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      <titleStmt>
        <title>Olmützer Gerichtsordnung 1550</title>
        <author corresp="marcrelator:aut">
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            <forename>Heinrich</forename>
            <surname>Polan</surname>
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        </author>
        <editor corresp="marcrelator:edt">
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            <forename>Alfred</forename>
            <surname>Fischel</surname>, </persName>
        </editor>
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          <resp when="2018">Digitale Version</resp>
          <resp when="2023">Revision</resp>
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        <publisher>
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            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>
          </persName>
        </publisher>
        <authority corresp="marcrelator:his">
          <orgName corresp="https://digital-humanities.uni-graz.at" ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Institut für Digitale
                        Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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        <distributor corresp="marcrelator:rps">
          <orgName ref="https://gams.uni-graz.at">GAMS -
                        Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative
                        Commons BY-NC 4.0</licence>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
        <idno type="PID">o:repat.1550-olmuetzgo</idno>
      </publicationStmt>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
        <respStmt>
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <editor corresp="marcrelator:edt">
            <persName ref="https://d-nb.info/gnd/116666927">
              <forename>Alfred</forename>
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          </editor>
          <title>Die Olmützer Gerichtsordnung. Ein Beitrag zur Geschichte des
                        Österreichischen Prozessrechtes.</title> (<publisher>Deutscher Verein für
                        die Geschichte Mährens und Schlesiens</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Brünn</pubPlace>
          <date when="1908">1908</date>) </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <editorialDecl>
        <p>Im Rahmen meines Projektes "Repertorium digitaler Quellen zur österreichischen
                    und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit" ist es mein Bemühen, nicht
                    nur einen (möglichst) fehlerfreien Text zu erstellen, sondern auch und
                    insbesondere die in einem Text vorkommenden Zitate aus anderen Texten zu
                    "hypertextualisieren". Das bedeutet, dass der informationelle Mehrwert eines
                    digitalen gegenüber einem gedruckten Text dadurch sichtbar gemacht werden soll,
                    dass Zitate als Hyperlinks formatiert werden sollen, so dass mit einem Klick auf
                    diesen Link die betreffende Stelle in dem zitierten Text angesteuert werden
                    kann.</p>
        <p>Dies stößt natürlich an vielen Stellen auf Schwierigkeiten. So konnten auch in
                    dieser Gerichtsordnung längst nicht alle Verweise auf das römisch-kanonische
                    Recht verlinkt werden. Die Ursache hierfür liegt darin, dass die Auflösung
                    dieser Zitate nicht immer einfach, aber immer sehr zeitaufwendig ist. Es steht
                    zu hoffen, dass sich irgendwann jemand findet, der bereit ist, diesen
                    Arbeitsaufwand auf sich zu nehmen. <lb/> Hier genügt es zunächst, der
                    rechtsgeschichtlichen Forschung eine digitale Textgrundlage zur Verfügung zu
                    stellen.</p>
        <p>Heino Speer, Klagenfurt am Wörthersee, den 8. März 2018</p>
      </editorialDecl>
      <schemaRef url="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd"/>
      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="de">Deutsch</language>
        <language ident="la">Latein</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <list>
            <item>
              <term>
                <ref target="info:fedora/context:repat.quellen" type="context">Quellen</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.olmuetz" type="context">Olmütz</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
              <term>
                <date type="dcterms:temporal" when="1550">1550</date>
              </term>
            </item>
          </list>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text xml:lang="de">
    <front>
      <divGen type="toc"/>
    </front>
    <body>
      <div xml:id="NA.0">
        <head>[Titelblatt]</head>

        <p>Die Olmützer Gerichtsordnung. Ein Beitrag zur Geschichte des Österreichischen
                    Prozessrechtes. Von Dr. Alfred Fischel. Herausgegeben vom Deutschen Verein für
                    die Geschichte Mährens und Schlesiens. Brünn 1908. <pb
            facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p003.jpg" n="3" xml:id="P.3"/>
        </p>
        <div xml:id="NA.0.1">
          <head>Vorwort.</head>

          <p>Das Verfahren nach Olmützer Stadtrecht, welches für die meisten Gerichte
                        Nordmährens vermöge ihres Rechtszuges an den Oberhof dieser Stadt bis zum
                        Schlusse des 17. Jahrhunderts maßgebend war, ist in Dunkel gehüllt; und doch
                        wäre es so schwer nicht gewesen, den Schleier zu lüften, da die Existenz
                        einer Olmützer Prozeßordnung vom Jahre 1550, die doch zugleich über den
                        Rechtsgang des späteren Mittelalters Aufschluß geben mußte, durchaus nicht
                        unbekannt war. Dennoch beklagten selbst jene, die davon Kenntnis besaßen,
                        daß man über die Olmützer Rechtspraxis im genannten Zeitalter
                        bedauerlicherweise nichts Genaueres wisse.<note n="p.1">Bischoff über das
                            älteste Olmützer Stadtbuch (

              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Sitzungsberichte der Wiener Akademie, 85. Bd., S. 282), <ref target="http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_+Z223868109">desselben, "Deutsches Recht in
                                Olmütz", Olmütz, 1855, S. 34</ref>.</note> Im
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> Notizenblatte der historisch-statistischen
                        Sektion der mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues vom
                        Jahre 1862, Seite 63, war aber schon auf dieses Rechtsbuch genauer
                        hingewiesen worden, und auch Bischoff bezog sich in seiner Schrift über das
                        älteste Olmützer Stadtbuch auf einige Bestimmungen desselben.<note n="p.5">
              <!-- Noch kein Digitalisat --> a. a. O., S. 312. Eine Olmützer
                            Gerichtsordnung, offenbar mit dieser von 1550 identisch, findet sich
                            auch in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> d’Elverts historischer
                            Literaturgeschichte, S. 164, erwähnt.</note> Es war daher eine
                        Verpflichtung der mährischen Geschichtsschreibung, endlich diese
                        Gerichtsordnung zur Gänze an das Licht zu ziehen. Zwar ist Olmütz für die
                        Rechtsentwicklung Gesamt-Österreichs nicht so bedeutsam, wie Brünn und
                        Iglau. In der Mitte des 11. Jahrhunderts, als das Magdeburg-Breslauer Recht
                        bereits eine hohe Stufe der Ausbildung erlangt hatte, damit bewidmet,
                        vermochte es nicht zu einer selbständigen Rechtsentwicklung zu gelangen.
                        Aber die ausdauernde Treue und zähe Tapferkeit, mit welcher diese Stadt zu
                        einer Zeit an ihrer deutsch-volkstümlichen Rechtsüberlieferung festhielt, da
                        der größte Teil der deutschen Erde sich widerstandslos unter die Herrschaft
                        fremder Satzung beugte, ist bewundernswert, und auch die Gerichtsordnung
                        zeigt, daß die Quellen deutscher Rechtsbildung bei Ausgang des Mittelalters
                        hier im fernen Osten Deutschlands nicht völlig versiegt waren.</p>

          <p>Das Rechtsbuch selbst bietet uns ein getreues Abbild des deutsch-rechtlichen
                        Verfahrens, und das in einer Zeit der bewußten Zurückdrängung des
                        Deutschtums seitens der höheren Stände des Landes. Es hat gewiß <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p006.jpg" n="6"
              xml:id="P.6"/> durch die Präzision seiner Rechtsaufzeichnung mit dazu beigetragen, daß
                        dem gesamten Norden Mährens noch ausgiebiger als in den sächsischen Landen
                        die nationalen Grundlagen des Rechtsganges in der neuen Zeit, und zwar bis
                        gegen das Ende des 17. Jahrhunderts erhalten blieben. Seine Veröffentlichung
                        ist zudem geeignet, eine rechtsgeschichtliche Lücke auszufüllen. Die
                        rechtlichen Zustände der Städte im Norden der Sudetenländer, die nach
                        sächsischem Rechte lebten, aus der Zeit der Rezeption des gemeinen Rechtes,
                        sind, soweit das Verfahren in Betracht kommt, nahezu unbekannt.
                            <persName>Canstein</persName> in seiner verdienstvollen geschichtlichen
                        Übersicht im ersten Bande seines Lehrbuches des österreichischen
                        Zivilprozesses weiß darüber nichts zu berichten.<note
                n="p.6.1">Auch <ref target="https://archive.org/stream/beitrgezurrecep01ottgoog#page/n8/mode/1up">Ott, "Beiträge zur
                                Rezeptionsgeschichte des römisch-kanonischen Prozesses in den
                                böhmischen Ländern"</ref>, beklagt im Vorwort, daß die
                            Gerichtsverhältnisse jener Zeit nicht klargestellt sind. Bezeichnend
                            ist, daß Brandl in seinem 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Glossar keinen
                            dem Prozesse nach Stadtrecht entstammenden terminus technicus
                            anführt.</note> War daher die Herausgabe vom rechtsgeschichtlichen
                        Standpunkte geboten, so ist sie wegen der uns in der Gerichtsordnung
                        erhaltenen uralten Rechtsgebräuche nicht minder vom kulturgeschichtlichen
                        wünschenswert.</p>
          <p>Der inzwischen verstorbene Gymnasialdirektor <persName>Saliger</persName>
                        hatte eine paläographische Edition der einzigen ihm von der Prozeßordnung
                        bekannt gewordenen Handschrift mit Hilfe des deutschen Vereines für die
                        Geschichte Mährens und Schlesiens beabsichtigt und sich aus dem Olmützer
                        Kodex eine Abschrift besorgt. Der genannte Verein glaubte, nicht länger
                        zögern zu sollen, und betraute mich mit der kritischen Herausgabe dieses
                        Rechtsbuches. Die Grundsätze, von denen ich hiebei ausgieng, sind in der
                        Einleitung, welche ich dem Texte vorausschickte, ausgeführt. Wenn ich hier
                        neben anderen Nachweisungen eine kurze Übersicht des Olmützer Verfahrens zu
                        geben versuchte, so glaube ich damit einem Wunsche mancher Leser
                        zuvorgekommen zu sein.</p>
          <p>Indem ich diese Edition der Öffentlichkeit übergebe, kann ich nicht umhin dem
                        Ausschusse des Geschichtsvereines und dessen hochverdienten Obmanne, Herrn
                        Landesschulinspektor Dr. <persName>Karl Schober</persName>, für das mir
                        entgegengebrachte Vertrauen meinen besten Dank zu sagen. Ich komme zugleich
                        einer angenehmen Pflicht nach, wenn ich Herrn Landesarchivar Dr.
                            <persName>Bretholz</persName> in Brünn und Herrn Stadtarchivar Dr.
                            <persName>Kux</persName> in Olmütz für die mannigfache Förderung meiner
                        Arbeit, dem letzteren insbesondere für die vielfältigen Mitteilungen aus dem
                        Archive und die gütige Revision des Druckes, sowie auch Herrn Scriptor Dr.
                            <persName>Baumhackel</persName> für die freundliche Beschaffung der von
                        mir benötigten und nur auswärts erhältlichen älteren Literatur den
                        tiefgefühlten Dank ausspreche.</p>
          <p>Brünn, im Juni 1903. <lb/>Dr. Alfred Fischel.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.0.2">
          <head>Einleitung.</head>
          <div xml:id="NA.0.2.1">
            <head>1. Die Handschriften.</head>

            <p>Die derzeit nur einigen wenigen Forschern bekannte Handschrift der
                            Olmützer Gerichtsordnung<note n="p.7.1">

                <persName>Prásek</persName>, der
                                sich in mehreren Publikationen mit den Entscheidungen des Olmützer
                                Oberhofs beschäftigte, kannte weder diese noch eine andere deutsche
                                Handschrift und von den tschechischen nur die im Meseritscher
                                Gedenkbuche enthaltene, welche er aber auch nicht
                                verwertete."&gt;</note> befindet sich unter den Schätzen des Olmützer
                            Stadtarchivs und ist dort in einem Papierkodex mit der Signatur Nr. 64
                            erhalten. Er ist 29 cm hoch, 21 cm breit, 3½ cm dick. Der Einband
                            besteht aus Holzdeckeln mit einem einfachen stark abgewetzten
                            Lederüberzug, an welchem sich noch zwei Messingstangen als Überreste
                            einer seinerzeit bestandenen Schließe vorfinden. Das Buch enthält 130
                            (zur Hälfte mit einem Wasserzeichen versehene, zur Hälfte desselben
                            ermangelnde) Papierblätter, von denen die ersten 18 ebenso wie die
                            letzten 25 ursprünglich unpaginiert, erst von moderner Hand mittels
                            Bleistiftes mit den fortlaufenden Ziffern 1—18 und 106—130 versehen
                            sind. Dazwischen läuft die vom Schreiber des Rechtsbuches durchgeführte
                            Paginierung von Folio 1—87, von denen der eigentliche Text nur die
                            Seiten 1—81 umfaßt. Auf Blatt 1 liest man ein landesfürstliches Reskript
                            vom Jahre 1584 über das Verfahren in Kontrabandsachen, aber schon auf
                            Blatt 2 steht der Titel "zusammengetragene Artikel in Form eines
                            rechtlichen Prozeß, wie dieselben von alters her bei dieser Königlichen
                            Stadt Olomuntz bei Gerichte und auch in und vor gehegter bank in ubung
                            gehalten. Sambt andern nodturfftigen underweisungen und zutreglichen
                            vellen". Daran reiht sich die "Vorrede zum Leser" und ein Register,
                            welches alle Überschriften der Artikel und Distinktionen, die im
                            Kontexte des Rechtsbuches enthalten sind, unter Angabe der
                            Seiten-(Folio)zahl genau wiedergibt. Während aber das Rechtsbuch nur 33
                            Artikel enthält, folgt im Register noch ein Artikel, der <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo34">XXXIV</ref>., "wie man den Teter in die
                            Acht tut". Auch ist im Register zu <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo3.13">Artikel III, Dist. 13</ref> noch eine Nota des Inhaltes vermerkt:
                            "Beklagter wil verweisen die schuld auff liegende gruende ader auf
                            gewisse schulden", welche im Texte vergeblich gesucht wird. Darnach
                            folgen ununterbrochen die Bestimmungen der Gerichtsordnung. Sie zerfällt
                            in zwei Teile. Der <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p008.jpg" n="8"
                xml:id="P.8"/> erste Teil reicht bis zum <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo13">Artikel XIII</ref>, der zweite bis zum
                                <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo33">Artikel XXXIII</ref>. Der Schluß
                            wird durch das Wort "Finis, das Ende" gekennzeichnet, aber
                            dessenungeachtet sind noch die Worte angefügt: "Hierauff folget die
                            acht, so es der kleger begehrt."</p>

            <p>Auf den Text des Rechtsbuches folgen Ratsverordnungen betreffend den
                            Nachrichter, Vogt, Gerichtsschreiber und Gerichtsdiener und deren
                            Obliegenheiten sowie Taxordnungen der Olmützer Gerichtsstelle, welche im
                            Anhange abgedruckt werden. Im verzierten Initiale<note n="p.8.1">Im
                                Worte "Zusammengetragene".</note> des Titels ist die Jahreszahl 1550
                            deutlich zu lesen. Die Schrift weist ganz unzweideutig ihrem Charakter
                            nach auf das 16. Jahrhundert. Die Niederschrift rührt bis auf einige
                            spätere Zusätze von einer und derselben Hand her. Sie enthält keinerlei
                            Spuren einer bessernden Hand und ist, nach dem gleichmäßigen Flusse der
                            Schriftzüge zu schließen, die Reinschrift nach einem Konzept oder einer
                            Vorlage, die verloren gingen. Denn im Olmützer Stadtarchive selbst ist
                            keinerlei anderes Exemplar vorhanden.</p>
            <p>Die Gerichtsordnung mußte aber in zahlreichen Handschriften zirkulieren;
                            denn manche Praktiker aber auch viele Gerichte, welche ihre
                            Rechtsbelehrungen von Olmütz erhielten, mochten den Wunsch hegen, ein
                            Exemplar der nie im Drucke erschienenen Gerichtsordnung zu besitzen.
                            Urkundlich bezeugt ist, daß die Stadt Neutitschein im Jahre 1562 den
                            Processus juris von Olmütz erhielt und sich noch im Jahre 1583 um einige
                            Zusätze hiezu bewarb. Der Verfasser dieser Zeilen war mit Erfolg bemüht,
                            solche Manuskripte ausfindig zu machen. Er vermochte in der Tat das
                            Vorhandensein mehrerer derartiger Handschriften festzustellen und ist
                            auch in der Lage, sie bei der Herausgabe zu vergleichen und zu benützen,
                            wenn diese auch wesentlich auf dem Texte im Olmützer Kodex beruht. Alle
                            Exemplare stimmen bezüglich des Wortlautes der Gerichtsordnung ziemlich
                            getreu mit dem Olmützer Kodex überein und gleichen ihm insbesondere auch
                            darin, daß sie mit dem Artikel XXXIII und den darnach folgenden Worten
                            "hierauff folgt die acht, so es der kläger begert" abschließen und weder
                            die im Olmützer Kodex im Artikel XXV fehlende Distinctio 4 noch auch den
                            Artikel XXXIV enthalten. Im Olmützer Kodex ist also wohl das Original zu
                            suchen, dem die anderen Niederschriften entstammen.</p>

            <p>Vorerst besitzt das Brünner Stadtarchiv eine aus der Stadt Littau, welche
                            gleichfalls von Olmütz Recht nahm, herrührende Papierhandschrift, die
                            dem Ende des 16. Jahrhunderts anzugehören scheint und mit L bezeichnet
                            werden soll. Sie ist 19½ cm hoch, 15½ cm breit, 2 cm stark, umfaßt 95
                            kleine Quartblätter und bildet den Hauptbestandteil eines schlichten
                            Pappbandes, an dem noch Reste eines einfachen Lederrückens ersichtlich
                            sind. Sie zeigt, auf einem Vorsetzblatte den gleichen Titel
                            "zusammengetragene Artikel in Form u. s. w." und läßt auf die Vorrede
                            zum Leser unter Auslassung des Registers gleich die Bestimmungen der
                            Gerichtsordnung folgen. Ihnen schließen sich auf neun Blättern die
                            Artikel über Nachrichter, Vogt, <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p009.jpg" n="9" xml:id="P.9"/> Gerichtsschreiber und Gerichtsdiener und die
                            Taxordnungen, wie im Olmützer Kodex an. Beigebunden sind endlich 33
                            Blätter juristische Ausführungen über instructio in causa, ubi plures
                            homicidium fecerant, Bestimmungen über Geleitbriefe, ferner Leipziger
                            Schöftensprüche u. s. w.</p>

            <p>Eine andere Papierhandschrift verwahrt das mährische Landesarchiv in der
                            Cerroni’schen Sammlung. Sie ist 19½ cm hoch, 16 cm breit, 3 cm starb,
                            befindet sich in einem mit der Signatur S. II. Nr. 239 versehenen dünnen
                            Pappband und umfaßt sämtliche 434 Seiten. Es ist dies die bis nun der
                            Aufmerksamkeit der Forscher völlig entgangene glossierte Ausgabe dieses
                            Rechtsbuches von der Hand des <persName>Paulus Marckowitzer</persName>
                            von Olmütz aus dem Jahre 1612 unter dem Titel: "der königl. Hauptstadt
                            Olmütz im Marg. Mährern gerichtlicher Prozeß und Stadt-Ordnung, wie
                            derselbe nach alten hochlöblichen Sächsischen Rechten mit allen seinen
                            Artickuln. Noteln, Puncten und Clausulen etc. alda gehalten wierdt,
                            zusammengefaßt und beschriben durch Paulum Marckowitzer Anno M.D.CXII."
                            In dieser Papierhandschrift ist uns die kleinere Fassung erhalten. Denn
                            aus dem Manuskript selbst geht hervor, daß von Marckowitzer auch ein
                            großes Exemplar "deutsch und lateinisch verfaßt", herrührte, auf welches
                            er sich an mehreren Stellen beruft. Die gegenwärtige kleinere
                            Bearbeitung gibt den Wortlaut der Olmützer Gerichtsordnung mit der
                            Vorrede völlig getreu wieder und ist namentlich, was es die Zitate
                            anbelangt, genauer als die vorige Handschrift. Marckowitzer selbst will
                            den Text "aus etlichen Exemplaren in zimblicher Anzahl, welche man
                            darüber hat", konferiert und restituiert haben. In der Vorrede zum Leser
                            fügt er an der Stelle, wo von den zwei Teilen, in die das Buch zerfällt,
                            gehandelt wird, einen Absatz über einen dritten Teil ein, in welchem
                            "der gerichtliche Prozeß des beschriebenen Rechtens, gewohnhait und
                            täglichen Brauchs in Germanien jetziger zeit üblich, darinnen kürtzlich
                            eines jeden Ambt, darin gericht wandelt, gelehrt wirdt". Diesen dritten
                            Teil sucht man aber vergebens, es wäre denn, daß er seine Zusätze und
                            Anmerkungen zum Texte der Gerichtsordnung als einen solchen betrachtete.
                            Nach der Vorrede zum Leser folgte ein mit Bibelstellen gewürzter "kurzer
                            Unterricht", von wem die Obrigkeiten eingesetzt sind und wie sie sich
                            verhalten sollen, und eine dem <ref
                target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=19">Artikel I des sächsischen Weichbildes</ref> wörtlich entlehnte
                            Ausführung über die drei Arten des Rechtes. Daran schließen sich die
                            Bestimmungen der Gerichtsordnung mit dem vorgesetzten Titel: "von dem
                            saxsischen Gerichtsprozeß". Die von ihm geplante "nützliche
                            Verbesserung" besteht darin, daß er weitere ausführliche, meist
                            lateinische Allegate derselben Art, wie sie bereits im Olmützer Kodex
                            vorkommen, zugleich mit Ausführungen in deutscher Sprache und
                            zahlreichen Formularien zu Klagen, Zitationen, Litiskontestationen,
                            Urteilen, Eiden, Zeugenbeweisen, Appellationen u. dgl. fortlaufend im
                            Anschlusse an die Bestimmungen der Gerichtsordnung beibringt —
                            "additiones" und "notae", welche namentlich in der ersten Hälfte des
                            Manuskripts besonders reichlich fließen. Im allgemeinen können diese
                            Zusätze kein besonderes Interesse beanspruchen, in der zweiten Hälfte
                            der <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0010.jpg" n="10"
                xml:id="P.10"/> Handschrift fehlen sie nahezu ganz. Das Register des
                            Olmützer Kodex wird am Schlusse reproduziert, verzeichnet aber auch die
                            von ihm herrührenden Zusätze. Die Nachträge, die oberwähnten
                            Ratsverordnungen über Nachrichter u. s. w. und die Taxordnungen, die
                            auch in der Littauer Handschrift vorkommen, fehlen hier zumeist. Aus
                            dieser Handschrift geht wohl hervor, daß der Verfasser ein
                            unterrichteter praktischer Jurist und insbesondere auch mit der Praxis
                            der sächsischen Hofgerichte vertraut war, da er mehrfach auf Formularien
                            des Leipziger Oberhofgerichtes Bezug nimmt. Von dieser mir bloß in der
                            einen Handschrift bekannt gewordenen Ausgabe des Olmützer Prozesses
                            existierten mehrere Exemplare.<note n="p.10.1">Nach einem Vermerke auf
                                dem Manuskripte, wornach dasselbe als äußerst kostbarer Besitz
                                gehütet werden sollte, besaßen ein gewisser <name>Dr.
                                    Sponauer</name> und <name>Meixner</name> ein ähnliches
                                Exemplar.</note>
            </p>

            <p>Der Originalwortlaut im Olmützer Stadtbuche differiert von dem Texte der
                            letzteren zwei Handschriften nur in der Rechtschreibung und den
                            grammatikalischen Formen, welche bei diesen einen jüngeren Charakter
                                aufweisen.<note n="p.10.2">Auch wird in M. statt des Wortes "Vogt"
                                (Foyt) das Wort "Richter" gebraucht u.a.m.</note> Daß das Littauer
                            Manuskript von den beiden das ältere ist, beweist, abgesehen von den
                            einer späteren Zeit angehörigen Zusätzen des kommentierten Exemplars,
                            auch der Umstand, daß im Littauer Manuskript vielfach bei den
                            Eidesformeln die Worte "und alle Heiligen" durch den Passus "und das
                            heilige Evangelium" ersetzt sind. Es stammt also aus einer Zeit, in
                            welcher der Protestantismus in den mährischen Städten noch das
                            Übergewicht hatte, also aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, jedenfalls
                            aber, nach den mitgeteilten Nachträgen zu schließen, aus der Zeit nach
                            1583. Bei dieser Handschrift fehlen auch einige der Marginalnoten des
                            Originals, während Marckowitzers Kommentar auch in dieser Hinsicht eine
                            genaue Wiedergabe darstellt. Bei beiden sind aber bereits die im Kodex
                            von späterer Hand herrührenden Zusätze und Berichtigungen in den Text
                            aufgenommen; dagegen ist bemerkenswert, daß die Unterteilung der Artikel
                            in Distinktionen beim Littauer Manuskript nur zum kleineren Teile, bei
                            Markowitzer gar nicht durchgeführt ist.</p>

            <p>Es existieren ferner zwei Handschriften einer tschechischen Übersetzung
                            der Gerichtsordnung. Man wird sie wohl von dem processus juris ableiten
                            dürfen, welchen der Rat von Olmütz, wie bereits erwähnt, im Jahre 1562
                            der Stadt Neutitschein, die damals eine vorwiegend tschechische
                            Verwaltung besaß, in dieser Sprache mitgeteilt hatte.<note n="p.10.3">Nach einer neuerlich beim Stadtrate von Neutitschein eingeholten
                                Erkundigung ist diese noch von Beck (s. dessen
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Geschichte Neutitscheins, im Vorwort)
                                benützte Handschrift als endgültig verloren zu betrachten.</note>
                            Die gleiche Prozeßordnung muß auch in der Stadt Wall.-Meseritsch im
                            Gebrauche gewesen sein. Diese Stadt nahm ebenso wie das verschwisterte
                            Schönstadt (nun Krasna) Recht von Leobschütz in Schlesien, löste aber
                            1565 diese Verbindung und unterwarf sich freiwillig der Gerichtsbarkeit
                            des Olmützer Oberhofes.<note n="p.10.4">Der Vorgang spielte sich wohl
                                analog wie in Neutitschein ab. Auch von hier ging der Rechtszug
                                ursprünglich nach Leobschütz, und je nach der Sprache der
                                einlangenden Akten wurde der Tochterstadt die Rechtsbelehrung
                                entweder in deutscher oder in tschechischer Sprache erteilt. Im
                                Jahre 1562 aber weigerte sich der Leobschützer Rat, da die Stadt in
                                Schlesien gelegen und ihre Muttersprache die deutsche sei, andere
                                als deutsche Unterweisungen hinauszugeben, und begehrte, daß den an
                                sie gelangenden tschechischen Akten jeweilen eine deutsche
                                Übersetzung beigeschlossen werde. Im Jahre 1560 aus einer
                                untertänigen eine königliche Stadt geworden und daher von erhöhtem
                                Selbstgefühl, widersetzte sich Neutitschein dieser Neuerung. Kaiser
                                Ferdinand befreite ihre Bewohner auf deren Bitte vom Rechtszuge nach
                                Leobschütz und wies sie mit ihren Rechtsbelehrungen an Olmütz.
                                Damals erhielten sie auch den processus juris mitgeteilt. (S.
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Becks, Geschichte von Neutitschein,
                                Neutitschein 1854 im Vorwort und S. 219,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> d’Elvert im 13. Bd. der
                                Sektionsschriften, S. 548.</note> Mit dem Olmützer Rechte muß auch
                            das dortige Verfahren Eingang gefunden haben.</p>
            <p>Die eine Handschrift dieser Prozeßordnung (proces práwa Olomucskeho
                            genannt) findet sich auf Blatt 1—36 des sogenannten Wall.-Meseritscher
                            Gedenkbuches (Nr. 293, mährisches Landesarchiv), eines Papierkodex,
                            welcher mehrfaches auf die Stadt Wall.-Meseritsch und ihre
                            Rechtsverhältnisse gegenüber der Herrschaft und den Oberhöfen Olmütz und
                            Leobschütz bezügliches Material enthält. Der Prozessus ist von dem
                            Bürger <persName>Johann Fuczik</persName>, der wiederholt in seiner
                            Vaterstadt Wall.-Meseritsch Ämter bekleidete — er war 1625 Bürgermeister
                            — im Jahre 1611 (zur Zeit des greuelvollen Passauer Einfalles, wie er
                            getreulich berichtet) niedergeschrieben. Er besorgte sich diese
                            Abschrift, wie er sagt, zu seinem und anderer Leute gegenwärtigen und
                            zukünftigen Gebrauche — wohl ein Beweis, daß diese Prozeßordnung beim
                            Wall.-Meseritscher Ortsgerichte in Anwendung stand.</p>

            <p>Dasselbe geht auch aus einem anderen nun im Besitze des deutschen
                            Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens befindlichen
                            Manuskripte hervor. Es bildet einen Bestandteil des sogenannten
                            Přilauker Kodex (Handschriftenkatalog des Vereines Nr. 251), der in
                            Wall.-Meseritsch 1593 von Johann Šiwy angelegt, von dessen Sohne
                            Andreas, dem Bürgermeister dieser Stadt, bis 1651 fortgeführt worden
                                war.<note n="p.11.1">Das Přilauker Gedenkbuch,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> S. 12 und
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> 75, und
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Beck, a. a. O., im Vorwort.</note> Es
                            ist dies ein schlichter, stark gebrauchter Pappband mit einfachem, etwas
                            beschädigten Lederrücken, 27 cm hoch, 18 cm breit, 3 cm stark. Seine 298
                            Seiten sind an den Rändern stark abgenützt und vielfach vom Buchbinder
                            ergänzt. Auf Seite 209 bis 266 liest man den Prozeß, aber das erste
                            Blatt fehlt.</p>

            <p>Beide Manuskripte geben bis auf den Artikel IV den vollständigen Text,
                            der im Olmützer Kodex und den anderen oberwähnten deutschen
                            Handschriften enthalten ist, in ziemlich getreuer Übersetzung wieder.
                            Hie und da sind einige Ausführungen des Originals zusammengezogen, die
                            lateinischen Stellen werden übersetzt, auch sind dem Texte an einigen
                            Stellen Erläuterungen und Noten beigefügt, welche das Verständnis
                            erleichtern sollen, so wenn der Ausdruck "Schwertmagen" (Artikel 14),
                            der Rentenzins (Artikel 8), das Gericht im Gegensatze zum Rat (Artikel 1
                            des II. Teils) u. dgl. erklärt werden. Bei der Übersetzung einzelner
                            Bestimmungen und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0012.jpg" n="12" xml:id="P.12"/> der Anführung einiger termini technici (wie eductio
                            statt evictio u. dgl.) und Allegate unterliefen mitunter
                            Mißverständnisse. Auch die Übersetzung juristischer Ausdrücke ermangelt
                            bisweilen der Präzision. Besonders bemerkenswert ist die geänderte
                            Anordnung des Stoffes. In einer auf Artikel 5 (entspricht dem Artikel VI
                            des Olmützer Rechtsbuches) folgenden Note wird bemerkt, daß die Artikel
                            7, 8, 9, 10, 11, 13, 14, 15 und 16 als nicht eigentlich dahin gehörig
                            und der Erörterung eher hinderlich ausgelassen und erst hinten
                            nachgesetzt werden. Veranlassung hiezu gab aber wol der Umstand, daß die
                            scharfe Unterscheidung zwischen dem Verfahren vor Gericht und gehegter
                            Bank, welche dem Rechtsbuche im Olmützer Kodex eigentümlich ist, an
                            anderen Orten ungebräuchlich sein mochte, es daher wohl am besten
                            erschien, die Bestimmungen über den Vollzug der durch das "Gericht"
                            geschöpften Entscheidungen nicht gesondert, sondern vereint mit den
                            entsprechenden Vorschriften über die Exekution der Endurteile vor
                            gehegter Bank vorzutragen. Demzufolge enthält der erste Teil 18 und der
                            zweite Teil, wieder mit l beginnend, 10 Artikel. Nach diesem 10. Artikel
                            wird der zweite Teil als abgeschlossen bezeichnet. Es folgen aber darauf
                            dessenungeachtet die beiden Titel vom Prozeß des körperlichen Eides und
                            wie man einen Toten mit Rechte aufhebt.</p>
            <p>Wenngleich die beiden Handschriften bis auf die Orthographie und
                            insbesondere die diakritischen Zeichen eine vollständige Übereinstimmung
                            zeigen, so scheint doch die eine Abschrift nicht von der anderen
                            entnommen worden zu sein. Die im Groß-Meseritscher Gedenkbuche
                            enthaltene ist unzweifelhaft die ältere, aber ungelenk und flüchtig und
                            namentlich bezüglich der Teilung des Stoffes in Distinktionen
                            nachlässig, da die arithmetische Reihenfolge der Distinktionen nicht
                            genau beobachtet wird. Die viel jüngere Přilauker Handschrift, deren
                            Schreiber auch das fehlende erste Blatt des Wall.-Meseritscher
                            Manuskripts ergänzt hatte, weist dagegen eine saubere, sorgfältige,
                            beinahe schön zu nennende Handschrift auf und hält sorgsam die
                            Einteilung im Artikel und Distinktionen durch das ganze Manuskript fest.
                            Auch folgt hier nach Artikel 16 richtig Artikel 17, während das
                            Meseritscher Gedenkbuch irrtümlich den Artikel 17 abermals mit 16
                            bezeichnet. Das Manuskript des Přilauker Gedenkbuches kann also nicht
                            gut eine Abschrift des Meseritscher sein. Eher weisen beide auf eine
                            Vorlage als gemeinsame Quelle hin, welche sich wohl ursprünglich im
                            Besitze der Gemeinde Wall.-Meseritsch befunden haben mag, aber nicht
                            mehr erhalten ist, und mit dem verloren gegangenen processus juris der
                            Stadt Neutitschein nach dem Zeugnisse des erwähnten Geschichtsschreibers
                            dieser Stadt völlig übereiustimmte.</p>

            <p>Die Grundlage der gegenwärtigen Edition mußte selbstverständlich der im
                            Olmützer Kodex enthaltene Text sein. Er wurde nur dort verbessert, wo
                            sich dies nach dem Ergebnisse der Vergleichung mit den anderen
                            Handschriften als unerläßlich herausstellte. Zumeist ist dies durch
                            Anmerkung ersichtlich. Die in den Text verwobenen Hinweisungen auf die
                            römischen und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0013.jpg" n="13" xml:id="P.13"/> kanonistischen Gesetzbücher und die italienischen
                            Schriftsteller mußten selbstverständlich zum Abdrucke gebracht werden.
                            Aus diesem Grunde konnte aber auch von dem Abdrucke der Marginalnoten
                            nicht abgesehen werden. Wenn sie auch kein hervorragendes Interesse
                            bieten, gestatten sie doch einen Einblick in die Auffassungen und
                            Absichten des Verfassers. Bezüglich dieser Allegate war eine mannigfache
                            Richtigstellung erforderlich. Verhältnismäßig am leichtesten war es, den
                            Hinweisungen auf die Quellen des römischen und kanonischen Rechtes zu
                            folgen, schon schwieriger hinsichtlich der gemein- und
                            deutschrechtlichen Glossen, da nicht feststeht, welche Ausgaben dem
                            Verfasser vorlagen. Die "Allegate" der Handschrift außer Text, die unter
                            dem Strich zum Abdrucke gelangen, wurden zum Unterschiede von den
                            Anmerkungen des Herausgebers durch Buchstaben unterschieden: also a), b)
                            und 1), 2) u. s. w.</p>
            <p>Die Nachträge im Anhange fußen vorzüglich auf der Littauer Handschrift,
                            welche mit dem Olmützer Kodex verglichen und, wo es not tat, in Einklang
                            gebracht wurden.</p>
            <p>Bezüglich der Orthographie schließt sich die Ausgabe möglichst eng an das
                            Original an. Nur wurde bezüglich des v vor Konsonanten und des u vor
                            Vokalen sowie des y die neuere Schreibung vorgezogen.</p>
            <p>Bezüglich der Verdoppelung des nn und tt am Ende der Silben und der
                            Häufung der Konsonanten in der Verbindung ldt ist die Olmützer
                            Handschrift selbst unkonsequent.</p>
            <p>Der Herausgeber hielt sich daher für berechtigt, das zweite n und t im
                            Auslaute fallen zu lassen und dem gegenwärtigen Brauche entsprechend ld
                            oder lt zu schreiben.</p>
            <p>Das abwechselnde "vndt, vnndt, vnd" geschriebene "und" wird nach der
                            jetzigen Schreibung gedruckt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.0.2.2">
            <head>2. Die Olmützer Gerichtsordnung.</head>
            <head>Zeit der Abfassung. Urheber der Redaktion.</head>
            <p>Die deutsche Kolonisation des Ostens, eines der folgenreichsten
                            Ereignisse der deutschen und österreichischen Geschichte, hatte auch auf
                            dem Gebiete der Sudetenländer ungeheuere Umwälzungen im Gefolge.</p>

            <p>Mit den deutschen Rittern, Bürgern und Bauern, welche seit dem 12.
                            Jahrhundert die starrende Wildnis in blühendes Ackerland verwandelten
                            und dies slavische Gebiet durch die Begründung des Städtewesens dauernd
                            der Kultur gewannen, gelangte auch das deutsche Recht zu einer nahezu
                            ausschließlichen Herrschaft und verdrängte das einheimische. Der
                            Sonderung Deutschlands nach Stammesart entsprechend, verfolgte das
                            deutsche Recht seinen Siegeslauf auf zwei Wegen. Der Norden und Osten
                            fiel der sächsischen Art zu, und so waren alle die Städte, Märkte und
                            Dörfer im Norden Böhmens und Mährens und im angrenzenden Schlesien bis
                            nach Polen, die unter dem Wetteifer der Fürsten und Großen in rascher
                            Aufeinanderfolge entstanden, zumeist mit Magdeburger Recht bewidmet.
                            Dessen Geltungsgebiet wurde in Böhmen ungefähr durch den Lauf der Elbe
                            bezeichnet und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0014.jpg" n="14"
                xml:id="P.14"/> hier erwarb bald Leitmeritz im Rechtsverkehre eine
                            vorherrschende Stellung, indem alle nach dem gleichen Rechte lebenden
                            Städte Böhmens seit 1325 mit ihren Rechtsbelehrungen dahin gewiesen
                            wurden. Im Norden Mährens war Olmütz in gleicher Weise durch ein
                            Privileg Markgraf Johanns von 1352 Oberhof für alle Orte geworden, die
                            nach sächsischem Rechte ausgesetzt waren, und zwar seither in dauernder
                            Unterordnung unter den Schöffenstuhl Breslaus, dessen Recht ihm im Jahre
                            1351 in einer vollständigen Fassung mitgeteilt worden war.<note n="p.14.1">
                <ref target="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ223868109">Bischoff, Deutsches Recht in Olmütz</ref>, S. 22.</note> So
                            herrschte im Norden des heutigen Österreichs bis nach Krakau und Lemberg
                            hin Magdeburg-sächsisches Weichbildrecht.</p>

            <p>Südlich von der erwähnten Grenzlinie in Böhmen und im mittäglichen Teile
                            Mährens überwog wesentlich süddeutsches Recht, dort die Altstadt Prag,
                            hier Brünn und Iglau schon frühzeitig die Vororte einer großen Anzahl
                            nach deutschem Rechte lebender Städte und Ortschaften. Jeder der beiden
                            Rechtskreise nahm auch dem gemeinen Rechte gegenüber eine besondere
                            Stellung ein. Während die Gebiete, in denen sächsische Überlieferung
                            herrschte, dem eindringenden römisch-kanonischen Rechte beharrlich
                            widerstrebten, faßte es auf dem der nordischen Rechtsentwicklung
                            entrückten anderen Boden namentlich infolge des hohen Ansehens, in
                            welchem das bekanntlich stark romanisierende Brünner Schöffenrecht
                            stand, verhältnismäßig frühzeitig festen Fuß.<note n="p.14.2">
                <ref target="https://archive.org/stream/beitrgezurrecep01ottgoog#page/n8/mode/1up">Ott, Beiträge
                                    zur Rezeptionsgeschichte, 1879</ref>, S. 171 ff.</note> Die
                            Entwicklung hielt gleichen Schritt mit dem übrigen Deutschland. Die
                            Lehren der Justinianischen und päpstlichen Gesetzbücher brachen sich
                            auch hier unaufhaltsam Bahn und schufen in gewissem Sinne das gesamte
                            Rechtsleben des Volkes um. Besonders stark erwiesen sich die Einflüsse
                            der fremden Rechte auf dem Gebiete des Prozesses. Das auf Grund der
                            besten Darstellungen desselben (eines <persName>Tancredus</persName>,
                                <persName>Roffredus</persName> u. a.) von <persName>Guilielmus
                                Durantis</persName> († 1296) verfaßte 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            speculum judiciale stand allenthalben nahezu im Ansehen eines
                            Gesetzbuches. Als nun diese von den italienischen Juristen ausgebildeten
                            Grundsätze im Verfahren des 1495 in Deutschland errichteten ständigen
                            Reichskammergerichtes herrschend wurden und das gemeine Recht nun auch
                            formell rezipiert wurde, gab es keinen Widerstand mehr, und wurde das
                            einheimische nun völlig verdrängt.</p>

            <p>Anders, wo Sachsenrecht galt. Abgesehen vom landsässigen Adel hielten
                            namentlich die Städte dem von den gelehrten Doktoren geleiteten Ansturme
                            gegenüber Stand und wußten sich die nationale Rechtsüberlieferung
                            wenigstens in den wesentlichsten Stücken zu erhalten. Ein direktes
                            Eingreifen der Landesfürsten zu Gunsten des fremden Rechtes hebt hier
                            nun mit dem Jahre 1548 an. Im Verfolg des schmalkaldiscben Krieges,
                            verbot Ferdinand I. den Rechtszug nach Magdeburg sowohl für Böhmen als
                            auch für Mähren und Schlesien<note n="p.14.3">In Böhmen am 6. September
                                1547, für Mähren und Schlesien durch Mandat vom 20. Juni 1548, s. im
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Codex dip. Siles., XI. Bd. S.
                                209.</note> und errichtete <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0015.jpg" n="15" xml:id="P.15"/> am 20. Jänner 1548 auf dem Prager Schloß ein
                            gemeinsames Appellationsgericht für sämtliche Städte der böhmischen
                            Länder. Durch die Berufung rechtsgelehrter Doktoren als Beisitzer wurden
                            der ausschließlichen Anwendung des gemeinen Rechtes die Wege geebnet.
                            Hand in Hand damit gingen die Bestrebungen zur Einführung eines
                            gemeinsamen Stadtrechtes für ganz Böhmen.</p>

            <p>Die Altstadt Prag hatte durch die Annahme der Brünner Schöffensprüche
                            (des cursus sententiarium civilium) als Hauptrechtsquelle ihres
                            Stadtrechtes dem Eindringen der römisch-kanonischen Doktrin frühzeitig
                            Vorschub geleistet und führte nun einen hartnäckigen Kampf mit den nach
                            Magdeburger Recht lebenden Städten Leitmeritz, Laun, Schlan, Nimburg und
                            Aussig, um an die Stelle des Magdeburger ihr eigenes "einheimisches"
                                Recht<note
                n="p.15.1">Es braucht wohl nicht erst ausgeführt zu
                                werden, daß es sich im wesentlichen nur um einen Streit zwischen
                                süddeutscher und sächsischer Rechtsüberlieferung handelte.</note>
                            mit einer das ganze Land umfassenden Wirksamkeit zu setzen. Diese
                            Bestrebungen fanden an Ferdinand I. und seinen Nachfolgern eine
                            tatkräftige Unterstützung, wenn sie nicht von ihnen selbst veranlaßt
                            wurden. Dieser Streit endete mit dem Siege des gemeinen Rechtes, da das
                            deutsche in jenen Städten keinerlei Rückhalt an einem deutschen
                            Bürgertum besaß; denn dieses war zumeist in den Hussitenstürmen zu
                            Grunde gegangen. <persName>Paul Christian Koldin</persName>,
                            Ratsschreiber der Altstadt Prag, hatte den Entwurf einer
                            gemeinrechtlichen Reformation des Munizipalrechtes dieser Stadt verfaßt,
                            welcher nach mannigfachen Versuchen, zu einer Einigung mit der
                            Städtegruppe des sächsischen Rechtes zu gelangen, 1579 mit Bewilligung
                            der Stände unter dem Titel "Böhmische Stadtrechte" in Druck gelegt
                                wurde.<note n="p.15.2">
                <ref
                  target="https://archive.org/stream/beitrgezurrecep01ottgoog#page/n8/mode/1up">Ott, Beiträge
                                    zur Rezeptionsgeschichte, S. 185 ff.</ref> [<ref target="https://books.google.at/books?id=69pfAAAAcAAJ">2.
                                    Auflage 1614</ref>]</note> Sie wurden nach der ausdrücklichen
                            Unterwerfung der Stadt Leitmeritz seit 1610 allgemein verbindliches
                            Gesetz für die Stadtgerichte in ganz Böhmen. Damit war hier das
                            Vorwalten des römisch-kanonischen Prozesses entschieden.</p>
            <p>Nicht so in Mähren. Der Norden des Landes erwehrte sich standhaft unter
                            Vortritt der Stadt Olmütz des Rechtszuges an das Prager
                            Appellationsgerieht und widersetzte sich nach Kräften der
                            Beiseiteschiebung seiner nationalen Rechtsgewohnheiten.</p>
            <p>In Deutschland hatte die Aufnahme des fremden Rechtes, insoweit nicht das
                            Bestreben vorwaltete, das einheimische mit dem fremden Rechte zu
                            verschmelzen (in den sogenannten Reformationen), zur Aufzeichnung des
                            deutschen Gewohnheitsrechtes und zur partikularen Gesetzgebung,
                            namentlich auf dem Gebiete des Prozesses, genötigt. Diese Verhältnisse
                            mußten auch in den Sudetenländern dazu führen, daß mehrfach
                            Aufzeichnungen des auf dem Boden des sächsischen Rechtes erwachsenen
                            strittigen Verfahrens entstanden. Soweit bekannt, geschah dies aber
                            nicht nur in Böhmen, Mähren und Schlesien, sondern sogar in den Städten
                            Polens.</p>
            <p>Aus Anlaß des oberwähnten Streites zwischen Prag und Leitmeritz <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0016.jpg" n="16"
                xml:id="P.16"/> befahl Kaiser Maximilian II. der letztgenannten
                            Stadt eine Darstellung ihres Rechtes zum Zwecke der Vergleichung mit dem
                            Prager zu entwerfen und ihm vorzulegen. In dieser am 13. Februar 1571 in
                            tschechischer Sprache überreichten Denkschrift,<note
                n="p.16.1">Bei
                                Hanel, o vlivu práva německeho, Prag 1874, im Anhange
                                abgedruckt.</note> betitelt "Auszug der hauptsächlichsten und
                            vernehmlichsten Artikel des sächsischen oder Magdeburger Rechts",
                            geschehen vielfache Hinweise auf einen processus juris dieser Stadt.
                            Tatsächlich findet sich in zeitgenössischen Mitteilungen die Nachricht,
                            daß <persName>Nikolaus Mitas Austynus</persName> († 1574), Primas der
                            Schöffen und wiederholt Primator (Bürgermeister) dieser Stadt, ein in
                            den sächsischen Rechten überaus erfahrener Mann, den Prozeß des
                            Leitmeritzer Schöffenstuhles zusammengetragen und verfaßt habe.<note n="p.16.2">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Tieftrunk, im Pravnik,
                                1866, S. 184.</note> Die Handschrift hat sich jedoch, soweit
                            bekannt, nicht erhalten. Die Daten, welche aus dem Prozesse in den
                            obigen wohl gleichfalls von Austynus verfaßten Extrakt des Magdeburger
                            Rechtes übergegangen sind, lassen den Charakter dieser Gerichtsordnung
                            und die damalige Gerichtsverfassung der Stadt Leitmeritz deutlich
                            erkennen. Die Besetzung der Schöffenbank, die alten Hegungsformen, das
                            Vorhandensein der prozessualen Vare, die Kategorien der Klagen, die
                            Grundsätze über den Beweis, namentlich über das Nähersein zum Beweise
                            und den Eid mit Eideshelfern, die Urteilsschelte gegenüber dem
                            urteilfindenden Schöffen, nicht am wenigsten die Bestimmungen über die
                            peinliche Klage im Falle der handhaften oder übernächtigen Tat, die
                            Exekution und das ganze System der Gewetten und Bußen geben keinem
                            Zweifel Raum, daß dieser wohl bis zum Jahre 1610 in Anwendung gebliebene
                            Prozeß frei von jedem Einflüsse der römisch-kanonischen Grundsätze
                            geblieben war und diese damals tschechische Stadt das strittige
                            Verfahren nach den sächsischen Reehtsbüchern in seiner ursprünglichen
                            Reinheit treulich bewahrt hatte. Diese Gerichtsordnung muß vor dem Jahre
                            1571 verfaßt worden sein, und die darin niedergelegten Bestimmungen und
                            Förmlichkeiten hatten sicherlich, wie sich übrigens auch der Beschluß
                            des böhmischen Landtages vom Jahre 1610<note n="p.16.3">Gedruckter
                                Landtagsschluß.</note> deutlich vernehmen läßt, einen der
                            wesentlichen Unterschiede im Gerichtswesen der beiden rivalisierenden
                            Parteien gebildet.</p>

            <p>In Breslau empfand man nicht minder das Bedürfnis, die zerstreuten
                            Statuten und Willküren der Gemeinde zusammenzufassen und zugleich das
                            geltende Prozeßrecht aufzuzeichnen. Es wurden in der Tat mehrere
                            Sammlungen dieses Materiales vorgenommen, hinsichtlich des materiellen
                            Rechtes wurde jedoch wohl nicht vor dem Jahre 1577 zu einer offiziellen
                            Redaktion geschritten.<note n="p.16.4">

                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Stobbe, a. a. O., 2. Teil, S. 280.</note> Das Bedürfnis, gegen das
                            seit Erlassung der Reichskammergerichtsordnung allenthalben eindringende
                            und namentlich von den gelehrten Juristen begünstigte gemeinrechtliche
                            Verfahren eine Schutzwehr zu errichten, muß aber schon früher zur
                            Erlassung einer mit offizieller Geltung ausgestatteten Prozeßordnung
                            geführt haben. Unter <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0017.jpg" n="17"
                xml:id="P.17"/> den von Wendroth veröffentlichten Statuten der Stadt
                                Breslau<note n="p.17.1">Veröffentlicht in der
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> "Zeitschrift des Vereines für
                                Geschichte und Altertum Schlesiens", IV. Bd., S. 39 ff.</note> von
                            1527/1534, die seither als Privatsammlung erkannt wurden, befindet sich
                            auch ein als "gerichtlicher Prozeß der Königklichen Stadt Breslaw"
                            betiteltes Stück. Es ist das keine Prozeßordnung, sondern nur eine
                            Zusammenstellung der bei den Gerichten in Breslau üblichen
                            Förmlichkeiten und Taxen. Eine Gerichtsordnung der Stadt Breslau wurde
                            bekanntlich im Jahre 1591 durch den Druck veröffentlicht und war, wie
                            ausdrücklich in der Publikationseinleitung vermerkt wird, ein autonomer
                            Akt der kommunalen Gesetzgebung dieses Jahres.<note n="p.17.2">
                <ref
                target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=BreslauGO.+1591+">Der kaiserlichen Stadt Breslaw vornewerte Gerichtsordnung und
                                    Prozeß, Breslau, gedruckt durch Georg Bawmann,
                                1591</ref>.</note> Im Archive der Stadt Breslau befindet sich aber
                            eine ausführliche Handschrift über Prozeß, welche als ein Entwurf zu
                            dieser vorgedachten Prozeßordnung gilt.<note n="p.17.3">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Wendroth, a. a. O., S. 45.</note> Es
                            ist aber eher anzunehmen, daß diese Handschrift eine offizielle
                            Aufzeichnung des geltenden Prozeßrechtes war, die aus dem Jahre 1535
                            stammen dürfte. Denn in der Vorrede zu der gedruckten Prozeßordnung vom
                            Jahre 1591 wird folgendes ausgeführt: Es seien aus Unkenntnis der "alten
                            Breslauer Gerichtsordnungen, Prozeß und Gebräuche" Neuerungen eingeführt
                            worden. Aus diesem Grunde hätten daher die Ratmannen und Schöffen der
                            Stadt es für notwendig erachtet, "die alten Gerichtsordnungen und Prozeß
                            bei dieser Stadt, in massen die selbigen unsere liebe Vorfahren aus den
                            alten kaiserlichen und Sachsenrechten und alten Gebräuchen in einen
                            schriftlichen Begriff verfaßt und zusammengetragen" zu revidieren und in
                            eine kurze und beständige Ordnung zu bringen, damit sich niemand mit der
                            Unwissenheit entschuldigen könne. Dieser Hinweis kann sich blos auf die
                            nur in Handschrift erhaltene Prozeßordnung (Breslauer Stadtarchiv H. S.
                            J. 59) bezogen haben. Diese sehr ausführliche und sich von den späteren
                            gedruckten Gerichtsordnungen<note
                  n="p.17.4">Die erste vom Jahre 1591
                                findet sich auch in <ref
                target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/drwweingarten1690/0990">Weingartens fasciculi div. jur., II. Bd., S. 32 ff.</ref>,
                                abgedruckt.</note> in vielen Stücken unterscheidende
                            Rechtsaufzeichnung gibt ein überaus klares Abbild des in der ersten
                            Hälfte des 16. Jahrhunderts in Breslau üblichen Verfahrens und der
                            damaligen Gerichtsverfassung. Die Förmlichkeiten bei den
                            Prozeßhandlungen werden wohl aus dem Grunde nicht mitgeteilt, weil eine
                            solche Sammlung bereits bestand oder gleichzeitig vorgenommen wurde.
                            Mehrfach werden bei einzelnen Bestimmungen die Worte: "so setzen und
                            ordnen wir" vorangestellt, wohl ein Umstand, welcher um so eher auf eine
                            autonome Satzung schließen läßt, als zudem Zitat und lehrhafter Ton
                            vermieden sind.<note
                n="p.17.5">Allerdings ist es richtig, daß selbst
                                Statute damaliger Zeit sich mehrfach wie Lehrbücher lesen. Übrigens
                                bleibt eine eingehendere Erörterung des Gegenstandes
                                vorbehalten.</note> Sie ist sehr ausführlich, und es läßt sich an
                            der Hand der einzelnen Bestimmungen genau nachweisen, wie das
                            gemeinrechtliche Verfahren in den wesentlichen Stücken der artikulierten
                            Klage, <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0018.jpg" n="18"
                xml:id="P.18"/> der Ungehorsamsfolgen, des Beweises u. s. w. die
                            einheimische Übung nicht zu verdrängen vermochte.<note
                  n="p.18.1">Nicht
                                allzuweit von Breslau an der Grenzscheide zwischen deutschem und
                                slavischem Wesen, nämlich in Krakau, ist ähnlich vorgegangen worden.
                                Der Rat dieser Stadt ließ im Jahre 1544 das geltende Prozeßrecht
                                offiziell aufzeichnen. Es ist dies der in lateinischer Sprache
                                verfaßte handschriftlich erhaltene <ref target="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ174844000">Processus juris
                                    civilis Cracoviensis a consulibus civitatis A. D. MDXLIV
                                    Sigismundo I. regnante conscriptus, von Rzecinsky 1840 in Krakau
                                    herausgegeben</ref>.</note>
            </p>

            <p>Ähnlichen Zeitbedürfnissen und gleichen Anlässen entstammt auch die
                            Olmützer Gerichtsordnung. Der Gedanke lag nahe, dem Beispiele anderer
                            zahlreicher Städte zu folgen und durch die Aufzeichnung der den
                            Rechtsgang in diesem Gemeinwesen bestimmenden Satzungen und Gewohnheiten
                            den namentlich von Seite der gelehrten Juristen ausgehenden Bestrebungen
                            zur Anwendung der fremden Prozeßgrundsätze wirksam entgegenzutreten.
                            Dabei machte sich hier wenn auch in viel geringerem Maße wie bei den
                            Reformationen der deutschen Stadtrechte das Bestreben geltend, die in
                            einigen Stücken bereits vollzogene Annäherung an das rezipierte
                            gemeinrechtliche Verfahren bei der Abfassung zu berücksichtigen. Auch
                            mochte vielleicht unter Umständen der unwillkommene Bestand des Prager
                            Appellationsgerichtes hiezu gemahnt haben. Daß in dieser Richtung ein
                            unmittelbarer Zusammenhang mit Breslau stattfand, braucht nicht
                            notwendig angenommen zu werden, wenn auch manche Förmlichkeiten des
                            Verfahrens in Olmütz unleugbar denen des Breslauer Prozesses nahezu
                                gleichen.<note n="p.18.2">So sind die Förmlichkeiten bei der
                                Gerichtshegung, der Bestellung der Klage-Gewere u. a. als identisch
                                zu bezeichnen.</note>
            </p>

            <p>Aus dem Inhalte aller Handschriften, insbesondere aber aus der "Vorrede
                            zum Leser" geht die Absicht des Verfassers deutlich hervor. Er wollte
                            das Gerichtsverfahren aufzeichnen, wie es sich auf der Grundlage des
                            geschriebenen Rechts und der steten Übung in der Stadt Olmütz
                            herausgebildet hatte, oder mit einem Worte, den Rechtsgang vor den
                            Olmützer Gerichten sowohl im Zivil- als auch in Strafverfahren
                            zusammenfassend darstellen. Diese Arbeit war für das Bedürfnis der
                            Praktiker bestimmt, das ist für alle bei der Rechtsprechung in Olmütz
                            beschäftigten Personen, also die Vögte, Schöffen, Notare (Stadt- und
                            Gerichtsschreiber), Advokaten und Prokuratoren. Aus diesem Buche sollten
                            sie alle zur Förderung der Gerechtigkeit und des gemeinen Nutzens
                            Belehrung schöpfen. Zum Zwecke der leichteren Auffindbarkeit der
                            einzelnen vorgetragenen Lehren dienen, wie der Verfasser ausdrücklich
                            hervorbebt, ein besonderes Register und die Einteilung seines Buches in
                            zwei Teile, welche wiederum in Artikel und Distinktionen zerfallen. Der
                            Stoff ist so gegliedert, daß im ersten Teil der Rechtsgang vor dem Vogte
                            (bei Gericht) und im zweiten Teil das Verfahren vor den Banrechten
                            (Panteidingen) behandelt werden. Demselben Zwecke der Belehrung sollen
                            auch die Allegate, die so überaus zahlreichen Hinweisungen auf die
                            Quellen des positiven Rechtes, wie er es auffaßte, und deren <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0019.jpg" n="19"
                xml:id="P.19"/> Ausleger dienen, welche sowohl in den Text verwoben,
                            als auch unterhalb desselben und am Rande in Form von Anmerkungen
                            angebracht erscheinen. Als das "geschriebene Recht", welches seiner
                            Darstellung vorzüglich zu Grunde gelegt wird, gelten ihm in erster Linie
                            der <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#">Sachsenspiegel</ref>, und zwar vornehmlich das
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Landrecht, während das
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehenrecht seltener erwähnt wird, sowie
                            das <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=19">sächsische Weichbildrecht mit
                                den Glossen</ref>. Wiederholt erwähnt er auch der Rechtsgewohnheiten
                            des Magdeburger und Leipziger Schöppenstuhles. Nicht minder scheint ihm
                            wohl auch das gemeine Recht als das "geschriebene" zu gelten, wenn er es
                            auch im Texte nicht ausdrücklich hervorhebt. Denn ebenso zahlreich wie
                            die Hinweisungen auf die sächsischen Rechtsbücber sind auch die auf das
                            gemeine Recht, namentlich auf die 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Pandekten und den 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Codex sowie auf die
                            Quellen des kanonischen Rechtes. Neben ganzen Sätzen und aber auch
                            bloßen Zitaten aus dem corpus juris civilis werden häufig Stellen aus
                            den Werken der italienischen Juristen nach der Zeit der Glosse des
                                <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#NAccursius">Accursius</persName>, also der sogenannten Postglossatoren und
                            namentlich deren Hauptvertreter <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Bartolus de Saxoferrato">Bartolus</persName> († 1359) und <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Baldus de Ubaldis">Baldus</persName> († 1400), aber auch vieler anderer angeführt.
                            Beruft sich der Verfasser meistens auf Digesten und Codex und schon
                            seltener auf die Institutionen und 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Novellen (Authentiken), so werden, abgesehen von der Bibel, von den
                            kanonischen Gesetzbüchern am häufigsten die
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Dekretalen, minder oft das
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Decretum Gratiani, der
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> liber sextus und die
                            "

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Clementinen" genannt, mit diesen
                            zugleich aber die berühmtesten Kanonisten, wie <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Johannes Andreae">Johann Andreae</persName>, <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Nicolaus de Tudeschis">Nikolaus de Tudeschis (Abbas Siculus)</persName>, <persName
                ref="https://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz IV.">Papst Innozenz IV.</persName> und vor allem
                            der bereits erwähnte <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Guilelmus Durantis">Guilielmus Durantis</persName> (der sogenannte Speculator). Dessen
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Speculum judiciale mit den Additiones des
                            Johann Andreae und des Baldus sind sein wie aller Prozessualisten
                            Leitstern.</p>

            <p>Es wäre aber verfehlt, die zahlreichen Belegstellen selbst als Frucht
                            einer besonders eingehenden Beschäftigung mit den Quellen und
                            wissenschaftlichen Bearbeitern des gemeinen Rechtes aufzufassen. Schon
                            in der Glosse zum Sachsenspiegel und Weichbild werden zahlreiche Stellen
                            aus dem römischen und kanonischen Recht und aus Werken der Glossatoren
                            angeführt — sie dienen dem Bestreben, die Übereinstimmung des nationalen
                            mit dem gemeinen oder Kaiserrecht zu erweisen und bilden den gelehrten
                            Apparat dieser Rechtsbücher. Auch die zahlreichen juristischen
                            Schriftsteller in Deutschland vom Ende des 15. und in der ersten Hälfte
                            des 16. Jahrhunderts, von dem <persName>Verfasser des
                                Klagspiegels</persName> und <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Ulrich Tengler">Tengler, Ulrich</persName> bis zu <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#NAndreas Perneder">Perneder, Andreas</persName>, <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Justinus Gobler">Gobler, Justinus</persName>, <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Rotschitz">Rothschütz</persName>, <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#König, Chilian">Chilian König</persName> und anderen, gingen nicht anders vor. Von
                            dem Bestreben geleitet, das gemeine Recht oder das partikuläre im
                            Anschlusse an das fremde für die damals noch überwiegend ungelehrten
                            Richter und Schöffen populär darzustellen, zitierten sie zur
                            Unterstützung ihrer Ausführungen zahlreiche Bestimmungen aus den Quellen
                            und Glossen. Diese Hinweise auf die Rechtsquellen und ihre Ausleger
                            übernahm der Verfasser der Olmützer Gerichtsordnung, aber nicht genug
                            damit, schrieb er auch ganze Sätze, ja Abschnitte aus den damals
                            gangbarsten Schriften ab <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0020.jpg" n="20"
                xml:id="P.20"/> und verwertete sie in seiner Darstellung. Seine
                            Hauptquelle war <ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Koenig,Proz.+1541">Chilian Königs
                                Processus und Practica</ref>, 1541, nach dem Tode des Verfassers
                            herausgegeben. Einiges entnahm er auch Andreas Perneders gleichfalls
                            erst nach dessen Tode 1544 zum Drucke beförderten Buche, betitelt "<ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Perneder,Proz.+1544">gerichtlicher Prozeß</ref>". Selbst
                            den Schluß der Vorrede konnte er nicht umhin mit einer Stelle aus der
                            Vorrede Hungers zu <ref
                target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Perneder%2CSummaRoland.+1544">Perneders Verdeutschung der Summa Rolandina des Soccinus</ref> vom
                            Jahre 1544 auszustatten. Seine meisten theoretischen Ausführungen,
                            insbesondere über Klagevorbereitung, Prokuratoren, Litiscontestation,
                            Gewere, Zeugenbeweis, Urteil u. s. w., entnahm er, wie erwähnt,
                            vorzugsweise König, der auf dem Gebiete des sächsischen Prozesses ein
                            großes und wohlverdientes Ansehen besaß, und verwob sie in den Text
                            seiner Darstellung des Olmützer Rechtsganges. Es ist dies ein Vorgang,
                            der in damaliger Zeit nicht ungewöhnlich war.<note
                  n="p.20.1">S. <ref
                  target="http://books.google.de/books?id=G78OAAAAYAAJ&amp;pg=PA218">Stobbe, a. a. O., 2. Teil, S.
                                    218</ref>,<ref
                  target="http://books.google.de/books?id=G78OAAAAYAAJ&amp;pg=PA285"> 285 ff.</ref>, <ref
                  target="http://books.google.de/books?id=G78OAAAAYAAJ&amp;pg=PA257">257 ff.</ref> u. a. Justinus Goblers
                                Werke wurden von der Praxis ungemein geschätzt und häufig aufgelegt,
                                er hat aber ganze Teile derselben aus Büchern anderer
                                Schriftsteller, namentlich aus <persName
                  ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#König, Chilian">König</persName> und <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Perneder, Andreas">Perneder</persName> wörtlich kompiliert.</note> Nennt er aber
                                <persName>Chilian König</persName> und <persName>Andreas
                                Perneder</persName>, denen er so viele Ausführungen wörtlich
                            entlehnte, nicht, so beruft er sich dagegen ausdrücklich zur
                            Unterstützung seiner Darstellung auf <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Zasius, Ulrich">Ulrich Zasius</persName>, den einflußreichsten Juristen des 16.
                            Jahrhunderts, und auf <persName
                ref="https://de.wikipedia.org/wiki/Henning_G%C3%B6de">Henning
                                Goden</persName> (richtig Göde, † 1521), indem er namentlich aus des
                            letzteren <ref target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10181462-1">Iudiciarii ordinis processus</ref>, gedruckt 1538, mehrere Stellen
                            mitteilt. Der Verfasser scheint schon durch das Wort "zusammengetragene
                            Artikel" haben andeuten wollen, daß er auch aus fremden Werken geschöpft
                            habe. Der größere Teil der Gerichtsordnung besteht aber aus Bestimmungen
                            und Rechtsförmlichkeiten, welche dem Olmützer Stadtrecht eigentümlich
                            waren und ihren inneren Zusammenhang mit dem Breslau-Magdeburger
                            Schöffenrecht nicht verleugnen können. Es wäre aber ungerecht, die
                            Geschicklichkeit und den sichern Takt, welche bei der Zusammenstellung
                            und Abfassung des Stoffes vorwalteten, nicht anzuerkennen. Arbeiten von
                            geringerem Verdienst besaßen damals einen ansehnlichen Einfluß auf die
                            Praxis und brachten den Verfassern hohe Ehren. Die Bedeutung der
                            Olmützer Gerichtsordnung ist allerdings nicht in der Richtung zu suchen,
                            ob es eine mehr oder minder wissenschaftliche Bearbeitung des damaligen
                            Prozeßrechtes darstellt, sondern darin gelegen, daß in ihr getreu wie in
                            einem Spiegel der gesamte Rechtsgang mit allen überlieferten und durch
                            ihr hohes Alter und den nationalen Gehalt ehrwürdigen Förmlichkeiten des
                            deutschen Rechtes für die späten Enkel zu schauen ist.</p>
            <p>Der Zeitpunkt der Verfassung ist ungefähr um die Mitte des 16.
                            Jahrhunderts anzusetzen. Vor 1541, aber auch vor 1544 kann das Buch
                            nicht gut entstanden sein, da es <persName>Chilian König</persName>
                            ausschreibt und zudem Stellen aus 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Andreas
                            Perneders gerichtlichem Prozeß und aus dessen deutscher <ref
                target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Perneder%2CSummaRoland.+1544">Übersetzung der Summa Rolandina des Soccinus</ref> enthält, also
                            aus Schriften, welche erst nach dem im Jahre 1544 erfolgten Tode dieses
                            Autors in Druck gegeben wurden. Dagegen müßen die in der Gerichtsordnung
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0021.jpg" n="21" xml:id="P.21"/> mitgeteilten Ratsbeschlüsse, die alle in das Jahr
                            1547 fallen, die Möglichkeit der Entstehung der Gerichtsordnung in einem
                            früheren Zeitpunkte nicht unbedingt ausschließen. Die zahlreichen Fälle,
                            in denen der Rat von seinem jus statuendi Gebrauch machte, zeigen, daß
                            die regere gesetzgebende Tätigkeit der Gemeindeverwaltung in dieser Zeit
                            zugleich den Anlaß gegeben haben mag, eine Sammlung des auf dem Gebiete
                            des Prozeßrechtes vorhandenen Materials zu veranstalten. Es konnte sich
                            daher damals auch nur um dessen Ergänzung und Abänderung gehandelt
                            haben. Die Ziffer 1550 im Initial des Titels wirkt also zwar für den
                            Zeitpunkt der vorliegenden Niederschrift beweisend, muß aber nicht
                            ohneweiters auch für die Zeit der Abfassung und ersten Niederschrift
                            zutreffen. Unbedingt fällt aber die Entstehungszeit zwischen
                            1544(1541)—1550.</p>
            <p>Was es die Geltung der Gerichtsordnung betrifft, so wird kaum bezweifelt
                            werden können, daß diese einen offiziellen Charakter besaß. Sie enthält
                            vornehmlich eine vom Stadtschreiber wahrscheinlich, wie anderwärts, auf
                            Befehl des Rates vorgenommene Aufzeichnung des geltenden Rechtes unter
                            Anlehnung an die Rechtsquellen und die gangbare juristische Literatur.
                            Die Ratswillküren wurden, soweit bekannt, in damaliger Zeit überhaupt
                            nicht förmlich publiziert, da ihre Eintragung in den Stadtbüchern als
                            genügend angesehen wurde und es Aufgabe des Stadtschreibers war, die
                            Kenntnis solcher Ratsbeschlüsse lebendig zu erhalten. Eine förmliche
                            gesetzliche Geltung muß deshalb nicht unmittelbar beabsichtigt worden
                            sein. Die Bestimmungen der Gerichtsordnung galten eben, weil sie den
                            sächsischen Rechtsbüchern und dem im Anschlüsse daran überlieferten
                            Gewohnheitsrechte der Stadt Olmütz entsprach, und erst später wird sich
                            der Gedanke Bahn gebrochen haben, daß die Gerichtsordnung, wie sie im
                            mehrerwähnten Kodex niedergeschrieben war, das geltende formelle Recht
                            der Gemeinde Olmütz darstelle. Vor 1562 wird dies allerdings nicht der
                            Fall gewesen sein. Noch 1559 übermittelte der Olmützer Rat der Stadt
                            Proßnitz die erbetene Rechtsbelehrung über die Form der Eidesablegung,
                            indem er den betreffenden Abschnitt der Gerichtsordnung (der
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Artikel XXXII) ausführlich in
                            tschechischer Sprache dem Sinne nach wiedergibt; ähnlich der Ortschaft
                            Groß-Senitz ein Weistum über die Klagegewere. Als aber die Stadt
                            Neutitschein im Jahre 1562 um die Mitteilung des processus juris, wie er
                            in Olmütz beobachtet werde, einkam, wurde die Ausfolgung eines solchen
                            Prozesses vom Rate angeordnet.<note n="p.21.1">Liber sententiarum ad
                                extraneos a festo Scti Laurencii, 1561
                                (

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Olmützer Stadtarchiv, Sig. 19, 1, S.
                                36).</note> Es ist dies jener Processus juris, der unzweifelhaft in
                            Neutitschein galt.<note n="p.21.2">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Beck,
                                a.a.O.</note> Wahrscheinlich wurde es seither üblich, den
                            Tochterstädten, welche um eine Belehrung über das anzuwendende förmliche
                            Recht ansuchten, Abschriften der betreffenden Artikel der
                            Gerichtsordnung zu überantworten. So übersendete der Rat auch im Jahre
                            1563 (F.V.p. Francisci) auf das Begehren der Stadt Mähr.-Trübau um eine
                            Unterweisung, wie ein körperlicher <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p022.jpg" n="22"
                xml:id="P.22"/> Eid abgelegt werden solle, "den Prozeß, wie es alhie
                            mit den corperlichen aiden im brauch von alters hero verhalden worden,"
                            unter dem Gerichtssiegel, also eine Abschrift aus der Gerichtsordnung.
                            Da aber diese Abschrift offenbar unvollständig war, ließ der Rat
                            Freitags nach Galli desselben Jahres "den fehlenden Anfang des
                            Prozesses, wie uns alhie verhalten, den unsere vorfahren aus beweglichen
                            Ursachen haben aufkommen lassen, damit man den eid nicht gering halten
                                soll",<note n="22.1">Liber sentenciarum ad extraneos a festo Scti
                                Laurencii, 1563, Olmützer Stadtarchiv,
                                (

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Sig. 19, 1, S. 1-2).</note> an die
                            Tochterstadt folgen. Als ferner der Markt Groß-Wisternitz im Jahre 1602
                            eine Rechtsbelehrung über die Einbringung fälliger Grundzinse (Erbzinse)
                            begehrte, wird das eingehende den Inhalt des betreffenden Abschnittes
                            der Gerichtsordnung in tschechischer Übersetzung getreu wiedergebende
                            Weistum als der in dieser Hinsicht geltende Prozeß bezeichnet. In der
                            Sammlung der Entscheidungen des Olmützer Oberhofes, die sich im Archive
                            dieser Stadt erhalten haben, finden sich auch vielfach Spuren der steten
                            Anwendung der Gerichtsordnung<note n="22.2">Prásek, Organisace práv
                                Magdeburských, 1900, vornehmlich Regesten dieser Entscheidungen, S.
                                68 und passim; auch die Regesten der ebenerwähnten prozessualen
                                Weistümer sind mitgeteilt.</note>, deren Handschrift im oberwähnten
                            Kodex sich bis zum heutigen Tage in städtischem Besitze erhielt und
                            Spuren andauernder Benützung trägt. Wird auch berücksichtigt, daß die
                            später eingetretenen Änderungen in der Gerichtsverfassung, dem Verfahren
                            und Taxwesen offenbar von einem anderen Stadtschreiber am Rande des
                            Textes nachgetragen wurden, daß ferner an die Städte Neutitschein und
                            Wall.-Meseritsch der ganze Text, an anderen Orte Teile desselben
                            mitgeteilt wurden, sowie daß sehr viele deutsche und tschechische
                            Abschriften davon im Umlauf waren, so muß wohl angenommen werden, daß
                            die Gerichtsordnung nicht nur in Olmütz, sondern vermöge der auf Grund
                            derselben ergehenden Rechtsbelehrungen mittelbar in allen nach Olmütz
                            als Oberhof gewiesenen Orten gesetzliche Autorität besaß. Vor allem
                            beweist dies aber das Zeugnis <persName>Paul Markowitzers</persName>,
                            der im Titel seiner Ausgabe vom Jahre 1612 bemerkt, daß diese
                            Gerichtsordnung in Olmütz "gehalten", d. i. wie ein geltendes Gesetz
                            beobachtet wird. Dafür spricht schließlich auch der Umstand, daß die mit
                            dem Neutitscheiner processus juris übereinstimmenden tschechischen
                            Niederschriften zum Gebrauche der obgenannten Magistratspersonen der
                            Stadt Wall.-Meseritsch angefertigt wurden.</p>

            <p>Über die Person des Verfassers sind nach dem Ergebnisse der angestellten
                            Erhebungen vorläufig nur Vermutungen gestattet. Der Umstand, daß die
                            Aufzeichnung des usus fori d.i. die Darstellung des in Olmütz geltenden
                            Prozeßverfahrens beabsichtigt war, und auch die ausgesprochene Absicht,
                            einen gemeinverständlichen Leitfaden für die Bedürfnisse der Praxis zu
                            entwerfen, müßten schon an und für sich auf einen Stadtschreiber als
                            Verfasser schließen lassen. Darauf deutet auch der Umstand, daß in den
                            Text an den passenden Stellen wörtlich die Willküren des Rates in <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0023.jpg" n="23" xml:id="P.23"/> Sachen des Prozesses eingeschaltet sind,
                            Bestimmungen, die einem anderen schwerlich so leicht zugänglich waren.
                            Daß der Verfasser kaum ein anderer gewesen sein kann als ein
                            Stadtschreiber, beweist aber namentlich der bei der Wiedergabe der
                            Ratswillküren über Gegenstände des Prozeßrechtes an mehreren Stellen
                            vorkommende Ausdruck "meine Herren, ein ehrsamer Rat". Nur ein
                            Stadtnotar konnte von dem Rate, dem er unmittelbar untergeben war, so
                            sprechen. Nun besaß aber Olmütz tatsächlich im zweiten Viertel des 16.
                            Jahrhunderts einen gelehrten Stadtschreiber, der wohl, vorausgesetzt,
                            daß er sich noch zwischen 1544 bis 1550 erweisen läßt, als Verfasser des
                            Olmützer Prozesses angenommen werden könnte. <persName>Monse</persName>
                            (

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Die Brünner Munizipalrechte, Seite 117)
                            und <persName>Bischoff</persName> (<ref
                target="http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_+Z223868109">Deutsches Recht in Olmütz, Seite 40</ref>) zitieren eine Sammlung
                            von Entscheidungen des Olmützer Oberhofes unter der Überschrift
                            "Sententiae definitive a feste S. Laurentii 1537 tempore Magni<note
                n="p.23.1">Monse las fälschlich Magnus statt Magister, s. die
                                nächstfolgende Note.</note> Gabrielis Gloczer, tunc civitatis
                            Olomucensis Notarii — ad varias Moraviae civitatis latae, ut ad
                            Romersdorf, Littau, Hundschov etc. idiomate germanico et bohemico usque
                            ad annum 1549". Diese Handschrift ist derzeit unauffindbar. Der
                            Lebensgang dieses Stadtschreibers Mag. <persName>Gabriel
                                Glotzer</persName> läßt sich aber an der Hand des liber contractuum
                            und des Testamenten- und Gerichtsbuches der betreffenden Zeit im
                            Olmützer Stadtarchiv bis zum Jahre 1542 verfolgen.<note n="p.23.2">Er
                                entstammte einer angesehenen Olmützer Familie — ein
                                    <persName>Justinian Gloczer</persName>, wohl sein Sohn, wird
                                noch 1589 als Bürgermeister erwähnt: bei
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Parsch, das Olmützer Stadtarchiv,
                                werden laut Index auch andere Mitglieder dieser Familie aus früherer
                                Zeit angeführt — war Magister artium liberalium und wurde schon 1531
                                als Stadtschreiber genannt, 1533 auf 10 Jahre zu diesem Amte
                                aufgenommen. 1537 erhielt er das Recht, ein Wappen zu führen (laut
                                Mitteilung des Adelsarchivs im k. k. Ministerium des Innern) und
                                nannte sich von Siebeneichen (a septem Quercibus). In seinem
                                Testamente von 1542 vermacht er der Gemeinde 150 Bücher, davon sind
                                10 Bände juristische (aus der Offizin dos Lyoner Harsy, 1535), mit
                                seinem Wappen als Buchzeichen versehen, noch gegenwärtig im Eigentum
                                der Olmützer Stadtgemeinde. Nach dem 

                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Gerichtsbuch 1548—49 fol. 162 wird er schon 1549 als nicht mehr
                                unter den Lebenden weilend angeführt. Die vorstehenden Mitteilungen
                                aus dem Olmützer Stadtarchiv verdanke ich dem freundlichen
                                Entgegenkommen des Archivars Herrn Dr. Kux.</note> Anderseits
                            erscheint im Olmützer Testamentenbuche von 1511 bis 1541 im Jahre 1534
                            als geschworener Schreiber Glotzers, später, d.i. 1552 und 1553, aber
                            schon als Stadtschreiber <persName>Hans (Johannes) Schaffswol</persName>
                            genannt. Wer in den Jahren 1544—1550 Stadtschreiber war, ließ sich bis
                            nun nicht ermitteln. Eine Vergleichung der im Stadtbuche eingetragenen
                            Ratsbeschlüsse vom Jahre 1547 mit ihrer Wiedergabe in der
                            Gerichtsordnung ergibt zwar eine Übereinstimmung der Schriftzüge. Weder
                            aber ist festzustellen, von wessen Hand die Eintragungen im Stadtbuche
                            herrühren, noch würde sich daraus eine Evidenz ergeben, da die
                            subalternen Schreiber sehr häufig zur Niederschrift der Eintragungen
                            benützt wurden Auch darf nicht übersehen werden, daß häufig zwei
                            Stadtschreiber gleichzeitig, zuweilen nach der Sprache geschieden,
                            bestanden. Nur ein in der Rechtsliteratur jener Zeit belesener gelehrter
                            Jurist konnte der Urheber dieser mit Geschick <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0024.jpg" n="24" xml:id="P.24"/>abgefaßten Zusammenstellung sein. Sie konnte sehr
                            wohl, wie bereits erwähnt, selbst vor 1547 erfolgt sein, so daß wir in
                            diesem Falle im Kodex nur eine um die Ratswillküren des Jahres 1547
                            vermehrte neue Niederschrift besäßen. Bestimmtere Anhaltspunkte fehlen
                            nach jeder Richtung. Es wird daher über die Person des Verfassers sobald
                            nicht völlige Klarheit herrschen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.0.3">
            <head>3. Übersicht der Gerichtsverfassung und des Rechtsgangs in
                            Olmütz.</head>

            <p>In Olmütz wurde wohl erst am Beginn des 13. Jahrhunderts der Grund zu der
                            städtischen Verfassung gelegt. Hinter den anderen nordmährischen Städten
                            an Bedeutung zurückstehend, wurde es späterhin, namentlich von
                                <persName>König Johann</persName>, dem Luxemburger, mit reichen
                            Privilegien ausgestattet und gewann den unangefochtenen Vorrang als
                            Hauptstadt des Landes. Eine umfassende eigene Rechtsentwicklung auf
                            Grund des Magdeburger Rechtes, mit dem es bewidmet worden, blieb ihm
                            versagt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts empfand die ansehnliche Stadt
                            das Bedürfnis nach einer befriedigenden Ordnung der rechtlichen
                            Verhältnisse. Es wurde die Anlage eines Stadtbuches beschlossen und von
                            Breslau die Mitteilung seines Rechtes erbeten. 1351 geschah dies auf
                            Geheiß <persName>Kaiser Karl IV.</persName> und es wurde zugleich
                            bestimmt, daß die Stadt Olmütz für alle Zukunft ihren Rechtszug nach
                            Breslau nehmen solle.<note
                  n="p.24.1">S. <ref target="http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_+Z223868109">Bischoff, Deutsches Becht in
                                    Olmütz, S. 22</ref>.</note>
            </p>

            <p>Die Verfassung, deren Werdegang sich an der Hand der Stadtbücher
                            verfolgen läßt,<note n="p.24.2">Das älteste Stadtbuch vom Jahre 1350 ist
                                vor etwa zwei Jahren auf unerklärliche Weise in Verlust geraten.
                                Dieser Verlust ist um so unersetzlicher, als Bischoff in den
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Sitzungsberichten der kaiserl.
                                Akademie der Wissenschaften, Jahrg. 1877, daraus nur Auszüge
                                veröffentlicht hatte. Das spätere vom Jahre 1430 des Stadtnotars
                                    <persName>Wenzel von Iglau</persName> gab
                                    <persName>Saliger</persName>, 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Brünn 1882, wenn auch unvollständig, heraus.</note> entwickelte sich
                            in ähnlicher Weise wie bei anderen mit Magdeburger Recht bewidmeten
                            Städten.</p>

            <p>An der Spitze des Gemeinwesens stand der Vogt (advocatus, iudex),
                            ursprünglich ein landesfürstlicher Beamter, ihm zur Seite 7 Geschworene
                            oder Schöffen (jurati) und 4 Bürger (cives). Nachdem das Amt des Vogts
                            vom Landesherrn zu erblichem Rechte veräußert worden war, blieb die
                            Vogtei seit 1458 endgültig im Besitze der Stadt. Die Umwandlung dieses
                            Amtes war offenbar die Ursache, daß der Vogt, welchem ursprünglich die
                            Leitung des ganzen Stadtwesens zustand, auf die Verwaltung der
                            Rechtspflege beschränkt wurde und nunmehr Bürgermeister und Rat in den
                            Vordergrund traten.<note n="p.24.3">Ob wie in anderen Städten der Sieg
                                der Zünfte dazu beigetragen haben mag, daß die Schöffen in den
                                Hintergrund gedrängt wurden, kann nach den vorliegenden Nachrichten
                                nicht entschieden werden.</note>
            </p>

            <p>Seither bot die städtische Verwaltung folgendes Bild dar: Die oberste
                            Leitung aller öffentlichen Angelegenheiten innerhalb des Weichbildes
                            ruhte nunmehr in den Händen des aus eilf Personen bestehenden Rates
                                (consilium).<note n="p.24.4">Die städtischen Urkunden ergingen von
                                Bürgermeister und Rat oder Bürgermeister, Ratmannen und
                                Geschworenen.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0025.jpg" n="25" xml:id="P.25"/>
            </p>

            <p>Die Gemeine, die Gesamtheit der Bürger, besaß aber das Recht der
                            Entscheidung in bestimmten ihr vorbehaltenen Fragen (vorzugsweise in
                            Steuersachen und Angelegenheiten des Gemeindevermögens). Die Erneuerung
                            des Rates fand alljährlich am Tage des heiligen Laurentius im Beisein
                            des Landes-Unterkämmerers, eines der obristen Landesoffiziere, statt.
                            Gewählt wurden vier Ratmannen und sieben Geschworene. An der Spitze des
                            Rates stand der Bürgermeister (Magister civium), dies Amt hatte der
                            Reihe nach alle vier Wochen je einer der 4 Ratmannen (die Bankgenossen,
                            consules) zu verwalten. Dem Rate beigeordnet war der rechtskundige
                            Stadtschreiber (notarius civitatis). Die innere Verwaltung oblag
                            ausschließlich dem Rate (dem sogenannten sitzenden Rat): er hatte auch
                            eine eigene Gerichtsbarkeit in Markt- uud anderen Angelegenheiten, von
                            ihm gingen die Rechtsbelehrungen aus, von ihm hatte auch der Vogt in
                            schwierigen Fällen Weisungen einzuholen (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo4.9">Olm. G.-O. Art. IV, 9</ref>, <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo11.6">XI, 6</ref>, <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo33.1">XXXIII, 1</ref>). Bei besonders
                            wichtigen Angelegenheiten wurden auch die Mitglieder des Rates des
                            letzten oder auch mehrerer verflossenen Jahre beigezogen (die Senioren,
                            die alten Herren, daher auch die drei Räte). Die Rechtspflege im
                            eigentlichen Sinne war aber zunächst Sache des vom Rate gewählten Vogts,
                            der sich im Falle seiner Verhinderung mit Zustimmung des Rates einen
                            Untervogt setzen mochte, und der 7 Schöffen (jurati, scabini).</p>

            <p>Die Olmützer Gerichtsordnung vom Jahre 1550 regelt nun einzig und allein
                            das Verfahren vor dem Vogt und den Schöffen.<note
                n="p.25.1">Die
                                obenerwähnte Krakauer Prozeßordnung widmet dem Verfahren vor dem
                                Rate einen eigenen Abschnitt.</note> Die Gerichtsverfassung zeigt
                            sich in ihren Grundzügen durchwegs noch von der nationalen
                            Rechtsüberlieferung beherrscht. Darnach ist zwar der Vogt (Richter) der
                            ausschließliche Träger der Gerichtsgewalt, dessen Aufgabe es vornehmlich
                            ist, das Recht zu verwirklichen, aber das Urteil finden die
                                Schöffen.<note n="p.25.2">
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Planck, Das
                                deutsche Gerichtverfahren im Mittelalter, 1879, S. 87 f.</note>
                            Daher gehören zu dem echten Dinge sowohl der Richter als die besetzte
                            Schöffenbank. Die Schöffen haben allerdings nur dann zu verkünden, was
                            im gegenwärtigen Falle Rechtens ist, wenn dies ungewiß ist, d. h. wenn
                            es sich um ein zweifelhaftes strittiges Rechtsverhältnis handelt. Wo
                            aber über den anzuwendenden Rechtssatz völlige Klarheit herrscht, der
                            Beklagte sich beispielsweise durch sein Geständnis bei der einfachen
                            Schuldklage selbst sein Urteil spricht, kann der Richter allein die
                            Gebote erlassen, welche die Wiederherstellung der verletzten
                            Rechtsordnung bezwecken.</p>
            <p>Auf dieser schon dem Sachsenspiegel (<ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 10">Landrecht II, 10, § 5</ref>) geläufigen Anschauung beruht die der
                            Olmützer Gerichtsordnung eigentümliche Unterscheidung zwischen "Gericht"
                            im eigentlichen Sinne, d. i. dem Vogte als selbständigen Richter, und
                            dem "Recht, Bannrecht, Bannteiding oder gehegten Ding" genannten
                            Schöffenstuhl (iudicium bannitum), unter Vorsitz des Richters oder
                            zwischen "richten" im Gegensatz zum "dingen". <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0026.jpg" n="26"
                xml:id="P.26"/> Nur hat diese Machtvollkommenheit des Richters eine
                            weit über den Sachsenspiegel hinausgehende Erweiterung erfahren, da der
                            Rechtshandel nicht nur bei vorliegendem Geständnis, sondern auch im
                            Falle des Ungehorsams des Klägers oder des vom Hause abwesenden
                            einheimischen Beklagten (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo6.2">Art. VI,
                                2</ref>), ferner bei Beweislosigkeit der Klage und endlich auch bei
                            freiwilliger Unterwerfung der Parteien unter den Spruch des Vogts von
                            diesem allein ohne Zuziehung der Schöffen entschieden wird.</p>
            <p>Diese Befugnis des Richters bei Eingeständnis des Geklagten zu "richten"
                            wird sogar ausdehnend interpretiert, so zwar, daß er das Verfahren auch
                            dann durchzuführen hat, wenn der Geklagte zwar den Bestand des
                            Klagsanspruches zugesteht aber die erfolgte Zahlung oder die mangelnde
                            Fälligkeit einwendet. Der Richter, der im Falle des Einbekenntnisses das
                            Recht des Klägers feststellte, gewährt auch seine Hilfe zur Erzwingung
                            der diesem zuerkannten Leistung und entscheidet schließlich über Arreste
                            und Verbote.</p>

            <p>Zu den uralten echten drei Dingen, zu welchen der Richter und die
                            Schöffen nach altem deutschen Brauch alljährlich zusammentraten,
                            gesellte sich das <ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Nachrecht">Nachrecht</ref>
                                (<ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Nachteiding">Nachteiding</ref>) als das zur
                            Entscheidung strittiger Rechtssachen berufene vierte ordentliche
                            Stadtrecht (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo14">Art. XIV</ref>.).<note
                  n="p.26.1">In Magdeburg. Breslau u. a. a. O. trat das Gericht alle
                                14 Tage oder in noch kürzeren Fristen zusammen. Bezüglich der
                                Breslauer Gerichtsverfassung siehe außer der erwähnten
                                handschriftlichen sowie der gedruckten <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=BreslauGO.+1591">Prozeßordnung vom Jahre 1591</ref>
                                noch des Breslauer Stadtbuch (

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Cod.
                                dip. Siles., XI. Bd., S. LI ff.).</note> Außerdem ist, wenn ein
                            außerordentliches Bedürfnis nach richterlicher Hilfe eintritt, das Not-,
                            Gast- oder Elendrecht von Fall zu Fall einzuberufen. Es springt in die
                            Augen, daß die vier ordentlichen Sessionen der Schöffen selbst mit den
                            vorerwähnten außerordentlichen (in Breslau "<ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=beifällig">beifällig</ref>" genannten) Gerichten
                            den Anforderungen eines gesteigerten Verkehres nicht genügen konnten.
                            Durch die Fortbildung, welche die Gewalt des Vogts erfahren hatte, wurde
                            aber dem Bedürfnisse der Rechtspflege vollständig genügt, da ja die
                            einfachen ohnehin die Mehrzahl aller Fälle bildenden Rechtssachen durch
                            den Vogt ohne Zuziehung der Urteilsfinder entschieden wurden.<note
                  n="p.26.2">Der damaligen Breslauer Gerichtsverfassung ist diese
                                selbständige Stellung des Richters fremd. Sie unterschied Groß- und
                                Kleinding zur Entgegennahme der Klagsachen, je nachdem es sich um
                                eine unbewegliche Sache und eine höhere oder um eine geringere
                                Kompetenzsumme handelte — gleich wie in Krakau — die Schöppenstube,
                                vor der das "Verhör der Sachen" stattfand, und das Landrecht, bei
                                dem die Eide geleistet wurden. In der Stadt Leitmeritz, welche, wie
                                erwähnt, in Böhmen eine ähnliche Stellung wie Olmütz in Mähren
                                einnahm, konnte der Richter nur Schuldklagen bis zu 10 Schock
                                Groschen entgegennehmen und bei vorliegendem Geständnis entscheiden.
                                Hier wurden gleichfalls nur drei ordentliche Gerichte und nach jedem
                                Gericht drei oder vier <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Afterrecht">Afterrechte</ref> gehegt. Aus Anlaß der bekannten Bemühungen
                                zur Schaffung eines einheitlichen Stadtrechtes für ganz Böhmen unter
                                    <persName>Kaiser Maximilian II.</persName> und <persName>Rudolf
                                    II.</persName>, denen die Stadt Leitmeritz, wie oben ausgeführt
                                wurde, im Jahre 1571 fruchtlos mit ihrem "Extrakt der vorzüglichsten
                                Artikel aus den sächsischen oder Magdeburger Rechten" entgegentrat,
                                bemängelte die Gegenschrift der Stadt Prag ("Vergleichung der Prager
                                und Magdeburger Rechte") neben den unnützen alten Förmlichkeiten,
                                die bei der Hegung der Gerichte in Leitmeritz beobachtet würden, in
                                Prag jedoch schon seit 100 Jahren außer Übung wären, vornehmlich die
                                wenigen regelmäßigen Gerichtstermine. Für die Richter bequem,
                                gereichten sie den Parteien zu großer Verzögerung, während die
                                richterliche Hilfe nach Prager Recht jederzeit und ungesäumt wirksam
                                werde. Auch diese Gegenschrift, welche sich gegen den "unnützen und
                                unverständigen" Formalismus des Magdeburger Rechtes auf den gesunden
                                Menschenverstand beruft, ist bei Haněl, a. a. O., abgedruckt. Eine
                                ähnliche Stellung des Richters wie in Olmütz, wenn auch nicht in
                                dieser Ausdehnung, ist auch in anderen deutschen Städten zu
                                beobachten. S. insbesondere das revidierte Culmer Recht in den
                                polnisch-preußischen Städten von 1594 u. a.
                                (
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Schwarz, 400 Jahre deutscher
                                Zivilprozeßgesetzgebung, 1898, S. 270). Vergl. ferner
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Planck, Gerichtsverfahren im
                                Mittelalter, 1879, insbesondere II., S. 403 ff.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0027.jpg" n="27" xml:id="P.27"/>
            </p>
            <p>Das Ding (Bannteiding<note
                n="p.27.1">Das "ungehotene Ding".</note>) und
                            Nachteiding) wurde unter Vorsitz des Vogts oder Richters im Beisein der
                            Schöffen in alterherkömmlicher feierlicher Weise gehegt, und vorerst
                            durch mehrere Urteile das Vorhandensein aller hiezu gesetzlich
                            vorgeschriebenen Bedingungen festgestellt. Der uralten Dingpflicht der
                            Genossen außerhalb des begrenzten Kreises der Schöffen wird im <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo29">Art. XXIX</ref> gedacht. Ob stets alle 7
                            Schöffen anwesend sein mußten, wird wohl mit Recht zu bezweifeln sein,
                            da ja sonst die Gerichtssitzungen oft vereitelt werden mußten. Für das
                            Verfahren nach <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo8.1">Art. VIII, 1</ref> und
                                <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo33.6">XXXIII, 6</ref> war, wie
                            ausdrücklich bemerkt wird, außer dem Vogte noch die Anwesenheit von 2
                            beziehungsweise 3 oder 4 Schöffen vorgeschrieben. Man wird also nicht
                            fehlgehen, wenn angenommen wird, daß in Olmütz wie in Breslau und an
                            anderen Orten die volle Zahl der Schöffen kein wesentliches Erfordernis
                            der gehörigen Besetzung der Schöffenbank war,<note n="p.27.2">Nach der
                                handschriftlichen Breslauer Prozeßordnung
                                (
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Stadtarchiv, J. 59) genügten 3; s.
                                auch 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Glosse zum Weichbild, herausg.
                                von Daniels, 1858, S. 249.</note> vielmehr 8 bis 4 Schöffen
                            genügten. Der dem Richter und den Schöffen zu entrichtenden Wette im
                            Gegensatze zur Buße wird verschiedentlich gedacht. Zu den niederen
                            Gerichtspersonen gehörten der Fronbote (praeco), als Hilfsorgan des
                            Richters mit der Ladung und anderen wichtigen Amtsverrichtungen betraut,
                            ferner der Gerichtsschreiber, welcher die Vorkommnisse der Verhandlung
                            "bei Gericht" in das Gerichtsbuch, und der Schöppenschreiber, der
                            diejenigen im gehegten Ding in das Schöppenbuch zu verzeichnen hatte.
                            Noch sind zu nennen der <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Nachrichter">Nachrichter</ref> (subjudex), in dessen Obhut die Gefangenen
                            standen, und der Züchtiger (tortor), der Vollzieher der peinlichen
                            Urteile.</p>

            <p>Die Parteien können sich unbeschränkt durch Gewalthaber vertreten lassen.
                            Der gemeinrechtliche Unterschied zwischen dem Advokaten als dem
                            rechtsgelehrten Beistand der Partei und dem an deren Statt bei den
                            gerichtlichen Terminen handelnden Prokurator ist wol aufgenommen, aber
                            die Stellung des in der Gerichtsordnung so genannten Prokurators,
                            welcher der persönlich anwesenden Partei bei den verschiedenen
                            Prozeßförmlichkeiten zur Seite stellt, gleicht vielmehr der des früheren
                            Vorsprechers. Der Haß, der aus Anlaß der Rezeption des gemeinen Rechtes
                            den gelehrten Juristenstand verfolgte, ließ es dem Verfasser der
                            Gerichtsordnung <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0028.jpg" n="28"
                xml:id="P.28"/> wünschenswert erscheinen, die Notwendigkeit dieser
                            Parteienvertreter zu begründen. Die Prokuratoren oder Redner
                            insbesondere bedurften einer schriftlichen Vollmacht und besaßen einen
                            gesetzlich anerkannten Anspruch auf Entlohnung und einen Anteil an
                            gewissen Gerichtstaxen. Ein gelehrter Bildungsgang war für sie nicht
                            vorgeschrieben. Namentlich bei der Prozeßverhandlung bedürfen die
                            Parteien ihrer Dienste, um sich vor der Gefahr (vare) zu schützen, die
                            mit der Nichtbeobachtung der vorgeschriebenen Förmlichkeiten verbunden
                            ist, ihre Beiziehung ist aber ebensowenig unbedingt geboten, wie die der
                            Fürsprecher nach sächsischem Landrecht, wenn sie wohl auch die Regel
                            bildet. In Olmütz fungieren zwei geschworene Prokuratoren.<note
                n="p.28.1">Nach der handschriftlichen Prozeßordnung der Stadt
                                Breslau ist die Beiziehung der Prokuratoren bereits gesetzlich
                                vorgeschrieben. Hier bestehen vier geschworene Stuhlprokuratoren.
                                Nur wo es auf das persönliche Gegenübertreten der Parteien ankommt,
                                wird ausnahmsweise von der gebotenen Vertretung abgegangen.</note>
                            Bei dem Akte des Andingens (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo19">Art.
                                XIX</ref>) und anderen Förmlichkeiten, namentlich bei der
                            Eidesleistung (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo32">Art. XXXII</ref>) ist
                            noch das alte Recht der dreimaligen Holung und Wandlung, wie nicht
                            minder die Achte oder das Recht der Partei, jeweilen behufs Beratung mit
                            ihrem Redner zum "Gespräch" abzutreten, in lebendiger Übung. Die
                            Stellung der Vormünder im Prozesse erfährt hier auch ihre Regelung
                            (insbesondere <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo25.17">Art. XXV, 17,
                            18</ref>).</p>
            <p>Das eigentliche Prozeßverfahren wird durch die Ladung eingeleitet, welche
                            beim Vogt anzusuchen und durch den Fronboten (Gerichtsdiener) zu
                            vollziehen ist. Durch die Ladung wird der Beklagte zu Gericht entboten
                            und ihm Tag und Stunde zum Verhöre bestimmt. Daß die Ladung "unter
                            Augen" geschehen müsse oder überhaupt an bestimmte Förmlichkeiten
                            geknüpft sei, wird nicht ausgesprochen.</p>
            <p>Die durch die Ladung herbeigeführte Verhandlung ist mündlich, denn das
                            übliche "Einbringen von Mund in die Feder", also die teilweise
                            Aktenmäßigkeit des Vorbringens der persönlich anwesenden Parteien, läßt
                            bei der überlieferten strengen Unmittelbarkeit des Verfahrens die
                            grundsätzliche Mündlichkeit unberührt. Das Verfahren ist auch
                            öffentlich; nur wird die Öffentlichkeit bei Streitsachen, in denen
                            Ratspersonen in der Rolle des Geklagten erscheinen, ausgeschlossen. Die
                            prozeßleitende Tätigkeit der Richter ist eine verschwindende, die
                            Parteien bestimmen völlig unabhängig den Verlauf des Verfahrens im
                            betreffenden Rechtsstreite, dessen Ausgang wesentlich von der
                            Beobachtung gesetzlich überlieferter Rechtsformen bedingt ist.</p>
            <p>Die Gerichtssprache war unwandelbar die deutsche.<note
                n="p.28.2">Seit
                                dem Jahre 1430 sind die Aufzeichnungen in den Stadtbüchern deutsch
                                aber selbst vorher, da die lateinischen vorherrschten, war das
                                Verfahren, das von der Verzeichnung der einzelnen Prozeßhandlungen
                                durch den des Latein kundigen Gerichtsschreiber wohl zu
                                unterscheiden ist, stets ein deutsches gewesen.</note> Die Schöffen
                            mußten verfassungsmäßig "guter deutscher Art sein".<note n="p.28.3">
                <ref
                target="https://archive.org/stream/ueberdasolmtzer00brngoog#page/n5/mode/2up">Saliger, Über das Olmützer Stadtbuch des Wenzel von Iglau,
                                    Brünn 1882, S. 40</ref>.</note> Der deutsche Charakter der Stadt
                            hatte die Hussitenstürme überdauert und wurde auch <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0029.jpg" n="29"
                xml:id="P.29"/> gegen den übermächtigen Adel behauptet, der in der
                            eifersüchtigen Pflege der slavischen Landessprache einen Schutz seiner
                            partikulären Interessen erblickte. Gegenüber Parteien, welche der
                            deutschen Sprache nicht mächtig waren, enthielt der Sachsenspiegel eine
                            jedem Streite vorbeugende Verfügung, die auch hier beobachtet wurde.
                            Nach <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 71">Buch III, Art. 71</ref> des
                            Landrechtes ist der des Deutschen Unkundige berechtigt, auf der
                            Einbringung der Klage in seiner Muttersprache zu bestehen. Dagegen mußte
                            der Geklagte erforderlichenfalls durch einen Fürsprecher dafür sorgen,
                            daß er sich dem Kläger und dem Gerichte verständlich mache. Ungeachtet
                            des Umstandes, daß ein kleiner Teil der Bewohnerschaft und namentlich
                            der Adel, welcher in Olmütz Schoßhäuser besaß, der slavischen
                            Nationalität angehörten, gab es aber bezüglich der Verhandlungssprache
                            keinen Streit, da die Führung des Rechtsstreites in der Regel in den
                            Händen der Prokuratoren lag.</p>

            <p>Die Verhandlung wurde daher nahezu ausnahmslos, wie auch die im
                            Stadtarchiv enthaltenen Gerichtsbücher bezeugen, in deutscher Sprache
                            geführt und nie anders als deutsch protokolliert.<note n="p.29.1">Im
                                Verkehre mit den Tochterstädten bediente sich der Rat stets der
                                Sprache, in welcher er um seine Rechtsbelehrungen angegangen wurde,
                                so daß wir auch zahlreiche Weistümer und Urteile zweiter Instanz in
                                tschechischer Sprache besitzen und diesem Grundsätze die
                                tschechischen Übersetzungen des Processus juris verdanken. Die
                                allmähliche Wandlung des nationalen Charakters vieler nordmährischer
                                Städte und Ortschaften läßt sich an der Hand der Urteilsbücher in
                                Olmütz genau verfolgen. Darnach dehnte sich das Deutschtum schon
                                gegen das Ende des 16. Jahrhunderts, noch zur Zeit, da das
                                einheimische Adelsregiment auf der Höhe seiner Macht stand,
                                unaufhaltsam aus, um dann namentlich im zweiten Viertel des 17.
                                Jahrhunderts im nördlichen Teile Mährens das Übergewicht zu
                                erlangen.</note>
            </p>
            <p>Wenn die Parteien bei Gericht erscheinen, soll der Vogt nun oder auch
                            später, jedesfalls nicht vor der Beweisaufnahme und nicht in
                            Kriminalsachen den Weg der Sühne versuchen, indem er "die Sache auf gute
                            Leute gibt", welche berufen sind, die strittige Angelegenheit, wenn
                            möglich, durch einen Vergleich zu schlichten.</p>

            <p>Der Prozeß selbst bewegt sich noch innerhalb der geschlossenen Formen des
                            alten Rechtes und schreitet auf Grund der Anträge der Parteien, welche
                            in Form von Fragen an die Richter gestellt, von diesen der Reihe nach
                            erledigt werden, von Urteil zu Urteil bis zum Enderkenntnis fort (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo27.2">Art. XXVII, 2</ref>). Erst bei dem vom
                            Vogte bestimmten Termin wird die Klage angestellt. Es bildet auch die
                            Regel, daß die Klage zuvor "bei Gerichte", d.i. beim Vogte angebracht
                            wird (

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Vorrede zum Leser). Falls es sich
                            um strittige Rechtsverhältnisse handelt und die Parteien sich nicht dem
                            Ausspruche des Vogts freiwillig unterwerfen, ferner wenn die Ladung an
                            den Geklagten unter die Augen, d.i. persönlich erfolgt, derselbe aber
                            nicht zu Gerichte "gesteht", sowie auch im Falle einer Eidesablegung
                            wird die Klage bei dem mit Schöffen gehegten Ding oder Bannrecht
                            fortgesetzt. Nur müssen die Parteien vor dem Vogte verbürgen, daß sie
                            sich dem Rechte stellen und die Sache gehörig bis zu ihrer Austragung
                            fortsetzen wollen (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo13">Art. XIII</ref> und
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> XXIV "Bürgschaft zum Rechten", cautio de
                            judicio <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0030.jpg" n="30"
                xml:id="P.30"/> sisti). Ausnahmsweise wird eine Klage auch vor dem
                            gehegten Ding angebracht werden können, da ursprünglich nach sächsischem
                            Rechte jede Sache dort anhängig gemacht werden durfte.<note n="p.30.1">S. 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Planck, Gerichtsverfahren im
                                Mittelalter, I. Bd., S. 120.</note>
            </p>

            <p>Unterschieden werden vorerst förmliche und unförmliche Klagen — eine
                            Sonderung, die auf das Verfahren ohne nennenswerten Einfluß ist. Anders
                            bei der Unterscheidung von bürgerlichen und peinlichen Klagen — die
                            dritte Kategorie <persName
                ref="https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Buch">Johann von
                                Buchs</persName>, die vermischten Klagen, wird nicht aufgenommen —
                            einerseits und den schlichten und den durch Beweise verstärkten
                            anderseits. Die Verschiedenheit zwischen Zivil- und Strafunrecht ist im
                            Verfahren wenig ausgeprägt, hier wie dort ist es in der Regel Sache der
                            Beteiligten und nicht etwa eines die öffentlichen Rücksichten
                            wahrnehmenden Amtes, die Wiederherstellung der verletzten Rechtsordnung
                            durch das zuständige Gericht zu betreiben. Der betreffende Prozeß, der
                            sich an die Schuldigung anschließt, bewegt sich regelmäßig innerhalb der
                            Formen, wie sie bei Ansprüchen um Geld und Gut üblich sind (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo33.1">Art. XXXIII, 1, 6</ref>), höchstens
                            daß außerdem bei der peinlichen Klage die Beobachtung besonderer
                            altüberkommener Förmlichkeiten vorgeschrieben ist (Bahrrecht) oder wegen
                            der Schwere der Folgen auch die Erhebung der Klage an schwerere
                            Voraussetzungen geknüpft ist (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo24.6">Art.
                                XXIV 6</ref>, <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo25.10">XXV, S. 10</ref>).
                            Noch ist bei der peinlichen Klage der Gesichtspunkt der
                            Deliktsobligation vorherrschend. Wichtiger ist der andere Unterschied
                            zwischen schlichten und den durch Beweise verstärkten Klagen. Nach
                            sächsischem Land- und Weichbildrecht sind alle Klagen, bei denen der
                            Geklagte nicht mit Zeugen angesprochen wird, deren Folgen also dieser
                            durch seinen Unschuldeid entgehen kann, als schlicht anzusehen.
                            Beeinflußt durch die Beweislehre des römisch-kanonischen Rechtes, werden
                            aber hier Klagen, welche ohne Beweis dastehen, also auch solche, in
                            welchen die Sache nicht von vornherein in das Gewissen des Geklagten
                            gestellt wird als schlichte bezeichnet, im Gegensatz zu denen, in
                            welchen sich die Klage auf Beweismittel, insbesondere aber auch auf den
                            Gewissenseid stützt.</p>
            <p>Von den privilegierten Klagen des sächsischen Land- und Weichbildrechtes
                            kennt die Gerichtsordnung, wenn auch nicht vom Standpunkte eines
                            Beweisvorrechtes, noch die Klagen auf den fälligen Liedlohn oder den
                            fälligen Erbenzins (Rentenzins).</p>

            <p>Das an die Klagen anschließende Verfahren erscheint deutlich in
                            Behauptung- und Beweisstadium geschieden. Dem erschienenen Geklagten
                            (Antworter) gebietet der Richter auf die Klage zu antworten, also
                            entweder die Schuldigung zu gestehen oder zu verneinen (versachen) (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo1">Art. I</ref>). Weigert der Geklagte die
                            Antwort, d.i. die Einlassung in die Hauptsache, indem er einwendet, daß
                            er wegen Unzuständigkeit des Gerichtes, mangelnder Rechtsfähigkeit oder
                            Legitimation des Klägers u.s.w. nicht verpflichtet sei, die Klage zu
                            beantworten, so zerfällt das Behauptungsstadium in zwei Abschnitte.
                            Zunächst wird über die Verpflichtung des Beklagten zur <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0031.jpg" n="31"
                xml:id="P.31"/> Antwort verhandelt und sodann, wenn diese durch
                            Urteil bejaht ist, das Sachverhältnis entwickelt. Regelmäßig gliedert
                            sich also die Streitverhandlung in drei Abschnitte, in eine
                            Hauptverhandlung mit Vor- und Nachspiel.<note n="p.31.1">
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Schwarz, a.a.O., S. 413.</note> Wird
                            aber zur Klage in der Hauptsache geantwortet, d.i. durch ja oder nein
                            der Krieg befestigt, so entfällt Vor- und Nachspiel oder auch nur das
                            erstere. Diese Litiskontestation ist aber trotz der genau an die Doktrin
                            des gemeinen Prozesses angepaßten Formulierung durchaus von der
                            römisch-kanonischen Litiskontestation verschieden. Die letztere ist ein
                            strenger Formalakt, an welchen sich dann das schleppende, durchaus
                            schriftliche Verfahren mit allen den Weitläufigkeiten der Positionen
                            (und Artikel) und Responsionen anschließt.</p>

            <p>Der Geklagte kann, abgesehen von diesen dilatorischen (prozeßhindernden)
                            Einwendungen, vom Kläger die Klagegewere begehren.<note n="p.31.2">Vergl. die ausführliche Willküre von der Wehr der Klage bei
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Wendroth, a.a.O., S. 58ff.</note>
                            Diese Einrichtung hat den Zweck, daß der Kläger nach bestellter oder
                            gelobter Gewere die Klage zu verfolgen schuldig ist, sie auch nicht mehr
                            ändern, daher weder höhern noch bessern kann. Auch muß der Kläger dem
                            Gegner wegen derselben Sache, wie beispielsweise im Falle der Eviktion,
                            Vertretung leisten. Die Gewere wird mit Fingern und mit Zungen bestellt
                                (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo15">Art. XV</ref>). Sie ist das
                            Gelübde, an der angestellten Klage stets und unverbrüchlich festzuhalten
                            und wird mit Pfand, Bürgschaft oder Eid versichert. Für denjenigen,
                            welcher die Gewere bricht, ergeben sich wichtige Folgen in bürgerlichen
                            Sachen, wie die Absolvierung des Geklagten ab instantia, in peinlichen
                            Verlust der Hand oder des halben Wergelds. Dagegen ist auch der Geklagte
                            auf Begehren des Klägers zu gleichem verpflichtet. Der erstere kann auch
                            den Vorstand, d.i. eine Kaution begehren, daß der Kläger ihm die
                            Gerichtskosten und Schäden im Falle seines Absiegens ersetze und sich zu
                            seiner eventuellen Wiederklage stellen werde. Gewer und Vorstand begehrt
                            man nur vor dem gehegten Ding, die Bürgschaft zum Rechten, wie erwähnt,
                            vor dem Vogte allein.</p>

            <p>Der Geklagte kann aber auch von der angesetzten Verhandlung ungehorsam
                            ausbleiben. Läßt sich der einheimische Beklagte nicht antreffen oder ist
                            er gar flüchtig, und kann daher die Ladung nur an die Hausgenossen
                            erfolgen, so wird ihn der Vogt, wenn er von drei unmittelbar
                            aufeinanderfolgenden Gerichtstagen unentschuldigt, d.h. ohne Dartuung
                            einer ehehaften Not ausgeblieben ist, der Schuld für überwunden erklären
                            und ihn vorerst durch Siegelung und Sperrung seiner Wohnung, dann durch
                            Pfändung und Verkauf seiner Habe zur Bezahlung verhalten (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo6">Art. VI.</ref> und <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo11.4">XI, 4</ref>). Der Geklagte, an welchen
                            die Aufforderung, bei Gericht zu erscheinen, unter Augen d.i.
                            persönlich, geschah, wird durch Zucht (Gefängnis) und Buße (Gewette) für
                            seinen Ungehorsam gestraft. Der Geklagte, der ungeachtet der an ihn
                            ergangenen drei Ladungen vom gehegten Ding ausbleibt, wird, nachdem die
                            vom Kläger gegen ihn "erstandenen Tage" verzeichnet wurden, nach <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0032.jpg" n="32"
                xml:id="P.32"/> Aufhebung des Dings der poena confessi unterworfen
                                (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo6.2">Art. VI, 2</ref>, <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo6.11">11</ref>, <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo6.17">17</ref> u. <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo6.31">31</ref>). Keinesfalls wird aber dem
                            Kläger wie nach gemeinem Recht noch angesonnen, den ferneren Beweis für
                            seinen Klagsanspruch zu führen — das deutsch-rechtliche
                            Kontumazialverfahren ist völlig aufrecht erhalten.<note n="p.32.1">Nach
                                der handschriftlichen Breslauer Prozeßordnung muß der Beklagte, der
                                im Groß- oder Kleinding ungehorsam ausbleibt, dem Richter wetten,
                                verurteilt wird er erst am vierten Dingtag.</note> Bleibt dagegen
                            der Kläger vom Dingtag aus, so wird der Beklagte ab instantia
                            losgesprochen und Kläger zur Zahlung der Gerichtskosten verurteilt.</p>

            <p>Erscheinen beide Parteien an dem vom Vogt bestimmten Tage, so erhält der
                            Beklagte einen Termin zur Abgabe seiner Antwort. Erstattet dieser nun
                            seine Antwort (Exzeption), so wird dem Kläger gleichfalls ein Tag zu
                            seiner Einrede (Replik) erteilt. Mit der auf diese Einrede folgenden
                            Widerrede (Duplik) des Geklagten werden die Akten geschlossen.
                            Schriftliche "Auszüge" werden den Parteien auf ihr besonderes Verlangen,
                            jedoch nur von Klage und Antwort zu teil. Ein weiteres Vorbringen in
                            Form von Triplik u.s.w. wird erst im Zuge einer späteren Entwicklung
                                gestattet.<note n="p.32.2">
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Markowitzer, S. 20 (in der Übersicht des Prozesses, de ordine et
                                processu judiciario).</note>
            </p>

            <p>Dann wird durch Beweisurteil erkannt, wessen Beweis zugelassen wird. Das
                            Beweisrecht selbst ist, wie anderwärts so auch hier, namentlich was die
                            Ausbildung der anderen Beweise als den Eid der Parteien betrifft, am
                            stärksten vom römisch-kanonischen Prozeß beeinflußt (leibliche Beweisung
                            im Sinne der neueren Theorie, <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo3.6">Art.
                                III. 6</ref>
              <note n="p.32.3">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Planck,
                                a.a.O. II. S. 10.</note>. Er hat aber noch nicht vornehmlich den
                            Zweck, auf die richterliche Überzeugung einzuwirken, sondern ist nur die
                            Erfüllung einer vom Gesetze vorgeschriebenen Form, an deren Beobachtung
                            bestimmte Rechtsfolgen geknüpft sind. Der Geklagte schwört nicht, daß
                            die dem Klagsanspruche zu Grunde liegenden Tatsachen schon ursprünglich
                            nicht bestanden oder etwa später erloschen sind, sondern, daß der
                            Anspruch nicht zu Recht besteht, d.h. er, der Belangte, nicht schuldig
                            sei (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo32">Art. XXXII</ref>). Mit dieser
                            Auffassung stimmt es überein, daß der Richter den Parteien seine
                            Entscheidungsgründe nicht bekanntgibt (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo27.5">Art. XXVII, 5</ref>). Das
                            Beweisvorrecht, die Frage des Näherseins zum Beweise ist daher noch von
                            entscheidender Bedeutung,<note n="p.32.4">Laut Regestes bei
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Prásek, a.a.O., S. 112/12.</note> und
                            auch der Gewissenseid des sächsischen Rechts, wornach der Geklagte durch
                            Ablegung desselben der Schuld entgehen kann, wenn er dem Kläger den Eid
                            nicht anheim schieben mag, ist in lebendiger Übung. Aber dies geschieht
                            doch nur, wenn der Eid schon in der Klage und jedenfalls vor bestellter
                            Gewere als Beweismittel angeboten worden war (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo25.12">Art. XXV, 12</ref>). Der
                            gemeinrechtliche Gefahrde-(Calumnien-)Eid des Klägers in Verbindung mit
                            dem Gewissenseid scheint aber erst nach Niederschrift der
                            Gerichtsordnung in Olmütz in Aufnahme gekommen zu sein.<note n="p.32.5">Obwohl er bei König vorkommt, ist er hier nicht aufgenommen. In den
                                Memorierversen über die Prozeßhandlungen auf dem ersten Blatte der
                                Littauer Handschrift wird aber schon des Gefährde-Eids als
                                Bestandteiles des Verfahrens Erwähnung getan. Bei Marckowitzer
                                (
                <!-- Noch kein Digitalisat --> S. 20 und
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> 300) wird der deferierte Haupt-
                                zugleich mit dem Calumnieneid geleistet. Nach der handschriftlichen
                                Prozeßordnung der Stadt Breslau war dieser Eid dort noch nicht
                                allgemein gebräuchlich.</note> Der Erfüllungseid eigentlich aus der
                            überlieferten <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0033.jpg" n="33"
                xml:id="P.33"/> Verstärkung des Parteieneides durch Zeugen
                            entstanden, wird zwar nicht erwähnt, war aber bräuchlich.<note n="p.33.1">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Prásek, a.a.O., S. 92,
                                186.</note> Die uralte Einrichtung der Eideshelfer, noch zu dieser
                            Zeit in Leitmeiitz wirksam, ist hier schon außer Übung. Der Beweis durch
                            Zeugen, der ja auf dem Gebiete des sächsischen Rechtes eine spätere
                            Entwicklung darstellt, weist neben starken Spuren der Romanisierung die
                            Züge des gemeinen Sachsenrechtes auf. Gleich in der Klage oder
                            spätestens vor Bestellung der Klagegewere angeboten, verlegt er dem
                            Beklagten den Unschuldseid; wenn aber der Belangte motiviert versacht,
                            ist er näher zum Beweise durch Zeugen als der Kläger (arg. a contr. des
                            schlichten Versachens, <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo3.6">Art. III,
                                6</ref>). Das Erfordernis der Weisartikel und Fragestücke, welche
                            aber auch mündlich vorgetragen werden können, das geheime Verhör der
                            Zeugen, die wörtliche Protokollierung ihrer Angaben, die zur Zeit der
                            Niederschrift der Gerichtsordnung nur dem Gegner des Zeugenführers
                            erteilte Abschrift der Zeugenaussage, die Exzeption gegen die
                            Zeugenaussage und deren Defension, die in die Feder diktiert werden,
                            sind Ergebnisse der gemeinrechtlichen Doktrin. Das Verfahren zur
                            Durchführung des Zeugenbeweises bei Gericht, d.i. vor dem Vogte, scheint
                            formloser und einfacher gewesen, zu sein (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo4.12">Art. 4, 12</ref>).</p>
            <p>Der Beweis durch Urkunden ist zugelassen, muß jedoch vor der Exzeption
                            gegen die Zeugenaussage durchgeführt werden.</p>
            <p>Gegen den richterlichen Ausspruch, welcher in End- und Beiurteil
                            geschieden wird, ist binnen 10 Tagen die Appellation zulässig.</p>
            <p>Die Urteilsfrist beträgt bloß für den Geständigen "bei Gerichte", weil
                            nur dieser rücksichtswürdig erscheint, in der Regel sechs Wochen und
                            drei Tage ("die Stadtrecht"), bei Klagen um fälligen Erbenzins jedoch
                            drei Tage, der Liedlohn ist bei Sonnenschein zu erlegen. Geht das Urteil
                            vom Bannrecht aus, so ist abweichend von den sächsischen Rechtsbüchern
                            stets bei Sonnenschein zu zahlen, in gleicher Frist Gerichtskosten- und
                            Schadenersatz zu leisten.</p>
            <p>Die zwangsweise Einbringung der ersiegten Forderung ("Hilfe des Urteils")
                            im Vollstreckungsverfahren, wenn sie nicht vom Richter vermöge seiner
                            mehrerwähnten selbständigen Machtbefugnis, sondern vom Bannrechte
                            ausgeht, erfolgt gemäß Urteil, welches von der obsiegenden Partei in
                            gehegter Bank in der hergebrachten Form beantragt wird.</p>

            <p>Die ursprüngliche Entwicklung ist noch klar erkennbar, namentlich bei
                            Klagen um Schuld (in persönlichen Sachen, wie die Gerichtsordnung sagt).
                            Der Vollzug des Urteils ist ursprünglich nur gegen die Person des
                            Schuldners gerichtet. Ist die Schuldverbindlichkeit durch Geständnis
                            oder Urteil festgestellt und leistet er, dem richterlichen Gebote
                            ungehorsam, nicht Barzahlung, so wird er also vorhaftet. Er kann sich
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0034.jpg" n="34"
                xml:id="P.34"/> aber jederzeit mit seinem freiwillig, angebotenen
                            Pfande aus der Gefangenschaft lösen, woraus sich dann auf natürliche
                            Weise die Ledigung aus der Haft auch im Falle der Möglichkeit der
                            Befriedigung des Gläubigers aus Vermögensstücken des Schuldners selbst
                            gegen dessen Willen entwickelte. Nur wenn sich der Schuldner in einem
                            Schuld-(Gerichts-)briefe zur Zahlung "ohne weiter Recht und Pfand"
                            verbindlich gemacht hatte, wird die Personalexekution allein wirksam
                                (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo4.13">Art. IV, 13</ref> und <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo11.2">XI, 2</ref>).</p>
            <p>Nach der Urteilsverkündigung oder dem Geständnis (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo3.2">Art. III, 2</ref>) wird demnach der
                            Schuldner, wenn er nicht Bürgen für die Bezahlung stellt, sofort in
                            Verhaft genommen. Der Anhaltung im Gefängnisse, welche eine Dauer von
                            sechs Wochen und drei Tagen nicht überschreiten darf, wird er durch
                            Pfandlegung oder jenenfalls ledig, wenn er Vermögen besitzt, das den
                            Zugriff ermöglicht. Nur wird dann der Reihenfolge nach zuvörderst auf
                            die Fahrhabe, dann im Falle solche nicht vorhanden ist, auf liegende
                            Gründe und endlich unter der gleichen Voraussetzung auf ausstehende
                            Forderungen des Schuldners gegriffen. Das Zwangsverfahren hat aber stets
                            unter Schonung der wirtschaftlichen Existenz des Schuldners zu
                            erfolgen.</p>
            <p>Zwecks der Pfändung werden die beweglichen Sachen inventiert, geschätzt
                            und endlich auf dem Markte durch eine Tandlerin an den Meistbietenden
                            verkauft, nachdem die Pfandsachen durch sechs Wochen und drei Tage
                            ausgeboten worden waren. Ist die Fahrhabe um den Schätzwert oder
                            überhaupt unverkäuflich, so muß sie der Gläubiger zum Schätzwerte
                            übernehmen. Je nach dem Verhältnisse dieses Schätzwertes zum Belaufe
                            seiner Forderung wird er entweder den Überschuß dem Schuldner ausfolgen
                            müssen oder aber sich wegen des Restes seiner Forderung an dem übrigen
                            Vermögen des Schuldners zu erholen haben.</p>

            <p>Die Exekution auf unbewegliche Güter geschieht in folgender Weise:
                            Zunächst wird das betreffende Haus oder Grundstück des Schuldners in
                            symbolischer Weise durch Spanung beschlagnahmt und dies in drei
                            vierzehntägigen Fristen öffentlich ausgerufen. Nach Ablauf dieser sechs
                            Wochen und drei Tage hat der säumige Schuldner den Besitz des
                            Grundstückes dem Gläubiger zu überlassen, welchem es nach Verlauf von
                            Jahr und Tag, wenn nicht inzwischen die Schuldigkeit berichtigt ward,
                            ins Eigentum überantwortet wird. (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo10">Art.
                                X</ref>, dann <ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo28.8">XXVIII,
                            8</ref>).</p>
            <p>Die Zwangsvollstreckung durch Verweisung auf ausstehende
                            Schuldforderungen geschieht mittels Verständigung der Schuldner.</p>
            <p>War nun der Schuldner während der vollkommenen sächsischen Frist (von
                            sechs Wochen und drei Tagen) in der Zucht und besitzt derselbe gar kein
                            bewegliches oder unbewegliches Vermögen, das zur Befriedigung des
                            Gläubigers dienen könnte, so wird er nicht länger im Gefängnisse
                            angehalten, sondern dem Gläubiger bei der Hand überantwortet — eine
                            gemilderte Form der Schuldknechtschaft. Des Schuldners Arbeitskraft
                            gehört dann dem Gläubiger, die Leistungen werden geschätzt und von der
                            Schuld in Abrechnung gebracht.</p>
            <p>Bei Klagen um unbewegliche Güter u.s.w., oder wie die <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p035.jpg" n="35" xml:id="P.35"/> Gerichtsordnung sagt, in dinglichen Sachen erfolgt
                            die Befriedigung durch die Einweisung in das unbewegliche Gut
                            einschließlich der gesamten darin befindlichen Fahrhabe in Gegenwart des
                            Vogts und der Schöppen, gewissermaßen eine andere Auflassung. Durch
                            diese Einweisung mit Friedewirken, welche in das Schöppenbuch
                            verzeichnet wird, erwirbt der Gläubiger das Eigentumsrecht am
                            unbeweglichen Gute.</p>

            <p>Die Bestimmungen über die vorläufigen Sicherungsmaßregeln des Aufhaltens
                            (Personalarrest), vermöge dessen der Schuldner, wo er betroffen wird,
                            persönlich vom Gläubiger zu Gerichte gebracht werden kann (<ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo11.1">Art. XI, 1</ref> und <ref
                target="/o:repat.1550-olmuetzgo33.4">XXXIII, 4</ref>), und des Verbotes
                            (auf bewegliche und unbewegliche Sachen) einschließlich des
                            Repressalienarrestes (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo11.5">Art. XI,
                                5</ref>) sind von denselben Grundgedanken beherrscht wie die
                            betreffs der Exekution.</p>

            <p>Das ist ungefähr der Inhalt der wichtigeren Bestimmungen der
                            Gerichtsordnung. Sie behandelt in der Tat ihren Gegenstand ungemein
                            übersichtlich, wenn auch mancher Frage, die wir jetzt zu stellen hätten,
                            keine genaue Antwort wird. Es darf aber nicht unbeachtet bleiben, daß
                            die Redaktion zu einer Zeit stattfand, da das sächsische Recht noch im
                            Volksbewußtsein lebte und durch die Schöffen unausgesetzt angewendet
                            wurde. Aus den sächsischen Rechtsbüchern und dem usus fori konnten
                            Richter und Schöffen sowie der Rat wie aus einer stetig sprudelnden
                            Quelle schöpfen. Anderseits genügt die Ölmützer Gerichtsordnung, um aus
                            ihr ein klares Bild über die Rechtszustände Nordmährens vom 15. bis zum
                            17. Jahrhundert zu gewinnen. Wir können an der Hand ihrer Bestimmungen
                            alle Einzelheiten des Rechtsganges, insbesondere alle feierlichen Formen
                            von der Hegung bis zur Aufgebung der Bannrechte genau verfolgen,
                            gewinnen aber auch einen klaren Einblick in die Verfassung der Stadt
                            Olmütz und ihr mannigfaltiges Rechtsleben. Noch geht die Auflassung
                            unbeweglicher Güter in den Formen des strittigen Verfahrens vor dem
                            Bannrecht vor sich (<ref target="/o:repat.1550-olmuetzgo30">Art. XXX</ref>),
                            zur Eintragung beweiskräftiger Urkunden dienen an drei hiezu hestimmten
                            Stellen besondere Gerichtsbücher, wir können die kulturgeschichtlich
                            merkwürdigen Bräuche bei der Eidesleistung (gestabter und körperlicher
                            Eid), dem Bahrrechte u.a. an unserem Auge vorüberziehen lassen, und was
                            dergleichen mehr ist.</p>

            <p>Diese Triebkraft der uralten Rechtsüberlieferung ist um so erstaunlicher,
                            als um diese Zeit die Schöffenverfassung der deutschen Städte allgemein
                            im Niedergange begriffen war und die Rechtsprechung der Oberhöfe immer
                            mehr dahinsiechte.<note n="p.35.1">
                <ref
                target="https://archive.org/stream/beitrgezurrecep01ottgoog#page/n8/mode/1up">Ott, a.a.O., S.
                                    221 ff.</ref> Namentlich ist der Verlauf in Iglau
                                typisch.</note> In Olmütz hingegen beginnt für den Schöffenstuhl
                            gerade zur Zeit der Abfassung der Gerichtsordnung eine neue Blüte.
                            Ansehnliche Stadtgerichte, wie Neutitschein (1562), Wall.-Meseritsch
                            (1565), Gitau (1559), Deutschhause (1565), Weischowitz (1585),
                            Braunseifen (1600), Freiberg und Fulnek (sogar noch im Jahre 1617),
                            nahmen erst seither Recht von diesem Oberhofe. Weit über 30 Städte und
                            mehr als 80 Ortschaften ehrten Bürgermeister und Rat von Olmütz als <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p0036.jpg" n="36" xml:id="P.36"/> ihre "Elderen"<note n="p.36.1">
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bischoff, Das älteste Olmützer
                                Stadtbuch, S. 282. Hawelka in der 

                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                "Zeitschrift des deutschen Vereines für Geschichte Mährens und
                                Schlesiens", 1899, S. 173.</note>, auch unzählige Private wendeten
                            sich hieher um Belehrung in strittigen Rechtsfragen. Olmütz selbst nahm
                            bis etwa zum Ende des 16. Jahrhunderts ununterbrochen seinen Rechtszug
                            nach Breslau, ungeachtet es auch in dieser Zeit an Bemühungen nicht
                            fehlte, die Wirksamkeit des Prager Appellationsgerichtes auf Nordmähren
                                auszudehnen.<note
                  n="p.36.2">S. das merkwürdige Schreiben des
                                Hofsekretärs <persName>Waltersberg</persName> im Jahre 1573 an den
                                Olmützer Rat in <ref target="http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_+Z223868109">Bischoff,
                                    Deutsches Recht in Olmütz, S. 41</ref>.</note> Bei dem
                            Widerstande hiegegen kam den mährischen Städten das Streben der Stände
                            nach möglichster Unabhängigkeit von Böhmen zu statten. Vermöge des vom
                                <persName>Kaiser Rudolf II.</persName> genehmigten Landtagsschlusses
                            vom Jahre 1579, der, 1583 neuerlich bekräftigt, in die
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Landesordnung von 1604 Aufnahme gefunden,
                            sollte der Rechtszug der untertänigen Städte und Ortschaften an die
                            bisherigen Oberhöfe des Landes unverkümmert aufrecht erhalten bleiben
                            und nur in den Stadtrechtssachen der drei oberen Stände und der Bürger
                            in den (sieben) königlichen Städten entweder an den Kaiser selbst oder
                            an das Appellationsgericht in Prag berufen werden. Als selbst die
                            mährischen Städte in der Folge endgültig unter das Joch des obersten
                            landesherrlichen Gerichtes in Prag gebeugt waren, blieb daher Olmütz
                            seine glänzende Wirksamkeit als Oberhof noch durch mehr als 100 Jahre
                            gewahrt.</p>

            <p>Die Grundsätze des Verfahrens, die hier beobachtet wurden, waren
                            unwandelbar die in der Gerichtsordnung niedergelegten. Zwar machte sich
                            seit Erlassung der <ref
                target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN626655234">vernewerten
                                Landesordnung Ferdinands II. vom Jahre 1628</ref>, die für die
                            privilegierten Gerichte ein völlig romanisiertes schriftliches Verfahren
                            vorschrieb, der Einfluß des fremden Rechtes auch auf die Stadtrechte
                            geltend, namentlich seit diesen vom Jahre 1641 ab wiederholt die
                            Anwendung des schriftlichen Verfahrens zur Pflicht gemacht wurde.<note n="p.36.3">

                <!-- Noch kein Digitalisat --> d'Elvert, 13. Bd., der
                                Schriften der hist.-statist. Sektion, S. 550, <ref
                target="https://archive.org/stream/beitrgezurrecep01ottgoog#page/n8/mode/1up">Ott, a. a. O.,
                                    S. 270</ref>.</note> Aber erst nachdem die "böhmischen
                            Stadtrechte" gemäß der kaiserlichen Resolutionen vom 7. und 17. Juni
                            1697 auch in Mähren eingeführt wurden, war dieser Gerichtsordnung
                            endgültig der Boden entzogen. Obgleich der Oberhof noch bis 1705 allen
                            landesfürstliclien Mandaten zum Trotze sein Dasein fristete<note n="p.36.4">
                <!-- Noch kein Digitalisat --> d'Elvert, a. a. O., S.
                                551, 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Hawelka, a. a.O., S.
                            174.</note>, herrschte nun der inzwischen vollends romanisierte Prozeß
                            der Koldinschen Reformation.</p>

            <p>Erst Maria Theresia und Kaiser Josef II. knüpften wieder an die nationale
                            deutsche Rechtsüberlieferung an. Die <ref target="/o:repat.1781-ago">allgemeine
                                Gerichtsordnung (1781)</ref> bricht größtenteils mit den überlebten
                            Formen des römisch-kanonischen Prozesses. Mehr als 100 Jahre blieb sie
                            in Wirksamkeit. Die darin vorwaltende Schriftlichkeit des Verfahrens,
                            ihre formale Beweistheorie und der schleppende Geschäftsgang wurden aber
                            immer drückender empfunden, bis endlich jüngst (1. Jänner 1898) die neue
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Zivilprozeßordnung ins Leben trat. Ihre
                            Hauptgrundsätze, die Mündlichkeit und Unmittelbarkeit <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/p037.jpg" n="37" xml:id="P.37"/> des Verfahrens, sind die des deutschen Rechtes, aber
                            sie knüpfte auch in anderer Beziehung an die durch die Rezeption so
                            jählings unterbrochene deutsche Rechtsüberlieferung an. Nationale
                            Rechtsgedanken, welche uns auch in der Olmützer Gerichtsordnung klar
                            entgegentreten, sind in dem neuen österreichischen Verfahren deutlich
                            zum Ausdruck gelangt. Die Entscheidung der einfachen Rechtssachen "bei
                            Gericht" durch den Vogt und die Verweisung der anderen vor die besetzte
                            Bank, die Verzeichnung der wesentlichen Abschnitte des Verfahrens mit
                            dem "Einbringen vom Mund in die Feder", Klage und Antwort und so
                            verschiedenes andere — mahnen sie nicht an die heutige erste Tagsatzung
                            mit der Erledigung der Kontumazial- und anderer einfacher Prozeßfälle
                            durch den Einzelrichter und die Verweisung der verwickelteren an den
                            Senat, mahnen sie nicht an die beschränkte Aktenmäßigkeit des neuen
                            Verfahrens, die wohl im Widerspruche mit aus der Fremde geholten
                            Schlagworten aber im Einklange mit den Bedürfnissen des heutigen
                            Rechtslebens steht? Unsichtbare Fäden ziehen sich von der Olmützer zur
                            neuen Zivilprozeßordnung — das Interesse an jener mag nicht am wenigsten
                            auch darin ihren Grund finden, daß die bürgerliche Rechtspflege der
                            Gegenwart wieder von denselben nationalen Rechtsgedanken beherrscht ist,
                            welche einst in den von den Deutschen gegründeten Städten der
                            Sudetenländer lebendig waren. </p>
          </div>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.0.4">
        <head>Zusammen getragene Artickel</head>
        <p>in Form eines rechtlichen Proces, wie dieselben von alters her bei dieser
                    königlichen Stadt Olomuntz hei Gerichte und auch in und vor gehegter bank in
                    ubung gehalten, sambt andern nodturfftigen underweisungen und zutreglichen
                    vellen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.0.4.1">
        <head>Vorrede zum Leser.</head>
        <p>Es ist sehre gut und nutze, das man dem leser eine ordenliche, klare
                    unnderrichthunge thue, wie ehr dis buch desto leichter, eher und bestenndiger
                    weise fassen, lernen und vernemen koenne, und sonderlich das ime die Summa,
                    Hauptstucke und Artickel richtigk und ainfeltigk hierinne angeweiset werden,
                    doraus ehr koenne merken, was in diesem buche der kern, das principal, grundt,
                    ursprungk und die ordenung der lehre sein.</p>

        <p>Hierumb so hot man dieses sehre nutzliche buch der Artickl und Practica der
                    Gerichtsleuffte, wie dieselben noch alt herkommner und im brauch gehaltener
                    ubunge und gewonheit dieser koniglichen Stadt Olomuntz jedoch laudt und Inhalt
                    der landtleuffigen beschriebenen Sachsischen Recht alhie gehalten worden, in
                    Form eines rechtlichen Proces mit vleiß zusammen getragen, beschrieben und in
                    eine ordenunge der Artickell bracht, welche Artickel, ein jeder seine
                    sonderliche underschiedt und velle noch sich, alles noch der Zal, volgennde hot,
                    und mit viele nutzlichen Addicion und bestenndigen allegaten der beschriebenen
                    recht bei der materien der Artickel und velle auffm Rande erkleret mit
                    anhengunge bei etzlichen Artickln dem Texte noch viele schoener lere und
                    undterweisungen aus beschriebenen Goetlichen Rechten, beide lateinisch und
                    deutsch, einem ieden hern Foyte und Scheppen, Notarien,<note
            n="1">Man
                        unterschied bekanntlich den notarius civitatis, den Stadtschreiber, und den
                        notarius actorum oder Gerichtsschreiber.</note> Advocaten, Procuratoribus
                    und Gerichtsperßonen dieser königlichen Stadt zu Furderunge des gemeinen nutzes
                    und der gerechtigkeit sehre nützlich zu wissen: wehr auch gerne den Rechten
                    nochsuchen wolde, so kan sich derselbe den Allegaten noch leichte richten, und
                    ist auch sambt einem gewissen Register der fuernemblichsten Artickl und iren
                    vellen, an welchem bladt eine jede Materia zufinden, illustrirt und erklert. So
                    ist auch dieses buch in zwai tail in seiner materia getailt; im ersten taile
                    wirt gehandelt, wie sich alle sachen und hendel bei dem hern Foyte und Gerichte
                    gemainigklich mit iren vellen begeben, und wie dorinne procedirt wirt. Und das
                    aus dieser urßache, dieweile gar selden eine Sache vor gehegte banck komt, sie
                    werde den zuvor bei Gerichte gehandelt, angefangen und geuebt. Im andern taile
                    wird gehandelt von den Banrechten, Hegunge der Recht und dem gantzen <pb
            facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s02.jpg" n="2"/> volgenden
                    proces desselben rechtens und seinen vellen etc. und anderer nodturfftiger
                    Sachen mehr, wie den hienoch im Register noch ausweisunge der Artickl klaerlich
                    und deutlich zu befinden.</p>
        <p>Dann obgleich wol vermuege der beschriebenen Recht<note n="2.a">
            <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Guilelmus Durantis">Speculator</persName> in <ref target="http://repertorium.at/ns/durantis_1592.html#de_instrumentorum_editione">Tittulo de instrumentorum edicione §. Restat.</ref> versic. sed numquid
                        tabellio, ubi dicitur: Sed numquid tabellio debet scire jura, videtur, quod
                        sic, ne illicitos contractus celebrans puniatur etc. et refert
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> Zasius consilio 21. in fin. in 1.
                        volum.</note> zuvermutten, das alle hern Foyte und rechtsitzer, desgleichen
                    ire Notarien derselbigen Recht zuvor genugksam gelert und verstendigkh, so
                    bleibt aber dannoch unwidersprechlich war, das dieses buch zu einem
                    fuerderlichen und lautern verstandt der Recht den ungeuebten besonnder
                    hochdienstlich ist. Dan dieweil ein jeder Artickell und vahl der gemainen Regel
                    und practica einander noch gehet, doraus volget — wie dan der hochberumbte
                        <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Jason de Mayno">Jason</persName>
          <note
              n="2.b">Testatur hoc auditor Jasonis, <persName>Jo.
                            Nevizanus</persName> in <ref target="http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ182440402">silva nuptiali, libro 5. ante medium</ref>.</note> offte gesagt hot —,
                    das undterweisunge sonderlich in den Rechten richtiger und verstendtlicher nicht
                    kan gescheen, dan durch Artickl, Regel und Fallencien, welchs dan im grunde
                    nichts anders ist, dan alle und jede zufallende Sache noch gelegenhait irer
                    umbstende und jedes seiner art und ursache noch rechtmessigklich urteilen und
                    eroertern.</p>
        <p>Derhalben so wolte ein jeder freundtlicher leßer diese vleißige und treue arbeit
                    gutwilliger und freundtlicher mainunge zu dancke annehmen und ime diß buch mit
                    vleiß commendirt und bevohlen sein lassen.</p>
        <p>Zu lobe unnserem Hern Jhesu Christo. Amen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.0.4.2">
        <head> Register.</head>
        <p>[<ref
            target="#NA.1">Register überspringen und direkt zum Text.</ref>] <lb/>Im
                    nochfolgendem Register<note n="2.1">Hier folgt im Kodex das Register. Es wird
                        aber aus technischen Gründen erst am Schlusse abgedruckt. [Diese Umstellung
                        Fischels ist hier wieder rückgängig gemacht worden. H.S.]</note> sein
                    kurtzlich zu finden alle Artickel mit iren Vellen ader underschieden, so in
                    diesem Buche begrieffen. Und ist von wegen foerderliches suchen verzeichnet:
                    Erstlich jeder Artickel an welchem bladt, und seine velle ader underschiedt,
                    auch noch der Zal und auff welcher saidten des bladts. a bedeut die erste saidte
                    und b die anndere saidte des bladts.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.0.4.2.1">
        <head>Der erste tail.</head>
        <p>
          <table>
            <row>
              <cell>Art. I</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 1 a [<ref target="#S.3">3</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>1.1.</cell>
              <cell>Wie sich ein jeder Klaeger zum Rechten sal geschickt machen</cell>
              <cell>fol. 1 a [<ref target="#S.3">3</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>1.2.</cell>
              <cell>Wie der kleger den Richter suchen sal</cell>
              <cell>2 b [<ref target="#S.5">5</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>1.3.</cell>
              <cell>Wie der kleger zum Richter zutrehten sal</cell>
              <cell>3 a [<ref target="#S.5">5</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. II.</cell>
              <cell> Citation.</cell>
              <cell>fol. 4 a [<ref target="#S.6">6</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>2.1.</cell>
              <cell>Was die Citation ist und alles was ane Citation gehandelt wirt,
                                ist nichtigk</cell>
              <cell>fol. 4 a [<ref target="#S.6">6</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>2.2.</cell>
              <cell>Wie die Citacion geschieht</cell>
              <cell>4 b [<ref target="#S.6">6</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>2.3.</cell>
              <cell>Des gerichts Diehners gerechtigkheit</cell>
              <cell>4b [<ref target="#S.7">7</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. III.</cell>
              <cell> Von der Clage bei Gerichte.</cell>
              <cell>fol. 6a [<ref target="#S.7">7</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.1.</cell>
              <cell>Beklagter bekennet sich zur schuld</cell>
              <cell>fol. 6a [<ref target="#S.7">7</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.2.</cell>
              <cell>Frist bei Gerichte zur betzalunge</cell>
              <cell>6 a [<ref target="#S.8">8</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.3.</cell>
              <cell>Beklagter bekennet sich zur schuld, hot geld und will nicht
                                betzalen</cell>
              <cell>6 b [<ref target="#S.8">8</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.4.</cell>
              <cell>Beklagter sagt, ehr habe betzalet, wehr in diesem vhalle beweisen
                                sal</cell>
              <cell>7 a [<ref target="#S.8">8</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.5.</cell>
              <cell>Beklagter sagt, die Zeit zur betzalunge sei noch nicht komen, wehr
                                in diesem vhal beweisen sal</cell>
              <cell>7 a [<ref target="#S.9">9</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.6.</cell>
              <cell>Beklagter sagt Nain zur klage</cell>
              <cell>7 b [<ref target="#S.9">9</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.7.</cell>
              <cell>Klaeger hot kainen beweiß</cell>
              <cell>7 b [<ref target="#S.9">9</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.8.</cell>
              <cell>Klaeger stellet beweiß für</cell>
              <cell>7 b [<ref target="#S.10">10</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.9.</cell>
              <cell> Was dem her Foyte zu schwer ist</cell>
              <cell>8 a [<ref target="#S.10">10</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.10.</cell>
              <cell> Clage auf die gewissen</cell>
              <cell>8 a [<ref target="#S.10">10</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.11.</cell>
              <cell>Die sachen auf gutte leuthe zu geben</cell>
              <cell>8 b [<ref target="#S.11">11</ref>] <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s076.jpg" n="76"/>
              </cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.12.</cell>
              <cell>Der Zeugen aussage gibt man bei Gerichte dem Widerpart kainen
                                austzug</cell>
              <cell>fol. 10 a [<ref target="#S.12">12</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>3.13.</cell>
              <cell>Beklagter bekennet sich zur schuld und wil pfandt legen</cell>
              <cell>10 a [<ref target="#S.12">12</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Nota:</cell>
              <cell>Beklagter wil verweisen die schuld auff liegende gruende ader auff
                                gewisse schulden</cell>
              <cell>10 a [<ref target="#S.12">12</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. IV.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 12 a [<ref target="#S.12">12</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>4.1.</cell>
              <cell>Wie man die Radtpersonen zu Gerichte beschicken sal</cell>
              <cell>fol. 12 a [<ref target="#S.12">12</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. V.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 14 a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>5.1.</cell>
              <cell>Von dem ungehorsam des Clegers</cell>
              <cell>fol. 14 a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>5.2.</cell>
              <cell>Claeger mus den beklagten von neues beschicken</cell>
              <cell>14a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. VI.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 15 a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>6.1.</cell>
              <cell>Von dem ungehorßam des beklagten</cell>
              <cell>fol. 15 a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>6.2.</cell>
              <cell>Underweisunge eines Erbaren Rats auf die ungehorßamen</cell>
              <cell>15 a [<ref target="#S.14">14</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. VII.</cell>
              <cell>Von Siegelung und Sperrunge.</cell>
              <cell>fol. 17 a [<ref target="#S.15">15</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.1.</cell>
              <cell>Worumb die Siegelunge und Sperrung geschieht </cell>
              <cell>fol. 17 a [<ref target="#S.15">15</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.2.</cell>
              <cell>Was der dem Gerichte gibt, der do sperren lest</cell>
              <cell>17 a [<ref target="#S.15">15</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.3.</cell>
              <cell>Kombt dan der ungehorßame noch der Sperrunge zu Gerichte</cell>
              <cell>17 b [
                <!-- Noch kein Digitalisat --> 16]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.4.</cell>
              <cell>Bleibt der ungehorßame noch der Sperrung aussene und kombt zu
                                Gerichte nicht</cell>
              <cell>18 a [<ref target="#S.16">16</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.5.</cell>
              <cell>Claeger kombt noch verscheinunge sechs wochen widerumb zu
                                gerichte</cell>
              <cell>18 a [<ref target="#S.16">16</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>7.6.</cell>
              <cell>Ist auch beklagter enndtwichen</cell>
              <cell>18 b [<ref target="#S.16">16</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. VIII.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 20 a [<ref target="#S.17">17</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>8.1.</cell>
              <cell>Von Inventirung und Schatzung</cell>
              <cell>fol. 20 a [<ref target="#S.17">17</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>8.2.</cell>
              <cell>Was noch der Inventirung und Schatzung folget </cell>
              <cell>20 a [<ref target="#S.17">17</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>8.3.</cell>
              <cell>Das woertlen, (wehr am meisten dorumb gibt)</cell>
              <cell>20 b [<ref target="#S.17">17</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>8.4.</cell>
              <cell>Who kein kaufmann kweme</cell>
              <cell>20 b [<ref target="#S.17">17</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>8.5.</cell>
              <cell>Underweißunge der alten zwaiher raete von wegen der geschatzten
                                farenden habe</cell>
              <cell>21 a [<ref target="#S.18">18</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. IX.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 23 a [<ref target="#S.18">18</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>9.1.</cell>
              <cell>Clage umb Erbgelt</cell>
              <cell>fol. 23 a [<ref target="#S.18">18</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>9.2.</cell>
              <cell>Clage umb liedlohn</cell>
              <cell>23 a [<ref target="#S.18">18</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. X.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 24 a [<ref target="#S.19">19</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>10.1.</cell>
              <cell> Von Spaehnunge der Heuser und anderer gruende </cell>
              <cell>fol. 24 a [<ref target="#S.19">19</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>10.2.</cell>
              <cell>Von ausruffunge der Heuser ader anderer gruende</cell>
              <cell>24 a [<ref target="#S.19">19</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>10.3.</cell>
              <cell>Beklagter gibt in VI wochen die erbguelde nicht, wie denne zu
                                thuen</cell>
              <cell>24 b [<ref target="#S.19">19</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>10.4.</cell>
              <cell>Beklagter kombt in Jaresfrist und legt zwu erbguelden</cell>
              <cell>fol. 25 b [<ref target="#S.20">20</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>10.5.</cell>
              <cell>Beklagter lest dem Kleger das hauß ader den grundt widerumb haim
                                gehen</cell>
              <cell>25 b [<ref target="#S.21">21</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XI.</cell>
              <cell>Von Arrestiren und Auffhaltungen.</cell>
              <cell>fol. 28 a [<ref target="#S.21">21</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.1.</cell>
              <cell> Arrestiren einen selbschuld um geldschuld </cell>
              <cell>fol. 28 a [<ref target="#S.21">21</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11. 2.</cell>
              <cell>Vertzihung der freiheit</cell>
              <cell>28 b [<ref target="#S.22">22</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.3.</cell>
              <cell>Arrestiren umb ungerichte, boese tathen als todtschlag, lemnis,
                                Iniurien etc.</cell>
              <cell>29 a [<ref target="#S.22">22</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.4.</cell>
              <cell>Wo sich beklagter tehter nicht betrehten noch finden lossen
                                wolle</cell>
              <cell>29 a [<ref target="#S.23">23</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.5.</cell>
              <cell>Von aufhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein</cell>
              <cell>29 b [<ref target="#S.23">23</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.6.</cell>
              <cell>Auffhaltungen sollen nicht gescheen hinder vorwissen des her
                                Burgermeisters</cell>
              <cell>30 a [<ref target="#S.24">24</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>11.7.</cell>
              <cell>Wer auffhalten wil, der sal genugksam burgen setzen</cell>
              <cell>30 b [<ref target="#S.24">24</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XII.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 32 a [<ref target="#S.24">24</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>12.1.</cell>
              <cell>Von verpoten auf liegende gruende und farende habe</cell>
              <cell>fol. 32 a [<ref target="#S.24">24</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XIII.</cell>
              <cell>Von Burgschaft zum Rechten.</cell>
              <cell>fol. 34 a [<ref target="#S.25">25</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>13.1.</cell>
              <cell>Burgschaft des klegers</cell>
              <cell>fol. 34 a [<ref target="#S.25">25</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>13.2.</cell>
              <cell>Bürgschafft des beklagten</cell>
              <cell>34 a [<ref target="#S.25">25</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Des andern teils Register.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 34 b [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XIV.</cell>
              <cell>Von Banrecht und anderer Recht.</cell>
              <cell>fol. 34 b [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.1.</cell>
              <cell>Was banrecht aigentlich haisse</cell>
              <cell>fol. 34 b [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.2.</cell>
              <cell>Wie viele Banrecht ubers yar alhie zu Olomuntz gehalten werden,
                                und zu welcher Zeit</cell>
              <cell>34 b [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.3.</cell>
              <cell>Das erste banrecht</cell>
              <cell>34 b [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.4.</cell>
              <cell>Das ander banrecht</cell>
              <cell>35 a [<ref target="#S.26">26</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.5.</cell>
              <cell>Das dritte banrecht</cell>
              <cell>35 a [<ref target="#S.27">27</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.6.</cell>
              <cell>Der Nochtaidingkh</cell>
              <cell>35 a [<ref target="#S.27">27</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>14.7.</cell>
              <cell>Von Gastrecht, Nodtrecht</cell>
              <cell>35 a [<ref target="#S.27">27</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XV.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 35 b [<ref target="#S.27">27</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>15.1.</cell>
              <cell>Die Hegung des Stadtrechten zu Olomuntz</cell>
              <cell>fol. 35 b [<ref target="#S.27">27</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>15.2.</cell>
              <cell>Ruffen zum Rechten</cell>
              <cell>36 b [<ref target="#S.29">29</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XVI.</cell>
              <cell>Von Lauperungen.</cell>
              <cell>fol. 36 b [<ref target="#S.29">29</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>16.1.</cell>
              <cell>Lauperung und verleßunge der parten aus gehegter banck am ersten
                                tage</cell>
              <cell>fol. 36 b [<ref target="#S.29">29</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>16.2.</cell>
              <cell>Taegliche Lauperunge vor gehegter banck</cell>
              <cell>37 a [<ref target="#S.30">30</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>16.3.</cell>
              <cell>Forma und Proces der Lauperunge</cell>
              <cell>37 a [<ref target="#S.30">30</ref>
                <ref target="#S.78">S. 78</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XVII.</cell>
              <cell>Erstandene Recht.</cell>
              <cell>fol. 38 a [<ref target="#S.30">30</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>17.1.</cell>
              <cell>Wen die erstandenen Recht beschrieben werden</cell>
              <cell>fol. 38 a [<ref target="#S.30">30</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>17.2.</cell>
              <cell>Welchem kain erstanden Recht vergunst wirt</cell>
              <cell>38 a [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XVIII.</cell>
              <cell>Von den Procuratoren und Rednern.</cell>
              <cell>fol. 38 b [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>18.1.</cell>
              <cell>Der Redner ambt ist vonnoehten</cell>
              <cell>fol. 38 b [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>18.2.</cell>
              <cell>Wie sich ein Procurator vor gehegter banck halten sol</cell>
              <cell>38 b [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XIX.</cell>
              <cell>Vom Andingen.</cell>
              <cell>fol. 39 a [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>19.1.</cell>
              <cell>Ein mohl angedingt ist genugkh</cell>
              <cell>fol. 39 a [<ref target="#S.31">31</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>19.2.</cell>
              <cell>Forma des Andingens</cell>
              <cell>39 a [<ref target="#S.32">32</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>19.3.</cell>
              <cell>Eine schoene lere und undterweisunge allen und jeden
                                Procuratoribus aus beschriebenen Rechten</cell>
              <cell>39 b [<ref target="#S.33">33</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XX.</cell>
              <cell>Von Anwalden ader Machtleuthen.</cell>
              <cell>fol. 41 a [<ref target="#S.34">34</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.1.</cell>
              <cell>Wer ein anwalt ader machtman genant wirt</cell>
              <cell>fol. 41 a [<ref target="#S.34">34</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.2.</cell>
              <cell>Wie sich der machtman halten sal bei rechte</cell>
              <cell>41 a [<ref target="#S.34">34</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.3.</cell>
              <cell>Der machtman sal seine macht forlegen ader wirt sonste bei Rechte
                                nicht gehört</cell>
              <cell>41b [<ref target="#S.34">34</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.4.</cell>
              <cell>Hot der machtman die macht im Gerichtsbuche</cell>
              <cell>41 b [<ref target="#S.35">35</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.5.</cell>
              <cell>Eine volle macht zu Rechte sal alle Clauseln haben</cell>
              <cell>42 b [<ref target="#S.35">35</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.6.</cell>
              <cell>Clausula zu einer volkommen macht</cell>
              <cell>42 b [<ref target="#S.35">35</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.7.</cell>
              <cell>Cautela Iudicis</cell>
              <cell>43 a [<ref target="#S.36">36</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>20.8.</cell>
              <cell>Ein machtman wirt kegenwertigk und auch abwehsens gesetzt</cell>
              <cell>43 a [<ref target="#S.36">36</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXI.</cell>
              <cell>Von dem Klaeger und seiner Klage vor gehegter banckh.</cell>
              <cell>fol. 44 a [<ref target="#S.36">36</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.1.</cell>
              <cell>Claeger sal seine klage formlich einbrengen</cell>
              <cell>fol. 44 a [<ref target="#S.36">36</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.2.</cell>
              <cell>Clagen sein zwaierlei</cell>
              <cell>44 a [<ref target="#S.36">36</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.3.</cell>
              <cell>Was burgliche klage ist</cell>
              <cell>44 a [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.4.</cell>
              <cell>Was peinliche klage ist</cell>
              <cell>44 a [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.5.</cell>
              <cell>Von auszuegen ader abschriefften der klage</cell>
              <cell>44 b [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>21.6.</cell>
              <cell>Replica: Einrede</cell>
              <cell>44 b [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXII.</cell>
              <cell>Von dem beclagten und seiner andtwort.</cell>
              <cell>fol. 45 a [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>22.1.</cell>
              <cell>Beklagter sal sich mit seiner andtwort wol fursehen</cell>
              <cell>fol. 45 a [<ref target="#S.37">37</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>22.2.</cell>
              <cell>Von abschriefften der Exception ader andtwort</cell>
              <cell>45 b [<ref target="#S.38">38</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>22.3.</cell>
              <cell>Von Duplica und widerrede</cell>
              <cell>45 b [<ref target="#S.38">38</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXIII.</cell>
              <cell>Von litis contestation ader kriegs bevestung.</cell>
              <cell>fol. 46 a [<ref target="#S.38">38</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>23.1.</cell>
              <cell>Was kriegsbevestunge haist</cell>
              <cell>fol. 46 a [<ref target="#S.38">38</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>23.2.</cell>
              <cell>Von der wirkunge der kriegsbevestung und wotzu sie nutze sei,
                                durch sechs velle erkleret</cell>
              <cell>46 a [<ref target="#S.38">38</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXIV.</cell>
              <cell> </cell>
              <cell>fol. 47 a [<ref target="#S.39">39</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.1.</cell>
              <cell>Von den Vorstenden und Caution</cell>
              <cell>fol. 47 a [<ref target="#S.39">39</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.2.</cell>
              <cell>Was Caution und vorstandt ist</cell>
              <cell>47 a [<ref target="#S.40">40</ref>
                <ref target="#S.79">79</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.3.</cell>
              <cell>Underscheidt zwischen der Caution und der burgschaft bei gerichte
                                zum Rechten</cell>
              <cell>fol. 47 b [<ref target="#S.40">40</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.4.</cell>
              <cell>Wie der Vorstandt und Caution bestalt wirt</cell>
              <cell>48b [<ref target="#S.41">41</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.5.</cell>
              <cell>Caution in burglichen sachen</cell>
              <cell>48 b [<ref target="#S.41">41</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.6.</cell>
              <cell>Caution in peinlichen Sachen</cell>
              <cell>49 a [<ref target="#S.41">41</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.7.</cell>
              <cell>Forma des elenden aidts zum vorstandt</cell>
              <cell>49 b [<ref target="#S.42">42</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>24.8.</cell>
              <cell>Wehr den Vorstandt nicht bestellen darff</cell>
              <cell>49 b [<ref target="#S.42">42</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXV.</cell>
              <cell>Von der Gewehre der Clage.</cell>
              <cell>50 a [<ref target="#S.43">43</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.1.</cell>
              <cell>Worumb die gewehre eingefurt</cell>
              <cell>50 b [<ref target="#S.43">43</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.2.</cell>
              <cell>Die erste woltadt der gewehre</cell>
              <cell>50 b [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.3.</cell>
              <cell>Die ander woltadt der gewehre</cell>
              <cell>50 b [<ref target="#S.43">43</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.4.</cell>
              <cell>In was sachen die gewehre bestalt wirt</cell>
              <cell>50 b [<ref target="#S.43">43</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.5.</cell>
              <cell>Gewehre in burglichen und auch in peinlichen sachen</cell>
              <cell>50 b [<ref target="#S.43">43</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.6.</cell>
              <cell>Forma und proces in bestellunge der gewehre</cell>
              <cell>51 a [<ref target="#S.44">44</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.7.</cell>
              <cell>Noch bestalter gewehre die klage nicht zu endern</cell>
              <cell>53 a [<ref target="#S.46">46</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.8.</cell>
              <cell>Wen die gewehre gerurt, wie sich beklagter halten sol</cell>
              <cell>53 a [<ref target="#S.46">46</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.9.</cell>
              <cell>Peen und Straffe gerurter gewehre in burglichen Sachen</cell>
              <cell>53 a [<ref target="#S.46">46</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.10.</cell>
              <cell>Peen und Straffe gerurter gewehre in peinlichen sachen</cell>
              <cell>53 b [<ref target="#S.46">46</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.11.</cell>
              <cell>Exempli gracia, womitte man die gewehre ruert ader bricht, durch
                                etliche velle 12, 13, 14, 15, 16</cell>
              <cell>53 b [<ref target="#S.47">47</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.17.</cell>
              <cell> Der weiber vormunden sollen vor die fraue die gewehre
                                bestellen</cell>
              <cell>54 a [<ref target="#S.47">47</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.18.</cell>
              <cell>Die rechten vormunden muessen leisten und schaden leiden</cell>
              <cell>54 b [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>25.19.</cell>
              <cell>Wer die rechten vormunden sein</cell>
              <cell>54 b [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXVI.</cell>
              <cell>Von der Beweisunge und den gezeugen.</cell>
              <cell>fol. 55 a [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.1.</cell>
              <cell>Weme gezeugen getailt werden, wie sich der halten sal</cell>
              <cell>fol. 55 a [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.2.</cell>
              <cell>Wie sein Procurator in gehegte banck frogen sal</cell>
              <cell>55 a [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.3.</cell>
              <cell>Wie der her Foyt andtworten sal</cell>
              <cell>55 a [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.4.</cell>
              <cell>Wen die Zeugen in einem andern koenigreich wehren</cell>
              <cell>55 a [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.5.</cell>
              <cell>Der Zeugenfuerer makh ime balde einen Tagkh nehmen</cell>
              <cell>55 b [<ref target="#S.48">48</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.6.</cell>
              <cell>Verßeumunge der Zeit Zeugen furzustellen</cell>
              <cell>55 b [<ref target="#S.49">49</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.7.</cell>
              <cell>Von der furstellunge der gezeugen</cell>
              <cell>55 b [<ref target="#S.49">49</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.8.</cell>
              <cell>Die Citacion Zeugen zu fuehren ist peremptorie</cell>
              <cell>56 a [<ref target="#S.49">49</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.9.</cell>
              <cell>Proces in furstellunge der Zeugen</cell>
              <cell>56 b [<ref target="#S.49">49</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.10.</cell>
              <cell>Worumb die beschuldigunge der Zeugen geschicht</cell>
              <cell>56 b [<ref target="#S.50">50</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.11.</cell>
              <cell>Wie die beschuldigunge der Zeugen gescheen sal</cell>
              <cell>57 a [<ref target="#S.50">50</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.12.</cell>
              <cell>Von den Interrogatorien und fragstucken</cell>
              <cell>57 a [<ref target="#S.51">51</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.13.</cell>
              <cell>Fragstuck sollen kurtz und lauther sein</cell>
              <cell>57 b [<ref target="#S.51">51</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.14.</cell>
              <cell>Forma der Fragstuck</cell>
              <cell>57 b [<ref target="#S.51">51</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.15.</cell>
              <cell>Die Zeugen sollen schweren in kegenwart beider part</cell>
              <cell>58 a [<ref target="#S.52">52</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.16.</cell>
              <cell>Forma der Zeugen aidt</cell>
              <cell>58 a [<ref target="#S.52">52</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.17.</cell>
              <cell>Der Radthern eidt zum Zeugknis</cell>
              <cell>58 b [<ref target="#S.52">52</ref>
                <ref target="#S.80">Seite 80</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.18.</cell>
              <cell>Die Zeugen werden verhort in abweichen der part</cell>
              <cell>fol. 58 b [<ref target="#S.52">52</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.19.</cell>
              <cell>Eine schoene ermanunge den Zeugen furzuhalten</cell>
              <cell>58 b. [<ref target="#S.52">52</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.20.</cell>
              <cell>Eine schoene vermanunge an die verhoerer der Zeugen</cell>
              <cell>59 a [<ref target="#S.53">53</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.21.</cell>
              <cell>Eines jegklichen Zeugen sage sal durchaus gantz beschrieben
                                werden</cell>
              <cell>59 b [<ref target="#S.53">53</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.22.</cell>
              <cell>Von dem gezwange der Zeugen</cell>
              <cell>60 a [<ref target="#S.54">54</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.23.</cell>
              <cell>Von dem kranken Zeugen</cell>
              <cell>60 a [<ref target="#S.54">54</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.24.</cell>
              <cell>Von der eroeffnunge der Zeugen sage</cell>
              <cell>60 b [<ref target="#S.55">55</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.25.</cell>
              <cell>Forma der eroeffnunge der Zeugen sage</cell>
              <cell>60 b [<ref target="#S.55">55</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.26.</cell>
              <cell>Von abschriften der Zeugen sage</cell>
              <cell>61 a [<ref target="#S.55">55</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.27.</cell>
              <cell>Dem Zeugenfuehrer wirt keine abschriefft geben</cell>
              <cell>61a [<ref target="#S.55">55</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.28.</cell>
              <cell>Exception wider die Zeugen ader ire aussage</cell>
              <cell>61 b [<ref target="#S.56">56</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.29.</cell>
              <cell>Des Zeugenfuerers defension seiner Zeugen</cell>
              <cell>61 b [<ref target="#S.56">56</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.30.</cell>
              <cell>Gruendtliche ursache, worumb die eroeffnunge der Zeugen
                                geschieht</cell>
              <cell>61b [<ref target="#S.56">56</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.31.</cell>
              <cell>Brieffliche urkunde werden noch der eroeffnunge zugelossen</cell>
              <cell>62 a [<ref target="#S.56">56</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>26.32.</cell>
              <cell>Von wider verhoerunge der Zeugen</cell>
              <cell>62 a [<ref target="#S.57">57</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXVII.</cell>
              <cell>Von den Urteiln.</cell>
              <cell>fol. 64 a [<ref target="#S.57">57</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.1.</cell>
              <cell>Das zwaiherlei Urteil sein</cell>
              <cell>fol. 64 a [<ref target="#S.57">57</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.2.</cell>
              <cell>Von dem beiurteil</cell>
              <cell>64 a [<ref target="#S.57">57</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.3.</cell>
              <cell>Die woertlen (auf dis mohl)</cell>
              <cell>64 b [<ref target="#S.57">57</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.4.</cell>
              <cell>Von dem endturteil</cell>
              <cell>64 b [<ref target="#S.58">58</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.5.</cell>
              <cell>Kein Richter ist schuldigkh, die urßache ins urteil zu
                                setzen</cell>
              <cell>65 a [<ref target="#S.58">58</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.6.</cell>
              <cell>Ab der Richter noch seinen gewissen, ader wie fur ime einbrocht
                                wirt, richten sal</cell>
              <cell>65 a [<ref target="#S.58">58</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>27.7.</cell>
              <cell>Von tailunge der urtail in gehegter banck</cell>
              <cell>67 a [<ref target="#S.60">60</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXVIII.</cell>
              <cell>Von der Huelffe des Urteils.</cell>
              <cell>68 a [<ref target="#S.61">61</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.1.</cell>
              <cell>Die huelffe ist vonnoethen</cell>
              <cell>68 a [<ref target="#S.61">61</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.2.</cell>
              <cell>Forma und proces der huelffe in einer personlichen sachen</cell>
              <cell>68 a [<ref target="#S.61">61</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.3.</cell>
              <cell>Schulden, Expens und gerichts kost erlegt man bei
                                Sonnenschain</cell>
              <cell>68 b [<ref target="#S.61">61</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.4.</cell>
              <cell>Wil ime der part vertrauen</cell>
              <cell>68 b [<ref target="#S.61">61</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.5.</cell>
              <cell>Hot ehr nicht burgen</cell>
              <cell>69 a [<ref target="#S.62">62</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.6.</cell>
              <cell>Sitzt beklagter in der Zucht und hot mit parem gelde nicht zu
                                betzalen</cell>
              <cell>69 a [<ref target="#S.62">62</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.7.</cell>
              <cell>Huelffe zu farender habe</cell>
              <cell>69 b [<ref target="#S.62">62</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.8.</cell>
              <cell>Huelffe zu liegenden gruenden</cell>
              <cell>70 a [<ref target="#S.62">62</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.9.</cell>
              <cell>Huelffe zu bekendtlichen schulden</cell>
              <cell>70 a [<ref target="#S.63">63</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.10.</cell>
              <cell>Von uberandtwortunge bei der handt</cell>
              <cell>70 b [<ref target="#S.63">63</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.11.</cell>
              <cell>Beklagter hot in einem andern gerichte guetter</cell>
              <cell>71a [<ref target="#S.63">63</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>28.12.</cell>
              <cell>Forma und Proces in dinglichen sachen</cell>
              <cell>71b [<ref target="#S.63">63</ref>
                <ref target="#S.81">Seite 81</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXIX.</cell>
              <cell>Forma Einweißunge in Heuser</cell>
              <cell>71 b [<ref target="#S.64">64</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXX.</cell>
              <cell>Auffgobe der Heuser</cell>
              <cell>72 b [<ref target="#S.65">65</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXXI.</cell>
              <cell>Auffgebunge des Stadtrechtens</cell>
              <cell>73 b [<ref target="#S.65">65</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXXII.</cell>
              <cell>Proces, den Eidt auffzufueren</cell>
              <cell>74b [<ref target="#S.66">66</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXXIII.</cell>
              <cell>Proces, wie man einen todten mit Rechte aufhebet</cell>
              <cell>78 b [<ref target="#S.70">70</ref>]</cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Art. XXXIV.</cell>
              <cell>Wie man den tehter in die Acht tut</cell>
              <cell>81b [<ref target="#S.74">74</ref>
                <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s03.jpg" n="3"/>]</cell>
            </row>
          </table>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.B.1">
        <head>[Der erste tail dieses Buchs.<note n="3.1">Diese Aufschrift nach Art XXVIII,
                        7.</note>] Salve me Jhesu Criste!</head>
        <div xml:id="NA.1.1">
          <head>Art. I. <pb n="fol.1a."/> Distinctio prima. Wie sich ein jeder Claeger zum
                        Rechten sal geschickt machen.</head>

          <p>Wan einer ime furnimbt und gedenkt einen andern rechtlichen zu beclagen, so
                        sol ehr vorhin, ehe danne ehr mit gerichte was anhebt<note n="3.a">Unde
                            Guil. in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in parte secun. rubric
                            prima in prin, ubi dicitur: Nemini expedit, ut nimis facilis sit et
                            promptus ad litigandum; propter periculum anime. Et in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Evangelio Matei, ubi dicitur: Si quis
                            voluerit tunicam tuam tollere et tecum in judicio contendere
                        etc.</note>, bei frohmen, erfarnen rechtsverstendigen oder sonste bei einem
                        verstendigen leihen und gutten freunde rath suchen, demselben seine sache
                        und anliegen und derselben gelegennheit gruentlichen und warhafftigkh
                        berichten und antzeigen. Ehr sol sich auch fursehen und bewaren mit einem
                        gutten und erfarnen Advocaten, Beystant oder Procurator, und derselbe
                        Beystant ader Procurator sal den jhenigen, der bei ime Beystandt und rath
                        suchet, mit vleiß erfaren umb die warheit seiner sache, Brieff und schriften
                        (soverre ehr die habe) von ime begeren, domitte ehr gruentlich rathen
                        koenne; wan es magkh zu zeitten aus kleiner Seumbniß, ader unwissenheit die
                        gantze sache vergeblich gehanndelt werden.</p>
          <p>
            <pb n="fol.1.b"/> Actor quomodo debeat se preparare ad litem.</p>

          <p>Antequam actor accedat ad litem faciendo reum citari, debet prius se
                        preparare ad litem, ne confusus inde recedat et causam et expensas perdat.
                        De huiusmodi preparatoriis potestis videre: <ref target="http://repertorium.at/ns/durantis_1592.html#de_praeparatoriis_iudiciorum">Specu. in tit. de prepar. iud.</ref> et ibi
                        
            <!-- Noch kein Digitalisat --> Joan. (Andr.) in ad.</p>

          <p>In primis autem debet deliberare cum amicis et eos consulere, an expediat
                        sibi agere et litem adversario movere vel non, ne postea damnum patiatur.
                        Item debet sibi providere de bono et perito advocato, ut in lege si aviam in
                        fin. ibi: Si cum peritioribus tractatum habuisses <ref target="/o:repat.ciciv-inhalt#C.7.14">C. de inge. (et) manu.</ref>
            <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s04.jpg" n="4"/>
          </p>
          <p>Alioquin accidet sibi illud quod scriptum est de Juda:
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> De pen. dist. VI. c. I. versic. ubi dicitur:
                        (Quod) Judas enim et versic. ivisset, ubi dicitur: Quod Judas penitens, dum
                        ivit ad Phariseos pro consilio relinquens apostolos, nihil invenit sibi
                        utile, sed augmentum desperationis sue<note
              n="4.1">Eine Umschreibung des im
                            Decr. Grat. enthaltenen Textes.</note>. Hec <ref
              target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10181462-1">Henyng. in suo proces</ref>.<note n="4.2">Wörtlich im ordinis
                            judiciarii (des Henning Göde) I.Theil, 2. Rubr. Num. 1.</note>
          </p>

          <p>Dornoch so ehr bei Rechtsverstendigen einen radt funden, sol er sich auch bei
                        ime selbst wol bedencken und fursetzen und sonderlich eben acht haben und
                        mit vleis erwegen, ob ehr seines fuernehmen und klage zu Rechte ordenlich
                        rechtmeßigkh beweissunge und bewerunge habe, es sei durch Zeugen,
                        glaubwirdige brieffe, rechtmessige Instrument oder ander wege, dan
                        gemeinigklich dem kleger die burden der beweisunge aufgeladen<note
                n="4.a">Ut est textus in <ref target="http://webu2.upmf-grenoble.fr/Haiti/Cours/Ak/Corpus/d-22.htm#22.3.2">l. Ei incumbit probacio, qui dicit, non ei qui negat ff. de
                                probacionibus.</ref>

            </note> wen die klage versachet (das ist
                        verneinet) wirt, es welle den der kleger seiner beweisunge abgehen und den
                        beklagten <pb
              n="fol.2a"/> auf seine gewissen noch Sachsischem rechte<note n="4.b">Ut <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 6">Landt. lib. I. art. 6</ref> et
                                <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 22">lib. II. art. 22</ref> et <ref target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._978">lib. III. art. [9] in glos.</ref>

            </note> und derselbigen lande
                        brauch beschuldigen. Den who ehr felligkh wuerde und seine clage nicht
                        beweisete, die sache verzeucht und nicht verfert, so sol der Richter den
                        beklagten auf sein rechtlich begeren<note n="4.c">Juxta hanc regulam: Actore
                            non probante reus absolvitur, etsi nihil prestiterit, id est probaverit,
                            ut 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. fin. 6. q. 5 §. sane, de
                            iureiur., l. qui accusare C. de edendo, et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,1_S._464">lib. I art. 64 in glos. I</ref>. et
                                <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._681">lib. II. art. 25 in glos.
                                L.</ref> et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._928">lib. III art. 3 in
                                glos.</ref> et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._978">art. 9 in
                                fin.</ref> et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._898">glos. final. lib.
                                II. art 65. versic. ob es auf inen gebracht</ref> et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._1073">lib. III. art. 24. in glos.
                                final</ref> et <ref
              target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._1079">art. sequenti
                                glos. I.</ref>. [Hierzu Fußnote 4.3: "lib. li. schlechthin bedeutet
                            immer das betreffende Buch des Sachsenspiegel-Landrechts.]</note> von
                        gethaner klage absolviren und ledigkh erkennen, mit erstatung der Expens.
                        Das ist noch dem Sachsischen<note n="4.d">
              <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 6">Landt.
                                lib. I. art. 6</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 22">lib. II. art.
                                22</ref> et <ref target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._978">lib. III. art. 9 in
                                glos.</ref>

            </note> Rechten zu vernehmen, who der klaeger nicht der
                        zuschiebunge des eihdes, sonder der beweißunge gebraucht. Dorumb und
                        sonderlich dieweil der ausgangkh des Rechten zweiffelich und ungewisse ist,
                        tut vonnoeten<note n="4.e">Dubius est enim litis eventus, de quo in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. quod debetur ff. de peculio et
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Spec. ut supra.</note>, das ein jeder
                        klager sich vor anfangkh derselben aller dinge geschickt mache, dann er noch
                        anfange der sachen und des kriegs nicht allewege zu statlichem und
                        nodturfftigem bedacht<note n="4.f">Arg. 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg.
                            petende C. de tempo. in integrum restitucio.</note> oder auffschub
                        gelossen werden moechte. Es ist auch in sonderheit dem klaeger nodt, das ehr
                        betrachte, ob ehr eine gutte und gerechte sache habe, auf das, who ehr die
                        mit urteil und rechte gewuenne, domitte nicht das ewigkh verdamnis
                            gewoenne<note n="4.g">Ut 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen. c. 68.
                            col. 9. in glos. pen. ver. auch so warnet es.</note>. Dofon sagt
                        sauberlich das Sachsische lehnrecht. So goennen auch die recht dem <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s05.jpg"
              n="5"/> beklagten
                        mehr den dem kleger<note n="5.a">Ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg.
                            favorabiliores ff. de reg. iur. et <ref
                target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=130">Weich. art. 35 in fin. glos.</ref> et <ref target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,1_S._213">lib. I. art. 15. in glos.
                            fin.</ref>

            </note>, dorumb wirt ime auch keine zeit des bedenckens
                        zugelossen, dan ehr geschickt sein mus, und auch alle zeit etwas mehr, den
                        die persohne des beklagten geschickt und habilitirt sein sol. Dorumb ehr
                        auch viel eher und leichter im Rechten verlegt wird: Ut <ref
              target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._1022">lib. III. art XVI.</ref> et <ref target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,3_S._1117">art. XXX. in glos.</ref>,
                        
            <!-- Noch kein Digitalisat --> 1. I. C. de infamibus lib. X. etc.</p>
          <p>
            <pb n="fol.2b"/> Wan aber der kleger mit seiner nodturfft statlich verfast zu
                        sein bestendigklich verhoffen magkh, so soll ehr dennoch die rechtliche
                        Citirunge und ladunge gegen dem widertail nicht von Stunden gebrauchen,
                        sonder von freundtschafft und bürgerlicher erbarickheit wegen, inen zuvor
                        guetlich durch sich selbst oder mittelpersohnen ersuchen und beschicken: who
                        ihme denne derselbe sein widertail als denne der gebuern und billigkheit
                        gemeß nicht zufrieden stellen wolte, so magk ehr alsdanne den wegkh
                        ordenlichs Rechtens und austrags. wie sich gebuert und bei den gerichten und
                        Rechten breuchlich, fuernehmen.</p>
          <p>Ita sunt text. in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> l. Quidam Hiberus ff. de
                        servitutibus urbanorum prediorum et 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> l.
                        debitores C. de pignoribus et hipotecis.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.1.2">
          <head>2. Wie der Claeger den Richter suchen sal.</head>
          <p>Es ist eine gemeine Regel<note n="5.b">Actor forum rei generaliter sequi
                            debet, ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> extra de foro competenti c. si
                            clericus et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de Jurisdict. omnium
                            iudicum lege iuris ordinem, ubi dicitur: 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Juris ordinem perverti postulas, cum actor rei, non reus actoris foram
                            sequatur [Fußnote 5.1: "Nicht wörtlich".] etc., et
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> II. q. l. c. experiencie.</note> das ein
                        jeder klager, er sei gaistlich oder weltlich, des andtworthers oder
                        beklagten ordenlichem gerichte und Richter, dorundter ehr gesessen ist,
                        nochfaren und ersuchen und inen doselbst, wie sichs gebueret und breuchlich
                        ist, furnehmen und beclagen sal. Doch werden etliche vhelle ausgenommen,
                        dorinne der klager nicht schuldigkh, dem andtworther nochzufaren; dorfon
                        suche hernoch in dem artickel von Arrestiren und auffhalten. so viele
                        desselben zu diesem Proces dienstlich.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.1.3">
          <head>
            <pb n="fol.3a"/> 3. Wie der kleger zum Richter zutrehten sal.</head>

          <p>Der klaeger sal auch zu bekwehmer fueglicher Zeit zu dem Richter oder Foyte
                        sich verfuegen und furtrehten, nicht wen ehr ober tische sitzet und isset,
                        oder in der kirchen und goetlichen sachen ist, oder auf dem wege, sonder wen
                        ehr an den orthen und stellen, who ehr sonste breuchlich das Gerichte zu
                        sitzen und die parthen zuverhoeren pflegt, erscheinen, sich kegen ime
                        erbarlich und underthenigklich ertzeigen und durch sich selbst ader einen
                        erbaren genugksammen gewalthaber seine sache und anliegen aufs
                        allerkuertziste erzehlen und bitten, das ehr sein kegentail vor gerichte
                        durch den gerichts diehner, oder wie es sonste breuchlich, citiren und
                        beruffen woelle lossen und inen tagk und stunde zur verhoere bestimmen. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s06.jpg" n="6"/>
          </p>
          <p>Qualiter in adeundo iudicem actor debeat se habere, tractat
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> Guil. in Spec, de compe. iud. adicione §
                        viso.: Quia, si est ordinarius, actor per se vel per procuratorem suum<note n="6.a">Ut 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> ff. de procu. leg. I.</note>
                        accedat ad eum hora congrua, ut cum sedet pro tribunali, non quando
                        commedit, vel est in divinis vel in via,<note n="6.b">Ut
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> III. q. 3. §. Spacium etc.</note> et
                        factum suum coram eo proponat per se, si est discretus, alioquin per alium
                        et petat adversarium citari seu vocari ad causam, quia per citacionem debet
                        inchoari processus.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.2">
        <head>Art. II. Citacio, Fuerladunge. <pb n="fol.4a"/>
        </head>
        <div xml:id="NA.2.1">
          <head>1. Was Citacion ist.</head>
          <p>Citacion<note
                n="6.c">Citacio est quoddam substanciale iudicii, secundum
                            Bald., Bart., <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Bartholomaeus de Saliceto">Salicet.</persName> et ceteros doct. in <ref target="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/justinian1627bd4/1008">leg. prolatam C. de senten. et interlo. omni. iud.</ref>
            </note>
                        oder vorladunge ist ein selbstendigkh thuen und der anfange des gerichts und
                        gerichtszwanges und ein fundament des proces des gerichts.</p>
          <p>Was ane Citacion gehandelt wirdt, ist unkrefftigkh.</p>

          <p>Item alles was gehandelt wirt bei Gerichte und Rechte, zu welchem das
                        widerpart nicht geladen wirt, taugk nicht, und solcher proces ist nichtigk
                        und nullus<note
                n="6.d">Processus sine citacione est ipso iure nullus, ut
                                <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._672">Landt. lib. II. art. 24 in text,
                                et glos.</ref> et <ref
                target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,2_S._942">lib. III. art.
                                5. in glos.</ref> et <ref target="http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_Fontes_iuris_N._S._7,3_S._1391">art. 63 in
                                glos.</ref>
            </note> und dorum ist sie in keinem wege aussene zu
                        lossen, sal anders das gerichte und derselbe proces bestehen, wie den die
                        recht offendtlich sagen secundum 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> Baldum in
                        lege jubemus in I. col. verego tamen do consilium C. ad (S. C.) Trebellianum
                        et per 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> Joannem Andream, Abbatem et alios in
                        c. Albericus [Fußnote 6.1: extra], de testibus, ubi dicitur: Quod in omni
                        actu isti, quorum interest, citari debent, alias actus nullus est. </p>

          <p>Den alle recht verbietten, das man niemandt, sein leib, oder ihnen sonste in
                        etwas vertailen sal, der do nicht citirt und geladen ist,<note n="6.e">Ut
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> extra cap. 2 et cap. significavit, de
                            testibus.</note> und nemen des iren grundt von gothe dem Almechtigen,
                        deme war nicht verborgen, das Adam im Paradiese gebrochen hatte und
                        gesundigt; noch dennoch rieff ehr inen erstlich, ehe danne ehr inen straffet
                        und sprach: Adam, who bistu etc.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.2">
          <head>2. Wie die Citation geschieht.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.4b"/> Wan der kleger zu Gerichte kompt, sal ehr den her Foyt mit
                        erbarlicher beschaidenheit umb den Gerichtsdiehner begruessen, noch seinem
                        widerpart zu schicken, und bitten, inen einen tagkh und stunde <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s07.jpg"
              n="7"/> anzusetzen;
                        das sal ime der her Foyt vergoennen, auch tagkh und stunde ernennen, alles
                        noch gelegenheit der Sachen und auch der perßonen.<note n="7.1">Der tschech.
                            Text hat hier die Note: Die Citation geschieht mündlich oder
                            schriftlich.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2.3">
          <head>3. Des Gerichts diehners gerechtigkheit.</head>

          <p>So der, noch deme man schickt, in der Stadt wohnet, gibt man dem diehner von
                        alters her 3 den. Wohnet ehr aber vor einem tohre, gibt man ime einen halben
                        groschen und also, vor so viele tohre er gehen mus, so viele halbe groschen
                        gibt man ime. Verpeut und arrestirt ehr auch bei iemandes was, es sei was es
                        wolle, gelt, roß, wagen etc., ists in der Stadt, so gibt man ime einen
                        halben groschen, vor dem thore einen gr. und so furdann.<note n="7.2">Der
                            tschech. Proc. fügt bei: Dies ist dem Ermessen jeder Stadt oder
                            Ortschaft oder dem alten Herkommen überlassen. Bemerkt sei, daß der
                            mährische Gulden damals zu 30 weißen Groschen, der Groschen zu 7 den.
                            gerechnet wurde.</note>
          </p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.3">
        <head>Art. III. Von der Clage bei gerichte.</head>
        <p>
          <pb
            n="fol.6a"/> Wan nun also beide part, kleger und antworter, zur gelegten
                    stunde vor Gerichte erscheinen, und kleger seine clage und beklagter auch seine
                    andtwort und also beide tail ire nodturfft furbrengen, dorauff hot der her foigt
                    zu merken und vleißigk achtunge zu haben, noch laut ires furbrengen die
                    rechtlichen zu entscheiden;<note
              n="7.a">Omnibus hominibus iudex sit equus in
                        iudicando, ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 30">Landt. l. III. art. 30</ref>,
                        unde dicit ius commune, quod in iudiciis non est acceptio personarum
                        habenda, ut in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. no. de iudi. de reg. iur.
                        l. VI. Aequalis enim et communis debet esse iudex, non declinans in dextram
                        aut sinistram, ut in 

            <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. inter claras C. de
                        sum. tri. et fide catho.</note> dan alle richter sitzen gerichte an gottes
                    stadt, den alle gerichte kommen von Gott,<note n="7.b">Got spricht selber in
                        deuteronomio: Richtet recht ihr menschenkinder, den das gerichte ist mein.
                        Dasselbe auch 

            <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de vete. inr. enucle. leg.
                        Deo auctore nostrum etc.</note> ut <ref
            target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 53">Landt. l. I.
                        art. 53</ref>; <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=42">Weich. art. 8</ref>;
                    
          <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen, cap. 51 post prin. glos.; <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=65">Weich. art. 16. glos. in fin.</ref>
        </p>
        <div xml:id="NA.3.1">
          <head>1. Beklagter bekennet sich zur Schuld.</head>
          <p>Als who die klage umb Schuld und beklagter der klagen<note
              n="7.3">L. M.
                            schuld statt klagen.</note> gestendigkh ist, so bedarffs nicht weither
                            zankens,<note n="7.c">Effectus autem confessionis est, ut is qui
                            confitetur, pro convicto habeatur, 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de
                            confes. leg. unica: Quia in confitentem nulle sunt partes iudicis, quo
                            ad cognoscendum, immo ipse quodam modo se sua sentencia damnat, ut
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> ff. de confes. leg. I. in fin. ubi
                            dicitur: Confessus pro iudicato habetur etc. Item dicit dominus in
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Evang. Lu. 19: Ex ore tuo te iudicabo,
                            serve nequam etc.</note> den das der kleger den her Foyt bitte, dem
                        beklagten auf solch sein bekennen zu schaffen und gebietten, das ehr im
                        betzalunge und ausrichtunge thue; den der <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s08.jpg"
              n="8"/> lso
                        bekennet und der klagen gestendigkh ist, der bringt das urteil selbsta mit
                        sich, das inen vertailet.<note
                n="8.a">Wehr eine Sache bekennt, der ist
                            derselben uberwunden, ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 22">Landt. l. II. art.
                                22. in glos. finali</ref> et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen.
                            cap. 59 in glos. fin. et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. 7
                            et
              <!-- Noch kein Digitalisat --> 69 in glos.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.2">
          <head>2. Frist bei Gerichte zur betzalunge.</head>

          <p>Who aber der beklagte nicht zu betzalen hette und begeret Frist, wie diese
                        Stadt zu Rechte hot, das bekommt ehr, und <pb
              n="fol.6b"/> das sein drei
                        vierzehen tage und drei tage, das machen sechs wochen und drei tage.<note n="8.b">Der also bekennet, der hot keinen andern forteil, alleine die
                            Zeit, die ime die Recht zugeben, welche Zeit vom tage des bekentnis
                            anffehet zu lauffen, ut in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. si
                            debitori ff. de iudiciis et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. certum
                            §. fin. ff. de confessis et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 10">Landt. l. II.
                                art. 10 in text.</ref> et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=130">Weich. art. 34</ref> et 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> art. 91 in
                            glos.</note> Wil ime kleger solche bekentliche schult diese sechs wochen
                        langkh und drei tage gutwilligkh vertrauen und harren, ader aber bei seiner
                        anglobunge dem her Foyte bei der Pusse und verschreibunge bleiben lossen,
                        das stehet bei ime. Who ober nicht<note n="8.1">Im tschech. Proc. wird
                            beigefügt. daß dem Geklagten, wenn es sich um Abtretung eines Grundes
                            oder dergleichen Rechtes handelt, Zeit zur Räumung und freien Übergabe
                            gelassen werde.</note>, so mus es ime der beclagte genugksam verburgen.
                        Hot ehr der burgen nicht beihendigkh, und der kleger ime dornoch zugehen
                        nicht vertrauen wil, so gibt ehr dem fronebothen seine gerechtigkheit, als
                        nemblich einen halben groschen; der behafftet inen mit der zucht, bis
                        solange ehr burgen zu wege brengt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.3">
          <head>3. Beklagter bekennet sich zur Schult, hot bar gelt und wil nicht
                        betzalen.</head>

          <p>Bekennet sich beklagter zur schult und saget, ich habe es ime jezund wol
                        zubetzalen mit parem gelde, dieweil ehr mich aber gerichtlich beklagt, so
                        wil ich ime auch jezund nicht betzalen, sonder begere die Stadtrecht, das
                        sein VI wochen und III tage. Dieser kan also in diesem vhal die Stadtrecht
                        nicht bekommen, dan die Frist der Stadtrecht sein deme zu gutte eingefurt,
                        der zur zeit der beklagunge balde zu betzalen nicht hot, domitte ehr sich in
                        dieser zeit bewerben und umbthuen magkh, das ehr seinen gläubiger zu ruhe
                        stelle und betzale; den der gelt hot und nicht zalen wil, das ist ein
                        betrugk, und kan dorumb die Stadtrecht nicht bekommen.<note n="8.2">Im
                            tschech. Proc. wird jedoch die Einschränkung gemacht, daß der Richter
                            sich nach der Frist im Schuldbriefe halten müsse und nur jenen Personen,
                            bei welchen sich durch einen unvorhergesehenen Zufall ein Schaden
                            ereignete, eine weitere Zahlungsfrist einräumen dürfe.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.4">
          <head>4. Beclagter sagt, ehr habe bezalt, welchs part beweisen sal.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.7a"/> Wo aber der beklagte in seiner andtwort sich zu der klage
                        bekennet und gestendigkh ist, das ehr dem kleger schuldigkh gewest, oder <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s09.jpg" n="9"/> das
                        das gut oder die wahre sein gewest sei, und sagt, ehr habe ime betzalunge
                        gethan und vergnuegt, oder ehr habe das gut über verwerte Zeit besessen und
                        inne gehabt etc., dorauff kan alsdan der her Foyt nicht balde urteilen,
                        sondern es wirt dem beklagten bekweme Zeit und Frist gegeben, diese seine
                        schutzwehre und Exception der betzalunge oder die verjharunge und
                        prescription zu beweisen.</p>

          <p>Dan ein jeder andtworther, der in seiner andtwort oder Schutzwehre etwas
                            setzet<note n="9.a">De quo in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> l. offici.
                            ff. de rei ven. et in ll. [Fußnote 9.1: Plural, weil keine lex besonders
                            erwähnt ist.] 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de prob. et in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> l. nam et postea in princ. ff. de iur.
                            iur.</note>, und der kleger es ime nicht gestehet, ist dasselbe auff
                        nichtgestehen des klegers zu beweisen schuldigkh.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.5">
          <head>5. Beklagter sagt, die Zeit zur betzalung sei noch nicht kommen, wer in
                        diesem vhal beweisen sal.</head>

          <p>Wo der beklagte andtwort und sagt, ehr gestehe der klage, dass ehr schuldigkh
                        sei, oder das ehr das gut inne habe, alleine die Zeit der betzalunge oder
                        uberandtwortunge des guttes sei noch nicht kommen<note n="9.b">Ut in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. cum precium [Fußnote 8.2: Richtig
                            quum precum.] C. de libe. cau. et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg.
                            raciones C. de proba. Adde et lege quod si in diem et per
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Bald. in §. item a debitore, vers. in
                            eadem glos. ibi posset etc. et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> §. sed
                            hodie [Fußnote 8.3: Richtig hodie autem] Instit. de exceptionibus et
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> ibi. Aug. etiam, ubi dicitur: Hodie autem
                            non ita stricte hoc procedere volumus, sed eum, qui ante tempus
                            pactionis vel obligacionis litem auferre [Fußnote 8.4: Der Text ist auch
                            ferner korrumpiert, s. 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> corp. jur., ed.
                            Krieg. I. S. 51.] ausus est, Zenoniane constitucioni subiacere censemus,
                            quam sacratissimus legislator de his, qui tempore plus petierunt,
                            protulit, ut et inducias, quas idem actor sponte indulserit, vel natura
                            actionis continet, si contemserit, in duplum habeant hi, qui talem
                            iniuriam passi sunt.</note>, und who ehr des also beweiset, so kan inen
                        der her Foyt zur betzalunge oder uberreichunge des guttes vor der Zeit nicht
                        verteilen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.6">
          <head>6. Wen der beklagte zur Clage gladt nein sagt.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.7b"/> Hierauf ist aigentlich zu merken: Wen der beklagte zur klage
                        nain sagt, was sich denne bei gerichte zu thuen gebuert, nemblich who der
                        kleger dem beklagten in die gewissen (das ist auf seinen eidt) nicht stellet
                        und der beklagte der klagen durchaus oder zum teile nicht gestendigkh, in
                        diesem vhalle ist der kleger schuldigkh, seine angestalte klage, wie zu
                        rechte genugksam<note n="9.c">
              <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 15">Landt. lib. I.
                                art. 15 in tex. et glos</ref>.</note> zu beweisen, und das heist bei
                        Rechte leipliche beweisunge.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.7">
          <head>7. Claeger hat keinen beweis.</head>

          <p>Who denn klager das nicht tut, oder gar keine beweisunge hot, so wirt der
                        beklagte durch den her Foyt von solcher angestalten klagen absolvirt, kwit,
                        loes und ledigk getailt.<note
                n="9.d">(Dazu die gleiche Anm. c) wie oben bei
                                <ref target="#Note4.c">Art. I, 1 S. 4</ref>: Justa hanc regulam
                            etc.).</note>
            <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s010.jpg" n="10"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.8">
          <head>8. Claeger stellet beweis fur.</head>

          <p>Stellet aber klaeger Zeugen fur oder sonste schrifftliche beweisunge, und
                        bleiben also beide part bei des herFoyten erkendtnis, aus solcher
                        furgestelleten Zeugen aussage oder sonste schriftlichen beweis hot der her
                        Foyt seinem gethanen eihde noch rechtlichen zuerkennen und die parthen
                        zubescheiden <pb
              n="fol.8a"/> in der sachen, was recht ist. Die Zeugen aber
                        sollen vor irer aussage einen aidt thuen und schweren, das sie die lauther
                        warheit, was inen von der sachen wissende ist, aussagen wellen.<note n="10.a"> Testis iurat ante examen, ut in 

              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            leg. Theopompius ff. de dote prele. Und dorumb sagt <persName ref="Baldus de Ubaldis">Baldus</persName> in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. fraternitatis in 4. no. de testibus:
                            Who nicht beweiset wirt, das der gezeuge vor seiner aussage geschworen
                            habe, so ist er nicht recht verhort.</note>
            <pb n="fol.8b"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.9">
          <head>9. Was dem Hern Foyte zu schwer ist.</head>
          <p>Ist auch dem her Foyte was zu schwer in sachen, dorumb hat ehr den her
                        Burgermeister und einen gantzen sitzenden Roth sich mit ihnen aus der sachen
                        umb eine underweisunge zuberodtschlagen, und magkh die parten auff einen
                        andern gelegenen tagkh und stunde noch gelegenheit der Zeit, vor ime
                        widerumb zuerscheinen, bescheiden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.10">
          <head>10. Clage auf die gewissen. — Relatio juramenti.</head>

          <p>Who auch Claeger kaine Zeugknis hot, und den beklagten bei seinem schlechten
                        nein nicht bleiben lossen will<note n="10.b">Nota: Es magk auch ein jeder
                            dem klaeger den eidt widerumb haimschieben. De quo per
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> glos. p. in fin. art. 2, l. III. et
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> li. II. art. 22. Und als denne so mus der
                            kleger schweren; tut ers nicht, so wirt der beklagte von der klage loes
                            getan et cum expensis.</note>, sonder begert, das ehr sein nein
                        verfueren und thun sol, wie recht, so lest es der her Foyt auch dorbei
                            bleiben<note
                n="10.c">Den ein jeder Sachse losset es dem andern zu
                            seinem aide, wen er nicht gutte beweisunge hot. Ut <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 9">Landt. l. III. art. 9</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 6">l. I. art. 6</ref> et <ref
              target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 22">l. II. art. 22</ref>.</note>, [Fol.8b]
                        alleine das beide parthen zum Rechten verburgen muessen. Dan solcher
                        koerperlicher aid kan vor gerichte aus alt herkomner gewonheit nicht
                        geleistet noch gethan werden, sonder vor gehegter banck.<note
              n="10.1">In
                            Breslau vor dem Landrecht, (s. M. S. der Bresl. Stadtbibl. J.
                            59).</note> Und doher kombt das Sprichwort, das nain und jha zum Rechten
                            gehoert.<note n="10.d">Es sagt Seneca: Meum et tuum pariunt omnem
                            controversiam. Et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. quia diversitatem
                            [Anm. 10.2: Extra] de conces. praeb., 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> l.
                            I. C. de vet. iur. enucle. §. cum itaque.</note> Und doselbst vor
                        gehegter banckh sein als denne die parthen schuldigkh, noch altem brauch ire
                        klage und andtwort und ferner einbrengen durch sich selbst oder ire
                        Procuratores in die Feder zu reden, domitte ferner in der sachen gescheen
                        magkh, was billich und recht ist. Wie aber die burgschafft zum Rechten
                        gescheen sol, dorfon suche hernoch in dem <ref
              target="#T.1.13">Artickel der
                            burgschafft zum Rechten</ref>.<note n="10.3">Art. XIII.</note>
            <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s011.jpg" n="11"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.11">
          <head>11. Die sachen auff gutte leuthe zu geben.</head>

          <p>Es ist sehre gutt und ein loeblich dingkh, das der herr Foyt die sachen
                        zuweilen auf gutte leuthe gibt; dan domitte werden viele sachen durch gutte
                        leuthe in der suehne vertragen, die sonste zum Rechten gediegen, in viele
                        und grosse unkost und schaden kwehmen. Wiewol der her Foyt noch kain Richter
                        kain part von irem Rechten zu nehmen und zu sunlichen vertregen ader hendeln
                        zu zwingen haben, so sagen doch <pb n="fol.9a"/> die Recht, das der Foyt
                        oder Richter, welcher die part im anfangkh durch sunliche hendel und
                        vertrege wol verainigen und vertragen koende und tut das nicht, das ehr
                        doran toedtliehen sundige. Und dis ist aigentlichen zu merken, das solches
                        gescheen sol, ehedanne die part ire gezeugknis verfuehren, furstellen und
                        verhoeren lossen. Den wen das Getzeugknisse verhort ist, so kan der her Foyt
                        oder Richter balde verstehen und merken, welchs part recht oder unrecht ist.
                        Und wen also der her Foyt noch verhortem gezeugknis den parten zum sunlichen
                        handel verner redt oder zum vertrage gibt, so sundigt ehr auch widerumb
                        toedtlichen doran, dieweile ehr waiß, welches part recht ist, und derselbe
                        gerechte nochmoles aus des her Foyten bevehl sich mit seinem schaden kegen
                        seinem widerpart suhnlichen durch gutte leuthe vertregt; es wehre den
                        dasselbe gezeugknis in ime selbst so tunkel und unlauther, das der her Foyt
                        nichts gewisses doraus schlissen noch richten koende, als denne truege es
                        ime auch keinen mangel.</p>

          <p>Auch who eine hessige, peinliche sache oder bekendtliche ubeltadt furkweme,
                        sal auch zu keinem vertrage noch sunlichen Handel gelossen werden. Dan
                        offenbare laster und ubel sal man ungestrafft nicht hingehen lossen, sonste
                        sal allewege friede gesucht und auffgerichtet werden. Wo <pb
              n="fol.9b"/>
                        aber Iniurien sachen furkwemen und zuvorab, wenn die sache an ihr selbst
                        hessig wehre und dem parthe auf sein treuhe, ehre und gut gelimpffe gehen
                            wolte<note n="11.a">Arg. leg. equiss. esse (?)
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> §. I. ff. de usu fructu et quemadmodum
                            quis. utatur. Et vide de his omnibus 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Spec. in tit. de prepara. Jud. per totum.</note>, oder so dorinne ein
                        solcher zweiffel gefunden, der nicht leichtlich zu entscheiden sein wuerde,
                        so sol alsdanne der her Foyt allen mueglichen vleiß thuen, die part
                        miteinander in der guette durch gutte leuthe sunlichen zu vertragen, zu
                        verhuettunge weithers unradts, so doraus endtstehen moechte.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.11.a">
          <head>Cautela Judicis.</head>
          <p>Preclarissimus iureconsultus, famatissimusque practicus et utriusque Juris
                        Doct. D. <persName>Henningius Goden</persName> Havelspergensis etc. in suo
                        
            <!-- Noch kein Digitalisat --> iudiciario processu Rub. 2 Num. 16 inquit,
                        quod hii Judices optime faciunt, qui partibus concordiam et amicabilem
                        composicionem persuadent et quod Judices tenentur hoc facere, licet eas non
                        possint cogere ad concordiam acceptandam, ut probatur in
                        
            <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. ut litigantes, de offi. ordi. in VI.,
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> c. si primates, V. q. II., ubi glos. l. et
                        Abbas et Felin. de treu, et pa. super rub. et hoc <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s012.jpg"
              n="12"/> tunc
                        verum, quia Judex, qui potest in principio partes concordare et non facit,
                        peccat mortaliter, sed in fine litis non. Nam postquam ex actis intellexit,
                        que pars sit iusta et que iniusta, iterum peccat persuadendo iuste parti ad
                        concordiam, ut cum damno suo concordat, ut probatur <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#NAntonius de Butrio">Antho. de But.</persName> in 

            <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. 1 in
                        glos. fin. [Fußnote 12.1: Extra] de mut. peti. De quo eciam per <persName
              ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Guilelmus Durantis">Speculatorem</persName> et <ref target="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Johannes Andreae">Joan. Andre.</ref>, in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> add. de prepara.
                        iudi. versic. ceterum. <pb n="fol.10a"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.12">

          <head>12. Der Zeugen aussage bei Gerichte gibt man dem widerpart keinen
                        auszugkh. — consuetudo. [Fußnote 12.2: S. <ref target="#T.2.26.27">Art.
                            XXVI. 27</ref>. Nach dem tschech. Proc. werden beiden Teilen Abschriften
                        freigestellt.]</head>
          <p>Aller Zeugen aussage, so bei gerichte verfurt ader sonste eingelegt werden,
                        gibt man dem widerpart keinen auszugkh, sonder wo die sache in ihr selbst
                        wichtigkh und der part das begert, so verliest man sie ime, so offte es
                        vonnoethen ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.13">
          <head>13. Beklagter bekennet sich zur schuld und will pfandt legen. —
                        consuetudo.</head>

          <p>Wer bei Gerichte beklagt wirt und bekennet sich zur schuld, hot kein par
                        gelt, sondern erbeutt sich pfandt zu legen vor die schult noch Stadtrechten,
                        dorauf ist zu merken: Wils der glaubiger annehmen, so lest es der her Foyt
                        auch gescheen; wo es aber der glaubiger nicht balde annehmen noch gescheen
                        lossen wil, so mus der beklagte in die Zucht<note
              n="12.3">Nach dem tschech.
                            Proc. soll dies nur stattfinden, wenn keine Rechtswohltat entgegensteht,
                            d. i. falls den Schuldner kein unvorhergesehener Zufall, als
                            Feuersbrunst, Sturm, Wassernot und Raub betraf.</note>, und dornoch aus
                        der Zucht magk er sich widerumb loehsen und ledigen mit genugksamen pfande,
                        die er vermagkh, und darff in solchem valle vom kleger weither mit
                        gefengknis nicht gepeinigt werden, es wehre den sache, das ehr sich vormoles
                        bei gerichte oder andern krefftigen stellen<note
                n="12.4">S. <ref
              target="#T.2.20.4">S. Art. XX, 4</ref>.</note> seiner rechtlichen
                        freiheit vertziegen hette, und hette sich zuvor verschrieben zubetzalen mit
                        parem gelde ane alle weiter recht und pfandt, so moechte er sich auch mit
                        pfande nicht ledigen, wie den hernoch im <ref
              target="#T.1.11.2">XI. Artikl
                            Num. 2 fol. 28</ref> zu befinden.<note n="12.5">Fol. 10 b und 11
                            leer.</note>
          </p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.4">
        <head>Art. IV. Wie man die Radtspersohnen zu Gerichte beschicken und verhoeren
                    sal.</head>
        <head>
          <pb n="fol.12a"/> Underweisunge von einem erbaren Rathe. — singulare
                    beneficium senatus.</head>
        <p>Noch deme vormoles alhie verhalten worden und in brauch<note n="12.a">Nota:
                        Consuetudo rationabilis tollit legem. De quo late per <persName>Angelum de
                            Are.</persName> in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> pro(h)e. instit. in §.
                        igitur et per <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#NAlexander de Imola">Alex. de Imo.</persName> in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> consilio 75.
                        in 3. col. in versicu. Item eciam in 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> I. volu.
                        ubi: consuetudo generalis derogat legi in universo, sicut consuetudo
                        specialis in uno loco derogat omnibus legibus in illo loco. Prout not. ple.
                        per glos. et docto. in l. II. C. que sit longa consuetudo. Und das ist nicht
                        zuverwundern, den die gewonheit ist ein gesetze, das nicht geschrieben ist,
                        sondern in hauptern der menschen erhalten wirt,
                        

            <!-- Noch kein Digitalisat --> § ex non scripto Instit. de iure. nat. gen.
                        et civi. Und dorumb wie ein recht durch das ander, das ime endtkegen ist,
                        auffgehoben wirt, also ist es auch mit den widerwertigen gewonheiten
                        etc.</note> gewesen, who indert persohnen aus den Raethen, die jemandt was
                    verpflicht und <pb
            facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s013.jpg"
            n="13"/> schuldigk
                    gewesen, von weme haben furgenommen und beschuldigt wellen werden, das solche
                    rathspersohnen bei einem burgermeister ader vor einem sitzenden Rathe beclagt
                    sein worden, dieweil aber durch solchs einem Burgermeister und rath auch bis
                    weilen den alten Herrn viele muehe und verunmuessigunge der Zeit und
                    verhinderunge in anderen genoetigen Radtschlegen endtstanden und gescheen, des
                    gleichen auch unordentlich gewehsen, haben sich die herrn alle drei Raethe heute
                    miteinander vereinet, vergleicht und dorauff gesetzt, das hinfur ein jetzliche
                    rathspersohne, die von jemandt umb schult und dergleichen hinfür beschuldigt
                    wirt werden, bei Gerichte sol furgenommen und beklagt werden, und nicht vor dem
                    her Burgermeister und einem sitzenden Rathe.<note
              n="13.a">Und dieses ist wider
                        den text. Sicut expresse traditur in lege II. et III. <ref
            target="/o:repat.Digesten#D.2.4">ff. de in ius vocando</ref>, ubi dicitur: In ius
                        vocare [Fußnote 13.1: Richtig: vocari] non oportet neque consulem, neque
                        prefectum, neque pretorem, neque proconsulem, neque ceteros magistratus, qui
                        imperium habent et qui coërcere aliquem possunt et iubere in carcerem duci;
                        neque pontificem, dum sacra facit, nec eos, qui propter loci religionem
                        (inde) se movere (non) possunt etc.</note> Jedoch dergestalt und mossen, das
                    der her Foyt allewege solche rathsperson, die von ime umb schuld ader
                    dergleichen gefordert wirt, nicht mit dem Fronebothen <pb n="fol.12 b"/> ader
                    Gerichtsdiener, wie einen gemeinen man, sonder durch einen knaben beschicken sal
                    und dieselbige rathspersohne mit dem kleger alleine, in abwesen aller leuthe aus
                    der gemeine, verhoren, und who her Foyt beide tail glimpflich koende von
                    einander brengen und endtschaiden, das sol ehr thun; wuerde aber her Foyt indert
                    ein beschwehre dorinne haben oder merken, so sal ehr beide tail vor einen
                    sitzenden Rath verschieben, welcher Rath alsdenne ein vleisigs und treulichs
                    einsehen haben und vor die beschuldigte rathsperson im besten gedencken auch sie
                    noch hoechster muegligkheit (jedoch neben der billigkheit und gerechtigkheit)
                    handthaben sall, domit derselben rathspersohn von dem kleger kein spott noch
                    beschwerunge widerfahr, noch gaehlingkh von ime uberfallen und von seiner
                    heusslichen wohnunge und nahrunge gedrungen werde.</p>
        <p>Dieses haben die herrn alle drei Raehte zu gedechtniß hierein zu schreiben
                    verschafft und bevohlen.</p>

        <p>Actum feria secunda ante Scolastice festum Anno 1547, tempore domini
                        <persName>Iheronimi Krtz</persName>, Magistri Civium.<note n="13.2">Dieser
                        Ratsbeschluß findet sich in den 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> Acta
                        quotidiana I. f. 139 des Olmützer Stadtarchivs gleichlautend verzeichnet und
                        führt nach dem Worte civium noch an: <persName>Wolfgangi
                        Greczner</persName>, <persName>Thome Knossp</persName> et <persName>Johannis
                            Mügliczer</persName> consulum ac aliorum juratorum civitatis
                        Olomucensis.</note>
          <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s014.jpg" n="14"/>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.5">
        <head>Art. V.</head>
        <div xml:id="NA.5.1">
          <head>1. Von dem Ungehorsam des klegers.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.14a."/> Wen der kleger zu dem selben tage und gelegter stunden,
                        wie er dem beklagten durch den gerichtsdiehner hot verkundigen und ansetzen
                        lossen, selbst nicht erscheint, weder durch sich selbst noch seinen anwalt,
                        sonder ungehorsam außenebleibt und beklagter erscheinet, so sal ehr die
                        gelegte stunde gehorsamlich auswarthen und dornoch den her Foyt bitten, die
                        weile der kleger nicht kombt, sich von dem gerichtsstande und also ab
                        observatione et instancia iudicii zu entbinden und loes zu teilen<note n="14.a">Ut in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. causam (extra) de
                            dolo et contu. et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 8">Landt. l. II. art. 8 in
                                tex. et glos.</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 53">addi., l. I. art.
                                53</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 62">art. 62 in glos.</ref>; <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=29">Weich. art. 4 in glos. colum 6. de
                                hostu</ref>: ehr mus auch dem Richter wetten.</note>, welchs alsden
                        der her Foyt ungewegert thuen sal. Dan der ungehorsam des klegers ist bei
                        gerichte und Rechte groesser zu bewegen den des beklagten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3.5.2">
          <head>2. Claeger mus den beklagten von neues beschicken.</head>
          <p>Wil aber klager noch moles den beklagten was nicht erlossen, so mus er den
                        beklagten mit gunst des her Foyten von neues citiren und beschicken, und
                        seines Rechten zu rechter Zeit und weile mit vleiß auswarten.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.6">
        <head>Art. VI.</head>
        <div xml:id="NA.6.1">
          <head>1. Von dem ungehorsam des beclagten.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.15a."/> Der wirt fur ungehorsam geachtet, der zu Gerichte durch
                        den gerichts diehner oder sonste bekweme persone citirt und beschickt wirt
                        und aigenwilligkh aussene bleibt, nicht gestehet, noch furkommen wil.<note n="14.b">Adde 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in tit. de contuma.
                            §. 7 in prin. et <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Paulus de Castro">Pau. de Cast.</persName> in 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg.
                            contumacie ff. de re iudicata et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 67">Landt. l.
                                II. art. 67 in glos.</ref>, 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen,
                            cap. 68 in glos. 1 et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> (Landt.) l. I. art.
                            ultimo in glos. et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> pe. in glos., l. II.
                            art. 9 in glos.</note> Auf solche ungehorsame leuthe haben meine hern,
                        ein ersamer Radt, eine underweisunge zu gerichte gegeben, wie hernoch
                        folget.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.6.2">

          <head>2. Undterweisunge meiner hern, eines erbaren Radts auff die
                            ungehorsamen.<note n="14.1">Dieser Ratsbeschluß ist in den Acta
                            quotidiana de anno 1534 fol. 151 gleichlautend enthalten.</note>
          </head>

          <p>Anno domini MDXLVII feria VI. ante festum sanct. Trinitatis haben sich die
                        Hern, ein ersamer sitzender Rath, mit einander vereinet und beschlossen von
                        wegen der ungehorsamen eigenwilligen leuthe, die sich zu gerichte, wen sie
                        beschickt werden, nicht finden noch gestehen wollen, nemblichen also: Wen
                        der her Foyt hinfuer, es sei der itzige, oder die kunfftigen Foyten, jemandt
                        vor Gerichte beschicken ader fordern lassen <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s015.jpg"
              n="15"/> werde, und
                        solchs dem selbigen, der also beschickt, selbst angetzeigt und ime stunde,
                        vor gerichte zu gestehen, ernennet wurde, und ehr zu Gerichte nicht kwehme,
                        sonder also aussene bliebe, solchen jeden sol der her Foyt erstlich mit der
                        Zucht und umb die gewonlich pusse namblich umb 4 gros.<note
              n="15.1">M. hat
                            "weiße" Groschen und bemerkt am Rande: jetzund muß man 7 ½ geben.</note>
                        [Fol.15b] sollichs seines ungehorsams halben straffen. Begebe sichs aber,
                        das der selbige, der zu gerichte gefordert wuerde, nicht dohaime und doch
                        einhaimisch wehre und solchs seiner hausfrauen oder seinem gesinde angesagt
                        wuerde, ein mohl, zwür und bis zum dritten, und sich der selbige, der also
                        drei mohl mit Gerichte beschickt wehre worden, nicht gestellet und zu
                        Gerichte nicht erschiene, dem selbigen sal der her Foyt sein vorhaus oder
                            wohnunge<note
              n="15.2">M. hat noch: oder Schlafgemach.</note> sperren
                        und mit dem Gerichts-Sigille versiegeln lossen,<note
                n="15.a">Speciale iuris
                            Saxonici, quod contumax. verus condemnatur in causa principali ut <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 9">Landtr. l. II. art. 9</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 39">l. III. art. 39</ref>,
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> li. II. art. 45 in addi. lati. et
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Weich. art. ult. in recapitula. in
                            antiquis. <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 24">(Landt.) l. II. art. 24. in glos.
                                fin.</ref> Und dis ist zuvernemen, bis auff seine ehafft, hoc est
                            legitimum impedimentum ut <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 7">Landt. l. I. art.
                                7</ref> et <ref target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Ssp.Lehnr.Rynman+1516&amp;fs=II+Bl.+21+r&amp;scroll=&amp;form=faks2&amp;blaettere=%3C">Lehen. cap. 24 in gloss. versic. doch so magk ihr jeglicher</ref>
                            et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> versic. sequ., ubi enumerantur iuste
                            cause et 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege contumacia §. penam
                            contumacis ff. de re iudicata; und wen ehr solche ehehafft verhinderunge
                            beweiset, so wirt ehr zu seiner andtwort gelossen. De quo vide infra
                                <ref target="#T.1.7.3">art. VII. Von Siegelung und Sperrung numero 3
                                fol. 17 b.</ref> [Fußnote 15.3: Der tschech. Proc. hat hier die
                            Bemerkung, daß jeder Richter nach Befinden des Falles den Ungehorsamen
                            höher strafen, oder wenn es sich um eine verdächtige Person oder
                            dringliche Sache handelt, in Haft nehmen könne.]</note> wie es dan alles
                        zuvor von alters her also verhalten ist worden.</p>
          <p>Actum tempore domini Iheronimi Krtz, Magistri Civium. Anno et die ut
                        supra.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.7">
        <head>Art. VII. Von Siegelung und Sperrung. <pb n="fol.17 a."/>
        </head>
        <div xml:id="NA.7.1">
          <head>1. Worumb geschicht solche Siegelung und Sperrungkh.</head>

          <p>Solch versiegelungkh und Sperrunge geschieht dorumb, das man den selben
                        ungehorsamen dormitte zu gerichte brengt und zwinget.<note
                n="15.b">Hoc est
                            ex primo decreto, ut infra <ref target="#T.1.10.3">folio 24 art. X.
                                numero 3 per totum</ref>.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7.2">
          <head>2. Was gibt der dem Gerichte, der do sperren oder versiegeln lest.</head>

          <p>Der kleger, der dem ungehorsamen versiegeln oder sperren lossen wil, der gibt
                        dem gerichte (so der ungehorsame in der Stadt wohnet) 5 ½ gr., wohnet ehr
                        aber ausserhalbe der Stadt vor einem thore, so gibt er 6 gr., ist ehr vorm
                        andern thore<note
              n="15.4">Im tschech. Proc. erläuternd: in Olmütz ein Tor
                            nach dem andern in derselben Straße.</note> 6 ½ gr. Dofon gebuert dem
                        her Foyte 4 gr., dem schreiber 1 gr. und dem Geriehtsdiehner das ubrige. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s016.jpg" n="16"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7.3">
          <head>3. Kompt dan der ungehorsame noch der sperrunge zu Gerichte.</head>

          <p>Kompt dan der ungehorsame noch der sperrunge zu Gerichte, und wendet
                        glaubwirdige ehehaffte nodt fur, die inen zu gerichte zu erscheinen
                        verhindert haben<note
                n="16.a">Legitimum impedimentum, ut <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 7">Landt. l. II. art. 7</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#Lehnr. 24">Lehen. cap. 24</ref>. ut supra dictum
                            est.</note>, so wirt ehr domitte gehort; alleine ehr mus dem kleger
                        seine unkosten, die ehr aufs sperren gewandt, wie obene gehort, erlegen. So
                        sperret man ime widerumb auff, domitte kombt ehr wider zu seinen Rechten und
                        zu seiner andtwort.</p>

          <p>Hette aber beklagter keine genugksame ehaffte nodt furzuwenden und die
                        beschickunge wehre ime selbst personlich under augen durch den gerichts
                        diehner angetzeigt, zu deme verhelt mau sich noch obbeschriebener
                        undterweisunge meiner hern<note n="16.b">Nemlich mit der Zucht und bueße.
                            [Fußnote 16.1: Diese Bemerkung ist von späterer Hand am Rande
                            beigefügt.]</note>, und mus nichts desto weniger dem kleger seine
                        unkosten der sperrunge erlegen, wil ehr ime anders auffgesperret haben und
                        zu seinen Rechten und andtwort kommen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7.4">
          <head>4. Bleibt aber der ungehorsame noch der Sperrunge aussene und kombt zu
                        gerichte nicht.</head>
          <p>
            <pb n="fol.18 a."/> Who der ungehorsame noch der Sperrung aussene bleibt und
                        kombt zu Gerichte nicht, oder aber von dannen gar endtweicht, so stehet die
                        sperrunge drei viertzehen tage und III tage, das sein VI wochen und III
                        tage.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7.5">
          <head>5. Klager kombt widerumb zu gerichte noch verlauffenen VI wochen [Fußnote
                        16.2: In L. M. folgt noch: und dreien Tagen.].</head>
          <p>Noch verlauffenen VI wochen und dreien tagen magkh der kleger widerumb zu
                        gerichte kommen und aldo begeren, den ungehorsamen beklagten zu beschicken
                        und das dorumb, wen ehr kweme, inen zu befrogen (who es umb schuld zu thuen
                        wehre), ob ehr ime sein geld geben und sein gut also vertrehten und widerumb
                        zu sich loesen wolde, who ers aber zu loesen nicht vermoechte, das ehr mit
                        dem selben versperreten gutte weither handlen welde noch ordenunge der
                        recht.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7.6">
          <head>6. Ist auch beclagter endtwichen.</head>

          <p>Ist den der beklagte endtwichen und sich under einen andern hern oder
                        gerichte nidergelossen, so schreibt man von Gerichte auf des klegers
                        unkosten eine Insinuacion an den selbigen Richter oder Foyt, under welchs
                        gerichts zwangk sich beklagter nidergelossen, mit ansetzunge dem beklagten
                        dorinne einen vertragkh und termin, ob ehr kommen welde und sein gut
                        vertrehten etc., wie sich danne eine solche Insinuacion zu schreiben
                        gebuert, mit beschliehslicher bit an den selbigen Foyt oder Richter dem
                        beklagten <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s017.jpg" n="17"/> solche
                        Insinuacion und gelegten tagkh gerichtlichen an zu kundigen, und sol kleger
                        dem frohneboten seine gerechtigkheit dorin verschließen mit begerunge einer
                        andtwort, ob dem beklagten solchs verkuendigt worden ist, und welchen
                        tagkh.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.8">
        <head>Art. VIII.</head>
        <div xml:id="NA.8.1">
          <head>1. Von Inuentirung und Schatczung.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.20 a."/> Kombt denn beklagter noch solcher beschickunge ader
                        Insinuation nicht vor gerichte, so magk kleger begeren auffzusperren und die
                        sache zu Inventiren und zu schatzen, welchs der her Foyt dem rechten noch
                        gescheen sal lossen, und so die sache so gros und viele, sal ehr zwehn hern
                        Scheppen und den gerichtsschreiber zur Inventirunge und Schatzunge nemen und
                        die sache also von stucke zu stucke ordenlich auffschreiben lossen.<note
                n="17.a">Es sal der klaeger oder glaubiger sorgfellich und fursichtigk
                            sein, das ehr das pfandt also schlechts, ane alle bedingunge und
                            antzeigunge der schult in diesem vhalle anstadt seiner betzalunge (et
                            sic in solutum) nicht anneme, dan ehr mueste sich domitte vergnuegen
                            lossen und wuerde etwas mehr zu fordern nicht gehort, ut patet per not.
                            per Bart. in <ref
                target="/o:repat.initia-codex-digesta-institutiones#D.42.1">lege a divo Pio in § si
                                pignora ff. de re iudicata</ref> et per <ref target="/o:repat.initia-codex-digesta-institutiones#C.7.52">Cyn. in lege Ordo C. de execu. rei
                                iudicate</ref>.<lb/> Who sich aber der glaubiger dermassen antzeigt,
                            was ime aldo abgienge, das ehr sich verner am beklagten erholen magkh,
                            so wirt er auch dorbei erhalten, ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in
                            lege fina. C. de iure dominii impe. et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 70">Landt. l. I. art. 70 versic. wirt icht uberigkh</ref>. [Fußnote
                            17.4: Korrumpiert (wohl: gebricht aber ichts).</note> Die Schatzunge mus
                        auch durch geschworne aus den czechen noch jeder wahre gelegenheit
                        gescheen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8.2">
          <head>2. Noch der Inventirung und Schatzunge.</head>

          <p>Noch solcher Inventirunge und Schatzunge mus der kleger umb eine getreuhe
                        tandlerin aussen sein, derselben solche habe und guetter uberandtworthen und
                        drei viertzehentage und drei tage auf dem tendelmarkte <pb
              n="fol.20 b."/>
                        feilhaben lossen. Und welcher kauffman in den dreihen viertzehen tagen<note
              n="17.1">M. hat noch: und dreien Tagen.</note> am meisten dorumb gibt,
                        dem selben lest man noch außgange der dreier 14 tage<note
              n="17.2">Ebenso.</note> solch habe und gutt folgen.<note n="17.b">Ut
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in leg. fina. C. de Jure dominii impe. et
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. pe. C. si vend. pig.
                        agatur.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8.3">
          <head>3. Nota: merke.</head>
          <p>Dis woertlein (wer am meisten dorumb gibt) verstehe also: So kauffleuthe
                        kwemen, die mehr dorumb geben wolden, dan es geschatzt wehre, so liesse man
                        es deme, der am meisten dorumb gebe.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8.4">
          <head>4. Who kein kauffman kwehme.</head>

          <p>Item wo kain kaufman kwehme, der so viele dorumb geben wolde, wie es
                        geschatzt wehre, oder aber gar keiner kwehme, so mus alsdanne noch außgange
                        der dreiher viertzehentage<note
              n="17.3">Ebenso.</note> der klaeger oder
                        glaubiger <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s018.jpg"
              n="18"/> die ware
                        annehmen, wie sie geschatzt worden ist<note n="18.a">Ut <ref
              target="/o:repat.initia-codex-digesta-institutiones#C.8.35.7">in lege ex maiore C. de exceptio</ref>.
                            <lb/> Nota: Ex secundo decreto, ut patet infra folio 25, Numero 5, Art.
                            X.</note>, und who sichs hoeher erstreckt, dan seine schult ist, dem
                        beklagten das ubrige folgen lossen; who es aber vor seine schult nicht<note n="18.1">In M. folgt: genug.</note> wehre, so magkh ehr sich des am
                        beklagten ferner mit rechte erholen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8.5">
          <head>5. Undterweisunge der alten zwaiher Raehte von wegen der geschatzten
                        fahrenden habe. <lb/>Feria III ante Martini 1547.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.21 a."/> Item der geschatzten farenden habe halben. Die weile
                        solche farende habe von den leuten bei iren eiden geschatzt werden aufs
                        treulichste, so sollen auch die glaubiger dieselben geschatzten farenden
                        haben, wie sie geschatzt werden, annemen, und die schuldiger sal man hoeher
                        nicht dringen lossen, domitte den schatzleuten solchs ihre treulichs
                        schatzen zu keinem nochtail geraiche, sonder bei der schatzunge bleibe, und
                        der her Foyt sal allwege den schatzleuten solchs einbilden, domitte sie die
                        farende habe neben iren eiden aufs treulichste schatzen, kain part
                        angesehen, so ferre den schatzleuten wissende wuerde sein, wene es anging,
                        so sal inen der her Foigt auch kein antzeig noch meldunge thuen dorfen,
                        sonder sie gedochte fahrende habe (wie obengemelt) aufs treulichste schatzen
                        lossen, mit welcher schatzunge die glaubiger gantzlichen sollen begnuegt
                        sein und weither nicht greiffen, noch eine Obrigkheit dorinne
                            bekommern.<note n="18.b">Und wo das nicht genugsam vor seine schult
                            were, das er das ubrige an dem beklagten oder seine guettern aussuchen
                            und erlangen moechte. Ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege (de)
                            causa et ibi 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
              <persName ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Bartholomaeus de Saliceto">Salicet.</persName> C. si cau. iudicati p. cap. sit. Vide et
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in leg. ordo C. de execut. rei.
                            iudicate.</note>
            <lb/> Actum tempore domini <persName>Sebastiani
                            Haendel</persName>, Magistri Civium, Anno et die, ut supra.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.9">
        <head>Art. IX.</head>
        <div xml:id="NA.9.1">
          <head>1. Clage umb erbgelt.</head>
          <p>
            <pb n="fol.23 a."/> Klagt einer zum andern umb vertaget erbgelt, es sei viele
                        ader wenigk, und der beklagte bekennet sich dortzu, das es vertaget sei, und
                        begert die rechtliche frist, die bekombt ehr, das sein III tage noch
                        erbgeldes recht und nicht mehr.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.9.2">
          <head>2. Clage umb liedlon.</head>

          <p>Klagt einer umb seinen liedlohn, es sei viele ader wenigkh, und der beklagte
                        bekennet sich dorzu. ehr mus es zahlen bei sonnen schein, es were den, das
                        si mit einander umb ein lengere frist bereden und vergleichen koenden, so
                        lest es der her Foyt auch dorbei bleiben. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s019.jpg" n="19"/>
          </p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.10">
        <head>Art. X.</head>
        <div xml:id="NA.10.1">
          <head>1. Von Spaenunge der heuser und anderer gruende. [Fußnote 19.1: Im
                        tschech. proc. jur. (in der neuen Rechtschreibung): špaenungovani oder
                        tříštění.]</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.24 a."/> Erlegt der beklagte in den dreihen tagen die erbguelde
                        nicht, und klager kombt noch verscheinunge der dreiher tage widerumb zu
                        gerichte, so erlegt ehr dem gerichte die gerechtigkeit, wie obene im Artikl
                            (<ref target="#T.1.7">7</ref>) vom Siegeln und Sperren gehort, und lest
                        den nochrichter den selben grundt spaehnen, das ist: ehr schneidet einen
                        Spahn aus der tueren oder tuergericht und gibt in dem klaeger. Solche
                        Spaenunge sal der gerichtsschreiber ins gerichtsbuch vertzaichnen zu ewiger
                        gedaechtmis; dorumb nimbt ehr 1 gr. von dem Spaengelt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10.2">
          <head>2. Von ausruffunge der heußer ader gruende.</head>
          <p>Noch solchem Spaehnen lest der klaeger das selbe haus oder grundt am nechsten
                        wochen markt tage dornoch offentlichen auf freihem ringe und markte durch
                        den gerichtsdiehner zum ersten mohle ausruffen und dornoch uber 14 tage aber
                        ein mohl, und also zu dreihen mohlen mus ers ausruffen lossen. allewege uber
                        14 tage. Und von solchem ausruffen gibt kleger dem gerichts diehner von
                        jedem mohle 1 gr., das sein III gr. uberalle.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10.3">
          <head>3. Beklagter gibt in VI wochen die erbguelde nicht, wie denne zu
                        thuen.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.24 b."/> Wo beklagter in solchen VI wochen und III tagen der
                        außruffunge die erbguelde nicht erlegt, so magk dornoch klaeger zu gerichte
                        widerumb kommen und den hern Foyt mit erbarlicher bescheidenheit frogen, wie
                        ehr sich verner seinem rechten noch verhalten sal. So bescheidet inen der
                        her Foyt, das ehr den beklagten zu gerichte beschicken sal, und das mus der
                        klager thuen, und gehet alle diese unkost dem beklagten zu schaden, gleich
                        wie obene die Spaehnunge und ausruffunge. Und diese Citation ader
                        beschickunge geschicht dorumb, ab sich der beklagte in dieser Zeit mit gelde
                        versehen hette und wolde dem kleger die erbguelde erlegen mit sambt den
                        unkosten der Spaenunge, ausruffunge und letzter beschickunge, so verbliebe
                        ehr bei seinem haus und grunde. Hot aber beklogter des geldes nicht, und der
                        kleger seinen rechten nochfolgen wil, so gebeut der her Foyt dem beklagten,
                        das ehr aus dem hause oder grunde sich ziehen mus und es dem klaeger
                            einreumen.<note n="19.a">Nota: Ex primo decreto: Primum decretum hic
                            accipitur pro proprio iussu iudicis, quo mandat bona alicuius propter
                            eius contumaciam in penam contumaciam (!) possideri, dicitur primum
                            iussum, ut 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> ff. de reb. dub. leg. qui ius.
                            (?) etc.</note> Solch einräumen sal ime kleger ins gerichtsbuch
                        vertzeichnen lossen zu ewiger gedechtnis. Hierauff ist zu merken: Ap nu wol
                        beklagter selbst personlich bei gerichte erscheinet, die weile ehr aber die
                        erbguelde, die ehr von rechtes wegen zu erlegen schuldigh ist, nicht erlegt,
                        so wirt <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s020.jpg" n="20"/> ehr bei
                        Gerichte und rechte vor einen ungehorsamen geachtet und gehalten. Dan ein
                        jeder, der zu Rechte etwas schuldigkh und pflichtigk zu thuen ist, oder ime
                        von Rechtswegen aufferlegt wirt und kombt demselben nicht noch zu bekwemer,
                        gelegener oder ausgemessener Zeit, der wirt dordurch Contumax und velt in
                        die straffe der Recht noch der sachen gelegenheit.</p>

          <p>Der Klaeger aber magkh solch haus zu seinem nutze wohl geniessen ader auch
                        einem andern umb einen Zins hinlossen und vermietten, doch in dieser
                        gestalt, bis solange ime beklagter die versessenen erbguelde erlegt, so mus
                        ehrs ime von Stunden oder aufs lengste in dreihen Tagen ane verzugk widerumb
                        einreumen. Es mus auch kleger in dieser Zeit, die weile ehr solch haus oder
                        grundt ex primo decreto innehelt<note n="20.a">Notandum, quod missus in
                            possessionem ex primo decreto non utetur bonis illis vel fructibus, in
                            quorum possessio (!) missus est, ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> ff.
                            ex quibus caus. in poss. ea. leg. Fulcinius §. pretor. Quia aliud est
                            possidere et aliud in possessionem habere, ut in
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> capit. dilectus extra de seque. poss. et
                            fruct. et ibi in 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> glos., ubi dicitur, quod
                            ille, qui mittitur in possessionem causa custodie, sive agatur reali
                            actione, sive eciam personali, infra annum non facit fructus suos, sed
                            custodire eos debet, non distrahere, ut si infra annum reus recuperare
                            voluerit possessionem, restituantur ei fructus. Expense tamen necessarie
                            pro fructibus percipiendis facte primo debent deduci, quia ille in nullo
                            casu prohibetur, ut <ref
              target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/d-10.htm#10.2.51">ff. fami. heris l. fundus</ref>. Si vero non veniat infra annum,
                            tunc primo anno elapso lucratur omnes fructus.</note>, denselben grundt
                        nicht schwechen, nichts dorinne abbrechen noch aushauen oder ausroden, das
                        allerwenigste nicht, noch niemandes von seinent wegen gestatten. Und who es
                        auch umb die Zeit wehre, das beklagter etwas zu seinem nutz und frommen auf
                        denselben grundt gesehet oder gepflantzet hette, ader aber fruchtbare baume
                        dorinne wehren, es sei mit zeittigen oder unzeittigen obs, das selbe obs und
                        fruechte gehoeren von Rechtswegen dem beklagten zu und nicht dem kleger, dan
                        der klaeger in diesem valle und zu dieser zeit nicht anders geachtet wirt
                        dan nur vor einen huetter des grundes.<note n="20.b">Hic est custos, non
                            possessor: in cap. 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> constitu. extra de eo,
                            qui mittitur in possessionem causa rei servande.</note> Who ehr aber
                        solchs tehte und den grundt schwechete, so ist kleger solchen schaden, wen
                        der beklagte ime die erbguelden erlegt, dem selben beklagten zu ergetzen und
                        erstatten schuldigkh von Rechts wegen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10.4">
          <head>4. Beklagter kompt in Jares frist und legt dem kleger zwu erbguelde.
                        [Fußnote 20.1: In M. wird statt Erbguelde "Erbjahrgülten"
                        angewendet.]</head>

          <p>Kombt beklagter in Jhare und tage und gibt dem kleger zwu erbguelde mit
                        einander mit sambt der Gerichtskost, wie oben gehort, so mus ime kleger auch
                        von Stunden ader aufs lengste in dreihen tagen solch haus oder grundt
                        widerumb abtrehten und einreumen. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s021.jpg" n="21"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10.5">
          <head>5. Beklagter lest dem klaeger das haus oder grundt widerumb haime
                        gehen.</head>

          <p>Kombt beklagter noch ausgange jhar und tagk zu gerichte ader wirt vom kleger
                        dortzu gefordert und hot die zwu erbguelde miteinander nicht zu erlegen, und
                        so als danne klaeger dem Rechten nochfolgen wil, so <pb
              n="fol.26 a."/> mus
                        ehr den her Foyt bitten, in der sachen zu sprechen, was Recht ist. Dorauff
                        so spricht der her Foyt, das ime dem klaeger solch haus oder grundt widerumb
                        ledigklich haime gehet, das ehr domitte widerumb thuen und lossen magkh, als
                        mit seinem erbaignen proppern gutte wie zuvor, und alles was der beklagte
                        doran gegeben und betzalet hot, es sei viele oder wenigkh, das mus ehr doran
                        gar verlieren, und ist ime klaeger das wenigste nicht schuldigkh her ausser
                        zu geben von rechts wegen. Und solchen Spruch sal ime klaeger ins
                        Gerichtsbuch vertzaichnen lossen von wegen besser sicherhait und ewiger
                            gedechtnis<note n="21.a">Nota: Secundum decretum. Est autem secundum
                            decretum: Secundum iussus iudicis, quod iubet bona alicuius propter
                            contumaciam possideri, qui (!) prius ex primo decreto detinebantus.
                            Extra ob [Richtig de eo qui.] ea que mitt. in poss. causa rei servan.
                            cap. I et ff. de damno infecto leg. Pretoris. [Richtig
                        Pretor.</note>.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.11">
        <head>Art. XI. Von Arrestiren und Aufhalten.</head>
        <p>
          <pb n="fol.28 a."/> Es ist am ersten zu wissen, das die Aufhaltungen<note n="21.1">Tschech. pr. jur.: obstávka.</note> zwaiherlei sein, als nemblich
                    aufhaltunge eines selbschulds und aufhaltunge anderer leuthe, die nicht
                    selbschuld sein, und dorumb so mus man sie wissen zu underschaiden. Erstlich
                    wolle wir sagen von aufhaltunge eines selbschulds bis auf den funften vhal ader
                    underscheidt. Und dornoch im funfften unterscheidt wolle wir sagen von
                    auffhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein.</p>
        <div xml:id="NA.11.1">
          <head>1. Arrestiren eines selbschulds umb geldschuld.</head>

          <p>Ein Jeder glaubiger magk seinen selbschuld (who es umb vertagte geldschuld zu
                        thuen ist) vor gerichte wol furfordern und furbrengen, who ehr inen am
                        ersten uberthrethen und uberkommen kan<note
              n="21.b">Ita est textus ad
                            literam in leg. unica C. ubi conveniatnr, qui certo loco dare promisit.
                            Et leg. eum, qui insulam ff. de judiciis.</note>. Und das ist also zu
                        verstehen, so sich ein schuldner verpflicht hette, seinem glaubiger an einem
                        bestimbten ort betzalunge zu thuen, und derselben verpflichtunge nicht
                        nachkommen wehre, so magk der glaubiger denselben seinen Schuldner
                        nochmoles, an welchem ort oder ende er inen betrit, wol beklagen.<note n="21.2">In M. folgt: und auffhalten.</note>
            <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s022.jpg" n="22"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.2">
          <head>2. Vertzeihunge der Freiheit.</head>

          <p>Item so sich der Schuldner der freiheit seines ordenlichen Gerichts
                        vertziegen hette, magkh ehr auff begeren des glaubigers an den orthen im
                        Contract bestimbt beklagt werden<note
                n="22.a">Ut est gloss. notabi. et ibi
                            Barto. Bald. et communiter Doct. in leg. I. ff. <ref
              target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/d-2.htm#2.5">s. quis in ius vocatus non
                                ierit</ref>.</note>. Wie den solchs offte und vielemahles bei
                        Gerichte furkombt und furfelt, das sich manicher verschreibt oder
                        verschrieben hot, who er die betzalunge auff die bestimbte zeit dem vertrage
                        noch nicht tehte, daß inen der glaubiger oder sein anwalt macht zu
                            beklagen<note n="22.1">In M. folgt: und auffzuhalten.</note> habe, under
                        wes gerichten ehr inen ubertrehten kan. wie den dieselbe Clausula in solchen
                        verschreibungen in sich vermagk, als nemblich:</p>
          <div xml:id="NA.11.2.1">
            <head>
              <emph>Clausula:</emph>
            </head>
            <p>
              <emph>Dorfur mich nicht schuetzen noch helffen sall keinerlei Recht ader
                                privilegium, Stattut und gewonheit, es sei gaistlich ader weltlich,
                                gemainlich ader sonderlich etc.</emph>
              <note n="22.b">Remissioni,
                                quando locus fit, verbi gracia: Si homo peregrinus hic Olamuncii
                                contractum iniret et renunciaret privilegio fori. Deinde quamvis hic
                                non reperiatur, sed alio in loco propter factam renunciacionem
                                Olomun. remittendus erit, ut ibi fidem datam liberet. Hec omnia
                                approbat 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bart. in lege heres absens,
                                §. I. ff. de iudiciis, et <persName>Albericus</persName> hic
                                adfirmat hanc 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> glo. usu iudiciorum
                                confirmatam esse.</note>
            </p>

            <p>Als wen sich einer einschuldete, dieweil er ein burgersman wehre, und
                            verschriebe sich also kegen seinem glaubiger, wie obgemelt, und wuerde
                            dornoch ein edelman, so kan inen sein adel und privilegium<note
                  n="22.c">Juxta legem si quis in conscribendo <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ2.htm#2.3">C. de
                                    pactis</ref>.</note> in seinem gehaltenen Contract nicht
                            beschuetzen noch helfen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.11.2.2">
            <head>Clausula.</head>

            <p>Item wehr sich guttwilligkh bei gerichte verschreibet, betzalunge zu
                            thuen auff eine bestimbte zeit ane weither recht und pfandt<note n="22.d">Wilkuere bricht landtrecht.</note>, dieser verzeihet sich
                            jha seiner freiheit, who er die Zeit nicht helt, das ehr sich mit seinem
                            pfande nicht loesen kan, sonder ehr mus dasselbe einem andern versetzen,
                            verkauffen oder verpfenden und den glaubiger mit parem gelde zalen,
                            welchs ehr im andern vhall nicht thuen doerffte, who er sich seiner
                            freiheit, die ime von Rechte zugelassen wirt, nicht vertzeihet. Dan ein
                            jeder schuldiger loeset sich mit seinem pfande aus dem thurme und
                            gefengknis, es wehre den sache, das ehr sichs vertziehen hette, ut
                            supra.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.3">
          <head>3. Arrestiren umb ungerichte, boese tahten, als todtschlagkh, wunden,
                        lehmnis, Iniurien etc.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.29 a."/> Von wegen ungerichte als todtschlagkh. wunden, lembnis,
                        schlehen und Iniurien etc. sollen die tehter an dem ort und stellen, <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s023.jpg"
              n="23"/>
                        doran die thadt bescheen<note n="23.a"/>, oder do die rechtfertigunge
                        angefangen, oder an dem orthe, wo der tehter heußlichen besessen und seine
                        wohnunge hot, mit Rechte beklagt und furgenommen werden. Es wehre den sache,
                        das die obrigkheit an demselben ort dem kleger die goetliche gerechtigkheit,
                        wie sichs gebueret, nicht verhelffen wolten. Ader aber wen der tehter ein
                        freilediger umblauffender und ungesessener fluechtiger mensch wehre, als
                        denne so volget die auffhaltunge in mossen, wie im funfften underscheidt
                        hernoch geschrieben stehet.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.4">
          <head>4. Who sich beklagter taehter nicht betrehten noch finden lossen wolte und
                        wehre doch ainhaimisch.</head>

          <p>Item who der beklagte tehter ainhaimisch und rechtlichen zu dreihen mohlen
                        citirt worden were und sich nich betrehten oder finden lossen wolte und also
                        ungehorßamlich zu gerichte nicht erschiene, demselben magkh sich der <pb n="fol.29 b."/> her foyt verhalten mit Sperrunge und Siegelunge seines
                        Hauses, habe und guetteren, wie obene im Artickell von dem ungehorßamen
                        beklagten genugksam gesatzt ist.</p>
          <p>Ita est textus in leg. <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ9.htm#9.40">I. ff. de requirendis
                            reis</ref> et 
            <!-- Noch kein Digitalisat --> Autentica quia in provincia
                        quis deliq. <ref
              target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ3.htm#3.15">C. ubi de criminibus</ref> agi
                        oporteat. Sortitur enim quis forum ratione delicti, ut est textus apertus
                            <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/d-1.htm#1.18">in leg. III. ff. de officiis
                            presidis</ref>, ubi dicitur, quod preses provincie in sue provincie
                        homines tantum imperium habeat et interdum adversus extraneos homines, si
                        quid malum commiserint. Nam et in mandatis principum est, ut curet is, qui
                        provincie preest, malis hominibus provinciam purgare; nec distinguitur, unde
                        sint. Hec sunt verba dict. leg. III.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.5">
          <head>5. Von auffhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein.</head>

          <p>Dis ist alhie zu Olomuntz dieser Zeit gar ein gemeiner vhall, das von fremden
                        und ainhaimischen leuthen die auffhaltuugen sehre begert werden. Deme aber
                        vorzukommen, domitte viele ubrige sorge, muhe und beschwerunge eines erbaren
                        Rathes dem Gerichte und gemeiner Stadt, des gleichen den parten viele
                        unkosten verhutt und vermieden bliebe, sal sich der her foyt wol fursehen
                        und so eilendigkh gar keine auffhaltunge gestatten, sonder sal zum ersten
                        dem hern, des underthanen man auffzuhaltten begert, freuntlicher und
                        nockbarlicher mainunge auff des klaegers unkosten schreiben, dorinne aufs
                        kuertziste und gruendtlichste meldunge thuen, wehr die auffhaltunge begert.
                        auch uber welchs aigen und aus was urßachen, alles noch dem kuertzisten und
                        gruendtlichsten; auch beineben begeren, who ehr solche sache in ander wege
                        glimpfflicher weiße undernemen muege, oder who es umb bekandtliche schulden
                        zu thuen wehre, das ehr zu betzalen verschaffen wolde, domitte solche <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s024.jpg" n="24"/>
                        auffhaltungen und hinderunge der leuthe underwegen blieben und im beschlus
                        bitten umb richtige andttwort, dornoch ehr sich zu richten hette. Alhie ist
                        zu merken, who mehr schreiben von noethen tehten, dan eins, sol alles zuvor
                        gescheen, ehe danne man zur auffhaltunge greifft.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.6">
          <head>6. Auffhaltungen sollen nicht gescheen hinder vorwissen des her
                        Burgermeisters ader eines Erbaren sitzenden Rathes.</head>
          <p>
            <pb n="fol.30 b."/> Wen nun die Sache nicht anders stehet, den das die
                        auffhaltunge folgen soll, so sal der her foyt dieselbe nicht gestatten
                        hinder forwissen des her Burgermeisters ader eines erbaren Rates, sonder
                        inen die sache und gelegenheit derselben allenthalben klare berichtunge
                        thuen und, who sie dornoch dortzu verwilligen, so magkh ers auch gestatten
                        uud eher nicht.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11.7">
          <head> 7. Wer aufhalten wil, sal genucksam verbuergen.</head>

          <p>Und ap schone nun die aufhaltunge von dem her Burgermeister ader einem
                        erbaren Rothe zugelossen wirt, so sal doch der her foyt das gerichte, so ime
                        bevohlen, und beineben gemaine Stadt also bewaren, das sie beides ane
                        nochtail und schaden bleiben: Nemblichen, who der anmutter und begerer der
                        auffhaltungen in diesen gerichten genugksam mit heußlicher wohnunge und
                        nahrunge nicht besessen wehre, so mus ehr genugksam verburgen mit gesessenen
                        leuthen undter einem pfande<note n="24.a">Sub certo pignore oder so hoch
                            sich die sachen erstrecken möchte. [N.3 Diese Worte sind von späterer
                            Hand am Rande niedergeschrieben, fehlen aber in L. M.]</note> noch
                        bedenken und ermessunge des her foyten und gelegenheit der sache, das ehr
                        die gerichte und gemaine Stadt der aufhaltung halben ane allen schaden
                        halten woelle; sonste ane das wirt ime die aufhaltunge auch nicht
                        gestattet.</p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.12">
        <head>Art. XII. Von verpoten.<note n="24.1"/>
        </head>
        <p>
          <pb n="fol.32 a."/> Es werden gemainigklich einem Jeden die verpott<note
            n="24.2"/>, es sei auff gruende, heußer, geld, fahrende habe und gutt gestattet und
                    zugelossen, und sonderlich wen ehr auffrichtigkh ursachen antzaigt, die inen zu
                    dem verpott bewegen, als nemblich wo der, deme also seine guetter verpoten
                    sollen werden, nicht genugksam gesessen sei zu seinen schulden under diesen
                    gerichten, item das ehr ein verschwenderer und ein hinbrenger sei seiner
                    guetter, item das es zu vermutten, das er fluechtigk sei, item who ein gemain
                    geschreihe, das er auff der Strassen erschlagen sei, item so er krank und in
                    todes noethen lege etc. Diese und dergleichen ursachen, so sie der verpietter
                    antzeigt, das er seine schuld in ander wege nicht weiß zu bekommen, dan durch
                    solch verpott, so wirt ehr bei gerichte domitte <pb
            facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s025.jpg"
            n="25"/> zugelossen,
                    jedoch in der gestalt, who er solch gutt rechtlich verbitte, das ehrs genissen
                    sal, wo ers aber unrechtlich verhielte, das ehrs endtgelde. Dan einem jeden,
                    deme also seine guetter verpohten werden, deme wirt von rechte zugelossen, sich
                    kegen dem verpohte zu schuetzen, whomitte er kan, und so alsdenne noch solcher
                    schutzwehre der herr foyt erkennet, das es der verpietter zu unrechte verpohten
                    hot, so mus ehrs endtgelden.<note n="25.a">Keinem fremden oder einheimischen vor
                        einen andern das Verbot zu thuen nicht gestatten, er weise danne zuvor die
                        macht. Conclusum in Senatu Anno D. 1581. [Diese Anmerkung ist von späterer
                        Hand an den Rand geschrieben, fehlt aber in L.]</note>
        </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.13">
        <head>Art. XIII. Burgschaft zum Rechten.<note n="25.1">Tschech. pr. jur.:
                        rukojemstvi ku právu.</note>
        </head>
        <div xml:id="NA.13.1">
          <head>1. Klaeger.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.34 a."/> Der kleger mus bei gerichte burgen setzen, das ehr seiner
                        klage bei rechte nochkommen und auch verharren wil, bis zu außtrage der
                        sachen under einem pfande oder Summen noch gelegenheit der sache und
                        ermessunge des her Foyten, welchs ehr dorauff zu setzen hot.<note n="25.b">Nota: Antequam actor libellum suum iudici porrigat, cum idoneo
                            fideiussore caveat, quod usque ad finem litis perseverabit in causa,
                            quam per se vel per procuratorem suum perficiet. Et hec omnia colligere
                            poteris ex illa authentica C. de Epis. et cler. authen. generaliter et
                            C. de assercione toll. l. I. §. omnis [Richtig omnes] etc.</note>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.13.2">
          <head>2. Beklagter.</head>

          <p>Beklagter sal auch verburgen bei gerichte, das ehr sich auf anklage N. des
                        klaegers zum rechten gestellen und bei rechte stille stehen, andtworthen und
                        gerecht werden wil, bis zu austrage der sachen under dem pfande oder Summa,
                        wie obene der kleger.<note
                n="25.c">Reus autem, cum libellum recipit,
                            satisdare debet, quod usque ad finem litis permanebit ut <ref
                target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/just1.gr.htm#1.24">Institut. de satisdat. §. sed
                            hodie</ref>, ubi dicitur: Sed hodie [Richtig sed haec hodie; auch sonst
                            nicht wörtlich.] hoc aliter observatur. Sive enim in rem actione quis
                            convenitur, sive in personali suo nomine (id est per se) nullam
                            satisdacionem pro litis estimacione (s. iudicatum solvi) dare
                            compellitur, sed pro sua tantum persona cavebit, s. quod in iudicio
                            permanebit usque ad terminum cause vel litis; quandoque tamen sufficit,
                            si iuratoriam exponat cautionem. De quo vide infra folio 47 <ref target="#NA.29.5">artic. XXIX, numero 5, 6, 7</ref>, et sic per
                            totum articulum.</note>
            <note n="25.2">In M. folgt: Eydt, so einer nicht Bürgschafft zum Rechten
                            bekommen kann. Ich, N.N. schwehre Gott dem Almechtigen, dieweil ich
                            keine Bürgschafft zum rechten nicht bekommen, daß ich auf Anklage deß
                            N.N. Klegers zum Rechten gestellen und bei Recht stiell stehen,
                            antwortten und gerecht werden soll, auch daß dulden und leiden, waß mir
                            zue Recht (oder Von meinen herrn, einem ehrsamben Rath) erkandt werden
                            wirth, demselben nachkommen wiell, als wahr mier Gott helff undt alle
                            seine Heiligen.</note>
            <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s026.jpg" n="26"/>
          </p>
        </div>
      </div>
      <div xml:id="NA.B.2">
        <head>Das annder tail dieses Buchs.</head>
        <div xml:id="NA.14">
          <head>Art. XIV. Von Banrecht und anderer Recht.</head>
          <div xml:id="NA.14.1">
            <head>1. Was banrecht aigentliche haisse?</head>
            <p>
              <pb n="fol.34 b."/> Ban haißt zu Sachssenrecht so viele als gewalt, ein
                            gerichte oder geding zu hegen; under banne haißt so viele als undter
                            gehegtem Dinge. Dorumb heißt banrecht, aigentlichen dorfon zu reden, so
                            viele als gehegt recht.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.2">
            <head>2. Wie viele banrecht ubers Jhar alhie zu Olomuntz gehalten werden und
                            zu welcher zeit?</head>
            <p>Es werden alhie zu Olomuntz alle Jhar drei banrecht gehalten und das
                            vierde ein nochtaidingkh.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.3">
            <head>3. Das erste banrecht.</head>
            <p> Ich fahe an noch Laurenti, wen man die wahle des Rates zu halten pflegt,
                            und sage: Das erste banrecht wird besatzt und gehegt (den ersten
                            montagkh nach Galli) und wirt widerumb aufgehoben allewege den freitagkh
                            vor dem Advent. [Anm. Fischel: Dieser Termin ist am Rande berichtigt,
                            indem an Stelle der eingeklammerten Worte der Termin: "allewege 14 tage
                            noch Michaelis auff den montagk“ von derselben Hand angezeichnet
                            steht.]</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.4">
            <head>4. Das ander banrecht.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.35 a."/> Das ander banrecht wirt besatzt und gehegt den ersten
                            montagkh noch der heiligen drei koenige tagkh und wirt widerumb
                            auffgehoben den freitagkh vor der verpotehnen zeit (oder
                                Septuagesima).<note
                n="26.1">Die eingeklammerten Worte sind von
                                fremder Hand daneben verzeichnet.</note> [Am Rande:] allewege 14
                            tage noch weihnachten betrifft sich allewege.<note n="26.2">Von fremder
                                Hand. Wie in L. M. wird also hier wohl zu lesen sein: Das ander
                                banrecht wirt besatzt und gehegt allwege 14 Tage nach Weihnachten
                                und betrifft sich allewege den ersten Montag nach der heiligen drei
                                Koenige tagkh und wirt wiederumb ufgehoben den freitagkh vor der
                                verbotenen zeit (oder Septuagesima). M. hat nach verbotehner Zeit
                                den Zusatz: nehmlich den Freitag vor den ersten Sonntag in der
                                Fasten.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s027.jpg" n="27"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.5">
            <head>5. Das dritte ban recht.</head>

            <p>Das dritte banrecht wirt besatzt und gehegt den montagk noch Misericordia
                            Domini und wirt widerumb aufgegeben am freitage vor Rogationum, das ist
                            vor der kreutzwochen. (Am Rande steht: allwege 14 tage noch Ostern und
                            triefft sich allewege).<note n="27.1">Wie in L. M. wird also hier zu
                                lesen sein: das dritte banrecht wirt besatzt und gehegt allewege 14
                                Tage nach Ostern und triefft sich allewege den Montag nach
                                Misericordia domini und wirt wiederumb aufgegeben am freitage vor
                                Rogationum, das ist vor der Kreutzwochen.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.6">
            <head>6. Der nochtaiding.</head>

            <p>Der nochtaidingkh wirt allewege gehalten den montagkh vor Margarete und
                            wehret viertzen tage. (Am Rande: 14 tage noch Joannis baptiste.)<note n="27.2">Von fremder Hand. Wie in L. M. wird zu lesen sein: der
                                nochtaidingkh wirt allewege gehalten 14 tage noch Johannis baptiste
                                und wehret vierzehn tage.</note>
              <note n="27.3">Im tschech. Proc. sind bloß die späteren Fristen wie in
                                L. M. namhaft gemacht.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.14.7">
            <head>7. Von Gastrecht, Nodtrecht.</head>

            <p>Welcher ein Gastrecht, Nodtrecht etc. begert zu besetzen, derselbe erlegt
                            in gehegte Bank den hern Scheppen XVI gr.; dorfon geben die hern
                            Scheppen den zwehen geschwornen Procuratoren VIII gr.<note n="27.4">In
                                M. folgt: Item den ersten Marckttag vor den Bannrechten ruffet oder
                                verkündiget offentlich der Fronbotte oder Gerichtsdiener auf freien
                                Marckt die Recht aus.</note>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.15">
          <head>Art. XV. Die Hegung des Stadt Rechten zu Olomuntz.<note n="27.5">Nach der
                            Erlauterung im tschechischen Processus juris stellt der Vogt die drei
                            nachfolgenden Fragen immer wieder an einen anderen Schöppen, und der
                            jeweilig befragte erteilte die entsprechende im Texte mitgeteilte
                            Antwort (vergl. auch die Bresl. Form. bei 
              <!-- Noch kein Digitalisat -->
                            Wendroth a. a. O. S. 73). Im tschech. Proc. folgt hier eine Erläuterung
                            über den Unterschied zwischen Rat einerseits und Vogt nebst Schöffen
                            andererseits.</note>
          </head>
          <div>
            <head>Frage.</head>
            <p>
              <pb n="fol.35 b."/> Her N., Euer waishait sei gfragt, ob zeit und weile
                            kommen ist, das man ding hegen magk zu einem: <table>
                <row>

                  <cell>1. Pahnteiding <lb/>2. Gastrecht <lb/>3. Nodtrecht <lb/>4.
                                            Elendenrecht<note n="27.6">Ich glaube hier zur besseren
                                            Orientierung des Lesers die Erklärung dieser in Breslau
                                            sogenannten "beifälligen" (also außerordentlichen)
                                            Rechte aus dem in der Einleitung erwähnten
                                            
                      <!-- Noch kein Digitalisat --> M. S. der Breslauer
                                            Stadtbibliothek J. 59, S. 6 ff. mitteilen zu sollen.<lb/>
                      <p>
                        <hi rend="center">Vom Gastrecht.</hi>
                        <lb/>Hat ein fremder zu einem andern fremden oder
                                                einem burger Forderung zu thuen, der mag
                                                gastrechtens pflegen, der burger aber weder fur sich
                                                noch in anwaltschafft eines fremden, in keinem weg;
                                                den hat er irgent eine Forderung zu einem fremden,
                                                die muß er bei dem ordentlichen stadtrecht furnehmen
                                                und rechtferttigen lassen. Idoch wo der geladene
                                                Gast das ordentliche Recht zu erwartten beschwerung
                                                truge, so ist im dem Gast frei und zugelassen ein
                                                Gastrecht ... zu bestellen. Wan daß geschieht, so
                                                muß der clagende burger zu gast Recht klagen, und
                                                procedieren ... <lb/> Wer Gastrechtens pflegen will
                                                wieder einen Burger, der soll allhie zu Breßlau nit
                                                wonhafftig noch kein Einleger sein, sondern alß fern
                                                gesessen, daß er das gewonliche Stadtrecht in einer
                                                tagreise nit möge erringen: derwegen wer unter sechs
                                                Meilen sesshafftig oder einliegendt, ist vom
                                                Gastrechten wieder den Burger ausgeschlossen, es
                                                betreff dan Landt waren, so man im Wollmargkt und
                                                wochenmarkt zufuern pfleget.</p>
                      <p>
                        <hi rend="center>">Vom Nottrecht.</hi>
                        <lb/>Nottrecht wirt gemeiniglich gebraucht, wo
                                                lebendige Thier, so teglich atzung bedurffen, auch
                                                andere verderbliche wahre, oder aber so sonderlichen
                                                uncosten und warttung haben wollen (als Wein und
                                                dergleichen) zu Pfande gegeben oder aber arrestirt
                                                und besatzt seindt; den so mag der glaubiger und
                                                sperrer durch Nottrecht erlangen, solch Thier und
                                                waren zuverkauffen, mit diesem anhang und bescheidt,
                                                das er erkauff gelt in die Gerichte, auf rechtlich
                                                erkenttnuß (wem es endtlich und billich folgen soll)
                                                sequestrir und niederleg. Dergleichen ist in diesem
                                                Recht zu erkhennen, wo dem mitman die Mittung nicht
                                                wirt gehalten oder zu unrechter Zeit wirt
                                                aufgesaget, oder aber ein gemit oder gekaufft Haus
                                                und grundt auff bestimbte Zeit nit gereumet.</p>
                      <p>Ausserhalb diesen fellen moegen vill andere Ursachen
                                                vorfallen, dorumb billich ein Nottrecht gestattet
                                                und zu gelassen wirt. Welches dann bei erkenttnus
                                                der Richter, ob es forttgang haben soll, stehen,
                                                domit die ordentlichen Recht nit zurrutten
                                                werden.</p>
                      <p>
                        <hi rend="center">Von Elenden Rechten.</hi>
                        <lb/> Elendes Rechten gebrauchen sich die gefangenen
                                                (so umb peinlich oder burglich Sachen verhaltten)
                                                wieder die, so (sie) gefenglich in diesen gerichten
                                                annehmen und einsetzen haben lassen. Und ob woll
                                                solche Elende Leut das Recht bestellen, so bleibt
                                                dennoch das gegenteill kleger und muß die ursach des
                                                einhemens mit geburlicher clag anzeigen, und im fall
                                                der Notturfft, wie durch Recht aufferlegt,
                                                aussfundig machen. Idoch mag sichs zutragen, das der
                                                gefangen die clag thun muß, als wo die ursach des
                                                gefengnus nit wirt geruget, sondern was beifelliges
                                                (als umb Kost, etzung und dergleichen)
                                                vorgetragen.</p>
                      <p>Der arm elende mensch hat auch sein anttwort und
                                                defension vorzuwenden, Zeit und frist wirt nach
                                                erkenttnus der gericht gegeben.</p>
                    </note>
                  </cell>
                  <cell>, wie recht ist.</cell>
                </row>
                <row cols="2">
                  <cell>Peinlichem Recht vel peinlichem Halsgericht.<note n="27.7">Von späterer Hand unter Punkt 4 beigesetzt. Im tschech.
                                            pr. jur. heißen diese Gerichte mit Ausnahme des
                                            Elendrechts in obiger Reihenfolge: právo oder soud banní
                                            oder zahájený, hostinský, náhlý oder nuzný, útrpný. Das
                                            Wort Nachteiding wird im tschech. Text
                                            beibehalten.</note> S. S. 28)</cell>
                </row>
              </table>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s028.jpg" n="28"/>
            </p>
          </div>
          <div>
            <head>Andtwort 1.</head>
            <p>Her Foyt, Erßamer weißer herr, noch deme mich E. W. fragt, ob zeit und
                            weile kommen ist, ding zu hegen zue einem Pahnteiding, wie Recht ist,
                            dorauff sage ich, das zeit und weile kommen ist, das man ding hegen magk
                            zw einem pahnteiding, wie recht ist.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Frage.</head>
            <p>Her N., euer w., sei gefragt, ob die Bencke besetzt sein zue einem
                            pahnteiding, wie recht ist.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Andtwort 2.</head>

            <p>Her Foyt, Erßamer weißer herr, dieweil mich e. w. fragt, ob die Bencke
                            besetzt sein zu einem panteiding, wie recht ist, dorauff sage ich, das
                            sie genugksam besetzt sein zu einem pahnteiding, wie recht ist. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s029.jpg" n="29"/>
            </p>
          </div>
          <div>
            <head>Her Foyts rede.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.36 a."/> Seindt desmols, das zeit und weile kommen ist, das
                            man ding hegen magk und die bencke besetzt sein zu einem panteidingkh,
                            wie recht ist, so wircke ich alhie zu diesem rechten, foerderlich Gottes
                            friede. Romischer (auch) konigklicher Maiest. unseres allergnedigsten
                            hernn friede, Eines Ersammen Raths friede, des Gerichts friede, Einer
                            erbaren gemain Friede, armen und reichen, wie diese koenigkliche<note n="29.1">M. hat "Kaiserliche und Königliche“.</note> Stadt zw Rechte
                            hot. Derhalben alle, die vor diesen rechten zu thuen haben, die trehten
                            herzu und abe und bringen ihre nodturfft und sachen fur mit erlaubnis.
                            Thete aber iemandts dorwieder mit worthen, dem gieng es an sein freihes
                            gelt; tehte aber iemandts dorwieder mit wercken, dem gieng es an ein
                            hoehers pfandt, als naemlich an seinen freihen hals. Demnoch wisse sich
                            ein Jetlicher hierinnen zu verhalten und sich vor schaden zu
                            bewahren.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Frage.</head>
            <p>Her N. euer w. sei gefragt, ob ding also gehegt sei zu einem pahnteiding,
                            wie recht ist.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Andtwort 3.</head>
            <p>Her Foyt, Erßamer herre, demnoch mich e. w. fragt, ob ding zu einem
                            pahnteiding gehegt ist, wie recht ist, dorauff sage ich, das es gehegt
                            ist, wie recht ist, man sols auch halten, wie recht ist.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Ruffen zum Rechten.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.36b."/> Noch solchem gehegten dinge pflegt man den
                            nochrichter ader Gerichtsdiehner bald drei mohl nocheinander zum Rechten
                            zu ruffen lossen noch verhaltenem brauch der Stadt.<note n="29.2">Nach
                                einer Note im tschech. Proc. wird die Formalität des Rufens zum
                                Rechten an verschiedenen Orten verschiedentlich geübt, und es wäre
                                daher von Olmütz darüber Belehrung zu holen.</note>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.16">
          <head>Art. XVI. Von Lauperungk.<note n="29.3">Im tschech. pr. jur.: Vyhlášeni
                            strau.</note>
          </head>
          <div>
            <head>1. Lauperunge oder verlesunge der parten am ersten tage aus gehegter
                            banck.</head>

            <p>So balde der Gerichtsdiehner zu dreihen mahlen nacheinander geruffen hot,
                            so trehten die zwehen geschworen procurator, ein jeder mit gunst und
                            laube vor gehegte bankh, ein ieder an seine verordnete Stadt. Dornoch
                            hebt der Scheppenschreiber an und verlist die parthen, die zu dem
                            rechten verburgt sein. Wehr als denne verhanden ist, der meldet sich;
                            welcher aber nicht verhanden ist und auch kein machtman von seinetwegen,
                            demselben macht man einen punct und von wegen solchs puncts ist derselbe
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s030.jpg"
                n="30"/>
                            verfallen dem her Foyte IV gr. die pusse, und das haist die erste
                            lauperunge aus gehegter bankh.<note n="30.1">Unter dem Texte steht von
                                späterer Hand: Und von dieser Pusse der 4 gr. kumbt halbir tail den
                                Procuratoren. Diese Worte sind jedoch durchgestrichen.</note>
            </p>
            <p>
              <pb n="fol.37a."/> Wellen den die hern Scheppen denselben ersten tagkh
                            indert ein part oder sache furnehmen, das stehet bei inen; who aber
                            nicht, so setzen und bestimmen sie etzlichen parten tage an, an welchem
                            tage sie ire sachen und klagen fuer nehmen und einbrengen sollen und
                            stehen dornach widerumb auf.</p>
          </div>
          <div>
            <head>2. Taegliche lauperunge vor gehegter bank.</head>
            <p>Es moegen die parthen alle rechtstage, so gehalten werden, mit irem
                            procurator vor gehegte Bank furtrehten, who ire widerpart nicht
                            vorhanden ist, und sich aldo laupern und ansagen, mit nochfolgenden
                            worthen:</p>
          </div>
          <div>
            <head>3. Forma und Proces der lauperungkh.</head>
            <p>Her Foyt und erßamen weisen hern. Mich beschaidet (oder mich berichtet)
                            N., das ehr mit N. zu diesen loeblichen Rechten verburgt sei, und
                            gestellet sich allhie als ein gehorßamer und N. sein widerpart bleibt
                            ungehorßamlich aussene, was bescheidet mich e. w. dorumb?</p>
          </div>
          <div>
            <head>Andtwordt aus gehegter banck.</head>
            <p>
              <pb n="fol.37b."/> Man bescheidet euch, das Ihr warthen sollet, dieweil
                            dink wehret.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Weiter Frage.</head>
            <p>Her Foyt und Erßamen hern, wen sichs begebe, das e. w. auffstunden und
                            dingk auffgeben, moechte ichs bekommen, das ich mit schreiben bewarete,
                            das N. als ein gehorßamer zu seinem rechten erschienen ist.</p>
          </div>
          <div>
            <head>Anndtwort.</head>
            <p>Ihr bekomt es.</p>
          </div>
          <div>
            <p>Noch diesem sal der part balde mit laube von gehegter banck abtrehten,
                            dem Sckeppenschreiber seine gerechtigkheit als 2 den. geben und seinen
                            gehorßam also vertzeichnen lossen.</p>

            <p>Von solcher Lauperunge ist der ungehorßamme part dem hern Foyte zur busse
                            verfallen IV gr., die mus ehr erlegen, ehe danne ehr zu seinem rechten
                                kombt.<note n="30.a">Sollicher Busse kumbt den procuratoren halbir
                                tail. [Von späterer Hand.]</note>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.17">
          <head> Art. XVII.</head>
          <div>
            <head>1. Erstandene Recht.<note n="30.2">Im tsch. pr. jur.: dostání ku
                                právu.</note>
            </head>
            <p>
              <pb
                n="Fol.38a"/> Die erstandene recht werden erst beschrieben am letzten
                            tage, wen man die recht widerumb auffgeben hot, so trehten die part zum
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s031.jpg" n="31"/>
                            Scheppenschreiber und geben ime ein jeder seine gebuehre als 2 den. und
                            lossen ire erstanden recht vertzeichnen.</p>
          </div>
          <div>
            <head>2. Welchem kein erstanden recht vergunst wirt.</head>
            <p>Item deme wirt kain erstanden recht vergunstet oder gestattet, welcher
                            gar keine lauperunge in wehrenden gehaltenen rechtstagen vor gehegter
                            banck gethan hot, oder wen sein widerpart kegenwertigkh ist und
                            widerredt es.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.18">
          <head>Art. XVIII. Von Prokuratoren, Advokaten und Rednern.</head>
          <div xml:id="NA.18.1">
            <head>1. Ire ambt ist vonnoethen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.38b."/> Der Advocaten und redner ampt ist ganz nutze,
                            nodturfftigkh und gross vonnoethen<note
                  n="31.a">Ut in <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/d-3.htm#3.3.1.2">lege
                                    I. §. usus ff. de procurat.</ref>

              </note> es ist auch an ime
                            selbst erlich und dem gemainen nutze (so dasselbe recht und wol
                            gebraucht wirt), so wol und so hoch als krieges tugent. ersch(l)iesslich
                            juxta legem advocati, qui dirimunt ambigua <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ2.htm#2.7.1">Cod. de advo. diverso.
                                iudiciorum</ref>.</p>
            <p>Ein Procurator wirt auch im Rechten ein vormunde genandt, ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 48">lib. I. art. 48 in glos. etc.</ref>
            </p>

            <p>Es werden ir viele in rechten zu procurator nicht zugelassen, als: aigen
                            leute, tauben, thoren, kinder, weiber, junckfrauen etc., ut in <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 60">landt. lib. I. art. 60</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 30">lib. III art. 30.</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 16">l. I. art., 16</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 47">47 in text. et gloss.</ref> et
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> lege 2 ff. de reg. iur., cap. ex parte
                            [Note31.1: Extra] de postu., <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00087946/image_207">Specu. in titt. de procu. § 1 vers. Item quod est mulier</ref>.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.18.2">
            <head>2. Wie sich ein procurator vorgehegter banck halten sal.</head>
            <p>Ein jeder procurator oder advocat sal vor gehegte banck und widerumb von
                            gehegter banck zu und abtrehten mit erlaubnis. Tut ehr dorwider, so ist
                            ehr in der Straffe des hern Foytes und der hern Scheppen.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.19">
          <head>Art. XIX. Andingen.<note n="31.2">Im tschech. pr. jur.: Opoved,
                            opovidati.</note>
          </head>
          <div xml:id="NA.19.1">
            <head>1. Ain mohl angedingt ist genugkh.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.39a."/> Wen der Procurator ain mohl sein part andingt mit
                            folgenden wordten, so bedarff ehrs kain mohl mehr mit diesen worthen
                            andingen bei demselben werennden rechten; dan was ime ein mohl mit
                            urteil und mit rechte aus gehegtem dinge zugesprochen und erkandt wirt,
                            dorbei bleibt es billich bis zu austrage der sachen, man hielte ime dan
                            widerpart dorumbt. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s032.jpg" n="32"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.19.2">
            <head>2. Forma des andingen.</head>
            <p>Her Foyt und Erßamen weisen lieben hern, der erbare N. hot mich erbeten
                            zu einem advocaten (oder vormunden), also das ich ime seine sache kegen
                            dem erbaren N. vor diesem loeblichen rechten reden und fueren sal. Ich
                            froge derhalben zu rechte, ab ehrs bekommen magkh von rechtswegen.</p>
            <p>Anndtwordt.<lb/> Ehr bekombt es von rechts wegen.</p>
            <p>Noch solchem urteil und rechts spruche magkh der procurator<note
                n="32.1">In M. folgt: oder Advocat.</note> ferner bitten umb gunst zu reden
                            und seinem part seine sache und nodturfft wort reden und furtragen bis
                            zu austrage der sachen, und ist nicht nodt, das ehr zu einem jeden
                            mohle, wen ehr mit ime furtridt, widerumb von neues andingen sal mit
                            worthen, wie oben gehort, den es ist ein ubriges dingkh und
                            verunmuessigunge der zeit; sonder magkh balde umb erlaubnis bitten zu
                            reden und den handel dem nechsten abschiede noch fur die handt nehmen
                            und procedieren.<note n="32.2">2. Aus M. (zum 34. Art.) setze ich die
                                Formeln der Andingung und der Achte (deliberatio) bei, jener
                                bekannten Einrichtung des deutschen Prozesses zur Vermeidung der
                                vare, welche also in Olmütz noch zu Beginn des 17. Jahrhunderte in
                                Übung stand: <lb/> Mit Erlaubnuß, Ehrsamber weiser Herr Richter und
                                Ersambe weise herrn Beisitzer (Rechtsitzer), es hat mich der Ehrbare
                                (oder die Tugentsambe frau) N. N. gebetten, das ich ihme (oder ihr)
                                für diesen löblichen Banrechten andingen soll, mag er solches
                                bekommen. <lb/>
                <hi rend="center">Sententia.</hi>
                <lb/> Herr Richter und Ehrsambe
                                weise Herrn, mag er bekommen, daß er vor sich selbst oder durch mich
                                seinen Ahnwalten fur diesen gehegten Bannrechten für bringen mag,
                                was ihme von Notten ist.<lb/>
                <hi rend="center">Sententia.</hi>
                <lb/> Er bekompt es von Rechts
                                wegen <lb/>
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                <lb/>Er bekompt es von Rechts wegen. <lb/>
                <hi rend="center">Procurator.</hi>
                <lb/>Herr Richter und gönstig weise Herrn, mag er bekommen, mit
                                erlaubnuß ab und zue zuetretten, so offt es ihme von Notten ist.<lb/>
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                <lb/>Er bekompt es von Rechts wegen.<lb/>
                <hi rend="center">Procurator.</hi>
                <lb/>Herr Richter und gunstige, weise Herrn etc., mag er bekommen,
                                mit erlaubnuß abzuetretten.<lb/>
                <hi rend="center">Sententia.</hi>
                <lb/> Er bekompt es von Rechts wegen. <lb/>
                <hi rend="center">Procurator.</hi>
                <lb/> Herr Richter und Ehrsambe weise Herrn, habe ich mein Parten
                                ahngedingt, wie Recht ist. <lb/>
                <hi rend="center">Sententia.</hi>
                <lb/> Ihr habt es ahngedingt wie Recht ist.<lb/> Notabilia circa der
                                Andingung.<lb/> Wan ich allein oder mein Parth allein zue oder
                                abtretten wollen, mueß ich allzeit sagen mit gebührlicher Reverentz.
                                mit Erlaubnuß; wan meiner Parth etwas Bedenkliches vorfähllet. mag
                                ich ihme Abtrit bitten volgenter gestalt: <lb/> Herr Richter und
                                Ehrsambe weiße gönstige herrn. Demnach was fürbracht worden, darauff
                                mier ein Bericht von meinen Parth zue schöpffen von Nötten sein
                                wiell. alß wiell E. W. ich dienstlichen zue schöpffen gebetten
                                haben, dieselben wolten mier und meiner Parth ein abtrit vergönnen
                                und erlauben, damit wier unß mit einander unterreden mögen. <lb/>
                                Nach beschehenen abtrit soll ich mich gegen den herrn Rechtsitzern
                                bedanken, welches volgender gestalt geschehen mag.<lb/> Herr Richter
                                Ehrsamber weiser herr, es bedankt sich mein Parth oder Principal,
                                des vergünstig(t)en und zugelaßenen abtrit (vel) zuegelaßenen
                                Unterrichtung, und fragt, ob er nicht billich zue seiner Rede
                                wiederumb kommen mag, (vel) ob ihme nicht weitter die Recht offen
                                stehen sollen, wie billich, sein Notturfft fehrner einzuebringen.<lb/>
                <hi rend="center">Sententia.</hi>
                <lb/> Er bekombt es, oder man gestattet es ihme von
                                Rechtswegen.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s033.jpg" n="33"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.19.3">
            <head>3. Eine schoene Lehre und underweisunge allen und jeden procuratoribus
                            und advocaten furgestellet aus beschriebenen goedtlichen rechten.</head>

            <p>Einem jeden Advocaten und Procurator gehoert fuernemblich und vor allen
                            dingen zu, das ehr seinen parteien und clienten mit ernste vor anfangkh
                            aller sache zuspreche, domitte sie ime furnemblich in allen handlungen
                            nichts verhalten; dan dem beichtvater, dem artzt und dem Advocaten, bei
                            dem man rath suchet, solle die warheit gesagt, desto leichter magkh inen
                            allenthalben gerathen und geholffen werden. Und wan nun der <pb
                n="fol.40a."/> advocat aller geschichte der sachen genugksam bericht
                            hot, sol ehr seinen clienten alsdan weither frogen, ob ehr seine klage,
                            oder so ehs der beklagte wehre, seine exception getraue zu beweisen, wie
                            und durch wen ehr auch solche weisunge zu bekommen verhoffe; so ehr dan
                            befindet, das die partei ire fuergeben im vhalle der nodturft zu rechte
                            genugsam antzeigen und darbringen magkh, sol ehr ihr ferner das beste
                            rathen; wuerde ehr aber vermerken, das keine bestendige hoffnunge
                            einiges siegs sein moechte, solle ehr mit erinnerunge, was nochtail und
                            schadens der partei in verlust der sachen erfolgen wuerde, getreuhe
                            vaeterliche warnunge thuen und seinen klienten also vermahnen, domitte
                            ehr sich vor unkosten und nochtail verhuet.<note n="33.a">Non debent
                                advocati exercere officia tabellionatus, quia vile est, ut nota in
                                lege universos et ibi per 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bart. in
                                prin C. de decurio. l. I., ubi dicitur: Universos decuriones volumus
                                a tabellionum officiis temperare.</note>
            </p>

            <p>Hette dan der Advocat bei ime ainichen zweiffel, so sol ehr bei seinen
                            buechern, auch wo nodth wuerde, bei andern gelerten rath haben, mit dem
                            selbigen, auch mit etlichen verstendigen leien von der sache disputiren
                            und reden. Das alles ist ime zu erkundigunge des rechten grundes und
                            rechtmessiger billigkheit zum hoechsten dienstlich. Ehr solle auch ime
                            selbst so wol nicht vertrauen, das ehr seinem Clienten den sieg der
                            sachen, dieweile derselbe nicht bei ime, sonder bei dem Rechte stehet,
                            verheiße; und wan ehr <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s034.jpg" n="34"/> die
                            gehaim einer partei ain mohl entffangen, sol ehr wider dieselben in
                            derselben strittigen sachen der gegenpartei gar nicht handeln.</p>
            <p>Ita pulchre docet et probat <ref
                target="http://repertorium.at/ns/durantis_1592.html#speculum.1.4.2">specu. in tittulo de Advocatorum §. nunc tractemus, qualiter</ref>
                            et vide <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ2.htm#2.7.1">C. in tittulis de
                                advocatis diverso, iudiciorum et de advocatis diversorum iudicum per
                                totum</ref>.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.20">
          <head>Art. XX Von Anwalden oder machtleuten.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.41a."/> Ein anwalt ader machtman wirt im rechten auch ein
                        procurator genant. Ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 48">landt. l. I. art. 48 in
                            gloss.</ref>
          </p>
          <div xml:id="NA.20.1">
            <head>1. Wer ein anwalt oder machtman<note n="34.1"/> genandt wirt.</head>

            <p>Und der ist ein machtman genandt, der frembde hendel ausbevehl seines
                                hern<note
                  n="34.a">Ut in lege l. ff. de procura. et leg. I. §.
                                postulare ff. de postu. et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 60">Landt. l. I.
                                    art. 60 in gloss.</ref>, <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=143">Weich. art. 41 in gloss. l.</ref>,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen, cap. 68 in gloss. colum. 5 et
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. 19 in princ. gloss.</note> und
                            principal guttwilliklichen zu handeln auf sich nimbt. Dan niemandts
                            magkh wider seinen willen zum machtmanne oder anwalden gesatzt oder
                            dortzu gedrungen werden.<note n="34.b">Invitus enim procurator dari non
                                postest, ut in lege invitus C. de procura. et (l.) filius fami. §.
                                inuitus ff. eo tit.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.2">
            <head>2. Wie sich der machtman halten sol bei rechte.</head>

            <p>Noch dem bevehl, den der machtman von seinem hern und principal annimbt,
                            mus er sich halten, dan so ehr aus deme schreitt oder ubergehet, so ist
                            sein thuen und handlen nichtigkh<note
                n="34.c">Fines enim mandati sunt
                                diligenter custodiendi. Et si procurator quid extra suum mandatum
                                facit, non nocet domino et falsus in hoc censetur, ut in lege
                                diligenter ff. mandati et in cap. cum dilecta de re scrip., Instit.
                                de mandatis § is qui exequitur.</note>) und magkh seinem principal
                            nicht schaden, es wehre den sache<note n="34.d">Ut in leg. si procurator
                                C. de procur.</note>, das sein principal solchs offentlichen oder
                            stilleschweigende annehme und also dorein bewilligte, so bliebe es auch
                            dorbei.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.3">
            <head>3. Der machtman sal seine macht fuerlegen, sonste wirt ehr nicht
                            gehort bei Rechte.</head>

            <p>Wen der machtman des klegers seine klage anstellen wil, so ist es
                            vonnoehten, das ehr seine macht im anfange, mit der klage einbrenge und
                            fuerlege, wil ehr anders zugelossen werden;<note
                n="34.e">Cautela
                                iudicis. Potest enim judex non plene, neque sufficiens mandatum
                                habentem ex officio repellere, ne contingat ad ulteriores actus
                                frustratorie procedi. Per glos. no. in c. I. de elect. lib. VI.,
                                ponderata per Bald. in lege. exceptionem C. de prob. Debet namque
                                iudex cavere, ne sibi illudatur, et ne in vanum partes vexentur
                                laboribus et expensis: ut in leg. si pretor ff. de iud., et in c.
                                super questionum §. porro ad fi. de offi. deleg.</note> und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s035.jpg" n="35"/>
                            will inen der beklagte ane vollemacht nicht zulossen, so mus ehr die
                            furlegen und beweisen: hot ehr aber keine volle macht nicht furzulegen,
                            so wirt ehr von den hern rechtsitzern nicht zugelossen, sonder wirt
                            repellirt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.4">
            <head>4. Hot auch der anwalde die macht bei Gerichte enttpfangen und ist im
                            gerichtsbuch verschrieben.</head>
            <p>
              <pb n="fol.42a."/> Who der anwalde die macht bei gerichte entffangen
                            hette und stunde im gerichtsbuche verschrieben, so mus ehr dieselbe
                            macht unnder des gerichts Ingesiegel in gehegte banck furlegen, und ist
                            nicht genugkh das ehr sage, sie sei bei gerichte verschrieben, und
                            begerte das Gerichtsbuch in gehegte banck zu brengen und zu verlesen:
                            dan in solchem vhalle ist der her Foyt nicht schuldigkh, das
                            gerichtsbuch solcher macht halben in gehegte banck zu tragen und das aus
                            dieser ursachen, das alhie zu Olomuntz drei krefftige stellen sein und
                            eine jede stelle vor sich verordent, auch jede stelle iren geschwornen
                            schreiber, auch sonderliche buecher hot, dorumb man eins ins ander nicht
                            mengen sal, gleich so viele, als wen man das Stadttbuch in gehegte banck
                            tragen solde.</p>
            <p>Ein erbarer Rath aber, die dieser stellen aller drei herrn sein, moegen
                            solche buecher und anders mehr, wen es inen geliebt, gar mitteinander
                            wol fordern, dan sie sein doruber hern.</p>
            <p>Die parten aber koennen solchs vor gehegter banck nicht schaffen noch
                            bekommen, sonder glaubwirdige auszuege doraus under des Gerichts Sigille
                            moegen sie wol furlegen, und deme wirt stadt gegeben alhie und bein
                            allen Scheppenstuehlen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.5">
            <head>5. Ein volle macht zu Rechte sal alle Clauseln haben.</head>

            <p>[Fol. 42 b.] Es mus auch kein anwalt oder procurator schwehren oder aihde
                            einem andern zuschieben, guetliche hendel halten und die beschliessen
                            oder anders thuen, das einen besondern bevehl erfordert, solchs sei ime
                            denne in seiner vollen macht mit deuttlichen worthen gegeben.<note
                  n="35.a">Actus, qui requirunt speciale mandatum procuratoris. Ut in
                                cap. <ref
                  target="http://www.columbia.edu/cu/lweb/digital/collections/cul/texts/ldpd_6029936_002/pages/ldpd_6029936_002_00000538.html">qui ad agendum de procur. (in) VI.</ref>, <ref target="http://repertorium.at/ns/durantis_1592.html#speculum.1.3.2">Spec. in tit. de procur. § I. versic.</ref> item excipitur,
                                quod litem habeat mandatum.</note> es were denne diese Clausel in
                            der macht begrieffen mit diesen nochfolgenden worthen:</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.6">
            <head>6. Clausula zu einer vollen macht.</head>
            <p>Auch so genandtem gewalttrager mehr macht und gewalt, denne hierinne
                            begrieffen, vonnoehten sein oder furfallen wuerde, dieselbe macht und
                            gewalt sal ime hiemitte so volkommenlichen zugestalt und gegeben sein,
                            als wehre dieselbe macht und gewalt mit sonderlichen nahmen und
                            ausgedruckten worthen hiebei beschrieben, alles gantz treulich und ane
                            geverde.</p>

            <p>Und diese Clausula haist bei rechte <emph>cum libera</emph> oder
                                <emph>cum plena potestate</emph> und ist so viele, das der anwalt
                            alles thuen und handlen moege. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s036.jpg" n="36"/> das
                            sein herre und principal hette thuen moegen oder tehte. Sonste ane das
                            kan ehr nicht thuen noch handlen das, welchs einen sonderlichen
                            bevehlich haben wil, wie obene gehort.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.7">

            <head>7. Cautela Iudicis ex Henningio, preclarissimo iure consulto, qui
                            multas fecit utiles addiciones in iure Saxonum.<note n="36.1"/>
            </head>
            <p>
              <pb n="fol.43.a"/> Qui enim vult agere in iudicio nomine procuratorio
                            debet producere mandatum suum et suam personam legitimare, hoc est,
                            debet primo ostendere mandatum suum, quod sit procurator actoris vel rei
                            legittime constitutus, quia, antequam de eo constet, non debet audiri,
                            ut in lege licet 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in principio C. de
                            procur. et 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> ibi per Bald. et Pau. de
                            Cast.</p>
            <p>Quinimo parte adversa non petente neque contradicente iudex debet ex
                            officio inquirere de constitucionibus et mandatis legitimis procuratorum
                            et eos ad ostendendum mandatum compellere, ne processus suus ob defectum
                            reddatur inanis, quia deficeret una ex personis substancialibus in
                            iudicio, ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in leg. supra alleg. et est
                            glos. ordina. c. I. 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in verbo absencia de
                            elect. in VI.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.20.8">
            <head>8. Machtman wirt kegenwertigk und auch abwesens gesetzt.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.43.b"/> Fol. 43 b.] Es magkh einer einen zu seinem machtmanne
                            setzen und stellen, ehr sei kegenwertigkh oder abwehsens, wen ehr nur
                            gewisse ist oder waiß, das jhener die macht uber sich nimbt oder nehmen
                            wil, als nemblich: Es magkh einer allhie zu Olomuntz eine macht und
                            gewalt stellen lossen<note n="36.a">ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in
                                leg. eum qui §. fin. ff. de acqui. hered.;
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. licet is, qui, de procu. in
                                VI.</note> auff einen zu Bresslaw, ab schone derselbe von Bresslaw
                            alhie zu Olomuntz nicht kegenwertigkh wehre, und ist doran nichts anders
                            gelegen, nur ab sie jhener zw Bresslaw guttwilligkh annemen wil, und
                            dorumb lest man den machtgeber dorumb sorgen und sich bekoemmern, ab
                            jhener zu Bresslaw den handel guttwilligkh auff sich nehmen wil oder
                            nicht; dan es kan keiner dorzu getzwungen werden, ehr habe den selbst
                            lust dortzu, wie obene am anfangkh gehort. Derhalben magkh einer
                            kegenwertigkh oder abwesens zum machtmanne gestellet werden.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.21">
          <head>Art. XXI. Von dem klaeger und seiner klage.</head>
          <div xml:id="NA.21.1">
            <head>1. Claeger sal die klage formlich einbrengen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.44.a"/> Fol. 44 a.] Es ist dem kleger viele an der klagen
                            gelegen, das ehr die formlich und bekweme furwende<note n="36.b">ut per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in titt. de libelli concep. §
                                1. et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> no. in cap. 1. et 3. de libelli
                                obla. et in 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. edita C. de
                                edend.</note>, und dorumb so wirt die auch viele feltigk
                            angefachten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.21.2">
            <head>[2.]</head>
            <p>Die klagen sein zwaiherlei<note
                n="36.c">Libellus est duplex: civilis et
                                criminalis.</note>, nemblich burglich und peinlich. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s037.jpg" n="37"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.21.3">
            <head>3. Was burgerlich klage ist.</head>
            <p>Ein burgerliche klage ist, wen man klagt umb guetter, geldt und
                            derglechen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.21.4">
            <head>4. Was peinlich klage ist.</head>
            <p>Ein peinliche klage ist<note n="37.a">Ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 13">Landt. l. 2 art. 13</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 16">16 in
                                    glos</ref>.</note>, wen man klagt umb ubeltat, missetadt und
                            laster, und begert solche klage entzweder mit leibes straffe ader
                            anderen rechtmessigen penen der Recht zu straffen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.21.5">
            <head>5. Von ausczuegen der klage.</head>
            <p>
              <pb n="fol.44.b"/> Merke: wen nun der klaeger seine klage, es sei
                            burglich ader peinlich gethan hot, so gibt man dem beklagten derselben
                            angestalten klage (so ehrs begert) einen außzugkh und auch einen tagkh
                            zu seiner andtwort.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.21.6">
            <head>6. Replica. Einrede.</head>
            <p>Es wirt auch dem kleger noch gethaner andtwort des beklagten nicht mehr
                            dan nur eine rede, das ist eine replica, zugelossen. Aber derselben
                            replica gibt man dem beklagten keinen außzugkh.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.22">
          <head>Art. XXII. Von dem Beclagten und seiner andtwort.</head>
          <div xml:id="NA.22.1">
            <head>1. Beklagter sal sich mit seiner andtwort fursehen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.45.a"/> Als wie obene gesagt, das dem kleger an der klage
                            viele gelegen sei, und domitte wol geschickt sein muß, auch dieselbe
                            formlich einbrengen, wo ehr domitte im rechten bestehen und verfahren
                            wil, also wirt her widerumb im Rechten von der persone des beklagten
                            nicht disputirt, ob er vor recht geschickt sei, zu stehen oder nicht.
                            Dan ein Jeder, der citirt und vor Recht erfordert wirt, magkh erscheinen
                            und sich wider den kleger mit exception (so ehr inderts eine hot)
                            beschuetzen ader sonste veranthwordten<note
                  n="37.b">Ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 41">Landt. l. III. art. 41. in glos.
                                    fin.</ref> et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> art.
                            16.</note>.</p>

            <p>Und wie die Recht sagen, wen es schon ein teiffel aus der helle
                                wehre<note
                n="37.c">unde dicitur: Si diabulus esset in iudicio ut
                                reus, non esset sibi defensio deneganda.</note>, der ins recht als
                            ein beclagter getzogen wuerde, so sal man Ime seine exception oder
                            schutzwern nicht abschlohen; dan die wehre und defension ist eines
                            naturlichen und gleichen rechtens, die niemandts, ehr sei geschickt oder
                            ungeschickt, sal abgetzogen werden. Und dorumb ist dem beklagten wol so
                                nodt<note n="37.d">Ut 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen, cap. 68
                                in pe. col. in vers. auch so warnet das Recht etc.</note>, das ehr
                            auff seine sache und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s038.jpg"
                n="38"/>
                            gerechtigkeit achtung habe, dieselbe vleissigh beschirme als imer der
                            klaeger, ab wol die beschriebenen recht dem beclagten mehr den dem
                            klaeger goennen<note n="38.a">Ut 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> leg.
                                favorabiliores ff. de re iud. et <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=130">Weich. art. 35 in fin.
                                    glos.</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 15">l. I. art. 15 in
                                    glos. fin.</ref>
              </note>, so mus ehr dennoch achtunge auff die
                            Sache haben. Dorfon jetzt genugkh.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.22.2">
            <head>2. Yon außzugen der exception ader andtwort.</head>
            <p>
              <pb n="fol.45.b"/> Wen nun der beclagte seine exception oder andtwort
                            einbrocht hot, so gibt man dem kleger derselben exception ader andtwort
                            herwiderumb, so ers begert, einen auszugkh und eine frist zu seiner
                            Replica, wie obene gehort im 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Cappittel
                            vom kleger.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.22.3">
            <head>3. Duplica, Widerrede.</head>
            <p>Es wirt auch dornoch dem beclagten noch gethaner Replica des klegers
                            nicht mehr dan eine widerrede vergunstet und gestattet, und mit deme
                            beschleust man die acten.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.23">
          <head>Art. XXIII. Was litis contestatio / kriegs befestigung bei rechte
                        haist.</head>
          <div xml:id="NA.23.1">
            <p>
              <pb
                n="fol.46.a"/> 1. Das heist bei rechte den kriegk befestigen, als wen
                            der beklagte zur klage jha oder nein saget<note n="38.b">Ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege unica C. de litis contesta.,
                                ubi Bart. et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> li. III. art. 30 in tex.
                                et glos., 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen, cap. 61 in glos et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> li. II art. 9 in glos et eo
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> li. art. 10 in tex.</note>. Dan wer
                            excipirt, der bekennet nicht und lauknet auch nicht<note n="38.c">Ut
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> in cap. cum venerabilis [Extra] de
                                excep.</note>, und wer nicht bekennet noch lauknet, der befestigt
                            auch den kriegkh nicht, den mit bekennen oder lauknen wirt zur klage
                            geandtwort, und daraus fleust alleine die bevestigung des krieges. Und
                            dornmb ist die befestigung des kriegs nichts anders, den eine ertzelunge
                            des Geschichts<note n="38.d">Ut in dicto 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                cap. vnico et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege rem non novam
                                C. de judi. et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in cap. causam que
                                [Extra] de dolo et contuma.</note> mit einer bitte vor dem bekwemen
                            richter mit folgender andtwort.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.2">
            <head>2. Von der wirkunge der kriegsbevestunge.</head>

            <p>Die wirkunge der kriegsbevestunge ist mannicherlei und sehre nutzlich zu
                                wissen<note n="38.e">Effectus litis contestacionis est multiplex, ut
                                per Speculatorem in 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> tit. de litis
                                contesta. §. fina.</note>. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s039.jpg" n="39"/>
            </p>

            <p>Item wen der beklagte den kriegk bevestet, das ist, so ehr zur klage
                                andtwortet<note n="38.a">Ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> per
                                Specu. in tit. de recusationibus §. si autem per totum et per eundem
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in tit. de litis contest. §.
                                fin. in prin.</note>, so verbindet er sich kegen dem richter, der
                            sonste sein bekwemer Richter nicht wehre, also das ehr inen zu seinem
                            Richter nicht verwerffen kan.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.3">
            <p>
              <pb
                n="fol.46.b"/> 3.Item die personlichen klagen werden dordurch
                                ewigkh<note n="38.b">Litis contestatione perpetuantur actiones.
                                Secundum 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bald. in lege sicut C. de
                                prescriptionibus 30 annorum.</note>, als wen einer einen mit worthen
                            geschmehet hette; diese klage wehret alleine Jhar und tagkh, das der
                            kleger dorumb macht hot zu klagen und dornoch nicht. So aber der kriegk
                            dorinne befestet, so weret sie ewigkh, das ist dreißigkh jar, jhar und
                            tagkh, und gehet auch wider den erben<note n="38.c">
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bart. in leg. fina. C. si tutor vel
                                curator inter. et in 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. si et ibi
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bart. C. de preprescript. 30 annorum
                                etc.</note>.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.4">

            <p>4. Item die bevestunge des kriegs zureist und interrumpirt die
                            verjharunge, also das der, welcher die verjharunge und prescription
                            gebraucht, von neues anfahen muß<note n="38.d">Litis contestacio
                                interrumpit prescriptionem, per 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Docto. et Bald. in l. in contractibus in 2 no. §. 1 et in
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> §. fin. C. de non numera. pecu. et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in titt. de litis contest. ibi
                                per Ioan. And. in addi. § fin. versic. item interrumpit.</note>.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.5">

            <p>5. Item sie hot auch diese wirkunge, das der anwalde und auch also der
                            vormunde, wen der kriegkh bevestet ist, einen andern anwalden zurechte
                            undersetzen moege<note n="38.e">Quando procurator possit substituere, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege neque C. de
                                procuratoribus.</note>.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.6">

            <p>6. Item wen der kriegk befestet, so werden auch erst die gezeugen und
                            andern beweisunge verfurt und eher nicht, außgenommen in ettlichen
                            sonderlichen fellen, welche, alhie zuertzelen, das werk verhindern
                                wuerden<note n="38.f">Lite contestata induci possunt testes, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> per tot. tit. [Extra] ut lite non
                                contesta.</note>.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.23.7">
            <p>7. Item sie verhindert auch die deutunge und erklerunge der klage und
                            auch die enderung der klagen, wie hernoch in dem
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> artikel von der gewehre der klagen Numero
                            3 und 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Numero 7 et
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> 14 gesagt wirt<note n="38.g">Ut per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in tit. de litis contest §.
                                quando autem, in fin. et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> li. III.
                                art. 63 et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> li. III. art. 14. Item est
                                et alius effectus, quod contestacio litis tollat facultatem
                                [s]olvendi circa rem adiectam ad solutionem et circa personam,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. si quis stipulatus fuerit decem
                                ff. de solu. et libe.</note>.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.24">
          <head>Art. XXIV. Von den Vorstenden und Caution.</head>
          <div xml:id="NA.24.1">
            <p>
              <pb
                n="fol.47.a"/> 1. Es muttet und begert zu zeitten der beklagte von
                            dem klaeger noch gethaner klage die Caution oder vorstandt zu bestellen;
                            derhalben ist zum ersten sehre nodt zu wissen, was diese Caution ader
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s040.jpg" n="40"/>
                            vorstandt in ime selber ist, und was vor underscheit zwischen dieser
                            Caution und der burgschafft zum rechten, so bei gerichte geschicht, ist,
                            und wie sie bestalt wird, auch wer sie nicht darff bestellen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.2">
            <head>2. Was Caution und vorstandt ist.</head>

            <p>Caution und vorstandt ist bei rechte nichtes anders, den das der kleger
                            vergwissen mus, who ehr mit seiner klage und sache felligk und
                            verlustigkh erkandt wuerde, das ehr dem beklagten die Expens und
                            schaeden, dorin ehr Inen fueret, gelden und erstatten mus, vors eine;
                            zum andern<note n="40.a">De quo per 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Specu. in titt. de libello concep. §. sequitur videre versic. sit
                                etiam cautus reus et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in tit. de
                                satisdatio. §. 1.</note>, das ehr dem beklagten zu seiner widerklage
                            auch widerumb stille stehen und hafften muß.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.3">
            <head>3. Underscheidt zwischen der Caution und der burgschaft zum Rechten,
                            die bei gerichte geschicht.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.47.b"/> Dieser underscheidt ist hierinne leichte zu merken:
                            Nemblich bei gerichte geschicht die burgschafft des klaegers alßo, daß
                            ehr seiner klage bei Rechte nochkommen und auch verharren wil bis zu
                            austrage der sachen under einem pfande oder Summen noch gelegenheit der
                            sachen und ermessunge des her foyten<note
                  n="40.b">Ut <ref
                target="#fol.34">supra art. 13 folio 34</ref>.</note>. Dieses
                            merke eben: kweme der klaeger seiner klage vor gehegter bank nicht noch,
                            oder gestellete sich nicht, oder entwiche von hinnen und wartete seiner
                            klage und sachen, wie sichs gebuert, nicht aus, wie den seine
                            burgschafft obene vermagkh, und der beklagte gestuende und ertzeigte
                            sich allewege gehorßamlich und erhielde also seine sache auf inen: ader
                            aber, das der kleger sonste bei rechte mit seiner sachen verlustigkh und
                            felligkh getailet wuerde, so magkh der beklagte desselben felligen
                            klegers burgen vor gehegte hank, wie recht, fordern lossen und aldo von
                            Inen begeren, Iren Principal, vor denen sie burge worden, auff einen
                            nambhafften bestimbten tagk vor gehegte bank zu gestellen und wen sie
                            Inen also gestellen und das Urteil getailet wirt, und who es ein
                            endurteil ist, also das es den gantzen handell und sache scheidet, so
                            sein die burgen domitte Irer burgschafft frei, loß und ledigkh, und so
                            die sache eine geldschuld ist, <pb
                n="fol.48.a"/> ader aber die Expens
                            und grichtscost antrifft, so muß solchs Ire Principal als der verteilte
                            klaeger selbst gelden und zalen desselben tages bei Sonnenschein. Hot er
                            aber des geldes nicht, und beklagter wil Ime auch ane vergwissunge von
                            gehegter bank abzutrehten nicht vergoennen, so mus ehr ime solchs
                            genugsam vergwissen und verburgen. Hot ehr auch der burgen nicht, so
                            gibt beklagter dem geriehts Diehner sein gebuere, der vergwisset Inen
                            mit der Zucht; kan ehr dornoch sitzende in der Zucht kain geldt zu wege
                            brengen und beklagt sich des und erbeut sich mit pfande zu ledigen, so
                            verhelt man sich kegen ime, wie man sich kegen anderen disfals zu
                            verhalten pflegt. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s041.jpg" n="41"/>
            </p>

            <p>Die Caution aber ist nicht eine solche burgschafft, das man den kleger
                            gestellen dorffte, und das die burgen durch solch gesteltnuß frei
                            wuerden, sonder es ist ein solcher vorstandt und burgschafft, who der
                            klaeger mit seiner klage und sache felligk wuerde, das ehr alsdanne dem
                            beklagten die Expens und schaeden<note n="41.a">Ut supra per
                                Specu.</note>, dorein ehr Inen gefurt hot, gelden und betzalen muß;
                            hot ers nicht zu betzalen, so mussen es seine burgen gelden und zalen
                            ane alle außrede. Auch who der beklagte Inen widerumb beklagen wolde, so
                            mussen Inen die burgen zur widerklage gestellen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.4">
            <head>4. Wie der Vorstandt und Caution bestalt wird.</head>
            <p>
              <pb n="fol.48.b"/> Die Caution wirt in burglichen und auch in peinlichen
                            sachen bestellet, wen sie der beklagte begert und fordert.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.5">
            <head>5. Caution in Burglichen Sachen.</head>

            <p>Wen der beklagte in burglichen sachen diesen vorstandt fordert, so mus
                            Ime der kleger denselben entzweder mit burgen ader mit pfande ader, who
                            ehr dero kaines vermoechte, mit geschwornem elenden aide thuen<note n="41.b">1. mit burgen. 2. Mit pfande. 3. Ader mit geschwornem
                                elenden eihde.</note> und bestellen.</p>

            <p>Who sie aber der beklagte nicht fordert, so ist auch der kleger die zu
                            bestellen nicht schuldig<note n="41.c">Cautiones possunt tacite
                                omitti.</note>; den der Richter hot seines amptshalben hierinne
                            nichts zu erfuellen oder zu supliren.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.6">
            <head>6. Caution in peinlichen Sachen — usus et practica satisdandi in
                            criminalibus.</head>
            <p>
              <pb n="fol.49.a"/> Es wirt gemainigklich gebraucht, who der kleger einen
                            zu leib und leben peinlichen anklagt ader zu peinlichen rechten setzen
                            lest, das der selbe klaeger auf eine Summa geldes verburgen mus und also
                            die Caution und vorstandt mit burgen bestellen, nemblich dorumb, das
                            klaeger, wo er die peinliche rechtfertigunge nicht ausfueren ader dem
                            rechten folge thuen wuerde und die geklagte missetadt ader aber redliche
                            und genugksamme antzeigunge und vermuttunge derselben in zimlicher zeit,
                            die man Ime von gerichts wegen ansetzen wuerde, nicht dermossen
                            beweisete, recht und gerichte vor genugksam erkendten ader sonste im
                            rechten felligkh erkandt wuerde, als danne die Expens und gerichts
                            koeste, so dorauf gangen, auch dem beklagten umb seine zugefuegte
                            schmach und schaden abtragkh thuen will, alles noch burgerlicher
                            erkenndtnis, und dieser brauch ist wol zu halten.</p>

            <p>Viewol die Recht setzen und wellen, wo der kleger burgen nicht hette und
                            in dem gerichte genugksam nicht besessen wehre, das ist, wen ehr
                            unbewegliche guetter nicht hette, so sal ehr mit geschwornem elenden
                            Eide gleich wie in burglichen Sachen zugelossen werden. Dann wen der
                            Kleger <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s042.jpg"
                n="42"/> nicht
                            Burgen weder Guetter hette, wie wolte er die verpfenden? Nu wirt doch
                            ein jeder mit dem vorstandt und geluebde zugelossen, die ehr vermagkh,
                            domitte ehr umb seine gerechtigkait nicht komme. Solchs pflegen auch die
                            Scheppenstuole zu sprechen.<note n="42.a">Consuetudo
                            scabinorum.</note>
            </p>
            <p>Jedoch dringt man vor allen dingen aufs hefftigste auff burgschaft,
                            domitte sich der kleger umb burgen bemuehe.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.7">
            <head>7. Forma des Elenden eides.
                            
              <!-- Vgl. die Formel des elenden Eides betreffend die Widerklage, bei Wendroth, a. a. O., S. 103.-->
            </head>
            <p>
              <pb
                n="fol.49.b"/> Ich N. schwere gothe dem almechtigen, das ich noch
                            gehabtem vleiß weder burgen noch pfandt zum vorstandt bekommen noch zu
                            wege bringen kan, und bestelle derwegen solchen vorstandt mit diesem
                            meinem elenden eide, dem selben noch zu kommen und zu halten, wie recht
                            ist, so ware als mir got helffe und alle seine heiligen.<note n="42.b">Forma iuratorie Cautionis super credulitat. De quo per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Ioan. And. in addi. Specu. in tit. de
                                satisdatio. in § 1. in ad. 1 versic. adde et primam. et per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bald. et Paul.de Cast. in leg. 1. ff.
                                qui satisdare coguntur, et per eundum 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Bald. in Authen. generaliter in 2. col. versic. nota, quod iuratoria
                                cautio 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de epi. et cle.</note> Und
                            dieser aid ist alßo genugk zum vorstandt; dan die Recht wellen, das die
                            eide so viele mueglich sollen gemindert und vermieden werden, dorumb das
                            ehs geverlich ist, von dem gerechten ader unschuldigen den eid zu
                            nehmen.</p>
            <p>Ut 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> in cap. etsi Christus [FN. 2: Extra] de
                            iure iurando: Scripsit enim Jacobus apostolus in sua
                            

              <!-- Noch kein Digitalisat --> cano. cap. V.: Nolite iurare neque per
                            celum neque per terram, sed sermo vester sit: est, est, non, non.<note n="42.c">Iuramenta debent per Iudicem minui; periculosum est eciam a
                                iusto exigere iuramentum.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.24.8">
            <head>8. Wer den Vorstandt nicht bestellen darff.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.50.a"/> Allhie merke: Who der klaeger in dem Gerichte mit
                            unbeweglichen guettern genugsam besessen und auch vormales, wie
                            gebreuchlich, in dieser sachen bei gerichte genugksam zum Rechten
                            verburget hette<note
                  n="42.d">Ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 5">Landt. l.
                                    II. art. 5</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 9">art. 9 in
                                    text</ref>, et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 34">gloss. pe. et l. I.
                                    art. 34 in gloß.</ref> et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 67">art. 67 in
                                    glos.</ref> et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. III. art. 18,
                                    <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=96">Weich. art. 23 in glos.
                                    colum. 8 versic. Sprecht den frau.</ref> et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=130">art. 34 in text. et
                                glos.</ref>
              </note>, so bedarff ehr den geforderten vorstanndt und
                            Caution nicht thuen noch bestellen; dis vernim, who ehr solchs in seiner
                            Replica gruendtlich furwendet.</p>

            <p>Und diese zwaihe worthe "genugksam besessen" mustu verstehen: so hoch
                            sich ein wergelt und die gerichts kosten und schaeden ungeverlich
                            erstrecken moegen; und also pflegen auch die Scheppenstuole gemeinlich
                            zu sprechen. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s043.jpg" n="43"/>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.25">
          <head>Art. XXV. Von der Gewehre der Clage.</head>
          <div xml:id="NA.25.1">
            <head>1. Worumb sie eingefurt. — Utilitas guarande.</head>
            <p>
              <pb n="fol.50.b"/> Die Sachsischen recht haben die gewehre der klagen dem
                            beklagten zu gutte eingefurt, als nemblich dorumb, das ehr doraus
                            zweierlei woltat entpfenglich ist, wie folget.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.2">
            <head>[Art. XXV 2]</head>
            <p>2. Die erste woltadt ist diese<note n="43.a">Effectus guarande: Ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 15">Landt. l. II. art. 15.</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 14">l. III. art. 14 in text et glos.</ref>,
                                    <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 63">l. I. art. 63</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 14">l. II. art. 14 §. wer da</ref>, <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=96">Weich. art 23 in glos. col. 12
                                    vers. Ihr soldt wissen</ref> et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=141">Weich. art. 40 in glos.
                                    fina.</ref>
              </note>, das der kleger dem beklagten die klage
                            dermossen gewehren mus, who inen ein ander umb diese sachen ins recht
                            ziehen und beklagen wolte, das ehr Inen vertrehten mus und hot also die
                            gewehre in diesem vhalle die wirkunge der eviction.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.3">
            <head>[Art. XXV 3]</head>
            <p>3. Die andere woltadt ist diese, das der kleger noch bestalter ader
                            gelobter gewehre die klage nicht hoeheren noch besseren und also den
                            beklagten mit verenderunge der klagen nicht umbtreiben magkh, und in
                            diesem vhalle hot die gewehre die wirkunge der bevestigunge des
                            krieges.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.4">
            <head>[Art. XXV 4]</head>
            <p>4. In was Sachen die gewehre bestalt wirt [fehlt obgleich im Register
                            angeführt].</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.5">
            <head>5. Wie die Gewere in burglichen und auch in peinlichen sachen bestalt
                            wirt.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.51.a"/> Die gewehre der klagen wirt in burglichen und auch in
                            peinlichen sachen bestelt in dieser gestalt, wie folget: Nemblichen und
                            also, das der kleger stehende vor gehegter bank mit handt und mundt
                            angloben mus, dornoch erst verburgen ader mit alle seinen habe und
                            guettern verpfenden, ader wo er dero kaines vermoechte, mit geschwornem
                            eide thuen und bestellen, das er die stehte und veste, wie recht und
                            ubelich, halten welle<note
                n="43.b">Ut in locis preallegatis.</note>,
                            und hot keinen andern underscheidt in burglichen und auch in peinlichen
                            Sachen; und solchs wirt auch in urteilen der scheppenstuole Magdeburgk
                            und auch Leiptzigkh gehalten<note
                n="43.c">Consuetudo scabinorum
                                Magdeburgensium.</note>, das ein jeder mit vorstandt ader gluebde
                            zugelossen wirt, die ehr vermagkh. Daun es stehet in der wahle des
                            klaegers, das ehr ime under diesen dreihen kiesen und erwelen magkh,
                            welchs ehr wil. Dan wen ehr der guetter nicht hette ader aber, ap er sie
                            schone hette und wehren sonste andern leuthen verschrieben, verpfendet
                            ader verpohten, wie wolde ehr die denne weither verpfenden, und dorumb
                            wirt jeder mit burgschafft oder mit dem eide seines gefallens, die ehr
                            vermagkh, zugelossen. Und wen auch der beklagte dortzu bewilligte, das
                            der kleger nur schlechts angelobte, ader Ime die gewehre gar <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s044.jpg" n="44"/>
                            nochliesse, so sein es die hern rechtsitzer auch zu friede und lossen es
                            gescheen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.6">
            <head>6. Forma und Prozes in bestellunge der gewehre vor gehegter
                            banck.
              <!-- [Vgl. Bresl. Form. bei <ref target="">Wendroth, a. a. O., S. 78 — die Formeln nahezu gleich.] -->
            </head>
            <p>Wan nun klaeger und auch beklagter vor gehegter banck, beide mit iren
                            procuratoribus, erscheinen und ire sache der nodturfft noch furbringen
                            bis zu angreiffunge der gewehre, so hebet des klaegers Procurator an und
                            fragt in gehegte banckh, wie folget: <lb/>
              <hi rend="center">Procurator.</hi>
              <lb/>
              <pb n="fol.51.b"/> Her foyt und erßamen weisen lieben hern. Ich
                            froge zu Rechte, wie N. als kleger die gewehre bestellen sal. <lb/>
              <hi rend="center">Andtwort oder sententia.</hi>
              <lb/>Mit auffgehobenen fingern, mit handt und mit mundt und beweglicher
                            zungen. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator.</hi>
              <lb/>Her Foyt und erßamen hern, mag ichs bekommen, das ich meinem part
                            aufhelffe, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Ihr bekombt es. <lb/>Item so nimbt der Procurator dem kleger die
                            rechte handt und lasset Inen zwene finger auffheben und frogt: <lb/>
              <hi rend="center">Procurator.</hi>
              <lb/>Her foyt und erßamen hern, Ich froge zu rechte, habe ich Ime
                            aufgeholffen, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Jha, Ihr habt Ime auffgeholffen, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Anglobunge.</hi>
              <lb/>So spricht der kleger: <lb/>Ich N. thue alhie die gewehre auff
                            alles dasto recht ist und globe, sie stehte und veste zu halten, wie
                            recht ist (der Procurator stabet ime die gewehre fur). <lb/>Der
                            Andtworter mus auch zwene finger aufheben und sagen: <lb/>Alhie entpfahe
                            ich die gewehre und globe, die stehte und veste zu halten, wie recht
                            ist. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator des klegers.</hi>
              <lb/>
              <pb
                n="fol.52.a"/> Her foyt und erßamen hern, magk ichs bekommen,
                            das ich meinem part wider abhelffe, wie recht ist. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s045.jpg" n="45"/>
              <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Ihr bekombts. <lb/>Desgleichen sol der procurator des beklagten
                            auch thuen. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator des beklagten.</hi>
              <lb/>Her Foyt und erßamen hern, Ich froge zu rechte, ab kleger die
                            gewehre nicht bevestigen sal, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Ehr bevestet sie billich, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator des beklagten.</hi>
              <lb/>Her foyt und erßamen hern, Ich froge zu rechte, wie ehr sie
                            befestigen sal. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Mit burgen, mit pfande ader mit dem eihde. <lb/>Item alhie so magk
                            Ime der kleger kiesen under diesen dreihen, was er wil. Allhie vernim,
                            who es der beklagte bei der schlechten anglobunge des klegers, wie obene
                            gehort, bleiben lest, so lossen es die hern rechtsitzer auch gescheen.
                            <lb/>Nota: Kieset Ime kleger den eidt, so nimbt Ime sein procurator die
                            handt und hielfft Ime auf, wie obene noch der lenge gehort. <lb/>
              <hi rend="center">Juramentum.</hi>

              <lb/>Ich N. N. schwere zu gothe dem almechtigen, das ich die gewehre
                            stehte und veste halten wil, wie recht ist, als mir godt helffe und alle
                            seine heiligen<note n="45.1">In L. folgt auf "helfe": und sein heiliges
                                Evangelium — auch im Olmützer Kodex so geändert, dahinter steht aber
                                von noch späterer Hand dazugesetzt: "das ist dorzu gekhlept von dem
                                Ketczer".</note> (Der Procurator stabet ime den aidt fur.) Alhie
                            hilfft Ime der Procurator widerumb abe, wie obene gehort. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator des klegers.</hi>
              <lb/>
              <pb n="fol.52.b"/> Her foyt und erßamen weisen hern, Ich froge zu
                            rechte, hot N., mein part, die gewehre bestalt, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Jha, ehr hot sie bestalt, wie recht ist. <lb/>Desgleichen sal der
                            procurator des beklagten auch thuen und frogen, ob sie sein part auch
                            entfangen habe, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Ja, er habe sie entfangen, wie recht ist. <lb/>
              <hi rend="center">Procurator des klegers ader des beklagten.</hi>

              <lb/>Her foyt und erßamen hern, Ich froge zu rechte, moechte ichs
                            bekommen, das ich die gewehre vertzeichnen liesse in das glaubwirdige
                            Scheppenbuch auf alles dasto recht ist. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s046.jpg" n="46"/>
              <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Ihr bekombt es. <lb/>Item der kleger und der andtworter, ein jeder,
                            mus geben die gewehre zu verzeichnen 1 gr.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.7">
            <head>7. Noch bestalter gewehre die klage nicht zu endern.</head>

            <p>Und wen also die gewehre bestalt ist, es sei in peinlichen ader in
                            burglichen sachen, so muß es der kleger bei der angestalten klage
                            bleiben lossen, und wirt das allergeringste dovon zu endern nicht
                                zugelossen<note n="46.a">Speciale iurris Saxonici: Vor bestalter
                                gewehre magk der kleger seine klage endern und dornoch nicht, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. I. art. 68 in tex. et
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. III. art. 14 in tex. et glos.;
                                    <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=141">Weich. art. 40 in tex. et.
                                    glos.</ref>
              </note>; und who der kleger uber dis seine klage in
                            der Replica ader sonste enderte, domitte rueret ehr die gewehre und felt
                            domitte in die peen und straffe des rechten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.8">
            <head>8. Wen die gewehre gerurt, wie beklagter sich halten sal. — Petitio
                            condemnationis in penam guarande.</head>
            <p>Item wehr also in diesem vhalle die gewehre rueret, so hot beklagter in
                            seinem einbrengen zu bitten und zu erkennen lossen, ob nicht beklagter
                            von der klage loes und ledigkh erkant solle werden ader was recht ist,
                            so kombt von rechte, das ehr zu diesem mohle von dem kleger frei, loes
                            und ledig ist; aber ehr (kleger) kombt mit verordneter wedtte und busse
                            widerumb zu seinem rechten, wie folget:</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.9">
            <head>9. Peen und straffe der gewehre in burglichen sachen. — pena.</head>
            <p>In burglichen klagen, wen der kleger die gewehre rueret oder bricht<note
                  n="46.b">Pena non servate guarande in civilibus, ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 15">Landt. l. II. art. 15</ref> et <ref
                target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 45">l. III. art. 45 §. den
                                    Schepffenbaren</ref> [richtig: deme scheppenbar.]</note>, so
                            verbuesset ehr dem part auf xxx schillinge, das sein xxx patzen<note n="46.c">Ein Schillingk ist 12 pffennige, ut in
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> glos. l. III., art. 45 et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=151">Weich. art. 47 in glos. colum.
                                    4</ref>.</note>, und mus dem her foyte zur wedte geben VIII
                            schillinge, das sein VIII patzen, domitte kombt ehr widerumb zu seinem
                            rechten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.10">
            <head>10. Peen und straffe der gewehre in peinlichen sachen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.53.b"/>. Aber wen der kleger die gewehre in peinlichen sachen
                            rueret ader bricht, so ist seine busse noch peinlicher art die handt,
                            domitte ehr die gewehre gelobt hot, ader sein halb wehrgelt, und das ist
                            zu vernehmen: wen die klage ist umb todtschlagkh, lembnis und wunden
                            etc. Wer wolte nicht lieber das halbe wergelt<note n="46.1">Nach einem
                                Urteil von 1560 (s. 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Prásek a. a. O.
                                s. 236) galt das halbe Wergeld fünf Pfund feines Silber. S. auch
                                    <ref
                target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=Koenig%2CProz.Gregorii+1599&amp;fs=S.+295">Ch. König, Ausg. von Prietzen 1599, s. 295</ref>.</note>
                                geben<note n="46.d">Pena in Criminalibus fracte guarande,
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> l. II. art. 15 in princ.</note>, dan
                            die handt verlieren, und <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s047.jpg" n="47"/> dorumb
                            so stehet es in der wahle des klegers, der die gewehre gerurt hot, ob
                            ehr geld geben ader die pein leiden wil.</p>
            <p>Exempli gracia: Womitte man die gewere rueret ader bricht. — mutatio
                            libelli qualiter fiat.</p>
            <p>I. Erstlich in der materien.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.11">
            <p>11. Als wen ich einen beklage, das ehr mir XX fr. schuldigkh sei, und
                            bestelle dorueber die gewere, und noch bestalter gewehre so endere ich
                            meine klage und sage, ich habe mich in meinen Registern geirret und ehr
                            ist mir XXX fr. schuldigkh: hiemitte ruere und breche ich die gewehre
                            und falle domitte in die peen und straffe der recht.</p>
            <p>I. in der Qualitet.<note n="47.a">De quo in lege in delictis <ref target="http://repertorium.at/ns/initia_codex_digesta_institutiones.html#D.9.4">§. sed [=si] detracta ff. de noxa.</ref>
              </note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.12">
            <p>12. Als wen ich einen schlechts beklage ane beweisunge und ane aidt:
                            bestelle ich die gewehre, Ich kan ime dornoch die klage auff die
                            gewissen nicht schieben noch endern, sonder ich mus also im wege des
                            gemeinen Rechten bleiben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.13">
            <head>[Art. XXV 13]</head>
            <p>
              <pb n="fol.54.a"/>. 13. Item als wen ich einen als einen auslandischen
                            man beklage: Ich endere die klage und sage, das ich Inen als einen
                            burger beklage.</p>
          </div>
          <div>
            <p>III. in der Forma.<note n="47.b">De quo plene per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bald. in addi., specu. in titt. ne
                                Cle. vel monachi versic. emendatur et 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                Bart. in l. edita C. de edendo et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 15">Landt. l. III. art. 15</ref>.</note>
            </p>
            <p>14. Als wen ich meine klage nicht formlich angestalt und ich welde sie
                            noch bestalter gewehre enderen und formlich furbringen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.15">
            <head>[Art. XXV 15]</head>

            <p>15. Item hette ich einen umb gewalt beklagt, Ich magkh Inen noch
                            bestalter gewehre umb den mordt nicht ansprechen.<note
                  n="47.c">Ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 14">Landt. l. III. art. 14 in glos.
                                    fin.</ref>, <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=141">Weich. art. 40
                                    in glos. fin.</ref>, <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 43">l. III. art
                                    43 in glos.</ref>
              </note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.16">
            <head>[Art. XXV 16]</head>
            <p>16. Item hette ich einen burglich beklagt, ich kan Inen dornoch in dieser
                            sache nicht peinlich beklagen. <lb/>Hienoch magk sich ein Jeder leichte
                            verner richten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.17">

            <head>17. Der weiber vormunden, machtleute ader procurator sollen die
                            gewehre globen vor die fraue.<note
                  n="47.d">De Curatoribus litis vide
                                    <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 47">Landt. lib. I. art. 47 in tex. et
                                    glos.</ref> et <ref target="/o:repat.initia-codex-digesta-institutiones#C.5.44">C. de in litem dan.
                                    tuto. vel curato. lege ad protegendum.</ref>
              </note>
            </head>

            <p>Der frauen vormunde (so Ihr von gerichtswegen zu der strittigen sache und
                            handel gegeben oder zugelossen wirt) sal auch die gewehre geloben für
                            sie und auch entpfahen und weither keine nodt dorumb leiden, den das ehr
                            der gewehre und warheit bekenne, wen er von rechts wegen dorumb gefrogt
                            wirt; den seine vormundtschaft oder anwaldschafft, die <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s048.jpg"
                n="48"/> weret
                            nicht lenger, den als das gerichte und recht weret; dan dieser vormunde
                            oder anwalt ist nicht mehr, den als ein fuerspreche der frauen, und <pb n="fol.54.b"/> zu gleicher weise als der fuerspreche ane schaden
                            bleibt, also bleibt dieser vormunde auch ane schaden, also das ehr nicht
                            leisten darff, das ist, wie oben gehort, wen man sie rueret, das ehr
                            dorumb nichtes leiden darff, sonder die fraue als die principalin.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.18">

            <head>18. Die rechten vormunden der frauen globen und leisten die gewehre
                            vor sie.<note
                  n="48.a">Vide <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 46">Landt. l. I.,
                                    art. 46 in tex. et glos.</ref>
              </note>
            </head>
            <p>Die rechten vormunden sollen auch die gewehre globen und entfahen und
                            auch leisten vor ire mundlen, das dorffen die gesatzten vormunden nicht
                            thuen, wie obene gehort.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.25.19">
            <head>19. Welchs rechte vormunden haissen.<note n="48.b">Veri tutores: Vide
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> lib. et art. ult. et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de procu. leg. tutorem et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de eo, qui per tuto. vel cura ne.
                                ges. leg. sua.</note>
            </head>
            <p>Und merke: Dis heissen rechte vormunden, als des weibes ehelicher man,
                            item des weibes ebenbuertiger nechster Schwerttmoge.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.26">
          <head>Art. XXVI. Von der Beweisunge der gezeugen.</head>
          <div xml:id="NA.26.1">
            <head>Weme gezeugen getailt werden, wie sich der halten sol — terminus
                            probationis.</head>
            <p>
              <pb n="fol.55.a"/> 1. Weme aus gehegter bank beweisunge ader zeugen zu
                            fueren zu fueren zuerkandt und getailt wirt, so sal sein procurator in
                            gehegte bank frogen, wie folget:</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.2">
            <head>Procurator. [Art. XXVI 2]</head>
            <p>2. Her foyt und erßamen weisen hern, ich froge zu rechte, in was frist
                            oder was zeit der meinige solche beweisunge oder zeugen einbrengen oder
                            furstellen sall.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.3">
            <head>[Art. XXVI 3] Sentencia.</head>

            <p>3. Was innerhalbe des Landes ist, in viertzehen tagen, und was außerhalbe
                            des landes ist, in dreihen viertzehen tagen, von Rechtes wegen.<note n="48.c">
                <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 62">Landt. l. II. art. 62</ref>.
                                    <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=176">Weich. art. 75</ref> et
                                    <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 21">l. III. art. 21 in glos.
                                    media</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 82">art. 82 in
                                    glos.</ref> et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=182">Weich. art
                                    86.</ref>
              </note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.4">
            <head>[Art. XXVI 4]</head>
            <p>4. Die Zeugen sein in einem andern koenigreich. <lb/>Nota: So die Zeugen
                            in einem andern koenigreich wehren, so bekombt ehr die frist: drei mohl
                            drei viertzehen tage.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.5">
            <head>5. Der Zeugenfuerer nimbt ime balde einen tagkh.<note n="48.d">Nota:
                                Dis magkh balde vor gehegter bank gescheen.</note>
            </head>
            <p>
              <pb
                n="fol.55.b"/> Item so der Zeugenfuehrer seine Zeugen in der Stadt
                            beihendigkh hette und wolde domitte nicht seuhmen, so magkh ehr balde
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s049.jpg" n="49"/> auff
                            unverwandtem fusse in kegenwart seines widerparts einen tagkh ernennen,
                            wen ehr sie furstellen welle, und solchs wirt Ime gemeinigklich
                            zugelossen, sonste muße ehr zu dem selben tage sein widerpart dortzu
                            citiren lossen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.6">
            <head>6. Verßeumunge der zeit, zeugen fur zu stellen.<note
                  n="49.a">Dictum
                                est singulare Inno. in cap. cum in tua dioc., que est pe. in fin. [=
                                Extra] mat. accu. poss. et ibi per Abb.: Quod terminus probatorius
                                sit peremptorius et sic exclusivus, sive de iure communi, sive
                                municipali vel consuetudinario, statutus sit. Et leg. in pecuniariis
                                et ibi docto. ff. de dila. [= de feriis et dilationibus] et leg.
                                oracione [= eadem oratione] in prin. in versic. amplius quam semel,
                                ubi habes octo ampliaciones et 6 limitaciones predicte regule et
                                arg. l. ob commissa C. de. adult. [= ad legem Juliam de adulteriis]
                                Nam termino ad probandum elapso secundum communem opinio. docto.
                                amplius quis non auditur, ut <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 62">Landt. l.
                                    I. art. 62</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 21">l. III. art.
                                    21 in glos. media</ref> et <ref
                  target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 83">art. 83
                                    in glos.</ref> et <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=182">Weich.
                                    art. 86</ref>.</note>
            </head>

            <p>Alhie ist zu merken, das der, so beweißunge fueren sal, achtunge haben
                            mus, das ehr die in gebuerlicher zeit und frist des rechtens (wie obene
                            gehort) verfuere. Den wen ehr das nicht thut und die zeit verscheinen
                            lest, so wirt ehr dornoch nicht mehr zugelossen; es were den die
                            verßeumligkheit aus dem Richterlichen ambte furgefallen, so koende es
                            ime keinen schaden brengen. Ader das ehr doran sonste aus einer
                            redlichen und bewerlichen urßachen verhindert worden wehre<note
                  n="49.b">ut <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. II 7">Landt. l. II. art. 7</ref>,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Lehen. cap. 24, <ref
                  target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=151">Weich. art. 47 in glos.</ref> et
                                    <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. I 38">l. I. art. 38</ref> do redet ehr von
                                der ehafft, hoc est de legittimo impedimento ...</note>, als den
                            wuerde er noch verschiener zeit mit seiner beweisung gehort und
                            zugelossen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.7">
            <head>7. Von der furstellunge der gezeugen.</head>

            <p>Der part, der beweisunge fueren sal, der mus innerhalb der frist der
                            beweisunge, die ime aus gehegter banck zugetailt ist, seinen Widerpart
                            auf einen nambhafftigen tagkh <pb n="fol.56.a"/> zu erscheinen (mit
                            gunst und zulossung des her voigten) durch den gerichts diehner citiren
                            und laden, zu sehen und hoeren die gezeugen furzustellen und schweren
                            und anzunehmen.</p>
            <p>Nota: Dis ist zu vernemen, wo sie vor moles keinen ernenten tagkh zu
                            fuerstellunge des beweiß haben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.8">
            <head>[Art. XXVI 8]</head>
            <p>8. Und diese Citacio ist endtlich und peremptorie<note n="49.c">Citari
                                debet, contra quem producuntur testes, alias actus nullus est, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> extra cap. 2 et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. significavit, de
                                testibus.</note>, also ob der geladene aussene, bleibt, das nichts
                            desto weniger mit der fuerstellunge, schweren und annehmunge der
                            getzeugen verfahren wirt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.9">
            <head>9. Process in fuerstellunge der zeugen.</head>

            <p>Wan nun der Zeugenfuerer mit seinen zeugen und auch sein widerpart auff
                            bestimbten tagkh vor gehegter banckh erscheinen und ire preambulum
                            machen, so spricht des Zeugenfuerers Procurator: <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s050.jpg" n="50"/>
            </p>
            <p>
              <hi rend="center">Procurator.</hi>
              <lb/>Her foyt und Erßammen weißen hern, vergoennet N. meinem principal
                            abzutreten, auf das ehr die zeugen magkh furstellen und benennet sie mit
                            Iren nahmen. <lb/>
              <hi rend="center">Sentencia.</hi>
              <lb/>Man vergahn es Ime. <lb/>
              <pb n="fol.56.b"/> Alhie triedt der
                            zeugenfuerer abe und stellet die gezeugen auff ein saidte vor gehegte
                            banck, nicht who die procuratores stehen, sonder auf die ander saidte
                            kegen dem her foyte. und triedt dornoch mit gunst und erlaubnis widerumb
                            zu seinem procurator, und es spricht sein procurator weither, wie
                            folget: <lb/>
              <hi rend="center">Procurator.</hi>

              <lb/>Her foyt und erßammen weißen hern, die weile den nun N. mein
                            Principal diese (Erßamen) (oder Erbaren) etc. leuthe vor gehegte banck
                            furgestellet hot, so beschuldigt ehr sie umb ein bekendtnis der warheit,
                            was inen wissende ist umb etc., das sie wolden die rechte warheit
                            aussagen, niemandts zu liebe noch zu leide<note n="50.a">Weißartickl:
                                Ist nicht anders, den die beschuldigung der zeugen umb ein bekendnis
                                der warheit.</note>.</p>
            <p>Nota: Alhie magkh der procurator anzeigen die weißartikl, die ehr mit
                            denselben leuthen zu beweißen vermaint; dis vernim, who der artikl wenig
                            sein, als einer, zwehne ader drei, so magkh sie der procurator wol
                            mundtlich furwenden. Who aber der weisartikl mehr sein, so ist besser,
                            das sie der procurator schrifftlich auff einer zedtl in gehegte banckh
                            lege, und dis ist fur den zeugenfuerer und auch vor die hern
                            rechtsitzer, domitte in dem verhoere nichts aussene gelossen, auch
                            niemandts verkuertzt wuerde.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.10">
            <head>10. Worumb die beschuldigungkh der Zeugen geschicht.</head>

            <p>Und das ist dorumb, who das nicht geschech, das der zeugenfuerer in
                            seiner beschuldigungkh gar kainen artikl antzeigte ader <pb
                n="fol.57.a"/> einlegte, dorauff die Zeugen ire aussage thuen solden, so hette noch
                            moles das ander part dorwider zu excipiren und den process des Gerichts
                            als nichtigkh zu bereden<note n="50.b">Articulorum copia mittitur parti
                                adverse, ut per 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in titt. de
                                testi §. nunc videndum in ver. horum eciam articulorum,
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Inno. in cap. per tuas extra de
                                test.</note> laudt und Innhalt beschriebener recht.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.11">
            <head>11. Wie die Beschuldigungkh oder weißartickl gestellet sein
                            sollen.</head>

            <p>Es muessen auch die weißartickl aus dem Inhalt und intent der klage
                            getzogen sein<note n="50.c">Articuli debent esse certi et non obscuri et
                                debent continere intencionem libelli et factum ipsum:
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Secundum not. glos. in verbo absque
                                racionabili in cap. 2 [Extra] de confessis et per
                                

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Ioan. And. in addi. Spec. in tit. de
                                test. in §. nunc videndum a nobis in addi. mag. etc.</note>, auch
                            klare, gewisse, nicht tunckel noch weitleuffigkh <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s051.jpg"
                n="51"/> sein,
                            auch woerther in sich haben, die ettwas bekennen.<note n="51.a">Debent
                                enim articuli formari per verba affirmativa — ut in
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. bone et l. et no., eciam
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> glos. in verbo per reum naturam
                                [Extra], 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> de electio. et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. quoniam contra [Extra] de proba.
                                — alias reiiciendi sunt.</note> Den ane das sal sie der Richter
                            nicht zulossen sonder verwerfen und zureissen und zum Zeugenfuerer und
                            seinem Procurator sagen: Ihr wollet die Zeugen mit klaren, gewissen und
                            kurtzen worthen und artickln beschuldigen, was Ihr von Ihnen vor ein
                            Zeugknis begert, doraus man sich richten kan, und sie formigklich
                            verhoeren, wie recht ist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.12">
            <head>12. Von den Interrogatorien und Fragstucken der Zeugen.</head>
            <p>Fragstucke sind fragen<note n="51.b">Interrogatoria (Fragestuck): Propter
                                duo enim inventa sunt huius modi interrogatoria, uidelicet ad
                                deprehensionem falsitatis et instructionem iudicis sive recipientis
                                testes. Ita notat. 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Ioan. And. in cap.
                                per tuas extra de testi in glos. 1.</note>, welche der part, wider
                            den die <pb n="fol.57.b"/> Zeugen gefurt werden, auff die beschuldigunge
                            ader weißartickl auch magkh furwenden und den hern foyt mit sambt den
                            rechtsitzern bitten, das sie die getzeugen auch aigendtlich dorauff
                            befragen wolden, das ist umb die urßache ires wissens und sonste umb
                            alle umbstende der sachen, und dieses wirt also einem Jeden zugelossen.
                            Dan who die hern Rechtsitzer dis underliessen und die getzeugen laudt
                            der furgewandten ader eingelegten beschuldigung und artickl und
                            fragstucken nicht befrogten, sonder fragten sie in ander wege, welchs
                            für sie nicht einbrocht wehre, so taugkh der getzeugen aussage
                            nicht.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.13">
            <head>13. Fragstuck sollen kurtz und lauter sein.</head>

            <p>Es sollen auch dieselben fragestuckh kurtz und lauther sein und den
                            weißartikl der beschuldigungkh gemeß<note n="51.c">De quo plene per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Specu. in titt. de teste §. jam de
                                interrogatoriis in versic. habita ergo etc.</note>, sonste haben sie
                            die hern rechtsitzer zu verwerffen und bei sich vor nichtigkh zu achten
                            und in der sachen fort zu procediren.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.14">
            <head>14. Forma der Fragestuckh.</head>

            <p>Her foyt und Erßammen weisen lieben hern, die weil N. mein widerpart die
                            (Erßamen) (oder erbaren) etc. leuthe zu gezeugen vor gehegte bank
                            furgestellet hot und von Inen ein bekendtnis der warheit begert, so
                            bitte ich auch herwiderumb euch erßamen hem, who die gutten hern (vel
                            leuthe) von der sachen was aussagen <pb n="fol.58.a"/> wuerden, das sie
                            E. weisheitten auch befragen wolden umb ursache ires wissens und umb
                            alle umbstennde etc.</p>
            <p>Zum andern: so wil ich mir zuvor behalten haben<note
                n="51.d">Protestacio
                                valde utilis et notandum.</note> hiemitte <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s052.jpg" n="52"/> alle
                            rechtliche nodturfft noch eroeffnunge der gezeugnis, es sei wider die
                            perßone ader ire aussage, in meiner Exception einzubrengen, nichts
                            ausgeschlossen, und bevehle also die verhoere E. w. und dem loeblichen
                            rechten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.15">
            <head>15. Die Zeugen schweren in kegenwart beider part<note n="52.a">Utraque
                                parte presente recipiuntur testes, nam citari debet pars ad
                                audiendum iurare testes.</note>
            </head>
            <p>Man sol die Zeugen schweren lossen in kegenwart beider part.<note
                  n="52.b">Item recipiendi sunt testes utraque parte presente, nun ut
                                audiant testimonia, sed potius testium iuramenta; ut <ref target="https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Corpus/CJ4.htm#4.20.19">C. de testi. l. si quando</ref>. Nam aliter non possunt
                                introduci, nisi persona, contra quam producuntur, sit absens per
                                contumaciam, quia tunc valet, ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                extra de testi. cap. in nomine domini.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.16">
            <head>16. Forma der Zeugen aidt.</head>

            <p>Ich N. schwere godt dem almechtigen, das ich in sachen N. als kleger an
                            einem und N. beklagten am andern tail belangende, dorumb ich vor gehegte
                            bank beschikt bin worden, die rechte warheit, worumb ich befragt werde,
                            aussagen wil, niemandes zu liebe noch zu leide, wieder durch
                            feindtschafft, noch durch freundtschafft, geld, gaben oder gunst. So
                            wahre als mir Godt helffe und alle seine heiligen.<note n="52.c">Ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> 3. q. 9. cap. hortamur et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> c. nullam ibidem et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> 14. q. 5. c. non sane.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.17">
            <head>17. Der Radthern eidt zum getzeugknis.</head>

            <p>Item alle die Rotherrn und seheppen dieser koniglichen stadt Olomuntz,
                            junkh ader alt, wen sie zeugknis vor gehegter banck geben sollen,
                            dieselben dorffen kainen sonderlichen aidt zu dem selben zeugknis thuen,
                            sonder sie werden verhort bei irehm zuvorgethanen aihde, domitte sie
                            Gothe und des Rathes ambt verbunden.<note n="52.d">Singulare privilegium
                                Senatorum. Additio: Solches hot auch ein ehrbarer Rath alhie in
                                Iudicio contradictorio erhalten etc.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.18">
            <head>18. Allhie lest man die parten hinaus endtweichen und die zeugen
                            werden verhort.</head>
            <p>Nach solchem proces, wie obene noch der lenge gehort, lest man die parten
                            alle hinaus entweichen und werden die zeugen, ein Jeder in sonderhait,
                            verhort.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.19">
            <head>19. Ein sehre schoene christliche ermanunge und erinnerunge den
                            gezeugen am ersten furzuhalten.</head>

            <p>Wan die Zeugen also beeidigt sein, so sollen der her foyt und die
                            Rechtsitzer die selben, jeden in sonderheit, in abwehsen der anderen
                            erfordern und Inen aldo zuvoran seines geschwornen eides auch der peen
                            des mainaides mit dieser nochfolgenden furhaltunge erinnern: <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s053.jpg" n="53"/>
            </p>
            <p>
              <pb n="fol.59.a"/> Zum ersten, das ein jeder falscher Zeuge fuernemblich
                            Goth den almechtigen, bei deme ehr geschworen hot, verachtet.</p>
            <p>Zum andern, das ehr auch die rechtsitzer mit fuergebunge der unwarheit
                            betriege.</p>

            <p>Zum dritten, das ehr die unschuldige partei unbillich und wider Godt
                            belaidige und beschwere.<note n="53.1">M. hat noch: zum viertten, wo er
                                die Wahrheit verschwiegen oder zue viell sagen werde und also seinen
                                eignen Gewissen unrecht thue, einen falschen eidt geschworen und
                                sein Seel dem Teuffel übergebe, den selten wirdt ein Eidt
                                geschworen, es wirdt ein Seel dardurch verloren.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.20">
            <head>20. Eine schoene vermanunge an die hern Rechtsitzer, wie sie die
                            Zeugen recht verhoeren sollen, getzogen aus den beschriebenen
                            goedtlichen Rechten.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.59.b"/> Wen nun solche erinnerunge, wie obene gehort,
                            nodturfftigklichen den Zeugen furgehalten worden ist, so soll alsdanne
                            einem jegklichen Zeugen die irrunge zwischen den parteien angezeigt, ime
                            auch die weißartickel furgelesen und zum aller vleissigsten von worthe
                            zu worthe erklaeret, und ferner auff jeglichen punct und derselben
                            fragestuecke in sonderhait der hauptsache und aller umbstende halben von
                            der Zeit und stadt, von sehen und hoeren sagen etc. wegen noch
                            gelegenhait einer jegklichen handlunge aigentlich befragt und sonderlich
                            die urßache seines wissens bei jegklichem artickl mit vleiß erfaren,
                            dorneben auch eines jeden Zeugen geberde und ertzeigen, auch seinen
                            standt und wesen eben angesehen und zuvorab, ab sich ein Zeuge in seiner
                            sage unbestenndigkh, forchtsam oder sonste verdechtigkh gehalten hätte,
                            und dornoch seine aussage mit besonderem vleiß ordentlich auffschreiben
                                lossen.<note n="53.a">Probantur hec omnia aperte in
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. cum causam [= penult.] de
                                testibus et de iure civili, in leg. solam C. de testibus. Causa
                                scientie per testem onmimodo iudicanda, alioquin dictum eius nullius
                                momenti erit. 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Leg. III. C. de
                                testibus et vide 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> legem qui testamenta
                                §. fina. versic. si vel sensu percipitur [= percipiat];
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> ff. de testamentis [= qui testamenta]
                                et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> lege testium Cod. de
                                testibus.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.21">
            <head>21. Eines jegklichen zeugen sage sol durchaus gantz beschrieben
                            werden.</head>

            <p>Und obgleich der ander Zeuge in aller mossen, wie der erste aussagt, so
                            sol doch der scheppenschreiber nichtsweniger desselben andern Zeugens
                            sage gleicherweiße, wie des ersten, von worthe zu worthe, auch von
                            mainunge zu mainunge, wie ehr das alles von dem Zeugen hoeret, <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s054.jpg"
                n="54"/>
                            abermoles ordentlich auffschreiben<note n="54.a">Practica examinacionis
                                testium. Item recepto predicto iuramento a testibus coram partibus
                                iudex cum uno solo teste ab aliis seperato recedat in aliquem locum,
                                quod nullus eos audiat, et singula dicta testis redigat in scriptis
                                per ordinem, vel redigi faciat per manum tabularii publici vel
                                alterius sapientis ad hoc specialiter deputati, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de testi. l. nullum. Item
                                interrogare debet iudex testem diligenter de omnibus, que faciunt ad
                                causam, per que possit melius elicere veritatem et de circumstanciis
                                diligenter inquirere s. de personis, de loco, de tempore, visu et
                                auditu, scientia et credulitate, fama et certitudine, et hec omnia
                                in scriptis redigi faciat, ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> extra
                                de testi. c. cum causam: <lb/>Res eadem tempusque, locus, persona
                                gradusque. <lb/>Hec sibi debebunt concordes reddere testes. [=
                                Hexameter]</note>; dan dieweile gemainigklich den parthen an
                            verhoere der Zeugen sage am meisten gelegen ist, und derhalben nichts
                            underlossen, sonder aller mueglicher vleiß furgewendt werden sal, welchs
                            alles an bescheidenheit der verhoerer mehrers tailes gelegen ist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.22">
            <head>22. Von dem getzwange der Zeugen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.60.a"/> Und so die Zeugen, welche also rechtlichen citirt und
                            gefordert werden, ire aussage zu thuen nicht furkommen und sich hierinne
                            widern und sperren<note n="54.b">Ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> extra
                                cap. cum contra et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> cap. seq. de testi
                                cogen. et <ref target="/o:repat.ssp-tabelle#LR. III 63">Landt. lib. III. art.
                                    63</ref>. Et ista potissima est racio, quia officium testis est
                                munus civile et publicum et mere personale, ad quod eciam inviti
                                coguntur, ut in 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> leg. si quis
                                magistratus ff. de mune. et hono. etc.</note>, die moegen dortzu,
                            auf das die warheit nicht underdruckt bleibe, getzwungen werden<note n="54.c">Grave est, impedire veritatem. Item Nota: egregie persone,
                                Erwirdige und alte personen, zu den selben magk von ehren wegen
                                geschickt werden und irer domitte verschonet, das sie nit selbst vor
                                gerichte stehen dorffen. Arg. 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> lege ad
                                personas egregias ff. de autoritate inest dignitas, ut per
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bal. in l. I. C. de advo. diver.
                                iudi.</note> als vermittelst einer peen, die eine obrigkheit dorauff
                            zu setzen hot, ader mit versperrunge seines Hauses ader schloffgemachs,
                            wie sonste breuchlich ist, alles noch erkendtnis der Obrigkheit; dan ein
                            jeder, der erfordert wirt, ist schuldigkh, zu sterke der warheit seine
                            aussage zu thuen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.23">
            <head>23. Von dem krancken Zeugen.</head>

            <p>Item who der Zeuge kranck und unvermuegens wehre, so sal der her Foyt und
                            zwehne herrn scheppen mit sambt dem Scheppenschreiber zue Ime geschickt
                            werden, domitte ehr sein zeugknis der warheit zu steur aussagt. Dorumb
                            ist es gar schweer und eine grosse sunde, die warheit zu verhindern und
                            dieselbe auff erfordern des Gerichts nicht außtzusagen.<note n="54.d">Testis enim, qui ut occultetur veritas, non vult comparere ad
                                testificandum. punitur criminaliter crimine stellionatus, et
                                civiliter tenetur parti vel reipublice, per actio, de dolo. Arg.
                                eorum que not. Cy. 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> C. de sepulch.
                                viola., Bald. circa materiam testium §. presbiteri, versic. deinde
                                vos videtis, 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in tracta. Bart.
                                testimoniorum et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Inno. in c. I. de
                                cri. falsi, 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Felinus in c. ex parte
                                decani, colum. VII. versic. Si diceres, fuit in dolo, <pb n="fol.60.b"/> et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> colum. IX.
                                versic. Intellege secundo, extra de rescriptis.
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Bald. in leg. presbiteri C. de Episc.
                                et cleri., ubi dicitur: Quod falsitas aeque in tacendo vernm,
                                perinde ac dicendo falsum committitur.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s055.jpg" n="55"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.24">
            <head>24. Von der eroeffnunge und publicirunge der Zeugen sage.</head>
            <p>Die eroeffnunge der Zeugen aussage ist hoch vonnoehten, den who das
                            getzeugknis nicht eroffnet wuerde, so koende auch der getzeugen fuerer
                            des nicht gebrauchen. Und dorumb wen die Zeugen verhorrt sein und die
                            part widerumb vor gehegte banck trehten und also keine Zeugen mehr
                            furzustellen haben, so moegen beide part ader aufs wenigste der
                            Zeugenfuerer durch seinen procurator bitten, das die aussage der
                            getzeugen eroeffnet werden, und solche eroeffnunge sal gescheen in
                            beiwesen beider part, es wehre dan, das eine part ungehorßamlich und
                            muttwilligkh aussene bliebe.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.25">
            <head>25. Forma eroeffnunge und publicirunge der Zeugen.</head>

            <p>Who der Zeugen aussage nicht viele sein, so hot der her foyt dem
                            Scheppenschreiber zu bevelen, das ehr die offentlichen in beider part
                            kegenwertigkheit verlese. Sein aber der aussagen viele, so magkh der her
                            foyt zu den parten sagen<note
                n="55.a">Des Her foyten rede horet zu
                                beide part.</note>: das sein die aussagen der getzeugen, die habt
                            fur eroeffnet, ader ich habe die als vor eroeffnet.<note n="55.b">Publicaciones testium debent fieri utraque parte presente vel per
                                contumaciam absente, ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in cap. cum J
                                et A de [Sententia et re iud.] re iud. Quoniam contumacia loco
                                presentis facit haberi contumacem, ut 
                <!-- Noch kein Digitalisat -->
                                extra de testi. c. in nomine domini et de offi. [Et not. jud.
                                deleg.] deleg. c. consuluit.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.26">
            <head>26. Von abschriefften der Zeugen sage.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.61.a"/> Wen nu das getzeugknis also eroeffnet ist, so magkh
                            der part, wider welchen die Zeugen gefurt sein, durch seinen procurator
                            in gehegte banck bitten (so ehr wil) umb eine abschrieft der zeugen sage
                            und umb einen termin zu ernennen, auff welchen termin oder tagkh ehr
                            seine nodturfft gegen und wider das gezeugknis, die perßonen, und auch
                            wider die form der verhoerunge etc. einbrengen und reden magkh<note n="55.c">Ut in 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> c. mos autem [Richtig:
                                mos est (?)] l. dist. et 
                <!-- Noch kein Digitalisat --> c. in
                                causis, de [Sententia et re iud.] re iudi., hoc est: extra.</note>,
                            wie ehr Ime denne bei seinen fragestucken, wie obene gehort, protestiret
                            und zuvorbehalten hot; dieses wirt Ime vergunst und zugelossen und auch
                            in der ubunge und practicen alßo gehalten. Und noch dieser seiner
                            exception und einbrengen wider die Zeugen wirt dem Zeugenfuerer auch
                            eine rede, defension und beschuetzunge seiner gefuerten Zeugen
                            zugelossen, und nicht mehr, sonder also von beiden parten zum rechten
                            beschlossen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.27">
            <head>27. Dem Zeugenfuerer wirt keine abschriefft geben.</head>

            <p>Es wirt dem Zeugenfuerer seiner Zeugen aussage und auch des widerparts
                            exception gar keinen außzugkh gegeben noch alt verhaltenem brauch dieser
                                stadt,<note
                n="55.1">1561 Jar, Donnerstag post Margarethe ist wieder
                                obgeschriebenen Artikel der Frawen Anna Paumann ihrer eigenen
                                gefurten Zeigen abschirfft, weil das Kegenpart darzu bewilliget und
                                die Frau Paumann solches auch dem Kegentheil zugestatten erbotten
                                hat, zu geben vergunstiget worden. Actum Domino Petro Lyschka Judice
                                (ist in L. u. M. zu lesen). Auch der tsch. Proc. beerkt (d. 27): daß
                                den Parteien bei größerem Umfang des Rechtsstreites auch weitere
                                Schriften zugelassen werden können.</note> und wen ehr schone dorumb
                                bittet.<note n="55.d">Contrarium conservatur et est iuri magis
                                consentaneum et aequitati consonum. [Am Rande von späterer Hand
                                geschrieben.]</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s056.jpg" n="56"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.28">
            <head>28. Exception wider die Zeugen.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.61.b"/> Wen nu der part, wider welchen die gezeugen gefurt
                            sein worden, seine exception wider die Zeugen und ire aussage etc. in
                            die feder tut, so wirt ime dornoch keine rede oder einbrengen mehr
                            gestattet: alleine dem Zeugenfuerer wirt eine defension und schutzrede
                            seinen gefurten getzeugen zu huelffe gestattet und zugelossen und
                            domitte zum Rechten beschlossen.<note n="56.a">Ut in locis supra
                                allegatis.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.29">
            <head>29. Des Zeugenfuehrers defension seiner Zeugen.</head>

            <p>Noch gethaner Exception magkh der Zeugen fuehrer in seiner defension, die
                            ehr auch in die feder bringen sal, die hern rechtsitzer bitten, das sie
                            seiner gefurten Zeugen aussage under des gerichts Sigille mit diesen
                            acten abfertigen wolden, und magkh ire aussagen, so viele ime
                            mueglichen, verandtworten und beschirmen und domitte endtlichen zu
                            rechte beschlissen.<note n="56.b">Post conclusionem nulla admittitur
                                exceptio vel allegacio facti, neque testis vel instrumentum. C. de
                                comp. iud. l. f. arg. [Extra] de testi. et de fi. instru. c. cum.
                                dilectus.</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.30">
            <head>30. Gruendtliche ursache, worumb die eroeffnunge der zeugen
                            geschicht.</head>

            <p>Die eroeffnunge der zeugen ist in sonderheit kegen dem taile, der die
                            eroeffnunge bewilligt, ein ausschlieslicher termin (Et sic terminus
                                exclusivus)<note
                n="56.c">De qua re vide in repertorio ad Felinum in
                                verbo "publicacio" et in c. veniens et 2. §. pars autem (?) extra de
                                testibus.</note>) gleich wie der termin der beweißunge, also wen der
                                <pb n="fol.62.a"/> zeugen fuerer, desgleichen das widerpart, noch
                            der eroeffnunge erkuendet und verstanden, was die zeugen außgesagt
                            haben, so wirt Inen weither Zeugen zu fueren nicht zugelossen, und das
                            aus dieser ursache, die weile der part die aussage waiß, so ist zu
                            befurchten, er moechte seine neue getzeugen underrichten und suborniren,
                            was sie zu huelffe und stercke der ersten getzeugen aussagen solten,
                            welchs die recht nicht leiden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.31">
            <head>31. Brieffliche urkunde werden zugelossen noch eroeffnunge der Zeugen
                            sage.</head>

            <p>Nach eroeffnunge der gezeugen werden brieffliche urkunden zugelossen, den
                            alhie hot es der subornation keine furchte und gefahr, jedoch das solchs
                            geschee, ehe danne wider die zeugen excipirt und zum rechten beschlossen
                            wirt; sonste wen die exception vom widerpart geschicht oder gescheen
                            ist, wirt ehr auch domitte noch alt herkomnen brauch nicht
                                zugelossen.<note n="56.d">Ut in l. officium ff. de rei vendica. et
                                not. in glo. super verbo exceptionem.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s057.jpg" n="57"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.26.32">
            <head>32. Von wider verhoerunge der gezeugen.</head>

            <p>Es werden offtemales noch eroeffnunge der Zeugen sage die getzeugen
                            widerumb von neues verhort<note
                n="57.a">Testis non reddens rationem
                                dicti sui potest repetí, ut reddat racionem, ut per lnnoc. in c. cum
                                clamor [Extra] de testi.</note>, als nemblich, wen die getzeugen von
                            den verhoerern auf unfleiß, auff einen ader mehr artickl, doran was
                            gelegen ist<note
                  n="57.b">Secundum <persName>Alberic de Rosa.</persName>
                                in l. solam C. de testi. et per <persName>Lanfranc.</persName> in
                                    <ref target="http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb00065488-4">c. quoniam contra [Extra] de proba. in verbo testium in versic.
                                    preterea</ref>.</note>, nicht genugksam verhort weren. Den die
                            weile sie auf dieselben artikl nicht genugksam verhort, so ist auch Ire
                            aussage dorauff nicht eroeffnet.</p>
            <p>Item who die zeugknis bei dem gerichte und rechte verloren worden were,
                            so mus man auch eine neue verhoere fuernehmen.</p>
            <p>Nun wehre von solchen fellen, dero sich eines tailes offte bei rechte
                            begeben, wol mehr zu sagen; weil aber dieser proces in seiner materia
                            sonste genugksam beschwert, derhalben wer dorfon mehr wissen wil, der
                            lese 
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Speculatorem und in sonderheit
                            
              <!-- Noch kein Digitalisat --> Marianum Soci. in C. fraternitatis,
                            [Extra] de testibus in 44 col. et col. sequen. et 53.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.27">
          <head>Art. XXVII. Von den Urteilen.</head>
          <div xml:id="NA.27.1">
            <head>[Art. XXVII 1]</head>

            <p>1. Es ist zu merken, das zwaierlei urteil sein, als nemblich beiurteil
                            und endturteil. <pb n="fol.64.a"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.2">
            <head> 2. Von dem Beiurteil.</head>

            <p>Ein Beiurteil wart zu Latein genandt: Sentencia interlocutaria und ist
                            ein solch urteil, welchs die gantze hauptsache nicht scheidet noch
                            endet, und werden also zwischen dem anfange und ende der sachen
                                gebraucht.<note n="57.c">Ita not. glos. in verbo diffinitiva in Cle.
                                l. de seques. poss. et fruct.</note> Es moegen von anfange bis zu
                            ende der sachen viele solcher urteil und auf einen jegklichen
                            einfallenden irßal und strit in sonderheit gesprochen werden, als wen
                            sich beklagter erkennen lest, ab er auf die angestalte klage zu
                            andtworthen schuldigkh sei oder nicht, ader ab er die Caution oder
                            gewehre zu bestellen schuldigkh sei, item ob weißunge ader Dilation etc.
                            sollen zugelassen werden oder nicht. Solchs alles und dergleichen wirt
                            durch beiurteil entschieden (Secundum iura vulgaria). und solche urteil
                            heissen beiurteil; dan sie schaiden oder enden die gantze hauptsache
                            nicht.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.3">
            <head>3. Dis woertlen "auff dis mohl".</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.64.b"/> Item wen das recht einen von dem gerichtsstande und
                            also ab instancia loeß tailet und endtbindet mit diesen worten (auff dis
                                <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s058.jpg" n="58"/> mohl),
                            solchs ist auch kein endturteil, sonder ein beiurteil. Den das urteil
                            schaidet die sache nicht, und dorumb magkh der part, wider den es
                            gesprochen ist, des rechtens sich widerumb gebrauchen etc.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.4">
            <head>4. Von dem endturteil. (Sententia diffinitiva.)</head>
            <p>Ein endturteil ist, das die gantze hauptsache und handel scheidet und das
                            in der sachen, dorinne es gesprochen, nicht mehr gesprochen wirt. Es kan
                            und magkh auch der Richter, der solch endturteil einmahl gesprochen hot,
                            dasselbe, es sei gerecht oder ungerecht, nicht mehr endern, sonder mus
                            es also, wie ers gegeben hot, unverkert bleiben lossen. Und wen es also
                            gesprochen ist, so hoeret von stund an sein richterlich ambt auff, also
                            das ehr in dieser sache nicht mehr richten kan, den alleine in den
                            anhengigen fellen, welche der hauptsache nachfolgen, als in den
                            gerichtskoesten, schaeden, Interesse etc. in diesen und dergleichen
                            vellen magkh ehr noch seinem endturteil richten und urtailen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.5">
            <head>5. Kain Richter ist schuldigkh die ursache ins urteil zu
                            setzen.</head>

            <p> [<anchor/> Und who es der Richter umbgehen kan, so ist es gut, das ehr
                            in seinem urteil kaine urßache setze, was Inen bewegt, das er den
                            beklagten verteilt oder von der klage loeß zehle. Den who dieselbe
                            urßache irrigkh und nicht bestendigkh wehre, so wuerde domitte das
                            urteil als nichtigkh beredt, wiewol sieben felle im rechten sein,
                            darinne der Richter die urßach ins urteil setzen mus, welche alhie
                            zusetzen das thuen verziehen wolten; wehr dorfon lesen wil, der suche:
                                <persName
                ref="http://repertorium.at/rhn/personen_rhn.html#Bernardus%20de%20Montemirato">Abb.</persName> in c. sicut nobis extra de senten. et re iudica.,
                            ubi dicitur: Quod omnia, que iudicem movent, non exprimantur etc., et
                            ibi in glos. pulch.<note n="57.1">Nach der
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Instruktion für das Prager
                                Appellationsgericht von 1644 (Art. 20) hatten auch die Untergerichte
                                "ihren Sentenzen rationes decidendi expresse
                            einzuverleiben".</note>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.6">
            <head>6. Ap der Richter noch seinen gewissen, ader wie es fur ime fur und
                            eingebracht wirt, richten sal.</head>
            <p>Das urteil sal und mus<note
                n="57.a">Ut in leg. illicitas §. veritas ff.
                                de offic. presid., c. licet Heli [Extra] de Simo.</note> den
                            gerichtlichen acten und den hendeln, wie die ins recht einbracht,
                            gleichmessigk gesprochen werden; den das urteil mus aus den acten
                                getzogen<note
                n="57.b">Ut in leg. 2. C. de sen. que sine cert. quan.
                                etc., qualiter et 2. in fine de accu.</note> und widerumb auff
                            dieselben gestellet und getzogen werden: den es ist ein toerlicher
                                richter,<note n="57.c">Ut in lege finali C. de fidei commissa.
                                lib.</note> der auf das, so for Inen ins recht nicht einbracht ist,
                            erkennet.</p>
            <div>
              <head>Eine frage, (questio).</head>
              <p>[<anchor/> Wie aber, wen der Richter furwar waiß, das sichs dermassen
                                nicht helt, wie fur Ime furgebracht und beweiset ist, sol ehr den
                                auch noch denselbigen acten sprechen, ader sich noch seinem gewissen
                                ader conscientien halten?</p>
            </div>
            <div>
              <head>Andtwort.</head>

              <p>Die neuen Canonisten halten gemeinlich, das in burglichen und
                                peinlichen sachen, es belange die verteilunge oder loeß tailunge, so
                                sol ein richter sich im urteil noch den acten und hendlen, wie die
                                fur Ime eingebrocht, halten; den die einbringunge der hendel und die
                                beweißunge geschieht ime als einem richter, nun richtet ehr als ein
                                richter und nicht als ein mensche. Und dorumb so gleich der richter
                                ein anders in seinem gewissen hot, den fur ime beweiset ist, das sol
                                ehr sich nicht irren lossen und dieselbigen gewissen ablegen und
                                sich noch den rechten halten, die do ordnen, das der richter noch
                                deme, wie furgebrocht, et sic secundum libellum, acta, producta et
                                probata, urteilen sal. Als denne richtet nicht der Richter wider
                                seine gewissen, den es sagt selbst der mundt der warheit: in zweihen
                                oder dreihen munden stehet alles getzeugknis.<note n="59.a">Deut(e)ro 19 [Vers 15], et 
                  <!-- Noch kein Digitalisat --> c. in
                                    omni. [Extra] de testi.</note>
              </p>
            </div>
            <div>
              <head>Nota in peinlichen sachen: der striedt inter doctoribus.</head>
              <p>[<anchor/> Aber die alten Cononisten halten<note n="59.b">In c. I. et
                                    glos. de offi. ord. [In VI.]</note> und wellen, das der richter
                                in peinlichen sachen seinem gewissen folgen sal, auff das ehr nicht
                                den unschuldigen vertaile und also wider die recht handle, die da
                                wellen, das der Richter den unschuldigen nicht verdammen sal, ut
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> in lege absentem ff. de penis et
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> Exodi XXIII: du solt den gerechten
                                und unschuldigen nicht tödten. Und dis vernim also: Who der Richter
                                waiß, das der beklagte unschuldigkh ist und der kleger beweiset doch
                                wider inen, das er die tadt begangen hot, alsdenne sol der Richter
                                den beklagten wider seine gewissen nicht verteilen und wider die
                                warheit. Den der Richter und sonste ein jeder sal der warheit folgen
                                und sal mit dem gerichte ruhen und vleissigkh aufmerken, ob ehr die
                                falsche beweisunge abwerffen moege, wie Daniel der prophet in der
                                falschen beweißunge wider Susannam tehte. Who er aber die falsche
                                beweisunge nicht abwerffen moechte, so sal er dennoch der warheit
                                folgen und den unnschuldigen loes tailen, welchs auch die goetlichen
                                recht also ordnen, den 

                <!-- Noch kein Digitalisat --> Esaie XI in
                                prin. sagt der text, das der Richter nicht, wie er hoeret und fur
                                Ime furgebracht wird, sonder noch der gerechtigkeit richten sal. Und
                                ist nicht gut, das der Richter in diesem vhalle einen andern
                                undersetze, den domitte gebe ehr urßache eines boesen, das nicht
                                sein sal. Den es sagt der Apostel, das sich einer nicht alleine von
                                dem boesen, sonder auch von allerlei gestalt des boesen enthalten
                                    sal.<note n="59.c">Ut in cap. cum ab omni malo [Extra], de vi.
                                    et ho. cle. et in c. veniens [Extra], de eo, qui cogno. consang.
                                    ux. sue.</note>
                <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s060.jpg" n="60"/>
              </p>

              <p>Herwiderumb wen der Richter waiß, das der beklagte der tadt
                                schuldigkh ist, und der klaeger kan das nicht genugksam beweisen, so
                                sal ehr Inen loes tailen noch den rechten, die do sagen: wen der
                                kleger nicht beweiset, so sal man den beklagten loes tailen.<note
                  n="60.a">Vt leg. qui accusare C. de eden.</note> Aber ehr soll
                                dennoch den beklagten nicht unschuldigkh erkennen, auf das ehr <pb
                  n="fol.66.b"/> auch domitte wider die warheit, die er waiß,
                                nicht handele, sondern die loeßtailunge sol von dem gerichtsstande
                                und also ab observacione judicii gescheen, also das ehr fuerder
                                moege peinlich beklagt werden.<note n="60.b">Ut in leg. properandum
                                    §. fin. C. de iudiciis.</note>
              </p>

              <p>In Summa Summarum zum beschlus dorfon zu reden, so ist der meiste
                                hauffen der doctores dorwider und liegen straks auff deme, das der
                                Richter sich sal im urteil noch deme, so ime furgebracht und fur ime
                                beweiset ist, halten, wie den auch die Ertzte timen, die sich noch
                                iren Canonen und Regeln richten, und obgleich der krancke stirbt, so
                                wollen sie endtschuldigt sein. Aber warlich, warlich sage ich, es
                                bedarff bei einem jeden richter ein vleissigkh und guttes auffsehen
                                und sich noch seinem mueglichen vleiß dorinne wol bewaren, domitte
                                ehr nicht mit dem urteil und mit sambt deme, der es findet, zum
                                teuffel fahre. Do ist den zeit, der seelen zu helffen und penitentz
                                zu thuen, wie <persName ref="https://de.wikipedia.org/wiki/Capistranus">Capistranus</persName>, der wirdige vater, Ordens Sancti Francisci,
                                gethan hot, welcher, do ehr seine gewissen in der zeit, als er
                                    <persName>koenigk Ladislai</persName> obrister Richter gewesen,
                                beschwert befanndt, das Richterambt ubergabe, die welt verlies und
                                ein heiliger grosser vater wardt, wie dorfon Pari. de Put. in suo
                                sind, in § sequitur modo notabilis quest. Von diesem ist genugkh
                                gesagt.</p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.27.7">
            <head>7. Von tailunge der Urteil in gehegter banck.</head>
            <p>
              <pb n="fol.67.a"/> Wen beide part furtrehten fur gehegte banck, sal von
                            den parten gebeten werden, das einkomne urteil zum ersten zuverleßen und
                            noch verleßunge desselben fernerr bitten, einen spruch zu thuen und zu
                            tailen, wehme es zu frohmen oder zu schaden kommen ist, und noch solcher
                            tailunge sal der gewinsthafte part bitten, solch urteil von wegen ewiger
                            gedechtniß in ein glaubwerdigkh Scheppenbuch zuschreiben, welchs ime
                            auch vergunst wirt.</p>

            <p>Und wen also das urteil getailt wirt und beide part dasselbe lieben,
                            loben und annehmen und nichts auf unverwandtem fusse dorwider
                            einbrengen, so kombt das urtel von Stundan in seine krafft<note
                n="60.c">De quo plene per Abb. et alios in rub. Extra de re
                            iudicata.</note>, welchs sonste erst noch verlauffunge zehen tage in
                            seine krafft kweme, das ist in rem iudicatam, das ist zu vernehmen<note
                n="60.d">Appellatio fieri debet infra decendium.</note>, das man
                            dornoch dorfon nicht appelliren kan. ut in Autentica hodie C. de
                            appella. ubi eciam Bart. in corpore, unde sumpta est, et c.
                            concertacioni eo. tit. in VI. et per gloss. notabi. in cle. sicut eo.
                            tit. in verbo a die. Adde et per iura, que adducit Bart. in Authen. de
                            appella. et infra que, col. III. § 1. constitu. 2. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s061.jpg" n="61"/>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.28">
          <head>Art. XXVIII. Von der Huelfe des Urteils.</head>
          <div xml:id="NA.28.1">
            <head>1. Die Huelffe ist vonnoeten.</head>
            <p>
              <pb n="fol.68.a"/> Es ist nicht genugkh, das das urteil gesprochen wirt,
                            sonder es mus auch vollendet werden, den sonste hette der part, deme es
                            zu gutte gesprochen, nichts doran, und dorumb ist nodt, das die huelffe
                            und execution hernach folge.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.28.2">
            <head>2. Forma und proces von der huelffe in persohnnlichen sachen.</head>
            <p>Die huelffe in einer persohnlichen sachen, hoc est in actione personali,
                            als wen einer zue einem um schulden, umb einer zusage, umb schaden, ader
                            umb sonste anders geklagt und das mit urteil erlanget hot, und wen das
                            urteil getailet ist, so sal der selbe part in gehegte bangkh durch
                            seinen procurator frogen, wie folget:</p>
            <div>
              <head>Procurator.</head>
              <p>Her foyt und erßamen weißen lieben hern, demnoch den N. mein part
                                seine sache kegen dem N. mit urteil und mit rechte erlanget und
                                gewonnen hot, so froge ich zu rechte, in was frist oder zeit ime N.
                                solch erlanget geld etc. zu stellen und erlegen sal.</p>
            </div>
            <div>
              <head>Sentencia.</head>
              <p>Bei Sonnen schein.</p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.28.3">
            <head>[Art. XXVIII 3]</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.68.b"/> 3. Nota: Alhie magkh auch der part balde umb seine
                            Expens und gerichts kost in gehegt dingkh frogen, ab ehr ime die selben
                            auch nicht zuerlegen und zuerstatten schuldigkh sei. Und dis ist zu
                            merken, das es von alters her bei diesen gerichten zu Olomuntz also
                            verhalten worden ist, das man aus gehegter banck schulden, schaeden,
                            Expens, gerichtskost etc. bei Sonnenschein zu betzalen tailet, und
                            dorfon ist nicht zu weichen.<note n="61.a">Stilus et practica iudicii
                                semper servanda sunt, leg. II. C. quemad. test. ape. et Bald. in
                                leg. cum clericis in fi. C. de epis. et cler. etc.</note> Aber die
                            beschriebenen Sachsischen recht geben zu den erlangten schulden etc. VI.
                            wochen und III tage frist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.28.4">
            <head>4. Wil Ime der part vertrauen.</head>
            <p>Wil Ime der part noch solchem gethanen spruche guttwilligkh vertrauen und
                            von gehegter banck abtreten und wegkgehen lossen, das stehet beie ime;
                            wil ers aber nicht thuen, so froge ehr in gehegte bank weither.</p>
            <div>
              <head>Procurator.</head>
              <p>Her foyt und erßamen weißen herrn, ich froge zu rechte, ab N. meinem
                                parthe die sache nicht genugksam vergwissen sal, ader was hierumb
                                recht ist.</p>
            </div>
            <div>
              <head>Sentencia.</head>
              <p>Er vergwissets ime billich, von rechts wegen. <pb
                  facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s062.jpg" n="62"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.5">
              <head>5. Hot ehr nicht burgen.</head>
              <p>
                <pb n="fol.69.a"/> Alhie merke. Hot er der Burgen nicht beihendigkh
                                und der part ime dornoch zu gehen nicht vertrauen wil, so bittet der
                                part den hern foyt umb den gerichts diehner, deme gibt ehr seine
                                gerechtigkheit, der vergwisset Inen mit der zucht, bis so lange ehr
                                ime gerecht wirt und betzalet.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.6">
              <head>6. Sitzet ehr in der zucht und hot mit parem gelde nicht zu
                                betzalen.</head>
              <p>Es ist der glaubiger nicht schuldigkh, seine betzalnnge in einer
                                anderen wahre, den mit parem gelde zu nehmen. Und das ist
                                zuvernehmen: wen der vertailte schuldiger par geld hot: hot ers aber
                                an parem gelde nicht und erbeut sich mit Pfande und geldes wert dem
                                glaubiger zu betzalen, so kan man Inen weither uber sein erbieten
                                mit der gefenknis nicht peinigen, es wehre den, das der glaubiger
                                bar geld beie ime oder anderswo, dasto sein wehre, gruentlichen
                                antzutzeigen wueste; who aber nicht, so hielfft ime der her foyt zu
                                des vertailten schuldigere guettern, wie hernoch folget.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.7">
              <head>7. Huelffe zu farender habe.</head>

              <p>Am ersten ist zu merken: wo der her Foyt helffen wil laudt
                                beschriebener Sachsischen recht und alt herkommenem brauch dieser
                                konigklichen stadt, so sal ehr am ersten helffen zu farennder habe,
                                nemblich zu der, die dem beklagten am wenigsten schaden tut, doch
                                nicht zu denen, die zu ackergebeuhe oder fur den teglichen gebrauch
                                des hauses des beklagten ader vertailten, seines weibes und kinder
                                geordent, sondern am ersten zu kandlen, schuesseln, bedtten,
                                kuessen, haußgerehte und des gleichen: item getraide, und was das
                                ist, das dem beklagten am wenigsten verhinderunge brengt an seiner
                                narunge. Hot er des nicht, ader ist sein nicht genugkh, so sal man
                                erst das vieh angreiffen und nemblich das, doran dem beklagten am
                                wenigsten schaden geschieht, als nemblich, wen ehr kalber, Ochssen
                                und kue hette, so sal ehr von ersten zu den kelbern, ochssen etc.,
                                ehe danne zu den melke kuehen helffen, und sal mit solcher farenden
                                habe gehalten werden, wie obene im <ref target="#NA.8.1">ersten tail
                                    dieses buohes in dem artickl von der Inventirunge und
                                    schatzunge</ref> noch der lenge geschrieben ist.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.8">
              <head>8. Huelffe zu liegenden gruenden.</head>
              <p>
                <pb
                  n="fol.70.a"/> Hot ehr aber nicht bewegende guetter, so sal man
                                verhelffen zu liegenden gruenden noch der Summa und antzal der
                                verteilten schuld. Doch mit dem bescheide, das man umb wenigk
                                schulden willen nicht ein groß gut angreiffe, sondern das geringste,
                                das also der glaubiger betzalunge doran erlangen moege. und sal mit
                                solchen liegenden grunden gehandelt werden, wie oben im <ref
                  target="#NA.10.1">ersten tail dieses buches im artickl von der
                                    Spaehnunge der liegenden gruende</ref> gesagt worden ist. <pb
                  facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s063.jpg" n="63"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.9">
              <head>9. Huelffe zu den bekendtlichen schulden.</head>

              <p>Wo ehr aber weder bewegliche noch unbewegliche guetter hot, so magkh
                                der herfoyt in subsidium, die Verweisung, die huelffe seines urteils
                                und also in seine gerechtigkheit und in die schuld, die der beklagte
                                stehen hot, thuen, also das die schuldiger, who sie der schuld
                                bekendtlich, an den kleger fur seine erlangte summa mit der
                                betzalunge verweiset werden. Und von dieser Forma der huelffe sagt
                                auch der <ref target="http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00039866/images/index.html?&amp;seite=120">XXVIII. artickl Weich.
                                    in pe. col. in tex. et glos</ref> et art.
                                
                <!-- Noch kein Digitalisat --> XXVII.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.10">
              <head>10. Von uberandtwortunge bei der handt.</head>
              <p>
                <pb
                  n="fol.70.b"/> Hot auch der beklagte oder vertailte gar kain par
                                geld, weder bewegliche noch unbewegliche guetter, dortzu auch keine
                                schulden, sonder ist gantz elende und arm, wen ehr also die recht
                                als nemblich VI wochen und III tage aussitzt in dem gefenknisse, so
                                gibt man Inen dornoch dem glaubiger bei der handt fur die schuld,
                                den schuldiger zu seiner arbeit zu gebrauchen, also das die arbeit
                                geschatzt und die schuld ime dorfur abgekuertzt werde; den man sal
                                niemandt umb geltschuld ewigklich gefangen halten.<note n="63.a">Hernach volget der aide, welchen der beklagte seinem glaubiger,
                                    ehe dan er ime bei der handt uberantwort wirt, tun muß. [Sowohl
                                    diese Note als auch die dazugehörige Eidesformel sind von der
                                    gleichen späteren Hand.]</note>
              </p>
              <p>Ich N. N. schwere got dem Allmechtigen, das ich die rechte Warheit
                                sagen wiel, daß ich die schuld, so ich dem N. nach laut seines
                                Schuldbrieffs schuldig worden bin. mit keinem bahren geld, noch
                                sonst mit beweglichen noch unbeweglichen guttern, auch daß ich bei
                                mir noch anders wo bei keinem Menschen von den selben wahren,
                                außgenommen welche ich vermelt, nichts hab, allein was ich alhie
                                auff gezeichneter schuld furlege, nicht zu bezalen vermag. Alß mir
                                gott helff und seine Heiligen. Und wen solches volbracht, so
                                procedirt man weitter, ut sup., wie obengesagt.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.11">
              <head>11. Beklagter hot in einem anderen gerichte guetter.</head>
              <p>
                <pb n="fol.71.a"/> Es begibt sich auch undterweilen, das der beklagte
                                in den gerichten, dorinne ehr antroffen und vertailt ist, nicht
                                guetter hot, dortzu man helffen moechte; in dem vhalle sal der
                                Richter oder foyt dem klaeger an jhenen foyt, dorunder der beklagte
                                guetter hot, schriefftliche kundtschafft und zeuknis geben, das vor
                                ime der beklagte in einer solchen Summa dem kleger mit urteil und
                                rechte verteilet und condemnirt ist, bittende, ehr wolle dem kleger
                                verhelffen zu einer solchen Summa an den guettern zu bekommen, die
                                der beklagte undter dem selben gerichte hot, und solche brieffe
                                haist man Executoriales. Auff solche schriefft ist jhener foyt
                                schuldigkh, huelffe zu thuen, dortzu ehr dem beklagten rechtlich
                                gebot, Citirung und verkundigungkh thuen mus etc.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.28.12">
              <head>12. Forma und proces der huelffe in dinglichen sachen.</head>
              <p>
                <pb
                  n="fol.71.b"/> Die huelffe in einer dinglichen sachen, hoc est in
                                actione reali, als wen einer zu einem hauße, gaerthen, aecker etc.,
                                liegenden gruenden <pb
                  facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s064.jpg" n="64"/>
                                und erbfahl geklagt und das im urteil wider den beklagten erlangt
                                hot, so hielfft ime der her foyt zu dem selben gutte, alßo das ehr
                                ime die einweißunge in das selbe gut tut. Und in diesem vhalle ist
                                nicht genugkh, das der beklagte dem kleger wolte pfandt geben ader
                                burgen setzen, das ehr den kleger betzalen wolte; den domitte machet
                                ehr eine neue sache und einen neuen kriegk, das ehr nicht thuen
                                darff, sonder sich gebuert, das der kleger koerperlich eingeweiset
                                werde.</p>
            </div>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.29">
          <head>Art. XXIX. Forma und procès auff die einweisunge in hauß, hoff, acker,
                        gartten, wiehsen, erbschafft etc.</head>
          <div xml:id="NA.29.1">
            <head>[Art. XXIX 1] Einweisung in heuser.</head>
            <p>Erstlich sal der her foyt mit den Scheppen und dem jhenigen denen man
                            einweisen sal, in das hauß ader auff die hoffestadt, ob do kein hauß
                            ist, gehen und sal jhenen bei der rechten handt nehmen und sal jhenen
                            leiten vor den Scheppen in das hauß ader auff die hoffestadt und die
                            Scheppen sollen ime nochgehen, und der foyt sal sprechen diese wort:</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.29.2">
            <head>Des her voigts rede.</head>
            <p>
              <pb
                n="fol.72.a"/> In diese gobe, die dir gegeben ist vor gerichte, (ader
                            in die erbschafft), die du durch rechtlichs erkendtnis erhalten host,
                            weise ich Dich ein, als Dir das urteil ertailet hot, und setze des die
                            Scheppen zu getzeugen und die andern dingkpflichtigen, das ich dich hie
                            in dieses gut, hauß, hoff und alles, was dorinnen ist, es sei farend
                            ader unfahrende, mit was nahmen das benendt werden maghk, eingeweiset
                            habe, als recht ist. So trit den dieser, der also eingeweiset worden
                            ist, vor gehegte banck und bittet den her foyt und Scheppen, das sie
                            dieser einweisunge halben seine getzeugen sein wollen, das ehr in das
                            gutt etc. eingeweiset sei worden, wie recht ist, und das solche
                            einweißunge in das glaubwirdige Scheppenbuch eingeleibt mochte werden zu
                            ewiger gedechtnis. und solchs mus der her foyt mit sambt den hern
                            Scheppen bei ihren gethanen eihden thuen und auch einzuschreiben
                            gestatten. Dornoch so gibt der selbe eingeweißte dem her foyte und
                            Scheppen seine schuldige pfennige, so ist ehr den volkommen an seinem
                                rechten.<note n="64.2">In L. u. M. folgt: Einweisunge, so das Part
                                auff Citirung fur Gericht nit gestehen wil und eigenwillig
                                außbleibt. In dieses Hauß, dieweil ihr ewer schult der 100 fl. Ungr.
                                und 10 Taller halben wieder Herr Sebastian Czandl seiner
                                eigenwilligen Contumatien und widerspenigkeit wegen den gerichten,
                                alhie geschehen, verhalten hat, weiß ich Euch ein, wie Recht ist,
                                biß zu volkomlicher bezalung ytzt gedachter ewer schulden sambt
                                darauf in dieser Sachen ergangenen gerichtlichen Expens und anderer
                                darauf gewanter Uncosten, nach treülicher Moderation dieselben auf
                                35 taller geacht, und secze des die Herrn Schöffen zu Gezeigen, daß
                                ich eich in dieses Hauß eingeweist habe, wie Recht ist, biß
                                Zuvergnuegung derselben ewer Schult und moderirten Expens und
                                Uncosten, wie obengehört.</note>
              <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s065.jpg" n="65"/>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.30">
          <head>Art. XXX. Auffgob der heuser und gruende alhie vor gehegter banck.</head>
          <p>
            <pb n="fol.72.b"/> Der her voigt nimbt den hut von dem jhenigen, deme man das
                        hauß oder grundt aufgeben sal und reckt inen in die hoehe und sagt:</p>
          <p>
            <hi rend="center">Frage.</hi>
            <lb/>Alhie stehet N. und gibt auf ein hauß dem N. in der N. gassen, zwischen
                        N. zu einer und N. der andern saidten gelegen, in aller gerechtigkhait, wie
                        ers gehalten hot, noch Stadtrechten. Herr N., Euer weisheit sei gefrogt, was
                        dieses hauß vor einen friede haben sal.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Andtwort 1.</hi>
            <lb/>Her foyt, erßamer her, noch deme mich e. w. frogt, was dieses hauß vor
                        einen friede haben sal. Dorauff sage ich, das es haben sal, erstlich: Gottes
                        friede, Romischer koeniglicher Maiestet, unseres allergnedigisten herrn
                        friede, eines erßamen Raths friede, des Gerichts friede, der gantzen erbaren
                        gemaine friede, der armen und reichen, wie diese konigliche Stadt zu rechte
                        hot.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Frage.</hi>
            <lb/>Her N., euer w. sei gefrogt, wie lange die gewehre stehen sall.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Andtwort 2.</hi>
            <lb/>
            <pb
              n="fol.73.a"/> Her foyt, erßamer herrn, noch deme mich e. w.
                        fraget, wie lange die Gewere stehen sal, dorauff sage ich, die gewere sal
                        stehen jar und tagk, wie diese koenigkliche Stadt zu rechte hot.<note n="65.a">Und solliche gewehre verpurget der auffgeber des haußes mit
                            zweien gesessenen mannen, weliche dem Herrn Voyt angloben mit handt und
                            mundt, weliches dan der Schöppenschreiber einschreibt (— von späterer
                            Hand —).</note>
          </p>
          <p>Und von diesem auffgob des haußes geit der auffgeber 4 den. und der besitzer
                        des haußes, dem es aufgegeben wirt, 14 den., darvon kumbt dem
                        Schöppenschreiber 1 gr. und die 11 den. dem her voitten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.31">
          <head>Art. XXXI. Aufgebung des Stadtrechten.</head>
          <p>
            <hi rend="center">Frage.</hi>

            <lb/>Her N., Euer weisheit sei gefragt, ob zeit und weile kommen ist, das
                        man gehegt dingkh auffgeben magkh, wie recht ist. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s066.jpg" n="66"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Andtwort 1.</hi>
            <lb/>Her foyt, erßamer her, noch dem mich e. w. fragt, ob zeit und weile
                        kommen ist, das man gehegt dingkh auffgeben magkh, wie recht ist, dorauff
                        sage ich, das zeit und weile kommen ist, das man gehegt dingkh auffgeben
                        magkh, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Frage.</hi>
            <lb/>Her N., e. w. sei gefragt, was die erstanden haben, die ires Rechten zu
                        rechter zeit und weile gewarttet, desgleichen was die verfallen, die ires
                        Rechten als ungehorßame nicht gewartet und aussene blieben sein?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Andtwort 2.</hi>
            <lb/>Her foyt, Erßamer her, weil mich e. w. fraget, was die erstanden haben,
                        die ires rechten zu rechter zeit und weile gewartet, auch was die verfallen
                        sein, die sich dortzu zu rechter zeit und weile nicht gehalden, sonder
                        ungehorßamlich aussene blieben sein: dorauff erkenne ich vor Rechte, das die
                        jhenigen, so ires rechten gewartet, ires gehorßams und des Rechten billich
                        geniessen, und die andern aber, so zu Rechte nicht gestanden, ires
                        ungehorsams billich endtgelten sollen, von Rechts wegen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.32">
          <head>Art. XXXII. Proces den Eidt aufzufuren.</head>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>
            <pb n="fol.74.b"/> Her foyt, erßamer weiser herre, goennet mir und dem
                        meinen abzutrehten, das ich Inen beraidte, dormitte ehr magk verenden, was
                        ime zu rechte getailt ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Man gan es euch.</p>

          <p>Alhie gehet der procurator mit ime hinaus, do mus sich der außziehen bis aufs
                        hembde und nimbt nur seinen rokh widerumb umb sich und triedt also
                        barschenklicht, barfus, mit blossem haupte und mit blossen armen bis ober
                        die ellebogen zugericht, widerumb in die dingstuben.<note n="66.1">Dieser
                            alte Brauch wurde bis zum Jahre 1583 beobachtet. In diesem Jahre wurde
                            auf Grund einer Entscheidung des Prager Appellationsgerichtes vom
                            sitzenden Rate angeordnet, daß hinfür der körperliche Eit "ohne
                            Aushebung der Kleider und Ausrufung, des Fronboten allein auf dem
                            Crucifix, wie gebräuchlich", geleistet werden solle. S. Prasek, l. cit.;
                            S. 11.</note> So trit sein procurator widerumb mit erlaubnis an seine
                        stelle und sagt:</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>

            <lb/>Her foyt, moechte ichs bekommen, das der meine herfuer trehte, und
                        wuerde durch die herrn Scheppen besichtigt, ab ehr genugsam zugerichtet
                        stuende zu seinem rechten. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s067.jpg" n="67"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>

          <p>Alhie stehen aus bevehlich des her foyten zwehen heren Scheppen auf und
                        wenden sich umb und schauen, ob er also zugerichtet stehet, wie obene <pb n="fol.75.a"/> vermeldet, und keren sich wider umb und sagen in gehegte
                        banck dem her foyte und hern Scheppen, wie folget:</p>
          <p>
            <hi rend="center">Der hern Scheppen rede.</hi>
            <lb/>Her voigt und erßamen herrn, wir erkennen, das ehr genugksam zu seinem
                        Rechten zugerichtet ist, wie recht ist. <lb/>(Und setzen sich widerumb
                        nieder.)</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt, moechte ich das bekommen, das mir und ime nodt ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, so bedinge ich mir und ime unser beider
                        recht, abe und zu zutrehten, also offte es mir und ime nodt ist; ich froge
                        zu rechte, ob ichs bekommen magkh von rechts wegen.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Furbas dinge ich mir und ime unser beider recht, ob ehr mit seinen
                        worthen meinen worten nicht nochfolgen koende, wie viele mohl moechte ehr
                        widerumb zu seinem rechten kommen, seinem rechten ane schaden.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Zwier noch dem ersten.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>
            <pb n="fol.75.b"/> Her foyt, ich froge zu rechte, ab uns imandt irret,
                        das ich ader ehr nicht verenden koende, was ime zu rechte getailet ist, was
                        der dorumb bestanden sei.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Das stehet bei meinen hern.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Furbas dinge ich mir mein eigen recht, ob ich von Gothe gestroffet
                        wuerde, das ich ime den eidt nicht furstaben koende; moechte ehrs bekommen,
                        das ehr ime einen andern dinge und schicke, der inen bewaret, und ich
                        moechte mit meiner peen dorfon kommen.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts. <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s068.jpg" n="68"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, ob ehr beethe begeret, wie viele mohl
                        moechte ehrs bekommen?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Zwier noch dem ersten.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, ich froge zu rechte, ab ich nu bedingt habe,
                        was mir und Ime nodt ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Jha, ihr habts bedinget.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>
            <pb n="fol.76.a"/> Her foyt und erßamen hern, moechte ichs bekommen,
                        das ich das Crucifix lege an die stelle, das ehrs mit sein selbst handt
                        erraichen magkh?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt moechte ichs bekommen, das ich seine handt nehme in meine
                        handt?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Herre, magkh ichs bekommen, das ich seine handt laidte an die stelle,
                        domitte ehr verenden magkh, was Ime von rechtswegen zu getailet worden
                        ist?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Herre, moechte ichs bekommen, das ich meine handt nehme von seiner
                        handt?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Herre, moechte ichs bekommen, das ehr durch die hern Scheppen
                        besichtigt wuerde, ab er genugksam auffgelegt hette, wie recht ist?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <pb
              n="fol.76.b"/> Alhie stehen widerumb aus bevehl des her foyten zwehne
                        hern Scheppen auff und besichtigen Inen, ab ehr genugsam auffgelegt hot, und
                        keren sich balde widerumb in gehegte bank und sagen: <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s069.jpg" n="69"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Der hern Scheppen rede.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, er hot genugksam auffgelegt, wie recht ist;
                        es magkh auch nu gescheen, was recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center"> Procurator.</hi>
            <lb/>Herre, moechte ichs bekommen, das ich Ime nu den eidt furstabet, wie
                        recht ist?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Forma des eids.</hi>

            <lb/>Ich N., schwere godt dem almechtigen, das ich dem N. die schuld als
                        nemblich n. f., dorumb ehr mich anspricht und beklagt hot, nicht schuldigkh
                        bin, so wahre als mirs godt helfe und alle seine heiligen.<note n="69.2">Im
                            Olmützer Kodex steht hinter der Gerichtsordnung auf Fol. 110 a folgende
                            Ratswillkuer: <lb/>
              <hi rend="center">Schwur zue einem cörperlichen aid.
                                Juramentum purgatorium.</hi>
              <lb/>Ich N.N. (sic!) schwere gott dem allmechtigen, nachdeme mir von
                            einem ersamen weyssen radt sowol den erbaren gerichten dieser stadt von
                            der N.N. schuld gegeben worden, als solte ich mich an meinem aide, mit
                            deme ich Judit meiner ehlichen Hausfrauen vor gott und der welt
                            verbunden, vorgessen und mit ihrer der N. tochter Ludmila die ehe
                            gebrochen und dieselbige genottzogt haben, das mir dasselbige von ir zur
                            unschuld zuegemessen worden und noch diese stundt zuegemessen wirdt;
                            dass ich dasselbe nicht gethan noch die ehe mit ir gebrochen auch sie
                            nicht genottzoget habe, sondern dess unschuldig bin; als mir gott helfe
                            und alle gottes heiligen, Amen. <lb/>Actum feria II. ante Adventi anno
                            1573 tempore domini <persName>Joannis Klozman a Richnaw</persName>
                            judicis.</note>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, magkh ichs bekommen, das ich seine handt
                        nehme in meine handt?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>
            <pb n="fol.77.a"/> Herre, magkh ichs bekommen, das ich seine handt vom
                        Crucifix abe nehme?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, ich froge zu rechte, ab N. den aidt gethan
                        hot, noch dem ehr ime auferlegt ist, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Jha, ehr hot Inen volbracht, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>

            <lb/>Die weile N. den aidt gethan hot, wie recht ist, so froge ich zu
                        rechte, ab ehr nu nicht des anspruchs frei, loeß und ledigkh sein sal, ader
                        was hierumb recht ist. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s070.jpg" n="70"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ehr ist billich von dem anspruch frei, loeß und ledigkh von rechts
                        wegen.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, ich frage zu rechte, wie lange ehr frei sein
                        sal.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Zu ewigen zeiten.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, moechte ehrs bekommen, das solchs in ein
                        glaubwirdigs Scheppenbuch zu ewiger gedechtnis verschrieben wuerde.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>
            <pb n="fol.77.b"/> Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und Erßamen hern, magkh ehrs bekommen, das ehr widerumb
                        abtrehten und sich in seine kleider antziehen magkh, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ehr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Finis, das ende.</hi>
            <pb n="fol.78.b"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.33">
          <head>Art. XXXIII. Prozes, wie man einen todten mit rechte auffheben
                        sall.</head>
          <div xml:id="NA.33.1">
            <head>1. Praeporatoria. Des her Burgermeisters erlaubnis.</head>
            <p>So einer ermordet wird und seine freunde kommen <pb n="fol.78.b"/> zu
                            gerichte und begeren, Inen mit rechte auffzuheben, so sal der her foyt
                            solichs zuvor dem her Burgermeister ungeseumet ansagen und, wo der her
                            Burgermeister seinen willen dortzu gibt, so magk er es den freunden auch
                            vergoennen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.33.2">
            <head>2. Den tehter citiren und fordern lassen.</head>

            <p>Alhie ist zu merken, who die freundtschafft aigentlichen waiß, wer der
                            tehter ist, so sollen sie den her foyt erstlich umb eine stunde bitten
                            anzusetzen, zu ernennen, wen solche auffhebunge gescheen sal, und
                            dornoch umb den gerichts diehner, das sie den selben in des tehters haus
                            ader herbrigk schicken moegen und den tehter zu solcher angesagten
                            stunde und auffhebunge citiren und fordern lossen. Dan so man die
                            ubeltadt auf den mahn brengen wil, deme es das Gerichte oder der kleger
                            schuld gibt, so wil von nodt wegen folgen, das der man kegenwertigkh
                            sein mus. <pb
                facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s071.jpg" n="71"/> Den
                            alle recht verbietten, das man niemandts seinen leip ader sonste in
                            etwas verfallen sal, der do nicht citirt noch geladen ist, wie den obene
                            im artickl von der Citation zum taile gesagt ist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.33.3">
            <head>3. Der Gerichtsdiener sal relation thuen.</head>
            <p>
              <pb n="fol.79.a"/> Item der Gerichts diehner sal widerumb relation thuen
                            und dem her foyte ansagen, ab ers also außgericht habe, wie er Ime
                            bevolen hatte, und ab er auch den beklagten tehter ainhaimisch gefunden
                            und selbst betrehten habe ader nicht, ader ab ehr in der flucht sei, und
                            wehme ehr solche forderunge und Citacion in des tehters hauße ader
                            herbrige angesagt habe, und wie sie mit nahmen haißen, und sal solche
                            erste Citation in das gerichtsbuch verzeichnet werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.33.4">
            <head>[Art. XXXIII 4]</head>
            <p>4. Item es begibt sich offte, das der angegebene tehter balde mit
                            gefencknisse entzweder von dem Gerichte ader von dem kleger angenommen
                            und behafft wirt. Alsdene, die weile ehr kekenwertigkh ist, und so er
                            sich auch zur tadt offentlich bekennet, (who die tadt bekendtlich), so
                            bedarff man Inen dortzu nicht citiren noch laden, sonder man fueret inen
                            zu der gelegten stunde aus dem gefengknisse und henget Inen mit einer
                            kehten an die bare zu dem todten Cörper (dis haißt an die bahre
                            geschmidt), wen man denselben vor das rothhauß und peinliche recht und
                            auffhebunge brengt. Dorauff folget alsdenne der proces.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.33.5">
            <head>[Art. XXXIII 5]</head>

            <p>5. Who sich aber der gefangene zur tadt nicht bekennet, so darff man Inen
                            auch an die bare nicht hengen, (wo die tadt nicht bekendtlich ist),
                            sonder dorauff folget das gemeine peinliche recht, also das der kleger
                            die tadt auff Inen klagen, darbrengen und beweisen muß, und in diesem
                            valle mussen beide part leiden und dulden, was Inen beiden das recht <pb
                n="fol.79.b"/> brengt<note n="71.a">Beide part muessen sich die
                                recht dorumb erkennen lossen.</note>. Es magkh aber
                            nichtsdestoweniger mit auffhebungkh des todten koerpers mit rechte
                            fortgefahren werden, alleine das man den tehter dorbei mit seinem
                            Christen nahmen nicht nennen darff, nur alleine in genere und in gemeine
                            den moerder etc.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.33.6">
            <head>[Art. XXXIII 6]</head>
            <p>6. Item wo der tehter fluechtigkh und sich zur angesatzten stunde nicht
                            funde noch niemandts von seinent wegen mit volkomner macht und gewalt
                            Inen zuvertrehten und zuverandtworthen fuerkweme, so fehret man auch mit
                            dem peinlichen rechten, als nemblich mit der auffhebunge des koerpers
                            fort, wie recht ist, und benennet dorinne den fluechtigen tehter.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.34">
          <head>[Art. XXXIV] Volget nu die auffhebungk des todten Coerpers.</head>
          <p>
            <pb
              n="fol.80.a"/> Wen nun die angesatzte stunde kommen ist und der her foyt
                        die hern Scheppen versamlet hot auffs Rathhauß, wie recht ist, dan der
                        Scheppen sollen aufs wenigste drei oder viere neben dem her Foyte sein zu
                        dieser sachen. Alsdenne so gehet der kleger ader freundtschafft mit irem
                        procurator und mit dem gerichts diehner hin vor das hauß, who der <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s072.jpg" n="72"/> tothe
                        koerper liegt, und lossen Inen heraus tragen und setzen, das die bahre mit
                        dem tohten koerper halb under dem hauße und halb under dem Himmel und
                        trauffe stehe, und dem Gerichts diehner bevehlen, das ehr zum ersten mohle
                        Czehter schreie uber den moerder, der diesen menschen ermordt und sein weip
                        zu einer widtben und seine kinder zu waehsen gemacht hot. Dornoch lossen sie
                        Inen ferner tragen, und sie gehen mit ime bis auf den halben wegkh zum
                        Rothauße und lossen inen aldo widerumb nidersetzen und bevehlen dem gerichts
                        diehner zum andern mohle Czeter zu schreihen, wie ehr oben zum ersten mohle
                        gethan hot. Dornoch tragen sie Inen fort bis vor das rothauß. Alsdenne
                        trehten die hern hinauß auff die Rothauß stiegen und lossen den gefangenen
                        tehter aus der gefengknis brengen, (so er vorhanden ist), und an die bahre
                        hengen. Who ehr auch nicht vorhanden, sonder fluechtigkh, so procedirt man
                        nichts desto weniger fort, wie folget:</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und Erßamen hern, vergonnet mir zu reden.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Man gan es euch.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und Erßamen hern, der N. kleger oder die freundtschafft
                        begeren mein zu diesem peinlichen rechten zu einem procurator ader
                        vormunden, herre, moegen sie es bekommen?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Sie bekommen es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/> Her foyt, magkh ich meiner worthe weiter bekommen?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und Erßamen hern, es ist under diesen loeblichen gerichten
                        heute diesen tagk (ader gestern) (ader diese nacht) einer, genandt N. N. mit
                        nahmen, der alhie verhanden auff der bare leidt, vom leben zum tohde bracht
                        durch N. als tehter, (who aber kein gewisser tehter furhanden, so spricht
                        ehr, durch boese leuthe und moerder) und begeren Inen alhie seine
                        freundtschafft mit rechte auffzuheben, Herr moegen sie es bekommen?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>

            <lb/>Herr, moechte ichs bekommen, das der tohte besichtigt wuerde durch
                        wehen hern Scheppen, ab ehr von gottes gewalt, ader von der moerder <pb
              n="fol.81.a"/> hende gestorben sei. <pb facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s073.jpg" n="73"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombt es.</p>
          <p>Alhie schickt der her foyt zwehne hern Scheppen hinab vom Rathauß, den tohten
                        zu besichtigen, was ehr vor wunden ader leip zeichen habe, und an welchem
                        ort. Und wen die zwehne hern widerumb noch der besichtigung des todten
                        herauff kommen, so zaigen sie dem her foyte und den hern scheppen die
                        mainunge an.</p>
          <p>
            <hi rend="center">So sagt der her Foit.</hi>
            <lb/>Meine hern erkennen, das der tohte von der moerder Hende gestorben
                        ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt, Erßamer herre, moechte ichs bekommen, das der tehter und
                        moerder mit Czehter geschrei geruffen und beschriehen wuerde, auff das seine
                        moerderei offenbar und kundt wuerde.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Ihr bekombts.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foit und erßamen hern, zu wie viele molen magkh ichs bekommen</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Zwehe mohl noch dem ersten.</p>
          <p>
            <pb n="fol.81.b"/> Alhie hebt man die leiche ein wenigkh fort, nur von der
                        stelle.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Fronebohte schreiet.</hi>
            <lb/>Der geriehts diehner schreihet zu dreihen mahlen noch einander diese
                        folgende wort: <lb/>Czehter uber den moerder, Czehter uber den moerder,
                        Czehter uber den moerder, der diesen menschen ermordet und sein weip zu
                        einer widtwen und seine kinder zu waesen gemacht hot.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen hern, e. w. seit gefragt, ob ehr also beschrien
                        sei, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Jha, er ist beschrien, wie recht ist.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foit und erßamen hern, ist ehr also genugksam auffgehoben, wie
                        recht ist?</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Jha, ehr ist also genugksam auffgehoben, wie recht ist. <pb
              facs="https://archive.org/details/1550_OlmuetzStR/s074.jpg" n="74"/>
          </p>
          <p>
            <hi rend="center">Procurator.</hi>
            <lb/>Her foyt und erßamen Hern, e. w. sei gefrogt, was man nun furdan mit
                        dem toten koerper thuen und gebaren sol.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Sentencia.</hi>
            <lb/>Man sal Inen nemen und tragen auf eine geweihete stelle und begraben
                        als einen andern Christenmenschen.</p>
          <p>
            <hi rend="center">Finis, das ende.</hi>
            <lb/>Hierauff folget die acht, so es der kleger begert.<note n="74.1">Ich
                            glaube, der Vollständigkeit wegen aus der Bresl. Hsch. J. 60, S. 11
                            (auch bei 

              <!-- Noch kein Digitalisat --> Wendroth, a. a. O., S. 80.) die
                            Formel über die Acht hersetzen zu sollen. <hi rend="center">Volget die
                                acht.</hi>
              <lb/>Her Voyt, ich begehre, das man ihn achten wolle. <lb/>Der Vogt:
                            Erbahre Herren, dieweil N. N. auf seinen vierdten Diengtag geheischen
                            ist, so thu ich ihn von wegen meiner Herren in die Acht und verbiete ihm
                            die vier Element Luft, Wasser, Fewer, die Erd, Laub und Graß, Weg und
                            Steg, ich nehm ihn seinen Freunden und geb ihn seinen Feinden, ich mach
                            sein Weib zu einer Witwe und seine Kiender zu Weisen. <lb/>Procurator:
                            Erbahrn Herren, ist er geacht, wie Recht ist? <lb/>Sententia: Er ist
                            geacht, wie Recht ist. <lb/>Procurator: Ob man ihn nicht vorloben solle?
                            <lb/>Sententia: Man vorlobt ihn möglich von Rechtswegen. <lb/>DerVoyt
                            und Schöppen: Item so weist der Voyt und die Schöppen alle mit zweien
                            Fiengern in die Erden. <lb/>Procurator: Ist er vorlobt wie Recht ist?
                            <lb/>Sententia: Er ist vorlobt wie Recht ist. <lb/>Procurator: Erbahrn
                            Herren, so er geacht ist und in meiner Herren Unholde, ob Jemandt Gewalt
                            an ihm thet, ob er auch preche? <lb/>Sententia: Nein. <lb/>Procurator:
                            So ihn Jemand hausete und hoffete, rechte weg und steg weiset und sunst
                            fördert, was er darumb bestanden ist. <lb/>Sententia: Alß viel alß der
                            thetter selbst. <lb/>Item, das wirdt also ins Voyts huch gezeichnet und
                            geschrieben.</note>
          </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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<!-- 
 i Ungehorsainverfahren uberhaupt, geschah die
 Register.
 Iii nochfolgendem Register sein kurtzlich zn finden alle Artickel mit iren Vellen ader underschieden, so in diesem Buche begrieffen. Und ist von wegen foerderliches suchen verzeichnet : Erstlich jeder Artickel an welchem bladt, und seine veile ader underschiedt, auch noch dev Zal und auff welcher saidten des bladts. a bedeut die erste saidte und b die anndere saidte des
bladts.
 Der erste tail.
 Art. I.
1. Wie sich ein jeder Klaeger zum Rechten sal geschickt
 machen ..fol. 1 a [ 3]
2. Wie der kleger den Richter suchen sal ... 2 b [ 5]
3. Wie der kleger zum Richter zutrehten sal ...„ 3 a [ 5]
 Art. U. Citation.
1. Was die Citation ist und alles was ane Citation gehandelt
 wirt, ist nichtigk fol. 4 a f 6]
2. Wie die Citacion geschieht ..„ 4 b [ 6]
3. Des gerichts Diehners gerechtigkheit , 4b ( 7]
 Art. UI. Von der Clage bei Gerichte.
1. Beklagter bekennet sich zur schuld .fol. 6a [ 7]
2. Frist bei Gerichte zur betzalunge , 6 a [ 8]
3. Beklagter bekennet sich zur schuld, hot geld und will
 nicht betzalen .., 6 b [ 8]
4. Beklagter sagt, ehr habe betzalet, wehr in diesem vballe
 beweisen sal , 7 a [ 8]
5. Beklagter sagt, die Zeit zur betzalunge sei noch nicht
 kornen, wehr in diesem vlial beweisen sal , 7 a f 9]
6. Beklagter sagt Nain zur klage ..., 7 b [ 9]
7. Klaeger hot kamen beweiß , 7 b [ 9]
8. Klaeger stellet beweiß fur 7 b [10]
9. Was dem her Foyte zu schwer ist ... 8 a [10]
10. Clage auf die gewissen 8 a [10]
11. Die suchen auf gutte leuthe zu geben ... 8 b [11]
76
 *12. Der Zeugen aussage gibt man bei Gerichte dem Widerpart kainen austzug ...fol. 10 a [12]
 13. Beklagter bekennet sieb zur schuld und wil pfandt legen , 10 a [12] Nota: Beklagter wil verweisen die schuld auff liegende
 gruende ader auff gewisse schulden ..„ 10 a [12]
 Art. 1Y.
 1. Wie man die ßadtpersonen zu Gerichte beschicken sal fol. 12 a 112] Art. V.
 1. Von dem ungehorsam des Clegers ..fol. 14 a [14]
 2. Claeger mus den beklagten von neues beschicken ... „ 14a [14]
 Art. VI.
 1. Von dem ungehorsam des beklagten fol. 15 a [14]
 2. Underwcisunge eines Erbaren Rats auf die ungehorsamen „ 15 a [14]
 Art. VII. Von siegelung und sperrunge.
 1. Worumb die siegelunge und sperrung geschieht . . . fol. 17 a [15]
 2. Was der dem Gerichte gibt, der do sperren lost ... , 17 a [15]
 3. Kombi dan der ungehorsame noch der sperrunge zu
 Gerichte 17 b [16]
 4. Bleibt der ungehorsame noch der sperrung aussene und
 kombt zu Gerichte nicht ...„ 18 a [16]
 5. Claeger kombt noch verscheiuunge sechs Wochen wider-
 nmb zu gerichte .. 18 a [16]
 6. Ist auch beklagter enndtwichen ..„ 18 b [16]
 Art. Vin.
 1. Von Inventirung und schatzung .. fol. 20 a [17]
 2. Was noch der Inventirung und schatzung folget . . . , 20 a [17]
 3. Das woertlen, (wehr am meisten dorumb gibt) . . . . „ 20 b [17]
 4. Who kein kaufmann kweme .„ 20 b [17]
 5. UnderweiSunge der alten zwaiher raete von wegen der
 geschatzten farenden habe .„ 21 a [18]
 Art. IX.
 1. Clage umb Erbgelt .• .fol. 23 a [18]
 2. Clage umb liedlohn ..»23 a [18]
 Art. X.
 1. Von spaehnunge der Heuser und anderer gruende . . . fol. 24 a [10]
 2. Von ausruffunge der Heuser ader anderer gruende ... , 24 a [19]
 3. Beklagter gibt in VI wochen die erbguelde nicht, wie
 denne zu thuen , 24 b [19]
4. Beklagter kombt in Jaresfrist und legt zwu evbguelden fol. 25 1> J"
5. Beklagter lest dem Kleger das hauß ader den grundt
 widerumb haim gehen , 25 b [21]
 Art. XI. Von Arrestiren und Aufhaltungen.
1. Arrestiren einen selbschuld um geldschuld .fol. 28 a [21]
2. Yertzihung der freiheit .»28 b [22]
3. Arrestiren umb ungerichte, boese tathen als todtschlag,
 lemnis, Iniurien etc .. 29 a [22]
4. Wo sich beklagter tehter nicht betrehten noch linden
 lossen wolle . 29 a [23]
5. Von aufhaltunge anderer leutlie, die nicht selbschuld sein r 29 b [23]
6. Aufhaltungen sollen nicht gescheen hinder vorwissen des
 her Burgermeisters , 30 a [24]
7. Wer auffhalten wil, der sal genugksam burgen setzen . , 30 b [24]
 Art. XII.
1. Von verpoten auf liegende gruende und farende habe . fol. 32 a [24]
 Art. XIH. Von Burgschaft zum Rechten.
1. Burgschaft des klegers fol. 34 a [25]
2. Burgschaft! des beklagten »34 a [25]
 Des andern teils Register.
 Art. XIV. Von Banrecht und anderer Recht.
1. Was banrecht aigentlich baisse fol. 34 b [26]
2. Wie viele Banrecht ubers yar alhie zu Olomuntz gehalten
 werden, und zu welcher Zeit ..„ 34 b [26]
3. Das erste banrecht . 34 b [26]
4. Das ander banrecht .., 35 a [26]
5. Das dritte banrecht ., 35 a [27]
6. Der Nochtaidingkh .«35 a [27]
7. Von Gastrecht, Nodtrecht .., 35 a [2-7]
 Art. XV.
1. Die Hegung des stadtrechten zu Olomuntz ...fol. 35 b [27]
2. Rufen zum Rechten ., 36 b [29]
 Art. XVI. Von Lauperungen.
1. Lauperung und verleßunge der parten aus gehegter banck
 am ersten tage .. fol. 36 b [29]
2. Taegliche Lauperunge vor gehegter banck .» 37 a [30]
3. Forma und Proces der Lauperunge ., 37 a [30]
78
 Art. XVII. Erstandene Recht.
 1. Wen die erstandenen Recht beschrieben werden fol. 38 a [30]
 2. Welchem kain erstanden Recht vergunst wirt ...„ 38 a [31]
 Art. XVIII. Von den Procuratoren und Rednern.
 1. Der Redner ambt ist vonnoehten ...fol. 38 b [31]
 2. Wie sich ein Procurator vor gehegter banck halten sol. . „ 38 b [31]
 Art. XIX. Vom Andingen.
 1. Ein mohl angedingt ist genugkh fol. 39 a [31]
 2. Forma des Andingens .„ 39 a [32]
 3. Eine schoene lere und undterweisunge allen und jeden
 Procuratoribus aus beschriebenen Rechten „39 b [33]
 Art. XX. Von Anwaiden ader Machtleuthen.
 1. Wer ein anwalt ader machtraan genant wirt fol. 41 a [34]
 2. Wie sich der machtman halten sal bei rechte „ 41 a [34]
 3. Der machtman sal seine macht forlegen ader Wirt sonste
 bei Rechte nicht gehort ... 41b [34]
 4. Hot der machtman die macht im Gerichtsbuche „ 41 b [35]
 5. Eine volle macht |n Rechte sal alle Clauseln haben . . „ 42 b [35]
 6. Clausula zu einer volkommen macht ...„ 42 b [35]
 7. Cautela Iudicis ., 43 a [36]
 8. Ein machtman wirt kegenwertigk und auch abwehsens
 gesetzt „ 43 a [36]
 Art. XXL Von dem Klaeger und seiner Klage vor gehegter banckh.
 1. Claeger sal seine klage formlich einbrengen ..fol. 44 a [36]
 2. Clagen sein zwaierlei ...* 44 a [36]
 3. Was burgliche klage ist 44 a [37]
 4. Was peinliche klage ist ..„44 a [37]
 5. Von auszuegen ader abschriefften der klage ...„ 44 b [37]
 6. Repliea: Einrede .„44 b [37]
 Art. XXII. Von dem beclagten und seiner andtwort.
 1. Beklagter sal sich mit seiner andtwort wol fursehen . . fol. 45 a [37]
 2. Von abschriefften der Exeeption ader andtwort . . . . „ 45 b [38]
 3. Von Duplica und Widerrede ...„ 45 b [38]
 Art. XXIir. Von litis contestation ader kriegs bevestung.
 1. Was kriegsbevestunge haist ...fol. 46 a [38]
 2. Von der wirkunge der kriegsbevestung und wotzu sie
 nutze sei, durch sechs veile erkleret ..„ 46 a [38]
 Art. XXIV.
 1. Von den Vorstenden und Caution ...fol. 47 a [39]
 2. Was Caution und vorstandt ist »47 a [40]
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3. Underscheidt zwischen der CaufciOn und der burgschaft
 bei gerichte zum Rechten ..fol. 47 b [40]
4. Wie der Vorstandt und Caution bestalt wift ...„ 48b [41]
5. Caution in burglichen sachen ., 48 b [41]
6. Caution in peinlichen sachen 49 a [41]
7. Forma des elenden aidts zum vorstandt , 49 b [42]
8. Wehr den Vorstandt nicht bestellen darff ., 49 b [42]
 Art. XXV. Von der Gewehre der Clage. „ 50 a [43]
1. Worumb die gewehre eingefurt .„ 50 b [43]
2. Die erste woltadt der gewehre „ 50 b [48]
3. Die ander woltadt der gewehre . 50 b [43]
4. In was sachen die gewehre bestalt wirt 50 b [43]
5. Gewehre in burglichen und auch in peinlichen sachen . „ 50 b [43]
6. Forma und proces in bestellunge der gewehre ...„ 51 a [44]
7. Noch bestalter gewehre die klage nicht zu endern ... „ 53 a [46]
8. Wen die gewehre gerurt, wie sich beklagter halten sol . „ 53 a [46]
9. Peen und straffe gerurter gewehre in burglichen sachen . „ 53 a [46]
10. Peen und straffe gerurter gewehre in peinlichen sachen . „53 b [46J
11. Exempli gracia, womitte man die gewehre ruerfc ader
 bricht, durch etliche veile 12, 13, 14, 15, 16 . . . . „ 53 b [47]
17. Der weiber Vormunden sollen vor die fraue die gewehre
 bestellen ...„ 54 a [47]
18. Die rechten Vormunden muessen leisten und schaden
 leiden „54 b [48]
19. Wer, die rechten Vormunden sein .., 54 b [48]
 Art. XXVI. Von der Beweisunge und den gezeugen.
1. Werne gezeugen getailt werden, wie sich der halten sal fol. 55 a [48]
2. Wie sein Proeurator in gehegte banck frogen sal ... „ 55 a [48]
3. Wie der her Foyt andtworten sal ..„ 55 a [48]
4. Wen die Zeugen in einem andern koenigreich wehren . „ 55 a [48]
5. Der Zeugenfuerer makh ime balde einen Tagkh nehmen . „55 b [48]
6. Verßeumunge der Zeit Zeugen furzustellcn ...„55 b [49]
7. Von der furstellunge der gezeugen ..„55 b [49]
8. Die Citacion Zeugen zu fuehren ist peremptorie . . . . „ 56 a [49]
9. Proces in furstellunge der Zeugen ., 56 b [49]
10. Worumb die beschuldigunge der Zeugen geschieht ... , 56 b [50]
11. Wie die beschuldigunge der Zeugen gescheen sal . . . , 57 a [50]
12. Von den Iiiterrogatorien und fragstucken 57 a [51]
13. Fragstuck sollen kurtz und lauther sein ..„57 b [51]
14. Forma der Fragstuck . 57 b [51]
15. Die Zeugen sollen schweren in kegenwart beider part . „ 58 a [52)
16. Forma der Zeugen aidt „58 a [52|
17. Der Radthern eidt zum Zeugknis .. 58 b [52]
80
 18. Die Zeugen werden verhort in abweichen der part . . . fol. 58 b [52]
 19. Eine sekoene crmamiuge den Zeugen furzukalten . . . „ 58 b. [52]
 20. Eine sekoene vermanunge an die verkoerer der Zeugen . „ 59 a [53]
 21. Eines jegklielien Zeugen sage sal durckaus gantz beschrieben werden .„ 59 b [53]
 22. Von dem gezwange der Zeugen ...„ 60 a [54]
 23. Von dem kranken Zeugen „ 60 a [54]
 24. Von der eroeffnunge der Zeugen sage .„ 60 b [55]
 25. Forma der eroeffnunge der Zeugen sage .„ 60 b [55]
 26. Von absekriften der Zeugen sage ...„ 61 a [55]
 27. Dem Zeugenftiekrer wirt keine absekriefffc geben „61a [55]
 28. Exception wider die Zeugen ader ire aussage , 61 b [56]
 29. Des Zeugenfuerers defension seiner Zeugen ... 61 b [56]
 30. Gruendltiche Ursache, worumb die eroeffnunge der Zeugen
 geschieht .. 61b [56]
 81. Briefflicbe urkunde werden noch der eroeffnunge zuge-
 lossen „62 a [56]
 32. Von wider verkoerunge der Zeugen ..„ 62 a [57]
 Art. XXVn. Von den Urteiln.
 1. Das zwaikerlei Urteil sein ..fol. 64 a [57]
 2. Von dem beiurteil .„64 a [57]
 3. Die woertlen (auf dis mohl) .„64 b [57]
 4. Von dem endturteil ..„64 b [58]
 5. Kein Richter ist schuldigkh, die urßache ins urteil zu
 setzen „65 a [58]
 6. Ab der Richter noch seinen gewissen, ader wie fur ime
 einbrocht wirt, richten sal 65 a [58]
 7. Von tailunge der urtail in gehegter banck ..„67 a [60]
 Art. 5XVTII. Von der Huelffe des Urteils.
 1. Die huelffe ist vonnoethen ..„ 68 a [61]
 2. Forma und procès der huelffe in einer personlichen sacken . 68 a [ol]
 3. schulden, Expens und gerichts kost erlegt man bei sonnen-
 schain . 68 b [61]
 4. Wil ime der part vertrauen „68 b [61]
 5. Hot ehr nicht burgen 69 a [62]
 6. sitzt beklagter in der Zucht und hot mit parem gelde
 nicht zu betzalen „ 69 a [62]
 7. Huelffe zu farender habe .„69 b [62]
 8. Huelffe zu liegenden gruenden ...„ 70 a [62]
 9. Hueffe zu bekendtlichen schulden .. 70 a [63]
 10. Von uberandtwortunge bei der haudt ..„70 b [63]
 11. Beklagter hot in einem andern geriebte guetter „71a [63]
 12. Forma und Procès in dinglichen sacken ...„ 71b [63]
Art. XXIX.
 Forma Einweißuuge in Heuser . 711) [64]
 Art. XXX.
 Auffgobe der Heuser ...„ 72 b [65]
 Art. XXXT.
 Auffgebunge des stadtreclitens » 73 b [65]
 Art. XXXn.
 Procès, den Eidt aufizufueren .„74b [66]
 Art. XXXIII.
 Procès, wie man einen todten mit Rechte aufhebet „78 b [70]
 Art. XXXIV.
 Wie man den tehter in die Acht tut „81b [74]
 Anhang.
 Übereinstimmend im Olmatzer Kodex und in der Littauer Handschrift vorkommende Nachtrage:
 1. Yolgen etliche Artiekel antreftent den N a chrichter, etliche auch Herrn Yogten und G er ich ts schreib er.1)
 Alle sontage bei dem Pauherm gebuhret dem Nachrichter 21/» gr. und dem Unterdiener auch 2VS gr; ist aber gebessert worden, also, das jeglichem kombt 5 gr.
 Ittem Von einem Ersamen ßath, alle Quatember, dem Nachrichter 1 tnarck, und seinem gesellen, dem Undterdiener, auch 1 marck.
 Aull Johannesser Jarmarckt gibt im der Kotscharer dem Nachrichter wegen s. Blasythor, Niederthor und Litterthor 6 Marckh.
 Auff Michaeli Jarmarckt gibt ehr ime wiederumb der Kotscharer dem nachrichter 4 fr von wegen deß Burckthor und Litterthor.
 Wann ehr einem gefangenen die speise gibt, gebuhret im alle Wochen 8 gr.
 Wann man einen gefangenen, oder mehr auf einmahl, außfuhret, die da eines heim sein, so gibt ihme derselbe herr, der sie richten lest, von dem beschreuen 6 gr.
 Wann man einen gefangenen vom Lande herein gibt, so gebuhret im balt von der Ketten oder Fessel, darinnen sie in bringen, 4 gr., die soll ehr teilten mit dem Uuterdiener.
 Wenn man einen gefangenen vom Lande hereingibt und nachmals außfuret, so gebuhret im jede Wochen, so lang er gesessen, fur seine Muhe und bewahrung 2 gr.
 Wenn man einen Ubelthatter, der sich zu der that bekennet oder uberwiesen wirdt, außburgt, so gebuhret dem herrn Vogten 1 marckh, dem gerichtsschreiber acht grossen, dem Nachrichter auch 1 marckh.
 Wann der Nachrichter ein hauß spahnet in der stadt, so kombt ihme davon 2 gr. und, so es vor dem thor ist, 1 gr.
 ') Vgl. „Über das Olmutzer stadtbucb“, von saliger, 1882, s. 53 ff. (Die Oblicgonheten und Gebuhren des stadtvogts, stadt schreib ers, Gerichtsschreibers, Nachrichters, Frohnboten und Zuchtigere.)
 83
 Wann ehr ein Hauß außrufft, eß sei das, so gespahnet ist, oder sonst ein anders, korabt ihm von jedem mall außzuruffen 1 gr.
 Wann ehr ein Hauß oder gemach oder ander dinge, eß sei Eoß, wagen oder was eß wolle, versperret und verpeut, ist es iu der stadt, so kombt im % g- und vor dem thor 1 g.
 Von denen, so man in der Nacht nach der Bierglocken in die Zucht lest fuhren, kombt forderlich dem herru Vogten 4 g., dem gerichtschreiber 1 g., dem Nachrichter 1 g. Von solchem sol ehr geben dem Unterlauf er
 Wena der herr Vogt einen in die Zucht theilet umb schulden, so halt derselbe die schwelle in der Zucht uberschreittet und wieder sich außburget oder sonst vertregt, so gebuhret dem Herrn Vogten 4 gr., dem nachrichter zwen gr. und dem schreiber von jedem Burgen 2 den. und wievil Wochen derselbige schuldiger in der Zucht sitzen bleibt, so viel mahl gebuhret dem nachrichter vor jede Wochen nicht mehr den 2 gr.
 lttem wenn man die Handt außstecket in der Freiung auff den Faschung Jarmarckt, geben im die herrn vom Bathauß 1 Mark.
 2. Im Jar 1564 haben meine Herrn, ein Ersamer Rath
 erkent, -wen sich selbst einer umbbringet, so sol der besiczer oder die besiczerin desselben grun des dem Zuchtiger geben 1 sch. gr. und 4 gr. fur seine muhe, und daß Holz zu verbrennen des Corpers giebet gemeine statt.
 3. Verzeuchnete Artickel, wie sich die Fronbotten oder gerichtsdiener alhie zu Ollmutz halten sollen etc.
 Zuverhutten alles und jedes fernem beschwerens, so biß hero uber und wieder die Gerichtsdiener oder Fronbotten ergangen, ordnen, seczen und wollen die herrn ein ersamer sizender Bath:
 Erstlich:
 Das alle und jede, jezige oder kunftige gerichtsdiener oder Fronbotten sich des frevenlichen gottslestern und Mißbrauch seines heiligen Nahmens (welches inen ohne scheu leider gar gemein) maßen sollen und genzlichen von den selben obstehen, auch Mtlicli und einig zusamb ihren Weibern leben.
 II.
 lttem ihrer Obrigkeit, dem jezigen oder kunftigen Vogten oder den gerichten sollen sie allweg untertkanig und gehorsam sein, taglig trewlich und fleissig anffwartten und, waß ihnen befohlen wirt, dasselbe ohne alle Wiederrede unwegerlich und auffs fleissigest ausriehteu. III.
 III.
 Tttem so sie auch waß heimliches, eß sei vom Herrn Voytten bei gericht, bei strenger Frag oder sonst anderswo inen vertraut, wissen, dasselbe sollen sie in geheim halten und solches weder Iren selbst eigenen
84
 weibern, noch sonst Jemanden offenbahren, weder wissen lassen, auch Niemanden ob seine Verschuldung oder Missetbat warnen oder zu warnen verschaffen.
 im.
 Ittem und demnach die trunkhenheit dem stilscliweigen zuwieder und nichts im Herzen so tieff verborgen, das nick durch follen, ange-trunckenen Munt herfur muste, sollen die jezigen oder kunftigen gerichtsdiener des taglichen Vollsauffen, (dadurch all ihr auMchtung vergessen, ungeachtet, versaumbt und verhindert wirdt, auch damit zu eroffhuug des gerichts haimlichkeit, wie den bißhero gemeiniglich beschehen, si gereitzt worden solches ober alles ferner verhuttet und dahinden bliebe) sich eisern
 V.
 Ittem damit auch ferner die gerichtsdiener oder fronbotteu. jezige oder kunftige, wen man ihrer bedarf, ohne sonderliches suchen zubefinden seindt, sollen sie teglich frue zu dem Herrn Vogten, jezigen oder kunftigen in sein behausung erscheinen und forderlich allweg zu gewohnlicher gerichts stunde beide gegenwerdtig daselbst so lang verharren, biß aller beschiedener Parten Verhorung furuber ist; sonst ohne oder außerhalb der firne zeit, oder gerichtsstundt, so Unter inen einer waß zu thun hat, so sol der ander bei dem Herrn Vogten bleiben, und mogen auch ein abwechslung halten untereinander, also daß alzeit einer bei dem Herrn Vogten oder in seiner Behausung zu betreffen sei.
 VI.
 Ittem auch sollen sie, jeder vor sich von den Parten nichtsmehr denn waß ihr gewohnlich gebuhr, wie von alters liero aufgesetzt, fordern, noch uber des Parts gutwilligkeit nehmen und forderlich aller heimlichen Practicken mit den Parten, dem Kegentheil zunachtheil, mussig gehen und abstehen, beineben die geriefte mit keiner falschheit noch betrug, Jemanden zu schaden, nie berichten.
 VII.
 so auch Jemant, es wer ein einheimischer oder ein frembter, Beich oder Arm, durch vorgehende gerichtliche Erlaubnus * zur notturfft begert einen gericbtsdiener, demselben sollen sie umb die gebur sein billach begeren ohn einicherlei Unwillen außzurichten fertig sein und mit gebuhrlichen Wortten, was sie auß gerichtet, und nit mit Unmut oder sckelt-wortten, wie bißhero beschehen, 'beschait geben.
 VHI.
 Desgleichen sollen und sein sie verpflicht, sich alß die gerichts diener und Fronbotten mit Kleidung zu halten, so wol auch in schenckheisern oder Tabern nicht mit den Mittburgern oder einwohnern oder der Gemein alhie, von einem Tisch zum andern umblauffent. sondern in sonderlichen stellen, insonderheit und allein, doch nicht mit Uberflus, auch nicht ubriges lang, gemachsam und ohn alles geschrei trinckhen, allermassen solches ihr stand vorheischt und gebuhret etc.
85
 IX.
 Den Raths Personen sollen sie die gebuhrende Reverentiam erzeigen, in derselben so wol auch der Edlleit heiser, keiner frevelicher weise, ohn Vonvisseu des Herrn Vogten, Jemanden vorzufordern nit eingehen.
 X.
 Gegen der gemeinen Personen sollen sie sich auch also verhalten, damit sie einem Jeden, seinem staudt nach die gebuhre beweisen. Niemanden frevelichen. dadurch beschwer wider sie entstehen mochte, antasten und sich ferner mit Niemanden auß der gemein mit scherzpossen. scherzwortten oder sonst einicherlei langwirigen, nnnottigen gesprech, eß sei am Marckt am Plaz oder sonst andern stelleu, nicht einlassen.
 XI.
 Lecztlich und schließlich sollen sich die gerichts diener oder fron-botten, jeczige oder kunfftige, wen ihnen einer oder mehr in der Zucht Zufuhren befohlen oder zugelassen wirt, gegen denselbigen sich also verhalten, damit den gerichten durdurch keine Muhe oder beschwernis nie erfolgen mochten.
 Was jedem Fronbotten') innso nderheit zuthun etz.
 I.
 Der Nachrichter. sol sambt seinem Weib, der Zucht und der gefangenen, denen es von uothen, woll und fleissig vurstehen und, so darinen in der Zucht ein mangel an den gefengnussen und ihrer Verwahrunge ge-spuret wurde, dasselbig oifenbahren und anzeigen.
 n.
 Dieweil im die gefangenen, davon ehr sein sonderliche besoldung hat, vertraut sein und werden, sol ehr auch zusambt seinem weib einen jeden nach seinen Verwirckhen und der sachen gelegenheit, wie ime den be-ohlen wirdt, genugsam versichern, die schlussel zu den thuren niemant vortraueu noch zu vertrauen zulassen, sondern alles wol vermercken und verwahren, das derholben die gcricht oder gemeine stat nit gefehret werde.
 III.
 Die gefangenen sol weder er noch sein Weib, weder mit schelt oder unuzen wort teil oder wercken ohne genugsame ursacli nit anfechten, inen auch zu ihren gefencklichen betrubnissen kein wiederdnis noch Unwillen nit thun noch beschehen zulassen, sondern alle ihre Notturfft (sofern solches vom Herrn Vogten nicht verbotten ist,) doch auch nichts zum Uberflus zu uberreichen gestatten, in sonderheit aber die gefangenen, so ehr verkost, darum!) im auch neben seiner sonderlichen gepur gelohnet wirdt, sol ehr
 ') Eigentlich Nachrichter.
86
 mit Essen und Drincken also versehn, damit dieselben gefangenen keinen unleittlichen Zwang leiden durfen.
 IIII.
 Bei gericht sol ehr die verlegten Arrest oder Verbott, denen es sieb gebuhret, trewlich ankundigen, keine wagen sperrung» ohne bewust des gerickts nit vollbringen, forderliche auch alle spenunge der Heiser mit ■Überreichung des spans dem spahner oder Kleger, und auch mit auff-ruffung zu dreien mahlen des hauses, wie breichlich, außrichten und darinnen nicht mehr noch minder furnehmen noch underlassen, denn wie dieses nach alt verwartten brauch dieser stattgerichten alzeit verhalten ist worden.
 V.
 so ime auch Jemandt umh schult, so nicht ein halben gulden erreicht, einzumahnen die Gebuhr erlegt, sol ehr die eiubnngung derselben schult nit anstehen lassen, es were den durch Unvermogen des Pai’tes solches anzustehen zu lassen verursacht.
 Was dem underlauffer insonderheut gebuhret.
 Der Underfronbotte sol Niemandt verheisehen oder furfordern, es sei den vorhin dem citirenden Part oder Kleger solches von den gerichten zuvor erlaubt oder vergunstiget
 II.
 Wan er Jemanden furzufordern gangen ist, sol er alle Zeit, wo der, so gefordert ist und nicht gestehet, anzeigen.’ob ehr denselben personlich betretten oder nit, und in diesem den herrn Vogten mit keinem Ungrundt dem Part zu dem Nachteil nie berichten.
 HI.
 Den Partten, so fur zufordern begeret werden, sol ehr die Vorladung den Abent des tages, welchen sie gestehen sollen, befor, oder den selben tag fru ankunden und nicht erst auff dieselbige stundt warten, zu welcher der beklagte gestehen sol. sonst mit dem frembden und ungewiß gesessenen, desgleichen in dieser suchen mehr, sol ehr sich nach bevehlich des gerichts gehorsamlich verhalten.
 IIH.
 Ehr oder sein Weib sollen auch fleissig aufmercken und darob sein, damit die schwein und anders unflettiges vieh mehr auff dem Marckt und in gassen hin und wieder umblauffet, eintreiben und eingethan wurden, dadurch die gassen sowol der Rinck solchß Viehes halben nit verunreiniget wurden. Von dero jedem Haubt gebuhrt im 1 gr.
 Jedoch mag eiuer den andern abwesenden hierinnen wol vertretten und. waß ihnen gebuhret, weil ehr nicht beihendig, damit die Parten nicht versaumbt wurden, der andere an stat seiner, ohn wandel wol ausrichten.
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 Welche oder welcher ander den jetzigen oder kunftigen froubotten oder gerichts dienern solches eines erharten Itaths alhie Ordnung, saczung, willen und bevehlieh sich wiedern und dargegen thun wurden, dieselben oder derselbe soll neben dem Verlust seines Diensts auch darzu ernstlich und noch gelegenheit seiner Verwurckung gestrafft werden.
 Actum Olmucz f. Y. ante Bartolomei et conclusum domino Johanne Migliczero, Magistro civium et domino Petro Lischka, Judice Anno 1562.
 4. Nachrichter und Zuchtieger betreffent etz.
 Anno Domini 1570, den freittag nach Procopi, hat der ersame weise Herr, Blasius Teischel, domals geschworener Richter, einem ersamen wol weisen sizendenRath den statten hader und zanck zwischen dem Nachrichter und dem scharfrichter, betreffent die Kleider.der armen sunder, so man alhie zu dem Tode richten lest, furbracbt und fur getragen, darauf ire E. W. meine Herrn be-voblen, erkent und gesprochen, das der Nachrichter jeczig oder kunftige von den Annen sunder, den man zum tot richten wirt lassen, die ohern Kleider, alß Rock, Mantel und Wammes nehmen sol, die untern Kleider aber der scharfrichter, derwegen auch alle und jede kunftige Nachrichter uud scharfrichter alhie sollen und werden bei diesem abscheit unwiederrufflich zuverbleiben verbunden sein.
 Actum, ut supra, Domino Wolffgango. Grecznero, Magistro Civium, domino Wenceslao Edlmano a Brozdorff, Johann Picnero et Joachimo Jepnero Consulum.
 5. Was man den Hantwercks Eltisten wan sie bei gerichte vur ihre muhe, wen sie etwas schatzen, gehen soll etz.1)
 Anno Domini, 1572 Jahr Feria VI post Epiphaniae Domini ist ein Ersamer weiser Rath, meine herrn, entlieh darauf verblieben:
 Nachdem etliche geschworene der hantwerck die Zeit, denen sie bei gerichte etwaß geschezt, hoch ubersezen wollen wegen ihrer Muhe, das man nu hinfuro denselben geschwornen, sie sein waß hantwerck sie wollen, nicht mehr geben sol fur ihre muhe, wen sie einem was bei gericht taxiren, wirdigen oder schazen, den nur auf ein maß Weins;1 2) were es aber sach. daß zwei hantwerck hei einander wehren und etwas schazen golten, alß wen die schneider und Kurschner eine schauben oder Pelz schazen solten, so sol Jedem hantwerck auf ein maß Weins gegeben werden.
 Actum, Ut supra, tempore domini Christoffori Czech, Magistri civium.
 6. Was man wegen einer action schuldig zu geben sei etc.3)
 Demnoch zwischen dem erbarn Johann Heideck, Procurator an einem und
 dem Paul Forstern anderstheils ein strietiger handel entstanden wegen einer Action, so Johann Heideck davon hat haben wollen 2 schock gr., nnn hoben eß
 1) Auch iu M.
 2) In M.: 1602 ist ein maß Landwein alliier in Olmutz umb 30 kr. gewest.
 3) Auch iu M.
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meine Herrn, ein ersamer wol weiser Rath erkent und gesprochen: Dieweil von alters hißhero nicht mehr geben ist worden, alß 1 schock gr., bei demselben lassen es auch meine heim auch verbleiben.
 Actum F. III. post omnium sanctorum Anno 1573 tempore Domini Johannis Kloczmani a Richnow,1) Judicis.
 7. Geburen so man bei Gerichten der stat Ölmutz zugeben pflegt, von allen dreien Rathen den 15. Decembris anno 1583
ist refformixet:
Ein frembder dem Herrn Richter das Recht 1
ein einwohner nur ... 0
die verteilt werden in die Zucht, dem Herrn Richter 4
dem Gerichtschreiber .—
dem fronbotten oder gerichtsdiener .. 1
Von einem Arrest dem Herrn Richter ...—
dem Gerichtsschreiber vom einsehreiben ...—
Yon Lauperungen gleichfals also ..—
die, so in der Nacht oder vom Brandtwein eingezogen werden, dem herrn Richter Jeder ..
dem gerichtsscbreiber . 1
dem gerichtsdiener ... 1
Vom spanen der Heiser dem Herrn Richter ... 4
dem geriehtsehreiber .. 1
dem gerichtsdiener, wo eß vor der stat ligt, auch . 1
Vom sieglen der Heiser 6 gr.; davon dem H. Richter 4 gr., dem
 geriehtsehreiber . 2
Von Inventiren 6 gr., davon dem Herrn Richter 3 gr., dem gericht-schreiber .. 3
Von schlichten anglobungen, Jargulden und protestationen dem
 geriehtsehreiber ..
Von einschreiben der Heiser, Gartten, Acker oder gelt kauff davon dem H. Richter 6 den., dem geriehtsehreiber ..
Von einer Yolmacht dem herrn Richter .—
dem geriehtsehreiber ... 1
Von einer Versiegletten Vollmacht uber feit .. 5
davon gebuhren dem geriehtsehreiber . B
Von einem Libell, welches die Parten einlegen 3
Vom Verhoren eines Zeigen 8 den., davon dem Herrn Richter . —
dem geriehtsehreiber —
Von Verzeichnung der gelder, so außgeben werden und nicht
 verfallen sein, dem geriehtsehreiber ...—-
Seindt sie verbotten gewest, und derselben uber 5 fr., sonst Vom fr. 1 gr., dem Herrn Richter . 5
2
6
4
6
20
6
6
2
‘) In M. ßeic
 89
 Gr. den
dem gerichtschreiber ..— 5
Von einem Außzug außzugeben .. 2 ___
Wen der gerichtschreiber einem einheimischen eine Citation
 schreibet, daran sol er haben ...— 2
Wirdt ein Weinherr von den gerichten aufs Eathhauß vertheilt, gibt ehr dem Herrn Eichter 1 sch, gr., das i- sch. prasentirt ehr auffs Eathauß, dem gerichtsschreiber geburen .. 1 1
 II.
 Gerichts-Taxa bei der stadt Olmutz von allen dreien ratben auffgerichtet den 30. Aprilis anni 1607. (Olm. Kodex Eol. 117 b
bis 118 a);.
Dem Herrn Eichter ein frembder das Eecht ... 3 kr. — den.
ein Inwohner .— gr. 6 den.
die in die Zucht vertheilt .. 6 gr. 3 den.
vom Arrest . 2 gr. — den.
von Leutterungen des Arrestes ...— gr. 8 den.
Bei dem Brantwein oder bei Nacht Eingezoehenen ... 6 gr. 2 den.
vom spaanen der Heuser ., g gr. Aan.'
dem Diener von unterschiedlichen dreien Ausrueften . . 3 gr. — den.
vom sieglen der Heuser . 6 gr. den.
von Inventaríen bei den Armen .. 6 gr. den.
bei einem gemeinen Handwerksman ohne die sperrung . 15 gr. den.
so man einen ganzen Tag inventando zuebringt 1 fl. — den.
und dies 5 Tag nach einander inclusive.
 Von Anglobungen und Protestation, von Einschreibung der Heuser, Velder, Aeckber oder Gartenkhauff ein jedes
Theil 4 kr., facit .. ... 8 kr. — den.
von einer Volmablit 4 gr. — den.
von einer besiegelten macht uber feldt . 7 gr. den.
von einem libell, so die Partheu einlegen - 3 or. den
von Verhorung eines Zeugen . 2 gr. — den.
von Verzeichnung der Gelder, so ausgeben werden und
nicht verboten seindt ... gr. g ¿eil
seindt sie verbotten gewest von 1 fl 1 gr. _ deu
ist derselben uber 5 fl., dem Herrn Eichter . 5 gr. 5 den.
vom Auszueg ausgeben 2 o-r.
von Citation Zettel . 1 kr. _______ den
wird ein Weinherr von den Gerichten auffs Kadthaus vertheilt, erlegt er den erbern Gerichten .. 1 sch. gr.
dem Diener in der stadt . 2 den.
in die Vorbrieg und auf die Pilletten ...gr.
in die Vorstadt . j gr
 Consule domino Barth Ol orneo Heylig.
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 Anmerkung: In L. liest man folgende Erlauterung:
 Die Gebuhr des Herrn Yogten vom verbottenen gelt bei dem Gerichte etc.
 Von einem jeden, so die Personen auf ein gelt ein Verbot thun, sol der Herr Vogt sein gebuhr davon nehmen, von jeden Gulden 1 gr., wen eß halt 100 fr. wehre, so gebuhret und nimbt der Herr Vogt nicht mehr davon den 5 gr. und wie viel einer verbeit, es were 1, 2, 3, 4, 5 fr. so nimbt der Herr Vogt von einem Jeden 1 gr., und was uber 5 fr. ist, nimbt der Herr Vogt dennoch nit mehr den 5 gr.
 Alle Handeln, wehren, leichter, hacken, damit man wirfft und schiegt, seind dem gericht verfallen.
 Ul')
 Eines Ehrsamben Raths der stat Olmutz Taxa und Wurdigung, wie man sich gegen den geschwornen Procuratoribus wegen ihrer gebuhr verhalten soll.* 2)
 Erstlichen die gewonliche und beredte Jahrbesoldung Jeden 30 fr. Obwol hiebevom den geschwornen Procuratoribus von den sacz-schrifteu bis zum urtheilsbeschluß 1 sch. gr. zue geben ist verordnet worden, doch in erwegung aller Umbstende soll man ietz den geschwornen Procuratoribus. jedem wann mugliches Vleisses der Parthen Notturfft, es sei mundt-lich oder schrifftlich, vorgebracht und zum Ende oder Beiurteil, es sei mit Viell oder weniger schrifften beschlossen, 4 fr. geben, und die Procu-ratorres sollen außerhalb dieser 4 fr. von Po3itional-Artikel, Interrogatorijs und sonsten etwas mehres Zuefordern und die Parthen zue beschwehren, keine macht haben.
 Item von Mundtlichen einbringen, es sei vor einem e. w. Rath oder den Gerichten, doch auf Vorbringungen beseheidts erwordtende 2 gr.
 Item von einen Jeden gulden, der dadurch den Procurator eingewendt wierdt, 1 gr. und soll weder einheimbischer noch frembder was mehrers in oder ausserhalb der Jahrmarkh zue geben nicht schuldig sein.
 Item von andingung der Parthen in summa 4 gr. Und sonsten, wie es von Alters bei den Gerichten ist gehalten worden.
 Item von einer suppliration lest man dabei wenden, wie sich die Parthen mit den Procuratoribus vertragen werden.
 Wan Jemandts den Procurator ubers feldt bedurffte, soll er sich mit ihme gebuhrliehen Vertragen, doch das die Procuratores die Parth nicht ubersetzen noch beschweren, und sollen auch keinmall Zuverreißen macht haben, sie hetten sich den zuvor bei dem Ampt ahngezeiget und vom Herrn burgermeister zuverreissen Vergunstigung bekommen, doch daß sie alwegen in Zeit der Banrechten sich daheimb finden lassen und neben ihren Eidts Pflichten wie sich gebuhret der Parthen Notturfft Vorbringen und wieder dieße Verordnung keines wegens nichts vornehmen, bei Vermeidung ernstlicher straff.3)
 s) Im Olmutzer Kodes und M. enthalten.
 2) s. in diesem Anhang: I., 6.
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