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WIR Ludwig von Seyn, Graue zu Witgenstein, vnd [Raubriter] Herr zu
Homburgk etc. Entbieten allen unsern Amptleuten, Rethen,
Renthmeistern, Schultheißen, Burgermeistern, Scheffen vnd Vnderthanen, Auch allen denen, die
unserer Vndergericht zu gebrauchen von nöten haben werden, unsere Gnade und alles gute. Unnd
fügen euch hiemit zu wissen.
Als wir nun ein zeit hero in gewisser Erfarunge befunden, Das an unsern Undergerichten in
viel wege, auß einfalt und unerfarnheit der Gerichtspersonen: gantz unordentlicher,
unrichtiger weise in Rechthengigen sachen vortgefaren, vieler handt Mißbrauche und böser
gewonheiten eingeschlichen, Darauß viel nichtigkeiten und Ungerechtigkeiten wieder
beschriebene Rechte erwachen, unnd dadurch die Partheyen eins, oder beide theil in grossen
Nachteil unnd schaden, Auch verlust ihrer Zeit unnd Sachen geratten.
| Seite 106r| Haben wir
nit umbgehen sollen, denselben mit gutter Rechtlicher Ordnung vor zukommen, wie unserm
tragenden Ampt aufferligt. Und derhalb, damit an unsern Undergerichten hinfüro formlich, und
den beschriebenen Rechten gemeß, inn Rechthengigen Sachen vorgefaren, und einem jeden darzu er
befugt, fürderlich, schleunig und unpartheilich verholffen, alle Mißbreuche und böse
Gewonheiten abgeschafft, Recht, Friede und Ruhe gepflanzet unnd gehandhabt werden, mit
zeitigem Rath ein Gerichts Ordnung, wie und welcher gestalt in Bürgerlichen Sachen hinfüro an
unsern Undergerichten in unserer Graffschafft Witgenstein procedirt und
gehandelt werden soll, wissentlich auffgericht, auffrichten unnd
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bestendigsten form, wie wir von tragenden Ampt und Rechts wegen thun können unnd mögen, Inn
maßen wie von Puncten zu Puncten folget.
Unsere Undergerichte sollenn mit einem Schultheißen unnd acht Scheffen besetzet werden.
Inn peinlichen Sachen sollen nicht unter sieben zum wenigsten sein zugegen. Inn Bürgerlichen
Sachen mögen fünff oder sechs neben dem Schultheißen Gericht haltenn.
Wann deren einer abgehet, soll unns das Gericht zwo tügliche unverleumbde Personen
presentiren, daraus wir einen verordnen, beeidenn unnd einsetzen wollen.
Die Schultheißen sollen fleissig acht haben, das dieser unserer Ordnung in allem gelebt,
keine Unrichtigkeit noch Partheiligkeit inn Gerichtshandeln gestatten.
Es soll ein fleissiger Gerichtschreiber verordnet werden, der aller Undergericht Handlung
warten, auffschreiben und darvon antworten könne.
Bey jedes Gericht sollen drey oder vier tügliche Vorsprechen im Lande verordnet werden,
unnd auff die Ordnung schweren.
Unser Gericht zur Berleburg soll in peinlichen und Bürgerlichen
sachen unser Schultheiß daselbst besitzen, unnd neben ime vier Scheffen auß der Stadt unnd
vier Scheffen vom Lande.
Unser Gericht zu Lasphe soll unser Schultheiße da selbst beyde inn
peinlichen unnd Bürgerlichen Sachen mit vier Scheffen auß der Stadt, unnd vier Scheffen vom
Lande besitzen.
Unser Gericht zum Rischenstein soll unser Renthmeister da selbst,
oder der Schultheisse inn seiner stadt, mit acht Scheffen besitzen.
Unnd damit die Gericht desto richtiger gehalten unnd jedem was billich wiederfaren möge,
haben wir unser Undergericht zu Feudingen inn das Gericht zu
Lasphe geschlagen, sollen die Underthanen des Bezircks dahinn
folgen.
Unnd ein jedes Gericht soll seinen geschwornen Botten haben, dem seine sondere belohnung
von jedem Vorgebott und anderem hernach verordnet werden soll.
Ich N. Schultheisse des Wolgebornen Herrn Herren Ludwigs vonn Sainn,
Gravens zu Witgenstein unnd Herrns zu Homburg, etc. Gelobe und schwere,das ich
wolgedachts meines gnedigen Herrn Undergericht alhie zu Witgenstein,
Berleburg oder Rischenstein,zu gewönlicher
zeit besitzen, Auch dasselbige nach meinem bestenn vermögen fordern und inn ehren haltenn,
und einem jeglichen der darann zuschaffen hat, oder gewinnet, er sey Geistlich oder weltlich,
frembde oder inheimisch, seine Rechtlichen tage recht und trewlich ansetzen und bescheiden,
auch einem jeden zu dem, was ime in Recht zu erkandt, unnd was ihm sunsten gebürt, Ampts
halben trewlich verhelffen soll und will. Als mir Gott helffe und sein heiliges
Evangelium.
Ich N. gelobe und schwere, das Gericht des Wolgebornen meines gnedigen Herrn N. Gravens zu
Witgenstein, erbarlich, fleissig und trewlich besitzen, irer
| Seite 75| Gn. Oberkeit, Herrligkeit
und Gerechtigkeit helffenn handhaben und weisen, der Partheien, und meniglich, so darann zu
schaffen, vorbringen hören oder vernemen,
| Seite 108v| Rechtmessig Urtheil und bescheidt
nach meinem besten Verstentnus sprechen, weisen oder helffen weisen, Und das nit underlassen
umb Lieb oder leidt, Freundschafft, Feindschafft, Sipschafft, Magschafft, Gunst, Hab, Forcht,
Halt, Geldes wert, oder umb ichts, das sich einigem Nutzen vergleichen mag. Auch die
Heimlichkeit oder Ratschlege des Gerichts, weder vor noch nach den Urthel offenbaren, Unnd
alles das thun unnd lassen, das einem frommen Scheffen und Urtheiler gebürt, Alles trewlich
und ungefehrlich, Darzu mir Gott helffe und sein heiliges Evangelium.
Ich N. gelobe, das alles, so ann des Wolgebornen meines G. Herrn Ludwigs von Sainn, Gravens zu Witgenstein, vnd Herrns zu Homburg etc. Undergerichten
gerichtlich gehandelt, mündtlich oder schrifftlich vorgetragen wird, zum fleissigsten und
getrewlichsten auffschreiben und verwaren will, Brieffe oder Gerichts Acta, sonder des
Gerichts bevelch, niemandt mittheilen, oder Abschrifft darvon geben, Auch alle Heimlichkeit
des Gerichts und der Sachen niemandt offenbaren, Den Partheien so vor Gericht handeln, oder
wo zuversehenn, das künfftiglich die Irrung am Gericht erwachsen möcht, inn iren Sachen weder
rathen noch beystandt thun, oder forderung weiter dann meinem Ampt zustehet, thun will, Auch
des Schreiblohns halber mich nach Rechtlicher Erkentnusse und messigung nach wolgedachts
meines gnedigen Herrns zu Witgenstein Ordnung lassen begnügen, und niemandt darüber
beschweren, Und alles das zu thun, das einem getrewen fleissigen Schreiber nach seinem
vermögen zu thunn stehet und geburt. Darzu so helffe mir Gott und sein heiliges
Evangelium.
Ich N. gelobe und schwere, die Vorgebot, und was mir von dem Gericht bevohlen wird,
fleissig und trewlich zu verkünden und außzurichten, Unnd ob ich des Gerichts heimlichkeit
horen od lernen würde, heimlich halten, dem Gericht gewertigt zu sein. Unnd alles anders zu
thun, das einem getrewen Gerichtsknecht zustehet. Darzu so helffe mir Gott und sein heiliges
Evangelium.
Ich N. schwere, das ich die Partheien unnd Sachen, so ich anneme, oder mir bevohlen
werden, mit gantzen und rechten Trewen meynenn, ire notturfft unnd Gerechtigkeit nach bestem
Fleisse und verstentnüsse furdern, ire heimlichkeit und behelff, inen zu Nachtheil, niemands
offenbaren, vor Gericht erbarkeit gebrauchen, Lästerung und schmehung vermeidenn, mit den
Partheien auff einen Theil vonn der Sachen, oder sonst ungeburliche Pacta oder gedinge nit zu
machen, Die Partheien, wilchen ich gerichtlich diene, oder dienen würde, über gewönliche
belohnung nit beschweren. Unnd was mir durch die Scheffen oder das Gericht taxirt und erkent,
mich des begnügen lassenn. Unnd sonst alles zu thun, was sich einem getrewen unnd fleissigenn
Vorsprechen eigent und gebürt. Darzu so helffe mir Gott und seinn heiliges Evangelium .
Es soll ein Gerichtsbuch sein, an jedem Gericht, darinn alle gerichtliche Handlungen
prothocollirt werden, soll der Gerichtsschreiber inn seiner fleissiger Verwarung haltenn,
Damit er darauß den Partheien Acta und andere gerichtliche Handlung — doch ehe nicht,
dann wenns ime im Gericht bevohlen — auffschreiben und mittheilen möge.
| Seite 76| Das ander
Buch, darinn alle Contracten, Vertrege, Uffdrechten, Ubergaben, Verkeuffe, Burgschafften,
Testamenten, Vormunderschafft, Inventarien der unmündigen Gütter oder anderer und dergleichen
verzeichnet, unnd fleissig auffgeschrieben werden sollenn. Solchs soll in einem Gerichtskasten
mit zweyen Schlossen, darzu der Schultheisse einen Schlüssel, vnd zween Scheffen den andern
habenn, verwart, und nichts onn der andern Scheffen beysein, darinn geschrieben werden.
Jedes Gericht soll ein sonderlich Siegel inn derselben Kisten verwarlich haben under unserm
Wapen unnd des Orts Zeichen, damit alle gerichtliche Handelung, unnd was ferner schrifftlichs
unter ihrem Siegel begert wird zu verfertigen. Solchs soll aber nit gebraucht werden, dann inn
beysein Schultheissen und drey oder vier Scheffen.
Ein jedes Gericht soll über die Personen und Güter, so in seinem Bezirck gesessen unnd
gelegen, inn Sachen vor ihnen contrahirt, sich verbunden daselbst Rechts begeren, oder
gesündiget in peinlichen und Bürgerlichen Sachen richten, unnd an keinem andern noch frembd
Gericht gezogen werden. Außgescheiden unsere Lehen unnd Zinßgüttere, unnd Geistliche Sachen
und Personen, welche wir uns, unseren Rethen, unnd andern darzu Verordneten, vorbehalten
wollen.
Dieweil die iren eigen Bezirck unnd sondere Freygerichte hatt, soll der auch sondere Maß
unnd Form gegeben werdenn.
| Seite 110v| [7] Von ungebotenen Gedingen.
Die ungebottenen Gedinge sollen Järlichs zweymall, wie von alters, an jedem Ort breuchlich
gehalten werden. Nemlich zu Lasphe, das erste Donnerstag nach Walpurgis. Das zweite Donnerstag
nach Michaelis. Berleburg. Das erste Gericht zur Berleburg soll gehalten werden Dinstag nach
Walpurgis. Das zweite Dinstag nach Michaelis. Rischenstein. Das erste Gericht zum Rischenstein
soll gehalten werden Dinstags nach Cantate. Das zweite Dinstags nach Gereonis. Unnd nach jedem
ungeboten Gedinge zwey Nachgerichte jhe viertzehen tage nach dem ungeboten Gedingen so nötig
gehalten, unnd uff demselben die einkommenden Sachen, so viel müglich, abrichten unnd nit zu
nechsten ordentlichen Gerichten verschreiben. Unnd ob der obgent. Tage einer auff einen
Feiertag fallen würde, das dann der nechste tag darnach, so kein Feiertag sein würde,
derselbige verschoben werde. Zu solchen ungebotten Gedingen soll ein jeder Underthann
gehorsamlich erscheinen bey vermeidung schwerer Peen.
| Seite 111r| Unnd sollen alßdann zu
jeder zeit die Scheffen unsere Hocheit, Obrigkeit, Herrlichs und Gerechtigkeit, alte Grentzen
und Landtscheidung, wie von Alters her breuchlich, nach laut einer sondern Verzeichnuße,
welche hinder unsernn Gerichten enthalten ist, weisen und Rügen. Solche weistumb unnd Rugen
mit fleiß durch den Schreiber in das zweite Buch schreiben lassen.
| Seite 77| Was frevell unnd Unthaten
gerüget werden, die poen darauff erkennen. Oder so es die Zeit nicht leiden will, zu
nechstfolgenden Gerichten erkennen, unnd jede Sache an seinen gebürenden Ort hinweisenn.
Alle andere ordentliche Gerichte sollen unnd mögen sie von vierzehen tagen, darnach es
nötig, im Sommer des Morgens zu achten, unnd im Winter bey zehen Schlegen, unnd bey
Sonnenschein halten. Inn Bürgerlichen Sachen nach Inhalt dieser Ordnung, guttem alten
Landgebrauch unnd gemeiner beschriebener Rechten. Inn peinlichen Sachen nach besage Kayser
Caroli des fünfften unnd des heiligen Römischen Reichs Halßgerichts Ordnung, die wir inen
hiermit verkündiget haben wollen.
| Seite 111v| Auff Christliche Feste und Feiertage,so nach Inhalt unserer Kirchen Ordnung
von den Cantzeln zu fairen gebotten, sollenn keine Gerichtstage gehalten werden.
- Item acht tage vor Christ Messe, unnd acht tage darnach.
- Vom Sontag Esto mihi, biß auff den Sontag Invocavit.
- Vom Palmtag biß auff den ersten Sontag nach Ostern.
- Vom Pfingstabendt biß auff Sontag der heiligen Dreyfaltigkeit.
- Item inn zeiten der Erndten, Lentzen unndt Wintersaat.
Inn Sachen aber die eilenden auftrag fordern, unnd auß welcher verzug ein grosser Schade
erwachsen mag, Als inn Verkündigung eines newen Bannes, inn kümmern unnd Aresten gegen Frembdt
vorgenommen, Unnd so ein Parthey Leibs narung begert, unnd anderen dergleichen Sachen, oder
auff ansuchen der Außlendischen, soll und mag im Lentzen oder Erndte, Notgeding gehalten
werdenn.
Ein jglich Vorgebott soll aus befelh des Schultheißen geschehen. Darumb sol der Kleger den
Schultheißen des Orts, da er zu handeln hat, ansprechen, unnd seinen gegentheil durch den
Gerichtsbotten vorhaischen zu lassen, bitten, welchs der Schultheiß also bevehlen soll.
| Seite 112r|
Das erste Vorgebott soll der Personen under augen, die andern zwey zu Hauß unnd Hoff
verkündiget werdenn.
Wo der Verklagter auffs erste Vorgebott ungehorsamblich außbleibet, soll unnd mag der
Cleger den ungehorsamb des Beclagten beschüldigen, inen zum andern unnd dritten, unnd endtlich
peremptorie verhaischen lassen. Erscheinet er zum andern oder dritten Vorgebott nit, soll er
nit gehort werden, er bezale dann dem Kleger zuvor den Kosten seines ungehorsambs halben
auffgangen, wo er seines außbleibens nit redlich ursach erweisen kann.
Kompt der Beclagter also auch nit, mag der Kleger mit seiner Klage unnd Beweiß vortfaren.
Unnd wo die Clage auff ligende Gütter im Gerichte gelegen gestelt, unnd der Beclagter vor der
Kriegsbevestigung ungehorsamb außbleibet, alßdann den Beclagten laden lassen zu sehen unnd zu
hören, den Cleger in die streittigen Gütter auß der ersten erkentnuß einzusetzen.
Aber in personlichen Clagen, als umb Schuld, und dergleichen, Wann der Beclagter
ungehorsamb
| Seite 78| erkant ist, mag der Cleger
einsetzung begeren ins gemein, in des Beclagten Gütter nach größe der Schuldt.
Erscheinet der Beclagter alß dann, unnd erlegt dem Cleger Kosten und schaden mit Caution
der Sachen inn Recht auß zu warten, soll die Einsetzung auß erstem
| Seite 112v| Decret
aberkandt, unnd in der Hauptsachen vortgefaren werden.
Unnd wo der Beclagter über Jarsfrist außbleibet, soll der Beclagt geladen werden zu sehen
den Cleger auß dem 2. Decret, in die streittigen Gütter einzusetzen, erscheint er, unnd erlegt
alß dann Costen unnd Schaden, mit Caution dem Rechten genug zu thun unnd außzuwartenn, soll er
gehört werden. Sonst wo nicht, soll der Cleger die einsetzung auß zweitem Decret bitten unnd
erhalten, unnd dabey erhalten werden, biß er vom Beclagten mit Recht darauß getrieben
wirdt.
Wann der Beclagt auff dem ersten, andern unnd dritten Vorgebott erscheinen, unnd der Cleger
außbleiben würde, mag der Beclagte den Ungehorsam des Clegers beclagen. Unnd soll der Beclagt
auff sein bitt von den Vorgebotten, mit erstattung auffgangenes Gerichtskosten ledig erkandt
werden, Doch dem Cleger damit unbenommen, den Beclagten von newen zu laden, unnd die Sache zu
verfolgen.
Da auch der Beclagt neben dem Cleger auff allen Terminen erscheinen würde, unnd der Cleger
seine Clage nit einbringen, dann den Beclagten umbzutreiben unnd zu molestiren willens, mag
der Beclagte begeren, den Cleger anzuhalten, inn benenter Zeit seine Clage vorzubringen, bey
peen eines ewigen Stillschweigens.
| Seite 113r| Bringt der Cleger in der zeit seine Clage nit ein, soll ime ein ewig
stillschweigen mit erstattung aller Gerichtscosten dem Beclagten, aufferlegt werdenn.
Wo der Cleger und Beclagter vor Gericht erscheinen, unnd der Beclagt vom Cleger begert,
durch sich oder seinen Anwaldt des Rechtlichen Streites außzuwerten, und ob er der Sachen
niederligenn würde, allen gerichtlichen Costen und Schaden ime zu entrichten, solchs soll der
Cleger mit Güttern oder Bürgen zu thun verpflicht sein.
Wann aber der Cleger mit seinem Eide bedeuren würde, das er nach möglichem, angewendten
fleiß, solche Caution und Burgschafft nit thun kundte, soll er mit seinem Eide, bestandt und
Sicherheit thun zugelassen werdenn.
Inn gleichem soll auch der Beclagter auff beger des Clegers, sich am Rechten zu stellen,
und der Sachen außzuwarten, Caution unnd Sicherheit zu thun schuldig seinn.
Unnd wo der Beclagt sein Recht durch einen Anwaldt vertretten will, soll derselbig Anwaldt,
auff begeren des Clegers Caution, den Beclagten zu schirmen, betrug zu meiden, und dem
erlangetenn Rechten genug zu thun schuldig sein.
Wann aber der Cleger oder Beclagter unter dem Gerichtszwang, da die sache hengt, genugsamb
begüttet were, soll er gedachte caution zu thun nit schuldig seinn.
| Seite 113v|
Wilcher seine Sache in eigner Person nit handeln oder verdrettenn kann, oder wölt, der mag
- er sey Cleger oder Antworter - einenn oder mehr Anwaldt oder Momparen setzen, und dem oder
denselbigen ein genugsamb Gewalt zustellenn, mit bestimmung der Sachen und Personen, auch
andern notwendigen Stücken, so zu einem Rechtmessigen Gewaldt gehörenn, wie des einn kurtze
Form hiernach folget.
Ich N. bekenne öffentlich mit diesem Brieff, unnd thun kundt allermeniglich, deme er
vorkömpt, nach dem sich vor N. zwischen mir als Clegern oder Beclagten
| Seite 79| eins: und N.
Clegern oder Beclagten anders theils umb Sachen halb N. Rechtfertigung sich erhalten, Unnd
aber ich solcher Rechtfertigung anderer geschefft und redlicher Ursachen halber, inn eigner
Person nit vorseinn oder außwärten mag. So hab ich in der aller besten Form, als es nach
Ordnung der Recht, Auch nach gewonheit eins jedenn und besonders des gemelten Gerichts N. am
meisten crafft haben soll und mag, meinenn volnkommenden Gewalt gegeben, bevohlen, Auch zu
meinem Rechten Anwaldt unnd Gewalthaber gesetzt unnd verordnet, unnd thue auch dasselbig, inn
und mit crafft dieses Brieffs, nemblich N. unnd N. sampt
| Seite 114r| unnd sonder solche
Sachen unnd Rechtfertigung, in meinem Namen unnd von meinet wegen zu handeln und
außzufürn,Clag, Antwort, gegenclag Inn, nach unnd weitter redden, zu thun, zu hören unnd
vorzuwenden, den Krieg zu bevestigen vom gegentheil solchs zu geschehen und anzuhalten, mich
meine Sache unnd Gerechtigkeit zum besten zu verdretten unnd zu handeln, Den Eidt vor geferte,
zu Latein Juramentum Calumniae genant, mit allen seinen anhengen, auch eines jeden andern
zimlichen Eidt, Unnd was inen von meinet wegen im Rechten auffgelegt wirdt, in meinem Namen
unnd in meine Seele zu schweren. Auch vom Wiedertheil dasselbig begeren, Articull unnd
Satzstücke in crafft einer beweisung vermittelstem Eydt zu ubergeben, unnd auf des gegentheils
Articuln unnd Satzstücken bey dem Eyde zu antworten, Kundtschafft, Brieve, Zeugnuß, unnd alle
andere notturfft des Rechtens beyzulegen bey unndt endt urteill, zu begeren unnd zu hören,
dieselbigen anzunemen, oder darvon zu appelliren, Aposteln zu bitten, und die Apellation zu
verkünden, anzubringen unnd zu volnziehenn, Costen zu taxiren, zu begeren, die Tax mit dem
Eyde zu halten, einen oder mehr ander Affter anwelde, ann ire aller unnd jedes stadt zu
setzen, den oder dieselbigen zu wiederruffen, unnd den Gewaldt wieder an sich zu nemen, so
offt sie bedünket not sein unnd gewonlich, Alles anders zu handeln, thunn unnd lassen, das ich
in eigner Person solt und mocht handeln, thun unnd lassen, obs auch solche Sachen weren, darzu
sie einen sonderlichen gewalt haben müsten. Unnd ob sie ferner gewalts, wie follig der sein
solt, notturfftig weren, den will ich ihnen semptlich unnd sonderlich in der aller besten
form, so solchs im Rechten und nach gewonheit beschehen
| Seite 114v| kan oder mag, auch
gegeben haben alls stundt er von wortten zu worten hierinn begrieffen, alles zu gewinn unnd zu
verlust. Unnd was gedachte meine Anwelde und ire undersetzte sämptlich oder sonderlich, inn
der aller besten Form, so solichs im Rechten von meinet wegen handeln, thun unnd lassen, das
will ich stedte unnd sie schadloß halten, unnd sie irer Anwaldtschafft entheben, bey
verpfendung aller meiner Hab unnd Gütter, ligender unnd farender, gegenwertiger unnd
künfftiger, geferde unnd Argelist hierinn gentzlich außgeschlossen werden. Des zu urkundt habe
ich meinn Insiegel etc. Oder gebeten N. etc.
Solche gewaldthabung mag geschehen vor dem Gericht, da die Sache hanget, oder vorm
Schultheißen, einem Scheffen und dem Gerichtschreiber, oder vor zweien Scheffen oder Richtern
unnd dem Schreiber. Unnd alß dann soll eigentlich zu den Acten geschrieben werden, wer, vonn
wem, wann in was Sachen, wieder weme unnd wie solcher gewalt sey gegeben wordenn.
Es mag auch der Anwalt oder Mompart sein gewalt durch ein offen Instrument eines bekanten
Notarien, oder andere Schriffte under eines Gerichts, Prelaten, Graven, Herrn, Ampmans,
Edelmans, unnd dergleichen namhafftigen unnd glaubwirdigen Personen kündigem Insiegel
vorbringen. Doch soll einem jeden theill, wieder den vorbrachten gewalt, seiner Wiederparthey
seiner notturfft vorzuwenden, vorbehalten sein.
So auch des Anwalts gewalt angefochten wirdt, unnd vor ungenugsam angesehen wurde, mag er
bestandt mit seiner gelübd in handt des Schultheisen oder Richters
| Seite 80|
| Seite 115r| thun, ein vollenkommenn unnd genuchsamen gewalt, vor weiterer Handelung, oder
auff ein Zeit, durchs Gericht bestimbt, einzubringen.
Der verwandten unnd gesipten Personen, dergleichen auch der Eheman von wegen seiner
Haußfrawen, sollen auch an gewaldt, doch auff genuchsamb bestandt unnd Sicherheit der
genembhabung, von welchs wegen sie handeln, vermög der Recht, zugelassen werden.
Erschiene auch jemandt von des Antworters wegen, sonder gewalt, unnd thett genuchsamb
bestandt unnd sicherheit, der Sachen außzuwartenn, den Beclagten zu schirmen unnd dem
erlangten Rechten genug zu thun, der soll, unangesehen mangel des gewalts, gehört werden.
Wir wollen auch das der Vorspreche und Anwaldt so einer Parthey grundt unnd heimlichkeit
erfahren hat, sich wieder dieselbigen in solcher Sachen zu dienen, nicht annemen lasse.
Sollen auch die Vorsprechen unndt Anwaldt mit iren Partheien umb einen theil der Sachen
oder streitigen Guts, kein pact oder geding machen bey Straff des Rechtens, Unnd so das
ubertretten würde, soll solch Pact oder geding crafftloß unnd unbundig seinn.
| Seite 115v| Der Cleger soll sein Clage auff dem bestimpten Gerichtstage mündlich oder
schrifftlich, clar, lauter und verstendlich einbringen, mit erzelung der Sachen unnd
Geschicht, Warumb er klage, anzeigen, Ob er umb Hauß, Hoff, Acker, Wiesen, Garten, Zinse,
Renthe, Schulden, Pferde, Kuhe, Schaffe, farendt oder ligendt, gantz, halb, oder ein
vierdentheil fordere.
Item, Warumb, unnd auß was ursachen, ob es auff jnen ererbt, oder ob er es durch Kauff
oder Wechsell an sich bracht habe, oder jme gegeben, oder durch Testament ime vermacht, oder
wie er sunst darzu berechtigt sey.
Was aber Erbfelle, Wiederfelle, bey oder seitfelle sein, solt der Cleger unnd die Linie,
Woher die Felle biß auff inen kommen, klar anzeigen, unnd nach gestalt der Sachen, ein
gebürende Bitt an Schultheisen unnd Scheffen thun, den Beclagten mit irem Rechtspruch diß
oder jenes, was in der Clage gefordert, werden, zu thun, mit entrichtung gerichtlichen
Costen, unnd ferner bitten, was recht ist, und ime das fürderlich mitzutheilen, ir
Richterlich Ampt anruffent, mit vorbehalt aller rechtlicher Hülff und Notturfft
Wann die Clage mündlich geschicht, soll fleissig in das Gerichtsbuch geschrieben
werden.
Wird sie aber schrifftlich einbracht, soll darauff das einbringen, Tag, Monat, Jar, unnd
solchs ins Gerichtbuch geschriben, unnd die Clage bey den Actis verhalten werden.
| Seite 116r|
Wo nun der Beclagt alßbaldt auff die Clage zu antworten gefast ist, oder zill zu antworten
bitten würde, oder sonst einige Außzüge wider den Gerichtszwang, des Richter personen, wieder
die Clage, wieder den Cleger, wieder den Anwaldt, oder andere - deren fast viel sein - hette,
soll gehort, und ime Copey und gebürende Zeit gegeben werdenn.
Dieweil aber im Rechten viererley Außzüge erfunden, die nit allein einerley art und
naturenn seinn, auch jglicher zeit des Kriegs gebraucht und vorgewandt werden mögen: So
wollen wir den unsern ein kurtze Underrichtung derhalb thun, damit nit allein die Beclagten,
denen allewege so viel möglich, das Recht zu fliehen, und demselbigen zu entweichen vergönnet
ist, zu irem vortheil sich dero zu gebrauchen, sondern auch die Clegere, wann sie vor einem
Richter anzusuchen oder
| Seite 81| nit haben inn erfarung
kommenn. Darzu die einfeltigen unverstendigen Urthelsprecher sich auch desto baß darnach
gerichten mögenn.
| Seite 116v| Es ist versehens Rechtens, das der jenige, *so im geistlichen Banne* [von
alter Hand gestrichen und am Rand ersetzt durch: mitt diesem ban hatt man hir nichts zu
schaffen], oder in der Keiserlichen Acht ist, des Richterlichen Ampts nit vehig seinn kann
oder mag.
Dergleichen einn Minderjäriger, das ist, der noch nit 25. Jar seines Alters erlanget hat,
Dann ein jeder ordentlicher Richter muß zum wenigsten 25. Jar alt seinn.
Item, Welcher in einer Sachen Advocat, Ratgeber, Procurator oder Diener gewesen, der mag
in derselbigen Sachen keines weges Richter seinn.
Item, ein Weltlicher kann in Geistlichen Sachen nit Richter seinn.
Item, Wilcher ewig - zu verstehen von angeporner Natur - ein stum, Dauber unnd sinnloß
ist, Deßgleichen ein Weibsbildt, mögen das Richterlich Ampt nit tragenn.
Etwo kompt es, das die Kriegbar Sache, den jenigen, so darinn Richter seinn soll, mit
belangt, der mag In solcher Sachen vonn Recht verworffen und recusirt werden
Item, ob der Richter einer Partheien Blutsverwandter Freundt were, mag recusirt
| Seite 117r| und kann in der Sachen als verdechtig recusirt werden.
Item, ob ein Richter ein gleiche Sache, die ihn selbst belangt, vor einem andern inn Recht
schweben hette, der mag als argwonig unnd verdechtig, mit guten fugen recusirt unnd zuruck
gestalt werden.
Item, welcher einer Partheien verwandter Freundt, sonderlicher Gönner unnd vertrawter
Gesell, Item, des Clegers Herre, oder demselbigenn Eidtpflichtig, Oder aber des Beclagten
Wiederwertiger, oder seines Feindes Blutverwandter were, mag zu aller zeit für einen Richter
recusirt unnd abschlagen werden.
Dergleichen mag der Richter als argwonig recusirt unnd abgeschlagen werden, wo der, so vor
ime klagen will, dieselbigen Richters Richter etwo inn einer andern Sachen were, Denn nach
dem ein jeder Richter beyden Partheien unverdechtig, unnd einer so viel als der andern
gunstig unnd gewesenn sein, auch nit anders dann wie ein Mitler zwischen beyden Partheien
handeln soll, So mag ein solcher Richter, als argwonig, dieweil zu vermuten, das er umb
seiner eigen Sachen willen, so vor dem Cleger als Richter hangendt demselbigen mehr und
weiter, dann dem Beclagten, geneigt, mit Recht woll recusirt werdenn.
Wann einer den Richter vor seine Person inn argwonn unnd verdacht hette, auß obangezeigten
oder andern mercklichen Ursachen des verdachts soll er bemelten
| Seite 117v| Richtern
schrifftlich vorbringen, unnd alß dann mit sampt andere wilkörliche Richtere, die man zu
Latein Arbitros Juris nennet, erwelen, daselbst die Ursachen des verdachts gegen den ersten
Richter vorgewandt, nach Form und ordnung der Rechten, beweisen, und durch die wilkorliche
Richtere erkennet werden soll, ob die Ursachen des Argwons gnug unnd vorträglich, oder nit
seien.
Unnd soll dieser Außzug des Argwons stadt haben, ann den Orten, da wenig
| Seite 82| Personen zu
Gericht sitzen. Denn wo das Gericht durch viell Personen besessen wirdt, unnd eine zwo oder
drey verdechtig angezogen unnd außgefurt, aber die andern mit keinem Argwon beladen wurden,
dieselbigenn unverdechtigen mögen gleich woll die Sachen hören, unnd richtlich entscheiden.
Wurden aber mehrertheils alle Scheffen verdechtig unnd argwonig geachtet, unnd derhalben
genuchsamb ursach vorbracht, alß dann sollen sie die Sache vor uns und unser Grafflich
Hoffgericht, oder gemeine Audientzien remittiren unnd weisen, dieselbige hinfurter rechtlich
zu hören unnd zu entscheiden.
Unnd die obgemelten Auszüge sollen von dem Antworter, gleich im anfang des Kriegs, ehe
unnd zuvor mit Ja oder Nein auff die Clage geantwortet, unnd der Krieg befestigt werde,
vorgewandt, unnd der Richter damit verworffen werden, alßdann und in solchem Fall mag der
Antworter dieselbigen Auszüge auch darnach woll vorwendenn.
| Seite 118r|
Welcher vor einem Richter oder Gericht beclagt wirdt, unnd vermeint, das er demselbigen
Gericht ordentlich nitt underworffen, derhalb auch nit schuldig sey, daselbst zu Recht zu
stehenn, Der soll gleicher weiß im anfang des Kriegs, unnd vor befestigung desselbigen, von
bemeltem Richter ab unnd vor sein unnd vor seinem ordentlichen Richter haischen, Dann wirdt er
mit solchem Auszuge biß er dem Cleger geantwortt, unnd den Krieg befestigt hette, wissentlich
verzihen, mag er sich - wie etliche sagen wollen - desselbigen darnach nit mehr gebrauchen.
Aber nach der Lere der andern, so mag dieser Außzug zu einer jglichen Zeit des Kriegs, auch
dem Endturteill vorgewandt werden. Doch so ist der Antworter oder Außzieher schuldig, wann er
des Außzugs wissen dregt, denselbigen inn allwege, vor befestigung des Kriegs vorzuwenden.
Dann wo er solchs nit thun, sondern biß nach bevestigung des Kriegs, gefehrlich schweigen
würde, soll er darinn nit anders, denn mit ablegung dem gegentheill, alles aufgewandten
costens unnd Schadens gehort werden. Unnd geburt dieser Außzug einem jglichen, der mit
frembdem, unnd nicht ordentlichen Gerichtszwang angefast wirdt: Dann der Cleger soll dem
Antworter
| Seite 118v|, sonderlichen inn personlichen Clagen vor seinem ordentlichenn
Richter folgen.
Es sind aber etliche Felle, darinnen mit außlendigem Rechten, einer darunder derselbig nit
gesessen, noch ordentlich gehörig ist, mit Recht mag vorgenommen werdenn. Unnd ob er den
negsten obangezeigten Außzug dargegen vorwenden, wurde er doch darmit nichts schaffenn.
Erstlich von wegen des Contracts, das ist, ob einer an einem andern Ort etwas keuffen,
unnd dasselbige mit barem Gelde nit bezalen, sondernn borgen, unnd darbeneben zusagen würde,
demjenigen, so ihm geglaubt, oder geborget hette, zu einer bestimpten Zeit zu bezalen.
Derselbige mag nach verscheinung derselbigen Zeit, umb gebürliche bezalung, von wegen des
Contracts, an dem Ort, da er geschehen were, mit Recht vorgenommen, oder beclagt werden.
Zum andern, wurde einer underworffen einem frembden Gerichtszwang von wegen der ubelthat -
zu latein ratione delicti genant - Dann welcher an einem frembden Ort frevelt, der mag am
selben Ort seiner That halb beclagt werdenn.
| Seite 119r| Zum dritten, Welcher sich an einem andernn Ort mit heußlicher wonung oder
wesentlich hielt, der mag ratione domicilii am selbigen Ort mit Recht vorgenommen werden.
| Seite 83|
Zum vierten, Wann auff Hab oder Gütter geclagt wirdt, so muß derselbigen Gütter Einhaber unnd
Besitzer vor dem Gericht, darunder die Gütter gelegen seindt, unangesehen, ob er seiner
Personn halb, einen andern ordentlichen Richter hette, zu Recht stehen, unnd wirdt zu latein
- ratione bonorum - das ist, von wegen der Güter, genant.
Zum fünfften unnd letzten, mag einer ausserhalb seines ordentlichen Gerichtszwang
vorgenommen werden ratione promissionis, das ist, von wegen seiner Zusage unnd Verheissung,
Als so einer sich verschreiben, verpflichten, oder versprechen würde, an einem namhafftigen
Ende, oder wohin er erfordert würde, bezalung zu thun, An demselbigen Ort mag er folgendts
mit Recht vorgenommen und angeclagt werden.
So der Cleger im Banne, oder Keyserlicher unnd des heiligen Reichs Achte were, hat er im
Rechten zu clagenn keinen standt, Darumb mag der Antworter solchs vorwenden, Unnd so er das
in acht tagen, oder wie jme derhalb nach gelegenheit von dem Richter zeit ernennet würde,
beweisen, soll derselbig Cleger, vermög der Recht, ferner nicht gehört werden.
| Seite 119v| Item, wo der Cleger mehr dann ein persönliche Clage unnd Ansprach wieder den
Beclagten vor mehr dann einem Richter und Gericht wurde vorwenden, ist der Beclagt ime zu
antworten nit schuldig.
Item, so einer Sachen halber vor einem anderen Richter geclagt unnd der Krieg darauff
bevestigt ist, unnd umb dieselbige Sache wiederumb understandenn wirdt, vor einem andern
Richter von newem zu clagen, So mag der Beclagt vorwenden den Außzug des hangenden Rechten,
unnd so dasselbig, wie sichs gepürt, vorbracht unnd dargethan wurde, soll der Cleger an dem
Ortt weitter nitt gehortt werden.
Item, So jemandt den andern seiner habender Gerechtigkeit, Hab unnd Gütter entsetzt hette,
unnd wolt denselbigen darnach in Recht ziehen, ist der Beclagt nit ehe zu antworten schuldig,
er sey dann zuvor wiederumb restituirt unnd eingesetzt. Wo aber im hangendem Rechten
einsetzung geschehe, die mag auch vorbracht und geclagt werden, unnd soll die Heuptsache
darzwischen still stehen, unnd darinn, biß so lange die Clage spolii oder der entsetzung ein
ende hat, nit vortgefaren noch gehandelt werden.
Item, begebne Ordenßleute ohn erleubnuße irer Obern, dergleichen ein Son der vetterlicher
gewalt noch underworffen ist, onn verwilligung seines Vatters, mögen inn Recht wieder clagen
noch antworten.
Item, Wo der Richter dem Beclagten unehrliche oder unsichere Malstat zu antworten ansetzen
oder ernennen würde, ist er nit allein zu antworten, sondern auch ann dem unsichern
unehrlichenn Ortt zu erscheinen nit schuldig.
Dieweil auch Minderjärige, Daubenn, Stummen, Thoren, Unsinnige,unnd denen ire Güttere inn
Recht zu verwalten verbotten ist, auch andere derogleichen
| Seite 120r| Personen inn
Rechten nit stehen mögen, Sollen dieselbigen auff vorbringung unnd beweysung des Beclagten
nit gehort, sie werden dann nach außweisung der Rechten, mit Vormundern, oder sonst zu clagen
geschickt gemacht.
Ein jede Clage so inn Recht bestendig sein soll, unnd nachfolgende wesentliche stücke
mitbringen, unnd inn sich haben, nemblich den Namen des Richters, den Namen des Clegers und
des Antworters. Dergleichen dasjenige was gefordert wirdt, und den grundt oder ursach, warumb
die Forderung geschicht. Unnd so deren eins oder mehr inn den Clagen mangeln, ist sie
unförmlich, unnd ann Iren
| Seite 84| wesentlichen stücken
mangelhafft, und soll uff beger des Beclagten verworffen, Auch derselbig Beclagt vom
Rechtstandt ledig erkandt werden.
Gleicherweise und so ein Clage öffentlich, ungeschickt, inept und dermassen geschaffen
were, das keinn formlicher Proces des Rechtens darauff folgenn möcht, So mag dieselbige Clage
aus Richterlichem Ampt, von dem Undergericht, unangesehen ob die Parthey solchs nit begerte,
verworffen werden. Doch soll der Cleger macht haben, die sache darnach wiederumb mit einer
formblichen und geschickten Clagen anzuheben unnd zu volnfüren.
Item, So ein Clage dunckel und ungewiß befunden, unnd solchs vorgewandt wirdt, ist der
Beclagt darauff zu antworten, es habe dann der Cleger zuvor seine Clage erleuttert, nicht
schuldig.
| Seite 120v| Item, Wann die Clage nit eigentlich mitbringt die ursach gethaner forderung,
ist der Beclagt darauff zu antworten nit schuldig. Darumb ein jede Clage, so ins gemein, ohnn
ursach der forderung gestalt, ist im Rechten nit zulessig, und soll durch den Richter
verworffen werden.
Item, so die Clage nit auff des Beclagten persone, sondern vornemblich auff ein gutt, das
gefordert, gestalt, unnd dasselbige Gutt mit seinem Namen inn der Clage nit eigentlich
specificirt noch genant wirdt, so ist die Sache untüglich, Es würde dann das geforderte Gutt
augenscheinlich dargethan. Unnd im fall das Gutt mit seinem Namen nit kont oder mocht genant
werden, So sollen zu erleutterung die Clagen, wie vorstehet, zwey andere dinge, die am
negsten darann stossen, benent und angezeigt werdenn.
Item, Wo Goldt, Silber, oder dergleichen gefordert wirdt, soll die Materi, der Wert, Item
die Form unnd gestalt, als nemblich, obs Rundt oder eckicht, schlecht oder erhaben, verguldet
oder weiss sey, mit aller anderer eigentschafft, Auch das Gewicht davonn eigentlich benant
werden.
Item, ein Leibeigner, der von einem andernn wirdt gefordert, solt mit seinem Namen inn der
Clage gesatzt werdenn.
Item, Wo Duch, Gewandt, Wein, Korn, Ole, oder dergleichen Wahr, so der Elen oder Massen
underworffen, inn der Ansprach gemeldet ist, soll dieselbige Wahr, auch wie viel deren ann
der Elen oder Maß sey, eigentlich sampt dem Wert angezeigt werdenn.
| Seite 121r| Item, Wo ein unvernunfftig Thier gefordert würde, soll eigentlich inn die
Clage gesatzt werden, Obs ein Pferdt, Esell, Ochse, Schweinn, oder was es sonst vor einn
Thier, Auch wie es von Farben geschaffenn.
Item, Güldene oder silbern Bechere, Trinckgeschir, Kleinoder, oder dergleichen, sollen ihn
die Clage, mit irem Wert, form und gestalt außdrücklich gesatzt werden.
Item, ein jede Clage sonder Anhang der petition oder Bitt, ist nit zulassig.
Item, Ob die Bitt aus der Clagen nit folgen, oder dahinn nit dienlich sein mocht,
dieselbige Clage soll auch nit zugelassen, sondern als ungeschickt und unförmlich verworffen
werdenn.
Item, Wo der Krieg bevestigt, ehe und zuvor die Clage einbracht were, solche Clage ist
auch nit zulessig.
Unnd inn der summ, Wo der Beclagt nit eigentlich aus der Clage vernemen mag, das vermeint
Recht oder den grundt des Clegers, dergleichen dasjenige, was gefordert wird, mit seinen
zugehörigen umbstenden, so ist er darauff zu antwortten nitt schuldig.
Unnd wilcher Antworter oder Beclagter sich der obgemelten Außzüge, die vonn Recht noch
weiter zugelassen, aber um Kurtz willen inn dieser Ordnung zu vermeiden umbgangen seindt,
will geprauchen, soll ehe und zuvor ehr bedenckens uff die gethane Clage, oder derselben
abschrifft begert, allwege protestiren, unnd sich
| Seite 85| bezeugen, das er ime alle
und jede Außzüge, so ime einicher weise hiermit gepürenn mögen, vorbehalten haben. Unnd
vermitz derselbigen protestation und bezeugung, bedacht uff die Clage begert werden, alß dann
mag er nach gehabtem
| Seite 121v| bedacht, gleichwoll alles was ime gegen Richter oder
Parthey außzuziehen vonn nötten ist, vorwendenn.
Es seind etliche Außzüge, mit denen sich der Antwortter gegen der Kriegsbefestigung
uffhaltenn und verzihen, und der Cleger alßdann weitter nitt gehört werden mag.
Als nemblich Außzüge einer geurtheilter sache, so einer umb einn Sache, die vormals
richtlich geurteilt und entscheiden were, anderwerbe oder wiederumb vorgenommen, und inn
Recht vorgezogen würde, der mag rem iudicatam, das ist die geurtheilte Sache, oder die
ergangen Urtheil vorwenden, unnd alßdann ist der Beclagt dem Cleger auff seine Clage weitter
zu antwortten nit schüldig.
Doch seindt etliche Felle, darinnen der vorige richtliche Proceß nit irret, sondern
gleichwoll vonn newem gehandelt und geclagt mag werdenn, als so einn
| Seite 122r| Beclagter
vonn gethaner Anclage irer ungeschicklichkeit halber, oder aber von der Instantz des Rechten,
das ist von dem vorgepot, oder außgangener Ladung, wie vor stehet, absolvirt unnd ledig
erkandt ist, Oder so in der Heuptsachen urtheil were ergangen, unnd inn einer zufelligen
Sache andermals Rechtfertigung vorgenommen würde. Inn den obberurten Fellen, Auch da ein
Urtheil nichtig were, hatt der Außzug rei iudicatae keinn Stadt.
Gleicherweise mag er auch nit gepraucht oder vorgewandt werden, die folgends einem andern
zufalle, den sie vormals gehabt, da der Cleger geclagt unnd Urtheil verloren hat. Darvonn
nachfolgendt Exempel gesetzt werden. Als da einer umb einen Erbfall, der noch nit zum Fall
kommen, Oder umb Schulden, dero bezalung auff gewisse Ziel unnd Zeit gesatzt unnd dieselbige
Zeit noch nit erschienen ist. Oder aber um etlich Dienst unnd Arbeit, die noch nit geschehen
seind zu belohnen, den andern beclagt. Dann wiewoll der Antworter, inn den Fellen, wie
billich, ledig erkandt, wird doch dem Cleger nach der handt, so der Erbfall gefallen, die
Zeit der bezalung erschienen, unnd der Dienst oder Arbeit geschehen ist. Inn den und
dergleichen Fellen vonn newem derhalb zu clagen der weg des Rechtens nit abgestrickt noch
benommen, unnd mag dargegen dieser Außzug nit gestadt werden.
| Seite 122v| Welcher umb ein Sache, die vorhinn gütlich verdragen, oder sonst mit der
Partheien wissenn und willen hingelegt ist vonn dem Andern vorgenommen oder beclagt wurde,
der mag dargegen außzihen, das dieselbigen Sachen vertragen und hingelegt sein. Und ist der
Antwortter alß dann dem Cleger weiter zu antwortten, noch den Krieg, auff sein eingebrachte
Clage zu befestigen, nit schuldig.
Unnd wann die obangezeigte auch andere dergleichen Außzüge, so die Rechte wieder die
Krigsbefestigung noch weiter zulassen, vor derselben Kriegsbefestigung vorbracht werdenn,
Alßdann wirdt der Cleger verhindert in seiner Clage vortzufahren, sondern der Antwortter
zugelassen, solchen Außzug, wie recht, zu beweisen, und nach gethaner beweisung, mit
erstattung alles costens und schadens, ledig erkandt.
Es mögen auch obberurte Außzüge, nach der Kriegsbefestigung vorgewandt werden, alßdann
aber wirdt der Proces dardurch nitt verhindert, sondern der Beclagt, nach dem er dieselbigen
zu recht genugsamb beweiset, vonn gethaner Anclage, wie vorstehet, ledig erkant.
| Seite 86|
| Seite 123r| Außzüge so den vermeß des Clegers oder die Heubtsache ableinen, sollen nach
befestigung des Kriegs vorbracht werden, und ob der Antwortter dieselben vor befestigung des
Kriegs vorwendte, sollen sie doch biß darnach behalten, und alßdann uff des excipienten
begere zu beweisenn zugelassen werdenn.
Der Antwortter soll auch solche Außzüge zu einem mall furbringen, es were dann, das sie
sich von newem begeben hetten, oder ime allererst zu wissen worden weren, und er das mit
seinem Eyde behalten möcht.
Unnd wiewoll der Antwortter seinn gegenwehr und peremptorien Außzug, Auch nach dem und der
Cleger seinn beweisung gethann, und nach eroffeneter und erlernter Kundschafft vorbringen und
beweisen mag, so soll er doch ob seine Articul oder gegenwehr,des Clegers Articuln strack zu
wieder, oder den Articuln, darauff Zeugen gefurt unnd eröffenet, gleichformig weren, sein
Zeugen füren und verhören lassen, ehe dann er der vorgefurten Zeugen sage erlernet, und
darnach nit weiter Zeugen zu füren zugelassen werden, Es were dann inn Fellen, da es die
Rechte zuliessen.
So der Antworter auff sein Außzuge unnd gegenwehr Zeugen furenn wolte, solte es darmit
gehalten werdenn, wie oben unterm Titul, vonn beweisungen, angezeiget ist wordenn.
Es sollen weder Richter oder Parthey inn schwebender Rechtfertigung keine Newerung oder was
zu nachtheil der Rechtfertigung oder urtheil eins oder andern theils vornemen oder
attentiren.Was aber dessen geschehe, soll vor aller weiterer Handlung abgeschafft, und inn
vorigen standt gestelt werdenn.
| Seite 123v| Wann der Beclagter solche seine Außzüge eingebracht, soll dem Cleger uff sein
begeren Copey bedacht und zeit seinn notturfft, wie auch den beiden theilnn ire duplicen,
triplicen und quadruplicen - und nit weitter es würde dann durchs Gericht aus erheblichen
ursachen erkandt - dargegen vorzuwenden zugelassen werdenn. Unnd wann beide theill ire
notturfft gegeneinander einbracht, soll die begerendt Parthey ir einbringen nach form der
Rechten zu beweisen, zugelassen werden, zill unnd zeit und andere Rechtliche hülffe darzu
gegeben werdenn.
| Seite 124r| So nun des Beclagtenn Außzüge außgeorttert seinn, oder er derselbigen keine
vorbracht, oder darvon abgestanden, und uff die Clage antwortten, und den Krieg befestigen
wolt, und hette er gegenclage gegen seinen Wiedersacher, soll er vor oder kurtz nach der
Kriegsbefestigung thunn.
Solche beide sachen - das vurrecht und nachrecht genant - sollenn gleichsfals mit einander
gehen, gehandelt und außgeortert alles nach Ordnung der Rechten.
Wolt aber der Cleger die Gegenclage nit annemen, noch darauff der gepür handeln, soll er
uff seinn vorrecht oder vorlage nitt gehort werden, außgenommen in Fellen, inn welchen die
Gegenclage nit Stadt hat.
Wann nun der Beclagte keine Außzüge oder Einrede hett, wilche die Kriegsbefestigung
verhinderten oder einbrechte und nit erwiesen oder sonst abgeschnitten, soll der Beclagter
uff die Clage antwortten, unnd den Krieg darauff befestigen, der Cleger erst affirmative
durch seinn Ja, und der Beclagt darnach Negative, das ist durch seinn Nein, mit diesen
worttenn.
| Seite 124v|
| Seite 88|Der
Cleger: Ich sage das Vorbringen inn meiner Clage begriffen war seinn, unnd das nach Inhalt
meiner Bitt geurtheilt werden solle.
Der Beclagte: Ich sage daß das Vorbringen der ubergebnen Clag nit war, oder der Warheit
ungemeß sey, unnd das des Clegers Bitt nit stadt haben solle.
Wiewoll die Kriegsbefestigung einn wesentlich stück des Gerichtlichen Processes ist, unn
inn sachen die uber zwelff goltgl. wert keins wegs underlassen, dann darinn geschehen, das
die geschehen unnd fleissig auffgeschrieben werde zu begrundung des Gerichtszwangs und das
die nichtigkeiten verhut, und die Partheien aussen schaden bleiben. So ist doch derselbenn
und sonst zirlichen processes inn geringschetzigen sachen und inn wilchen summarischer weise
procedirt wird, net von nöttenn.
Sondern ordnen unnd wöllen wir, wenn die Clagen inn solchen geringen sachen mundtliche
oder schrifftlich einkommen, und der Beclagt der nit gestendig, soll der Schultheis und
Scheffen den beweiß vom Cleger annemen, unnd wo der genugsamb, und der Cleger denselben nit
zu wiederlegen wußte Urtheil und Recht außsprechen.
| Seite 125r| Es soll auch vor der Kriegsbevestigung kein beweisung oder ander dergleichen
Handlung inn der Heuptsachen angenommen werdenn, Es were dann das der Beclagte einen Außzug
vorbrechte und bewiesen hette, welcher die Kriegsbevestigung verhinderte, oder das uff
ungehorsamb des Beclagten procedirt wurde, Oder wann eine Parthey Zeugen hette, wilche alters
halber abgehen möchtenn besorget würde. Oder Zeugen die inn Krieg zihen, oder sonnst lange
geferliche Reisenn thunn wolltenn, Auch zu ewiger gedechtnusse, wie die Rechten solche
zulassen, Inn solchen Fellen mögen die Zeugen vor der Kriegsbevestigung abgehortt
werdenn.
Alsbaldt nach befestigung des Kriegs soll der Aidt vor geferde, uff begeren einer oder
beider Partheienn geschworn werdenn, inn nachfolgender form.
Ich N. schwere zu Gott unnd dem heiligen Evangelio, das ich glaub einn gerechte Sache zu
clagen habe, das ich auch keinenn geferlichenn uffschub, oder freventlichen Außzug oder
beybringung begeren oder suchen, Unnd
| Seite 125 v| so offt ich inn Rechte gefragt, die
Warheit sagen und nit verhalten, unnd keinn falsch beweiß gebrauchen will. Das ich dieser
sachen halber niemandt etwas geschenckt, verheissen oder versprochen habe, schencken,
verheissen oder versprechen will, weiters dann die Rechte zulassenn. Damit ich die Urtheil
inn dieser Sachen erhalten möge, alles trewlich unnd ungeferlich.
Ich N. gelobe und schwere zu Gott und dem heiligen Evangelio, das ich glaube, ich habe
eine gute Sache, mich gegen den Cleger zu schirmen, und will keinen freventlichen schub oder
geferlichen Außzug begeren oder vorwenden. Unnd so offt ich inn Recht gefragt werde, die
Warheit sagen, Hab auch oder will niemandt, dann denen so die Recht zulassenn, etwas geben
oder verheissen, damitt ich die Urtheill erhalten möge, alles trewlich unnd ungeferlich.
Diesenn Aidt sollen beide Heuptsacher, so sie personlich zugegenn seinn, Dergleichen ire
Anwelde einn jeder inn seinn eigen Seele schweren. Wann aber die Heubtsacher beide, oder irer
einer nit zugegen sein, soll des abwesenden Mompar den Eidt inn seinn eigenn und auch des
principaln Seele, so fernne er genuchsamb gewalt, sonderlich den Aidt vor geferde zu thun von
ime hat schwerenn.
| Seite 126 r| Wo der Cleger diesen Aidt, so er ann ime begert wirdt, nit thun wolt, soll er
seinn Clage und Sache damit verlieren.
Wo aber der Beclagt auffs Clegers beger solchen Aidt zu thun sich weigert, soll die Clage
gegenn inen einbracht, darfur, als ob er derenn gestendig were, geacht unnd gehalten
werdenn.
Im Fall aber keinn Parthey diesenn Aidt begeren würde, kann er stillschweigent umbgangen,
unnd dem Proccß nachgesetzt werdenn.
Doch wann das Gericht bey einem oder andern Theill einiche geferlichkeit vermercken würde,
mag auß Richterlichem Ampt der sonderlich Aidt vor geferde, unangesehen, das es von den
Partheien nit begert wordenn, den theill, so der geferden inn verdacht stunde, zu aller Zeitt
des Kriegs uffgelegt werdenn.
Es sollen auch die Richtere die Partheyen vermanen, eine der andern den Aidt nachzulassen.
Da der Eidt aber geleistet werden soll, sollenn beide Theill des Eidt einhalt unnd schwerer
Straff Meineidts verstendiglich und mit ernst erinnert unnd gewarnet werdenn.
Nach solcher Kriegsbefestigung mag der Cleger seine Clage unnd Gerechtigkeit weiter und
underschiedlicher Articuls weise vorbringen. Damit er den gegentheil zur bekantnusse desto
besser bringen unnd die Zeugen darauff füren möge, Soll er zill unnd Zeit darzu bitten, die
ime auch gegeben werdenn soll. Wann aber die Clage vorhinn Articuls weise eingebracht were,
So mag der Cleger dieselbigen ann Stadt der Satzstück unnd Articuln repetiren, unnd ob er
will mittel eidts übergeben wie folget.
Die Articul so ich in Recht bracht habe, seind war, so viel sie mein eigen geschefft,
thunn unnd lassen anlangen. So viel sie aber nit meinn eigenn, sondern frembde gescheffte
berüren, glaub ich sie war sein, unnd verhoff sie zu beweisen, als mir Gott helffe unnd sein
heiliges Euangelion.
Wann der Cleger seine Articul dermassen ingegeben, soll der Beclagt uff des Clegers beger
angehalten werdenn, bey gleichem Eide singulariter singulis, Das ist uff einen jeden Articul
in Sonderheit zu antworten.
| Seite 127r| Wilche Antwort geschen soll mit den wortenn: Ich gestehe es nit. Unnd das inn
Sachen, die des Beclagten eigen thun unnd lassen belangen. Aber umb frembde geschicht soll
geantwort werdenn: Ich glaub es, oder glaub es nit. Unnd soll der Beclagt vor solcher Antwort
diesen folgenden Eidt thun, unnd darnach antworten, wie vursch[ehen].
Ich wil rechte Antwort geben zu des Clegers Articuln, sonder allen betrug, als mir Gott
helffe und sein heiliges Evangelium.
Es mögen die Partheien ire Articuln und Antwortten bey dem Eyde obgeachter massen angeben,
in eigner Person oder durch ire Mompar unnd Anwelde, Doch das sie genugsamb gewalt darzu
haben, und vonn den principaln genuchsam underricht seinn.
Wo aber einige Parthey uff die Articul die der Richter zugelassen, und gegentheil beim
Eide angegeben hette, wie vorgesch. stehet, nit genuchsamb oder gar nit antworten wolte. Nach
dem ir solchs bey straff unnd poen der bekäntnusse gerichtlich ufferlacht und gepotten were.
Die Articul sollen uff gegentheils beger
| Seite 127v| vor bekant angenommen, unnd darauff
fernner, wie Recht, bis zum endturtheil inschlißlich volnfaren werdenn.
Wann der Clagen und Articuln zumall oder zum theil nit gestanden wirdt, Soll dem Cleger
uff sein ansuchen, so fernne als die Clage vor geschickt, und die Articul
| Seite 89| vor
vertreglich angesehen werden, durch das Gericht zur beweisung zugelassen werdenn.
Will der Cleger durch Zeugen beweisen, soll er deren Namen inn beysein des Gegentheils,
anzeigen, und dem Beclagten zeit geben werden, sein Fragstück, ob er will, inzulegen.
Der Beclagt mag auch vor der Verhör, gegen die Zeugen excipiren oder protestiren wieder
derselbigen Person und aussagen nach der Verhör zue gelegener Zeit zu excipiren.
Die Zeugen sollen alle vorgehaischen und den Wiedertheil darzu verkündet, die Zeugen zu
sehen und hören schweren, und inn gegenwertigkeit des Wiedertheils oder seines ungehorsamen
außbleibens, die Zeugen angenommen, beeidigt und verhört werden.
| Seite 128r| Nach solcher zulassung unnd annennung sollen die Zeugen, nachbeschriebenen
Aidt schweren, und des nit erlassen werden, beide Partheyen erlissen sie dann des Aidts aus
freiem Willenn.
Ich N. will die Warheit in der gantzen Sachen zwischen N. und N. sagen, was ich weis unnd
gefragt werde, und das nit lassen umb lieb, leidt, haß, freundtschafft, feindschafft, forcht,
gab, nutz oder anderer sachen willen, dardurch die Warheit möchte verhindert werden, trewlich
und ungeferlich, als mir Gott helffe und sein heiliges Euangelion.
Nach gethanen Eide sollen Schultheiß unnd Scheffen die Zeugen alle, oder einn jeden
besonder vor dem Verhör, ires gethanen Eidts erinnern, und vor der straff des Meineidts
verstendiglich unnd mit ernst verwarnen, wie folget.
Einn Zeuge der wieder seinen gethanen Eidt einn falsch gezeugnis gibt, der verspot und
veracht Gott den Allmechtigen, der alle dinge sihet und weis, und die Hertzen der Menschen
erforschet, und selbs die Warheit ist.
| Seite 128v| Zum zweitten, betreugt er mit seinem falschen zeugnis den Richter, das
derselbe auff sein zeugnus einn ungerecht Urtheil fellet.
Zum dritten beleidigt er die Parthey, wieder die das Urtheil außgesprochen wirdt. Derhalb
ihnen Gott der Allmechtig zeitlich unnd ewiglich straffen wirdt.
Unnd wo seine falscheit an tag kompt, hette inen die weltliche Obrigkeit zu straffen.
Unnd ist schüldig dem beclagten theill seinen costen, schaden und intereße, darinn er
durch das falsch zeugnus und ungerecht Urtheil gefurt, zu erstadten.
Darnach soll einn jeder Zeuge besonder, und inn abwesen der Partheien unnd anderer, durch
das Gericht, oder zum wenigsten durch den Schultheissen mit zweien Scheffen und den
Gerichtschreiber vorgenommen werden.
Unnd erstlich sollen sie uff die negstfolgende gemeine fragstücke, so sonst keine vom
gegentheil eingegeben, gefragt werden.
Darnagst die Articul der Clage darauff Zeuge zu verhören designirt, verstendiglich und
deutlich, das er den eigentlich verstehe, verlesen lassen, und inen darauff verhörenn.
Unnd so einige special Fragstück, bey diesem oder jenem Articul vom gegentheill
eingegeben, und dieselben zur sachen dienlich were, soll der Zeuge darauff
| Seite 129r|
auch mit fleiß verhort, und sein aussage durch den Schreiber fleissig und trewlich
auffgeschrieben, bey den Acten behalten werden.
Unnd umb richtigkeit willen, Zeugen sein aussagen abermals verlesen ob er sich
| Seite 90| geirrt, oder
unverstendiglich gezeuget, ihnen zum besserm verstande zu bringen, oder ob er darbey, wie er
außgesagt, bleiben wölle.
Die Verhörer sollen auch dem Zeugen bey seiner jedenn aussage, umb ursach seines wissens,
Zeit, Malstat, und andere Umbstende, nach jeder Sachen gelegenheit, erfragen und
auffschreiben lassenn.
Unnd nach endlichem Verhör uff alle Articuln den Zeugen bey gethanenn Eide einbinden,
warumb er gefragt, und sein aussage bis zu Rechtlicher eröffenung der Zeugen sagenn inn
geheim und verschwigen zu haltenn.
Da auch etliche Zeugen, so ernent wordenn, inn eines andern Gerichtszwang gesessen, soll
der producirende Theill bey Schultheis und Scheffen umb Compaßbrieffe ann derselbigen Zeugen
ordentlichenn Richter anhaltenn.
Wilche ime solche Compas mit verschliessung der Articuln Interrogatorien und designation,
worauff der Zeuge abzuhören, ann den Richter, mittheilen soln, inn nachfolgender form.
| Seite 129v|
Wir Schultheiß und Scheffen des Gerichts zu N. Entbieten euch N. unsere freundtlich Gruß,
willig Dienst, und alles Guts zuvor. Unnd fügen euch hiermit zu wissen, das sich vor uns
Rechtfertigung erhalten zwischen N. Clegern ein, und N. Beclagten anderstheils, Darinn so
weit inn Recht gehandelt, das berurter Cleger zu beweisungen seiner vurbrachtenn Clagen,
gegenwehr oder Artickel gelassen ist, welcher beweisung er sich auch undernommen, und darauff
N. und N. Zeugen ernennet und angezeigt. Unnd nachdem dieselben Personen ewerem Gerichtszwang
underworffen und diese Compassbrieffe ann euch zu erkennen, gebetten. Wann nun Kundschafft
der Warheit, niemandts verhalten werden, Auch eine jede Obrigkeit und Gericht dem andernn,
der Warheit zu stewer und zu hülff kommen soll, seindt ime diese unsere Compassbrieffe inn
Recht zuerkandt. Unnd ist demnach ann euch unser fleissig Bitt, ir wollet zu fürderung des
Rechtens und ergründung
| Seite 130r| der Warheit die Zeugen ewerem Gerichtszwang
underworffen, so genanter N. euch ernennen unnd anzeigenn wirdt, vor euch Rechtlich
erfordern, auch den Wiedertheil zeitlich darzu verkündigen, ob er darbey seinn oder schicken
woll zu sehenn unnd hörenn, die Zeugen vorzustellen, mit gelübdt unnd Aidt uffzunemen,
geloben und schwerenn, auch fragstücke ob er woll, zu ubergeben unnd nachfolgends dieselben
vurgestelten Zeugen uff diese hierbey verleibte Artickul und Fragstücke, ob einige ubergeben,
oder wo nit, alßdann uff gemeine Fragstücke und bey jedem Articul, so war gesagt, wirdt umb
Ursachen seines Wissens, mit fleiß verhören unnd befragen, und derselben Kunden mit Fleiß
außschreibenn lassen, und mit aller verhandlung, so vor euch ergangen, uns verschlossen zu
schicken, inn unserm Rechtspruch darnach wissen unnd haben zu haltenn. Das wollen wir umb
euch zu beschulden geneigt sein. Des zu urkundt ...
Unnd wann der Richter dann beschrieben wirdt der Zeugen verhören will, soll der gegentheil
darzu beruffen werden, die Zeugenn zu sehen und hören schweren, unnd darnach die Zeugensage
verschlossen dem vorigen Gericht zugeschickt werdenn.
| Seite 130v|
- 1. Wie alt er sey. Item wie Reich.
- 2. Was seinn Handtierung oder Gewerb.
- 3. Ob er im geistlichen Banne oder Kay. Maj. Acht sey.
| Seite 91|
- 4. Ob er der Parthey, so innen vorgestalt mit sipschafft, schwagerschafft, oder sonst
verwandt sey.
- 5. Ob ime etwas verheissen, gegeben, nachgelassen, oder versprochenn sey Kundtschafft
zu gebenn.
- 6. Ob er vonn dem vorstellenden theile oder sonst jemandt underricht sey, was unnd wie
er sagenn solle.
- 7. Ob er auß seiner Kundschafft inn einem oder andern weg gewin oder verlust gewertigt
sey.
- 8. Wilchem Theill er den gewinn oder niederlage der Sachen gönne.
- 9. Ob er sich mit seinen Mitgezeugenn auff die sache unterredt, besprochen und
verglichen wie, oder was er sagen soll.
| Seite 131r| Es mögen die Gericht zu fürung der Zeugen, oder anderer beweisung drey dilation
oder sonderlich gebenn, onn erkentnusse einiger ursach und sonderer solennitet, Aber die
vierdt dilation oder schub, soll onn erkentnusse der ursach, und solennitet nit gegeben
werdenn.
Nach dem die Zeugen verhort seinn, sollen die Außsagenn auff begeren der Partheien
eroffnet, unnd Abschrifften davonn und Zeit denjenigen, gegenn den sie gefurt, seine Notturfft
dargegen vorzuwenden, gegebenn werdenn.
Wo auch der jhenig, so beweisung thun will, mit Brieffen, Siegeln, Instrumenten, oder
andern glaubwirdigen Instrumenten gefast, die mag er einbringen. Doch sollen Siegel,
Handschriffte und Instrumente vor Gerichte agnoscirt werden. Unnd so sie alters halben
unbekentlich, doch in glaubwirdiger Form unnd uncancellirt, nit radirt, unnd sonst nit
argwonig, uff ansuchen des producirendenn Theils umb
| Seite 131v| alters willen zugelassen
werdenn, vorbeheltlich dem gegentheil seiner Einredde.
Es seinn auch mehr beweisungen, als durch eigen bekantnusse, offentliche, unlaugbar,
scheinbare Daten. Item augenscheinliche besichtigung. Item mit gemeinem Gerichte. Item durch
vermutung mit dem Eide, als so der Beclagt den Eidt dem Cleger, oder hingegen dem Beclagten
den Aidt heimstelt, und der Eidt darauff dieselben alle stat haben oder nit: Sollen unsere
Schultheissen und Scheffen sich bey Rechtsgelerten oder aus Rechtsbüchern erkhundigen. Dann
solche dinge alle hierinn zu setzen, viel zu lang fallen würde.
Offt begibt es sich auch, das der Cleger und Beclagter der Clagen und Antworten nit
volnkomlich erwiesen, und nur einn halbe beweisung hat, Alßdann mag der Richter oder das
Gericht den der solche halbe beweisung hat, zu er[f]üllung
| Seite 132r| solcher beweisung,
den Aidt nach Außweisung der Rechten zuerkennen, und solchs allein inn den Sachen, davonn der
den Eidt thun soll, selbst wissen dragt.
Vorbehalten auch dem gegentheil rechtmessige Ursachen vorzuwenden, wo er will, warumb der
Eidt nit gestadt werden solle, und darüber ferner mit Recht erkent werden.
Wann dann beide Partheyen Clag, Antwort, Kundt und Kundtschafft, auch notturfftig Inn und
gegenredde, unnd alles was sie inn Recht verhoffen zugemessen
| Seite 92| inbracht, Sollen sie zu
recht beschliessen, und ihnen Urtheil und Recht mitzutheilen bitten.
Unnd wo ein Theill onn redlich ursach nit beschliessen, sondern den Gegentheil darinn
uffhalten wolle, soll das Gericht mit dem andern Theil, aus Richterlichem Ampte
beschliessen.
Darnach sollen die Scheffen die Acta zum fleissigsten, und nach irem besten verstande
verlesen, erwegen und Urthel darauff fassen.
| Seite 132v| Wo aber der Handel wichtig unnd sie sich der Urthell nit entschliessen
kondtenn, Sollen sie Recht bey unverdachten, unpartheylichen Rechts erfarnen, uff der
Partheyenn ziemblichen Costen fassen lassen, unnd folgendes eröffnenn.
Wann das Gericht das Urtheil entschlossen, soll solchs inn schrifften verfast, und inn
sitzendem Gericht öffentlich verlesen, und mit verzeichnus Jars, Monats und tags inn das
Gerichtsbuch eingeschrieben werden.
Zu solcher eröffenung der Urthell sollen beide theill, oder anwelde, beruffen werden, unnd
da einige Parthey außbliebe, soll nit weniger das Urthell auff ungehorsamb des außbleibenden
theils, uff anhalten des gehorsamen Theils eröffenet und mitgetheilet werdenn.
Inn solchen Endurtheln sollenn die Urtheiler fleissig achthaben, das sie das jenige, so
vom Cleger begert wordenn, demselbigenn, als fer es doch in Recht genug erwiesenn, zu
erkennen, und der Beclagt mit ablegung des grichtlichen Costens und Schadens, darinnen
verdampt: Oder aber nach gelegenheit den
| Seite 133v| Antworter vonn der Clage ledig
erkennen, unnd dem Cleger einn ewig stilschweigen ufflegen, und also nach gestalt des bestenn
beweises entweder verdammenn oder ledig zelenn.
Die Gerichtliche Costen, so uffgangen, darinn einer verdampt, soll der erhaltender Theil
underschiedlich vonn Item zu Item, wannehe, und wo vor die außgeben seind, verzeichnen, dem
Gericht übergeben, unnd durchs Gericht taxiren lassen, unnd das Gericht den verlierenden
theil zur bezalung anhaltenn.
Wo aber neben dem gerichtlichen Costen, als Schreiber, Rednerlohn, Brieffgelt, Vorgebot,
laut unserer derhalb hernachfolgender Gerichtlicher Besoldung, zu der Advocaten und
Rechtsgelerten Ratgeben, und sonst inn andere wege angewendet, soll alles verzeichnet
eingebracht, und also darauff erkent werden.
So N. einen leiblichen Aidt schweret, das er inn dieser Sachen N. ged.
| Seite 133r|
Gerichtskosten außgelegt, oder noch außzugeben schuldig sey, das soll gehört werden, und
fernner darauff ergehen, was recht ist:
Inn sachen aber darinn Advocaten gebraucht werden sollen, soll dieser underscheidt
gehalten werden. Wo die Advocaten sich im Handel nambhaft underschreiben, sollen die Gerichte
nach grosse der Sachen, Fleiß und geschicklichkeit des Advocaten, für seine gehabte mühe
gebürlichen lohn taxiren und messigen. Dann die Partheien mitt dem Aidt bedeuren soll. Würde
aber der Advocat sich nit underschreiben, soll die verlustige Parthey darvor zu gebenn nichts
schuldig seinn.
Wann aber die Partheien inn irem Gerichtlichen Vorbringen und Handlungen keine Costen
bitten, auch derhalb nichts außtruglichs erkent wirdt, so sollen die Scheffen, nach der Zeit
auch derhalb nit richtenn oder etwas messigen.
Wirdt auch vom Urthell appellirt, und die Appellation verfolgt, so soll auch mit den
expensen, biß zu außfürung der Appellation stil gehalten werdenn.
Sonst wo nit davonn appellirt, oder die Appellation nit verfolgt, soll die taxation wie
obenn geschehen.
| Seite 93|
Nach dem vergeblich Urthel zu sprechen, wo die nit gebürender weise volnzogen unnd
gehandhabt werdenn.
Derhalben wollen wir, so ein Urthel an unserm Undergericht ergangen, unnd darvonn inn
gebürender zeit, nemblich inwendig zehen tagen, nach außgesprochenem Urthell, nit appellirt,
oder so appellirt, und derselbigenn aus redlichen Ursachen nit stat gegeben, oder so der stat
gegeben, und nachfolgendts darauff […] oder dieselbige
sonst desert oder verloschen were, so soll der gewinnenden Parthey uff ir anruffen,
gebürliche und schleunige execution unnd volnstreckung der Urthel geschehen, inn massen wie
folgt.
Unnd erstlich, so volnstreckung der Urthel begert wirdt, soll der gegentheil uff einen
gebürenden termin darzu citirt und gefordert, zusehen die Gerichtscosten zu taxiren, rechnenn
und messigen, und ferner die volnziehung der Urthel zu geschehen, oder rechtmessige Ursachen
vorzubringen, warumb das nit geschehen soll.
Wo alßdann uff dem angesetzten termin die verlustige Parthey rechtmessige Ursachen, so die
volnziehung der Urthel verhinderenn, furbrechte, soll sie nach Ordnung
| Seite 134v| der
Rechte darumb gehört werdenn.
Wann aber keine Ursachen vorbracht, oder solche vorbracht, welche nit erheblich oder
rechtmessig, und zu verlengerung der sachen vorgewandt, soll zu volnstreckung der Urthel
alßbaldt, ohnn Verzug vortgefaren werdenn.
Wann die Urthel in reali actione als umb Hauß, Hoff, Acker, Wiesen, Garten, Pferde, Ochsen,
oder ein ander dergleichen Gut, oder ding gehandelt wirdt, ergangen ist, Soll zuvor, ehe die
volnstreckung geschicht, dem verlustigen theil gebotten werden, solch Gut oder Ding, in
nemblicher Zeit dem Cleger einzuräumen oder zuzustellen. Und wo er solchs nit det, soll
alßdann durchs Gericht die volnziehung wircklich geschehen, das Gut oder ding von dem
Beclagten mit der that genommen, unnd dem Cleger zugestalt werdenn.
| Seite 135r|
Wo aber execution unnd volnziehung in personlichen Clagen beschehen soll, wann der Beclagt
inn ein gewiß ding verdambt, soll die execution inn ein solch ding, so ferne es vorhanden,
geschehen.
Were aber der Beclagt inn ein gewiß ding nit verdambt, oder das nach gestalt der Sachen
die volnstreckung inn andern seinenn Gütern, beschehen soll und muß.
Alßdann soll man zum ersten die farende Habe, und so dieselbe nit reichen würde, alßdann
die ligende Gütter, unnd zu dem dritten des Beclagten Schüldener, die der schuldt gestendig,
pfenden oder angreiffenn, Es were dann, das im Rechten, in sondern fellen anders
versehen.
Es soll auch inn der pfandung unnd volnstreckung diese bescheidenheit gehaltenn werden,
das solche Güttere, so dem Beclagten am wenigsten schaden bringen, unnd doch dem Cleger zu
volnziehung der Urthell genugsamb sein, genommen werden.
| Seite 135r| Unnd were es sache, das jemandt erschiene, und die gepfandte Güttere vor sein
eigen Gut anspreche, uff zeit der Pfandung, oder darnach, so sollen die verordenten executorn
und volnstrecker, die sachen an die Gericht weisen, darüber nach Ornung der Recht summarie
furzufaren unnd zu erkennen.
Unnd so sich das angegriffene oder gepfandte Gut des Beclagten oder schüldeners zu sein
erfünde, soln die Urthell auff dasselbige Gut, inn massen, wie vorstehet, unverzüglich
volnstreckt, Wo nicht, soll das irrig oder streitig Gut
| Seite 94| verlassen, ein anders an
dieselbige stat genommen, und die Urtheil, inn maasen, wie vorstehet, mit demselbigen
volnstrecket werden.
Wo auch jemandt anzeigen, unnd mit Recht darthun würde, daß das gepfandte Gut, nit des
schüldeners, sondern seinn des anzeigers, vorhin verlegt unterpfandt were, so soll die
volnstreckung der Urthel nit volnfurt, sondern geschurtzt. Darauff alßbaldt dasselbige Gut
verkaufft, und erstlich der vorige glaubiger davon gantz bezalt, volgents das ubrige zu
volnstreckung der Urthell gewendet, Und im fall dasselbige nit genug, alß dann ferner, wie
vorstehet, ann andere des Schuldeners gütter gegriffen werden.
| Seite 136r|
Unnd wann solche Gütter, liggendt oder farendt, zu execution und volnstreckung der Urthell
genommen, sollen sie inn ein sondern Zittel geschrieben, und an die Gerichts oder Ratheuser
sechs wochen lang daran zu stehen, angeschlagen, Oder zu dreien viertzehen tagen öffentlich
vor der Kirchen außgeruffen, und den Beclagten darzue verkundt werden, zu sehen die genommene
Pfande und Gütter umbzuschlagen und zu verkeuffen, und sollen solche Zittel beim Gericht woll
verwart werdenn.
Wann dann solche Gütter auffgepotten, und die angesetzte zeit verlauffen, sollen sie an
einen offentlichen Ort, darzu bequemlich, sonderlich verordnet, per licitationem verkaufft,
das ist, welcher das meist darumb gibt, dem sollenn sie durch die verordente executorn,
Verkeuffer, Büttel, Gericht oder Stadtknecht verkaufft unnd dargeschlagen, und hierin keinn
geferde gebraucht werdenn.
Es mögen auch die Gerichte, nach gelegenheit der Zeit, der personen, oder art unnd gestalt
des Handels, solche zeit der execution mindern, unnd ein kürtzer ansetzen.
| Seite 136v| Damit aber mitler zeit der execution die Gütter nit vereussert werden, soll
die condemnierte Parthey auch fur der execution und volnstreckung geloben, nichts zu
vereussern, zu nachtheil dessen, so die Urthel erhalten, und wilchen volnstreckung gedeienn
soll.
Unnd sollen obgemelter Personen, zu der verkauffung der Gütter verordnet, wes am höchsten
darumb gepotten und geben worden, und den Keuffer mit seinem Namen und Zunamen fleissig
auffschreiben, und den Gerichten derhalb gebürende unnd erpare Rechenschafft thunn.
Wir wollen auch, das obgemelte Executores und Keuffer, Büttel oder Stadt Knecht, so die
gepfandte Güttere verkeuffen, wieder durch sich selbst, noch jemandts anders vonn irentwegen,
heimlich noch öffentlich, vonn denselben Güttern nichts keuffen oder zu iren händen bringen
sollen, alles bey iren Aidtspflichtenn und schwerer straffe zu vermeidenn.
Unnd so die Pfande, wie oben angezeigt, verkeufft, soll er erhaltenden Partheien vonn dem
Gelde, daraus erlöset, mit wissen der Gericht, fur ir Heuptforderung
| Seite 137r| und
erlangten Gerichtscosten, außrichtung geschehen, Doch wo etwas ubrig, das soll dem Beclagten
oder Schüldener zu gutten kommenn.
Dergleichen wo die verkauffte Güttere vor die Heuptsumma und den Gerichtscosten nit
genugsamb weren, soll dem gleubiger ann andern des Schüldners Güttern, vor die ubermaß ferner
execution und volnstreckung, wie Recht, geschehen.
Dem glaubiger oder Partheien, so die Urtheil erhalten hat, soll zugelassen sein, die
Gütter oder Pfande, inn obgemelter massen, als einem Frembden zu keuffen.
| Seite 95|
Wo aber kein Keuffer befunden, mögen solche Güttere dem Glaubiger vor ein benante summa
Geldes, oder einen theil der Schuldt, wie das die Gerichte erkennen, zu bezalung geben werden,
Doch wo die Güttere, wilche zu bezalung gegeben, die Heuptsumma oder iren Wert nit ertragen,
Soll ihm uff des Beclagten
| Seite 137v| andern Güttern fernner execution vorbehalten sein,
Herwiederumb wo ubermaß befunden, soll dem Beclagten herauß gegeben werdenn.
Wann nach gesprochenem Endurthel ein Parthey sich beschwert befünde, die mag alß baldt im
fußstapffen, oder bey sitzendem Gericht inn gegenwertigkeit des Schultheissen ann uns, oder
unsere verordente Appelation Richtere mündlich appelliren, mit diesen oder dergleichen
worten:
Herr Schultheisse von dieser Urtheil als beschwert, ewerer Eherrn und des gantzen Handels
nichtigkeit vorbeheltlich, appellire und beruff ich mich ann den wolgebornen meinen gnedigen
Herrn Graven zu Witgenstein etc. oder seiner Gn. verordente Commissarien und Appellation
Richtere, unnd bitte mir Aposteln oder abscheidts Brieffe mitzutheilen.
Wo aber von dem Endurthel im fußstapffen nach der eröffnung, mündlich oder mit lebendiger
stim, nit appellirt würde, Soll die Appellation zum wenigsten inwendig zehenn tagen nach
gesprochenem Urthel, vonn stunden zu stunden zu
| Seite 138r| rechnen, geschehen, Und soll
solche Appellation inn Schrifften vor dem Gerichte oder Schultheissen und etlichen Scheffen,
so man die haben mag, oder vor einem glaubwirdigen Notarien und Zeugen geschehenn, Unnd
solche schrifftiche Appellation vor Notarien geschehen, inn zeit des Rechtens obgemelt, denen
Gericht und Wiederparthey insinuirt und verkündigt werdenn.
Wann nun von Endurtheln der gestalt appellirt und Aposteln gepetten unnd die sache, also
geschaffen, das die Appellation in Recht zuzulassen, so soll das Gericht, solchen
Appellationen mit diesem oder dergleichen worten deferiren oder stadt geben, unnd dieselbige
zulassen.
Dem Wolgebornen unserm G. Landherrn, Graven zu Witgenstein etc., zu Eheren, gibt das
Gericht der Appellation stadt und Reverential Aposteln.
Darauff soll dem appellirenden Theill dreissig Tage gesatzt und verordnet werdenn, seine
Appellation inn unser Schreiberey anzubringen unnd anhengig zu machen.
| Seite 138v| Wir wöllen auch, das inn hangender Appellation sach, weder durch das Gericht,
noch Parthey inn der Heuptsach oder costen nichts attentirt, oder einige newerungen
vorgenommen werden soll.
Wo aber appellirt wurde inn Fellenn, darinn die Recht zu appelliren nit gestadten, solche
Appellation soll von den Undergerichten nit zugelassen, sondern mit diesen wortten verworffen
werdenn.
„Nach dem deine Appellation freventlich, unnd inn Recht nit zulessig ist, so geben wir
derselben keine stadt, dann refutorial Aposteln, alß dann mag zu volnstreckung der Urthel
volnzogen werdenn.
Würde aber der Appellirender inn obbemelten dreissig tagen, die Appellation nit anhengig
machen, und das Undergericht dessen nit vorgewissigt, oder durch Inhibition inenn die Handt
nit schliessen lassenn.
So mag das Undergericht auff anhalten der gewinnenden Parthey, alßdann zu volnstreckung
der Urthell, wie Recht, volnfaren.
| Seite 96|
Die Undergericht und Schreiber sollen auch die Partheien uber solche dreissig tage inn
mittheilung aller gerichtlicher Acten, nit auffhalten: Sondern die Acten gantz volnkommen mit
erzelung auff was tag, Monat, Jar, wie und welcher gestalt appellirt worden, mittheilenn.
| Seite 139r|
Wurde aber von einem beyurthell appellirt, soll dasselbig nach Ordnung der Rechten in
Schrifften und innerhalb obgemelten zehenn tagenn geschehen, unnd darinn clärlich die
ursachen zugefügter beschwerung, außgedrückt werdenn. Unnd soll in diesem fall das Gericht,
so ferne es die ursach der beschwernus, nit vor redlich oder billich ansicht, der Appellation
stadt zu geben nit schüldig seinn.
Unnd sonderlich soll keiner Appellation von beyurtheiln stadt gegeben werden, die nit
crafft einer Endurthel haben, wilchs sich der Appellant nach der Endurthel seiner vermeinter
beschwerdt, inn der andern Instantz nit erhaltenn müge.
So dieser Appellation nit stadt gegeben würde, mag alßdann durch das Gericht vorgefaren,
wie hievor vonn Endurtheln, biß so lange ihnenvonn dem Obergericht ferner zu handeln
verlassen wirdt.
Wann aber vonn Endt oder beyurtheln inwendig zehen tagen weder mündlich noch schrifftlich
appellirt, So erlangt die außgesprochen Urthel ir crafft, und mag
| Seite 139v| darauff mit
gebürlicher Execution und volnstreckung gehandelt werdenn.
Wer auff außgangene Ladungen offenbar ungehorsamb erkant, mag nit appellirenn, soll die
Appellation nit angenommen werdenn.
2. Einn offenbarer, bekandter und uberwundener Mißtheter, kan nit appellirenn. Wann einer
aber aus forcht peinlicher marter zu einer bekantnuße gedrungen were, der mag vonn der
peinlichen frage mit urttel ufferlegter straffe woll appelliren. Doch soll er genugsamb
Burgschafft thun, oder inn Gefengnusse verwaret werdenn.
3. Der inn Amptsachen seines unfleiß oder verseumbnuß halber mit Urthell verlustig wirdt,
mag nit appelliren.
Wann aber die verhandlung und sachen, derhalb die erkantnuß geschehen, nit seinn Ampt,
sondern andere ding andrifft, mag derselbige verlustiger woll appelliren.
4. Zum vierdten, mag inn Fiscalischen fellen unnd inn sachen Kay Mat. Rent, Zinß, und
Gulten bedreffent, nit appellirt werden. Aber so viel die erblosen Güt
| Seite 140r|tere,
bona vacantia zu Latein genant, belangt, mag woll appellirt werdenn.
5. Zum fünfften, Wann jemandts vom Heupturthell nit appellirt hat, und erstlich von der
Execution oder volnzihung derselben urthel appelliren wolt, wurdt nit zugelassen, Es wurde
dann die gebürliche masse der volnzihung ubertretten oder nit gehalten.
6. Zum sechsten, mag vonn Urtheiln, so allein in possessorio ergangen regulariter nit
appellirt werden, Es sey dann, das die Urtheil ein offenbar unrecht auff ihr drüge, oder die
beschwerden in petitorio durch newe Rechtfertigung umb das Eigenthumb nit mocht wiederbracht
werdenn, mag davonn appellirt werdenn, und sonst in possessorio nit.
7. Zum siebenden, vonn beyurtheln, die nit crafft eines Endurtheils haben, oder durch
derselben Endurthell zu wiederbringen sein, mag nit appellirt werdenn.
8. Zum achten, vonn erwelung zu einem Vormunder oder Curatorn oder eins gemeinen Ampts, mag
nit appellirt werden, mag aber seine entschüldigung, wo er einige rechtmessige hette, inn
gebürender Zeit vorwendenn.
9. Zum neundten, vonn Urtheln unnd erkentnusse der volnzihung und execution, so keinen
Verzug leiden mag, hat keine Appellation stadt.
| Seite 97|
| Seite 140v|
10. Zum zehendten, Wann in einer Appellation etwas das zu derselbigen gehörig, unterlassen,
und also die wesentliche gebürende Zier nit gebraucht, wirdt geacht und furgefaren, als wann
nit appellirt worden.
11. Zum eilfften, So ein Urtheil ergangen, unnd von beiden Partheien angenommen worden,
hat die Appellation nit mehr stadt, ob gleich der eintheil der annemung Rewe entpfangen, und
vor erscheinung deren 10. tage appelliren wolte, oder appellirt hette.
12. Zum zwölfften, So die verlustige Parthey zeit begert hette zu volnzihung ergangner
Urthel, und darüber appeliren wolt, wird solche Appellation auch nit zugelassen.
13. Zum dreyzehendten, Die Kay. Maj. mag eine sache zu verhören und zu erortternn einem
Richter oder Commissarien befehlen von dem nit appellirt werden solle.
14. Zum vierzehendten, so einige freventliche Appellation, das ist, wieder Recht und
außgedruckte Statuten geschehen, werdenn nit zugelassenn.
Die jhenigen aber, so freventlicher muttwilliger weise appelliren, sollenn vermög der
Rechten gestraffet werdenn.
15. Zum fünfftzehenden, hat die Appellation nit stat, wann die verlustige Parthey, zeit
gebetten hat, vermög der Urthel zu bezalen.
| Seite 141r|
16. Zum sechszehenden, Ann des heiligenn Römischen Reichs Cammergericht werdenn keine
Appellation angenommen inn Sachen die under 150 Gl. Haubtgeldts werdt sein, Sollenn auch vonn
uns nit zugelassen werden, Also auch inn peinlichen sachen.
17. Zum siebenzehenden, So einer auff angeben eines Clegers gefangen, gepeinigt, und inn
costen gebracht, doch unschuldig befunden, mag derselbig unschüldiger, den Ankleger umb
solchen costen, schmach und schaden rechtlich vornemen, darinn summarie und onn zirlicheit
rechtlichen proceß gehandelt, und die urtheil on weittere Appellation volnzogen werden
sollenn, wie inn des Reichs Halsgerichts Ordnung versehen.
18. Zum achtzehenden, Es wird auch nit zugelassen dreymal zu appelliren.
19. Zum neuntzehenden, Vonn einem nichtigen Urtheil ist nit not zu appelliren.
20. Zum zwentzigsten, Ein Appellation die ins gemein geschicht wird verworffen.
21. Zum 21. Inn geringsten Sachen wird keine Appellation zugelassen.
22. Zum 22. Wann der Richter die beschwernus, derhalb appellirt wirdt, revocirt, hat die
Appellation keine stadt.
| Seite 141v|
23. Zum 23. Die Appellation dessen, so nit appelliren kann, hat nit krafft.
24. Zum 24. Wann einer vor einen falschen Müntzer verdampt ist, kann nit appellirenn.
25. Zum 25. Es kann keiner darvon appelliren, das er selbst gethann oder bestelt hatt zu
thun.
26. Zum 26. Der gewinnende Teil kan nit appelliren vonn der Sententz, umb der
nachgelassener taxation willen der expensen.
27. Zum 27. Nach verlauff der geordenter 10. tage wirdt keine Appellation gestadt.
28. Zum 28. Vonn einem wilkörlichen Scheidßrichter kenn man nit appelliren.
Item wann im Compromis die Appellation ausgeschlossen.
Andere mehr Felle seind bey den Rechts gelerten zu findenn. [142r]
Wilche Parthey vonn Undergerichten beschwert an uns appellirt, die soll zu volnfürung irer
Appellation innerhalb vorgemelten dreissig tagenn, bey unser
| Seite 98| Schreiberey vermelden, das
er appellirt habe uff N. tag und zeit, und solchs prothocolliren lassen, Unnd wo ime von
nöten, mag er umb Compulsorial, oder Zwangsbrieffe ann vorigs Undergericht, die Acten ime
mitzutheilen, auch sonsten umb Inhibition anhaltenn.
Die Compulsoriales und Inhibition soll unser Secretarius inn gebürender formen zu erkennen
und folgen zu lassen, bevelch haben.
Unnd da die Undergerichte damit ersucht werden, sollenn sie mit erzelung des handels, und
wie es vor inen vorbracht und verlaut hat, die Acta und das Urtheil under des Gerichtssigell
verschlossen zustellen, Die soll darnach die appellirende Parthey in die Schreiberey
presentiren, citation gegenn seinen Wiedertheil bitten.
| Seite 142v|
Ordinari Gerichtstage sollen wochentlich auff einen jeden Freitag gehalten werden, und da
vonn nötten der Sampstag darzu gehören.
Es sollen auch die Parteien durch den Gerichtspotten mit einer schrifftlicher Citation zu
fruer tagzeit, nemlich Sommerzeit zu sieben, und Winterzeit zu acht horen vorbescheiden
werden. Unnd wilchs theil uber acht uhr ungehorsamblich, one rechtliche entschuldigung
außbleiben würde, soll einen Ort zu busse geben. Wilche aber den Tag unabgeschrieben nit
besuchen wurden, sollen dem erscheinenden theil seinenn costen gelten, unnd einen Daler zur
Busse gebenn, er könne dann dessen solche ursachen der verhinderung darthun, dardurch er
darvonn billich zu enthebenn.
Unnd soll inn der Rechthangendenn Sachen nach besage der Rechten gegen die offtmals
ungehorsamen, wie inn erster Instantz volnfaren werdenn.
| Seite 143r|
Es sollen im gantzen Jar vier Audientien gehalten werden. Unnd soll jede Audientz die Woche
auß also 6. tage lang werenn.
- Die erste den zweitten Montag nach Trium Regum.
- Die andere Montags nach Oculi.
- Die dritte Montags nach Johannis Baptistae.
- Die vierdte Montags nach Galli.
Bey diesen Audientien sollen sein unser Amptmann, Secretarius, Rentmeister und andere
Rethe.
Uff solchen Audientzien sollen die Partheien inn recht und gute handeln, und inn Sachen
darinn beschlossen Urthell unnd bescheidts erwartenn.
Die gerichtlich und gutlich Verhör sollen zu Lasphe und
Berleburg uff dem Rathause, wo die Hoffhaltung seinn wird, gehalten
Werdenn.
| Seite 143v|
1. Uff den termino Citationis soll der Appellant die Citation reproduciren, und der Bot
relation thun, wie er die dem gegentheil verkündet habe.
In gleichem auch, so Compulsorialn und Inhibition außgangen, sollen die auch mit irer
execution einbracht werden.
2. Darnach das Instrumentum appellationis, oder die Acten, darinn die Appellation
geschrieben.
3. Darnach das Libel der Appellation.
Wann einer durch ein Interlocutori oder beyurthell — die doch eines Endurthels crafft nit
hette — unwiederbringlich were beschweret worden, und darvonn appellirt hette, So ist es
gnug, das er das Instrument der Appellation, oder
| Seite 144r| die Appellation zittel in
Actis, an stadt eines libels bey unsern
| Seite 99| Verordenten repetier und
erhole. Kurtzlich bittendt zu erkennen, das nichtiglich oder ubel gesprochen und woll
appellirt sey.
Wo aber vonn einer beyurthell, die eins endurtheils crafft hette, oder aber vonn einem
endurtheil appelirt were, da ist von nötten, das ein Appellation libell, wilchs die gravamina
unnd beschwerung Summarisch und ins gemein oder articulirt, und inn sonderheit begreiffe,
unnd in sich halte, auff diesen Termin ubergebe und einwende.
Wann nun von einer Interlocutori als von einem Endurtheil appellirt ist, soll man das Libel
beschliessen, wie hievor, Aber gegenn einn Endurtheil soll man diese worte hinzusetzenn.
Ich bitt das durch eweren Richterlichen spruch möge erkent werden, das nichtiglich oder
ubel geurthelt und woll appellirt sey, und das mein gegentheil verdampt werde, Laut und
Inhalt meiner Clage, die ich inn erster Instantz gethann habe.
Was dann gegen die Inhibition attentirt und vorgenommen, soll der Appellant inn einer
sonderlichen Schrifft und verzeichnusse fassen und inns Gericht vorlegen, mit conclusion und
beschluß auff die straffe inn der Inhibition oder verbotsbrieffen begriffen oder verleibt,
gerichtet.
| Seite 144v|
Im fall keine Inhibition außbracht, und doch inn hangender Appellation etwas attentirt und
vorgenommen worden, stehet dem Appellanten frey, solchs inn schrifften zu clagen und zu
bitten. Das alles was geschehen und vorgenommen in integrum, das ist inn vorigen standt
wiedrumb möge restituirt und gesetzt werden.
Darauff auch unsere verordente Appellation Richtere, die Attentaten sach oder vorgenommene
Newerung onn verzug mit dem ersten so viel möglich mit dem ersten verrichten unnd billichen
bescheidt erlangen sollenn.
Inn der zeit soll gleich woll die Appellation sach damit nit feiren, oder zurück gesatzt
seinn, sondern soll zugleich, so woll inn sachen gravaminum und beschwerung, als der
Attentaten und datlichen anmassung, nach seiner Ordnung erkandt unnd gesprochen werden: Es
weren dann die attentata, und was geschehen gantz und gar Notoria, offenbar und bekandt, oder
kundten alßbald unverrücklich durch den Appellanten beweist werdenn. Beides fals muß vor
allen Dingen die restitution und wieder einsetzung inn vorigen standt geschehen.
Der Appellat mag Copey und abschrifft alles des, was der Appellant einbracht, sampt
dilation und frist, dagegenn zu handeln, und die Acta außschreiben zu lassen, bittenn.
| Seite 145r|
Uff den gebettenen Termin mag der Appelat die Appellation anfechten, als das sie untüchtig,
unnd gegen form der Rechten geschehen, oder die sache were dermassen gestalt unnd gelegen,
das sie durch Appellation nit hette können devolvirt werdenn, und an den Richter gelangen,
oder so er sunst andere dilatorias exceptiones hette, die möchte er Articuls weise
vorbringenn.
Unnd wirdt hierinn aller seits vorfaren, wie vonn dilatori exceptionem in prima instantia
gesetzt ist.
Wann aber der Appellat die Appellation an ir selbst oder ihrer devolution, mit grundt und
bestandt, nit kann anfechten, so ist er schuldig uff das ubergebenn Libel, den Krieg zu
befestigen.
| Seite 145v|
Inn Sachen Lucii Ticii des Appellanten und gegen Sempronium den Appellaten, gestehe ich
nit, das der Appellation folge geschehen sey, und bitte zu erkennen, das woll geurtelt und
ubel appellirt sey.
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Der Appellant soll also den Krieg bevestigen. Ich repetire und erhole mein vorige
articulirte petition und Libel anstadt der gravaminum, Bittendt nach Inhalt und Laut
derselbigen zu erkennen unnd zu sprechenn.
So er aber kein articulirt, sondern ein gemein Libel inn Gericht ubergeben hette, soll er
also setzenn.
Ich wiederhole mein Appellatorische petition, und bitte mir zeit und frist zu erkennen und
mitzutheilen, das ich nach Ordnung der Recht möge furtfaren.
Im fall er nichts mehr zu setzen oder zu articuliren hette, kondte er alßbaldt den Krieg
befestigen, und zugleich concludiren, wie folget.
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Ich repetier und erhole meine Appellatorische petition, bittende Laut und einhalt
derselbigen zu pronunciiren unnd zusprechen, stelle damit die sache dem Richterlichen
Erkentnusse und endlicher erörtterung heim.
Zur selbigen zeit soll man alßbaldt auff eines oder beidertheil erforderrn und beger den
Aidt vor geferde schwerenn.
Wann der Appellant also baldt concludirt und beschleust, mag der Appelat verzug und frist
bitten zu fernerem proces. Oder so der Appellant darmit nit zu frieden seinn wolte, möcht er
gleicher gestalt anhaltenn, das inn der sachen onn weiteren verzug möcht vortgefaren
werdenn.
Wo der Appellant die Articul seines appellatorischen Clag libels an Stadt der gravaminum
oder beschwerung inn vorigen termin repetiert und erholt hette. Soll der Appellat nun inn
diesem Termein darauff Antwort gebenn. Doch also das er
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Antwort schliesse, was ime zu setzen not seinn will.
Hette aber der Appellant zuvor dilation und frist zu articuliren oder fernern Proces
gebetten: So soll auff dießmall und um diesen Termeinn derselbige Appellat einn conclusion
schrifft, und darinn gleicher gestalt alles was ime not einbringen und ubergeben. Unnd soll
dem Appellaten in diesem fall dilation zu antworten und zu concludiren gegeben werdenn.
Aber so der Appellant inn der hauptsach etwas newes zu confirmation, becrefftigung und
sterkung desselbigen seines Rechten einfüren, oder was inn der vorigen Instantz schonn
eingefürt ist, besser ercleren oder beweisen wolte, kann er das auch articulirt
furbringenn.
Die form der wort zu concludiren oder zu beschliessen ist hie, wie inn der [ord]nung der
probation oder beweisung erster Instantz.
| Seite l47r| Also auch wan der Appellat newe exceptiones und Ausszüge einwenden unnnd
beweisen wolte, Soll er darmit zugelassen werden nach obgesetzter unser Ordnung der
peremptorischen Exceptionen.
Jedoch mag der Appellant, oder auch der Appellat under diesem scheinn keine newe Articull,
die zu der sache der ersten Instantz nit gehörig, einfürenn, das Gericht damit
auffzuhaltenn.
Die form der wort zu concludiren oder zu beschliessen ist hie, wie inn der ersten Instantz
zu halten. Doch soll in diesem Ort mit fleiß gemercket werdenn, Das aller setze unnd
dilation, gestalt und termin, dem Richterlichen Ampt heimgestalt sein, also das er darinn
moderiren, messigen, vorfaren und schaffen, das ist verlengernn oder verkürtzenn möge, alles
nach gelegenheit der sachen und Personen.
| Seite 147v| Wo der Appellant inwendig der zeit, wilche ime der Richter erster
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Instantz, wie vorgemelt, angesatzt, seine Appellation zu verfolgen, Oder so keine zeit
angesetzt werden, inwendig Jarsfrist von zeit des ausgesprochenen Urtheils, vor uns oder
unsern darzu verordentenn, nit erscheinen würde.
Sollenn unsere Verordenten uff anhalten des Appellaten den Appellanten drey mall
nacheinander vorheischen lassenn, zu beweisen das er seine Appellation, wie Recht, verfolget
habe, oder aber zu sehenn und zu hören, sein Appellation desert und verloschen zu seinn, zu
erkennen.
Wo alßdann der Appellant nit erscheinen würde, soll uff weiter anhaltten des Appelaten, die
Appellation desert und verloschen, und das vorig Urthell, inn seinn crafft gangen und zu
volnziehn sey, erkant, und die sachen vor erster Instantz Richter, umb volnzihung der urtel
zu thun remittiert, und der Appellant inn die Gerichtscosten gewiesen werdenn.