Von frid und Recht, wie die in beleibend verfännkch und
verstenndig wesen gepracht, und im Heilligen Reich möchten
erhalten und gehanndlt werden, bej weillendt Kaiser Maximilians
zeitn und Regierung zu Truebung im 1495 Jar, mit ain muetigen
zeitigem Rat, aller Curfürsten, Fursten und Stenndt des Reichs
ain gmainer Lanndfrid durch das Heillig Reich und Teusche Nation,
aufgericht furgenomen und beslossen worden, Inmassen wie hernach
volgt.
Wir Maximilian von gottes genaden Römischer khunig zu allen zeiten
merer des Reichs etc. zu etc. Entbieten allen und yedlichen
unnsern und des heilligen Reichs Curfursten Fursten Cristlichen
und weltlichen prelaten Graven Freiherrn, Rittern Knechten,
Haubteittn Vitzdomben, vögtn phlegern, verwesern Ambtleitn
Schultheisn Burgermaistern Richtern Rätn Burgern, und gemainden,
und sonnst allen andern unnsern, und des heiligen Reichs
unnderthannen, und getreuer in was wirden, Stätes, oder wesens
die sein, den diser khunfftigclicher brief, oder abschrifft davon
zusehen und zulesen, furkhomen oder gezaigt wirt unnser gnad
| Seite 2v| und alls guetes, Alls wir hievor zu der Hoche und
last des heilligen Römischen Reichs erwellt, und nun zu Regierung
desselben khomen sein, und vor Augen sehen, stät an unnderlässige
anfechtigung gegen der Cristenhait, nun lanng zeit geübet,
danndurch vil khunig Reich und gwallt Cristenlicher Lannde, in
der unglaubigen gehorsamb bracht sein, Allso das Sy Ir macht und
herschung biß an die Grenitzen Teuscher Nation, und des heilligen
Reichs erstreckht, darzue sich auch diser zeit margkht Gwallt
erhebt haben, unnsern heilligen vatter Babst und der Römischen
Khirchen, Stet Lanndschafft widem gueter, Auch Annder des
Römischen Reichs Lanndschafft und obrigkhait gwaltigclich
uberzogen haben, Darauß nicht allain dem heilligen Reich, sonnder
auch der ganntzen Cristenhait schwär minderung, verwüstung und
verlust, der Sachen Eeren und würden erwachsen wo nit mit
Statlichem Rate, dagegen gedachtett und zu furdrung desselbigen
Stathafftiger verfannckhlich frid und Rechte im heilligen Reich
Aufgericht, und zu Bestanntlichen wesen erhalten, und gehanndlt
habt wurde. Darumb mit Ainmuetigen zeitigem Rathe, der
Eerwurdigen hochgebornnen unnser lieben neven ohaimen Curfursten
und Fursten Geistlichen und weltlichen Auch prelaten Grafen
freyen herren und Stände, haben wir durch das heillige Reich und
Teutsche Nation ainnen gmainen friden furgenomen, aufgericht
geordnet und gemacht, Richten auf Ordnen und machen den
| Seite 3r| auch in und mit Crafft des briefs, Allso das von
zeit dise verkhundung niemannts von was wierden stannds oder
wesens der sey, den anndern bevechden, bekhriegen berauben, vahen
uberziehen, belegern, Auch darzue durch sich selbs oder yemanndts
anndern von seinen wegen nicht diennen, noch auch aibich Schloß,
Stet, märckht bevestigung, dörffer Hof oder Weyller, absteigen,
oder on des annder willen mit (gewalltiger Tadt frevenlich
Einnemen, oder geverlich) mit pranndt, oder in ander weg
dermassen beschedigen soll, auch nyemanndt solchern Thätern Rat
hilf oder zu khain annder weiß Beystanndt oder furschub thun,
auch sj wisenlich oder geverlich nit beherbergen, behausen,
Aitzen und trenckhen ennthalden oder gedulden, Sonnder wer zu dem
Anndern zusprechen vermaint, der soll solchs thuen an den Ennden
und Gerichten, da die Sach hievor oder yetzt in der Ordnung des
Camer_gerichts zu Austrag vertaidingt seind oder khunfftigclich
werden oder ordenlich hin gehören. Und wir haben darauf all offen
verhinde und verwarung, durch daß ganntz Reich aufgehebt und
abgethan, heben die auch auf, und thun die ab, von röm.khu.mt.
macht volkhumenhait in und Krafft ditz briefs.
Und ob jemannd, was wirden oder Stannds der oder die wären, wider
der Ains oder mer so vermellt im negsten artickl gesetzt ist,
hanndln oder zuhanndln unnder stuenden die sollen mit der That
von Recht, zu sambt anndern peenen in unnsern und des heilligen
Reichs Acht gefallen sein, die wir auch hiemit In
| Seite 3v|
Unnser und des heilligen Reichs Acht erkhennen und erclären,
Allso das Ir leib und guet aller menigclich erlaubt, und
niemanndt daran fräfl oder verhanndls soll oder mag, auch alle
verschreibung phlicht oder pundnuß Inen zuestuende, und darauf Sj
vordrung oder zuspruch haben möchten sollen gegen den Ihenen die
in verhafft wärn, ab und Todt, auch die lehen sovill der
uberfarer der gebraucht, den lehenherren verfalln und sy der
selben Lehen oder der selben taill so lanng der frid_brecher
lebt, Im oder anndern lehenns Erben zuleihen, oder den seinen
taill der abnutz volgen zuelassen, nit schuldig sein.
Unnd ob Curfursten Fursten prelaten Grafen, Herren Ritterschafft,
Stet oder annder in was Stanndts wurden wesens ain yeder sey,
Geistlich oder weltlich oder die Jenen wider disen fridt
beschedigt wurden, und die thatt nit so offenwar sonnder
yemanndts der verdacht wär, Auch die Clag sy des nit beweysen
wollten, und doch auß redlicher Anzaigung in verdacht stuenden,
So sollen und mochten der Curfursten Furst prelaten Graf herr
Ritterschafft unnderthannen oder verwonnten schaden geschehen
wäre, den oder dieselben beschreiben, und für sich vertägen und
entschuldigung mit dem Aide von denselben zunemen, und ob der
oder die verdachten sich der Entschuldigung und fridt pruchs in
Ainich weg widerten, oder auf die vertägung nit erscheinen
wollten, So sollen Sj der beschedigung und fridpruchs schuldig
gehalten und offtermalls gegen Inen laut diß geboths möge
gehanndlt werden, doch so soll der selb Curfurst furst prelat,
Graf herr Ritterschafft oder stet, dem oder denselben ungeverlich
glait zuschreiben
| Seite 4r| Ob bej und zu solhen tag bis wider
an Ir gewarsamb, fur Sy und alle die Ihenen, so Sy mit Iren zu
solchen tag brachten ungeverlich, und ob man die tags brief Inen
nit mocht zuhannden bringen, so soll man die an zwayen oder
dreyen orten auf slagen das Sy zuversichtlich hanndln, und wesen
hetten.
Ob auch wider disen friden und unser gebot yemanndt beschedigt,
beraubt, und zugriff beschehen wurden, so sollen alle die Ihenen
die das zu frischer that ermannt oder sunst Innen wurden, mit
macht nach Eylen und mit fleissigem Ernnst gegen solchen
beschediger hanndln, und furnemen, alls war es Ir selbs Sachen,
dieselben zuhannden zebringen.
Es sollen auch solch Täter und fridprecher niemanndt hausen,
herbergen, Ligens trennckhen ennthalten furschub thun, in seiner
obrigkhait aigenthumb und gebieten, sonnder dieselben annemen,
und zu Innen mit dem Ernnst von Ambts wegen richten und auch auf
menigclichs klag Recht ungesaumbt von Innen helfen, dawider Sj
nit Schutzen, schermen oder furtragen solle Anich trostung
sicherhait freihait oder glait wenn Sj das alles ausserhalb
verwilligungen des wider taills unentpfennkhlich sein, und nit
geniessen sollen in khainen weg, wann wir in allen trostungen und
sicherhaiten fur warten, und glaitn, von wem die gegeben werden,
solh fridpruch wellen ausgenomen und darinnen nit begriffen
haben.
| Seite 4v| Unnd ob die Thäter und uberfarer diß fridens
enthallten bevestigung oder sonnst der maß furschub oder gunst
hetten Also das stättlicher hilf und veld zug not wär, Auch ob
yemanndt in disem lanndtfrid begriffen, von was Stand wurden oder
wesens der sej, geistlich oder weltlich von yemanndt den diser
Lanndfrid nit begriffen wurde bevecht bekhriegt oder sonnst
beschedigt, oder die Thäter und beschediger hausen ennthalten,
oder den hilf und beilegung thuen wurden, dasselb soll durch die
beschedigten, oder auch von unnserm Camer Richter an uns oder
unnser Anwälde und die jerlich versamblung oder Curfursten
fursten und Stänndte des Reichs gebracht werden, Dasselbs den
bekhriegten oder beschedigtn unvertzogentlich hilf und beystanndt
oder Rettung geschehen soll so aber der hanndl mit uberzug oder
sonnst dermassen gestallt sein wurde, das der jerlichen
versamblung auser notturfft nit zu erpeiten wäre, geben hiemit
Macht unnsern Camer Richter, von unnsern wegen unns und die
Curfursten und Stend des Reichs furder_lich an gelegen Malstatt
zubeschreiben dahin wir und Sj, oder unnser und Ir Anwälldte
treffenlich khomen oder mit macht schickhen sollen und wellen,
Davon wie obstet zu Ratslahen und zu hanndln, doch mag und soll
nicht destminder unnser Chamer_Richter und Chamer_gericht allzeit
auf anrueffen der beschedigten oder bekhriegten oder auch von
ambts wegen, wider die uberfarer und fridprecher wie recht
prediren.
| Seite 5r| Unnd allß vil Raisig und fueß Khnecht
seindt die ains thaills khain herschafft haben, auch diennst
verpflicht darInn sj sich wesenlich doch nit hallten, oder die
herschafft darauf sj sich versprechen Ir zu recht und pilligkhait
nit machtig seind, sonndern in lannden Iren vortl und Retterey
nach reitten, ortten setzen und wellen wir, das hinfur sölch
Raisig und fueß Khnecht in dem heilligen Reich nit sollen gedult
oder auf enthallten werden, sonnder wo man die betretten mag, so
sollen Sy angenomen hertigclich gefragt und umb Ir mishanndlung
mit Ernnst gestrafft und auf das wenigist Ir hab und guet
angenomen, gepeitet, und Sj mit Aiden und purgschafften, nach
notturfft verpunden werden.
Item, ob Geistlich person, des wir unns nit versehen wider disen
unnsern friden und gebot hanndln wurden so sollen prelaten die on
Ordenlich gerichts_zwanng gegen Innen haben, Sj auf anhallten des
beschädigten ungesaumbt dartzue hallten, kherung unnd wandl der
schaden zethuen, sover sein vermugen Reicht und Sj hertigclich
umb die uberfarung straffen, und ob dieselben saumig, und die
Thäter nit gestrafft wurden, So setzen wir Sy auch die Thäter
hiemit auß unnser und des Reichs gnad und Schirmen welten so
setzen wir Sy alls Irer des friden in Ir widerwertigkhait nit
versprechen oder verdätingen in khain weg, doch soll Innen die
enntschuldigung ob Sy verdacht wärn, wie von den weltlichen
obsteet, noch zugelassen werden.
| Seite 5v| Es soll auch wider
disen friden niemant mit verschreibung phlichten oder in ainich
annder weg verbunden sein, oder werden, die zeit, diß
Lanndt_fridens, wann wir sölhs alles aus Crafft unnser
khönigclichen Obrigkhait Crafftloß und unpundig erkhennen und
erclären doch soll dasselbig in anndern Stuckhen puncten und
Articln der selbigen verschreibung phlicht oder verpundtnus Irer
Innhalldt unverletzlich und unschedlich sein, und soll diser
Lanndfridt niemandt an seiner aufrichtigen schuld verschreibung
nemen oder geben, geben oder nemen, und welicher oder welhe also
durch verwurkhung, wievor unnd nach stet, in Acht khumen, die
solen auch von unnß davon nit Absolviert werden, dann mit willen
des beschedigten, der oder die prächten sy dann mit recht
daraus.
Unnd darauf Empfehen wir allen und yeden obgeschriben Ew auch
hiemit aus Rö.ku.m. macht bey den Aiden und pflichten die Ir von
des Reichs wegen in sonnderhait gethan, und bey der gehorsam Ir
unns alls Römischen khunig schuldig seit, und bey verlust aller
gnaden privilegien und Rechten, so Ir von unns und dem heilligen
Reich oder Annder habt, Ernnstlich und crefftigclich gebietend,
Ainich durch eur Furstenthum, Grafschafft herschafft gebiete, und
was yeglicher in Regierung und bevelh hat, mit Eurn Ambtlutn,
Vitzdomen, pflegern verwesern, Stat_haltern wie die namen haben,
auch Euren underthannen zuhalten und zuvoltziechen ernstlich
schaffet und bestellt, daran nit saumet noch dawider trachtet
oder thut, haimblich
| Seite 6r| Oder offenlich in kain weise,
alle vorgemellt zu sambt anndern peen der gemeinen Reichs Recht
der ku. reformation und unnser schwer ungnad zuvermeiden.
Wir setzen auch hindan, alle und yedliche gnad privilegia
Freyhait, herkhomen puntnuß und pflicht von unns oder unnser
vorvodern am Reich und anndern hievor ausganngen und verfasst in
den, und die In ainicher weiß wider disen unnsern friden gesein
öder gethuen möchten mit was worten, Clausls, mainungen, die
gesetzt oder verpflichtet wärn, die wir auch aus Rö.ku.m. macht
volkhumenhait hiemit hindan setzen, und wollen das sich
niemannts, von was wirden, stanndts oder wesens der sey, wider
disen friden und gebot, durch solch gnadt Freyhait herkomen oder
verpuntnus, schutzen schermen oder veranntwurten sollund mag in
khain weiß. Und soll diser fridt und gebot, dem gemainen unnsern
unnd des Reichs Recht, und anndern ordnungen und gebotten unnd
vormallß ausganngen nit abbrechen sonnder des meren und auf
stundt yederman nach diser verkhundung den zuhalten schuldig
sein, hiebej gewesen unnser lieb Andechtigen, neven Ohaimen,
schuagern und getreuen Curfursten, fursten Botschafft Prelaten
Grafen Herrn Ritterschafft und der stent Sendpotten in
trefflicher antzall, mit verkhundt des briefs besiglert mit
unnserm Annhanngunnden Innsigl, Geben in unnser und des heilligen
Reichs Stat wormbs am VII tag des monats Augustj, nach Cristj
geburt 1495 unnser Reich des Römischen im zehenden, und des
hungerischen im Sechsten jars.
ENDT
| Seite 6v|
Nachvolgund ist auch auf anndern Reichstägen zu Trier und Chöln
gemainer Absager und austreter halb in sonnderheit gehanndelt und
ain offen gebot Irenthalb ausganngen solhes Innhallts. Nach dem
sich manigfaltigclich begibt das etlich leichtfertig
unnderthannen, umb verschuldt sachen Irer herschafft davon
abtretten und reumig werden, dem Rechten zuemphlichen oder sych
sonnst unzimblicher weiß wider Ir herschafft und nachtper enpärn,
und unwillens befleissen Ire herschafft oder derselben
unnderthannen betroen und umb Ire vermannt vordrung nit ordenlich
pillich Recht nemen wellen, haben wir denselben zubegegnen
geordent und gesetz das hinfuran niemannts dieselben
wissentlichen enthalten, hausen herbergen oder Glaitn, Sonnder es
sollen die obrigkhait darunther sich sölch austretter hielten, So
Sy söllich Troe vernemen, oder verstenndt dieselben zupflichten
Annemen und dartzue hallten, sich ordenlichs Rechtens, vor Irren
herschafften bemuegern zulassen, und tätlich hanndlung
zuvermeiden, dartzue Ime auch Ir notturfftig Glait fur gwallt zu
Recht geben, Auch furdenlichen gepurliches Rechtens gestatten und
verhelffen soll, welch oberkhait aber hinwider yemanndts
ennthielt, verglaitet oder nit, wie obstet zupflichten Annemen so
sy des vermanten wurde, die sollen mit sambt dem, den Sy allso
ennthallts oder verglait haben, fur ainen frid precher gehallten
und gegen Inen wie ainen fridprecher zu Acht und annder peenen
procediert und furgenomen werde.
| Seite 7r| Dieweil sich dann unns alls Lanndtsfursten der pünde
und pflicht nach damit wir dem heilligen Reich verwont und
verpunden sein, in albeg sorgfelltig zu sein, und fleissig
aufsechen zuhaben geburt, damit unnser unnderthannen, bey solhem
friden und Rechten gehallten, das unrecht gestrafft und die
frevenlichen hanndlung abgestellt, und sovil muglich ist, Inn
unnserm Lanndt ausgereit werden, So haben wir unns solcher frid
precher und absager oder austrettern desgleichen auch aufruer und
annder unleüt und beschediger halb, mit den Stennden gmainer
unnser Lanndschafft enntslossen und dise nachvolgznde mainnung
wolbedächtlich und mit zeitigem Rathe furgenomen.
Unnd wellen erstlich, das die Articl darauf die Aufruerigen,
abgefallen gericht, nach dem alls Sj mit Hilff des Almechtigen
gots, durch die stennd des löblichen Bunnds zu schwaben, Auch
unns und unnser gehorsamb Lanndtschafft von Irem aufstanndt und
ungehorsamb darrin sy sich uber und wider dem furstlichen
vertrag, durch den durchleuchtigen Hochgebornnen Fursten unnsern
besonndern lieben Herren und freundt Hertzogen Ludwigen in
Baiernen so in dem 25 Jar vor Saltzburg aufgericht, unversechner
ding gelassen und ergeben hetten, widerumb zu gehorsamb und Rue
geprachten worden sein, von neuen pflicht und huldigung gethan,
frid gehorsamb und anndern gelobt und geschworren haben, wie in
denselben Articln, hernach begriffen ist, desgleichen auch was
derselben Bundtsstanndt Comissarj und bevelicher haber
| Seite 7v| In den gehorsamen gerichten, und in den gehorsamen furgenomen
und ausgeschickht haben vesstigclich gehallten und denselben
Articln und bevelhen bey Ernnstlicher straff, strackhs
nachgeganngen und gelebt werden solle, Inmassen sich dann die von
gerichten und die verwonnten unnsere perchwerch, durch Ir
gesanndt, Anwallt und versiglt gwaltbrief auch eingelassen, und
das auch alles annders so zu Hanndlung, des gemainen fridens und
gepurlicher gehorsam, Auch Lanndt und leit vor unnserem schaden
und verderben zuverhueten furgenomen ist, bey den pflichten, Eren
und Aiden, damit Sy unnß alls Herren und Lanndtsfursten verwonnt
sein, zuhalten und zuvolziechen haben.
ir werdet ainen Aid zu got und den heilligen schwern, Erstlich, das
Ir dem hochwirdigisten Furst und Herren Herren, Matheusen der
heilligen Römischen Khirchen Cardinaln Ertzbischoven zu Saltzburg
Legatn des Stuels zu Rom etc. und seinen f.gn. nachkhomen, da mit
Rechter wall des Thumb Capitels zu Saltzburg Erwellet wird trew
gehorsam unnd gewärtig sein wellet, und sollet, Alls Eurem
Rechten Ertzbischoven und naturlichen Herrn und Lanndtsfursten
seiner f.gn. und seiner f.gn. Stiffts schaden wenden und fromben
werben.
| Seite 8r| Zum anndern, das Ir all und yede
verpflichtung und pundtnuß, so yetz und vor, wider Eurn
Lanndtsfursten oberkhait und anndern gemacht, verbrieft oder
geschworn habt, aufheben abthuen und denselben aneinannder
verlassen, auch ob derhalben brief auf gericht, das Ir dieselben
in 8 tagen den negsten den pundtischen Commissarien gen Saltzburg
zustellen, und antwurtten wellet.
Zum dritten, das Ir unnsern gnedigisten Herren Cardinal seiner
fe.gn.Capitln, den von prelatn Ritterschafftn, und anndern Eurn
obrigkhaiten, Ir Ränt gulden Zins gultn gehorsam und
diennstparkait wie vor Alter herr treulich raichen diennen und
laisten wellet.
Zum viertten das Ir die Ihenigen, so yetzt auf dem Lanndt diser
Aufruer halben enntloffen, oder sonnst von Iren verprechen wegen,
das Lanndt verpoten war, nit hausen, hofn, furschyeben, mit
denselben weder haimblich noch offenlich gar khain thuen haben,
sonnder wo Ir dieselben sambt und sonnder Im furstenthumb und
Stifft Saltzburg erfart und gewar werdt, das Ir die von stundan
vännkhlich annemen, und in ain yede phleg oder gericht dar Innen
Sy betretten werden annttwurtten wellet.
| Seite 8v| Zum
Funfften damit das Stifft und unnderthannen bej bestenndigem
fridt beleiben, und der gleichen aufruer verderben und schaden in
khunfftig zeit verhuet und die Aufwigler gestrafft werden, das Ir
dieselben Haubtleut Aufwigler und Radlfurer von nämen zu nämen
yetz von stunden den obristen und khriegs räten antzaigen und
benennen wellet, und zu noch besser sicherhait, das Ir hinfuran
khain lanng wer, weder Spyeß Hellenparten noch Hanndror
ausserhalb Eur obrigkhait zuelassen nit mer tragen khauffen, oder
in heusern haben wellet ausserhalb gewöndlicher seitten weren,
die sollen euch auß genaden zuegelassen sein, ob aber der
gleichen weren bey euch gefunden, daz Ir desshalben aus Eurn
leiben und gutern gestrafft werden sollet.
Zum Sechsten, das Ir sambt und sonnder, all genomen varnuß unnd
gueter, wie dieselben namen haben, sovil der bej euch seyen, oder
angezaigt werden mugen unnserm genedigisten Herrn oder anndern,
denen sy entfrembt oder genomen worden von stundan wider
zustellen und Anntworten desgleichen mit dem hochgedachten
unnserm genedigisten Herrn, oder anndern umb die zugefuegten
schäden mit plundern oder verprennen guetlichen vertragen und ob
aber darin khain guetlicher vertrag funden oder erhebt werden
mochte, das Ir allß dann gmainer stend des pundts pindten oder Ir
dartzu verordentn Räthen und Bevelhhabern enntlich erkhanntnus
leiden, und on verer ausredt oder aufhalten treulich volziechen
wellet.
Zum Sibenden, das Ir all sament und sonnder Eur gebur an den 14000
gulden, so durch die Stat Saltzburg, den stenden des pundts laut
unnsers genedigen Herren Hertzog Ludwigen in Bayern etc. vertrag
betzallt sein, und noch von Euch unbetzallt ausstenndt auch in
ainem Monat den negsten on abganng erlegen und enntrichten
wellet.
| Seite 8ar| Zum Achten, das Ir alles das so auf
Jungsten Lanndttag zu Saltzburg durch gmain Lanndtschafft
beslossen worden annemen bewilligen dartzue voltziechen, und
desshalben Eur volkhumene gwallt in 14 tagen den negsten geen
Saltzburg schickhen.
Zum Neundten, nachdem durch disen unpillichen Aufstanndt, die
gemainen Stennde des pundts in schwagen in ainem
uberschwencklichen uncosten und biß in Etlich hundert Tausent
gulden gefuert, daneben zu Abrychtung Ires khriegs volkhs, etlich
vil tausentt glden, also par betzallen und haben muessen damit
dann solch khriegsfolckh entricht, und aus dem Lanndt gebracht
und merern schaden und verderben der Lanndtschafft verhuet werden
müge, So sollen die Rotmaister oder obleut, in ainem yeden
gericht oder Star, auf ain yegliche feuerstat 4 glden reinisch
schlagen. doch soll der Reiche den Armen ubertragen, auch die
Ihenigen, so durch die Stennde des pundts in schwaben
khriesfolckhen verprenndt worden, oder die so den Aufruererischen
nit Angehangen noch fur sich selbs auf ruerisch gewest, sonnder
bey Irem Lanndsfursten und obrigkhait bliben sein, Sollen in
disem Anslag nit Angelegt werden, und die obleut, oder
Zechmaister, sollen solche 4 glden von ainem yeden feurstat in 8
tagen den verordenten pundts Räten und Comissarien zu Saltzburg
uberanntwurtten, und dabej alle Feurstat unnder schidlich und
aigentlich antzaigen, was allsdann verer und meres auf ain
yedliche Feurstat geschlagen das Ir sölches alles zu fristen, wie
Euch auerlegt werden an verrer ausstanndt betzallen und
enntrichten wellet.
| Seite 8av| Damit aber menigclich sehen und Spuren mög, das der
Stannd des punndts zu schwaben mainung nit sey, den Armen
unpillicherweiß zubeschwären lassen, das Sy auch mit Irem Krieg
nit Iren nutz, sonnder Iren, und aller unnderthannen, Unnd Armen
leut frid und wolfart gern sehen unnd suechen wellen, sollen sich
gemaine Lanndtschafft des Stiffts Saltzburg genntlich versehen,
das bede partheyen, unnsern genedigisten herr der Cardinal auch
die unnderthannen bey disem friden gehanndthaben werden sollen,
und so die von der Lanndtschafft samentlich und sonnderlich durch
unnsern genedigen Herren oder annder Ire obrigkhaiten,
beschwerden sollen, dieselben mugen Sy den Comissarien unnd Räten
des pundts zu schwaben Jetzt zu Saltzburg, auch furbringen in
Denselben beschwerden ausserhalb der so auf Jungsten Lanndtag zu
Saltzburg abgelegt und vertragen sein, soll von stundan nach der
billichkhait gehanndlt, und gemaine Lanndtschafft dabej
gehanndthabt werden, dann die gmaine Stennd des pundts zu
schwaben, zu den rechten frid, ainigkhait und aufnemen, mer dann
zu der Unbillichkhait, Khrieg unrue und verderben genaigt und
urbuttig sein.
Unnd beslieslich, damit dannocht sich Niemannts, on ursach,
verjagt beschwert, oder von Haus und Hof weib und khindern
vertrieben zu sein beclagen muge, Ob dann etlich wärn die aus
sorg ainer straff sich von Iren wonung gethan hetten, und yetz
nit erschinen, und doch alles das so Ir Jetzt geschworn und
bewilligt, auch schweren und Thuen wellen, denselben soll ain
Monat zugelassen sein, Allso, wo Sy khumen und vor ertzellt
Articln, gleicher maß wie Ir schweren, bewilligen und voltziehen
wellen, diselben solle daz Lanndt wie anndern vergundt und zu
Iren Hab und guettern gelassen werden, Sy wären dann sonnder
| Seite 9r| auf wigler und Redleinfuren derselben wil man der
laib straff nit vergeben, damit der gmain Arme unverstanndt man,
furter nit also mit In verderben und ungehorsamb gefuert werde,
welih auch uber sölch gnedige vertröstung und zusagn aus beleihen
und In Iren muetwillen verharren wellen, dieselben soll man
hinfur ausser und an wisen gmainer Stenndt des pundts zu schwaben
nit mer einkhumen lassen, sonnder Inen weib und Khindt nach
schickhen, Darzue sollen auch all Ir Hab, guetter, und
gerechtigkhaiten den vorgedachten punndtsstännden einzuziehen
vorbehallten sein und zusteen, dannach habe und wisse sich
menigclich zurichten.
Unnd damit das alles dester stattlicher gehanndt habt Auch auf
ruer und empörung destmer furkhomen werden, so sollen die
verpottnen khriegswern, alls Lanng Spiess Hellenpartten, pugschen
Schlachschwerdt und der gleichen weren, hinfuran on zulassen der
obrigkhait im Lanndt nindert gemacht noch von andern orten
gemacht, durch Inlender noch auslender on sonnder unnser
vergunnen und erlaubnus darein gefuert und verkhaufft werden, bey
verlierung solher werungen, wo die betretten werden, dartzue auch
bey schwärer Straff.
| Seite 9v|
Gleicher weis sollauch khain saliter pulver noch pugsen khugln,
ausserhalb unnser bewilligung im Lanndt gemacht noch von
niemanndt darein gebracht und verkhaufft werden, bey verlierung
leibs und guets.
Doch haben wir auf gemainer unnser Lanndtschafft und der von
gerichten unnderthanig bet und ersuechen den unnderthannen der
gericht im pürg, welhe hievor Ir wern, alls obengeregt ist, von
Inen haben geben muessen, genedigclich bewilligt, unnd in
ansehung das der gmain paursman, derselben und im gepurg mit den
wilden schäden Thyeren, vast beschedigt, Auch die so auf den
Ainoeden sytzen, zu zeiten durch die posen muetwilligen leut
betrangt und benottigt werden, zuegelassen, das ain yeder nun
hinfuran hinwiderumb ain Thyerspieß und ein Armbst, wie daz die
Ehafftäding austragen und von alter herkhomen ist, bey seinem
haus haben, doch soll sölh hausweren zu Khirchen noch gassen nit
getragen, sonndern allein in ainem aufbot und auf der obrigkhait
ervorderung zu Hanndthabung und Raittung derselben und zu wider
Stanndt der posen aufruergien leuten, auch in aiden der
schedlichen Thier und sonnst bey den Heusern gebraucht werden,
bey schwärer straf an leib und guet.
| Seite 10r| WER NIT
DIENNST NOCH ARBAIT ODER AINEN VERSPRECHER HAT DER SOLL GESCHOBEN
UNND IM LANNDT NIT ENNTHALDEN WERDENN
Nachdem auch offenlich am tag und genuegsamb erfaren ist, das
unnder der frembden herlauffenden leuten und durchstreichenden
Lanndfarer vil aufruer auf wigler und annder unleut seind die mit
Iren zenichtigen und unwarhafftigen mären und possen die gehorsam
frumen unnderthannen zu ungehorsamb auf ruer und widerwertigkhait
bewegt, auch sonnst allerlay meiterey empörung und Rottierung
gemacht und zuegericht haben, und aber denselben auch sovill
muglich ist, begegnet das znichtig leichtferttig volgkh geschoben
und mer gemains Lanndts verderben in dem fall verhuet, So soll
khainem in unnserm Stifft und Lannde sich zuenthallten und
umbzeziechen mer vergundt und gstat werden, Er sey denn
angesessen, oder in zimblichen erlichen diennsten oder hab sonnst
Arbait oder ander redlich ursach dar Inn zu sein, oder aber ainen
genuegsamen versprecher.
Demnach solle den Lanndskhnechtn, wie dann in obeingeleibten des
heylligen Reichs Lanndfriden auch gemellt ist, desgleichen den
frömbden herlauffenden und vill weniger den Inlendischen
Spilleuten und Hofierern alls Springern, Sprecher, Singer Geygern
leyren Lautenschlachern Gauchlern, Schalckhnarn und annder
dergleichen Lanndstertzern und leicht
| Seite 10v| ferttigen
Leuten, bey den man sich nichts dann verätterey und beschedigung
mit feur einlegen unrats und in annder böß wege zuversehen hat In
Lanndt zu haussieren und zu stertzen oder die Jar märkht und
Khirchtag zu besuechen und die leut zu uber lauffen zu helligen,
wie bisher geschehen sein khains wegs (Es wurde dann derselben
Spilleut, oder hofirer ainer von Jemanndt zu Hochzeitn anndern
zimblichen friden sonnderlich bestellt) mer gestat noch vergunt,
Sonnder wo solch personnen hieruber betretten So Sollen Sy
noturfftigclich gestrafft, und die fremden strackhs und
furderlich auß dem Lanndt geschaffen, oder, so jemanndts auß
denselben so arkhwenig und verdächtlich wär venngkhlich angenomen
und sich seins thuen und wesens durch die oberkhait weitter an
Inen erkhundt werden, darauf dann unnser phleger Richter, und
annder Ambtleut Sonnderlich an Lanndt Grenitzen Ir vleissig
aufmerkhen haben sollen, damit solch leut abgekhert und Inns
Lanndt nit gelassen werden.
Es sollen auch hinfuran solch arkwenig und annder unbekhannt leut
Ir seinen wenig oder vill in unnserm Lanndt weder durch die wiert
und gast geben noch durch annder unnser und unnsers Stiffts
unnderthannen und Landsässen in Stetten märgkhten, oder auf dem
Lanndt nit mer
| Seite 11r| behaust noch uber nacht beherbergt
und enthallten, Es werde dann die obrigkhait desselben ortten
durch den der sölch leut beherbergt,zuvor angesagt, und
zuwissengethan, oder Eß weiß der herberger fur disen person
zuversprechen ob dann yemanndts verdächtlicher und unbekhannter
Indert In ain wirts hauß oder zu anndern heusern kham und der
obrigkhait (wie dann ain yeder wirt oder hauß vatter zuthuen
schuldig ist) anzaigt wurde so soll geschickhlichkhait und
gelegenhait desselben Gasts wargenomen, unnd sich seines thuens
sovill muglich ist erkhundt und dann der obrigkhait
guetbedunckhen nach gegen dem selben gehanndlt werden nachdem er
mer oder weniger Arckhwenig befunden wirt und bösen oder gueten
bschaidt gibt, unnd in allweg soll sölchen frembden und
unbekhannden hin und wider ziehenden leuten, mer alls ain nacht
oder was Ir zimbliche notturfft ervordert an ainem Ort zubeleiben
oder Stil zu ligen, nit vergundt werden.
Aus der gleichen ursach und in erwegung der schweren leuff Soll
auch der Starckhen und frömbden Auslendischen petler Samlern
Stationierern und anndern muesgeenden leutn, in unnserm Lanndt
verpoten sein zuhausieren, oder in den heusern vor den khirchen
und auf den Jarmärkhten oder khirchtägen fur, und wider zu petln
oder zusamblen bey vorgemellter straff, wo aber hieruber yemand
sölcher betretten, oder ausserhalb der gemainen gewönndlichen
Lanndtstraß bey vergebnen und verdachtlichen umbschwaiffen wegen
gesehen wurdt, der soll von stundan
| Seite 11v| vännckhlich
angenomen und besuecht und der. notturfft nach gegen Inen
gehanndlt werden, nachdem undsein verhanndlung meren oder weniger
Arckhwon hat.
Wer aber peenhafftig und mit wissenlicher schwachait seins leibs
beladen, allso, das Er zu arbait untauglich, und der Almuesen
notturfftig, der mag in der Stat oder in dem Gericht, darin er
geborn oder erzogen ist, petln und des Almuesen besuechen, doch
das er des ain urkhundt und erlaubnus von der Obrigkhait hab, die
auch die Obrigkhait ainem yeden der durch Besicht, oder
grundtliche erfarung der Almuesen notturfft befunden wurdt umb
Gots willen zugeben schuldig sein.
Unnd in alweg sollen unnsere phleger Richter und annder Ambtleut
in den Gerichten und in stetten die Burgermaister und Rath
geflissen sein, und Ir auf sehen haben, daz der petler khinder
zeitlich unnd alls palldt Sy Ir prot etwas verdiennen mugen, zu
diennsten oder hanndtwerchen gelassen, und von dem petln, der
denselben anzuhangen entzogen werden.
| Seite 12r|
Nach dem auch grundlich erfarn und offen war am tag ist, das under
den Zigeinern vill speher khundschaffter und Erfarern der
Cristenlichait, Rauber beschediger und annder boß leut, daß auch
die Armen und Ainfaltigen unnser unnderthanns weib und man bisher
vilfaltigclich von In betrogen gelaichen und beschedigt worden
sind und sich noch nichts annders dann verätterey betrugerey und
beschedigung bey Inen zuversehen ist Demnach sollen sy sich aus
unnserm Lanndt und Stifft thuen, Sich der Eussern und darin nit
mer finden lassen, wo Sy aber weytter dar Innen betretten, unnd:
dann yemanndt mit der that ychts gegen In hanndlen oder zu
hanndlen furnemen wurden, der soll gegen unns und annder
nachgesetzt unnser obrigkhait daran nichts verschuld noch
gestrafft oder unrechts gethan haben, dar nach weiß sich ain
yeder der selben zu Richten, man soll sy auch an den Lanndt
Gränitzen und Confinen allenthalben abwenden, unnd In wissenlich
khain paß noch Durch zug geben werden.
Mördern, vermessnen Totslegern, weliche aus fursatz und vergesnen
willen, in unnserm Lanndt yemandt zu Todtslachen, und den
Absagern, die sich landt leuffigs Rechtens vor Ires widerthaills
ordenlichen Gericht oder vor unns und unnsern Räten (das doch
ainem yeden fürderlich, und wie sich Rechtlich Zethuen geburt
| Seite 12v| verholfen soll werden) nit benuegen lassen wellen
und darüber austreten oder Jemanndt befehden, oder gewalltigklich
mit prannt fänngkhnuß Not zwanng oder in annder der gleichen
unzimblich weg beschedigen und Iren helffern, auch allen und
Jeden, so sölch Mörder Todtsleger oder Absagger und Ier helffer,
wissenlich enthalten herbergen hausen höfen Atzen trenckhen oder
in annder weg zu und furschub Furderung Rat Hilff und beystanndt
thuen, Ob es gleich durch Ir aigen weib und khindt oder annder Ir
negst gesipt freundt bescheche den solle sover er sich
glauberlich und warhafftigclich zu In erfindet unnser und unnsers
Stiffts Lanndt ewigclich verbotten sein, allso das Ime on sonnder
groß und mergkhlich eehaf ft ursach khainerlay Lanndtschuldt noch
glait haimlich oder offenlich annderst dann zu Recht nit geben
noch vergundt werden, Sonnder unnser Lanndshaubtman und
Lanndschreiber sollen Innen und Anndern der gleichen ubltättern
mit allem fleiß fur und fur nit allain in unnserm sonnder auch in
annder umbligunden länndern nach stellen, unnd wo Sy die erfragen
betretten oder ankhumen mugen zu Recht und geburlicher straff
niderlegen unnd Erobern.
Aber zu Recht gewallt und unrecht der Jhenen so wir zu Recht
mächtig sein, mag ain yeder der ainer Ubl that halb in Intzicht
und Arckhwon ist, in unnserm Lanndt und der Anndern wir zu
glaiten haben, auf sein geburlich ersuechen verglait werden, so
Er daz ubersteen, und sein unschuldt wie sich geburt ausfueren
will.
| Seite 13r|
Gleicher weis sollen die Straß Rauber auch annder der gleichen
Lannd Beschediger und ubertretter des heilligen Reichs
Lanndfriden so sich ye zu zeiten in unnserm Stifft und bevorab in
den gebürgen bey den Teyren Clamen, Aiböden und anndern abwegen,
die leut und wanndert zubeschedigen, umbziehen wissentlich von
niemanndt ennthalten beherbergt, gespeist, gedrennckht noch in
annder weg, vergunstigt werden, bey schwären straff an leib und
guet, und alls lieb ainem yeden sey, die obemelten peen wider die
frid precher und Ire zueleger furschieber und enthalter des
heilligen Reichs Lanndfriden gesetz zuvermeiden.
Unnd damit dieselben Straß Rauber und beschediger desst Ehe zu
fänngkhnus und straff gebracht, So sollen unnsere Haubtleut
viztum,phleger Brobst, Lannd Richter und Ir Stathallter, auch all
und annder unnser Ambtleut allenthalben in Iren Ämbtern gerichten
gebieten und verwesungen Ir Spech und fleissig auf sehen auf Sy
haben, und wo Sy der ainen haben oder mer erfarn, und so Inndert
ain Angriff oder Beschedigung bescheche, daß Sy dann zu stundan
alls pald Sy des Ervunndt werden, Eylenndt und Im fuesstapfen
aufsein und aus unnsern
| Seite 13v| Unnderthannen sovil sy not
bedunkht zu In nemen und den Thätern nach eylen, die Strassen,
pruckhen, urfar, fur Holtzer,ganng steig und ungewonlich weg zu
perg und Tall wie eß die notturfft erfordert aufs furderlichist
besetzen und den Beschedigern an den Theuren und anndern Lanndt
Grenitzen der gleichs an den urfarn pruckhen Steigen und
haimblichen wegen das Sj Irs vermainen durch khomen oder
entrinnen möchten on verzugig furpringen auch sölch thäten und
Hanndlung von stundan wider und in die negst aufstössenden
Gericht, und in sonnderhait an die ort dahin die Rauber oder
beschediger vermuetlich Ir flucht nemen möchten, verkhunden und
anzaigen auf daß dieselben auch der gleichen thuen und verfuegen,
unnd allso fur und fur ain gericht oder Ambt dem anndern nach
Eylen und die päß und durgang besetzen und verstrickhen helfen
damit sölch Rauber und Beschediger, betretten und zu Recht
gehanndthabt werden dar Innen soll khain Fleiß mue noch Arbait,
weder von den Ambtleutn oder unnderthannen bej vermeidung
obgemellter unnser Straff und ungnad gespart noch der
Beschediger, Sy sein wer Sy wellen in ainich weg verschont
werden.
Eß sollen auch in sölichen fall und so yemanndt beraubt oder
beschedigt wirt, all unnser unnd unnsers Stiffts unnderthannen
dye des zu frischer Tat ermannt, oder sonnst Innen werden fur
sich selbs und auf unnser Ambtleut mainung
| Seite 14r| unnd
Ersuechen nach zueillen und gegen den Beschedigern hanndlen zu
helffen schuldig sein, alls wär Es Ir selb sach, wie sich dann an
yeder verstenndiger dem heilligen Reich und unns zu pillicher
gehorsamb und zu berettung und Erhaltung gemaines Lanndts fridens
selbs auch pflichtig waiß.
Unnd wo man allso im nach Eyllen durch märgkht, dörffer oder fur
ainschichtig Heuser zeucht, da soll ain gschray gemacht, und
jeder man der that er Inndert auch menigclich darauf angesagt und
gebotten werden sein vleissig khundtschafft und aufsehen zuhaben,
ob Inndert frömbt unbekhannt und arkhwenig leut der Ennden und an
ungewönlichen ortten gesehen das die angezaigt und aufgehallten
werden.
Eraischet es dann die notturfft, So mag auf haissen der obrigkhait
bey etlichen Khirchen in der nächent angeslagen oder bej den
schlössern do man das wissen empfächt etlich puxen schuß gethan,
damit das gschray dest Ehe auf geprait und allenthalben in der
gegent, dar Innen die Rauber oder Beschediger sein sollen
Eröffnet und denselben dest baß mög nachgestellt werden, wohin
und an welichen Ort allß dann Sölch gschray puxenschuß oder
glogkhenstraich khumbt oder gehört wirdt, da soll man mit dem
Ersten all päß furlauffen und Besetzen und ain yeder Richter oder
Ambtman mit Etlichen seinen Underthannen
| Seite 14v| auf sein
nach Eyllen, ainer dem anndern Bschaid geben und aneinannder Hilf
und furschub thuen, damit die notturfft alls obgemellt ist
gehandlt werden mag.
Doch soll der Glogkhenstraich an khainem Ortt angeen mag sey dann
der beschedigung und solchs nacheillen zuvor etlicher massen
durch Gschray oder Khundtschafft er Inndert, und werde durch die
obrigkhait angeslagen gebotten.
Es soll auch solch gebot, und furnemen, des nach eyllen nit allain
wider die Rauber sonnder auch wider all Lanndfrid precher in
gmain, alls mörder, absager, notzwinger und annder so sich
understeen Jemanndts Im Lanndt zu befechden zu bekhriegen und
gwallt abzulegen, oder ains durch das Lanndt fännckhlich
zuefueren, oder In glub und fännckhnus auf wider Stellung zu
dringen, verstannden unnd mit dem nach eylen allso wie obsteet
gehalten werden, Unnd damit in dem allen dest mer und Emsiger
vleiß gebraucht und sölch Rauber mörder Todtsleger aufruerer
absager notthädinger und annder der gleichen Lanndt frid precher
Beschediger desst Ehe betretten und zu gefännckhnus und
geburlicher straff gebracht werden, so soll ainem yeden und
menigkhlich der Sy und Ier wissendtlich ennthalten furschuber
oder Helfer nider werffen und erobern khan oder mag, mit und
gegen Iren leib, und guetern die bej
| Seite 15r| Innen funden
werden, zuhanndln frey und Erlaubt sein, allso das dieselben
gueter on unnser und menigclichs von unnsern wegen verhinderung,
den Jhenen nachvolgen und beleiben sollen die sölch Beschediger
zu gefanngkhnuß bringen was Sy aber geraubt oder genumen und
verstollens guet bej Innen finden, daß soll wie sich geburt, den
beraubten und Beschediten wider geben werden.
Die phleger und Richter sollen auch bej den unnderthannen und
gerichts leuten Ir jedes verwesung bestellen, das Sj allenthalben
die walldt und daß Holtz bej und von den Lanndstrassen abmaissen
und Raumben damit sich sölch und annder böß leut bej den Strassen
desstweniger umbziechen und aufhallten mugen.
Auf das ainich sonnst Erberkhaitn in unnserm Lanndt von menigclich
Armen und Reichen destmer gepflegen, und guete Ordnung und
ainigkhait in fridlichen wesen und geburlicher gehorsamb
Erhallten werdt so sollen furanhin all Jede In
| Seite 15v|
woner diennst und Hanndwerchs leut, die sich in stet märgkhten
oder annderthalb in unnserm lanndt mit diennstn arbaitn oder in
annder weg nider lassen wellen, der obrigkhait desselben Orts von
unnserntwegen an loben und zu Got einen aidt schwern das Sy unnß
alls Lanndtsfursten unnd unnser nachgesetzten obrigkhait,
darunder sy dann zu zeiten sein und wonen werden in allen
gepürlichen gebotten und verbotten getreu underthenig und
gehorsam sein unnsern und unnsers Stiffta Frumen furdern und
schaden warnen und wennden, oder Ires vermugens wenden hellffen
auch alles und jedes annders Hanndlen thuen und lassen wellen und
sollen, daß ain frumber unnderthann seinem Lanndsfursten der
Erberkhait nach zuthuen schuldig ist, Inmassen wie dann auf allen
unnsern perckhwerchen zubeschechen und dergl eichen pflicht von
den Artz khnappen Schmeltzern, khollern Holtz khnechten und
anndern pergkhwerchen Arbeitern und verwonden zuvernemen auch
verordent haben.
Unnd soll ain yeder Unnderthan phlichtig sein, seine diennst potn
Arbeiter Hanndwerchs gsellen und Hausleut, waß Er derhalb seind
obrigkhait, damit Sy solch Glub und ayd von Innen nemen mug
anzuzaigen. Wo Sich sich dann ayner oder mer der selben solicher
phlicht und Aidts zuthuen verwiedert
| Seite 16r| Unnd
ungehorsamb hier Inn Erzaigen würde, dem oder dieselben damit Sy
die frumen und gehorsamen nit auch zu widerwertikhait oder
Rebellion und ungehör bewegen, Solle daß Lanndt verbotten und sy
verer oder lennger khainß wegs dar Inn zuenthallten mer
gestatten.
Unnsere phleger Statt Lanndt und Urbarrichter in unnserm Stifft,
sollen Ir Jeder In seiner verwesung oder Ambts verwaltung, gegen
menigclichen Iren Stab und gebiet unnderworffen, In Burgerlichen
sachen völligen zwanng und umb all personndlich und Hablich
sprüch zurichten, auch all fräfl und geprechent ausserhalb der
Haubtmanß Hänndl und in den gefreitten unnsern phlegen und
Lanndgerichten auch die Haubtmanß fäll nach vermug, unnsers
gerichts Ordnung zehanndln und zustraffen haben, wie vo allten
Herkhomen ist. Deshalben soll auch ain jeder vor seiner
geordenten obrigkhait darunder Er in unnserm Stifft gesessen ist,
oder sonnst wonnhafft nemblich die prelaten in weltlichen sachen
von unnß oder in unnserm
| Seite 16v| Abwesen von unnserm
Stathalltern und Rathen die von Ädl oder der Ritterschafft auch
vor unns und unnsern Räthen oder unnserm Lanndtshaubtman, die
Burg und Lanndgerichtsleut vor unnserm Stat und Lanndtgerichte,
und unnsern urbar leut unnsers vorvodern weillandt Ertzbischoven
Bilgramß Freyhait vor unnserm urbar Richter furgenomen und
beclagt und der beclagt oder furgenomen daselbst zu antwurt und
Recht zenemen und zegeben schuldig sein, und wider Recht oder
sein aigen bewilligung soll niemanndt an khain ausser oder
frembder gericht gezogen werden.
Doch unnß unbenomen wo Inndert beweglich ursach aine oder mer
vorhannden wären, dardurch wir vermainten ain sach selbs oder
durch unnsern Hof Rät zuhören, So mugen wir dy pardheyen
Ervordern die Auch allsdann durch sich selbs oder wo sy in aigner
person nit Ervordert würden durch Ir volmächtig Anwälldt
erscheinen und zu Erscheinen und guetlicher oder Rechtlicher
billicher Hanndlung nach verhör der sachen zugewartten schuldig
sein sollten.
| Seite 17r| Dem gemäß mugen wir auch fur unnß selbß und auf
anrueffen, underthannen ain jede sach daß Innen wir von Recht
oder gewonnhaitt, on sonnder Gerichts proceß und Rechtferttigung
auß Ornlicher gwallt und Lanndsfurstlicher obrigkhait zehanndln
und zeschaffen haben fur unnß oder unnser Räth beschaiden wir
dann die notturfft der furfallenden Hanndl zu yeder zeit
eraischen, und Nachdem wir offter oder weniger von unnsern
unnderthannen darumb ersuecht werden.
So mugen auch unnsere phleger und Richter ain sach aus beweglichen
ursachen selbs fur unnß geen hof weysen, sover die Im Rechten vor
Ime nit gefasst ist.
Hetten oder gewinen dann wir oder unnser Ambtleut von unnsern
wegen zu yemanndt guet ligend oder farend Ichts zesprechen darumb
Rechtfertigung notthät und ergeen muest, So soll die selb
Rechtfertigung gesehen auch vor aines jeden derselben Sachen
ordenlichen gericht und Richter.
| Seite 17v|
Desgleichen so Jemanndt zu unns und unnsern Nachkhumen im Stifft
Saltzburg ycht zesprechen oder zuclagen haben wurde, der soll und
mag daß thuen vor unnsern Räten, vor denen wir auch zu Recht
steen, und laut des heilligen Reichs Ordnung gericht werden
sollen doch unns desgleichen auch unnsern widertaill die Dinger
oder Appellation wie sich geburt und Recht ist vorbehalten.
Wäre dann das Jemanndt zu unnsern phlegern Richtern Dienern und
Ambtleuten zu sprechen hat, der mag dieselben vor unns und
unnsern Räthen oder unnserm Lanndts Haubtman sover Sy denselben
auch unnderworffen ist, darumb beclagen und Rechtfertigen und ob
sich dann der beclag ob unnsers Haubtmanß Hanndlung und
geschäfftn beschwärn wurdt, so soll demselben auch furgesetzt und
unbenomen sein, den Hänndler und seine beschwärung an unns oder
unnser Räth zebringen da soll allsdann verer, und nach billichen
dingen in die sach gesehen werden.
| Seite 18r|
Damit auch die unnderthannen, der straff und wändl, halb
unbilicher weiß dürch die phleger und Richter in unnserm Stifft
nit beschert werden, So sollen furanhin die gerichts Hänndl und
wänndl mit Rat und mässigung der gerichts geschwornen wo sich ain
verprecher mit den phlegern oder Richtern derhalben sonnst nit
vergleichen möcht, furgenomen und der so auß ainfallt verpricht
nit alls hart alls der muetwillig fräfler, gestrafft werden, Es
wäre dann umb ain sach oder fräfl die Straf in unnserm Stifft
oder gerichts unnd Lanndtsordnung benennt oder in ainem oder mer
gerichten mit Namen von Allter herbracht und wird in den Ehafften
dätingen allso geruegt und fur ainen brauch erkhennt, so mag es
dabej beleiben, und ob sich dann yemanndt sölcher der gschworn
mässigung beschwärn oder villieht der verprecher der straff
unschuldig sein vermainen wurde und guetlich nit abkhomen woldt,
So soll Im alls verers begert, das Recht vergunt und sölch sein
vermaint unschuldt mit Recht auszefueren gestat werden. Doch daß
der unangesessen mit purgschafft oder inannder gepurlich weg
vergwissung thue, demselben Rechten allso nach zukhomen.
Wir behallten uns auch bevor sölche straff oder wänndl So wir von
den Unnderthannen darumben ersuecht und gebeten werden, nach
billichen Dingen und gestallt der sachen, durch unnß oder unnser
Räth zu änndern oder zumässigen, wie unns oder die selbigen
sächen zu jeder zeit not und guet bedunckhen wirdt.
| Seite 18v|
Wo dann ainer ain wanndl oder pueß am gellt ye nit vermöcht oder
mit mergkhlichen Abbruch seiner Khinder und Weibs Narung bezallen
muest, der soll nach gstallt seiner verprechung mit Liferung
wasser und prots etliche zeit oder täg, in gefännkhnus gestrafft
und allso Armuet oder unvermugenß halb auch niemand fräfls oder
unzucht verhengt werden.
Dann allß bisher an vill Ortten in unnserm Stifft ain misprauch
gewesen ist, daß die phleger und Richter in Burgerlichen sachen
unnd Hänndl die verlusstigen parthej umb das Inen ain sach mit
urtl ist aberkhenndt worden gestrafft haben daß aber wider
Ordnung und Satzung gmainens Rechtens ist Demnach wellen wir daß
nun furan derselb misprauch abgethan, und niemanndts solcher
gestallt mer gestrafft soll werden, Eß wäre dann daß ainer
scheinperlich ain muetwillige Rechtfertigung fur neue, oder sich
sonnst, und in annder weg ubl hielt, oder ubl gethannen aidt fur
gemainer mit ainicherlaj betrug oder falsch betretten, oder in
seinem vermainen vberwisen wurdt, daß von Recht straffpar war,
der soll der straff darumb nit begeben noch erlassen sein.
| Seite 19r|
Eß mögen sich auch die unnderthannen zuverhuettung uncostens wo
die Inndert umb fräfl oder Irer grundt oder annder ding halb in
purgerlichen sachen di nit malefitzisch oder Haubtmanisch hänndl
seind, Irrig wurden, ausserhalb Irer gerichts Obrigkhait nit
allain Ehr und daß Rechtlich geclagt wirdt, Sonnder auch hinach
wann und wo sy wellen guetlich miteinannder wol vertragen und
sollen zu khlagen oder sich gegen Jemanndt in Recht einzelassen,
oder im Rechten zuverfaren nit gedrungen noch auch darumb daß sy
sich vertragen haben, den Richtern nichts schuldig sein, doch
sollen sölch vertrag dem Richter demnach angesagt, und an seiner
straff derselbe Hanndl vom Recht straffpar Ist, unentgolten,
Desgleichs dem Grundtherren so es grunt und poten beruert und on
sein wissen und willen beschicht an seiner gerechtigkhait auch
unvergriffen und on schaden sein, In massen dann der allt
weilendt Hertzog Ludwig von Bayern etc. Spruch brief sölches auch
zugibt und Clärlich ausweist, wo sich ain hanndl Umb Erber sachen
zwischen den unnderthannen zutregt und dem geriht nit geclagt
sonnder durch die nachpern vertragen und hingelegt wirdt, daß
demnach die parthey die durch der Nachpern Richtung unrecht
gefunden, dem Richter angesagt werden, und abtrag schuldig sein
soll.
| Seite 19v|
Deshalben mag auch ain phleger oder Richter ainen Fräffl oder
Hanndl, on ainem Anclager woll straffen.
Eß soll auch hinfuran Ausserhalb sonndern wäll, so deshalben in
unnser gerichts ordnung gesetzt sein, khainer der woll angesessen
ist oder genuegsamb purgschafft gehaben mag, vennckhlich
angenomen noch enthalten, es werde dann ainem sölch Vännckhnus
zur straff, ainer mishanndlung In sonnderhait aufgelegt.
Dann der Hofmarchen halb, sollen sich die so aigen Hofmarch
gericht haben, auch gepurlich halten und sich nit verrer noch
weider praitten oder zehandln understeen alls Ir hofmarch
gerichtigkhait und Freyhait vermag.
| Seite 20r| Unnd in
sonnderhait sollen sich die hofmarchen Herren der Haubtmanßhänndl
nit unnderwinden noch unndersteen, aber annder groß sachen alls
umb grundt und poden, Erbschafft ligünd gueter, zu lassung und
bekhrefftigung der Testament oder ubergeben einsatzung und annder
der gleichen sachen zurichten und zuerkhennen, oder uber unnser
oder Annder gefreyt urbarleut zepieten, sonnder Sj sollen sölch
hänndl all in die Lanndgericht derselben Hofmarch oder annder
geburlich ortt schaffen, und die Haubtmanß väll in unnser
Haubtmanschafft antzaigen, desgleichs den ubl thäter nah stellen
Sy zehannden pringen, und wie von Alter uberantwurtt Desgleichs
so Sj Hoffmarchs leut in sachen daruber der Hofmarch Richter
zerichten und zubietten hat, alls umb uberetzen, ubertretten,
Rauffen schlagen ungehorsamb und ander dergleichen fräfl mit
straffen und wänndlen zu beschwerlich und ungeburlich halten
wurden unnser und unnser Räth Mässigung gedulden allß obgemellt
ist.
Unnd damit zwischen unnserm Lanndshaubtman und unnsern phlegern,
Richtern Lanndrichtern, urbar richtern und den Hofmarch herren,
oder Iren Richtern in unnserm Stifft der gerichts und Haubtmans
gfäll, halben dest weniger Irrung und streit enntstee, So soll
unnser Lanndshaubtman All hernach gemellt Haubtmans und vitztumb
hänndl und verhanndlung soll sich in unnser Stifft
| Seite 20v|
und Lanndts in allen unnsern gepietten und gerichten Ausserhalb
der gefreiten unnser phleger darin die phleger aus Alltem
herkhomen und unnsern auch unnser vorfodern genedigem zugeben,
die Haubtmanß Hänndl selbs zustraffen haben, und In unnser
Haubtmanschafft nit bringen, laut unnser Haubtmanß Ordnung on
menigkhlichs Irrung und widersprechen zuhören zustraffen
zupuessen haben, alls von allter auch herkhumen ist., und die
phleger und Richter sollen sölh hänndl und verprechung In gemelts
unnser Haubtmanschafft getreulich zebringen und bej Eren, und
phlichten damit Sj unns verwonnt und verpunden sein Anzuzaigen.
Auch was In Ir yeden verwaltung durch bemelten unnsern
Lanndtshaubtman oder unnserm Lanndtschreiber von Haubtmanschafft
wegen gestrafft oder gewanndit wirdet, von den gestrafften
einzubringen und In unser Haubtmanschafft zeverraitten und
zeantwurtten schuldig sein. Da gegen soll Innen wie von Allter
der dritt phening auß denselben wänndln volgen und zusteen.
Unnd an welchen ortten man bisher die nach Recht auf sölch wänndl
gegeben hat, da soll der gestrafft dem fronpotten nach anzall der
straff von ainen jeden glden vier kreitzer geben, hat man aber in
Ainem oder mer Gerichten minder oder solch nach Recht gar nit
gegeben, So soll es noch dabej beleiben.
| Seite 21r|
Erstlich Crimen lese Maiestath, das ist so dem Lanndsfursten,
an seiner person, oder an seinen Eren schedlich zugesetzt,
mit wortten, Anschlagen oder gethatten Dapey werden auch
verstannden und begriffen all Aufrur Pundnus und aufstännde
wider des Fursten person und sein Furstlich gnaden
obrigkhait und Regiment.
2. All Gots lestrungen mit wortten oder werckhen.
3. All Khetzereygen und aberglauben von der heillig Khirchen
verworffen, und wer den Khetzern Juden, und unglaubigen
besterkhung Ires unglaubens gibt.
4. All Zauberey beschedigung der Menschen des viehß oder der
fruchten erdacht oder gebraucht.
5. All fräfl gethaten wider der ordenlichen furgesetzt
Obrigkhait beganngen.
| Seite 21v|
6. All die auf den Khirchweg, in pad oder bej der schmitten
Rumoren oder frävenlich hanndlung begeen.
7. All schedlich untreu wider den Fursten oder die ordenlich
obrigkhait, es sej mit meiderey abdringen abstellen oder
ubergeben Irer stet slosser und Lannde verkhunndtschafften
und verlaitten der unnderthannen zu der veind Hennd.
8. Wer des fursten freyung oder glaydt desgleichen sein oder
seiner Räthe und stathallter Haubtmanß oder annder Ordenlich
obrigkhait gebotten oder angelobten frid Frävenlich und
muetwillig verbricht.
9. All vechd, veindschafft absag und all not zwang notthäding
und verprechung des Lanndfridens
10. All die, so Austretter und trolich sein.
11. All offenlich uberzug gwallt und khrieg, daz man nent "vim
publicans", wo ainer den anndern mit versamlter macht
frävelt, uberzeucht, Ausprengt aufhebt oder angreifft oder
ainem sein hauß aufpricht abtringt, oder Ime oder die seinen
in seiner behausung mit trolicher gepärdt und Fräfler Hannde
uberlaufft belaidigt oder beschedigt.
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12. All nächtlich uberfäl und beschedigung.
13. All Rauberey und Annder vermesne fur warttung und angriff
zu beschedigung leibs und guets.
14. All Mort wie der geschechen oder beganngen werde.
15. All tot schlag die nit aus not der gegen wer oder anndern
in Recht gegrunden ursachen beschechen.
16. All vergifftung der menschen, deß vichs der waid oder
wasser und prunen zu beschedigung des leibs oder der
Sinn.
17. Alle die Khinder verthuen, Hilff oder Rath darzue
geben.
18. All mortpranndt und was sunst Rächig und verdächtlich
prannt sein.
19. Welcher seinen verpflichten Herren verrat in den rat gibt
oder Ime sonst schedlich untreu an seinem leib Eren und guet
beweist.
20. Wer an vater oder mueter frävenlich hanndt anlegt.
21. Alle die frauen oder Jungkhfrauen zwingen, so das nach
frischer that zu Clag khumbt.
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22. Welcher mit seiner mueter oder schwester oder mit seinen
eigen oder seiner bruedern oder schwestern Khindt
unkeuscht.
23. Wer ainen sein weib Khindt oder unvogtbar brueder
schwester, oder phlegkhind haimblich oder mit gwallldt
entfuert.
24. Alle die weiber so Ehelich Manen haben und mit anndern
offenlich unverschambt an der unee sitzen, dergleichen die
Eemänner so mit anndern weibern sich der massen
enthalten.
25. Welche mit vich wider die natur Hänndl
26. Wer Ime selbs den Todt thuet auß sorgen peinlicher straff
oder verzweiflung an got, desselben guet ist dem
Lanndsfursten halb uberfallen, thuet ers aber auß
schmertzlichen Khrankhait und gebrechen seiner vernunft daß
sich bewarlich erfindet, so hat der Lanndtsfurst nichts
davon.
27. Wer an geweichten stetten Rumort.
28, All diebstall, betrug, ablaichen, enntwerung und
abhandlung oder entfrembdung des guets on deß besitzers
willen mit geverde
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29. Alle falsch, es Sej mit munß., briefn, Sigln, ungerechtem
gewicht, meß oder maß, welher daß wissentlich macht,
braucht, dabej ein nimbt oder hingibt.
30. Wer die Khaufmann waren, Specerey oder andere phennbert
velscht oder ain war wissentlich fur die anndere hingibt,
allß Khupfer fur golt, valsch edelgestain fur guet und
gerecht usw. damit der anndern Rechtlich und schendlich
betrogen wirdt.
31. Wer wider seiner gethannen Aydespflicht wissentlich
hanndlt, desgleichen wer ainen falschen Aidt schwert oder
falsche Khundschafft gibt, wissentlich und bedachtlich dem
Anndern zu nachtail daß zu Ime gebracht wirdt.
32. Wer umb unzichtige, Scheltwort mit urdl uberfunden, oder
zum wider spruch erkhannt wirdt.
33. Wann jemanndt uberwunden wirdt, daß er in der
gerhabschafft geverlich gehanndlt hab.
34. Wer ain guet wissentlich zwayen verpfendt und in der
jungern verpfendung die Eltern, schweigen desgleichen
welcher ain guet allso verkhaufft, und gemainklich all
hänndl, die von gemainen Rechten offne leibstraff haben.
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35. All die so wissentlich Mörder, Absager, drölich austretter
unnd veint des Lanndsfursten oder desselbigen unnderthannen
und lannds desgleichen die Dieb mit dem Diebstall
auffenthalten, Innen Einkher underschlaipf Essen und
Trinkhen geben, oder in annder weg, wie daß beschechen mag
hilf und furschub thuen oder taill mit Innen haben.
36. Wer den Anndern geverlicher weis, zu Holtz oder wismadt,
oder anndern Ennden uberaint oder uber marcht, oder march
verruckht oder Haimblicher verzaint, die Marchstain
ubersetzt zu entziechen aines anndern seinem guet grundt
oder gemain und Fraidt on verwilligung der obrigkhait
Einfächt.
37. All die, so hoch und Schwartzwäld schwennden, oder die so
Innen Erlaubt werch nit recht wie sich geburt verhagkhen,
oder darInnen das Jung Holtz abhauen ausziechen verderben,
oder darin Reutten machen.
38. All die so Reutt schlahen, und on Erlaubnuß der Obrigkhait
dies sachen uber das Dritt Jar Inhaben.
39. Vnnd alle die so Einfanng machen.
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40. Aller und yeder furkhauf in Stetten märckhten und auf dem
Lanndte, ist in der Haubtmanschafft straff mässig.
41. All wänndl peen und puessen in die Haubtmanschafft oder
durch den Haubtman Angesetz, in spruchen vertragen geboten,
verpoten, die hat der haubtman zuersuechen und
Einzepringen.
42. All verhanndlungen So von Allters her uber funf pfund
sechzig pfening gewänndlt, und gestrafft sein werden, in die
Haubtmanschafft.
43. Die obgeschribnen Articl, all und ain yeder besonnder
sollen dermassen verstannden werden, wann derselben
wissentlich gemacht sein So mugen Sj fur vitzthumb oder
Haubtmanß hänndl gestrafft werden.
So haben wir auch zwischen unnsern Lanndt und Bergkh gerichten in
unnsern Bergkhwerchs Ordnung ain Entschid und vergleichnus
gemacht, unnd Ordnung geben, waß und wie fur an yeder unnser
Bergkhrichter zuhanndln, zu straffen und zupieten hat, dabej soll
Eß beleiben, und sich all obgemellt pfleger und Richter der
Ennden wir perkh
| Seite 24v| werch haben, dem selben nach gegen
unnsern Berkhrichtern, und Berckhwerchs verwonnten halten, unnd
In sonnderhait sollen die Berckh- und Lanndt Richter Auch annder
unnser Ambtleuten In guetem verstanndt und verainigung mit
Einannder sein, und in fur vallenden notturfften Hilf Rat und
beystanndt aneinannder thuen Alls in derselben Berckhwerchs
Ordnung auch gesetzt und gemelt ist.
Dieweill sich auch auß götlicher und Menschlicher verordnung, Ainem
yeden menschen geburt seiner Obrigkhait in zimblichen Dingen
gehorsamb zuesein und Er zu erbieten, So soll Nyemand wider unns
und unnser nachgesetzt obrigkhait pundnus, Aufruer, Bsamblung,
oder unpillich verstandnus zu widerstanndt und empörung mit
wortten oder werckhen Haimblich oder offendlich, in kainerlay
weiß noch weg Icht haben, oder machen desgleichen sollen sich die
underthannen selbß und widereinannder auch mit Rottieren noch
Bsamblung noch ainer den anndern mit vechlicher gwaltiger thät
angeriffen oder beschedigen.
| Seite 25r|
Welcher aber das thuet, und sich Ainicher Aufruer Conspiration
verainigung, pundnus Mertheray oder annder dergleichen boß
practickhen Ansleg zemachen und den gemainen man zu Rebellion und
Aufruer zubewegen oder Jemanndt mit geweltiger that und
versamblung, zuuberfallen oder zetringen und zu beschedigen
unndersteen, oder Hilff Rath oder that darzue geben und sich den
selben Aufruigen anhengig machen, wurde, der soll unnß alls
Lanndsfursten on alle gnad leib und guet verfallen sein.
Unnd ob jemanndt sölhe hanndlung oder emperung sach heret, oder
sonnst wissen empfinng oder eigentlich gwar und Innen wurd, und
daz der obrigkhait nit furderlich anbrächt, der soll seiner Eer
verwurckht haben, und daß Lannds ewiglich verisen werden.
Dagegen und Hinwiderumb wellen und sollen wir und gemelt unnser
nachgesetzt obrigkhait unns gegen
| Seite 25v| den unnderthannen
Auch zimblich und wie sich geburt halten, yederman bej Frid und
Recht schermen und wider billichkhait und Allt Herkhomen nyemandt
twingen noch beschwären.
Unnd in sonnderhait ob jemannt auß den unnderthannen was stannds
oder wesen der wär gegen unns nichts ungebürlichs gehanndlt zu
haben versagt, der sich zuverantworden unnd zu entschuldigen
erpieten wurd, und daß Recht Leiden mach, den wellen wir zu
verantworttung khumen lassen, und unns nach gstallt und
gelegenhait der sachen gnedigclich gegen Ime halten, auch wider
Recht und billichcait nit Straffen noch Annemen oder straffen
lassen.
Nachdem auch die Jarmargkht Khirchtag Hochtzeiten und gemainen
Tanntz bisher an vil ortten in unnserm Stifft mit geverlichen und
| Seite 26r| verpottnen weren, allß Helmpartten Spieß puxen
Armprost schlachschschwertten wurfhackhen CreutzEysen, khlotzen
oder pley Khugln hirnheublein puch hanndschnecken, Pantzer
stricken und annder der gleichen unzimblichen Harnasch und weren,
Etwo auch mit Trumen, Fendlein und Merckhlicher versammlung
besuecht werden, Daraus vil unraths verderbens Haderey und
Rumoren enntstanden auch ye zu zeitten Totschleg schwär
leibschäden und annder ubl ervolgt seind, dem selben fur
zukhomen, Sollen auch solch Harnasch und weren, den gemainen
paursman, paurnkhnechten Handwerchern, und allen anndern Inwonern
unnsers Lannds zu Khirchen und gassen allß obgemelt ist zutragen
und sölch versamblung zug und Rotten mit und on fänndl Trumen und
pfeiffen zemachen auch in den Gerichten darin die unnderthannen
Ir wer auf der Bundtstanndt hivor nit von inne haben geben,
ganntz verpotten und abgestellt sein, Bey schwärer straff und
leib oder guet und bej verlierung derselben Fändlein Trumln und
weren.
Gleicher weiß Auch ausserhalb der Hochzeittn all gmain Tanntz bey
den Tafernen und anndern ortten in Stetten Märgkhten und auf dem
Lanndt abgeschaffen und verpotten sein, und durch unnsere phleger
Landt- und perckhrichter auch annder unnser Ambtleut bej
vermaidung unnser Straff nit gestat werden.
| Seite 26v|
Unnd zu noch besser Sicherhait, Sollen nun furanhin, auf allen
Jarmarckhten Khirchtagen desgleichen bej den Eehafftäding und
allen anndern grossen versamblungen des volckh, frid zuhalten
offenlich beruefft und gebotten und zu ainem Anzaigen sölchs
frids, ain khlains fänndlein, offenlich aufgesteckht werden,
Dabej ain yeder ob er gleich bej der berueffung nit gwest wär,
den frid erkhennen, und sich desshalben mit unwissenhait nit
Entschuldigen mug, wurde dann yemant sölch fridbot verachten und
daruber nit frid halten, der soll nach gstallt seiner
verhanndlung ernstlich und wie sich in solchen woll geburt
nachvolgenden Maß gestrafft werden.
Eß soll auch ain yeder in seinem hauß zu tisch und Beth, auf dem
Khirch weg mit dem Creutz zugeen, desgleichs bej der schmidtn, in
pad zu mul, und so Er fur gericht erfordert wirdt, oder seinem
Herren In die stifft geet, frid und Sicher hait haben, und fur
all gwelltig fräfl und thaten oder Angriff in unnserm Allß
Lanndtsfursten sonndern scherm und freyung sein.
| Seite 27r|
So sich zwen oder mer personnen mit Frafln gepärden worten oder
werckhen entschickhen und zu Rumor stellen, wer dann sölchs
ersiecht er Sej wer er well der soll und mag frid begern,
gepieten und nemen auch zwischen denselben Rumorern sovil ain
Jeder unbeschedigt sein selbs person, thun mag, treulich und
ungeverlich schaiden, damit schad und ubl verhuet werd, unnd ob
sich dann Jemannd gewaltigclich darwider setzen, den frid nit
halten und je unruer stifften oder Rumoren wollt, der soll
vänngclich angenomen, und menigclichs vleiß verholfen sein, damit
solch Rumorer und muetwiller die nit frid geben wellen zu
geburlicher straff mugen behenndigt und an genomen werden, welche
alsdanne ainen solchen frid nit hellt und mit wortten verpricht,
daß mit warhait zu Ime bracht mag werden, der soll dem Richter zu
wandl 5 glden und 60 pfenning unabläßiger verfallen sein.
Zuckht er aber sein wer oder waffen schlecht oder wurfft den
anndern allso daz er nit wunt noch bluet runstig macht,
desgleichs so Jemand unnserm oder unsere Räth und stathallter
Haubtman oder annder unnser nachgesetzten und seiner obrigkhait
geboten oder angelobten
| Seite 27v| frid mit fräfflichen
wortten verpricht, so verfelldt er zehen pfund vier schilling
pfenning den In unnser Haubtmanschafft.
Macht er aber seinen gegenteil pluetrunstig und wund oder schlecht
Inen sonnst mit truckhen straichen so hart daß Er sich ainer
pluetrunst oder wunden vergleicht, vil: sic et forte melig, So
steht er nach gstallt seiner verhanndlung in hocher unnsrer
Haubtmanß straff, wer aber uber seinen gelobten frid seinen
gegentail (on merckhlich ursachen Ime darzue bewegt) fraflich
schlecht oder wurfft, er schlach Ime wundt oder nit, dem get es
an daß leben, und soll nach laut unnser gerichts Ordnung mit der
strenng alls sich geburt zu Ime gericht werden, daß get In an daz
leben, schlug dann ainer den anndern uber den gebotten und
angelobten frid gar zu todt, gegen soll allß zu ainem vermässigt
Todtschleger Gericht werden.
Ob auch ain sölcher fridprecher von Jemand solch hilf oder
unnderschlaif hiet, dardurch der geverlich verstossen verporgen
und furgeschoben wurde, Allso daz dj obrigkhait desshalben nach
Ime nit greiffen möcht, Derselb verstosser oder unnder schlaiffer
all in unnser Haubtmanschafft zehen pfundt vier schilling
phenning, und dem so von dem selben muetwiller und fräfler in
sölchen Rumoren beschedigt wär, umb sein schaden verfallen sein.
| Seite 28r|
Eß sollen auch die phleger und Richter sölch fräfl und Rumorn
allenthalben in unnserm Lanndt sovil Inne muglich ist, abstellen
und bej Ernnstlicher straff verpieten, In sonnderhait aber,
Sollen Sy daz Gassen gschrey und annder unbesen bey nachtlicher
weill auf den gassen und in den märckhten nit gedulden, noch
jemand gestatten in versamlung oder Rottierung weiß mit waffen
und weren nachts auf der gassen zegeen die leut zubeschedigen,
oder die wachter und annder, die auf dj gassen, von der
obrigkhait geordent werden, zubegwaltigen oder fräfl Hanndl an Sj
oder anndern zulegen darzue in dann die unnderthannen wan Sy und
welhe darzue Erfordert werden, geburlichen bejstanndt thuen und
verhelffen sollen, Damit menigclich bej fridt und Rue gehanndt
habt werden.
Wurden sich daß ainer oder mer derselben fräfler muetwillen und
Rumorer oder Fridprecher, der obrigkhait mit gwallt setzen und Ir
die obrigkhait mit Iren Diennern allain dieselben nit getrauet zu
erobern, So sollen die negst gesessen viertlmaister oder Rotleut
mit Iren Khnechten oder zu verordenten, desgleichs welche sonnst
auß den unnderthannen
| Seite 28v| in der Ehyle, darzue vermant,
und erfordert werden der obrigkhait wie dann ain yeder seiner
pflicht nach auch schuldig ist, beystanndt thuen damit sölch und
annder widersässig und verächter der obrigkhait gehanndt habt und
nach notturfft anndern zum Ebenpildt gestrafft werden.
Unnd ob dann derselben ungehorsamen und widerspänigen ainer, oder
mer in sölchen entleibt oder schadhafft wurde, den soll man
darumb oder dafur nicht schuldig sein.
Wurde aber jemannd auß den unnderthannen die der obrigkhait auf Ir
ersuechen und wie jetzt gemellt ist, beystanndt thäten in sölchem
beystanndt und eroberung der ungehorsamen von derselben ainer an
seinem leib beschedigt oder verwundt, dem well wir zu gnaden,
sover Im der Thäter sölch schaden abzulegen nit vermuglich, war,
daß Artzlon und Costung nach gelegenhait der sachen auß unnserm
haubtmanschafft zubezallen verschaffen.
| Seite 29r|
So sich aber Yemand hier Inn sölchen nötten ungehorsamb erzaigen
oder halten und der obrigkhait auf Ir ersuechen und begern nit
beystanndig sein wurde der soll durch die notturfft der
obrigkhait, und wie sich in sölchen wol gezimbt gestrafft
werden.
Unnd so jemannd leichtfertiger in Trunckhenhait auf der gassen mit
offennlicher unzucht betretten wirdet, den sollen die gerichts
dienner in daß narn Khöterl oder annder der Trunckhen
gefänngkhnuß fueren und legen, biß er widerumb zu sinen und
vernunfft khumbt damit Niemannd in seiner trunckhnen weiß von Ime
belaidigt werde, Ob aber Jemanndt in Trunckhenhait ainicherlay
unzucht und ubl begienng so soll er sich durch dieselb sein
trunckhen weiß nit entschuldigen mugen sonnder dester schwärer
gestrafft werden.
| Seite 29v|
Welher ainem bey tag in sein hauß wonung oder fenster wurfft, der
soll darumb dem Richter funf pfundt sechzig pfening verfallen
sein, geschiecht eß aber bej der nacht, so ist deß wanndl
zwifach.
Herwiderumb auß welchen Hauß Jemanndt fräfenlich bej tag oder nacht
zuegeworffen, und daz khundt gemacht wird, So soll der Hauswirt
desselben Hauß, ob er darinnen wonet, und sonnst der Innan oder
bestanndt des Zimerß, darauß der wurff geschechen ist, umb daz
wanndl wie nechst vorgemellt ist, auch guet sein.
Stöst aber ainer dem anndern sein Hauß oder wonung bej nächtlicher
weil auf oder uberlaufft
| Seite 30r| In dar Innen mit
fräffenlicher gewafneter Hanndt, der ist, so Eß auf in war
gemacht wirdet, In die Haubtmanschafft straffmässig und dem
belaidigten, sein schmach und schaden, nach deß gericht
erkhanndtnuß abzelegen schuldig.
Waß gefärlichcait unfals schadens verderbens an leib leben, Er und
guet offt manigen menschen auß hitzigkhait deß Spills ernstleich
und er volgt, daß ist offenbar und am tag, zugeschweigen, daz der
namen und die Hoch maiestet gotts (welher doch hierin und auch
sonnst an Ime selbs das größt Laster ist,) nynndert mer noch
höcher gevert, verletzt und gelestert wird, alls bey dem Spil und
durch die verwurckhten und entzundten gemuet der Spiler, die
vilmale auß begir aines klainen zeitlichen gewinß Ir leib und
sell In verlust und geverlichaitt setzen, sölch ubl begegnen, und
unnser underthannen vor sölchen verderben zuverhuetten, sollen
nun furanhin in unnserm Stifft und Lande alle unzimbliche Spill
in heusern, auf ofnen plätz und allen anndern Ennden und In
sonnderhait in winckheln und in haimblichen und ungewonlichen
orten, hiemit ernnstlich und gänntzlich verbotten sein.
| Seite 30v| Ob aber jemand von Khurtzweil wegen in offen
gewonndlichen wirts Heusern und tafernen oder sonnst bey Erbern
leuten an ainen zech oder in annder weg offenlich und zimblicher
weiß nit umb sonndern nutz und gewins willen, und zu der zeit so
der Gots diennst an den Feiertagen volbracht ist, Spillen,
Kharten, Khegln oder annder dergleichen khurtzweilen treiben
wollt, daß mag ausserhalb der Sambstag nächt und annder heilligen
feir Abent sover eß on unzucht und scheldwort oder gotzlesterung,
beschicht, gstat werden, daß doch ainer mit sölchen khurtzweill
oder Spill uber zwelff oder funffzechen khreitzer oder sovil
werts auf ainen tag, auch nit verthue.
Aber an den werchtägen soll dem Gemainen Handwerchs und paursman
Iren Eehallten und khindern, das spill und khartten gar verbotten
sein.
Es soll auch auf den Märckhten und Khirchtägen unnsern phlegern
Richtern Ambtleuten und menigclich offen Spilplatz zehallten und
darumb den scholder einzunemen oder anndern zuverlassen und
zugestatten gänntzlich und bey schwärer unnserer straff verpotten
sein.
| Seite 31r|
Wer auf porg spilt und verlust der ist daselb nit schuldig zu
zallen, und allso soll auch nit wider gegeben noch bezallt
werden, was ainem zu dem spill und auf das Spill geliehen
wird.
Wer aber das uberfaren und annderst alls Jetzt gemelt ist Spilen
oder in seinem hauß wissentlich Spilen lasen und den Spillern
Platz Herberg und unnderschleif geben wurde, der soll von seiner
Obrigkhait alls offt er des verpots schuldig funden wird, umb ain
pfund pfenning gestrafft werden.
Und sollen vater und mueter für Ire Khinder die aignes guet nit
Haben, deß gleichs ain Jeder hausher fur sein unvermugend gebrät,
Diener und Eehallten sölche straff oder gebueß zegeben, und auß
zurichten schuldig sein, Sover Sy Innen sölch unzimbliche Spill
wissentlich gestatten oder Sy in Iren Heusern Darzue halten.
| Seite 31v|
Doch solen die vom Adel und annder Erber und vermugenlich person,
Desgleichs frauen und Jungkhfrauen, die daß spil von khurtzweill
zimblicher weiß treiben hirinn ausgenomen sein.
Es sollen auch furan die wirt oder gastgeben in Steten märckhten
und in den Tafernen auf dem Lannd uber Acht ur zu Abendts oder
ungeverlich zwo stundt in die nacht an den zechen am Spill bej
leichtfertigen weibern oder in annder leichtfertig weeg Niemandts
sitzen lassen, wer daß uber fuer der soll nach ungnaden gestrafft
werden.
Damit auch all obemellt Satzung gebot und furnemen in dest
beleiblichen wesen und ordnung bsteen und gehalten werden, So
sollen all wincknl und new Tafern laut der vorausgeganngen unnser
manndat aufgehebt abthuen und verpotten sein und beleiben Auch
furder auf zurichten kains wegs mer gstat werden.
| Seite 32r|
So ainer den anndern umb schulden fur gericht wenndet und erfordern
lässt und der erfordert oder beclagt der schulden bständig ist,
So soll der Richter mit den schuldner schaffen, das er dem
glaubigern betzall In viertzechen tagen, oder ob der glaubiger
ain,gast were, in dreyen tagen, den nägsten, Betzallt allsdann
oder vergnuegt der schuldner dem glaubigern in sölher zeit daß
hat sein weg, wo nit so hat Ime der Richter seiner ungehorsamb
halb zustraffen umb "N" unnd soll Ime der Richter auf verer
anhalten des glaubigers in seine gueter greiffen pfandt nemen
lassen, und den glaubigern von denselben pfenndten zalhafft
machen wie hernach volgt.
| Seite 32v|
Wann eß nun zu fälen khumbt daß man den schuldner angereiffen Er
sej umb bekhänntlich schulden oder umb rechte schulden die ainer
mit Recht und Urtl so in Ir khrafft khumen, zu erkhennt sind, So
soll der Richter dem anrueffenden Thaill vergunen on verzechen
und auf ain mall umb ganntze Suma der schulden auf genuegsamen
guettern so die annderst verhannden sein zu pfannden doch
erstlich auf varunde Hab, und wo an derselben mangl Ersthen alls
dann auch aufligendes und mit der maß wie In unnser gerichts
ordnung unnder der Titl vom volziechen und Hanndhabung der
urtailn und davon gemelt und gesetzt ist, Allain der grundherr
der mag umb seinen grund zinß auf varunder Hab, oder der
paurechten der auf den zinß ligt, pfennden wie es im gliebt und
gefallen sein will.
| Seite 33r|
Unnd so yemannd also wie yeztgemelt ist gepfenndt wierdet, so soll
das pfanndt Viertzechen tag stilligen ob der gepfenndt dasselb in
der zeit lesen will, das soll im gestadt werdenn, Lest er es nit
so soll das pfandt drei tag nacheinannder durch den geschborenen
gerichtßknecht oder Fronpoten umb die gepfenndt Suma mit offenem
Ruef unnd ganntt fail gefuert unnd aufgepoten werden, Ob yemandt
mer darumb geben well, Alsdann unnd nach solicher berueffung unnd
failfuerung Sollenn die pfanndt abermal drej tag die nägstenn
stilligenn unnd dem gepfenndten umb die Suma der Schuldenn sambt
den schäden sovil uber die pfanndtung geloffen ist, dieselben tag
zulesen beuor steen, Lässt er die alsdann auch nit, So sol
darnach der Richter dem der am maistenn uber die gepfenndt Suma
auf die Pfanndt gelegt hat auf sein anhalten ain stanngen Recht
ungevärlich in acht tagen, benennen, und Ime das gepfenndt und
failgefuert pfanndt mit ainer urthail unnd Gerichts hanndt zu
Nutz und gbuer wie sich gepürt einanndt wurdten unnd das
prihanndthaben unnd der glaubiger seiner schuld sambt den
erlittnenn unnd auferloffnenn khost und schaden von der Khaufsuma
so aus dem verganndtenn
| Seite 33v| oder verkhaufften pfanndt
gelest wiert betzallt werdenn unnd was dann ubermaß an der
verkhaufftenn Hab, uber die Haubtsuma oder behebnuß, deßgleichs
uber khost unnd schädenn desshalb erlittenn, uberbelib, das soll
dem der die Haab ist volgenn, wo annderst nit nachvolgunnd annder
parthein oder glaubiger die auch darauf verlanngt hetten
verhanden wärenn.
Doch soll ainem yeden der also gepfenndt wierdet die
pfenndtung,unnd ob die pfanndt wie nägst hie vorgemelt ist losen
will, unndter augenn, wo man In annderst ankhumbenn unnd betreten
mag, oder wo er sich gefärlich verhielt, und nit finndenn lassen
wolt zu Haus und hof durch den Fronpotenn oder des Richters
offnen verkhunndtbrief zuwissen gethan, er enndthielte sich darin
der Schuldner edtbo on anndern ordtn ausserhalb Lanndtß, oder wär
flüchtig wordenn, so soll das pfanndt Sechs wochenn und drei tag
zu Losung stilligenn unnd dem gepfenndtenn solich pfanndtung unnd
Losung durch offnen aufschlachenn und verkhundtbrief in dem
Gericht darinn die pfanntung beschicht verkhünndt werdenn, Unnd
der glaubiger dazbischen nicht destminder sein erfarung habenn,
unnd gueten fleis furkhern, ob er den Schuldner ankhomen oder
erfarn, unnd im
| Seite 34r| Phanndt Sechs wochen und drey tag
stilligen zu losung und dem gephennden sölch Phenndung und losung
durch offen aufschlagen, und verkhundt brief in dem gericht, dar
Inn pfenntung beschicht, verkhundt werden, und der glaubiger da
zwischen nicht destmindert Sein einfarung haben und gueten fleiß
furkheren ob Er den verkhundtbrief uberantwortten möcht, wo Er In
dann ye nit ankhumben noch Erfarn und bey seinen treuen geloben
und gereden mag daz Er deshalben muglichen vleiß furkhert hab, So
solle daß phanndt nach ausganng der Sechs wochen und dreyer tagen
noch vierzechen tag stilligen, und des schuldners fraindt wo Er
die het, oder nachpaurer zu negst bey dem Hauß dar Inn abwessendt
oder fluchtig gewonndt het verkhunt werden, daß phanndt in
denselben viertzechen tagen zu lösen Es khumen alls dann der
gepfenndt oder Jemandt von seinen weg oder nit So soll nichts
destweniger mit der phanndtung verganntung oder Schatzung und in
annder weeg zu Ennd volfaren, und gehanndlt werden, wie sich
gehort und uber sölche Erste verkhundung, die wir yetz obgemellt
ist beschechen soll, zuverkhunden weitter not ist, alls
failfurung oder schatzung der phanndt ganndt oder stanngen Recht
und
| Seite 34v| Annders, das mag zu Hauß und Hof oder durch
offen Edict und bedarff nit albegen unnder augen beschechen Eß
mug dann gar wol sein.
So ettwo Phanndung und angriff in varunder Hab beschäche, und
dieselben varunden phanndt von jemanndts alls fur daß sein
angesprochen wurd allso daß Er die dem schuldner gelichen
zubehalten geben, oder in annder weeg zu hannd gestellt het, Wann
dann daselb offenlich vor gericht und Ehr die varund Hab an der
gannt verkhaufft beweist oder glaublich angezaigt wirdet, So soll
man demselben beruertte sein Hab, frey und unbeschwärt zuhannden
geben, und an die gannt nit ziechen lassen.
Desgleichs So yemanndt, Eß sej der gepfenndt oder annder die
phanndt welcherlay die seindt ligennd oder varundt ansprechen und
zu Recht niderlegen oder verbietten lassen wurde, wo dann der da
phennden hat lassen, ain gast und im Lanndt nit gesessen wär, so
soll der daz phanndt hat nidergelegt und verbotten, daß
| Seite 35r| Recht in 3 tagen oder so der pfennder khain gast
ist in vierzechen tagen den nägsten zu den nidergelegten, und
verbotnen Hab suechen und söllichen seinen Arrest, oder verpot
laut unnser gerichtsordnung verrer nach khumen wie sich geburt
und Recht ist, oder wo Er daz nit thät, So soll allsdane daz
verbot oder die Niderleg Entslagen und absein und der So
gepfenndt hat mit der pfenndung weider verfarn wie sich desser
unnser ordnung nach geburt, und pfanndts Recht ist.
Unnd damit destweniger gfar an der gannt mug gepraucht und
furgenomen werden, So Solle den fronpotten und allen anndern
personen die mit gannt umbgeen, und den leuten daß Inn daran
verkhauffen verbotten sein, ycgts derselben guetter weder durch
Sj selbs oder anndern von Irentwegen, haimblich oder offenlich
zekhauffen oder zu Iren Hannden, zubringen, bey hertter straff
und verlierung der Hab oder guetter so sy oder Ir ainer uber und
wider söllich gebot, an sich gekhert hetten.
| Seite 35v|
Wo auch yemanndt weniger alls den Halben tail deß So ain pfanndt
umb pargellt zu gellt zukhauffen oder zuverkhauffen ongevärlich
worden ist auf ain pfanndt daz an der gannt faill gefurt wirdet,
legen wollt, daß soll nit angenomen noch nyhts darauf gehanndlt
werden.
Wurde aber in den dreyen tagen dar Inn daz pfanndt Soll wie
obsteet, fail gefürt werden nichts auf ain phanndt gelegt, So
Sölle der Richter damit niemanndt gevarlicher weiß hier Inne
beschwärdt werdt, daselb pfanndt mit sambt dreyen oder wo die
Sach ettwas dapfer wär, mit funnff geschwornen, bej Iren Aidts
phlichten treulich und ungevärlich teuern und schätzen weß Er zu
derselben zeit umb pare bezallung werdt ist, und nicht wie Eß auf
Lanng tag und fristen zubetzallen verkhaufft werden möcht. Ob
sich dann aintweder taill solicher schätzung beschwärn und bej,
unnß oder in unnser abwesen bej unnserm Stathallttern und Rätten
beclagen
| Seite 36r| unnd sich darauf befinden wurde, daß
darInnen wider diser unnsers furnemen und ordnung gehanndlt wär
So sollen die schätzer dem Clagenden und beschwarten taill den
uncosten So, nach unnser oder unnser Räth mässigung und
Erkhenntnuß abzutragen und zu widerlegung schuldig sein.
Wann aufligenden stuckhen und guettern alls Heusern, Höfen, Huben,
wisen, Ackhern und der gleichen gepfenndt und daz gepfanndt durch
den Richter und die geschwornen, wie vor steet geschätzt worden
ist So soll der viertaill der schatzsuma alls pallt abgeen, und
verlorn sein und dem glaubiger daz geschätzt pfanndt umb die
uberteuer, daz ist umb die der taill schatzung an seiner schuldt
und vordrung Haubt guets und schadens Eingeanntwurt werden, doch
unschedlich thenen die da vorbehabt und Er lanngte Recht oder
elteren satzung oder verpfenndung und gerechtigkhait auf sölchen
guettern hetten.
| Seite 36v|
Wirdet aber auf gulden und gewössen Zinsen oder auf golt oder
Silber geschir und Khlainaten gepfenndt So sollen die Zinß und
gulten nach gemainen Lanndtsbrauch wie die derselben zeit Iren
Khauff haben, und daz gollt oder Silber nach seinem gradt und
gewicht, auch nach gemainen Lanndleuffigen khauf angeslagen und
geteurt, und dieweil sich das alleß baren gellt vergleicht nichts
dann an goldt und Silber geschir daz macher lon abgezogen und dem
glaubiger allso und umb die suma, wie Es geschätzt wirdet on
ainichen anndern abganng an seiner vordrung alls obgemellt ist
Eingeantwurtt werden.
So auf annder gemaine varunder Hab, alls vich, wein und Traidt
fleisch zuemäst tuech wullen und Leinen Beth, Beth gewanndt
Hausrat Khuchl gschir, Hey strey und der gleichen Ding gepfenndt
und die pfanndt geschätzt
| Seite 37r| worden seindt So soll der
drittail, geschiecht aber die pfanndtung auf alter und
verschlissner varunder Habb alls auf stueln Bennckhen Tischen
truhen alten wagen pfluegen Schliten Roß oder wagen gschir unnd
annder dergleichen zerprochen allten und verschlissnen Dingen so
sll der halb Thaill der schätzsuma verlorn sein und abgeen und
dem glaubiger die pfanndt umb daz ubrig daz ist in der pessern
varunden Hab, umb die zway taill und in der letstenn oder
verschlissen Hab, und halben taill der schätzsuma an seine
vordrung und schuldt wie obgemellt ist Eingeanntwort werden.
Belib dann etwo ain ubertheur Allso daß die Schätzsume ainer oder
mer geschätzten phannds grosser wär alls deß gleubiger schuld und
vordrung, So soll dieselb ubertheur dem schuldner deß die pfanndt
gewesen in viertzechen tagen durch den glaubiger dem die pfanndt
geschätzt und eingeantwort worden sein, mit paren gellt, oder wi
Sy sich miteinannder deß vergleichen mugen, entrichten und
betzallt werden.
| Seite 37v|
Unnd Innerhalb derselben viertzechen tagen soll auch der schuldner
deß die phanndt gewesen seindt, auf den geschätzten und
eingeantwurtn pfannden, Sj sein ligend oder varund, und in dem
aufligenden, sover der gepfenndt nit selbß Laset sein, doch nit
Annderst dann umb par gellt, und wider deß glaubigers willen, nit
mit wortten oder werkh losung haben.
Eß war dann die ubertheur so groß das Sj sich etwo in Achtzig oder
hundert gld, oder daruber erstreckhet, allß da beschechen mecht,
so auf Hof Heusern ligende stuckh gulten oder zinß die nit
getailt noch von niemannden gesunndert werden mögen gepfenndt
wirdt, unnd dann der sölch Hab oder guet eingeanntwurt, dieselb
ubertheur Innerhalb der viertzechen tagen mit barenn Gellt und
wie vorgemellt ist zubezallen nit stathafft vermuglich
| Seite 38r| war und daz mit seinem Ayd beteurn mecht Allsdann
soll Er drey viertzechen tag die nechsten nach der
einanntwortung, zil und frist haben dieselb ubertheur dem
gephenndten on allen schaden und lenngern vertzug, mit baren
gellt zubezallen unnd er aber daselbig nit thuen wurde und darin
saumig sein, So soll dem gephenntten umb solche ubertheurung,
alls umb ain bekhänntliche schuldt gegen dem die pfanndt
eingeanntwurt worden sind zehanndln und hinwider zu phennden und
mit denselben phannten zufarn, wie obbegriffen ist gestät
werden.
Gleicher weiß ob die pfanndt, si werden geschätzt oder auf der
Sannt verkhaufft die Haubtsuma der schulden, darumb gephenndt
ist, und der Aufgeloffnen schäden, nit gar erraichten, So mag der
dem man schuldig ist, umb den Ausstanndt weit und auf Anndere deß
gellters Hab und gueter biß zu volliger bezallung auch pfennten,
und mit denselben phanntten allß dann verfarn, wie hirobbemelt
| Seite 38v|
Wollte dann ain schuldner oder gellter seinen glaubigen von Im
selbß phannttung und weidern uncosten und mit werdt betzallen daß
solle Ime gestatt werden, und der glaubiger sölchen werdt
anzenemen und sich seiner schulden, damit bezallen zu lassen
schuldig sein, doch nit annderst dann nach gestallt der sachen
und ainen Jeden werdt mit abzug deß vierden Dritten und Halbenden
thaillß allß obbegriffen ist.
So jemanndt umb schulden auf essende phanndt hat phennden lassen Eß
sej groß oder khlain vich, nachdem dasselbig vich dem gephenndten
zu grosser Nachtaill und schaden die viertzechen tag alls
obgemellt zu der failfurung gehallten werden muest, denselben
schaden zuverhuetten sol sölch vichs allß palldt nach der
phennttung zu dreyen
| Seite 39r| den nägsten werchtägen
nacheinannder feilgefuert und mitler zeit, damit er mit narung
versehen und unnderhalten werde zu treuen Hanndt gestellt, und
dann am vierten tag, dem am maisten und in albeg mer alls den
halben taill des Rechtens werdt darauf gelegt hat oder wo nichts
darauf gelegt wär worden dem glaubiger auf das annhalten und
begern, die phannttung geschechen ist, an seiner schuldt und
vordrung durch den Richter und die geschwornnen mit abslag des
dritten phenings, alß obsteet eingeschätzt und uberantwurt
werden.
Nachdem ye zu zeiten, nit allein der phenndter sonnder auch annder
Schuldherren oder glaubiger iner oder mer Zinß Gullt varunder
phanndt ind verschriben schuld oder annder der gleichen
geechtigkhait haben möchten auf ainem ligenden
| Seite 39v|
Pfanndt oder guet daz allso (wie obsteet an der gannt verkhaufft
oder durch schatzung eingezogen wurdt unnd aber denselben söliche
Handlung bevorab so Sj abwesig wären oder der sonnst nit wissen
hetten an Iren gerechtigkhaiten billich on schaden, und on
entgellt sein solle, So mag ain yeder derselben in Jars frist den
negsten nach der ganndt nachvolgen und sein Ansprach oder
gerechtigkhait auf sölchen guet suechen und daz phanndt
versprechen.) Ist dann sein verschreibund oder varunder pfanndung
der schuld, elter dann daz Jhenen der daz guet durch die gannt
oder schätzung eingezogen hat, so soll Ime derselb deß guets
absteen, oder gedachten nachvolger und versprecher umb sein
schuld vergunndt, unnd der nachvolger dem Jhenigen der die Gannt
behallten hat, nit mer schuldig sein, dann den zimblichen Costen,
der auf die ganndt und schätzung ganngen ist, zu sambt dem daß er
auß rechter notturfft, mitler zeit an daz guet gelegt oder
verpaut, und nit het on verderben, oder nachtaill des guetß
unnderlassen mugen, Eeß soll auch dem der daz phanndt an der
Ganndt gekhaufft, sein ausgeben gellt von den Jhenen so sölch
Khauf Suma emphanngen hetten wider bezallt werden.
| Seite 40r|
Ist aber desselben nachvolgers verschreibung junger dann des der
daß guet an der gannt gezogen, und behalten het, und er dannocht
daß guet versprochen, und sein gerechtigkhait, ervolgen wil, So
soll er dem ersten sein schuldt oder vordrung dafur Er das guet
behalten hat, mit sambt den Cossten so darauf ganngen ist,
aufzerichten allsdann und so das beschicht, So soll Ime der
Erster der guets abzetretten und sein gerechtigkhait der
behaltnen ganndt oder einschätzung zuzestellen schuldig sein.
Unnd soll albeg die ellter verschreibung in solher wall vorgeen,
sich erfunde, denn daz etwo ain betrug mit den verschreibungen
gebraucht oder die ganndt und einschätzung nit frumbdlich
beschechen war, So soll Eß zu der Gerichts erkhanntnuß steen.
Eß mugen auch nit allein die Jhenen so (wie obsteet) gerechtigkhait
auf dem gephennden guet zuhaben vermainen sonnder auch annder
glaubiger, denen die schuldner seiner person halb schuldig ist ob
Sj gleichwol khain verschreibung oder verwunder phenntung,
| Seite 40v| Darumb haben sölch Ir schuldt auf den gephennten
guet versprechen, und den Jhenigen so sölch guet an der gannt
eingezogen hat, in Jares frist dem nägsten nach der ganndt, wie
vorgemellt ist seiner ausgab entrichten und allso daz guet fur Ir
schuld an sich lösen doch sollen dieselbigen glaubiger Ir seien
ainer oder mer solh, Ir schulden am dritten gannt tag ze Abend
vor und Ehe, die ganndt zu Enndt laufft, offenlich versprechen,
sonnst und wo Sy daz nit thätten, so ist man Inen deshalb und
weitter zuannttwurtten nit mer schuldig, Läst aber Jemannd so
sölch ansprach oder gerechtigkhait zu aim gephennden guet zehaben
vermaint, daß Jar verscheinen und ruegt oder suecht sein Ansprach
nit wie hievor gemelt ist, So soll er darnach derselb sein
Ansprach auf dem gephennten guet weiter nit verfolgen mugen, aber
sein ansprach zu dem Haubtschuldner ist Im damit nit benumen noch
abgeschlagen.
| Seite 41r|
Wollt aber jemand ain solch guet alls fur sein rechts aigenthumbs
ansprechen das mag und soll geschechen in "N" Jaren den negsten
nach der gannt oder einschätzung und soll denselben ansprach oder
khlag und beweisung nach gerichts ordnung gehort, und darauf nach
billichait beschechen und erkhennt werden waß recht ist, Sonnst
und wo zwischen den abesenden in gemellten "N"' Jar und zwischen
den gegenwurttigen in "N"" Jarn niemant kham der sölch vergannt
oder eingeschätzt guet fur sein aigen ansprach, So ist daz guet
alsdann ersessen und prostribirt und davon hin aller ansprach
ledig und sicher.
Offt begibt sich so ain arm Man der mit schulden bladen ist
abstirbt vom Lanndt abweicht oder sonnst nit zu zallen hat, oder
so ainem schuldner sein ligende oder varunde guet auf anlanngen
der glaubiger angegriffen verganndt oder verkhaufft wirdt, das
dann unnder den schuldner Herren oder glaubigern des vorganngs
halb Irrung entsteende, Allen das Ir jedlicher seiner
| Seite 41v| Schuld geen am ersten und zu fodrist bezallt wurd, Etwo so
sind dann Gnau personen die sich gefärlich befleissend zum ersten
eingriff oder verpot auf sölche gueter zuthuen, vermainendt
dardurch den vorganng zehaben und fur annder betzallt
zewerden.
Welher aber den mitleidigen die nit gern die Armen allso anfallen
(wo Eß gstat worden und furganng haben sollt) zu nachtl kham,
demnach und damit ain rechtmässige beschaidenhait und ordnung
hirin gehalten und sölch fur Eilen oder behenndigkhait,
abgestellt werde So soll wo zubesorgen war, daß auß deß
schuldners guet völlige betzallung nit beschechen möcht von aller
Erst daß Jhenig so auf die begrebnuß ob der schuldner myt dot
abgeschiden, gangen ist nach zimblichait seines stanndts
ausgericht und darnach die so Ime in solcher khranckhait gediennt
hetten Irren Lidlon betzallt werden.
Nachdem soll unnser Richter Chamerguet daß on mitl in unnser Chamer
gehört alls steur vogtej Raiß gellt Zol Maut aufschlag und annder
den vorganng haben
| Seite 42r|
So auf ligunden stuckhen oder guetern der grundher seineß rechten
und gewondlichen grund oder poden zinß vor annder nachvolgenden
bezallt, doch daß derselben zinß uber drey nit seien, sonnst und
wo der grundher mer alls drey solhe zinß ansteen unnd versitzen
lassen wurde, die soll er allß dann nit anderst alls ain
personndliche oder varende schuld gleich wie annder schuld Herren
oder glaubiger der khainß verphannttung umb Ir schuld haben
zefordern oder einzubringen und dar Innen khain annder freyhait
oder vorgang haben eß wären dann annder glaubiger nit
vorhannden.
Betreffend der glaubiger oder schuldherrn, Sollen die so ain
einsatzung und verrfenntung, oder aber genuegsamb verschreibung
Inndert auf ainem guet haben, allen nachvolgenden glaubigern
vorgeen, und solher verpfennter oder verschreibner schuld am
Ersten bezallt werden.
| Seite 42v|
Darnach und nachdem so vorstend, soll in Stetten Märgkhten und
gemainden, daß gmain guet pau gellt Steur, wacht, ungellt, und
anndere und darnach der Hauß zinß deßgleichen gedingter gsindlon
So sich in ainem Jar den negsten verloffen het, den vortaill
haben.
Wo dann der anndern glaubiger sovil wärn daz Sy uber die obgemelt
gefreiten schulden, von des schuldners guetern nit all und
völligclich bezallt werden möchten So soll daß ubrig ainem Jeden
nach anzall und gelegenhait seiner schuld und nit nach dem ainer
zum vordristen auf die gueter gekhlagt, und verbot gethan hat,
treulich und ungeverlich under Sy aufgetailt werden.
Wer Eeliche khinder Ainikhlen oder annder Erben in absteigennder
Linien hat, und ain Testament machen will oder soll dieselben,
Ehr hab dann ursach sy gar zuenterben, in seinem Gschäfft zu
erben setzen, oder die sonnst und aufs wenigist mit Iren
geburlichen phlichttaill und not erbschafft (welcheß man zu
Latein, Legitima iure nature debitan) versehen allso, So der
Khinder und Ainekhlen, oder annder Erben, dem Stame nach
zerechnen vier oder minder sein So geburt Inen allen aufs
wenigist der drittail aller und yeder gelassener Hab die Ine
| Seite 52v| sonnst wurd, so khain gschäfft vorhannden war al
schulden so der abgestorben schuldig bleibt zuvor herab gezogen,
wären Ir aber funff oder mer So geburt Inen der halbtaill der
gelassenen Erbguets, und sölhe not Erbschafft oder Legitima soll
noch mag in dem Gschäfft mit nichts beschwärdt werden, und sover
allain Ainickhlen und nit khinder vorhannden wären so sollen die
Ainickhlen in dem fall nach anzall Irer selbs person in die
heubter und nit nach den Stamen oder anstat Irer Elltern
gerechnet und furter die Legitima auf den viertten oder halben
taill nach dem der Ainickhlen viere Oder mere sein darauf
furgenomen werden.
Ob auch vater oder mueter noch bej Irem leben Irer Khinder ains
oder mer seiner Erblichen ward, oder khunfftigen Erbschafft
hindan gericht hetten, und uber oder an daß demnach vier Khinder
oder vierlay Erben in absteigender Linien verhannden waren so
soll die Legitima auch auf den halben taill gerechnet und
verstannden werden, aller massen alls ob Ir funff oder mer noch
unentricht waren. Doch der gestallt daz daß Jheinige so dem
entrichten fur solhe sein Erbschafft gegeben worden wär, Im
uberslag oder Rechenschafft der gelassen Hab und Erbschafft auch
gelegt, und allß dann
| Seite 53r| Ausser dem allen, die
Legitima ausfundig gemacht werde.
Aber mit der ubermaß so uber sölh obbemellt notturfftig Erbachafft
oder Legitima noch uberbleibt, mugen die Eltern ungehindert Ire
Khinder Und Ainickhlen hanndlen. Dasselb ainem Khindt oder
Ainickhlen vor dem Anndern zu vortail, oder anndern frembden, und
Eyssern personen oder ob Irer Seel Hail, an Almuesen oder in
Annder weg verschaffen, und ubergeben, wem und wie sy
verlusst.
Dem gemäß mugen herwiderumb die khinder und Ainickhlen sover Sy in
absteigender Linien mit Erben haben Ire Elltern, alls vater
mueter Anherren Anfrauen und annder In aufsteigender Linien, ob
Sy dj hetten auch nit umb Seen sonnder seind schuldig und
gebunden, die selben Nach Ordnung die sybt Zall ye den Nächisten
im grad in Iren gschäfften zu erben zusetzen und Sy mit Irer
Legitima Nemblichen den drittentaill Ires gelassnen guets, die
schulden auch zuvor herabgezogen gleicher weiß zu bedenckhen und
zuversehen.
| Seite 53v|
Aber gegen anndern frembden alls pruedern schwestern vetern,
Ohaimen, muemen, Basen und der gleichen Personnen, auf der seitn
gesibt, ist niemanndt verbunden mag Ime verschaffen oder nit,
doch hat khainer macht zu Nachtaill bruedern, und schwestern ain
unerbere person zu Instituirn.
Unnd so In aber oder annder frembden personnen etwas geschäfft
wirdt, es sey wenig oder vill daß mag der Testator oder die
personn so daz geschäfft thuet mit fällen und wider fällen
verpinden, und verordnen nach ordnung der Recht wie Ime verlust,
Irenthalben ganntz unverhindert.
Desgleichen so ainer unmundige Eliche Khinder oder Ainickhlen
lässt, die mag er auch in seinen gschäfft mit dem widerfalen
verbinden auf mainung oder der ains abgienng er dann es zu seinen
tägen kham, daß alls dann sein
| Seite 54r| Erbschafft oder
Legitima sovil der noch vorhannden und zu notturfft und geburlich
unnderhaltung des Khindts nit angelegt wär gefallen soll, auf daß
annder der Testoren zuegehorig oder aber ganntz fromb person wie
Ime verlust Welhe aber zu seinen tägen khumbt, daß ist und
beleibt mit seiner nott Erbschafft oder Legitima unverbunden alls
vor gemellt ist, Aber mit dem so Inen uber die Legitima geschäfft
war mugen Sy wol (ob Sy gleich zu Iren tagen khumen sein
verbunden werden,) nach den Eltern gefallen.
Allso und in sölher gstalldt mag auch Jemannd seinen sinnlosen
unvernunfftigen Khindern oder Anickhlen schaffen und die zu Erben
setzen oder Erblich versehen Ob die selben in solher unvernunfft
oder Torhait beliben unnd darinen in welhen allter daß wär mit
todt abgienngen Daß allßdann dei Erbschafft sovil der uber
zimblich notturfft der sinlosen noch uberbeliben wär auf deß oder
der abganngen Eeliche Khinder auf solher abganng auf daß
abganngen eelich geschwistriget oder der ains tails, oder annder
frombd personen gewend werden,doch mit dem vorbehallt, ob die
thoren der der Synnlosen, widerumb zuvernunnfft khämen, das Sy
allsdan und fur peser bey Irer Erbschafft und Legitima beleiben
und damit ain ainich widerfall, wie Sy, verlusst zu thuen und
zulassen haben sollen.
| Seite 54v|
War dann daß Jemand nicht leibliche Eeliche Khinder, vater mueter,
Anickhlen noch annder absteigender Linien Sonder vater mueter
Anherrn oder Anfrauen vater und mueter halb hinder Ime erleiß, So
mag eß in seinem geschäfft dieselben seine Eltern in
Aufsteigender Linien mit den widerfall auch verpunden Eß sej auf
annder zuegehorig oder frembt person wie Es verlust doch
unbeschwert Irer Legitima alls obgemelt ist.
Es mag auch ain Jeder sein geschäfft oder Ordnung seines Lesten
willens gegen den personnen den etwaß geschäfft ist, und die Im
an auf oder absteigender linj nit verwanndt sein, dermassen
verpenen, welher daz gschäfft nit hielt oder sich deß Jhenen so
im geschaffen ist, nit benuegen lassen wollt, daz Ime alls dann
gar nichts werden und mag darauf weitter ordnen und beschaiden,
wem allsdann und nach sölhn widersprechen dieselb Hab, und guet
gefallen soll, Aber gegen den auf oder absteigender gesipten, mad
dj verpennung so weitleuffig und annderst, nit gesehen, dann
welher derselben solich geschäfft nit hielt, das in alls dann
uber die
| Seite 55r| Legitima oder seinen geburenden Khinstaill
nichts volgen noch werden soll, doch sollen hier Inn die fäll der
undanckhperkhait, oder ob sich ainer sonnst unvächig und unwurdig
möchte hier Inn nit begriffen sein.
Allso mugen auch die so in geschafften zu erben gesetzt oder
erblich versehen mit solher unnder schaidt furgenumen werden, Ob
Sy die Erbschafft nitt annemen wolten das allsdann und darnach
die selb Erbschafft dem oder dem wem dann der Testator weitter
darzue furnimbt volgen und gefallen sollen.
Ain Jeder der in ainem Testament zu erbn gesetzt, soll, so er
gegenwurttig ist, "N" monat oder so er abwesig war, "N" zeit
haben, sich zubedenckhen, ob er die Erbschafft annemen oder sich
der entschlachen wöll, Nimbt ers dann an, und unndersteet sich an
ain Inventarj under auserhalb Inventaris freyhait so ist er und
wirt damit phlichtig den Legetarien alleß und jedeß zu betzallen
daz Innen und Ir jedens in dem Testament verordent ist, es raich
die Erbschafft so weit oder nit.
| Seite 55v|
Mach er aber ain Inventarj in massen allß sich nach Ordnung der
Recht geburt und understeet sich dann der Erbschafft darauf Ime
Protestation und bedingungen den Legatorien genueg zuthuen alsfer
sich die Erbschafft oder gelassen gueter deß Testierens
erstreckhen so ist er allsdann nit schuldig Merere oder weittere
betzallung und ausrichtung zethuen, dann sovill deß Testierens
gueter getragen, und bedarfen in dem fall deß seinen nichts
eintzubuessen.
Wären dann aber wer Erben gesetzt, sonnder sich einer oder mer aus
den selben der Erbschafft in Jetz bestimbtn zeit offenlich oder
still schweigend sluegen, So soll deß oder der selben taill den
anndern zue wachsen so an die Erbschafft tretten.
So sollen auch die Jhenen so in ainem gschäfft oder Lesten willen
zu erben gesetzt sind dasselb geschäfft oder Lesten willen sover
in annderst die Ausrichtung bevelchen, und nit annder Executores
oder gschafftiger verordent wären, ausrichten und volstreckhen in
ainem Jar dem nachsten nach abganng deß gschäfft
| Seite 56r|
machers bej verlierung Ire teils so Inen In sölhen gschäfft oder
Lesten willen verordent und geschaffen war, wo Sy hierin an
Ehafft redlich ursach und verhinderung lässig oder Saumig sein,
wurden So sollen Sj sich damit solher Erbschafft gemacht haben
und die volstreckhung oder außrichtung deselben geschäffts soll
Allsdann an die ordenlich obrigkhait wagsen und der gesetzten
Erben taill unns in unnser Chamer, zum dritten Taill, und die
anndern zwen teil den Rechten naturlichen und nägst gesibten
erben auß gnaden gefallen und verfallen sein Eß hette dann der
gchäfftmacher in seinem Lesten willen des Ausrichtenß halb, selb
ain maß zeit, oder Ordnung gesetzt dabej soll es beleiben.
gleicher weiß sollen auch die Testamentarj oder gschäfftiger wo
Sy in geschäfften verordent und furgenomen worden und dieselben
gschäfft oder letsten willen ausrichten und volziechen in messen
in dann sölhes bevelhen wirdt bej verlierung der, so Innen in
denselben gschäfft, verordent und beschaiden wär nach gestallt
der sach bej merer straff, noch und Sy hier Inn ausserhalb
redlicher ursach saumig sein wurden.
Doch sollen die Legata das sindt die verschafften Hab und gueter
nit verricht noch außgetailt werden.
| Seite 56v| Eß seyen dann
zuvor deß geschäfftmachers schulden betzallt oder seine glaubiger
derhalben zufrieden gestellt.
Darnach und nach der schulden soll zu vordrist und on abganng
abegericht und betzallt waß an guettig oder mild sachen alls an
spitalen oder Anndere ellende Heuser und den Armen bedurfftigen
umb gottes oder der Ehren willen verschaffen ist, welhes man zu
Latein nenet ad pias causas, ob gleich uber daß nit sovill nit
mer verhannden war daß der anndern Lagatarien Ire Legata
völligclich mochten ausgericht und gegeben Es wären denn
Personnen in ab oder auf steigender Linj verhannden davon man die
Legitima schuldig wär die selbs Innen zuvor erstattet werden.
Dieweil auch ain geschäfft oder Lester will auß mererlay ursach mag
bestritten und alls nichtig angefochten werden, So sind den
unwissenden der Recht, zu ainer unnderricht etlich und die
gemainsten der selben ursach hernach gesetzt.
| Seite 57r|
Testament dar Inn khain Erb benennt noch eingesetzt ist sind nach
Ordnung gemainer Recht nichtig, doch werden Sy alls Codicill
Ordnung Lester willens, auß mit leiden dennocht gedult sover
anndere wesenliche stuckh daran nit mangln alls oben verer gemelt
ist, deshalben ist auch ainem yeden gschäfftmacher nutz und guet
in seinem Testament die wort zu setzen, ob solch sein gschäfft
nicht zierlichait der Recht nit mug ain Testament sein Oder
gehaissen werden, Das Es doch bestimbter mit bestanndt hab un
voltzogen werd alls Codicill oder Ordnung aines Lesten willens.
Desgleichen ist das Testament unteuglich und nichtig dar In deß
Testators Leiblich Eliche Khinder aines oder mer nit bedacht
sonndern ubersehen und furganngen oder on ursach enterbt werden,
ob gleich wol ainß oder mer der anndern seiner Khinder oder der
gemain Nutz, Khirchen Spitall oder der gleichen Erben gesetzt
wärn Darumb ist von nöten daz die elltern Ire Khinder zu Erben
setzen allß auch gemellt ist, oder Sy auß hernach gemellten
ursachen enterben und umbgeen mugen. Allso ist auch das Testament
unteuglich da Khinder zu Erben gesetzt wurden in ain Ding daz nit
in wesen wär. Item so nach Absterben deß gschafftmachers sein
Eeliche gelassne witwe ain Khind gebär daß Sy von
| Seite 57v|
denselben Iren Eeman emphanngen, deß aber der gschafftmacher in
den Testament nit gedacht hat, so wär dasselb testament auch
khrafftloß und von unwerden deshalben soll der Testator auf sölhe
Khinder so Ime geboren möchten werden, auch auf sehen haben, und
dieselben zu erben zesetzen nit vergessen.
Ain Testament daz auß forcht oder bezwanng gemacht ist, nichtig und
von unwerden.
Unnd desgleichen sind auch aller annder personn Testament nichtig
denen zu Testirn oder gschäfft zemachen von gmainen rechten
verbotten ist.
Ob auch Ainem oder mer Khinden minder alls der gepurlich
Khindstaill gelassen, ob Sy gleich sonnst zu Erben gesetzt oder
Innen sunst verlassen wärn, die mugen wider das Testament khlagen
umb erstattung der selben Irer Legitima und allso auch annder
Erben in Ab oder aufsteigender Linj.
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Aus diesem Nachvolgunndenn ursachenn und fällenn, mügenn die
Eelichenn und leiplichen Khinnder Ierer Vätterlichenn unnd
müetterlichenn wartt unnd erfal enndtsetzt und enndterbt werdenn
durch Tesstamenndt und Gschäfft, also das solche enndterbung mit
sambt der ursach in dem Tesstamenndt oder gschäfft lautter unnd
Nämblich bestimbt und gesetzt das auch nach abganng der Eltern
solch bestimbt ursachenn durch des abgeganngen erben zu
demselbenn enndterbtenn, ob si der in Abred steen beweiset
werden.
Zum ersten so die Khinder gbalt unnd Fräffl
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Hannd an Iere Eltern legenn, das ist an Vatter Muetter,
Anherren oder anfrauen, zuelegtenn mit shlahenn, stossenn,
oder in annder dergleichenn unzimblich weeg.
Zum anndern so die Khinder Ieren Eltern schbäre unnd
uneerliche schmach zuefüegtenn
Zum Dritten so die Khinnder Iere Eltern ansprächenn unnd vor
Gericht beklagenn umb peinlich sachenn, oder umb sachenn
Leib und lebens beruerenndt, es Beschähe dann Inn Crimine
Leso Maiestatis, das ist in lasstern verletzung der
Obrigkhait, als da die anklag oder beschuldigung ain schbäre
verhanndlung wär wider die kaiserlich oder künigkliche
Maiestat, oder den Lanndtsfürssten unnd seinenn stanndt,
daraus man sich aufruer oder emperung, oder annder Meütterej
unnd verrätterej besorgenn müesst, darinn sol Niemanndt des
anndern verschonnen, sonnder ain yeder schuldig sein, der
Obrigkhait solches zum fürderlichisstenn antzubrinngenn.
Zum vierdten, so die Khinnder mit Zauberej oder Unholdenn
geimeinsamb hettenn, unnd mit Zauberej oder Unholden
werckhenn umb gienngenn und des uberwunndenn wurden.
Zum Funfften so die Khinnder dem Leben Ierer Eltern
nachstelltenn, unnd sich unndter stüenndenn dieselbenn durch
sich oder annder umbzuprinngen es wär mit Gifft oder in
annder weg.
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Zum Sechsten, ob der Sun sein Steufmueter beschlief, oder die
Tochter sich zu Ierenn steuffvater legte, unnd unzimblicher
Unrainigkhait sich mit Im vermischten.
Zum Sibenndenn, So die Khinnder Iere Eltern dargebenn oder
verietenn, des die eltern zu schbären schädenn unnd nachtail
khomenn.
Zum Achtenn ob sich begäb des Vatter, Mueter, oder annder
Eltern in fänngkhnuß kumenn von Geltschuld oder dergleichen
sach vergeen da Inen mit gelt oder Burgschafft geholffen
mecht werdenn, so Ine dann die Khinnder mit Burgschafft oder
in annder weeg nit helffenn unnd doch wol helffen mecht,
mügen Sy enndterbt werdenn, doch beruert der Fal sovil als
die Burgschafft antrifft, die Sün alain unnd nit die
Tochter.
Zum Neündten, so die Khinnder Ieren Eltern verpietenn,
Testamenntt oder Gschäfft zuthuenn, unnd sovere dannoch die
Eltern Iere Geschäfft darüber thätenn, So mügenn Sy
dieselbenn Khinnder diser Ursach halber in solchenn Ieren
geschäfft enndterbenn, wäre aber das die eltern solches
verpots halbenn ainich geschäfft nit thuenn mechten, unnd
also on Gschäfft abgienngen, Sollenn nichtß destminnder,
dieselben Khinnder der Erbschafft unfähig unnd beraubt sein,
unnd
| Seite 59v| derselb tail so Inenn wordenn sein soll,
annder des abgeganngenn nagstenn erbenn überfallenn sein
unnd werdenn.
Zum Zehenndenn So sich der Sun wider willen des vatters in
schned unnd leichtferrttig stänndt ergäb unnd unndterstünnd
zu offenn Schauspilenn, mit Khatzenn oder annder thiern
zuprissenn unnd zufechtenn, oder mit solchenn thiern, als
lebenn pern, Affenn unnd dergleichen oder aber mit annder
Gaugkhlerej von gbins wegenn Im dann umbtzutziehenn, oder
sover ain Frauenwiert, oder offner platzmaister wurde, oder
sich annderer zunichtiger dergleichen sachenn annämb, es
wärenn dann sein vatter oder Eltern auch solich unleüt
gewesenn.
Zum Aindlifftenn, So der vatter oder Anherr ain tochter seinem
vermugenn nach ausheirattenn, unnd zu den Eeren versorgenn,
unnd die Dochter dasselb nit verhenngen noch annemenn,
sonnder Ieren Lust nach ain unkheusch leichtferttig lebenn
daruber füerenn wolt So mag sy darum enndterbt werdenn, es
hette dann die tochter fünfunndzbaintzig Jar Ieres alters
völligklich erraicht, unnd die Eltern wären sy in
yetzgemelter zeit zuverheiratenn saumig gewesen, so sy sich
dann edtbo vergäß unnd in ain leichtferttigkhait fiel, oder
aber sich selbß verheirattet, so soll sy des gepots
unschuldig, unnd darumb nit enndterbt sein.
| Seite 60r|
Zum zwelfften, so der vater oder annder elltern in
unvernunfftigen vielenn und die Khinnder Sich Ir mit wort
und notturfftiger pfleg auf geburlich ersuechenn der frondt
oder annder frembder personnen, nit Annemen wellen, Sonnder
die freunndt oder wie die auch hinlässig und Saumig oder nit
vorhannden wären, anndere person sich der understuenden, So
sollen die selben ungetreuen Khinder und erben enterbt unnd
die person So sich uber den Sinlosen erparmbt und sich sein
angenomen het, an Irer stat an die Erbschafft gesatzt
werden.
Zum Dreizehennden, So der vater ain Crist ist, und die Khinder
khetzer und ains ungerechten glauben wären.
Zum Ersten so der vater sein Khindt Anclagt vor gericht und
beschuldigt sölher untthatten die leib und leben antreffen
ausgenomen in den laster belaidiger maiestat, in welchem Sy
beder zeit aneinannder beschuldigen und anzaigen sollen,
alls obgemellt ist.
Zum anndern, so der vater seine Khinnder mit zauberej oder
gifft beschedigt oder zu beschedigenn understannden het, Sy
damit vom leben zum Todt zubringen.
| Seite 60v|
Zum Dritten, So der vater sich wissentlich vermischt und
leiblich zuschaffen het mit seiner Suns weib
Zum vierden, So der vater seinen Sun verbeut oder In
verhindert gschäfft zuethuen, von der Hab die Er Rechtlich
verschaffen mag.
Zum Funfften So der vater sich unnderstannden het, nach dem
leben seiner hausfrawen seines Suns mueter zestellen, Unnd
desgleichen So die mueter sich unnderstanden het, zu stellen
nach dem leben Irs mannß des Suns vatern.
Zum Sechsten So der Sone Sinloß und unvernunfftig und dann der
vater wägerte oder Saumig wär denselben seinen Sone
notturfftig wort und phleg mit zethaillen in Massen und
vormallen vor den Khindern gegen den Elltern gesetzt
ist.
Zum Sibennden So der vater seinen Sone nit auß gefännckhnuß
ledigt, wie dann oben von den Khindern gesetzt ist.
,Zum Achten, So der Son ain Crist unnd der vater ain Ketzer
ist.
| Seite 61r| Auf das die gschäfft oder Lester willen dest
stätlicher mugen gehanndthabt und voltzogen, So soll ain Jeder
gschäfft oder lester will durch die Jhennen so er betrifft in "N"
monaten den nächsten nach dem alls der Testator gestorben ist,
geöffnet und verkhundt werden unnd wiewol sölhe Testament oder
Lester willen bisher albeg vor unnserm Officiall und geistlichen
gericht sindt furbracht gerechtfertigt und zuegelassen oder aber
alls untuchtig und nichtig zue unkhrefften erkhennt werden, So
haben wir doch zuver_hietung uncosts und unnsern unnderthanen zu
guet, bewilligt, Ordnen, und setzen, auch hiemit, daß nun
furanhin allen und jeden Testamentarien, Executoren, unnd Erben
frey sei, und zu Iren willen steen soll die Testament und annder
lesten willen vor Geistlichen oder weltlichen unnsern gerichten
furzebringen, und daruber Erkhennen zulassen, und ob zwischen den
Testamentarien oder Executoriß und den geschriben oder gesetzten
Erben, deshalben Irrung entstuennden, Allso daß ain Taill die
sach fur daß Geistlich und der annder an daß weltlich gericht
ziehen wellt, so soll
| Seite 61v| in dem fall der Testamentarj
beger fürganng haben wären aber die Testamentarj deselb
unndereinnannder strittig So soll daß Testament vor den
weltlichen Richter fürkhomen, dem der Abgestorben Testator ist
unnderworffen gewesen, der soll Allß dann aufbegern und anhallten
der Testamentarien oder ersetzten Erben aine gemaine berueffung
oder ladung an der Abgestorben Testatores negst Erben oder
freundt darzue an all und Jed so samentlich oder sonnderlich
gemaine verwandschafft, oder Interesse heran zuhaben vermainten
Aufgeen, und dieselben all auf ain Nämblich bestimbte zeit fur
sich und daß gericht erfordern und laden lassen, zu sehen und
hören solch Testament oder Lester willen zueröffnen und
zubestäten, oder allß khrefftig zulassen und verrer oder weiter
darauf zuhanndln waß sich nach Ordnung der Recht mit volziechung
oder in annder nottürfftig weg, gebürt, oder aber Rechtmässig
ursachen anzuzaigen und furzubringen warumb sölchs pillich nit
geschechen soll etc. Unnd dann dieselbig ladung den Erben oder
freunden unnder augen, so sy annderst bekhannt und fueglich
anzekhumen seind verkhundt und nicht dest
| Seite 62r| minder
umb den anndern willen, damnacht nach desselben gerichts
gewonhait offenlich aufgeslagen und darnach zu geburlicher zeit
auf aller Tail furbringen, Red widerede und genuegsame erfarung
durch den Richter und dj geschwornnen Rechtsprecher gehanndlt und
erkhant werden was Sy geburt und Recht ist, unnd sollen die
rechtsprecher in sölcher Sachen albeg besonnder aufmerkhen haben
auf die zeugen so die fur gstellt das Sy aigentlich gefragt
werden, Ob Sy dabey und mit und zu solhem sonnderlich beruefft
und gepeten sein gewesen, Unnd ob der Testator sölch sein
Testament oder Lester willen bey gueter gesunder vernunfft durch
aignen mundt hab ausgesprochen oder gelesen oder aber durch ainen
anndern verlesen lassen, unnd darauf gesagt und bekhennt hab, das
daz allso wie Er verlesen sein Lester will sey, und ob Sy solhes
von Imselbs gesechen und gehört haben etc.
Welhes geschäfft oder Lester will nach Ordnung und form
gegenwurttigen unnsers fürnemen
| Seite 62v| gemacht und in "N"
Rechtlich nit angefochten wirdet, daß soll furpaser nit
widertriben werden, Es wäre dann die verwonnten partheyen die daz
anzesechen vermainten ausserlands gewesen, oder aus Rechter
Ehehafft die durch die Rechtsprecher auf beder taill verhör fur
genüegsamb Erkhennt werden, verhindert worden, Ir notturfft
dawider furzebrinngen.
Gschäfft zuthuen oder Ordnung Lesten willens zumachen, Soll auß
freyem ledigen gemüet und unbezwungenlich beschechen Sonnst und
wo der gschäfftmacher, durch Jemannden darzue genött oder
gedrungen wurde, So soll solch gschäfft oder lester wil
khrafftloß und von unwerden sein, und der betrennger oder
bezwinger ob der ain Erb wär, soll sein Erbschafft und alles des
das Im Auch Ausserhalb sölchs gschäffts von des abgeganngen
gelassen Hab und guetern billich zuegestannden sein Solle, damit
alls mit der that, sich unfulig gemacht haben, und dasselbig den
anndern deß abgeganngen Erben die daran nit hetten, zuegefallen
sein,
| Seite 63r|
Desgleichs so Jemand den Anndern sein gschäfft furgenomen oder
zuethuen verhindert, der soll auch alls das so Ime sonnst von
derselben verhinderten person erblichen het zuesteen oder geburn
mugen, Damit alls mit der that, dergleichen auch unfuchig
gemacht, haben und desselben taill an die anndern erben, gefallen
sein, Aber die Eissern und unverwonnten personnen die deß
geschäfft yetz gemellter vermaynung nichts beruerte noch antruff
die sollen ob Sy Jemanndt solcher gestallt, bezwungen, oder
verhinderten durch die Obrigkhait nach erkhanntnuß der
geschwornen und gestallt der verhanndlung an leib und guet
notturfftigclich darum gestrafft werden, Unnd allso solle auch
die Erben in der Obrigkhait straff steen ob Sy Jemannd der massen
verhindern oder bezwungen zu sambt dem daß Sy demnacht Ir
Erbschafft damit verwurchten alls obemellt ist.
| Seite 63v| Donation oder gaben die da Geschechen auf Todfall
sind den testamenten, oder geschäfften etwaß aenlich, und muessen
auch der gleichen zierlichait von Recht beschechen, deshalben
Sich auch nit ubl geburt von denselben etwas zusetzen auf daz
dester ordenlicher damit gehanndlt und die gfar oder betrug so
sich dar Innen offt zutragen und begeben, möchten dest mer
verhuet, werden sovil muglich ist, furkhumen werden.
Gemainclich alle die so nit Testirn mugen allß minderjärig Sinnloß,
verthuer, und der gleichen, die mugen auch nit übergeben. Item So
Jemannd Ichs verhanndlt het darumb Im sein guet zuveränndern von
recht oder von der obrigkhait verpotten wär, der mag nit
ubergeben, all die weil er mit sölhen verbot bestrickht ist.
Desgleichen mugen auch die so mit schulden beladen sein Iren
glaubiger zu schaden oder betrug, nit ubergeben, Es seyen auch
die glaubiger Ier schuld zuvor betzallt.
| Seite 64r| oder
vorgwist, und dem gemäß mugen auch Hab und gueter die in Krieg
steen oder mit Recht verhefft sein unerledigt nit ubergeben
werden. Item so ain ubergab zuvil und weitschafft wär, alls da
ainer all sein guet so er Jetzt het oder khünfftigclich noch
uberkhomen möcht, ubergäb solh ubergaben sollen unkhrefftig und
von khainem wert sein.
Gaben auf Todfall eß sej ligennd oder varunnd gueter, dieselben vor
funf gezeugen Erber manns personnen, sonnderlich darzue ervordert
und geboten desgleichs mit Anndern sollemiteten oder
zierlichhaiten geschehen in messen allß hievor von den
Testamenten gesetzt ist, sonnst sind Sy uncrefftig. Es gescheche
dann solhe gab ad pias causas das ist ein guetig oder milt sachen
die wellen wir hier Inn nit begreiffen oder verstannden haben,
sonnder dieselben mugen geschechen vor zwayen oder dreyen zeugen
In massen dann oben von sölchen Testator Testamenten auch gesetzt
ist.
| Seite 64v|
Aber gaben oder Donotion unnder lebentigen die bedürffen solhe
zierlichkhait nit, sonnder mugen beschechen, mit schrifft, oder
in annder weg, nach des gebers gefallen, oder wie es dann
contrahierenden personnen gelegen ist, doch muessen Sy wo Sy
wollten widersprechen oder angefochten wie Sich geburt, Unnd zu
recht genuege beweiß werden.
Unnd sollen solch gaben oder donacen unnder den lebentigen die
etwas nambhafftig alls ungeverlich 500 glden oder daruber werdt
sein in ainem monatt dem nagsten nach der gab, vor gericht
eröffendt angesagt und verkhundt damit vorchtl und betrug so sich
in solchen gaben, etwo ein mischen mochten desbaß vermitten
beleib, und khunnftig Khrieg oder Hader so darauß entsteen oder
wachsen mochten, destmer furkhumen werden, Sonnst und wo sölch
Insinuaren nit bescheche war dieselb gab alls vil die uber 500
gulden uncrefftig.
| Seite 65r|
So der dem etwaß geben ist frävel Hanndt an den legte der Im
gegeben hete, so mag dieselb gab, auß der ursach wider ruefft
werden, und desgleichen auch so dem geber ungevärlich Inniurj
zuegefuegt werden von dem. dem er geben hete, Es wär mit
schmächlichen schänntlichen worten. Item wen der Im geben ist,
dem geber daß seinig enntpfrembt oder enntwendet.
Item wan der dem geben war sich unnderstuendt deß gebers leib und
leben, oder gesundhait nachzestellen durch gifft oder in annder
ungeburlich weg, wie daß geschäche, dardurch der geber in
sorgfeltigkhait seines lebens möcht gesetzt werden, Ob sölhs
gleich unnderkhumen wurd und seinen fürganng gewunge oder annder
der gleichen und undannkhperkhait unnder So ist auch in
sonnderhait von aigenschafft die da geschechen, auf Todfäll das
der geber sölch gaben wider rueffen mag, wann er will, gleich wie
von den Testamenten oben gesetzt ist, deshalben ist auch die gab
ob so Jemanndt der in krannckhait läg, und sich sterbens verwegen
het, seine gueter auf Todtsfall anndern gab, alß bald er
derselben Khrannckhait aufstet und wider gesundt wirdt.
| Seite 65v|
Von nachgebornnen Khinder wegen mag ain gab wider ruefft werden,
Alls wann Jemannd nit Khinder und villeicht auch nit hofnung het
Khinder zu uberkhumen,und deshalben sein guet anndern gab, Es wär
seinen freunden, frembden, oder an guetig sachen deshalben
sollwann er nachgeends Eeliche leipliche Khinder uberkhumbt allß
uncrefftig widerruefft sein und daß gegeben guet
widererfordert.
Also ist auch die gab von unwerden so Jemand sein guet ubergab der
Erben het ab oder Aufsteigender Linj und dieselben furgieng, und
ubersach, mit Iren geburenden phlychttaill wie dann oben von den
testamenten weitter auch gesagt ist,
Desgleichen so jemand Etwas verordent oder gibt mit furwarten oder
geding, Wann dann daselbig geding nit erscheint oder Ab ist, So
ist die gab auch Ab.
Item wann Jemanndt auf seinen Todfall ainen anndern etwas gab, und
darnach dasselb weitter verkhaufft, verphenndt, oder In annder
weg veränndert, So ist durch dasselb weitter veränndern oder
verwonnten die gab auch Ab.
| Seite 66r|
Unnd was sölcher fal in gemainen Rechten beschriben dar Inn sölch
gaben von unwerden und abzetreiben mer seind alls da ainem
wucherer der wuecher gabs weiß geben wirdt, und der gleichen.
Wann Jemannd an Gschäfft oder Ordnung seins lesten willens mit Tod
abget, So fellt sein gelassen guet auf die Naturlichen gesibten
freund, so vom bluet aneinannder verwonnt sindt, Eß sey in
Absteigender Aufsteigennder oder in der zwerch Linie, wie hernach
gemellt ist.
Die Erst und furnemest Erbschafft daß ist daß Khinder seine Elltern
Erbt, deshalben so vater und mueter leibliche Eeliche Khinder,
ains oder mer Sun oder Dochter, on gshäfft hinder Innen
uberlassen, So erben die selben Khinder, Sy sein in der Ehe
geborn, oder durch nachvolgend heyrat, nach form und ausweisung
der recht geelicht, alle väterliche und mueterliche Hab und guet
varend und ligend gleich miteinannder oder ab manicherlay Khinder
vatter oder muetter halben
| Seite 66v| vorhannden wärn, So
erben alle des vatters Khinder sein gelassen Hab, und der muetter
Khinder Ir verlassen hab, ain Jedes Khind für sein Haubt- oder
person, all manig mundt, alls manig pfundt.
Verlassen aber vater und mueter nach Iren Todt Khind und Khindts
Khinder, der vatter oder mueter gestorben wären, So werden
dieselben Khinder Khind an Iren abgeganngen Elltern stat mit den
Khindern zu Erben zuegelassen und Erben alsdann die Khinder in
die heupter, daß ist Ir Jedes fur seine person, Aber die Khindts
Khind in den Stamen, und namens des orts alle nit mer, dann Ir
vater oder mueter, so Sy gelebt, genumen hetten, daß ist und
haist ain stamb taill.
Wär aber, das vatter und muetter nächnere oder weitere Khindts
Khind, als Anickhl uränickhl, und also verrer, hinab zurechnen,
nach und verliessen, so Erben die selben alle geleich, aber nit
nach vile der Heupter, oder der personnen, sonnder nach den
stamen Irer Eltern, Also daß ye ain parthey, eß sein der
Personnen wenig oder mer anstat Ires abgeganngen vatters oder
mueter ain Stam taill zunemen zuegelassen wirt, Unnd allso soll
die Erbschafft zwischen Khinds Khinder, ob gleich ain taill nit
verrer noch nächner wär dann der Annder nach Ordnung der Recht
fur und fur
| Seite 67r| In die Stamen, und nit mer in die
Heupter getailt werden, Irret auch nit das ain taill in verrern
oder weittern grad ist alls der annder, dann es velld die
Erbschafft nit albeg an den nächsten im grad oder den gleich
gesibten Inmassen dann Jetzt verstannden wirdt.
Unnd alle dieweill Eeliche Khinder oder Khindts Khind in
Absteigender Linien, Sy seyen allß weit Sy wellen, verhannden,
oder in leben sindso soll daz gelassen guet allain und fur und
fur auf dieselben und nit auf ander in aufsteigender oder
beseitten Linj fallen oder Erben.
So Jemannd on gschäfft und ain Erben in absteigender Linien abgeet,
und vater und mueter oder annder Elltern und gesibt In
aufsteigender Linien in leben lässt, So fellt die Erbschafft an
die selben aufwerts gesibten nach Ordnung oder nachene deß grads
oder der angehör und werden die auf die seytn oder in der Zwerch
Linien Ausserhalb brueder und schwester von beden pannden
verwonnt, allß hernach volgt ausgeslossen.
Unnd erstlich oder vor annder so Erben vater und mueter sover Sy
verhannden sein, und der abgestorben nit Elich leiblich
geschwistriet, die Ime von beden Elltern verwont
| Seite 67v|
wärn, gelassen het, derselben abgestorben person guet allain und
gleich miteinannder oder so.nur der vater allain, oder die mueter
allain verhannden welches das ist, daß Erbt das abgestorben, und
werden all annder die verrer In aufsteigender Linj gesibt seind
Alls Endl und Andl etc. ausgeslossen.
So aber vatter und mueter nit in leben sonnder annder auß den
Elltern und verwonnten in aufsteigender linien verhannden wären,
So sollen albeg die nächern im grad Eß sein weib oder mans vater
oder mueter, halb gesibt, den anndern furgesetzt oder ob Sy
gleich im grad wären, So soll die Erbschafft auch gleich unnder
sj getailt werden, Allso daz die so vater halben gesipt, Ir sein
Ains oder mer, miteinannder daß halbtaill und die Jhenen so
mueter halben verwonnt seindt, daz annder halb taill solher
Erbschafft emphachen.
Sirbt aber Jemand on leiblich Erben. und on gschäfft, und läst
vater und mueter, und darzue leibliche Eeliche geschwistriget von
vater und mueter, So erben dieselben vater und mueter und
geschwisstriet sein gelassen Hab und guet gleich miteinannder
nach den Heubtern.
| Seite 68r|
Unnd ob dann der Abgestorben person zuesambt vater und mueter, und
den geschwistriegeten, auch Brueder Khind oder schwestern Khind,
hinder Ir verließ, So werden dieselben Brueder und schwester
Khind, mit sambt vater und mueter und den geschwisterten
zuegelassen anstat Ires vatern oder mueter zu ainen Stamtail und
nemen alle miteinannder und versamentlich sovil, allß Ir vater
oder mueter wo die gelebt, genumen hetten, Aber weiter gsibt alls
geschwistrirth Khinds Khinder und annder noch verrer im grad die
werden in diesem fal ausgeslossen, und zu erben nit
zuegelassen.
Unnd des gleichen auch so die Abgestorben person allain den vater
oder allain die muetter und leiblich geschwistrirt, von vater und
mueter oder der selben geschwistriet Khind lässt
In sölher massen erben auch anherrn und Anfrauen so vater und
mueter verganngen desgleichs uranherrn und uranfrauen und so
lanng in der Aufsteigender Linj gerechnet mag werden, so khain
Anherr oder Anfrau Im leben ist.
Wer aber daz, daß abgestorben vater und mueter ließ und nit
geschwistriet von vater und mueter versamentlich nach der selben
geschwistriet Khinder, sonnder geschwistrirt von dem vater allain
oder alain von der mueter oder derselben Khindt, So erben vater
und mueter, und werden die geschwistrirt und geschwistrirt Khindt
so des Abgestorben nur von ainem phanndt allain und nit von peden
Elltern gesibt seind, ausgeslossen,
| Seite 68v| Dem gemäß und
vor sölchen geschwistrirten Erben auch anherren, anfrauen,
uranherren ur an frauen und all annder In aufsteigender Linj, so
Jemand abgeet und nit geschwistrirt von baiden Elltern
versamentlich (alls ogemellt ist) hinder Ime verläst.
So Jemanndt mit Todt on gschäfft und an leiblich eelich Erben in
absteigender und auf steigender Linien abgeet, und leiblich
Eelich geschwistriget von ainem vater und ainer muetter geboren
hinder Ime läst, So erben dieselben geschwistrirt alle gleich
miteinannder und slissen auß Brueder und schwester die allain aus
Ainer person der Eltern desgleichs all annder die auß zwayerlay
eltern es sey vater oder mueter halb gesibt seindt.
Het aber der abgestorben nit allain geschwistrirt sonnder auch
geschwistrirt Khinder ains oder mer auß Bruedern und schwestern
die Ime also vater und mueter halb gleich verwonnt wärn, nach Ime
verlassen, so erben die selben Brueder und schwester Khind mit
deß abgestorben geschwistirthn in den Stamen, daß ist anstat Ires
vater
| Seite 69r| oder mueter, und nemen sovil, alls Irem vater
und mueter wo die gelebt, geburt het, und sliessen auch, auß
Brueder und schwester, deß abgestorben, die Ime nit aus beden
Elltern sonndern ain halb allain gesibt seind, desgleichs
derselben Khind und annder weiter gewonnt, ob Sy gleich nur
allain zum Erb, und nit Recht brueder und schwester des
abgeganngen mit In wärn.
Unnd zu gleich alls sölhe geschwistrirt Khind, so auß beden Elltern
gesibt die Jhenen Auslissen die nur ain halb oder zu ainer Seitn
verwont sind allß Jetz gemellt ist, Allso sliessen auch derselben
Khinder auß der geschwistrirt Khind, die nit auser baiden eltern
gesibt sind.
Wären aber sölhe Jetz gemelte geschwistrirt von vater und mueter,
desgleichs derselben geschwistrirt Khinder nitverhannden So erben
Allsdann die leiblichen Belieben geschwistrirt von ainem der
Elltern eß sey dem vater Allain, oder allain von der mueter und
derselben geschwistrirt Khind auch nur fur ain person verstannden
werden, und in den Stamen, daß ist, an Ires vaters oder mueter
stat Erben und nit weitter.
| Seite 69v|
Unnd all Dieweil Brueder und schwester oder derselben Khinder in
leben seind Sy sein auß beiden Elltern, oder allain ainhalb
gesibt und verwont, So sliessen Sy auser des Abgestorben vater
oder mueter, Brueder und schwewter, desgleichen all annder so in
der neben oder beseitten Linj weiter gesibt seind, dann ob gleich
wol deß vaters Brueder und schwester mit den Brueders und
schwester Khinder in gleichen grad, So seind doch nit gleichen
Rechtens zu Erben, dann die Khind beteuten Iren vatter und steend
anstat derselben, der ist nächner Aber des Abgestorben brueders
Khindeskhind, wo daß mit deß vatters Brueder oder schwester in
leben wär, geet dermassen nit vor, Sonnder deß vatters Brueder
oder schwester werden Ime furgesetzt, dann Sy sein nächner Im
gradt.
Wo aber weder Brueder auch schwester noch derselben Khind sind, so
all dann die Erbschafft in mindern und weittern sibt fallen,
Davon oben khain Meldung beschechen ist, noch nächne deß grads
gerechend, unnd albeg der nächner gesibt, dem weittern furgesetzt
werden, die Erbschafft Ruer heer, vom vaterlichen oder
mueterlichen Stmen. wo SY wöll, unnd ob zu iner Erbschafft
| Seite 70r| mer personnen die all gleich gesibt wären So soll
dieselb Erbschafft furahin nit mer nachdem Stamen, sonnder nach
anzall der personnen, daß ist nach den heuptern getailt werden
unnd ain Jeder Erb nemen oder emphachen sovil Ime seiner person
halb gepurt.
Allso so ainer nyemandt nächner lässt, dann seine leiblichen
gelichen vaters leiblichen Brueder oder schwester von vater und
mueter versamentlich und desgleichen seiner mueter brueder oder
schwester, auch von vater und mueter versamentlich, So erben
dieselben geschwistrirt des Abgestorben gelassen Hab und gueter
gleich nach Anzall der person ye Ir ainer sovill allß deß anndern
unangesechen von welhem Eltern derselben person nach der tall mer
oder weninger waren.
So aber des Abgestorben seins vatters brueder oder schwester Im
versamentlich oder von baiden Eltern verwont und darzue seiner
mueter geschwistrirt von dem vater allain oder von der mueter
allain verläset, So erben dieselben deß vaters geschwistrirt, vor
der mueter geschwistrirt, Unnd desgleichen soll eß des
abgestorben versamenten geschwistrirten von ainem Eltern allain
auch gehalten werden.
| Seite 70v| Bannckherten und ledige Khind, die auser verdambter
geburt, und vermischung von geistlichen oder weltlichen personnen
geboren werden, Der vater und mueter sich zur zeit sölher Irer
vermischung Eelich zueinannder nit verpflichten noch vermächligen
möchten, die sollen noch mugen zu ainichen Erbschafft Ires vaters
oder Irer mueter nit khumen noch lanngen in Ainicherlay weiß, Sy
mugen auch weder in Testamenten noch sonnst zu Erben nit gesetzt
noch Inen in Testamenten oder lesten willen, oder ubergaben etwaß
geschaffen noch beschaiden doch mugen Sy ernert und erzogen
werden.
Aber naturliche und ausserhalb verdambter geburt erobert, die mugen
in geschäfften oder sonnst durch Ire Eltern zimblicher weiß und
der gestallt, daß die Eelichen Khind Irer Legitima und
Erbsgerechtigkhait unverschuldt dardurch nit entsetzt versechen
werden.
dieselben naturlichen Khinder, mugen Ire leibliche mueter auch mit
anndern derselben mueter Eelichen Khindern ob Sy die hetten zu
gleichen taill Erben Ausgenomen es wär die mueter von hoher und
erleuchter geburt welhe man zu latein nennet Illustres.
Desgleichen Erben Sy auß selbß aneinannder so Sy auß ainer mueter
sein, Aber in vaterlichen guetern, so der vater sonnst Eeliche
Khinder het Erben sy nichts, Doch sollen Sy von den vater
| Seite 71v| lichen guetern ernert und aufgezogen werden und
widerumben sein Sy solher Narung, vatter und mueter auch
schuldig, So aber der vatter sonnst nit Eeliche khinder het, ob
er gleich annder gesibt in aufsteigender Linien verließ, unnd
dann der naturlichen Khinder mueter noch in leben war, So erbt
dieselb mueter mit sambt den Naturlichen Khindern den Sechsten
taill des vaters gelassener gueter, oder ob die mueter gestorben
wär, So erben die Naturlichen Khind nichts destminder denselben
Sechstentaill, und das uberig nemen deß Abgestorben negst
gesibten in Aufsteigender Linien wie Sy dann verhannden sind, eß
wär dann daß der Naturlich vater ain Testament machte dar Innen
mag er sich nach Ordnung der Recht bedennckhen.
Von den vätterlichen Anherren, so er Eeliche Khinder läst,
desgleichs von Bruedern oder schwestern, die In Eelichen Stanndt
aus ainer annderen mueter geboren sind Erben die Naturlichen
Khinder auch nichts Allain es verließ der Anherr nit Eeliche
Khinder, so volgen die Naturlichen, und Erben den Zwelftail Ires
Anherrn oder Anfrauen gelassen Erbguets Sy Erben auch alle die
Inen mueterhalb gesibt, So sonnst auch Ehe Khinder da sind,
| Seite 71v| Im Zwelftentail unnd so nit Ehe Khinder da wären
im Sechstentaill, daß ubrig felt an die anndern negsten gesibten
der abgestorben personnen, Aber von denen die Irem vater oder
mueter in der Zwerch Linien gesibt sind, Erben die naturlichen
Khinder nit, dest gleichten von dem Anherren oder der Anfrauen in
Aufsteigender Linien auch nit.
Unnd weihe Bannckherten oder ledig Khind Ire Elltern vater oder
mueter nit Erben, da sollen auch her widerumb unnd aus gleicher
ursach dieselben Ire Elltern auch nichts von Erben, so aber und
von welhen Elltern die ledigen Khind ychts Erben, dieselben
Elltern mugen, auch Sy widerumben Erben, und so der Erbfall aines
Ledigen Khinds auf die mueter und nit auf den vater zaigte, Unnd
mueter nit mer in leben, und sonnst auch nit nächner Erben
verhannden wärn So felt sölhe Erbschafft auf sein negst freund
der mueterhalb wär dann daß der Bannckhart, oder daß Ledig Khind,
auf die zeit seins abganngs khain mueter sonndern leibliche
geschwistrirt ainß oder mer aus ainer mueter hinder Ime verließ,
So erben dieselben geschwistrirt auch vor anndern fremden der
mueter halb.
| Seite 72r|
Haben oder gewunnen die Bannckharten Eeliche Khinder, So mugen
dieselben Ire Khinder Sy Erben, aller massen alls hievor von den
Eelichen Khindern gesetzt ist.
So der abgestorben ain formlich zuelässig Testament oder
lesten willen gemacht, Testamentarj oder geschäfftiger
gesetzt und denselben bevolhen hat sein, guet auß zutaillen
und daß Testament zuverrichten So sollen dieselben
ausrichter sover Sy daß Annemen sölch Testament nach willen
des Testator treulich und fleissigklichen volziechen.
| Seite 72v|
Bei den peen so von gemainen Rechten hierauf gesetzt, ob sich
aber ainer oder mer geschäfftiger zu sein verwiderte, daß
soll zu erkhanntnuß der Obrigkhait steen, Ime dasselb
aufzeladen oder davon zumessigen.
Allso und in solcher gstallt sollen auch die gesetzten erben
in Testamenten sover Innen die ausrichtung oder
vollstreckhung des Testaments bevelhen, und khain Ausrichter
sonnderlich darzue verordennt, so kein Testament vorhannden
wär, die gesibten naturlichen Erben, alls ver Sy Ir Sibt
zall, Ordenlich und mit glaubwirdigen gueten schein
genuegsamb dar pringen auf Ir beger und anlanngen, durch die
Obrigkhait in daß guet und Erbschafft eingesetzt werden,
doch sollen Sy geburlich Caution thuen, ob Jemanndt zu dem
gelassen guet In Erbe weis oder sonnst spruch setzen wurden
daß Sy demselben antwurtten und sovil sich geburt und Recht
ist, geburlichs Rechtens sein wellen.
| Seite 73r|
Oder ob die wittib aines Khinds, das Sy von dem Abgestorben
Irem Eeman empfanngen het, schwannger und mit Irem schwären
leib gieng und der Einsetzung desselben leibs halb begerte,
die soll Ir auch alls billich ist volgen und erdrichen und
mag sölch Erb und guet zu Irer zimblichen notturfft und
narung gebrauchen biß Sy das Khind geburt, un die Khindsbeth
ubersteet, so dann hat Sy die nutzung und niessung, allß von
demselben hernach in sonnderhait gemelt wird.
Begerte dann der Erb ain Copej vom Inventarj des gelassenen
guets und darzue zimblich frist und zeit, sich zu bedenckhen
ob Er wie oben laut Erben well oder nit, das soll Im auch
gestat werden.
Unnd so zu der zeit, alls der gesetzt und geschriben Erb, den
Einsatz begert, So sollen der oder die geschriben und
Instituirten Erben mit obgemellter Caution angesetzt werden,
ob aber ausserhalb Instituirtn
| Seite 73v| Erben, Jemand
annder umb denselben Einsatz zu Khrieg khome, und Jeden sein
gerechtigkhait ainichen vermuetlichen schein oder gegrund
anzaigen thuen wurden So sol khainer eingesetzt, sonndern
daß gelassen guet verwart und zwischen denselben zum
Fürderlichisten erkhennt welher unnder Innen oder ob Sy bed
oder Jeder zu seinem Rechten leiblich eingesetzt werden
sollen.
Un der ist ordenlich und mit gerichts Haanden mit gemelter
Caution ain mall eingesetzt ist, soll on Recht nit widerumb
enntsetzt, sonnder bey sölhem einsatz alls verr Er Recht hat
gehanndthabt werden ob gleich nach malenain annder khäm unnd
des Einsatz auch begerte, Aber den besitzer mag ain yeder
umb sein Spruch und gerechtigkhait die er zu solher
Erbschafft zuhaben vermaint fürnemen ob er will.
Unnd so dann Jemand gegen denselbigen sovill gerechtigkhait het und
furbracht, das Ime das Erb gar oder zum taill mit Recht und urtl
zuerkhennd wurd, So soll Ime der eingesetzt oder Besitzer dasselb
wievil er dann mit der urtl verlanngt sambt den Nutzen und
fruchten die der besitzer, Nachdem und der Khrieg zwischen In der
sachen halb verfanngen und bevesstugt ist worden, aufgehebt und
empfanngen hat, zustellen und uberantwurtten, Aber die frucht
| Seite 74r| Nutzung und annders so er als sein Erb vor sölher
Khriegsbevestigung eingenomen und zu seiner notturfft gebraucht
hat, daß ist Er nit schuldig wieder zugeben oder zuerstatten, Er
befundt sich dann und wurd gleublich zu Ime bracht, daß Er die
Einsatzung mit bösem gelauben und verschwigner warhait erlanngt
und gevärd darin gebraucht het, So ist er schuldig all aufgehoben
nutzung frucht und annders, so er von der zeit des Einsatz vor
und nach der Rechtfertigung aingenomen het zubezallen und zu
widerlegen.
Unnd so Er dann in baiden Jetzgemelten fällen etwas schulden
betzallt, oder Ainicherlaj pew gethan het, die fur notturfftig
Erkhennt wurden, daß mag Er dagegen auch abziechen, oder er soll
Inen sonnst von dem Erbguet bezallt werden.
Eß mag auch ain Jeder der zu sölhen Erbschafften oder gelassnen
Erbguetern zuclagen und zusprechen zehaben vermaint, dieselben
sein Ansprach suechen und furnemen in 30 Jarn und danach
nimer.
| Seite 74v| So aber Inndert ain angesessner oder Inwonner in
unnserm Stifft abgienng, der nit bekhannt oder beweist Erben
hinnder Ime verließ, So soll desselben gelassen Hab und guet
durch die Oberkhait, der Ennden sich der fall begibt, Inventirt,
und zu khunnfftiger der Rechten Erben Jar und tag unverhindert
und unverrugkht, behalten, oder so In der zeitt des Jars die
Rechten Erben furkhämen, die sollen wie hivor begriffen ist,
eingesetzt, und zu dem Erb gelassen werden, Khäm Aber niemannd,
dem sölher einsatz, von Recht geburt So soll alsdann und nach
solher zeitt den gelassnen und Inventirten guettern, von der
Oberkhait ain versprechen gegeben, und ain gerichtstag auf den
funfundvierzigisten, wo derselb 45 tag nit ain Rechtag wär, auf
den nechsten Rechtag dannach angesetzt, Unnd den Erben, geltern,
und menigclich, oder zu denselben guetern zusprechen hetten, oder
zuhaben vermainten, desgleichs dem versprecher, der gueter durch
ain gemaine berueffung und aufgeslagen Edirt offenlich verkhundt
und zuwissen gethan werden . Unnd darnach auf demselben tag, der
Erscheinenden und Ansprechenden furbringen und begern noch
weitter beschechen und ergeen was Recht ist.
| Seite 75r| Wenn sich nun begibt, das ains auser zwayen Eeleuten,
die leibliche Eeliche Khinder miteinannder haben, stirbt, und der
abgestorben guet auf die Khinder fellt, So soll daß uberbeliben,
Es sey vater oder mueter unveränndert des Haubtguets die nutzung
oder den genieß mit erziechung und hinpringung der Khinder an
demselben Erbguet haben, biß die Khind erzogen und verheyrat oder
ausgesteurt wurden, unnd auß des vaters gewallt zu aigner
Haushaltung khumen.
Und so die Eefraw abget, vor Irem man, und die nutzung der Khinder
mueterlichen guets an dem vater fellt, So mag er dasselbig nit
allain niessen, sonndern auch verwallten und bej seinen Hannden
haben, Unnd ist nit not den Khindern Gerhaben oder versorger zu
setzen, Eß wär dann der vater so ain unachtper man, das man Ime
daruber nit vertrauen möcht, Stirbt aber der Eeman vor der frauen
und dann die frau unverruckht Ires witib Stuels und unentricht
Ires heyratsguets und vermächts bey den Khinden alls Ir
vormündern sitzen will, So mag sy daß väterliche guet mit Inen
niessen, aber annderst alls ain vormünderin mag Sy es nitt
Innhaben noch verwallten, sonnder es muessen den Khinden sover
die mueter zu der vormundtschafft nit teuglich wär, oder sich
villeicht der sonnst nit unndersteen wollt annder gerhaben oder
versorger wiewol der mueter an Irer niessung onengellt gesetzt
und verordent werden.
| Seite 75v|
Es wäre dann das die vätter oder mueter sölch der Khinder guet
verschwendten oder schmellerten, oder den Khindern in annder weg
verdächtlich gemerckht wurden, oder das die mueter sich
Annderetwo verheyratet oder sonnst unerhielt, so hort die nutzung
auf und vater oder mueter, welhes dann die Nutzung gehabt het,
ist Allsdann schuldig den Khinden oder Iren gerhaben oder
versorgern, dasselbig Ir vätterlich oder mueterlich Erbguet was
das ist, zuezustellen und hinauß zuegeben, Auch ob ychts daran
gemindert oder veränndert wär aus seinem aigen guet
zuerstätten.
Deshalben soll auch das uberbliben aus sölhen Eeleuten daran sein
und verfuegen, daß der Khinder guet vonstunddan nach des anndern
seines Eegenossen Todt, Aigentlich Inventirt und aufgeschriben,
Und mitler zeit Es dann die Aufschreibung beschieht, auch nichts
darvon verruckht noch veränndert werdt, und sich dann und so
dasselbig geschechen ist, der nutzung erst unnderziechen,und
nicht vor noch Ee Ausgenomen ob sich daß uberbliben dem die
Nutzungen zuesteen soll, in seiner haushaltung und sonnst so
Eelich und woll hielt, daß Ime der Khinder freundschafft und
oberkhait vertrauen macht sölchen der Khinder Erbtaill sonnst
getreulich anzuzaigen. so mag die. aufschreibung unnderlassen,
und der Niessenden person worten geglaubt werden.
| Seite 76r|
In s[o]lher gstallt mugen auch vater und mueter die nutzung haben
an anndern Irer Khinder guetern die den Khindern ausserhalb und
annderstwo her durch Erbschafft schannckhung ubergab, oder in
annder Rechtmessig weg zuefielen, (doch die sonndern fall dar Inn
die Elltern an sölchen Khinder zuefallenden guetern von gemainen
Rechten, die nutzerung nit haben, hierInnen ausgenomen) Unnd so
der vater dieselben zuefallenden guetern auch verwalltet, So ist
er, wo es an Ime begert wird schuldig Rechnung davon zethuen,
Stuend dann die nutzung auf varende Haab, die mit dem niessen und
gebrauch hingeet, alls dann ist, gelldt wein Traidt, Bethgewanndt
und annder Haus Rat khaufmanß war und gewerb etc. so soll die
niessendt person genuegsamb sicherhait thuen, dasselb alles wann
die niessung auß ist, widerumb zuerlegen und zuerstatten, wie
sich von Rechtens wegen geburt.
Well sich aber der vater seiner khind gueter entladen, So sll Er
verfuegen, und daran sein das die Khinder vergerhabt werden, Unnd
ob er sich dann gleich wol verwalltung und niessung der gueter
enntschlieg So Soll er sich doch der erziehung der Khinder nit
enntslagen mugen, Sonndern ist Götlicher und Naturlicher
| Seite 76v| Ordnung nach alls ein getreuer Vatter schuldig,
dieselben seine Khind, Sy haben aigens guet oder nit, bey Ime
oder unnder seiner versorgung zehaben zeneren und zu Gotsforcht
Zucht und ler aufzeziechen und zu furdern Alls weit sein vermugen
Raicht, biß Sy zu Got oder der welt versechen sind.
Unnd so er ain Khind verheurathen und zu der welt aussteuren will,
daß mag er than aus seinem aigen oder auß des Khindts
mueterlichem guet wie Er wil Tuet ers aus dem mueterlichen guet,
so soll es Inen dann abgezogen werden, wann er den Khinden Ir
mueterlich guet uberantwort, tuet ers aber Aus seinem Aigen guet,
so ist daß selb Khind schuldig, so er nochmals mit den anndern
geschwistrirten daß väterlich guet Erben will sölch heyrath guet
hinzewerffen, Inmassen hernach von demselben sonnderlich anzaigt
und gemelt wirdt.
Der vater soll auch nit saumig sein, die Khind so Sy zu Teuglichen
Allter khumen, zuverheurathen, sonnst und wo er uber die
geburliche zeitt damit verziechen,
| Seite 77r| Unnd sich dann
ain Khind daß 25 Jar Allt wär, aigens furnemens und on will des
vaters mit ainer Ersamen person vermächlen oder verheurathen
wurdt, das soll damit nichts verwurckht haben, und der vater 5
ist Ime geburlichs Heyrath guet zegeben schuldig.
Dem gemäß ist auch die mueter schuldig alls lanng Sy der Khinder
Erbguet neust, oder so dasselb Erbguet so schmal wär das die
Khinder daraus nit erzogen werden möchten, alls weil Ir vermögen
Raicht dieselben Ire Khinden hinzuebringen und zuerziechen Unnd
So Sy zu Iren tagen khumen, mit Rath der Khinder gerhaben und
negsten Freund auser dem väterlichen guet, oder so desselben so
wenig und sein die mueter pathafft wär, auß Irem Aigen guet
zuversechen.
Unnd so aber die Notturfft eraischen und ervordern wurd, der
Khinder vaterlich guet ligends oder varends anzegriffen, das soll
mit der beschaidenhait geschechen alls hernach under dem Titl von
den vormündern oder gerhaben weiter davon gemellt wird.
| Seite 77v|
So die Elltern mit Tod abgeen, und leibliche Eeliche Khinder oder
annder nachvolgend Erben in Absteigender Linien hinder in
verlassen welliche dann aus denselben zuerben vermainten und
vormalß Ainicherlaj Eß wär Eesteur heyrathsguet oder annders von
denselben Iren Elltern emphanngen und ein genomen hetten, die
sollen dasselb was und sovil In von deß Abgestorben muetern
worden ist in gemainer Taillung albeg einwerffen oder umb sovil
still steen bis der anndern ainem auch sovill wird, Unnd darnach
erst zu gleichen Erb geen, Es hetten dann die Elltern in Iren
gschäfften oder lesten willen annderst geordent, oder denselben
Ieren Erben sölch voremphanngen guet zu ainem vortl schaffen so
soll es als ver das gschäfft sonnst khrefftig und bundig und
legitima uberstigen ist, dabej bleiben.
Wolte aber dieselb person, Syecht dermassen emphangen het nit Erben
und mit solchem Irem empfanngen guet oder Erbtaill zuefriden und
vergnuegt sein, So ist Sy nit schuldig yechts einzewerffen,
ausgenomen
| Seite 78r| ob Ires vorempfanngen taills sovill, daß
Eß den Anndern Erben an Irer Erbgerechtigkhait der Legitima ain
Mergkhlichen abbruch wär, So soll die ubermaß mit den anndern
Erben getailt werden.
Unnd sollen nit allain die Khinder, zu sölher einwerffung
verpflicht Sonndern auch die Ainickhlen und annder nachvolgend
die anstatt Irer Elltern Erben, das Jhenig einzewerffen schuldig
sein, das dieselben Iere Elltern an sölher Erbschafft vorhin
empfanngen haben.
Doch so ain vatter sein Khind zu schuel schickhte oder annder
Khunst und Artlich Yebung daraus er dann genaigt wär, lernnen
ließ, oder so ain Khind etwo ain Eernstannd zuestuende, deshalb
Ime der vatter an Zerung Claiden Buechern und dergleichen
zimblicher weiß ain merrers gab, alls den anndern das ist es nit
schuldig einzuwerffen, Es wär dann So ain grosse Übermaß in
demselben gebraucht So soll es zuguetigen Entschid der freundt
oder wo es dieselben nit entscheiden möchten, auf der tail
furbringen und verhör zu erkhanntnuß der oberkhait steen, ob und
wievill einzewerffen sey.
| Seite 78v|
Wäre aber daß der vater sein Khind zu schnel oder annder lernung
und ybung oder zu Erlichen diennsten Ausstanndte, und sich erfund
das dieselben Khind gellt oder annders entlehent und aufbracht,
daß Sy mit prasserej Spill unnd anndern leichtfertigen sachen
unutzlich verthan unnd verschwenndt Unnd der vater fur Sy
betzallt hat, daß sind sj schuldig nachmalls in der Erbtaillung
einzewerffen oder Innen abziechen zulassen.
So Khinder oder Erben ain ungetaillte Erbschafft miteinannder
haben, oder In gemainer ungetailter hab beyeinannder sein oder
sytzen Und der Khinder ains oder mer uber zimbliche notturfft
merern oder grosseren Costen brauchet oder brauchen wolt, alls
die anndern, So mugen in Ierer gerhaben oder versorgern die
Erbschafft taillen, oder so die Khinder mundig wären, und nit
taillen wollten, So soll man Ine darnach die unzimblich ubermaß
Iner Cosst an Iren taill abziechen damit sein die anndern Khinder
oder mit Erben nit schaden oder nachtaill haben.
Unnd desgleichen mugen die Khinder oder Erben, so nun zu Iren Jaren
khumen, und nit mer unnder gerhaben oder versorgern sein, auch
thuen, So sj bey anndern in ungetailter hab sitzen.
| Seite 79r|
Unnd ob sich dann in Taillung der Eeleut Indert begab oder zuetrag,
daß Sich die Erben oder Ire gerhaben unnd freundt der taillung
nit vergleichen mochten, so soll die Obrigkhait auf Ir begern
Etlich gerichts geschwornen oder annder teuglich verstänndig und
schidlich leut darzue verordnen oder Sy die Erben selbs darzue
erbetten, den sollen allsdann die Erbgueter so zu taillen, sind
ligend und varende desgleich die schulden und gegen schulden
alle, sambt und sonnderlich getreulich angezaigt Unnd dann
dürch,dieselben geschworen oder verordenten die taillung Irem
lessten und hochsten verstanndt nach aufs treulichist gemacht und
eingesechen damit der Erben khainer fur den Anndern geurtl noch
beschwärt werde.
Wolt es dann notthuen oder wurden von den Erben ainem oder mer
begert, So sollen die so das Erb Innhaben zu got und den
heilligen ainen Aydt schweren das Sy die gueter so In gemaine
taillung gehörn treulich anzaigen an tag brinngen und der
geverlich nicht verhallten noch verschlachen wellen noch
verhallten, veränndert oder verschlagen haben, Unnd ob Sy sich
hinach befinden oder durch sich selbs oder annder befunden oder
er Inndert wurden, daß noch mer zetaillen verhannden
| Seite 79v| wär, das Sy dasselb allsdann auch von stundan melden und
ansagen wellen damit es getaillt werd, ongevär.
Welher dann uber sölhen seinen Aydt gevärlich weiß etwas hinder
hallten oder verschweigen wurde, Khlain oder groß, der soll allß
sich geburt, notturfftigclich darumb gestrafft werden, und den
Erben dasselb hinder hallten guet nachmallen zwifeltigclich
zuerstatten schuldig sein.
Vormunder oder gerhaben sind dreyerlay. Die Ersten und vordristen,
werden den Khindern durch Ire Elltern in testamenten oder
gschäfften und lesten willen gesetzt, und haissen Tutores
Testamentarj. Die anndern und negsten nach den sind die negsten
gesibten des gebluets den die gerhabschafft von angeborner
Freundtschafft wegen zuegehört und haissen Tutores legitimj.
| Seite 80r|
Die dritten oder lesten Tutores datiuj das sindt die von Oberkhait
zu der Gerhabschafft verordent und gegeben werden.
Der vatter mag seinen Elichen Khindern die noch nit mundtpar,
desgleichs den Jhenen So Naturlich Thoren Stumb, Blind, mänig
unsinnig, oder in annder weg vernunfftiger Wurckhung beraubt
seind, ainer oder mer gerhaben oder versorgern setzen, und
benennen in seinem gschäfft, oder Ordnung seineß lesten willens,
Es wär dann dasselben vatters vatter noch im leben, der mag der
zuegehörigen vormundtschafft Ob Er sich der gebrauchen wil nit
beraubt werden, Und desgleichen mag der groß vatter oder der Endl
Auch thuen.
Aber die mueter ob die Stürb und Iren Elichen man Irer beden
leiblichen Khindern ainen oder mer hinter Ir verließ, mag der
massen und in dem fall nit gerhaben setzen, zhuet auch nit not
sonnder der vatter ist und bleibt der mueterlichen gelassen Hab
und Khinder ain gerhab und versorger, alls lanng er den Khindern
nutz und unschedlich vermerckht wird.
| Seite 80v|
Wurd er aber ain Zersterer und verschwennder der gueter, So dann
soll er durch erkhanntnuß der Obrigkhait sölher gerhabschafft
enntsetzt, und den Khindern annder gerhaben, doch dem vatter an
seinen Genueß unschedlich gegeben werden.
Unnd desgleichen mag auch die mueter nit anndern gerhaben setzen so
der vater vorhin mit Todt abganngen wär, unnd den Khindern
gerhaben oder versorger verordent het.
Het aber der auf sein Absterben khain weittern gerhaben gesetzt, so
ist die mueter ausserhalb der fäll, dar Innen Sy selbs gerhab
sein mag und will, den Khindern Inmassen dann hernach verrer
gemellt wirdt, gerhaben zegeben zubegern.
Unnd in Irer besonndern hab oder guet ob, Sy die het, mag Sj auch
den Khinden, in Iren gschäfft, und zuverwalltung derselbigen Hab,
gerhaben in dem fall setzen, Sy mag auch in albeg Executores oder
ausrichter Ires gschäfft verordnen, Eß hab Ir man den Khindern
Eemalls gerhaben gesetzt oder nit.
| Seite 81r|
Unnd welhe allso in gschäfften zu gerhab gesetzt und benennt wird
der soll, so es zu fällen khumbt, unverhindert menigclichs zu
solher gerhabschafft zuegelassen werden,und sich der zuebeladen
und anzunemenn schuldig sein, Er mag sich dann durch
nachgeschriben ursach ainer oder mer auf reden und entschuldigen,
das soll mit der oberkhait willen und erkhanntnus gschechen.
Wer aber khain Testamentlicher gerhab oder verhannden, so felt die
gerhabschafft nach Ordnung der Recht auf die negst gesibten
freundt alls obgemellt ist, Allso das Ie der nächner des gebluets
sover er zu der gerhabschafft geschickht und teuglich ist, den
weittern Ausschleust, Es wären dann Ordensleut oder annder
geistlich und geweicht person den solch gerhabschafft auf sich
zunemen von gemainen Rechten verbotten ist.
Und vor allem oder am Ersten wurdet die mueter zuegelassen, sover
Sy wittib bleibt und in Regierung oder verwaltung Irer zeitlichen
gueter geschickht und sorgsamb, darzue aines Eerlichen wesens
ist.
| Seite 81v|
Unnd sich weiter zuvermächln, desgleichs freverlicher gnaden und
hilf des Rechten und in sonnderhait der freyhait vellrianj
zeihet, Auch Ir aigne gueter zuvergwissung der Khinder Hab und
gueter verpfendt und verbindet. Unnd ob Sy dann wider die
verpflicht der vormundschafft verännderung oder verschwennttung
der guetter furnemen, das zu Ir erfunden wurd, So soll derselb
verännderung un der that von uncrefften sein Unnd Sy nach
gestallt Irer verhanndlung gestrafft und den Khindern annder
vormunder gegeben werden.
Doch dieweil die kaiserlichen Recht ainen Jeden oberkhait in
sonnderhait auflegen gefliessen und sorgfeltig zusein, damit die
Irrungen unerzogner weisel und Ire gueter mit gerhaben aufs best
versorgt, und versechen werden, So soll die zuelassung der
gesibten gerhaben zuerkhanntnuß und bewilligung der ordenlichen
oberkhait steen, und sich der vormundschafft von Sibt wegen,
aigens fürnemens niemannd unnderziechen, sonnder
| Seite 82r|
die mueter und wo die nit im leben wär, die negsten Sibt freundt,
solhen bey verlierung der Erbschafft so Inen oder Ir yeden mit,
der zeit von den Khindern zuesteen mocht, schuldig sein, den
Todfall, des abgestorbenen vatters oder Enndlens usw. der
oberkhait in ainem monat dem negsten nach dem abgestorben
anzaigen und zubegeren die unmundigen Khind mit gerhaben
zuversechen, Ist dann die mueter aines Erlichen wesens und zu
sölcher gerhabschafft wie negst hievor gemellt, teuglich So soll
Sy Ir, oder wo Sy sich des nit beladen wollt, allß Sy dann woll
thuen mag anndern negst gesibten Freundten ainem zwaien oder mer
die darzue geschickht sein, und die man on grossen Costen gehaben
mag, bevolhen werden, dieselben Sibt freundt, Sollen allsdann
sölhe vormundtschafft in albeg annemen, Und sich der anderst dann
auß Redlichen Ursachen der etlich hernach auch gesetzt seind, nit
entslachen noch entschuldigen mugen.
Oder wo Ir ain gesibter freundt die gerhabschafft aus zuegeben der
Recht an sich zunemen und gerhab zu sein vermainte, der mit
Armuet beladen, oder sonnst aines sölchen wesens, daß sich
vertueung und verschwennttung der guetter
| Seite 82v| bei Ime
zuebesorgen oder annder verhinderung wär der soll (alls sich dann
nach Ordnung der Recht auch geburt) genuegsamb purgschafft und
vergwissunngen thuen, daß Er den Khindern Ir hab und guet
unertheinlich und on abganng und schmellerung Innhaben, und
bewaren, und zu seiner zeit derhalben aufrichtiger unnd Erberiger
Rechnung betzallung und uberannt worttung Auch alles annderß so
ainem getreuen gerhaben, von Recht oder gewonnhait zurechnen
zuegehört und wie zum taill hernach gemellt ist, thuen und
hanndlen welle, Sonnst und wo er das nit thät, oder thuen mocht,
So soll Er zu der gerhabschafft khains wegs zuegelassen
werden.
Ob aber khain gesibter freundt in nachent oder verhannden, oder die
so gesibt und zugegen darzue nit teuglich wärn, oder sich auß
Redlicher ursachen der gerhabschafft enntslagen und entschuldigt
hett So sollen sich unnsere Phleger Richter und annder unnser
Ambtleut, die da Ire Ambter und oberkhait halb schuldig sind,
besunder Acht und aufsechen
| Seite 83r| zuhaben, das der
unversehnen waislen nit vergessen werd, mit allen fleiß bey den
freunden und Anndern wo Sy guet bedunckht erkhunden, und dann
nach genuegsamen erfarung und erkhuendigung bey Iren pflichten
und Ayden, Damit Sy unns alls herrn und Lanndtsfursten verwonndt
sind, sölch gerhabschafft ainem oder nach gstallt der sache mer
teuglichen gerhaben von oberkhait wegen bevelchen, dennen der
Khinder guet zuvertrauen, die den Khinden vor seind und das Irige
bewaren und zusamen hakten aufs best und treulixhist, alls Innen
muglich ist.
Und soll ain Jeder der zu gerhabschafft gesetzt erkiest und
furgenomen wirdt, zuvor und Ehe er sich ein mischt und der
gerhabschafft understeet, vor Gericht offenlich zu got mit
Aufgehobnen fingern, den nachvolgunden Aidt schweren, Unnd allso
mit Gerichts hannden zu der Gerhabschafft gelassen und eingesetzt
werden Eß wär dann ain Erb guet so schmall und
| Seite 83v|
khlainer urhlungen, daß den gerhaben sölch Aydt nachgelassen und
ain gemainer glub von In genomen wird, das soll zuerkhanntnus der
Oberkhait steen.
Ich "N" gelob und schwer zu got und den heilligen Ainen Aydt, das
ich meiner Phlegkhinder, der gerhabschafft ich Jetzt annimb, leib
und gueter liegende und farende, sambt und Jeden nutzungen davon
gefallend getreulich und Erberlich verwallten bewarn, und In
wesen behallten und die gueter wo Sy vorhin Inventirt und
aufgeschriben wären, aigentlich und wie sich geburt Inventiren
und beschreiben, und davon nichts zu aignem nutz dardurch den
Khindern Ir nutz gemindert oder geschmelert werden mocht,
verwennden, noch die ligenden gueter Zinnß Rännt und gült, an der
Oberkhait und des Khindes freundschafft wissen und willen
verwennden verkhauffen, oder besweren, das Ich auch dieselben
meine phlegkhinder und Ire gueter Recht und gerechtigkhait
Innerhalb und ausserhalb Rechtens vertretten veranntwurten und
meines pessten verstanndts alle offts not ist schutzen schermen
und hanndthaben auch zu geburlichen zeiten solher meiner
gerhabschafft halb Aufrichtige Redliche und volkhumene Rechnung
veranntwurten Unnd ob Ich in Rechnung Ichts schuldig wurd,
| Seite 84r| Erbare bezallung und ausrichtung thuen, Unnd den
Khindern Ir hab und guetter, sovill der In mein gwallt khumen
sind zu seinen zeitten treulich widerumb zuestellen und
uberantworten will, bey verpinnttung und verpfennttung aller
meiner Hab und guetter treulich und ungeverlich Alls war mir got
der Allmechtig hellff.
Es sollen auch die gelassen hab und guetter so schirst das mit fug
sein mag, und aufs lenngist in ainem monat dem negsten nach dem
alls man des Erbfalls ain khüntlich wissen empfacht, Inventirt,
oder doch aufs wenigist zu Inventiren und auf zeschreiben
emgefanngen, und zu furderlichisten, so es nach gelegenhait der
Erbschafft beschechen mag vollenndet, unnd dann den gerhaben
sambt ainem aufrichtigen und glaubwirdigen Besiglten oder
gepetschafften Inventarj zuegestelt, Unnd so die Erbschafft etwas
dapfer und nambhafft wär, oder so es gestallt der sachen sonnst
ervordern, und die Khinder frondschafft und oberkhait not und
guet bedunckhen wurde, So sollen den gerhaben gerhabschaffts
brief
| Seite 84v| Daruber geben, unnd Receß dagegen zu der
Khinder oder Irer Freunndt hannden genomen werden, dar Innen Sy
dj gerhaben vorbestimbter Irer verpflichtung, und verbindung
genuegsamlich verschreiben, Unnd solle sich khain gerhab, oder
vormunder, ainicherlay, gerhabschafft unnderwinden, oder etwas
dar Innen zuhanndln unndersteen, Er habe dann zuvor und Ehe uber
der Khinder gueter, ain sölch aufrichtig und formblich Inventarj,
gamcht, sonnst wär sein hanndlung unnpundig und zu nichte, Unnd
der gerhab steendt desshalben in der oberkhait straff, Eß soll
auch das Inventarj zwifach werden, Allso daß der gerhab ains hab,
und des annder den Khindern zu treuen hannden, bej der
Freundschafft, oder wo die nit verhannden wär, bej der oberkhait
sambt dem Receß hinder gelegt werden.
Vor allen dingen und zu vordrist sollen die gerhaben, bei den Aydt
den Sy geschworen haben, die Jungen Ire phlegkhinder, zu
gotsforcht gueten Tugenten und Erbern Sitten aufziechen, und nach
dem sich der Khinder vermugen erstreckht, zu Khunst und lerung
oder zu ainem hanndwerch warzue Sy dann gescickht sein, halten,
aber an der negsten Freund willen und wissen, sollen Sys nit
verheyraten noch ain annder weg weder zu got noch zu der welt
aussteuren oder beratten.
| Seite 85r|
Unnd in sonnderhait soll khain gerhab, sein phlegkhinder die Er
zubewaren und zubeschirmen hat, Im selbs oder seinen Khindern zu
der Ee vermächlen ausserhalb der Freundschafft, aller oder der
maisten taills, unnd sonnderlich der so darauß ains Ansechlichen
Erlichen wesens, gueten leumbds und glaubens sind, oder der
oberkhait willen und wissen, Angesechen, daß sölch heyrats in
gemainen Recht hässig, auch sittlicher gueter vernunfft wider
werttig sind, und seiten oder nimer on gevär oder betrug
geschechen.
Darzue soll auch der gerhab nit macht haben, seiner phlegkhinder
guet an sich zukhauffen, oder derselben phlegkhindern deß seinen
Ichts zukhauffen geben oder ainich geding pflicht oder zuesagen
von seinen phlegkhindern annemen, Ausserhalb der Freundschafft
willen, und der Oberkhait zuelassen und erkhanntnuß, wo es aber
beschäch, so soll es krafftloß und von unwerden sein, und der
gerhab in der oberkhait straff steen.
| Seite 85v|
Ligende gueter, desgleichen Rännt Zinß und Gullt der phlegkhinder
mugen noch sollen die gerhaben nit verkhauffen versetzen noch
veränndern ausserhalb der Freundtschafft willen, unnd erkhanntnuß
der Oberkhait, wie dann hievor in Irem Ayd auch begriffen
ist.
Wollen Sy aber Sylbergschir Bethgewanndt hausrath und annder
dergleichen varende Haabe, die vor verderben und abganng nit mag
behalten werden, verkhauffen, das mugen sy thuen ausserhalb
erkanntnuß der oberkhait, Unnd ist genueger so die freundschafft
darin verwilligt. Eß wär dann die Hab so Costlich und auf ain
mergkhlich ansechliche Suma zeachten, so soll Sy an Erkhanntnuß
der oberkhait auch nit veränndert werden.
Aber die anndern varende hab, so mit der zeit verderben oder vor
abganng nit mugen behallten werden, Allß wein Traidt Viche
Gwanndt, und annder sölch ding, mugen die gerhaben auch
unersuecht, der Freundschafft fur sich selb und Ambts halb wol
verkhauffen, doch sollen sj sich fleissent (was das ist) aufs
höchst und gewindlichist verkhaufft
| Seite 86r| werden, und
wie, auch wemb und was zeit solhes verkhaufft wirdet, daß sollen
Sy aignetlich aufschreiben damit Sys in Irer Rechnung zulegen und
anzuzeigen wissen.
Gleicher weiß sollen auch die phlegkhinder, fur sich selbs und
hinderter Iren gerhaben nit macht haben, sölhe Ier gueter Ligende
und farende, zuverkhauffen zuversetzen zuver wegseln oder in
annder weg zuveränndern, oder on willen der gerhaben von
Niemanndt gellt oder annders auf porg und wider gelten
zuentleichen, Wo es aber beschäche, So soll Innen, oder Iren
gerhaben, die veränndert hab mit sambt allen abgenumen nutzen und
fruchten durch die Jhenen, so sölcher maß mit den phlegkhindern
gehanndelt hetten, widerumb zuehannden gestellt und die hanndlung
oder der Contract in Im selbs von unwerden, und die phlegkhinder
daß empfanngen gellt bevorab so Sys unnutzlich verthan verspilt
| Seite 86v| verschlampt oder sonst liederlich on nutz
ausgeben hetten, widerumb zubezallen nit schuldig sein,
Ausgenomen Es wär den phlegkhindern zu nutz angelegt worden, So
sollen Sy dennocht auß Naturlichen pilligkhait sovill wider
bezallen alls wissentlich und khundlich in Iren nutz gewenndt
ist, wenn dieweill die gerhaben, den der Khinder leib und guet
zuverwaren, so hoch bevolhen ist, Irer phlegkhinder fur sich
selbst und annderst, dann jetzt vorgemellt ist, nit veränndern
noch verkhumern mugen, vil weniger sollen es die phlegkhinder
selbs (welche nach Irer Jugent halb khainer vernunfft und
leichtlich zuverfueren sind) zethuen, Unnd daß Jhenig darauf in
narung steet allso liederlich und on Eehaft ursach anzuwenden und
zuverkhumern macht haben.
Dieweil der vatter oder der Anherr vatters halben noch in leben und
zu der gerhabschafft oder verwaltung der Khinder person und
gueter, allß obgemelt, tauglich und geschickht ist, So bedurffen
dieselben Khinder khaines vormunders noch vogt, Angesehen daß der
vatter oder annherr seins Khindts von Khindts Khindt in seiner
gwallt hat.
| Seite 87r|
Aber anndern unmundigen Khindern die nit vater oder anherr haben,
oder der vater und anherr zu der gerhabschafft nit teuglich oder
geschickht sind den sollen Aus ainer not gerhaben und vormunder
die man zu Latein nent Tutores, gegeben werden dieselben Tutores
oder vormunder bleiben dann (sover Sy den Khindern anderst nutz
und wol fur Sy sind) in solher vormundschafft, biß die Khinder zu
Iren tagen khumen nemblich so lanng untzt die Khnaben 14 Jar, und
werden die maidlein 12 Jare alt, und nach ausganng derselben zeit
sollen Sy den verganngen gerhab oder vormundschafft halb
rechnungthuen und furter oder dannen hin Curatores das ist
versorger sein biß die 25 und "n" Jar erfüllt haben, allsdann
mugen Sy durch geburlich und entlich Rechnung gar abschaiden Unnd
Irer Curation oder versorgnuß abtretten und muessig sein, Eß
wurde dann die Khinder ains oder mer vor der zeit zu geistlichen
oder weltlichen Stanndt bestät und ausgetteurt, das soll von
solher versorgnuß ledig und in die Curatores alsdann auch
Rechnung zu thuen schuldig sein.
Ausgenomen ob dem beheyraten Khnaben oder Jungling haushabung und
verwaltung seines guets noch nit zu vertrauen wär, der bleibt
nicht destminder den vögten, biß zu völliger zeit alls obgemellt
ist.
| Seite 87v| Curatores das sind versorger oder vögt die sollen
gleich wie von den gerhaben oder Tutores vorgemelt ist den Knaben
die uber 14 Jar desgleichs den Töchtern und maidlen die uber 12
Jar allt sind, Inmassen negst hivor gemellt ist, gebetten und
gegeben werden.
Item Stumen Toren ungehörend und die so Irer vernunfft beraubt
sind, die sollen unnder versorgern oder vogten, leben, biß Sy deß
mangels ledig werden,und widerumb zu gueter vernunfft khumen.
Welhe Ir guet schendlich und unutzlich verthuent, verzeren
verschlemen verspillen und verschwenten und solhs Ires verthans
und verschwennten kain Ennd noch maß haben, Sy sein Allt oder
Jung Inner oder ausser der Ee, die sollen bevogt werden und in
sonnderhait so Sy ab oder aufsteigender Linj
Weibs pilder die nit Eemannen haben, Sy sein Jung oder allt, sollen
in guettigen und ansechlichen sachen, alls in Rechtfertigungen
desgleichs in verkhauffen und verkhauffen ligender stuckh und
gueter vogt und Anweiser haben, sonnst ist Ir Hanndlung von
unwerden und unbundig, Aber Ausserhalb gerichts yebungen und in
Anndern gering schätzigen Sachen, sollen Sy mit vögten oder
anweiser wider Iren willen nit beladen werden.
| Seite 88r|
Unnd sollen die Curatores oder versorger und vogt, auch pflicht und
ayd thuen, Inventaria machen Burgschafft geben, und der minder
Järigen personnen und gueter aufs treulichist verwaren, und
versorgen, auch annderst dann den gerhaben und vormundern
zugelassen ist, davon nichts veränndern noch verkhumern, Unnd
sonnst oder gemainiclich alles und jedes, denselben zu nutz und
frembden hannden, alls von den gerhaben obgemellt ist.
Zue gleicher weiß, Sollen auch dieselben minder Jarigen, all
dieweill Sy under den vogten und versorgern sind, on willen und
wissen derselben Irer vogt nichts verkhauffen versetzen oder in
annder weg veränndern noch zuverkhauffen zuverkhumern oder
zuveränndern oder hinder Iren vogten und versorgern gellt oder
annders auf bit oder porg zuentnemen macht haben. Und wo es aber
geschäche, So sollen sölch Ir hanndlung und Contract, in alweg
uncrefftig und dieselben minder Järigen oder Ire versorger daß
entlehnt gelt oder guet wider zugeben nit schuldig sein, Aller
massen alls oben von den begerhabten Khindern auch gemellt
ist.
| Seite 88v|
So der oberkhait ynndert, Eß wär durch die freund oder annder
frömbd person, glublich furpracht und anzaigt wurd, das gerhaben
oder versorger Ire gerhabschafft und versorgnuß nit Redlich unnd
alls sich geburt auß warttenden, sonndern den Khindern bevogten
personnen zu nachtail unnd verdhächtlich hanndlen So sollen
dieselben gerhaben oder versorger entsetzt und umb Ir verprechung
gestrafft, Unnd dann so die obgestannden geburlich Rechnung und
uberantwurttung gethan haben, den unmundigen und minder Järigen
annder gerhaben oder vogt gesetzt werden.
Sollen die Gerhaben und versorger, der unmundigen und minder
Järigen zum wenigisten all Jar ain mall zu geburlicher zeit, unnd
die versorger der verschwenntter und gebrechlichen person, sover
sich der verschwenntter nit Ee zu geburlichen wesen schickht,
oder die gebrechlichen personnen, nit widerumb zu Irer vernunfft
oder gesundt khumen, allso daß Sy Iren sachen selbs vor sein
mugen, albeg zu dreyen Jaren ain ganntze volkhumene und
aufrichtige Rechnung thuen.
| Seite 89r| Priester Ordensleut und annder Geistlich person denen
gerhabschafft auf sich zunemen in Rechten verbotten ist, sollen
und mugen nit gerhaben sein.
Welhe in Steten oder anndern gemainden der gemain zu nutz mit
Ambtern beladen ist, die mag sich der gerhabschafft
enntschuldigen, es wurde dann durch die oberkhait ain annders
erkhenndt.
Desgleichs so ainer vorhin mit zwayen gerhabschafften beladen wär,
der ist nit schuldig die drit auch anzenemen.
Blind, ungehörent, Stumen und die so zu vill Jung, oder gar zu allt
wären, desgleichs Petrisig und die sonnst mit Lanngwiriger
Khranckhait beladen, die sein nit allain entschuldigt sonnder
mugen auch gerhabschafft oder versorgung nit annemen, ob sie
gleich begerten.
Desgleichs so ainer mit weilend der Khinder vatter und mueter oder
Anherrn etc. in Feindschafft oder mergkhlichen unwillen
gestannden, und vor Irem abganng mit In nit veraint noch
vertragen war, der soll auch zu gerhab oder versorger nit genomen
werden.
| Seite 89v|
Personnen, die Irer gewerb oder, Ambter halb vill und wait zu
reisen haben, und sellten anhaimisch sein, mugen entschuldigt
sein.
Und was anndern dergleichen ursachen mer sind, allß Armuet, ville
der Khinder, alls da ainer vier Khinder oder mer het, und annders
damit sich jemand entschuldigen möcht oder wolt, das soll steen
zuerkhanntnuß der Oberkhait.
Sonnst und ausserhalb Redlicher gegrunder ursach, soll sich
niemannd gerhabschafft oder versorgung anzunemen enntschuldigen
mugen, wen alls gern ain jeder het, daß seine Khlaine und
unerzogne oder prechenhafftgs Khind wo er die verließ, woll
versorgt und versechen wurden, Alls gern soll Er auch ainen
anndern in dem fall seine gerhaben hellffen hinbringen und
erziechen.
Unnd so Jemanndt der gerhabschafft oder versorgung Annimbt Spruch
oder vordrung, Es sey schulden oder annder ding halben, zu den
Khindern oder
| Seite 90r| bevogtpern personnen Unnd Iren
Elltern zehaben vermaint, die Er versechlich wol weiß der soll
dieselben zu der zeit der Annemung sölcher gerhabschafft oder
versorgung melden, Sonnst mag ers hinach nit mer vordern oder
suechen Unnd ist Ime dieselb sein Ansprach dernach und furpasser
durch sein Stillschweigen und annemung der vormundschafft genntz
und gar Erloschen.
Gerhabschafft Ennden sich Regulariter gegen den Sunen so Sy khumen
uber 14 Jar, unnd gegen Töchtern nach 12 Jaren Ires allters, allß
obgemelt ist, durch das sich die mueter widerumb vermächlt,
enndet sich Ir gerhabschafft.
Durch absterben des gerhaben endet sich sein gerhabschafft, dann
vormundschafft erstreckht sich nit auf die Erben.
Enndt sich auch durch verännderung deß wesens oder der sitten des
gerhaben, alls da der gerhab ain verthuer oder verschwentter
seiner guetter wurd, oder sich sonnst in leichtfertig und
zenichtig sachen gab.
| Seite 90v|
So dem gerhaben sinlosigkhait oder annder mercklich leibs
khranckhait zuefill Allso daß er der gerhabschafft nit mer möcht,
oder darzue unteuglich wurd, enndet sich sein gerhabschafft. Und
wie der von gerhabschafft yetzt gemellt ist, Allso und auß
gleichen ursachen, enndet sich auch des Curatores, das ist des
versorgers oder vogts Ambt, doch mit, unnderschid der
Jarzall.
Unnd zu gleich wie von denen so unnder gerhaben oder versorgern
geriegiert werden, gesagt ist, Allso sollen auch khinder, Es
seyen Knaben oder Töchter die noch unnder Ires vattern gwallt,
und nit Inn aigner haushaltung sind nit gwallt noch macht haben
ychts zuveränndern zuverschenckhen zuvergeben oder mitt
zenichtigen sachen alls Spill und lueder leichtfertigen weibern
oder anndern dergleichen unnutzen dingen zuverthuen an des
vatters willen, wie das hieruber geschache, So soll dem
| Seite 91r| vatter dasselb veränndert und enntwent guet on
enntgeltnuß widerkhert, Unnd der oder die Jhenen so es den
entgelt Khindern allso abgenomen hetten, nach erkhanntnuß und
notturfft darzue gestrafft werden. Es soll auch sölchen Khindern
alls lanng sy unnder Ires vatters gwalt sind, wie obstet kain
gellt noch war oder werd, auf wider zaln gelichen noch auf porg
ausserhalb deß vatters willen zekhauffen geben, werden, oder wo
das geschach, So ist weder der vatter noch das Khindt ob er
gleich nachmal bey des vaters leben oder nach sei absterben eigne
haushaltung uber khäm, daß Jhenig so sölchen Khindern hieruber
geliechen oder zekhauffen geben het, oder wär zubezallen nit
schuldig Eß wär dann dem vattern zu nutz khumen, oder es möcht
der glaubiger beweisen und mit gueter Khundschafft darbringen,
Das solch leichen oder verkhauffen auß vernunfftigen Erlicher und
Eehaffter ursach beschechen wär, oder daß der Sone mit willen und
wissen seinß vatters ain offen gwerb oder Hanndl fuerten, Unnd
Ime dieselben seins Hanndls oder gewerbs halben yemanndts Ime
seine Erben doch auch nur alls weit sich der Hanndl oder das
gewerb erstreckht zuebezallen schuldig, Aber der Sun so den
Hanndl fuert und den Contract than hat, ist fur
| Seite 91v|
sein person, Wann er auß des vatters gwallt khumbt die völlig
Summa zubezallen schuldig Es erstreckht sich der hanndl oder das
gwerb so weit oder nit.
Der zehend groß und khlain, auch der may zehendt Sollen wie von
Allter her geraicht und gegeben werden, Was aber fur unpillich
Neuerung dar Innen angezaigt mugen werden, die wellen wir auf
verrer lauter und gegrundt antzaigen unnser unnderthannen
genedegclich abschaffen.
Es sollen auch die so zehendt haben und dieselben auf Ir zehendthof
und Kasten zusamen pringen und Samein lassen den zehendt leutn zu
Irer hauß notturfft wo Sy das begern, den Traidt Ainletzig metzen
weiß zegeben wie der zu yeder zeit sonnst zu faillen khauffet,
und an ortten, da der annder zehendt gegeben wirdt Sollen die
Innhaber der zehenthöf, wo die von allter her zu gemainen prauch
der nachtperschafft der Ennden ain Bschellen Stier Schweinpern
gehalten, oder den underthanen annders dagegen gethan haben,
solhs gleicherweiß hinfuran auch halten unnd thuen.
| Seite 92r|
Aber von den Newer pruchen, soll erst anch dem dritten Jar die
zehendt gegeben werden.
Der Leibeigenschafft und Todtfäll halben Sol es bey dem Alten
Ludwigs Hertzog von Bayern etc. vertrag beleiben der dann vermag,
daß er damitt gehallten werden soll wie von allter herkhomen ist.
Doch so soll nyemands von neuen khain leib aigenschafft und
Todtfäll, auf den leuten und guetern, darauf die vor nit gewesen
sein, auf zu bringen, macht haben. Wo uns ainicher sölch Neuerung
grundlich angezaigt wird wollen wir die auch genedigclich
abschaffen.
Die paurecht und freystifften Sollen auch bej allten herkhumen
beleiben, wo aber ain unnderthan dar Innen wider Allt herkhomen
beschwerdt und unnß daß Lautter angetzaigt wirdet, wellen wir dar
Innen auch geburlich wenndung verschaffen.
| Seite 92v| Betreffent der höcherung der Zinß und uberdiennst Ist
durch unnß und die Stenndt unnser Landtschafft beslossen, und
furgenomen, daß ain yeder der mit ainer unpillichen höcherung
aines zinß beschwerdt wirdet, und allß Lanndsfursten solch
beschwärung wirdet lauter angezaigt söll von wem und wie sölch
höcherung auf das guet khomen ist, Allsdann wellen wir nach
verhör der grunndtherrn, und Erfarung der sachen und des guets
gelegenhait die pilligkhait verschaffen.
Wo dann ain guet von Alter her so groß uberdiennst und durch den
holden nit verursacht wär, sonnder daß sölhs durch annder
zuefall, alls gewässer Plaikhen oder annders sich begeben hett,
unnd durch den grundtherren dar Innen nit einsechung bescheche,
So wellen wir alls Lanndsfursten auf daß beschwärts Anbringen,
deshalben Bschaw verordnen und nach gehaltner Bschaw nach
zimblichen dingen in dem diennst mässigung thuen.
Item die zinß der gueter, darauf die Innhaber verschriben oder
Lanng hergebracht gerechtigkhaiten haben, Sollen durch die
Grundtherren nit gestaigert werden.
| Seite 93r|
Herwiderumb, So soll auch in der Grundtherren macht wollsteen, So
ain guet darauf der Innhaber nichts dann freye Stifft oder freye
urbargerechtigkhait oder Leibgeding gehabt, fellig oder ledig
wirdt, dasselb furter so hoch er mag zuverlassen Unnd den Zinß
seiner gelegenhait nach zu mindern und zumeren.
Item wo mit der zeit ainicherlay uberzinß auf die gueter khumen
wärn, Allso das die Innhaber der gueter zu zeiten aus Armuet oder
sonnst auß uberzinß darauf verkhaufft hetten, So soll dem
Innhaber aines jeden guets die losung solhs uberzinß nochmallß
bevorsteen, nemblich umb daß gellt wie solher uberzinß verkhaufft
ist, oder wo die Khauf Suma nit bewisst wär, Allsdann nach dem
gemainen Anslag, wie ain pfundt gelts sonnst verkhaufft
wirdet.
Damit unnser unnderthanen in disem fall von khunnfftiger
beschwärung auch verhiet werden, So haben wir unnß mit den
Stennden unnser Lanndschafft vergleicht und entslossen
| Seite 93v| daß hinfuran dise maß, hier Innen gehallten
werden, nemblich so soll ain jeder von ainem guet oder aines
grundt darauf von Allter herr sölch schreib phening und Stifft
wein ligen hinfuran seinem grundtherrn zugeben schuldig sein,
nemblich zu schreibgellt zwen phening und fur den Stifft wein 20
phening und daruber nit.
Wo aber bisher von den guetern und grundten für den Stifft wein nur
16 Phening oder weniger genomen worden ist, dabej soll es
hinfuran auch beleiben.
Was dann Sölheuser sein die von Allter her der gleichen Stifft
Tringkhgellt gegeben haben, davon soll hinfuran für solch Stifft
Tringkhgellt Acht phening gegeben werden.
Die Anleiten sollen hinfuran ungevärlich wie bisher, unns und
anndern grundtherrn durch unnser und Ir Urbarleut holden und
hindersassen von den fälligen guetern und grunnten geraicht, doch
so sollen solch Anlaiten durch unnser hofmaister und Officir,
auch die anndern
| Seite 94r| Gruntherren und Ir Ambtleut nach
Erbern zimblichen dingen getädingt und genomen werden, damit sich
die unnderthannen unbillicher Neuerung und schätzung dar Inn nit
zuclagen haben.
wo auch furter yemannds durch unnser Officir oder annder grundherrn
und Ir Ambtleut, in den Anlaitn wider pilligkhait beschwert
wurden, so wellen wir alls Lanndsfursten durch unns oder unnser
Stathallter und Rathe zu yeder zeit auf des beschwerten
ersuechen, dar Innen gnedige einsechung und mässigung thuen.
Alls sich aber unnser urbarleut der nach anlaitten so unnser Brobst
und Ambtleut an etlichen Ortten bisher gehabt Beschwärt haben,
wiewol in betädigung unnser anlaitten, solch unnser anlaittn
solch unnser Bröbst und Ambtleut noch Anlaittn durch unnsern
hofmaister und Officir albeg bedacht und fur unnser Anlaitt umb
sovill weniger genomen, Auch solhes also von Allter her ye und
albeg gehalten worden und khain Neuerung ist, nicht destminder
khunnftig Irrung und beschwerung so zu zeiten auß sölher zwifache
Raichung der Anlaittn erfolgt ist, wellen wir khunfftigclich
verordnen und daran sein
| Seite 94v| Das unnser Anlaydt, auch
unnser brobst und Ambtleut nach anlayt bedt miteinannder hinfuran
durch unnser hofmaister und Officier von merer Richtigkhait wegen
in ainem Anlayt doch nach pillichen zimblichen dingen umb sovill
desthöcher gedaydingt und genomen werden sollen, aus derselben
Anlayt soll Allsdann unnsern Bröbsten, und Ambtleuten der halb
oder drittail darnach die nach anlayt an jeden ort gebreuchig
gewesen ist, zusteen und verfolgen.
Eß soll auch in den fälen, unnser urbarsleut hinfuran allso
gehalten werden wann Ain urbarsman mit Todt abget, So sollen
seine Khinder oder negst Erben all miteinannder fur sölchen fall
schuldig sein Am Anlayt.
Unnd so sich dieselben vor der Ersten und negsten Stifft ainer
person die durch ubergab Ir der Erben urbarsgerechtigkhaiten ab
daß ganntz urbar khumbt miteinannder vergleichen, Unnd allso zwen
fall zweier Anlaitn durch sölch ubergab und verännderung aines
urbar guets, oder Anndern guets halben in der Ersten Stifft
miteinannder furkhumen, So soll hinfuran fur solchen anndern fall
in der Ersten stifft nur halbe anlait genomen werde.
| Seite 95r|
Wo sich aber die Khinder oder Erben von der ersten Stifft aines
Innhabers, dem Sy Ir taill ubergeben oder verkhauffen nit
vergleichen, sonnder Ainen von Ir aller wegen auf daß guet
setzen, So soll Er bej der Ersten Anait Allain bleiben Unnd
allsdann ainer aus Inen unverzigen der anndern in das urbar
geschriben werden.
Unnd so sich dieselben Erben nachvolgend uber khurtz oder Lanng
aines Innhabers vergleichen oder sonnst durch todtfall verkhaufft
oder ubergab aines oder Ir Ir mer, oder Ir aller taill veränndert
werden, So sollen allain der oder die taill damit sich allso die
verännderung begibt, geanlayt werden, Auch nit umb mer oder
höcher, dann sovill sich auch der Ersten ganntzen Anlait auf ain
taill geburt.
Eß sollen auch all annder grundherren dise maß gegen Iren Urbar
leuten holden und Hindersassen, allso halten, doch welhe
Grundtherren gegen Iren urbar leuten, holden und Hindersassen der
Anlayten in zwifacher fäll wie obsteet, bisher nit in gebrauch
gewesen sein, Sonnder allain ain Ablaydt von den Erben samentlich
und den Besitzer dem Sy Ir gerechtigkhaiten verrer verkhauffen
und ubergeben in den Ersten Stifft genomen haben, dabej soll es
hinfuran auch bleiben unnd die unnderthannen von neuem damit nit
beschwert werden.
| Seite 95v|
Item fur ain Trag gelt soll hinfuran in unnserem und unnsers
Stiffts Brobsteien und Ambdern nur 4 krz geben werden, Es sollen
auch solch traggellt nit nach der menig der Erben, sonnder nach
menig der fall Auch so der Erben mer sein von Inen allen nur ain
traggellt gegeben werden.
Von den Einschreiben unnser urbarleut in unnser urbar, haben unnser
hofmaister hofschreiber und annder unnser Officier von Allter her
fur Ir gerechtigkhait ain schreibgellt gehabt, und bisher von den
urbarleuten genomen, Solch einschreibgellt, dieweil daß khaine
Neuerung ist, soll bemelten unnsern Officiern durch unnser
urbarleut hinfuran auch gegeben werden, doch allain nach menig
der fäll, und Anaytten Auch der gueter und grundt die Ir
unnderschidlich diennst In den urbarn haben Unnd nit nach menig
der Erben Allso, wann der Erben zu ainem urbarguet oder grundt,
mer dann ainer sein, und ob gleich Ir yeder in das Urbar
geschriben wirdet, So sollen doch all miteinannder vor aim fall
aines guets oder anndern grundten, der sein underschidlichen
diennst in den Urbar hat.
| Seite 96r| Nur ain einschreibgellt
geben, der ist nemblich In unnsern Brobsteyen im Zillerstal und
Brixntall neun khreuzer, und sonst in allen anndern Brobsteyen
und Ambtern Acht khreutzer, Eß soll auch von anndern grundherren
die das Einschreibgellts bej Iren urbar bisher auch in gebrauch
gewesen sein, die Ordnung wie obsteet gehallten doch soll sölch
schreibgellt bej der Suma wie der ain Jeder in gebrauch ist
beleiben.
Des willen gellt halben soll es hinfuran allso gehallten werden,
Nemblich wann sich begibt das ain urbarsman oder ain annder
hindersass unnß oder anndern grundtherren zuegehörig, zu zeiten
unvogtper Khinder hinder sein verlässt, die dem guet nit vorsein
mugen, desgleichen wann ainer mer gueter hat, und die selben mit
aigen Ruckhen selbst nit besitzen mag, und deshalb sölch gueter
mit unnsern Brobst und Ambtleut oder annder grundtherren
bewilligung, auf ain Anzall Jare ainem anndern Bstanndweisse
verlassen, oder wo Ir zuzeitten ain urbars man oder annder
Hindersaß, durch Kranckhait prunst, gewässer, oder Schauer in
Armuet khumbt und seiner notturfft nach ain Stuckh an seinem
urbar oder anndern guet das er mit dem wenigisten nahtlay empern
mög, Auf ain Anzall Jar und auf widerlosung versetzen will und
mueß dar Inn doch unnser Bröbst und Ambtleut alltzeit Ire guette
Erfarung haben, auch solch verlassung
| Seite 96v| Unnd
verphennttung der gueter und grundt ausserhalb oberzellter
ursachen, und Eehafft khain wegs gestatten sollen, So sollen
unnser Bröbst und Ambtleut Auch annder grundtherren, So Sy In ain
sölhe verlassung und verphennttung bewilligen, von sölhen Iren
willen ungevärlich, auf funff Jar auch fur das Sigl und den brief
so daruber aufgericht wirdet, ain glden oder ain phundt phening
nemen, Und nit mer, wären dann der Jar weniger oder ain urbarguet
oder grundt, so slecht und ain khlain werdt, So soll der
urbarsman oder Hindersaß dar Innen mit ainer Ringerung nach
zimblichen dingen bedacht werden.
Sollen auch wie von allter her gegeben und aufgericht werden, Unnd
wo aber ain unnderthan uber das so die urbar Schmaltz und Kaß
Register vermögen, durch unnser Brobst und Ambtleut oder durch
annder Grundtherrn oder Ir Ambtleut oder durch annder und dienner
in einbringung sölher schmaltz und Khäß diennst mit unpillicher
neuerung, bisher beschwert worden war, oder noch beschwert wurde,
dar Innen wellen wir auf der beschwerten ersuechen, und sein
anzaigen von wemb und wie er beschwert wirdet, Ernnstlich und
genedig einsechen haben.
| Seite 97r|
Damit die unnderthannen auf Ir Anlanngen auch gnedigen willen hier
Innen empfinden, So haben wir unns mit den Stennden unnser
Lanndschafft biß auf unnser verrer wolgefallen enntslossen das
aber unnsern und anndern grundtherren, Cästen im Lannde, unnsern
und Iren underthannen zu Irer hausnotturfft, den Traidt Ainletzig
sover Sy den sonnst zu faillem Khauff nit funden khunen in ainem
zimblichen Anslag gegeben, werden soll, wo auch wir zu zeiten
unnsern Ambtleuten unnsern Traydt miteinannder in Anslegen
gegeben wurden, So soll dannacht sölhen Anslegen vorbehalten und
ausgedingt werden, wo nyemanndt unnser urbar leut aines Traidts
zu hauß notturfft bedurffen wurde, daß alsdann die Ambtleut Inen
sölch Traid, nemblich den schwären ain metzen umb ain Kreuzer und
den Ringern ain metzen umb 2 Glden und nit höcher uber den Anslag
so ain Ambtman yederzeit von unnß haben wirdet, zugeben auch
schuldig sein sollt, doch sollen die unnderthannen solch getraidt
allain zu hausnotturfft brauchen, und khainen fur Khauf damit
treiben.
| Seite 97v|
Nachdem unns auch angelangt und von unnsern unnderthannen
beschwärung weiß furkhumen ist, daß Sy in aufrichtung der
brieflichen urkhunden mit uberflussigem Sigl und schreibgellt in
manigerlaj waß bisher ubernomen und beschwerdt worden seind So
haben wir darauf mit Rat und verwilligung unnser Lanndschafft
denselben unnsern unnderthannen zu gnaden sölch sigl und
schreibgelt gemässigt, und wie furanhin zunemen und zugeben
gesetzt, wie volgt. Von ains jeden brief der umb ain Sach
aufgericht wird die funffzig glden oder daruber antrifft und der
notturfft nach auf pergamen geschriben werden mueß, Es sein
Khaufbrief, heyratbrief,Lehenbrief, vertrag, ubergab, verzicht,
Receß oder annders, mag ain phundt phening oder so die sach
weniger allß 50 glden antrifft, Sechs schilling Siglgeltt und 15
Kzer schreibgellt genomen werden. Und von ainem papieren brief,
fur das Sigl vier s. phening und fur das schreib gellt Acht oder
zechen Krz danach der schrift vil sein mueß, Unnd sollen die
unnderthannen hinfuran allain die nachvolgend brief Alls nemblich
umb Khauf, heyrath, verweisung, wexl, ubergab, austrag verzicht
und schulden aufzerichten schuldig sein, Sonnst soll es aller
annder brief halber der nach gelegnhait der fäll und Sachen nit
so gar not sein, zu Irem willen steen dieselben brief
aufzerichten und zunemen oder nit.
| Seite 98r|
Wo dann zu zeiten ain unnderthan umb khlain schulden gerhabschafft
oder annder Schlecht sachen auzerichten begert wurde, unnder der
gerichts obrigkhait oder der Grundtherren Petschafft, der soll
ainem yeden stat than und fur das petschafft betzallt werden 60
pf, was aber gar gering schätzig und schlecht Sachen sein, alls
schlecht quittung, Span oder Bstannd zetl, umb khlain ding, da
soll noch weniger und ungeverlich 6 oder 8 krzer fur das
petschafft und 3 oder 4 krzer doch nach gelegnhait der schrifft
schreiberlon gegeben, Unnd bej schwärer unnser straff, von
nyemand umb brief zu Sigl und zuschreiben, mer dann obgemellt
ist, genomen noch gegeben werden, An welchen Orten, aber von
Allter und bisher, durch die gerichts oberkhait, und unnser
Ambtleut, und annder grundtherren fur Sigl und schreibgellt, von
den Brieflichen urkhunden weniger, dann wie obstet genomen worden
ist, dabey soll es hinfuran auch bleiben, Unnd die unnderthannen
mit khainer Neuerung beschwert werden.
Item so ain unnderthan zu ainem guet zwen oder mer gerhaben
grundtherren het, unnd sich ain fall deshalben zutregt daß ain
Brief, aufgericht und Besiglt worden, So sollen sölher Brief
durch die grundtherren miteinannder Besiglt und Inen beden
miteinannder nur ain Sigl gellt betzallt werden, davon ainem
jeden sovil sich zu gleichen taill auf den Zins so er auf dem
guet oder grundt hat gebuert zuesteen soll.
| Seite 98v|
Item so ain Hindersaß von unns oder anndern grundtherrn zu ainem
guet etlich annder grundt hat, die unns oder ainem anndern
grundtherrn allain zuegehorig auch die unnderschidlich verzinst,
So sollen unnser Bröbst und Ambtleut auch die Grundherrn so sich
ain fall mit dem Innhaber begibt, sölh guet und die Ainletzigen
grundt doch unnderschidlich mit Iren namen und diennsten in ainem
brief khumen lassen, und der hindersaß nit schuldig sein umb ain
Jedes Stuckh ainen sonndern brief aufzurichten und zunemen.
Wo die notturfft eraischt oder der Richter von den Erben oder
freundten darzue berueffen und gebotten werden, yemannts gelassen
gueter zubeschreiben und zuinventieren, So soll man Ir ainem
Jeglichs tags alls Lanng Sy damit umbgeen zuesambt der zimblichen
Zerrung geben, 4 s pfening, und ainem Gerichtsgeschwornen,
desgleichs dem Gerichtsschuester geschwor-Gerichtsschreiber und
gerichts fronbotten Ir Sy darzue genomen wurden Ir jeden 60
phening und den gerichtsschreiber sein schreiberlon von dem
Inventarj zumachen vile der gschrifft besonnder.
| Seite 99r|
Unnd damit unns und anndern grundtherrn unnsere und Ire urbare
grundt und gueter dest weniger geschmelert oder veränndert und
verlorn werden, So sollen all Conträct und Hanndlung dieselben
guetter beruerend, Alls nemblich ubergaben, khauf, wexl
versetzung verunterpfennttung, Bstanndt die sich uber dreu Jar
erstreckhen,und annder dergleichen verännderung mit willen und
wissen unnser Ambtleut und der anndern grundherren beschechen,
Unnd die brief und verschreibung, mit derselben unnsern Ambtleut
oder der grundtherrn, oder Iren bevelchhaben, Besiglung
aufgericht und verferttigt werden, Sonnst oder wo, daz nit
beschechen, oder Annderst gehanndlt wurd, So soll es khain krafft
haben.
Gleicher weiß soll es auch mit den lehen guettern gehalten, und all
verschreibung und hanndlung dieselben guetter betreffenndt, mit
der Lehen herrn hanndt und Besiglung aufgericht und becrefftigt
| Seite 99v| werden, So der Lehen man seine Lehen gueter
verkhauffen verwexln, ubergeben versetzen oder in annder weg
veränndern, oder ainen zinß oder Ichts anndern darauf
verschreiben will, bey verwurckhung deß Lehens das der
Lehensbrief so sölhs nit bescheche darumb zu straff, wie Lebens
Recht ist beclagen und einziechen mag.
Aber uberkhauff heyrat verzicht Spruch, Taiding, vertrag, und
annder sachen, die sich zwischen den unnderthannen zezeiten
begeben, Unnd die Oberkhait oder Grundtherrschafft in sonnderhait
nichts betreffen noch angen, Mag ain Jeder Erber man der Sigl hat
an Irrung deß phlegers oder Richters wol Sigln, So man brief
darumben aufrichten will, doch unnß an unnsern oberkhaiten
unvergriffen Unnd daß unnsern phlegern Unnd Richtern die
Besiglung der sachen so vor Inen gehanndlt, oder sonnst Ire Ambt
beruerendt, damit nit enntzogen werden.
| Seite 100r| Unnd damit in besiglung und aufrichtung der Brief
destweniger gefar mug gebraucht, So soll khain brief durch ain
person geschriben und besiglt werden Allso das ainer ains briefs
Sigler und schreiber miteinannder sey, es Geschäch dann in
yemanndts aigner Sach.
Die Einfanng und hofstet sein bisher auf der Frey und gmain durch
unnser unnd unnser vorvordern gueter gedächtnuß hofmaister von
unnsern alls Lanndsfursten wegen, zu zeitn aus manngl der
herbergen, sonnderlichen an den Ortten da Perckhwerch sein auf
zufachen vergunnt worden.
Doch labeg mit wissen und zu zeiten auch auf furbeth der
Nachtperschafft derselben Ortt, das wellen wir hinfuran auch
thuen, Doch daneben bey unnserm hofmaister daran sein, daz sölhes
mit genuegsamer Erkhundigung und in sonndern nachtaill bescheche,
Unnd sonnderlich daß der nachtperschafft an Irem pluembesuech,
der sich die selben Sölheuser mit Irem Viche zu zeitn
ubermässigclich gebrauchen verschond
| Seite 100v| werde, dar
Innen wir dann so wie ersuecht werden gnädig wenndung verschaffen
wellen, Wo aber ainich einfänng an unnser oder unnser oder unnser
vorfordern bewilligung Innerhalb 20 Jaren beschechen wären,
diselben einfanng und Sölheusern wo unnß die anzaigt werden,
Sollen wir von Stundan abschaffen
Sollen von dem grundt und nit von dem Hauß geschriben und genumen,
Auch so es zuefällen khumbt, die Anlayt dem grundt zinß nach,
gegeben werden, So aber daß Hauß des grundtherrn aigen wirdet, So
mag er damit Hanndln seins gefallens.
So Jemanndt in unnserm Stifft sein Hauß und hof oder Ligennd stuckh
und guetter aigen oder Lehen oder sein paw oder Erbrecht und
gerechtigkhait auf solchen stuckhen unnd guettern, hingibt
| Seite 101r| Unnd ainem anndern verkhaufft So mugen des
verkhauffers zuegehörig person und freundt die im dritten grad
der Sibtzall deß gebluets oder nächner und nit von
schwagerschafft gefreundt seyn, denselben Khauf In Jar und tag
den negsten nach Dato des Khaufs Ob Sy wellen und umb das gellt
darumb der Khauf gemacht ist, an sich nemen, Unnd soll Im der
Khauffer sölhs Khauffs absteen und denselben an wider Redt und
unverhindert volgen lassen, doch daß der freundt oder Erb so
solchen Khauff an sich nemen will dem Khauffer die Khauff Sumen
oder was er dann daran bezallt, und ausgericht het, sambt dem
Leich Khauff, Siglgellt und anndern, was geburlicher weiß uber
die aufrichtung sölhes Khauffs geloffen ist, widerumb bezall und
zuesteen, und den khauffer Ob er sich gegen den verkhauffer umb
die Khauf Sumen oder ains taills derselben verschriben hett an
schaden hallt.
Unnd ob dem Khauffer zu bezallung der obgeretten Khauf Sumen, frist
und tag gegeben waren, die sollen den freundt sölcher losung und
annemung des Khaufs allain Inen selbs und umb Ir gellt und
niemandt anndern zu nutz oder gefallen thuen, Unnd ob es begert
wurd so sollen der Khauffer und verkhauffer Ir jeglicher mit
aufgebottnen fingern deshalb zu got und den Heilligen ainen
leiblichen Ayd schweren das Sj khain haimbliehen verstanndt part
oder gfar dar Innen gebraucht oder zubrauchen vorhaben.
| Seite 101v|
Es findt sich dann daruber das betrueglich darunntter gehanndelt
und der Khauffer unbillicherweiß von sein Khauff getrunngen wär,
so soll die Hanndlung krafftloß sein und dem Ersten Khauffer daß
verkhaufft guet sambt abtrag erlittner Cost und schaden
zuegestellt und die versprecher so uber solch Ir Aidt pflicht
allso mishanndlt hetten nach notturfft darumb gestrafft
werden.
Unnd wellicher sölch sein guet, das in unnserm Stifft unnd Lannd
gelegen ist, ainem anndern zekhauffen geben der soll des
Khauffers gewer und verstannd darumb sein und Ime den Khauff
gegen menigclich Inner und ausser Rechtens wie sich geburt
schermen.
| Seite 102r| Wenn ain Nachperschafft die annder auf wun und waidt
in Iren guetern oder anndern gemainen triben oder besonnder
personnen aneinannder nit Iren vichtrib uberfaren oder das vich
zuschaden geen lassen, So mag der dem schad geschiecht das
betretten vich durch den fronpoten oder wo er desselben so pallde
nit gehaben mocht durch Sy oder die seinen phenndten lassen und
einthuen oder weil Im der des das vich ist, solchen schaden
zubekhennen, ain annder pfanndt geben, das soll er nemen und der
dem das vich zugehört, soll desselb sein vich oder pfanndt in
dreyen tagen den negsten nach dem alls er sein wissen empfächt
ledigen, unnd sich mit dem gegentaill umb sein schaden der durch
gericht oder annder Erberleut besicht und beschaut werden soll,
vertragen. Wo er aber daß nit thät, und sölich gephenndt viche
uber das Er sein genuegsamb wissen hat, lenger steen lassen
wurdt, So mag der phenndter umb Recht anrueffen Unnd das
eingethan oder gephenndt viche umb den ubertrib und schaden wie
Recht ist beclagen, und waß in Recht fur denselben schaden
erkhenndt wirdt und gesprochen, das soll der dem das viche
zuegehört sambt abtrag Erlitner Cosst, und Recht schaden all
verrer auszug, mit parem gellt erlegen und bezallen oder wo das
nit bescheche, So soll dasselbig vich darumb verganndt oder
geschätzt und mit derselben Ganntung oder phennttung gefarn
werden alls sich mit abessennden pfannten zefarn geburt und Recht
ist. Wurde sich aber Jemanndt sölcher phanntung widern und den
fronpotten oder selb sacher oder seine botten kain pfanndt
hintreiben lassen, So mag das viche durch den Fronpotten dem
deshalb auf sein Aydtspflicht geglaubt soll werden, oder durch
zwen annder Erber man den zeglauben ist, obzelt, und der
oberkhait der Ennden das vich betretten ist, angezaigt, und
allsdann darauf wie yetztgemellt ist, verrer und biß zu enndt
gehanndlt werden.
| Seite 102v|
Welcher aber mit seinem viche, den anndern haimblich und bej
nächtlicher weil gefärlich uberetzt oder ubertrett der soll
denselben schaden zwifach zegeben und zuerstaten schuldig sein,
und darzue auch gegen der oberkhait in merer und höcher straff
steen, alls wann es beim tag beschäch.
Unnd damit ainer dem anndern mit sölchem uberetzen und Tretten
destweniger schaden thue So soll khainer Er sey wer er well, mer
vichs auf der gmainen Trib Albmen und Pluembgsuech slahen, oder
khern alls Er ungefarlich von seinem guet oder grunntten uber
winter fueren und aussbringen mag, Er het dann Ainer besondere
aigne waydt, Die soll Ime zuverlassen, oder annder wayd viche zu
Ime zuenemen, oder in annder weg seinem gefallen nach zubrauchen
unverbotten sein, und in sonnderhait soll man khain Bschell Roß,
uberrechter Stier, geschnitten und geblauen Ochsen, Unnd Nach
Sanndt Philips tag khain schwaig viche an die gemelten fraiperg
nit treiben, damit die Nachpern nit beschwärt und Irem haimviche
an den fürpergen destbaß wydt und narung gehaben mugen, welcher
aber das uberfert der soll darumb gestrafft werden.
| Seite 103r|
Unnd von ainem Jeden Haubt das er allso uberflusig treibt oder
aufkhert dem Richter 72 phening und den Nachtpern umb Iren
schaden verfallen, sein und welche mit Steuren Raisen und Anndern
nit mitleiden tragen, die sollen ainicher nit geniessen.
Es soll auch ain Jeder zu der zeit so der sehne Lanngfing abganngen
ist, seine schweine ringln und zu sannd Georgen tag darnach so
die zein hag und frid gemacht sein mit Chämppen, versechen, damit
Sy nit schaden thuen wellicher aber das nit that unnd Jemanndt
durch seine schwein daruber schad geschäch der soll dem
beschedigten seinen schaden wie vorgemellt ist, abzelegen und
darzue der Herschafft ain halb pfundt pfening unnachlassig
verfallen sein.
Es soll sich auch ain Jeder mit sölchen und anndern klain viche
zimblich und nach gelegenhait seiner grundt hallten, damit er den
Nachtpern nit beschwärlich und aufs wenigist damit schad sej. Wer
aber nit aignen trib, und grundt hat, dem soll man solich Viche
auf annder leut schaden zetreiben und zehallten gar nit
gestatten, Er Halldt es dan In seinem stall, menigclich an
schaden, Sonnst soll Ime zur straff das selb Viche genomen
werden.
| Seite 103v|
Mann soll auch niemanndt mit ungewondlichen wegen treiben und
förten an seinen grundten schaden thuen oder new und ungewondlich
trib umbfert uber seine grundt machen, bej der peen ain pfundt
pfening alls offt ainer damit betretten wird, und erstattung des
zuegefuegten schadens Aber gmainer weg und auffart mag sich ain
Jeder der erennden gethan hat gebrauchen deshalben sollen auch
dieselben gemainen aus und einfart in wesen gehallten, und durch
niemannds geverlich weiß verkhert vermacht oder in annder weg
ungeburlich weg veränndert werden. Welicher aber des thät, und
ain auffart die offen sein sollt, verslueg, der ist strafpar in
unnser Haubtmanschafft und ob Jemand seines versiagens oder
verännderns schaden genumen het, dem ist er schuldig denselben
schaden abzelegen, und die verslagen oder veränndert auffart
widerumb aufzethuen.
Dem gemäß ist auch der in unnser Haubtmanschafft hoch straffper der
unerlaubt, ain gmain einfächt, und auch schuldig denselbigen
einfanng widerumb aufzelassen.
Welcher einen pau zaun zemachen hat und den zu rechter zeit nit
macht, der ist dem Richter ain phundt und dem so schaden dardurch
beschechen wär umb seinen scaden verfallen.
| Seite 104r|
Gleicher weiß ist auch der umb ain pfundt phening und den
beschedigten umb seinen schaden verfallen, der ain anndern auf
ainer gruenen stat anewenndt oder sonnst zu ungewondlicher zeit
mit mist oder anndern daruber fert.
Aber im winter bej schne und Eyß mag ainer demnacht, mit mist Hey
und Strew und anndern Hausnotturfft zimblicher weiß faren, so er
annder weg nit het und das farn oder treiben allso von Alterher
Im prauch war, doch mit dem wenigisten schaden, Unnd das ainen
Jeden seine Zein, Hag und fridt dardurch unverletzt beleiben,
oder So Sy Inndert auffgeworffen und zerprochen wurden, das Sy
ime anschaden und enntgellt durch den Jhenen der sölches farn
oder treiben notturfftig ist, widerumb gemacht werden.
Das wasser so von der hoch vliessen, Soll Jeder underthan und
nachtper so oberer sitzt, in der rechten Runst Rinnen lassen,
damit sein der unnderer der notturfft nach auch geniessen mag, Es
wär dann ubrig wasser da, das mag der Ober dem unndern anschaden
woll brauchen.
| Seite 104v|
Item wo ain fliessend wasser Jemandt durch ainen grundt pricht Also
das der wasen desselben grundts zu beden seiten des wassers
demnacht ganntz bleibt und gesechen wirdet, So soll dem des der
grundt ist an seinem boden und aigenthumb nichts damit genumen
sein, Aber was das wasser yemanndt In grieß weis gibt, und
anschut, daß soll dem beleiben, und zuesteen, dem es angeschut
und gegeben ist.
Unnd was der gleichen gueter sitlicher satzung und gebreuch oder
polliceyen mer sind die zu gueter ainigung und fridlichen wesen,
der nachperschafft dienen, die sollen in massen Sy dann an ainem
Jeden Ort in brauch von allter Herkhumen sein und in den Eehafft
dätingen geruegt, und erkhenndt, bey geburlicher peen und straff,
sover Sy annderst Rechtmässig un der gegenn wurttigen unnser
Ordnung nit widerwertig sind, gehalten, und wider solich Allt
herkhumen mit unpillicher Neuerungen oder verännderungen
nyemanndt beschwert werden.
So haben wir auch hievor der walldt und Holtz halb wie es
allenthalben In unnserm Stifft zufurderung gemainen nutz, damit
gehallten soll werden, ain fürnemen gethan, und ain gmaine
Walldtordnung begriffen und
| Seite 105r| Aufrichten lassen,
dieselb Ordnung soll von menigclich in unnserm Stifft gehallten,
und durch unnsern waldmaister und vorst Khnechte, desgleichs
durch unnsere Phleger und Richter wie das dieselb unnser Ordnung
vermag Ernnstlich gehanndt habt und volzogen.
Damit derselben in aines Jeden verwesung nachgeganngen und gelebt,
und die walldt unzimblicher weiß mit Reutten schwenntten und
Prennen oder durch annder ungeburlich weg nit verwiest
werden.
Betreffenndt die Hanndwerchen und Hanndwerchs leut, Sollen nun
furanhin, all Ir zunfft und zuesamen ganng in ganntzem unnsern
Lanndt aufgehebt und verbotten sein und beleiben, In massen wie
dann hievor In unnser Statt Saltzburg auß beweglichen
Ansechlichen Ursachen unnd mit Rat unnserer Lanndtschafft, in
allen Hanndwerchen aufgehebt, und Abthan haben.
Allso das Sy unnder Innen selbs khainerlay zwanng haben, sonnder
unnsern phlegern Burgermaistern Stat und anndern unnsern Richtern
darunder Sy wonhafft sind, von unnsern wegen, alls Iren negsten
und Ordenlichen Obrigkhait unnder worffen, und wie annder
unnderthan, gehorsamb und gewärttig sein sollen, deshalben soll
sich kain Hanndwerch an erlaubnus der Obrigkhait mer Rotten oder
versamblen.
| Seite 105v|
Aber guete Ordnung mugen Sj demnach zwischen In furnemen, und
halten, Allso daß kainer der sein Hanndwerch zuversechen nit
genuegsamb oder geschickht wär oder darumb gelernt oder gediennt
hat, zu kainem maister weder umb gellt noch annder furschutz und
fürdrung willen soll angenomen werden.
Sy mugen auch bevorab in Stetten und an Ortten da der Hanndwercher
vil seindt, und Ersam zimblich pruederschaff haben, zu
unnderhaltung derselben Irer pruederschafften Zechmaister oder
Obman und zu notturfft des Hanndtwerch gschworn maister furnemen,
Unnd verordnen die Irer pruederschafft und hanndtwerch
ungevarlich notturfft und Sachen betrachten und hanndln und uber
die maister stuckh erkhennen, auch annders thuen und zethuen
macht haben, wie dann den Hanndtworch leutn in unnser Stat
Saltzburg deshalben durch unns maß und ordnung gegeben ist,
wellicher
Ordnung auch die Hanndtwerchen an anndern Ordten in unnserem Lanndt
zu sich pringen und sich derselben in dem fall gleich und gemäß
halten aber dawider nit thuen sollen.
Und ob Jemands seine Eeren von den hantwerchs genossen, oder
anndern angetzogen und beschuldigt wurd, das soll der ordenlichen
obrigkhait ausgetragen und niemanns solicher seiner Eeren oder
hantwerchs entsetzt oder dar an verhindert werden, Er sej dann
zuvor solcher beschuldigung genuegsamb und mit Rechten
uberwunden.
| Seite 106r|
Damit man auch dest mitt bessern hanndwerchern versechen und die
Stumpler und zenichtigen Arbaitter destmer Ausgereut werden, So
sollen die maister darob sein, und sich in allen hanndwerchen
befleissen, und darnach halten, das die ler Jungen wol, und mit
vleiß gelernt, Unnd ain Jeder derselben sein Ordenliche zeit
ausdiennen und sonnst nit gefurdert unnd zuvorab, das die
geschenckhten hanndwerch abgethan, unnd kainer darauf mer
zuegelassen werde.
Ob auch yemanndt von den Stennden unnserer Lanndtschafft ainicher
hanndwercher, alls Stain Metzen Maurer Maler schlosser Glaser
Tischler Zimmerleuth oder annderes zugeprauchen notturfft wurden
Unnd nit maister sonnder annder Eerlich geschickht gesellen die
umb das hanndwerch gelernt und ausgediennt haben, zu arbeitten Es
sei umb wochen oder Taglon oder auf furgeding bestellen wolten
den sollen die hanndwerchs gesellen an staigerung des Lons wie
Irn maistern zu Arbaiten schuldig sein Unnd die selben gesellen,
wer die zu Arbaiten bestellen wurde sollen von den maistern,
ungestrafft und unverhindert sein.
| Seite 106v|]
Daher möchten auch den hanndwerchen Lon gesetzt werden
Sover man Sy exdendieren wollt.Dequiby vide infra!
| Seite 110r|
[Zu den fehlenden Seite vgl. Spechtler, a.a.O.]
Hab Ich nur memiornall weiß etwas herhin zaichen lassen, mueß
erstlich durch die so das ding in ubung und praclich haben,
beratslagt, allsdann mag es auch exdendiert werden.
Wann ain vergleichnus wag und maß durchs ganntz Lannd fueglich
beschechen möcht wär guet, unnd das uberall ain gestrichen
maß, und ain gleich lanngs Elln wär, Ich besorg aber Es wer
Sich hart thuen lassen.
So hör Ich daß gwicht sey auch im Stifft nit uberall
gleich.
Tirolens multis opis absump serunt in hac Re sicitj ex eorum
ordinationes liquet et ad lanngude hac materia disponunt non
paucias etiam verbis.
| Seite 110v|
Dann von den Eehalten Tagwerchen und Hanndwerchen Besoldung
und lon ist in der Bayrischen Lannds Ordnung vill, auch
etwas in der Saltzburgischen Pollicej gesetzt die mugen fur
augen genomen werden, Ich weiß nit ob die Lonn votm Pirg und
im Pirg gleich sein mugen, so mueß man sich des mulwerchs
auch bej den geubten desselben Hanndtwerchs baß erfarn.
So findt sich auch das man sich beschwert der Teurn pfenwert, und
wär etlicher begert, das man die phenwert alle setzet und teurt,
Alls Nemblich Tuech, wein, Brot fleisch, Schmaltz, kaß etc. unnd
beclagt sich Jederman die Bauern geben Ire Pfenwert teur. Nun
sich Ich aber herwiderumb, das Sy auch all ding teur khauffen
muessen, Und wie Ichs Bedennckh mich pesser sein, man laß die
Sätz der klainen paurn ding und pfenbert underwegen und bleib bej
dem gemainen spruch: Rex tandum valet quantum venti potest. Aber
den wein auszeschennckhen möcht man gleich wol gschworn setzer In
allen gerichten verordnen, Unnd den weinschenckhen deshalben ain
mas geben, deucht mich auch not und guet. Unnd desgleichen auch
den peckhen und metzgern. Unnd wass sölcher und dergleichen ding
mer sein die vorhin muesen geratslagt und nach gelegenhait des
Lanndts bedacht werden.
| Seite 111r| Nachdem ain zeit her in unnserm Lanndt deß vichs
halben, mit vich halben mit furkhauffen etwo vil Irrungen
enntstuennden sein, dardurch daß viche in mergkhliche teurung
khumen, darauß dann auch unns und unnsern unnderthanen am fleisch
mit wenig mangl erscheinen ist, damit aber solch Teuerung
etc.
Das die Innlennder in annderen gerichten zu Irer hauß notturfft
auch ausserhalb der wochen märckht khauffen möchten, aber nit zu
dem furkhauff.
Die so in Stet und Märckhten in ainer Meil wegs gesessen seindt,
sollen das Irig gein Margkht bringen unnd desgleichen auch die so
den perckwerchen gesessen sindt.
Die so an den Confinen oder lanndt Grenitzen, und uber ain Meil von
den Stetten Märckhten oder Perckhwerchen sitzen mugen das Irige
den anstössenden nachtpern zubringen, was aber bej Inen zu hauß
gesuecht wirdt, das sollen Sy den Inlendischen vor den frömbden
in gleichem khauff lassen.
Die perckhwerchen sollen allenthalben im Lanndt nachend und fert
zukhauffen frej sein.
| Seite 111v|
Es sollen khain gast Lanndtman Innwonner noch Jemand anndern das
vaist vich Ochssen, Slach Rinder vaist saw und annder Schlch vich
auf dem gew und an den Stetten khauffen noch verkhauffen, sonnder
es soll alles zu den gewondlichen wochen und Jarmärgkhten
getriben, unnd daselbs khaufft und verkhaufft werden, doch soll
den metzgern in unnsern Stetten, Märckhten und auf dem Lanndt das
khauffen an den Stätten So vil Sy der zu pannckh offendlich
slahen und vermetzgern nit verpotten sin,Allso wo Sy sölchs vich
nit alles von stundan vermetz gern mugen, sonnder in die waid
slahen das Sy es allsdann weitter nit verkhauffen und auf dem
Lanndt vertreiben. Aber auf offen wochen und Jarmärkhten Soll
jedem mann dem gast Lanndtman und Inwonner solch Vich alles
zukhauffen oder zuverkhauffen unverpotten sein, doch nach
gestallt und gelegenhait aines jeden wochen oder märkhten
freyhait.
Es mag auch ain Jeder gast oder Lanndtman das mager viche zwischen
unnser lieben frauen lichtmessen und sanndt Jorgen tag, an den
Ställen oder auf den märkhten wol khauffen doch das derselb
khauffer sölch vichs selbs waide und nit wider an den Stall
verding, Auch auß unnsern Lanndt ausserhalb der wochen und
Jarmärkht nit vertreiben noch verkhauffen.
| Seite 112r|
wir wollen auch das solch geschribne Ordnung die vaisten und magern
vichs halben allenthalben strackhs gehallten werden, wo aber
ainer solch gebott uberfart und betretten wirdet derselb soll von
ainem jeden Haubtgrossen Rind viche, 1 Pfund phening und von dem
klainen Haubt Rind 60 pfening zu pueß verfallen sein, In
demselben soll der ain halbtaill unnserm lanndtshaubtman zu
Saltzburg und der Annder halb taill unnserm phleger und Richter,
in der gebiet sölch uberfarung beschechen ist, zuesteen und
Volgen, Und dem Gerichts Poten, desselben gerichts vom grossen
vich von Jedem haubt 24 Pfenning und von dem Khlainen viche 8
Pfening.
Doch sollen hier Innen ausgenomen sein, Prelaten Edlleut purger
oder Lanndsassen, der mug zu Irer hausnotturfft oder sovill ainer
zu seinem Hauß bedurfftig ist, vaist oder mager viche an den
Ställen woll khauffen Allso das Er solchs weitter aus unnserm
Lanndt nit verkhauffen.
Auch niemannds annder zu lieb Noch von pet wegen bestelt, Sonndern
das allain zu seiner Hausnotturfft verbrauchen.
Ain Jeder Lanndtman, Auch offen wirt und gast geb im Lannd
angesessen mag auch Khelber, Lember und annders klains vich Auch
hiever Ayr, kaß Schmaltz, obs und dergleichen
| Seite 112v|
Essende Pfenwerdt an den heusern und Stallen oder auf den wochen
unnd Jarmärgkhten, sovill ainem zu seinem haushaben not ist, woll
khauffen Jedoch khainen furkhauff damit treiben.
Es soll auch khain Kalb oder Lamp zuvermetzgern khaufft oder
verkhaufft werden, Es sej dann vier wochen volligclich woll allt,
bej verlierung desselben kalb oder Lamps.
Die metzger auss den Stetten und märgkhten unnsers Furstenthumbs so
allso den Hauffen schleg viche bestellen, und 10 khauffen des
willens, das in der Stat oder der Ennden da Sy ansäß sein
zuvermetzgern Sollen von unns oder der Stat oder von der gerichts
oberkhait daher Sy sein offen urkhundt und anzaigen haben, das Sy
sölch vich allain zuvermetzgern khauffen, und annders wo aus dem
Lanndt nit treiben oder verkhauffen wellen.
Nachdem auch zu zeiten in den metzger pennckhen unzeitigs
schadhaffts und unrains Vich geslächtigt ausgeben, und verbraucht
wirdet, daraus dann Khrannckhaiten, und annder nachtaill
zubesorgen ist, demnach haben wir zu furkhumung desselben,
furgenomen und geordent, das furan in allen unnsern Stetten und
märgkhten, auf dem Lanndt und da offen fleisch pennckh sein, kain
Viche gealagen oder abgestochen soll werden, Es sej denn durch
etlich verordent geschworn Bschawer die deshalben in den selben
Stetten und märgkhten, und auch auf dem Lanndt bej den dörffern
sollen furgenomen und Erwellt werden, lebendige auch so es
gealagen ist, nach notturfft beschaudt und recht erfunden, wurde
aber ainer hieruber Ainicherlay vich
| Seite 113r| Unbeschaudt
slachen und zuverkhochen hingeben den soll es durch sein gerichts
Oberkhait genomen, oder umb sovill gelts, alls eß werdt gewesen
ist, gestrafft werden.
All offen Kheife und fragner die unnsern Stetten und panmärgkhten
Aufm Lanndt angesessen sind mugen Huener, Ayr, laß, Schmaltz, obs
und annder dergleichen Essende pfenwerdt an den Heusern und offen
wochen oder Jarmärgkhten, In Ire Läden woll einkhauffen doch das
Sy solche pfenwert weiter auser dem Lanndt nit tragen noch
verfüren, Sonnder der Ennden da Sy Angesessen sindt in Iren Laden
oder auf den wochen märgkhten In unnserm Lanndt wie sich geburt
faill haben und verkhauffen. Desgleichen sollen auch die so auf
den Gränitzen sitzen aus unnsern Lanndt ausserhalb sölcher wochen
und Jarmargkht nicht verkhauffen noch hingeben. Es soll ainem
Jeden Er sey Gast oder Landtman auf den freien offen märgkhten im
Lanndt zuverkhauffen Auch sölhs weiter in oder aus dem Lanndt
zuetreiben und zuverkhauffen gestat werden doch soll niemanndt
weder durch sich selbs noch anndern mit den verkhauffen zuvor und
Ehe dieselben Ir vich und Pfennwert zu den offen wochen oder
Jarmärgkhten bringen, khain Abred Ainichs khauffs in Iren noch
anndern heusern oder auf dem velld und wegen besliessen noch
machen Sonnder alles vich und pfenwert
| Seite 113v| frej
unbestellt und unverleihkhaufft zu den offen failen märgkhten
bringen lassen und dar Inn kain gefar brauchen. Wer aber mit
solchen begryffen und uberfarn wirdt, der soll nach ungnaden und
nach gelegenhait seins uberbrechens darum gestrafft werden.
Es soll auch sonnderlich allen furkhauff des Traidt wie der genannt
mag werden in unnserm Lanndt und Furstenthumb Saltzburg
ausserhalb der offen wochen und Jarmärgkhten verbotten sein, doch
ausgenomen unnser prelaten, die von Adl, Burger und die grossen
pharhof, mugen Ir traidt nach Irer gelegenhait, und wem Sy wellen
verkhauffen Auch all offen wirt und gastgeben sollen, in dem
verpot des furkhauffs, die dann zu Ir notturfft Fueter und
annders woll khauffen mugen nit begriffen sein, wird aber ainer
hieruber in unnserm Lanndt mit Ainichen Furkhauff des Traidts
wider obgeschribnes verpott betretten, dann soll dasselbig durch
die gerichts oberkhait, der Ennden es geschechen ist zu straff
genomen, auch der verkhauffer darzue geburlich und nach
gelegenhait seines verprechens gestrafft werden.
| Seite 114r| So sein auch ain zeit her des gefylls und leders so
Ausserhalb der wochen und Jarmärgkht verkhaufft und hingeben,
wirdt, manigerlej furkhauff beschechen Derhalb Ordnen, und setzen
wir das hinfuran solch furkhauffen der gefill und leders
nyemanndts mer zutreiben gestat werden, und bej unnser schwären
straff soll verpotten sein, doch ausgeslossen was die Khursner
Leders, Yrher, Riemer, schuester oder annder Hanndtwerchs leut zu
Irer hanndtwerchs Arbait desgleichs die Prelaten, vom Adel oder
Burger in Iren Heusern notturfftig, das soll Iren auf dem Lanndt
zimblicher mas zuekhauffen Erlaubt sein.
Alls ein zeither die Inwonner unnsers Stiffts und Furstenthumbs mit
den Taglönern Eehalten dienern und dienerin Irer besoldung und
belonung halb zum taill beschwert, Unnd umb zimblichen und
gewöndlichen lidlon und besoldung nimer mugen uberkhomen werden,
Darauß gemainen Nutz auch unnserm Lannden unnd leutn in vil weg
schadt und nachtail enntstet, demnach haben wir furgenomen,
Ordnen und wellen auch Ernnstlich, das nun hinfuran allen und
Jeden ledigen Khnechten dienern und dienerinen, die Ir leib
halben zu dienen oder zuarbaiten vermuglich und heislich nit
angesessen sind noch von Iren guet oder anndert sonndern
Hanndtierung sovill nit haben, Davon Sy Irer Narung bekhomen
mugen bej ainer straff gebotten werden, solle, das Sy furan daß
tagwerch umb lon wo sy sonnst mit bestimbte besoldung wol diennst
| Seite 114v| uberkhomen mugen nit mer Arbaiten. Wo Sy aber
ye nit verdingt diennst haben möchten, das Sy sich in Tagwerch
auch mit der belonung geburlich halten, Unnd sich der
zimblichenlonß wie der allenthalben breuchig ist, benuegen lassen
sollen.
Es sollen auch dieselben ledigen Khnecht, Diern Unnd weibs pild, so
wie obsteet nit dienen, oder das tagwerch umb gmaine pilliche
belonung nit Arbaiten wellen oder weder diennst noch Arbait haben
mugen in unnserm furstenthumb von Nyemanndts weder behaust,
beherbergt, noch Inen durch unnser Ambtleut und Diener vergunt
werden sich allso on dienst und vergeben in den Winckhln und
Herbergen umb zeziechen und zuwonnen.
Ain Jede herschafft so ainen Eehalten auf ain ernennte und
bestimbte zeitt zu dienen verdingt hat, der solle denselben
seinen Eehalten VIII wochen und hinwider Umb der Eehalt seinem
Herren VIII wochen vor Ausganng des Jars oder der verdingten zeit
den Diennst aufsagen und abkhunden, Damit Sich Jedweder darnach
wiß zurichten. Wo aber solch aufsagung bestimbter massen nit
bescheche So soll allsdann die Herschafft den Eehallten zue
behallten, und hinwiderumb der Eehallt der Herschafft verrer zu
dienen schuldig und verpflichtig sein.
| Seite 115r|
Welcher Eehalt Khnecht Diener oder Dienerin seiner herschafft vor
der zeit die Er zu dienen verpflicht ist, genuegsamb ursach den
dienst aufsagen oder vor dem halben Jar auß den diennst geen oder
weckhlauffen wurde, on willen und wissen Seiner herschafft und
die oberkhait desselben gerichts khain pilliche genuegsame ursach
erkhennt und befindet, So soll Allsdann derselb Eehallt durch
dieselb gerichts Oberkhait, des ort es beschechen ist, darzue
gehalten werden, damit er laut seiner verpflichtung seiner
herschafft die gedingte zeit treulich und völligclich auß diene,
oder aber Er soll seinen lon sovill sich der von Anfanng seines
diennst biß auf die zeit do Er aus den diennst ganngen ist,
verfallen hat, verloren haben.
Beschiecht aber das sölch der Eehalten austreten, aus dem dienst,
aus Redlichen ursachen, beschiecht, Alls dann soll derselb
Eehallt ainen anndern seiner herschafft gefellig, an seine stat
zuestellen, gleicher massen sollen auch die Herschafften, Ire
diennstpotn oder Eehallten, ausserhalb Redlicher ursachen zu
geburlicher zeit nit urlauben. Welche aber sölchs uberfarn Und
die Eehalten gefarlicher weiß an genuegsamb ursachen erlaubt
wurden, die sollen denselben Eehalten wo es vor dem halben Jar
bescheche, den halben Jarssolld, Unnd so es Nach verscheinung des
halben Jar bescheche den ganntzen Jar solldt auszurichten
schuldig sein.
| Seite 115v|
Ainen jeden geschickhten teuglichen pawsman oder pawkhnecht, der
alle geschier, so zu wagen und pfluegen gehörn, selbs zuerichten,
auch zu aller zeit zu felld unnd haus alle Arbait wie sich geburt
und die notturfft ervordert, volbrinngen und ausrichten khan, dem
soll ain Jar zu Solld 5 Pfund phening und 4 par schuech und nicht
daruber gegeben. Wo aber der Pawr nit sonnder groß wär, soll Ime
aber nach gelegenhait der Arbait oder aines jeden Orts gelont und
besoldung darnach bestimbt werden.
Deshalben setzen und ordnen wir das in Stetten durch Burger und Hat
und in den gerichten dörffern und auf dem Gew durch die Pfleger
Richter und Ambtleut aller Hanndwercher halben, tagloner
paukhnecht dienst mägt unnd annder Eehalten, maß und Ordnung
geben, damit Sy niemannt mit der besoldung noch in annder weg
gevärlich nit ubernemen noch beschwern wie dann die gelegenhait
und notturfft aines Jeden Orts ervordert.
| Seite 116r|
Ainem jeden Mitteren Paukhnecht der teuglich und geschickht ist,
dem soll man ain Jar uber 3 oder 4 pfund pfening und 5 Par
schuech nit geben, doch auch nach gelegenhait und groß der paus
oder der Arbait und seiner geschickhlighait wie obsteet.
Ainem wolgeschickhten und teuglichen fueter Khnecht, dem soll im
Jar solldt 3 glden ain Lodens Parhosen und 4 par schuech gegeben
werden.
Item ainen gewagsen menkhnecht oder Puebn der Starkh und zu
dergleichen Arbait geschickht ist, dem soll man im Jar uber 12 ß
phen und 4 par schuech und 1 loden parhosen geben.
Ainer fleissigen getreuen Khochin die sonnderlich woll khochen kan,
Unnd in den grossen Gast und Herren heusern vil zu kochen hat,
soll ain Jar uber 5 glden und 3 par schuech zulon, Aber ainer
mitlmässigen gemainen Khöchin, so nit vil zu khochen hat uber 3
oder aufs maist 4 glden und 3 Parschuech nit geben werden.
| Seite 116v|
Ainer gewachsnen starckhen vich oder Hauß diern die zu aller Hand
Arbait teugenlich und geschickht ist, der soll man im Jar nit
uber zwen glden und 4 par schuech zu lon geben.
Es soll auch ainem Khindts Diernl, das sonnst zu annder grossen
Arbait nit geschickht ist, der soll uber ain glden zu lon geben
werden.
Der Hanndwercher halben, soll es furan allenthalben in allen steten
und märkhten, auch auf dem Lannd alle massen gehalten werden, wie
desshalben in unnsern Stet Solche ordnung und maß gegeben und
aufgericht ist.
damit auch unnser unnderthanen von den Hanndtwerchern alls
Stainmetzen, maurer Stainprecher Zimerleut und annder der
gleichen Hanndwercher die auf das tagwerch arbaiten mit
uberflussiger belonung, auch in annder wege, wider den allten
gemainen brauch dest
| Seite 117r| weniger beschwert werden, So
haben wir furgenomen, daß nun furanhin in unnsern furstenthumb
und Lanndt Saltzburg in allen Steten märgkhten, und auf dem
Lanndt dise nachvolgend Ordnung und maß, Irer belonung und annder
ding halben strackhs gehalten unnd von Niemanndt bej schwärer
unnser straff dawider gehanndlt soll werden.
Nämblich so sollen die obgemelten und all annder Hanndtwerchs leut
und tagloner, Wo Sy auf dem Lanndt oder in Steten oder märgkhten
arbaiten Sumer zeiten, von sanndt Peter stuel feir tag biß auf
sanndt Gallen tag, zu morgens umb 5 ur, an die Arbait und abents
umb 7 ur von der Arbait und zu dem Nachtessen geen, Unnd
Nachmalls von sanndt Gallentag, biß wider auf sanndt Peters
Stuelfeyr zu morgens umb 6 ur und zu Abents um 5 ur zu unnd von
der Arbait geen.
Ainem maister 7 krzer Ainem kneeht 6 krzer Aingem Junger 5 krzer
ainem mörter kocher 4 krzer Ainem stain oder mörter trager 3
krzer
| Seite 117v| Es soll Ine noch zu sölcher Irer Arbait zu
der belonung die gewonndliche Cosst zu morgens ain Suppen zu
mittag das mall unnder tags die Jausen und zu nacht, So Sy von
der Arbait geen, das nacht essen gegeben, unnd zu der Suppen ain
Halb stundt,zum Mittagsmall ain ganntze, In der Jausen ain Halbe
stundt zufeyrn Unnd nit zuarbaiten erlaubt und vergundt werden,
Aber von sanndt Gallen tag biß auf sanndt Peterstuel feyr, soll
ainem maister zu taglon gegeben werden 6 krzer Ainem Khnecht 5
krzer Ainem Junger 5 krzer Doch sollen Sy Inen die Cosst selbs
bestellen und soll Inen nyemanndt daruber nicht zugeben schuldig
sein.
Wird aber den vermelten Hanndwerchs leutn die speiß oder Cosst die
oberuert zeit unnd taglon allß von sanndt Peterstuelfeyr biß auf
Gallj nit gegeben, So soll Inen fur speiß und lon geben und
bezallt werden, alls Hernach volgt.
Ainem maister 11 krzer Ainem khnecht 10 krzer Ainem Junger 8 krzer
Ainem morter oder stain trager 8 krzer Ainem mörter kocher 8
krzer
| Seite 118r| Gleicher weiß soll es mit den zimerleuten,
unnd zimerkhnechten mit der Besoldung Cosst lon unnd anndern
gehalten werden, wie Jetzt von den Stainmetzen, maurern unnd der
gleichen Hanndtwerchern gemellt unnd angezaigt ist.
Ainem Maeder soll man geben samt gewondlicher Cosst fur taglon 16
phening Ainem schnitter 12 phening Ainem tagloner im Heign soll
fur taglon gegeben werden 8 phening Ainem vermuglichen guetem
Trescher der vor tags wintter zeitten frue zu dem treschen, geet
soll ain tag lon 6 phening geben werden sambt gewondlicher
Cosst.
Allen anndern gemainen tagwerchern alls Stroschneider mistpraiter
Holzhackher etc. soll ain tag vor und nach der Velldt arbait
sambt der Cosst nit mer alls 8 phen. zu solldt geben werden.
| Seite 118v|
Wo aber an Ettlichen ortten in unnserm Furstenthumb obangezaigter
belonung Halb, vorher weniger zugeben im geprauch gewesen ist,
solle dise hievorgeschribne Satzungen denselben prauchen ganntz
unvergriffen sein unnd bej denselben lon furan beleiben.
Alls auch ain zeither in unnserm Lanndt bej den Hanndwerchern ain
geprauch gewesen, das man Innen first und bschluß wein geben hat,
wellen wir das furan kainem Maister oder Khnecht uber vorgesetzte
sein bestimbte belonung Ichts, besonnders mer gegeben werde,
Sonnders soll in des Paurherrn guetem und freyen willen steen, ob
er ainichen grundt beschluß oder furst wein geben well oder
nit.
Unnd alls auch zuzeitn die Inwonner unnsers Stiffts und
Furstenthumbs in den mulwerch durch mangerlay gevärde, ubernemen
und beschwert werden, demnach haben wir zu abstellung solcher
gfär und damit die deststatlicher verhuet bleibn den mulwerchs
hernachvolgundte Ordnung furgenomen, und wellen, das solhs
furanhin Strackhs gehallten und dem Nachganngen werde.
| Seite 119r|
Damit dann der mulner halben so also täglich hin und wider Irem
Hanndwerch nach von ainem Ort zu den anndern wanndern und Raisen
guete fronliche und Ordnung gehallten werde, So soll nun hinfuran
ain yeder mulner der zu ainer maut will bej stetten oder
margkhten aufgenomen und bestellt wirdet, der Obrigkhait oder dem
Gericht derselben Ennden geburlich pflicht und Aydt thuen das Er
seiner herrschafft auch dem Gmainen Man den Er taglich mit dem
malwerch zu arbaitten het, in solcher seiner Arbait getrew
gehorsamb und willig sein, die mulwerch mit Irn zuegehörungen in
albeg pewlich gerecht und Ordenlich hallten unnd gebrauchen,
nyemanndts damit gevarlich beschwärn oder betriegen Unnd dem
getraidt, der Im allso zuebracht wirdet, mit vleiß bewarn
getreulich mallen und zuberaiten, nichts davon veränndern oder
nemen, Sonnder sich allain seines gesetzten gewonndlichen lonns
benuegen lassen welle.
Es soll auch aller getraidt nach dem gewonndlichen geprauchen
gewicht in die mulen und das Mell bej demselben gwicht wider
herauß on abganng geanntwurt werden.
Auch soll ainem yedlichen mullner zu maut oder mueß von 30 ph Korn,
oder waitz 1 phen. korn, Unnd hernach weder mell noch kleiben
geben werden.
| Seite 119v|
Des Peitl gellts halben, soll furan den mullner von 30 pfund waitz
3 Heller und von 30 pfund Korn 1 phening zu Peitl gellt geben
werden.
Von der gersten zu nemen soll zu Maut wie von dem Khorn 6 pfening
und nit mer gegeben werden.
Ain jeder Mulner soll in seiner mull ain gerechte abgepfechte wag
haben, wo auch ainer bej seinen getraidt zu mallen selbs sein
will oder Jedmalls darzue verordnen oder schickhen, das soll der
mulner beschechen lassen, Unnd nyemanndts daran verhindern.
Unnd sollen die mullner ainen jeden sein traidt laut seiner
pflicht, so Er der Obrigkhait wie hievor steet gethan hat
fleissigclich unnd getreulich mallen Unnd das mel so darauß
gemallen ist on mindern unvermischt und ungefelscht, Anntworten,
bej vermeidung unnser Straff und ungnaden.
Wo man aber an etlichen Ortten vormalls weniger mueß oder maut
geben hat, dabej soll es noch beleihen. Unnd diser unnser ordnung
nach nichts gestaigert werden.
| Seite 120r| Dieweill auch der Khorn Waitz, Habern und das
Traidmaß halben in unnserm Stifft und Lanndt Saltzburg auch
allenthalben in den gerichten bisher etwo vill unnderschid unnd
ungleichait gehallten ist worden, daraus sich dann bej unnsern
unnderthannen zu zeiten Irrung, oder annder Mangel zuetragen
haben denselben furkhumen, Unnd damit gemainer nutz solhes maß
halben destpaß gefurdert wirdt, So ordnen und setzen wir daß in
unnserm Lanndt und Stifft allennthalben nit mer denn dreyerlay
unnderschidlichs maß deß Traidts halben gebraucht und gehallten
werde.
Nemblich daß maß daß in der Stat Saltzburg vorher in geprauch
gewesen ist, soll nun furan daselbs zu Saltzburg und in den
anndern Stetten märgkhten, unnd Gerichten ausserhalb Saltzburg in
unnser Stifft gehörig, noch allso gebraucht und darnach gemessen
werden.
Dann die maß in unnser Stat Hellain Soll hinfuran auch allso
beleiben, Unnd in allen gerichten märgkhten und Fleckhen im
gebirg herdishalb der Teiren darnach gemessen und kain annder maß
gebraucht werden, Allso das all annder maß so bisher in denselben
gerichten in manigerlay underschid gebraucht sind worden gannz ab
und weckt than, Unnd das obgemellt Hallinger maß oder schaf auf
das halb, Viertel und Achtl ausgetailt und darnach allso
gekhaufft verkhaufft und gemessen werden soll.
| Seite 120v|
Was aber bisher Ennhalb der Teuern mit obgemelten Traidmaß in
brauch gewesen ist, das soll allso noch beleiben und in den
gerichten daselbs darnach gemessen werden.
Doch soll solch maß nit annders dann zum khauffen oder verkhauffen
gebraucht werden Unnd die Zinß maß wo die in brauch ist, bej
allten brauch und Herkhumen beleiben.
Unnd sollen sölch vorangezaigte maß allenthalben an den dreyen
Ortten wie vorgemellt ist gar abgestrichen, damit dest weniger
Irrung zwischen unnsern unnderthannen Im khauffen unnd
verkhauffen gemacht und die klainer maß auch dest gwisser von der
grosser mug abgetaillt werden.
Eß soll auch die wein maß so zu Saltzburg gebraucht wirdet,
allenthalben ausserhalb Saltzburg Unnd die Hällinger maß hinein
In das gebirg gebraucht und darnach gemessen werden.
| Seite 121r| Wir ordnen und setzen auch, das hinfuran durch das
ganntz Lanndt und Furstenthumb Saltzburg In den Tuech maß ain
gmaine gleiche Ellen wie die in unnser Stat Saltzburg breuchig
ist, gehallten und darnach alle Tuecher Leinbat Seyden, Unnd
annder war gemessen khaufft und verkhaufft soll werden.
Dieweill dann im gepirg in den Gerichten und märgkhten zu zeiten
die Leinbat nach Ainem Lanngen Elln, Alls die gemain Eiln zu
Saltzburg ist, khaufft verkhaufft unnd gemessen wirdet, die aber
auch zu zeiten in denselben gerichten ungleich sein, oder in
ainem gericht lannger dann in dem Anndern deshalb Ordtnen wir,
das an demselben Orten do die lanng Elln allso gebraucht wirdet,
Nun furan fur dieselb Lanng Ellen soll gemessen und gegeben
werden, damit in den Gerichten derselben Ellen halben ain
gleichait gehallten werden.
Damit auch der wag und gwicht halben allenthalben in unnserm Stifft
ain gleichait gehallten werde, So ordnen wir daß In allen unnserm
Lanndt und Furstenthumb Saltzburg, Wienirsch wag und gwicht
gebraucht, und alle war, so nach der wag verkhaufft und hingeben
wirdet darnach gewogen khaufft und verkhaufft werden solle. Das
die wag
| Seite 121v| Unnd gwicht uberall im Lanndt durch die
phleger und Richter zu zwir oder dreyen mallen im Jar, beschawt
abgewogen und gefächt werden. Ain gmain werch Schuech im ganntzen
Lanndt.
| Seite 122r|
Nachdem sich ain zeit her vil Schoper schotten und khramern,
die Ire phenwert von hauß zu haus auf den Ruckh tragen in
unnsern Stifft und bevorab in dem gebirgen umb zogen, und
alls wir bericht sein, die armen ainfaltigen leut auf dem
Lanndt mit betrieglichen gewicht, Elln und maß, desgleichs
mit falschen phenwarten, Unnd Specereyen menigfeltigclich
gelaichen und offt in abwesen und on wissen der pauernsleut
gemaines mans und derselben weiber Khinden und Eehallten
haimblich umb schmaltz, käß Woll flachs, fleisch und annder
phenwerdt gehanndiert, und gewechslt, die Sj in etwo umb
klaine, slechte war angewungen, und Ire Schlayrl oder annder
phenwerdt dagegen hochanslagen haben, denselben paurs leyten
desgleichen auch unnsern unnderthanen in Stetten Märgkhten,
die sich mit dergleichen kramereyen und phennwerten, zu
neren phlegen, zu merkhlichen Nachtail und schmellerung Irer
Narung, das haben wir mit Radt unnserer Lanndtschafft
angethan und wöllen das sölchen Lanndfarern kramern, und
khramerin, daß hausieren vor gemellter gstallt, Auch ausser
der
| Seite 122v| gewondlichen Jarmärgkht und khirchtag In
stetten und margkhten oder Derffer faill zuhaben kains wegs
furan mer gstat soll werden, welche aber das uberfarn und
nach verscheinung eins monats nägst nach eroffnung diser
unnsers gebots, damit betretten, den soll Ir Kramerey und
war zu unnsern Hannden genumen oder umb sovill gellts alls
die selb war werdt gewesen ist, gestrafft werden, Aber die
so sich in unnsern Stetten Märgkht dorffern mit wonung und
Hauß hablichen wesen, niderlassen unnd mit anndern unnsern
Burgern Inwonnern und unnderthannen Steurn, Raisen, und
mitleiden tragen, die mugen sich wie annder unnser
unnderthan an denselben Ennden fail haben, khauffens und
Verkhauffens gebrauchen.
Unnd sollen sich unnser Burger und Inwonner in stetten und
märgkhten, die mit kramerey und kauffmanschafften umb geen,
mit allerlay Notturfftigen phenwerden und guettern
khauffmans war versehen und dieselben In zimlichen gleichen
gellt geben. Niemanndt damit beschwern, dannocht an
khauffmans war und notturfftigen phennwert nit mangl
erschein und sich solhs unnserß gebots und furnemenß
billicher weiß niemanndt zubeschwärn oder beclagen hab, Unnd
soll niemannd zuesechen noch gestat werden, unrechtfertig
war zuverkhauffen oder in ainich zuvertreiben bej schwärer
unnser straff.
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Nachdem unns auch zu merermallen furkhumen und angelanngt ist, das
unns phleger probst ambtleut Lanndrichter und Ir verweser mit
furkhauff der phennwerdt und in annder weg unnser unnderthannen
zubeschwerung Hanndwerung und khauffmanschafft treyben haben wir
unns darauf mit unnser Lanndschafft unnderredt, und enntslossen,
und wellen Ist auch unnser Ernnstliche mainung das furter kainer
unnser phleger, Probst ambtleut Richter und derselben verweser
sich kainerlay gewerb und khauffmanschafft in Irer verwalltungen
nit gebrauchen noch auch die unnderthannen dringen die hochzeiten
und anndere zusammengeng bej Inen zuhalten, und zerung zechnen
Sonnder allain Iren Ambts verwaltungen auswarten wo sich aber
ainer oder mer des furter nit massen sonndern uber dise unnser
ordnung ungehorsam hallten, oder sunnst in annder weg unnser
unnderthannen billicher weisse beschwärn wurde, dar Innen wellen
wir alls herr und Lanndsfurst so unns das anbracht wirdet,
allzeit ernnstlich einsechen haben, unnd den beschwerten gnedige
wendung thuen, auch dieselben unnser phleger probst ambtleut
Richter und Ir verweser, daumben nach ungnaden gestrafft
werden.