermag zu betreuen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.25"> [Buch II Titel 28 § 25]<lb/> § 25 Wann das eheweib ihr
                    versprochen heimbsteur und heuratguet ihrem ehewirt nit würklich zubringt, so
                    ist er mit seiner gegenvermachten widerlegung von ihr oder ihren freunden auch
                    entprochen. deßgleichen wann sie ihm nur ainen tail derselben zugesagten
                    haimbtsteur würklich uberlüefert, solle die bedingt widerlegung pro rata solches
                    hinderstelligen ausstants fallen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.26"> [Buch II Titel 28 § 26]<lb/> § 26 Was ein ehefrau uber ihr
                    vermachtes heuratguet ihrem ehemann zubringt es sei gleich ligent oder varent,
                    desgleichen was sie in wehrender ehe ererbt oder sonsten mit rechtmessiger
                    ankonft erobert, mit demselben allen und ieden hindert oder nichts davon
                    außgenomben ist sie gegen ihre ehewirt unverbunden und frei, mag auch damit im
                    leben und sterben handlen thuen und lassen nach ihrem willen und wohlgefallen,
                    wie ihnen dann die frauen bei dem herrnstant und adl solche ubrige haab und
                    gueter in der heuratsabrede gemeinlich bevor behalten, auch dieselben mit
                    gemasner bedingnus ausnemben. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.27"> [Buch II Titel 28 § 27]<lb/> § 27 Hergegen ist der ehemann
                    so viel er uber die widerlag und morgengab in seinem vermügen gegenwiertig hat
                    oder kunftig uberkombt, gegen seiner ehefrau gleichfals ledig und frei, und
                    wirdt solches in heuratbriefen auch gemeinlich begriffen. do aber solcher
                    vorbehalt bei der heuratsabredt nit bedingt noch beschlossen, so sollen dennoch
                    beede tail mit demselben ihrem ubrigen unvermachten vermögen gegen ainander
                    unverbunden und allerding dem lantsbrauch nach under den herrn ritterstant frei
                    sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.28"> [Buch II Titel 28 § 28]<lb/> § 28 Bei der burgerschaft,
                    gemeinen hauern und bauersleuten aber ist bißher ublich gehalten worden, wo sich
                    die chonleut bei den versprechen solches ubrigen zubringens nit beredt noch
                    verglichen, das ieder tail mit dem so er zur zeit der verehelichung uber daz
                    heuratsguet widerlegung und morgengab an <pb n="Edition 2015 S. 214"/> ligend
                    oder varenden haab und guetern gegenwurtig gehabt frei bleiben, was sie aber mit
                    einander in stehender ehe an ligendem oder varendem guet ererben erobern oder
                    sonsten rechtmessiglich uberkomben daz gehört ihnen beden zugleich zu und solle,
                    wo kein lezter wiell under ihnen aufgericht, halber tail dem uberlebenden, der
                    ander halb tail aber des abgestorbnen leibserben oder wo dieselben nit verhanden
                    seinen negsten blutsfreunden erfolgen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.29"> [Buch II Titel 28 § 29]<lb/> § 29 Die kauf und handelsleut
                    behalten ihnen gemeiniglich ihr hanthierung, deßgleichen die hantwercher ihr
                    hantwerch in solchem fall bevor. deßgleichen werden die erbrecht, do ainerseits
                    mehrer als der ander totfall zugewarten sein, oftermaln vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.30"> [Buch II Titel 28 § 30]<lb/> § 30 Es ist nit ohn, das der
                    varenden haab halben zu zeiten under dem adl auch bei denen geringern stenden
                    heuratliche beratnus und beding beschehen, doch auf etliche underschidliche weg
                    und mainung: </p>
        <p xml:id="NA.2.28.31"> [Buch II Titel 28 § 31]<lb/> § 31 Etlichen chonleut
                    vermachen gegenwertige und kunftige varnus biß auf den totfall an einander
                    nindert noch nichts davon ausgenomben, und dise paction ist am richtigisten,
                    gebüert auch, es begeb sich der fall gleich einer oder der andern seits, die
                    wenigisten Krieg. dann wann sich der totfall begiebt, so werden die vermüschten
                    varenden gueter ordentlich inventirt und geschäzt, auch nachmals treulich und
                    gleuchlich vertailtt. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.32"> [Buch II Titel 28 § 32]<lb/> § 32 Etlich vermachen an
                    einander aller varnus gegenwürtiger und künftiger den dritten thail, etliche den
                    vierten. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.33"> [Buch II Titel 28 § 33]<lb/> § 33 In disen fall aber richt
                    man die heuratsbrief auf zwen underschietlich weg auf: erstlich werden sie dahin
                    gestelt, das der witib nach ihres mannes ableiben der halb oder dritthail aus
                    beeder eheleut varender haab volgen solle. in welchem fall die witib schuldig,
                    neben des ehemanns verlassen varenden guetern ihre aigne varnus, als nemblich
                    die sie ihrem haußwirt zubracht oder ihr in stehender ehe durch erbschaft oder
                    in ander weg zugestanden, doch ausgeschlossen ihr leibsziehr und kleidung, in
                    die tailung komben zu lassen. Wann aber der heuratbrief vermag, das der wittib
                    nach absterben ihres hauswirts halber oder dritter thail der varenden haab
                    folgen solle, so wirdt unter solchen worten allein ihres hauswirts verlassene
                    varende haab verstanden, daraus dann ihr der wittib halber oder dritter tail
                    zustehen solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.34"> [Buch II Titel 28 § 34]<lb/> § 34 Mitt ihrer aignen varenden
                    haab aber, oder in stehender ehe durch erbschaft und in ander weg bekomben ist
                    sie ohn alle thailung durchauß frei. <pb n="Edition 2015 S. 215"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.28.35"> [Buch II Titel 28 § 35]<lb/> § 35 Was aber dem rechten und
                    lantsprauch nach fur ein varende haab zu halten und darein gehörig sei, wirdt
                    hernach im dritten buch bei dem 86. titl tractiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.36"> [Buch II Titel 28 § 36]<lb/> § 36 Etliche preutleut nehmen
                    von der vahrnus bei der heuratsabredt gemeiniglich die stuckh aus, deren sie am
                    vermögligister seint oder die gegenchonpersohn in denselbigen sorten der varnus
                    ubertreffend, als parschaft oder verbrifft und unverbriefft schulden
                    silbergeschier wein bücher handelswahr hantwergzeuch, und was dergleichen sein
                    mag darumb ein thail dem andern zu uberlegen. solche vorbehalt geschehen auch zu
                    zeiten an ainer, underweilen aber an mehr sorten. und dieweil die heuratsabredt
                    durchauß lauter wilkühr seint, so soll es disfals bei dem inhalt dessen sich die
                    partei guetwilliglich verglichen verbleiben und ihr conwention steif gehalten
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.37"> [Buch II Titel 28 § 37]<lb/> § 37 Etliche tail behalten
                    ihnen die gegenwertig varnus bevor, die kunftig aber sollen beden chonleuten
                    gemein und gleich sein. dise paction aber ist derhalben etwas unrichtig, daz die
                    varnus in werender ehe vermüscht und ein unverschaidenlichs guet wirdt, das sich
                    auch wann sich ain totfall begibt viel krieg und disputat gebert, was fur varnus
                    vor der verehlichung verhanden gewesen oder was hernach erobert worden,
                    sonderlich weil in disem lant Österreich under der Ennß nit gebreuchig uber die
                    varnus zur zeit der verehlichung ain inventari aufzurichten, und was ein oder
                    der ander tail damals gehabt darein zu verleiben, auch damit wann sich ein
                    totfall begibt zu erleitern was ehemals vorhanden gewesen oder was hernach in
                    stehender chonschaft erworben worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.38"> [Buch II Titel 28 § 38]<lb/> § 38 Etlich preutleuth bereden
                    und vergleichen sich fur die varent haab auf ein benente summa gelts. nemblich
                    wo der preutgam vor seiner spons mit (todt) abgeen wirdt, so sollen seine erben
                    mit seiner varnus allerdings frei sein und der uberlebenden chonpersohn darfur
                    ein gewisse summa pares gelts nach gelegenhait des vermögens geben, entgegen
                    soll die prauth mit aller ihrer varnus frei sein, und also soll es auch in
                    gegenwertigem fall reciproce gehalten werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.39"> [Buch II Titel 28 § 39]<lb/> § 39 Wann sich nun die
                    preutleut obbemelter heuratlichen berednus auf einen oder den andern weeg
                    verglichen, so wirdt vor dem beischlaff ein lantbreuchiger heuratbrief
                    aufgericht. derselb solle mit des preutigam und aufs wenigist anderer dreier
                    oder vierer zeugen sigilln verfertigt und becreftigt, auch der praut oder ihren
                    negsten befreundten umb Könftiger totfall wegen zugestelt werden. und do kein
                    heuratbrief aufgerichtt würde sonder allein die <pb n="Edition 2015 S. 216"/>
                    heuratsabredt verhanden were, so hatt dieselb eben so viel craft als der
                    heuratbrief. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.40"> [Buch II Titel 28 § 40]<lb/> § 40 Wann aber die
                    heuratsabrede auch nit verhanden und doch der heuratbeschlues durch die witib
                    mit lebendiger zeugnus bewisen werden kundt, so soll ihr alles das was der
                    heuratsbeschlues vermag ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.41"> [Buch II Titel 28 § 41]<lb/> § 41 Der ligenden haab und
                    gueter so viel deren uber heuratguet widerlegung und morgengab gegenwertig
                    verhanden behalten ihnen die preutleut gemeiniglich bevor und sein damit frei.
                    was sie aber in stehender ehe mit einander erobern, das wirdt entweder auf
                    uberleben oder gesandte hant oder zu gleichen halben aigenthumblichen tail
                    bedingt, welcher pactionen aigenschaft oben declarirt worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.42"> [Buch II Titel 28 § 42]<lb/> § 42 Der ehemann solle umb das
                    zugestelt heuratguet umb kunftiger richtigkait willen quittiren. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.43"> [Buch II Titel 28 § 43]<lb/> § 43 Bei denen heuratabreden
                    mag ein tail dem andern all sein haab und guet vermachen, doch wann sich hernach
                    ein fall ab intestato begibt und leibserben verhanden, stehet denselben ihren
                    gebürenden naturlichen erbtail oder legitimam zu begeren bevor. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.44"> [Buch II Titel 28 § 44]<lb/> § 44 Es ist auch dem
                    lantsbrauch nit zuwider bei denen heuratsabreden zu bedingen, wann ein thail auß
                    beeden chonpersohnen Könftig mit tot abgeen würd, das der ander sein haab und
                    guet erben solle. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.45"> [Buch II Titel 28 § 45]<lb/> § 45 Wann ein oder der ander
                    thail mitt aigenthumblichen guetern nit versehen, mögen die lechensgueter mit
                    unserm als lantsfursten und lehensherrn consens vermacht werden. gleicher
                    gestalt mag auch die verweisung oder vergwißung des ganzen heuratsvermachts auf
                    lehensguetern mit consens beschehen, doch wo der ehemann hernach aigne erbliche
                    gueter bekomb, soll er das heüratvermacht oder die assecuration auf solche
                    aigenthumbliche gueter transferiren und dem lehensherrn die lehen wider frei
                    machen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.46"> [Buch II Titel 28 § 46]<lb/> § 46 Also mögen auch andere
                    rechten und gerechtigkaiten, als schulden leibgeding fruchtgenüessung und
                    dergleichen jura, zu ainem heuratguet oder widerlegung gebraucht und vermacht
                    werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.47"> [Buch II Titel 28 § 47]<lb/> § 47 Des witibstuels halben
                    wirdt under denen lantleuten gemeiniglich gehandlet, der solle auch
                    berettermassen gehalten werden. wie und was gestalt aber derselb sein soll, in
                    dem ist kein gewisser lantsbrauch verhanden sonder stehet in der thailen wilkuhr
                    und vergleichung. und ob von solchem wittib[stuel] nichts beredt worden, soll
                    derselb ainer ihr den witfrauen herrn- und ritterstants <pb n="Edition 2015 S. 217"/> nach lantsbrauch und gelegenhait ihres stants
                    ausgezaichnet und gemessigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.48"> [Buch II Titel 28 § 48]<lb/> § 48 Die verweisung und
                    versicherung der heuratlichen vermecht geschicht entweder auf allen des ehemans
                    haab und güetern oder aber auf einem special haab und guet, wie sich dessen die
                    thailen bei der heüratsabredt verglichen. dasselb specialguet kan der eheman als
                    seiner ehefrauen richtigs underpfant in keinerlei weiß noch weg aliniern
                    verhandlen oder verkombern, es wolle sich dann die ehefraw guetwillig solches
                    ihres habenden pfant nach lantsbrauch begehen. wann aber die verweisung auf
                    allen und ieden des ehemans guetern beschehen, so soll er mit allem seinem guet
                    nit gespert sein sonder, wo sein ehefraw mit ainem oder mehr stuckhen derselben
                    gueter genuegsamb assecuriert, steet ihme die andern zu seiner notturft und
                    fromben zu verwenden bevor. doch das solches mit seiner ehefrauen vorwissen
                    beschehe, dann weil sie in craft der algemeinen generalhypotecken bei allen und
                    ieden ihres hauswirts guetern interessiert, ist nit unbillich das sie solcher
                    alienation erinnert werde. und ob sie nach gethaner certioration mit denen
                    uberigen guetern versichert, soll sie ihren mann an der alienirung keinen
                    eintrag thain, wie ihr dann disfals keiner zu gestatten. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.49"> [Buch II Titel 28 § 49]<lb/> § 49 Ein ehemann ist dem
                    lantsbrauch nach schuldig sein ehefrauen umb das heuratvermacht zu schermen
                    inner oder ausser gericht so oft es nott thuet. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.50"> [Buch II Titel 28 § 50]<lb/> § 50 Wann auch solche
                    heuratgüeter strittig worden, stehet dem eheman und nit der ehefrauen die clag
                    und defension zu. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.51"> [Buch II Titel 28 § 51]<lb/> § 51 Deßgleichen ist er
                    pflichtig die heuratlichen güeter so erbarlich vleissig und treulich zu
                    versorgen als sein aignes guet. thett er aber solches nit, so soll er allen
                    schaden welcher aus unvleiß oder fursezlicher gefahr ervolgt büessen und
                    abtragen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.52"> [Buch II Titel 28 § 52]<lb/> § 52 Entgegen soll er die
                    fruchtniessigung der zubgebrachten und vermachten heuratgueter haben und ist
                    seiner abgestorbnen ehefrauen hinderlasnen erben dorfur ainige raitung oder
                    erstattung zu thain nit schuldig. im fall er auch solcher heuratgüeter in
                    wehrender ehe nit genossen, mag er denselben genueß der abgestorbnen ehefrauen
                    erben abziehen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.53"> [Buch II Titel 28 § 53]<lb/> § 53 Deßgleichen was im
                    wehrendem ehestant denen vermachten heuratgüetern durch wassergiessen oder in
                    ander weg zustehet, derselb caution mag sich der ehemann auch brauchen und fehig
                    machen. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.54"> [Buch II Titel 28 § 54]<lb/> § 54 Solche heuratgueter aber
                    soll der ehemann nit allein unverwendt lassen, sonder auch dieselben mit ainiger
                    neuerung dienstbarkeit oder pürden nit beschweren. und obgleich sein ehefrau in
                    derlei alienierung oder beschwerung <pb n="Edition 2015 S. 218"/> williget,
                    dennoch solle mit derselben alienation nach ordnung geschribner rechten nit
                    fortgangen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.55"> [Buch II Titel 28 § 55]<lb/> § 55 Ebenermassen soll keiner
                    hausfrauen gebüren ihre zugebrachte heuratgueter bei ihrem leben zu verkaufen
                    oder ohn ihres ehemans zugeben in ander weg zu verhandlen. do sie aber dieselben
                    in ihrem leztem willen nit dem eheman sonder ainem anderm verschief und die
                    heuratsabredt auf uberleben gestelt were, hatt solches gescheft nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.56"> [Buch II Titel 28 § 56]<lb/> § 56 Deßgleichen wo die
                    heuratsabrede auf gesandte hant bedingt, Künte solches gescheft der
                    fruchtniessung halben dem uberlebendm ehemann nit praejudicirn. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.57"> [Buch II Titel 28 § 57]<lb/> § 57 Die eheleuth mögen mit
                    ihrem zusammbengebrachten heuratlichen und widerlegten guetern in werender
                    chonschaft abwechslen und fur die vermachten andere an die statt geben, doch
                    deme andern articel des heuratsvermachts unvergriffen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.58"> [Buch II Titel 28 § 58]<lb/> § 58 Wann der ehemann umb das
                    heuratgelt so ihme vermacht worden einen grunt erkaufft und sich desselben
                    heuratguets widerfall begibt, so ist er der abgestorbnen ehefrauen erben solches
                    erkaufft haab und guet zuzustellen nit schuldig, sonder die erben muessen sich
                    mit dem gelt allermassen wie ers empfangen erstettigen und abfertigen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.59"> [Buch II Titel 28 § 59]<lb/> § 59 Deren haab und gueter,
                    welche ein ehefraw uber ihr zugebrachtes heuratguet vermag, ihr auch bei der
                    heuratsabredt frei und ledig vorbehalten, mag sich ein ehemann als seiner
                    ehefrauen volmechtiger ehevogt mit der administration oder verwaltung dem
                    lantsbrauch nach wohl mechtigen, doch das er nit geringer treu und vleiß brauch
                    als mit seinem aignen haab und güetern, sonsten stünd ihme die verantwortung und
                    abtrag aller erlittnen schäden zu. do ihme aber seine ehefraw solche verwaltung
                    nit vergunstigen wolt, soll er derselben absteen. was aber solche vorbehaltne
                    gueter ertragen das gehört der ehefrauen oder ihren erben aigenthumblich neben
                    den haubtguetern zu, es were dann sach das die ehefraw solche fruchtgeniessung
                    ihrem ehewirt zu besserer underhaltung des ehestants guetwillig ervolgen liesse,
                    alßdann ist er von restitution oder abtrag derselben allerdings entbunden, doch
                    das er solchen genieß zu chonlicher notturft braucht und sonsten nindert
                    anwende. es solle auch umb solche vorbehaltne haubtgueter des ehemans haab und
                    gueter der ehefrauen verpfendt sein aus befreiung der rechten. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.60"> [Buch II Titel 28 § 60]<lb/> § 60 Die vetter sollen ihre
                    eheleibliche kinder aus ihrem aignem vermögen und substanz dotiern und begaben.
                    und obgleich denen kindern vor ihrer <pb n="Edition 2015 S. 219"/> verehelichung
                    ein mutterlicher entlicher oder anderer erbtail zugestanden davon solches
                    heuratvermächt genomben werden möcht, iedoch soll dasselb erb denen kindern
                    bevor bleiben und zu keinem heuratguet deputiert werden, es were dann ainem oder
                    dem andern kint ein benante summa gelts von freunden oder frembden zu solchen
                    heuratguet verschafft worden. desgleichen do der vatter der aussteuerung nit
                    statthaft, möchte das mütterlich erb oder andres guet angriffen werden. do aber
                    die mueter zur zeit der aussteurung noch im leben, solle dem vater nit gebüren
                    solche heuratguet aus ihrem freien vorbehaltnem guet zu nehmen, es wollte dann
                    die mutter guetwillig darein consentiren. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.61"> [Buch II Titel 28 § 61]<lb/> § 61 Die mütter fur ihre
                    persohnen sein ihre kinder mit heuratlicher aussteurung zu versehen nit
                    verbunden, es were dann der vatter unvermögig. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.62"> [Buch II Titel 28 § 62]<lb/> § 62 Die brüder sein ihre
                    schwestern von dem ihrigen auszusteuren alweil die vetter leben nit schuldig.
                    aber nach der eltern ableiben müessen sie dieselben mit heuratguetern in der
                    maß, wie es die eltern verschaffen oder do kein verordnung beschehen nach
                    gelegenhait ihres stants und gemeinem lantsbrauch gemeß gegen lantmessigen
                    verzichten versehehen [!] deßgleichen mit enden benden und anderer ehrlichen
                    abfertigung allermassen wie es denen eltern selbst gebüert hette. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.63"> [Buch II Titel 28 § 63]<lb/> § 63 Do ein lantman seiner
                    dienst- oder ziechjunkfrawen aine aussteurt und sie mitt einem heuratguet
                    versiecht, sich auch nachmals desselben heuratguets widerfall mit ihrem todt
                    begiebt, so gebüert solcher widerfall nit den herrn noch seinen erben sonder der
                    außgesteurten junkfrauen negsten befreundten, es were dann sach das ihme ein
                    lantmann solchen widerfall bei der heuratsabrede austrukenlich vorbehalten. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.64"> [Buch II Titel 28 § 64]<lb/> § 64 Ob ein wittib kinder bei
                    ihrem ersten eheman erworben und sich nach seinem todt zu ainem andern
                    verehelicht, so solle sie ihren ehemann von der kinder vätterlichen erb gar
                    nichts vermachen, sunsten kundt das vermecht nit besteen. deßgleichen soll sie
                    ihme von ihrem frei aignem haab und guet allein so viel verheurathen, das den
                    kindern aus vorigem ehestant erzeugt ihr natturlicher müeterlicher erbtail
                    beleibe, sonsten möchten solche kinder das vermecht nach der muttern todt nit
                    allein pro rata ihrer gebürlichen naturlichen legitima prechen, sonder es soll
                    ain iedes kint aus der mutterlichen verlassung vermueg geschribner rechten fur
                    sein portion eben so viel als der neue eheman bekomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.28.65"> [Buch II Titel 28 § 65]<lb/> § 65 Wann sich der totfall
                    zwischen eheleuten begibt, so solle weder ein noch der ander überlebent thail
                    sein vermächt so ihme nunmehr ledig worden oder aber <pb n="Edition 2015 S. 220"/> das gegenvermecht das ihme durch den totfall zustendig, do er dessen zuvor
                    nit in possess, mit gewalt antretten noch sich desselben selbst habhaft machen
                    sonder die gerichtlich hüelf und einantwortung wie recht ist suchen. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.66"> [Buch II Titel 28 § 66]<lb/> § 66 Die heuratgueter sollen
                    nach dem totfall der wittib oder ihren erben vernainter spruchhalben nit
                    aufgehalten werden, und do ein wittib dieselben berechtnen muest, solle das
                    gericht darinnen summariter handlen und erkennen. es solle auch ihr abfertigung
                    under dem praetext und schein nit gespert werden, als hab die wittib von der
                    gesperten verlassung etwas entwendt. </p>
        <p xml:id="NA.2.28.67"> [Buch II Titel 28 § 67]<lb/> § 67 Wann ein eheman so armb
                    were, das er das empfangen heuratguet zu bezahlen nit vermöcht und doch mit
                    kainem betrueg umbgieng, soll von ihme genomben werden soviel er vermag oder
                    gehaben mag. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.29">
        <head>[Buch II Titel 29]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=373">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 29. titl. Von donationen und ubergaben
                    under den lebendigen. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.1"> [Buch II Titel 29 § 1]<lb/> § 1 Die pupillen und
                    minderjhärigen sollen ohn vorwißen ihrer furgesezten pflegvätter nichts
                    verschenken, do es aber beschech solle die donation nichtig und craftloß sein. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.2"> [Buch II Titel 29 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen sollen die
                    vormünder und pflegvetter kein pupillarschult noch ichtes anders so ihren
                    pflegkindern mit recht und fueg zustendig donationsweiß ubergeben und nachlaßen,
                    es bewillige dann die ordentlich obrigkait darein. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.3"> [Buch II Titel 29 § 3]<lb/> § 3 Die lehensleuth sollen ihre
                    habende lehensgerechtigkait - utile dominium genant - donationweiß auf keinen
                    andern transferirn, es geschehe dann solches mit unserm als lantsfursten oder
                    anderer lehensherrn consens. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.4"> [Buch II Titel 29 § 4]<lb/> § 4 Gleichergestalt sollen die
                    praelaten und geistlichen ihre habende kirchen und clöstergueter ohn unserm
                    consens niemants ubergeben. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.29.5"> [Buch II Titel 29 § 5]<lb/> § 5 Wiewohl den geschribnen
                    rechten nach die schanknussen ubergaben und donationen under deren conleuten in
                    wehrendem ehestant verbotten, so ist doch das widerspiel von unverdenklichen
                    jharen her in unserm erzherzogthumb Österreich under der Ennß ublich gehalten
                    und allenthalben practiciert worden. derhalben lassen wir es bei solchem alt
                    hergebrachtem ambtsbrauch nochmahlen genedigist beruhen, doch das dieselb in
                    fraudem creditorum und zu schmelerung ihrer habenden schultsgerechigtkaiten nit
                    beschehen. dann wo ein ehemann in schulden stecket und seinen glaubingern zu
                    gevar seiner gueter viel oder wenig seiner ehefrauen donationweiß ubergeben <pb n="Edition 2015 S. 221"/> thet, möchten bemelte creditorn solche unzimbliche
                    ubergab vor oder nach des mannes todt ahnten und revociern. dergleichen wann die
                    eheleut kinder hetten und die chonleut ubergab also hoch und ubermessig were,
                    das die kinder dardurch an ihrer naturlichen erbgebürnus und legitima laedirt
                    und ubergriffen würden, kunte solche donation so weit sich der Kinder
                    erbgebürnus erstrekt nit besteen. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.6"> [Buch II Titel 29 § 6]<lb/> § 6 Wann ein preuttigam seiner
                    spons in stehendem preutstant was verehret, so kan ihr solches nach dem
                    beischlaff durch einen lezten willen nit abgestrickt werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.7"> [Buch II Titel 29 § 7]<lb/> § 7 Wann aber der preutgam vor
                    der hochzait und beischlaff mit todt abging, mögen seine erben solche gaben von
                    der praut wider abfordern. dann derlei verehrungen und preutgaben beschehen
                    allezeit der mainung, das sie erst nach würklichem ehestant craft haben sollen.
                    wo nun derselb nit ins werckh Kombt, so wirdt die donation auch todt und ab. es
                    ist auch die prauth die geschenkten stuckh und nit derselben werth heraußzugeben
                    schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.8"> [Buch II Titel 29 § 8]<lb/> § 8 Ein gefangener und
                    maleficischer mag sein haab und guet vor dem strafurthel ubergeben und
                    verschencken, es were dann sein verprechen dermassen geschaffen, das er nit
                    allein leib und leben sonder auch sein guet verwurkt. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.9"> [Buch II Titel 29 § 9]<lb/> § 9 Ein ehefraw kann ihre
                    vermachte heuratgueter im leben des ehemans niemants ubergeben. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.10"> [Buch II Titel 29 § 10]<lb/> § 10 Es mag ein ieder semen
                    thail den er an einem unverthailtem haab und gueth hatt ohn vorwissen seiner
                    mitgenossen verschenken. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.11"> [Buch II Titel 29 § 11]<lb/> § 11 Also mag auch der
                    glaubinger sein recht und gerechtigkait ainem andern donationweiß ubergeben ohn
                    vorwissen und bewilligung seines schuldners. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.12"> [Buch II Titel 29 § 12]<lb/> § 12 Wann einem ein donation
                    zugesagt versprochen oder verschriben worden, so hatt einige rew ferrer nit
                    stat, ungeacht ob das doniert haab und guet dem schenkgenossen noch nit würklich
                    ubergeben oder tradiert worden, dann die ubergab macht kein donation sondern die
                    freiwillig zusag. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.13"> [Buch II Titel 29 § 13]<lb/> § 13 Do aber der schenker der
                    donation umbstehen wolt, mag dieselb mit recht ersucht werden, doch ist er des
                    unhaltigen verzugs halben ainiges interesse zu bezahlen oder die vermainten
                    schäden abzutragen nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.29.14"> [Buch II Titel 29 § 14]<lb/> § 14 Wann er auch umb
                    volziehung der donation angesucht wirdt, mag er seine schulden und das er sein
                    lebtag ein zimbliche underhaltung haben möge von denen verschenkten güetern
                    abziehen und allein die ubermaß dem donatarien ervolgen lassen. <pb n="Edition 2015 S. 222"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.29.15"> [Buch II Titel 29 § 15]<lb/> § 15 Die donation bedürfen dem
                    lantsbrauch nach keiner gerichtlichen anmeldung oder insinuation sonder mögen
                    sowohl als andere contract außer gericht furgenomben und beschlossen werden. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.16"> [Buch II Titel 29 § 16]<lb/> § 16 Die ubergaben und
                    donationen mögen aus etlichen billichen ursachen von dem vererthem wider
                    abgefordert und revociert werden: erstlich, so der verehret an dem ubergeber und
                    donirer fräventliche hant anlegt oder denselben verwundet, zum andern, do er dem
                    donirer mit hochschmehlichen und schentlichen worten injuriert. furs dritt, do
                    er ihme mit verrahten vergriefen oder dergleichen practicken nach leib und leben
                    stüende, zum vierten, do er ihme ainen merklichen schaden an seinen habb und
                    güetern zufuegt. </p>
        <p xml:id="NA.2.29.17"> [Buch II Titel 29 § 17]<lb/> § 17 Wann einer mit kindern nit
                    versehen noch derselben etwo zu verhoffen, und seine haab und gueter seinen
                    freunden oder umb gotes willen spittalern ubergeben, auch hernach durch den
                    segen des almechtigen leibserben bekomb, so wirdt die beschehen donation
                    uncreftig und Kan wider erholet und revocirt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2.30">
        <head>[Buch II Titel 30]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=380">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 30. titl. Von weiblichen verzichten. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.1"> [Buch II Titel 30 § 1]<lb/> § 1 Wann ein vatter des herrn-
                    oder ritterstants sein tochter aussteurt und dieselb mit einem ehrlichen
                    heuratguet versihet, so ist sie sich von lantsbrauch wegen der vätterlichen haab
                    und güeter, als lang der mansstamben bei leben, zu verzeihen und dem vattern
                    ainen lantbreuchigen verzichtbrief zuzustellen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.2"> [Buch II Titel 30 § 2]<lb/> § 2 Der mütterlichen gueter und
                    succession aber darf sich keine von adl verzeihen, sie wolle dann solches aus
                    freiem guetem willen thuen. Derhalben solle sie zu solcher renunciation wider
                    ihr gelegenhait nit gehalten noch gedrungen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.30.3"> [Buch II Titel 30 § 3]<lb/> § 3 Und wiewohl die verzichten
                    dem geschribnen rechten nach nit creftig seint, sie werden dann mit dem ait
                    bestettigt, so ist doch dem lantsbrauch nach einiger ait disfals nit von nötten.
                    derwegen wann ein tochter ein verzicht gibt, ob sie gleich dieselb mit ainem ait
                    nit becreftigt, so ist sie dennoch solche verzicht zu halten schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 223"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.2.30.4"> [Buch II Titel 30 § 4]<lb/> § 4 Die weiblichen verzicht haben
                    allein in causa intestati und wann der vatter ohn testament abgeet ir craft und
                    würkung, dann in solchen fall erben die bruder das vetterlich verlaßen guet
                    allein und schliessen ihre schwestern vermug der von sich gegebnen verzichtbrief
                    gar aus wann aber der vatter seine verzigene tochter in seinem testament bedenkt
                    und denselben uber das zuvor ausgezahlt heuratguet was verschafft, so sein die
                    brüder schuldig ihnen daßelbig ohn ainige waigerung ervolgen zu lassen. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.5"> [Buch II Titel 30 § 5]<lb/> § 5 Es erstrecken sich auch
                    solche verzicht auf den manstamben so von der vätterlichen lini herruert,
                    nemblichen auf seine leibserben manliches geschlecht in absteigender lini, und
                    gar nit auf des vatters collateral- oder beseitserben. wann nun die leibserben
                    des sühne seint mit tode abgangen, so wirdt denen verzugnen weiblichen stamben
                    die thüer zu antrettung der vätterlichen verzignen gueter widerumb eröfnet,
                    ungeacht das etwo ihres vattern brudern oder desselben erben manliches
                    geschlechts noch im leben verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.6"> [Buch II Titel 30 § 6]<lb/> § 6 Deßgleichen erstrecken sich
                    auch die verzichtbrief allein auf die agnation, das ist die manspersonen so vom
                    vattern und derselben lini herrüeren, auf die cognaten und manspersohnen aber
                    welche von der müeterlichen lini herkomben gar nit. derhalben wann ainer
                    verzignen schwestern bruder so ihr vattershalben verwant ohn manlich leibserben
                    abstirbt, so tretten die vätterliche verzignen schwestern zu der erbschaft ein,
                    ungeacht das bruder oder ander manstamben muttershalben verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.7"> [Buch II Titel 30 § 7]<lb/> § 7 Wann ein schwester mitt todt
                    abgehet, so erben die andern schwestern mit ihrem bruder die verlassen gueter
                    zugleich, dann die verzichten erstrecken sich allein auf vätterliche und gar nit
                    schwesterliche erbschaften. iedoch wirdt das heuratguet außgenomben, dann
                    solches als ein vätterliche haab denen brudern des manstambens allein billich
                    zustehet. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.8"> [Buch II Titel 30 § 8]<lb/> § 8 Desgleichen do ein bruder mit
                    todt abgieng und mit allein vätterlichen sonder auch andere mit rechtmessige
                    titl eroberte haab und gueter under sein ohn leibserben verließ, so erbten
                    dieselben adventitia bona die verzignen schwestern mit und neben denen brudern
                    nach lantsbrauch allein. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.9"> [Buch II Titel 30 § 9]<lb/> § 9 Die verzicht schliessen nit
                    allein die schwestern sonder auch derselben leibserben, sie sein gleich manns-
                    oder weibspersohnen, so lang der vätterlich manstamben im leben auß. </p>
        <p
            xml:id="NA.2.30.10"> [Buch II Titel 30 § 10]<lb/> § 10 Do ein hieiger lantmann
                    außer dises lants under der Ennß güeter und verzigen töchter hat, so erstrecken
                    sich ihre gegebne verzicht nit <pb n="Edition 2015 S. 224"/> allein auf die
                    hielendischen sonder auch auslendischen haab und gueter, ungeacht das solches in
                    verzichtbriefen nit vermeldt worden. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.11"> [Buch II Titel 30 § 11]<lb/> § 11 Wann der manstamben
                    gleichwohl im leben, aber der vätterlichen erbschaft aus rechtmessigen ursachen
                    nit fehig were, so stehen die verzigigen töchter straks zu der erbschaft ein. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.12"> [Buch II Titel 30 § 12]<lb/> § 12 Do ein lantman keinen
                    ehelichen sonder geehlichten und legitimirten söhne under sein verlies, so
                    würden dennoch die verzigen tochter von ihme außgeschlossen. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.13"> [Buch II Titel 30 § 13]<lb/> § 13 Die geschribnen rechten
                    vermögen gleichwohl, das die adoptierten und an Kintsstatt angenumben süne die
                    verzignen töchter und ihre erben ausschließen sollen. solches kunnen wir aber
                    von lantsbrauchs wegen nit billichen, dann damit wirdt dem lezten seines nambens
                    und stambens ursach gegeben ainen frembden an erb- und kintsstat anzunemben und
                    dardurch den weiblichen understamben des lantsbreuchigen widerfals zu berauben. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.14"> [Buch II Titel 30 § 14]<lb/> § 14 Wann des vattern
                    leibserben darauf die verzicht gestanden in sein des vattern leben abgeen, so
                    seint die verzicht dardurch gefallen auch todt und ab. </p>
        <p xml:id="NA.2.30.15"> [Buch II Titel 30 § 15]<lb/> § 15 Wann ainer auß dem
                    mannstamben so zehrlich und verthulich were, das er sich der vätterlichen
                    erbgüeter misprauchet und mit seiner verschwendung denen verzignen töchtern oder
                    ihren erben den widerfall abstricken möcht, so steet denen verzignen töchtern
                    bevor von demselben unordenlichem inhaber der verzignen gueter caution und
                    kunftige schatloßhaltung zu begeren, die were er ihnen, so viel uber seinen
                    gebürenden thail und legitima verhanden, zu leisten schuldig. [neues Blatt] </p>
        <p
            xml:id="NA.3"> [Buch III]<lb/> Das dridte buech etc. Von denen testamenten auch
                    andern schriftlichen und muntlichen lezten willen, desgleichen von der
                    succession ab intestato oder dem erbrecht ohn ein testament. <pb n="Edition 2015 S. 225"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.1">
        <head>[Buch III Titel 1]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=91">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der erst tittl. Was ein testamentlicher
                    letster willen sei. </p>
        <p xml:id="NA.3.1.1"> [Buch III Titel 1 § 1]<lb/> § 1 Ein testament ist nichts
                    anderst als ein freier ungezwungner entlicher und lezter will, darinnen der
                    testirer und geschaftinger gemeßne fursehung thuet, wie es mit seiner verlassung
                    nach seinem todt gehalten solle werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.1.2"> [Buch III Titel 1 § 2]<lb/> § 2 Und dieweil das testiren ein
                    hohes kleinott, auch furtreffenliche freihait und begunstigung des rechtens ist,
                    so solle dasselb niemants des testaments fehig gewerth noch gespert werden.
                    derwegen, welche persohn einen gesunden oder Kranken aufrichtung seines
                    vorhabenden lezten willens oder verenderung desselben von aignes nutz oder
                    succession wegen fursezlich und gefehrlich mit abschaffung der zeugen und in
                    ander weg hindert oder ihne mit gesuchten practiken so lang aufhelt, biß sein
                    vernunft und redt verfelt, dieselb persohn solle aller gesuchten practicierten
                    recht gerechtigkait und succession unfehig sein und derselben keineswegs
                    thailhaftig werden, sondern wo nit bluetsfreunt verhanden das verlaßen guet uns
                    als lantsfürsten haimbfallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.1.3"> [Buch III Titel 1 § 3]<lb/> § 3 Desgleichen mues ein ieder
                    lezter will aus freien guetern mueht herfließen derwegen sollen die testament,
                    welche mit zwang und trang erprest werden, uncreftig sein und den
                    gewaltthättigen nichts furtragen. </p>
        <p xml:id="NA.3.1.4"> [Buch III Titel 1 § 4]<lb/> § 4 Wann aber iemants mit
                    liebkosen oder durch andere freuntliche weg dienstbarkeit und wartung ein
                    persohn zu ainem letstem willen verursacht, soll derselb, wo nit gevär und böse
                    practicken mitlaufen, gultig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.2">
        <head>[Buch III Titel 2]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=93">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der ander tittl. Welche persohnen nit
                    testiren mögen. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.1"> [Buch III Titel 2 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die lezten willen
                    iedermann frei und zugelassen, so seint doch etliche sondere persohnen, welche
                    außbillichen und vernunftigen bedenken weder testirn noch andre lezte willen
                    aufrichten können. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.2.2"> [Buch III Titel 2 § 2]<lb/> § 2 Als erstlichen, welche persohn
                    zu ihren vogtbaren jharen nit komben, dieselb mag nit testirn die vogtbarkeit
                    aber wirdt in diesem fall dem lantsbrauch nach auf achtzehen jhar gestelt,
                    welcher jungling oder junkfraw nun seine achtzehen jhar volkomenlich und biß auf
                    den lezten tag erraicht, die seint alßdann ihrer gueter mit aufrichtung ihrer
                    lezten willen volmechtig do sich auch ein <pb n="Edition 2015 S. 226"/> persohn
                    vor ehebemelten achtzehen jharen in den ehestant rechtmessigerweise begeb, so
                    wirdt sie durch den ehestant nach lantsbrauch stracks vogtbar und
                    testamentsfehig, ungeacht das der beischlaf noch nit beschehen derhalben müegen
                    nit allein die würklichen chonleut sonder auch preutleut in stehundem preutstant
                    gegen ainander testament donationen camamortis oder andere lezte willen
                    aufrichten. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.3"> [Buch III Titel 2 § 3]<lb/> § 3 Zum andern, der seiner
                    vernunft vor oder in der krankhait beraubt worden und von seinem verstant
                    komben, der kan nit mehr testiren. do er aber zu zeit des testirens bei gueter
                    richtiger vernunft gewesen, ungeacht das er etwo zuvor von sinnen komben oder
                    derselben nach beschloßnem testament entsezet worden, so soll sein lezter will
                    dennoch bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.4"> [Buch III Titel 2 § 4]<lb/> § 4 Es wirdt auch hiebei kein
                    volkombne vernunft welche die schwachhait und betrangung des todts oftermals
                    verfinstert nit erfordert, sondern es solle zu erhaltung aines lezten willens
                    genuegsamb, wann der testator so viel bei seinen sinnen und witzen gewesen, das
                    er noch verstanden was er ordne thue und lasse. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.5"> [Buch III Titel 2 § 5]<lb/> § 5 Zum dritten, welche persohn
                    sprachloß worden und nit mehr vernemblich reden künnen, die sollen mit zaichnung
                    oder deutungen kein testament machen. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.6"> [Buch III Titel 2 § 6]<lb/> § 6 Wann auch dem testierer vor
                    beschliessung seines willens die recht verfallen, so kan die vorig unbeschloßen
                    ordnung und disposition nit bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.7"> [Buch III Titel 2 § 7]<lb/> § 7 Zum vierten, künnen die so von
                    natuer unsinnig oder tobsichtig seint nit testiren, wo aber ein unrichtiger
                    underweilen sein vernunft hett und dieselb gebrauchten thette, auch in diser
                    zeit seinen lezten willen aufrichtet und mit guetem verstant beschlueß, so solle
                    derselb, do er sonst nit manglhaft, bei seinen würden bleiben. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.8"> [Buch III Titel 2 § 8]<lb/> § 8 Zu funften, kunnen die
                    unwitzigen und gar einfeltigen nit testiren wann ein persohn aber dennoch so
                    viel verstants hette, das sie ihren haab und guetern vor sein kündt, soll ihr
                    die testamentsmachung nit verbotten sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.9"> [Buch III Titel 2 § 9]<lb/> § 9 Zum sechsten, verthainlichen
                    welchen die administration ihrer haab und gueter nidergelegt und verbotten
                    sollen auch nit testiren, do sie aber vor dem verbott ainen lezten willen
                    aufgerichtt, soll derselb creftig sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.10"> [Buch III Titel 2 § 10]<lb/> § 10 Zum sibenden, die zu
                    untüchtigen leuten erkent und gemacht worden, auch infamirte verleumbte
                    persohnen seint, mögen nit testiren. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.2.11"> [Buch III Titel 2 § 11]<lb/> § 11 Zum achten, alle persohnen
                    welche zum todt verurtailt worden künnen nach ergangnem urthail nit testiren,
                    vor dem sentenz aber stehet ihnen solches wie andern bevor, do aber das malefiz
                    wie in purgation- sachen also <pb n="Edition 2015 S. 227"/> beschaffen, das man
                    davon dingen möcht, ist dem verurteltem in hangender appellation zu testiren
                    unverwerth. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.12"> [Buch III Titel 2 § 12]<lb/> § 12 Zum neunten, mögen die
                    regulierten geistlichen persohnen und ordensleut nit testament aufrichten, es
                    hette dann ein solche persohn zuvor eheliche Kinder, so stunde ihr zwischen
                    denselben kindern thailung zuemachen bevor, die andern lei-prister, so nit
                    ergeben ordensleut sein, mögen wohl testiren. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.13"> [Buch III Titel 2 § 13]<lb/> § 13 Ein lezter des herrn- oder
                    ritterstants seines nahmens und stammens mag von denen guetern, so er erheurat
                    erobert oder gewunnen, wol testiren, was aber die stammengueter anlanget, so
                    viel ihme daraus fur seinen naturlichen erbfall und legitima gebüert, stehet
                    ihme gleichsfals das beschaffen bevor. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.14"> [Buch III Titel 2 § 14]<lb/> § 14 Was aber die verzignen haab
                    und guetern betrifft welche auf den widerfall stehen, die mag er in frembde hant
                    zu nachtail der understambigen verzignen erben nit vertestiren. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.15"> [Buch III Titel 2 § 15]<lb/> § 15 Wann ein suhn oder tochter
                    under ihres vattern gewaltsamb ist, so geben die Kaiserlichen rechten nit zu,
                    das solche kindern ihr haab und gueter ihres gefallens verschaffen mögen, aber
                    dem lantsbrauch nach ist ihnen, do sie anderst vogtbar, das testiren sowohl als
                    andern freien persohnen zugelassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.16"> [Buch III Titel 2 § 16]<lb/> § 16 Wann einer von dem erbfeint
                    in krieg gefangen wirdt und zuvor ein ordenlichs testament aufgericht hette, so
                    bestehet solches sein testament, er Kumb wider haimb oder sterbe bei den
                    freunden, ainen weg als den andern. </p>
        <p xml:id="NA.3.2.17"> [Buch III Titel 2 § 17]<lb/> § 17 Ob ainer in unvogtbaren
                    jharen seinen lezten willen gemacht und hernach die vogtbarkeit erraichen thett,
                    so kan dennoch solches testament nit creftig noch würklich sein, welches mit
                    denen andern obgehörten inpedimenten auch statt hatt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.3">
        <head>[Buch III Titel 3]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=100">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der dritt tittl. Von denen schriftlichen
                    testamenten der mannßpersohnen und in was fällen testamentarizeugen und sigler
                    von nötten auch wie viel. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.3.1"> [Buch III Titel 3 § 1]<lb/> § 1 Wann einer sein testament und
                    letsten willen von anfang biß zu end mit aigner hant schreibt und underschreibt,
                    also das kein frembde schrift danebens eingemischt, und solches testament mit
                    seinem aigen angebornen insigl oder petschaft verfertigt so wirdt daßelb dem
                    lantsbrauch nach fur zierlich und creftig <pb n="Edition 2015 S. 228"/> gehalten
                    und ist einiges zeuges frembdes sigill oder petschaft noch anderer zierligkait
                    darzu nit von nötten. </p>
        <p xml:id="NA.3.3.2"> [Buch III Titel 3 § 2]<lb/> § 2 Do ainer aber ein testament
                    mit aigner hant nit schreibt sonder dasselb ainen andern schreiben last, ob er
                    gleich solches geschaft mit aigner hant underschreibt und dasselb mit seinem
                    sigill oder petschaft verfertigt, so ist es doch nit zierlich noch creftig, es
                    sei dann sach das solches testament aufs wenig ist ain ainiger zeug mit seinem
                    insigl oder zwen zeugen mit ihren petschaften neben dem geschefting er
                    verfertigen. </p>
        <p xml:id="NA.3.3.3"> [Buch III Titel 3 § 3]<lb/> § 3 Hette aber der testirer kein
                    sigill noch petschaftring, soll er uber den vorigen zeugen noch einen andern an
                    seiner statt siglen oder zwen mit petschaften verfertigen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.3.4"> [Buch III Titel 3 § 4]<lb/> § 4 Im fall aber der gescheftinger
                    sein testament allein mit seiner hant underschreibt und dasselb weder mit seinem
                    sigill noch petschaft verfertigt, so ist von nötten das es mit zweien insiglen
                    oder aber mit vierer zeugen petschaften verfertigt werde. </p>
        <p xml:id="NA.3.3.5"> [Buch III Titel 3 § 5]<lb/> § 5 Welcher dann ein testament
                    selbst nit schreibt noch underschreibt auch daßelb mit seinem sigill oder
                    petschaft nit verfertigt, soverr solches testament craft haben solle, ist von
                    nötten das dasselb durch zwen erbetten zeugen mit ihren siglen oder aber vier
                    zeugen mit ihren petschaften verfertigt werde. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.4">
        <head>[Buch III Titel 4]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=103">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der viert tittl. Von schriftlichen
                    testamenten der weibspersohnen. Mitt der junkfrauen ehefrauen und witfrauen
                    testamenten und lezten willen soll es eben die gestalt haben, wie mit den
                    mannspersohnen in allen vier abgehörten underschietlichen artickeln geordnet
                    worden, doch das ein weibspersohn alzeit umb ein sigill oder zwei petschaften
                    mehrers dann ein mann habe. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.5">
        <head>[Buch III Titel 5]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=103">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der funft tittl. Von testamentari-zeugen
                    siglern oder fertigern der letsten willen. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.1"> [Buch III Titel 5 § 1]<lb/> § 1 Die testamentari-zeugen sollen
                    mann- und nit weibspersohnen sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.5.2"> [Buch III Titel 5 § 2]<lb/> § 2 Die eingesezten erben künnen
                    zu zeugen aines testaments darinnen sie instituiert nit gebraucht werden,
                    deßgleichen ihre vätter bruder noch andere persohnen so in ihrer gewaltsamb.
                    aber die legatarien und andere particular- <pb n="Edition 2015 S. 229"/>
                    gescheftsgenoßen mögen in dem testament darinnen ihnen was verlassen wohl zeugen
                    sein, es were dann das legat wichtig und groß alßdann kunnen sie dem lantsbrauch
                    nach nit sigler sein, desgleichen derselben befreunde. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.3"> [Buch III Titel 5 § 3]<lb/> § 3 Ain suhn kan seines vatters
                    testament zeug und fertiger nit sein, deßgleichen der vatter des sohns. zu
                    fertigung aber aines frembden testaments mögen sie neben einander, deßgleichen
                    merere befreundten und hausgenoßen gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.4"> [Buch III Titel 5 § 4]<lb/> § 4 Der ein testament stellet oder
                    schreibt der kann zu deßelben fertigung als ein testamentari-zeuch auch
                    gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.5"> [Buch III Titel 5 § 5]<lb/> § 5 Die vogtbaren persohnen mögen
                    zu testament-siglern gebraucht werden und solle die vogtbarkeit disfals mit
                    vollenden achtzehen jharen angehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.6"> [Buch III Titel 5 § 6]<lb/> § 6 Welche persohnen wie in anderm
                    titl vernomben nit testiren können, die sollen zu testamentarien-zeugen und
                    fertigern der letsten willen auch nit gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.7"> [Buch III Titel 5 § 7]<lb/> § 7 Deßgleichen welche persohnen
                    zu ainem gerichtlichen zeugen untüchtig und nit tüeglich, die solle zu fertigung
                    der letsten willen auch nit gebetten werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.8"> [Buch III Titel 5 § 8]<lb/> § 8 Ob ein zeug zu ainem
                    testamentari oder fertiger qualificiert oder teuglich, darumben solle die zeit
                    des gemachten testaments auch der beschehen fertigung und nit des gescheftingers
                    todt angesehen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.9"> [Buch III Titel 5 § 9]<lb/> § 9 Do ein testamentari und
                    fertiger bei aufrichtung des letsten willens nit sein oder biß zu den deßelben
                    beschlus beleiben wolt, soll er wider sein guete gelegenhait nit benöttigt noch
                    aufgehalten werden, sonsten were sein zeugnus nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.10"> [Buch III Titel 5 § 10]<lb/> § 10 Die machung und fertigung
                    der letsten willen mag sowohl bei nacht, wann es die unvermeitlich notturft
                    erfordert, als bei tag beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.11"> [Buch III Titel 5 § 11]<lb/> § 11 Do ein zeug mit seinem
                    aignem sigill oder petschaft in eil nit gefast, mag er in seinem nahmen mit
                    ainem fremden ring oder insigel fertigen, doch das solches keinem mitfertiger
                    sonder ainem andern wie lantsgebreuchig zugehör. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.12"> [Buch III Titel 5 § 12]<lb/> § 12 Do auch der
                    testamentari-zeug mit keinem petschaft noch sigill gefast sonder ainen andern
                    ring zu seiner aigen notturft und fertigung braucht, so mochte er aines andern
                    letzten willen damit auch wohl signiren und verfertigen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.5.13"> [Buch III Titel 5 § 13]<lb/> § 13 Dem lantsbrauch nach ist
                    kein notturft das sich die fertiger in testament mit nahmen und taufnahmen
                    aigner hant verzeichnen oder durch andere persohnen underschreiben laßen, dann
                    es an ihren petschaften und siglen nach alter <pb n="Edition 2015 S. 230"/>
                    herkombender gewohnhait genueg. do aber solche underschrift zum uberflues
                    beschech, soll sie unverwürflich sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.5.14"> [Buch III Titel 5 § 14]<lb/> § 14 Wann das testators
                    underschrift von nötten, ist eben im 3. und 4. Capitl [gemeint Titel]</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.6">
        <head>[Buch III Titel 6]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=108">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der sechst tittl. Waßmassen die fertigung
                    beschehen solle und zu was zeit. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.1"> [Buch III Titel 6 § 1]<lb/> § 1 Ferrer ist zu testamentlicher
                    zierligkait von nötten das die fertigung des testaments von den zeugen und
                    siglern unico contextn und under einsten zu verhüetung aller besorglichen
                    falschhait, welche ex intervallo ehers als in contineti practiciert ann werden,
                    beschehe. demnach wann sich die zeugensigler zu dem gescheftinger persöhnlich
                    verfuegen, sollen sie all an dem ort, do der testator gesunt oder krankh
                    gegenwertig ist, nach ordnung fertigen und Keiner daraus der fertigung haben
                    anderstwohin ainen abtritt thain. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.2"> [Buch III Titel 6 § 2]<lb/> § 2 Wann aber die testament nach
                    lantsbrauch art, auch petzettl in abwesen des gescheftingers durch die erbetnen
                    sigler gefertigt worden, so soll die fertigung soviel immer möglich auf ainen
                    tag beschehen und alle mit gevar gesuchte verlengerung vermiden bleiben. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.3"> [Buch III Titel 6 § 3]<lb/> § 3 Es solle aber, wann der
                    gescheftinger schriftlich testiert, die fertigung weder in ainem noch dem anderm
                    fall erst nach seinem ableiben beschehen, ungeacht das etwo derhalben
                    verfertigte petzetlen furkomben. dann weil des gescheftingers sigill oder
                    petschaft nach seinem todt verhanden und ohn oder wider seinen willen von neuem
                    gebraucht mug werden, künnen solche petzedl nit ohn sundern verdacht sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.4"> [Buch III Titel 6 § 4]<lb/> § 4 Es were dann sach das die ganz
                    petzettl des gescheftingers aigene hantschrift, oder das der gescheftinger nach
                    seinem beschloßnem des lezten willen, ehe und zuvor die fertigung beschech,
                    gähes ent machet und in beisein der fertiger in gott verschiedt, alßdann möchte
                    die fertigung, ehe zeugen von einander giengen, ungehindert des unversehenen
                    geschwinden totfals die hant genomben werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.6.5"> [Buch III Titel 6 § 5]<lb/> § 5 Dieses aber solle keinen mangl
                    bringen, wann das testament zu ainer zeit mit aigner oder frembder hant gestelt
                    und zu ainer andern gefertigt worden, allein das solche fertigung obgehörter
                    massen under ainsten beschehe. <pb n="Edition 2015 S. 231"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.6.6"> [Buch III Titel 6 § 6]<lb/> § 6 Es stehet auch in des
                    gescheftingers wülkühr seine testament offen oder verschlossen zu machen, auch
                    daßelb inwendig oder von außen fertigen zu lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.7"> [Buch III Titel 6 § 7]<lb/> § 7 Wann auch die fertigung nit
                    auf das testament selbst sondern das copert beschech, so solle sie dennoch
                    genuegsamb sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.6.8"> [Buch III Titel 6 § 8]<lb/> § 8 Die gescheftinger mag seinen
                    schriftlichen letsten willen die zeugs-sigler lesen laßen oder ihnen denselben
                    muntlich furhalten. do er aber die sigler deßselben inhalts nit erinnern wolt,
                    so wirdt dem lantsbrauch nach solchem letsten willen nichts benomben, allein das
                    der gescheftinger in seiner petzetl oder denen gegenwertigen zeugen mit aignem
                    munt bekenn, solche furgetragne schriften sei sein rechter entlicher will,
                    denselben bitte er zu fertigen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.7">
        <head>[Buch III Titel 7]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=112">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der sibent tittl. Wann die petzetlen stat
                    haben oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.3.7.1"> [Buch III Titel 7 § 1]<lb/> § 1 Wann einer ein schriftlichs
                    testament macht und dasselb mit seiner aignen hantschrift und petschaft
                    verfertigt, so ist ihme testirer nit von nötten die zeugen und nebenfertiger
                    personlich umb die fertigung zu erbitten oder ihnen das testament zum fertigen
                    selbst furzutragen, sonder er mag nach lantprauchs art solches testament, wie
                    ers mit seiner aignen hantschrift petschaft oder sigill verfertigt, es sei
                    gleich offen oder verschlossen, den zeugssiglern bei iemants anderm zu schicken
                    und sie durch signierte petzedlen anlangen solches testament neben ihme zu
                    verfertigen. </p>
        <p xml:id="NA.3.7.2"> [Buch III Titel 7 § 2]<lb/> § 2 Do aber ainer sein testament
                    selbst nit schreibt auch mit seinem sigill oder petschaft nit verfertigt, so ist
                    nit genueg das er solches testament mitsambt den petzedln denen testamentarien
                    und zeugs-siglern umb ihr fertigung bei ainer andern persohn zuschicket, sondern
                    er soll dieselben zeugen-sigler zu ihme persohnlich beruffen oder - wo er so
                    starkh - sich zu ihren persohnlich verfuegen, und das testament es sei offen
                    oder verschlossen-denselben furtragen, auch vor ihnen mit aignem munt erkennen,
                    daß solche verfast schriften so er ihnen zu fertigen furtregt sein testament und
                    lezter will sei, mit bitt zu zeugnus desselben ihre sigill oder petschaft darauf
                    zu trucken. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.7.3"> [Buch III Titel 7 § 3]<lb/> § 3 Das aber in disem lezten fall
                    ein testament denen siglern durch den gescheftinger selbst persöhnlich
                    furgetragen werden muessen, geschicht zu verhüetung aller besorglichen falsch
                    und untrew. dann wo ein solches testament, so durch den gescheftinger selbst nit
                    verfertigt, von einem gesanten denen <pb n="Edition 2015 S. 232"/> siglern zum
                    fertigen zugetragen wirdt, möchte etwa der gesant, do er untrenlich handlen und
                    sich aignes falsch gebrauchen wolte, das testament zuvor verendern und dasselb
                    also verendert neben denen petzedln denen siglern furbringen, auch dardurch
                    ainen falschen willen aufrichten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.8">
        <head>[Buch III Titel 8]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=114">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der acht tittl. Von der institution und
                    erbseinsezung. </p>
        <p xml:id="NA.3.8.1"> [Buch III Titel 8 § 1]<lb/> § 1 Zu solenniteten und
                    zierligkaiten aines ordenlichen testaments sein nit allein die zeugen obgehörter
                    massen sondern auch dieses von nötten, das ein testament die institution und
                    einsetzung eines erben hab. dann solche institution ist das fundament und
                    principalstuckh des ganzen testamentlichen inhalts also und dergestalt, wann
                    dieselb von rechts wegen nit bestehen Kan, so erligen die andern verordnungen
                    alle miteinander. </p>
        <p xml:id="NA.3.8.2"> [Buch III Titel 8 § 2]<lb/> § 2 Solche institution aber
                    geschicht dem lantsbrauch nach auf zweierlei weise: erstlichen nominatim und mit
                    gemesnen ausgedenkten worten, also ,,ich seze und ordne n. oder n. zu meinem
                    erben", oder ,,n. und n. solle mein instituirter erb sein", oder mit andern
                    gleichmessigen worten welche die erbliche succession auf ihnen tragen. dann weil
                    die letzten willen hochbefreiet, soll man dißfals an gewisse wort oder
                    unverkerlichen formb nit gebunden sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.8.3"> [Buch III Titel 8 § 3]<lb/> § 3 Es geschicht auch dise
                    institution dem lantsbrauch nach auf solche mainung, das der gescheftinger seine
                    legat und geschaft particulariter ausfuhrt und sich nachmals aines
                    general-clausels gebraucht, also, ,,was uber solches mein gescheft verbleibt, es
                    sei ligent oder vahrent wie das namben haben mag nindert noch nichts
                    ausgenomben, das alles verschaff ordne und lasse ich n. oder n." und obgleich
                    darbei nit angehengt wirdt, ,,als meinen ins instituirten erben" oder
                    dergleichen, so wirdt doch solches haubtgescheft dem lantsbrauch nach fur ein
                    erbseinsezung gehalten, sonderlich weil der testirer solchen haubtgeschaftman
                    gemeinlich die abzahlung der schulden oder ausrichtung seines lezten willens
                    auflegt, welche beede stuckh denen erben und nit gemeinen legatarien gebüeren.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.9">
        <head>[Buch III Titel 9]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=117">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der neünt tittl. Ob ainer mehr als ein
                    testament aufrichten möge. <pb n="Edition 2015 S. 233"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.9.1"> [Buch III Titel 9 § 1]<lb/> § 1 Es ist einem gescheftinger
                    unwerth seinen lezten willen in zwo oder mehr gleichlautende abschriften
                    verfassen und dieselben all ordenlich verfertigen zu laßen, sonderlich damit
                    aines an dem, das ander an ainem andern ort zu verhüettüng kunftiges verlusts
                    hinderlegt mag werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.9.2"> [Buch III Titel 9 § 2]<lb/> § 2 Aber zwei oder mehr bestandige
                    testament, welche aines underschidlichen inhalts, an niemants aufrichten, dann
                    das junger, so es anderst zierlich und rechtmessig, pricht alle zeit das elter. </p>
        <p xml:id="NA.3.9.3"> [Buch III Titel 9 § 3]<lb/> § 3 Doch stehet iedem bevor ainen
                    additionallezten willen, welcher kein erbeinsezung sonder nur gemeine gescheft
                    begreifet, nach seinem testament zu machen, welcher will ein codicil genant
                    wirdt und neben dem testament bestehen Kan. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.10">
        <head>[Buch III Titel 10]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=119">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der zehent tittl. Von denen muntlichen
                    geschäften nuncupativischen testamenten. </p>
        <p xml:id="NA.3.10.1"> [Buch III Titel 10 § 1]<lb/> § 1 Die wortlichen und
                    müntlichen geschäft, testamenta nuncupativa genant, mögen dem lantsbrauch nach
                    volgender gestalt beschehen: nemblichen das der geschaftinger funf angeseßne
                    erbare männer zu sich beruffe und denselben reinen lezten willen lauter und
                    klerlich mit aignem munt anzeige mitt bitt, das sie solches seines lezten
                    willens ingedenkh und zeugen sein, auch darumben vor der ordentlichen obrigkait
                    zu gebürlicher zeit aussagen wollen wie recht ist. </p>
        <p xml:id="NA.3.10.2"> [Buch III Titel 10 § 2]<lb/> § 2 Dieselben zeugen sollen nach
                    ableiben des testirers und gescheftingers seinen lezten willen unsern ober- oder
                    underlantmarschalch muntlichen furtragen, der solle ihr aussag ordenlich
                    beschreiben und ihnen dieselb widerumb von wort zu wort furlesen, ihnen auch
                    darauf zu gott ainen ait furhalten lassen, das ihr gethane sag, wie solche aus
                    ihrem munt beschriben und ihnen widerumb verlesen, des gescheftingers letster
                    will und meinung gewesen, das sie auch von ihme desselben willens zeugen zu sein
                    erbetten worden. solche aussag soll alßdann in das testamentbuch einverleibt und
                    denen interessierten tailen auf ihr begehren davon glaubwürdige abschriften
                    mitgethailt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.11">
        <head>[Buch III Titel 11]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=121">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der aindlift tittl. Von denen lezten willen
                    so auf dem lant durch gemeine leut aufgericht werden. <pb n="Edition 2015 S. 234"/> An denen orten, da die schreiberei nit fast
                    gebreuchich und die leut ihrer veltund anderer arbeit warten und obliegen,
                    sollen die lezten willen nach altem gemeinem gebrauch der inwohner eines ieden
                    orts aufgericht werden. da aber kein gewissen brauch daselbst verhanden, mögen
                    die inwohner in beisein des pfarherrs und zweier zeugen schriftlich oder
                    muntlich testirn und ihr lezter will hernach ahn orten es sich gebüert
                    schriftlich furgetragen oder darumben müntlichen wie recht ist gesagt werden.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.12">
        <head>[Buch III Titel 12]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=122">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 12 tittl.* Von testamenten der
                    Kriegsmänner und reitersleut. </p>
        <p xml:id="NA.3.12.1"> [Buch III Titel 12 § 1]<lb/> § 1 Da ein reiter oder krigsmann
                    zu frit- oder krigszeiten anheimbs oder ausser der expedition und veltläger
                    ainen lezten willen aufrichten will, mues er denselben ebner gestalt wie es
                    anders stants persohnen gebüert und oben mit vier underschidlichen artickeln
                    ausgefuhrt worden machen. </p>
        <p xml:id="NA.3.12.2"> [Buch III Titel 12 § 2]<lb/> § 2 Da er aber in dem läger
                    testiert, sollen aufs wenigist zwen zeugen darzu beruffen werden. wer er dann in
                    einem sturmb scharmizel oder schlacht und die gefahr leibs und lebens vor augen
                    hett, auch in eil sein vermögen verschaffen wolt, mag er sein mainung aufs
                    wenigist ainer persohn endtecken, und so derselb ainig zeug davonkombt und
                    darumb wie recht ist außagt, soll das umbkombenen Krigsmans lezter anbevolner
                    will fur ein genugsambs geschaft halten und richtig exequirt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.13">
        <head>[Buch III Titel 13]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=123">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 13 tittl. Von testamenten so in
                    sterbenden leuften gestelt werden. In sterbsleuften und sonderlich wann sichtige
                    krankheiten, als hungerische fiber oder die schreklich sucht der pestis regiren,
                    seint die zeugen und fertiger hart zu bekomben. derwegen wo ein solche persohn
                    seinen lezten willen mit aigner hant nit schreiben noch underschreiben kunt
                    sonder in beisein der zeugen testiren wolt, so seint zwen fertiger mit siglen
                    oder petschaften genueg und soll solcher testirter willen, da er sonsten dem
                    rechten und lantsbrauch gemeß, der fertigung halben zierlich sein. da aber einer
                    mit gemelten gefehrlichen süchten nit behafft sonder allein an dem ort da
                    dieselben umbgehen * Wechsel auf Ziffern-Numerierung im Original: vgl. I/15 und
                    II/12. <pb n="Edition 2015 S. 235"/> wohnhaft were, auch in bedenkung
                    vorstehender tötlicher gefährligkait testiren wolt, solle er aufs wenigist drei
                    zeugen zu aufrichtung solches seines lezten willens erbitten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.14">
        <head>[Buch III Titel 14]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=124">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 14. tittl. Von testamenten so vatter
                    und mutter, anherr und anfrauen zwischen ihren Kindern und einkeln machen. </p>
        <p xml:id="NA.3.14.1"> [Buch III Titel 14 § 1]<lb/> § 1 Wann die eltern als vatter
                    oder mutter zwischen ihren kindern allein testiren und ihren lezten willen mit
                    aigner hant nit schreiben noch underschreiben wolten, mögen sie solchen ihren
                    lezten willen in beisein zweier zeugen aufrichten. also auch die anherrn und
                    anfrauen. </p>
        <p xml:id="NA.3.14.2"> [Buch III Titel 14 § 2]<lb/> § 2 Da sie aber andere gescheft
                    darnebenot thain wolten, sollen sie soviel zeugen und fertiger gebrauchen, als
                    oben bei der ordentlichen testamenter zierligkaiten im dritten tittl vermelt
                    worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.14.3"> [Buch III Titel 14 § 3]<lb/> § 3 Und im fall weniger sigill
                    oder petschaft als daselbst verordnet verhanden, so bestehet solcher willen, so
                    viel die kinder oder einikel belanget, aus befreiung des rechtens einen weg als
                    den andern. die eingemischten nebengescheft aber fallen zu boden und stehen
                    denen eingesezten leibserben haimb. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.15">
        <head>[Buch III Titel 15]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=126">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 15. tittl. Von der chonpersohnen und
                    eheleut testament und lezten willen </p>
        <p xml:id="NA.3.15.1"> [Buch III Titel 15 § 1]<lb/> § 1 Die chonpersohnen und
                    eheleut mögen ihrer baider underschidliche lezte willen in ein einiges testament
                    einleiben und verfassen laßen, und ist disfals nit von nötten, das der mann
                    besonder, dergleichen das weib andere underschidliche zeugen und fertig er hab.
                    dann weil die testamentisch disposition in einem ainigen libell von beden
                    thailen beschicht, ist genueg das sie beede einicherlei zeugen und sigler
                    erbitten und gebrauchen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.2"> [Buch III Titel 15 § 2]<lb/> § 2 Die chonpersohnen mögen an
                    einander instituiren und eines das ander zu seinem erben einsetzen, doch daz
                    denen leibserben ihr legitima und naturliche erbgebürnus verlaßen werde. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.15.3"> [Buch III Titel 15 § 3]<lb/> § 3 Wann ein chonpersohn die
                    ander bei gesundem leib oder in wehrender schwachheit mit liebkosenten worten
                    oder anderer chonlichen kultschaft undergehet, auch zu einem ersprislichem
                    testament locket und beredt, so ist <pb n="Edition 2015 S. 236"/> solche erbetne
                    verordnung fur keinen erpactierten lezten willen zu halten, sonder solle von
                    rechts und lantsbrauch wegen, so sie sonsten ordenlich und zierlich beschehen,
                    bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.4"> [Buch III Titel 15 § 4]<lb/> § 4 Da aber eines das ander mit
                    gewalt schlegen gefenknus oder dergleichen ungebüer zu einem lezten willen
                    benöttigt, so solle derselb will nitt creftig noch würklich sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.5"> [Buch III Titel 15 § 5]<lb/> § 5 Deßgleichen wann ein
                    chonpersohn der andern des testirens halben ausser schleg und ubelthattens fur
                    und fur in ohren liegt, auch mit stätten embsigem anhalten und molestirn ein
                    furtregliches testament herausprest, so solle daßelb fur nichtig gehalten
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.6"> [Buch III Titel 15 § 6]<lb/> § 6 Das testiren mag kein
                    chonpersohn der andern wehren noch sperren, ungeacht daz etwa ein heuratsabredt
                    oder ordentlicher heuratsbrif zuvor verhanden, dann es mag ein oder der ander
                    tail darauß schreiten und dieselb berednus in einen letsten willen verkehren,
                    doch volgender gestalt und nit anderst, nemblichen wann der ehman in seinen
                    testamentlichen willen sein ehefrauen mit etwo anderm als er ihr in der
                    heuratsabredt vermacht bedenkt und beteuert und den heuratsbrief in seinem
                    lezten willen mit außgetrukten worten nit cassiert noch aufhebt, so bestehet
                    solche ordnung, ungeacht das sie ohn der ehefrauen vorwissen und willen
                    beschehen, es mag sich auch die witfraw deß testaments sowohl als ihres
                    heuratsvermachts halben, und eines neben dem andern bekomben. do sie aber bei
                    einem oder dem andern bedenken hette, mag sie sich aintweder ihres habenden
                    heuratsvermachts oder des lezten willen guetwillig begeben, darinnen auch ihr
                    und nit denen eingesezten erben die wahl bevorstehen solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.7"> [Buch III Titel 15 § 7]<lb/> § 7 Wann aber der ehman in
                    abgehörtem fall den heuratbrief mit lautern worten ohn seiner ehefrauen willen
                    und wissen aufhebt und tötet, so ist sie nit verbunden bei dem testamentlichen
                    geschäft zu verbleiben, sondern do ihr gemeinter sein will mag sie sich ihres
                    heuratsvermachts ungehindert der widerwertigen testamentlichen disposition
                    halten, dann was in der heuratsabredt mit beeder chonleut wilkühr beschlossen,
                    das kann der eheman allein in seinem testament nit widerruffen noch prechen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.15.8"> [Buch III Titel 15 § 8]<lb/> § 8 Do dann der ehemann seiner
                    ehefrauen in seinem testament weniger als ihr heuratliches vermacht in sich helt
                    neben cassierung des heuratsvermachts verlest und die ehefraw in solches
                    nachtailiges gescheft mit freiem ungezwungenem gemüht verwilligt, so soll sie
                    ihrem consens hernach nit zuwiderhandlen noch zu <pb n="Edition 2015 S. 237"/>
                    dem heuratbrief greifen, sonder ist die testamentlich bewilligt disposition
                    anzunehmen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.9"> [Buch III Titel 15 § 9]<lb/> § 9 Do sie aber in diesem fall
                    der testamentlichen ordnung kein wissen gehabt oder in dieselb aus zwungener und
                    trungener noth oder metu reverentiali, damit sie ihren ehemann in seiner
                    schwachhait nit erzürnet noch betruebt, verwilligt hette, mag sie von dem
                    schädlichen testament stehen und sich ihres heurathsvermachts halten </p>
        <p xml:id="NA.3.15.10"> [Buch III Titel 15 § 10]<lb/> § 10 Wann das testamentlich
                    geschäft dem heurathsvermachts gleich ist und nit weniger noch mehrers begriffen
                    thuet, so bestehet des ehemans letster will, ungeacht das die wittib desselben
                    Kein wissen gehabt noch darrin bewilliget sie solle aber disfals die election
                    und wahl, ob sie sich des heuratsbriefs oder des geschäfts betragen wolle,
                    haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.11"> [Buch III Titel 15 § 11]<lb/> § 11 Welche drei
                    underschiedliche articl auf den gegenfall, nemblichen wann der eheman sein
                    ehefrauen uberlebt und die ehefrau ainen lezten willen aufricht, auch verstanden
                    werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.12"> [Buch III Titel 15 § 12]<lb/> § 12 Wann sich ein ehefrau
                    ihres heuratsvermachts begeb und sich ihres hauswirts testaments betragen thet,
                    daßelbe aber disputierlich were und hernach zur uncreften erkennt wurdt, so mag
                    sie einen weg als den andern widerumb zu ihren heuratsvermacht tretten und soll
                    ihr die vorige wahl nit praejudicirn. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.13"> [Buch III Titel 15 § 13]<lb/> § 13 Do sie auch mit der wahl
                    aus einfalt oder geverlicher berednus ihres hauswirts verlaßner erben irrett und
                    ihr mit der election zu schaden handlet, auch under funfundzwainzig jharen were,
                    soll ihr umb restitution bei uns als herrn und lantsfursten anzulangen
                    bevorstehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.14"> [Buch III Titel 15 § 14]<lb/> § 14 Welche wittib zu ihres
                    abgestorbnen hauswirts testament greifft und sich daneben ihres habenden
                    heuratsvermecht begibt, die ist schuldig in allen artickeln das testament
                    anzunehmen, dann do sie sich eines oder mehrern betragen, die andern aber nit
                    halten wolt, solle solche zertrennung nit stat haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.15"> [Buch III Titel 15 § 15]<lb/> § 15 Wann die heuratsabrede
                    dahingestelt, das alles was in werendem ehestant erobert wirdt baider chonleut
                    mit einander sein solle, so kan kein thail solche eroberte haab und gueter ohn
                    des andern thail wissen und zugeben in frembde hent verschaffen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.15.16"> [Buch III Titel 15 § 16]<lb/> § 16 Was ein tail dem andern
                    in wehrendem preutstant oder zu hochzeitlichen ehren geschenkt, das kann und
                    soll in frembde hent nit verschafft werden, es were dann sach das die
                    uberlebende persohn ihren gueten willen darzu geb. <pb n="Edition 2015 S. 238"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.15.17"> [Buch III Titel 15 § 17]<lb/> § 17 Deßgleichen soll kain
                    eheman seiner hausfrauen klaider kleinotter und frauenzierd, so ihr aigen oder
                    ihr durch den eheman geschenkt worden, ohn ihr wissen und zugeben andern
                    verschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.18"> [Buch III Titel 15 § 18]<lb/> § 18. Es ist kein ehemann
                    verbunden, das er sein ehefraw denen kinder so sie mit einander erzeugt zu einer
                    gerhabin verordne, sondern da es ihme gemeinet mag er darzu in seinem testament
                    einen andern erkiesen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.19"> [Buch III Titel 15 § 19]<lb/> § 19. Ein lehensman soll die
                    fruchtgeniessung seiner habenden lehengueter seiner ehefrauen ohn vorwissen und
                    consens des lehensherrn nit verschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.15.20"> [Buch III Titel 15 § 20]<lb/> § 20. Wann der ehman seiner
                    hausfrauen die fruchtgeniessung aller oder etlicher haab und gueter verschafft,
                    so ist sie dieselben nach ihres ehemans todt ordenlich inventiren zu lassen
                    schuldig, und soverr ihr eheman schulden under sein verlassen, sollen dieselben
                    von denen haubtguetern genomben und abgericht, auch das ubrig wie recht und
                    gebreuchig behalten genuzt und genossen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.16">
        <head>[Buch III Titel 16]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=135">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 16. tittl. Welchen persohnen in ainem
                    testament oder lezten willen geschafft werden mag. </p>
        <p xml:id="NA.3.16.1"> [Buch III Titel 16 § 1]<lb/> § 1 Es sein ordinariae alle
                    männer und weiber der lezten willen </p>
        <p xml:id="NA.fähig"> [fähig]<lb/> allein etliche wenig persohnen außgenomben: </p>
        <p xml:id="NA.3.16.2"> [Buch III Titel 16 § 2]<lb/> § 2 Erstlich, soll ein
                    natürlicher vatter sein vermaintes unehelichs kint in seinem testament weder mit
                    einer erblichen portion noch andern geschäft bedenken, welches doch in etlichen
                    besondern fällen zugelassen wirdt: nemblichen wann der vatter solche uneheliche
                    kinder vor seinem todt durch lantsfürstliche begnadung zu dem erbrecht und
                    succession austrukenlichen ehelichen und legitimiren lest. item wann er den
                    ungeehlichten kindern ein heuratguet oder gebürliche underhaltung welche nit
                    ubermessig were verschafft item, so mag ein mutter ihr unehelichs kint in ihrem
                    testament bedenken, dann die unehelichen kinder mügen ihrer mütter ab intestato
                    erben, sein auch der mutterlichen gueter ex testamento erbfehig, es were dann
                    die mutter illustris persona und eines furstmessigen herkombens. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.16.3"> [Buch III Titel 16 § 3]<lb/> § 3 Zum andern, die kinder
                    welche aus verbotnen strafmessigen heurathen, als von blutsfreunden oder
                    geschwägerten innerhalb des virten grads geboren werden, seint nicht
                    testamentsfehig. es sollen ihnen auch ihre eltern kein heuratgueth noch
                    underhaltung verschaffen. <pb n="Edition 2015 S. 239"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.16.4"> [Buch III Titel 16 § 4]<lb/> § 4 Furs dritt, soll keiner so
                    des lants verwisen worden in einem lezten willen bedacht werden. (fol 225v) </p>
        <p xml:id="NA.3.16.5"> [Buch III Titel 16 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten, ein diener,
                    welchen sich mit seiner frauen in unehren vergeßen, solle aller testamentlichen
                    geschäft unthailhaftig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.17">
        <head>[Buch III Titel 17]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=137">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 17. titl. Welche haab und gueter
                    verschafft mögen werden oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.1"> [Buch III Titel 17 § 1]<lb/> § 1 Es solle kainer frembde,
                    sonder seine aigne haab und gueter verschaffen. deswegen do ein gescheftinger
                    ain frembdes guet fur sein aignes aus irrigen wahn vertestirt, soll dasselbe
                    gescheft nichtig sein. do ers aber wißlich und fursezlich beschaffet, so ist der
                    eingesezt erb oder ausrichter des testaments schuldig dasselb dem eigenthumber
                    abzuhandlen und dem geschäftmann einzureumen und do die ablösung bei dem
                    aigenthumber nit statt hette, solle der erb oder executor dem gescheftman
                    desselben frembden verschaften haab und guetes werth darfur ervolgen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.2"> [Buch III Titel 17 § 2]<lb/> § 2 Die geistlichen gueter und
                    was denselben zugehörig und anhengig künnen ohn unserm als herrn und
                    lantsfurstens consens nit verschafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.3"> [Buch III Titel 17 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen soll kein
                    lehenguet ohn unserm besondern consens und erlaubnus vertestiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.4"> [Buch III Titel 17 § 4]<lb/> § 4 Die haab und gueter, welche
                    der inhaber sein lebenlang zu nuzen und zu gebrauchen, soll niemants
                    verschaffen, dann solche fruchtgeniessung endet sich mit des inhabers
                    totsfällen. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.5"> [Buch III Titel 17 § 5]<lb/> § 5 Die leibgedingsgueter,
                    welche nit erblich sonder auf gewisse leib oder jhar verlaßen werden, solle kein
                    inhaber verschaffen, dann derselben gueter aigenthumb ainem anderm zugehörig. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.6"> [Buch III Titel 17 § 6]<lb/> § 6 Also soll auch keiner sein
                    leibgedingsgerechtigkait welche nur auf lebenlang stehet verschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.17.7"> [Buch III Titel 17 § 7]<lb/> § 7 Do aber das leibgeding nit
                    auf persohnen sondern etliche jhar gestelt, und der geniesser vor ausgang
                    derselben mitt todt abgieng, mag er sein gerechtigkait nemb er wiel biß zu
                    außgang der bedingten jhar wohl vertestiren. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.18">
        <head>[Buch III Titel 18]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=140">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 18. tittl. Von denen testamenten welche
                    wider schuldige trew und gebuer aufgericht werden. <pb n="Edition 2015 S. 240"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.18.1"> [Buch III Titel 18 § 1]<lb/> § 1 So ist ein ieder ehelicher
                    vatter von natur und rechtswegen schuldig seinen leibserben und kindern wo nit
                    mehrers doch auf wenigist den naturlichen pflichtigen erbtail, legitima genant,
                    von allem seinem haab und gueth in seinem testament zu verlaßen. doch werden bei
                    dem adl die verzigen töchter ausgenomben, dann weil sie das heuratguet, welches
                    der legitima verglichen wirdt, von ihren vättern in derselben leben würklich
                    empfangen, seind die vetter ihnen ferrer was zu verschaffen nit verbunden, sie
                    wöllens dann aus freiem guetem willen thuen. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.2"> [Buch III Titel 18 § 2]<lb/> § 2 Desgleichen seint die mutter
                    ihren leibserben und kindern von den mutterlichen haab und guetern ihr naturlich
                    erbgebürnus zu verlaßen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.3"> [Buch III Titel 18 § 3]<lb/> § 3 Wann die eltern mit sühnen
                    nit versehen sonder einickel oder vorenickel im leben haben, so sein sie
                    dieselben mit der schuldigen legitima sowohl als sühne zu betreuen schuldig. und
                    in summa alle leibserben in absteigender lini sollen fur noterben gehalten und
                    mit der legitima bedacht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.4"> [Buch III Titel 18 § 4]<lb/> § 4 Und wiewohl die geschribnen
                    rechten vermögen, das die kinder und leibserben absteigender lini ihre eltern
                    und uhreltern da sie vor ihnen mit todt abgingen mit gleichmeßiger legitima zu
                    begaben schuldig, iedoch weil dem uberaltem lantsbrauch nach in Östereich under
                    der Ennß die erbschaften nit hinder sich fallen noch die eltern in aufsteigender
                    lini notterben seint, so sollen der lantbreuchigen altherkombenden gewohnhait
                    nach die leibserben ungezwungen sein dem oberstämigen etwas in ihrem testament
                    zu verlaßen , sie wollen dann solches auß guetwilligkait und gern thain. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.5"> [Buch III Titel 18 § 5]<lb/> § 5 Wan ein bruder oder
                    schwester mit todt abgehet und seinen nebengeschwistrigeten nichts verlest, so
                    kunnen sie das testament nit anfechten, dann die geschwistriget sein dem
                    lantsbrauch nach under dem herrn- und ritterstant nit notterben. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.6"> [Buch III Titel 18 § 6]<lb/> § 6 Under der burgerschaft aber
                    wirdt ihnen fur die legitima funf gulden sechzig pfennig gelaßen, daran sollen
                    sie ersettigt sein. es were dann sach das in des verstorbnen geschwistriget
                    testament ein untüchtige verleimbte und infamirte persohn zum erben eingesezt
                    und entgegen die ehelichen geschwistriget umbgangen worden, alßdann möchte
                    solches testament angefochten, auch mit billigkait querelirt und umbgestossen
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.18.7"> [Buch III Titel 18 § 7]<lb/> § 7 Die ferrern collateral- und
                    beseitsfreimt seint nit notterben, man ist ihnen auch ainige legitimam zu
                    verlaßen nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.18.8"> [Buch III Titel 18 § 8]<lb/> § 8 Es sollen aber die eltern
                    ihren leibserben ihr naturlich erbgebürnus und legitimam sowohl in einem
                    wortlichen als schriftlichen testament verschaffen. <pb n="Edition 2015 S. 241"/> dergleichen soll die legitima allen lebendigen leibserben testirt werden.
                    dann obgleich etliche kinder bedacht, aber etliche und wo nur eins auß ihnen
                    umbgangen worden, so kann das testament durch und durch nit bestehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.19">
        <head>[Buch III Titel 19]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=144">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 19. tittl. Von der legitima oder
                    naturlichn erbgeburnus und derselben aigenschaft. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.1"> [Buch III Titel 19 § 1]<lb/> § 1 Wann die eltern absterben
                    und eins zwei drei oder vier kinder hinder ihnen verlaßen, so gebüret solchen
                    kindern fur ihren naturlichen erbtail, legitima genant, der dritte thail aus
                    allen der eltern ligenden und varenden haab und guetern. wann aber der der
                    kinder mehr als viere weren, so ist ihr geburende legitima halber tail der
                    ganzen verlassenschaft. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.2"> [Buch III Titel 19 § 2]<lb/> § 2 Solche naturliche
                    erbgeburnus seint die eltern ihren leibserben aus ihren habenden haubtguetern
                    sie (fol 228.) sein gleich ligent oder varent zu verlaßen schuldig. dann do
                    etlichen kindern die gueter, denen andern aber gelt fur ihr legitima verschafft
                    wurdt, seint die kinder welchen das gelt verordnet daßelb wider ihr gelegenhait
                    anzunemben nit verbunden, sondern es soll ein iedes Kint seinen thail an guetern
                    sowohl als der parschaft pro rata bekomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.3"> [Buch III Titel 19 § 3]<lb/> § 3 Do auch ein vatter in seinem
                    lezten willen verordnung thet, das die haubtgueter etlichen kindern allein
                    verbleiben und ihr miterben mit gelt hindanlösen sollen, so seind dieselben
                    miterben der ablösung wider ihren gutten willen (so weit sich ihr legitima
                    erstrekt) stat zu thain nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.4"> [Buch III Titel 19 § 4]<lb/> § 4 Do man auch die kinder ihres
                    geburenden und naturlichen erbtails halben nit mit denen verlasnen haubtguetern
                    sonder denen verhandenen abgenomben fruchten contentiren und abfertigen wolt,
                    seint sie dieselben fur ihren legitimam anzunemben nit verbunden. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.5"> [Buch III Titel 19 § 5]<lb/> § 5 Obwohl die legitima den
                    leibserben von denen haubtguetern gereicht werden solle, so hatt doch solches
                    den verstant nit, das man von allen geringisten haab und guetern den dritten
                    thail oder halben thail herdanziehen, sie auch particulariter von allen stucken
                    ihres geburenden thails abfertigen solle, sonder die legitima solle auch denen
                    fur nembsten sorten der haab und gueter, nit von ainem ieden stuckh derselben
                    ausgezaigt und abgericht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.19.6"> [Buch III Titel 19 § 6]<lb/> § 6 Die legitima solle denen
                    kindern vor austailung aller legaten und gescheft zugestelt werden. <pb n="Edition 2015 S. 242"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.19.7"> [Buch III Titel 19 § 7]<lb/> § 7 Und obleich dieselben
                    gescheft ad pias causas und umb gottes willen beschehen, so ist doch die
                    naturlich legitima so hoch befreiet, das sie solchen begünstigten geschäften
                    vorzeucht do auch der testator nit soviel in seiner substanz verlassen davon
                    solche heilsambe legat aufgerichtt werden kunten, so solle doch dardurch denen
                    kindern an ihrer naturlichen erblichen portion und legitima nichts entgehen noch
                    davon zu ausrichtung solcher legata ad pias causas etwas abgeschlagen oder
                    defalciert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.8"> [Buch III Titel 19 § 8]<lb/> § 8 Die wislichen und
                    beweislichen schulden aber sambt dem was auf des gescheftingers conduct und
                    begrebnus gangen soll man zuvor entrichten. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.9"> [Buch III Titel 19 § 9]<lb/> § 9 Die naturlichen erbgebürnus
                    und legitima soll denen kindern ohn alle beschwerung verlaßen werden. do nun das
                    aigenthumb ainem kint, deßelben nuzbarkeit aber ein zeitlang einem andern durch
                    den vattern verschafft wirdt, kunt solche beschwer welche der legitima der zeit
                    halben obligt nit bestehen, sonder soll als ein beschwerlicher anhang allerdings
                    fur todt und abgehalten werden. doch wann ein vatter die fruchtniessung seiner
                    hausfrauen biß auf der kinder vogtbarkeit verschief, so kunnen sich deßen die
                    kinder dem lantsbrauch nach nit beschweren, sonderlich weil der mutter darnebens
                    anferlegt worden die kinder biß auf ihr vogtbare jhar ohn abschlag ihrs
                    vätterlichen guets zu erzaihen wann aber die fruchtgeniessung uber der kinder
                    vogtbarkeit der ehefrauen ihr lebenlang verschaft wirdt, so hett dieselb
                    geniessung nach erreichter vogtbarkeit nit craft, sonder stehet denen kindern
                    ungeacht der vätterlichen verordnung haimb. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.10"> [Buch III Titel 19 § 10]<lb/> § 10 Also hat kein vatter
                    recht noch fueg seinem kint soweit sich sein legitima erstreckt einen aftererben
                    oder substituten uber seine vogtbar jhar zu setzen, nemblichen wann der sühne
                    nach seiner erraichten vogtbarkeit es sei gleich uber kurz oder lang mit todt
                    abgehen würdt, alßdann n. oder n. sein erb sein solle dann die substitution ist
                    ein bürd welche dem vogtbaren kint hochbeschwerlich, angesehen das es nach
                    erreichten vogtbaren jharen selbst testiren, ihme auch einen erben ön des
                    vatters maßgebung erwehlen kan. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.19.11"> [Buch III Titel 19 § 11]<lb/> § 11 Wann aber solche
                    substitution allein dahingestelt, wo das khint in seinem unvolkombenem alter und
                    ehe es testamentsfehig mit todt abgieng, so solle diser vätterlich wohlmainent
                    will bestehen und in summa so gebuert denen eltern durchauß nit in einem oder
                    dem andern fall uber die legitima derlei verordnung zu thain, dardurch die
                    kinder mit ihrer abfertigung gehindert aufgehalten gespört oder in die harr
                    gezogen werden, denn die legitima wirdt denen kindern zu ihrer naturlichen
                    underhaltung gelassen, welche keinen verzueg leidet. <pb n="Edition 2015 S. 243"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.19.12"> [Buch III Titel 19 § 12]<lb/> § 12 Wann aber ein vatter
                    seinen kindern uber naturliche erbgebürnis was mehrers verlest, in denselbigen
                    uberigen mag er die kinder nach seinem willen graviern und beschweren, dann was
                    die kinder uber die legitimam von ihren eltern bekomben, das alles beschicht
                    guetwillig- und keiner gerechtigkait dorumben haben die obligenden burden wohl
                    stat. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.13"> [Buch III Titel 19 § 13]<lb/> § 13 Die geschribnen rechten
                    vermögen gleichwohl, das die eltern ihren kindern vielbemelte naturliche
                    erbgeburnus anderer gestalt nit als institutionweise verlaßen sollen, dem ist
                    aber das altherkomben in diesem lant zuwider. dann es setze gleich ein vatter
                    seine kinder soviel die legitimam anlangt in einem testament zu seinem erben ein
                    oder aber verschaff ihnen solche legitimam in einem codicil legatweiß, so gilt
                    dem lantsbrauch nach eines eben soviel als das ander, und künnen die kinder
                    herwider nichts difficultirn, angesehen das sie ainen weg als den andern ihres
                    geburenden erbrechts thailhaftig werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.14"> [Buch III Titel 19 § 14]<lb/> § 14 Wann ein vatter seinen
                    kindern allen und derselben einem iedem sein naturliche erbportion verlaßen, so
                    ist er mit der ubermaß seiner haab und gueter von ihnen entprochen, mag auch
                    dieselb freunden oder frembden verschaffen nach allem seinem willen und gefallen
                    do er nun auß solcher ubermas ein kint fur das ander mit mehrerm nach
                    gelegenhait seines wohlverhaltens alters gebrechligkait oder andern beweglichen
                    ursachen oder aber auß lauter affection lieb und mainung betreut, so künnen sich
                    die andern ehelichen kinder deßen im wenigisten nit beschweren, vielweniger daz
                    vetterlich testament kriegen und umbstoßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.19.15"> [Buch III Titel 19 § 15]<lb/> § 15 Wann die kinder an ihrer
                    verlaßnen erbgebürnus zufriden und dieselb von des vattern eingesezten
                    testamentenerben abfordern, ist er ihnen solche nach abzahlung verhandner
                    schulden und der generalien unverlengerlich zuzustellen schuldig. thete er aber
                    solches ohn erkantnus, nit so soll er der legitima werth doppelt vermueg
                    geschribner rechten erstatten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.20">
        <head>[Buch III Titel 20]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=153">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 20. tittl. Von denen Kindern welche
                    nach aines vatern ableiben und begrebnus von ihme erzeugt, ehelichen geboren und
                    posthumi genant werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.20.1"> [Buch III Titel 20 § 1]<lb/> § 1 Ein ehrlicher vatter ist von
                    recht und naturlicher billigkait wegen in seinem testament und letsten willen
                    nit allein seine lebendige kinder, welche er zur zeit seines tötlichen abgangs
                    hinder sein vorlest, sonder auch die leibserben zu bedenken und zu betreuen
                    schuldig, welcher sein nachgelaßne witfrau schwanger <pb n="Edition 2015 S. 244"/> gehet und nach seinem absterben von ihme erzeugt auf die welt bringt. dann do
                    ein geschäftlinger solcher kinder in seinem testament Kein meldung thet, würdt
                    daßelb durch der kinder nachgeburt nichtig und craftloß. </p>
        <p xml:id="NA.3.20.2"> [Buch III Titel 20 § 2]<lb/> § 2 Solche betreuung ist nit
                    allein der vatter sondern auch die mutter ihren nachkindern von naturlicher treu
                    wegen schuldig. dann do sie mit großem leib ain testament aufrichtet und darin
                    ihrer tracht und kunftiger gebuert vergeß, Kunt ihr lezter nit bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.20.3"> [Buch III Titel 20 § 3]<lb/> § 3 Und obleich solche kinder
                    nach der gebuert uber Kurz oder lang widerumben mit todt abgingen, so kann den
                    noch das vätterlich oder mütterlich testament welches zuvor craftloß worden sein
                    würkung nit mehr bekomben, es were dann sach das solche gebuert im leben der
                    eltern nach ihrem aufgerichtem testament auf die welt komben und hernach in der
                    eltern lebszeiten widerumb in gott verschieden, so möcht das testament alßdann
                    bei seinem werth verbleiben. </p>
        <p xml:id="NA.3.20.4"> [Buch III Titel 20 § 4]<lb/> § 4 Wann auch die mueter nach
                    ihres ehemans todt aus naturlichen ursachen und unfall umb die gebuert kömb, so
                    bleibt das vätterlich testament abermals bei seinen creften. </p>
        <p xml:id="NA.3.20.5"> [Buch III Titel 20 § 5]<lb/> § 5 Die nachgebuert kunnen von
                    ihren eltern nit enterbt oder exhaereditirt werden, dann sie mögen nichts
                    verschulden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.21">
        <head>[Buch III Titel 21]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=155">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 21. tittl. Von der kinder praeterition
                    und stilschweigenden enterbungen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.21.1"> [Buch III Titel 21 § 1]<lb/> § 1 Die vätter sollen ihre
                    eheliche kinder in ihren lezten willen stilschweigent nit umbgehen, sondern wo
                    billich und rechtmessige ursachen verhanden derselben mit ausgetrukten worten
                    und angehenkten ursachen enterben. do nun ein vatter seiner kinder eines oder
                    mehr stilschweigent umbgehet und daßelb neben denen andern kindern zu seinem
                    erben nit einsetzet oder ihme aufs wenigist sein naturliche erbgebürnuß und
                    legitima nit verlest, so kan sein testament nit bestehen, sondern wirdt der
                    praeterition halben nichtig und craftloß. derhalben ist nit von nötten solches
                    testament als inofficiosum anzufechten, sonder die praeterirt persohn mag vor
                    und nach außgang des jhars vor gericht begeren das vätterlich testament fur ein
                    nichtigkait zu erkennen. <pb n="Edition 2015 S. 245"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.21.2"> [Buch III Titel 21 § 2]<lb/> § 2 Wann aber ein mutter aines
                    oder mehr ihrer kinder praeterirt, so wirdt solche praeterition fur ein
                    enterbung und exhaereditation gehalten. derwegen das mutterlich testament wie
                    das vätterlich an ihme selbst nit craftloß, sondern es stehet dem praeterierten
                    kint bevor sich solcher praeterition durch die quaerel inofficiosi testamenti
                    innerhalb funf jharen zu beschweren. </p>
        <p xml:id="NA.3.21.3"> [Buch III Titel 21 § 3]<lb/> § 3 Soviel der eltern
                    praeterition anlangt ist der kinder halben kein underscheid, es geschehe gleich
                    dieselb fursezlich oder unwißent, dann das testament auf beede fall uncreftig. </p>
        <p xml:id="NA.3.21.4"> [Buch III Titel 21 § 4]<lb/> § 4 Es vermögen gleichwohl die
                    geschribnen rechten, wann dem kint, welches in der erbeinsezung nit begriffen
                    sondern daßelb praeterirt worden, von denen eltern sonsten in testament was
                    legiert verschafft oder vermaint worden, das dennoch der eltern lezter will nit
                    bestanthaft sein solle. iedoch wann sich solches legat und geschäft auf die
                    völlig erbgebürnuß der naturlichen legitima oder daruber erstrecket, solle das
                    testament dem lantsbrauch nach bei seinen creften und würden verbleiben,
                    angesehen das die legitima bemelten lantsbrauch nach nit allein institution
                    sondern auch gescheftweiß und auf allerlei weg eines lezten willens verlaßen
                    werden kan. </p>
        <p xml:id="NA.3.21.5"> [Buch III Titel 21 § 5]<lb/> § 5 Wann ein vatter sein kint zu
                    seinen erben nit einsert, sonder sein haab und guet ainem andern vertestiert und
                    demselben erben angeregtes sein kint zu ainem kunftigen nach- und aftererben, so
                    Kunt solcher letster will ungeachtet der substitution und aftererbschaft nit
                    bestehen. dann was den eltern ihren kindern zu verlaßen gebuert, das solle mit
                    gegenwertigem erb haab und guttern beschehen. Künftiger anfall widerfall zufall
                    und dergleichen ungewisse mittel aber, welche die kinder etwo nit erleben
                    möchten, reumen sich zu der vätterlichen schuldigen betreuung und naturlichen
                    legitima nit, es were dann sach das der vatter in gegenwertigen haab und guetern
                    nichts vermöcht, sondern eines widerfals, welcher mit dem aigenthumb gefallen
                    und allein der fruchtgeniessung halben noch ausstendig, gewartent were, alßdann
                    möcht er denselben widerfall seinen kindern wohl verschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.21.6"> [Buch III Titel 21 § 6]<lb/> § 6 Wann ein vatter seine sühne
                    umbgehet und deßelben kinder seine einkhel instituiert, so stehet dem sohn
                    dennoch bevor von solchem testament zu weichen und daßelb fur nichtig und
                    craftloß anzufechten, dann die institution gebüert ihme von rechtwegen erster
                    instanz und nit seinen kindern. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.21.7"> [Buch III Titel 21 § 7]<lb/> § 7 Wann ein vatter kein kint im
                    leben sonder kintskinder als eineckel oder ureinickhel hat, so ist er die welche
                    ihme am negsten im grad verwant sein <pb n="Edition 2015 S. 246"/> gleichsfals
                    an kintstatt in seinem lezten willen zu bedenken und zu betreuen schuldig. dann
                    do ers stilschweigent (sie seien gleich lebendig oder noch in ihrer mutter leib)
                    umbgieng und praeteriert, kundt sein testament nit bestehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.22">
        <head>[Buch III Titel 22]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=160">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 22. tittl. Von der exhaereditation und
                    ausgetrukten enterbung der kinder. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.1"> [Buch III Titel 22 § 1]<lb/> § 1 Wann die eltern ihre kinder
                    ohn vermeldung ainiger ursach und oder mit außgetrukten ungnugsamben ursachen
                    ihrer haab und gueter oder naturlichen ergeburnus enterben, so mögen die kinder
                    solhes testament das wider schuldige lieb trew aufgericht mit der clag und
                    quaerel inofficiosi testamenti impugnirn und widertreiben. wann aber die
                    enterbung auß billichen ursachen beschehen und dieselb in das testament verleibt
                    worden, so bleibt das testament bei seinen creften und künnen sich die
                    billicherweise enterbten kinder deßelben nit beschweren. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.2"> [Buch III Titel 22 § 2]<lb/> § 2 Doch stehet ainem enterbten
                    kint bevor die furgewent ursach der enterbung anzufechten und sein unschult mit
                    recht auszufuhren, auf welchen fall die eingesezten erben schuldig des
                    gescheftlingers furgewente ursachen ausfindig und beweislich zu machen. wo
                    solches durch sie beschiecht und das enterbt kint mit ausführung der sachen
                    erligt, so bleibt die enterbung auf das ganz testament bei seinen creften und
                    würden wo sich aber die angezogen ursach (fol 233.) der enterbung nit erfindt,
                    so kann das testament dem enterbten kint kein nachtl geberen, sonder es soll ab
                    intestato zu einem erben gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.3"> [Buch III Titel 22 § 3]<lb/> § 3 Die eltern mögen denen
                    Kindern, welche sie zu ihren erben aus billichen ursachen nit würdigen, dennoch
                    ein legat oder praelegat verschaffen, und stehet alßdann in der Kinder wahl das
                    unmessig testament der enterbung halben anzufuchten oder ihr verlaßnes gescheft
                    einzufordern. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.4"> [Buch III Titel 22 § 4]<lb/> § 4 Wann sie aber den ersten weg
                    mit der quaerel inofficiosi testamenti an die hant genomben und damit verlustig
                    worden, so verwürken sie die andere gescheft auch. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.22.5"> [Buch III Titel 22 § 5]<lb/> § 5 Die geschwistriget oder
                    andere beseitserben darf man nit erben noch exhaereditirn, dann sie sein under
                    dem adl nit notherben under der burgerschaft aber solle die enterbung
                    austruklich beschehen, wie oben bei dem 18. tittl vernomben. <pb n="Edition 2015 S. 247"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.22.6"> [Buch III Titel 22 § 6]<lb/> § 6 Die enterbung der
                    oberstemmigen, als vatter mutter anherr anfraw und anderer voreltern in
                    aufsteigender lini begriffen, ist dem lantsbrauch nach auch nit von nötten, dann
                    dieselben nach alter gewohnhait dises lants Österreich under der Ennß auch nit
                    noterben seint, angesehen das die erbschaften nit zuruckh fallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.7"> [Buch III Titel 22 § 7]<lb/> § 7 Die clagen eines unmessigen
                    testaments mügen innerhalb funf jharen furgebracht und nit allein von denen
                    enterbten persohnen, sondern ihren erben anhengig gemacht oder prosequirt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.8"> [Buch III Titel 22 § 8]<lb/> § 8 Doch ist hierbei von nötten
                    das die enterbt persohnn solches unmessiges testament in kainerlei weg noch weiß
                    bestettige oder ratificier, sonsten möchte sie sich solcher quaerel ferrer nit
                    gebrauchen. </p>
        <p xml:id="NA.3.22.9"> [Buch III Titel 22 § 9]<lb/> § 9 Wenn sich auch ein enterbts
                    kint nach aufgerichtem testament mit seinen eltern vor derselben totfall
                    versöhnet und widerrumb zu ihren holden kombt, so wirdt mit solcher
                    reconciliation die enterbung todt und ab und kann dem kint nit proejudiciern.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.23">
        <head>[Buch III Titel 23]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=165">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 23. tittl. Von rechtmessigen ursachen
                    welche zu enterbung der kinder genuegsamb sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.1"> [Buch III Titel 23 § 1]<lb/> § 1 Die rechtmessigen ursachen,
                    welche zu enterbung der kinder von denen geschribnen Kaiserlichen rechten fur
                    billich und genuegsamb gehalten werden, seint dise: Erstlichen, wo die kinder
                    ihre eltern aus fursezlichen frävel schliegen oder tötliche hant an sie legten. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.2"> [Buch III Titel 23 § 2]<lb/> § 2 Furs ander, so die kinder
                    ihren eltern schwere unerbere injuri und frevelwort zufuegen. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.3"> [Buch III Titel 23 § 3]<lb/> § Zum dritten, wann sie ihre
                    eltern beinlich auf leib und leben verclagen, allein die halsclagen welche von
                    des lantsfurstens oder algemeiner wohlfarth wegen beschehen außgenomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.4"> [Buch III Titel 23 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, wann sie sich
                    zu malefizischen und untüchtigen leuten halten, auch mit ihnen geselschaft und
                    gemeinschaft haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.5"> [Buch III Titel 23 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, so die kinder
                    nach dem leben ihrer eltern mit vergiftung oder in ander weiß stelleten. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.6"> [Buch III Titel 23 § 6]<lb/> § 6 Zum sechsten, wann ein suhn
                    seine stifmutter entehret und sich mit derselben vermischt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.23.7"> [Buch III Titel 23 § 7]<lb/> § 7 Zum sibenden, wann die
                    kinder ihre eltern bei der obrigkait angeben und dieselben mit ihrer delation in
                    großen schaden und nachtail brächten. <pb n="Edition 2015 S. 248"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.23.8"> [Buch III Titel 23 § 8]<lb/> § 8 Zum achten, wann die kinder
                    fur ihre gefangne eltern nit guet wolten werden noch dieselben mit ihrer
                    vermüglichen burgschaft aus der verhaftung erlösen. doch ist solches allein auf
                    die sühne zu versteen, dann die töchter nit burgs fähig. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.9"> [Buch III Titel 23 § 9]<lb/> § 9 Zum neunten, wann die
                    kindeer ihren eltern gebürliche testament oder geschäft zu machen verbieten oder
                    darinen eintrag und spörr thetten. dann do die eltern ungeacht der kinder
                    eingeworfner irrung hernach testirten, mögen sie obgehörter ursachen halben die
                    hinderlichen kinder wohl enterben, so aber die eltern solches verbots halben
                    kein testament macheten sondern [ohn] geschäft mit todt abgiengen, sollen
                    dieselben kinder nichts destweniger enterbt sein und das guet auf die kinder
                    negsten befreunden fallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.10"> [Buch III Titel 23 § 10]<lb/> § 10 Zum zehenden, wann sich
                    die kinder zu verwegnen unachtsamen liederlichen und leichtfertigen persohnen,
                    mit welchen ehrlich und redlich bidersleut nit gemeinschaft haben, gesellen und
                    sich auf ihr thain begeben. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.11"> [Buch III Titel 23 § 11]<lb/> § 11 Zum aintlöften, wann die
                    eltern ihre kinder nach ihrem vermügen verehelichen und aussteuren, aber die
                    kinder nit gehorsamben noch volgen wolten, sondern sich in ein unerbers
                    leichtfertigs leben begeben und wider ehr handleten. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.12"> [Buch III Titel 23 § 12]<lb/> § 12 Zum zwölften, wann der
                    eltern aines von sinnen kömb und zerrüht würdt, sich auch die kinder demselben
                    narung zu geben oder notturftige arznei mitzuthailen auf der freunt und frembden
                    persohnen ersuchen waigerten, und dieselben freunt oder frembde an der kinder
                    statt solchen sinlosen vatters oder mutters hernach pflegten, so solle ihnen
                    anstatt der untreuen kinder die erbschaft ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.13"> [Buch III Titel 23 § 13]<lb/> § 13 Zum dreizehnden, wann die
                    eltern von den feinden gefangen würden und die vogtbaren vermüglichen kinder
                    dieselben nit lösen wolten, sonder in der feünt gewaltsamb sterben und verderben
                    liessen. </p>
        <p xml:id="NA.3.23.14"> [Buch III Titel 23 § 14]<lb/> § 14 Zum lezten, wann die
                    eltern christen weren, die kinder aber von christlichem glauben abfiehlen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.24">
        <head>[Buch III Titel 24]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=169">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 24. tittl. Von der clag welche umb
                    völlig erstattung der naturlichen erbgeburnus und legitima beschicht. Wann die
                    eltern ihre kinder nit praeteriren noch enterben sondern ihnen was verschaffen,
                    welches sich doch auf ihr naturliche erbgebürnus und legitimam nit vollig
                    erstreckt, so sein die kinder nit befuegt das ganz testament anzufechten <pb n="Edition 2015 S. 249"/> oder dasselb durch die quaerel inofficiosi
                    testamenti umbzustossen, sonder es steet ihnen allein bevor unvergriffen des
                    andern testamentlichen inhalts umb erstattung deßen, so ihnen an ihrer legitima
                    noch abgeet, und wie es die geschribnen rechten nennen ad supplementum legitimae
                    zu clagen. solche clag hatt auch biß auf verjharte zeit statt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.25">
        <head>[Buch III Titel 25]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=170">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 25. tittl. Von denen aftererbsatzungen
                    und substitutionen, auch der ersten so vulgaris oder gemein genant wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.1"> [Buch III Titel 25 § 1]<lb/> § 1 Es stehet ainem ieden
                    gescheftinger bevor das er ihme in seinem testament nit allein haubterben sonder
                    auch after- und nacherben einsetz, dann es begibt sich oftermals das der
                    eingesezt principal- und haubterb die geschafft erbschaft nit antretten wiel kan
                    noch mag, oder das er vor dem gescheftinger mit todt abgeet, oder nach dem
                    testament unerbfehig wirdt, desgleichen das er in seiner vogtbarkeit ableibt. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.2"> [Buch III Titel 25 § 2]<lb/> § 2 Derhalben mag ihme wegen
                    solchen kunftigen zufall der gescheftinger aftererben verordnen und sein
                    vermögen mehrerlei persohnen nach furgesehener ordnung vergünnen. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.3"> [Buch III Titel 25 § 3]<lb/> § 3 Under disen aftersatzungen
                    ist der erst, so vulgaris substitutis und ein gemeine aftersatzung genent wirdt.
                    dieselb geschicht ad cautelam zweier furnember ursachen halben: </p>
        <p xml:id="NA.3.25.4"> [Buch III Titel 25 § 4]<lb/> § 4 Erstlich, wann sich der
                    eingesezt haubterb der verlaßnen erbschaft entschlagen und des gescheftingers
                    erb nit sein wolt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.25.5"> [Buch III Titel 25 § 5]<lb/> § 5 Zum andern, wann der
                    eingesezt erb gleich die erbschaft anzutretten vorhabens, aber aus
                    verhindernussen des geschichts oder der rechten nit erb sein kundt auf solche
                    baide fäll mag der testator fursichtiglich bedacht sein und damit sein lezter
                    will Könftig nach seinem todt nit erlige, kann er denselben noch bei leben mit
                    dem mittl der aftersatzung zu hüelf komben, und mag sein mainung ungeverlich auf
                    solchen oder gleichmessigen formb stellen: ,,ich seze zu meinem erben n. oder
                    n., wo aber derselb mein erb nit sein wolt kunt oder möcht, so sol alsdan n. und
                    n. mein erb sein". solche aftererbsatzung mag nit allein auf einen sondern
                    mehrern staffel der nacherbschaft gestelt werden, nemblichen ,,und do es n. und
                    n. auch nit sein wolt kunt oder mocht, so soll es alsdann n. oder n. sein". und
                    also volgender massen. <pb n="Edition 2015 S. 250"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.25.6"> [Buch III Titel 25 § 6]<lb/> § 6 Es mag auch einem ainigen
                    haubterben mehr aftererben oder vielen haubterben ein ainiger aftererb
                    nachgesezt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.7"> [Buch III Titel 25 § 7]<lb/> § 7 Wann alßdann der haubterb
                    die erbschaft antrit und sich derselben würklichen mächtigt, so ist dise
                    substitution von stunt an erloschen und wirdt todt und ab. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.8"> [Buch III Titel 25 § 8]<lb/> § 8 Wiewohl oben vernomben, das
                    solche gemeine und vulgarische substitution furnemblich zweier ursachen halben,
                    nemblichen wann der eingesezt haubterb nit erb sein wiel oder erb sein kan
                    beschicht, iedoch wann der gescheftinger deren ursachen nur aine in sein
                    testament verleibt, so solle dennoch zu erhaltung der hochbefreiten lezten
                    willen die ander uhrsach darunter auch begriffen sein, auch die substitution auf
                    beide weg bestehen und verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.9"> [Buch III Titel 25 § 9]<lb/> § 9 Was und wieviel dem
                    instituierten und eingesezten erben verlassen worden oder bei erbarer treuer
                    thailung gebüert, soviel stehet seinem aftererben, do es gleich der
                    gescheftinger unvermeldt gelassen, auch billich zu. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.10"> [Buch III Titel 25 § 10]<lb/> § 10 Wann ein vatter seinen
                    unvogtbaren sohn zu seinen erben einsezt, und do er nit erb sein wolt ihme der
                    n. substituiren thet, so mag sich der substitut nit allein der erbschaft
                    machtigen, wann der sühne oder seine gerhaben die erbschaft anschlagen, sondern
                    auch wann er in seiner unvogtbarkeit ohn ein testament abgieng. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.11"> [Buch III Titel 25 § 11]<lb/> § 11 Do der suhn aber seine
                    vogtbarkeit erraicht hette und nachmals ohn testament ableibt, so kündt solche
                    erbschaft auf den substituten nit mehr fallen, sondern stündt des geschäftingers
                    nachstehn befreunden ab intestato billich zu. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.12"> [Buch III Titel 25 § 12]<lb/> § 12 Wann der eingesezt
                    haubterb testamentliche miterben hatt und seinen erblichen thail fur sein
                    persohn und portion nit haben wolt Könt oder möcht, so fiel solche sein
                    erbgebürnus nit auf des haubterben negste befreunden noch auf seine habende
                    miterben sonder auf seine nachgeordneten aftererben und substituten. </p>
        <p xml:id="NA.3.25.13"> [Buch III Titel 25 § 13]<lb/> § 13 Wann sich beide thail der
                    haubterb und aftererb der verlaßnen erbschaft entschliegen oder sonsten nit erb
                    sein kunten, und solcher aftererb mit ainem mitgenossen und neben-aftererben
                    versehen, so felt die erbschaft auf den andern aftererben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.25.14"> [Buch III Titel 25 § 14]<lb/> § 14 Wann der aftererb ehe und
                    zuvor sich der fall und sein habende substitution begibt mit todt abgeet, so
                    mögen seine erben in seinen fueßstampfen nit tretten noch sich der
                    aftererbschaft anmassen. dann weil sich der fall in seinen lebszeiten nit
                    zugetragen, er auch deßelben nit fächig worden, so kan er dise
                    aftergerechtigkait auf seine erben nit transferiren. <pb n="Edition 2015 S. 251"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.25.15"> [Buch III Titel 25 § 15]<lb/> § 15 Wann aber die
                    afterbesatzung nit allein auf den n. als aftererben sonder auch seine erben und
                    nachkomben gestanden und solches in dem testament mit ausgetrukten worten
                    vermeldt, so mögen des substituirten erben der substitutionsweise verschafften
                    haab und gueter mit guetem fueg habhaft werden, dann obgleich ihr vorsicht dem
                    fall nit erlebt, so ist doch die subsitution nit allein auf ihme sonder auch ihr
                    der erben persohn gestanden, derhalben mögen sie (weil sie den fall erlebt, wo
                    andere rechtmässige eintrag nit vorhanden) solche gueter wohl erben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.26">
        <head>[Buch III Titel 26]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=177">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 26. tittl. Von der
                    pupillarsubstitution, von den aftererbschaften welche denen unvogtbaren kindern
                    beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.26.1"> [Buch III Titel 26 § 1]<lb/> § 1 Die vätter mögen ihren
                    kindern, sie sein gleich geboren oder noch im mutterleib, nit allein aftererben
                    setzen, sondern auch in ihren aignen testamenten an der kinder statt testirn und
                    gemesne verordnung thain, wie es kunftig mit derselben haab und gueter, do sie
                    ohn testament in ihren unvogtbaren jharen abgiengen, gehalten werden solle. und
                    dise pupillarsubstitution wirdt ungeverlich auf solche oder gleichmessige weiß
                    gestelt: ,,wann meine kinder in ihren unvogtbaren jharen mit todt abgehen, so
                    solle n. oder n. ihr guet bekommen und erben". </p>
        <p xml:id="NA.3.26.2"> [Buch III Titel 26 § 2]<lb/> § 2 Wann nun solche kinder in
                    ihrer unvogtbarkait testament ableiben, wie sie dann vor erreichter vogtbarkeit
                    keines zu machen befuegt, so erbt der substitut nit allein das vätterlich
                    verschafft erbguet, sonder auch alle andere haab und gueter welche solchen
                    unvogtbaren kindern in ander weg zugestanden, so viel deren sie biß auf ihr
                    absterben verlassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.26.3"> [Buch III Titel 26 § 3]<lb/> § 3 Solche pupillarsubstitution
                    aber kan sich nit weiter als auf die zeit der vogtbarkeit erstrecken alßbalt die
                    kinder ihre volkombne achtzehen jhar erreichen oder durch heurat vor diser zeit
                    nach lantsbrauch vogtbar werden, so hat solche substitution ihr ent erreicht und
                    wirdt todt und ab. </p>
        <p xml:id="NA.3.26.4"> [Buch III Titel 26 § 4]<lb/> § 4 Es stehet auch denen
                    vogtbaren kindern alßdenn nach erlangter vogtbarkeit bevor, ungehindert der
                    vätterlichen verordnung so nunmehr erloschen, selbst zu testiren und ihnen erben
                    nach ihren willen und gefallen einzusetzen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.26.5"> [Buch III Titel 26 § 5]<lb/> § 5 Die substitution aber hat
                    allein zwischen aignen kindern stat, dann frembden leibserben künt ein frembder
                    gescheftinger, do er ihnen gleich institutionweise etwas verliesse, auf solche
                    weg nit substituiren. <pb n="Edition 2015 S. 252"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.26.6"> [Buch III Titel 26 § 6]<lb/> § 6 Wann ein kint in seiner
                    unvogtbarkeit mit todt nit abgieng sonder seines vattern erb nit sein wolt, so
                    felt die erbschaft ainen weg als den andern auf die persohn, welche ihme der
                    unvogtbaren jharen halben substituirt worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.27">
        <head>[Buch III Titel 27]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=180">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 27. tittl. Von der abwechsleten
                    aftererbsatzung, in latein reciproca genant. Es begibt sich oft, das ainer mer
                    haubterben einsetzet und einer den andern substituiert, also und dergestalt:
                    ,,zu meinen erben setz ich n. und n., und so einer aus ihnen mit todt abgieng,
                    soll sein erblicher tail auf den andern uberlebten fallen". </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.28">
        <head>[Buch III Titel 28]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=181">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 28. tittl. Von der vierten
                    aftererbsatzung, substitutio exemplaris genant. </p>
        <p xml:id="NA.3.28.1"> [Buch III Titel 28 § 1]<lb/> § 1 Die viert substitutio
                    geschicht unsinnigen oder stummenten kindern, sie sein gleich denen jharen nach
                    vogtbar oder unvogtbar, nemblichen also, ,,wann mein unrichtiges oder sprachloß
                    kint mit todt abgeet, so solle desselben erb n. oder n. sein". wann nun solches
                    kint wider zu seinem verstant oder naturlichen redt kombt oder aber eheliche
                    leibserben hinder sein verlest, so endet sich dise substitution. </p>
        <p xml:id="NA.3.28.2"> [Buch III Titel 28 § 2]<lb/> § 2 Was aber die compendiosisch
                    und fideicommissari-aftererbsatzung anlangt, weil dieselben weitschweifig und
                    vielerlai underschietliche absatz haben, mögen die geschribnen Kaiserlichen
                    rechten derhalben besucht werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.29">
        <head>[Buch III Titel 29]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=182">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 29. tittl. Von furbringung und
                    eröffnung der testament oder anderer lezten willen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.29.1"> [Buch III Titel 29 § 1]<lb/> § 1 Wann einer nach seinem
                    totlichem abgang ein testament hinder sein verlest und dasselb schriftlich und
                    verschlossen ist, so soll der instituiert und eingesetzt erb daßelbe fur sich
                    selbst ausser des abgeleibten negsten befreunden, welche etwo einredt wider
                    solches testament haben möchten, nit eröfnen, sonder dasselb auf dem
                    lantbreuchigen dreissigisten in beisein des verstorbnen negsten befreundten
                    furbringen und eröfnen wo sie sich aber alda solcher eröfnung mit einander nit
                    vergleichen möchten, so stehet dem institutierten erben bevor, <pb n="Edition 2015 S. 253"/> unsern nachgesetzten ober- oder
                    underlantmarschalch anzulangen einen tag zu solcher eröfnung fuerzunehmen und
                    allen interessirenten thailen und befreundten darzu verkinden zu lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.2"> [Buch III Titel 29 § 2]<lb/> § 2 Was aber die geschribnen
                    ofnen testamtent belangt, wiewohl dieselben keiner eröfnung bedurftig, iedoch
                    sollen sie bei dem dressigist [!] furgebracht und in beisein der negsten
                    befreündten ordenlich verlesen werden. es solle auch zu solcher eröfnung nit
                    allein denen negsten befreundten und interessierten, sonder denen
                    testamentari-zeugen und fertigern, es geschehe gleich die publicierung des
                    geschribnen testaments auf dem dreissigisten oder von gericht, verkundt werden,
                    damit dieselben erscheinen und ihr fertigung wider recognosiieren [!] mögen. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.3"> [Buch III Titel 29 § 3]<lb/> § 3 Waß dann die müntlichen und
                    nuncupativischen testament betrift, wann dieselben vor unserm lantober- oder
                    undermarschalch ordenlich gewisen und in schrift wie oben bei den 10. titl
                    gehört verfast worden, so mügen alßdann die instituirten erben solches testament
                    auf den dreissigisten denen negsten befreundten und interessirten furpringen, es
                    ist aber die fertiger zu erfordern disfals nit von nötten, weil sie zuvor umb
                    ihr wissenhait wie recht ist außgesagt. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.4"> [Buch III Titel 29 § 4]<lb/> § 4 Wann die instituirten erben
                    ein testament, es sei schriftlich oder muntlich, auf den dreissigisten nit
                    furbrechten, so ist ihnen doch damit an ihrer erblichen gerechtigkait nichts
                    benomben noch verabsaumbt, sondern sie mügens hernach im gericht oder sonsten
                    produciern. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.5"> [Buch III Titel 29 § 5]<lb/> § 5 Do der erb, executor oder
                    andere inhaber der lezten willen mit furbringung derselben verzügig, mögen die
                    negst befreundten und interessirenden deßhalben der obrigkait hulfen anruffen,
                    die solle alßdann den inhaber einen peremtoritag zu producierung solches lezten
                    willens setzen. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.6"> [Buch III Titel 29 § 6]<lb/> § 6 Wann die testamentari-zeugen
                    und fertiger nit alle gegenwertig sein möchten, so ist genueg das mehrer thail
                    verhanden. </p>
        <p xml:id="NA.3.29.7"> [Buch III Titel 29 § 7]<lb/> § 7 Wann die fertiger all oder
                    zum tail vor der eröfnung mit todt abgiengen und ihre sigill oder petschaft nit
                    recognosciren Künten, so solle dennoch der lezte will dem lantsbrauch nach nit
                    fallen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.30">
        <head>[Buch III Titel 30]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=186">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 30. tittl. Von der testament und
                    anderer lezten willen in der lantschaft gedenkbuch einschreibung. <pb n="Edition 2015 S. 254"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.30.1"> [Buch III Titel 30 § 1]<lb/> § 1 Nachdem testament und andere
                    lezte willen mehrmals verlegt verloren zerrissen oder an den sigeln manglhaftig
                    werden, oder durch prunst und ander dergleichen unfall zu verderbung komben, so
                    sollen hinfurahn alle lezte willen zu ewiger gedechtnus in einer ersamben
                    lantschaft gedenkh- und aignes testamentbücher eingeschriben werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.30.2"> [Buch III Titel 30 § 2]<lb/> § 2 Diese einschreibung aber
                    soll niemants welcher wider solches testament oder lezten willen einredt zu
                    haben vermeint praejudicirn, sondern dieselb gerichtlich insinuation
                    unvergriffen iedermenniglichs rechten und gerechtigkaiten beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.30.3"> [Buch III Titel 30 § 3]<lb/> § 3 Welcher auch abschriften
                    eines letsten willens bedurftig und darbei interessiert zu sein vermaint, dem
                    solle auß vorbemeltem testamentbuch glaubwürdige abschrift ervolgen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.31">
        <head>[Buch III Titel 31]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=188">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 31. tittl. Von der instituirten erben
                    bedacht. </p>
        <p xml:id="NA.3.31.1"> [Buch III Titel 31 § 1]<lb/> § 1 Wann ein testament oder
                    anderer lezter will nunmehr eröfnet, so stehet dem aingesetzten erben bevor sich
                    ein zeit lang zu bedenken, ob die erbschaft fur ihne sei oder nit. damit aber
                    des abgestorbnen glaubinger und die ausrichtung solches lezten willens wider
                    gebüer und mit solcher deliberation nit aufgehalten noch gespert werde, solle
                    die ordenliche obrigkait den erben nach gelegenhait aller umbstent einen
                    benentlichen termin setzen, darinen er sich gewislichen zu erkleren hab, ob er
                    die erbschaft antretten wolle oder nit. und do ihme erben solcher gegebner
                    termin zu kurz, soll derselb nach gelegenhait billicher notturft erstreckt
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.31.2"> [Buch III Titel 31 § 2]<lb/> § 2 Do er sich auch in denen
                    hinderlassen briflichen uhrkunden in wehrendem bedacht ersehen, und darauß ob er
                    ohn schaden bestehen künn oder nit erlernen wolt, solle ihme solches von der
                    obrigkait vergunstigt, und do solche erbliche brif in der spörr weren,
                    commissari zu der inspection verordnet, auch denen negsten befreundten und
                    interessenten darzu verkündt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.31.3"> [Buch III Titel 31 § 3]<lb/> § 3 Do auch entzwischen der
                    verlassung notturft erfordert viech wein trait oder andere sachen so nit
                    bleiblich zu versilbern, solle ihme erben solches von der obrigkait verwilligt
                    werden, doch auf guete raittung und verantwortung. do er auch nit angesessen,
                    soll er desthalben caution thain. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.31.4"> [Buch III Titel 31 § 4]<lb/> § 4 Do der so noch in seinem
                    bedacht stehet ein leibs und notterb were, mag er sich bis auf sein erclärung
                    von der verlassung underhalten. aber <pb n="Edition 2015 S. 255"/> einen
                    frembden instituierten erben soll dises nit gestat werden, er were dann ein
                    pupill. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.32">
        <head>[Buch III Titel 32]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=190">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 32. tittl. Von antrettung der erbschaft
                    cum beneficis inventarii. Wann sich einer nach gelaßnem bedacht dahin erklärt,
                    das er erb sein wölle und die erbschaft außer alles inventari antrit, so mues
                    [er] alle schulden last und bürden welche der erbschaft obliegen uber sich
                    nehmen, und dieselben nit allein so weit sich solcher erbschaft werth erstreckt,
                    sondern auch die ubermas von seinem aignem vermögen völliglich abrichten. Do er
                    aber die erbschaft cum beneficis inventarii annehmb und ein ordenliches
                    inventarium aufrichten ließ, so ist er allein soviel zu bezahlen schuldig, als
                    weith sich solches inventari erstreckt und nit mehrers. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.33">
        <head>[Buch III Titel 33]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=191">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 33. tittl. Von dem inventari. </p>
        <p xml:id="NA.3.33.1"> [Buch III Titel 33 § 1]<lb/> § 1 Die aufrichtung eines
                    inventari solle von stunt ahn nach dem dreissigisten beschehen und darzu
                    unparteiische commissari von der obrigkait verordnet, auch denen negsten
                    befreunden darzu verkündt werden. und obgleich der absterbent geschäftinger vor
                    seinem todt ain verzaichnus aller seiner haab und gueter aufgericht, so solle
                    doch dieselb nit fur glaubwürdig noch ahn inventari stat gehalten werden, es
                    were dann sach das der geschäftinger den ganzen inhalt mit aigner hant
                    geschriben und gefertigt, oder do es nit sein hantschrift, mit seiner
                    underschrift petschaft oder insigell becreftigt, auch balt darauf verschaiden
                    thette. </p>
        <p xml:id="NA.3.33.2"> [Buch III Titel 33 § 2]<lb/> § 2 Do aber solche verzaichnus,
                    sie sei gefertigt oder nit, vorlengst beschehen, solle widerumb auf der partei
                    begehren von neuem inventirt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.33.3"> [Buch III Titel 33 § 3]<lb/> § 3 Wann man zu der inventirung
                    greift, sollen alle haab und gueter, ligent und vahrent, brifliche uhrkunden und
                    was sonsten in der verlassung verhanden, ordenlich beschriben werden. und do
                    etwaz daraus fursezlich wissentlich oder unwissentlich underlassen verruckt oder
                    verhalten worden, so stehet denen glaubingern oder schäftgenossen bevor solches
                    geburlichermassen zu anten. do es auch der erb in abredt stundte, sollen die
                    glaubinger und geschaftgenossen zu weissung gelaßen werden, denen ist unbenomben
                    des <pb n="Edition 2015 S. 256"/> geschäftingers hausgesint welche der sachen
                    etwann wissen haben wie recht ist verhören zu lassen. und da sie mit anderer
                    weisung nit gefast, mag der erb bei seinem corperlichen ait derhalben gehört
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.33.4"> [Buch III Titel 33 § 4]<lb/> § 4 Waß frembde haab und gueter,
                    welche der geschäftinger als ein gerhab curator sequester behalter oder
                    lehenweiß in seiner gewaltsamb gehabt, seint, die sollen besonderbar verzaichnet
                    werden </p>
        <p xml:id="NA.3.33.5"> [Buch III Titel 33 § 5]<lb/> § 5 Was einem wittiber von
                    seinen leibsklaidern wehren waffen ketthen petschaft ring insigl raitroß oder in
                    ander lantbreuchig weg von unvertailter vharnus allein gebüert, das bedarf
                    keiner inventirung. deßgleichen, was einer witfrauen von ihren leibsklaidern
                    klainotten geschmucken enden penden fraunziert koblwägen vermählring und in
                    ander weg nach lantsbrauch zustehet, soll auch uninventirt bleiben, es wolten
                    dann die wittiber und wittib solche beschreibung guetwillig zugeben. </p>
        <p xml:id="NA.3.33.6"> [Buch III Titel 33 § 6]<lb/> § 6 Ein wittib solle sich ihres
                    verstorbnen ehemanns verlassung uninventirter keineswegs mechtigen, sonder es
                    sei ein testament verhanden oder nit den todtfall des abgeleibten ehemans
                    negsten freunden, oder do dieselben ausser landes der ordenlichen obrigkait
                    anzaigen, auch spör und inventierung begehren. dann do sie solches nit thette,
                    stehet ihr nit allein alle verantwortung zu, sondern sie solle auch damit ihr
                    heuratsvermacht verwürckt haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.33.7"> [Buch III Titel 33 § 7]<lb/> § 7 Wann ein geschäftinger die
                    inventirung seiner verlassung austruckenlich verbeuth, so solle dieselb dem
                    lantsbrauch nach underlassen werden, es geschech dann solches verbott in fraudem
                    creditorum und seinen glaubingern zu wissentlicher gevähr und nachtail. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.34">
        <head>[Buch III Titel 34]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=195">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 34. tittl. Von annehmung antrettung und
                    mächtigung der erbgüeter. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.1"> [Buch III Titel 34 § 1]<lb/> § 1 Die antrettung der erbgueter
                    beschicht mit worten und werken. mitt worten, wann sich ein instituirter fur
                    einen erben erkläret und die gueter darauf antritt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.34.2"> [Buch III Titel 34 § 2]<lb/> § 2 Mit werken aber, do sich
                    ainer der erbgüeter mechtiget, als nemblichen mit bezahlung oder einbringung der
                    erblichen schulden oder erbauung verlassung vermachung versetzung oder
                    verschaffung der erbgueter, und was dergleichen handlungen und act mehr seint
                    dardurch sich ainen mit würklicher thatt zu einem erben vermechtigt. <pb n="Edition 2015 S. 257"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.34.3"> [Buch III Titel 34 § 3]<lb/> § 3 Wann ein erbschaft ainem
                    kint so noch unvogtbar und in des vattern gewaltsamb zustehet, solle der vatter
                    mit des kints verwissen die antrettung thain. do aber die vätter nit im leben,
                    sollen sich die gerhaben, doch mit des unvogtbaren willen, der erbschaft
                    mechtigen. und do kein gerhab verhanden, stehet solches den negsten befreunden
                    zu. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.4"> [Buch III Titel 34 § 4]<lb/> § 4 Zu underfahung ainer
                    verschaften erbschaft solle niemants, er sei gleich ein leibserb befreundter
                    oder frembder, wider sein guet gelegenhait gedrungen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.5"> [Buch III Titel 34 § 5]<lb/> § 5 Es solle kainer ain
                    verschaffte ganze erbschaft zertrennen und daraus das so ihme annemblich
                    behalten, das ander aber fahren laßen, dan niemants kann zum thail erb und zum
                    andern thail nit erb sein. derhalben welcher sich aines tails mächtiget, der
                    mueß in den uberigen auch erb verbleiben. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.6"> [Buch III Titel 34 § 6]<lb/> § 6 Wann sich ein erb der
                    verlasnen erbschaft ainmals volmechtiget, so kann er davon nit mehr setzen, es
                    were dann ain münderjärigen und erlanget von uns lantsfurstliche restitution. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.7"> [Buch III Titel 34 § 7]<lb/> § 7 Desgleichen, do sich ainer
                    der erbschaft einemals begibt, kan er dieselb ferrer ohn lantsfurstliche
                    restitution nitt antretten. </p>
        <p xml:id="NA.3.34.8"> [Buch III Titel 34 § 8]<lb/> § 8 Welcher sich einer erbschaft
                    mechtigen wiel, der solle solches innerhalb jharsfrist von dato seiner
                    wissenhait an zu raiten nach lantsbrauch thain, sonsten wirdt er ohn unser
                    restitution nit mehr zugelassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.35">
        <head>[Buch III Titel 35]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=198">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 35. tittl. Von dem erblichen zustant
                    jus accrescondi genant. </p>
        <p xml:id="NA.3.35.1"> [Buch III Titel 35 § 1]<lb/> § 1 Wann ein gescheftinger
                    mehrer persohnen zu seinen einsezt und sich ainer aus ihnen seines geburlichen
                    testamentlichen erbthails guetwillig begibt, so felt derselbe thail nit auf
                    seine negste freunt ab intestato, sondern stehet seinen miterben zu, es were
                    dann sach das der gescheftinger solchen erben ainen after- und nacherben gesetzt
                    hette, so fiel dieselb erblich portion auf solchen substituten. </p>
        <p xml:id="NA.3.35.2"> [Buch III Titel 35 § 2]<lb/> § 2 Gleichermaßen, wann ein
                    gescheftinger einen thail seines guets vertestiert und der ubermaß halben
                    untestiert mit todt abgieng, so stehet solches ubrigs haab und guet nit des
                    gescheftingers negsten befreundten, sondern dem eingesetzten erben zu. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.35.3"> [Buch III Titel 35 § 3]<lb/> § 3 Desgleichen, wann ein
                    gescheftinger von seinen habenden guetern bei gesundem leib testiert und hernach
                    etliche jhar lebet, auch in seinen lebens <pb n="Edition 2015 S. 258"/> zeiten
                    nach aufgerichten testament mehr haab und güeter bekömb, so sollen den
                    instituirten erben nit allein die gueter welche der gescheftinger zur zeit des
                    gemachten testaments gehabt, sonder alle andere deren er biß zu seinem totfall
                    aigenthumber gewesen, billig ervolgen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.36">
        <head>[Buch III Titel 36]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=200">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 36. tittl. Von cassierung und
                    verenderung aines testamentlichen willens. </p>
        <p xml:id="NA.3.36.1"> [Buch III Titel 36 § 1]<lb/> § 1 Ein testator und
                    gescheftinger ist an sein aufgerichtes testament nit bunden sondern mag daßelbe
                    cassirn und verendern, wann und so oft es ihme gemaint und ob ihme gleich der
                    gescheftinger seinen testamentlichen willen zu verkehren nit austrukenlich
                    vorbehalten. so mag er sich dennoch solcher freihait ainen weg als den andern
                    gebrauchen. es ist auch kein notturft, das er das erst gemacht testament mit
                    gemeßnen worten bei dem jungern lezten willen widerruf und revocier, es were
                    dann sach, er hette in den ersten testament lauter vermeldt und daruber
                    protestiert oder gar ainen ait gethan, das er von solchem erstem aufgerichten
                    willen keineswegs zu waichen bedacht, und da ein jungerer furkömb, das derselbig
                    nichtig und craftloß sein soll. dann obwohl solches vermelden nit bindig, so ist
                    doch von nötten desselben in dem junger lezten willen zu gedenken. </p>
        <p xml:id="NA.3.36.2"> [Buch III Titel 36 § 2]<lb/> § 2 Wann mehrerlei testament von
                    ainer ainigen persohn aufgericht furkomben, so pricht alzeit das junger das
                    elter doch das der junger testamentlich will zierlich und creftig sei. dann wo
                    derselb sein aigentliche geburliche formb und sollenitet nit hette, so kan er
                    nichts würken, er were dann zwischen kindern gemacht. es möchte auch disfals der
                    erste will, weil der gescheftinger ainstmals davon geschritten, ferrer nit
                    besteen, sonder die negsten befreundten solcher gueter ab intestato erbfehig
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.36.3"> [Buch III Titel 36 § 3]<lb/> § 3 Wann der gescheftinger die
                    petschaft oder die insigl fursezlich abreist und cassiert, so gehet er damit aus
                    seinem lezten willen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.36.4"> [Buch III Titel 36 § 4]<lb/> § 4 Ein schriftliches testament
                    kan kein gescheftinger in beisein zwaier dreier oder mehr zeugen muntlichen
                    widerrufen, sonder da er von solchem testament zu weichen bedacht, solle er
                    ainen andern lezten schriftlichen willen aufrichten, es were dann sach das er
                    ohn ein testament ab intestato ableiben wolt, alßdann möchte er solchen
                    schriftlichen willen fur sich selbst und ausser beisein ainiges zeugens
                    cassiern. ain muntliches und nuncupativisch testament aber mag in <pb n="Edition 2015 S. 259"/> beisein funf zeugspersohnen widerrumb muntlich
                    aufgehebt werden, ungeacht das der geschäftinger einen andern muntlichen willen
                    von neuen aufricht. </p>
        <p xml:id="NA.3.36.5"> [Buch III Titel 36 § 5]<lb/> § 5 Wann der geschaftinger von
                    der krankheit darinnen er schriftlich testiert hatt wider aufkombt, so bleibt
                    sein testament ainen weg als den andern bei seinen creften. do er aber müntlich
                    testirt hette und dasselb nach seinem aufkomben nit aufrichten lassen wolt, so
                    gilt es ferrer nichts. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.37">
        <head>[Buch III Titel 37]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=204">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 37. tittl. Welche testament nichtig und
                    crafftloß seint, auch was ainem testament von rechts- und lantbrauch wegen
                    opponiert kan werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.1"> [Buch III Titel 37 § 1]<lb/> § 1 Ein schriftliches testament
                    kann aus allerlei ursachen craftloß und nichtig sein. erstlich, wann dasselb an
                    seinen soleniteten und zierigkaiten welche von rechtsund lantsbrauch wegen von
                    nötten manglhaftig und ob gleich solche lantbreuchige zierligkaiten nit alle
                    sonder zum thail und etwo nur eine daraus mangelt, so künte dennoch das
                    testament nit bestehen. derhalben wann der testator und gescheftinger nit dahin
                    qualificiert, das er ainen lezten willen aufrichten kan, so gilt sein testiren
                    nichts, furs erst. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.2"> [Buch III Titel 37 § 2]<lb/> § 2 Item, wann der eingesezt erb
                    nit testamentsfähig. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.3"> [Buch III Titel 37 § 3]<lb/> § 3 Item, wann der testator zur
                    zeit des aufgerichten testaments nit mehr bei seiner vernunft gewesen. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.4"> [Buch III Titel 37 § 4]<lb/> § 4 Item, so er nit mehr
                    vernemblich und deutlich reden künnen. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.5"> [Buch III Titel 37 § 5]<lb/> § 5 Item, so er vor
                    beschliessung seines lezten willens erstumbt. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.6"> [Buch III Titel 37 § 6]<lb/> § 6 Item, wann die gebürlich
                    anzahl der zeugen und fertiger mangelt. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.7"> [Buch III Titel 37 § 7]<lb/> § 7 Item, wo dieselben fertiger
                    nit sigils gemeß oder sonsten unteuglich. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.8"> [Buch III Titel 37 § 8]<lb/> § 8 Item, so kein erb eingesetzt
                    worden, dann ohn ein institution kan kein testament sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.9"> [Buch III Titel 37 § 9]<lb/> § 9 Item, wann die eltern ihre
                    leibserben nit betreuen sonder umbgehen und praeterirn. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.10"> [Buch III Titel 37 § 10]<lb/> § 10 Item, wo die frucht so in
                    mueterleib gelassen nit bedacht worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.11"> [Buch III Titel 37 § 11]<lb/> § 11 Item, wann die eltern
                    ihre leibserben ohn billiche und rechtmessige ursachen enterben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.37.12"> [Buch III Titel 37 § 12]<lb/> § 12 Item, wann das testament
                    mit falschen practicen aufgericht. <pb n="Edition 2015 S. 260"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.37.13"> [Buch III Titel 37 § 13]<lb/> § 13 Item, wann das testament
                    an ainem substantialort, als im nahmen des eingesezten erbens oder der erblichen
                    portion geradiert were. an andern unvermechtlichen orten aber macht die rasur
                    das testament wohl verdechtlich aber nit nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.14"> [Buch III Titel 37 § 14]<lb/> § 14 Item, wann der testator
                    das testament furseztlich durchstrichen oder aufs wenigist die institution
                    cassiert und aufgethan. was aber heraus ad marginem gestelt, das bringt dem
                    testament keinen mangel. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.15"> [Buch III Titel 37 § 15]<lb/> § 15 Item, wann der
                    instituiert erb zur zeit des gemachten testaments nit im leben gewesen. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.16"> [Buch III Titel 37 § 16]<lb/> § 16 Item, do solcher erb vor
                    dem geschaftinger und testator mitt todt abgangen oder der testamentlichen
                    zustant unfehig worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.17"> [Buch III Titel 37 § 17]<lb/> § 17 Item, welches testament
                    ausforcht zwang und trang gemacht, das ist nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.18"> [Buch III Titel 37 § 18]<lb/> § 18 Item, wann der
                    gescheftinger sein voriges testament verendern wollen und solches der eingesetzt
                    erb geverlicher und fursezlicher weiß gehindert, so gilt solcher will nichts. </p>
        <p xml:id="NA.3.37.19"> [Buch III Titel 37 § 19]<lb/> § 19 Item, wann ihme der
                    geschaftinger selbst den todt aufthet, so were sein zuvor beschehene
                    testamentliche ordnung uncreftig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.38">
        <head>[Buch III Titel 38]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=208">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 38. tittl. Wann ain testament
                    manglhaftig, ob dennoch die gemeinen particulargeschäft, als legat fideicommiss
                    oder dergleichen, beschehen mögen. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.1"> [Buch III Titel 38 § 1]<lb/> § 1 Wann ein testament derhalben
                    manglhaftig, das der gescheftinger dasselb nit volkommenlich zu ent beschlossen
                    sonder zuvor seinen verstant verlohren oder retloß worden oder gächts todt
                    verschaiden, so felt solcher unvolkombner wiel durch und durch. und obgleich der
                    testator zwischen seinen kindern oder umb gottes willen geschaft verordnet, so
                    hetten doch dieselben auch Kein craft. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.2"> [Buch III Titel 38 § 2]<lb/> § 2 Wann ein testament mit dem
                    inhalt volkomben, aber an dem formbzierligkaiten und sollenniteten manglhaftig,
                    so fallen allen darinnen verleibte geschäft mit einander, allein es were solches
                    testament zwischen kindern aufgericht, so solle dasselb als weith es die kinder
                    antrifft bestehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.38.3"> [Buch III Titel 38 § 3]<lb/> § 3 Anderer aber und frembder
                    persohnen geschäft welche daselbst auch bedacht worden, die künnen nit bestehen.
                    desgleichen sollen die gescheft so umb gottes <pb n="Edition 2015 S. 261"/> und
                    der seelen willen armen leuten oder in ander weg ad pias causas beschehen
                    ungeacht aines solchen unzierlichen testaments ausgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.4"> [Buch III Titel 38 § 4]<lb/> § 4 Wenn auch der testator die
                    gemeinen legat und geschäft bei lebendigem leib ausgesthailt, so künnen sie auch
                    nit mehr revociert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.5"> [Buch III Titel 38 § 5]<lb/> § 5 Wann ein testament derhalben
                    nichtig, das die leibserben darinnen praeterirt oder enterbt worden, so seint
                    sie die darinnen verleibten geschäft ainen weg als den andern zu exequiren
                    schuldig. das uberig guet aber bleibt ihnen ab intestato allein. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.6"> [Buch III Titel 38 § 6]<lb/> § 6 Wann der geschäftinger den
                    erben auß genötten willen instituiert, aber die andern gescheft auß freiem
                    gueten willen macht, so fellt die institution allein, und die andern legat
                    bleiben bei ihren würden. do aber der ganz testamentlich inhalt gedrungen oder
                    gezwungen were, so fiel er miteinander. </p>
        <p xml:id="NA.3.38.7"> [Buch III Titel 38 § 7]<lb/> § 7 Wann ein testament nit
                    quaereliert sonder allein umb erstattung der natürlichen erbgebürnus und
                    legitima clagt wirdt, so bestehen alle darinnen verlaßne geschäft. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.39">
        <head>[Buch III Titel 39]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=211">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 39. tittl. Wann der eingesetzt erb nit
                    erb sein kan oder mag, wohin die erbschaft falle. Wann der instituiert erb vor
                    dem aufgerichtem testament unbewüest des gescheftingers mit todt abgangen, oder
                    nach dem testament vor des gescheftingers todt gestorben, oder des lezten willen
                    unfehig worden, so felt sein tail auf seinen substituten und aftererben, oder da
                    keiner verordnet auf seinen miterben wo aber kein miterb gesetzt worden, so kan
                    das testament nit bestehen, sonder solle das verlaßen erbguet auf des
                    geschäftingers nechste befreundten ab intestato fallen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.40">
        <head>[Buch III Titel 40]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=212">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 40. tittl. Von salvierung aines
                    unzierlichen testaments und der codicillarischen clauseln. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.40.1"> [Buch III Titel 40 § 1]<lb/> § 1 Wann sich ein gescheftinger
                    besorgen thuet, sein aufgerichter letster will werde fur ein ordenlichs
                    zierlichs und rechtmeßiges testament nit bestehen künnen, so mag er seinen
                    willen mit der codicillarischen clausl salvieren. damit <pb n="Edition 2015 S. 262"/> aber durch solches clausl nit allein die mengl
                    welche zur zeit des aufgerichten testaments verhanden, sondern auch die so sich
                    hernach vor des schäftingers ableiben, deßgleichen ihene welche sich nach seinem
                    todt begeben, und also der testamentlich will auf alweg erhalten werde, so mag
                    der geschäftinger solches clausl ungeverlich also stellen: ,,Wann mein lezter
                    will fur ein ordenlichs zierlichs und lantbreuchig testament iert oder kunftig
                    nit bestehen soll kan oder mag, so soll er fur ein codicil oder andern gemeinen
                    lezten willen gehalten und ausgericht werden". </p>
        <p xml:id="NA.3.40.2"> [Buch III Titel 40 § 2]<lb/> § 2 Es wirdt auch aus
                    codicillarclausel auf einen solchen formb gestelt, nemblichen: ,,so mein lezter
                    will nit bestehen kan als er solt, so ist mein mainung, das er gelt wie er immer
                    kan oder gelten mag". und ist eben so viel begert: ,,Kan er als ein
                    testamentlicher will nit creftig sein, so werde doch derselb ab intestato
                    volzogen". </p>
        <p xml:id="NA.3.40.3"> [Buch III Titel 40 § 3]<lb/> § 3 Es werden aber mit diser
                    cautel und dem codicillarischen claußl nit alle manglhaftige testamant guet
                    gemacht, sondern daßelb würkt allein in etlichen besondern fällen: Dann
                    erstlich, wo ein testament derwegen angefochten wirdt, das der geschäftinger nit
                    testamentsgemeß, so würkt das codicillarclausl weder an der institution noch
                    andern geschäften durchaus nichts, dann wer zu machung eines testaments
                    unteuglich, der kan auch kein codicill aufrichten. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.4"> [Buch III Titel 40 § 4]<lb/> § 4 Zum andern, wann das
                    testament imperfect, auch dem willen und puchstablichem inhalt nach unvolkomben,
                    als nemblichen, do der gescheftinger vor endung seines lezten willens sprachlos
                    worden oder unversehens tots abgegangen, so gilt solcher will nichts, ungeacht
                    das der gescheftinger das codicillcleusl zuvor vermeltt oder verzaichen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.5"> [Buch III Titel 40 § 5]<lb/> § 5 Wann aber fur das dritt, der
                    eingesetzt erb nit testamentsfehig, so bestehet das testament von wegen solches
                    codicillarcleusls. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.6"> [Buch III Titel 40 § 6]<lb/> § 6 Zum virten, wann der
                    eingesetzt erb die erbschaft ausschlegt, so werden dennoch die andern geschäft
                    mit diesem cleusl erhalten. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.7"> [Buch III Titel 40 § 7]<lb/> § 7 Zum funften, wann das
                    testament an seinen zierligkaiten und sollenniteten (als der zeugen an all,
                    ihrer fertigung oder in dergleichen fallen) manglhaftig, so bestehet dennoch
                    solcher will in craft obbemelts codicillarischen cleusels. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.40.8"> [Buch III Titel 40 § 8]<lb/> § 8 Zum sechsten, wann das
                    testament der praeterition halben und umb das, das die ehelichen leibserben
                    darinnen nicht bedacht noch betreut, angefochten wirdt, so erhelt dennoch das
                    darinnen einverleibt codicillarcleusl die andern geschäft. <pb n="Edition 2015 S. 263"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.40.9"> [Buch III Titel 40 § 9]<lb/> § 9 Zum sibenden, wann das
                    testament der kinder halben, so nach dem aufgerichtem testament oder des
                    gescheftingers todt geboren, nott leidet, so wirdt daselb abermals mit dem
                    codicillcleusl erhalten. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.10"> [Buch III Titel 40 § 10]<lb/> § 10 Zum achten, wann das
                    testament der enterbung halben manglhaftig, so bleiben von wegen des
                    codicillarclausls alle andere geschäft. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.11"> [Buch III Titel 40 § 11]<lb/> § 11 Die ander cautel,
                    dardurch ein unformblichs und nichtigs testament salviert kan werden ist dise,
                    dass der gescheftinger seine negsten befreundten in seinem testament
                    austrucklich bitte, wo sein lezter wiel ihr nit bestehen Kundt oder möchte, das
                    sie dennoch denselben ab intestato ausrichten wöllen. dann in solchem fall soll
                    und mues des geschäftingers willen von seinen negsten blutsfreunden als ein
                    fideicommiss außgerichtt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.40.12"> [Buch III Titel 40 § 12]<lb/> § 12 Wann der gescheftinger
                    das codicillarcleusl underlassen und der mainung durchaus gewesen, das (fol
                    249v) sein letster willen allein testamentsweis gehalten solle, aber derselb
                    mangelhaftig were und fur ein ordenlichs testament nit bestehen kündt, so solle
                    solcher will codicilweiß wider deß testators intention auch nit gelten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.41">
        <head>[Buch III Titel 41]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=217">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 41. tittl. Von codicillen oder letsten
                    willen, darinnen kain erb begriffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.1"> [Buch III Titel 41 § 1]<lb/> § 1 Ein codicill ist ein begrif
                    aines lezten willens, darinnen kein erb eingesetzt sonder andere
                    particulargescheft durch den gescheftinger verordnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.2"> [Buch III Titel 41 § 2]<lb/> § 2 Die codicill möge
                    schriftlich oder muntlich aufgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.3"> [Buch III Titel 41 § 3]<lb/> § 3 Die schriftlichen bedurfen
                    nit so viel zeugen sigler oder fertiger als die testament. derhalben, wo ein
                    geschäftinger sein codicill mit aigner hant schreibt und fertigt, so bedarfs dem
                    lantsbrauch nach anderer nebenfertiger gar nit. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.4"> [Buch III Titel 41 § 4]<lb/> § 4 Do es aber von einem andern
                    geschriben worden und des gescheftingers underschrift und sigill oder petschaft
                    vorhanden, solle noch ein ainiger nebenfertiger mit ainem insigl oder zwen mit
                    petschaften gebraucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.5"> [Buch III Titel 41 § 5]<lb/> § 5 Furs dritt, wo des
                    schäftingers aigne fertigung manglet, sollen zwei fremde sigill oder drei
                    petschaft zu ainer manspersohn codicill genueg sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.6"> [Buch III Titel 41 § 6]<lb/> § 6 Ein weib aber solle vier
                    petschaft oder zwei insigll in disem lezten fall brauchen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.41.7"> [Buch III Titel 41 § 7]<lb/> § 7 Die codicill geschehen auf
                    zweierlei weiße: erstlichen fur sich selbst und ohn alles vor- oder nachgehent
                    testament, als wann einer sein verlassung allein durch particulargeschäft
                    austhailen und keinen erben haben wiel. <pb n="Edition 2015 S. 264"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.41.8"> [Buch III Titel 41 § 8]<lb/> § 8 Zum andern additionalweiß,
                    als do einer zuvor ein testament gemacht und hernach derselben testamentlichen
                    ordnung außer der erbseinsatzung etwas geben oder nehmen wolt, so ist nit von
                    nötten ein anders neues testament zu machen, sonder solche verenderung addition
                    oder diminution kan in einem codicil füglig wohl beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.9"> [Buch III Titel 41 § 9]<lb/> § 9 Ein vorbeschehen institution
                    kan aber durch kein codicill aufgehebt werden. dann als wenig ainer in seinem
                    codicil ainen erben oder aftererben setzen, so wenig Kan er auch solche
                    institution oder substitution daselbst cassiren und abthain. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.10"> [Buch III Titel 41 § 10]<lb/> § 10 Gleicherweie kan kein
                    enterbung in ainem codicill beschehen. wo nun in einem lezten willen der
                    gescheftinger ainen erben macht, oder einen aftererben einsetzt, oder einen
                    leibserben enterbt, oder mit außgeführten ursachen praeterirt, so ist darauß zu
                    schliessen oder er kein codicill sonder ein testament zu machen bedacht gewesen.
                    derhalben wo derselb der zierligkait nach fur ein ordenlichs testament nitt
                    bestehen kan, so soll er auch als ein codicill nit gelten. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.11"> [Buch III Titel 41 § 11]<lb/> § 11 Wann der testator in
                    seinem vorhergehendem testament ainen erben gemacht, aber sein erblich portion
                    nit specificiert, so mag solche erleiterung in einen volgenden codicill wohl
                    bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.12"> [Buch III Titel 41 § 12]<lb/> § 12 Gemeine legat und
                    geschäft mögen in ein codicill wohl verleibt werden, sie geschehen gleich zu der
                    ehr gottes oder in ander weg. also mögen sie auch in einem codicil widerruft
                    oder auf ein andere persohn transferiert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.13"> [Buch III Titel 41 § 13]<lb/> § 13 Desgleichen mögen
                    darinnen fideicommiss geordnet und die negsten befreundten ab intestato gebetten
                    werden, dieselben an ort und enden außzuspenden, wohin es der geschäftinger
                    vermaint und ihnen darumben getrauet. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.14"> [Buch III Titel 41 § 14]<lb/> § 14 Es ist auch einem
                    geschäftinger unverwerth all sein haab und guet in einem codicill, nit erbsweise
                    sondern durch einen fideicommiss, zu verlaßen und seinen negsten freunden
                    darinnen aufzubinden, solche sein verlaßung bei erbaren gueten vertrauen dem n.
                    oder n. nach seinem todt zuzustellen, doch mögen sie den vierten tail,
                    Trebellianica genant, davon zihen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.41.15"> [Buch III Titel 41 § 15]<lb/> § 15 Ein codicil kann vor
                    einem testament oder hernach aufgereicht werden, und bricht das nachvolgent
                    testament das vorgehent codicill nit, sonder es bestett daßelb, es were dann
                    sach dass solches durch das testament austrüklich cassiert wird. <pb n="Edition 2015 S. 265"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.41.16"> [Buch III Titel 41 § 16]<lb/> § 16 Deßgleichen, wann ein
                    codicill nach einem testament aufgericht wirdt, so nimbt es solchem testament an
                    seinem inhalt und würden nichts, es geschech dann darinnen ein außgetrukte
                    cassation oder verenderung, soviel sie von rechtswegen in codicillen stattfinden
                    kan. doch ist von nöthen, es zihe gleich das testament oder codicill vorahn, das
                    in dem lezten des ersten gedacht werde. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.17"> [Buch III Titel 41 § 17]<lb/> § 17 Welche persohn ein
                    testament zu machen teuglich, die kan auch ein codicill aufrichten, hergegen wer
                    nit testiren kan, dem ist das codicilliren auch verbotten. derwegen kan ein
                    pupill kein codicill machen, aber sein vatter mags an seiner statt thuen, doch
                    hat es nach des suhns erreichtem vogtbarkeit nit mehr statt. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.18"> [Buch III Titel 41 § 18]<lb/> § 18 Desgleichen, wer eines
                    testamentlichen willen nit fähig, der solle der codicillen auch nit geniessen. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.19"> [Buch III Titel 41 § 19]<lb/> § 19 Zwei testament kan
                    niemants under sein verlassen, sunsten künte nur eines daraus bestehen. aber
                    zwei bestendige codicill kan ein gescheftinger wohl aufrichten und in ainem von
                    einem tail seiner haab und gueter, in dem aber von dem andern disponirn und
                    verordnung thain. </p>
        <p xml:id="NA.3.41.20"> [Buch III Titel 41 § 20]<lb/> § 20 Die maisten mängl, welche
                    obgehörtermaßen ein testament prechen und nichtig machen, haben wider die
                    codicillen auch stat, allein was die formb und zierligkait anlangt außgenomben,
                    dann dieselben in ainem codicill so volkomenlich nit von nötten, wie obens
                    vernomben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.42">
        <head>[Buch III Titel 42]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=224">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 42. tittl. Von gemainen geschäften und
                    und verlassungen, legata genant. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.1"> [Buch III Titel 42 § 1]<lb/> § 1 Die gemeinen geschäft künnen
                    in einem testament und codicill verlaßen, oder muntlich ab intestato denen
                    negsten befreundten bevohlen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.2"> [Buch III Titel 42 § 2]<lb/> § 2 Damit aber solche geschäft
                    von rechtswegen bestehen mügen, ist erstlich von nötten, das der gescheftinger
                    zu testiren teuglig sei. dann welche persohn Kein testament aufrichten Kann,
                    derselben soll auch das legiren und verschaffen verwehrt sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.3"> [Buch III Titel 42 § 3]<lb/> § 3 Zum andern ist von nötten,
                    das der geschaftmann oder legatsgenoß testamentsfehig sein. wer aber solche
                    persohn seint, davon ist oben bei dem 16. titl tractirt worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.4"> [Buch III Titel 42 § 4]<lb/> § 4 Die geschäft mögen
                    plutsfreunden oder frembden persohnen beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.42.5"> [Buch III Titel 42 § 5]<lb/> § 5 Es ist auch denen rechten
                    nit zuwider mehrer persohnen, so an einander nahent gesipt, als vatter und sühne
                    oder dergleichen, in einem ainigem lezten willen mit gescheften zu bedenken. <pb n="Edition 2015 S. 266"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.42.6"> [Buch III Titel 42 § 6]<lb/> § 6 Einem eingesezten erben kan
                    der geschaftmacher neben der institution wohl legirn oder praelegirn </p>
        <p xml:id="NA.3.42.7"> [Buch III Titel 42 § 7]<lb/> § 7 Zum dritten ist von nötten,
                    das die geschaft mit und bei gutter vernunft verordnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.8"> [Buch III Titel 42 § 8]<lb/> § 8 Zum vierten, wann die
                    geschäft nit ab intestato sondern in einem testament, verlaßen worden, so ist
                    ferrer von nötten, das solches tetament zierlich und creftig sei. sonsten do es
                    an geburlichen sollenniteten manglhaftig, gulten die geschäft nichts, man ist
                    auch diselben auszurichten nit schuldig, es were dann solches testament mit dem
                    codocil cleusl versehen, oder der geschaftherr hette seine negste befreundten
                    dieselb in omnem eventum auszurichten gebotten, oder das gescheft gienge nit
                    frembt sonder leibs erben ahn, oder es hette der geschaftherr ad pias causas was
                    verschafft oder die negsten freunt wolten die legat gutwillig ausrichten. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.9"> [Buch III Titel 42 § 9]<lb/> § 9 Zum funften, wann die
                    geschäft in einem testament beschehen, ist von nötten, das solches testament von
                    dem geschaftherrn complirt und allerdings volkomblich beschloßen sei, sonsten
                    ist man die gescheft do sie gleich Kinten oder ad pias causas vermaint, zu
                    volziehen nit verbunden. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.10"> [Buch III Titel 42 § 10]<lb/> § 10 Zum sechsten, ist von
                    nötten das der geschaftherr das geschaft aus freien gueten willen ohn alle
                    betroung oder betrangnus verordne. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.11"> [Buch III Titel 42 § 11]<lb/> § 11 Zum siebenten, ist von
                    nötten das der geschaftherr solche sachen verlassen, welche von rechts wegen
                    verschafft werden mugen.(fol 252v) </p>
        <p xml:id="NA.3.42.12"> [Buch III Titel 42 § 12]<lb/> § 12 Zum achten, ist von
                    nötten das der eingesetzt erb die erbschaft antrette, dann do er sich derselben
                    entschlige, fielen die andern gescheft zu boden. es were dann sach das der
                    eingesetzt erb des gescheftingers befreundter, und die erbschaft vortailiger
                    weiß darumben ex testaments nit antretten wolt, damit die testamentlichen
                    geschäft erligen, er auch dieselben nit ausrichten darf, in welchem fall bei
                    denen geschribnen rechten löblich versehen und geordnet, das solcher
                    aigenutziger erb, wann er der erbschaft hernach ab intestato fehig wirdt, die
                    geschäft einen weg als den anderen ausrichten solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.42.13"> [Buch III Titel 42 § 13]<lb/> § 13 Wann auch das testament
                    mit dem codicillarcleusl versehen, so müessen die gescheft ungeacht des
                    eingesezten erbens repudiation von denen negsten befreundten ab intestato
                    ausgericht werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.42.14"> [Buch III Titel 42 § 14]<lb/> § 14 Zum neunten, ist von
                    nötten das der gescheftheer nichts verordnet, welches gueten sitten, dem recht,
                    lantsbrauch und altem herkomben, general oder policei zuwider. derwegen, wo ein
                    gescheftinger viel oder wenig disponiert welches obgehörten fällen zu entgegen,
                    so kan daßelb geschaft nit bestehen. als do einer <pb n="Edition 2015 S. 267"/>
                    verordnet, man soll der ablösung seiner verlaßnen haab und güeter denen nechsten
                    befreundten nit statt thain oder dergleichen. (fol 253.) </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.43">
        <head>[Buch III Titel 43]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=229">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 43. tittl. Welche haab und gueter
                    verschafft mogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.1"> [Buch III Titel 43 § 1]<lb/> § 1 Ein geschafter mag seine
                    verpfandte oder versezte haab und gueter sowohl als die freien verschaffen. und
                    wann sich der totfall mit ihme begibt, so ist sein eingesezter erb schuldig
                    solches versetzt oder verschrieben pfant abzulösen, auch daßelb dem gescheftmann
                    einzureimen. do auch der geschafher [!] ein freies stuckh seiner haab und gueter
                    verschafft und dasselb erst nach aufgerichtem testament verpfendet, so felt
                    dardurch das geschäft nit, sonder der erb ist daßelb gleicherweise freizumachen
                    und dem geschaftem zu ubergeben schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.2"> [Buch III Titel 43 § 2]<lb/> § 2 Es ist aber disfals von
                    nötten daß der geschäftinger umb die verpfendung ain aigentliches wißen hab.
                    dann do er ein verseztes guet der mainung als ob es ledig und frei verschief, so
                    kunte solches aus irrthum beschehens legat, do es ainem frembden vermaint, nit
                    bestehen; einem befreundten aber soll es ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.3"> [Buch III Titel 43 § 3]<lb/> § 3 Gleicher gestalt mag ein
                    gescheftinger das, so man ihme schuldig oder zu thain, ungeacht das er noch nit
                    würklich bekomben, freunden und frembden verschaffen. und do er die schulden
                    seinem schuldner vermaint, so ist der erb dieselb nach dem totfall
                    freizusprechen, auch mit quittungen oder verzichten nach gelegenheit der
                    erhaischenden notturft zu versichern schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.4"> [Buch III Titel 43 § 4]<lb/> § 4 Do aber der geschäftherr
                    dieselben schulden rechten und gerechtigkaiten nit seinen geltern und
                    verobligirten sondern andern verschief, so sollen ihnen dieselben die erben
                    dieselben schultbrief und gerechtigkaiten volmechtiglich cediren und ubergeben,
                    sie auch zu einbringung derselben, so guet er immer gefast, notturftiglich
                    armiren. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.43.5"> [Buch III Titel 43 § 5]<lb/> § 5 Ein gemeines unvertailtes
                    haab und guet kan auch verschafft werden, doch underschietlicher massen. dann do
                    der geschaftherr der gemeinschaft oder Communion bei den geschaft nit gedenckt,
                    sonder schlechtlich also ordnet: ,,den oder disen grund schaff ich dem n". so
                    ist zu vermueten, er habe dem geschaftmann nit allein seinen gebürenden thail
                    sondern den ganzen grunt vermaint. derhalben der erb schuldig die anderen thail
                    von des testators miterben abzulösen und dem geschaftman völlig einzureumen,
                    oder do er der lösung nit habhaft werden kundt, dem geschaftmann dem andern
                    thail billichen werth ervolgen zu lassen. wann aber der testator bei dem
                    geschaft der communion (fol. <pb n="Edition 2015 S. 268"/> 254.) meldung thette,
                    so erscheint, das er dem geschaftman daran mehrers nit als seinen geburenden
                    thail verlassen wöllen, den solle ihme der erb auch richtig machen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.5a"> [3.43.5a]<lb/> § 5 a* Wann der geschäftinger etwas
                    verschafft welches nit sein aigen sondern seinem eingesezten erben zugehörig, so
                    kan der erb seines testators willen nit prechen, sonder ist solches gescheft dem
                    geschaftman zu liefern schuldig. doch wo ihme daßelb beschwerlich, mag er sich
                    der erbschaft entschlagen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.6"> [Buch III Titel 43 § 6]<lb/> § 6 Wann dem geschaftman sein
                    aignes freies guet verlaßen wirdt, so ist das geschaft nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.7"> [Buch III Titel 43 § 7]<lb/> § 7 Wann aber dasselb dem
                    testator obligiert verpfendt oder versetzt gewesen, so tregt solches legat ain
                    freimachung auf ihme, und ist der erb schuldig daßelb dem schuldner ohn alle
                    widergeltung erfolgen zu laßen. ist es aber einem andern verpfendt, so solle
                    dasselb der erblosen und dem geschaftman ohn entgelt ledig zustellen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.8"> [Buch III Titel 43 § 8]<lb/> § 8 Wann der geschaftherr ein
                    frembdes guet wißentlich und wohlbedechtlich verschafft, so ist der erb dasselb
                    zu losen und dem geschaftman zu ubergeben schuldig. do ihme aber der
                    aigenthumber solcher lösung nit statthain wolt, soll er dem geschaftman
                    desselben frembden verschaften guets werth lifern. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.9"> [Buch III Titel 43 § 9]<lb/> § 9 Hergegen, do der testator
                    mit seinem geschaft geiret und ein frembdes guet fur sein aignes unwislich
                    verschafft, so kann dasselb legat nitt gelten, es were dann keinem frembden
                    sondern einem blutsfreunt vermaint worden, in welchem fall aintweder das guet
                    durch den erben abgelöst oder der billich werth dem geschaftman gegeben werden
                    solle. ob aber der testator wissent oder unwissent in disem fall gewesen, das
                    mues der erb und nit der geschaftman erleitern und beweislichen machen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.10"> [Buch III Titel 43 § 10]<lb/> § 10 Wann vor des geschafthern
                    totfall ein verschaftes frembdes guet an dem geschaftman mit rechtmessiger
                    ankauf, als donation gescheftweise oder ex causa lucrativa komben, so ist das
                    legat gefallen und der erb dasselb auszurichten ferrer nit schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.43.11"> [Buch III Titel 43 § 11]<lb/> § 11 Do aber der geschaftman
                    solches guets vor des geschaftherrn tots durch Kauf wechsl oder andere
                    dergleichen titl und causas onerosas aigenthumblich habhaft würd, so bestehet
                    das geschaft ainen weg als den andern und ist der erb obgehörtermassen verbunden
                    dem geschaftmann den billichen werth, weil das guet zuvor sein aigen zu raichen.
                        <pb n="Edition 2015 S. 269"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.43.12"> [Buch III Titel 43 § 12]<lb/> § 12 Geistliche und
                    lantsfurstliche cammer und communitetsgueter Kann noch soll niemants
                    verschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.13"> [Buch III Titel 43 § 13]<lb/> § 13 Ein bestantweiß verlassen
                    guet mag der bestantherr ungehindert des wehrenden bestants verschaffen, doch
                    solle der erb oder geschäftmann den bestantmann vor ausgang des bedingten
                    bestants gegen reichung des geschloßnen jhärlichen zinß unvertrieben lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.14"> [Buch III Titel 43 § 14]<lb/> § 14 Wann einer ein guet
                    erkaufft aber nit vollig auszahlt noch würklich innenhatt, so wer er dennoch
                    daßelb zu verschaffen befuegt. es mueste auch die auszahlung der hinderstelligen
                    und restirenden Kaufsumma nit der gescheftman sonder der eingesetzt erb ohn des
                    geschaftmans entgelt thain </p>
        <p xml:id="NA.3.43.15"> [Buch III Titel 43 § 15]<lb/> § 15 Ein ehemann mag seines
                    hausfrauen heuratliche güeter aigenthumblich nit verschaffen, thet er aber
                    solches, so soll der erb dem geschaftmann desselben guets billichen werth
                    zustellen. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.16"> [Buch III Titel 43 § 16]<lb/> § 16 Ein verseztes pfant kann
                    dem glaubinger verschafft werden und ist der erb die schult einen weg als den
                    andern zu bezahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.17"> [Buch III Titel 43 § 17]<lb/> § 17 Das eigenthumb kan einem
                    und die fruchtniessung einem andern verschafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.43.18"> [Buch III Titel 43 § 18]<lb/> § 18 Die dienstbarkeiten und
                    servituten mögen auch legiert und verschafft werden, als wann einer dem anderm
                    steeg- oder weegrecht uber seinen grunt oder einfallende lichter in seinen
                    lezten willen vergunstigt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.44">
        <head>[Buch III Titel 44]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=237">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 44. tittl. Was dem geschäftman ervolgen
                    solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.1"> [Buch III Titel 44 § 1]<lb/> § 1 Wann einem ein bewegliches
                    oder unbewegliches stukh verschafft wirdt, so kan der erb die ablösung daßelben
                    wider des gescheftmans gelegenhait nit begeren. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.2"> [Buch III Titel 44 § 2]<lb/> § 2 Do einem ist gemein ein roß
                    viech ketten oder dergleichen legiert worden, so ist der erb dem geschaftman nit
                    das best noch ärgist sonder das mittelmessig daraus ervolgen zu lassen schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.44.3"> [Buch III Titel 44 § 3]<lb/> § 3 Wann der geschaftherr ainem
                    seine heuser gärten klaider oder dergleichen stuckh verschafft, so mues solches
                    legat auf die heuser und gerten verstanden werden, welcher der geschäftherr zur
                    zeit des aufgerichten testaments gehabt. derhalben so er hernach andere und
                    mehrere vor seinem todt bekomben. sollen dieselben nit dem geschaftman ervolgen
                    sonder dem haubterben verbleiben. <pb n="Edition 2015 S. 270"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.44.4"> [Buch III Titel 44 § 4]<lb/> § 4 Wann der gescheftinger ainem
                    all sein silbergeschmeit verschafft und daßelb hernach specificirt, als pecher
                    schalen schüssl täller leichter gießkandl giespeckh etc. und ein oder mehr
                    sorten des gemachten silbergeschmeits in der specification auslest, so kann
                    solcher mangl dem gescheftmann nitt schaden, dann weil ihme alles silbergeschir
                    in gemein verschafft worden, so volgen ihm die unspecificierten stuckh, so viel
                    deren dem silbergeschier anhengig, gar billich; silb[e]rne parschaft aber soll
                    darein nit verstanden werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.5"> [Buch III Titel 44 § 5]<lb/> § 5 Do der geschäftherr ainem
                    alle seine roß, dem andern seine reitroß verschaffet, so nimbt das
                    particulargescheft dem general sein craft, derwegen mueß sich der erst
                    gescheftmann in denen wagenrossen ersettigen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.6"> [Buch III Titel 44 § 6]<lb/> § 6 Do es sich begeb das ein
                    gescheftinger ainem ein ainigs corpus oder stuckh zwier verschief, so kan
                    solches legat, es geschehe gleich in ainem ainigen oder zweien underschietlichen
                    lezten willen, den verstant nit haben, das es zweimahlen entricht und fur die
                    erst verordnung das guet, fur die ander aber desselben werth dem geschaftmann
                    gereicht werden solle. wann aber ainem gelt, als hundert gulden, zu zweimahlen
                    verschafft wirdt und solches legat in einem ainigem leztem willen begriffen, so
                    soll es der erb nur einmahl betzahlen, es were dann sach das des lezten legats
                    inhalt auf ein auction und mehrung gestelt, nemblichen also: ,,dem n. schaff ich
                    uber die vorigen hundert gulden andere hundert gulden", oder: ,,dem n. schaff
                    ich noch hundert gulden", oder was dergleichen wort sein mögen, daraus die
                    dupplierung des geschefts zu vermerken. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.7"> [Buch III Titel 44 § 7]<lb/> § 7 Item, wann die verschafften
                    summa ungleich, sie weren gleich in einem oder zweien lezten willen verleibt, so
                    sollen sie beide ausgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.8"> [Buch III Titel 44 § 8]<lb/> § 8 Also auch, wann die
                    verschafft summa gleichmessig, aber in zweien underschietlichen lezten willen
                    verordnet, als hundert ducaten im testament und abermals hundert im codicil, so
                    soll baide summa der geschafften vermueg geschribner rechten geliefert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.9"> [Buch III Titel 44 § 9]<lb/> § 9 Wann zwei persohnen ain
                    ainiges stuckh ohn auszaigung der thail verschafft worden, so soll iedem
                    geschaftmann halber tail folgen. do sich aber der ein seines tails begeb, soll
                    derselb dem andern zustendig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.44.10"> [Buch III Titel 44 § 10]<lb/> § 10 Wann das verschafft guet
                    nit gegenwertig sondern von dem geschaftherrn anderswo hinderlegt oder
                    verschickt worden, so mues der erb ohn des geschaftmanns entgelt zu handen
                    bringen und ihme behendigen. <pb n="Edition 2015 S. 271"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.44.11"> [Buch III Titel 44 § 11]<lb/> § 11 So der erb das verschafft
                    haab und guet verwendt und wider zu handen bringen kundt, ist er solches zu
                    thain schuldig. do es aber nit sein möchte, soll er dem geschaftmann den
                    billichen werth erstatten. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.12"> [Buch III Titel 44 § 12]<lb/> § 12 Wann das verschafft guet
                    vor ausrichtung des testaments durch des erbens aignen fursatz unvleiß oder
                    verwarlosung zum verderben kömb, solle er dem gescheftman den billichen werth
                    darfur betzahlen. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.13"> [Buch III Titel 44 § 13]<lb/> § 13 Wann aber solches
                    geschafft durch natürliche mitl oder unversehene fäll, als prunst Krieg nott
                    wassergüeß schifpruch und dergleichen unfäll, vergeet, so ist der erb solchen
                    schaden abzutragen nit verbunden, es were dann sach das er an der prunst oder
                    dem zugestandnen unfall schuldig, oder das er mit zustellung des legats seumbig
                    und moros, oder das das gescheft in gelt gewesen, dann ob es gleich verbrunnen,
                    so muss der erb dasselb in gleichen werth dennoch ausrichten. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.14"> [Buch III Titel 44 § 14]<lb/> § 14 Do das verschafft guet
                    den erben entfrembdt würde, er auch an disem verlust nit schuldig, so kündt ihme
                    der geschäftman nichts zumueten noch desselben werth mit fueg begehren, dann er
                    solches an seinen aignen gutern auch gewertig sein muessen. do er aber solches
                    verschafft guet ubel verwahret und zu dem verlust mit seiner unfursichtigkait
                    ursach gegen hette, soll er dem gescheftman solchen erlittnen schaden abtragen. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.15"> [Buch III Titel 44 § 15]<lb/> § 15 Wann der geschaftherr dem
                    geschaftman mehrers, als aus irrthumb oder in eil geschriben worden, vermaint
                    hette, so soll der beweißlich will dem inhalt billich weichen. gleicherweiß do
                    ungevär mehrers geschriben als verlaßen worden und der erb solches auf
                    widersprechen beweisen kündt, solle abermals dem willen und nit der irrigen
                    schrift nachgesetzt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.16"> [Buch III Titel 44 § 16]<lb/> § 16 Wann das geschäft nit
                    verdorben sonder in des erbens gewaltsamb durch seinen unvleiß schlechter
                    worden, so soll er solchen schaden dem geschaftman auch abtragen. </p>
        <p xml:id="NA.3.44.17"> [Buch III Titel 44 § 17]<lb/> § 17 Was einem geschaft durch
                    waßergüeß gebert gemacht oder in ander weg zusteet, das solle dem gescheftman
                    neben dem haubtlegat zugestelt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.44.18"> [Buch III Titel 44 § 18]<lb/> § 18 Deßgleichen, wann der erb
                    nach seiner erblichen antrettung mit uberantwortung des geschefts saumbig und
                    das gescheft mit fechsung der frucht, einnembung der zins oder in ander weg
                    geniesse, so ist er solchen genieß dem geschaftman zuzustellen schuldig. do er
                    sich aber darumben verclagen ließ, soll er alles das dessen er genossen oder der
                    geschaftman als ein besserer wirt geniessen hett mögen bezahlen. <pb n="Edition 2015 S. 272"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.44.19"> [Buch III Titel 44 § 19]<lb/> § 19 Do auch das gescheft an
                    parem gelt were, solle ihme der verzigig erb das lantpreuchig intereße funf per
                    cents neben der haubtsumma bezahlen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.45">
        <head>[Buch III Titel 45]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=245">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 45. tittl. Welche geschäft nichtig und
                    dem geschäftman nit ervolgen, auch keiner ausrichtung bedurftig. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.1"> [Buch III Titel 45 § 1]<lb/> § 1 Erstlich seint alle gescheft
                    nichtig und kraftloß, welche an einem oder mehr stuckhen, davon oben bei dem 42.
                    titl meldung beschehen und zu aines legats beständigkait notwendig sein, mangl
                    haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.2"> [Buch III Titel 45 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, wann ein
                    geschaft gar zu general und unspecificiert were, so kan es kein würkung haben,
                    als wann der gescheftinger dem n. oder n. ein unbenentliche summa gelts ohn
                    specification der zahl und sort verließ. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.3"> [Buch III Titel 45 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, wann der
                    geschaftman das verschafft guet in des gescheftherrns leben durch donation oder
                    andere gleichmessige weg ohn sein entgelt bekombt, so ist ihme nachmals der
                    eingesetzt erb deßelben zuvor angehendigten guets aestimation oder billichen
                    werth zu geben nit schuldig. do aber der geschaftmann daßelb guet mit erkaufung
                    wechsl oder dergleichen widergeltung an sich gebracht, so solle ihme der erb die
                    aestimation billichen ervolgen laßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.4"> [Buch III Titel 45 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, do daß geschäft
                    ohn des erben schult oder unvleiß aus natturlichen ursachen vergieng oder durch
                    unfall zum verderben kömb, so ist er davon entprochen. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.5"> [Buch III Titel 45 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, wann der
                    testator das verschafft stuckh in seinem leben verkauft oder verbraucht, so ist
                    das legat aus. do es aber der erb vernüztet, so ist er den billichen werth zu
                    erstatten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.6"> [Buch III Titel 45 § 6]<lb/> § 6 Zum sechsten, wann der
                    geschaftman die anhengig bürd seines habenden geschafts nit volziehen (fol 258v)
                    wolt, soll er des legats nit habhaft werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.45.7"> [Buch III Titel 45 § 7]<lb/> § 7 Zum sibenden, wann der
                    geschaftherr das verschafft haab und guet nach seinem aufgerichtem lezten willen
                    wilkürlich ohn alle unvermeitliche notturft durch kauf wechsl oder dergleichen
                    contracts alienirt verwendet und von seinen handen Kömben lest, so wirdt das
                    vorgehent legat durch solche alienation todt und ab. do ers aber ausgetrungner
                    nott seines unvermögens, oder das das gescheft seiner art nach in die leng nit
                    bleiblich verlaßen oder verkomben müest, so bleibt das gescheft bei seinen
                    würden und ist der erb dem geschaftmann den billichen werth dafur zu geben
                    schuldig, er bewise dann das der geschaftherr seinen willen mit dieser
                    verenderung verkehrt. <pb n="Edition 2015 S. 273"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.45.8"> [Buch III Titel 45 § 8]<lb/> § 8 Zum achten, wann der
                    testator das verschafft haab und gueth noch in seinem leben verschenkt, so felt
                    durch solche donation das vorgeent geschaft. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.9"> [Buch III Titel 45 § 9]<lb/> § 9 Zum neunten, wann der
                    geschaftherr einem ein schult verschief und dieselb bei seinen lebzeiten
                    einbrecht, so erligt das verschafft legat, es were dann sach das der geschaftman
                    beweislich machen kundt, das solche einforderung in mainung sein legat dardurch
                    auzuheben nit beschehen. do es aber der erb eingemahnt, so bleibt das legat ohn
                    einige beweisung bestendig. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.10"> [Buch III Titel 45 § 10]<lb/> § 10 Zum zehenden, do der
                    geschäftinger das verschaffen guet verhandlet und hernach vor seinem todt
                    widerumb zu seinen henden mit rechtmessiger ankunft precht, so were der erb
                    dennoch nit schuldig dasselb dem gescheftmann ervolgen zu lassen, es kunte dann
                    der geschaftman ausfindig machen, das ihme der geschäftinger solche legat
                    widerumb vom neuen vermaint. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.11"> [Buch III Titel 45 § 11]<lb/> § 11 Wann der testator das
                    geschäft so er dem gescheftmann bei seinem testament vermaint in seinem
                    additional-willen und codicill aufhebt oder auf einen anderen geschaftmann
                    umblegt, so ist sein legat durch solche ademption und transaction auch gefallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.12"> [Buch III Titel 45 § 12]<lb/> § 12 Wann ein vatter seiner
                    tochter ain benantes heuratgueth verschief, auch dieselb noch bei lebendigem
                    leib verehelichte und mit solcher haimbsteur verseche, so hatt das gescheft sein
                    entschaft. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.13"> [Buch III Titel 45 § 13]<lb/> § 13 In obgehörten fallen wann
                    das nichtig geschäft bei der verlassung verhanden, so bleibt es dem eingesezten
                    erben. </p>
        <p xml:id="NA.3.45.14"> [Buch III Titel 45 § 14]<lb/> § 14 Wann der geschäftinger
                    mit benehmung demonstration außzaigung oder andern umbstenden des verschafften
                    legat irret, aber das legat an ihme selbst unzweifenlich und erkantlich were, so
                    solle von wegen solches euserlichen irrthumbs daßelb gescheft nit fallen.
                    deßgleichen do der gescheftinger das ver schafft guet nach dem testament
                    versetzt oder verobligiert, so bleibt dennoch das legat bei seinen würden und
                    ist der erb solches zu lösen und dem gescheftmann einzureumben schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.46">
        <head>[Buch III Titel 46]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=251">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 46. tittl. Ob der geschäftman das
                    geschaft thailen müge. </p>
        <p xml:id="NA.3.46.1"> [Buch III Titel 46 § 1]<lb/> § 1 Ein geschaftmann soll sein
                    geschaft es sei tailbar oder nit eintweder gar annemben oder gar verlaßen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.46.2"> [Buch III Titel 46 § 2]<lb/> § 2 Do ihme aber mehr
                    underschitliche stuckh verschafft worden, mag er etlich gar annemben, die andern
                    gar verlasen. halbiren soll ers aber auch nit. <pb n="Edition 2015 S. 274"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.47">
        <head>[Buch III Titel 47]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=252">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 47. tittl. Ob ein geschäftman sein
                    vermaintes gescheft auf seine erben transmittier. Wann der geschaftmann vor dem
                    gescheftinger mit todt abgeet, so kan das geschäft so ihme vermaint worden auf
                    seine erben nit fallen, sondern es wirdt solches legat caducum und bleibet des
                    gescheftingers erben. wann aber der geschäftman des gescheftingers totfall
                    erlebt, und ehe er seines geschäfts habhaft worden gleichfals mit todt abgeet,
                    so transmittiert er sein jus und gerechtigkait auf seine erben, ungeacht das der
                    erben in dem testament nit gedacht, es were dann sach das solches legat mit
                    gemeßnen conditionen verlaßen worden, welche sich vor des gescheftman todtfall
                    noch nit begeben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.48">
        <head>[Buch III Titel 48]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=253">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 48. tittl. Wann die geschäft ausgericht
                    sollen werden. Dem geschribnen rechten nach mag die ausrichtung der geschäft
                    innerhalb eines jharfrist beschehen. wann aber der lezte will undisputierlich
                    und die verschafften gueter in des erben gewaltsamb, so ordnen setzen und wollen
                    wir von lantsfurstlicher volmacht wegen, das die geschäft straks nach
                    angetretner erbschaft abgericht und denen geschaftmannen zugestelt werden
                    sollen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.49">
        <head>[Buch III Titel 49]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=254">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 49. tittl. Mit was ordnung die geschäft
                    abgericht sollen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.49.1"> [Buch III Titel 49 § 1]<lb/> § 1 Wann man zu der execution
                    aines lezten willens greifft, so mag der eingesetzt erb erstlichen von
                    unvertailtem gueth herdannehmen, was er von seinem aignen darlegen auf des
                    geschäftingers begrebnus deßgleichen sperren inventiren und schätzen
                    dargelichen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.49.2"> [Buch III Titel 49 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, sollen die
                    schulden von unvertailtem guet außzahlt werden, dahin dann ein wittiber oder
                    wittib mit ihren heuratlichen sprüchen auch zu verstehen. und do des verlassen
                    guets mehrers als der schulden, so ist einige ordnung zwischen denen creditorn
                    mit der bezahlung zu halten nit von nötten, sondern wer ehers kombt den soll der
                    erb bezahlen. do sich aber die verlaßung zu völliger abzahlung aller glaubinger
                    nit erstreckt. solle ein crida angeschlagen <pb n="Edition 2015 S. 275"/> und
                    die glaubinger der prioritet halben gegen einander vernomben, daruber erkent und
                    die creditorn nach der ergangnen erkantnus ordnun abgefertigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.49.3"> [Buch III Titel 49 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, solle des
                    gescheftingers leibserben ihr naturliche ergeburnuß und legitima, wo ihnen nit
                    mehrers verschafft, ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.3.49.4"> [Buch III Titel 49 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, sollen die
                    geschaft, welche der testator umb gottes und seiner seel hail willen verordnet
                    under allen andern gemeinen geschäften ausgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.49.5"> [Buch III Titel 49 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, sollen die
                    gemainen geschäft in der ordnung wie dieselben ersucht ausgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.49.6"> [Buch III Titel 49 § 6]<lb/> § 6 Wann der eingesezt erb zu
                    der verlassung actionen sprüch und anforderung hatt, so stehen ihme dieselben
                    neben andern glaubingern wie recht ist bevor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.50">
        <head>[Buch III Titel 50]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=256">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 50. tittl. Von denen ursachen dardurch
                    ein geschäft verwürkt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.1"> [Buch III Titel 50 § 1]<lb/> § 1 Die geschäft werden auß
                    vielerlei recht messigen ursachen verwürkt und verlohren: erstlich, wann der
                    geschaftman des geschaftherrn verlaße wittib in unehren erken. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.2"> [Buch III Titel 50 § 2]<lb/> § 2 Item, do der geschaftman an
                    des geschaftherrn todt schuldig und denselben mit verdachtlicher oder bößer
                    wartung gefiedert. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.3"> [Buch III Titel 50 § 3]<lb/> § 3 Item, wo sich nach dem
                    vermaintem geschäft zwischen dem geschaftinger und geschaftman ein schwere
                    capitalfeintschaft zugetragen und dieselb der gescheftman geursacht. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.4"> [Buch III Titel 50 § 4]<lb/> § 4 Item, so der gescheftman dem
                    gescheftinger offentlich geschmäht und an seinen ehren verletzt. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.5"> [Buch III Titel 50 § 5]<lb/> § 5 Item, so der gescheftinger
                    nach seinem testament unredlich umbkomben und der geschaftmann seinen
                    unschuldigen todt mit gebürlicher clag nit antet noch vindiciert, es were dann
                    sach das der thetter nit zu betretten, oder das dem gescheftman ein anderer
                    clager furkömb, oder das er ein minderjhärige persohn were. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.6"> [Buch III Titel 50 § 6]<lb/> § 6 Item, do der gescheftman den
                    geschaftherrn an verenderung seines lezten willens verhindert. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.50.7"> [Buch III Titel 50 § 7]<lb/> § 7 Item, do sich der
                    geschaftman der auferlegten testamentlichen tutel und vormuntschaft waigert. <pb n="Edition 2015 S. 276"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.50.8"> [Buch III Titel 50 § 8]<lb/> § 8 Item, wann der geschaftman
                    des testators lezten willen, als ob derselb mit falsch aufgericht worden,
                    anfecht und mit recht erligt, so mag er sich des geschäft unwürdigen. und do ers
                    zuvor angehendigt, soll ers dem eingesezten erben wider restituirn. dergleichen
                    alle die so zahtt und thatt darzu geben, es were dann sach das der geschaftman
                    von ambtswegen anstatt seines pflegkints solche clag furnemben hette müeßen,
                    oder das der geschaftman vor dem endurtel von seiner clag abstünde. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.9"> [Buch III Titel 50 § 9]<lb/> § 9 Welcher aber ein testament,
                    umb das es an seinen zierligkaiten und sollenniteten manglhaftig, disputirlich
                    macht und verlustig wirdt, derselb soll nichts destweniger seines geschefts
                    habhaft werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.10"> [Buch III Titel 50 § 10]<lb/> § 10 Item, wann der
                    geschaftman das testament als unmessig und in officios anfecht, so macht er sich
                    seiner darinnen verleibten legat unwürdig. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.11"> [Buch III Titel 50 § 11]<lb/> § 11 Item, wann der
                    gescheftman seinen geschäftinger mit schwerer clag belestiget und ihme seines
                    stants halben, als ob er nit ehelicher geburt oder dergleichen, gerichtlich
                    anzeucht, so wirdt er des legats unfehig. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.12"> [Buch III Titel 50 § 12]<lb/> § 12 Item, do er sich des
                    gescheftingers haab und gueter, weil derselb noch im leben, mächtiget und deren
                    einstails bei seinem lebendigem leib verschenkt. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.13"> [Buch III Titel 50 § 13]<lb/> § 13 Item, wann der
                    geschaftman das verschafft guet hindergeet oder daßelb mit gwalt einnimbt. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.14"> [Buch III Titel 50 § 14]<lb/> § 14 Es ist fast gebreuchlich
                    das die gescheftinger in ihre lezte willen ein cautel setzen und mit gemessnem
                    inhalt verordnen: welche persohnen sich an ihren verschafften tail oder legaten
                    nit benüegen laßen sondern den lezten willen kriegen, dieselben sollen ihres
                    geschafts nit fehig sein. dieses clausel aber hatt vermüege der rechten nit
                    stat, wann das testament fur unformblich oder unzierlich gestritten wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.3.50.15"> [Buch III Titel 50 § 15]<lb/> § 15 Wann aber der gescheftman
                    dasselb als ein falsches oder unmessiges testament anficht, so ist solches
                    cleusl gültig und würklichen. (fol. 262v </p>
        <p xml:id="NA.3.50.16"> [Buch III Titel 50 § 16]<lb/> § 16 Obgehörte ursachen,
                    darunter ein particulargeschäft als legat und fideicommiss verwürkt wirdt,
                    erstreken sich auf die institution und erbsatzung auch, dann wo sich der erb in
                    einem oder dem andern obegrifnen fall verschuldiget, so macht er sich seiner
                    erblichen gebürnus unfehig. dise verwürkten geschäft aber bleiben dem
                    eingesezten erben nit, sonder fallen unserer lantsfürstlichen cammer vermüeg
                    geschribnen rechten haimb. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.51">
        <head>[Buch III Titel 51]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=261">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 51. tittl. <pb n="Edition 2015 S. 277"/> Von abzueg und messigung der geschäft so lex Falcidia genent wirdt, auch
                    welche legat keinen abzueg erdulden. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.1"> [Buch III Titel 51 § 1]<lb/> § 1 Wann ein gescheftinger nach
                    seinem ableiben soviel schulden verließ, das dieselben aus seinem vermögen
                    schwerlich zu betzahlen und nichts ubrigs verhanden blieb, so were sein lezter
                    will und die darinnen verleibten geschäft nichtig. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.2"> [Buch III Titel 51 § 2]<lb/> § 2 Do er aber etwas ubrigs
                    under sein gelaßen, doch daßelb maistes tails verschafft, also das dem
                    eingesezten erben der vierte tail solches guets nach abzahlung aller schulden
                    nit uberblieb, so möcht sich sein erb der freihait legis Falcidiae gebrauchen
                    und einem ieden gescheftinger von seinem gebürendem geschäft pro rata portione
                    so viel abziehen, das er auf den vierten thail der ganzen verlaßung Köme; alls
                    wann der geschäftinger viertausent gulden ohn schulden verließ und dreitausent
                    funfhundert daraus verschief, so mangleten seinem eingeseztem erben an seiner
                    gebürenden vierten thail der tausent gulden noch funfhundert gulden, die möchte
                    er pro rata denen gescheftsgenossen abziehen und also seiner tausent gulden
                    völlig habhaft werden. solcher abzug aber hat nit allein in legaten sonder
                    bevorgeschäften und praelegaten, donationen causa mortis und allen
                    particulargeschäften statt. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.3"> [Buch III Titel 51 § 3]<lb/> § 3 Doch sein etliche besundere
                    fäll darinnen ainiger abzueg von rechtswegen nit beschehen mag: erstlichen solle
                    denen kindern und leibserben an ihrer gebürenden natturlichen legitima nichts
                    abgezogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.4"> [Buch III Titel 51 § 4]<lb/> § 4 Zum andern, was der
                    verstornen umb gottes oder seiner seelhail wegen oder den armen zu guetem
                    verschafft und ad pias causas verordnet, dieselben geschäft sollen auch frei
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.5"> [Buch III Titel 51 § 5]<lb/> § 5 Zum dritten, wann ein erb
                    verdechtlich mit der erbschaft umbgeet und Kein inventari aufgericht hette, so
                    verwürkt er die freihait legis Falcidiae und Kan derselben nit gemessen. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.6"> [Buch III Titel 51 § 6]<lb/> § 6 Zum vierten, wann der
                    geschäftinger seines vermügens einen eigentlichen bericht hette und derwegen
                    solchen abzueg in seinem lezten willen verbieten thette. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.7"> [Buch III Titel 51 § 7]<lb/> § 7 Zum funften, von ainem
                    heimbgeschafften heuratguet soll auch nichts defalciert werden, dann ein wittib
                    bekömbt dardurch nichts anderst als das ihrig. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.51.8"> [Buch III Titel 51 § 8]<lb/> § 8 Zum sechsten, wann der erb
                    ein oder mehr legat guetwillig und völlig bezahlt, so Kan er ferrer nit mehr
                    abziehen. <pb n="Edition 2015 S. 278"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.51.9"> [Buch III Titel 51 § 9]<lb/> § 9 Zum sibenden, do er sich der
                    völligen betzahlung wisslich und ungeacht seiner habenden freihait erbotten. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.10"> [Buch III Titel 51 § 10]<lb/> § 10 Zum achten, so ein erb
                    von der erbschaft was enttragen und dessen uberwisen, so verleurt er damit den
                    befreiten abzug. </p>
        <p xml:id="NA.3.51.11"> [Buch III Titel 51 § 11]<lb/> § 11 Der vierte tail aber des
                    obberürten abzugs wirdt nach gelegenhait der zeit zu welcher der gescheftinger
                    sein leben beschlossen, und gar nit als er seinen lezten willen aufgericht,
                    geraiten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.52">
        <head>[Buch III Titel 52]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=265">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 52. tittl. Von vertreulichen geschäften
                    und fideicommissen. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.1"> [Buch III Titel 52 § 1]<lb/> § 1 Die fideicommiss und
                    vertreulichen geschäft werden in einem testament oder codicill, desgleichen
                    müntlichen ausser aufrichtung eines schriftlichen willen verlassen, sein auch
                    zweierlei art und aigenschaft. etliche sein universal, etliche particular. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.2"> [Buch III Titel 52 § 2]<lb/> § 2 Die universal-fideicommiss
                    geschehen in testamenten, nemblichen wann der gescheftinger einem sein haab und
                    guet ein zeit lang verlest doch mit dem vertreulichen auflag, das er dasselb
                    einem anderm so etwo noch unvogtbar oder ausser lants oder derzeit dadlhaftig
                    restituiern und uberantworten wölle. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.3"> [Buch III Titel 52 § 3]<lb/> § 3 Die particular-fideicommiss
                    aber mögen schriftlich oder müntlich verordnet werden. in einem schriftlichem
                    leztem willen beschehen sie ongeverlich also: ,dem n. verlasse ich mein haus,
                    doch mitt diser auferlegten burt, do er ohn leibserben abgeen würd, das solches
                    hauß dem n. oder n. zustelt werden solle'. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.4"> [Buch III Titel 52 § 4]<lb/> § 4 Deßgleichen werden solche
                    particular- und ainzige fideicommiss muntlich ohn allen schriftlichen lezten
                    willen verlassen, dann der unversehen todt ubereilt einen geschaftinger
                    oftermals so schnell das er keinen schriftlichen willen aufrichten kan, sondern
                    nur muntlichen vertrauen und bevehlen mueß, wie es nach seinem todt mit seinem
                    guet gehalten werden solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.52.5"> [Buch III Titel 52 § 5]<lb/> § 5 Solche fideicommiss mögen
                    nit allein einem erben sonder auch einem anderm gemeinen geschaftmann und
                    legatari aufgebunden werden. dann welchem der testator mit ainem stuckh seiner
                    gueter versicht, den mag er widerumb mit ainem vertreulichen fidei commis
                    beschweren. damit aber der beschwert nit umbsonst knecht sei und sich des
                    auferlegten fideicommiss zu entschutten ursach gewien, ist versehens rechtens
                    das alle nuzbarkeiten von denen fideicommittierten haab und guetern herrüerent
                    biß auf die verordnet restitution der beschwerten persohn zu einer ergötzung und
                    recompens <pb n="Edition 2015 S. 279"/> aigenthumblichen verbleiben solle.
                    deßgleichen mag er den vierten thail des ganzen verlasnen fideicommiss
                    herdanziehen und denselben per senatus consultum Trebellianum fur seinen tail
                    aigenthumblich behalten, es sei ihme gleich derselb durch den gescheftinger
                    austruckenlich vermaint worden oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.6"> [Buch III Titel 52 § 6]<lb/> § 6 Wann nun der beschwert
                    geschaftgenoß umb zustellung zu gebürlicher zeit ersucht wirdt, ist er die
                    fideicommittirten haubtgüeter (doch ausser der aufgehebten nutzungen wie oben
                    gehört) dem so sie durch den testirer oder gescheftinger vermaint worden zu
                    restituiren schuldig- und do er Keines fideicommiss gestendig sein wolt, sondern
                    den vertrauten willen so etwo muntlichen beschehen in abret ziehen thet, so mag
                    ihme der ait zugemuht werden, denselben ist er auch zu thain schuldig. dann do
                    er sich deßelben waigert, soll er ausser ferrer beweisung zu restituierung des
                    fideicommiss ohn mittl condemnirt und gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.7"> [Buch III Titel 52 § 7]<lb/> § 7 Die fideicommiss vergleichen
                    sich mit denen legaten und gescheften fast in alweg, dann wer legiren kann, dem
                    ist fideicommiss zu verlassen auch erlaubtt. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.8"> [Buch III Titel 52 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen wer
                    gescheftsfehig, der kan mit einem fideicommiss auch betreutt werden. also auch
                    welche gueter verschafft künnen werden, die mögen auch ein fideicommiss
                    ertragen. </p>
        <p xml:id="NA.3.52.9"> [Buch III Titel 52 § 9]<lb/> § 9 Ebnermassen, aus welchen
                    ursachen ein geschäft nichtig ist oder verwürkt wirdt, dieselben ursachen der
                    nichtigkait und verwürkung reimen sich auf ein fideicommiss, davon in obrigen
                    titeln darinnen von denen geschaftmännern gehandlet mehrers ersehen mag werden.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.53">
        <head>[Buch III Titel 53]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=270">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 53. tittl. Von der ubergab so von
                    totswegen geschiecht und donatio causa mortis genant wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.53.1"> [Buch III Titel 53 § 1]<lb/> § 1 Die donation und ubergab von
                    totswegen ist ein lezter will, welcher dem lantsbrauch nach nit müntlich sonder
                    schriftlich beschiecht, wirdt auch gemeinklich bei gesundem leib aus betrachtung
                    des unversehenen tots oder von wegen geverlicher weiß und zueg furgenomben, als
                    da einer ins velt ziehen oder uber meehr fahren wolt und des tots sowohl
                    gesunder als kranker stuntlich gewartent sein müeste, wo were unnott das er ain
                    ordenlichs und zierlichs testament aufrichtet, sonder es steet ihme bevor seiner
                    haab und gueter <pb n="Edition 2015 S. 280"/> halben durch ein donation causa
                    mortis und dieselb neben seinem insigl oder petschaft mit einem frembden sigill
                    oder zweien petschaften zu fertigen und zu lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.2"> [Buch III Titel 53 § 2]<lb/> § 2 Solche ubergab von totswegen
                    künnen alle vogtbare persohnen machen, deßgleichen dem lantsbrauch nach alle
                    Kinder, ungeacht das ihre eltern noch im leben. gemeiniglich aber geschehen
                    solche donationen von ehe- und chonleuten dann dieselbigen richten in einem oder
                    zweien underschitlichen donation-briefen reciproce und gegen einander ihre lezte
                    willen auf, darinnen sie verordnung thain was dem uberlebendem leib es sei
                    gleich mann oder weib ervolgen oder denen kindern und leibserben verbleiben
                    solle. doch ist ihnen unbenomben anderer persohnen sie sein gleich freunt oder
                    frembdt darinnen auch zu bedenken. dise ubergab von totswegen mögen von keinem
                    aufgericht werden, er sei dann testamentsgemeß derselben kan auch keiner habhaft
                    werden, er sei dann testamentsfehig. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.3"> [Buch III Titel 53 § 3]<lb/> § 3 Welche gueter in ainem
                    testament nit verschafft künnen werden, die sein auch Keiner ubergab von
                    totswegen fehig. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.4"> [Buch III Titel 53 § 4]<lb/> § 4 Die donation von totswegen
                    geschehen vermüeg geschribner rechten auf zweierlei weiß: erstlichen mit
                    ubergebung oder würklicher tradition der donirten und geschenkten gueter. furs
                    ander, das der donatari und geschenkgenos der donierten gueter erst nach des
                    gebers todt habhaft werden solle, welches dem lantsbrauch nach gebreuchiger ist. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.5"> [Buch III Titel 53 § 5]<lb/> § 5 Solche ubergaben fallen aus
                    etlichen ursachen: erstlichen, wann der ubergeber den schenkgenossen uberlebt,
                    zum andern, wann der ubergeber der beschehen ubergab reuet, dann Kein notturft,
                    das er solche donation durch einen andern lezten willen widerruffe, sondern er
                    mag dieselben sonsten cassiern todt und abmachen. furs dritt, wann er von der
                    totlichen Krankhait welche ihne zu der donation verursacht wider auf- oder von
                    der gefehrlichen raiß widerrumb lebendig haimbkombt. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.6"> [Buch III Titel 53 § 6]<lb/> § 6 Die ubergab von totswegen
                    werden denen legaten und geschäften verglichen, deswegen was oben von denselben
                    gehandlet und geordnet worden, das reümet sich zu solcher übergaben meistes
                    tails auch. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.53.7"> [Buch III Titel 53 § 7]<lb/> § 7 Wann ein ubergab oder
                    donation aufgericht, aber darin nit ausgetruckt wirdt, ob sie von totswegen
                    beschehen oder sonsten ain ubergab under lebendigen so <pb n="Edition 2015 S. 281"/> donatio inter vivos genant wirdt were, so ist in
                    dubio zu vermueten, das ein donation inter vivos sei, welche ihrer arth nach
                    unwiderruflich ist. </p>
        <p xml:id="NA.3.53.8"> [Buch III Titel 53 § 8]<lb/> § 8 Desgleichen, wo ein donation
                    von totswegen mit ausgetrukten worten dahin gestelt were, das sie unwiderruflich
                    sein solt, so solle dieselb fur keinen lezten willen sondern ein lebendige
                    ubergab und donation inter vivos gehalten werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.54">
        <head>[Buch III Titel 54]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=275">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 54. tittl. Von denen executorn oder
                    volziehung eines testamentlichen und andern lezten willens. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.1"> [Buch III Titel 54 § 1]<lb/> § 1 Wann ein geschaftinger in
                    seinen lezten willen besondere executorn oder ausrichter verordnet, so soll
                    ihnen der eingesezt erb in der anbevolnen execution keinen eintrag thuen. do
                    aber der geschäftinger keinen anrichter seines lezten willens gesezt hette, so
                    stehet die ausrichtung dem instituirten erben nach lantsbrauch zu. und do
                    solcher lezter will ein codicil were und keinen eingesezten erben hette, so
                    sollen des verstorbnen negste befreunden die ausrichtung volziehen, oder wo sie
                    sich derselben waigerten solle die ordenlich obrigkait ainem oder mehr
                    executoren nach beschaffenhait der verlaßnen haab und gueter verordnen, welche
                    verordnung von der laiischen obrigkait nach altem herkomben, ungeacht was bei
                    denen geschribnen rechten disfals versehen, beschehen mag. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.2"> [Buch III Titel 54 § 2]<lb/> § 2 Die geistlichen persohnen
                    und ordensleuth sollen zu ausrichtung der lezten willen, welche von weltlichen
                    persohnen aufgericht, nicht gebraucht, uber geistlicher geschäftinger letster
                    willen aber mögen sie zu ausrichtung wohl verordnet werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.3"> [Buch III Titel 54 § 3]<lb/> § 3 Die weibspersohnen sollen zu
                    dergleichen ausrichtungen auch nit gesezt werden, allein es were dieselb persohn
                    ein instituierte erbin oder des geschaftingers ehegemahl, dann solche werden dem
                    lantsbrauch nach zu außrichtern ihre verstorbnen hauswirt letster willen
                    mehrmals verordnet. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.4"> [Buch III Titel 54 § 4]<lb/> § 4 Die unvogtbaren und
                    münderjhärigen taugen zu derlei ausrichtung auch nit. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.54.5"> [Buch III Titel 54 § 5]<lb/> § 5 Wann ein geschaftinger ainen
                    oder mehr executorn seines lezten willens verordnet, so mögen sich dieselbigen
                    der auferlegten execution waigern und sein solche wider ihren willen anzunemben
                    nit schuldig, es were dann sach das sie sich der execution würklich underfangen
                    und erst hernach davon trachten wolten, oder das ihnen der geschaftinger solcher
                    auferlegten burt halben was geschafft, sie auch dasselb geschafft angenomben und
                    behendigtt. <pb n="Edition 2015 S. 282"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.54.6"> [Buch III Titel 54 § 6]<lb/> § 6 Deßgleichen, do sie des
                    geschaftingers bluetsfreunt weren, sollen sie sich der auferlegten execution
                    vermüeg geschribner rechten nit entschutten. item, do sie bei aufrichtung des
                    testaments gewesen, auch die auflag vom geschaftinger angehört und dieselb nit
                    widersprochen. item da sie von der obrigkait zu ausrichtern furgenomben worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.7"> [Buch III Titel 54 § 7]<lb/> § 7 Wann sich der executor der
                    auferlegten ausrichtung entschlecht, so verwürkt er dann alles das was ihme der
                    gescheftinger in seinen leztem willen vermaint. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.8"> [Buch III Titel 54 § 8]<lb/> § 8 Wann ein executor vor
                    angefangner oder beschloßner volziehung des lezten willens mit todt abgieng, so
                    ist sein nachgelaßner erb dieselb zu verrichten oder zu beschliessen nit
                    schuldig, sondern die ausrichtung felt auf die andern mitexecutorn. wo aber
                    derselben keiner verhanden, so soll die obrigkait an des verstorbnen stat einem
                    andern dem lantsbrauch nach verordnen. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.9"> [Buch III Titel 54 § 9]<lb/> § 9 Es solle kein ausrichter,
                    weil dieselben aus sonderm hohen vertrauen erkiest werden, an seiner statt ainen
                    andern afterausrichter und substituten ordnen. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.10"> [Buch III Titel 54 § 10]<lb/> § 10 Die ausrichtung aines
                    ieden lezten willens solle innerhalb ainer jharsfrist beschehen, doch mit der
                    maß wie oben im 48. tittl vernumben. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.11"> [Buch III Titel 54 § 11]<lb/> § 11 Die verordneten executorn
                    sollen ihrer kunftigen verwaltung und darauf gehörigen raitung halben der
                    ordenlichen obrigkait unvergreifen, aber andere caution ist dem lantsbrauch nach
                    unvonnotten. sie seint auch ihrer verrichtung halben denen negsten befreundten
                    burgschaft zu thain nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.12"> [Buch III Titel 54 § 12]<lb/> § 12 Die testamentlichen
                    executionen sein dem lantsbrauch nach noch unverschaidenlich, derhalben mag
                    dieselb von ainem, ungeacht des andern saumsal oder waigerung, wohl furgenomben
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.13"> [Buch III Titel 54 § 13]<lb/> § 13 Die testamentlichen
                    ausrichter sollen kein haubtguet von wegen ihrer anbevohlnen execution
                    verkaufen, es hette dann der geschäftinger ains oder mehr zu der ausrichtung
                    deputiert, oder es were kein parschaft bei der verlaßung verhanden, in welchem
                    fall nit die besten sondern mittermessigen gueter angegriffen sollen werden. es
                    sollen auch die beweglichen und varenden haab und gueter vor den ligenden
                    verkauft werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.14"> [Buch III Titel 54 § 14]<lb/> § 14 Deßgleichen solle solche
                    verkaufung unverdechtlicher weise beschehen und allein dem ervolgen, welcher das
                    maiste darumben geben wolt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.54.15"> [Buch III Titel 54 § 15]<lb/> § 15 Bei solcher verkaufung
                    aber, sie geschehe gleich ahn ligenden oder vahrenden guetern, sollen des
                    gescheftingers nechsten befreundten frembden angemasten kaufern billich
                    furgezogen werden. <pb n="Edition 2015 S. 283"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.54.16"> [Buch III Titel 54 § 16]<lb/> § 16 Es solle auch kein
                    ausrichter von seinem mitverwanten auß der verlassung etwas erkaufen, es
                    geschehe dann offentlich und mit vorwissen der obrigkait. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.17"> [Buch III Titel 54 § 17]<lb/> § 17 Was der geschaftinger umb
                    gottes und seiner seelenhail willen auf einem oder dem anderm gewissen weg
                    verordnet, das solle der ausrichter in Keinen andern brauch verwechslen. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.18"> [Buch III Titel 54 § 18]<lb/> § 18 Deßgleichen, do der
                    testator etwas armen leuten verlaßen, so soll der ausrichter dasselb geschaft
                    ainem armen allein und insulidum nit einreumben, auch sich selbst aber gleich
                    armb were damit nit begaben, deßgleichen seine negste befreundte nit, es
                    geschehe dann treulich und ungever. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.19"> [Buch III Titel 54 § 19]<lb/> § 19 Wann der gescheftinger
                    ainen grunt ad pias causas umb gottes willen verschafft hette, so soll der
                    ausrichter den den geschaftleuten fur solchen grunt kein gelt furschlagen noch
                    einreumen. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.20"> [Buch III Titel 54 § 20]<lb/> § 20 Deßgleichen, do er ihnen
                    pares gelt verordnet, solle sie der ausrichter mit einem grunt nit benöttigen. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.21"> [Buch III Titel 54 § 21]<lb/> § 21 Die testamentlichen
                    ausrichter sollen die verlassung mit einem ordenlichen inventari annemben, es
                    were dann sach das sie der geschaftinger deßelben austrukenlich begeben hette.
                    (fol 269) </p>
        <p xml:id="NA.3.54.22"> [Buch III Titel 54 § 22]<lb/> § 22 Wann die executorn ihr
                    ausrichtung beschloßen, so sollen sie der obrigkait ordenliche raitung thain,
                    dieselb auch denen negsten befreundten oder interessierten umb ihr einret
                    zustellen. sie sein auch ihre ausgaben mit glaubwürdigen schein zu justificiren
                    schuldig es weren dann die ausgaben geringschätzig oder armen leuten einziger
                    weise von hant auß beschehen, in welchen baiden fällen ihrem ait, do es die
                    notturft eraischet, billichen ausser anderer schriftlichen schein glaubt solle
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.54.23"> [Buch III Titel 54 § 23]<lb/> § 23 Do sich ainer oder der
                    ander testamentlich ausrichter mit der execution verdechtlich hielt, so soll er
                    seines auferladnen ambts entsezt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.55">
        <head>[Buch III Titel 55]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=283">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 55. titl. Von der succession und dem
                    erbrecht ab intestato, auch denen erbschaften, welche ainem von wegen naturlichs
                    gebluets ohn und ausser eines aufgerichten <pb n="Edition 2015 S. 284"/> lezten
                    willens zustendig sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.55.1"> [Buch III Titel 55 § 1]<lb/> § 1 Zum eingang diser tractation
                    ist zu wißen, das in volgenden titlen alzeit allein der manspersohnen, als
                    vatter sühne einckel ureinckel und dergleichen, gedacht wirdt. dann die
                    weibsbilt erben von wegen der lantgebreuchigen verzicht bei einer ersamben
                    lantschaft ab intestato nichts. Was aber von vatter sühne und einckel gemelt,
                    das erstrekt sich auf die unverzignen töchter und derselben erben auch,
                    desgleichen auf die müeter und ihre unverzigene leibserben mannß- und
                    weibspersohnen, in simli bei den andern standen so nit des adels seint alle
                    volgende siptbaumb auf die mutter töchter schwester einckel und schwesterkinder
                    zu verstehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.55.2"> [Buch III Titel 55 § 2]<lb/> § 2 Item, die verstorbnen
                    persohnen stehen in schwarzen celleln und cirkeln, die lebendigen in rotten. die
                    von einem pant herrüeren haben ein ainiges rundes cellel oder circkeln, die von
                    beeden banden aber umb besserer erkantnus willen seint mit zweien cellen oder
                    circkeln formirt. darnach soll sich der leser bei allen figurn richten. Wie
                    suhne und töchter erben. Wann ein mannspersohn mit todt abgeet und sühne in
                    ehelichen stant erworben hinder sein , verlest so sollen dieselben sühne ihres
                    verstorbnen vatter verlaßnes haab und guet zu gleichen thailen erben, wie
                    nachvolgende figur zu erkennen gibt: Erklehrung. <pb n="Edition 2015 S. 285"/>
                    Auß disen dreien sühnen erbt ainer soviel als der ander. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.56">
        <head>[Buch III Titel 56]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=286">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 56. titl. Wie die suhn mit denen
                    einkhlen erben. Gehet ein persohn mit todt ab und verlest suhne auf ainen thail,
                    deßgleichen enickel von seinen verstorbnen sühnen herrüerent anderß tails, so
                    werden die einkhel neben den lebenden sühnen nachvolgender gestalt fur erben
                    zugelassen, nemblichen das solche enickel in ihrer abgeleibten vätter
                    fuesstampfen tretten und all mit einander allein soviel und nit mehrers von der
                    erbschaft bekomben, als ihren vattern so sie den erbfall erlebt gebüert hette,
                    welches in stirpes und nit in capita genant wirdt. do dann auf der einen seiten
                    ain ainiger bruder, auf der andern seiten aber drei bruderskinder verhanden
                    weren, so erbt der einig bruder gleich so viel als die drei bruderskinder alle
                    mit einander, als die nachfolgent figur ausweist: Erklerung. Dise drei einickhl
                    Paul Max und Wolf erben alle nit mehrers als der obstehent lebendig sohn Georg
                    allein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.57">
        <head>[Buch III Titel 57]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=289">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 57. titl. <pb n="Edition 2015 S. 286"/>
                    Wie die sühne mit denen uhreinklen erben. Gleichergestalt wirdt es mit den
                    urenicklen gehalten, nemblichen wann der verstorben kinder ihme sühne an einem
                    und uhrenicklin am andern verlest, so tretten die uhrenkhln auch in ihrer vätter
                    fusstampfen, erben auch samentlichen nit mehrers oder wenigers dann soviel ihren
                    vattern (wo sie den totfall erlebt) an der erbschaft entlich zugestanden were,
                    wie hernach zu sehen: Erklärung. Dise drei ureinkel Wolff Andre und Sigmundt
                    erben den halben, und der lebendig suhn Georg den andern halben thail. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.58">
        <head>[Buch III Titel 58]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=291">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 58. titl. Wie die einkhlen mit einander
                    erben. Stirbt ein mann und verlest keinen suhn sonder allein enickel von suhnen
                    herrüerent, so erben sie ungeacht das sie in gleichem grad stehen nit nach
                    anzahl der persohnen sonder nach stamben-recht und tretten in ihrer vätter <pb n="Edition 2015 S. 287"/> fuesstapfen. sie bekomben auch von solcher
                    erbschaft gleichmessigen thail, es sein gleich der persohnen ainerseits mehrers
                    als der andern, als hernach stehet: Erklerung. Dise zwen enickel Paul und Marx
                    erben gleich soviel als die andern drei Wolff Andre und Sigmundt mit einander.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.59">
        <head>[Buch III Titel 59]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=292">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 59. titl. Wie die ureinkhel mit
                    einander erben. Wann einer mit todt abgeet und weder Kint noch enickel sonder
                    zwei oder mehrerlei ureinckel von seinem leib herrüerent hinder sein verlest, so
                    sollen dieselben nachstamben-recht und nit nach anzahl der persohnen ihren
                    schranherrn erben, wie folgt: <pb n="Edition 2015 S. 288"/> Erklerung. Dise drei
                    uhrenickel Wolf Andre Sigmundt erben eben soviel, als die andern vier Caspar
                    Matthes Thomann und Niclas. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.60">
        <head>[Buch III Titel 60]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=293">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 60. titl. Wie die einkhlen und ureinkel
                    mit einander erben. So es sich zutrüeg das enickel an einem und dem ureinckel am
                    andern thail verhanden, so tretten dieselben enickel und urenickel in ihrer
                    vatter statt ein, erben auch nit nach anzahl der persohnen sonder zu gleichen
                    thail vermueg des stambes-rechts, allermassen wie obens von den sühnen und
                    enikeln angezeigt worden, vermüg nachgesteltes sippaumbs: <pb n="Edition 2015 S. 289"/> Erklerung. Diese vier urenickl Andre Sigmundt
                    Caspar und Mattes erben mit einander von des obstehenden stammen-vatters des
                    Hannßen verlassung nit mehrers als die zwen enickel Paul und Marx des Jörgen
                    kinder. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.61">
        <head>[Buch III Titel 61]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=295">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 61. titl. Wie die sühne einkel und
                    ureinkel mit einander erben. Verlest einer ainen suhn drei enickel und vier
                    urenickel under sein, so sollen dieselben zugleich obgehörter massen nach
                    stamben-recht und nit nach anzahl der persohnen erben, inhalt volgender figur:
                        <pb n="Edition 2015 S. 290"/> Erklärung. Hierbei soll die erbschaft in drei
                    gleiche portionen getailt werden, und der erst tail gebüert dem lebendigen suhn
                    Christoff, der ander denen drei enickel Marxen Wolfen und Andre, der drit denen
                    vier urenickel Casparn Matthesen Thoman und Niclasen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.62">
        <head>[Buch III Titel 62]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=297">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 62. titl. Ob die ureinkel mit denen
                    einkhlen und ur einkhlen erben. Do einer enickel urenickel und ururenickel under
                    sein verliesse, so schließen die enickel und urenicklen, die urureinkel auß,
                    dann sie seint umb ein grad weiter. es mögen auch solche urureinkel an ihrer
                    eltern fuesstapfen (wie die ureinickel) nicht tretten, dann solches einstant(fol
                    264v)recht, jus repraesentationis genant, hat nach denen urenickeln in
                    absteigender lini ferrer nit stat, als gegenwertige figur auszaigt: <pb n="Edition 2015 S. 291"/> Erklehrung. Hierbei wirdt die erbschaft in zwen
                    gleiche tail dividirt, der erst gebüert denen zweien enickeln Pauln und Marxen,
                    der ander denen vieren lebendigen urenikeln mit nahmen Andre Sigmundt Caspar und
                    Mattes. die ururenckel Thoman und Niclas aber werden von [den] dreien vorigen
                    ausgeschlossen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.63">
        <head>[Buch III Titel 63]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=299">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 63. titl. Von denen seitenerben welche
                    in der collaterall-lini begrifen, und erstlichen wie die brüder von baiden
                    banden an einander erben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.63.1"> [Buch III Titel 63 § 1]<lb/> § 1 Gehet ein mann mit todt ab
                    und verlest keinen leibserben in absteigender lini sonder brüder im leben, und
                    solche bruder den verstorbnen von baiden banden verwant, auch vatter- und
                    muttershalben rechte ehleibliche geschwistriget sein, so erben dieselben inhalt
                    der geschribnen rechten und des algemeinen lantbrauchs nach anzahl der persohnen
                    gleiche thail, wie hernach zu sehen: <pb n="Edition 2015 S. 292"/> Erklerung.
                    Solche zweibandige brüder erben zugleich vätterlichs und mütterlichs und andere
                    eroberte haab und gutter mit einander. </p>
        <p xml:id="NA.3.63.2"> [Buch III Titel 63 § 2]<lb/> § 2 Und wiewol in diesem fall
                    die persohnen aufsteigender lini, als vatter mutter anherr anfrauen etc., dem
                    Kaiserlichen rechten nach neben der verstorbnen persohn lebenden brudern zu
                    gleichem thail zugelassen werden, iedoch weil die erbschaften den uralten
                    österreichischen lantsbrauch nach ab intestato nit zuruckhfallen. so werden
                    solche persohnen der aufsteigenden lini von des verstorbnen geschwisterigeten
                    genzlich ausgeschlossen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.64">
        <head>[Buch III Titel 64]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=301">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 64. titl. Wie brüder von ainem pant mit
                    den brüdern von beiden panden ihre verstorbne bruder erben sollen. </p>
        <p xml:id="NA.3.64.1"> [Buch III Titel 64 § 1]<lb/> § 1 Stirbt ein mann und verlest
                    brüder von ainem pant und dann bruder von baiden panden, so felt die erbschaft
                    nach ordnung Kaiserlichen rechten allein auf die brüder welche der verstorbnen
                    persohnen von baiden landen verwant gewesen, welches dann dem lantsbrauch nach
                    in denen haab und güetern so die verstorben persohn selbs gewunen und erobert
                    gleichermassen gehalten wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.64.2"> [Buch III Titel 64 § 2]<lb/> § 2 Aber in den erbgüetern
                    welche von dem stamben herkomben ist dem lantsbrauch nach dise nachvolgende
                    underschait zu halten, nemblichen wann der lebent bruder den verstorbnen bruder
                    allein vatterhalben befreundt, so solle der bruder mit dem bruder welcher dem
                    verstorbnen von baiden panden verwant gewest, das vätterlich erbguet zu gleichem
                    thail bekomben, das mutterlich aber solle dem bruder von baiden banden allein
                    verbleiben, dann er dem verstorbnen <pb n="Edition 2015 S. 293"/> muttershalben
                    allein befreundt. und also sollen die erbgueter abermals widerumben auf den
                    stammen fallen von welchem sie herkomben, nemblichen väterlichs auf die
                    vätterlichen mutterlichs auf die mütterlichen geschwistriget, wie nachvolgender
                    siptbaumb ausweiset: Erklerung. Bei diser figur erbt der Christoff des Panlens
                    eroberte und uberkomben gueter allein, sein vätterlichs erbguet erbt der
                    Christof und der Georg mit einander, sein mütterlichs aber der Christoff allein.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.65">
        <head>[Buch III Titel 65]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=304">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 65. titl. Wie die geschwistret so dem
                    verstorbnen brüder allein von ainem pant verwant sein erben sollen. </p>
        <p xml:id="NA.3.65.1"> [Buch III Titel 65 § 1]<lb/> § 1 Wann zweierlei geschwistret
                    verhanden, deren etliche dem verstorbnen allein von vattern, etliche aber allein
                    von der mutter verwant sein, so erben die persohnen so vettershalben
                    geschwistriget seint das vätterlich und dann die geschwistret muttershalben
                    allein das mutterlich haab und guet, wie dann solches die geschribnen recht
                    vermögen und den lantsbrauch auch gemes ist. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.65.2"> [Buch III Titel 65 § 2]<lb/> § 2 Wo aber der verstorben sein
                    guet von seinen eltern nit ererbt sonder selbst gewunnen oder in andere frembde
                    weg ererbt, so felt die erbschaft auf baiderlei geschwistriget zu gleichem thail
                    nach anzahl der persohnen, als hernach zu sehen: <pb n="Edition 2015 S. 294"/>
                    Erklärung. Alda erben des Marxen vätterlichs guet der Georg Christof und Paul
                    allein, dann sie mit dem Marxen ainen vatter gehabt. entgegen Wolf und Andre das
                    mutterlich allein, dann sie auch von seiner mutter herkomben. was aber Marx
                    sonsten erobert und uberkomben, das erben alle geschwistriget mit einander zu
                    gleichen thailen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.66">
        <head>[Buch III Titel 66]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=306">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 66. titl. Wie die geschwistriget von
                    ainem pant mit des bruders gesipten freunden erben sollen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.66.1"> [Buch III Titel 66 § 1]<lb/> § 1 Ob ein mann mit todt abgeet
                    und bruder muttershalben allein an einem und dann vettern so ihme vattershalben
                    allein befreundt am andern under ihme lesst, so fellt das vetterlich erguet auf
                    das verstorbnen befremdten vattershalben und gar nit auf die bruder
                    muttershalben, dann diselben nitt mehr als das mutterlich guet zu erben haben,
                    wie hernach stehet: <pb n="Edition 2015 S. 295"/> Erklärung. Hierbei erbt des
                    Christoffen vätterliches guet nit der Paul, wiewohl er neher, sonder der Marx
                    und Wolff von wegen des vätterlichen stambens. </p>
        <p xml:id="NA.3.66.2"> [Buch III Titel 66 § 2]<lb/> § 2 Wo aber die geschwistret dem
                    verstorbnen allein vattershalben verwant, so felt das mütterlich erbguet auf
                    seine negste freunt mutterhalben allein, und gar nit auf die geschwistret
                    vattershalben, dann dieselben allein ihres gestorbenen bruders vetterlichs guet
                    erben mögen, wie dann solches das uralt erbrecht in Österreich under der Ennß
                    der ursach halben vermag, damit die gueter bei dem nahmen und stamben davon sie
                    herrueren verbleiben und nit in frembde hent Komben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.66.3"> [Buch III Titel 66 § 3]<lb/> § 3 Deswegen sollte in derlei
                    fallen nit die nahet des grads sondern der vätterlich oder mütterlich stamben
                    angesehen werden, wie nachvolgender siptbaumb erclert: <pb n="Edition 2015 S. 296"/> Erklerung. Alda erbt des Christoffen mutterlichs
                    guet nit der Jörg, wiewohl er in grad näher, sonder Marx und Wolf wegen des
                    mütterlichen stammens. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.67">
        <head>[Buch III Titel 67]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=310">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 67. titl. Wie bruder von baiden panden
                    mit (fol 269.) des verstorbnen bruders Kindern von baiden banden erben. </p>
        <p xml:id="NA.3.67.1"> [Buch III Titel 67 § 1]<lb/> § 1 Gehet ein mann mit todt ab
                    und verlest brüder an einem und dann bruders kinder am andern thail und
                    dieselben brüder desgleichen bruders-kinder den verstorben von baiden banden
                    befreundt seint, so stehen des burder kinder in ihrer verstorbnen vätter und
                    mutter fusstapfen ein und erben mit den lebenden brüdern doch nach stambenrecht
                    und nit nach anzahl der persohnen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.67.2"> [Buch III Titel 67 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch disfals kein
                    underschait, ob das verlassen guet vätterlich mütterlich oder sonsten erobert
                    und uberkomben. dann weil beide thail von baiden stamben herrüeren, so haben sie
                    gleiches erbrecht in einem sowohl als dem andern, als volgenter siptbaumb
                    erleutert: <pb n="Edition 2015 S. 297"/> Erklerung. Hierbei erben den Pauln in
                    vätterlichen mutterlichen und eroberten gueten sein lebender bruder, Jörgers
                    sühne Wolff und Andre, desgleichen seines gestorben bruders Marxen kinder
                    Sigmundt Caspar und Mattes, doch nach stambenrecht, dann Christoff erbt allein
                    soviel als der Wolf und Andre, oder als Sigmundt Caspar und Mattes, desgleichen
                    Wolff und Andre allein soviel als die drei Kinder des Marxen oder der Christoff.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.68">
        <head>[Buch III Titel 68]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=312">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 68. titel. Wie die geschwistriget von
                    baiden banden mit des bruders kinder von einem bant allein zu des verstorbnen
                    bruder erbschaft gelassen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.68.1"> [Buch III Titel 68 § 1]<lb/> § 1 Ob ainer mit todt abgeet und
                    einen brudern von baiden banden an einem, und dann bruders kinder von einem pant
                    allein auf den andern tail verlest, so felt die erbschaft denen Kaiserlichen
                    rechten nach nit auf des brudern kinder von einem pant sondern auf den brudern
                    von baiden panden, welches dann dem lantsbrauch nach in denen guetern so der
                    verstorben selbst gewunnen und nit erbgueter seint gleichermassen gehalten
                    wirdt. aber in den erbguetern ist dem lantsbrauch nach dise underschiet zu
                    halten, nemblichen wann der bruder dem verstorbnen von baiden banden, aber die
                    bruders-kinder dem verstorbnen allein vattershalben verwant seint, so erben sie
                    neben dem bruder des verstorben vätterliche erbgueter. wann aber der verstorben
                    mutterliche ergüeter verlest, so bleiben dieselben den brudern von baiden banden
                    allein und haben die brüderskinder vattershalben darbei nichts zu erben, wie
                    dise figur anzeigt: <pb n="Edition 2015 S. 298"/> Erklerung. Alda erben des
                    Paulln vätterlichs guet der Christoff und des Jörgen sühne Marx und Wolf
                    miteinander, dann sie von vatterlichen stamben auch herüeren, doch bekombt
                    Christof allein soviel als die andern zwen. das mütterlich erbt der Christof
                    allein, dann er dem Paulln muttershalben allein befreundt deßgleichen das
                    erobert guet auch allein, angesehen das Paul sein bruder von baiden panden
                    gewesen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.68.2"> [Buch III Titel 68 § 2]<lb/> § 2 Were aber der lebent bruder
                    dem verstorbnen von baiden panden, und dann des brudern kinder dem verstorbnen
                    allein mutterhalben befreundt, so erben solche geschwistriget kinder neben dem
                    brudern von beiden banden des abgeleibten mutterliche erbgüeter. aber die
                    vätterlichen gueter bleiben den brüdern von baiden panden und haben die
                    bruders-kinder muttershalben daran nichts zu suchen es solle auch solche
                    erbschaft alzeit in stirpes und nach stamben-recht und nit in capita oder nach
                    anzahl der persohnen beschehen, als hernach zu sehen: <pb n="Edition 2015 S. 299"/> Erklerung. Bei disem siptbaumb erben das Jörgen
                    verlassen mutterlich guet des Pauln kinder Marx und Wolf neben ihrem vettern dem
                    Christoffen, doch haben sie baide nit mehrers als der Christt allein. sein
                    vätterlich guet aber stehet dem Christoffen allein zu, dann Paull ainen andern
                    vattern Joachimb gehabt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.69">
        <head>[Buch III Titel 69]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=317">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 69. titl. Wie die geschwistriget von
                    ainem pant mit brüders kinder von baiden panden zu ihres verstorben bruders
                    erbschaft gelassen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.69.1"> [Buch III Titel 69 § 1]<lb/> § 1 Wann bruder von einem bant
                    und bruders kinder von beeden banden verhanden seint, so fellt des verstorbnen
                    verlassung nach Kaiserlichen rechten nit auf den brudern von einem pant sonder
                    auf die bruders-kinder von baiden banden, welches dann der lantsbrauch in denen
                    guetern so der verstorben selbst erobert oder gewunnen gleichfals vermag, als
                    hiebei abzunehmen: <pb n="Edition 2015 S. 300"/> Erklärung. Alda erben des
                    Christoffen als zwipandigers bruders kinder des Paulens erobert guet allein und
                    schleussen den Jörgen so allein vattershalben, desgleichen den Marxen welcher
                    allein muttershalben dem Paulln befreundt gar aus. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.69.2"> [Buch III Titel 69 § 2]<lb/> § 2 Do aber der verstorben
                    erbgueter von seinen voreltern herrüent verlaßen, so solle dem lantsbrauch nach
                    volgende underschait gehalten werden, nemblichen wann der lebent bruder dem
                    verstorben allein vattershalben, und dann die brüders-kinder ihme von baiden
                    banden verwant seint, so solle das mütterlich erbguet nit auf den brudern sonder
                    die bruders-kinder allein fallen, und das vätterlich erguet solle under die
                    bruder auch brüder-kinder mit einander gethailt werden, wie diser siptbaum
                    außweiset: <pb n="Edition 2015 S. 301"/> Erklerung. Hierbei erben des Christoff
                    mütterlichs guet des Paulens kinder allein, dann der Georg ein andre mutter
                    Martta gehabt. das vetterlich aber erbt der Georg sambt ihnen doch doch in zwen
                    gleiche tail, angesehen das sie von einem vatter Hansen herrüeren. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.69.2.1"> [Buch III Titel 69 § 2.1]<lb/> § 2 [Fortsetzung] Ist aber
                    der bruder dem verstorbnen allein muttershalben und dann die brüders-kinder ihme
                    von baiden banden verwant, so felt das vätterlich guet nit auf den bruder sonder
                    auf die bruders-kinder aber das mütterlich erbguet wirdt zwischen den brudern
                    und des bruders kindern getailt, als hernach stehet: <pb n="Edition 2015 S. 302"/> Erklärung. Hierbei erbt des Christoffens vätterlichs guet nit der Paull so
                    ainen andern vattern Joachim gehabt, sonder des Jorgens kinder Marx Wolf und
                    Andre allein. das mütterlich aber erben sie zu halben thail mit einander, dann
                    sie Komben von einer mutter Anna her. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.70">
        <head>[Buch III Titel 70]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=322">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 70. titl. Wie die bruder mit ihres
                    brudern kintskindern ihren verstorbnen brudern erben mögen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.1"> [Buch III Titel 70 § 1]<lb/> § 1 Do ein verstorbner ainen
                    brudern an einem und dann seines bruder kintskinder am andern tail under ihme
                    verlest, so fellt die erbschaft nach geschribnen Kaiserlichen rechten allein auf
                    den bruder und nit auf des bruders kintskinder, welches dann der lantsbrauch in
                    denen gueten welche der verstorben selbst gewunnen und erobert auch vermag, als
                    hernach volgtt: <pb n="Edition 2015 S. 303"/> Erklärung. Alda schleust der Jörg
                    des abgeleibten Christoffen bruder in seinem verlassen eroberten guetern des
                    Paulens kintskinder Wolfen und Andre auß. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.2"> [Buch III Titel 70 § 2]<lb/> § 2 Aber mit den erbgüetern so
                    dem verstorbnen von seinen vorelter angefallen hatt es nachvolgende underschiet,
                    nemblich so der bruder dem verstorbnen allein vattershalben verwant, des brudern
                    kintskinder ihme von dem mutterlichen stamben allein befreundt sein, so fellt
                    auf den brudern das vätterlich, und dann auf des brudern kintskinder das
                    mütterlich guet allein, vermüeg nachvolgender figur: <pb n="Edition 2015 S. 304"/> Erklärung. Hierbei erbt der Jörg des verstorbnen Christoffens vätterlichs
                    guet stammenshalben allein, dann der Paull hatt einen andern vattern den Joachim
                    gehabt, darumben kann er des Christoffen vätterlich guet von Hansen herrüerent
                    nit erben. deß Christoffen mutterlichs guet aber felt auf des Paulen kintskinder
                    allein, dann Anna des Christoffen und Pauln mutter zugleich gewesen, der Georg
                    aber hatt andere mutter Martha gehabt, derhalben Kann er die mütterlichen gueter
                    von der Anna herrüerent nit erben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.3"> [Buch III Titel 70 § 3]<lb/> § 3 Item, so der bruder dem
                    verstorbnen allein mutter halben und dann des verstorbnen bruders kinder allein
                    vatterhalben verwant, so felt das mutterlich auf den bruder, und dann das
                    vätterlich auf des bruder kintskinder allein, vermueg volgents baumbs: <pb n="Edition 2015 S. 305"/> Erklärung. Alda felt des Christoffen vätter-guet
                    von Hannsen verrüerent allein auf des Georgen kintskinder den Wolfen und
                    Andreen, dann Georg und Christof ainen vatter den Hansen gehabt, der Paull erbet
                    aber nichts, dann Joachim sein vatter gewest. aber das mütterlich felt auf den
                    Paulln allein. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.4"> [Buch III Titel 70 § 4]<lb/> § 4 Wann aber der bruder dem
                    verstorbnen allein vattershalben und dann des bruders kintskinder ihme von
                    baiden banden verwant, so fallen die vätterlichen erbgüeter auf den brudern
                    allein und gar nit auf des bruders kintskinder, angesehen das der bruder den
                    verstorbnen brüdern grads halben nacher als des bruders kintskinder sein. aber
                    die mütterlichen erbgüeter fallen auf des bruders kindeskinder allein, dann
                    solche mütterliche erbgüeter von ihrem und nit von des bruders stamben
                    herkomben. derhalben fallen sie dem mütterlichen stamben wider billichen zu,
                    vermug nachvolgender figur und erleuterung: <pb
            n="Edition 2015 S. 306"/>
                    Erklärung. Alda ist zu sehen, wiewohl der Paull des abgeleibten Christoffs
                    bruder von baiden panden und ihme also vattershalben auch befreundt gewesen,
                    iedoch erben seine Kintskinder sein vätterlichs guet nit, dann der Jörg des
                    Christoffen bruder im leben noch verhanden. derselb, wiewohl er dem Christoffen
                    vattershalben allein verwant. iedoch weil er näher im grad, so felt das
                    vätterlich guet allein auf ihne. und ob man bedenken wolt das Wolff und Andre in
                    ihres vattern und eenß fuesstapfen tretten und also jure repraesentationis dem
                    Jörgen gleich weren, so ist doch zu wißen das solcher einstant oder
                    repraesentation in der zwerchsbeseits- oder collaterallini uber die
                    brüders-kinder nit statt hat. dann der bruder kintskinder tretten ferrer in
                    ihrer eltern fusstapfen nit ein, sondern wer alßdann des negst im grad und bluet
                    ist der ist auch der negst erb zum guet. in absteigender lini aber, linea
                    descendens recta genant, geet das einstantrecht und reproesentation weiter,
                    davon oben im 62. titl gehandlet. des Christoffen mütterlichs guet aber erben
                    Wolf und Andre allein, dann der Jörg ist dem Christoffen muttershalben nichts
                    befreundt gewesen sonder hatt ein andere <pb n="Edition 2015 S. 307"/> mutter
                    Martha gehabt. derhalben, ob er gleichwohl dem Christoffen gradshalben nächner,
                    so ist er ihme doch stambens halbens wie der Wolf und Andre nichts verwant. und
                    ob schon gedachts Wolf und Andre kintskinder und eines ferrern grads, iedoch
                    weil hierbei kein nahenter muttersfreunt verhanden, so erben sie das mütterlich
                    guet allein, dann es erben auch die weitern befreundten, wo mehrere nit
                    verhanden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.5"> [Buch III Titel 70 § 5]<lb/> § 5 Were dann der bruder dem
                    verstorbnen bruder muttershalben und dann des bruders Kintskinder dem
                    verstorbnen bruder von baiden banden verwant, so fallen abermals die
                    mutterlichen erbgütter dem brudern als dem negsten in grad allein zu und gar nit
                    auf des brudern kintskinder. aber die vätterlichen erbgueter erben des bruders
                    kintskinder auch allein, aus ursachen das solche vätterliche erbgüeter von ihren
                    und nit von des brudern stamben herkomben, inhalt nachgesteltes paumbs:
                    Erklärung. Bei disen siptbaumb wirdt angezeigt, das Georg Christof und Paull ein
                    einige mutter Anna, aber Jörg und Christof ainen ainigen vatter Hansen, und
                    Paull einen andern Joachim gehabt. derwegen weil Christof mit todt abgangen,
                    auch vatterlich und mütterlichs guet verlaßen, so erbt der Paull sein
                    mütterlichs guet allein, ungeacht das des Wolfen <pb n="Edition 2015 S. 308"/>
                    und Andreen een der Jörg dem Christoffen mutterhalben auch befreundt gewesen,
                    dann der Paull ist in gleichem mutterlichem stamben und noch darzu im gradt
                    nachner, derwegen schleust er seines verstorbnen bruders des Georgen,
                    Kintskinder als ferrere aus und hat disfals das erbeinstantrecht und
                    repraesentation, wie bei negster figur verstanden, nit statt. des Christoffen
                    vätterlichs guet aber erben des Jörgen kintskinder allein, dann sie sein dem
                    Christoffen vattershalben befreundt, der Paull aber nit, derhalben soll alhie
                    dem lantsbrauch nach der stamben und nit die nahene des grads angesehen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.70.6"> [Buch III Titel 70 § 6]<lb/> § 6 Wann aber der bruder dem
                    verstorben von baiden banden, und dann des bruders kintskinder von einem oder
                    baiden banden verwant, so fallen des verstorbnen bruders gueter sie sein gleich
                    vätterlich oder mutterlich allein auf den brudern als den nahnern im gradt und
                    gar nit auf des brudern kintskinder, vermüeg des volgenden siptbaumbs:
                    Erklärung. <pb n="Edition 2015 S. 309"/> Bei disem siptbaumb wirdt uns Christoff
                    als der absterbent furgestelt. derselb hatt geschwistret. Jörgen Paull Marx und
                    Wolfgang, daraus der Marx allein lebt. die andern haben kintskinder verlassen.
                    und dieweil der Marx dem Christoffen von baiden banden verwant, so schleust er
                    des Paulens Kinder den Niclasen in vätterlichem und mütterlichem guet aus, dann
                    er ist dem Christoffen sowohl von baiden banden verwant als der Niclas und ist
                    im nähern gradt noch darzu, wider welchem die repraesentation nit stat hatt.
                    deßgleichen schleust der Marx des Jörgen kintskinder, den Matthesen und Thomann
                    in vätterlichem guet aus, dann er ist dem Christoffen sowohl vattershalben als
                    sie verwant und noch nähner im gradt, also auch schleust er des Wolfens enikhel
                    den Pettern im mütterlichen guet aus, dann er ist dem Christoffen sowohl
                    muttershalben als der Petter befreundt und darzu nachners grads, derhalben gehet
                    er Marx allen kintskindern von ainem oder baiden stamben herrüerent in
                    vätterlichem und mutterlichem stambenguet dem lantbrauch nach vor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.71">
        <head>[Buch III Titel 71]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=338">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 71. titl. Wie die geschwistrigte kinder
                    von baiden oder den vätterlichen oder dem mütterlichen bant mitteinander erben. </p>
        <p xml:id="NA.3.71.1"> [Buch III Titel 71 § 1]<lb/> § 1 Wann einer mit todt abgieng
                    und dreierlei geschwistrets kinder hinder sein verließ, nemblichen etliche
                    welche ihme von baiden banden, etliche allein vattershalben, etliche aber allein
                    mutterhalben befreunt weren, so solle in denen ererbten stamenguetern abermals
                    angesehen und bedacht werden, von welchen stamben dieselben gueter herrüeren.
                    dann die vätterlichen gueter welche von den oberstaben herkomben, sollen auf die
                    geschwistrets kinder so von baiden banden oder von dem vätterlichen stamben
                    allein den abgestorbnen befreundt sein fallen, die andern geschwistret kinder
                    aber von mütterlichem stamben herrürent seint disfals gar ausgeschloßen.
                    hergegen do es umb mütterlich oder understembige haab und gueter zu thain, so
                    sollen dieselben von denen mütterlichen geschwistrats kindern sambt denen so dem
                    verstorbnen von baiden banden verwant gewesen geerbt werden, dann beiderlei bant
                    begreifen das mütterlich auch. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.71.2"> [Buch III Titel 71 § 2]<lb/> § 2 Die oberstemigen befreundten
                    aber welche allein vattershalben dem abgeleibten gesipt gewesen haben bei
                    solchen mütterlichen stambenguetern ungeacht desgleichen grads nichts zu suchen.
                    was dann die eroberten haab und <pb n="Edition 2015 S. 310"/> gueter anlangt,
                    weil dieselben von keinem stamben herrüeren, sollen die geschwistrets kinder von
                    baiden banden vermueg rechtens und lantbrauchs dieselben allein erben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.71.3"> [Buch III Titel 71 § 3]<lb/> § 3 Wo aber deren keines
                    verhanden, sollen sie auf die einstambigen zugleich fallen und solle solche
                    erbschaft under die geschwistrets kinder nit nach dem stambenrecht sonder
                    anzahll der persohnen iederzeit außgetailt werden, wie solches weilant Kaiser
                    Carls unsers gelibsten anherrns hochlöblichister und seeligister gedechtnus
                    reichsconstitution so den dreiundzwanzigisten aprilis des lengst verschienen
                    aintausent funfhundert fungzigisten jhars in unserer reichsstatt Augspurg
                    publiciert worden lauter vermag, darbei wir es in diesem unserm lant Österreich
                    under der Ennß auch genedigist verbleiben lassen, wie hernach zu sehen:
                    Erklärung. Bei disem siptbaum verlest der jungst verstorben Christoff dreierlei
                    geschwistrets kinder: dem Wolfen vom vätterlichem bant, den Andre und Sigmundt
                    von baiden banden, dem Caspar Thoman und Niclas vom mütterlichem bant allein.
                    soviel nun des Christoffen vätterlichs verlassen guet antrifft, so erben
                    dasselbig Andre Sigmundt und Wolff, dann er dem Christoffen auch vattershalben
                    befreundt. der Caspar Thoman und Niclas aber erben von vätterlichem gar nichts,
                    dann sie seint dem Christoffen vattershalben nichts befreundt sondern haben
                    ainen andern vatter Joachim. hergegen erbt des Christoffen mütterlichs guet der
                        <pb n="Edition 2015 S. 311"/> Caspar Thoman und Niclaß sambt dem Andre und
                    Sigmundt, dann dise zwen dem Christoffen muttershalben auch befreundt. der Wolf
                    erbt vom mütterlichen nichts. was aber die eroberten gueter anlangt, erben Andre
                    und Sigmundt allein, und do sie nit verhanden Wolff Caspar Thoman und Niclaß mit
                    einander. als viel auch der erbenten persohnen kopf seint, soviel tail müessen
                    alda gemacht werden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.72">
        <head>[Buch III Titel 72]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=344">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 72. titl. Wie geschwistret Kintskinder
                    mit einander erben. </p>
        <p xml:id="NA.3.72.1"> [Buch III Titel 72 § 1]<lb/> § 1 Was negst obens von denen
                    geschwistret kinder geordnet worden, das solle sich auf die geschwistrets
                    kintskinder auch erstrecken. dann die ererbten oberstambigen vätterlichen haab
                    und gueter sollen alzeit auf die vätterlichen befreundten, welche solches
                    vätterliches bants allein oder das vätterlich und mütterlichen mitteinander
                    haben, und gar nit auf die befreundten welche dem abgestorbnen allein
                    mutterhalben verwant gewesen fallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.72.2"> [Buch III Titel 72 § 2]<lb/> § 2 Hergegen sollen die
                    persohnen welche muttershalben dem abgeleibten es sei gleich aines oder zwaier
                    pant halben befreundt gewesen, des mutterlichen und understämmigen erbguts
                    allein fehig worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.72.3"> [Buch III Titel 72 § 3]<lb/> § 3 Die gewunnen und eroberten
                    gueter aber sollen auf die geschwistret kintskinder von beden banden, allein
                    hindan gesetzt der einstammigen, wo aber dieselben nit verhanden, alßdann auf
                    die einstemmigen vatters- oder muttershalben fallen. es solle auch solcher
                    erbschaft austhailung sowohl in ererbten als eroberten güttern nit nach dem
                    stamben-recht sonder anzahl der persohnen vermueg geschribner rechten beschehen,
                    inhalt des siptbaumbs: <pb n="Edition 2015 S. 312"/> Erklärung. Bei diser figur
                    wirdt Christof als der mit todt abgeet furgestelt, der hatt keinen bruder noch
                    burders Kint sonder Kindtskinder den Casparn Thoman Niclasen Peter Wilhelmb und
                    Jacob im leben. was ihme nun von seinem vattern Hansen erblich zugestanden, das
                    erbt Thoman und Niclas sambt dem Casparn, dann der Jörg davon Caspar herrüert
                    des Christoffen burder vattershalben gewesen. Peter Wilhalmb und Jacob aber
                    erben von disem vätterlichem guet nichts, dann sie einen besondern vattern
                    Joachim gehabt. des Christoffen mütterlichs guet aber erben Peter Wilhelmb und
                    Jacob neben dem Thoman und Niclasen, dann sie alle funfe von einer mutter der
                    Anna geboren. der Caspar erbt mit ihnen nichts, dann er ein besondere muttern
                    Martha gehabt. was aber Christof sonsten erobert gewunnen und uberkomben, das
                    erben Thoman und Niclaß, weil sie ihme von beeden stamben verwant, allein. do
                    sie aber nit verhanden weren, erbeten daßelb Caspar Peter Wilhelmb und Jacob
                    zugleich. es wirdt auch in diser succession die erbschaft nach anzahl der
                    persohnen verthailt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.73">
        <head>[Buch III Titel 73]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=348">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 73. titl. Wie die geschwistrets kinder
                    und kindskinder erben. <pb n="Edition 2015 S. 313"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.73.1"> [Buch III Titel 73 § 1]<lb/> § 1 Wann geschwistret kinder und
                    kintskinder (fol 282.) so baiderseits von baiden banden herrüeren vorhanden, so
                    erben die geschwistrets kinder das verlaßen erbguet allein und schleußen die
                    kintskinder in vätterlichen und mütterlichen guetern gar aus, dann sie sein dem
                    verstorbnen umb ainen gradt nähner. es mögen auch die Kintskinder disfals in
                    ihrer eltern fuesstapfen nit tretten, dann solcher einstant jus
                    repraesentationis genant hat in der beseits- und collaterallini allein bei denen
                    geschwistrets kindern statt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.2"> [Buch III Titel 73 § 2]<lb/> § 2 Die weiters gesipten
                    geschwistrets kindskinder aber haben dise freihait vermueg geschribner rechten
                    nit, sondern es wirdt alßdann ein iede persohn in dem gradt der siptschaft
                    wesentlich gelassen darinnen sie der gebüer nach stehett. und welcher alßdann
                    des grads und gebluets halben näher, der zeucht den weitern befreundten vor, wie
                    dise figur auszaigt: Erklärung. Alda stirbt der Christof und lest seines brudern
                    Jörgen Kint Marxen und seines brudern Paulens kintskinder den Andre und
                    Sigmunden under sein. und die weil der Marx von beenden banden sowohl als Andre
                    und Sigmundt herruerent auch umb ainen grad den Christoffen nahner ist, so erbt
                    er sein vatterlichs mütterlichs und erobertes guet allein. <pb n="Edition 2015 S. 314"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.73.3"> [Buch III Titel 73 § 3]<lb/> § 3 Wann aber die verstorben
                    persohn geschwistret kinder und kintskinder allein vattershalben verlest, so
                    erben die geschwistrets kinder abermals das vatterlich stambenguet von wegen des
                    nähnern grads allein und schliessen die kintskinder aus. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.4"> [Buch III Titel 73 § 4]<lb/> § 4 Deßgleichen, wann der
                    abgeleibt geschwistrets kinder und geschwistrt [!] kintkinder allein von
                    mütterlichem stamben herrüerent verlest, so sollen dieselben unterstämbigen haab
                    und gueter auf die geschwistrets kinder allein fallen, als hierbei zu sehen:
                    Erklärung. Hierbei stirbt der Paull, derselb verlest seines brudern kint
                    vattershalben allein mit nahmen Sigmundt und seines andern brudern vattershalben
                    Jörgen kintskinder den Niclasen und Petter. derhalben schleust der Sigmundt als
                    der nähner im vätterlichem erb den Niclasen und Pettern auß. gleichfals schleust
                    der Chaspar den Wilhelmen und Jacoben in mütterlichem guet als der nachner im
                    gradt aus und hatt die repraesentation in diser collaterallini wie oben gehört
                    nit statt. <pb n="Edition 2015 S. 315"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.73.5"> [Buch III Titel 73 § 5]<lb/> § 5 Do aber geschwistretskinder
                    vattershalben allein an einem, dann geschwistret kintskinder von baiden panden
                    oder muttershalben allein verhanden, so erben die geschwistret kintskinder die
                    mütterlichen gueter allein, und schließen die geschwistretkinder ungeacht deß
                    nehnern gradt auß, dann dem lantsbrauch nach Kunten die oberstambigen das
                    unterstämbig mutterlich guet nit erben, sondern muessen denen weitern freunden
                    so von derselben lini und stamben herrüeren statgeben, als hernach zu sehen:
                    Erklärung. Bei disem siptbaumb stirbt der Paull und verlest mütterlichs erbguet
                    under ihme. derhalben obwohl seines brudern des Jörgens sühne mit nahmen Wolff
                    dem gradt nach nähner als der Caspar Thoman Niclaß Petter und Wilhelmb seint,
                    iedoch weil solcher Wolff ain andere unter Martha genant gehabt, so erbt er des
                    Paulens mütterliche gueter von der Anna herrüerent nit, sonder die geschwistret
                    kintskinder von beeden stamben als Caspar und Thoman, desgleichen die von
                    mütterlichem stamben allein als Niclas Petter und Wilhelmb, ungeacht dass sie
                    weiter, und schleußen ihme Wolfen auß. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.6"> [Buch III Titel 73 § 6]<lb/> § 6 Also auch, wann die
                    geschwistrets kinder allein muttershalben dem verstorbnen befreundt weren, so
                    erbten die geschwistret kintskinder von baiden banden oder allein vom
                    vätterlichen stamben die vätterlichen erbgueter ungeacht des weitern grads
                    allein, vermueg des siptbaumbs: <pb n="Edition 2015 S. 316"/> Erklärung. Alda
                    stirbet der Paull, wiewohl Chaspar Thoman Niclas seines brudern von vätterlichem
                    bant Jörg genant kintskinder sambt des Christoffen von beeden banden
                    Kintskindern ihme Paulln gradshalben weiter als der Sigmundt seint, iedoch weil
                    es umb das vätterlichen stambenguet von Hansen herrüerent zu thain, schließen
                    sie den Sigmundt auß, dann derselb einen andern vattern Joachimb genant gehabt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.7"> [Buch III Titel 73 § 7]<lb/> § 7 Dann die eroberten und
                    uberkomben haab und gueter belangent, wann geschwistretskinder von einem bant
                    vatters- oder muttershalben allein auf den andern thail im leben verhanden, so
                    schleußen die zweibändigen die einbandigen aus, wie hernach zu sehen: <pb n="Edition 2015 S. 317"/> Erklärung. Bei disem siptbaumb erben des Paulen
                    erobertes guet Andre und Sigmundt, dann sie seint von beeden banden und nehner
                    als Thomann und Niclas, bei welchen das erbeinstantsrecht und die
                    reproesentation nit statt hatt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.8"> [Buch III Titel 73 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen, do
                    geschwistretskinder und geschwistregt kintskinder zu beeden thailen von baiden
                    banden verhanden, so gehen die geschwistregtskinder denen kintskindern von wegen
                    des nehnern grads vor, als volgender septbaumb außweist: <pb n="Edition 2015 S. 318"/> Erklerung. Alda schleust der Wolff den Andren und
                    Sigmunden auß, dann er ist sowohl von baiden banden als sie und nähner im gradt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.73.9"> [Buch III Titel 73 § 9]<lb/> § 9 Do aber die
                    geschwistretkinder nur von einem bant, hergegen die geschwistret kintskinder von
                    baiden banden dem abgeleibten befreundt weren, so schließen die geschwistret
                    kintskinder (weil sie von baiden banden) ihre mitverhandnen ainbändigen
                    geschwistretskinder mit ererbung obbemelter eroberten gueter gar aus, wie die
                    figur erleüttert. <pb n="Edition 2015 S. 319"/> Erklerung. Hierbei in des
                    Paulens eroberten gueter schleussen Caspar und Thoman, weil sie von beeden
                    banden herrueren, den Wolfen und Sigmunden so allein von einem bant herrüeren
                    auß, dann in obernenten guetern gelten die bant disfals mehrers als die nächern
                    gradt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.74">
        <head>[Buch III Titel 74]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=362">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 74. titl. Wie die verzignen töchter zu
                    erben zugelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.74.1"> [Buch III Titel 74 § 1]<lb/> § 1 Bei dem herrnstant und denen
                    vom adl sollen die weibspersohnen alleweil der mannstamben im leben zu erben nit
                    zugelaßen werden, ausgenumben etliche sundere fäll wie dieselben hernach
                    begriffen: </p>
        <p xml:id="NA.3.74.2"> [Buch III Titel 74 § 2]<lb/> § 2 Nemblichen, wann ein vatter
                    sein tochter noch in seinem leben verheurat und bei dem heuratsbeschluß kein
                    verzicht von ihr begert noch genomben, so solle sein tochter nach seinem
                    tötlichem abgang wie ein andere erbtochter neben ihren brudern zu der erbschaft
                    zugelaßen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.74.3"> [Buch III Titel 74 § 3]<lb/> § 3 Gleicherweise wann die sühne
                    nach absterben ihres vattern ihre schwestern verheürahten und kein verzicht von
                    ihnen begeren, so stehet demselben alles erbrecht neben ihren brudern bevor. <pb n="Edition 2015 S. 320"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.74.4"> [Buch III Titel 74 § 4]<lb/> § 4 Item, wann ein lantmann mit
                    todt abgeet und einen oder mehr sühne an einem, und dann seines verstorbnen
                    suhnes oder einckel töchter am andern hinder ihme verlest, so werden des
                    verstorbnen suhnes oder enickls töchter neben den suhnen zu erben zugelaßen,
                    doch dergestalt das sie nit mehr oder wenigers von der erbschaft nemben dann
                    soviel auf ihren vatter (woderselb den totfall erlebt) rechtlichen gefallen. </p>
        <p xml:id="NA.3.74.5"> [Buch III Titel 74 § 5]<lb/> § 5 Item, wiewohl die verzignen
                    töchter und dersselben erben bei dem vätterlichem guet solang der manstamb lebt
                    erblich nichts zu suchen, iedoch mögen sie von dem guet, welches ihr mutter
                    under ihr verlaßen oder sonsten von ihrem mutterlichem stamben herrüerent nit
                    ausgeschloßen werden, allein es hette sich ein tochter deßelben mütterlichen
                    erbs zuvor austrukhenlich verzigen, darzu sie doch wider ihren willen nit
                    getrungen werden Kan. </p>
        <p xml:id="NA.3.74.6"> [Buch III Titel 74 § 6]<lb/> § 6 Wann ein lantman ein tochter
                    unverheurat under sein verlest, ob sie gleich kain verzicht uber sich gegeben
                    (wie dann auch nit gebreuchig von den junkfrauen vor ihrer verehelichung einige
                    verzicht zu nehmen), so wirdt sie dennoch so wenig als ob sie verzigen zu ihres
                    vattern erbschaft neben dem mansstamben zugelaßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.74.7"> [Buch III Titel 74 § 7]<lb/> § 7 Die brüder seint ihr auch
                    vor ihrem ehestant ainiges heuratguet aus ihres vattern verlaßung zu deputirn
                    oder zu verordnen nit schuldig, sonder sie sollen sich an notturftiger
                    underhaltung, welche aus dem vätterlichem guet nach zimblichen dingen zu raichen
                    biß sie vogtbar und verheürat, ersettigen laßen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.75">
        <head>[Buch III Titel 75]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=365">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 75. titl. Wie die andern gesipten
                    freünt in der zwerchs- beseizs- und collateral-lini begrifen zu erben zugelaßen
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.75.1"> [Buch III Titel 75 § 1]<lb/> § 1 Wann kein bruder oder
                    schwester noch bruder oder schwesterkinder noch derselben kintskinder so weit
                    sich die absteigente lini erstrekt vorhanden, so felt die erbschaft auf die
                    persohn, welche die negste im gradt der siptschaft ist, dann des negst im bluet
                    ist der negst zum guet. ob aber mehr persohnen in gleichen gradt verhanden
                    weren, so erben dieselben des verstorbnen haab und gueter nit nach dem stammen
                    sonder nach anzahl der persohnen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.75.2"> [Buch III Titel 75 § 2]<lb/> § 2 Doch ist hierinnen mit den
                    erbguetern dem lantsbrauch nach dise underschait, daß dieselben alweg widerumben
                    auf den stamben hinder sich fallen davon sie herkomben, nemblichen die gueter
                    vom obern und mansstamben <pb n="Edition 2015 S. 321"/> herrüerent auf die
                    vetterlichen, die von understamben aber auf die mütterlichen befreundten
                    allein.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.76">
        <head>[Buch III Titel 76]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=367">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 76. titl. Wasmassen die weibsbilder bei
                    dem herrnstant und denen vom adl in der zwerchs- oder seitenlini zu erben
                    zugelaßen werden, auch wie ain guet zum töchtern Kombt. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.1"> [Buch III Titel 76 § 1]<lb/> § 1 Die weibsbilder der zwerchs-
                    oder seitenlini werden bei dem herrnstant und adl allein in etlichen sondern
                    fällen zugelaßen: erstlichen, wann die bruder nach absterben ihrer vätter ihre
                    schwestern aine verheuratten und von ihr kain verzicht nehmen, auch ein bruder
                    hernach ohne leibserben mit todt abgeet, so wirdt alßdann solche schwester oder
                    wo die nimmer im leben ihre leibserben als unverzigne persohnen zu gleicher
                    erbschaft zugelaßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.2"> [Buch III Titel 76 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, in denen
                    mütterlichen haab und guetern auch allen erbschaften, welche von den
                    mütterlichen stamben als anfrauen uranfrauen oder dergleichen persohnen
                    herkomben, werden die schwestern neben ihren brüdern und dem mansstamben fur
                    erben zugelaßen, es wäre dann sach das sich ein schwester des mutterlichen
                    erbfals gegen ihren brudern sowohl als des vätterlichen verzigen hette, welches
                    sie doch wider ihr freie wilkühr zu thain nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.3"> [Buch III Titel 76 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, wann gleich ein
                    tochter bei leben ihres vattern uber sich ein verzicht gegeben, aber der vatter
                    in seinem testament oder leztem willen sein töchter solcher verzicht begeben
                    hette und dieselb fur ein erbtochter instituiern thet, so muest sie neben dem
                    mansstamben iederzeit als ein erb zugelaßen werden, welches auf ihre leibserben
                    in absteigender lini auch zu verstehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.4"> [Buch III Titel 76 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, wann der
                    mansstamben on ein testament abstirbt, so felt alßdann des lezten verstorbnens
                    haab und guet auf den weiblichen stamben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.76.5"> [Buch III Titel 76 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, wann ainer mit
                    todt abgeet und hinder ihme Kainen mänlichen leibserben sonder ainen oder mehr
                    brüdern an einem, und dann töchter oder töchters kinder am anderm verlest, so
                    fellt sein verlasnes haab und guet unverhindert des mansstambens nit auf seine
                    brüder sonder auf sein tochter oder derselben kinder. dann ein tochter ist gegen
                    ihres verstorbnen vatters gebrüdern welche ein andere lini machen fur kain
                    verzigene persohn zu halten, deßgleichen ihre erben, es were dann in eines oder
                    des andern geschlechts erbainigung lauter <pb n="Edition 2015 S. 322"/>
                    versehen, daß sich die weibspersohnen auf den ganzen namben und stamben
                    verzeichen sollen. wann aber einer mit todt abgehet und Keinen erben in
                    absteigender lini sonder allein brüder und schwestern hinder ihme verlest, so
                    solle sein verlaßenschaft nit auf seine schwestern sondern allein auf die
                    brüder, oder ob dieselben nit mehr im leben ihre kinder und kintskinder
                    mänlichen stamens fallen. wann alßdann solche persohnen mänliches stammens auch
                    mit todt abgiengen, alßdann kombt das guet erst zu den töchtern. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.6"> [Buch III Titel 76 § 6]<lb/> § 6 Wann ein tochter, so ihren
                    vattern geerbt auch ihres vattern brudern und bruders kindern ausgeschlossen,
                    den fall erlebt das der lezte des mansstambens mit todt abgeet und das guet zum
                    töchtern kombt, so mag solche erbtochter oder wo sie nit verhanden ihre erben
                    absteigender lini neben denen verzignen persohnen oder derselben erben zu
                    solcher erbschaft einstehen, doch dergestalt das sie das zuvor ererbte
                    vätterlich guet in gemeine erbschaft einwerfe. im fall sie sich aber solcher
                    neuen erbschaft entschlagen wolt, so ist sie von ihren ererbtem vätterlichen
                    guet dem weiblichen stamben etwas hinauszugeben nit schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.7"> [Buch III Titel 76 § 7]<lb/> § 7 Wann die erbschaft zum
                    töchtern nach absterben des mansstambenshalben fallen, so erben alle persohnen
                    von demselben geschlecht herrüerent mit einander, es werden auch die weitern
                    freunt neben denen nähnern ohn alle underschait des grads gleichlich dem
                    lantsbrauch nach zugelassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.8"> [Buch III Titel 76 § 8]<lb/> § 8 Wann einer ein verzigene
                    schwester an einem und dann von der andern verzignen schwestern zwo töchter am
                    andern hinder ihme verlest und das guet zum töchtern kombt, so soll daßelb nit
                    nach anzahll der persohnen sondern nach den stammen außgetailt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.9"> [Buch III Titel 76 § 9]<lb/> § 9 Also auch das denen zweien
                    maimen samentlich nit mehrer als der verzignen schwestern allein davon zustehe,
                    dann die zwo maimen tretten in ihrer mutter fusstapfen und erben volgents nit
                    mehr als ihrer mutter gebüert hette. </p>
        <p xml:id="NA.3.76.10"> [Buch III Titel 76 § 10]<lb/> § 10 Wann aber die verzignen
                    erben nit geschwistret noch geschwistriget Kinder sondern eines weitern sipts
                    und grads seint, so sollen sie samentlich zu der erbschaft gelassen, dieselb
                    auch nit nach den stamben sondern anzahl der persohnen under sie gleichlich
                    ausgetailt werden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.77">
        <head>[Buch III Titel 77]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=373">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 77. titl. Ob des vatters bruder des
                    verstorben bruders Kinder ausschleust. <pb n="Edition 2015 S. 323"/> Do ainer
                    seines vattern bruder auf einer und dann seines vattern bruders sühne auf der
                    ander seiten under sein verlest, so schliessen die sühne des verstorbnen vatters
                    bruder aus, dann dem lantsbrauch nach fallen die erbschaften nit zurukh, wie der
                    volgent siptbaumb ausweiset: Erklärung. Bei disem siptbaumb lest der sterbent
                    Wolff seines vattern des Christoffen bruder Paullen genant im leben, dergleichen
                    seines vattern brudern Jörgen kint den Marxen. derwegen erbt der Marx dem
                    lantsbrauch nach, ungeacht das der Paull eines nähnern grads und von geschribner
                    rechten wegen vorzuge. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.78">
        <head>[Buch III Titel 78]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=375">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 78 titl. Ob des brüdern kintskint des
                    vattern bruders ausschleust. Wann einer keinen brudern noch bruders kint, sonder
                    bruders kintskint auf einem und dann auf dem andern thail seines vattern bruder
                    hinder ihme verlest, so schleust dem geschribenen rechten nach des vatters
                    bruder des bruders kintskint auß, dann er umb einen gradt nähner. dieweil aber
                    die erbschaften dem lantsbrauch nach wo absteigende persohnen verhanden nit <pb n="Edition 2015 S. 324"/> zuruckh, solle des bruders kintskint in disem fall
                    den vorzueg haben, wie hernach volgt: Erklerung. Alda gehet Paull mit todt ab
                    und lest auf der einen seiten seines vattern Christoffen bruder Jörgen genant,
                    auf der andern seiten seines brudern des Marxen kintskint den Andre derselb
                    Andre schleust dem lantsbrauch nach den Jörgen auß, dann die erbschaft fiel
                    sonsten zuruckh.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.79">
        <head>[Buch III Titel 79]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=377">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 79. titl. Ob des vattern bruders-kint
                    des anherrns bruderns-einkhl ausschleus. Do einer seines vattern bruders-kint
                    auf einer, und dann seines anherrn brudersenickel auf der andern seiten under
                    sein verlest, so schleust das bruderskint des eens bruderenickel auß, dann es
                    dem verstorbnen nähners befreundt, wie die volgende figur vermag: <pb n="Edition 2015 S. 325"/> Erklärung. Bei diser figur stirbt der Sigmundt und
                    lest auf einem thail under sein seines vattern bruderkint des Wolfen suhn Caspar
                    genant, auf der andern seiten aber verlest er seines eenes des Christoffen
                    bruders-einkel den Andre von Georg herrüerent. weil aber der Caspar dem
                    Sigmunden nähner, so schleust der den Andre auß. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.80">
        <head>[Buch III Titel 80]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0005&amp;page=379">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 80. titl. Wie ein erbschaft erblos
                    wirdt, auch in was fellen die verlaßungen denen lantsfürsten heimbfelt und
                    zustehet. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.80.1"> [Buch III Titel 80 § 1]<lb/> § 1 Wann ainer mit todt ohn ein
                    testament abgeet und keinen gesipten freunt in absteigender oder zwerchslini
                    hinder sein verlest, so fallen seine hinderlaßne haab und gueter dem uber
                    uraltem hergebrachtem gebrauch nach uns als herrn und lantsfursten in unser
                    lantsfurstliche cammer wie andere bona vacatia heimb. doch werden hierbei die
                    stätt außgenomben welche solches erbrechts halben von unsern vorfahren
                    löblichister gedechtnus befreit, derselben freihait auch in ersessenem nutz und
                    gebrauch seint. <pb n="Edition 2015 S. 326"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.80.2"> [Buch III Titel 80 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen werden die
                    dinstbaren erbgueter auf dem lant von unserem habendem erbrecht ausgeschloßen,
                    dann dieselben ihrem gruntherrn haimbstehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.3"> [Buch III Titel 80 § 3]<lb/> § 3 Zum andern, wann einer mit
                    todt abgeet und vätterliche erbgueter hinder sein verlest aber vattershalben
                    keinen gesipten freunt hette, so sollen solche vätterliche erbgueter nit auf die
                    mütterliche freunt im fall dieselben gleich verhanden fallen, sondern als bona
                    vacantia uns heimbstehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.4"> [Buch III Titel 80 § 4]<lb/> § 4 Gleicher weiß, wann einer
                    mit todt abgeet und mütterliche erbgüeter aber khainen gesipten mütterlichen
                    sonder allein vätterliche freunt under sein verlest, so sollen solche
                    mütterliche erbgüeter nit auf dieselben vätterlichen freunt sondern als bona
                    vacantia in unser lantsfürstliche cammer fallen. doch werden abermals die
                    befreiten stätt und die dienstgueter auf dem lant deren sich ein ieder gruntherr
                    underfachen mag außgenomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.5"> [Buch III Titel 80 § 5]<lb/> § 5 Fur das dritt, zu
                    erbschaften der vätterlichen haab und gueter werden allein die ehekinder
                    zugelaßen. wo aber derselben keines sonder nur uneheliche vetterlichen erbschaft
                    nit fähig sondern felt uns als lantsfursten haimb. und da gleich die vätter
                    ihren vermainten unehelichen kindern etwas in ihren testamenten verliessen, so
                    stehen und demnach solche geschäft zu, es were dann sach das sie solchen kindern
                    nichts anderst als ihr natürliche underhaltung verordneten. was aber die
                    mütterlichen verlassung oder andere erbschaften von mütterlichen stamben
                    herrüerent anlangt, derselben sein solche uneheliche kinder fähig, es were dann
                    die mütter illustris persona und eines furstmessigen herkombens. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.6"> [Buch III Titel 80 § 6]<lb/> § 6 Zum vierten, haben die
                    erbschaften in absteigender lini und under denen leibserben immerwerendiklich
                    stat. wann aber in der seitenlini kein blutsfreunt innerhalb des zehenten grats
                    oder sipts verhanden, so fallen die aigenthumblichen verlassen haab und gueter
                    unserer lantsfürstlicher camber abermals haimb. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.80.7"> [Buch III Titel 80 § 7]<lb/> § 7 Zum funften, wann einer mit
                    todt abgeet und keinen leibserben noch andern blutsfreunt in der zwerchslini
                    steent sonder vatter mutter anherrn anfrauen oder anderer vorelter in
                    aufsteigender lini ab intestato und ohn testament hinder sein verlest, so künnen
                    solche oberstembige eltern die verlaßung gar nit erben, dann dem uberuralt
                    hergebrachtem lantsbrauch nach fallen die erbschaften nit hinder sich noch
                    zuruckh. wo dann sonsten kein anderer freunt verhanden, stehet solche verlaßung
                    unserer lantsfurstlicher camber auch heimb. doch hat solches allein ab intestato
                    stat, <pb n="Edition 2015 S. 327"/> dann durch testamentliche und lezte willen
                    mögen die eltern und voreltern sowohl als andere freunt von ihren kindern und
                    leibserben betreut werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.8"> [Buch III Titel 80 § 8]<lb/> § 8 Zum sechsten, wann
                    allenthalben kein blutsfreunt verhanden, so geben die geschribnen rechten zu das
                    die wittib ihren verstorbnen ehman erben müge, oder hergegen der ehman sein
                    ehefrauen. welches aber der lantsbrauch mit nichten zulest, sonder die erbschaft
                    felt in solchem fall unsrem fisco haimb. </p>
        <p xml:id="NA.3.80.9"> [Buch III Titel 80 § 9]<lb/> § 9 Was aber ein wittiber oder
                    wittib sonsten aus der verlaßung mit fueg zu begeren, soll hernach tractiert
                    werden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.81">
        <head>[Buch III Titel 81]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=385">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 81. titl. Ob ein eheman schuldig sei
                    vor volziehung des heüratbriefs und seiner abfertigung seiner verstorbnen
                    ehefrauen gueter derselben erben abzutretten. </p>
        <p xml:id="NA.3.81.1"> [Buch III Titel 81 § 1]<lb/> § 1 Wann ein ehefrau mit todt
                    abgeet, so soll ihrem hauswird alles das was ihme in craft des heuratsvermacht
                    gebüert aus seiner gestorbnen ehefrauen haab und guetern ervolgen und würklich
                    zustehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.81.2"> [Buch III Titel 81 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch der eheman nit
                    schuldig seiner verstorbnen [ehefrauen] haab und gueter (wo er derselben von
                    seiner hausfrauen wegen in possess) ihren nachgelaßnen erben abzutretten, er
                    werde dann zuvor seines habenden heuratsvermachts durch die erben abgefertigt. </p>
        <p xml:id="NA.3.81.3"> [Buch III Titel 81 § 3]<lb/> § 3 Im fall ihme aber seine
                    ehefraw ihre haab und gueter nit guetwillig eingeben sonder dieselben in ihrer
                    gewaltsamb behalten, so möchte sich ihr hauswirt nach ihrem absterben selbst nit
                    pfenden, sonder er müest seiner abfertigung von den erben gewarten, es vermöchte
                    dann das heuratsvermacht das widerspiel.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.82">
        <head>[Buch III Titel 82]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=386">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 82. titl. Was dem hauswirt nach
                    absterben seiner hausfrauen aus der vahrenden haab erfolgen soll. Wann ein
                    eheman vor seiner ehefrauen mitt todt abgeet, so soll es der vahrenden haab
                    halben nach dem buchstaben des heuratsbriefs, auch sonsten also gehalten werden
                    wie hernach von der wittib abfertigung geordnet. was auch under den nahmen der
                    varenden haab nach lantsbrauch arth zu verstehen, solle dasselb ausgeführt
                    werden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.83">
        <head>[Buch III Titel 83]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=387">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 83. titl. <pb n="Edition 2015 S. 328"/>
                    Wann ein fraw mit todt abgeet und ihr guet ihren kindern verlest, ob ihr
                    hauswirt als der vatter die fruchtnießung davon haben solle. Die geschribnen
                    rechten vermügen das ein vatter seiner kinder mütterlich guet nach absterbung
                    der mutter solang er im leben nutzen und genießen müge. aber dem lantsbrauch
                    nach haben solche geschribne recht nitt statt, sonder der vatter ist schuldig
                    nach absterben der muttern seinen kindern ihren mütterlichen erbtail ervolgen zu
                    laßen und mag ihme an solcher haab und guetern kein fruchtnießung zuziehen, es
                    were dann sach das ihme die mutter solcher haab und gueter fruchtgeniessung bis
                    auf der kinder vogtbarkeit verschafft. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.84">
        <head>[Buch III Titel 84]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=388">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/>Der 84. titl. Wasmassen ein witfraw nach
                    absterben ihres ehemans deßelben verlasne gueter biß zu ihrer abfertigung
                    innenhaben möge. </p>
        <p xml:id="NA.3.84.1"> [Buch III Titel 84 § 1]<lb/> § 1 Ain wittib ist ihres
                    verstorbnen ehewirts verlaßne haab und guet seinen erben abzutretten nit
                    schuldig, sie wer dann zuvor von ihnen des vermachts vermueg ihres habenden
                    heuratbriefs genzlichen abgefertigt. und do solche abfertigung verzogen würd,
                    sollen ihr alle nutzungen so viel deren von ihres verstorbnen hauswirts verlaßen
                    haab und und guetern vor ihrer abfertigung fallen zustehen und aigenthumblich
                    verbleiben, doch mit nachvolgender underschait. </p>
        <p xml:id="NA.3.84.2"> [Buch III Titel 84 § 2]<lb/> § 2 Nemblichen, wann der wittib
                    umb ihr vermecht alle ihres hauswirts haab und gueter solchermaßen verpfendt und
                    verschriben seint, das sie dieselben biß zu ihrer abfertigung innen haben nutzen
                    und geniessen müeg (wie dann gemeinlich die heuratsbrief bei denen von
                    herrnstant und adl mit solcher clausl dahin gestelt und aufgerichtt werden), so
                    ist sie solche haab und güeter vor ihrer würklichen und völligen abfertigung
                    weder gar noch zum tail abzutretten nit schuldig. und obleich jeztbemeltes
                    generalclausl in dem heuratbrief nit begriffen sondern außgelaßen, so solle die
                    wittib dennoch bei inhabung und nutzung aller haab und gueter biß zu ihrer
                    abfertigung gelaßen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.84.3"> [Buch III Titel 84 § 3]<lb/> § 3 Wann aber der heuratbrief
                    nit auf alle ihres ehewirts haab und gueter gestelt sonder die verweisung allein
                    auf sondere specificierte stuckh und gueter beschehen, so ist die wittib ihres
                    ehemans erben die possess und nutzung der uberigen güeter (darauf sie
                    insonderhait obgedachtermassen und gestalt nit <pb n="Edition 2015 S. 329"/>
                    verwisen) ervolgen zu laßen, ihren auch darinnen keine irrung noch eintrag zu
                    thuen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.84.4"> [Buch III Titel 84 § 4]<lb/> § 4 Als aber hievor vermelt das
                    ein wittib ihres verstorbnen hauswirts haab und gueter biß zu ihrer abfertigung
                    innenhaben nutzen und genießen müg, da solle allein in dem fall statt haben,
                    wann sie solche haab und gueter zu rechter zeit ordenlich und wie sich gebüert
                    durch die obrigkait sperren und inventiren lest. dann wo sie solches umgieng,
                    soll sie die inhabung und niessung dardurch ganzlichen verwürkt haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.84.5"> [Buch III Titel 84 § 5]<lb/> § 5 Wann einer sein ehefraw
                    ihres vermechts halben auf alle seine haab und gueter dergestalt verwisen das
                    sie solche biß zu ihrer würklichen abfertigung nutzen und genießen mueg, und
                    derselb eheman zuvor auch ein hausfrau gehabt auch dieselb ihres vermachts auf
                    sein haab und gueter gleichergestalt wie die letst verwisen hett, so sollen doch
                    derselben ersten hausfrauen verlassne Kinder nit fueg haben sich in craft ihrer
                    muttern eltern heuratsvermachts in die possess und nutzung der hindergelaßnen
                    haab und gueter einzutringen, sonder die letste wittib solle be der possess und
                    nutzung ihres negstverstorbnen ehewirts haab und guetern nach inhalt ihres
                    jungern vermachts biß zu ihrer volligen abfertigung unverhindert der kinder
                    habenden eltern vermachts bleiben. doch wann es zu der abfertigung und bezahlung
                    kombt so haben solche kinder vor der jungsten wittib den vorgang. </p>
        <p xml:id="NA.3.84.6"> [Buch III Titel 84 § 6]<lb/> § 6 Do einer ehefrauen alle
                    ihres ehewirts haab und gueter dermassen verpfendt das sie dieselben vor ihrer
                    abfertigung nit abzutretten schuldig, und ihr verstorbner ehewirt frembde grunt
                    oder gütter pfantweiß oder in bestant innengehabt, auch solche pfantschilling
                    oder bestant hinder ihme verlaßen, so seint seine erben die wittib bei solchem
                    pfant schilling oder bestant sowohl als andern des verstorben aigenthumblichen
                    haab und guetern bis zu ihrer abfertigung ungeirrt verbleiben zu lassen
                    schuldig.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.85">
        <head>[Buch III Titel 85]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=393">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/>Der 85. titl. Zu waß zeit die wittib nach
                    absterben ihres ehemans abgefertigt werden solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.85.1"> [Buch III Titel 85 § 1]<lb/> § 1 Wann in dem heuratbrief kein
                    austrukliche bedingnus beschehen zu was zeit ein wittib ihres vermachts
                    abgefertigt werden solle, so stehet des abgeleibten ehemans erben bevor die
                    wittib von stundahn abzufertigen, derselben ist auch die wittib biß zu dem
                    dreissigistem statt zu thain schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 330"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.85.2"> [Buch III Titel 85 § 2]<lb/> § 2 Wo aber die erben uber den
                    dreissigisten mit der abfertigung verzugen, so ist alßdann die wittib der
                    abfertigung weiter stattzugeben nit verbunden, sie beschehe dann volgent
                    zwischen weinachten und liechtmeßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.85.3"> [Buch III Titel 85 § 3]<lb/> § 3 Mitler zeit sollen die erben
                    die wittib zimblichermassen nach gelegenhait ihres stants underhalten, ihr auch
                    die wohnung in ihres verstorbnen ehmans schloß oder behausung wovere sie sonsten
                    mitt keinem ausgezeigtem wittibstuel versehen, vergünstigen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.86">
        <head>[Buch III Titel 86]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=395">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 86. titl. Was einer witfrauen auß der
                    vahrnus ervolgen, was auch in den heuratsvermächten under dem nahmen der
                    vahrunden haab verstanden werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.86.1"> [Buch III Titel 86 § 1]<lb/> § 1 In den heuratsbrifen wirdt
                    under dem nahmen der varenden haab verstanden: traid wein gestiet, groß und
                    klein viech, hausraht parschaft harnasch, puchsen und pulver, silbergeschier und
                    Klainoter, und in summa alles das so beweglich ist, ausserhalb des so in denen
                    heuratsbriefen von obbemelten stuckhen insonderhait außgenomben oder vorbehalten
                    worden </p>
        <p xml:id="NA.3.86.2"> [Buch III Titel 86 § 2]<lb/> § 2 Die verbrieften und
                    unverbriften geltschulden darumben allein gemeine schultbrief ohn hypotecen oder
                    ligender gueter underpfant verhanden, werden dem lantsbrauch nach fur vahrende
                    haab gehalten. wann aber einer auf ligende gueter geliehen und dieselben ihme in
                    gemein oder in specie fur die geltschulden hypoteciert und verpfendt oder ihme
                    glaubinger pfantschillingweiß inhendig gelassen werden, so helt der lantsbrauch
                    solche schulden fur ligende gueter. </p>
        <p xml:id="NA.3.86.3"> [Buch III Titel 86 § 3]<lb/> § 3 Die frucht so noch auf dem
                    velt steen, auch die visch in den teichen werden fur varende haab nit
                    verstanden. wann aber die frucht nunmehr abgefechsnet, ob sie gleich noch auf
                    dem velt uneingeführt ligen, daßgleichen wann die visch auß dem teich komben, so
                    werden sie fur vahrende haab geacht. </p>
        <p xml:id="NA.3.86.4"> [Buch III Titel 86 § 4]<lb/> § 4 Wann einer gelt aufbringt
                    oder ligende gueter verkhauft und die kaufsumma darfur einnimbt in mainung
                    solches gelt widerumb an ligende gueter mit dem eheisten zu legen und ehe
                    solches beschicht mit todt abgehet, so wirdt solches gelt fur varende haab nit
                    geacht. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.86.5"> [Buch III Titel 86 § 5]<lb/> § 5 Holz stain kalich und andere
                    pawzeug wirdt fur vahrende haab nit verstanden. <pb n="Edition 2015 S. 331"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.86.6"> [Buch III Titel 86 § 6]<lb/> § 6 Ob ein ehefraw ihrem eheman
                    an barem gelt oder anderer varenden haab ichtes zugebracht, ihr auch daßelb in
                    der heuratsabret vorbehalten, und solche varnus in wehrender ehe durch ihren
                    hauswirt verzehrt worden, so seint ihr des abgeleibten ehemans erben solche
                    varnus widerumb zu erstatten schuldig.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.87">
        <head>[Buch III Titel 87]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=398">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 87. titl. Wann der vahrenden haab
                    halben kein sunder austruckh in dem heuratsbrief beschicht, wie es dem
                    lantsbrauch nach damit gehalten werden solle. Wann ain heuratsvermächt
                    aufgericht und darin der vahrenden haab halben nichts specificiert sonder allein
                    ingemein geschloßen wirdt, do sich mit dem ehemann ein todtfall begeb das seiner
                    witttib auß der varnus soviel als sonsten lantsbreuchig ervolgen solle, so ist
                    in solchem fall bißhers lantsbreuchig gewesen, wo der verstorben ehemann zu vor
                    auch ein ehelichs weib gehabt und kinder die sühne oder erbtöchter seint bei ihr
                    erobert und dieselben kinder ihme verlassen, das alßdann seiner jungsten
                    witfrauen der dritte thail seiner vahrenden haab und gueter zustehen und
                    ervolgen solle, wo aber der verstorben eheman zuvor kein eheweib gehabt oder von
                    derselben kein suhn oder erbtöchter mehr im leben verhanden, so volgt der
                    jungsten wittib halber thail der vahrnus. darbei wir es nochmahlen genedigist
                    verbleiben lassen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.88">
        <head>[Buch III Titel 88]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=399">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 88. titl. Was der wittib nach absterben
                    ihres hauswirts uber ihr heuratsvermacht noch weiters volgen thuet. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.88.1"> [Buch III Titel 88 § 1]<lb/> § 1 Die kleider kleinotter und
                    weibliche zier so der ehman seiner ehfrauen in dem brautstant oder wehrendem
                    ehestant geben die volgen und bleiben nach seinem absterben der wittib und nit
                    seinen erben, also auch ihre kohblwägen sambt den roßen. <pb n="Edition 2015 S. 332"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.88.2"> [Buch III Titel 88 § 2]<lb/> § 2 Was dann die klaider und
                    klainoter die ein ehmann seine ehefrauen in wehrender ehe ankauft oder machen
                    lest belangt, dieselben sollen der ehfrauen do sie ihren ehman uberlebt
                    gleichsfals verbleiben. wo sie aber der ehman uberlebt, so sollen solche klaider
                    und klainoter so ihr der ehman in stehender ehe ankauft nit ihren erben volgen
                    sonder dem ehewirt bleiben, es were dann sach das der frauen erben darbringen
                    möchten das ihr solche klaider und klainoter durch ihren hauswirt nit plößlich
                    zu ihrer zier ankauft, sondern noch darzu donationweiß ubergeben und zugestelt
                    worden. </p>
        <p xml:id="NA.3.88.3"> [Buch III Titel 88 § 3]<lb/> § 3 Nach absterben des ehemans
                    sein auch seine erben die verlassen wittib mit gebürlichen klagkleidern ohn ihr
                    der wittib entgelt, daßgleichen under dem herrnstant und adl mit einem
                    wittibstuel, zu versehen schuldig.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.89">
        <head>[Buch III Titel 89]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=401">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 89. titl. Von denen sundern vermechten
                    so zwischen chonleuten in steender ehe außerhalb des heuratsvermechts beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.89.1"> [Buch III Titel 89 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die geschribnen
                    Kaiserlichen rechten vermügen das die sondern vermecht so zwischen eheleuten in
                    stehender ehe donationweise aufgericht werden nit craft haben, sie werden dann
                    mit dem todt der ehepersohn welche das vermecht thuet bestett, so ist doch der
                    lantsbrauch demselben gar zuwider, dann von alters hergebracht, was ein lantmann
                    seiner ehefrauen in wehrender ehe vermacht donirt und verschreibt das soll er
                    stett und vest (do er gleich sein ehefrauen nit uberlebt noch solches vermacht
                    mit seinem todt bestättigt) halten. er ist auch solches vermacht seiner
                    abgeleibten ehefrauen erben ervolgen zu laßen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.89.2"> [Buch III Titel 89 § 2]<lb/> § 2 Also auch, wann einer sein
                    hausfrauen umb ein liegends guet neben ihme wie gesandter hant recht oder zu
                    gleichem halbem thail an nutz und gwer schreiben lest, ob er schon sein hausfraw
                    nochmals uberlebt, so felt ihme dennoch solches erbstuckh nit wider haimb,
                    sondern was seiner verstorbnen hausfrauen zu ihrem gebürendem thail vermüeg der
                    gwer davon zugehörig, das volgt ihren erben auch. </p>
        <p xml:id="NA.3.89.3"> [Buch III Titel 89 § 3]<lb/> § 3 Doch werden die gweren auf
                    uberleben gestelt hierbei außgenomben, dann die gueter auf uberleben vermacht
                    bleiben der uberlebenden persohn allein.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.90">
        <head>[Buch III Titel 90]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=403">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 90. titl. <pb n="Edition 2015 S. 333"/>
                    Wasmassen ein hauswirt sein hausfraw ihres vermächts auf seine lehengütter
                    verweisen muge. </p>
        <p xml:id="NA.3.90.1"> [Buch III Titel 90 § 1]<lb/> § 1 Ein lantmann solle seine
                    gemahel ihres beheuratlichen vermachts halben an seine lehengueter außer
                    bewilligung und zugeben unser oder anderer lehensherrn nit verweisen. ob aber
                    solches beschehe hat der lehenherr macht solche gueter (doch mit rechtlicher
                    erkantnus) einzuziehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.90.2"> [Buch III Titel 90 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch ein lehensherr
                    auf des lehensmans ersuechen solcher bewilligung in disem fall stattzugeben nit
                    schuldig, allein der lehensman were sonsten mit andern aigenthumblichen guetern
                    oder pfantschaften darauf er die verweisung seiner hausfrauen thain möchte nit
                    versehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.90.3"> [Buch III Titel 90 § 3]<lb/> § 3 Doch solle der consens dahin
                    gestelt werden, wann der lantman aigenthumbliche ligende gueter hernach bekömb,
                    das er die heuratliche verweisung darauf thain und dem lehensherrn das lehen
                    wider freimachen solle.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.91">
        <head>[Buch III Titel 91]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=405">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 91. titl. Wann ein wittib vor ihrer
                    abfertigung umb ihres hauswirts verlassen gueter mit recht furgenomben wirdt,
                    wie sie sich damit halten solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.91.1"> [Buch III Titel 91 § 1]<lb/> § 1 Do ein witfraw nach ihres
                    ehemans ableiben er sei von deßelben erben abgefertigt von wegen ihres
                    verstorbnen hauswirts haab und gueter mit recht oder vor gericht beclagt würdt,
                    ist sie sich in einige verantwortung einzulassen nit schuldig, sondern sie mag
                    sich auf die erben als ihre schermen waigern und denselben zum rechten zu
                    verkünden begeren, doch wo die wittib nit allein sonder neben und mit denen
                    erben beclagt wirdt da ihr solches gemeint in verfahrung einlaßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.91.2"> [Buch III Titel 91 § 2]<lb/> § 2 Wann sie aber hernach vor
                    austrag der rechtsachen durch die erben abgefertigt, soll sie weiter zu
                    verfahren nit getrungen werden, sonder es geburt alßdann denen erben solche
                    rechtssachen außer der wittib und ohn ihr entgelt auszufuhren. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.92">
        <head>[Buch III Titel 92]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=406">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 92. titl. Obern wittib umb volziehung
                    ihres vermachts extraordinariae clagen möge. Ein wittib mag umb ihr
                    heuratvermacht summa riter und schriftlicher verhörweiß clagen, und ob sich
                    ihres ehmans erben auf das ordinari recht <pb n="Edition 2015 S. 334"/>
                    waigerten, so soll ihnen solches (do es gleich umb ligende gueter zu thain) nit
                    gestat werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.93">
        <head>[Buch III Titel 93]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=407">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 93. titl. Wann ein preutigam vor dem
                    beischlaf mit todt abgeet, wie es alßdann mit abfertigung der versprochnen praut
                    gehalten werden solle. Do einer nach dem versprechen vor dem beischlaf mitt todt
                    abgieng, so seint sein erben die beschehen heuratsabret (weil der ehestant nit
                    in das werckh Komben) zu volzihen nit schuldig. ob ihr aber die geschenkten
                    stuckh und gaben bleiben sollen, ist oben im 29. titl des andern [2.] buchs
                    vernomben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.94">
        <head>[Buch III Titel 94]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=408">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 94. titl. In welchem fallen die kinder
                    in der wittib zucht gelassen werden soll. </p>
        <p xml:id="NA.3.94.1"> [Buch III Titel 94 § 1]<lb/> § 1 Wann einer mit todt abgeet
                    und unerzogne klaine kinder hinder sein verlest, so sollen dieselben kinder
                    ihrer eheleiblichen mutter ob sie gleich ihren wittibstant verkehret gelaßen,
                    auch in ihrer zucht so lang bis die kinder siben jhar ihres alters erreichen
                    nach altem hergebrachtem lantsbrauch vertrautt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.94.2"> [Buch III Titel 94 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch die mutter in
                    solchem fall nit schuldig auf ihrem selbst costen die Kinder zu erziehen, sonder
                    die underhaltung soll ihr von der kinder aigen guet nach zimblichen dingen durch
                    ihre gerhaben bezahlt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.94.3"> [Buch III Titel 94 § 3]<lb/> § 3 Doch wo gemelte gerhaben
                    oder befreundten unserm lantober- oder undermarchalch bedenkliche und erhebliche
                    ursachen furbrechten warumben die kinder in ihrer muttern zucht nit zu laßen, so
                    sollen sie nach glegenhait der sachen herüber einsehung und verordnung zu thain
                    fueg und macht haben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.95">
        <head>[Buch III Titel 95]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=409">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 95. titl. Wann der hauswirt das
                    heuretguet nittt eingenomben hett, in welchem fall alsdann die wittib dasselb
                    bei seinen erben ersuchen muge. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.95.1"> [Buch III Titel 95 § 1]<lb/> § 1 Wann in dem heuratbrief
                    austrüklich begrifen das der eheman das zugebracht heuratguet empfangen, und des
                    verstorben erben mit schultbrifen oder in ander weg darbringen müchten [!] das
                    er daßelb würklich nit eingenomben, so seint sie dennoch der wittib solches
                    heuratguet sambt der widerleg morgengab und allen <pb n="Edition 2015 S. 335"/>
                    dem was ihr sonsten verschriben dem lantsbrauch nach zu entrichten und ervolgen
                    zu laßen schuldig. dann wann der ehman den heuratbrief seiner hausfrau
                    hinausgibt und derselb vatter oder bruder umb das heuratguet zu schulden
                    annimbt, so soll sie bei solchem ihrem habendem heuratguet billich bleiben. </p>
        <p xml:id="NA.3.95.2"> [Buch III Titel 95 § 2]<lb/> § 2 Do aber des ehemans erben
                    spruch und forderung von wegen des unbezahlten heuratguets auch der schäden
                    halben so dem verstorbenn oder ihnen der nit bezahlung halben ervolgt gegen der
                    frauen vattern oder brudern suchen wöllen, daß steet ihnen als gegen ihren
                    angenomben schultnern bevor welches under denen unverzignen töchtern allein
                    statt hatt. </p>
        <p xml:id="NA.3.95.3"> [Buch III Titel 95 § 3]<lb/> § 3 Dann wo ein erbtochter oder
                    wittib verheurat wirdt und ihr aignes guet het, obgleich der heuratbrif dahin
                    gestelt das der mann das heuratguet par eingenomben, und aber seine erben mit
                    schultbrifen oder in ander weg beweisen möchten das ihme das heuratguet
                    unbezahlt aussenstehe, so seint die erben der wittib das heuratguet zu bezahlen
                    nit schuldig. die widerleg aber, morgengab und anders was der heuratbrief
                    vermag, sollen sie ihr nit verhalten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.96">
        <head>[Buch III Titel 96]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=412">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 96. titl. Von der erbschaft thailung
                    und wer die gutter thailen auch wie es mit der wahl und mit dem loß in der
                    thailung gehalten werden soll. </p>
        <p xml:id="NA.3.96.1"> [Buch III Titel 96 § 1]<lb/> § 1 Wann bei den herrn- und
                    ritterstant under denen gebrudern ain thailung furgenomben werden mueß, so soll
                    der elter aus ihnen die thailung machen und soviel schriftliche auch
                    underschietliche thaillibell aufrichten als viel der erben seint, dieselben
                    thailliebell aber sollen nit nach gedunken des eltisten sonder wie lantsbreuchig
                    gemacht werden, nemblichen müssen darinnen alls verlaßen haab und güeter liegent
                    und vahrent, schulden rechten und gerechtigkaiten, spruch und actionen verleibt
                    worden. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.96.2"> [Buch III Titel 96 § 2]<lb/> § 2 Item, es soll kein thail im
                    pausch angeschlagen sondern mit specificierten haab und guetern außzaichnet
                    werden. item so sollen solche haab und gueter nit nach des eltesten guetachten,
                    sondern wo sie liegent nach hernns-anschlag und gült beteurt, die varenden aber
                    (als kleinoter silbergeschier und dergleichen) nach geschworner und in derlei
                    sachen verstendiger leut schatzung aestimirt, auch solche schätzung specificiert
                    in die thailliebell verleibt werden. <pb n="Edition 2015 S. 336"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.96.3"> [Buch III Titel 96 § 3]<lb/> § 3 Item, es soll keinem thail
                    allein gueter, dem andern aber gelt, sondern iedem thail gueter und gelt nach
                    gelegenhait der erbschaft zugetailt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.96.4"> [Buch III Titel 96 § 4]<lb/> § 4 Item, was aller gelegenhait
                    nach zusamben gehörig, auch zu einander gebraucht worden, das solle do anderst
                    die gueter erklekhlich nit gesundert werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.96.5"> [Buch III Titel 96 § 5]<lb/> § 5 Solche thaillibel solle der
                    elter seinen jungern brudern furlegen und ihnen zu ihrer freien wahl bedacht
                    lassen. die mögen alßdann nach ordnung wehlen, doch das der jungst die erstwahl,
                    der negst nach ihme die ander und also volgents einer nach dem andern nach
                    gelegenhait ihres alters habe. und do der elter in machung der thailung oder die
                    jungern mit der wahl saumbig weren, solle die obrigkait auf eines oder des
                    andern thails anhalten einsehung thain, und wo die ungehorsamb so groß die
                    thailung ex officis machen oder die wahl gleicherweise ex officio verordnen. </p>
        <p xml:id="NA.3.96.6"> [Buch III Titel 96 § 6]<lb/> § 6 Wannn ein erbschaft zwischen
                    andern seitenerben zu thailen, so sollen die erben die thail oder erbgebürnus
                    selbst machen. wo sie sich aber darinnen nit vergleichen möchten, sollen auf ihr
                    anlangen durch unsern ober- oder undermarschalch commissari dazu verordnet
                    werden. und wann also die thail auf einen oder den andern weg gemacht, sollen
                    sie umb solche thail das loß werfen, und welcher thail ihr iedem durch das loß
                    zufelt, daran ist er sich ersettigen zu laßen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.3.96.7"> [Buch III Titel 96 § 7]<lb/> § 7 Wann ein wittib neben ihren
                    kindern zu gleicher erbin eingsezt wirdt, so ist sie denen kindern wider ihren
                    willen die election und wahll vor ihr zulaßen nit schuldig, sondern er soll
                    disfals ordenlich gelost werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.97">
        <head>[Buch III Titel 97]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=416">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 97 titl. Wie es mit den stucken und
                    guttern gehalten werdt die fueglich nit gethailt werden mügen. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.97.1"> [Buch III Titel 97 § 1]<lb/> § 1 Diejehnigen persohnen
                    welchen die thailung der erbgueter zu machen gebuert sollen alzeit dahin bedacht
                    sein, damit die stuckh und gueter soviel deren fueglich und ohne nachtail nit
                    gethailt werden mügen unzergenzt und unzertrent bleiben, welches auf ein in
                    solchen weg beschehen mag das auf einen thail ein groß unthailbars stuckh oder
                    guet gestelt, auf des andern thail aber ein geringers guet gelegt und der abgang
                    mit andern ligenden oder varenden guetern erstatt werde. <pb n="Edition 2015 S. 337"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.97.2"> [Buch III Titel 97 § 2]<lb/> § 2 Wo aber ein stuckh oder guet
                    aines so großen werts, das die andern thail gegen demselben nit zuverleichen, so
                    solle solches stuckh oder guet demjhenigen der den maisten thail an der
                    erbschaft hatt mitt gelt abzulößen zugelaßen werden, doch soverr ers in dem
                    werth abzulösen vorhabens, welchen die andern seine miterben darumben darbieten,
                    dann wo seiner miterben ainer ein mehrers darumben zu geben erbüttig, solle
                    demselben die ablösung vor menniglich billich volgen. in fall aber die erben
                    alle gleiche tail an solcher erbschaft kietten und die ablösung keiner höher als
                    der ander thain wolte, so sollen sie mit dem loß entscheiden, oder im fall der
                    erben keiner die ablösung begert die gueter verkauft und das kaufgelt under die
                    erben gethailt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.97.3"> [Buch III Titel 97 § 3]<lb/> § 3 Wann einem frembden oder der
                    uberlebenden chonpersohnen neben einem notterben (als kindern oder andern
                    blutsfreunden) ein ligents guets verschafft wirdt, so sein die frembden denen
                    befremdten der ablösung stattzuthain nit verbunden, es were dann sach das sie
                    ihren thail nit behalten sonder in frembde hant komben wollen lassen, dann in
                    solchem fall stehet der verkauf denen befreundten davon solches guet herrüert
                    billich zu. </p>
        <p xml:id="NA.3.97.4"> [Buch III Titel 97 § 4]<lb/> § 4 Desgleichen, wann ein erb an
                    einem ligundem guet mehr verschaffte tail als der ander hett, so kann er
                    denselben zu der ablösung wider sein gelegenhait nit dringen, es wolte dann
                    solcher erb seinen wenigern thail in frembde persohnen verwenden, alßdann solle
                    der miterb gegen bezahlung deßen welches ein frembder geb den vorzug haben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.98">
        <head>[Buch III Titel 98]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=419">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 98 titl. Wie es mit denen gemainen
                    brieflichen urkunden in der thailung gehalten werden solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.98.1"> [Buch III Titel 98 § 1]<lb/> § 1 Wann in der thailung gemeine
                    brifliche uhrkunden verhanden, welche denen erben samentlich zugehören auch als
                    unverscheidenliche und communia instrumenta nit getailt werden mügen, so sollen
                    sie dem erben welcher den maisten tail an der erbschaft hatt in sein behaltens
                    und verwarnung mit einem ordentlichem inventari zugestelt werden. wo aber die
                    erben gleich weren und kainer mehr an der erbschaft als der ander hette, sollen
                    solche brifliche uhrkunden dem eltistem erben in sein custodi und gewarsamb
                    vertraut und gegeben werden, doch das dieselben an ein sicher ort und in ein
                    gemeine erbbehaltnus mit ein ordenlichen inventari gelegt werden und kein thail
                    an dem andern darzu kumben müge. <pb n="Edition 2015 S. 338"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.98.2"> [Buch III Titel 98 § 2]<lb/> § 2 Im fall aber wider dasselben
                    persohn sondere ursachen verhanden warumben ihme solche erbliche und gemeine
                    brifliche uhrkunden nit inhendig zu lassen, so solle die verwahrung dem negsten
                    im alter billich zusteen. </p>
        <p xml:id="NA.3.98.3"> [Buch III Titel 98 § 3]<lb/> § 3 Un do einer aus denen andern
                    erben solcher gemeinen briflichen uhrkunden nottürftig, demselben sollen
                    glaubwürdige abschriften, auch im fall der notturft die original, sich derselben
                    zugebrauchen haben zugestelt werden, doch da er das original nochmals wider zu
                    handen des eltesten erlege. was aber die briflichen urkunden unlangt welche zu
                    eines ieden erwehlte und zugetailte haab und gueter gehören, die sollen
                    denselben erben originaliter gelassen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.99">
        <head>[Buch III Titel 99]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=421">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 99 titl. In welchen fällen die thailung
                    nach anzahl der persohnen gemacht werden sollen. </p>
        <p xml:id="NA.3.99.1"> [Buch III Titel 99 § 1]<lb/> § 1 Die thail sollen
                    nachvolgender gestalt gemacht werden, nemblich wann die erben all in gleichem
                    grad seint, so sollen die thail nach anzahl der erben gemacht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.99.2"> [Buch III Titel 99 § 2]<lb/> § 2 Wo aber die erben in
                    gleichem grad nit weren, als wann ein erbschaft auf kinder und kintskinder oder
                    auf bruders und bruderskinder kombt, so sollen die thail nit nach anzahl der
                    erbspersohnen sonder der stämben beschehen. als wann ain einiger suhn und eines
                    andern suhns vier enickel zu der thailung griffen sollen nit mehr als zwen
                    gleich thail gemacht werden. ebnergestalt ist es auch zu halten, wann bruder und
                    bruders kinder mit einander thailen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.100">
        <head>[Buch III Titel 100]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=422">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 100 titl. Ob ein erb den andern umb
                    seinen angefallen thail zu schermen schuldig. Wann ein guet zwischen den erben
                    geteilt wirdt und darnach einer aus ihnen umb seinen ganzen angefalnen thail
                    oder ein stuckh daraus mit recht angesprochen wirdt, so seint seine andern
                    miterben schuldig ihn umb solchen seinen angefalnen thail zu schermen und auf
                    den fall verlusts schadloß zu halten, es were dann das sich die erben in
                    aufrichtung der thailung oder sonsten austruckenlich dahin entschloßen, da sich
                    ein ieder erb umb seinen thail selbs schermen und die andern von aller
                    schadloßhaltung entbrochen sein sollen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.101">
        <head>[Buch III Titel 101]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=424">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 101 titl. <pb n="Edition 2015 S. 339"/>
                    Wie ein beschehene thailung bewisen werden muge. </p>
        <p xml:id="NA.3.101.1"> [Buch III Titel 101 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl fast bei allen
                    thailungen diser richtig gebrauch gehalten wirdt das mann uber die beschehen
                    thailung ordenliche thailbrief aufricht, iedoch wann solche aufrichtung
                    underlaßen und dennoch die beschehene thailung mit zeugen oder in ander
                    glaubwürdig weg beweißlich, so ist es ebensoviel als da ordenliche thailbrief
                    verhanden weren. </p>
        <p xml:id="NA.3.101.2"> [Buch III Titel 101 § 2]<lb/> § 2 Im fall aber ein thailung
                    zwischen brüdern oder anderen erben in gehaimb oder vertreulicherweiß darumber
                    weder thailbrief noch andere zeugnus furgebracht werden möchten beschehen, und
                    die gebruder oder freunt solche vertailte gueter uber verjharte zeit selbst
                    innen gehabt und derselben wie ihr aigens ererbtes guet genossen hetten, so
                    solle alßdann uber solche langwürige inhabung die thailung ferrer nit begert
                    noch derselben statgethan werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.102">
        <head>[Buch III Titel 102]</head>
        <p>[<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=425">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 102 titl. Ob ein raitung die thailung
                    sperr. Es begibt sich mehrmals das ein erb die erblichen haab und gueter
                    gerhabsweiß innenhat oder in ander weg besitzt nutzet und gebraucht. wann
                    alßdann von denen andern erben umb thailung solcher angefalner erbueter
                    angehalten wirdt, pflegt solcher inhabender erb sich derselben under dem schein
                    der raitung zu waigern und will gedachter thailung so lang nit statthein, biß
                    sie aufgenomben und abgehandlet werden. dieweil aber das unrichtig das lauter
                    und richtig nit aufhalten noch spörren solle, ordnen setzen und wöllen wir das
                    die thailungen vor allen dingen verricht und nachmals die raitungen furgenomben
                    sollen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.103">
        <head>[Buch III Titel 103]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=426">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 103 titl. Ob ein unverraitter diener
                    abzulassen oder aufzuhalten. Wann die erben von des verstorbnen lantmannß
                    pflegern verwaltern und dienern so noch unverrait umb abfertigung der bezahlung
                    ihr besoldung und litlons angesucht werden, so seint sie dieselben vor
                    ordenlicher beraitung abzulaßen <pb n="Edition 2015 S. 340"/> oder zahlhaft zu
                    machen nit schuldig, sie wöllens dann aus guetwilligkait oder gegen genuegsamber
                    purgschaft thain. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.104">
        <head>[Buch III Titel 104]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=427">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 104 titl. Wie die erbschaften bewisen
                    werden sollen. </p>
        <p xml:id="NA.3.104.1"> [Buch III Titel 104 § 1]<lb/> § 1 Welcher kein bekanter
                    wissentlicher erb, des mueß sich zu der erbschaft ordenlich legitimiren und sein
                    siptschaft weisen. solche weisung aber mag nit allein mit lebendigen zeugen
                    sondern auch mit briflichen uhrkunden, als testamenten heuratsbriefen verträgen
                    wapen, uberschriften der begrebnus und andern dergleichen glaubwürdigen
                    indicien, bewisen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.104.2"> [Buch III Titel 104 § 2]<lb/> § 2 Und wiewohl die
                    Kaiserlichen rechten zu beweisung solcher siptschaft erfordern das der angemast
                    erb sein siptschaft von einem grad auf den andern und von einer persohn auf die
                    ander a communistipite (das ist von dem gemeinem stambenvatter biß auf die
                    jungst verstorben persohn) ordenlich beweisen und darbringen solle, so ist doch
                    solches do es verlassen kein mangl, dann dem uraltem lantbrauch nach wann einer
                    beweist das er von des verstorbnen nahmen und stamben aigentlich herkombt, so
                    ist solche beweisung ob sie gleich nit von grad zu grad beschehen in
                    eigenthumblichen erbguetern genuegsamb. </p>
        <p xml:id="NA.3.104.3"> [Buch III Titel 104 § 3]<lb/> § 3 Was aber die lehengueter
                    belangt, sollen sich die angemassten lehenserben in uralten lehen (feuda avita
                    und paterna genant) zu dem ersten acquirenten und stambenvatter davon solches
                    lehen uhrsprunglich herrüerent wie lehensrecht ist zu legitimirn schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.3.104.4"> [Buch III Titel 104 § 4]<lb/> § 4 Do der siptschaft halben
                    briefliche uhrkunden furkomben und darinnen der freuntschaft narration, weiß
                    gedacht wirdt, als wann in einem heuratsbrief begriffen wer der versprochen
                    praut vatter mutter oder bruder gewesen, so geberen solche brief dem lantsbrauch
                    nach so genuegsambe weisung als wo die freuntschaft darinnen dispositive
                    begriffen, doch solle dem gegenthail unbenum sein wider solche brifliche
                    uhrkunden sein gegenweisung zu führen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.105">
        <head>[Buch III Titel 105]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=430">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 105 titl. Von den widerfällen. <pb n="Edition 2015 S. 341"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.105.1"> [Buch III Titel 105 § 1]<lb/> § 1 Wann eineß lantmanß
                    dochter mit einem heuratguet abgefertigt wirdt und hernach leibserben under ihr
                    verlest, so erbt daßelb heuratguet fur und fur in absteigender lini von einem
                    auf das ander. </p>
        <p xml:id="NA.3.105.2"> [Buch III Titel 105 § 2]<lb/> § 2 Wann aber die absteigent
                    lini genzlich abgeet so felt alßdann solches heuratguet widerumben auf den
                    mansstamben davon es herkomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.105.3"> [Buch III Titel 105 § 3]<lb/> § 3 Dem lantsbrauch nach soll
                    sich kein widerfall verjhären, solches ist aber dahin zu verstehen, do er noch
                    nit gefallen. wo aber ein widerfall durch absterbung der weiblichen lini
                    gefallen und in zweiunddreissig jharen hernach mit recht nit ersucht wurdt, so
                    soll er alßdann verjhart sein und mit recht nit ersucht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.105.4"> [Buch III Titel 105 § 4]<lb/> § 4 Wann ein widerfall
                    weibliches stambens dem mannsstamben widerumb haimstehet, so solle derselb nit
                    auf den ganzen stamben sondern allein die lini, von welcher das heuratguet
                    herkomben und außgeben worden, fallen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.106">
        <head>[Buch III Titel 106]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=431">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 106 titl. Von erbainigung. </p>
        <p xml:id="NA.3.106.1"> [Buch III Titel 106 § 1]<lb/> § 1 Die erbeinigung, welche
                    vor uralten jharen aufgerichtet und under denen geschlechten würklichen gehalten
                    worden, wollen wir auß lantsfurstlicher volmacht nochmahlen genedigist
                    verbleiben und wie von altersher gelten lassen. </p>
        <p xml:id="NA.3.106.2"> [Buch III Titel 106 § 2]<lb/> § 2 Do sich auch die von
                    herrn- und ritterstant solcher erblichen pactionen und vereinigung von neuem
                    vergleichen, sollen dieselben bindig und creftig sein, doch das sie mit vorwißen
                    und willen aller interressierten thailen aufgericht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.106.3"> [Buch III Titel 106 § 3]<lb/> § 3 Item, das uns als
                    lantsfursten und lehensherrn an unsern habenden lehensrecht regalien und andern
                    lantsfurstlichen gerechtigkaiten und hohaiten dardurch nichts benomben werde. </p>
        <p xml:id="NA.3.106.4"> [Buch III Titel 106 § 4]<lb/> § 4 Item, das solche
                    erbainigung [nit] wider gemeinen lantsbrauch, alte herkomben und gewohnhaiten
                    beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.106.5"> [Buch III Titel 106 § 5]<lb/> § 5 Item, das dardurch den
                    verzignen töchtern noch keinem thail wider sein gelegenhait und freien willen
                    praejudiciert werde. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.107">
        <head>[Buch III Titel 107]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=433">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 107 titl. Von denen cridahandlungen und
                    mit was ordnung die glaubinger und ansprecher bezahlt werden sollen, und
                    erstlich von anschlagung der crida. <pb n="Edition 2015 S. 342"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.107.1"> [Buch III Titel 107 § 1]<lb/> § 1 Wann ainer mit todt abgeet
                    und sich sein verlasne haab und gueter zu bezahlung seiner glaubinger und
                    ansprecher nit erstrecken, so solle ein entlicher und peremptoritag allen und
                    ieden glaubingern und ansprechern durch ein ofne angeschlagne crida oder edict
                    und angesetzt werden. darauf solle auch ein ieder glaubinger oder ansprecher
                    sein anforderung in schriften thain und sein gerechtigkait ordenlich furbringen. </p>
        <p xml:id="NA.3.107.2"> [Buch III Titel 107 § 2]<lb/> § 2 Wo sich auch des
                    verstorbnen erben in die erbschaft cum beneficio inventarii einlaßen wolten, so
                    stehet ihnen dasßelb auf dem cridatag zu begeren bevor. ihnen ist auch durch
                    solches begern nit benomben, wo sie zu der verstorbnen persohn ainige forderung
                    umb schult oder ichtes anders zu haben vermeinen, daß sie dieselben wie ander
                    glaubinger und ansprecher vermelden und ersuchen. desgleichen stehet solches der
                    verlaßnen wittib bevor. </p>
        <p xml:id="NA.3.107.3"> [Buch III Titel 107 § 3]<lb/> § 3 Wann nun die erben und
                    glaubinger ansprecher also ihre anforderungen in gericht schriftlich eingelegt
                    wirdt ihr iedem von des andern schriftlichem begern und ansprechen abschriften
                    durch das gericht zuerkent, daneben auch denen parteien auferlegt mit ihren
                    notturften gegen einander zu ort zu verfahren zu beschließen und zu
                    collationirn, daruber beschicht volgents durch das gericht erkantnus. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.108">
        <head>[Buch III Titel 108]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=435">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 108 titl. Welchem thail die verlassung
                    einzuantworten sei. </p>
        <p xml:id="NA.3.108.1"> [Buch III Titel 108 § 1]<lb/> § 1 Des verstorbnen negste
                    erben werden auf ihr begern die verlaßnen haab und gueter cum beneficio
                    inventarii eingeantwortt, doch dergestalt das sie alle und iede glaubinger
                    soweit sich das verlassen guet erstreckt erbarlich bezahlen und do die erben im
                    lant nit genuegsamb angesessen, so wirdt ihnen auferlegt dem gericht genugsambe
                    caution und burgschaft deswegen zu thuen. </p>
        <p xml:id="NA.3.108.2"> [Buch III Titel 108 § 2]<lb/> § 2 Doch ist des verstorbnen
                    nachgelaßne wittib nit schuldig den erben die gueter abzutretten, sie werde dann
                    zuvor inhalt ihres heuratsbriefs genzlich abgefertigt. </p>
        <p xml:id="NA.3.108.3"> [Buch III Titel 108 § 3]<lb/> § [3] Wo der verstorben keinen
                    erben hat oder sich seine erben in die erbschaft nit einlassen wollte, solle
                    denen guetern ein curator oder versprecher durch das gericht ex officio gesetzt
                    werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.109">
        <head>[Buch III Titel 109]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=437">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 109 titl. <pb n="Edition 2015 S. 343"/>
                    Wann under des verstorbnen verlassung frembde gueter verhanden, ob dieselben
                    denen welchen sie zugehörig vor allen andern geltern und ansprechern zugestelt
                    sollen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.109.1"> [Buch III Titel 109 § 1]<lb/> § 1 Wann ein wittib ihrem
                    hauswirt ligen, de oder vahrende haab und gueter zu einem heuratguet oder aber
                    außer des heuratsguts ein uberiges vermögen zugebracht hette und solche gueter
                    in ihrs hauswirts verlaßung befunden würden, also das sie die wittib darauf
                    zeigen möchte, so ist sie nit schuldig sich mit den andern geltern der prioritet
                    und vorgangs halben in einige disputation einzulaßen, sonder ihr werden solche
                    gueter als ihr aigenthumb vor allen andern geltern /:unverhindert das dieselben
                    im rechten etwo befreiet werden oder eltere verpfendungen hetten:/ widerumb
                    zugestelt. </p>
        <p xml:id="NA.3.109.2"> [Buch III Titel 109 § 2]<lb/> § 2 Gleichergestalt, wann bei
                    eines verstorbnen persohnen verlassung ligende und varende gueter unverhinret
                    befunden werden welche er behaltnusweiß innengehabt, so sollen dieselben gueter
                    demjhenigen dem sie zugehören ohn mittel widerumb ervolgen, und solle weder die
                    wittib noch die andern gelter zu solchen guetern von ihrer schulden oder
                    anforderung wegen einige prioritet haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.109.3"> [Buch III Titel 109 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen soll es mit
                    denen guetern welche dem verstorbnem von seinem schultner pfantweiß zugestelt
                    auch gehalten, und solche verpfendte gueter demjenigen der sie versetzt vor
                    menniglich widerumb gegen erlegung der pfantsumma zugestelt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.110">
        <head>[Buch III Titel 110]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=439">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 110 titl. Ob das so auf des verstorbnen
                    begrebnus gehet vor andern schulden bezahlt werden solle. </p>
        <p xml:id="NA.3.110.1"> [Buch III Titel 110 § 1]<lb/> § 1 Was auf des verstorbnen
                    begrebnus durch durch die wittib oder iemants andern aufgewendt oder
                    furgestreckt worden, dasselb solle dem altem herkomben und gebrauch nach aus des
                    verstorbnen verlaßung vor allen andern befeiten und unbefreiten schulden und
                    anforderungen bezahlt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.110.2"> [Buch III Titel 110 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, was auf die
                    chur und apotecken gangen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.111">
        <head>[Buch III Titel 111]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=440">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 111 titl. <pb n="Edition 2015 S. 344"/>
                    Von abfertigung der diener und lehehalten. </p>
        <p xml:id="NA.3.111.1"> [Buch III Titel 111 § 1]<lb/> § 1 Nach be zahlten uncosten
                    der begrebnus und chur sollen fur das ander der verstorbnen persohn diener und
                    ehehalten ihres lidlons und besoldung entricht und abgefertigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.111.2"> [Buch III Titel 111 § 2]<lb/> § 2 Wo aber ainem diener oder
                    dienerin kein bestimbte besoldung durch den verstorbnen versprochen worden, so
                    soll die besoldung durch das gericht nach gelegenhait seines dients bestimbt und
                    gemessigt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.112">
        <head>[Buch III Titel 112]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=441">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 112 titl. Von bezalung der gelter die
                    auf des verstorbnen verlaßnen guetern satz oder andere pfant haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.112.1"> [Buch III Titel 112 § 1]<lb/> § 1 Nach abfertigung
                    obgedachter erhalten sollen alßdann fur das dritt die glaubinger und ansprecher,
                    so auf des verstorbnen verlassen guetern ihre satz oder underpfant haben,
                    entricht und bezahlt werden, doch volgender gestalt: </p>
        <p xml:id="NA.3.112.2"> [Buch III Titel 112 § 2]<lb/> § 2 Erstlichen, sollen alle
                    satzgelter, so bei dem gruntbuch oder durch andere liquidirte verschreibungen
                    expressam hypothecam oder ein außgetruktes verschribnes underpfant haben, allen
                    andern glaubingern welche mir mit rechtlichen pfanden und tacitis hypothecis
                    versehen furgezogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.112.3"> [Buch III Titel 112 § 3]<lb/> § 3 Zum andern, welche
                    glaubinger ain solches verschribnes außgetruktes underpfant haben, die sollen
                    mit der prioritet vor andern befreiten creditorn welche personale privilegium
                    haben abgefertigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.112.4"> [Buch III Titel 112 § 4]<lb/> § 4 Zum dritten, sollen derlei
                    außgetrukte satzgelter denen glaubingern so ansatz auf haab und gueter bekomben
                    fortgehen. do nun einem ein haab und guet austruklich versetzt worden und sich
                    hernach ein anderer darauf ansetzen ließ, so solle ihm der erst wilkürlich
                    satzgelter billich vorziehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.112.5"> [Buch III Titel 112 § 5]<lb/> § 5 Zum vierten, sollen
                    obbemelte ofne satzgelter allen gemeinen unbefreiten glaubingern hoches und
                    niderstants furgestelt werden. und obgleich solcher unbefreiten glaubinger einer
                    oder mehr der zeit nach eltere gerechtigkait als der satzgelter hette, dennoch
                    solle ihme der satzgelter mit der bezahlung vorgehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.113">
        <head>[Buch III Titel 113]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=443">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 113 titl. Wann der
                    general-pfantschafter dem special vorzeucht oder nachgeet. <pb n="Edition 2015 S. 345"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.113.1"> [Buch III Titel 113 § 1]<lb/> § 1 Welchem creditorn alle und
                    iede seines schultners haab und gueter erstlichen verschriben oder verpfendt
                    worden, der solle dem anderm glaubinger welchem aines oder mehr stuckh daraus
                    ohn seinen wissen und willen hernach in specie versetzt in dem special-pfant
                    furgezogen werden, es were dann sach das solcher erster pfantschafter seiner
                    schulden auf denen andern und uberigen guetern contentiert möcht werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.113.2"> [Buch III Titel 113 § 2]<lb/> § 2 Welchem creditorn ein haab
                    und guet specialiter und insonderhait verpfendt, der schleust den so hernach
                    alle und iede desselben schuldners gueter verschriben mitt der prioritet auß,
                    dann waß in specie versetzt worden das Kann in die hernachvolgent gemeinschaft
                    der gueter nit gezogen werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.113.3"> [Buch III Titel 113 § 3]<lb/> § 3 Wann viel glaubinger
                    concurrieren, welchen allen der schuldner alle und iede sein haab und gueter in
                    genere verpfendt, so solle der erst under ihnen alzeit den vorzug haben. </p>
        <p xml:id="NA.3.113.4"> [Buch III Titel 113 § 4]<lb/> § 4 Wann der schuldner ains
                    oder mehr seiner haab und gueter etlichen underschitlichen glaubingern
                    specialiter und sonderbarlich verpfendt, so zeucht der erst auf dem anderm fur.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.114">
        <head>[Buch III Titel 114]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=445">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 114 titl. Welche glaubinger denen
                    satzgeltern mit der prioritet vorgehen. </p>
        <p xml:id="NA.3.114.1"> [Buch III Titel 114 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl oben ausgeführt,
                    das die glaubinger welche ein ausgetruktes underpfant haben allen andern
                    befreiten und unbefreiten creditorn und ansprechern mit der abfertigung vorgehen
                    sollen, so seint doch etliche sundere fäll in welchen sie von andern glaubingern
                    mit der prioritet ausgeschloßen werden: </p>
        <p
            xml:id="NA.3.114.2"> [Buch III Titel 114 § 2]<lb/> § 2 Erstlichen, wann ein
                    glaubinger sein gelt zu erhebung und verbeßung aines haab und guets welches
                    ainem anderm zuvor expresse versezt worden leicht, sich auch mit dem schuldner
                    austruckentlich dahin vergleicht, das ihme solches guet so on seinem darleihen
                    gebessert und meliorirt wirdt verpfent sein solle, so schleust solcher
                    glaubinger mit disem ihme verpfendem guet vermueg geschribner Kaiserlichen
                    rechten alle andere wilkührliche und rechtliche creditorn welche expressam oder
                    tacitam hypothecam auf alle oder sunderbare gueter haben, deßgleichen und viel
                    mehrers die persohnlichen befreiten auch unbefreiten gelter ungeacht ihrer
                    eltern gerechtigkait auß, allein werden hierbei <pb n="Edition 2015 S. 346"/>
                    die frauen mitt ihrem heuratsvermachts außgenomben und solchen ausleihern mit
                    der prioritet furgestelt. </p>
        <p xml:id="NA.3.114.3"> [Buch III Titel 114 § 3]<lb/> § 3 Solches aber hab alßdann
                    stat, wann das furlehen austruckenlich zu beßerung der zuvor verpfenden
                    satzgueter beschehen und danebens ein underpfant expresse bedingt worden.
                    sonsten wo das unterpfant nit austruckenlich bedingt, sondern allein beredt
                    worden das das dargelichen gelt zu beßerung des schuldners gueter gebraucht
                    werden solle, so zueg solcher glaubinger denselben satzgelter nit fur sondern
                    allein denen andern unbefreiten creditorn. deßgleichen, wo das furlehen
                    simpl[i]citer ohn alle bedingnus sowohl des satz als der besserung beschehen und
                    dennoch solches gelt zu erbesserung hernach gebraucht würdt, so gebüert es den
                    glaubinger vor andern satz-befreiten und unbefreiten geltern kein prioritet. </p>
        <p xml:id="NA.3.114.4"> [Buch III Titel 114 § 4]<lb/> § 4 Zum andern, welcher ein
                    gelt zu erkaufung eines grunts darleihet und darauf pfantsweise verwisen wirdt,
                    der gehet einem anderm glaubinger dem alle des schuldners haab und gueter
                    gegenvertig oder kunftig zuvor in gemein verpfendt mit der prioritet vor, allein
                    die frauen mit ihren heuratsvermachten außgenomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.114.5"> [Buch III Titel 114 § 5]<lb/> § 5 Furs dritt, waß aus eines
                    pupillen dargelichenes gelt erkhauft wirdt, das ist ihme vermueg geschribner
                    rechten ohn alle berednus verpfendt, und geet mit solchem guet allen satzgeltern
                    welchen es zuvor in gemein hypotheciert gewesen auch andern eltern glaubingern
                    bevor. </p>
        <p xml:id="NA.3.114.6"> [Buch III Titel 114 § 6]<lb/> § 6 Zum vierten, wann einer in
                    gemeiner lantschaftsteur etwas schuldig bleibt, so solle solche steur vor allen
                    andern geltern, auch denen so satz und pfantverschreibungen haben, entricht und
                    bezahlt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.115">
        <head>[Buch III Titel 115]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=448">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 115 titl. Von denen glaubingern so
                    haimbliche und rechtliche underpfant haben und ihrer prioritet. </p>
        <p xml:id="NA.3.115.1"> [Buch III Titel 115 § 1]<lb/> § 1 Welche creditorn
                    rechtliche und haimbliche hypothecen und sätz, als witfrauen pupillen und andere
                    mehr glaubinger davon im anderm buch bei dem 16. titl gehandlet worden, haben
                    dieselben ziehen allen befreiten und unbefreiten glaubingern mit der bezahlung
                    vor. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.115.2"> [Buch III Titel 115 § 2]<lb/> § 2 Wann der rechtlichen und
                    haimblichen gelter mehr seint, so ziehen die eltern gleichmessigen
                    gerechtigkaiten alzeit den jungern fur, allein wirdt unser Fiscus <pb n="Edition 2015 S. 347"/> hierbei außgenumben, dann unser lantsfurstliches
                    cammerguet gehet allen andern rechtlichen und haimblichen geltern, obgleich
                    dieselben der zeit nach mit ihren gerechtigkaiten elter weren, vor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.116">
        <head>[Buch III Titel 116]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=450">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 116 titl. Wohin sich der wittiben
                    freihait mit der abfertigung erstrecken. </p>
        <p xml:id="NA.3.116.1"> [Buch III Titel 116 § 1]<lb/> § 1 Die weiblichen freihait
                    und prioritet erstreckt sich allein auf die anforderung des zugebrachten
                    heuratguets, dann was die widerlegung morgengab varende haab wittibstuel und
                    anders mehr so ein heuratbrief in sich halten möcht, belangt, darinnen hat sie
                    vor andern glaubingern Kein vorgang. </p>
        <p xml:id="NA.3.116.2"> [Buch III Titel 116 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, do sie von
                    ihrem herrn und hauswirt ausser des heuratsvermächt mit andern vermachten und
                    ubergaben versehen were, so hatt sie mitt solchen ubergaben und vermachten vor
                    andern creditorn kein freihait, sie were dann under denen gemeinen geltern der
                    zeit halben mit eltern gerechtigkaiten versehen, dann in disem fall soll sie der
                    eltern zeit und keiner andern freihait geniessen. </p>
        <p xml:id="NA.3.116.3"> [Buch III Titel 116 § 3]<lb/> § 3 Mit dem uberichem
                    zubringen schleust ein witfraw andere ihre sorts haimbliche satzgelter auß, die
                    ausgetruckten satzgelter aber nit. </p>
        <p xml:id="NA.3.116.4"> [Buch III Titel 116 § 4]<lb/> § 4 Und obwohl ain wittib mit
                    ihrem heuratguet Keinen eltern wilkührlichen satzgeltr so expressam hypothecam
                    hat mit der prioritet ubertrifft, jedoch zeucht sie allen andern satz- und
                    pfantgeltern deren gerechtigkeit junger seint mit ihrem heuratguet fur, aber mit
                    dem uberigen zubringen oder andern heuratsvermechten und ubergeben nit, wie oben
                    gehört. </p>
        <p xml:id="NA.3.116.5"> [Buch III Titel 116 § 5]<lb/> § 5 Wann des verstorbnen
                    ehwirts kinder so von seiner ersten ehefrauen erzeugt ihrer mutter heuratguet
                    noch nit bekomben, so sollen sie oder ihre erben vor der jungsten wittib
                    abgefertigt werden, iedoch wann der lezten wittib zugebrachten heuratsguet noch
                    unverendert vorhanden were, also das sie darauf zaigen möchte, so wirdt ihr
                    dasselb vor der ersten hausfraw kindern auch sonsten menniglich billich
                    zugestelt. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.116.6"> [Buch III Titel 116 § 6]<lb/> § 6 Es haben die
                    rechtsgelehrten maistertails, das ein witfraw dem fisco mit ihrem heuratguet
                    fortgeen solle, darbei wöllen wirs genedigist auch verbleiben lassen. Wiewohl
                    die geschribnen rechten vermögen das dise wittibliche freihait allein auf der
                    wittib leibserben transferirt werden soll, iedoch weil die heuratbrif <pb n="Edition 2015 S. 348"/> dem lantsbrauch nach nit allein auf die kinder und
                    leibserben sondern alle getreue inhaber deßelben briefs gestelt werden, solle
                    obbemelter freihait alle erben und inhaber, sie seint gleich leibsfreunt oder
                    frembde eingesezte sucessorn, dem lantsbrauch nach so weit sich die wittib
                    derselben zu behelfen gehabt fehig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.117">
        <head>[Buch III Titel 117]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=453">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 117 titl. Von glaubingern welche
                    gerichtliche sätz und ansatz haben und ihrer prioritet. </p>
        <p xml:id="NA.3.117.1"> [Buch III Titel 117 § 1]<lb/> § 1 Welche creditorn sich auf
                    ihrer schuldner haab und gueter ansetzen lassen und das durch einen
                    gerichtlichen satz bekomben, die sollen denen wilkürlichen außgetrukten satz-
                    und pfantgeltern welchen des schuldners gueter zuvor sambtlich oder aufs
                    wenigist das angesetzt guet verschriben gewesen mit der prioritet nit vorziehen,
                    und das zuvor hypothecirt ist das kann weiter keinen gerichtlichen ansatz
                    leiden. </p>
        <p xml:id="NA.3.117.2"> [Buch III Titel 117 § 2]<lb/> § 2 Gleichfals sollen derlei
                    angesezte creditores denen glaubingern welche eltere rechtliche hypoteken haben
                    nit furgetzogen werden. wann aber der ansatz elter wer als die hernach beschen
                    wilkühr oder heimblich verpfendung, so solle der angesezte glaubinger dem
                    lantsbrauch nach vor solchen jungern außgetrukten oder heimblichen creditorn den
                    gebürlichen vorzueg haben. dann was einem gerichtlich versetzt worden, das
                    leidet vor relaxirung des ansatz keinen ferrern satz. </p>
        <p xml:id="NA.3.117.3"> [Buch III Titel 117 § 3]<lb/> § 3 Solche gerichtliche
                    pfantschaften sollen nach lantsbrauch allen andern befreiten und unbefreiten
                    creditorn, welche kein underpfant sonder nur personale privilegium oder gemeine
                    schultbrief haben, furgestelt werden. </p>
        <p xml:id="NA.3.117.4"> [Buch III Titel 117 § 4]<lb/> § 4 Wann mehrerlei
                    gerichtliche ansatz auf einem guet concurrirn, so solle der elter ansatz dem
                    jungern nach lantsbrauch furgesezt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.118">
        <head>[Buch III Titel 118]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=455">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 118 titl. Von denen befreiten creditorn
                    so personale privilegium haben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.118.1"> [Buch III Titel 118 § 1]<lb/> § 1 Welche creditorn gar kein
                    underpfant sonder nur persöhnliche freihaiten, als die depositarien und andere
                    persohnen davon im anderm [2.] buch bei dem 16. titl tractiert seint, haben, die
                    sollen als befreite gelter denen andern gemeinen unbefreiten glaubingern mitt
                    der bezahlung furgezogen werden. <pb n="Edition 2015 S. 349"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.3.118.2"> [Buch III Titel 118 § 2]<lb/> § 2 Welcher mit seiner
                    abforderung in mehrerlei weg befreit, der solle denen andern weniger befreiten
                    mit der prioritet vorgehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.119">
        <head>[Buch III Titel 119]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=456">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 119 titl. Von denen gemainen
                    unbefreuten glaubingern und ihrer abfertigung. </p>
        <p xml:id="NA.3.119.1"> [Buch III Titel 119 § 1]<lb/> § 1 Wann die unbefreiten
                    geltern die prioritet mit einander vor gericht ventiliren, so verordnen die
                    geschribnen Kaiserlichen rechten das sie zugleich zugelassen und keiner dem
                    anderm furgezogen sollen werden. dieweil aber der algemein uralt gerichtsbrauch
                    das widerspill vermag und alzeit die eltern creditorn des jungern furgesezt
                    worden, so lassen wir es aus lantsfurstlicher volmacht nochmahlen darbei
                    genedigist beruhen. </p>
        <p xml:id="NA.3.119.2"> [Buch III Titel 119 § 2]<lb/> § 2 Wann die befreiten und
                    gemeinen creditorn die prioritet mit einander disputirn, so vermögen die
                    geschribnen rechten gleichsfals das sie samentlich concurriern, und do sich des
                    schuldners haab und gueter zu ihrer völligen bezahlung nit erstreckt, einen
                    anschlag pro rata ihrer schulden neben einander erdulden sollen. solchen ist
                    aber obberürter lantsbrauch nach altem herkomben zuwider, derwegen solle
                    hinfurahn under der lantschaft der elter unbefreit gelter dem jungern alzeit mit
                    der bezahlung praeponiert, bei der burgerschaft aber mag es wie von alters
                    herkomben mit obgehörtem abzueg pro rata gehalten werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.120">
        <head>[Buch III Titel 120]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=458">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 120 titl. Ob ein glaubinger so seines
                    schuldners gueter antritt und einnimbt denen andern mit glaubigern praejudicier. </p>
        <p xml:id="NA.3.120.1"> [Buch III Titel 120 § 1]<lb/> § 1 Wo under den unbefreiten
                    creditorn ainer seines schuldners haab und gueter gar oder zum thail, weil es
                    mit demselben ubermessiger schulden halben mislich stehet, ausser gerichtshanden
                    occupiert und einnimbt, so hüelft ihnen solche thätliche antrettung zu der
                    prioritet nichts, sonder seine mitverwanten und gemeine eltern creditorn mögen
                    darbei ihr abfertigung bekomben. </p>
        <p
            xml:id="NA.3.120.2"> [Buch III Titel 120 § 2]<lb/> § 2 Denen pfantschaften und
                    befreiten creditorn praejudicirt auch solche fräventliche occupierung an ihrem
                    gebüerendem vorzug nach gelegenhait ihrer gerechtigkait gar nichts. <pb n="Edition 2015 S. 350"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.121">
        <head>[Buch III Titel 121]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=459">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 121 titl. Ob ein schuldner in wehrender
                    cridahandlung einen glaubinger vor dem anderm zahlen möge. Wann der schuldner
                    oder seine successorn und inhaber in wehrender cridahandlung ainen glaubinger
                    fur die andern zahlt, so nutzt solches dem bezahltem auch nichts, sondern mues
                    sich neben andern glaubingern bei der crida einlaßen oder der crida
                    gerichtlichen außgang erwarten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.122">
        <head>[Buch III Titel 122]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page460">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 122 titl. Ob solches vor der crida
                    beschehen möge. Vor angeschlagner crida ist Keinem schuldner verwert ainen
                    glaubinger fur den andern zu bezahlen, doch das es in fraudem creditorum und
                    denen andern glaubingern zu gwer nit beschehe, welche vermuette gever alßdann
                    mit dem purgiren wirdt, wann die bezahlung aus der obrigkait bevelh ervolgt,
                    oder da der bezahlt glaubinger umb vermuegung seiner schulden angehalten, die
                    andern aber stillgeschwigen. dann denen wachenden Komben die rechten zu hüelf.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.123">
        <head>[Buch III Titel 123]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=461">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 123 titl. Wann der glaubinger viel
                    anhalten, ob der schuldner ainen vor dem anderm bezahlen möge. Wann die
                    glaubinger zugleich umb bezahlung anhalten und der uberloffen schuldner so nit
                    solvendo ausser gerichtlicher auflag ainen vor dem anderm mit der bezahlung
                    wilfert, so mögen die andern eltern creditorn, welche mit ihrem anstrengen den
                    schuldner auch getriben, die bezahlung pro rato ihrer schulden vervociern. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.124">
        <head>[Buch III Titel 124]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=462">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 124 titl. Wann mit dem schuldner ain
                    novation getroffen wirdt, ob der elter glaubinger dardurch sein gerechtigkait
                    vergeb. Welcher glaubinger ein elter satz oder andere verschribner gerechtigkait
                    hat und mit seinem schuldner in ein novation und neuerung <pb n="Edition 2015 S. 351"/> contractshandlung doch vorbehaltlich der vorigen
                    satz oder andern gerechtigkait eingehet, der soll einen weg als den andern denen
                    jüngern creditorn furziehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.125">
        <head>[Buch III Titel 125]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=462">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 125 titl. Ob die prioritet in den
                    accessorien stathabe. Welcher mit der haubtschult oder principal-gerechtigkait
                    vor ainem anderm den vorzueg hat, der solle mit dem intereße und denen andern
                    accessorien auch furgestelt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.126">
        <head>[Buch III Titel 126]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=463">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 126 titl. Von den unliquidirten
                    schulden und derselben vorbehalt. </p>
        <p xml:id="NA.3.126.1"> [Buch III Titel 126 § 1]<lb/> § 1 Waß von bezahlung der
                    glaubinger in denen vorgennden titteln angezaigt worden, das soll von den
                    glaubingern verstanden werden, welche ihr schulden liquidiert furbringen. und
                    seind in disem fall die schulden fur liquidiert zu verstehen, darumben
                    unvermeitlich schultbrief urtel oder abschiet und andere genuegsambe und
                    glaubwürdige schein furkomben. </p>
        <p xml:id="NA.3.126.2"> [Buch III Titel 126 § 2]<lb/> § 2 Welcher glaubinger aber
                    sein schult in dem haubtproces der crida nit liquidirt fuerbringt sonder sich
                    erst auf weisung lendet, der solle zu solcher seinen angebotnen weisung durch
                    erkantnuß des gerichts gelaßen, doch die bezahlung der liquidirten glaubinger
                    biß zu volführung seiner weisung nit eingestelt sonder dieselben der ordnung
                    nach bezalt und in dem criderabschiet dem unliquidirtem glaubinger vorbehalten
                    werden. wann er hernach sein beruembte schult bewißlich macht, das er alßdann
                    sein gebürnus bei denen liquidirten abgefertigten glaubingern widerumben
                    erfordern müge. es mag auch in disem fall den liquidirten glaubingern auferlegt
                    werden bei gericht derwegen caution zu thain. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.127">
        <head>[Buch III Titel 127]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=465">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 127 titl. Wann der verstorben seinen
                    glaubingern zu gever und nachtail ichtes vergeben hiet, ob ihnen dasselb zu
                    ersuchen bevorstehe. <pb n="Edition 2015 S. 352"/> Wann der verstorben bei
                    seinem leben ichtes von seinen guetern zu nachtl und abbruch seiner glaubinger
                    geverlicher weiß vergeben hett, so stehet denen glaubingern bevor, das sie die
                    inhaber derselben haab und gueter derwegen ersuchen die sollen ihnen auch solche
                    gueter (wann die geverlich handlung bewisen wirdt) widerum zuzustellen schuldig
                    sein, davon oben im anderm buch bei dem zehendem titl ausführlicher gehandlet.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.128">
        <head>[Buch III Titel 128]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=466">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 128 titl. Von absonderung des
                    verstorbnen schuldners so im rechten separatio bonorum genant wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.3.128.1"> [Buch III Titel 128 § 1]<lb/> § 1 Wann einer ein erbschaft
                    mit schulden beladen an sich bringt und nachmals mit todt abgeet, auch nach
                    seinem tötlichem abgang auf anlangen seiner aignen glaubinger von wegen seiner
                    verlasung ain ofne crida angeschlagen wirdt, so geben die recht zu, das des
                    ersten geerbten schuldners glaubinger begeren mügen die erbschaft von den andern
                    des negst verstorbnen erbens guetern zu separiren und abzusondern, und ihnen
                    ihres schuldners erbschaft und gueter zu bezahlung ihrer schulden allein
                    ervolgen zu laßen. </p>
        <p xml:id="NA.3.128.2"> [Buch III Titel 128 § 2]<lb/> § 2 Welches ihnen dann nit
                    abzuschlagen außgenomben etliche sondere fäll. nemblichen wann der erb die
                    erbschaft mit andern seinen haab und guetern dermaßen vermischt das man
                    dieselben von einander nit absondern möchte, das die ersten glaubinger von dem
                    erben umb ihre schulden ain neue verschreibung oder versicherung, oder aber die
                    verzinsung der haubtsumma angenomben, oder nach antrettung der erbschaft funf
                    jhar lang geschwigen hetten. in solchen fällen möchten sie die separation
                    weiters nit begeren, sonder do sie bezalt wöllen werden, muessen sie sich mit
                    den andern des erbens glaubingern bei der cridahandlung einlaßen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3.129">
        <head>[Buch III Titel 129]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0006&amp;page=468">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 129 titl. Von gerhabschaften tuteln und
                    curatoreien. <pb n="Edition 2015 S. 353"/> Von der pupillen und minderjhärigen
                    Kinder tutorn und vormunden, auch allen dem was dem gerhablichem wesen anhengig,
                    ist in der policeiordnung so im zweiundfunfzigisten jhar ausgangen ausführlich
                    und nach aller furfallenden notturft furgesehen und geordnet worden, darbei wir
                    es derzeit genedigist verbleiben und beruhen laßen. 354 </p>
        <p
            xml:id="NA.4"> [Buch IV]<lb/> Landtafel oder Landesordnung des Erzherzogthums
                    Österreich unter der Enns 1573 4. Buch <pb n="Edition 2015 S. 355"/>
          <pb n="Edition 2015 S. 356"/> [neues Blatt] Das vierte buech.</p>

        <p> Von der lantgueter gerechtigkait und zuständen, auch andern sachen welche sich
                    auf dem lant begeben samt etlichen davon herrurenden strafmessigen handlungen.
                        <pb n="Edition 2015 S. 357"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.1">
        <head>[Buch IV Titel 1]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=65">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der erst titl. (fol 324) Von den
                    underthanen auch ihren behausten und unbehausten guttern. Und erstlich was ein
                    dienstbar oder zinsbar guet sei. </p>
        <p xml:id="NA.4.1.1"> [Buch IV Titel 1 § 1]<lb/> § 1 Wann ein prelat herr oder
                    lantman ainen grunt oder guet ainen anderm umb einen jharlichen zinß und dienst
                    erblich aufgibt, so hat der zinßmann der daß guet oder den grunt solchermassen
                    aufnimbt an den grunt oder guet das nutzlich aigenthumb so in latein utile
                    dominium genent wirdt. dem gruntherrn aber bleibet das naturlich aigenthumb das
                    man directum dominium haist. </p>
        <p xml:id="NA.4.1.2"> [Buch IV Titel 1 § 2]<lb/> § 2 Und wiewohl solche aufgebung
                    der grunt und gutter nit allein erblich sondern auch auf ein anzahl jhar oder
                    etliche leib beschehen mag, so ist doch in diesem lant mehrees thaile der
                    gebrauch das dise aufgebung durch die gruntherrn allein erblich beschehen.
                    derhalben werden auch solche gueter und grunt erbrunt und erbueter genent. </p>
        <p xml:id="NA.4.1.3"> [Buch IV Titel 1 § 3]<lb/> § 3 Wann aber die verlaßung auf ein
                    anzahl der jhar oder etliche leib stehet, so beschicht sie nit erblich sondern
                    allein bestantsweise, wie dann das wort hinlaßen oder verlaßen (so in die
                    bestant und leibgedingbrief verleibt werden) solchen verstant mit sich bringen.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.2">
        <head>[Buch IV Titel 2]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=67">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 2. titl.<note n="N.4.2">Wechsel auf
                        Ziffern-Numerierung im Original: vgl. I/15, II/12, III/12.</note> Von
                    underschiet der dienstbaren oder zinsparen gueter. </p>
        <p xml:id="NA.4.2.1"> [Buch IV Titel 2 § 1]<lb/> § 1 Die dienstbaren oder zinsparen
                    gueter sein underschietlicher art, etliche behauste etliche unbehauste. </p>
        <p xml:id="NA.4.2.2"> [Buch IV Titel 2 § 2]<lb/> § 2 Under einem behaustem guet
                    wirdt verstanden das hauß oder hoff so der holt oder zinßmann von seinem
                    gruntherrn innenhat sambt dem was in solches haus oder hoff, es sei gleich acker
                    wisen waid gehülz oder in andere dergleichen grunt, gehörig ist. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.2.3"> [Buch IV Titel 2 § 3]<lb/> § 3 Die unbehausten gueter seind
                    die jenigen darauf khain haus oder hof stehet, die auch zu keinem hauß oder hoff
                    gehörig seint, als acker wisen weingarten gehülz waid oder ander dergleichen
                    grunt, welche man sonsten freie purkrecht und uberlent nennen thuet. <pb n="Edition 2015 S. 358"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.3">
        <head>[Buch IV Titel 3]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=68">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 3. titl. Welche gruntherrn ihre grünt
                    zu erbguetern aufgeben mügen. </p>
        <p xml:id="NA.4.3.1"> [Buch IV Titel 3 § 1]<lb/> § 1 Ain ieder lantman mag seine
                    freie aigne grunt und gueter zu erbguetern andern aufgeben wie ihne verlust. </p>
        <p xml:id="NA.4.3.2"> [Buch IV Titel 3 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen mag ein lehensman
                    die grunt zu seinem lehen gehörig ohn seines lehenherrn consens dem lantsbrauch
                    nach erblich aufgeben. </p>
        <p xml:id="NA.4.3.3"> [Buch IV Titel 3 § 3]<lb/> § 3 Aber mögen auch die prelaten
                    ihrer gotsheuser grunt zu erbguetern ausser ainiges consens aufgeben, doch das
                    solches puerkrecht. h [???] [dem] lehensherrn nit geferlichen weiß noch dem
                    lehensherrn oder gotshaus zu spurlichem nachtail beschehe. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.4">
        <head>[Buch IV Titel 4]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=69">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 4. titl. Ob ein gruntdinst möge
                    erstaigert werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.4.1"> [Buch IV Titel 4 § 1]<lb/> § 1 Wann der underthan seinen grunt
                    umb einen benantlichen gruntdienst von seinem gruntherrn innenhat und solcher
                    grunt in seiner inhabung besser wirdt, so solle der gruntherr Keinen neuen
                    gruntdinst darauf schlagen noch den alten gruntdienst erstaigern, sondern er ist
                    den dinstman bei dem altem dinst verbleiben zulaßen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.4.2"> [Buch IV Titel 4 § 2]<lb/> § 2 Es begibt sich auch zu zeiten
                    das ein grunt in verödung und abbaw kombt, derwegen der gruntherr den alten
                    gruntdinst ringern thuet. do nun der dinstmann solchen grunt hernach wider
                    erhebt und zu fruchten bringt, so soll der gruntherr den alten gruntdinst nit
                    erstaigern, es were dann sach das er ihme in ringerung des alten gruntdinst
                    austruckenlich vorbehalten, wann der grunt mitler zeit wider erbaut oder erhebt
                    wirdt, das ihme alßdann der alte gruntdinst widerumben gereicht werden solle.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.5">
        <head>[Buch IV Titel 5]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=70">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 5. titl. Wohin die dienst durch den
                    holden oder zinsman dem gruntherrn geantwort werden sollen. Die pfenning-dinst
                    sollen einem ieden gruntherrn von dem dienstman außer ersuchung gereicht und
                    zugetragen werden, die perkrecht aber sollen <pb n="Edition 2015 S. 359"/> die
                    gruntherrn vor dem weingarten selbst heben laßen. mitt denen trait- und andern
                    dinsten soll er an einem ieden ort wie das alt herkomben vermag gehalten werden,
                    nemblichen wo der underthan solche dienst von altersheer denen gruntherrn selbst
                    geliefert soll ers hinfurahn auch unwaigerlich thain, wo aber der gruntherr den
                    dinst selbst ersucht und gehebt soll es hinfurt gleichsfals beschehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.6">
        <head>[Buch IV Titel 6]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=72">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 6. titl. Wann ein zinßman den
                    gruntdinst nit bezahlt, ob der gruntherr den grunt einziehen möchte. </p>
        <p xml:id="NA.4.6.1"> [Buch IV Titel 6 § 1]<lb/> § 1 Der zinßmann ist schuldig dem
                    gruntherrn jhärlich den gruntdienst zu bezahlen wann er aber denselben drei jhar
                    lang aneinander unbezahlt anstehen lest, so mag der gruntherr er sei geistlich
                    oder weltlich dem lantsbrauch nach den grunt einzihen. </p>
        <p xml:id="NA.4.6.2"> [Buch IV Titel 6 § 2]<lb/> § 2 Doch soll er solches aignes
                    gewalts nit thain sonder mit erkantnus aines ordenlichen nidergesezten
                    unparteiischen gruntrechts. dann do der gruntherr den zinßman außer rechtlicher
                    erkantnus des grunts entsetzet, so ist der ihme den grunt widerumb
                    einzuantworten und sich mit ihme umb den gewalt zu vertragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.6.3"> [Buch IV Titel 6 § 3]<lb/> § 3 Es ist aber der gruntherr die
                    einziehung des grunts von wegen dreijhäriger ausstent dem lantsbrauch nach mit
                    recht furzunehmen alßdann befuegt, wann ihme der zienßman solche dienst
                    muetwilliger und truzlicher weiß verhielt. dann do er aus unwißenhait des
                    grundherrn armuet oder andern dergleichen entheblichen ursachen die bezahlung
                    des diensts underlassen het und noch urbietig were alle ausstent dem herrn
                    richtig zu machen, so soll der gruntherr die einziehung einstellen und dem
                    dienstmann gegen würklicher bezahlung den grunt ervolgen laßen. </p>
        <p xml:id="NA.4.6.4"> [Buch IV Titel 6 § 4]<lb/> § 4 Derwegen wo derlei drei- oder
                    mehrjhärige ausstant verhanden, solle ein gruntherr den dinstman umb bezahlung
                    derselben guetlich ersuchen und sich in dem guetlich finden laßen. </p>
        <p xml:id="NA.4.6.5"> [Buch IV Titel 6 § 5]<lb/> § 5 Wo aber der dienstman
                    ungehorsamb wer und sich der bezahlung oder vergleichung waigert, so mag alßdann
                    das unparteiisch geding nidergesezt und mit erkandnus fortgangen, auch der grunt
                    dem gruntherrn zugesprochen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.7">
        <head>[Buch IV Titel 7]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=74">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 7. titl. <pb n="Edition 2015 S. 360"/>
                    Wann ein grunt dem gruntherrn haimfelt, ob ihme die ausstent sambt dem grunt
                    ervolgen. Wann ein grunt von wegen der unbezahlten und hinderstellungen
                    gruntdienst seinem gruntherrn mit recht zuerkent worden, so solle der dienstman
                    zu bezahlung solcher ausstent dem lantsbrauch nach nit gedrungen werden, sonder
                    der gruntherr mueß sich an dem eingezognem guet benuegen laßen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.8">
        <head>[Buch IV Titel 8]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=75">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 8. titl. Wann einem gruntherrn ein
                    grunt verfelt, ob ihme die beßerung deßelben auch verfallen sei. Wann einem
                    gruntherrn ein grunt von wegen der unbezahlten dienst haimbfelt, so ist ihme das
                    paw und beßerung so der inhaber auf solche grunt gethan auch fallen. er ist auch
                    dem geweßnen inhaber umb solche baw und beßerung ainiche bezahlung oder
                    erstattung zu thain nit schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.9">
        <head>[Buch IV Titel 9]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=76">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 9. titl. Wann die bezahlung des
                    gruntdienst strittig, wemb alßdann die weisang gebüer. Wann ein gruntherr von
                    seinen holden oder zinßman aines oder mehr vergangen jharen halben den
                    gruntdienst erfordert, aber der zinßmann furgibt der habe die bezahlung zuvor
                    gethan, so ist er solche beruembte bezahlung zu beweisen schuldig, welches mit
                    quittungen oder lebendigen zeugnußen beschehen mag. und so der holt oder zinßman
                    beweist das er die negste verschienen drei jhar an einander den zinß bezahlet,
                    so wirdt vermuetet das er solchen die fordern jhar auch entricht hab, es kunte
                    dann der gruntherr da widerspiel beweisen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.10">
        <head>[Buch IV Titel 10]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=77">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 10. titl. Ob ain gruntherr den zinsman
                    umb seine dienst pfenden müg. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.10.1"> [Buch IV Titel 10 § 1]<lb/> § 1 Wann ein holt oder dinstman
                    seinem gruntherrn die dienst nit bezahlt und der gruntherr seiner dienst
                    bekomben will, so ist er nit schuldig den dinstmann umb solche ausstendige
                    dienst zu clagen, sonder er mag sich selbst umb solche ausstant hanthaben und
                    den dienstman pfenden. <pb n="Edition 2015 S. 361"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.10.2"> [Buch IV Titel 10 § 2]<lb/> § 2 Doch ist von nötten das der
                    gruntherr solcher dienst in rubigem gebrauch sei, dann wo er derselben nit in
                    possess were. hette die pfendung nit stat, sondern er müeste solche dienst mit
                    rechtlicher clag ersuchen. </p>
        <p xml:id="NA.4.10.3"> [Buch IV Titel 10 § 3]<lb/> § 3 Wel er dann der außtendigen
                    gruntdinst halben ein unparteiisch gruntrecht nidersetzen das mag er auß
                    guetwilligkait thain, von lantsbrauch wegen aber ist ers nit schuldig sonder mag
                    sich umb solche ausstende seine gebürende dienst selbst hanthaben. </p>
        <p xml:id="NA.4.10.4"> [Buch IV Titel 10 § 4]<lb/> § 4 Wann er aber nit die
                    ausstendigen dienst sonder den grunt, als ob ihme derselb von wegen der ausstant
                    verfallen anficht, so solle er solchen grunt aignes gewalts nit einziehen sonder
                    deßelben durch ein gruntrecht und erkantnuß habhaft werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.11">
        <head>[Buch IV Titel 11]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=79">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 11. titl. Wo die pfendung beschehen
                    soll. Wann ein gruntherr seinen holden oder dinst man umb die ausstendigen
                    dienst pfenden will, soll er daßelb auf seinen aignen grunden thain. dann wo er
                    den dienstman auf einem frembdem guet pfenden oder aufhalten thuet, were er
                    deßelben nit befuegt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.12">
        <head>[Buch IV Titel 12]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=79">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 12. titl. Ob ain gruntherr schuldig sei
                    den gruntdienst in zeit der mißrahtung oder wenn ein grunt in verderben kumbt
                    nachzulassen. </p>
        <p xml:id="NA.4.12.1"> [Buch IV Titel 12 § 1]<lb/> § 1 Do ein grunt oder erbuet
                    durch krieg prunst oder waßergus zum tail verderbt oder hingenumben wirdt, so
                    ist der gruntherr nit schuldig an dem gruntdinst etwas nachzulaßen, sonder des
                    dienstman solle ihme den völligen gruntdienst ainen weg als den andern bezahlen.
                    vermeint er aber das ihme der völlig gruntdinst zu schwer sei, so mag er den
                    grunt so viel dessen noch verhanden dem gruntherrn haimbsagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.12.2"> [Buch IV Titel 12 § 2]<lb/> § 2 Also auch wann dem pauman
                    durch schaur oder ungewitter die frucht misratten, so ist er nichts destoweniger
                    dem gruntherrn seine dinst zu raichen schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.13">
        <head>[Buch IV Titel 13]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=81">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 13. titl. <pb n="Edition 2015 S. 362"/>
                    Wie die lantsteurn von den erbguetern bezahlt werden sollen. </p>
        <p xml:id="NA.4.13.1"> [Buch IV Titel 13 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die geschribnen
                    rechten vermügen das der holt oder zinßman und nit der gruntherr die steurn von
                    seinen habenden erbguetern zu bezahlen schuldig, so wirdt doch in disem lant
                    Österreich under der Ennß die bezahlung der lantsteur nit den zinßleuten oder
                    underthanen sonder ihren gruntherrn auferlegt. </p>
        <p xml:id="NA.4.13.2"> [Buch IV Titel 13 § 2]<lb/> § 2 Welcher gruntherr alßdann
                    unbehauste gueter hat, der ist die lantsteur aus aignem seckel ohn entgelt des
                    zinßman zu bezahlen schuldig. was aber die steur von denen behausten guetern
                    belangt, dieselben mag der gruntherr seinen underthanen zu bezahlen anschlagen.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.14">
        <head>[Buch IV Titel 14]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=82">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 14. titl. Wann ein dienstman sein
                    erbguet in abbau kommen lest, ob ihme der gruntherr die zustiftung auferlegen
                    möge. Wann ein dinstman oder holt sein erbguet aus nachlessigkait oder böser
                    wirtschaft in verödung oder abbau komben lest, so mag ihme der gruntherr die
                    zustiftung wie lantsgebreuchig auferlegen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.15">
        <head>[Buch IV Titel 15]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=82">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 15. titl. Wann ein gruntherr sein
                    gruntobrigkait ainem anderm verkauft ob der der kaufer den zinßleuten ihre
                    erbgueter volgen und bleiben zu laßen schuldig sei. </p>
        <p xml:id="NA.4.15.1"> [Buch IV Titel 15 § 1]<lb/> § 1 Ain gruntherr mag sein
                    gruntobrigkait ainem anderm verkaufen oder ubergeben wie ihne verlust, darinnen
                    sollen ihme auch die zinßlent kein irrung thain. und wann er also sein obrigkait
                    verkauft, so hatt der kaufer nit macht die underthanen und zinßleut von ihren
                    erguetern abzuschaffen, sonder er solle sie allermaßen wie sie dieselben bei den
                    vorigen gruntherrn innengehabt und besessen ruebig verbleiben laßen. </p>
        <p xml:id="NA.4.15.2"> [Buch IV Titel 15 § 2]<lb/> § 2 Wann aber ein gruntherr ainen
                    grunt auf gewiße jhar oder auf etlich leib hingelaßen het, und sein
                    grundobrigkait hernach ainem anderm zu kaufen geb, so soll er alzeit bei der
                    kaufsabret mit dem kaufer dahin handlen und schließen solche bestantleut und
                    leibgedingsgenossen biß sich ihr zeit endet bei ihren hingelaßnen guetern
                    unabgeschafft und ruebig verbleiben zu lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.16">
        <head>[Buch IV Titel 16]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=84">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 16. titl. <pb n="Edition 2015 S. 363"/>
                    Ob ein holt oder dienstmann ausser seines gruntherrn bewilligung sein erb- und
                    dienstgüeter verkaufen mög. </p>
        <p xml:id="NA.4.16.1"> [Buch IV Titel 16 § 1]<lb/> § 1 Ainem iedem holden oder
                    zinßman stehet bevor sein erbguet oder andere gueter zu verkaufen ohn eintrag
                    oder verhinderung seines gruntherrn, doch das solche verkauf mit des gruntherrn,
                    seines pflegers oder richters vorwißen beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.16.2"> [Buch IV Titel 16 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, wann der
                    gruntherr wider den kaufer billiche ursachen furzuwenden het warumben ihme
                    derselb zu einem holden nit annemblich, so mag er die verkaufung so lang
                    sperren, biß ihme ein anderer teuglicher kaufer oder stiftman furgestelt wirdt.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.17">
        <head>[Buch IV Titel 17]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=85">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 17. titl. Ob ein underthon sein guet
                    bestant- oder leibgedingsweise verlaßen möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.17.1"> [Buch IV Titel 17 § 1]<lb/> § 1 Ein holt ist nit befuegt
                    außer seines gruntherrn besonder zugeben und bewilligung ainem anderm sein
                    habents behausts guet weder bestant- noch leibgedingsweise ferrer aufzugeben
                    oder hinzulassen, sonder er ist solches guet mit aignem rucken oder rauch zu
                    besitzen oder aber mit einem anderm tauglichem holden zuzustiften schul[d]ig. </p>
        <p xml:id="NA.4.17.2"> [Buch IV Titel 17 § 2]<lb/> § 2 Aber mit einem uberlentguet
                    oder freiem puerkrecht, als acker wisen gehülz oder dergleichen grunt welche nit
                    zum behaustem guet gehören sonder sonsten erobert worden, ist ein underthon
                    frei. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.18">
        <head>[Buch IV Titel 18]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=86">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 18. titl. Ob ein holt sein erbguet
                    verschaffen möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.18.1"> [Buch IV Titel 18 § 1]<lb/> § 1 Wann ein holt sein behausung
                    einem anderm in seinem testament verschafft und derselb geschaftman dem
                    gruntherrn zu einem holden aus genugsamben ursachen nit annemblich, so kann der
                    gruntherr das testament gleichwohl nit widertreiben. </p>
        <p xml:id="NA.4.18.2"> [Buch IV Titel 18 § 2]<lb/> § 2 Aber den erben welchen
                    solches guet verschafft worden mag er auflegen daßelbe guet einem anderm der
                    ihme gruntherrn zu einen holden tauglich und gefellig zu verkaufen oder zu
                    ubergeben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.19">
        <head>[Buch IV Titel 19]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=87">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 19. titl. <pb n="Edition 2015 S. 364"/>
                    Ob ein holt seine gueter verwechsslen oder verpfenden mag. Der underthan soll
                    seine erbgueter ohn seines herrn vorwissen dem lant brauch nach nit verwechslen
                    noch verpfenden. ohn versetzung aber seiner gueter mag er gelt außer vorwißen
                    seines gruntherrn wohl entlehnen, oder do einige vergwißung vonnötten steet ihme
                    seine freie purkrechtgueter derhalben zu verpfenden bevor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.20">
        <head>[Buch IV Titel 20]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=88">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 20. titl. Ob ein dinstbar guet
                    zerthailt möge werden. Wann der underthan viel erben verließ, so künnen sie die
                    lehen und ergueter in das behaust guet gehörig nit zertrennen noch von einander
                    thailen, sondern sie muessen das verlassen guet unverscheidenlich brauchen, oder
                    einem erben so dasselb mit aigem rucken besitzen will abzulösen geben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.21">
        <head>[Buch IV Titel 21]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=89">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 21 titl. Ob ein underthan die
                    zustiftung begeren mag. Wann ein holt oder zinßman dem gruntherrn sein guet es
                    sei behaust oder unbehaust wider ledig haimbsagen oder ordentlich zustiften
                    wolte, ungeacht das er seines abzugs kein ursach und allein beßers frumben
                    halben sein thain verkehren wolt, so mag er daßelb thain, und der gruntherr
                    solle ihne nit nötten auf dem guet wider seinen willen zu bleiben. es were dann
                    sach das ein holt mit seinem herrn noch unvertragne rechtsachen hett, so ist
                    ihne der herr so lang abzulaßen nit schuldig biß er solche rechtsachen ausfuert
                    oder aber burgschaft thuet den rechten bis zu ent außzuwarten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.22">
        <head>[Buch IV Titel 22]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=90">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 22. titl. Ob ein gruntherr die
                    zustiftung begeren möge. Wann der gruntherr aus billichen ursachen ainen
                    underthan nit leiden und der underthan nit weichen wolt, so mag ihme der herr
                    die zustiftung bei einem peremptori termin auferlegen. kumbt er derselben nit
                    nach, mag der herr die zustiftung alßdann selbst furnehmen. <pb n="Edition 2015 S. 365"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.23">
        <head>[Buch IV Titel 23]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=91">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 23. titl. Wann der gruntherr seinen
                    underthan nit abziehen will laßen, wie ihme alßdann zu helfen. </p>
        <p xml:id="NA.4.23.1"> [Buch IV Titel 23 § 1]<lb/> § 1 Es begibt sich vielmals das
                    ein abziehender underthann seinem gruntherrn zustift, aber dem herrn Kein
                    furgestelte persohn annemblich sein will, auch entzwischen dem armen mann seine
                    gueter vorhelt. damit nun die armen wider gebuer und billigkait nit aufgehalten
                    noch an ihrer nahrung gespert werden, solle ein ieder underthan seinem herrn
                    einen ehrlichen tauglichen mann welcher mit seinem guetem abschietbrief gefast
                    furstellen. will ihne dann der gruntherr nit annemben, so mag sich desselben der
                    abziehent underthan vor der hohen obrigkait clagweiß beschweren, die solle dem
                    gruntherrn daruber mit einer ainigen schrift vernehmen, auch uber clag und
                    bericht unparteiische kuntschaften einziehen und daruber nach gestaltsamb
                    befundner sachen den gestelten stiftman dem gruntherrn mit gerichtlicher
                    cognition ein- oder abschaffen. </p>
        <p xml:id="NA.4.23.2"> [Buch IV Titel 23 § 2]<lb/> § 2 Und welcher tail ungerecht
                    befunden worden, solle den uncosten so auf die erkundigung geloffen erstatten
                    und bezahlen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.24">
        <head>[Buch IV Titel 24]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=92">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 24. titl. Wann ein herr einen holden
                    nit annemben will, wie ihme zu helfen. Wann sich ein ehrlicher mann under einem
                    gruntherrn einkaufen wolt, so solle ihne der gruntherr allein der ursachen
                    halben das er zuvor under seinem gegenthail gesessen nit ausschlagen, es were
                    dann sach das er ihme zuvor widerwertig gewesen auch rahtt und that wider ihne
                    seinem vorigem herrn gegeben hette, alßdann möchte er als ein verdechtlicher
                    billich außgeschloßen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.25">
        <head>[Buch IV Titel 25]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=93">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 25. titl. Wann ein herr seinem holden
                    den abschietbrief vorhelt. Es solle Kein gruntherr seinem underthan welcher
                    ehrlich und redlich abzeucht den lantsgebreuchigen abschietbief vorhalten.
                    geschech aber solches, soll das <pb n="Edition 2015 S. 366"/> gericht uber clag
                    und bericht vorgehörtermaßen erkundigung halten und darüber ohn lenger process
                    ainem oder dem anderm thail erkennen was recht ist. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.26">
        <head>[Buch IV Titel 26]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=94">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 26. titl. Ob man einen holden ohn
                    abschietbrief aufnehmen mag. </p>
        <p xml:id="NA.4.26.1"> [Buch IV Titel 26 § 1]<lb/> § 1 Es solle auch kein gruntherr
                    eines andern herrns underthan ohn solche verfertigte abschietbrief vermueg
                    ausgengener general an- und aufnehmen, sonsten beweist er den vorigen herrn
                    davon der underthan noch nit ordenlich oder volkombenlich abgelassen einen
                    gewalt. </p>
        <p xml:id="NA.4.26.2"> [Buch IV Titel 26 § 2]<lb/> § 2 Und obgleich der underthan
                    dem herrn caution und burgschaft thet ihme kunftig einen abschietbrief
                    furzubringen oder den neuen herrn ohn schaden zu halten, so solle er ihne wider
                    lantsbrauch dennoch nit annemben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.27">
        <head>[Buch IV Titel 27]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=95">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 27. titl. Wohin eines underthan so ohn
                    testament abgehet haab und gueter fallen. </p>
        <p xml:id="NA.4.27.1"> [Buch IV Titel 27 § 1]<lb/> § 1 Wann der underthan mit todt
                    ohn ein testament abgeet, so felt sein guet auf seine leibserben oder negste
                    freunt, die sollen alßdann sein verlaßne wittib nach der heuratsabret, oder wo
                    keine verhanden nach altem herkomben und gemeinem dorfbrauch, abfertigen. </p>
        <p xml:id="NA.4.27.2"> [Buch IV Titel 27 § 2]<lb/> § 2 Wann aber kein erb verhanden,
                    so felt das guet dem gruntherrn haimb. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.28">
        <head>[Buch IV Titel 28]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=96">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 28. titl. Von denen fluchtigen
                    underthanen. </p>
        <p xml:id="NA.4.28.1"> [Buch IV Titel 28 § 1]<lb/> § 1 Wann ein underthan mit weib
                    und kint flüchtig wirdt, so verwürkt er damit sein haab und guet. </p>
        <p xml:id="NA.4.28.2"> [Buch IV Titel 28 § 2]<lb/> § 2 Wann er aber weib und kint
                    oder die kinder allein hinder sein verließ, soll der gruntherr dasselb denen
                    unschuldigen weib und kindern lassen, doch wo die kinder unvogtbar und dem herrn
                    mit der manschaft robat oder in ander weg nit tauglich weren, mag ihnen der herr
                    die zustiftung auflegen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.28.3"> [Buch IV Titel 28 § 3]<lb/> § 3 Der fluchtig underthon aber
                    soll von keinem anderm im lant aufgenomben noch gehait werden, es were dann sach
                    das er seiner flucht genugsambe ursachen hett welches bei des gerichts erkantnus
                    stehen solle. <pb n="Edition 2015 S. 367"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.29">
        <head>[Buch IV Titel 29]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=97">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 29. titl. Von der baurschaft und
                    ledigen knechten und erstlich, ob die baursleut hantieren mögen. Die baursleut
                    sollen in den dörfen kein niderlag machen noch mit eisen salz thuech leinwat
                    oder dergleichen wahren und pfenwarten handlen und gewerb treiben, sonder sich
                    aller burgerlichen hantierung und gewerb genzlichen enthalten. doch ist ihnen
                    ihr aigne notturfft an denen gewöhnlichen jhar- und wochenmärkten oder in
                    stätten und märkten einzukhaufen unverboten, vermueg derhalben außgangner
                    general. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.30">
        <head>[Buch IV Titel 30]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=98">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 30. titl. Von andern gemeinen baurs-
                    und hauers verbotten. </p>
        <p xml:id="NA.4.30.1"> [Buch IV Titel 30 § 1]<lb/> § 1 Desgleichen sollen sie kein
                    zintete noch andere buchsen tragen oder dieselben außer aufbott glockenstreich
                    feints not oder in andere eraischete unvermeitliche notturft gebrauchen bei
                    verlust derselben puzen, vermueg außgangner general. </p>
        <p xml:id="NA.4.30.2"> [Buch IV Titel 30 § 2]<lb/> § 2 Item sollen sie sich des
                    wiltbrachts-schiessen jagens und der reißgejaiter auch der großen riden dardurch
                    das wilt verjagt oder geschedigt wirdt bei straf enthalten, es were dann sach
                    das ihnen die raißgejader von ihrem herrn in bestant verlaßen würden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.31">
        <head>[Buch IV Titel 31]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=99">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 31. titl. Wie sie ihr trait und wein
                    verhandlen sollen. </p>
        <p xml:id="NA.4.31.1"> [Buch IV Titel 31 § 1]<lb/> § 1 Die baursleut sollen mit dem
                    trait und wein oder in ander weg keinen furkauf treiben, sonder allein ihre
                    aigne gewechst wie sich gebuert verhandlen. sie sollen auch ihr getrait schwärs
                    und rings bei verlierung deßelben in winckeln oder bei hauß nit verkaufen,
                    sondern umb die umbligenden stätt und märkt auf die befreiten und gebreuchigen
                    jhar- und wochen märkt fuhren, inhalt derhalben außgangener generalen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.31.2"> [Buch IV Titel 31 § 2]<lb/> § 2 Sie sollen auch vor der
                    predig des wort gottes und dem kirchendinst kein leutgebhauß oder tafern
                    eröffnen, vielweniger besuchen, auch in sumber uber neun und im winter uber acht
                    uhr bei dem wein oder pier nit sitzen noch andern solches gestatten, vermueg der
                    general so derhalben publiciert worden. <pb n="Edition 2015 S. 368"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.31.3"> [Buch IV Titel 31 § 3]<lb/> § 3 Sie sollen auch keineswegs
                    gestatten das sie ihr gesünt, wann die arbeit guet und gnöttig ist, in die
                    weinheuser legen und der füllerei auswarten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.32">
        <head>[Buch IV Titel 32]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=101">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 32. titl. Wie sich die Knecht verdingen
                    sollen. Wir ordnen und wöllen auch das hinfurahn in den märkten dörfern und
                    flecken kain wochenknecht mehr, welcher nach der wochen arbeiten wiel, gelitten
                    soll werden, sonder das ietweder sich auf halbe oder ganze jharsfrist zu ainem
                    herrn einding. welcher aber darwider betretten wirdt, gegen demselben solle mit
                    gebürlicher leibsstraff verfahren werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.33">
        <head>[Buch IV Titel 33]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=102">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 33. titl. Ob die ledigen knecht ligende
                    gutter an sich bringen mögen. </p>
        <p xml:id="NA.4.33.1"> [Buch IV Titel 33 § 1]<lb/> § 1 Deßgleichen solle auch hiemit
                    genzlich verbotten sein denen ledigen knechten ligende grunt von weingarten
                    wisen ackern und dergleichen grunden aufzugeben zuverkaufen oder zu versetzen. </p>
        <p xml:id="NA.4.33.2"> [Buch IV Titel 33 § 2]<lb/> § 2 Ihnen solle aber unbenomben
                    sein, wo ihnen derlei grunt mit erbschaft anfielen, das sie dieselben zu ihrem
                    nutz behalten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.34">
        <head>[Buch IV Titel 34]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=102">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 34. titl. Was gestalt sie ihren herrn
                    dienen sollen. </p>
        <p xml:id="NA.4.34.1"> [Buch IV Titel 34 § 1]<lb/> § 1 Ferrer sollen unserer
                    lantleut underthanen söhn und töchter ihen obrigkaiten und gruntherrn, wo die
                    eltern oder ihre freunt dieselben selbs nit zu erhalten hetten oder bedürftig
                    weren, umb den lohn den sie anderer orten haben möchten vor allen andern zu
                    dienen schuldig sein. aber dargegen sollen die herrn solche diener nit wie
                    leibsaigne knecht oder sclaven sonder mit notturftiger underhaltung wie
                    gebreuchig halten. </p>
        <p xml:id="NA.4.34.2"> [Buch IV Titel 34 § 2]<lb/> § 2 Es soll auch solchen eltern
                    ihre kinder in die stätt hantwerch oder andere ehrliche sachen zu lernen
                    zuverschicken unverwerth sein, alles vermueg derhalben außgegangnen generals
                    deren datum den 20. augusti anno etc. 65ten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.35">
        <head>[Buch IV Titel 35]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=104">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 35. titl. <pb n="Edition 2015 S. 369"/>
                    Wann die neugreftung zuzulassen. </p>
        <p xml:id="NA.4.35.1"> [Buch IV Titel 35 § 1]<lb/> § 1 Die weinzierl, ledigen
                    hauersknecht noch iemants anderer solle in unserm erzherzogthumb Österreich
                    under der Ennß Keinen neuen weingarten greften oder machen. welcher aber
                    hierwider fräventlich handlen und neue weingräften machet oder machen ließ, der
                    selb solle alßdann von einem ietlichem neugreften viertl umb 10 fl rhein
                    unableßlich gestrafft und nichts weniger dieselben gemachten greften von
                    stuntahn ausgerissen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.35.2"> [Buch IV Titel 35 § 2]<lb/> § 2 Doch wollen wir die alten
                    abkombnen weingarten rieden und gebüerg damit nit gemeint noch begriffen haben,
                    sonder do iemant ainen alten abkomben weingarten riet oder gebüerg so zum
                    ackerbaw nit dinstlich widerumb mit arbeit erheben, selbst greften oder erzuglen
                    lassen wolt, das demselben solches zugelassen werde und unverwert sein solle,
                    inhalt und vermueg unserer general deren datum den 29 jhener anno 65ten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.36">
        <head>[Buch IV Titel 36]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=105">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 36. titl. Von der robat, auch waßmassen
                    die holden und dinstleut von ihren gueten zu robatten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.36.1"> [Buch IV Titel 36 § 1]<lb/> § 1 Ein ieder holt solle [von]
                    seinem behaustem guet das er mitt aignem rucken besitzt seinem gruntherrn
                    robaten. und do er gleich vormals von solchem grunt niemahlens kein robat
                    gelaist, so solle er sich doch auf des herrn ersuchen nit waigern, es were dann
                    sach das er von seinem gruntherrn oder derselben vorfordern der robath halben
                    insonderhait befreit worden und solche freihait mit briflichen urkunden oder in
                    ander weg darzuthain hette. </p>
        <p xml:id="NA.4.36.2"> [Buch IV Titel 36 § 2]<lb/> § 2 Wo aber ein underthan von
                    alters her nie gerobat und doch der robat halben kain befreiung furzulegen hett,
                    soll er die robat wie andere holden deren orten laisten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.37">
        <head>[Buch IV Titel 37]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=106">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 37. titl. Wie viel tag ein underthan zu
                    robatten schuldig. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.37.1"> [Buch IV Titel 37 § 1]<lb/> § 1 Ein ieder underthan solle
                    seinem herrn soviel tag und zeit, auch in der gestalt mit persohn roß und wagen
                    robathen, wie das unwidersprechlich alt herkomben aines ieden orts vermag,
                    darwider solle ihne auch der herr nit beschweren noch dringen. <pb n="Edition 2015 S. 370"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.37.2"> [Buch IV Titel 37 § 2]<lb/> § 2 Was aber unserer pfarrholden
                    und andere underthanen zu unsern pfantschaften und cammerguetern gehörig
                    anlangt, soll es bei weilant Kaiser Ferdinants unsers geliebten herrn vattern
                    löblichster und seeligister gedechtnus resolution und messigung nochmahlen
                    verbleiben, nemblichen das solche lantfurstliche underthanen uber zwelf tag
                    aines jhars zu robaten nit schuldig sein, noch darüber getrungen werden sollen.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.38">
        <head>[Buch IV Titel 38]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=108">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 38. titl. Zu was zeiten die robath
                    beschehen soll. Es solle kein herr die schuldig robatt auf einmahl von seinen
                    underthanen erfordern, sonder damit die underthanen umb soviel weniger beschwert
                    werden, dieselb zu vier underschietlichen zeiten des jhars anstellen, es were
                    dann das alt herkomben anderst geschaffen. es ist auch ein herr den underthanen
                    so zu der robatt erscheinen ihr notturftige underhaltung nach altem herkomben zu
                    geben schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.39">
        <head>[Buch IV Titel 39]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=108">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 39. titl. Wann die robath mit der hant
                    oder roß und wagen beschehen solle. Welche underthanen zu ihren heusern
                    zugehörige acker haben die sollen die robath mit roß und wagen, die andern aber
                    so zu ihren heusern nit acker haben allein mit ihrer persohn und der hant
                    verreichten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.40">
        <head>[Buch IV Titel 40]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=109">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 40. titl. Ob man von denen
                    uberlentgrunden robaten solle. Von den puerkrecht- und uberlentgrunden ist ein
                    underthan dem gruntherrn einige robath zu thain nit schuldig, es were dann sach
                    das er von altersher solche robat gethan und der herr derselben in erseßnem
                    gebrauch were. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.41">
        <head>[Buch IV Titel 41]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=110">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 41. titl. Ob der underthan in aigner
                    persohn robathen soll. <pb n="Edition 2015 S. 371"/> Ob ein underthan in eigner
                    persohn robathen solle oder einen andern an sein statt schicken möge, darinnen
                    soll das alt herkomben aines ieden orts angesehen und darwider die underthanen
                    nit beschwert noch gedrungen werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.42">
        <head>[Buch IV Titel 42]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=110">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 42. titl. Wie die erben robathen. Wann
                    ein underthan viel erben hinder sein verließ welche ihr vätterlichs haab und
                    guet mit einander besessen, so seint sie von solchem guet mehrere robath zu
                    laisten nit schuldig als ihr vorsidl davon verricht. derwegen ist der gruntherr
                    von ihr iedem die robatt zu begeren nit befuegt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.43">
        <head>[Buch IV Titel 43]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=111">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 43. titl. Ob der underthan die robath
                    mit gelt ablösen muge. Do ein underthan seinem gruntherrn fur die robath gelt
                    oder geltswerth reichen wolt so ist der herr solches wider sein gelegenhait
                    anzunemben nit schuldig, es were dann solches ein altes herkomben oder der herr
                    schlieg die robath in gelt ahn. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.44">
        <head>[Buch IV Titel 44]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=112">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 44. titl. Von dem zehent und erstlich
                    ob die laien oder weltlichen persohnen der zehent fächig oder thailhaft sein.
                    Wiewohl die geistlichen recht nit zulassen das die lantleut und weltliche
                    persohnen zehent (:allein in etlichen sondern fällen:) haben sollen, so vermag
                    doch der uberuhralt lantsbrauch, wann ein weltlicher lantman oder derselben
                    vorsidl ainen zehent von ainem gotshaus mit unserm oder unserer vorfahren
                    zugeben und bewilligung durch keuf oder andere contract an sich gebracht oder
                    aber einen zehent uber verjhärte zeit ruebig innengehabt, das derselb lantman
                    darbei ungeirret gelaßen werden solle. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.45">
        <head>[Buch IV Titel 45]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=113">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 45 titl. Von wehe man den zehent zu
                    geben schuldig. <pb n="Edition 2015 S. 372"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.45.1"> [Buch IV Titel 45 § 1]<lb/> § 1 Die großen veltzehent, als
                    wein und trait deßgleichen an etlichen orten kraut safran rueben und andere
                    gleichmessige sorten, ebnerweiß der kleinzehent, welcher an etlichen orten nit
                    zu velt sondern zu dorf von kelbern lembern gensen hiener airen und khäsen etc.
                    gesamblt wirdt, sollen die von altershers an einem iedem ort gebreuchig genumben
                    und darwider niemant beschwert werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.45.2"> [Buch IV Titel 45 § 2]<lb/> § 2 Es solle auch kein kleiner
                    zehent auf neue sorten so vormals der orten von alters her nit gebreuchig
                    gewesen geschlagen, vielweniger an denen orten do er zuvor niemalns gereicht von
                    neuem aufgebracht werden. auf denen neubruchen aber mag man den zehent billich
                    abnehmen. </p>
        <p xml:id="NA.4.45.3"> [Buch IV Titel 45 § 3]<lb/> § 3 Wann ein lustgarten hofstat
                    oder setz nit zum lust sonder auf den nutz wie andere weingarten erbaut wirdt,
                    so ist man den zehent davon zu reichen schuldig. wo aber solcher lustgarten
                    hofstat oder setz allein lusthalben und zu keiner nuzbarkeit erbaut wirdt, oder
                    aber der ihnhaber eines alten lustgartens hofstat oder setz uber verjhärte zeit
                    keinen zehent davon gereicht hette, so solle er hinfuhrahn auch zehentfrei sein.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.46">
        <head>[Buch IV Titel 46]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=115">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 46. titl. Wann ein acker zu einen
                    weingarten oder ain weingarten zu einem acker gemacht, wie es alßdann mit dem
                    zehent zu halten. </p>
        <p xml:id="NA.4.46.1"> [Buch IV Titel 46 § 1]<lb/> § 1 Wann ein zehentherr in seinem
                    weingarten den zehenten hat und derselb weingarten hernach zu einem acker
                    gemacht wirdt, so volgt dem zehentherrn der traitzehent allermassen wie er vor
                    den weinzehent darauf gehabt. also auch wann ein acker zu einen weingarten
                    gemacht wirdt, solle dem zehentherrn von solchem weingarten der weinzehent auch
                    zustehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.46.2"> [Buch IV Titel 46 § 2]<lb/> § 2 Jedoch wann ein
                    zehent-gezirkh zweien underschitlichen zehenherrn zugehörig, also das in solchem
                    gezirkh der ein den weinzehent und der ander den traitzehent hett und der orten
                    ein weingarten zu einem acker oder ein acker zu einen weingarten zugesicht
                    wirdt, so volgt alßdann der weinzehent nit dem so den traitzehent zuvor auf
                    demselben grunt eingenomben, sonder demjhenigen welcher den weinzehent in
                    solchem zehent gezirkh hatt. also auch volget der traitzehent in disem fall nit
                    dem welcher den weinzehent zuvor auf dem grunt eingenomben, sonder dem ihenigen
                    so den traitzehent von dem grunt in demselben traitgezirkh einzunemben hatt. <pb n="Edition 2015 S. 373"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.47">
        <head>[Buch IV Titel 47]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=117">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 47. titl. Wann ein grunt von neuem
                    erbaut wirdt, wemb alßdann der zehent auf demselben grunt zugehörig. Wann ein
                    geistlicher oder weltlicher ainen zehent hatt und in demselben zehentgezirkh
                    weingarten vom neuem gegreftet oder das erdreich zu ackern umbgerißen und
                    neupruch gemacht werden, so gehört uber solchen weingarten und acker der zehent
                    eben dem zehentherrn zu in des zehentgezirkh dieselben gelegen seint. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.48">
        <head>[Buch IV Titel 48]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=118">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 48. titl. Ob in raichung des zehents
                    der pawman den pawcosten abziehen moge. In reichung des zehents soll dem
                    zehentherrn der zehende thail ohn abschlag des paucosten gereicht werden. es mag
                    auch der pauman das berkrecht deßgleichen die gruntdinst und die lantsteur von
                    dem zehent mit nichten abziehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.49">
        <head>[Buch IV Titel 49]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=118">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 49. titl. Ob ein pawman schuldig sei
                    dem zehentherrn den zehent haimbzuführen. Der bauman ist seinem zehentherrn den
                    zehent nach lantsbrauch haimbzuführen nit schuldig, es were dann an einem oder
                    dem andern ort solch haimbführung ein altes herkomben, so sollen sich die
                    zehentleut derselben nit waigern. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.50">
        <head>[Buch IV Titel 50]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=119">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 50. titl. Ob der zehentherr den zehent
                    auf dem zehentgrunt ersuchen müge, obgleich derselbe grunt in frembde hant
                    komben were. <pb n="Edition 2015 S. 374"/> Wann der inhaber eines grunts
                    ausstendige zehent zu thain und vor bezahlung desselben den grunt auf iemants
                    andern verwendt, so ist der zehentherr nit schuldig den ersten inhaber des
                    grunts umb solche ausstent zu beclagen sonder mag denselben auf dem zehentgrunt
                    selbst ersuchen und ohn einige clag pfendung furnehmen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.51">
        <head>[Buch IV Titel 51]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=120">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 51. titl. Wassermassen der traitzehent
                    gegeben und genomben werden soll. </p>
        <p xml:id="NA.4.51.1"> [Buch IV Titel 51 § 1]<lb/> § 1 Das general so zu Wormbs den
                    22. aprilis im 1545 jhar ausgangen vermag lauter, das die underthanen und andere
                    persohnen so trait erbauen an allen orten und enden wo die in unserm
                    erzherzogthumb Österreich under der Ennß gesessen seint unangesehen aller alten
                    herkomben und gebreuch ihren traitzehent nach pubulicirung deßelben generals nit
                    wie vormals beschehen garbenweiß, sonder dermaßen wie das trait bei einem ieden
                    aigen oder flecken es sei mangl- schober- oder heuflweiß gefechsnet,
                    gleichermaßen mändl- schober- oder heuflweiß den zehent reichen und geben
                    sollen. </p>
        <p xml:id="NA.4.51.2"> [Buch IV Titel 51 § 2]<lb/> § 2 Und damit in einfuerung und
                    einbringung des getraits der vleißig des unvleissigen nit entgelt noch dardurch
                    in schaden gefuhrt werde, so ist in iezt bemeltem general dise ordnung gegeben,
                    wann ein underthan sein getrait bei den aigen oder flecken abgeschnitten und der
                    zehentherr durch ihne angelangt wirdt solchen zehent außzustecken oder derselben
                    zu heben, das der zehentherr solchem ersuchen unwaigerlichen soll stattthain und
                    sein gebürenden zehent haben. wo aber der zehentherr in hebung des zehents
                    saumbig erschienen würde so soll und mag der baursman oder bauman sein getrait
                    seiner gelegenhait nach einführen und den zehent dem zehentherrn obgehortermaßen
                    mändel-schober- oder heufelweis wie an einem ort gebreuchig ligen laßen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.52">
        <head>[Buch IV Titel 52]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=122">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 52. titl. Von beschreibung des
                    weinzehents. Von wegen beschreibung des weinzehents ist den 18 martii des
                    1546sten jhars ein general des inhalts außgangen, das alle diejenigen so in
                    disem lant weinzehent haben, sie sein geistlich oder weltlich niemants
                    ausgeschloßen. Keinen weinzehent in den kellern beschreiben sollen, das auch die
                    underthanen so den <pb n="Edition 2015 S. 375"/> zehent reichen denselben in
                    denen kellern beschreiben zu laßen nit schuldig seint, sonder das ahn allen und
                    ieden orten der weinzehent an den weinbürgen und vor den weingarten im maisch
                    beschreiben und menniglichen solcher beschreibung daselbst auch statgeben, auch
                    den weinzehent nach gelegenhait des maischs zu reichen schuldig sein solle. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.53">
        <head>[Buch IV Titel 53]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=123">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 53. titl. Wann mehrerlei herrn an einem
                    zehent thail haben, ob die baurs- oder pauleuth schuldig seint ieden zehentherrn
                    seinen gebürenden thail absonderlich zuzustellen und volgen lassen. </p>
        <p xml:id="NA.4.53.1"> [Buch IV Titel 53 § 1]<lb/> § 1 Wann ein kleiner zehent
                    zweien dreien vieren oder mehr underschitlichen parteien zugehört, so ist der
                    pauman nit schuldig solchen zehent einem ieden zehentherrn besonderbar zu geben,
                    sonder die zehentherrn sollen denselben zehent mit einander nehmen und heben, es
                    were dann sach das ein bauman solchen klainen zehent von alters her ainem iedem
                    zehentherrn seinen tail insonderhait gereicht und bezahlt hette, so were er
                    dasselb hinfuhrahn auch zu thain schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.53.2"> [Buch IV Titel 53 § 2]<lb/> § 2 Was aber den großen zehent
                    belangt, sollen die bauleut solchen zehent den lantsbrauch nach ainem iedem
                    zehentherrn zu seinen gebürendem thail absonderlich zu raichen schuldig sein.
                    und ob es gleich an einem oder mehr ort von alters dermaßen gehalten worden, das
                    die zehentherrn den zehent samentlich und mit einander gehabt, so möchten sie
                    doch die bauleut desselben alten herkombens wider gemeinen lantsbrauch nit
                    behelfen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.54">
        <head>[Buch IV Titel 54]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=125">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 54. titl. Wann ein laipersohn uber
                    verjhärte zeit von seinen grunden kainen zehent gegeben, ob er alßdann
                    zehentfrei sei. </p>
        <p xml:id="NA.4.54.1"> [Buch IV Titel 54 § 1]<lb/> § 1 In disem unserm lant
                    Österreich under der Ennß ist bißherr der gebrauch gewesen, wann ein geistlicher
                    oder weltlicher uber verjhärte zeit von einem grunt oder guet keinen zehent
                    gegeben, das er alßdann mit solchem grunt oder guet frei hinfort verbleiben. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.54.2"> [Buch IV Titel 54 § 2]<lb/> § 2 Welches aber allein in disem
                    fall statthat, wann der grunt mitler zeit im gebrauch und gebau gehalten worden,
                    dann do er oed und ungebaut gewesen <pb n="Edition 2015 S. 376"/> und derwegen
                    kein zehent davon genomben, so solle dem inhaber des grunts solche verjhärung
                    nit furtragen, sonder er ist den zehent von dem grunt welchen er widerumb erbaut
                    wie vor alters zu raichen schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.55">
        <head>[Buch IV Titel 55]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=126">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 55. titl. Von dem vogtrecht und den
                    vogtheien. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.1"> [Buch IV Titel 55 § 1]<lb/> § 1 Die vogteien seind in disem
                    unserm erzherzogthumb Österreich under der Ennß zweierlei nemblichen betvogteien
                    und erbvogteien. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.2"> [Buch IV Titel 55 § 2]<lb/> § 2 Die betvogteien sein vor
                    vielen uhralten jharen von wegen des krigs und ofnen rechten aufkomben,
                    nemblichen also, wann ein geistlicher oder weltlicher gruntherr selbst nit so
                    mechtig gewesen das er seine gruntholden von den feinden und absagen beschutzen
                    mügen, so hat er seine gruntholden an andere mechtigere herrn und lantleut
                    genöttigt und in derselben herrn und lantleut schutz und schermb ergeben. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.3"> [Buch IV Titel 55 § 3]<lb/> § 3 Wann nun solche anvogtung
                    allein auf ein gewiße zeit und termin oder auf wohlgefallen des gruntherrn
                    beschehen so wirdt dieselb vogtei ain betvogtei genant. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.4"> [Buch IV Titel 55 § 4]<lb/> § 4 Die erbvogtheien seind diese,
                    wann ein gruntherr seine underthanen einem herrn oder lantman anvogt dergestalt,
                    das dieselb vogtei fur und fur erblichen bei ihme, seinen erben und nachkomben
                    bleiben solle. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.5"> [Buch IV Titel 55 § 5]<lb/> § 5 Deßgleichen ein lantman ain
                    gotzhaus ainem oder mehr holden widembt und ihme in solcher stiftung oder
                    widmung die vogteien auf den gestiften holden vorbehalten, so wirdt solches auch
                    fur ein erbvogtei verstanden. </p>
        <p xml:id="NA.4.55.6"> [Buch IV Titel 55 § 6]<lb/> § 6 Die erbvogteien sollen
                    allezeit mit briflichen uhrkunden bewisen werden, iedoch wann ainer uber
                    verjhärte zeit einer vogtei in possess were, ob er gleich das solche inhabung
                    ein erbvogtei sei nichts furzubringen hett, so solle doch dieselb fur ein
                    erbvogtei gehalten werden, es were dann das der gruntherr mit briflichen
                    uhrkunden oder in ander weg beweisen und darthuen möchte, das solche vogtei
                    allein durch gebett auf den inhaber komben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.56">
        <head>[Buch IV Titel 56]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=129">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 56. titl. Ob die vogteien dem vogtherrn
                    durch den gruntherrn abkundt werden mögen. Eß stehet in des gruntherrn macht nit
                    dem vogtherrn ein erbvogtei abzusagen, aber ein betvogtei mag ein ieder
                    gruntherr er sei geistlich oder weltlich dem <pb n="Edition 2015 S. 377"/>
                    vogtherrn widerumben abkunden, darwider solle sich der vogtherr ainicher
                    verjhärung nit zu behelfen haben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.57">
        <head>[Buch IV Titel 57]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=130">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 57. titl. Was ein vogtholt seinem
                    vogtherrn zu dienen und zu raichen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.57.1"> [Buch IV Titel 57 § 1]<lb/> § 1 Ain vogtholt ist seinem
                    vogtherrn die vogtdienst wie von altersher gebreuchig gewesen zu raichen
                    schuldig, derwegen solle ihme der vogtherr wider alters herkomben nit
                    beschweren. </p>
        <p xml:id="NA.4.57.2"> [Buch IV Titel 57 § 2]<lb/> § 2 Die robath ist ein vogtholt
                    seinem vogtherrn auch zu verrichten schuldig, doch nit mehrers als eines ieden
                    orts alts herkomben vermag. </p>
        <p xml:id="NA.4.57.3"> [Buch IV Titel 57 § 3]<lb/> § 3 Die lantsteur hat ein ieder
                    vogtherr von seinen vogtholden einzunehmen, es were dann sach das der grunther
                    von althersher in possess oder brauch were solche solche steur von denen holden
                    selbst einzunehmen, so solle er darbei nochmahlen billig gelaßen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.57.4"> [Buch IV Titel 57 § 4]<lb/> § 4 Es haben auch etliche
                    vogtherrn die gerechtigkait, das sie bei den pfarren die kirchtäg behueten
                    lassen. welcher vogtherr nun solcher gerechtigkait von altersher befuegt, der
                    solle darbei billig gelaßen werden, ihme sollen auch deßelben tags alle fäll und
                    wandl und nit den gruntherrn ervolgen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.58">
        <head>[Buch IV Titel 58]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=131">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 58. titl. Wasmassen diejehnigen so uber
                    pfarr und beneficia vogtherrn seint nach absterben der pfarr und beneficiaten
                    mit derselben verlaßnen gueter handlen sollen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.58.1"> [Buch IV Titel 58 § 1]<lb/> § 1 Wann ein pfarherr beneviciat
                    oder geistlicher mit todt abgeet, so sollen die gruntherrn vogtherrn und
                    obrigkaiten in ihre verlaßungen vermueg derhalben ausgangner general keineswegs
                    greifen, sonder wann und so oft sich der fall zutregt, sollen sie die dechant
                    auf dem lant oder zwen nahent geseßne pfarrer oder beneficaten ohn allen verzueg
                    zu ihnen erfordern, alßdann mit und neben denselbigen unverrukht und unverendert
                    aller sachen die sperr inventierung und verwahrung des abgestorbnen pfarrers
                    vicari oder beneficiaten haab und gueter furnemben, auch zu behuetung solcher
                    abgestorbnen geistlichen verlaßnen pfarr- und beneficiaten-hof nit mehr volks
                    noch gesints, als die notturft erfordert und nit umbgangen werden mag, biß zu
                    ersetzung derselben pfarren und beneficiaten-höf verordnen, damit die
                    verschwendung und verzehrung der <pb n="Edition 2015 S. 378"/> abgestorbnen
                    geistlichen verlassung soviel müeglich umbgangen und also menniglich ihrer
                    billichen anforderung entricht und die natürlichen erben wo die verhanden oder
                    andere, denen solche verlassung durch testament verordnet oder sonsten billichen
                    zusteen, derselben wie sich gebüert und recht ist habhaft werden, alles inhalt
                    und vermueg der generalen so im 48. jhar derhalben außgangen. </p>
        <p xml:id="NA.4.58.2"> [Buch IV Titel 58 § 2]<lb/> § 2 Ferrer ist durch ein general
                    furgesehen und verordnet, das die lantleut welche in unserm erzherzogthumb
                    Osterreich under der Ennß vogteien und obrigkaiten uber pfarren beneficiaten und
                    stiften haben der verstorbnen pfarrherrn und beneficiaten parschaft und vahrende
                    haab sambt andern ihren verlassungen die nach ihrem ableiben gefunden werden,
                    sie seind gleich durch sie verschafft worden oder nit, ihren angemasten erben
                    wekzuführen nit ehers gestatten sollen, es seint dann solcher verstorbnen
                    pfarrherrn und beneficiaten gemachte schulden zuvor völlig entricht, darzue die
                    behausungen solcher pfarrund beneficiaten-hoff, so durch die verstorbnen in zeit
                    ihrer inhabung in abbau Komben, widerumb auß ihrer verlassung wie sich gebüret
                    mit notturftigem geben vor nachtl bewart und gebessert. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.59">
        <head>[Buch IV Titel 59]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=135">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 59. titl. Ob diejhenigen so vogtherrn
                    uber ein pfarr seint zu der raitung erfordert werden sollen. Wann die zechleut
                    von der kirchen einkomben und gueter raitung thain, so solle dem vogtherrn
                    alzeit darzu ordenlich verkundt werden, nemblichen ob er selbst darbei sein oder
                    iemants an seiner stat darzu schicken wölle. und wann er in der raitung ainichen
                    mangl befindt, solle er gegen den zechleuten handlen was der kirchen notturft
                    ist. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.60">
        <head>[Buch IV Titel 60]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=135">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 60. titl. Wo die raitung beschehen
                    solle. Die raitungen sollen alweg bei den kirchen oder denen pfarhofen beschehen
                    und solle den vogtherrn an andere orten solche raitung furzunehmen wider alters
                    herkomben nit gestat werden. <pb n="Edition 2015 S. 379"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.61">
        <head>[Buch IV Titel 61]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=136">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 61. titl. Wasmassen die raitung
                    beschehen solle und wohin der raitresst zu legen. Wir ordnen setzen und wöllen
                    das jharlich kirchenraitung in beisein aines ieden pfarrherrs ordenlich gehalten
                    werden. und wo in solchen raitungen die zechprobst oder kirchenpfleger den
                    kirchen und gotsheusern ichtes schuldig oder ein uberschues verhanden sein
                    wurdt, so soll derselb rest in ein lad oder truhen, so eines ieden orts darzu
                    verordnet werden solle, gelegt und der lehen- oder vogtherr ainen der pfarrherr
                    den andern und der zech- und kirchenprobst und pfleger den dritten schlussel
                    darzu haben, auch die zech- und kirchenprobst und pfleger außerhalb verwißen und
                    bewilligung der vogt- oder lehenherrn von der kirchengelt zu ihrem aignem nutz
                    nichts nehmen noch gebrauchen, sonder aller resst und vorrat an gelt den kirchen
                    zum bestem nutz iederzeit angelegt werden. und insonderhait dieweil solche
                    raitungen bißher mit großem uncosten beschehen und also die kirchengefäll
                    dardurch verschwendt werden, soll nun hinfurahn solcher vergeblicher uncosten
                    genzlich abgestelt und verhuetet werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.62">
        <head>[Buch IV Titel 62]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=138">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 62. titl. Von den geistlichen
                    lehenschaften und erstlichen was ein geistliche lehenschaft sei, auch von
                    proesentierung und einsetzung der priester. </p>
        <p xml:id="NA.4.62.1"> [Buch IV Titel 62 § 1]<lb/> § 1 Welcher ein kirchen mit
                    seinem darlegen erbaut oder ainen grunt darauf ein kirchen erbaut wirdt dargibt
                    oder ein kirchen mit dem einkomben anfenglich dotiert und begabt, der hat an
                    solcher kirchen die geistlich lehenschaft so in latein jus patronatus genant
                    wirdt. derhalben mag er dieselb kirchen ainem pfarrer seinem willen und gefallen
                    nach verleichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.62.2"> [Buch IV Titel 62 § 2]<lb/> § 2 Wann auch der pfarrer oder
                    die zechleut mit denen kirchenguetern und einkomben wie sich gebuert nit
                    handlen, so hat ein lehenherr macht darinnen einsehung zu thain. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.62.3"> [Buch IV Titel 62 § 3]<lb/> § 3 Und wiewohl ein lehensherr
                    dise gerechtigkait hatt, das er die kirchen ainem prister verleihen mag, so soll
                    er doch demselben prister dem ordinaris, das ist <pb n="Edition 2015 S. 380"/>
                    dem bischof oder official desßelben orts, vor der einsetzung umb confirmation
                    proesentiren. </p>
        <p xml:id="NA.4.62.4"> [Buch IV Titel 62 § 4]<lb/> § 4 Nach erlangter confirmation
                    solle dem prister durch den vogtherrn die possess der pfarr eingeben werden. wo
                    aber kein vogtherr verhanden, oder der lehenherr nach altem herkomben in
                    gebrauch het die possess der pfarr selbst einzureümen, so mag alßdann die
                    einsetzung des pristers durch den lehenherrn auch beschehen </p>
        <p xml:id="NA.4.62.5"> [Buch IV Titel 62 § 5]<lb/> § 5 Welcher ein beneficium stifft
                    oder aufricht der ist desselben beneficien lehenherr und mag als stiftherr
                    solches beneficium seines gefallen ainem prister ohn einige proesentation
                    verleihen, dann die confirmation und bestettung ist uber gemeine beneficien nit
                    vonnötten. </p>
        <p xml:id="NA.4.62.6"> [Buch IV Titel 62 § 6]<lb/> § 6 Wann auch ein stiftbrief
                    dahin gestelt das die verleihung des gestifften beneficien durch ein weltliche
                    commun oder gemein, die proesentation aber von des stifters erben beschehen
                    solle, so bleibt es bei solchem stiftbrief billich. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.63">
        <head>[Buch IV Titel 63]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=140">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 63. titl. Von underschait der
                    lehenschaft und vogteien. Zwischen dem lehensrecht und dem vogtrecht ist nach
                    lantsbrauch großer underschiet, dann do einer gleich uber ein pfarr oder
                    beneficium die vogtei hette, so mag er dennoch keinem priester solche pfarr oder
                    beneficium verleihen, sonder dieselb verleihung gehört dem lehenherrn allein zu.
                    entgegen hat ein lehenherr bei der kirchen und beneficiiholden kein steur noch
                    robath, er ist auch die kirchenholden zu wandlen nit befuegt, sonder dem
                    vogtherrn stehet steur robat und wandl gegen seinen vogtholden allein zu. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.64">
        <head>[Buch IV Titel 64]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=141">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 64. titl. Wasmassen die lehenschaften
                    auf die negsten erben fallen, wie auch dieselben auf fremdbde persohnen verwendt
                    mügen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.64.1"> [Buch IV Titel 64 § 1]<lb/> § 1 Wann ein lehenherr mit todt
                    ab intestato abgeet, so soll die geistlich lehenschaft auf sein negste
                    bluetsfreunt mänliches stambens nach lantsbrauch fallen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.64.2"> [Buch IV Titel 64 § 2]<lb/> § 2 Do er aber solche lehenschaft
                    durch ein testament ainem anderm verschief, so solle dieselb dem gescheftman
                    billich ervolgen. <pb n="Edition 2015 S. 381"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.64.3"> [Buch IV Titel 64 § 3]<lb/> § 3 Es mag auch ein lehenherr
                    durch lebendige ubergab und andere rechtliche contract ain geistliche
                    lehenschaft in ein andere frembde persohn verwenden, wie das alt herkomben
                    ungeacht der geschribnen rechten vermag. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.65">
        <head>[Buch IV Titel 65]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=142">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 65. titl. Ob die weibspersohnen
                    geistlicher lehen fähig. Geistlicher lehenschaften seind die von undernstamben
                    und weibsbilder bei dem herrnstant und adl so lang der manstamben im leben </p>
        <p xml:id="NA.nit"> [nit]<lb/> fehig, wann aber der ober- und mannstamben abstirbt
                    und die erbschaft nach lantsbrauch zum töchtern kombt, so stehen ihnen die
                    lehenschaften auch zu. bei der burgerschaft erben solche lehenschaften auf mann-
                    und weibspersohnen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.66">
        <head>[Buch IV Titel 66]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=143">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 66. titl. Ob die pfarrer und zechleut
                    schuldig sein dem lehenherrn von der pfarr und kirchen einkomben raitung und
                    verantwortung zu thain. </p>
        <p xml:id="NA.4.66.1"> [Buch IV Titel 66 § 1]<lb/> § 1 Ein pfarherr oder beneficiat
                    ist seinem weltlichen lehenherrn von dem jharlichem einkomben der pfarr einige
                    raitung zu thain nit schuldig. wann aber der lehensherr ein proelat oder
                    geistliche persohn were, so solle sich der pfarrer solcher raitung vermueg
                    geschribner rechten nit waigern. </p>
        <p xml:id="NA.4.66.2"> [Buch IV Titel 66 § 2]<lb/> § 2 Wann ein pfarherr mit der
                    pfarrgrunden und guetern nachtailig und schädlich handlet, so hat ein lehensherr
                    er sei geistlich oder weltlich darumben zu reden und wendung furzunehmen. </p>
        <p xml:id="NA.4.66.3"> [Buch IV Titel 66 § 3]<lb/> § 3 Soviel dann die einkomben
                    welche nit dem pfarherr sonder den kirchen ohn mittl zugehörig sein anlangt,
                    dieselben sollen nit denen pfarrern sonder denen geschwornen zechleuten zu
                    verwalten gelassen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.66.4"> [Buch IV Titel 66 § 4]<lb/> § 4 Es seint auch solche
                    zechleuth von solchem der kirchen aignem einkomben denen lehensherrn und
                    vogtherrn jhärlich raitung zu thain schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.67">
        <head>[Buch IV Titel 67]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=145">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 67. titl. Von leibgedingen und
                    halbauen, auch denen guetern welche man auf gewisse persohnen oder zeit und nit
                    erblich aufgibt und erstlich, welche gueter also verlassen mögen werden, von
                    wemb und welchen persohnen. <pb n="Edition 2015 S. 382"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.67.1"> [Buch IV Titel 67 § 1]<lb/> § 1 Die geistlichen behausten
                    oder unbehausten ligunden haab und gueter sollen ohn unserm als herrn und
                    lantsfursten consens leibgedingweise nit verlaßen werden. do es sich aber also
                    im geschicht begeb, mögen sie widerumb von des inhabers oder seiner erben handen
                    abgefordert und revocirt werden (fol 349v) </p>
        <p xml:id="NA.4.67.2"> [Buch IV Titel 67 § 2]<lb/> § 2 Es solle auch die verlassung
                    geistlicher gueter uber drei underschietliche leib oder persohnen aufs
                    allermaist und gar nit weiter beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.3"> [Buch IV Titel 67 § 3]<lb/> § 3 Die bischoffen abbt probst
                    prioz dechant pfarrer abbtisin maisterin und dergleichen volmechtige kirchische
                    administratorn mögen ihre vertraute clöster und kirchengueter nit allein ihr
                    leben lang sonder auf drei underschietliche leib und nit weiter verleichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.4"> [Buch IV Titel 67 § 4]<lb/> § 4 Es solle auch solche
                    hinlassung von obbemelter geistlichen persohnen successorn ratificiert und
                    hantgehabt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.5"> [Buch IV Titel 67 § 5]<lb/> § 5 Die thumbherrn und gemeine
                    beneficiaten aber sollen die beneficiatengueter hinfurahn ferrers nit als auf
                    ihr leben lang verlaßen, sunsten möchten ihre successorn und nachkömbling den
                    unzimblichen bestant oder das leibgeding billicherweiß revociern. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.6"> [Buch IV Titel 67 § 6]<lb/> § 6 Die weltlichen und
                    laipersohnen mögen ihre aigene gueter ausser hoher oder niderer obrigkait
                    consens leibgedingsweise wohl verlaßen, es mag auch solche hinlaßung nit allein
                    auf drei sondern mehr leib beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.7"> [Buch IV Titel 67 § 7]<lb/> § 7 Die lehenleut sollen ihre
                    habende lehensgueter auf frembde leib oder zu halbbau on sonders vorwißen und
                    zugeben ihrer lehensherrn nit verlaßen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.8"> [Buch IV Titel 67 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen, welcher ein guet
                    leibgedingsweise oder zu halbau innenhat, der soll es andern auf ferrer leib nit
                    verlaßen, es gescheh dann solches mit des aigenthumber bewilligung, sonsten
                    würde die leibgedingsgerechtigkait verwürkhet und fiel das guet dem aigenthumber
                    wider haimb. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.9"> [Buch IV Titel 67 § 9]<lb/> § 9 Also sollen auch die gerhaben
                    und curatorn ihrer pflegkinder gueter mit vorwißen gebüerlicher obrigkait
                    leibgedingweiß verlaßen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.10"> [Buch IV Titel 67 § 10]<lb/> § 10 Ebenermaßen gebuert allen
                    pflegern verwaltern und gewalttragern ihrer herrn gueter mit derselben consens
                    leibgedingweise aufzugeben, sonsten kan die hinlassung nit bestehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.11"> [Buch IV Titel 67 § 11]<lb/> § 11 Es mögen auch die herrn
                    derlei ohn vorwißen verlaßne gueter mit ordenlicher erkhantnus aines
                    unparteiischen nidergezten [!] gruntrechts einziehen und seint nit verbunden
                    ihre schäden bei ihren gewalthabern zu ersuchen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.67.12"> [Buch IV Titel 67 § 12]<lb/> § 12 Der leibgeding seint
                    geistlich und weltlich, wann- und weibs-, auch vogtbar und unvogtbar persohnen
                    fehig. <pb n="Edition 2015 S. 383"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.67.13"> [Buch IV Titel 67 § 13]<lb/> § 13 Es mögen auch die
                    geistlichen ihrer clöster und kirchen haab und gueter ihrem blutsfreunden mit
                    unserm als lantsfurstens consens leibgedingsweise verlassen, doch nit weiter als
                    auf drei leib. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.14"> [Buch IV Titel 67 § 14]<lb/> § 14 Die leibgeding mögen nit
                    allein auf lebendig persohnen sonder auch kunftige leib, als kinder oder
                    enickel, verlihen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.15"> [Buch IV Titel 67 § 15]<lb/> § 15 Die weltlichen gueter
                    mögen nit allein auf etlicher benanten persohnen leben lang, sonder in gemein
                    auf den leibgedings genießen und seine erben verlassen werden. und da gleich die
                    contrahenten der erben im leibgedingsbrief nit gedacht, so werden sie dennoch
                    tacite eingeschloßen, es were dann das widerspiel von ihnen austruckenlich
                    bedingt. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.16"> [Buch IV Titel 67 § 16]<lb/> § 16 Es fallen aber die
                    leibgeding allein auf die ehelichen erben und seint derselben die unehelichen
                    gar nit fehig. </p>
        <p xml:id="NA.4.67.17"> [Buch IV Titel 67 § 17]<lb/> § 17 Deßgleichen stehen sie
                    allein denen leibserben bis auf den andern grad, als suhnen und enikhlen, zu.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.68">
        <head>[Buch IV Titel 68]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=150">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 68. titl. Wann ein leibgeding auf mehr
                    persohnen gestelt, wie die geniessung beschehen soll. Wann ein haab und guet auf
                    mehr leib verlassen, so gebuert desselben nutz und gebrauch nit allen persohnen
                    mit einander unverschaidenlich, sonder der genieß solle von ainer auf die ander
                    nach ordnung volgen: nemblichen das der so im lebendig brief erstlich vermeldet,
                    solches guet sein leben lang innenhab unze und gebrauche, und nach seinem todt
                    alßdann die andern in gebüerender bedingter ordnung. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.69">
        <head>[Buch IV Titel 69]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=151">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 69. titl. Ob der leibgedinger die
                    bedingt ordnung verändern möge. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.69.1"> [Buch IV Titel 69 § 1]<lb/> § 1 Solche bedingte ordnung kann
                    hernach durch die fruchtgeniesser nit verkehrt werden, dann wo gleich ein vatter
                    in seinem leztem willen den nutz des leibgedings andern persohnen darauf der
                    leibgedingbrief nit gestelt verschaffet, so kundt doch solches legat nit gelten
                    also auch, wann das leibgeding auf suhne und enickel gestelt, so solle er die
                    nickel denen sühnen nit fursetzen. deßgleichen <pb n="Edition 2015 S. 384"/>
                    kunte er nit verordnen, das sie des leibgedings mit einander geniessen sollen,
                    dann dardurch wirdt die bedingt ordnung confundiert. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.70">
        <head>[Buch IV Titel 70]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=152">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 70. titl. Von zu- und abnhemung auch
                    schaden und purden der leibgeding. </p>
        <p xml:id="NA.4.70.1"> [Buch IV Titel 70 § 1]<lb/> § 1 Wann einem leibgeding durch
                    wassergües oder in andere billich weg etwas zustehet, dessen solle der
                    leibgedinger so lang er das guet innenhat geniessen, entgegen solle er all
                    schmelerung gevar und schaden dardurch sein genies geringert wirdt gleichsfals
                    erdulden. </p>
        <p xml:id="NA.4.70.2"> [Buch IV Titel 70 § 2]<lb/> § 2 Do sich auch in einem
                    behaustem leibgedingsguet durch des leibgedingers oder seiner leut verwarlosung
                    an prunst begeb, solle der leibgedinger dieselb abzutragen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.70.3"> [Buch IV Titel 70 § 3]<lb/> § 3 Also solle er auch alle
                    bürden so von dem grunt herrueren, als steur perckrecht gruntdinst zehent und
                    dergleichen ohn entgelt des aigenthumbers richtig machen, es were dann sach das
                    sie sich mit einander des widerspiels verglichen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.71">
        <head>[Buch IV Titel 71]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=153">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 71. titl. Wann der gruntzinß bezahlt
                    soll werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.71.1"> [Buch IV Titel 71 § 1]<lb/> § 1 Der gruntzinß soll dem
                    aigenthumber zu zeit und frist erlegt werden, wie sich die contrahenten mit
                    einander verglichen. do aber derwegen kein vergleichung verhanden, solle die
                    bezahlung zu außgang des leibgedingsjhar beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.71.2"> [Buch IV Titel 71 § 2]<lb/> § 2 Und obgleich der leibgedinger
                    durch schaur wassergüeß oder andere unfall an dem baw oder fruchten schaden
                    empfieng. so ist er dennoch den gruntzinß ainen weg als den andern vollig zu
                    erlegen schuldig. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.72">
        <head>[Buch IV Titel 72]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=154">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 72. titl. Ob der aigenthumber das
                    leibgeding in ander weg alienirn und verwenden möge. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.72.1"> [Buch IV Titel 72 § 1]<lb/> § 1 Der aigenthumber mag in
                    wehrenden leibgeding ohn vorwissen oder bewilligung des leibgedingers sein
                    aigenthumbliche gerechtigkait welche er zum guet hat ainem anderm verkhaufen,
                    doch soll durch solchen verkauf das <pb n="Edition 2015 S. 385"/> leibgeding nit
                    fallen sondern bedingtermassen biß zu seiner entschaft dem leibgedinger gelaßen
                    werden. engegen solle der leibgedinger dem kaufer wie seinen vorsidl den
                    gebürlichen gruntzinß zaichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.72.2"> [Buch IV Titel 72 § 2]<lb/> § 2 Es solle auch der
                    aigenthumber in disem khauf mit seinem guet frei und nit schuldig dasselb vor
                    iemants anderm dem leibgedinger anzufailen, es were dann ein nahenter
                    bluetsfreunt. </p>
        <p xml:id="NA.4.72.3"> [Buch IV Titel 72 § 3]<lb/> § 3 Also und gleicherweiß mag der
                    aigenthumber sein aigenthumb verwechslen verschenkhen verheurahten vermachen
                    verpfenden verschaffen und in ander weg ohn des leibgedingers eintrag alienirn,
                    doch der leibgedings-gerechtigkait unbenomben und ohn allen schaden. </p>
        <p xml:id="NA.4.72.4"> [Buch IV Titel 72 § 4]<lb/> § 4 Gleichfals mag er die
                    gerechtigkait des schuldigen gruntzinß in einen andern transferirn, aber die
                    leibgedingsgerechtigkait und deßelben genieß kann er vor seiner entschaft keinem
                    anderm weder im leben noch durch letste willen dem leibgedinger zu schaden
                    einreumen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.73">
        <head>[Buch IV Titel 73]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=156">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 73. titl. Ob der aigenthumber das
                    halbbau zu digner notturft abfordern mag. Wann der aigenthumber seines
                    verlihenes leibgedings oder halbbauhs nach aufgerichten leibgeding uber kurz
                    oder lang selbst bedurftig, so soll er dennoch das leibgeding vor derselben
                    entschaft nit aufheben noch abfordern. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.74">
        <head>[Buch IV Titel 74]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=157">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 74. titl. Aus welchen ursachen ein
                    leibgeding dem aigenthumber haimfelt. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.1"> [Buch IV Titel 74 § 1]<lb/> § 1 Erstlich, wann der
                    leibgedings-geniesser sein gerechtigkait ohn vorwissen und bewilligung des
                    aigenthumbers verkauft, so felt damit sein leibgedingsgerechtigkait und obwohl
                    bei den geschribnen rechten versehen, do ein leibgedings-geniesser die frucht
                    seines habenden leibgedings zu verkaufen willens, das er dieselben dem
                    aigenthumber vor allen andern bei verlust seines leibgedings anfailen und
                    ervolgen solle lassen, so ist doch dem bißher geüebtem lantsbrauch nach mit
                    solchen fruchten ein ieder sowohl als mit andern seinen aignen guetern frei
                    gewesen, darbei wirs nochmahlen genedigist beruhen lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.74.2"> [Buch IV Titel 74 § 2]<lb/> § 2 Am andern, do der
                    leibgedinger sein habende leibgedingsgerechtigkait einem anderm aber 10 jhar ohn
                    vorwissen seines aigenthumbers bestantsweise verlest, <pb n="Edition 2015 S. 386"/> so verwürket er damit sein gerechtigkait. under
                    zehen jhar ist ihme die hinlassung verbotten. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.3"> [Buch IV Titel 74 § 3]<lb/> § 3 Fur das dritt, wann er das
                    leibgeding umb ein anders guet ohn vorwißen des aigenthumbers verwexlet, so
                    verleurt er gleichfals sein jus. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.4"> [Buch IV Titel 74 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, do er sein
                    leibgedingsgerechtigkait oder halbau ohn vorwißen des aigenthumbers einem anderm
                    welcher in dem leibgedingsbrief nit begriffen verschenkht, so stehet das
                    leibgeding abermahlen ihme aigenthumber haimb ainer persohn aber, welche bei dem
                    leibgeding interessiert und in dem leibgedingbrief verleibt, mag der
                    leibgedinger animo donandi sein gerechtigkait wohl ubergeben oder codiren, dann
                    damit ist dem aigenthumber nichts benomben, sondern es schickt sich das
                    leibgeding destehers zum widerfall. also mag er auch sein gerechtigkait
                    versetzen verpfenden und hypotheciren ohn vorwissen des aigenthumbers,
                    deßgleichen in dinstbarkeit so lang sein gerechtigkait werth und nicht lengers
                    darauf machen und dulden, doch alles dem aigenthum ohn schaden. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.5"> [Buch IV Titel 74 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, wann der
                    leibgedinger sein gerechtigkait ohn vorwißen des aigenthumbers seiner ehefrauen
                    durch heuratsabredt oder andere ehrliche contract und ubergab vermacht, so felt
                    sein jus dem aigenthumber haimb. also kann er auch sein gerechtigkait durchaus
                    niemants verschaffen oder testieren, dann dieselb endet sich mit seinem totfall. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.6"> [Buch IV Titel 74 § 6]<lb/> § 6 Zum sechsten, verwürkt der
                    leibgedinger sein leibgeding, wann er das guet bedingtermassen nit stiftlich
                    noch beulich helt, und do sich die contrahenten waßmaßen solches leibgeding
                    beulich zu erhalten austruckenlich nit verglichen hetten, so soll es in der guet
                    wie es empfangen und bei gemeinem lant breuchig mittern geben gehalten werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.7"> [Buch IV Titel 74 § 7]<lb/> § 7 Es soll auch zu verhuetung
                    kunftiges mißverstant ainem oder dem anderem thail bevorstehen daß
                    leibgedinglich haab und guet zur zeit der antrettung desgleichen der abrettung
                    ordenlich schätzen zu lassen, damit alßdann glaubwürdige erscheinen möge, ob
                    solches guet im vorigen stant und werth sei, oder aber beßer oder erger worden.
                    und so es deteriorirt und schlechter befunden, solle der leibgedings-geniesser
                    dem aigenthumber solchen schaden nach erkantnus des gruntherrn abzutragen
                    schuldig sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.74.8"> [Buch IV Titel 74 § 8]<lb/> § 8 Zum siebenden, wann der
                    leibgedinger oder halbauer die bedingt jhärlich pension oder den gruntzinß dem
                    leibgedinggers herrn, so geistlich inner zwei oder do er weltlich inner drei
                    jharen nit raicht, so verwürkett er damit nach ordnung geschribner rechten sein
                    leibgeding. wir wollen aber aus lantsfurstlicher volmacht <pb n="Edition 2015 S. 387"/> und nach gelegenhait gegenwertiger leuf solche
                    zeit erweitern, auch dieselb auf zehen jhar gegen denen leibgedings-geniessen so
                    im lant, gegen denen aber so außer lants auf zwanzig jhar erlengern, in welcher
                    frist allen leibgedingern bevorstehen solle die ausstendige gruntzins sambt
                    erstattung des lantgebreuchigen interesse von dato des verzugs richtig zu
                    machen. gescheh das aber in vorbestimbter zeit nit, so solle das leibgeding
                    verwürkt sein und dem aigenthumber widerumb haimbstehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.9"> [Buch IV Titel 74 § 9]<lb/> § 9 Zum achten, wann die
                    bedingten leib oder jhar aus seind, so stehet das leibgeding oder halbbau dem
                    aigenthumber wider haimb. </p>
        <p xml:id="NA.4.74.10"> [Buch IV Titel 74 § 10]<lb/> § 10 Wann das leibgeding auf
                    mehr persohnen gestelt und der erst geniesser daßelb durch eine aus oben
                    angehörten ursachen verwürkt, so felt das leibgeding nit der andern und negsten
                    persohn so in dem leibgedingbrief begriffen, sonder dem aigenthumber fur almahl
                    haimb. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.75">
        <head>[Buch IV Titel 75]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=163">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 75. titl. Wasmassen die einziehung
                    beschehen solle. </p>
        <p xml:id="NA.4.75.1"> [Buch IV Titel 75 § 1]<lb/> § 1 Wann auch das leibgeding
                    obgehörtermassen eingezogen wirdt, so mag der aigenthumber ainen weg als den
                    andern die ausstendigen gruntzinß einfordern, die sollen ihme durch das
                    gruntrecht, wo nit bedenken des unvermögens verhanden, zugesprochen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.75.2"> [Buch IV Titel 75 § 2]<lb/> § 2 Und wiewohl die geschribnen
                    rechten vermögen, wann der leibgedinger oder halbbaußgenießer das verlihen guet
                    nit beulich helt oder den canonen und gruntzinß zu geburlicher zeit nit raicht,
                    das alßdann der aigenthumber befuegt solches leibgeding fur sich selbst ausser
                    aller gerichtlichen erkantnuß einzuziehen, so mag doch der bißherr practiciert
                    uhralt lant- und gerichtsbrauch, das solche einziehung durch ein ordenliches
                    gruntrecht und mit vorgehender erkantnus beschehen solle, darbei wie es zu
                    furkombung allerlei unrahts, welcher aus aigner und gewaltiger antrettung auf
                    einen oder den andern thail ervolgen möcht, aus lantsfurstlicher volmacht
                    nochmahlen genedigist verbleiben lassen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.75.3"> [Buch IV Titel 75 § 3]<lb/> § 3 Doch weil dem aigenthumber
                    etwas beschwerlich fallen thuet sein aignes guet zu berechnen, so sollen auf dem
                    fall der leibgedings-geniesser bei erkantnus der sachen ungerecht befunden ihme
                    aigenthumber nit allein der grunt sonder auch die uncosten so auf das
                    nidergesezt gruntrecht geloffen sambt denen aufgehebten nutzungen von dato der
                    clag ahn zuerkent werden. <pb n="Edition 2015 S. 388"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.75.4"> [Buch IV Titel 75 § 4]<lb/> § 4 Es soll auch die einziehung
                    mit vorlauffenter ordentlicher erkantnus nit allein in nachgehörten zweien
                    sonder allen andern obsteenden fallen, dardurch ain leibgeding verwürkt wirdt
                    und dem aigenthumber haimbstehet nach lantsbrauchart, beschehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.76">
        <head>[Buch IV Titel 76]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=165">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 76. titl. Ob der aigenthumber die
                    besserung des leibgedings zu erstatten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.76.1"> [Buch IV Titel 76 § 1]<lb/> § 1 Wann der leibgedinger und
                    halbbaus genießer ein verlaßnes uberlentguet von weingarten acker wisen gärten
                    oder dergleichen grunden erhebt bessert und meliorirt, auch solches leibgeding
                    dem aigenthumber hernach aus billigen ursachen haimbstehet, so ist ihme der
                    aigenthumber solche melioration zu erstatten nit schuldig, es were dann sach das
                    der leibgedings-genießer dieselben grunt umbreissen und mit greften anbau
                    pelzern oder in ander augenscheinlich und bewißlich weg erweitert hette. dann im
                    solchem fall soll sich der aigenthumber umb die auction mit dem
                    leibgedings-genießer nach billichen dingen vergleichen oder ihme die
                    herzugebrachte ubermaß herdan ervolgen laßen, welche election, damit die grunt
                    nit gestuklet noch zertrent werden, in des aigenthumbers und nit des
                    leibgedingers willen stehen solle. </p>
        <p xml:id="NA.4.76.2"> [Buch IV Titel 76 § 2]<lb/> § 2 Wann aber ainer ein behaustes
                    guet so bei mitterm bau leibgedingweiß annimbt, so solle er dasselb stiftlich
                    und beulich ohn des aigenthumbers entgelt erhalten. do es aber öed, solle die
                    erbauung mit der maß auch dem verlag beschehen, wie sich die contrahenten deßen
                    mit einander vergleichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.76.3"> [Buch IV Titel 76 § 3]<lb/> § 3 Und do des gebens halben
                    durch den aigenthumber und leibgedinger Kein besondere beretnus beschehen, so
                    sollen der leibgedinger dem aigenthumber, als oft er im leibgedingguet was
                    erbauen wiel, umb sein urlaubnus und Kunftigen abtrag ersuchen. bewilligt nun
                    der aigenthumber begertermassen darein, so soll er sich nach außgang des
                    leibgedings gegen bezahlung des gebeus mit dem leibgedinger nach billichen
                    dingen vergleichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.76.4"> [Buch IV Titel 76 § 4]<lb/> § 4 Do aber der aigenthumber
                    darein nit verwilligen wolt und der leibgedinger nichts destweniger bauen thet,
                    ist ihme der aigenthumber ainigen abtrag zu thain nit schuldig. dann weil er auf
                    ainen frembden grunt gwißlich baut, solle er allen paucosten billich verlieren.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.77">
        <head>[Buch IV Titel 77]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=168">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 77. titl. <pb n="Edition 2015 S. 389"/>
                    Wann der leibgedinger vor der fechsung abstirbt, wemb dieselb verbleiben solle. </p>
        <p xml:id="NA.4.77.1"> [Buch IV Titel 77 § 1]<lb/> § 1 Wann uberlentgueter, als
                    weingarten und acker, leibgedingsweise verlassen werden und die lezte persohn
                    darauf solches leibgeding gestanden nach dem weingarten schnidt oder dem velt
                    ansadt mit todt abgeet, so solle die fechsung desselben jhars des gestorbnen
                    erbens und nit dem aigenthumber ervo[lgen]. dann welcher den stokh mit dem
                    schnidt beruert und den sath thuet, deßelben erben fexnen auch billich. </p>
        <p xml:id="NA.4.77.2"> [Buch IV Titel 77 § 2]<lb/> § 2 Welche grunt aber on
                    mentschen hent und bau durch den seegen gottes, als wait wissen plaimbsuch
                    obstgarten und was dergleichen grunt seint, frucht tragen, die sollen wo sich
                    der fall vor österlicher zeit begibt dem aigenthumber, do es sich aber hernach
                    zutregtt des verstorbnen inhabers erben desselben jhares ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.4.77.3"> [Buch IV Titel 77 § 3]<lb/> § 3 Doch sollen sich die parteien
                    bei aufrichtung des leibgedingsbrief solcher totfall selb vergleichen, auch mit
                    ihrer convention derlei disputat und irrungen furkomben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.78">
        <head>[Buch IV Titel 78]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=169">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 78. titl. Ob die gerrichtlich execution
                    auf die leibgeding und halbbau beschehen möge. Wann der leibgedinger
                    aigenthumbliche gueter nit hat, so mag sich ein glaubinger auf das leibgeding
                    ansetzen und urlauben lassen, doch solle sich solche execution nit auf das
                    aigenthumb sonder allein des inhaber leibgedingsgerechtigkait erstrecken. also
                    möchte auch dise gerechtigkait des leibgedingers glaubinger in solutum ervolgen,
                    doch dem aigentheumer wann sich das leibgeding endet an seinem vorbehaltnem
                    aigenthumb unvergriffen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.79">
        <head>[Buch IV Titel 79]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=170">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 79. titl. Von denen gebeuen welche auf
                    fremden grunden beschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.79.1"> [Buch IV Titel 79 § 1]<lb/> § 1 Do iemants auf einen frembden
                    grunt fursezlich ohn wißen und willen des aigenthumbers von maurwerkh aufbaut,
                    so stehet solches geben nit dem pauherrn sondern aigenthumber zu, es ist ihme
                    auch der aigenthumber weder den bauzeug noch einigen auferloffnen paucosten zu
                    erstatten schuldig. dann weil es panman wißlich auf einem frembden grunt und
                    boden sein bauwerkh gesezt, hatt er damit alles was ihme darauf und darüber
                    gangen verwürkht. <pb n="Edition 2015 S. 390"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.79.2"> [Buch IV Titel 79 § 2]<lb/> § 2 Es were dann sach das er
                    solches geben nit wißlich sonder aus ungeverlichem irrthumb furgenomben hette,
                    oder das er desselben grunts und boden bona fide mit guetem glauben und trauen
                    in possess, so were er bauherr dem aigenthumber das bauwerkh gleichwohl
                    abzutretten und ervolgen zu lassen schuldig, doch nit ehers, biß sich der
                    aigenthumber mit ihme pauherrn umb den aufgewenten pauzeug und baucosten nach
                    billichen dingen vergleicht. </p>
        <p xml:id="NA.4.79.3"> [Buch IV Titel 79 § 3]<lb/> § 3 Hergegen wann einer auf
                    seinem eigen grunt und boden ein geben von frembder materi und bauzeug bona fide
                    und nit wonn als ob ihme solcher zeug zugehörig aufmauren liesse, so ist er nit
                    schuldig solches geben wider abzuprechen oder den darzu gebrauchten frembden
                    zeug dem rechtem herrn ervolgen zu lassen, sonder do er ihme den verbrauchten
                    zeug mit doppeltem werth erstatt und abtregt, ist er bauman von ihme entbrochen
                    und des geben selbst aigenthumber worden. </p>
        <p xml:id="NA.4.79.4"> [Buch IV Titel 79 § 4]<lb/> § 4 Wann aber der bauherr wohl
                    weiß das der bauzeug nit ihme sondern ainem anderm zugehörig, und nichts
                    destweniger solchen frembden bauzeug fursezlich braucht, so mag ihne [der]
                    aigenthumber umb einen gewalt beclagen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.80">
        <head>[Buch IV Titel 80]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=173">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 80. titl. Wemb ain hülzenes geben
                    ervolge. </p>
        <p xml:id="NA.4.80.1"> [Buch IV Titel 80 § 1]<lb/> § 1 Welcher ein zimmer von
                    frembden holzwerch ungeverlich und auß unverweißlichem irrthumb auf seinen grunt
                    und boden setzt, der wirdt desselben gebens kein aigenthumber, dann dergleichen
                    hulzene geben mögen ohn sondern schaden wider abgebrochen werden darumben volgen
                    sie dem grunt und boden nit nach sonder bleiben ihres rechten herrens
                    aigenthumb. </p>
        <p xml:id="NA.4.80.2"> [Buch IV Titel 80 § 2]<lb/> § 2 Es were dann sach das solches
                    geben uber drei jhar gestanden, so soll es gegen erstattung des billichen werts
                    dem herrn des grunts verbleiben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.81">
        <head>[Buch IV Titel 81]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=174">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 81. titl. Von ansath so auf frembden
                    grunt oder mit frembden sahmen geschicht. </p>
        <p xml:id="NA.4.81.1"> [Buch IV Titel 81 § 1]<lb/> § 1 Wann einer mit seinem sahmen
                    auf ainem frembdem acker anbaut, so verleurt er seinen sahmen und sollen die
                    wachsenten frucht dem aigenthumber solches ackers zugehören. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.81.2"> [Buch IV Titel 81 § 2]<lb/> § 2 Es ist ihme auch der
                    aigenthumber fur den sahmen und die arbeit ainigen abtrag zu thain nit schuldig,
                    es were dann sach das der sähman solches anbau <pb n="Edition 2015 S. 391"/> auf
                    den fremden grunt nit fursezlich sondern aus irrigem wahn gethan, so soll sich
                    der aigenthumber mit ihme umb den sahmen nach gelegenhait desselben laufenten
                    jhars vertragen. </p>
        <p xml:id="NA.4.81.3"> [Buch IV Titel 81 § 3]<lb/> § 3 Hergegen wann einer mit
                    frembdem sahmen unwißlich und aus unverwißlichem irrthumb seinen grunt besachet,
                    sollen ihme und nit dem herrn des sahmens die frucht zustehen. doch ist er dem
                    herrn den sahmen in doppeltem werth zu bezahlen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.81.4"> [Buch IV Titel 81 § 4]<lb/> § 4 Hette er aber denselben
                    sahmen fursezlich und unerberlich an sich gebracht, so mag ihne der sahmen
                    herrumb den bewißnen gewalt oder die entfrembdung furnehmen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.82">
        <head>[Buch IV Titel 82]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=176">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 82. titl. Von pflanzung und greftung
                    auf frembden grunt oder mit frembden sachen. </p>
        <p xml:id="NA.4.82.1"> [Buch IV Titel 82 § 1]<lb/> § 1 Wann einer ain frembde
                    greften paumb oder pflanzen in seinem grunt und boden sezt und dieselb noch nit
                    eingewurzt, so gehört sie dem vorigem aigenthumber zue, der mag dieselb sambt
                    abtrag des gewalts oder erlitnen schäden begehren. do aber solche graften paumb
                    und pflanzen schon eingewurzt und ohn verderben nit genomben noch außgraben
                    werden mögen, sollen sie dem bauman aigenthumblich verbleiben, doch das er dem
                    rechtem herrn doppelten werth darfur bezahl und solche pflanzung bona fide auch
                    aus irrigem wohen beschehen sei. dann do ers wißlich entfrembdet, mag ihne der
                    herr darumben wie recht ist verclagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.82.2"> [Buch IV Titel 82 § 2]<lb/> § 2 Do einer aber seine greften
                    baumb und pflanzen in einem frembdem grunt setzet und dieselb noch nit
                    eingewurzelt, mag er solche doch dem herrn des grunts ohn schaden wider
                    außnehmen und außgraben. hetten sie aber eingewurzet, so stehet sie dem herrn
                    des grunts zu der ist darfur einigen abtrag zu thun nit schuldig, es hette dann
                    der bauman solches nit fursezlich sondern auß unverweißlichem irrthumb gethan. </p>
        <p xml:id="NA.4.82.3"> [Buch IV Titel 82 § 3]<lb/> § 3 Wann sich ein baumb von
                    seines herrn grunt in des nachbarn grunt mit wurzen erstrekt, so sollen die
                    frucht desselben baumbs so weit die negst herumb hangenden ihrer baider sein.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.83">
        <head>[Buch IV Titel 83]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=178">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 83. titl. Von abhackung der baumb. <pb n="Edition 2015 S. 392"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.83.1"> [Buch IV Titel 83 § 1]<lb/> § 1 Welcher auß feintschaft
                    ubermueth frevel und mutwillen einen wilden oder haimbischen baumb verderbt
                    abhacket oder niderfellet, der solle umb solche ungebürliche that nach eines
                    ieden dorfs und orts pantaidung recht unableßlich gestrafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.83.2"> [Buch IV Titel 83 § 2]<lb/> § 2 Do aber der orten kein
                    besondere straf verordnet, soll er dem herrn des baumbs alzeit fur einen wilden
                    paumb ein phunt, fur einen andern haimischen und fruchtbaren aber zwei pfunt
                    pfennig erstattung thain. </p>
        <p xml:id="NA.4.83.3"> [Buch IV Titel 83 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen, welcher tail dem
                    anderm in seinem walt aue oder gehulz felt und dasselben fursezlicherweiß
                    abmaist, der soll fur ein ieden stamben felberes oder gemeines holz zwen
                    schilling, fur puchens und guet holz aber drei schilling dem rechtem herrn und
                    aigenthumber neben abtrag des gewalts zu bezahlen schuldig sein </p>
        <p xml:id="NA.4.83.4"> [Buch IV Titel 83 § 4]<lb/> § 4 Do einer einen markbaumb
                    umbhauen oder vertilgen ließ, der solle deßelben herrn allen schaden so ihme
                    darauß ervolgt abtragen, deßgleichen der so einen markstein ausgerebt oder
                    vertilget. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.84">
        <head>[Buch IV Titel 84]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=179">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 84. titl. Von ausgrabung der baumb. Was
                    negsthin von abhackung der baumb statuiert und geordnet, das soll von außgrabung
                    den wilden haimischen und markbaumb gleichergestalt verstandn und gehalten
                    werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.85">
        <head>[Buch IV Titel 85]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=180">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 85. titl. Von schätzen und vergrabnen
                    guetern. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.85.1"> [Buch IV Titel 85 § 1]<lb/> § 1 Item, nachdem die schätz in
                    viel underschietlich weg gefunden werden, wo nun iemants ain vergraben guet oder
                    schätz ohn gevar oder mit zulessiger offentlicher handlung auf seinem aigen
                    grunt findt und hebt, soll demselben finder halben tail, wo aber solchergestalt
                    auf eines nadern grunt ein verborgen guet oder schatz gefunden wirdt, alßdann
                    ihme dem finder ein dritthail deßelben gefunden schatz oder guets und der ander
                    drittail dem des der grunt ist, und so dasselb gefunden guet in der summa nicht
                    ainhundert gulden reinisch betrifft, alßdann der ubrig drittail in diesen baiden
                    fallen dem lantgericht darinnen sich solches begibt zustehen, wo aber solches
                    gefunden guet etwas mehr als <pb n="Edition 2015 S. 393"/> einhundert gulden
                    wert were, so ist der drittail uber das so dem finder und gruntherrn wie hieoben
                    begriffen nachvolgt allein dem lantsfursten verfallen. </p>
        <p xml:id="NA.4.85.2"> [Buch IV Titel 85 § 2]<lb/> § 2 Aber was fur schätz auf
                    gemeinen strassen und und dergleichen orten so niemants insonders aigenthumblich
                    zugehören mit zulessiger konst oder ungever gefunden werden, soll dem finder der
                    halb thail desselbigen schatz, und der ander halb tail wo der nit uber
                    einhundert gulden rein. werth ist dem lantgericht, was schatz oder gefunden guet
                    sich aber uber einhundert gulden erstrekt allein dem landsfursten durchaus
                    zustehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.85.3"> [Buch IV Titel 85 § 3]<lb/> § 3 Wo aber auf eines aignem oder
                    anderm grunt ein schatz mit zauberei oder anderer verbotner künst gefunden
                    wirdt, soll der finder keinen genieß davon haben, sonder der schatz so auf aines
                    aignen grunden erhebt soll halb dem des der grunt ist, und der ander halb tail
                    wo sich der uber einhundert gulden reinisch nit erstrecket dem lantgericht
                    darinnen solcher schatz gefunden wirdt, oder so der eines mehrern werts ist
                    allein dem lantsfursten zustehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.85.4"> [Buch IV Titel 85 § 4]<lb/> § 4 Was aber auf gemeinen und
                    freien grunden der sich insonders niemants aignen mag fur schatz mit verbottner
                    oder unzulessiger kunst gefunden werden, sollen dieselben schätz wo die nit uber
                    einhundert gulden reinisch werth seint dem lantgericht, und so derselb ein
                    mehrers betref alßdann auch dem lantsfursten nachvolgen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.86">
        <head>[Buch IV Titel 86]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=183">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 86. titl. Wann ainem das viech auf
                    seinem grunt schaden thuet. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.86.1"> [Buch IV Titel 86 § 1]<lb/> § 1 Wann dem aigenthumber oder
                    würklichem inhaber aines grunts von eines andern viech, als roß ochsen kühe
                    schwein schaff oder dergleichen haimischen züchten, mit verwielung des sahmens,
                    trettung des gewechs, abätzung der frucht oder in ander weg schaden geschicht,
                    so ist der aigenthumber oder inhaber solches viechs do ers auf frischer that
                    erwuscht zu pfenden und haimbzutreiben, auch dem viechherrn so lang furzuhalten
                    befuegt biß er sich mit ihme umb den erlitnen schaden und die aufgangen
                    futterung nach billichen dingen vergleich. do aber die vergleichung auf einen
                    oder den andern thail nit statfundt und der viechherr umb den schaden gesessen
                    were, solle ihme der herr des grunts das viech ervolgen, nachmals den erlitnen
                    schaden durch die ordenlich obrigkait derselben orten besehen und beteuren
                    laßen. was sie alßdann fur den abtrag erkennen, darbei solle es bleiben. <pb n="Edition 2015 S. 394"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.86.2"> [Buch IV Titel 86 § 2]<lb/> § 2 Doch wo solcher schaden nit
                    ungevär sondern fursezlich aus feintschaft neit frävel oder freihait beschäch,
                    soll solche muetwillige that von der obrigkait absonderlich geschafft werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.86.3"> [Buch IV Titel 86 § 3]<lb/> § 3 Wann aber der gruntherr das
                    viech an frischer thatt oder auf seinem grunt nit erwuschet sondern auf einem
                    frembdem boden betrit, so ist er der pfandung und aufhaltung nit befuegt, doch
                    stehen ihme seine beweißliche oder augenscheinliche erlitne schäden ainen weg
                    als den andern zu ersuchen bevor. </p>
        <p xml:id="NA.4.86.4"> [Buch IV Titel 86 § 4]<lb/> § 4 Wann auch der gruntherr
                    haimisch viech auf seinem grunt und boden doch ohn schaden betrett, soll er
                    daßelb nit schlagen zaichnen noch pfenden, sonder beschaidenlich heraußtreiben.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.87">
        <head>[Buch IV Titel 87]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=185">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 87. titl. Von schlachendem viech. Wer
                    schedlich viech, als schlachende und beissende roß und hunt auch stossent und
                    uberspringent stier kuhe schwein oder ander viech hatt, der ist sambt abtragung
                    deßelben schadens in des gerichtsstraff verfallen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.88">
        <head>[Buch IV Titel 88]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=186">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 88. titl. Von entlaufung des viechs. </p>
        <p xml:id="NA.4.88.1"> [Buch IV Titel 88 § 1]<lb/> § 1 Wo einem sein roß oder ander
                    viech entlaufft und er dasselb nit betretten noch erfragen kan, derhalben auch
                    fur ein verlohrens guet helt, aber das gericht solch viech zu handen bringt, so
                    solle das gericht dasselb viech ein monat lang halten, und wo in diser zeit der
                    aigenthumber demselben nachkomb, auch das gericht eigentlich und gruntlich
                    bericht das ihme solches viech zugehörig, und auf den gewöhnlichen furgang
                    erbietig ist was es verzehrt hatt zu bezahlen, solle das gericht entgegen
                    schuldig sein ihme solches viech zuzustellen. </p>
        <p xml:id="NA.4.88.2"> [Buch IV Titel 88 § 2]<lb/> § 2 Wo aber der aigenthumber oder
                    iemants von seinetwegen in obberürter zeit nit kombt, mag das gericht dasselb
                    viech nach beschehener erkundigung auch gelegenhait seines werths verkaufen und
                    das gelt jhar unt tag halten, auch solches gelt dem aigenthumber, wo er als oben
                    vernumben ausfindig macht das solches verlohren viech sein gewesen, gegen
                    erlegung der atzung und furfangs zuzustellen schuldig sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.89">
        <head>[Buch IV Titel 89]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=188">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 89. titl. Von wasserflussen guessen
                    auen und wörten. <pb n="Edition 2015 S. 395"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.89.1"> [Buch IV Titel 89 § 1]<lb/> § 1 Wann die wasserflues oder
                    gues ain aw wörth oder insl darumben das wasser ringsweiß fleusset anschutt und
                    dieselb mitteraw zwischen zweier underschietlicher herrn grunt vom neuem
                    entsteet, so solle sie dem herrn ervolgen, an welches gestat grunt und boden
                    dieselb anschüttung am negsten stoßet. ligt sie aber an ainem so nahent als dem
                    anderm, so ist sie commun und gehört ihnen baiden zu. </p>
        <p xml:id="NA.4.89.2"> [Buch IV Titel 89 § 2]<lb/> § 2 Die wasserschutt und
                    alluvionen welche ainem gestatt oder lant zu ainziger unsichtlicherweise
                    zustehen sollen denen gruntherrn aigenthumblich ervolgen, welchen der
                    wasserboden oder das gestatt derselben orten zugehörig. </p>
        <p xml:id="NA.4.89.3"> [Buch IV Titel 89 § 3]<lb/> § 3 Wann sich ein wasserflues
                    zerthailt und einen grunt inslweiß umbrint, so wirdt solcher werth nit gemein,
                    sondern gehört sambt dem wasser und fischfang dem herrn des grunts zu. </p>
        <p xml:id="NA.4.89.4"> [Buch IV Titel 89 § 4]<lb/> § 4 Was des wassersgewalt in
                    eispruchen oder wassergussen von holz trait oder dergleichen auf einen frembden
                    grunt tregt, der steet dem gruntherrn billichen zu, dann wasser gibt und nimbt. </p>
        <p xml:id="NA.4.89.5"> [Buch IV Titel 89 § 5]<lb/> § 5 Waß aber ausser wasser gewalt
                    aus ubersehen oder ungever, als zillen flöß oder dergleichen, wegrinnet, das
                    solle seinem rechtem herrn auf ersuchen widerumben zugestelt werden, es hette
                    dann der gruntherr deßhalben besondere wasserfreihait. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.90">
        <head>[Buch IV Titel 90]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=190">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 90. titl. Von dem feuchten. </p>
        <p xml:id="NA.4.90.1"> [Buch IV Titel 90 § 1]<lb/> § 1 Wann die teicht oder weier
                    durch nachlessigkait unwirtschaft oder geverlicher weise denen benachtbarten ihr
                    grunt und gueter austrenken, so sollen die verderbten grunt von der obrigkait
                    auf begern der parteien ordenlich beschaut und geschätzt, auch die erlitnen
                    schäden abgetragen und widerkehrt werden. do aber der schaden durch wassergues
                    wolkenpruch oder dergleichen gottes gewalt und unfall beschech, sollen die
                    teichtsherrn von allem abtrag entbrochen und frei sein. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.90.2"> [Buch IV Titel 90 § 2]<lb/> § 2 Do ainer mit fischerei auf
                    seinem grunt und boden nutz schaffen möcht und darzu aines benachtbarten grunts
                    so ein uberlent und kein behaustes guet bedurftig were, so solle ihme sein
                    nachbaur solchen grunt umb den billichen wert ervolgen lassen, dann darduch
                    wirdt das lant gebessert und entgeet damit dem gruntherrn kein manschaft. <pb n="Edition 2015 S. 396"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.90.3"> [Buch IV Titel 90 § 3]<lb/> § 3 Wann ein teicht oder weier
                    durch wolkenbruch gueß oder in ander weg ausbricht oder uberscheust und die
                    fisch davon außgetragen werden, soe mag der teichtherr innerhalb tag und nacht
                    derselben fischen nachstellen und die [in den] veltbächlen ainem anderm herrn
                    zugehörig, deßgleichen do ers auf aines andern herrn truknem lant findt, mag ers
                    ohn alle irrung heben. wo sie aber in eines andern lantmansteich oder
                    vischwasser geflossen, so hatt der verlustig herr nit macht seinen vischen der
                    orten nachzusetzen, es würde ihme dann solches guetwillig vergünt oder es weren
                    die andern teicht zuvor oed oder unbesezt gewesen, alßdann sollen sie dem
                    teichtherrn gegen einer zimblichen verehrung ervolgen. </p>
        <p xml:id="NA.4.90.4"> [Buch IV Titel 90 § 4]<lb/> § 4 Komb aber der teichtherr
                    seinen fischen in tag und nacht nit nach, so sollen sie auf der truknen dessen
                    so sie ergreift, im wasser aber dessen gruntherrn verbleiben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.91">
        <head>[Buch IV Titel 91]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=192">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 91. titl. Von abkehrung der wasserleuf.
                    So einer einen wasserlauf oder feltgues auß dem rechtem altem rinnsall ab- oder
                    auf eines andern grunden kheret und solches von der gruntobrigkait außgefuert,
                    der ist schuldig allen schaden so daraus volgt abzulegen und dem gericht in die
                    straf verfallen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.92">
        <head>[Buch IV Titel 92]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=193">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 92. titl. Von dem muhlen. Es solle
                    niemants in disem unserm lant Österreich under der Ennß ain neue mühlstatt denen
                    andern eemühlen zu schaden erbauen oder aufrichten ohn unsern als lehenherrn und
                    lantsfurstens vorwissen und consens vermüeg derhalben ausgangner general. die
                    haußmuchlen aber so zu einer haußnotturft und keinem from mühlwerkh gebraucht
                    werden, sollen iederman bevorstehen und erlaubt sein, doch das solches mit
                    willen und wißen desselben ortsgruntherrn und andern ohn schaden beschehe. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.93">
        <head>[Buch IV Titel 93]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=194">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 93. titl. Von neuen tafern und
                    preuheusern. <pb n="Edition 2015 S. 397"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.93.1"> [Buch IV Titel 93 § 1]<lb/> § 1 Gleichfals solle niemants ein
                    neu tafern oder preuhaus ohn unser vorwissen und concens in disem lant
                    aufrichten. </p>
        <p xml:id="NA.4.93.2"> [Buch IV Titel 93 § 2]<lb/> § 2 Es solle auch das bierprauen
                    denen gemeinen baursleuten verbotten sein, alles vermueg und inhalt derhalben
                    ausgangner general. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.94">
        <head>[Buch IV Titel 94]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=195">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 94. titl. Von hungerischen weinen. </p>
        <p xml:id="NA.4.94.1"> [Buch IV Titel 94 § 1]<lb/> § 1 Es solle menniglich laut
                    voriger vorlengst publicirter general und dem uhraltem herkomben gemeß verbotten
                    sein hungerische wein in dises lant Österreich under der Ennß zu führen, dasselb
                    abzuschiessen auch under den raifen oder ofnem zaiger zu verkaufen, alles bei
                    verwürkung und verlierung derselben wein, welche biß auf unser ferrer
                    genedigistes wohlgefallen ainer ieden gruntobrigkait do solche wein eingeführt
                    oder versilbert werden heimbgefallen sein sollen. </p>
        <p xml:id="NA.4.94.2"> [Buch IV Titel 94 § 2]<lb/> § 2 Doch welche in Österreich
                    wohnen und auf dem Hungerischem aigen wein erbauen, die mügen dieselben zwischen
                    sant Michael und sant Martinstag in dises lant wohl führen und darinnen
                    verhandlen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.95">
        <head>[Buch IV Titel 95]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=196">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 95. titl. Von meuten. Gleicher gestalt
                    solle iederman in disem lant verwerth und bei straff verbotten sein neue meuth
                    zoll prukgelt aufschleg oder dergleichen neuerungen aufzurichten und anzustellen
                    oder in derlei fallen einige staigerung uber das alt herkomben furzunehmen ohn
                    sonders unser wissen und bewilligung. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.96">
        <head>[Buch IV Titel 96]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=197">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 96. titl. Von wegen und stegen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.96.1"> [Buch IV Titel 96 § 1]<lb/> § 1 Wo ein ganze gemein oder ein
                    sondere persohn auf ihren aigen grunden ainen gemeinen offen fahrt- oder reitweg
                    oder einen gangsteig zu halten, auch <pb n="Edition 2015 S. 398"/> graben und
                    prucken zu machen und die veltgües auszufuhren schuldig und das nit thetten oder
                    von solchen gemeinen wegen stegen und gräbern was erzeugen und dieselben
                    schmehlerten oder gar verlegten, die sollen durch daß lantgericht darzu gehalten
                    werden, das sie dieselben gemeinen weg steg gräben und prucken wie von alter
                    herkomben offen und ungeschmehlert bei gutter pann halten und die prucken und
                    gräben jhärlich und als ofts die notturft erfordert machen und dermaßen
                    zurichten, das menniglich solch weg offen sein und das man uber die prucken steg
                    und gräben ohn geverligkait und nachtail Komben und wandlen möge. und wer in dem
                    allem was verbricht, der solle dem gericht in die straff verfallen sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.96.2"> [Buch IV Titel 96 § 2]<lb/> § 2 Es soll auch ein ieder
                    gruntherr seinen underthanen darzuhalten, das er bei seinem grunt all obberuert
                    weg wesentlich halt und nichts abgehen laße, wo aber ein gruntherr hierinn
                    lessig erschine oder der billigkait nach in obberurter zeit gar kein handlung
                    furnehmen wolt, mag alßdann das lantgericht darinnen der billigkait nach
                    obberurtermassen einsehung thain. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.97">
        <head>[Buch IV Titel 97]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=198">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 97. titl. Von thätlichen gewälthen und
                    eingriffen, auch wie und wasgestaalt umb ainen gewalt clagt werden mög. </p>
        <p xml:id="NA.4.97.1"> [Buch IV Titel 97 § 1]<lb/> § 1 Umb bewisne gewält und
                    eingrif wirdt auf zweierlei weg clagt: erstlich persecutorie, das ist umb
                    restitution und zustellung des entsezten guets, fur das ander poenaliter umb
                    abtrag des bewißnen und oestimirten gewalts. </p>
        <p xml:id="NA.4.97.2"> [Buch IV Titel 97 § 2]<lb/> § 2 So viel nun den ersten weg
                    des restitution anlangen, thuet sich solche clag in jharesfrist nit verjhären,
                    sondern alles das so den vergeweltigten anligenden oder varenden haab und
                    guetern genomben worden stehet ihme oder seinen erben nach ausgang der
                    jharsfrist zu ersuchen bevor. </p>
        <p xml:id="NA.4.97.3"> [Buch IV Titel 97 § 3]<lb/> § 3 Umb des bewisnen gewalts aber
                    kann er nach verstrichner jharszeit nit clagen, doch wo solche gewaltsclag
                    innerhalb des jhars bei gericht anhengig gemacht und der krieg daruber in
                    solcher zeit befestiget worden, so mag alßdann nach verfangnem rechtstrit
                    dieselb clag biß zu ent volführt und prosequirt werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.97.4"> [Buch IV Titel 97 § 4]<lb/> § 4 Do auch einer umb zustellung
                    seiner entwerten haab und gueter clagen und keinen abtrag des bewisnen gewalts
                    begehren thet, so solle ihme kainer zuerkent noch gemessigt werden. <pb n="Edition 2015 S. 399"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.97.5"> [Buch IV Titel 97 § 5]<lb/> § 5 Welcher umb einen bewißnen
                    gewalt keinen abtrag in gelt sondern die bestraffung des thätters ehr leib oder
                    guet begert, desselben begeren solle vor gericht statthaben, dann es stehet in
                    des beleidigten wahl, ob er umb den erlittnen gewalt burgerlich oder beinlich
                    clagen wolle. es stehet auch die geltsstraff disfals nit dem cläger sondern dem
                    gericht zu. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.98">
        <head>[Buch IV Titel 98]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=201">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 98. titl. Was zu einer gewaltsclag
                    vonnötten. </p>
        <p xml:id="NA.4.98.1"> [Buch IV Titel 98 § 1]<lb/> § 1 Zu einer gewaltsclag gehören
                    furnehmblich drei stukh: erstlichen, das der cläger des entwerten haab und guets
                    vor der entsezung (wo nit lenger doch aufs wenigist) uber jhar und tagfrist in
                    würklicher posseß nit und gebrauch gewesen. </p>
        <p xml:id="NA.4.98.2"> [Buch IV Titel 98 § 2]<lb/> § 2 Am andern, das er solche
                    rubig ungeirrt und unbetrübt innen gehabt. </p>
        <p xml:id="NA.4.98.3"> [Buch IV Titel 98 § 3]<lb/> § 3 Furs dritt, das er derselben
                    thätlich und geweltiglich entsezt worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.99">
        <head>[Buch IV Titel 99]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=201">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 99. titl. Wie die gewaltßclagen zu
                    stellen seint. Die gewaltsclagen sollen mit allen verlofnen notwendigen
                    umbstenden der persohnen, mitthätter, des entwerten guets, des orts, der zeit,
                    ob auch die vergweltigung mit oder ohn waffen beschehen, außgefuhrt und
                    specificiert, deßgleichen die petition und das begeren lauter gestelt werden,
                    damit das gericht aigentlich erkennen müge, ob man burgerlich oder beinlich
                    clag. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.100">
        <head>[Buch IV Titel 100]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=202">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 100. titl. In was fall die
                    gewaltsclagen stathaben. </p>
        <p xml:id="NA.4.100.1"> [Buch IV Titel 100 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl sich die
                    gewaltsclagen auf auf die ligenden grunt und boden aigentlich reumen, iedoch
                    wann einem ein beweglichs haab und guet, als viech maisch wein trait gelt oder
                    dergleichen varender stuckh, mit gewalt genomben wirdt, so solle die
                    gewaltschlag auch stathaben. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.100.2"> [Buch IV Titel 100 § 2]<lb/> § 2 Wann einer persohn an
                    seinen habenden rechten und gerechtigkaiten, als zehenten meut vischwaiden
                    wiltpainen oder dergleichen ein- und zugehörungen, eingrif frävel und gewalt
                    zugefuegt wirdt, so mag derselb umb den erlitnen gwalt nach lantsbrauch wohl
                    clagen, deßgleichen do einem an seiner obrigkait herligkait <pb n="Edition 2015 S. 400"/> gerichtszwang oder jurisdiction in einem oder dem
                    anderm fall eingrief geschiecht. </p>
        <p xml:id="NA.4.100.3"> [Buch IV Titel 100 § 3]<lb/> § 3 Wer eines lantmans
                    underthan ausser eines lantsbreuchigen abschietbrifs aufnimbt oder bei ihme
                    underkomben lest, der handlet wider die außgangenen general und beweist dem
                    vorigem gruntherrn damit einen gewalt. </p>
        <p xml:id="NA.4.100.4"> [Buch IV Titel 100 § 4]<lb/> § 4 Item, wer ein leibgeding
                    oder andern verfalnen ligenden grunt ausser eines nidergesezten gruntrechts
                    einzeucht oder fechsnet, der mag umb bewißner gewalt verclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.100.5"> [Buch IV Titel 100 § 5]<lb/> § 5 Wann einer seines guets
                    thätlich doch mit gerichtshanden und servats juris ordine entsezt wirdt, so kann
                    derselb wider die obrigkait noch den eingesetzten beclagen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.101">
        <head>[Buch IV Titel 101]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=204">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 101. titl. Wer umb gewalt clagen möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.1"> [Buch IV Titel 101 § 1]<lb/> § 1 Umb bewißne gewalt mögen in
                    gemein entwerte possessorn inhaber und geniesser clagen, als nemblichen die
                    rechten aigenthumber und herrn so ihre haab und gueter in aigner persohn oder
                    mit aignem rucken besessen haben und ihrer posseß thätlich entwehrt worden,
                    deßgleichen alle herrn welche ihr haab und gueter nit persohnlich besitzen
                    sondern auch ihre pfleger verwalter haußhalter und dergleichen bestelte und
                    besölte diener in nutz und gebrauch haben, dann derlei verwaltende persohnen
                    besitzen solche haab und gueter nit ihnen sondern ihren herrn. derwegen sollen
                    die herrn und nit sie umb den bewißnen gewalt clagen, es were dann sach das sie
                    im nahmen ihrer herrn clagen, das ihnen unverwerth sein solle, doch das sie von
                    ihren herrn ordenliche gewalt, oder do dieselben ausser lants innerhalb
                    jharsfrist geburliche ratification furbringen. deßgleichen wo solchen persohnen
                    an ihren haab und guetern neben ihren herrn auch gewalt beschehen were, so mögen
                    sie fur ihren erlitnen gewalt und schaden wohl clagen, also da ihnen an ihrer
                    persohn mit schlegen gefenknus oder dergleichen thätlichen handlungen gewalt
                    bewisen worden, so stehen ihnen ihr besondere clag auch bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.101.2"> [Buch IV Titel 101 § 2]<lb/> § 2 Es seint etliche haab und
                    gueter welche nach lantsart weder durch ihre herrn noch derselben leut
                    persohnlich oder stattiklich besessen werden, als weingarten acker wißmat gehülz
                    und dergleichen grunt. nichtsweniger, weil sie von ihren herrn mit geburlicher
                    arbeit fexung in nutz und gebrauch erhalten werden, so <pb n="Edition 2015 S. 401"/> kan man umb entwerung derselben gueter eben sowohl
                    als do sie durch das ganz jhar possedirt würden clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.3"> [Buch IV Titel 101 § 3]<lb/> § 3 Ferrer mögen umb erlitne
                    gewält alle persohnen clagen, welche kein naturliches sondern nuzliches
                    aigenthumb utite dominium genant haben, als die lehensleut leibgedings-geniesser
                    und dergleichen persohnen, dann alleweil sie solche grunt innenhaben und
                    derselben entsetzt werden, so beschicht ihnen und nit den rechten aigenthumbern
                    dardurch gewalt. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.4"> [Buch IV Titel 101 § 4]<lb/> § 4 Gleichermassen, do einer
                    die naturlich possess allein hette und derselben entsezt wirdt, so gebürt ihme
                    umb den erwißnen gewalt und nit desselben guets aigenthumber zu clagen, wie dann
                    die fruchtgeniesser so usufructuarii oder usuarii genent werden seint. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.5"> [Buch IV Titel 101 § 5]<lb/> § 5 Welcher einen grunt mit
                    wissentlichem ungrunt ohn schein und titl innenhat und dessen ausser recht
                    entsezt wirdt der mag umb den erlitnen gewalt auch clagen, dann ohn recht und
                    gerichtliche huelf soll niemants seiner possess beraubt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.6"> [Buch IV Titel 101 § 6]<lb/> § 6 Es hat auch solche
                    gewaltsclag nit allein wider ainen frembden sonder den rechten hernn und
                    aigenthumber (:do er sein guet mit gewaltiger hant einnehme:) statt und kan ihme
                    nit furtragen, das mn sich gewalts mit gewalt erweren müge, dann solches hat in
                    continenti und in wehrender frischer that stat, ex intervallo aber und nach
                    verlofner gewalthiger that solle gewalt mit gewalt nit vertriben werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.7"> [Buch IV Titel 101 § 7]<lb/> § 7 Es enthebt auch den
                    aigenthumber sein aigenthumb von dem bewisnen gewalt gar nit, angesehen das das
                    aigenthumb von der possess abgesindert und einem das aigenthumb, dem andern aber
                    die possess zugehören mag. derhalben dient das aigenthumb zu verthaidigung der
                    possessori-gewaltsclag nichts, sondern gehört zu ausführung der aigenthumblichen
                    gerechtigkait. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.8"> [Buch IV Titel 101 § 8]<lb/> § 8 Do sich ainer auf ein
                    ligents guet gerichtlich ansetzen ließ und dasselb guet in werendem ansatz
                    verweltigt würdt, so kann weder der so sich ansetzehn lassen noch der so
                    angesezt worden umb gewalt clagen, dann in hangendem ansatz bleibt die
                    poessession weder dem clager noch dem beclagtem, sondern steet bei
                    gerichtshanden sequestersweiß. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.101.9"> [Buch IV Titel 101 § 9]<lb/> § 9 Wann denen sequestrirten
                    guetern vor austrag der sachen gewalt und eingrif bewisen wirdt, so stehet dem
                    sequestratorn und nit dem haubtclager oder beclagten tail die gewaltsclag bevor,
                    doch gereicht nachmals gewien oder verlust auf den obsigenden principalthail.
                        <pb n="Edition 2015 S. 402"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.101.10"> [Buch IV Titel 101 § 10]<lb/> § 10 Do eim bestant- oder
                    inmann das bestanden guet abgetrungen worden, so Kan er umb gewalt nit clagen,
                    dann daß guet und desselben possession gehört nit ihme sonder dem aigenthumber
                    zu. doch so ihme an seiner persohn oder guetern einicher gewalt widerführ, mag
                    er fur sein interesse besonders wohl clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.11"> [Buch IV Titel 101 § 11]<lb/> § 11 Wann einem underthan
                    gewalt zustehet, so mag der underthan deßgleichen sein gruntherr umb den
                    bewißnen gewalt absonderlich clagen, dann dem herrn an seiner obrigkait und
                    hohait eingrief beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.12"> [Buch IV Titel 101 § 12]<lb/> § 12 Also wann einem diener
                    oder dienerin mit schlegen oder in ander thätliche weg gewalt zugefuegt wirdt,
                    mögen nit allein sie die diener und dienerin, sonder auch der herr oder fraw wo
                    dieselb verwittib umb solchen bewisnen gewalt besonderbar clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.13"> [Buch IV Titel 101 § 13]<lb/> § 13 Do unvogtbaren kindern
                    gewalt beschicht, mögen ihre eltern oder do sie nit mehr im leben derselben
                    gerhaben und curatoren clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.101.14"> [Buch IV Titel 101 § 14]<lb/> § 14 Wann einer frauen gewalt
                    zusteet soll ihr ehewirt als ihr furgeseztes haubt clagen, denn es will sich nit
                    fuegen das die frauen bei gericht umbschweifen. doch soll der eheman von ihr mit
                    ordenlichen gewalt gefast sein. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.102">
        <head>[Buch IV Titel 102]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=211">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 102. titl. Welche persohnen umb gewalt
                    furgenomben mögen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.1"> [Buch IV Titel 102 § 1]<lb/> § 1 Umb bewisne gewalt eingrief
                    und frävel Künnen die persohnen, welche die gewaltge that auf einem oder dem
                    anderm verbotnehm weg in aigner persohn begangen, furgenomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.2"> [Buch IV Titel 102 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen die, wellichen
                    den gewalt zu verrichten bevohlen und angeschafft, oder darzu raht und thatt
                    geben. doch wo der vergweltigt seines entsezten guts restitution und den abtrag
                    des erlitnen gewalt von einem thail bekomben thet, so soll er die andern
                    mitverwanten ferrer nit beclagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.3"> [Buch IV Titel 102 § 3]<lb/> § 3 Wann ein pfleger ambtman
                    verwalter oder anders haußgesint ohn vorwissen und bevelch seines herrns
                    vergeweltigt, so mues er darumben fues halten und die clag selbst ausstehen,
                    sein herr aber ist solchen gewalt aber abzutragen nit schuldig, es were dann
                    sach das er sich desselben hernach tailhftig machet oder des entsezten guets
                    mechtigt. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.102.4"> [Buch IV Titel 102 § 4]<lb/> § 4 Welcher zu einem haab und
                    guet wie das immer sein kann recht und wohlbefügte spruch hat, dasselb aber
                    ausser gerichtlicher hüelf mit thätlicher gewaltiger hant an sich bringt, der
                    mag umb gewalt furgenomben werden, dann niemant soll sein selbst richter sein.
                    der ihme gebürendt aigenthumblich <pb n="Edition 2015 S. 403"/> gerechtigkait
                    aber welche er zu solchem guet hett soll er mit seinem bewißnem gewalt als die
                    geschribnen rechten vermögen nit verlohren haben, sondern ihme auf beschehene
                    restitution nach lantsbrauch bevorstehen dieselb wie recht ist zu ersuchen. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.5"> [Buch IV Titel 102 § 5]<lb/> § 5 Wo das entwert haab und
                    guet mitler zeit in andere frembde hant kömb, so solle der gewaltthätter
                    dardurch von der gewaltclag nit entbrochen sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.6"> [Buch IV Titel 102 § 6]<lb/> § 6 Also welcher ein
                    vergweltigs haab und guet wißlich an sich bringt, der mag umb desselben
                    restitution und zustellung furgenomben werden, doch solle er ein[igen] abtrag
                    des erlitnen gewalts zu erstatten nit schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.7"> [Buch IV Titel 102 § 7]<lb/> § 7 Do der gewalthaber das
                    vergweltigt haab und guet seinem herrn dem ers abgetrungen unvolkombenlich
                    zusteet, so mag er einen weg als den andern umb die ubermas und abtrag des
                    gewalts beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.102.8"> [Buch IV Titel 102 § 8]<lb/> § 8 Deßgleichen, do er das ganz
                    guet außer recht dem entsetztem wider guetwillig zustellet, so ist er ihme
                    solcher restitution von abtrag des gewalts nit entbrochen, es wölle sich dann
                    der geweltig[t] desselben guetwillig begeben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.103">
        <head>[Buch IV Titel 103]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=215">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 103. titl. Ob die erben umb gewalt
                    clagen oder beclagt werden Künnen. </p>
        <p xml:id="NA.4.103.1"> [Buch IV Titel 103 § 1]<lb/> § 1 Umb restitution und abtrag
                    des bewisnen gewalts kan nit allein der principal sonder auch seine erben in
                    geordneter jharszeit clagen. deßgleichen kan nit allein wider den gewaltthätter
                    sondern auch seine erben umb die restitution und zustellung der entsezten gueter
                    vor und nach verstreichung der jharsfrist clagt werden. Umb abtrag aber des
                    bewißnen gewalts Künnen des gewaltthätters erben vor oder nach außgang des jhars
                    nit furgenomben werden, es were dann der krieg in seinem leben verfangen worden,
                    dann durch solche litis contestation wirdt der process auf die erben und
                    successorn transmittiert. </p>
        <p xml:id="NA.4.103.2"> [Buch IV Titel 103 § 2]<lb/> § 2 Wann das ungeweltigt guet
                    ainem aus den erben in der thailung gefallen, so mag er nit allein pro rata
                    seiner erblichen gebürnus sondern, do er die ubermas abgelöst, umb abtrettung
                    des ganzen guets furgenomben werden und stehet ihme sein regress gegen seinen
                    miterben bevor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.104">
        <head>[Buch IV Titel 104]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=216">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 104. titl. Was gestalt die restitution
                    geschen solle. <pb n="Edition 2015 S. 404"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.104.1"> [Buch IV Titel 104 § 1]<lb/> § 1 Die restitution des
                    entsezten haubtguets solle mit seiner zugehörung beschehen und der entwerth
                    alledings in vorigen stant gesezt, ihme auch die aufgehebten nutzungen erstat
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.104.2"> [Buch IV Titel 104 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen solle ihme alle
                    erlitne schäden von dato der beschehen vergweltigung anzuraiten abgetragen
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.104.3"> [Buch IV Titel 104 § 3]<lb/> § 3 Und wiewohl die geschribnen
                    rechten vermögen das ein vergwaltiger solche seine erlitne schäden mit seinem
                    aid beteuren und war machen möge, so solle doch der aid auf den fall stathaben,
                    wo die schäden in ander weg nit beweißlich. do man aber dieselben durch zeugnus
                    oder in ander glaubwürdige wege erleutern Kann, solle [er] des juraments
                    verschont werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.104.4"> [Buch IV Titel 104 § 4]<lb/> § 4 Wiewohl bei denen
                    geschribnen rechten lauter versehen das ein vergweltiger seinem gewaltthätter
                    weder in einer noch der andern sachen vor gericht zu antworten schuldig bis er
                    von ihme widerumben würklich und volkombenlich restituiert worden, so vermag
                    doch der ublich lantsbrauch das widerspiel, dorbei wir es hinfurahn von wegen
                    befurderung des rechtens und damit ein sachen die ander nit sperre genedigist
                    verbleiben lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.105">
        <head>[Buch IV Titel 105]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=218">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 105. titl. Wie die jharszeit in
                    gewaltsachen zu verstehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.105.1"> [Buch IV Titel 105 § 1]<lb/> § 1 Die jharszeit darinnen man
                    umb bewisne gewalt clagen mag ist nach geschribner rechten inhalt tempus utile
                    und werden die ferien darein nit gerait. aber dem bißher erhaltnem lantsbrauch
                    nach solle solle dise jharsfrist fur ein continuirte zeit verstanden und davon
                    kein tag außgeschlossen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.105.2"> [Buch IV Titel 105 § 2]<lb/> § 2 Welche den lezten tag
                    desselben jhars sein clag bei gericht anhengig macht der solle damit zugelassen
                    werden dises jhar solle auch von erinderung des erlitnen gewalts angereicht
                    werden, dann einem unwissenten laufft kein zeit noch verjhärung. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.106">
        <head>[Buch IV Titel 106]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=219">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 106. titl. Wasmassen ein gewalt zu
                    messigen sei. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.106.1"> [Buch IV Titel 106 § 1]<lb/> § 1 Wie hoch ein gewalt oder
                    eingrief zu messigen, das solle in des gerichts bedenken discretion und
                    moderation stehen, das solle nach geschaffenhait des bewisnen gewalts und
                    gelegenhait aller furkombenden umbstent hierinnen messigen und taxiren was sich
                    geburt und recht ist. <pb n="Edition 2015 S. 405"/>
        </p>
        <p
            xml:id="NA.4.106.2"> [Buch IV Titel 106 § 2]<lb/> § 2 Es seint aber etliche
                    sondere fäll welche einen erzaigten gewalt billig aggraviern und scherpfen.
                    erstlich, wann ein obrigkait, derselben officier oder gerichtliche execution
                    vergweltigt werden. zum andern, do ein ganze gemein vergweltigt worden. zum
                    dritten, wann ein geistliche persohn vergweltigt worden. zum vierten, so einen
                    seine aigne underthanen oder erhalten vergweltigen, zum funften, wann ainen
                    seine leibs- und blutsfreunt vergweltigen. zum sechsten, wann wittib und waisen
                    vergweltigt werden. zum sibenden, ein ieder frävel und gwalt welcher einem an
                    seiner persohn zugefügt wirdt ist höchers als die vergweltigung der haab und
                    gueter zu halten. zum achten, wann einer durch vergwelchtigung umb seinen gesunt
                    und tägliche nahrung komben, soll ihme ungeverlich so viel gemessigt werden, das
                    er damit sein lebtag nach gelegenhait seines stants ein zimblichs abkomben haben
                    mög. zum neunten, wann der cläger in hangendem rechten unerwart desselben
                    austrags das strittige guet mit gewalt einnimbt, so ist derselb gewalt von wegen
                    gerichtlicher verachtung strafmessiger. zum zehenten, wo der gwalt wider gebotne
                    stilstant oder aufgesezte poenfall beschicht, so ist er gleichfals
                    strafwürdiger. zum aintliften, wann ein gewalt zu eiliger zeit beschicht. zum
                    zwelften, do er bei nacht beschicht. zum dreizehenden, wann gewalt in der
                    freiung oder in befreiten orten beschicht. zum vierzehenden, do er auf gemeinen
                    zusambenkunften, als hochzeiten oder mahlzeiten offentlich beschicht. zum
                    funfzehenden, wann er in loco publico, als an einem markt oder in einem
                    gerichtshauß beschicht. zum sechzehenden, wann er vor der obrigkait beschicht.
                    zum sibenzehenden, wann er in loco sacro, als kirchen clöster gottsheuser
                    geschicht. zum achtzehenden, wann der gewalt mit gewafneter und bewehrter hant
                    beschicht. zum neunzehenden, wann er mit gesambter hant aufbott oder
                    glockenstraich geschicht. zum zwanzigisten, so man reitterei oder geschos darzu
                    brauchet. zum einundzwanzigisten, wann der gewalt mit absteigen stiermen oder
                    dergleichen feintsehligen mitteln geschicht. <pb n="Edition 2015 S. 406"/> zum
                    zweiundzwanzigisten, wann sich bei der vergweltigung mort und totschleg begeben.
                    zum dreiundzwanzigisten, wann der gewalt auf ofner lantstrassen begangen wirdt.
                    zum vierundzwanzigisten, wann ein lantfritpruch mit dem gewalt lauft. in diesen
                    abgehörten fallen allen ist der gewalt straffmessiger als sonsten, und was
                    dergleichen bewegliche umbstent mehr seint. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.107">
        <head>[Buch IV Titel 107]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=224">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 107. titl. Ob die obrigkait die gewält
                    zu straffen hab. Wann der gewalt dermassen geschaffen, das die lantsfurstlich
                    hohait dardurch veracht oder verlezt worden, so sollen die straffen uber den
                    abgetragen schaden welcher dem vergweltigten beschehen unserer lantsfurstlichen
                    hohen obrigkait ainen weg als den andern bevorstehen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.108">
        <head>[Buch IV Titel 108]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=224">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 108. titl. Von injurien und
                    ehrenhandlen, auch wie und wasgestalt einer injurirt mag werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.108.1"> [Buch IV Titel 108 § 1]<lb/> § 1 Die injuri und
                    ehrenverletzungen werden durch viel underschitliche weise zugefüegt und
                    beweisen. erstlichen, mit ehrnrurigen schmechlichen und lesterlichen worten.
                    derhalben werden alle reden, welche wider adeliche und burgerliche sitten
                    erbarkeit redligkait und gueten lebmueth seint, fur injuri-wort gehalten, sie
                    tragen gleich ein malefitz mit außgetrukten worten auf ihnen oder sie haben
                    sonsten einen verdekten eherrührigen verstant, als do einer bezugen wirdt er
                    were in seinem thain nit ganz oder ledig, man kenne ihn wohl wer er sei, er trag
                    nit hart an der frümbkait, man wiße wohl wer seine eltern gewesen, und was
                    dergleichen verdunkelte umbredt mehr seint mit welchen ein ehrlicher pidersman
                    ehrnrüeriger weiß angriffen gestochen und belaidigt wirdt. es ligt auch an dem
                    nit, ob die verlezlichen wort spezial oder general sein, als do einer dem anderm
                    in specie nichts bezüeg sondern in pausch zu ihm sagt: du bist nit erbar, bist
                    keines redlichen mannß weeth, es solle kein erbar mann mit dir essen oder
                    gemeinschaft halten. <pb n="Edition 2015 S. 407"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.108.2"> [Buch IV Titel 108 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, welcher einen
                    mit groben unbeschnitten worten der unwahrheit strafft und ligen haist, der
                    begehrt damit ein injuri, ungeacht das er etwo danebens vermeldt, er thue
                    solches nit animo injuriandi noch in der mainung das er den belaidigten dardurch
                    schmehen wölle. wann aber der beschwert thail dem injurianten zu solcher
                    lugenstraffung mit ungeburlichen vorlaufeten worten ursach gibt, auch der
                    vermaint injuriant, solche redt zu rettung seiner ehren und defensionweiß thet,
                    so möchte aus solchen worten kein injuri erzwungen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.3"> [Buch IV Titel 108 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, welcher den
                    andern mit gott schendet schildt oder lestert, der beweist ihme damit ain injuri
                    und ist dieselben abzutragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.4"> [Buch IV Titel 108 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, wirdt ein
                    injuri nit allein mit worten sondern auch mit that bewisen, als do einer von dem
                    anderm gerauft geschlagen geworfen gestossen verwundt und geschädigt wirdt,
                    deßgleichen do man einem mit gewalt in sein haus einfelt, einpricht, thier und
                    thor aufstost, fenster einwürft oder ihne durch andere dergleichen ungebürliche
                    mittel an persohn oder seinem guet verweltiget. im fall einer auch nit würklich
                    geschlagen sondern nur die hant wider ihne gefaust aufgeriben oder eine wehr
                    wider ihne gezuckht wirdt, so stehet ihme die injuriclag bevor. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.5"> [Buch IV Titel 108 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, werden die
                    injuri schriftlich zugefuegt, nemblichen mit ehrrüerigen schmächlichen
                    verächtlichen schriften sentschreiben versen gesangen, außgeschnittnen zedeln,
                    famosschriften, sie geschehen gleich bei oder ausser gericht. es ligt auch an
                    dem nit, ob der injuriant underschriben oder sonsten aus gewissen umbstenden
                    erkantlich, wie dann dißfals auch nit von nötten das der injuriert mit lauf-
                    oder zunahmen darinnen begriffen, wann nur andere glaubwürdige indicien
                    verhanden, das er ihme und Keinen anderm zu schmach und schimpf vermaint worden,
                    als do man ihme die lesterschriften unbeantworten liesse. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.6"> [Buch IV Titel 108 § 6]<lb/> § 6 Zum sechsten, welcher des
                    andeern mit hönischen verechtlichen und schmahlichen geberten spotten thuet der
                    fuegt demselben ein injuri zu. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.7"> [Buch IV Titel 108 § 7]<lb/> § 7 Zum sibenden, wann einem
                    ehrlichem mann zu schimpf und verachtung etwas ungeburliches an seinem haußthier
                    geschriben gemahlt angeschlagen oder angebunden wirdt, der mag sich dessen als
                    fur ein bewißne injuri beschweren. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.108.8"> [Buch IV Titel 108 § 8]<lb/> § 8 Zum achten, werden die
                    injuri mit werfen und ausgiessen erzaist, als do ainer mit unsaubern und
                    unrainen sachen fursezlich geworfen oder begossen wirdt. <pb n="Edition 2015 S. 408"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.108.9"> [Buch IV Titel 108 § 9]<lb/> § 9 Zum neunten, werden die
                    injuri mit ungeburlichen furbrechen, welche zu verkleinerung aines andern
                    nahmens stambens stant würdens oder hochaits in gemeinen versamblung oder
                    ritterlichen spilen und ubungen beschehen, bewisen. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.10"> [Buch IV Titel 108 § 10]<lb/> § 10 Zum zehenten, wirdt
                    ainer durch unverschulte ausschliesung injuriert, als do einer ohn rechtmessige
                    ursachen seines tragenden ambts entsezt, oder zu gemeinen lant- oder
                    gerichtstägen wie andere seines gleiches nit eingelassen wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.11"> [Buch IV Titel 108 § 11]<lb/> § 11 Zum eintliften, werden
                    die injuri mit ungebürlichen gefenknussen angelegt, als do sich ain
                    privatpersohn gerichtlicher hochait anmasset und einen in sein aigne verhefft-
                    oder verstrickung nemb. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.12"> [Buch IV Titel 108 § 12]<lb/> § 12 Gleichermassen, wann
                    einer dem andern zu gerichtlicher gefenknus bracht und sein burgerliches oder
                    maleficisch furgeben wider ihne nit außfindig machet, so stehet dem verhaften,
                    wann er widerumb auf frei fues kombt, in alweg bevor den verlustigen thail so
                    ihne einbracht umb abtrag der unverschulten schmechlichen gefenknus furzunehmen. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.13"> [Buch IV Titel 108 § 13]<lb/> § 13 Das gericht aber solle
                    disfals aller verantwortung und abtrags entbunden sein, angesehen das es auf der
                    partei anhalten und instanz und nit ex officio solche gefenknus furgenomben. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.14"> [Buch IV Titel 108 § 14]<lb/> § 14 Do aber das gericht
                    einen ex officio einziehen liesse und denselben, ungeacht das er sich auf sein
                    ordenliche obrigkait erster instanz wegern auch darumben schein furbringen thet,
                    in verhaftung nemb, so solle sich das gericht der bewisnen unbefugten gefenknus
                    halben mit dem verhaftten nach billichen dingen zu vertragen schuldig sein.
                    deßgleichen do das gericht von des eingezogen ordenlichen obrigkait umb liferung
                    des verhaftten gebürlich angesucht wirdt und sich solcher stellung wegert, so
                    stehet dem ordenlichem gericht die injuriclag obsonderlich bevor. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.15"> [Buch IV Titel 108 § 15]<lb/> § 15 Wann aber das gericht
                    ainen seiner jurisdiction in burgerlichen oder peinlichen fällen ordenlich
                    erfordern ließ, auch derselb ungehorsamblich und verechtlich aussenblieb, so mag
                    das gericht auf ihne greifen und ihn zu gericht führen auch nach gelegenheit des
                    handls verhaften lassen, und beweist ihme do er gleich nachmals ledig erkent
                    wirdt damit keinen gewalt. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.108.16"> [Buch IV Titel 108 § 16]<lb/> § 16 Deßgleichen, do das
                    gericht auf einen unbekanten von ambtswegen auf ungehorsambe oder genugsambe
                    indicien greifen ließ, dann es ist ein ieder unbekanter auf gerichtliche
                    erforderung zu erscheinen und dasselbst fur sein gebürende obrigkait zu
                    excipiren schuldig, sonsten kann keinem gericht so gegen ihme mit einziehung der
                    gefenk fortschreit ichtes zugemueth werden. <pb n="Edition 2015 S. 409"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.108.17"> [Buch IV Titel 108 § 17]<lb/> § 17 Deßgleichen, do sich
                    ainer auf sein ordenliche obrigkait nit waigert sondern vor einem frembdem
                    gericht guetwillig einließ, so Kann das ordenlich gericht wider das frembt umb
                    kein injuri clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.18"> [Buch IV Titel 108 § 18]<lb/> § 18 Zum zwelften, beweist
                    man injuri mit reißen oder prachen, als do einer dem anderm sein klaider oder
                    sein wappten aus fursezlicher verachtung abthuet, oder sein und seiner eltern
                    grabstein und epithaphi zerschlegt, oder der obrigkait angeschlagne general- und
                    andere gerichtliche brief, zu verschimpfung des gerichts abreist und vertilgt. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.19"> [Buch IV Titel 108 § 19]<lb/> § 19 Zum dreizehenden, wirdt
                    ain injuri mit der tracht begangen, als do einer dem anderm zu schimpf
                    verechtliche unzimbliche Klaider trueg oder eines andern mit gleichmessiger
                    klaidung zu ungewöhnlicher zeit spott. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.20"> [Buch IV Titel 108 § 20]<lb/> § 20 Zum vierzehenden, do
                    einer des andern wappen tittl ambt und hochait führt, so geschehe gleich aus
                    verachtung oder umb mehrers ansehens wegen, der beweist dem anderm damit ein
                    injuri. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.21"> [Buch IV Titel 108 § 21]<lb/> § 21 Zum funfzehenden, do
                    einem ehrlichem pidersmann aus einem buch darinnen ehrliche leut verzeichnet
                    stehen, als die abschiet- testament- steur- und dergleichen bucher seint, aus
                    fursezlichem muetwillen, als ob derselb bei ehrlichen leuten nit zu gedulten,
                    understreicht austhuet und vertilget, oder entgegen einen unverschuldtner sachen
                    zu desselben oder seines nachkümbling verweisung in ein malefitz puch
                    einschreib, der solle sich mit dem belaidigten solcher injuri halben zu
                    vergleichen schuldig sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.22"> [Buch IV Titel 108 § 22]<lb/> § 22 Zum sechzehenden,
                    welcher dem anderm seine angeborne natturliche mängl verechtlicher weise
                    aufrupft und ihne damit spöllet oder verkleinert, der beweist dardurch ein
                    injuri, dann fur solche tättl kann niemants, al do man einem sein uneheliche
                    gebuert, hinken oder dergleichen mängel zu schimpf und verkleinerung fürwürf. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.23"> [Buch IV Titel 108 § 23]<lb/> § 23 Zum sibenzehenten,
                    welcher einem fur sein wohnung aus fursezlicher verachtung unsaubere sachen legt
                    oder unreines brott ausgeust, der mag umb injuri beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.24"> [Buch IV Titel 108 § 24]<lb/> § 24 Zum achtzehenden,
                    welchem auf freiem markt ohn redlich sachen des kaufen oder verkaufen, item
                    gemeine wait gehülzt pruck weg und steg verboten werden, der mag sich dessen
                    durch injuriclag beschweren. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.108.25"> [Buch IV Titel 108 § 25]<lb/> § 25 Zum neunzehenden, do
                    einem an seinem aigenthumb mit bau anbau arbeit fexung oder dergleichen sperr
                    hindernus oder irrung beschiecht, so mag er den thätter umb gewalt, oder do es
                    ihme gemeinter umb die bewisne injuri verclagen. <pb n="Edition 2015 S. 410"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.108.26"> [Buch IV Titel 108 § 26]<lb/> § 26 Zum zwanzigisten, do
                    etwas verlohren und die inzicht auf ein persohn gelegt und der that aigentlich
                    beschuldigt, dieselb aber hernach unschuldig befunden wirdt, so mag solche
                    persohn umb injuri clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.27"> [Buch IV Titel 108 § 27]<lb/> § 27 Zum ainunzwanzigisten,
                    welcher einer ehrlichen frauen oder junkfrauen mit worten oder werken duch
                    unzimlich weg nach ihren ehren stelt, der mag umb injuri beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.28"> [Buch IV Titel 108 § 28]<lb/> § 28 Zum
                    zweiundzwanzgigisten, welcher den andern auß gesuchter fürsezlichen schmach fur
                    gericht wendt, der beweist ihme ein injuri. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.29"> [Buch IV Titel 108 § 29]<lb/> § 29 Zum dreiundzwanzigiste,
                    welcher einen furgestelten rechtmessigen und genuegsamben burgen nit annehmen
                    will, der mag umb injuri beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.108.30"> [Buch IV Titel 108 § 30]<lb/> § 30 Zum vierundzwanzigisten,
                    welcher wider einen clager oder zeugen als ein untüchtig persohn excipiert und
                    dasselb nit ausfindig macht der ist fur einen injurianten zu halten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.109">
        <head>[Buch IV Titel 109]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=237">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 109. titl. Von denen fällen, welche
                    ainer injuri gleichsehen, aber kein injuriclag geberen. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.1"> [Buch IV Titel 109 § 1]<lb/> § 1 Erstlich, was ein
                    ordenliche obrigkait wider ein persohn mit einziehung verheftung, peinlicher
                    frag, sper, ansatz, einantwortung der gueter oder in ander weg nach inhalt der
                    rechten auch des lants- und gerichtsbrauch fürnimbt handlet und exequirn lest,
                    das tregt durchauß kein vergweltigung noch injuri auf ihme, es were dann sach
                    das die obrigkait wider ordnung handlet, oder der sachen einen excess und zu
                    viel thet, oder aber nit als ein magistrat sondern privatpersohn ainen andern
                    injurirt, alßdann möchte dieselb obrigkait auch in wehrendem ambt umb abtrag der
                    injuri furgenomben werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.2"> [Buch IV Titel 109 § 2]<lb/> § 2 Welcher auf ein gewisse
                    persohn zu schlagen bedacht und ungever ainen andern unfursezlich trifft, der
                    kann umb injuri nit beclagt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.3"> [Buch IV Titel 109 § 3]<lb/> § 3 Deßgleichen, welchen einen
                    andern im vertreulichem hantscherzen belaidigt oder schedigt. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.4"> [Buch IV Titel 109 § 4]<lb/> § 4 Also auch, welcher
                    scherzweise oder aus gueter bekantlicher vertreuligkait oder mit lachetem munt
                    einen andern vexiert stumpfiert tadelt oder an seinen ehren angreifft. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.109.5"> [Buch IV Titel 109 § 5]<lb/> § 5 Item, welcher von einem
                    plintfollem mentschen der sein vernunft nicht brauchen kann an seinen ehren und
                    guetem lebmuht mit worten verlezt wirdt, der kann umb injuri nit clagen. do aber
                    der injuriant allein under den teinken <pb n="Edition 2015 S. 411"/> were und
                    dennoch was er thuet oder lest verstehen, so solle er von der injuriclag nit
                    entbrochen sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.6"> [Buch IV Titel 109 § 6]<lb/> § 6 Deßgleichen, wann ein
                    voller ainen nit mit worten sondern werken, als werfen schlegen verwunden oder
                    andern gleichmessigen thätlichen fällen verlezt, so ist er dem beleidigtem ohn
                    alle underschiet der vollen weiß den erlittnen schaden und spott abzutragen
                    schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.7"> [Buch IV Titel 109 § 7]<lb/> § 7 Do einer vor gericht etwas
                    schriftliches oder müntliches furbringt dardurch er auß erhaischender notturft
                    oder geschaffenhait des geschichts aines andern ehr thugent und gueten lobmueth
                    angreifet, dasselb auch im fall der notturft bescheint oder ausfindig macht, so
                    ist er von aller injuriclag entbunden, dann der sich seiner notturft und
                    rechtens gebrauchet der thuet niemants unrecht. do er aber die ehrrürige
                    einführung nit wahr machet noch dieselb wie sich gebuert darthet, solle der
                    bezeicher solche angelegte schmach ungeacht das sie vor gericht beschehen dem
                    belaidigtem nach gelegenhait seiner civil- oder criminalclag abzutragen schuldig
                    sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.8"> [Buch IV Titel 109 § 8]<lb/> § 8 Wann des geschichts
                    notturft derlei ehrrüerige einführungen nit erfordert, sondern dieselb allein zu
                    verschimpfung oder stumpfierung der parteien beschehen, so haben wir zu
                    hinlegung aller hietz zwitrachts und unrahts welcher auß solchen
                    ehrnverlezlichen libellen mehrmals ervolgt auß lantsfurstlicher volmacht zuvor
                    bei allen gerichten lautere und genuegsambe verordnung gethann, daß solche
                    ehrrüerige schriften anruffen und libellen der gegenpartei nit zugestelt sonder
                    dem furbringenten thail wider hinausgegeben werden sollen mit dem auflag, das er
                    die produciert schriften der ordnung gemeß stelle und die verbotnen einführungen
                    gentzlich abthain und cassiren solle, und do die einführung so grob
                    underschaiden und verweißlich, solle gegen dem producenten auch desselben
                    schriftenmacher mit geburlicher straf nichtsdestoweniger fortgangen werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.109.9"> [Buch IV Titel 109 § 9]<lb/> § 9 Wann ein maleficischer in
                    eines oder des andern wohnungs aufgehabte vermuetungen gesucht aber nit befunden
                    wirdt, so Kann derselb haußherr umb kein injuri Klagen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.109.10"> [Buch IV Titel 109 § 10]<lb/> § 10 Deßgleichen, wann ein
                    herr seine ehehalten oder die fraw ihre dienerin mit worten oder werken
                    zichtigt, so wirdt dardurch kein injuri begangen, dann solches zu erhaltung
                    schuldiger gehorsamb und gueter manzucht erlaubt, doch das hierinnen ain
                    beschaidenhait gebraucht und die gebürlich maß nit uberschritten werde. <pb n="Edition 2015 S. 412"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.110">
        <head>[Buch IV Titel 110]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=242">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 110. titl. Welche persohnen umb injuri
                    clagen mogen. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.1"> [Buch IV Titel 110 § 1]<lb/> § 1 Ein injuri kann nit allein
                    vogtbaren sondern auch unvogtbaren persohnen angelegt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.2"> [Buch IV Titel 110 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, do ein ganze
                    commun gemein oder obrigkait mit ungeburlichen ehrrüerigen worten oder werken
                    angetast würdt, steet derselben die injuriclag bevor, doch das solche clag in
                    gemein und einmahl fur allemahl beschehe, dann nit ein ieder daraus absonderlich
                    zu clagen befuegt. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.3"> [Buch IV Titel 110 § 3]<lb/> § 3 Wann aber injuri kindern
                    bewisen wirdt, so mögen sie fur sich selbst, dann auch die vätter fur ihr
                    interesse besonderbares clagen, und wirdt durch ein clag die ander nit
                    abgeschnitten. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.4"> [Buch IV Titel 110 § 4]<lb/> § 4 Deßgleichen, do ein ehefrau
                    mit worten thatten oder in ander weg geschmecht wirdt, mag sie und ihr eheman
                    welchen solche injuri auch beruert absonderlich clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.5"> [Buch IV Titel 110 § 5]<lb/> § 5 Item, wo eines lantmans
                    underthan mit streichen schlegen oder dergleichen würklichen thatten verlezt
                    wirdt, stehet ihme und dem underthan die injuriclag absonderlich bevor, also
                    auch, wann eines herrn diener und ehehalt mit schlegen angetast wirdt mag der
                    herr fur sein und seines dieners notturft clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.6"> [Buch IV Titel 110 § 6]<lb/> § 6 Wann ainer persohn ein
                    injuri zugefuegt wirdt so raichet dieselb ainer ganzen freuntschaft zu spott und
                    schmach doch stehet die injuriclag der belaidigten persohn allein bevor, die
                    befreundten aber mögen criminaliter absonderlich clagen, damit der thetter umb
                    sein mißhandlung dardurch er gemainen frid gebrochen von obrigkait wegen
                    gestrafft werde. ainigen abtrag aber fur ihr privatinteresse mögen die
                    befreundten nit begeren. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.7"> [Buch IV Titel 110 § 7]<lb/> § 7 Also auch, wann ein burger
                    injurirt wirdt kündt sich die statt oder markt darinnen er haußessig seiner
                    anderer gestalt dann wie obgehört nit annehmen. </p>
        <p xml:id="NA.4.110.8"> [Buch IV Titel 110 § 8]<lb/> § 8 Wann ein verstorbner nach
                    seinem todt injuriert geschmecht oder geschendt wirdt so mögen seine erben umb
                    injuri clagen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.111">
        <head>[Buch IV Titel 111]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=245">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 111. titl. Welche persohnen umb injuri
                    beclagt mogen werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.111.1"> [Buch IV Titel 111 § 1]<lb/> § 1 Umb injuri muessen nit
                    allein die privatpersohnen sonder auch communen und obrigkaiten fueß halten.
                    doch wann ein commun oder obrigkait umb injuri zu verclagen were, solle nit ein
                    idere daraus sonder die ganz communitet oder der <pb n="Edition 2015 S. 413"/>
                    unverscheidenlich magistrat darumben furgenomben werden. do sie auch in einigen
                    abtrag dem injurirten thail erkent würden, sollen die persohnen welche erst nach
                    angelegter injuri in die gemein oder zum ambt komben davon entbrochen sein. </p>
        <p xml:id="NA.4.111.2"> [Buch IV Titel 111 § 2]<lb/> § 2 Wann der injurianten viel
                    weren so mögen sie allsonderlich verclagt werden und solle disfals ein clag der
                    andern nichts nehmen noch proejudicirn. </p>
        <p xml:id="NA.4.111.3"> [Buch IV Titel 111 § 3]<lb/> § 3 Es mögen auch umb bewisne
                    injurien nit allein die injurianten sonder derselben aufwigler anreizer
                    anschaffer besteller rahtgeber mithelfer und beistant und alle die so sich
                    solcher ehrrührigen thatt thailhaftig machen besonders verclagt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.112">
        <head>[Buch IV Titel 112]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=246">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 112. titl. Wie und wasgestalt umb
                    injuri clagt mög werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.112.1"> [Buch IV Titel 112 § 1]<lb/> § 1 Welcher an seinen ehren in
                    einem oder dem anderm fall verlezt worden der mag umb die angelegt injuri
                    civiliter und burgerlich oder criminaliter und peinlich clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.112.2"> [Buch IV Titel 112 § 2]<lb/> § 2 Burgerlich wirdt nach
                    lants- und gerichtsbrauch alßd[ann] geclagt, wann des clägers begern auf ein
                    christlichs abbitten oder ein gewisse aestimirte summa gelts welche dem clager
                    abzutragen gestelt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.4.112.3"> [Buch IV Titel 112 § 3]<lb/> § 3 Do aber umb einen ofnen
                    widerruf oder geltsstraf so der lantsfurstlichen cammer ervolgen solle oder ein
                    extraordinari leibstraf nach erkantnus des gerichts clagt wirdt, so ist solche
                    injuriclag nit fur civil sonder criminal zu halten. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.113">
        <head>[Buch IV Titel 113]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=247">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 113. titl. In welcher persohn election
                    steet burgerlich oder peinlich zu clagen. Ob der cläger burgerlich oder peinlich
                    den injurianten beclagen wolle das solle in seiner und nit des beclagten wahl
                    stehen. deßgleichen mag der cläger sein petition und begeren auf einen oder den
                    andern negstgehörten weg stellen, darinnen solle ihme auch der beclagt weder maß
                    noch ordnung geben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.114">
        <head>[Buch IV Titel 114]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=248">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 114. titl. Ob der cläger burgerlich
                    oder peinlich mitt einander clagen oder mehrerlei abtreg begeren möge. <pb n="Edition 2015 S. 414"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.114.1"> [Buch IV Titel 114 § 1]<lb/> § 1 Der beleidigte tail soll
                    mit zweien pfliegen nit gen acker fahren, noch wider den injurianten
                    doppeltermassen, burgerlich und peinlich, under einsten oder nacheinander
                    clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.114.2"> [Buch IV Titel 114 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, do er
                    burgerlich zu clagen vorhabens, soll er einen ainigen und mit mehrerlei abtrag,
                    nemblichen ein christliches abbitten allein oder aber ein geltstraf allein
                    begeren. </p>
        <p xml:id="NA.4.114.3"> [Buch IV Titel 114 § 3]<lb/> § 3 Also solle auch der offen
                    widerruef allein oder die lantsfürstlich straf allein oder die extraordinari
                    leibstraf allein (: do man criminaliter clagt :) erfordert werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.114.4"> [Buch IV Titel 114 § 4]<lb/> § 4 Do aber der injurirt thail
                    die ergerlich und strafmessig injurihandlung erstlich dem gericht und
                    gerichtliche bestraffung denunciren, ihme auch sein geburende privatclag fur
                    sein interesse austruckenlich vorbehalten thette, so mag er dieselb hernach wohl
                    volführen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.115">
        <head>[Buch IV Titel 115]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=250">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 115. titl. Ob die obrigkait ain injuri
                    straffen möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.115.1"> [Buch IV Titel 115 § 1]<lb/> § 1 Wann die injuri so
                    verweißlich fritprechig und strafmessig nach gelegenhait aller umbstent
                    furkomben und dem beleidigtem nunmehr abtrag und vergnuegung beschehen, so solle
                    dennoch ain iede ordenliche obrigkait nit umbgehen den injurianten obsonderlich
                    am leib oder guet zu straffen, doch das solche straf nit capital noch zum todt
                    sei. </p>
        <p xml:id="NA.4.115.2"> [Buch IV Titel 115 § 2]<lb/> § 2 Do sich auch der verletzer
                    mit der belaidigten partei vergleichen thet, so solle dem gericht abermals
                    bevorstehen den verletzer nach billichen dingen zu straffen, dann der parteien
                    verainigung kann der gerichtlichen hochait nichts benemen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.116">
        <head>[Buch IV Titel 116]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=251">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 116. titl. Wann die injurien
                    underschitlich, ob umb ein iede sonderlich clagt soll werden. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.116.1"> [Buch IV Titel 116 § 1]<lb/> § 1 Do einer under einsten mit
                    underschitlichen schmachworten oder mehrerlei injurien, als worten wierfen und
                    schlegen, angriffen würde, so ordnen sezen und wöllen wir das der belaidigt
                    dieselben injurien alle und iede in einer ainigen unverscheidenlichen
                    clagschriften einbringen und das gericht mit vielerlei libellen und
                    absonderlichen processen nit behelligen solle. <pb n="Edition 2015 S. 415"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.116.2"> [Buch IV Titel 116 § 2]<lb/> § 2 Doch mit diser maß und
                    bescheidenhait wo die injuriwort manicherlei weren so solle dem clager
                    bevorstehen den abtrag der vielfältigen erlitnen injurien an ihnen selbst, als
                    mitt worten und schlegen underschietlich so mag der clager underschietliche
                    abtrag nach derselben gelegenhait, doch in einer ainigen clageschrift begeren.
                </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.117">
        <head>[Buch IV Titel 117]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=252">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 117. titl. Was zu einer injurienclag
                    gehörig. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.1"> [Buch IV Titel 117 § 1]<lb/> § 1 Ein injuriclag erfordert
                    etliche notwendige stuckh: erstlichen sollen die angelegten injuriwort
                    formaliter und eben mit dem inhalt wie sie durch den injurianten beschehen ind
                    die clag verleibt werden. dann do sich einer in gemein das er an seinen ehren
                    verlezt worden beclagt, aber die injurien nit specificiert noch erleuttern
                    kündt, so ist sein clag nichtig. deßgleichen, do der cläger mit denen erlitnen
                    injuriworten wechslen thuet und von einer mainung auf die andere fiel, so kann
                    sein ungewisse clag nit beschehen. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.2"> [Buch IV Titel 117 § 2]<lb/> § 2 Zum anderen, soll in der
                    clagschriften das ort der angelegten injuri vermeldt werden, dann die injuri
                    seint nach gelegenhait der örter underschietlich, auch an einem ort
                    verweislicher als an dem anderm. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.3"> [Buch IV Titel 117 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, soll jhar und
                    tag der bewisnen injuri specificiert werden, angesehen das die injurien zu einer
                    zeit grösser und strafwürdiger sein als zu der andern. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.4"> [Buch IV Titel 117 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, soll der
                    injuriert die gelegenhait seines stants und würden nit verhalten, dann nach
                    gelegenhait seiner persohn mues die injuri gemessigt werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.5"> [Buch IV Titel 117 § 5]<lb/> § 5 Zum funften, solle der
                    injuriert anzaigen, in welcher persohnen gegenwürt ihme die injuri angelegt
                    worden, dann die gelegenhait der umbstenden und anhörenden persohnen pflegt ein
                    injuri auch zu scherpfen. </p>
        <p xml:id="NA.4.117.6"> [Buch IV Titel 117 § 6]<lb/> § 6 Zum sechsten, wann die
                    injuri thätlich ist so solle eingeführt werden, wohin die stöß wierf oder schleg
                    geschehen und mitt wehe, dann ein ortt gefährlicher als der ander so ist auch
                    ein instrument zu tötlicher gevar gerimbter als ander. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.117.7"> [Buch IV Titel 117 § 7]<lb/> § 7 Das ist aber bei der
                    clagschriften einzuführen unnoth, das der injuriant die injuri geverlicherweise
                    und in mainung den injurirten dardurch zu schmachen gethan hab, dann solches
                    tregt die aigenschaft und natur der injuri selbst auf ihr, und ist ein iede
                    ehrnsverletzung fur geverlich arg und ehrrührig zu halten, es beweise dann der
                    thätter das ers anderer gestalt vermaint hab <pb n="Edition 2015 S. 416"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.117.8"> [Buch IV Titel 117 § 8]<lb/> § 8 Also ist auch kein notturft
                    in die clagschriften zu verleiben, das der cleger nach angefhörter clag die
                    injuri-wort zu gemüht geführt und offentlich protestiert dieselb ungeantt nit
                    hingehen zu lassen. dann do einer gleich solches vermelden wider den
                    ehrenverlezer nit thet, so stehet ihme darnach einen weg als den andern die
                    injuriclag bevor. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.118">
        <head>[Buch IV Titel 118]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=255">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 118. titl. Ob man durch ainen
                    gewalttrager umb injuri clagen möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.118.1"> [Buch IV Titel 118 § 1]<lb/> § 1 Dem bißhers erhaltenem und
                    practicirtem lantsbrauch nach mag ein injurirte persohn ihr injuriclag, sie
                    werde gleich bürgerlich oder peinlich furbracht, durch einen gewalttrager vor
                    gericht handlen und biß zum erst volführen. </p>
        <p xml:id="NA.4.118.2"> [Buch IV Titel 118 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen mag der
                    injuriant sein defension durch einen procurator oder gewalttrager furbringen
                    lassen. </p>
        <p xml:id="NA.4.118.3"> [Buch IV Titel 118 § 3]<lb/> § 3 Doch ist von nötten, wann
                    die ladung produciert wirdt, auch das enturtel ergehet, das die principalen
                    selbst vor gericht in aigener persohn erscheinen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.119">
        <head>[Buch IV Titel 119]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=256">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 119. titl. Vor welchem gericht umb
                    injuri clagt werden soll. </p>
        <p xml:id="NA.4.119.1"> [Buch IV Titel 119 § 1]<lb/> § 1 Unsere lantleut geistlich
                    und weltlich, sie seint gleich clager oder anclagt, sollen ihr habende
                    injurispruch nindert anderst als vor unserer regierung der n. o. landen wie von
                    alters herkomben in ordinari hofrechten gegen einander ausführen. </p>
        <p xml:id="NA.4.119.2"> [Buch IV Titel 119 § 2]<lb/> § 2 Doch behalten wir uns aus
                    lantsfurstlicher volmacht hiemit bevor nach gelegenhait der persohnen und
                    angelegten injurien solche ehrnhendl auf das summari-rechten zu weisen und
                    dieselben durch offen verhör oder schleinigen extraordinari-proceßs vor
                    ehegemelter unserer n. o. regierung abhandlen zu lassen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.120">
        <head>[Buch IV Titel 120]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=257">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 120. titl. Wie die injurien bewisen
                    werden und welcher thail die weisung führen solle. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.120.1"> [Buch IV Titel 120 § 1]<lb/> § 1 Wann der beclagt thail dem
                    clager der zugefuegten injuri durchaus oder furgebrachtermassen nit gestendig,
                    so solle dem cläger sein clag wie recht ist zu beweisen auferlegt werden, doch
                    dem beclagtem sein gegenweisung vorbehalten. <pb n="Edition 2015 S. 417"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.120.2"> [Buch IV Titel 120 § 2]<lb/> § 2 Wann aber der beclagt der
                    injurien gestendig, und zu vermeinter entschuldigung fürgeb er hette dieselb nit
                    arger mainung noch animo injuriandi gethan, so soll ihme die haubtweisung
                    zustehen, dann die vermuetung disfals ihne gleichsfals, wann der beclagt
                    furbrechte, er hette mit dem clager im gueten vertrauen gescherzt, soll er
                    solches beweißlich machen. </p>
        <p xml:id="NA.4.120.3"> [Buch IV Titel 120 § 3]<lb/> § 3 Es kann aber der injurirt
                    thail die vermaint injuri mit seinen negsten befreundten nit beweislich machen,
                    dann weil sie die injuri auch beruert seint sie verdechtlich. </p>
        <p xml:id="NA.4.120.4"> [Buch IV Titel 120 § 4]<lb/> § 4 Es hat auch in ainiger zeug
                    neben des clägers ait zu erstattung der unvolkombnen weisung in disen
                    injurihandlungen nit stat. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.121">
        <head>[Buch IV Titel 121]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=259">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 121. titl. Wie lang umb injuri clagt
                    werden möge. </p>
        <p xml:id="NA.4.121.1"> [Buch IV Titel 121 § 1]<lb/> § 1 Welcher in einem oder dem
                    anderm weg injurirt worden, der soll sein clag do er einige furzubringen
                    vorhabens innerhalb jharsfrist bei gericht producirn und anhengig machen,
                    sonsten wirdt er ferrer nit zugelassen. </p>
        <p xml:id="NA.4.121.2"> [Buch IV Titel 121 § 2]<lb/> § 2 Solches jhar aber solle von
                    dato der angeregten injuriengerait werden es were dann sach das ein ehrlicher
                    pidersmann nit gegenwertig sondern abwesent geschmecht und an seinen ehrn
                    verlezt würdt, dann in solchem fall solle das jhar zu der injuriclag deputiert
                    erst von der zeit an laufen in welcher der belaidigt solcher angelegter injuri
                    erinnert worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.122">
        <head>[Buch IV Titel 122]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=260">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 122. titl. Ob die erben des injurirten
                    clagen mogen. </p>
        <p xml:id="NA.4.122.1"> [Buch IV Titel 122 § 1]<lb/> § 1 Wann der injurirt thail ehe
                    und zuvor er den injurihandl rechtsanhengig macht oder der Krieg befestiget
                    wirdt mit todt abgeet, so ist die injuri erloschen und Künnen seine erben ferrer
                    nit mehr clagen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.122.2"> [Buch IV Titel 122 § 2]<lb/> § 2 Wann aber die litis
                    contestation noch in seinen lebszeiten beschehen, so mügen die erben dieselb
                    injuri-sachen biß zu ent ausführen. <pb n="Edition 2015 S. 418"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.123">
        <head>[Buch IV Titel 123]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=261">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 123. titl. Ob wider des injurianten
                    erben clagt mög werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.123.1"> [Buch IV Titel 123 § 1]<lb/> § 1 Gleichermassen, wann der
                    injuriant ehe und zuvor wider ihne clagt oder der injuri-strit vor gericht
                    befestigt worden mit todt abgeet, so kann der injuriert thail wider seine erben
                    ferrer nit clagen. </p>
        <p xml:id="NA.4.123.2"> [Buch IV Titel 123 § 2]<lb/> § 2 Do aber der injuriant erst
                    nach verfangnem krieg und der gerichtlichen litis contestation ableibt, so mag
                    der beleidigt wider seine erben den angefangnen und befestigten rechtstrit wohl
                    zu ent ausführen. </p>
        <p xml:id="NA.4.123.3"> [Buch IV Titel 123 § 3]<lb/> § 3 Und solches solle, es werde
                    gleich umb die injuri civiliter oder criminaliter clagt, statt haben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.124">
        <head>[Buch IV Titel 124]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=262">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 124. titl. Welch injurien verweislicher
                    sein, und von denen umbstenden so ein injuri scherpfen. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.1"> [Buch IV Titel 124 § 1]<lb/> § 1 Der injurien sein etliche
                    gemeine, etliche aber atroces und hoch verbrüchig. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.2"> [Buch IV Titel 124 § 2]<lb/> § 2 Die hohen injurien werden
                    furnemblich aus viererlei umbotenden gescherpft: erstlichen nach gelegenhait der
                    persohnen, dann der einen geistlichen injurirt der vergreift sich mehrers als do
                    er ain weltliche persohn belaidiget. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.3"> [Buch IV Titel 124 § 3]<lb/> § 3 Item, der ein obrigkait
                    schmahet der handlet verweißlicher als do er ein privatpersohn angetast hette </p>
        <p xml:id="NA.4.124.4"> [Buch IV Titel 124 § 4]<lb/> § 4 Item, alle injurien welche
                    eltern oder dergleichen ehrnswürdigen persohnen beschehen werden fur grober und
                    grösser als andere gehalten. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.5"> [Buch IV Titel 124 § 5]<lb/> § 5 Item, wann ein blutsfreunt
                    den andern schmecht. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.6"> [Buch IV Titel 124 § 6]<lb/> § 6 Item, ein diener seinen
                    herrn, oder ein dienerin ihre frawen, oder ein underthan seinen gruntherrn, ein
                    undergebner seinen oberherrn. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.7"> [Buch IV Titel 124 § 7]<lb/> § 7 Zum andern, wirdt ein
                    injuri vor der andern der zeit halber beschwerlicher gehalten als do einer auf
                    einem landtag oder bei vielen ehrlichen leuten oder in ander gemeinen
                    versamblungen oder bei dem gottsdienst oder auf freiem markt oder in wehrender
                    freiungs-zeit injurirt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.8"> [Buch IV Titel 124 § 8]<lb/> § 8 Zum dritten, wirdt ein
                    injuri nach beschaffenhait des orts daran sie beschehen aggraviert, als da einer
                    vor gericht oder in einem freihaus oder auf freier gassen oder in einem
                    gottshaus geschmacht wirdt. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.124.9"> [Buch IV Titel 124 § 9]<lb/> § 9 Zum virten, wirdt ein
                    injuri mit der that gescherpft, dann die thetlichen injurien seind strafwürdiger
                    als die wortlichen. <pb n="Edition 2015 S. 419"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.124.10"> [Buch IV Titel 124 § 10]<lb/> § 10 Item, die thätlichen
                    injurien werden nach gelegenhait des leibglits grösser und gröber. </p>
        <p xml:id="NA.4.124.11"> [Buch IV Titel 124 § 11]<lb/> § 11 Wann auch der
                    injurianten viel und die inzichten hoch weren, so soll der abtrag umb so viel
                    höcher passiert und hierinnen zu erhaltung gleichhait frit und gueter manzucht
                    niemants verschont werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.125">
        <head>[Buch IV Titel 125]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=265">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 125. titl. Ob etliche umbstant ein
                    injuri entschuldigen oder nit. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.1"> [Buch IV Titel 125 § 1]<lb/> § 1 Wann ein injuriant zu
                    seiner vermeinten purgation fürgeb, das injurirt thail hette die injuri nit
                    persöhnlich abgehört, were auch nit gegenwertig gewesen, so solle ihne dise
                    entschuldigung nichts furtragen, dann die injurien werden sowohl abwesent als
                    gegenwertig bewisen. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.2"> [Buch IV Titel 125 § 2]<lb/> § 2 Item, die vollweiß solle
                    keinen injurianten wie obens vernomben entschuldigen, es were dann die
                    trunkenhait so groß das der bezecht Keinen vor den andern kent oder kein
                    discretion des guetens oder bösens mehr gehabt hette. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.3"> [Buch IV Titel 125 § 3]<lb/> § 3 Item, der zorn kann keinen
                    injurianten purgiern, dann die injurien geschehen gemeinlich auß vorlaufendem
                    grimmen. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.4"> [Buch IV Titel 125 § 4]<lb/> § 4 Item, do einer dem andern
                    ausser gerichts etwas schmechtlichs bezeugt das gleichwohl war und beweislich,
                    dennoch soll der bezeuger von der injuri nit entprochen sein. dann do einer
                    under ehrlichen leuten nit zu laiden sondeern ein böses stuckh auf ihm hette,
                    soll der wissent thail solches vor gericht anten und wie sich gebüert clag- oder
                    denunciation-weise wider den schuldigen ausführen. ainem aber seine laster oder
                    verprechen ausser gericht schmachweise zu verheben ist Keiner zu erhaltung
                    gemeins frids, und damit man [von] den worten nit zu thatten Komb auch mortt
                    oder andere unraht daraus ervolg, befuegt. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.125.5"> [Buch IV Titel 125 § 5]<lb/> § 5 Item, wann der injuriant
                    furgeb der injuriert thail habe ihne zuvor gescholten, so leidet doch kein
                    injuri gegen der andern ein compensation, dann hinwider zu schmachen ist keiner
                    weder in continenti und alßbalt noch ex intervallo befuegt. sein ehr aber mag
                    ein ieder mitt retorsionworten ohn gegenschmahung wohl retthen und defendirn,
                    als an biß selbst der oder diser biß du es auf mich wahr machst, oder du redts
                    kein wahrheit oder dergleichen. <pb n="Edition 2015 S. 420"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.125.6"> [Buch IV Titel 125 § 6]<lb/> § 6 Item, do der injuriant
                    fürgeb er hette den injurirten nit kennt oder nit gewist das er diser oder
                    jhener gewesen, so kann ihme solcher ausflucht auch keinen behelf geben. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.7"> [Buch IV Titel 125 § 7]<lb/> § 7 Item, das der injurirt die
                    angehört injuri nit offentlich protestirt solle dem injurianten auch keinen
                    behelf machen, dann die notwendiglich nit von nötten. </p>
        <p xml:id="NA.4.125.8"> [Buch IV Titel 125 § 8]<lb/> § 8 Item, wann der injuriant
                    die injuri straks oder hernach zu entschuttung seiner injuriclag widerruffet und
                    furgeb er hett dem injurirten unrecht gethan, wust nichts anderst dann ehe liebs
                    und guets von ihme, so thuet er sich doch mit solcher revocation von der
                    geburenden gewalts-klag nit entprechen, dann ein angelegte injuri lest sich nit
                    ausser gericht sonder vor gericht widerruffen, es wolle dann der injuriert
                    dieselb also guetlich und guetwillig annehmen, doch dem gericht sein straf
                    unbenomben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.126">
        <head>[Buch IV Titel 126]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=268">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 126. titl. Aus welchen ursachen die
                    injuriclag fallen. </p>
        <p xml:id="NA.4.126.1"> [Buch IV Titel 126 § 1]<lb/> § 1 Die injuriclag fallen aus
                    etlichen rechtmessigen ursachen: erstlichen, wann in jharsfrist nit clagt wirdt,
                    als oben vernomben. </p>
        <p xml:id="NA.4.126.2"> [Buch IV Titel 126 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, do der injurirt
                    thail mit dem injurianten ehe und zuvor die injuriclag gerichtsanhengig worden
                    isst trinkt oder in ander weg mit ihme gemeinschaft helt. do er der injuriert
                    und der injuriant auf ainer lantschaft zusambenkomben und ihrenthalben
                    dasselbest plieben, so wirdt dardurch die injuriclag nit todt noch ab.
                    deßgleichen, wann die clag nunmehr einkomben, so felt sie durch dergleichen
                    bewohnung und conversation nit. </p>
        <p xml:id="NA.4.126.3"> [Buch IV Titel 126 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, wann der
                    injurirt thail dem injurianten in einem oder dem anderm weg dienstlich
                    erscheint, so wirdt die injuri dardurch dissimuliert und vergeben. </p>
        <p xml:id="NA.4.126.4"> [Buch IV Titel 126 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, mögen sich
                    baide thail der bewißnen injuri halben außer gericht mit einander vergleichen
                    und solche vereinigung die injuriclag aufheben, es sei gleich die injuri
                    gerichtsanhengig worden oder nit. doch stehet dem gericht wo die injuri so groß
                    und verweißlich, einen weg als den andern die straf bevor. </p>
        <p xml:id="NA.4.126.5"> [Buch IV Titel 126 § 5]<lb/> § 5 Deßgleichen, do sich der
                    beleidigt thail der injuri guetwillig begeben, so stehet ihme dennoch bevor
                    seine derwegen erlitne uncosten und schäden bei dem injurianten zu ersuchen, er
                    hette sich dann derselben austrüklich begeben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.127">
        <head>[Buch IV Titel 127]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=270">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 127. titl. <pb n="Edition 2015 S. 421"/> Von praescriptionen und verjhärungen, auch in was fällen und guetern die
                    verjhärung statthab. </p>
        <p xml:id="NA.4.127.1"> [Buch IV Titel 127 § 1]<lb/> § 1 Die haab und gueter so
                    proescribirt und verjhärt werden sein dreier underschitlichen arth und
                    aigenschaft: etliche beweglich und vahrende, etliche ligende und unbewegliche,
                    etliche seint anspruch recht und gerechtigkaiten so jura und actiones genent
                    werden. </p>
        <p xml:id="NA.4.127.2"> [Buch IV Titel 127 § 2]<lb/> § 2 Die vahrenden haab und
                    gueter werden mit dreien jharen so straks ohn ainigen underpruch nach einander
                    laufen ersessen, dann welcher eines vahrenden oder beweglichen guets mit
                    aufrichtigem glauben und tittl drei ganze jhar im inhabern nutz und gebrauch
                    ist, der soll damit des selben guets volkombnes aigenthumb ersessen haben und
                    ist von dem rechten herrn so dasselb guet ansprüchig macht in craft der
                    dreijharigen ersitzung allerdings entbrochen, ungeacht das er seinen gaber nit
                    mehr benennen noch stellen Kündt. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.128">
        <head>[Buch IV Titel 128]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=272">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 128. titl. Was zu solcher dreijhärigen
                    ersitzung gehörig. </p>
        <p xml:id="NA.4.128.1"> [Buch IV Titel 128 § 1]<lb/> § 1 Zu solcher dreijhärigen
                    ersitzung aber seint etliche stuckh notwendig: erstlich bona fides, nemblichen
                    das der so sich derselben ersitzung betragen will solches beweglicher haab und
                    guet mitt erbarm bestendigem glauben an sich gebracht, also das er anderst nicht
                    gewist, dann das die persohn von welcher er solches haab und guet uberkomben
                    desselben rechter herr gewesen, das ers auch zu verwenden recht und macht
                    gehabt, dann da er dessen ein wißen, das sein gaber des von sich gegeben haab
                    und guets kain aigenthumber were, dasselb auch ohn gewalt fueg und recht
                    verhandlet, so kan er solches an sich gebrachtes guet nit ersitzen, sonder ist
                    daßelb dem rechtem herrn auf sein ersuchen sowohl nach dreien als vor dreien
                    jharen ohn einige widergeltung abzutretten schuldig. doch stehet ihme gegen
                    seinen gaber der regress in alweg bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.128.2"> [Buch IV Titel 128 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, ist ein
                    botturft das der ersitzer solches haab und guet nit allein mit guetem glauben
                    sondern auch rechtmessiger ankonft und erbarn titl erlangt und erobert, als
                    durch kauf wechsel heurat-vermächt und lezte willen, verträg schanknus und was
                    dergleichen aigenthumbliche ubergaben mehr seint. dann ohn derlei titl hat die
                    dreijhärig ersitzung nit craft. do er nun sein inhabung obgehörtermassen nit
                    justificirn Kunt sondern das haab und guet von frembden <pb n="Edition 2015 S. 422"/> schulden ohn allen eigenthumblichen titl fueg und
                    recht gebraucht het, so ist er dasselb dem rechtem herrn ungehindert der
                    abgelofnen dreijhärigen zeit abzutreten schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.128.3"> [Buch IV Titel 128 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, ist von nötten
                    das solches haab und guet nit vicios sei noch einiges unbilt auf ihme hab. dann
                    die entfrembden gerhaubten oder mit gewalt abgedrungen beweglichen haab und
                    gueter seint keiner verjhärung fehig, deßgleichen bewegliche fiscal-commun- und
                    kirchengueter. </p>
        <p xml:id="NA.4.128.4"> [Buch IV Titel 128 § 4]<lb/> § 4 Zum vierten, wirdt
                    erfordert das solche ersitzung continuirt sei, das auch dise possedirt haab und
                    guet in obbemelten dreien jharen aus des inhabers oder seines erben gewaltsamb
                    in andere hent nit komben noch die dreijhärig possess durch gerichtliche clag
                    underprochen worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.129">
        <head>[Buch IV Titel 129]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=275">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 129. titl. Von ersitzung der ligenden
                    gueter. Welcher ein ligents guet wie das alte herkomben und der uhralt
                    lantbrauch in Österreich under der Ennß vermag zweiunddreissig jhar nach
                    einander besitzt nuzt und braucht, derselb oder seine erben und nachkomben
                    ersitzen durch solche langwürige und unzerbrochne inhabung desselben guets
                    gewehr recht und aigenthumb also und dergestalt, do gleich iemants solches guet
                    hernach ansprechig machet und der inhaber oder seine erben sein alt habende
                    possession mit keinem tittl bescheinen kundt, so mag er sich dennoch seines
                    ersesnen aigenthumbs betragen und dem cläger die præscription oder verjhärung
                    opponiern, sich auch dardurch von der clag entbrechen. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.130">
        <head>[Buch IV Titel 130]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=276">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 130. titl. Was zu solcher praescription
                    von nötten. </p>
        <p xml:id="NA.4.130.1"> [Buch IV Titel 130 § 1]<lb/> § 1 Wiewohl die geschribnen
                    rechten von diser langwürigen ersitzung ausführlich handlen, so wöllen wir doch
                    aus lantsfürstlicher volmacht dise sachen auf die lantsarth einziehen und zu
                    einem erbarn billichen weg richten. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.130.2"> [Buch IV Titel 130 § 2]<lb/> § 2 Nemblichen also, wo ein
                    inhaber oder sein nachsidl sein langwürige erseßne gerechtigkait neben der
                    proescription mit andern briflichen uhrkunden bescheinen oder seinen habenden
                    tittl mit lebendiger kuntschaft beweisen kündt, so solle er solcher bescheinung
                    oder weisung ungeacht der allegierten ersitzung nit <pb n="Edition 2015 S. 423"/> entprochen sein, dann dardurch kombt der grunt umb so viel mehrers an tag und
                    werden die gueter mit besserem gewißen besessen, auch denen strittigen thailen
                    auf solche lauterkait zu oder aberkent </p>
        <p xml:id="NA.4.130.3"> [Buch IV Titel 130 § 3]<lb/> § 3 Do aber der beclagt mit
                    keinerlei lebendigen weisung noch briflichem schein gefast were und solchen
                    mangl mit seinem ait der gevär wahr machet, so mag er sich der proescription
                    allein behelfen und damit der clag entgeen, dann under ehrlichen lant- und
                    pidersleuten vermuetlich das sie solches guet erbarlich und redlich an sich
                    gebracht. </p>
        <p xml:id="NA.4.130.4"> [Buch IV Titel 130 § 4]<lb/> § 4 Do aber der cläger das
                    widerspiel darbringen oder ausfindig machen kundt das der inhaber solches
                    strittig guet mit gewalt abtrang oder in ander verbotten und strafmessig weg
                    erobert, so solle ihme zu erhaltung erbarkeit und gutter mannzucht sein
                    langwürige ersitzung nit furtragen, sondern do er mit gegenweisung nit gefast
                    und sein unschult nit dociern kan, soll er solches ligents guet abzutretten
                    schuldig sein sambt erstattung der aufgehebten nutzung von dato der volführten
                    und eröfneten weisung an zu raiten. </p>
        <p xml:id="NA.4.130.5"> [Buch IV Titel 130 § 5]<lb/> § 5 Insonderhait ist auch bei
                    diser zweiundreissig jharen proescription von nötten das die langwierig
                    ersitzung continirt sei und nie underprochen worden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.131">
        <head>[Buch IV Titel 131]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=279">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 131. titl. Von verjhärung der actionen
                    sprüchen rechten und gerechtigkaiten. </p>
        <p xml:id="NA.4.131.1"> [Buch IV Titel 131 § 1]<lb/> § 1 Die actionen und
                    anforderungen sein zweierlei: etliche realische, die andern persöhnliche spruch. </p>
        <p xml:id="NA.4.131.2"> [Buch IV Titel 131 § 2]<lb/> § 2 Die realischen actionen
                    welche einer zum guet hat die verjhären sich obgehörtermassen in zweiunddreissig
                    jharen, dann in solcher langwürigen zeit hatt ainer raumb und frist genueg sein
                    notturft rechtsanhengig zu machen, do ers dann underlest so ist der schad sein,
                    dann die obrigkaiten komben denen wachenden und nit den schlaffenden zu hülf. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.131.3"> [Buch IV Titel 131 § 3]<lb/> § 3 Gleichsfals, welcher zu
                    einen andern persöhnliche spruch, als umb dargelichnes gelt schulden kheuf
                    bestant wexl vermecht vertrag oder dergleichen contract hat, derselb oder seine
                    erben und nachkomben seint solche ihre habende persöhnliche anforderung inner
                    zweiunddreissig jharen rechtsanhengig zu machen schuldig. dann do sie solche
                    langwürige zeit verabsamen, sollen durch ihr selbst nachlessigkait und
                    verschlofne clag ihr habende spruch gefallen todt und ab sein, sonsten würden
                    die krieg unsterblich und wer kein frit noch gewishait des aigenthumbs im lant,
                    welches wohl zu verhueten. <pb n="Edition 2015 S. 424"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.131.4"> [Buch IV Titel 131 § 4]<lb/> § 4 Was aber die andern rechten
                    und gerechtigkaiten, als dinstbarkeiten servituten wiltpanen fischwait gehülz
                    gejaider, groß und klein zehent, gruntrecht vogtrecht und dergleichen
                    unsichtbare jura anlangt, die werden nach geschribner rechten ausweisung zu
                    underschitlichen jharen ersessen und proescribiert. </p>
        <p xml:id="NA.4.131.5"> [Buch IV Titel 131 § 5]<lb/> § 5 Wir wollen aber nach altern
                    herkomben und lantbrauch dieselben fäll alle und iede in ein gleichmessige
                    sazung gezogen und aus lantsfürstlicher volmacht hiemit gesezt und geordnet
                    haben: welcher lantman er sei gleich geistlich oder weltlich umb dergleichen
                    recht oder gerechtigkaiten zu sprechen hat, das er oder sein nachsidl solches
                    innerhalb zweiunddreissig jharen thain und sein vermeintes jus in der zeit
                    rechtsanhengig machen soll. dann do solches in ieztgehörter zeit nit beschech,
                    sollen seine spruch hernach gefallen sein und der beclagt, do er sich anderst
                    seiner habenden erseßnen gerechtigkaiten betragen und die proescription dem
                    clager furwerfen wirdt, ledig und muessig erkent, auch bei seiner ersitzung mit
                    recht wider alle ansprecher hantgehabt werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.132">
        <head>[Buch IV Titel 132]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=282">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 132. titl. In welchen fällen die
                    verjhärung nit stathat. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.1"> [Buch IV Titel 132 § 1]<lb/> § 1 Die verjhärung hat erstlich
                    wider unsere lantsfurstliche fiscal- und cammergueter nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.2"> [Buch IV Titel 132 § 2]<lb/> § 2 Deßgleichen, wider unsere
                    lantsfurstliche regalien hochaiten und freihaiten. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.3"> [Buch IV Titel 132 § 3]<lb/> § 3 Item, wider unsere
                    lantsfurstliche gerechtigkaiten auf und ahnlagen, als steur robat dienst mant
                    aufschleg und dergleichen </p>
        <p xml:id="NA.4.132.4"> [Buch IV Titel 132 § 4]<lb/> § 4 Item, do einer ein
                    lehenguet gar oder zum thail ohn unsern consens verkauft oder sonsten verendert,
                    so kann der inhaber dasselb lehen nit proescribiren, es stehet ihme aber sein
                    regress gegen seinem gaber bevor. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.132.5"> [Buch IV Titel 132 § 5]<lb/> § 5 Item, alle
                    herrn-anforderung, als gruntdienst zehent perkrecht robat und dergleichen
                    dienstbarkeiten kan kein underthan noch holt wider seinen herrn proescribirn,
                    dann do gleich ein underthan derlei anforderung in zweiunddreissig jharen nit
                    geraicht noch verricht, so macht er ihme doch oder seinen nachkümblingen
                    dardurch kein exemption, sonder ist auf seines herrn begehrn ungeacht verlofner
                    jharen die algemeine lantpreuchig dienstbarkeit zu laisten schuldig, es were
                    dann sach das er fur eine oder die andere herrens-anforderung austrukenlichen
                    befreit were. <pb n="Edition 2015 S. 425"/>
        </p>
        <p xml:id="NA.4.132.6"> [Buch IV Titel 132 § 6]<lb/> § 6 Item, die entfrembden
                    entwendten abgedrungen und vergweltigten haab und gueter leiden ihres obligenden
                    mangels halben solang kein verjhärung biß sie aus aller frembden inhaber handen
                    in ihres rechten herrn gewaltsamb widerumb komben. derwegen, do einer gleich
                    derlei gueter bona fide und unbewist solcher mengl durch khauf oder in andere
                    rechtmessige weg an sich precht, so kündt ers dennoch mit proescribiren sonder
                    were dieselben dem rechtem herrn auf sein ersuchen abzutragen schuldig. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.7"> [Buch IV Titel 132 § 7]<lb/> § 7 Item, so hat die verjhärung
                    in allen geistlichen geweichten haab und guetern, als kirchen capellen klöstern
                    kirchhöfen gottsackern spittahlen kirchenzier und dergleichen sachen nit statt. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.8"> [Buch IV Titel 132 § 8]<lb/> § 8 Item, der weibsbilder
                    heuratgueter, res dotales genant, do sie von dem mann durch contract oder ander
                    weg in frembde hent komben, seint ainiger verjhärung nit fertig. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.9"> [Buch IV Titel 132 § 9]<lb/> § 9 Item, wider einen pupillen
                    oder minderjhärigen lauft kein proescription so lang und viel biß er seine
                    vogtbarn jhar erreicht und fur vogtbar erkent wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.10"> [Buch IV Titel 132 § 10]<lb/> § 10 Item, alle persohnen
                    welche ein guet nit ihnen sondern andern persohnen besitzen, als fruchtgeniesser
                    pfantschafter bestantleut pfleger verwalter gerhaben curatorn sequestratorn und
                    dergleichen persohnen, die mögen solch guet nit proescribirn. </p>
        <p xml:id="NA.4.132.11"> [Buch IV Titel 132 § 11]<lb/> § 11 Item, wider die
                    persohnen so bei dem feint gefangen oder gemeines nutz halben abwesent kan kein
                    proescription laufen. </p>
        <p/>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.133">
        <head>[Buch IV Titel 133]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=286">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 133. titl. Wie die verjhärlich zeit zu
                    verstehen und in was fallen dieselb stilstee und verwürklich sei. Die
                    zweiunddreissig jhar welche zu einer proescription nach altem herkomben und
                    lantsbrauch genugsamb seint sollen nach einander ohn einichen underpruch laufen
                    und in solcher zeit feir- und werchtäg gereicht werden. doch wo ein krieg
                    sterbenslauf oder andere lantsnot und algemeiner unfall in solche laufende
                    verjhärung zeit einfiel, auch dardurch die gericht gespert oder eingestelt
                    würden, so solle dieselb zeit unwürklich sein und von der verjhärung abgezogen
                    werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.134">
        <head>[Buch IV Titel 134]</head>
        <p> [<ref
            target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=287">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 134. titl. <pb n="Edition 2015 S. 426"/> Ob die verjhärungsgerechtikait von einem auf den anderen Komb. </p>
        <p xml:id="NA.4.134.1"> [Buch IV Titel 134 § 1]<lb/> § 1 Wann einer ein guet
                    verkauft oder sonsten bona fide verhandlet deßen er in würklicher ersitzung
                    gestanden aber dieselb noch nit compliert noch volkombenlich erfüllet, so
                    ubergibt er solches guet sambt seiner erseßnen verjhärungsgerechtigkait seinem
                    nachkömbling. </p>
        <p xml:id="NA.4.134.2"> [Buch IV Titel 134 § 2]<lb/> § 2 Es ist auch der neu inhaber
                    dieselb verjhärung von neuem anzufangen nit schuldig sondern mag sich seines
                    vorsidels verlofner zeit billich betragen. </p>
        <p xml:id="NA.4.134.3"> [Buch IV Titel 134 § 3]<lb/> § 3 Gleichermassen transferirt
                    solche zeit ein ieder geschaftherr oder vorforder auf seine erben und
                    erbenserben. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4.135">
        <head>[Buch IV Titel 135]</head>
        <p> [<ref target="http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=chs&amp;datum=0007&amp;page=288">SlgChor. Faksimile</ref>] <lb/> Der 135. titl. Von underpruch der
                    verjhärung. </p>
        <p xml:id="NA.4.135.1"> [Buch IV Titel 135 § 1]<lb/> § 1 Die verjhärungszeit wirdt
                    durch etliche fell underprochen: erstlichen, wann der inhaber vor erfülter
                    verjhärung die possess verleurt oder derselben entsezt wirdt. </p>
        <p xml:id="NA.4.135.2"> [Buch IV Titel 135 § 2]<lb/> § 2 Zum andern, wann einer das
                    haab und guet so in verjhärung steet rechtsanhengig macht und desselben
                    abtrettung von dem inhaber begehrt, so wird durch ladung und clag die verjhärung
                    interrumpiert und geprochen, würkett auch alle nachvolgende zeit zu ferrer
                    proescription gar nichts, es were dann sach daz der cläger des strits abstuent
                    und hernach andere zweiunddreissig jhar volkombenlichen verstrichen. </p>
        <p xml:id="NA.4.135.3"> [Buch IV Titel 135 § 3]<lb/> § 3 Zum dritten, wann der
                    inhaber ausser lants und nit zu betretten were, so möchte die interruption durch
                    ein gerichtsanmelden geschehen. </p>
        <p
            xml:id="NA.4.135.4"> [Buch IV Titel 135 § 4]<lb/> § 4 Zum virten, wann einer dem
                    anderm gelt zu thain we[re] und ehe sich die schultanforderung verjhäret etwas
                    daran in abschlag zahlet oder darumb burgschaft thette, so wirdt die verjhärung
                    dardurch underbrochen. <pb n="Edition 2015 S. 427"/> [neues Blatt] Volgen die
                    titl der vorstehunden vier underschiedlichen bucher. In Hinblick auf das
                    Inhaltsregister des Kopisten ­ anschließend ­ nicht abgedruckt (vgl. o.
                    Einleitung ....). </p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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