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Der wolgebornen herrn, herrn Johannsen, herrn Wolf Eberharden, Wilhälmen,
Georgen, Christophen und Zasolfen, gebrüedern, graven zu Lupfen, landgraven
zu Stüelingen, meiner gnedigen herrn, althergebrachte lands- und
landgerichtsordnung in irer gnaden landgrafschaft Stüelingen, ernewert und
beschriben im jar, als man zalt von Christi unsers erlösers und seligmachers
geburt, 1527 jare.
[I 1] Nemblich so gehört iren gnaden die landgrafschaft Stüelingen mit
aller oberkeit, rechten, gerechtigkeiten, zu- und eingehörung, wie dann
ire gnaden dieselben von der Rom. Kay. May. und dem heiligen Römischen
Reiche zue lehen tragen alles vermög der lehenbrüeven.
[I 2] Item die landgrafschaft Stüelingen ist ein ausgezircklete
landgrafschaft, die ire eigne greinzen hat einer hochgerichtlichen und
vorstlichen oberkeit.
[I 3] Item meine gnedigen herren die landgraven haben in dem bezirk der
landgrafschaft Stüelingen ze strafen mord, raub, brand, verreterey,
diebstal und andere sachen, so leib oder leben berüerend, klein oder
groß, wie das genant werden mag und von wem solchs geschicht, nichts
ausgenomen.
[I 4] Item dergleichen alle falscheit, durch was mittel und weg sich das
begibt, haben meine gnedigen herren ze strafen.
[I 5] Item auch der gelopt friden und all ander glübt, ehr und eyd,
mundlich oder schriftlich, geburt meinen gnedigen herren ze strafen.
[I 6] Item meine gnedigen herren die landgraven haben auch in dem
bemelten bezirk den gebotnen friden ze strafen, wie der mit worten oder
wercken verbrochen wird.
[I 7] Item die meß, massen und gewicht in dem bezirk der landgrafschaft
Stüelingen gebürt meinen gnedigen herren den landgrafen besichtigen ze
lassen und was ungerechts erfunden würd, ze strafen.
[I 8] Item all gefährliche mißbreuch und handlungen, wie sich die — 113.1 zutragen, es seie mit marcken,
inkaufen und
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strafen.
[I 9] Item alle gewaltsami — gehört — dem landgrave ze strafen
ausgenommen die sachen den nidern gerichten anhengig, von deren wegen
die nidern gerichtsherren in der landgrafschaft Stüelingen bis uf zehen
pfund und aber darüber nit zu gebieten und ze strafen haben.
[I 10] Item das geleit — gehört — den landgraven.
[I 11] Item alles gestolen, funden und unrechtfertig guet, so — fürbracht
und betreten würd, gehört — den landgraven zu.
[I 12] Item es gehört auch meinen gnedigen herren — allenthalben alle
schätz, es seye silber oder gold, dergleichen alles berckwerck, so jetzt
vorhanden oder über kurz oder lang zeit gefunden wurde.
[I 13] Item all neuw mülstett und neuw weyerstett — gehören — den
landgraven zu verleyhen, dergleichen die alten mülstett zu besichtigen,
ob die taugenlichen oder untaugenlich gehalten werden.
[I 14] Item es soll kein badstuben — gemacht noch gebraucht werden,
ausgenommen die, so von alter herkommen seind; welcher aber ein
badstuben ohne der landgrafen vorwissen und erlauben bauwete, haben ire
gnaden zu strafen.
[I 15] Item alle fündling und unehliche künder — gehören — den landgraven
zu.
[I 16] Item alle personen —, so den landgraven mit leibeigenschaft
zugehörig, sollen, was mannspersonen, iren gnaden gelobt und geschworen
seund und iren gnaden vaßnachthennen, fäl, läß, steur, schatzungen und
andere gehorsame geben und leisten, auch in landsrettungen und in
anderweg gehorsam sein ; dergleichen welche personen in die
landgrafschaft Stüelingen ziehen, sollend als landzügling und nemblich
die mannspersonen — den landgraven loben und schweren, auch
vaßnachthennen, fäll, läß, steur, schatzungen und andere gerechtigkeiten
geben und erstatten, auch in landsrettungen und in anderweg gehorsam
sein, und die künder, so von denen in der landgrafschaft Stüelingen
erporen werden, fallen dem landgrafen mit der leibeigenschaft zu, doch
soll es der landzügling und landzüglerin halben gegen dem gotzhaus St.
Bläsien laut vertrags gehalten werden.
[I 17] Item so jemands — mit tod abgeht und kein erben vorhanden, gehört
dessen verlassen hab und guet meinen gnedigen herren als den landgraven
zu.
[I 18] Item es soll kein marckt — gehalten werden, dann zu Stüelingen,
Thüengen und Bonndorf, und hat kein niderer gerichtsherr macht marckt in
sein gericht ze halten.
[I 19] Item — die landgraven haben allen underthonen — allenthalben an
der höchen bueß 27 lb. h. zu gebieten, ir fayl guet uff den jormarckt
gen Stüelingen, so der gehalten würt, ze füeren, und wa das nit beschehe
und jemands sein fayl guet in monatsfrist darnach anderstwohin füren
oder verkaufen wurde, mügen meine gnedigen herren die ungehorsamen
darumben strafen.
[I 20] Item es soll niemands — weder mit salz, ysen, stahel noch anderer
war kein gewerb und
| Seite 115| kaufmanschafft treiben ohne der landgraven erlauben und so jemands
darüber ungehorsam, wierd von iren gnaden gestraft.
[I 21] Item alle zöll — gehören — den landgraven zu, doch soll es mit dem
zoll zu Thüengen gehalten werden laut vertrags und wie von alter
herkommen.
[I 22] Item aller wiltpänn und vorst, hoch und ander gewilt, auch aller
vögeln, flüegend und flüessend, von dem allem nicht ausgenommen, gehört
— den landgraven zu Stüelingen und die, so sich dessen unerlaupt
gebrauchen, als die ungehorsamen an leib und guet ze strafen.
[I 23] Item dem nunnenmacher, so von den landgraven oder irer gnaden
oberamptleuten der landgrafschaft Stüelingen bestellt ist, gehört die
wayd in dem vilgedachten bezirk allenthalben, mag sich deren sunst
keiner ohn der landgraven oder oberamptleuten erlauben gebrauchen,
dergleichen auch kein underthon zu keinem andern fahren; wer darüber
ungehorsamb, würd gestraft.
[I 24] Item ein blatzmayster, so den blatz von dem landgraven oder den
oberamptleuten der landgrafschaft Stüelingen entpfangen, mag den blatz
regieren, abentheuren, freymerkt und ander spil und sachen dem blatz
zugehörig halten, verbieten oder erlauben und darumb sein recht
nemen.
[I 25] Item so kein blatzmeister vorhanden, nemen doch — der landgraven
vorstmeister von den krämern, wa die — fayl haben, das standgelt.
[I 26] Item die landgraven oder die oberamptleut der landgraveschaft
Stüelingen haben einen meister zum abgestorbnen vich zu bestellen nach
irer gnaden gefallen, und soll niemandz — sein abgestorben vich einen
andern abzihen lassen; wär dz thuet, würd gestraft.
[I 27] Item alle sachen vermeldet und unvermeldet, die oberkeit oder
hochen gericht berüerend, gehören — den landgraven, mügen darin handlen
mit straf oder gnad beweysen, nach den thätern greifen, annemen oder für
landgericht stellen lassen nach irer gnaden gelegenheit und
gefallen.
Und welchermassen die ubeltäther und andere gestraft sollen werden, würd
in nachgemelten capiteln noch lengs angezeigt.
Das landgericht soll mit einem erbaren mann, dem landrichter, und zwelf
erbaren mannen zu richtern und urteilern besetzt werden; die sollen sampt
andern personen zu dem landgericht gehörig allwegen einem landgraven oder
inhaber der landgrafschaft Stüelingen loben und schweren.
Der landrichter soll angloben und daruff ainen ayde leyblich zu gott und den
heiligen schweren, daß er das landgericht zu rechter und gewonlicher zeit
besitzen und in ehren halten, auch dasselbig sampt der landgraven freyheiten
diser lands- und landgerichtsordnung und alten herbrachten gebreuchen und
gewonheiten nach seinem besten vleiß und vermügen schirmen und handhaben,
ein gemeiner und gleicher landrichter sein und in keinerley sachen weder
gunst, freundschaft noch feindschaft ansehen, auch
| Seite 116| von keiner parthey ainiche schencke begeren noch nemen, des landgerichts
geheim und ratschläg (ohne der urtelsprecher erkantnus oder befelch)
niemands ofenbaren, sonder bis in seinen tod verschweigen und was mit recht
erkent und ausgesprochen würd, der notturft und gepür nach volnstrecken soll
und welle.
So sollen die zwelf urtelsprecher des landgerichts und nemblich jeder
insonders anloben und schweren, alle und jede landgerichtztäg, wie die
jederzeiten angesetzt und geordnet werden, gehorsamblich zu besuechen und zu
besitzen, in recht nach ausweisung — der landgraven freyheiten, auch diser
lands- und landgerichtsordnung zu erkennen und ze handlen, insonders die
partheyen nach aller notturft anhören und darüber rechtmessige urtel nach
eins jeden besten verstands ze sprechen und zu erkennen und darinnen nit
anzesehen weder gunst, freundschaft noch veundschaft, auch von einicher
partey ainiche schenck zu begeren, noch zu nemen, des landgerichts geheim
und rahtschleg bis in ihren tod zu verschweigen und die urteilen und
bescheide niemandz, bis das die den partheyen rechtlichen mitgeteilt worden,
zu offenbaren, besonder alles das ze thun, so frommen gerechten
urtelsprechern von recht und gewonheit wegen ze thun gepürt, alles
erbarlich, treuwlich und ungevorlich.
Der landschreiber oder gerichtschreiber soll, inmassen obsteht, anloben und
schweren, das er allem inhalt der lands- und landgerichtsordnung, sovil im
darin auferlegt würdet, nach seinem besten vermögen nachkommen und darob
halten, alle schriftlich und mündlich fürträg und was vor landgericht
einbracht und gehandelt würdet, vleissig und getreuwlich ufschreiben und
verwahren, brief- und gerichtzacta ohne vorwissen und bevelch des
landgerichtz niemands zustellen, verlesen, mitteilen oder abschrift davon
geben, alle geheim des landgerichtz niemandz offenbaren, die seyen dann den
partheyen rechtlichen mitgetheilt, das landgericht eren und demselbigen
gehorsam sein, niemand über die gewonlichen tax- und schreiberlohn
beschweren, sonder alles dz thun soll und welle, das einem erbaren und
gerechten mann zusteht.
Der landpot soll auch wie oblaut loben und schweren — den landgraven, irer
gnaden oberamptman, dem landrichter, landgericht und landschreiber gehorsam
ze sein, das landgericht treuwlich zu befürderen und zu ehren, alle
ladungen, verkündungen und ander landgerichtliche process zu gebürlicher
zeit zu uberantwurten, von und usser diser lands- und landgerichtsordnung
nit ze schreiten, besonder deren all irs inhalts gestracks zu geleben und
nachzekomen, und was gescheft und sachen ime jederzeiten bevolhen würdet,
mit bestem vleis auszerichten und ze volnziehen, ainem jeden, des
gewalthaber er ist, sein recht nit zu
| Seite 117| verzihen, sonder sovil an ime zu fürderlicher endschaft ze bringen, und
so ime je zu zeiten einich gelt von seins principals wegen überliferet
wurde, dasselbig ime nit lenger dann drey tag die nechsten zu behalten,
sonder in solcher zeit dem cleger zu überantwurten oder, wo das nit
geschehen möcht, hünder den landrichter oder landschreiber ze legen und
damit sonsten gar kein verenderung ze thun, all und jede frevel und
mißhandlungen, die sich in der landgrafschaft allenthalben zutragen und den
landgraven zu strafen zustehn, grundlich zu erfahren, dasselbig fürzebringen
und darinnen nichtzig zu verhalten, die geheim des landgerichts allzeit zu
verschweigen und darussen niemand nicht ze rahten und sonst alles anders ze
thun, das einem getreuwen und uffrechten landpoten gepürt, sonder
gefärd.
Das landgericht soll man wa müglich zu fünfzehen oder zum wenigisten zu
vierzehen tagen ansetzen und halten, es were dann, das solches gepanner und
gebotner feurtagen oder anderer ehehafter ursachen halber nit sein möchte,
so soll dasselbig allwegen zu erster gelegenheit fürgenommen werden, doch
soll man die vacanzen von Lucie bis Hilarii, von der wochen nach Judica bis
Quasimodo und ungefährlich von Johannis Baptistae oder Ulrici bis uff
Bartholomei halten, wie von altem herkomen.
Der landrichter soll von St. Jorgen tag bis St. Gallen tag umb die neunten
stund vormittag und nach St. Gallen tag bis widerumb uff St. Jeorgen tag umb
die zehenten stund vor mittag den stab uffrichten, das landgericht besitzen,
und alsdann ain jeder urtelsprecher auch erscheinen und keiner ohnerlaupt
der landgraven oder oberamptleuten ausbleiben, es verhündere in dann
herrnnot oder schwacheit leibs. Wa aber einer oder mehr ohne die ermelten
ursachen ußbleiben oder aber uff die berüerten stund nit erscheinen, so
sollen der oder dieselben nach der andern urtelsprecher erkantnus gestraft
werden, und so aber der ungehorsamen verschont werden welte, so soll den
landgraven oder irer gnaden oberamptleuten gegen denselben ungehorsamen
straf vorbehalten sein.
Und so der landrichter den stab aufricht und sampt den urtelsprechern
nidergesessen, mag er, obgleich wol die urtelsprecher noch nit all und ob
doch uber den halbtheil erschinen weren, das landgericht anfahen und
anfenglich ein urtelsprecher fragen, er sitze anstatt und in namen — der
landgraven und well landtag halten, ob es nit an der tagzeit seye, das er
richten müge uber alles, so für in gebracht werde, darumb soll er uff seinen
ayd sprechen, was in recht dunke; daruff soll derselbig urtelsprecher
erkennen, das es wol der
| Seite 118| tagzeit seie, das er müg nüdersitzen und richten über alles, so für in
gebracht werde, und soll der landrichter die andern urtelsprecher dem ze
volgen oder ein anders ze sprechen verner auch fragen und bey angeregter
erkantnus bleiben.
Zum andern soll er gleichermassen fragen, waran er das landgericht verpan,
daruff erkent werden soll, dasselbig an 3 lb. h. zu verpannen.
Zum dritten soll er fragen, ob jemandz jar, monat und tag verächtlich und
frevenlich in aucht bleiben were, und der clegere oder meiner gnedigen
herren oberamptleut, wa sich die zeit nach dem rechten ergangen het, sich
beclagten, das derselbig umb die aucht nit geben welt und deshalb
anruefbrüef von disem als dem weltlichen gericht an das geistlich gericht
begerten, damit das geistlich dem weltlichen gericht zu hilf komme, ob er
die zu erlauben hab ohn weiter frag, daruf erkent werden soll, so oft sich
solcher fal, wie er das geredt und gemelt, begeb, das er solche brief, damit
der ungehorsamb gehorsam gemacht werd, wol zu erlauben hab ohn weiter
frag.
Zum vierten soll er fragen, so jemands in meiner gnedigen herren
landgrafschaft Stüelingen uberfahren und ubertreten het, es were mit mord,
raub, brand, diebstal oder mit andern sachen, die irer gnaden herrlichkait
berüerent, mit unwillen und unerlaubt meiner gnedigen herrn oder irer gnaden
oberamptleute, ob man denen nit billich darumb uff dis frey landgericht
verkünden müge, daruff erkent werden solle, ob man denjenigen, so mord,
raub, brand, diebstal und anders, was der grossen stuck seyen, die leib oder
leben berüerent, überfahren und ubertreten, gleich lang verkündte, so kemen
die, ob sie wellten, deshalb mügen meine gnedigen herren oder irer gnaden
oberamptleut zu denselben greifen, sie fenglich annemen, ob sy wellen; aber
denen umb dis mindern stuck mügen die oberamptleut, auch ob sie wellen ,
verkünden und sich verantwurten lassen.
Zum fünften soll er fragen, ob jemand uff disem landtag brief begerte zu
hören, ob er die zu erlauben hab ohn weiter frag, daruff erkent werden soll,
das er die also wol zu erlauben hab ohn weiter frag.
Zum sechsten soll er fragen, ob uf disem landtag, was zu recht erkent wurde
und dessen jemands brief begerte, ob er die nit zu erlauben hab ohn weiter
frag, daruff zu recht erkent werden soll, das er die wol zu erlauben hab
ohne weyter frag.
Zum sibenten soll er fragen, so jemands in dem bezirck der landgrafschaft
Stüelingen wonhaft für dis frey landgericht köme, und wells ime umb ein
bekantliche schuld lassen pieten, ob nit er, der landrichter, solches thun
müge ohn weiter frag, daruff erkent werden soll, das er solch pot wol thun
müg on ain weiter frag.
Und nach allen disen fragen soll der landrichter das landgericht verpannen
also, er verpiete und verpanne das landgericht an 3 lb., das niemands rede
dann durch
| Seite 119| sein fürsprechen, es werd im dann erlaubt von meinen gnedigen herren oder
irer gnaden oberamptleut.
Item der landrichter und das landgericht sollen und mögen an dreuwen, sechs,
zehen und siben und zweinzig lb. gebieten und verpieten.
Es soll kein persohn umb schulden under 5 ß h. geladt werden ausgenommen der
landschreiber und landpott, die mügen umb iren verdienten lidlohn am
landgericht, des sie vil oder wenig, ladungen ausgehn lassen.
Item so die oberamptleut der landgrafschaft Stüelingen jemands — umb sachen,
da ein person über 10 lb. h. ze strafen sein möcht, oder auch umb vertedingt
gelt fürnemen wellen, das mügen sie woll thun, wie die notturft und
gelegenheit jederzeit erfordert.
Item es sollen auch andere personen umb scheltwort, leibschäden, gelübd, so
mundlich oder schriftlich beschehen, und ander dergleichen hochen ansprachen
verkündungen zugelassen werden.
Die ladbrief sollen mit des landgerichts insigel besigelt und durch den
geschwornen landpoten oder mangel halb seinen einen erbaren knecht, so — den
landgraven gelobt und geschworen, under ainer des landgraven glaidbüchs
geantwurt werden, namblich einem jeden, so in dem bezirck der landgrafschaft
Stüelingen seßhaft, drey tag vor dem landtag, und einem jeden, so usserhalb
der landgrafschaft gesessen, achtag vorm landtag; dergleichen sollen die
verkündungen auch acht tag vor dem landtag geantwurt werden, und die alle
jedem ze hus, ze hof oder under augen , wa dann jeder betreten würdet, oder
wa dann einer nit anheim were, den vögten oder geschwornen desselben
flecken; doch so mag der landpot in eins abwesen woll zu haus und hof
uberlüfern, aber solches soll offentlich beschehen und dem hausgesünd
angesagt werden; und wann die ladungen und verkündungen also geantwurt sein
und solches der geschworn landpot oder ein ander wie oblaut bey seinem ayd
sagt, soll im glaubt werden und mag der cleger sein clag selbs oder durch
einen andern mit gnugsamen gewalt fürbringen und volnfüeren und soll man dem
landschreiber, umb was sach das ist, von jeder ladung 1 ß und jeder
verkündung 5 ß h. und dem landpotten potenlohn von jeder ladung und
verkündung von der meyl wegs 2 ß h. geben.
Ain jeder, so geladen würd, mag
| Seite 120| uff den ersten, andern oder dritten landtag erschinen, doch soll gegen
demselben uff den ersten, andern und dritten landtag klagt werden, und so
der beclagt uff dem dritten landtag nit erscheinen und sich verantworten
würdet, mag der cleger oder sein gewalthaber ime, so er anderst ine ausclagt
hat, in aucht, so die uber ine gehalten worden ist, schreiben lassen; wo
aber ein jar nach beschehener ausclagung verschinen wurde, darinnen der
beclagt nit in aucht gethon were, soll man in alsdann nit mehr einschreiben,
er werde dann von neuwem fürgenommen und inhalt diser landgerichtsordnung in
aucht ausclagt; wa aber der cleger dem antwurter, seinen rechten ohn
schaden, ain zeitlang stillstehn wurde, soll ime cleger an seinen rechten
nicht irren.
Item ein jede person, deren verkündt würd, soll uff dem ersten landtag
erscheinen oder gegen derselben mit aucht und andern landgerichtenprocessen
verfahren werden, alles nach landgerichtz brauch und recht; ob aber die
verkündt person auf dem ersten landtag erscheinen und anzeigen wurde, daß sy
uff dismal nit antwurt geben künte mit beger iren ein ufschlag ze geben, mag
derselben person, (wa die warhaft und sie solchen uffschlag bey geschwornem
ayde erhalten und sagen mag) ein aufschlag bis zu dem nechsten landtag mit
urtel zugelassen werden.
Item so jemands gegen einem ganzen commun was ansprach hat, soll das ganz
commun in einer ladung begriffen werden, dergleichen sollen die, so in einem
muoß und brot seyen, auch in einer ladung begriffen und dise personen in
allen gerichtscosten, so es ein sach ist, für ein person verstanden werden;
were es aber zweyerley sachen, so mag man sich darinnen wie mit ainzigen
personen halten.
Und nachdem dann das landgericht in dem bezirck der landgrafschaft Stüelingen
das recht ordenlich gericht ist, so soll von demselbigen kein commun,
dergleichen kein person, frauwen oder man, edel oder unedel, die in dem
bezirck der landgrafschaft Stüelingen hausheblich sitzen oder dienen, uff
anderer herren oder stätt freyheit sag gewisen werden, sonder sich
daselbsten vor landgericht recht benüegen lassen, es were dann sach, das
einiche urtel ergehn würde, deren jemand vermeinte beschwert ze sein, davon
soll einem jeden wie hernach steht zu appellieren vorbehalten sein.
Ain jeder, so einen mit ladung umb schulden und kleinfüeg sachen fürnemen
will, der mag sein gewalt dem geschwornen
| Seite 121| landpoten ubergeben und soll ime zu gwaltgelt bezalen, so es über 1 lb.
h. ist, 2 ß h., gehört der ein ß dem landrichter und der ander dem
landpoten; ist aber die schuld under 1 lb., soll im nit mehr dann 1 ß, der
im landpoten allein gehört, geben werden; will aber einer sein sach selbs
rechtvertigen, das mag er thun oder dem landpoten gwalt durch einen
besigelten brief oder an landgerichtsstab uffgeben, und so also gwalt an
stab übergeben wurde, soll im durch den landrichter underschidlich
fürgehalten werden, das er gewalt geb zue gewinn, verlust und allem rechten,
alles bis an ayd, und gehört von jedem gewalt an stab dem landrichter 1 ß;
so dann einer den andern mit verkündung fürnemen wurde, der mag auch selbs
clagen oder soll sein gewalt durch ein besigelten brief oder an
landgerichtsstab ubergeben, wie vorsteet, es sey umb was sach das well,
ausgenommen leib oder ehr berüerent.
Item der landpot soll jedes landgerichtstags darsteen und begeren, das man im
sein erste, andere und dritte clagen, als namblich die personen uff die
nechsten drey landtag geladen worden seyen, verlesen welle, das soll alsbald
beschehen und dann er, der landpot, offentlich reden: "herr landrichter, hie
steen ich von wegen aller der cleger, deren ich dann gewalthaber bin, gegen
und wider die anclagten, die jetzt an verlesen seyen, uff dem ersten
landgerichtstag, dem andern und dritten tag, und beger ainer umbfrag, was
meins rechtens seye"; daruff soll erkent werden, das der landpot warte,
alleweyl der landrichter sitze, erscheinen dann die antwurter, das er sie
anclage, kommen sie aber nit, das er dann gegen denen, so uff disen jetzigen
landtag geladen, den ersten landtag, gegen denen, da der ander landtag
verschinen, den andern tag und gegen denjenigen der dritt landtag hin seie,
den dritten landtag behalten hab nach landgerichts recht und das er wider
dieselben mit aucht, anlaitin und anderen landgerichtlichen processen verner
procedieren müge inhalt diser landgerichtsordnung, und gehört dem landpoten
von jeder clag zu lohn 1 ß h. Ob aber die clagen, wie obsteet, nit gelesen
werden, so soll es allen denen, so geladen seund, keinen schaden bringen und
dem landpoten kein clagschilling, dergleichen auch ime, so ein sach
angestellt wurde, nicht geben werden.
Und ob nun der antwurter erscheinen und wellte sich durch sein fürsprechen
verantwurten und aber der cleger oder sein gwalthaber zemal nit zugegen, so
soll zu recht erkent werden, das der antwurter wart, alle die weyl der
richter sitzt, komme der cleger nit noch niemand von seinetwegen, der ine
anklage wie recht ist, das dan er, der antwurter, der
| Seite 122| ausgegangnen ladung und dis gerichtstands auf dis mal ledig seie, mit
erstattung alles erlittens costens und schadens, die messigung desselben dem
landgericht vorbeheltlich; und so der antwurter dessen brief begerte, man
soll im den erkennen, doch das er zuvor die ladung oder verkündung, damit er
fürgenommen, rechtlich einleg, und so dann der cleger dem antwurter den
ermelten costen bezalt hat, mag er, der cleger, so er will, ine, antwurter,
von neuwem fürnemen nach gebruch diser ordnung.
Wa aber einer uff ladung oder verkündung usser nachvolgenden ursachen nit
erscheinen möcht, soll er dem landgericht durch offen besigelten brieve
schreiben und wa er das mit gueter gewißne thun mag, uff seinen ayde sagen,
das ime veundschafft oder schwacheit halber seins leibs oder von anderer
ehafter ursachen wegen ze erscheinen nit müglich; alsdann soll man ime
uffschlag bis zu dem nechsten landtag darnach mit urtel erkennen, und so er
zum anderen oder auch dritten landtag gleichermassen wie vorsteht schriben
wurde, soll ime jedesmals aber aufschlag zugelassen und doch uff ermelten
dritten landtag verner mit urtel erkent werden, das er durch sich selbst
oder einen erbaren boten mit verschribnem gwalt, des zu recht gnug, zu
nechstem landtag darnach dem cleger antwurt geben und fürter in recht, wie
sich gebürt, procedieren, wa aber das nit beschehe, alsdann dem cleger sein
recht fürgen solle.
So aber jemands vorerzelter massen umb uffschlag pitten würde, der
wissentlich in aucht oder in bann were, dem soll man keinen aufschlag geben,
sonder dem cleger sein recht zu im volgen lassen.
Welcher den andern mit verkündung umb sachen den leib oder ehr berierend
fürgenommen, der mag kein gwalthaber setzen, sonder soll die sach selbs
rechtvertigen und dem rechten auswarten, bis das er den beclagten in aucht
ervolgt, alsdann, so er will, mag er ein gewalthaber verordnen, der mit
anleitin und all andern landgerichtlichen processen fürfare, alles nach
inhalt diser ordnung und wie recht ist.
Item so gaistliche personen, frawen oder künder an dem landgerichte
rechtigen, die sollent bevögtet sein oder vor landgericht bevogtet
werden.
Ob jemands umb versessen zeins klagte, so soll man demselben drey zins, so er
| Seite 123| by seinem ayd erhalten mag, das ime die aussteen, mit recht zuerkennen
und er mit bezahlung derselben andern gemeinen gleubigen vorgeen. Ob aber im
vil oder wenig uber die gedachten drey zins ausstendig were, soll solches
für ein gemeine schuld geachtet und auch wie gegen andern gemeinen
gleubigern gehalten werden.
Item waverr sich begeb, das einer dem anderen ein guet, das lehen were,
ansprech, so soll man dis sach für den lehenherren weysen.
Item ob einer den andern umb verfallen gült oder zins usser einem lehenguet,
das lehen were, fiirnemen würd, soll nit gewisen, sonder vor landgericht
darumb erkent werden, was recht ist.
Ob sich aber befundt, das einer gült, zins oder einich stuck usser einem
guet, das lehen were, verkauft oder verendert hette, soll man für den
lehenherren weysen, und solche obberüerte güeter sollen hierinnen als mann-
und dergleichen lehen verstanden werden.
[XXIX 1] Da jemanden kundschaft vor landgericht zu verhören mit urtel
erkent oder zugelassen würd, soll ein jeder in einer sach, die das bluet
oder ehr berüert, weniger nit dann siben erbar und unpartheysche mannen
und umb schulden oder andern geringen sachen nit weniger dann drey erbar
unpartheysch mannen fürbringen, es welle dann der gezeugenfüerer umb
schulden oder in andern geringen sachen auch sagen, so sollen zween
erbar und unpartheysche man neben im verhört und inen allen der
gewohnlich ayde erthailt werden.
[XXIX 2] Item welche person sich einer beweisung beruemen und anerpieten
wurde und nit erstattet, soll man derselb fürter in diser sach den ayde
darfür ze schweren nit uflegen.
[XXIX 3] Item wurde dem cleger und antwurter oder ir ainem auf ein
bestimpten landtag kundschaft und beweysung fürzebringen erkennt und
solchem aber nit statt beschehe, soll ein jeder personlich oder durch
einen offen besigelten briefe uf seinen ayde ehafte verhünderung
anzeigen und alsdann jedem nach gelegenheit der sachen nochmals sein
kundschaft fürzebringen schub erkent werden. Ob aber der cleger sein
kundschaft nit fürgebracht oder inmassen wie vorsteet nit darthun wurde,
das ine an fürbringung seiner kundschaft ehehafte sachen verhündert
hetten, so soll in recht fürgefahren und der antwurter der clag ledig
erkent werden; wurde dann der antwurter gleichermassen die beweisung nit
fürbringen, soll er dem cleger lut seiner clag abtrag thuen und soll zu
erstattung desselben zu ime mit aucht, anleitin und andern
landgerichtlichen processen inhalt diser ordnung gericht werden.
[XXIX 4] Item
| Seite 124| wa sachen, die heuratsabred betreffen, für landgericht kommen, die
nit verbrieft weren, sollen die leut, so bey solcher abred gewest,
verhört werden und was die sagen, die partheyen dabey bleiben. Ob aber
dieselben personen, so bey der abred gewest, mit tod etc. schiden weren,
so soll verner gericht werden, wie recht ist.
Welche frauw in irem jungfrölichen stand zu kirchen gefüert ist, die soll
und mag ir morgengab selbdritt behalten, also das si von erst bey mittel
gewonlichs ayds und darnach die anderen zwo personen, die seien frauwen
oder mann, auch bey mittel ayds sagen sollen, das iren die morgengab ze
geben zugesagt worden, daß sy solchs selbst gehört und darbey und
mitgewesen seyen.
[XXIX 5] Item so jemands zu kundschafter für landgericht gestellt würd,
soll mit urtel erkent werden, dz ein jede person von der handlung sage,
so vil iren davon bewisset seie, und das auch einem jeden kundschaft ze
sagen poten werde; daruff soll der landrichter jedem an 3 lb. h. pieten
und dabei erinnern alles das ein jeder sagen werde, das es ein warheit
sey niemand ze lieb noch ze leyd, weder umb freundschaft, veundschaft,
mied, forcht, gab noch keinerley andern ursach, sonder allein umb des
rechten willen. Demnach soll den gezeugen clag, antwurt und was in recht
gebracht, vorgeöfnet werden.
"Was mir mit urtel ufferlegt und fürgehalten worden ist, also will ich ein
warheit sagen, des pitt ich mir gott ze helfen und all heiligen treuwlich
und ungeverlich"; und so die zeugen geschworen, soll dem landpoten von jedem
1 ß h. zu lohn geben werden.
Begebe sich, das vor landgericht sachen gerechtvertigt wurden, darinnen den
urtelsprechern zu urteilen beschwerlich sein welt, sollen sy bey den
rechtgelerten oder in stetten, landgerichten oder andern gerichten rahts
pflegen, und was dann darunder für costen auferlaufen würdet, sollen die
partheyen gleichling vor eröffnung der urtel erstatten und bezalen.
Item ob jemands einicher costen vor landgericht erkent würdet, soll aller
gerichtscosten des landschreibers, landpoten, verbrieft schulden, zins und
gülten, die da costen und schaden weysen und sagen, und aller anderer
kosten, so redlich und ungeverlich ufferlaufen, im recht angenommen und in
schrift underschidlich angezeigt und alsdann durch die urtelsprecher taxiert
werden.
Wann ainer ainen mit
| Seite 125| landgericht fürgenommen und umb schuld beclagt und der antwurter begert
mit dem cleger ze rechnen, soll erkent und auch beyden tailen, namblich
jedem an 3 lb. geboten werden mit einandern zu rechnen bis zu
nechstkommenden landtag, und solle der antwurter dem cleger mit ime die
rechnung ze thun nachvolgen, und soll man dis pot in den gewonlichen
landgerichtspotrodel verzeichnen. Ob auch jemands der urtheil brief begerte,
man solle ime den geben; sover aber der antwurter der rechnung, deren er
begert und die ime vor landgerichte mit urtel erteilt und geboten, nit
nachkeme, und der cleger oder sein anwalt das von im clagte, so soll man
anfenglich den potrodel oder den brief, so man wie obsteet geben, verhören;
daruff würd von stund an dem antwurter gegen — den landgrafen ein unrecht
erkent, auch er verner von des clegers wegen in aucht erteilt, und ist nit
von nöten ime weiter darzu zu verkünden; allein sehe auch der cleger, das er
die clag recht volnfüere, und soll der antwurter das unrecht mit den
obbestimpten drey pfunden gestracks bessern, darumben mögen — die landgraven
demselbigen verkünden oder zu im greifen lassen.
Item so ein person die andern für landgericht fürgenommen hat, und der
antwurter im rechten uberwunden oder der schuld sonsten anredt und
bekentlich sein würdet und will ime pieten lassen den cleger abzetragen,
soll der landrichter ime von stund an 3 lb. h. gepieten den cleger bis zu
nechstem landtag zu bezahlen, das es nit weiter zu klag kome, und soll dis
gebot in den gewonlichen landgerichtspotrodel geschriben und dem cleger uff
sein beger darumben brief geben werden, und wa der antwurter dem pot nit
statt gethon, soll man den potrodel oder bemelten brief verhören und daruff
dem antwurter gegen — den landgraven ain unrecht und des clegers halber in
aucht erkennen, und soll der antwurter das unrecht mit gerüerten 3 lb. h.
gestracks besseren oder was meiner gnedigen herren gnad ist.
Item und ob ein urtel ergienge, das einer dem andern umb sein spruch und
vorderung abtrag thun solt, mag allwegen derselben nach gestalt und
gelegenheit der sachen angehengt werden der urtel bey poen 6, 16 oder 27 lb.
h. oder bey poen der aucht statt ze thun, und ob solchs nit beschehe, mügen
— die landgraven den ungehorsamen uff ir frey landgericht verkünden oder zu
inen greifen lassen nach irer gnaden gelegenheit und gefallen.
Item trüege
| Seite 126| sich zu, das in dem bezirck der landgrafschaft Stüelingen jemandz zu tot
geschlagen oder entleupt wurde, so soll an orten und enden, da die
beschehen, darüber gericht werden, und obgleich wol der totschleger zu
anfang des gerichts nit erscheint, sollen und mügen nicht destoweniger — der
landgraven oberamptleut und des entleupten erben oder freundschaft ir clag
fürbringen, daruff soll dann nach deshalb erkenter urtel dem totschleger uff
den dreyen strassen durch den landpoten gerüeft und mit namen genent werden,
das er antwurt gebe zum ersten, zum anderen und zum dritten mahl zu der
ersten klag meiner gnedigen herren oberamptleuten und des entleupten
freundschaft von des totschlags wegen, so er an N. von N. in dem bezirck der
landgrafschaft Stüelingen mit sein selbs gwalt ohne recht unerlaupt und
ohnerfolgt aller rechten begangen, und geb man im frid und gleit zu solchem
rechten; und so der landpot also gerüeft hat und der totschleger sich daruff
nit anzeigt, soll der landrichter den landpoten uff sein ayd fragen, ob er
niemand gesehen noch gehört hab, der meiner gnedigen herren oberamptleut und
des entleupten erben oder freundschaft antwurt geben wölle ; und so er sagt,
das er niemand gesehen noch gehört hab, sollen die cleger inen aber ein frag
thun lassen, wz weiters ires rechten seye, so soll erkent werden, da der
landpot uff die andern straß gehen und oberzelter massen rüefen solle, und
so der totschleger nochmals nit kompt, soll aber erkent werden, das der
landpot uff der dritten straß auch rüefe und soll sonsten beedemal wie zum
ersten gehalten werden. Demnach sollen die cleger durch iren fürsprechen
verner irs rechtens begeren und die urtelsprecher darüber erkennen, so N.
von N. der totschleger erscheine, dieweyl der richter sitz, und sich
verantwurte, so soll beschehen, sovil recht ist; kum er aber nit, das dann
die oberamptleut und des entleupten erben oder freundschaft den ersten tag
und die ersten klag behalten haben. Darnach so sollen und mügen die
oberamptleut, so sie wellen, die anderen zwey gericht gen Stüelingen mit
urtel ziehen und soll uff den anderen rechttag mit clagen, urtheilen und
rüefen gehalten werden, wie uff dem ersten rechtstag beschehen; desgleichen
soll es uff dem dritten rechtstag gehalten werden und so dann die urtel, das
sy den dritten rechtstag und die dritt clag auch erhalten, ergangen, soll —
den landgraven des totschlegers hab und guet, ligends und vahrends, davon
nichts ausgenommen, und sein leib des entleupten erben oder freundschaft
verfallen sein und also mit recht zuerkent werden und das man zu demselben
richten müge nach landgerichtssrecht, und so die partheyen brief begeren,
die sollen inen erkent und dem landschreiber von jedem urtelbrief 4 fl.
bezalt werden.
| Seite 127| Der landrichter soll allwegen zu dreyen landgerichtstägen die aucht wie
hernach steet halten und nemblich die zwelf gewonlichen urtelsprecher des
landgerichts bey einandern haben; wa aber die alsdann nit verhanden weren,
mag er andere erbare personen inner dem bezirck der landgrafschaft
Stüelingen seßhaft hünder dem gerichtsstand oder, wa er die erlangen mag,
erfordern, die auch alsbald gehorsamlich sein und neben den andern
urtelsprechern sitzen und urtelsprechen sollen ; und so die zahl der zwelf
urtelsprecher ergenzt, soll der landrichter einen darunder anfragen, nachdem
er ein aucht halten welle, wie dann alle personen, so uff — der landgraven
frey landgerichte geladt werden und das verschmachen und verachten, rechtlos
mach, darum soll er sprechen uff seinen ayd, was in recht beduncke, so soll
der urtelsprecher zu recht erkennen, ob sach were, das manspersonen uff dis
frey landgericht geladt wurden und inen die ladung besigelt durch den
geschwornen landpoten geantwurt wurden ze haus, ze hof oder under augen ald
den vögten oder geschwornen des flecken innerhalb dem bezirck der
landgrafschaft drey tag und ausserhalb der landgrafschaft acht tag vorm
landtag und uff dem ersten tag ofentlich anclagt und mit dem namen genent
werden und sy nit komen noch jemand von irentwegen und antwurt geben, das
dann die cleger den ersten tag behalten haben nach landgerichtsrecht,
darnach uff den anderen landtag offentlich anclagt und mit dem namen genent
würden und sy nit erschinen noch niemand von iren wegen und antwurten, das
dann die cleger den andern tag behalten haben nach landgerichts recht,
darnach die geladen uff den dritten tag aber ofentlichen anclagt und mit
namen genent wurden und si nit erscheinen noch niemand von irentwegen, das
dann die cleger den dritten tag behalten haben nach landgerichtsrecht und
das man zu denselbigen richten soll mit den banden der aucht zu irem leib
und guet; were dann sach, das frauwenpersonen dahin gelatt wurden, und die
ladungen usgiengen innerhalb dem bezirk der landgrafschaft drey tag vor dem
landtag und ausserhalb dem bezirck der landgrafschaft acht tag vorm landtag
und inen die geantwurt wurden ze haus, ze hof oder under augen ald den
vögten oder den geschwornen des flecken und uf den ersten tag nit kommen
noch niemand von irentwegen und antwurt geben, das dann die cleger den
ersten tag behalten haben nach landgerichtsrecht, darnach uff den andern
landtag, so sie aber öffentlich anclagt und mit dem namen genent wurden und
sy nit kommen noch niemand von irentwegen und antwurten, das sie dann den
andern landtage behalten haben nach landgerichtsrecht, darnach auf den
driten tag, so sie aber offentlich anclagt und mit namen genänt wurden, und
sie nit kömen, noch niemant von irentwegen und antwurten, dz sie dann den
dritten
| Seite 128| tage behalten haben nach landgerichtsrecht, und daruff zu inen gericht
werden müg mit aucht und anlaitin zu ierem guet und nit zu irem leib. Ob
aber verkündungen in stett, dörfer, weyler, höf oder einigen mannen ausgeen
und acht tag vor dem landtag ze haus, ze hof oder under äugen ald den vögten
oder geschwornen des flecken geantwurt werden und sy uff den ersten tag nit
komment noch jemand von irentwegen und antwurt geben, das man dann zu inen
richten soll und müg mit den banden der aucht zu irem leib und guet nach
landgerichtsrecht, und uff dise erkantnus sollen auch die andern
urtelsprecher all gefragt werden.
Verner soll der landrichter gleichermassen fragen, so er uffstand und die
wort sprech, so zu der aucht gehören, ob dann die aucht kraft und macht hab
jetzt und hienach, bis sich jeder von den banden der aucht geledigt und mit
dem cleger gericht habe; daruff soll erkent werden, so er, der landrichter,
die wort spricht, die dann zu der aucht gehören, wie er gemeldet, das dann
die craft und macht haben jetzt und hienach, und so der landrichter
uffsteht, soll er öffentlich sagen, alle die personen, so mit urtel und
recht in die aucht erkennt seyen, die erlaub er iren feunden und verpeut sie
iren freunden, und das die cleger und meniglich recht haben zu irem leib und
guet, sovil und lang bis das sy sich usser den banden der aucht erledigt und
mit den clegern gericht haben. Der cleger mag ainen ausclagbrieve nemen. Und
welcher bis in aucht erclagt würd, mag der cleger einen ausclagbrief
nemenund alsdann den beclagten gleich oder inner jarsfrist in aucht
schreiben lassen.
Item die, so inhalt diser ordnung in aucht ze schreiben seyen, sollen in des
landrichters und der urtelsprecher, so die das landgericht besitzen, oder
aber des landrichters und zweyer urtelsprecher beysein in dz auchtbuech
geschriben werden.
Item so einer in aucht erclagt und geschriben wurde, und dann derselbig
ächter sich bey dem landschreiber inner acht tagen, nachdem derselb als ein
ächter uß dem flecken, darin er wonhaft, verpoten were, anzeigte, das er
sich gesaumpt und von dem cleger unbillich in aucht gethon were, soll er die
ursachen dem landschreiber lauter fürbringen und so dann er, der
landschreiber, ursachen befündt, soll er ine, so er den auchtschilling,
briefcosten und potenlohn erlegt, uff recht ausser aucht erlassen, doch das
er dem cleger zu nechstem landtag verkünden lasse, und er alsdann demselben
gewißlich rechtens seye, als dis landgerichtsrecht ist; tuet er aber das
nit, soll er ehafte verhünderung, als das er mit schwacheit seins leibs
beladen, gefangen oder in einem schloß
| Seite 129| belegert were, durch sein brief und sigel wie recht fürbringen und umb
aufschlag pitten, auch deshalben, wie hievor von aufschlagen erleutert ist,
gehalten werden, und soll man ine uff recht nit ausser aucht lassen, er neme
dann dessen in gewonlicher formb ainen besigelten briefe; welcher gestalten
aber er hierinnen seumig ist, soll mit der aberaucht zu ime gericht werden
nach landgerichtsrecht.
Meinen gnedigen herren den landgraven seyen die auchten der edelleuten und
communen vorbehalten, die sich auch mit iren gnaden darumben vertragen
sollen, oder ire gnaden mügen gegen inen als ächtern handlen, wie sich
inhalt diser ordnung gebürt, aber die achten der einigen personen gehören
dem landschreiber, und soll ime nemblich für jede aucht in dz auchtbuech ze
schreiben und für den auchtschilling 3 lb. h., von einem edelman
einzeschreiben 15 ß, von einer commun einzeschreiben 1 lb., von jedem
verpietsbrief von einem edelman 10 ß, einer commun 1 lb., von jeder sondern
person 5 ß h. und dem poten davon zu uberantwurten 5 ß, von einem
ausclagbrief 4 ß, von einem erlaubtnusbrief 2 ß, von einer absolution und
ausschreibgelt von einem edelman 15 ß, von einer commun 1 lb. von jeder
einzigen person 5 ß [werden].
So jemand in aucht gethon würd, soll dem cleger oder seinem anwalt auf sein
begeren verpietsbrieve in gewonlicher form an vogt, geschwornen und ganze
gemeind des flecken, darin der ächter wonhaft, oder an andere end in dem
bezirck der landgrafschaft Stüelingen mitgetheilt und durch den landpoten
gemeltem vogt oder den geschwornen geantwurt werden.
Es soll auch dem cleger wider den, so er in aucht gethon, auchtbrieve in
gewonlicher form gegeben werden, und so der cleger alsdann — die landgraven
oder irer gnaden oberamptleut anrüefet den ächter fenglich anzenemen, man
ist schuldig denselben ächter, so er in dem bezirck der landgrafschaft
Stüelingen an welchem end zu betreten, zu beyfangen, doch uff des klegers
costen.
Item ob ein ächter den cleger bezalt oder sonsten zeyl bey ime erlangt und
sich ausser der aucht gegen dem landschreiber und landpoten erledigt, so
soll man ime ein erlaubtnusbrieve in gewonlicher form under des landgerichts
insigel zustellen, und vogt, geschwornen und gemeind, denen er verpoten
worden ist, wider all gemainsami mit ime haben mügen und sollen, bis er
verner verpoten würdet.
Wurde jemands von den
| Seite 130| clegern lands vertryben, so sollen die cleger dem landschreiber alle
landgerichtliche brief, so ime der vertriben schuldig, desgleichen dem
landpoten sein potenlohn und clagschilling bezahlen.
Item ob ein commun, gericht oder sonder personen in dem bezirck der
landgrafschaft Stüelingen ächter über und wider landgerichts verpot
enthielten, so mügen die oberamptleut, landschreiber der landgrafschaft
Stüelingen oder cleger den oder dieselbigen mit verkündung für landgericht
fürnemen und sollen die oberamptleut ainem jeden cleger auch schuldig sein
zu solchen rechten beystand ze thun, und ob sich befunden wurde, das ein
ainiger einsäß oder geschworner die ächter enthaltet oder gemeinsami mit ime
gehapt, so soll ein ganz commun darumb buoßfellig werden, namblich solches —
den landgraven zu bessern und die cleger umb ir ansprach abzetragen,
desgleichen den landschreiber und landpoten umb iren verdienten lohn zu
bezalen.
Item begebe sich, [dass] einer in aucht gethon und, ehe er darussen gelassen,
von seiner vernunft komen wurde, so er dann mit vögt und pflegern versehen
were und sy ine von der aucht uff recht nemen wellten, das mügen sy woll
thun, doch das sy dem cleger an des ächters statt rechtens seyen, also ob
sie dem cleger in dem rechten fellig oder das sy im rechten seumig wurden,
das man dann zu inen an des ächters statt und von seinetwegen mit der
aberaucht richten müge, alles, inmassen hievor von deren wegen, die uff
recht usser aucht erlassen werden, gesetzt und geordnet ist.
Item so ein ächter dem landgericht fürbringen wurde, das der cleger tod oder
nit in land oder niemand wissend, wo er oder sein nechster verwandter seye,
mit begern ine der ursach halber ausser der aucht ze lassen, soll ime ein
eyd ze schweren erkent werden, das er nach dem cleger gefragt hab und nit
erfahren künden, ob er lebendig oder tot oder wo er oder seine erben seyen,
und so er den ayd thue, man soll ine ausser aucht lassen mit dem anhang, wa
der cleger oder seine erben über kurz oder lang kommen und umb recht
anrüefen wurden, das er inen dann bey solchem geschwornem ayd umb ir
ansprach uff dem landgericht ze Stüelingen, so ime darzu verkündet, ohn
widerred rechtens sein welle, und ob er das nit thäte, so soll er wider
inmassen wie vor in aucht sein und des alles halber verner gegen ime gericht
werden nach landgerichtsrecht, und soll der landschreiber solchs in das
auchtbuech oder einen zettel lauter verzeichnen, damit solches bey dem
landgericht der notturft nach ze fünden sein müge.
| Seite 131|
Und sover ein statt, dorf oder commun in aucht were und davon erlassen ze
werden begerten, so sollen weniger nit dan zween erber man usser inen mit
gnuogsamen gewalt vor landgericht erscheinen, die gleichermassen einen ayd
schweren, und soll sonst in all ander weg gehalten werden, wie obsteet. Ob
auch einer in aucht geschriben und der cleger tot were, will er darus, er
soll der erben willen haben oder er mag uff recht aus aucht gelassen und
gehalten werden laut diser ordnung.
Item ob einer in aucht geschriben were und aber die gericht und clagen inhalt
diser ordnung nit nach einandern volnführt worden, so soll der cleger
denselben geächten an sein costen und schaden usser der achte erledigen und
darzu, wa das gefahrlich beschehen were, gestraft werden.
Es soll kein mansperson, so under achtzehen jaren ist, in aucht geschriben
werden und, ob es beschehe, es soll ime nicht schaden; ob er aber umb
sachen, die den leib oder die ehr berüert, in aucht gethon wurde, so soll
nach gestalt der handlung darinnen urteilt werden, wie recht ist.
Item so ein commun oder gericht in aucht were und sonder personen begerten sy
uff recht ausser aucht ze lassen, man soll sie darus lassen auf recht oder
mit des clegers willen, und soll alsdann der landschreiber solches in das
auchtbuech verzeichnen.
Begebe sich, das ein commun, es seye statt oder gericht, in aucht gethon
würdet, und einer oder mehr personen da dannen anderstwohin ziehen, die
sollen für keine ächter gehalten werden, es were dann, das der oder
dieselben in der gemeinen aucht sonderlichen mit namen begriffen weren,
alsdann nemen sie die aucht mit, sy ziehen wohin sie wellen; hinwiderumb ob
einer oder mehr in ein commun in der zeit, da das commun in aucht were,
ziehen wurden, die machen sich des lasts und der burdin der aucht
theilhaftig wie ander personen desselben communs.
Item so der cleger ainen, so er in aucht gethon, usserhalb dem bezirk der
landgrafschaft Stüelingen fahen last, und jemands den ächter uff recht aus
aucht nemen wollt, man soll in darus nit lassen, bis das der cleger bezalt
oder benüegig gemacht ist.
Es soll noch mag kein cleger noch andere keinen achter zu
| Seite 132| Stüelingen anfallen noch fallen, der dahin kompt sich ausser der aucht ze
ledigen, doch sover der ächter einen ayde leyblich zu gott und den heiligen
schweren mag und wurde, das er umb angezeigt ursachen willen gen Stüelingen
kommen seye.
So ein ächter was versetzen, verkaufen, uber jemand sagen oder clagen oder
ichzit anders thun würde, das soll weder craft noch macht haben.
[LV 1] Wo jemands jar, monat und tag in aucht verschriben ist, mügen die
cleger oder die oberamptleut der landgrafschaft Stüelingen anrüefbrief
genant supplicatoria an das geistlich gericht zu Costentz uber die nach
desselben herkommen mit pönen zu richten begeren, die sollen erkent und
geben werden, und soll man einem landschreiber von jedem anruefbrief 5 ß h.
geben, und so dann an dem geistlichen gericht zu Constantz das
supplicatorium eingebracht worden, pfligt man gewonlich ein geistlich mandat
zu geben inhaltend, das sich die ächter in 15 tagen den nechsten nach der
execution us aucht lösen, und last man sy am geistlichen gerichte zu
Costentz umb kein haubtsach verantwurten, besunder wa sy sich in ermelten 15
tagen us aucht nit gelediget haben, so richte man uf verner beger füro zu
inen mit allen processen, wie sich dann nach des geistlichen gerichts recht
und herkomen ze thun gepürt.
[LV 2] Und welche dann in den pönen verharren und einer anruefbrief von dem
geistlichen gericht an das landgericht als das weltlich gericht fürbringen
und offentlich vor landgericht seins rechtens begeren wurde, soll zu recht
erkent werden, dz man dem, so also fürbännig in dem anruefbriefe begriffen
und darumb das landgericht angerüeft ist, verkünden solle.
[LV 3] Umb solche verkündung soll man dem landschreiber 5 ß h. und dem
landpoten von jeder meil zwen ß h. bezalen, und soll der landpot den brief
antwurten achtag vor dem landtag, und gehalten werden, ob ainer die sach
selbs versteen wurde oder einen gewalthaber setzen wurde, in allerweise mit
lohn und anderm, wie von andern verkündungen umb schuld und anclag in diser
ordnung meldung beschicht, und ist von unnöten, das ein cleger ain andere
clag fürbring anders dann das supplicatorium, und soll man die antwurter,
auch kein ander antwurt geben lassen dann uff den bann, und mag er nit
darthun, das er des banns ledig, so soll man im gebieten, sich bis zum
nechsten landgericht usser dem bann zu entledigen und den cleger abzetragen,
oder man soll zu ihm richten mit der aucht und in auchtbuech verschreiben
nach landgerichtsrecht.
[LV 4] Desgleich ob ainer im selbs uff recht usser aucht hilft und erfündt
sich, das er des banns aber nit ledig ist, soll er in aberaucht erkent und
mit clag, antwurt und anderm wie am ersten uff das supplicatorium gehandelt
werden.
| Seite 133|
Item wann sich begibt, das einer ein umb schulden oder ander zuspruch soverr
clagt, daß er in mit urtel und recht in die aucht erlangt, mag er in als
vorsteet einschreiben lassen und daruff auchtbrief nemen, die man im inner
jarsfrist von der zeit, als er geächt würdet, anzerechnen, zu welcher zeit
er will, zustellen soll, und darnach ob er will mag er denselben vor
landgericht inlegen, verlesen lassen und demnach uff all und jetlich des
ächters ligend und vahrent gueter anlaitin ervordern, die im mit recht
erkent werden sollen, und von solchem anleitbrief soll man dem landschreiber
15 ß h. zu schreiberlohn geben.
Und soll der landpot die anlaiti sechs wochen und drey tag zu dreyen
landgerichtstagen nach einandern volgend besitzen, unter — der landgraven
botenbüchs allwegen acht tag vor dem landtag den vögten oder geschwornen des
flecken oder gerichts, darinnen der ächter gesessen, auch den, so die güeter
inhaben, und den ächtern nach der gelegenheit den anleitbriefe ze haus, ze
hof oder unter augen erzeigen und wer das begert verhören lassen und daruff
sprechen, wie der brief das ausweist: „Also verkünd ich die anlaiti zum
ersten mal euch darnach wissen ze richten," und soll der landrichter ime
landpoten solches also zu volnfüehren gebieten und im vom landtag zu verston
1 ß h., auch von jeder meylen 2 ß h. zu potenlohn geben werden.
Item wann der landpot die anlaitin zum ersten mal verkündt und besessen hat,
soll er zum andern landgericht die anlaitin ofentlich durch seinen
fürsprechen erzeigen und vermelden, das er die anlaitin zum ersten mol
besessen und verkündt hab, und füro des rechten begeren; soll erkent werden,
das er bey seinem ayd sag, das er die anlaitin wie recht verkündt hab, und
so das beschicht, so soll füro anlaitin zum andern mal erkent und das der
landpot die abermals wie vor besitze gebeten werden.
[LIX 1] Und so der landpot die anlaitin zum ersten und andern mal besessen
und verkündt hat, soll er aber zum negsten landgericht den anlaitbrieve
durch seinen fürsprechen erzeigen und fürwenden, wie er die anlaitin zum
andern mal besessen und verkündt hab, und er bei seinem ayd gefrogt werden,
alles inmassen wie obstaht, und soll fürter uff des landpoten weiter
anrüefen zu recht erkent werden, das er die anlaitin inmassen wie hievor als
zum drittenmal besitzen und verkünden, und soll ime aber geboten und mit
belohnung gehalten werden, wie oblaut. Und so die anlaitin vorerzeltermassen
zum drittenmal besessen und verkündt ist, soll der landpot abermals zum
nechsten landgericht den anleitbrief durch seinen fürsprechen erzeigen und
öfnen, wie er die anlaitin zum dritten mal besessen und verkündt hab, mit
begere an
| Seite 134| einer urtel zu erfahren, was füro seins rechtens sey; wird aber zu recht
erkent wie vor, das er bey seinem ayd sag, das er die anlaitin besessen und
verkündt hab, wie recht ist, und so er solchs angesagt, so soll er durch
seinen fürsprechen begeren sein principal, den cleger, in nutzlich gewehr in
obberüerts ächters hab und güeter zu setzen und im darüber schirmer zu
geben; daruff auch mit recht erkent werden soll, das man ine in nutzlich
gewehr setzen und im daruff schirmer geben solle, und das er auch die
nutzlich gewehr besitze auch drey tag und sechs wochen zu dreyen
landgerichten und die verkündt nach landgerichts recht, also das er die
nutzlich gewehr in aller maß zu dreyen landgerichten besitze und an die ende
verkünden sölle, wie von der anlaitin begriffen ist und hernach volgt, und
gibt man einem den nutzlich gewehrbrief.
[LIX 2] Und soll dem landschreiber 1 fl. umb den brief und dem landpoten 1 ß
h. von dem gericht zu versteen, so er gwalt hat, geben werden.
[LIX 3] Item der landpot soll die nutzlich gewere, wie von der anlaiti wegen
begriffen ist, besitzen, under — der landgrafen potenbüchs den anlait—, auch
den nutzlich gewerbrief allwegen acht tag vor dem landtag den vögten oder
geschwornen des fleckens oder gerichts, darinnen der ächter gesessen, auch
den, so die güeter inhaben, und den ächtern nach der gelegenheit ze haus, ze
hof oder under augen erzeigen und wer den nutzlich gewehrbrief begert
verhören lassen und daruf sprechen : „Ich verkünde die nutzlich gewehr zum
ersten mal euch darnach wissen zu gerichten", und soll man potenlohn geben,
wie oben von der anlaitin begriffen ist.
[LIX 4] Item wann der landpot die anlaitin und nutzlich gewerbrief also
verkündt und zum ersten mal besessen hat, soll er zum andern landgericht die
anlaitin und nutzlich gewehrbrief ofenlich durch seinen fürsprechen erzeigen
und fürbringen, das er die nutzlich gewehr ervolgt und zum ersten mal
besessen und verkündt hab und begere füro des rechten; sol erkent werden,
das er bei seinem eyd sagen soll, wie er die nutzlich gewer verköndt hab,
und hat er die wie oblaut, des zu recht gnug ist, verkündt, so wird füro mit
recht erteilt, das er die nutzlich gewehr zum andern mal besitzen und
verkünden und im auch solchs der landrichter nach landgerichts recht
gebieten solle.
[LIX 5] Item wann der landpot die nutzlich gewere zum andern mal besessen und
verkündt hat, soll er aber zum nechsten landgericht die anlaitin und
nutzlich gewerbrief durch seinen fürsprechen erzeigen und ofnen, wie er die
nutzlich gewehre zum andern mal verkündt hab, und begere füro, was seines
rechtens seye zu erfahren; würd wievor erkent, das er bei seinem ayd sag,
das er die nützlich gewer wie recht besessen und verkündt hab, und so er
solchs also sagt, so würd füro zu recht erkent, das er die nutzlich gewehr
zu dem dritten mal besitze und im der landrichter solchs
| Seite 135| gebiete, alles wie obberüert ist.
[LIX 6] Item wann auch der landpot die nutzlich gewehr zum dritten mal
besessen und verkündt hat, soll er aber zum nechsten landgericht den
nutzlich gewehrbrief durch seinen fürsprechen erzeigen und einbringen, wie
er die nutzlich gewere zum dritten mal besessen und verkündt hab; daruff
aber erkent würd, das er bey seinem ayd sag, das er die nutzlich gewehr wie
recht besessen und verkündt hab.
[LIX 7] Sodann deme statt beschehen und er weiter seines rechtens begert,
würd zu recht erkent, das der kleger und seine erben des vorgenanten ächters
hab und güeter sampt und sonders inhaben, besitzen, werben, nutzen, messen,
verkaufen und damit handlen, thun und lassen sollen und mügen als mit andern
iren eigenen hab und güetern ungeirret und unverhündert meniglichs in
allweg, und soll er darüber dem landgerichte schirmer ernennen und
fürschlagen, und demnach derwegen schirmer der gebür und notturft nach
erkent, auch dem cleger ein schirmbrieve gegeben werden.
[LIX 8] Und soll man dem landschreiber umb den schirmbrieve zwen fl. und dem
poten 1 ß h. vom gericht zu verstohn geben; daruf mag der cleger den brief
zu im nemen und selbs den schirmern zeigen, oder so er will mag er an ein
jeden schirmer ain sondern gebietsbriefe (welchermassen er ine bey erlangten
rechten schirmen soll) nemen, die auch ime mit urtel zugelassen und in
gewonlicher formb geben werden sollen, und gehört dem landschreiber von
jedem gebietsbrieve 5 ß h. und dem poten von der meyl 2 ß zu bezahlen.
[LIX 9] Und welche dann in solche hab und güeter ohnversprochen gesetzt
seyen, soll man die fürter niemand versprechen lassen, es were dann, das
derjenig, so die versprechen wollt, die zeit krank gewesen oder nit in land
gewesen were und darumb nichts gewißt hette und solchs mit bestendigem grund
der wahrheit fürbringen wurde, wie recht ist; wa aber nit, man ist den
eingesetzten uff seinen costen bey seinen erlangten güetern ze handhaben
schuldig, und so sich über das alles jemands vermeinte ze sperren oder
verhünderung ze thun, soll gegen denselben inhalt diser ordnung gehandelt
werden.
[LIX 10] Wa aber jemands die anlaitin versprechen wellte nach landgerichts
recht, der soll es thuen zu den dreyen landgerichten, als die anlaitin
verkündt, vor und ehe dieselbig vor landgericht becreftigt und daruff
nutzlich gewehr erkent würd; alsdann mag ein jeder für landgericht bringen,
das die notturft ervordert und recht ist, und soll fürter, wer zu den
beclagten oder spennigen hab und güetern die besser ansprach hab, mit recht
erleutert und ausfündig gemacht werden, wie recht ist.
[XL 1] In erbfällen soll dis ordnung und recht gehalten werden, also daß je
und allweg, auch in allen fählen die nechsten erben nach sipt der lynien des
bluets erben, doch sollen kündskünder alwegen an ir vater und mueter statt
| Seite 136| mit derselben geschwisterigten an der sipt umb sovil, als abgangen vater
und mueter gerechtigkeit und erbteil gehabt, ob sy das erlebt hetten, gleich
geschetzt und geachtet in disem vahl als väterlich und mueterlich und
kündskünd erb.
[XL 2] Wann aber ein künd mit tot vergaht und nit kündskünd, ehlich gemächt
noch geschwisterig verlasset, soll und mag sein verlassen guet wider hünder
sich fallen an vater, mueter oder eintweders, so das erlebt; wa aber
kündskünd, geschwisterigt oder ehlich gemecht verhanden seund, die sollen
einandern erben und nit vater noch mueter.
[XL 3] Item wa zwo personen ehlich zusamen kommen und von den bayden ehliche
künder geboren werden und dann die frauw vor dem man mit tod vergieng, so
soll und mag der man in dem guet, es seie ligend oder vahrend, pleiben
sitzen, dieweil er witwenstatt haltet. So er aber den verrücken und sich
ehlich verenderen oder sonst den künden oder im selbs unnutz erfunden wurd,
sollen und mügen in die künder tringen inen ir mueterlich erb und guet in
aichelen weys zu theylen, also das dem vater desselben müeterlichen erbs und
guets ein theyl als vil als einem künd und sonst der künden einem als vil
als dem andern werde, doch soll allwegen den künden zu den ligenden gülten
und güetern ein rechte verfangenschaft vorbehalten sein und das der vater
solche ligende gült noch güeter weder mit versetzen noch verkaufen
beschweren noch verenderen soll und mög dann mit — der landgraven oder
oberamptleuten in irer gnaden namen verwilligung. So aber dann der vater
auch mit tot vergangen und im leben nit mehr ist, so soll dasselb und all
ander sein verlassen guet ligende und vahrende denselben, und ob er darnach
künder mit der nachvolgenden frauwen ehlich geboren hette, solch guet gleich
gefallen sein, auch under einandern in aichelen weis getheilt und der
frauwen nit mehr dann ein kündsteil davon werden; und zu demselben kündsteil
sol auch ir der frauwen bleiben ir morgengab, und ob sy zu dem man ichts
gebracht hat, und damit desgleichen die künd von oberamptleuten bevögtet
werden.
[XL 4] Die fraw soll auch ire künder von solchem ieren und der künd guet
ehrlich und zichtiglich, auch zu gueten sitten erziehen und zu gott oder der
welt nach raht, auch mit wissen und willen der vogt und nach vermügen dies
guets erlich berahten, aussteuren und versorgen ohngetrungen, dieweil sy
witwenstatt und sich sonst ehrlich und wol in dem guet ongeendert des
haubtguets haltet.
[XL 5] Item ob aber und wann sy sich ehlich verendern oder sonst den künden
unnütz erfunden würd , so soll sy schuldig sein, den künden iren theil ires
veterlichen zugetheilten erb volgen lassen und den uberigen iren
zugetheilten thail mitsampt morgengab und anderm irem ererbten und
zugebrachten guet ir leben lang doch ohngemündert des hauptguets
nüessen.
[XL 6] Und so sie auch mit tod
| Seite 137| vergangen und in leben nit mehr ist, so sollen der man und die künder,
sovil deren ehlich von irem leib geborn weren, dasselb ir guet, wie das
namen hat, in aichelenweys thailen und einem als vil als dem andern werden,
es were dann das leibs- oder hungersnot warlichen erfunden würd, so soll es
doch allwegen des mans oder der frauwen halben nit anderst damit dann mit
verwilligung — der landgraven oder oberamptleuten ald des landgerichts ze
Stüelingen gehalten werden, als vorstaht.
[XL 7] Und ob auch der man vor der frauwen mit tod abgieng und ließ ehliche
künder von inen baiden geboren hünder ime, so sollen gleich nach abgang des
vaters vor aller anderer handlung die frauw und künder von den
oberamptleuten, doch jedes und jede, namblich die frauw sonderlich und die
künd auch, so sy anders oder sovil deren under iren jaren seund, bevögtet
werden, und so solche bevogtung beschehen ist, ob dann die künd oder ir vögt
bedunke, der theyl den kindern nutzer seie, dann mueter und künd bey
einandern zu beleiben und die mueter umb theil der künd veterlichen erbs
ersucht wurde, so soll die mueter den künderen darumb theils zu gestatten
schuldig sein und davon nit mehr dann einen theil als einem künd zusampt
irer morgengab und ires ererbten zugebrachten guets nemen, sich des benüegen
und den künden das uberig folgen lassen und dann dasselb und ander ir erb
und guet ohngemündert des haubtguets niessen ir leben lang; und so sie auch
mit tod vergangen und in leben nit mehr ist, soll denselben iren künden, ob
sy sich davor nit ehlich verendert het, alles ir verlassen guet gefallen und
zugehörig sein; het sich aber die mueter ehlich mit einem andern man
verendert, sollen derselb ir man und die kinder, vor und ob sy einiche
ehliche künd bey im het geboren, solch ir verlassen guet gleich und in
aichelenweis theylen, dermassen das einem als vil als dem andern werde, doch
mag die frauw ir morgengab allweg verschaffen, vermachen wem, wohin und wie
sy will, alles nach freyer morgengab recht.
[XL 8] Item gienge aber derselb ir man auch vor ir mit tod ab und wurde die
frauwe von seinen künden, ob er die nach tod gelassen het, zum theil irs
veterlichen erbs getrungen, so soll es gegen denselbigen künden in theilen
irs veterlichen erbs, gleichwie der vorderigen künden halb hievor geschriben
statt, gehalten und desselben der frauwen auch ein kündsteil mitsampt irem
zugebrachten und ererbten guet und nit mehr werden, und nach irem abgang
alles ir guet, von wem oderwie das darkommen were und sovil sy das nach irem
tod verlassen hat, ieren künden, so von irem leib nach und nach ehlich
geboren seund, volgen und in aichelenweis gleich under sy getheilt
werden.
[XL 9] Wurde aber die mueter des theils nit getrungen und belibe also mit
oder ohn enderung bey beederley oder einen theyl der künden, so
| Seite 138| soll allwegen den nachgenden künden ir veterlich guet, wie ir vater
seliger das zu ir aller mueter seligen gebracht hat, wie den vorigen künden
mit vorbehalt eins theils anstatt der mueter, inmassen vor der theilung halb
zwischen mueter und kündern geschriben statt und beschehen ist, zuvoraus und
dann derselb jetzt vorbehalten theil als müeterlich zusampt allen andern
iren ererbten anderen gelassen guet, wie und was sy des also uberkommen und
nach tod gelassen hette, als müeterlich guet in aichelenweis under sie alle
wie vorstett getheilt, desgleichen soll es bey dem vater in dem vahl auch
gehalten werden.
[XL 10] Item so aber ain weib und man ohn ehlich leibserben von einandern mit
tod verscheiden seund, so soll die frauw den man, desgleichen der man die
frauwen erben.
[XL 11] So auch sonst ein erbfall ledig beschicht, das nit künd oder
geschwisterigt oder derselben künd vor augen seund, und zu gedenken, das
ander neher oder dergleichen erben vorhanden sein möchten, das die
gegenwüertigen vermeinten erben nit gston wellten, oder ob gleichwol des
kein gedenken sein möcht, so soll doch solch erbguet jar und tag in ruw zu
stellen und zu warten erkent werden, es möchten oder wellten dann der oder
die ansprechigen nach erkentnus und benüegen des landgerichts vertrösten, ob
jemand derselben zeit köme, das sie dem antwurt geben und thun wellten, was
recht were.
[XL 12] Köme aber jemand und möchte der oder die ansprechigen sipschaft zue
recht gnug erzeigen, so soll er oder sy zugelassen, möcht aber solches
dermassen nit erzeigt, soll er oder sy darvon erkent und — den landgraven
ire recht dagegen vorbehalten werden.
Welche person in — der landgraven nidern gerichten in dem bezirk der
landgrafschaft Stüelingen von end- oder beyurteln appellieren wellt, soll
das gleich im fueßstapfen vor gericht thuen und für das landgerichte ze
Stüelingen appellieren und ob daselbsten in appellationsachen oder sonsten
in sachen, die vor landgericht rechtvertigt werden, urtel ergen wurde, da
jemands auch beschwert zu sein sich befünde, mag für — die landgraven und
weiter nit appellieren. Item so ein person vor landgericht appelliert, die
soll einen ayde leiblich zu gott und den heiligen schweren, daß solch sein
appellation nit mit geferden noch dem widertheil zu verzug und verhünderung
seines rechtens, sonder allein ausser notturft beschehe, auch der endlichen
meinung, der appellation, so lieb im die sach seye, unverzogenlich
nachzesetzen und so er in der appellation verlustig wurde, dem gegentheil
seinen costen und schaden, wie der in recht erkent und taxiert würdet,
abzelegen, darzu 3 lb. h. zu vertrösten im fahl, wa er verlustig wurde, das
ein dem landrichter, das ander dem landgericht und dz dritt dem widertheil
zu bezalen; und so solcher ayde wie gehört gethon,
| Seite 139| soll die appellation zugelassen oder ob derjenig, so appeliert, kain
tröstung vermöcht, soll im des ayds vertrauwt werden. Item ein jede
appellation von urteilen vor landgericht ergangen soll auch in fueßstapfen
vor landgericht oder aber inner zehen tagen darnach vor dem landrichter
geschehen und auch in solcher zeit ein jede appellation angebracht werden.
Und soll kein appellation von — den landgraven nach dem landgericht nit
angenommen werden, es neme dann der appellierend thail der sachen
urtelbrieve, damit die handlung erster instanz lauter, verstendigclich und
glaubhaft werd fürgebracht. Doch soll niemand gestattet noch zugelassen
werden, in pönlichen oder malefitzsachen, dergleichen umb strafen, die — den
landgraven zustendig und laut diser ordnung erkent werden, zu appellieren,
sonder was derwegen mit recht gesprochen, soll man wie sich gepürt
volnziehen.
Item es mag ein jede person dem andern vor dem freyen landgericht zu
Stüelingen in kaufen, verkaufen, umb ubergaben, testament, vermöcht,
verzeyhung veterlicher, müeterlicher oder anderer erbschaft, schulden und
anders, davon nichts ausgenommen, vertigen, und soll damit inhalt der formen
gehalten und umb jeden brieve oder schrift dergleichen dem landgerichte zu
fertigen geben werden, wie dann das alles sonderlich protocolliert und
hinder dem landgerichte ze fünden.
[LXIII 1] Item ein jede person in dem bezirk der landgrafschaft Stüelingen
sollen und mügen — die landgraven zu billicher straf und verantwurtung
vönglich annemen lassen, als nemblich umb sachen, so das malefiz betrifft,
auch welche sich rechtens nit ersettigen, auf billiche gepot und verpot
nicht geben und sich ungehorsamb erzeigen, auch die da einem am leib schaden
des lebens sorglich zugefüegt und welcher nit bürgschaft haben möcht umb ein
schuld, darumb er nit gnugsam were, und die da ander mehr böse muetwillige
und frevenliche taten, gewaltsame und handlungen üben und brauchen.
[LXIII 2] Item wann ein person umb sachen das malefiz als leib und leben
berüerend angenommen würdet, sollen — der landgraven oberamptleut gegen
derselben person dasjenig, so sich zu thun gebürt, fürnemen oder, so sy
wellen, mügen sy den schultheissen und geschwornen zu Stüelingen zue inen
erforderen, denselben anzeigen, warumb dieselb person gefangen sei, und
nochmals mit irem raht mit der angenomnen person, es sey mit frag oder in
ander weg, daruff handlen.
[LXIII 3] Und soll mit solcher person, wa die an der marter und frag was
bekante, nit geylt, sonder sovil müglich erfahren werden, ob der person
bekennen us vorcht oder marter beschehen were; und ob sich solchs also
erfunden wurde, man soll verner
| Seite 140| gegen ieren nichts handlen.
[LXIII 4] Aber in sachen, die leib und leben berüeren, da jemands an warer
that begriffen wurde, mag man ohne erkundigung fürfahren, wie sich nach
gestalt jeder verhandlung und dem rechten gepüren würdet.
[LXIII 5] Item so ein übelthetige person an der frag wenig oder vil mit oder
ohn marter bekante oder verjehen würde, so soll das alles lauter
aufgeschriben werden, und dann die oberamptleut, wa das die notturft
erfordert, nach gestalt und gelegenheit der übelthat oder person, ob die
bestendig oder unbestendig, siben unversprochner man beschicken und alsdann
den gefangnen us dem thurm für sy in ein stuben füeren, im seine band
ufflösen und im fürhalten, man werd im die vergycht verlesen, als er vormals
bekant hab und uffgeschriben sye, daruff well er nochmals warhaftig
anzeigen, ob die recht uffgeschriben seye oder nicht, damit im noch niemand
unrecht beschehe.
[LXIII 6] Und so die gefangen person uff ein oder mehr, so ausserhalb dem
bezirck der landgrafschaft Stüelingen wonend gewest, ichzit, die zu böser
that geholfen, oder für sich selbst allein gehandelt oder fürter verhandlen
möchte, bekennen würde, das sollent die oberamptleut alsbald an dieselben
ort und end der oberkeit anzeigen.
[LXIII 7] Und wann dann die ubelthetige person also geurgychtet und besibnet
ist als vorstat, so sollen die oberamptleut der landgrafschaft ainen
rechtstag fürnemen und in allen und jeden flecken, dörfern, weylern und
höven in dem bezirck der landgrafschaft Stüelingen gelegen allen underthonen
von manspersonen, so vierzehen jar irs alters erraicht und darüber alt
seyen, an die hochen bueß gebieten lassen, uff solchen angesetzten rechtstag
bey dem malefizgericht und dem rechten von anfang bis zu end erscheinen und
gehorsamen und niemand bey poen und straf obgemelter hohen bueß uspleiben;
und soll das gericht mit dem landrichter und 12 urtelsprechern, welche
personen in ermeltem bezirck die oberambtleut jederzeit verordnen, besetzt
werden, die auch bey straf der hochen bueß gehorsam sein sollen, und soll
der landrichter zu solchem malefizgericht nüechter erscheinen und also bis
zu end desselben beleyben und das gericht anfahen und an die hochen bueß
verbannen, und fürter im rechten clagt und gehandelt werden nach gelegenheit
der sachen und wie gewon und recht ist.
[LXIII 8] Item die oberamptleut sollen nach der endurtel, so der arm man ze
richten erkent were, an einer urtel erfahren, wie hoch man pieten und
verpieten solle, das sich niemands des armen mans beladt oder ine reche.
Daruff mügen die urtelsprecher ein ernstlich gepot und straf erkennen nach
gelegenheit der sachen und wie solches die notturft ervordert.
[LXIII 9] Item der nachrichter soll in auch ungebunden gnugsamblich beichten
lassen, doch das er bewart und verhuet werd, und gibt man dheinem das
sacrament; aber welches schlecht dieb, straßrouber,
| Seite 141| totschläger oder dergleich seund, gewünnet man gewonlich den
kirchhof.
[LXIII 10] Item welcher zu gefengnus gebracht und dem gnad mitgetheilt
würdet, der soll ein verschriben urphed inhalt gewonlicher form geben.
[LXIII 11] Die mörder, straußröuber, verräter, brenner, kirchenbrecher,
ketzer, dieb und ander dergleichen übeltheter sollen sampt iren mithelfern
gericht und gestraft werden nach brauch und herkommen diser
landgrafschaft.
[LXIII 12] Item welcher seine güeter zweyen oder noch mehr personen versetzt
oder verkauft und von voriger versatzung nit meldung thuet und also
gefahrlich und betruglich handelt, der soll an leib und leben nach gestalt
und grosse der verhandlung gestraft werden.
[LXIII 13] So jemands ein urphed breche, soll in craft und nach ausweisung
des urpheds und nach gestalt der handlung gestraft werden.
[LXIII 14] Item welche person einen falschen ayd schwert, soll man die zung
und die finger, damit sie geschworen hat, abhauwen lassen.
[LXIII 15] Item welcher ein gelobten friden bricht mit den wercken oder
worten, derselb soll mit dem schwert oder an leib und guet nach gelegenheit
der sachen gericht und gestraft werden. So er aber allein potnen friden mit
worten oder wercken breche, der soll — den landgraven verfallen und zu
bezahlen erkent werden die hoch bueß 27 lb. h.
[LXIII 16] Item so sollen die, so in ander wege ir gelübd, ehr und treuwen
schriftlich oder mundlich versprochen, nach gestalt einer jeden sach an leib
oder guet gestraft werden.
[LXIII 17] Item welcher falsch eln, meß, maß oder gewicht bruchte und das
ungerecht für gerecht gebe oder sich in ander wege, warinnen das ist, davon
nichts ausgenommen, betrugs gebruchte, der soll an leib oder guet gestraft
werden.
[LXIII 18] Item ob jemand offen marckstain haimblich ald öffentlich ausgraben
oder ime sunsten zu nutz und dem andern zu schaden verendern wurde, der oder
dieselbigen sollen an ehr, leib und guet gestraft werden.
[LXIII 19] Item der totschleger hab und gueter verfallt — den landgrafen und
des entleupten verwandten der leib, und so der totschleger betreten und
angenommen würd, soll derselbig uff des entleipten verwandten anrüefen mit
dem schwert gericht werden, wie recht ist.
[LXIII 20] Item so jemands absagen und derselb in dem bezirck der
landgrafschaft erfahren wurde, sollen alle underthonen, die dessen bericht
werden, nachzeeylen und fenglich anzenemen und dem landgraven zu
überantwurten schuldig sein.
[LXIII 21] Und so ein absager gefangen würdet, soll der mit dem schwert
gericht werden. Ob aber jemands einen absager behauset, befördert und den
landgraven oder den oberamptleuten nit anzeigt, soll man denjenigen dem
absager gleich strafen.
[LXIII 22] Item alle täter, die fenglich angenommen, sollen mit anzeig irer
verhandlung von stund an dem landgraven gen Stüelingen uberlifert und durch
niemand ver- oder aufgehalten werden.
[LXIII 23] Item welche personen in dem bezirck der landgrafschaft
| Seite 142|Stüelingen einandern schelten, wie das scheltwort sey, da jemands
vermeinte seiner ehren und gueten leumbdens verletzt zue sein, von dem allem
nicht ausgenommen, die sollen einandern darumben vor landgericht zu
Stüelingen rechtvertigen, und so der beclagt mit recht uberwunden, würd
derselbig uff des oberambtmans anrüefen rechtlich und sunst der gebeur nach
gestraft, und so aber der cleger im rechten verlustig, würd derselb
gleichermassen mit recht oder sonsten gestraft.
[LXIII 24] Item welche personen gott den herren, die jungfrauwen Maria und
gottes heiligen mit fluechen und schweren lestern, sollen die an leib, leben
und guet nach gestalt der Sachen gestraft werden.
[LXIII 25] Item nachdem ausser dem ehebruch uffruern, totschläg und allerley
unraht ervolgt, soll man gegen den ehebrechern und ehbrecherin mit straf an
leib und guet nach gelegenheit der sachen ernstlich handlen.
[LXIII 26] Es soll kain frembder bätler an keinem ort lenger dann über nacht
gehalten werden, es were dann sach, das einer so krank were, das er nit
wandlen möchte, mit dem soll man aber nach gelegenheit der sach mitleiden
tragen. Es soll auch keiner person in der landgrafschaft ze betlen gestattet
noch zugelassen werden, die sich sunsten mit irer handarbeit hinbringen und
erneren mag.
[LXIII 27] Item man soll auch nit gestatten, das die kremer mit iren rossen
und eseln uff den armen leuten, sonder in offnen würtzheusern ire wohnung
und enthaltung haben.
[LXIII 28] Item was frembd personen an ein ort kemen, die irer nahrung und
arbait nit nachzügen, sondern in würtsheusern legen, die sollen über drey
tag nit enthalten, sonder ernstlich gefragt werden, was lands, waher ein
jeder sey oder wannenher im das gelt komme, und darnach man bey jedem
bescheid fündet, soll man sich halten.
[LXIII 29] Man soll auch nit gedulden, das die zegyner durch das land ziehen
noch sich darin enthalten.
[LXIII 30] Item wo sich uffrueren in dem bezirck der landgrafschaft
Stüelingen zutragen, soll ein jeder bey seinem ayd schuldig sein zuzelaufen,
frid ze machen oder die unfridsamen, aufrüerigen oder ubelthäter zu
gebürender straf helfen fenglich anzenemen und gen Stüelingen ze bringen;
wer darinnen ungehorsam sein würd, soll an leib oder guet gestraft
werden.
[LXIII 31] Nachdem dann ausser versamblungen, zug und rotten auf
kirchweihinen und an andern end zuziehen allerley beschwerlicher unraht
volgt, so haben — die landgraven mit zeitlicher vorbetrachtung und rate von
newem dis ordnung fürgenommen, das die kirchweihinen in dem bezirck der
landgrafschaft Stüelingen nit mehr weder mit essen, trinken und in ander
unzimblichen wege besucht, sonder abgethon sein, also das dieselben
kirchweyhinen noch einich ander ort und end durch die underthonen in
gemeltem bezirck sesshaft noch den ledigen personen mit gewerter hand
rottenweys oder durch einiche versamblung oder
| Seite 143| ordnung oder mit noch ohn fendle, trummenschlegen, pfeifen, spylen und
ungewonlichen gastungen noch sonst, in was weys oder schein das immer
beschehen künd, solt und möcht, nit mehr besucht werden sollen, alles bey
schwerer poen und straf leibs, lebens und guets; welche auch anfenger und
ursächer diser sachen seyen, die sollen mit dem schwert gericht, die anderen
an die hochen bueß oder nach gelegenheit der sachen mit dem thurm,
verpietung ainer zeit der landgrafschaft oder der gewehren gestraft
werden.
[LXIII 32] Dergleichen haben — die landgraven ausser höchster
unvermeydenlicher notturft von neuwem geordnet und gesetzt, welcher oder
welche sich fürterhin heimblich ald offentlich einicher conspiration,
ainung, pundnuß, böser praticken oder conträct zu machen understehn oder
machen würden, sollen der oder die ohn alle gnad ir leben, leib und guet
verfallen sein.
[LXIII 33] Es soll auch niemand, es were dann feurs oder fünds not, sturm
schlahen noch leuten.
[LXIII 34] Welcher oder welche aber solche böse uffrüeren, conspiration,
verainung, pundnus, bös pratic oder conträct machen oder also stürm
anschlahen wurden, so sollen all und jede underthonen und einsessen diser
landgrafschaft Stiielingen bey iren geschwornen ayden schuldig sein,
dieselben anfenger der empörung, redlifüerer und sturmer, damit dieselben ir
gebürlich straf erlangen müegen, welcher enden das ist, venglich anzunemen
und gen Stiielingen ze antwurten, und ob sy ainen oder mehr, so sich nit
gefangen geben welten, im zulaufen und nacheylen ze tod schlagen würden,
sollen sy daran keinswegs gefrevelt und weder gegen — den landgrafen noch
des entleipten freundschaft nichts verschuldt haben noch schuldig sein noch
werden.
[LXIII 35] Und welche also zu gefengnus gebracht, die sollen mit dem schwert
gericht oder an leib oder guet gestraft werden, alles nach gelegenheit der
verhandlung.
[LXIII 36] Ob aber sich jemand hierwider setzen und ungehorsam erzeigen
würde, so sollen der oder dieselben wie die gedachten thäter gestraft
werden.