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      <titleStmt>
        <title>Niederösterreichischer Landrechtsentwurf 1526 [ = Zaiger in das landsrechtspuoch
          1526]</title>
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            <forename>Theodor</forename>
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            <surname>Speer</surname>: </persName>
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            Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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            4.0</licence>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
          digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen
          Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Heino</forename>
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          <editor corresp="marcrelator:edt">
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              <forename>Theodor</forename>
              <surname>Motloch</surname>
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          <title>Niederösterreichischer Landrechtsentwurf 1526 [ = Zaiger in das landsrechtspuoch
            1526]</title>. In: <series>Sammlung Chorinsky</series>
          <ref target="http://anno.onb.ac.at/chs.htm">Faksimile Anno ÖNB</ref>
        </bibl>
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      <editorialDecl>
        <p>Editorial Speer:</p>

        <p>Die folgende Transkription erhebt nicht den Anspruch einer selbständigen
          wissenschaftlichen Edition. Es geht allein darum, aus der handschriftlichen Ausgabe durch
          Theodor Motloch in der sogenannten <ref
            target="http://anno.onb.ac.at/chs.htm">Sammlung
            Chorinsky</ref> einen elektronischen Text herzustellen, der zitierbar und maschinell
          durchsuchbar ist. Daher sind gegenüber der Vorlage kleinere Änderungen vorgenommen worden:
          Beispielsweise ist die Blattbezeichnung der Handschrift immer dort vor oder hinter ein
          Wort gestellt worden, wo Motloch eine Worttrennung durch einen Seitenwechsel dokumentiert
          hatte. Beispiel: Aus "ain[Bl. 122<hi
            rend="sup">a</hi>]helliclich" wird "ainhelliclich [Bl. 122<hi rend="sup">a</hi>]",
          damit das Wort als solches erhalten bleibt.</p>
        <p>Die Buch-, Titel- und Paragraphenangaben sind in der Weise umgewandelt worden, dass
          zitierbare "Sprungmarken" für Hyperlinks generiert werden konnten. So wurde aus der
          Paragraphenangabe Motlochs "[§. 25.]" im dritten Buch und dritten Titel die Zeichenfolge
          "NA.3.3.25" generiert. Auf sie kann ein Hyperlink in der Form gerichtet werden: &lt;a
          href="...#NA.3.3.25"&gt;Buch III Titel III §. 25&lt;/a&gt;".</p>
        <p>Das vermutlich von Motloch stammende Inhaltsverzeichnis wurde vorerst ausgeklammert, soll
          aber in einem weiteren Schritt durch einen Index erweitert und separat publiziert werden.
          [Aus Zeitgründen obsolet: 28.05.2022]</p>
        <p>Der Österreichischen Nationalbibliothek sei herzlich gedankt — einmal für die
          Digitalisierung der gesamten Sammlung Chorinsky, dann aber auch dafür, dass sie mir vorab
          die Images des Zeigers in das Landrechtsbuch zur Verfügung gestellt hat. Dies war die
          Voraussetzung für die Erstellung dieser Transkription. Dem Deutschen Rechtswörterbuch sei
          ebenso herzlich dafür gedankt, dass ich aus seiner Datenbank die etwa 800 Zitate aus
          dieser Quelle zur Verfügung gestellt bekommen habe. Als Leiter des Rechtswörterbuchs war
          es immer mein Wunsch, über die Exzerpte auf den Belegzetteln hinaus, die Theodor Motloch
          für das DRW gefertigt hatte, den Kontext des Beleges lesen zu können. Insofern ist die
          vorliegende Transkription auch als ein Beitrag zu "Rekontextualisierung" von
          Wörterbuchzetteln zu sehen. <lb/> Dem Rechtswörterbuch sei auch für die Bereitstellung
          eines Skripts gedankt, das es ermöglicht, durch einen Doppelklick auf ein beliebiges Wort
          sich dieses in den Beständen des DRW (Wortartikel, Belegtexte, Textarchiv) zeigen zu
          lassen.<lb/> In absehbarer Zeit wird eine gedruckte Ausgabe desselben Textes durch
          Professor Wilhelm Brauneder in der "Rechtshistorischen Reihe" im Verlag Lang erscheinen.
          Da die Faksimileausgabe der ÖNB, diese Transkription und der gedruckte Text jeweils
          anderen Zwecken dient, ist somit eine umfassende Nutzung des Niederösterreichischen
          Landrechtsentwurfes / Zeiger in das Landrechtsbuch / Institutum Ferdinandi I. möglich
          geworden. <lb/>Heino Speer<lb/> Klagenfurt am Wörthersee<lb/> Österreich. Januar / Oktober
          2014.</p>
        <p>Editorial Motloch:</p>
        <p>Handschrift <lb/> N.Ö. Landesarchiv Cod. Mscr. N°. 178</p>

        <p>Pap. XVI. Lederband mit Goldschnitt. Am Rücken zwei aufgeklebte Zettel "N°. 178" und
          "Zeiger in das Landrechtsbuch". Am Vorderdeckel eingepreßt: 'Originale Lib. P.' Dazwischen
          auf aufgeklebtem Zettel: 'Lib. P. Zaiger in das Land Rechts Buech oder Institutum Kayßers
          Ferdinandi I<hi rend="sup">mi</hi>. Die N. Ö. Land Rechten Vnd Gerichtspersohnen betr. Ist
          das Originale.' Auf der Innenseite des Vorderdeckels: 'Benedictis Domini Super Caput Justi
          : Os autem Impiorum operit Iniquitas.<lb/> Proverb. 10.<lb/> Magistratus Virum Demonstrat.
          Modus (darunter Wappen Aichens mit der Jahreszahl Anno 1721.) </p>
        <p>Dono dedit, et fundav Titel 'In des löb. N. Ö. Ritterstandts Archiv gehorig. Johann
          Joachim V. Aichen m. p. Landt Unter Marschall et fundator.'<lb/> Auf dem Vorsteckblatte:
          'Lib. P. Sint Tibi Mille Oculi Sit Tibi Nulla Manus.'</p>
        <p>Titelblatt: 'Zaiger in das Landsrechtpuech..<lb/> NB. Dises Buech ist mier Johann Joachim
          Von Aichen Landt Untermarschall gehörig.'<lb/> Darüber blauer Zettel aufgeklebt: 'N. Ö.
          Ritterstand.'</p>
        <p>Bl. 1<hi rend="sup">a</hi> — 194<hi rend="sup">b</hi> Text.<lb/> 195<hi rend="sup">a</hi> Catalogus secundum ordinem Alphabeticorum quae in hoc libro continentur. <lb/>
          (Nur der Anfang des Buchstaben A.) <lb/> Fol. V.</p>
      </editorialDecl>
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      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
          Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
      </projectDesc>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
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      </listPrefixDef>
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      <langUsage>
        <language ident="de">Deutsch</language>
        <language ident="la">Latein</language>
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              <term>
                <ref target="info:fedora/context:repat.quellen" type="context">Quellen</ref>
              </term>
            </item>
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              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.niederoesterreich" type="context">Niederösterreich</ref>
              </term>
            </item>
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              <term>
                <date type="dcterms:temporal" when="1526">1526</date>
              </term>
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      <divGen type="toc"/>
    </front>
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      <div xml:id="NA.0">
        <head>Niederösterreichischer Landrechtsentwurf 1526 [ = Zaiger in das landsrechtspuoch
          1526]</head>
        <div xml:id="NA.Text">
          <head>Zaiger in das landsrechtpuech.</head>
          <p>
            <pb n="1" xml:id="S.1"/> [Bl. 1<hi rend="sup">a</hi>] Wier Ferdinannd etc.</p>
          <div xml:id="NA.Vorred">
            <p>Vorred.</p>
            <div xml:id="NA.Vorred.1">

              <p>Haben aus götlichem eingeben nach ausweisung des loblichen römischen khaiser
                  <persName>Justiniani</persName> betracht die höchst angltugent der gerechtigkhait,
                und das ôn dieselb tugent furstliche großmechtigkhait (wo sich die mit zimblicher
                maß und weg selbst diemuetigt) ain greuliche hoffart, die unuberwindlich sterckh ain
                viechische ungestuemb, und die hochberuembt massigkhait ain khindhait geacht
                wierdet, wie <pb
                  n="2"
                  xml:id="S.2"/> auch in irdischen dingen nicht ist dem
                menschen durch die gotlich waißhait anfenkhlich eingephlanzt dann das gesezt und
                gebot daraus die gerechtigkhait iren ursprung nimbt und alle löblich und ubel
                handlungen und thathen, guets und pöß und was dem menschen zuthuen gezimb und zu
                meiden gebüre underschiedlich schleust und [Bl. 1<hi rend="sup">b</hi>] richtet. welch tugent der
                almechtig got nach unserm ersten vatter <persName>Abraham</persName>, seinen
                nachkhumen unsern altvättern behaltern liebhabern und volfuern der gebot genediclich
                und wunderparlich eingegossen hat, als dem gotlichen <persName>Noe</persName> von
                dem alle fürstenthumb entsprungen, dem gehorsamen <persName>Abraham</persName> des
                samen gemanigfaltigt und gesegnet ist, dem kunstreichen <persName>Mose</persName>
                aus des prun alle weisen der Kriechen getrunkhen haben, dem getrewen
                  <persName>Dauidt</persName>
                <pb n="3"
                  xml:id="S.3"/> des gotlicher gedult und streitbarer hand die heilig
                geschrift vol ist, dem hochweisen <persName>Saloman</persName> des weißhait vom
                aufgang biß zu dem nidergang der sunnen erhollen ist, wie geschweigent hernach
                volgent der Athenier Ligurgier und Lacedemonier auch der ersten khunig zu Rom gesazt
                und rechtmachern und anderer großmechtigen fursten herzogen khünigen und kaisern,
                die all als gotlich werkhzeug durch mandlich beschiermung und rechtmessige regierung
                irer völkher und underthonen mit aufrichtung underhaltung gueter gesezt und ordnung,
                löblicher gepreuch und sitten sich in die unthädlichait erhebt und ewigen namen (den
                göttern gemäß) auf erden hinder inen verlassen. derselben unser vorfordern und
                eltern (darunder vil unser <pb
                  n="4" xml:id="S.4"/> gesipten freunt) fuesstapfen,
                adenlichen furstlichen und khuniclichen von got erleuchten weishait, gemüetten und
                tugenden nachzuvolgen unß wol gezimbt zu fursehen, damit unsere von got und der
                natur angefallne und angeborne fustenthumb und lande nit minder mit solcher tugent
                der gerechtigkhait, ordenlichen gerichten und nuzlichen gesezten als scheinenden
                waffen geziert und gesterkht bede zeit des frids und kriegs tröstlich underhalten
                werden.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.2">
              <head>Des landsrechten ursprung und aigenschaft</head>

              <p>Nun ist durch glaubwirdige erfarung biß auf uns khumen, wie unser vorfordern
                fursten und erzherzogen zu Österreich von iren manhait [Bl. 2<hi
                  rend="sup">b</hi>] redlichait <pb n="5"
                  xml:id="S.5"/> vernunft macht und alten khuniclichen geschlechts und
                heerkhumens wegen dem heiligen römischen reich und desselben regierern albeg fur
                ander fursten hochverwont und mit gesellschaft verpunden, und darumb vil zeit mit
                desselben römischen reichs, kaiserlichen und khuniclichen händln und beiständn in
                friden und kriegen beladen gewest, auch daselbst regierent kaiser und khunig vil und
                lange zeit dem römischen reich zu friden aufnemen und merung gemaines nutz löblich
                vorgewesen sein, und also den höchsten eren und wirden nachgerungen, die auch
                ritterlich und großmueticlich erraicht, dardurch si iren erblichen landen und leuten
                und sonderlich disem erzherzogthumb als irer aigen wirtschaft wenig beiwonen mugen,
                damit dann der adl im <pb
                  n="6"
                  xml:id="S.6"/> land ôn oberigkhait recht und ordnung
                nit were, haben si als getrew fursten alzeit in den namhaften edln geschlechten
                gesuecht, ainen daraus an irer stat geordent, denselben iren landmarschalch genennt,
                ime ir ordenlich gericht zu gwalt und macht geben in burgerlichen sachen zwischen
                [Bl. 3<hi
                  rend="sup">a</hi>] dem adl rechtlichen und entlichen auch in ander weg mit maß zu handln,
                die ungehorsamen des rechtens, und fräfler geburlich zu straffen, dardurch frid
                ainigkhait guet sitten und recht im land zwischen dem adl erhalten wuerden. und
                nachdem derselb landmarschalch dem rechten auch andern sachen darzue dienent und
                notturftig deren täglichen vil fürfallen nit alzeit persondlich warten mag, ime
                ainen undermarschalch aus dem stand der ritterschaft zuegeordent, der in seinem
                abwesen <pb
                  n="7"
                  xml:id="S.7"/> daz recht zu besitzen und ander zuefallent
                notturften zu versehen und abzurichten macht hat, dardurch die gerichtshandlung und
                andere zwitracht und irrungen der partheien nit angehangen noch underlassen werden,
                So sein wir auch ansehlich erinnert, wie wir umb gedachter unser vorfordern
                wolthatten und hohen verdiensten willen von <persName>Cayo Julio</persName> kaiser
                und <persName>Kayo Nerone augusto</persName> und kaiser [Bl. 3<hi
                  rend="sup">b</hi>] und hernach von
                andern kaisern und kunigen biß auf heut erhöcht, mit sondern privilegien und
                freihaiten begabt sein, daz wir als erzherzog zu Österreich den frei gwaltigen
                kunigen gleich in unsern furstenthumben landen und herrschaften selbst
                unwiderrueflich recht zu setzen und zu halten haben, und von unsern urthailn fur des
                römischen reichs gericht nit geappelliert <pb
                  n="8" xml:id="S.8"/> berueft noch
                gedingt wierdt. gleicherweiß soll noch mag auch von beruertem unserm landßrechten
                unsers landmarschalchs und desselben urtl nit appelliert noch gedingt werden.</p>

              <p>Damit aber ain ieder landmarschalch oder undermarschalch aus aignem furnemen fur
                sich selbs ôn rat und wissen nicht handlen, werden ime aus den zwaien ständen der
                herren und ritterschaft sechs personen zu beisitzern, darzue ain landschreiber und
                furpieter zuegeordent. dieselben personen all vom höchsten biß zum nideristen sollen
                uns als herren [Bl. 4<hi
                  rend="sup">a</hi>] und landsfursten zu dem rechten geschworen sein, haben
                deshalben ir besoldung aus unser chamer. daraus zu versteen iren ursprung macht und
                obrigkhait des rechten von uns fliessent, und das si fur sich selbst und in craft
                irer namen und ämbter <pb
                  n="9" xml:id="S.9"/> khainen ordenlichen gerichtßzwang
                haben, dann sovil und lang inen derselb von uns und unsern nachkhumen bevolhen
                wierdet. welchen ursprung aigenschaft und wesen dits unsers landßrechten wir uns
                noch wolgefallen lassen, wirdigen creften und bestätten.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.3">
              <head>Unser Bewegnus.</head>

              <p>So wir aber in eingang unserer regierung erlernt und wargenumen, wie unser
                erzherzogthumb Osterreich under [Bl. 4<hi
                  rend="sup">b</hi>] der Ennß als der ursprung unsers
                väterlichen löblichen hauß und namen Österreich lange jar und zeit mit
                beschwerlichen kriegsleufen belestigt gewest, dardurch nach dem spruch des
                zierlichen Römers <persName>Tulii</persName> (das die gesezt under des waffen
                schweigen) die altherkhumen gueten satzung gewonhaiten <pb
                  n="10"
                  xml:id="S.10"/>
                ordnung und gebreuch zerrüt, mit den vergenkhlichen menschen vergessen abgestorben
                und des merern tails verlorn sein, So ist uns, sobald wir in die regierung angenumen
                und eingetretten sein, zum vörderisten angelegen gewesen unsern landen und leuten
                den frid zu geben, die ubermuetigen zu nidern, die widerspenigen zu straffen und die
                frembden anstossenden gezung die unser land und leut mit anfechtung und
                widerwertigkhait geuebt und vervolgt haben zu ruebigen, entlich der mainung und
                fursatz, so wir die durch den sig gottes stillen, alßdann [Bl. 5<hi
                  rend="sup">a</hi>] unsern
                befridten solch maß und ordnung zu setzen dardurch ainigkhait guet sitten und
                ordnung under inen zu erhalten, so in allem wesen der menschen nichts
                furtreffenlichers noch bestendigeres ist, dann wo frumb leut gleicher sitten und
                tugent <pb
                  n="11" xml:id="S.11"/> ainmuetig verpunden sein. daraus dann volgt, daz
                aus vil seelen ain gemuet und willen gegen der obrigkhait und eltern gehorsam und
                erempietung, gegen dem nechsten lieb, in den heusern reichtumb, und in den gemüeten
                freud rue und êr wurzlt und erwechst, und all krieg zerstörung und widerwillen
                getempft werden.</p>

              <p>Dieweil dann wir und ain ieder erzherzog zu Österreich aus vorberuerten unserer
                vorfordern wolthatten und hoch erdienten privilegien unsere gericht und recht frei
                haben, deßhalben uns volkhumenlich und nach notturften und gelegenhait unserer land
                und leut gebuer inen recht zu setzen und zu machen, die dem gotlichen gesezt der
                natur und vernunft gemäß sein. <pb
                  n="12" xml:id="S.12"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.4">
              <head>Unser mainung und thuen.</head>

              <p>Demnach haben wir nit allain als stathalter des heiligen römischen reichs aus
                kaiserlichem gewalt, sonder auch als regierender erzherzog herr und landsfurst zu
                Österreich aus furstlicher macht mit unserer treffenlichen ordenlichen hofräthe auch
                landleuten und underthonen der edlen unser lieben getrewen u. herrn ritter und
                knechten, das ist der zwaier ständ des adls beruerts erzherzogthuͦmbs Österreich
                under der Enns, zeitigem rat vorbetrachten und guetem wissen und willen das puech
                mit etwo vil notturftigen gesezten articln und ordnungen als ain angefangne
                furgeschribne tafel, so pillich wie von alter heer das landßrecht genannt wierdet,
                zu begreifen und zu verfassen bestellt, dasselb aigentlich ersehen <pb
                  n="13" xml:id="S.13"/> vernumen aufgericht gefertigt und gesezt.</p>
              <p>Also zu versteen, daz nach inhalt desselben alle clagen nicht anderst dann
                burgerlich volfuret, und die lassterlichen peindlichen und malefizhändl davon
                geschaiden an iren sondern orten nämblichen in den landgerichten gerechtfertigt
                werden. derhalben niemant irren sonder mäniclich vernemen soll, dits landßrecht
                adenlich und das landgericht peindlich, in namen und wesen ganz ungeleich und
                getheilt sein.</p>

              <p>In solchen gesazten und articln dits landsrechtspuechs haben wir ursachen derselben
                gesazten aufs maist, so uns leidenlich angesehen hat, umbgangen und underlassen aus
                dem grund und spruch der romischen rechtsprecher <persName>Juliani</persName> und
                  <persName>Nerazi</persName>, daz nit von allem dem so auch unsere voreltern
                eingefuert haben ursach gegeben werden mug, es <pb
                  n="14" xml:id="S.14"/> sei auch
                nit not dieselben zuerkhonden, dann dardurch wuerden vil gesezt die wissentlich und
                gerecht sein verkheert.</p>

              <p>Und dieweil wir bedenkhen, das dits werkh nach der vil und menig täglichen
                zuefallenden händl mer gesezt articl und ordnung dann hierin zum anfang begriffen
                ervordern wierdet, das sich auch die sitten der menschen nach den zeiten verwandlen
                und nach irer poßhait auf new fünd zu böser gewonhait henden, die si dann gegen den
                unverständigen in ain gewondlich recht zu ziehen und zu geprauchen understeen
                möchten, dasselb zu erstatten und zu fursehen soll unß und unseren nachkhumen alzeit
                mit rat und willen unserer landleut der weeg offen sein dits landßrechtpuech mit mer
                gesazten articlen und ordnungen zu erpawen zu erweitern zu mern, auch wo darinnen
                  <pb
                  n="15" xml:id="S.15"/> vinsternus oder beschwerung erschinen zu erlauchten und
                nach gelegenhait der zeiten und sitten der menschen zu ändern zu bessern und
                dardurch all new fünd und gefär abzuschneiden. nachdem wir nun in eingang des
                rechten sein, hat uns nit unfruchtbar angesehen etwas anzuzaigen und zu
                underschaiden, was die gerechtigkhait das recht das gesezt und gewonhait, wie die
                durch die alten beschriben sein.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.4b">
              <head>Gerechtigkhait</head>

              <p>Die gerechtigkhait nach außlegung kaiser <persName>Justian</persName> ist ain
                beständiger volkhumer willen, der ainem ieden das sein zuestellt. die gerechtigkhait
                wierdet auch genennt ain guete uebung, die ainem ieden sein erlich aigenschaft gibt,
                got die diemuetigkhait und andacht, <pb
                  n="16" xml:id="S.16"/> den obrigkhaiten und
                eltern gehorsam und erempietung, den gleichmässigen ainigkhait, den underthonen
                zucht, ir selbs keuschait und mässigkhait, den armen mitleiden und hilf.</p>
              <p>Und nach sag <persName>Tuli</persName> ist gerechtigkhait ain uebung des gemuets,
                die durch erhaltung gemaines nutz ainem ieden sein wierde zuestellt.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.5">
              <head>Recht.</head>

              <p>Das recht nach beschreibung <persName>Vlpiani</persName> des rechtsprechers ist ain
                kunst des guets und pillichen, der götlichen und menschlichen sachen erkhantnus, des
                gerechten und ungerechten wissenhait, davon, so wie die gerechtigkhait eren, die
                erkhantnus des gueten und pillichen aussprechen, daz pillich von dem unpillichen
                schaiden, wie rechtlich <pb
                  n="17" xml:id="S.17"/> hailgeber genennt werden.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.6">
              <head>Gebot des rechten.</head>
              <p>Die gebot des rechten sind, erlich zu leben, niemand andren zu belaidigen, ainem
                ieden sein recht widerfaren zu lassen.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.7">
              <head>Tailung des rechten.</head>

              <p>Das recht wierdet in mer weg gethailt, nemblichen etlichs haist naturlich recht, so
                aus götlicher ordnung davon die natur erschaffen ist fleust. das möcht nach saag der
                alten rechtsprecher mit vil mainungen erclart und ausgelegt werden, ist aber hie ôn
                not, sonder allain daraus zu nemen die höchste gestalt solches naturlichen rechten
                dem menschen, der sich göttlicher gesezt und natur gebrauchen soll, ist nemblich <pb
                  n="18" xml:id="S.18"/> die, was du dir zu geschehen nit willt daz soll tu auch
                ainen andern erlassen.</p>
              <p>Aus disem rechten ist entsprungen das gemain recht auch der naturlichen vernunft
                eingephlanzt, des sich alle volkher halten und nach bewegnus der erberkhait und
                pillichait zu underschiedlicher erkhantnus in gemein gebrauchen.</p>
              <p>Daraus sein gewachsen thailung und auszaigen des erdrichs, aller land und grund,
                auch veränderung und allerlai verpflichtung und derhalben mißhellung krieg und frid
                etc.</p>

              <p>Aber die statrecht sein, was ain iede stat gemain oder besamblung aus verhenkhnus
                der obrigkhait under inen selbst fur recht oder handvesst zu halten setzen, das
                burgerlich recht genannt wierdet. und dits ist disem unserm landßrechten nahent und
                nit gemäß, allain solcher underschied, daz dise <pb
                  n="19" xml:id="S.19"/> unser
                rechtsatzung aus unser als herrn und landßfursten bewilligung unseren landleuten vom
                adl in Österreich zu furderung rue frid und ainigkhait zwischen inen und den
                inwonern des furstenthumbs, damit auf solch ordenlich recht sorg und aufsehen
                gehalten werde, genediclich gegeben ist.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.8">
              <head>Gesezt.</head>
              <p>Das gesezt ist ain ordnung des lebens und wesens in der vernunft gewurzelt und
                gegrund, ôn des wissen oder erkhantnus khain menschlich wesen beleiben, die welt und
                natur selbst nit besteen mag.</p>
              <p>Aber durch gesezt werden die waffen gestillt und in rue behalten und durch die
                waffen gesezt und recht beschirmbt und gehandhabt.</p>
              <p>Der verstand und die vernunft sein das <pb n="20" xml:id="S.20"/> gesezt, nit die
                wort. dann ob ie zu zeiten in vil händlen und fällen ordnung des rechten entpricht,
                so entbricht doch die untötlich vernunft nicht.</p>
              <p>Das gesezt wider erberkhait und guet sitten gemacht ist unwirdig und noch mer die
                gewonhait.</p>
              <p>Die gesezts dits landsrechtpuechs sollen von anfang biß zu ende vleissig angesehen
                und erwegen, dieweil nit in ainem ieden articl alle notturft eingefuert mugen
                werden, sonder was zu zeiten in etlichen titln und articln zu kurz und wenig
                angezogen ist, wierdet etwo in andern erfüllt und erstat.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.Vorred.9">
              <head>Gewonhait</head>

              <p>Die gewonhait ist ain recht das nit geschriben sonder durch ain gemain wissentlich
                aus erbern ursachen der <pb
                  n="21" xml:id="S.21"/> vernunft lang zeit numallen
                gebraucht ist.</p>
              <p>Die gewonhait mag nit einfueren daz, so dem gotlichen und naturlichen rechten auch
                disen unsern gesezt oder gueten sitten ungemäß ist. darumben sollen die ursachen der
                gewonhait in der vernunft gegrundt sein.</p>
              <p>Eetlich sonder persohnen die an zal angezaigt mügen werden, khain gewonhait machen,
                sonder was durch ain gemain samentlich gehalten, gebraucht und beschirmbt, wierdet
                dem rechten und der vernunft gemäß und gemainem nutz fürderlich, dann anderst wär
                die gewonhait ain zerrüttung.</p>
              <p>Die gewonhait hat drei aigenschaft, si ist dem gesezt gemäß wo khain ausgetruckt
                recht ist.</p>
              <p>So ist ain verstendige oder verrer auslegung oder beteutung des gesezts <pb n="22" xml:id="S.22"/> und entzeucht durch den gebrauch dem so gemain recht ist.</p>

              <p>Die gewonhait mag clag- und auszugsweiß in recht angezaigt und furgebracht werden,
                und wo dieselb offenbart und nit widersprochen wierdet, also das dawider öffenlich
                gehandelt oder geurthailt worden, so ist ôn not solch gewonhait zu weisen. wo aber
                die gewonhait widersprochen wuerdet so soll si volkhumenlich gewisen werden,
                nemblich also daz die zeugen wissen solch gewonhait in recht furgewendt durch ain
                gemain also gehalten und emsiclich, das ist mer dann ainest auch zehen jar und
                darob, vor solcher rechtfertigung geiebt und gebraucht, auch inen den zeugen nicht
                wissent das offenlich und unwidersprochenlich der gemain oder irer obrigkhait
                rechtlich darwider gehandelt und geurthailt sei. dann wo zwaimal aufs <pb
                  n="23" xml:id="S.23"/> wenigist alss in gegenwurtigkhait der gemain oder ieer obrigkhait
                unwidersprochenlich darwider geurthailt wär, so fellt die gewonhait und wierdet das
                urtl durch die widerwertige einfuerungen ain gesezt, es wuerde dann solch urtl als
                wider erberkhait und guet sitten gegeben mit recht verworfen und aufgelöst. wo das
                aber nit beschähe, und wiewol die urtl so wider die gewonhait gesprochen nicht
                volzogen wär, nichts destminder bricht si die gewonhait.</p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1">
            <head>[I.Buch.] Von den Gerichtspersonen.</head>
            <div xml:id="NA.1.1">
              <head>[I. Titel.] Landmarschalch.</head>
              <div xml:id="NA.1.1.1">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 1]</head>
                <p>Damit ain ieder landmarschalch gruntlich <pb n="24"
                    xml:id="S.24"/> weiß, was
                  sein ambtsphlicht sei und wie er sich halten, so ist sein aid so er uns und aim
                  ieden fursten erzherzogen zu Osterreich in eingang seines ambts thuen soll hernach
                  beschriben in seiner person also: "ich soll und will der hungerischen und
                  behaimbischen khu. maj. etc. als erzherzogen und regierenden herrn und
                  landsfürsten in Österreich under der Enns getrew gehorsam und gewärtig sein, irer
                  khu. maj. etc. êr nutz und frumben fürdern, schaden nachtail und unglimpf so vil
                  an mir ist warnen und wenden, mit willen khain ratsanschlegen noch gemainschaften
                  sein darwider irer khu. maj. etc. person obrigkhait und gerechtigkhait gehandelt
                  wierdet, wo sich das aber ungefärlich fürget doch ir khu. maj. etc. davon
                  treulichen warnen, den gerichtszwang so mir von irer khu. maj. etc. bevolhen <pb
                    n="25"
                    xml:id="S.25"/> wierdet treulichen handln handvessten demselben nichts
                  abprechen lassen, gleiches gericht und recht füeren und ergeen lassen dem armen
                  als dem reichen und dem reichen als dem armen nach dits erzherzogthumbs Österreich
                  freihaiten, löblichen und rechtmessigen gebrauchen und gewonhaiten und sonderlich
                  nach ausweisung und ordnung dits landsrechtpuechs, die urtlen so durch die merer
                  stimen und volg gesprochen werden nach ordnung des landßrechten vleissig
                  volziehen, die partheien bei solcher volziehung so vil an mir ist handhaben,
                  dardurch frid und recht zu erhalten und aufruer zu verhueten, und hierinnen
                  niemants verschonen, und nit ansehen weder freundschaft feindschaft miet gab gunst
                  noch ainicherlai ander sachen, sonder allain das gotlich recht so geurthailt ist,
                  auch <pb
                    n="26" xml:id="S.26"/> mir selbst in dem gericht nichts zu ziehen, die
                  beisitzer und personen so mir zuegeben sein in zimblichen eern halten, die rats
                  gehaim biß in mein grueben verschweigen und ausser recht niemant offenbarn noch
                  davon warnen, und sonst alles das handln thuen und lassen das ainem redlichen
                  gebornen mann gegen seinem herrn und landsfursten und ainem getrewen ordenlichen
                  richter von rechts und löblicher gewonhait wegen zu thuen gebürt, alles nach
                  meinem höchsten versteen und vermugen, trewlich und ungefärlich, als wae mir got
                  helf."</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.2">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 2.]</head>

                <p>Der landmarschalch als ordenlicher richter an unser stat hat all zuesprüech
                  persöndlich und umb gueter so mit burgerlicher clag und ausfuerung fur ine khumen
                  zwischen den inwonern des lands, iren phlegern <pb
                    n="27" xml:id="S.27"/> dienern,
                  auch in den stetten, in der prelatten und adls freien heusern und andern auf dem
                  land in disem erzherzogthumb Österreich under der Enns gesessen, die sonst andern
                  ordenlichen gerichten nicht underworfen sein, zu richten zu entschaiden zu urtlen
                  und dieselben urtl zu volfueren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.3">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 3.]</head>
                <p>Er hat aber nit zu richten uber unser camerguet und urbar noch unser brief sigil
                  gab und gewerschaft noch uber unser lehengerechtigkhait und gueter, wo die
                  landsessen darumb kriegen wuerden, noch ernhändel zwischen dem adl, es werdt ime
                  dann von uns neben dem ordenlichen gericht insonderhait bevolhen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.4">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 4.]</head>

                <p>Wiewol der landmarschalch also der landleut ordenlicher richter ist, so hat er
                  doch nicht macht, seinen gerichtszwang oder die gerichtshandlung <pb
                    n="28" xml:id="S.28"/> so vor ime ausgefüert werden solle iemand anderen ausserhalb des
                  undermarschalchs zu bevelhen, ausgenumen in den sachen so zu hilf fürderung und
                  ausfuerung der haubtsach vnd des rechtens not, als zeugen zu hören, beschaw auf
                  grunden, und ander erfarung zu thuen die ime persöndlich zu handlen nit gelegen
                  und den partheien von grosser mue und cosstung wegen so darauf laufen beschwerlich
                  sein möchten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.5">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 5.]</head>

                <p>Der landmarschalch soll die partheien in iren notturften gütlich und
                  unvertreßlich hören, beschaid und antwort mit züchtigen und senften worten nach
                  gelegenhait der person und sachen geben, und ob ie zu zeiten ernstlicher handlung
                  und straf von der partheien unzucht wegen not thät, soll er sich als ain oberer zu
                  scheltworten und mißhandlung <pb
                    n="29" xml:id="S.29"/> nit bewegen lassen, sonder
                  mit züchtigen ernstlichen worten und geparden den verprecher durch den
                  undermarschalch oder furpieter in straf zu nemen haissen nach gstalt der person
                  und sach, also das mer die vernunftig zucht dann die hietzig ungestuemb
                  erschein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.6">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 6.]</head>
                <p>Wiewol als obsteet der landmarschalch umb lessterlich oder peindlich sachen nicht
                  zu richten noch handlung des bluets beruerent zu schaffen hat, es wuerde im dann
                  von uns sonderlich bevolhen, so hat er dennocht straf des kerchers und gefenkhnus
                  auch peenfall uns in unser khamer aufzulegen macht und gwalt, dann der
                  gerichtszwang ân sein gemässe straf nicht sein mag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.7">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 7.]</head>

                <p>Wann partheien vor dem landmarschalch zu krieg khumen, ob er der person oder
                  sachen darumb geladen ist ordenlicher richter sei oder nicht, das hat der <pb
                    n="30" xml:id="S.30"/> landmarschalch wol mit urtl zu entschaiden und sich zu
                  richter zu erkhennen oder daz recht an ander ende zu weisen, ausgenumen der
                  landmarschalch ließ sich gegen ainer parthei ein sein ordenlich gericht selbst zu
                  kriegen, alßdann het er mit macht umb den beruerten streit zu erkhennen, dann er
                  sich als ain parthei gemacht und nicht als ain richter gehalten het.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.8">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 8.]</head>

                <p>Ain ieder landmarschalch soll sich treulich bevleissen vor den endlichen urtlen
                  die partheien daran zu weisen damit si sich von besser freundschaft wegen, umb
                  cosst zerung und ander nachthail so zu zeiten aus hitziger rechtfertigung
                  erwachsen zu vermeiden, in güetliche verainigung begeben dardurch die partheien
                  mit wissen und willen freuntlich vertragen werden möchten. aber er soll si in
                  khainen hindergang <pb
                    n="31"
                    xml:id="S.31"/> weisen, es sei dann der partheien
                  aigner will. und wiewol der landmarschalch etlicher maß wilkhurlichen richter sein
                  möcht wo ine die partheien darzue erwellen, so ist doch besser sich der zu
                  entschlagen, dann schwer und schimpflich und dem rechten ungemäß wär sich als
                  erwelter richter aines handls mit sorgen zu beladen, dann er als ordenlicher
                  richter abzuschaiden macht hat. so werden ie zu zeiten nach den wilkhurlichen
                  abschieden oder urtlen wie als ordenliche oberigkhait umb hilf und höher recht
                  abgerueft, daselbst wuerde alßdann ain landmarschalch als wider des handlung die
                  beruefung beschehe angeschlossen, das ime und seiner ordenlichen oberigkhait
                  verclainerung bringen möcht. aber anderst wierdt verstanden in den sachen darin
                  der <pb
                    n="32" xml:id="S.32"/> landmarschalch ordenlicher richter nit ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.9">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 9.]</head>
                <p>Es soll der landmarschalch albeg die eltisten sachen und händl so in gericht
                  khumen und zu recht gesezt sein von ersten und vor den neweren und jungeren
                  furnemen und abfertigen und darin guet ordnung und maß halten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.10">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 10.]</head>
                <p>Des Landmarschalchs brief und sigil in den sachen sein gerichtszwang belangent
                  ausserhalb des landundermarschalchs oder landschreibers als geschwornen
                  gerichtschreibers gefertigt wierdt in recht nit glaubt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.11">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 11.]</head>
                <p>Der landmarschalch hat nit macht die gerichtshandlungen bei seiner hand zu
                  behalten, sonder sollen bei dem landschreiber beleiben, der auch davon antwort
                  thuen solle.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.1.12">
                <head>[Buch I Titel 1 §. 12.]</head>
                <p>Der landmarschalch soll sein ain frumber redlicher verständiger man <pb n="33" xml:id="S.33"/> und in zweiflichen sachen nit volgen dem beisitzer oder ratßman
                  der das merer ansehen hat, sonder dem der mer rechtmessig und gruntlich ursach
                  seines ratschlags furbringt. und darumb soll er vernunftig sein, das er solch
                  ursach underschiedlich erkhenn und darumb frumb, das er dem besseren volg und das
                  unrecht verlaß.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.2">
              <head>[II. Titel] Undermarschalch.</head>
              <div xml:id="NA.1.2.1">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 1.]</head>
                <p>Des undermarschalchs aid mag aus des landmarschalchs obgeschriben form genumen
                  werden mit mässigung etlicher wort nach gelegenhait des ambts und person.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.2.2">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 2.]</head>

                <p>Dieweil also dem landmarschalch ain undermarschalch zu hilf und beistand
                  zuegeordent, ist pillich, das der undermarschalch sein aufsehen auf den <pb
                    n="34" xml:id="S.34"/> landmarschalch und sein bevelch als oben hab, und sonderlich in
                  den händlen die das ambt den gerichtszwang und rechtfertigung berueren. deßhalben
                  sollen si sich dermassen bei ainander redlich und rechtmessikhlichen halten, damit
                  zwischen inen khain zerrutung entstehe.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.2.3">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 3.]</head>

                <p>Ain ieder undermarschalch soll auf sein cosstung halten ainen weispotten des adls
                  oder ain ander erber glaubwirdig person, so dem gericht geschworen sei und an
                  seiner stat die ansätz auf dem land zuvolfuerung der urtlen thue. wo er aber
                  khainen geschwornen weißpotten het, so ist er schuldig die ansätz persondlich zu
                  thuen. und wo ainicherlai irrung oder eingrif darin beschehe, ist der
                  landmarschalch phlichtig dem angesezten handhabung zu thuen, wie hernach von dem
                  angesezten gesehen <pb
                    n="35" xml:id="S.35"/> wierdt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.2.4">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 4.]</head>
                <p>Welchem der undermarschalch durch den weißpotten ainen ansatz thuet, als menige
                  nacht der weispot auf dem land biß der ansatz gar beschehen ist, als oft der so
                  den ansatz erlangt ime geben ainen hungerischen gulden oder darfur aindlif
                  schilling phening und auf ain person und pherd erber zimbliche zerung. wo aber der
                  ansatz so nahent beschäch, das der weispot aines tags wider anhaimb khumen möcht
                  und nit uber nacht ausbleiben bedurffte, nichts dest minder soll dem
                  undermarschalch ain hungerischer gulden geraicht werden. und wo der
                  undermarschalch khainen weißpotten het und den ansatz persondlich thät, ist man
                  ime auch nit mer solds noch zerung schuldig, dann wie angezaigt ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.2.5">
                <head>[Buch I Titel 2 §. 5.]</head>
                <p>All verhör, ausser rechtens die sich umb täglich handlung <pb n="36" xml:id="S.36"/> in den herren und adlsheusern in der stat so der burgerrecht
                  nicht underworfen sein begeben die soll der undermarschalch thuen und die händl
                  mit fueg abrichten ôn des landmarschalchs beschwerung, es war dann der
                  undermarschalch des landmarschalchs hilf und handhabung notturftig, die woll er im
                  mittailen. was sich auch fäll und wändl in denselben heusern begaben, gehören
                  ainem undermarschalch zue.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3">
              <head>[III. Titel.] Von den beisitzern.</head>
              <div xml:id="NA.1.3.1">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 1.]</head>

                <p>Der beisitzer sollen wie obsteet sechs sein, nemblich drei von dem herrenstand,
                  und ainer aus der ritterschaft der ain ritter, und die zwen edl und rittergemäß
                  von den geschlechten in dem land und aines erbern herkhumen sein. <pb
                    n="37"
                    xml:id="S.37"/> ir aid und phlicht so si vor eingang ires ambts thuen sollen ist
                  hernach beschriben in aines ieder person insonderhait also: "ich soll und will dem
                  landßrechten getreulich und mit vleiß ob sein, nach disem landsrechtpuech
                  desselben satzung und ordnung auch nach redlichem erbern und leidlichen gebrauch
                  und gueten gewonhaiten des erzherzogthumbs Österreich under der Enns und, sovil
                  mich mein vernunft zu der erberkhait und pillichait geleiches rechtens weiset, dem
                  armen als dem reichen und dem mereren als dem minderen nach mainem bessten und
                  höchsten verstand ain gleiches götlichs recht sprechen, mich khain sach darwider
                  bewegen lassen, sonderlich von den partheien noch iemand anderen khainer sachen
                  halben so in gericht gehandelt werden ainicherlai <pb
                    n="38" xml:id="S.38"/> gab
                  schankhung oder nutz durch mich selbst oder iemand anderen wie das menschen sinn
                  erdenkhen möchten nicht suechen, auch in dem gericht und urtlen khain sonder
                  parthei anhang und zuefall furnemen noch machen, khain parthei warnen noch inen
                  rahten, und was in ratschlegen gehandelt wierdt niemand öfnen vor noch nach der
                  urtlen sonder die ratßgehaim biß in mein grueb verschweigen, auch khain sachen
                  gefärlicher weiß aufhalten noch verziehen, und sonst alles das thuen das ainem
                  frumben gerechten beisitzer und rechtsprecher gebürt, ungefärlich als waar mir got
                  helf."</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.2">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 2.]</head>

                <p>Davon soll ain ieder frumer rechtsprecher pillich sein pildnus erkhennen, also
                  das sein seel ist ain lob gottes, sein geist ain sorg und haltung des gesezt, sein
                  haubt ain verständig gericht, sein <pb
                    n="39" xml:id="S.39"/> augen und zungen ain
                  liecht und leer der warhait, sein brust ain gedächtnus der gerechtigkhait, sein
                  herz ain gerechter will, sein hend volziehung des gerechten und die fues
                  verharrung und bestendigkhait in allem gueten. und ist in suma aller nichts anders
                  dann die pillichait und erberkhait.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.3">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 3.]</head>
                <p>Wiewol sich ain ieder landman des landmarschalchs gerichtszwang underworfen die
                  gesezt und recht dits landrechtpuechs zu erlernen befleissen soll wie er schaden
                  und nachtail emphliehen will, so sein doch landmarschalch undermarschalch
                  beisitzer und landschreiber schuldig die fur ander zu wissen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.4">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 4.]</head>

                <p>Dann so sollen richten nach der ordnung und den gesazten dits landßrechtpuechs,
                  die aber nit nach der redner oder gwalttrager auslegung wie si alle <pb
                    n="40" xml:id="S.40"/> ding inen zu vortail teutschen sonder wie die zu fürderung des
                  rechten, gemaines nutz und die partheien am wenigisten zu belaidigen verstanden
                  worden und sollen deshalben landmarschalch und beisitzer ausserhalb dits
                  landßrechtpuechs auf andere geschribne recht nicht aufsehen noch achtung haben,
                  dann allin in sachen und händlen wo khain außgetrukht recht oder gesezt hierin
                  begriffen wär. doch in denselben auch nit mer noch anderst dann nach löblichem
                  geprauch und gewonhaiten dits erzherzogthumbs und so vil si die erberkhait und
                  pillichait geleiches rechtens und ursach der vernunft weiset und bewegt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.5">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 5.]</head>

                <p>Wann wir dem landmarschalch und beisitzern auf iemands anpringen bevelch und
                  brief zuesenden, die sollen <pb
                    n="41" xml:id="S.41"/> albeg verstanden werden, so
                  verr das anpringen in grund der warhait also sei. und obgleich der articl in
                  solchen bevelhen nicht eingeleibt und aber die sachen anderer gestalt dann uns
                  furbracht erfunden wuede, so sollen die bevelch den erwerbern nit zu statten
                  khumen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.6">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 6.]</head>

                <p>Also sollen die beisitzer mit sambt dem landmarschalch oder undermarschalch all
                  sachen so güetlich oder rechtlich fur si khumen treulich und vleissig nach irem
                  höchsten versteen erwegen ratschlagen, und was die sechs beisitzer all
                  gleichhellig und samentlich oder der merer thail aus inen schliessen und
                  erkhennen, oder wo si ungleich und zerspalten wuerden welcher mainung dann der
                  landmarschalch der zu derselben zeit alß richter dem rat vor ist zuefellt, dabei
                    <pb
                    n="42" xml:id="S.42"/> sollen die urtl und abschied besteen. dar umb si
                  pillich betrachten, wie si nit allein iren nachberen und mitlandleuten sonder auch
                  inen selbst, iren khinden und erben an guet oder nachtail handlen, und waß sie
                  ietzo anderen güetlich oder rechtlich erkhennen, das si oder die iren solchs
                  kunfticlich von got gericht umb gueten und bösen rat iren lon emphahen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.7">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 7.]</head>

                <p>Dann wo landmarschalch undermarschalch beisitzer landschreiber und ander
                  geschworen gerichtspersonen ir phlicht nit also bedenkhen und durch ir sament oder
                  sonderlich unfleis lässigkhait versaumbnus der partheien gerechtigkhait und recht
                  gesperrt wuerde, möchten si nach vermüg kaiserlicher recht <pb
                    n="43" xml:id="S.43"/> wol verkheert und gestrafft werden und noch mer, wo si ander
                  schentlich untugent üebten aber ôn das ist nit fruchtbar die gerichtspersonen oft
                  zu verkheren, es wär dann man die menig und wal rechtverstendigen person gehaben
                  möcht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.8">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 8.]</head>

                <p>Wiewol die geschribnen recht wollen das die personen so der höchsten ämbter ains
                  und des fursten statt verwalten in der zeit irer verwesung mit recht nit beclagt
                  werden sollen, so haben wir doch ermessen die beschwerung und verdächtlichait so
                  daraus entsteen möchten. deshalben soll in abwesen aines landmarschalchs, oder wo
                  er iemand verdächtlich wäre oder selbst vor gericht zu thuen het, der
                  undermarschalch an seiner stat in gericht gleichs macht haben, vor dem der
                  landmarschalch in den sachen an dits landßrecht gehörent zu clagen <pb
                    n="44" xml:id="S.44"/> und zu antworten schuldig, und nit frei gelassen sein soll in
                  seinen sachen nach seinem willen oder mit gwalt unbeclagt und ungerechtfertigt mit
                  unseren landleuten underthonen und inwoneren zu handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.9">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 9.]</head>

                <p>Dergleichen soll es mit dem undermarschalch und den beisitzern verstanden und
                  gehalten werden. uns will auch gefallen, welches tags ain landmarschalch clag-
                  oder antwortweiß vor gericht zu thuen hat, das er sich desselben tags des sitzen
                  zu recht enthalt und den undermarschalch zu recht sitzen laß, dann es wär
                  schimpflich aus dem gerichtsstuel aufzusteen und als ain parthei im fuesstapfen
                  vor ainem anderen und minderen rechtens zu gewarten, damit des ambts und der
                  person nicht verspott werde. aber an dem undermarschalch hat die sach minder
                  nachtails <pb
                    n="45" xml:id="S.45"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.10">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 10.]</head>
                <p>Der Landmarschalch und undermarschalch wo si bed in rat bei den urtlen sitzen
                  haben bed nur ain stimb, dann ir khainer ist ain beisitzer sonder ieder nach weil
                  und zeit richter. darumb wo die beisitzer ainer urtl halben ungleich und stössig
                  wuerden ist genug, das ir ainer der landmarschalch oder undermarschalch von des
                  zuefallen wegen in zweiflichen sachen, darin wie vorsteet khain ordnung oder
                  gesezt ist, rechtens gefragt werde. doch wo der landmarschalch gegenwurtig ist
                  soll pillichen er und nit der undermarschalch gefragt werden, es wären dann ursach
                  vor augen darumb ir ainer nit urtlen sollt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.3.11">
                <head>[Buch I Titel 3 §. 11.]</head>

                <p>Die beisitzer sollen zu allen rechtfertigungen all gegenwurtig sein angesehen das
                  ir ain klaine anzall ist. ob aber ie ainer abgieng krankhait halben oder das er in
                    <pb
                    n="46" xml:id="S.46"/> dem rat nit sitzen möcht darumb das er ainer parthei
                  vatter brueder oder aus anderen wissentlichen ursachen ainer parthei verdächtlich
                  wär oder seiner aigen sachen halben darumb er selbst vor recht zu thuen hett, so
                  hat der landmarschalch oder undermarschalch wol macht dieselb zeit ainen anderen
                  unverdächtlichen verständigen landman desselben stands und der nicht vil groß
                  sachen in recht hangend haben an des andern stat haissen nidersitzen und
                  öffentlich an dem gericht und im haimblichen rat auf dasselbmal und zu demselben
                  handl und nit verrer zugeprauchen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4">
              <head>[IV. Titel.] Von dem landschreiber.</head>
              <div xml:id="NA.1.4.1">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 1.]</head>
                <p>Der landschreiber so an dem landßrechten gerichtschreiber ist der soll gelert <pb n="47"
                    xml:id="S.47"/> verständig in rechtschriften und üebungen erfaren und
                  sonderlich in disem landßrechtpuech khundig sein, dardurch er der partheien sachen
                  ordenlich aufzuschreiben und zu handlen, die ratschleg und urtl wie die in rat
                  furgenumen formlich und rechtmessiclich zu begreifen und gewondlicher landleufiger
                  schreiberei gehörent stattlichen auszuwarten wisse doch wierdet gelegenhait seines
                  ambts und was ime darin zu handlen geburt aus seiner phlicht und aid auch anderen
                  articlen hienach volgent schriftlich gestellt gesehen, also: "ich gelob und
                  schwer, das ich dem landschreiberambt getreulich vorsein, mit aufschreiben lesen
                  und andere handlung des landßrechten inner und ausser rats der partheien
                  furbringen und schriften mit <pb
                    n="48"
                    xml:id="S.48"/> sambt den brieflichen
                  urkhunden und alles das so in gericht gelegt und mir zu verwaren vertraut wierdet
                  dem gericht treulich bewaren, dieselben khainer parthei ôn des gerichts wissen und
                  bevelch hinauß antworten noch copi oder abschrift davon geben, und was durch
                  landmarschalch oder undermarschalch und beisitzer in rat gehandelt wierdet auch
                  die haimblichait gerichtshändl khainer partheien noch iemant anderen ausserhalb
                  der genanten landmarschalch undermarschalch und beisitzer entdeckhen noch
                  eröffnen, auch khainer parthei wider die ander ainicherlai ratten noch si warnen,
                  khainerlai miet gab schankhung oder anderen genieß durch mich selbst oder andere
                  personen wie das menschen sin erdenkhen möchten nemen noch nemen lassen, <pb
                    n="49" xml:id="S.49"/> sonder mich meines gewondlichen solds und der tax mir
                  nach gelegenheit aines ieden handls und briefs geordent benuegen lassen, auch
                  khain partheien fur die andern beschweren, gefärlichen furdern noch verhinderen,
                  auch meine schreiber so ich in dem ambt geprauchen wierde solchem nachzukhumen und
                  treulichen zu geloben mit meinem höchsten vleis underweisen und si darzue halten,
                  und alles thuen soll und wil daz ich dem gericht und partheien dem rechten und
                  dits landsrechtpuechs satzung nach schuldig bin, treulich und ungefärlich".</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.I.4.2">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 2.]</head>
                <p>In gleichem formb ungefärlich sollen auch des landschreibers schreiber so in des
                  gerichts sachen gebraucht werden verpflicht und geschworen sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.3">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 3.]</head>
                <p>Dieweil uns auch unseren landmarschalch und beisitzern und gemainer <pb n="50" xml:id="S.50"/> landschaft an ainem redlichen verstendigen gelerten
                  landschreiber nit wenig gelegen ist, darumben wo derselben ainer begriffen wierdet
                  der soll mit vleis bei dem ambt behalten werden, wo aber ainer in dem rat
                  kriegischer partheiischer und bei den landleuten aigennutziger und beitiger des
                  guets gefunden wuerde, der soll uns angezaigt, damit er als ain gift gemaines nutz
                  weckh gethon und dem rechten und landleuten zu guet verkheert werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.4">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 4.]</head>

                <p>Und so ain ieder landschreiber die gerichtshändl und der partheien schriften und
                  einlegen aus not mer und öfter dann ain beisitzer uberlesen und besehen und durch
                  die hand lassen mueß, damit er die brief so von gerichts wegen ausgeen sollen der
                  gerichtshandlung gemäß und mit <pb
                    n="51"
                    xml:id="S.51"/> widerwertig mach, ist
                  nit unnot ir zu zeiten von underrichtung wegen der schriften sein guetbedunkhen
                  und ratschlag zu hören. aber auf sein ratschlag, dieweil er im rat urtl zu fellen
                  khain stim hat, soll nit mer gerait werden dann so vil den landmarschalch oder
                  undermarschalch und den beisitzern in schöpfung der urtlen, wie dann oben davon
                  gemelt, an solchem seinem ratschlag annemblich ist und gefellt. und allain der
                  landschreiber werde mit namen des rats gefragt darauf er sein red und
                  guetbedunkhen underschiedlich und zuchticlich thuen und anzaigen soll, sonst
                  geburt im nichts zu den sachen noch den urtlen zu reden. ob ime aber die
                  rechtsprecher ungegrundt irrigen zu sonderen partheien genaigt funden, soll er in
                  khainen weg gefragt werden. <pb
                    n="52" xml:id="S.52"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.5">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 5.]</head>

                <p>Die partheien sollen fueren schriftlich handlungen, deshalben ain iede bei ir
                  selbst handen haben mag was durch si bed wider ainander in recht furpracht
                  wierdet. darumb ist unnot den proceß und die gerichtshandlung nach der leng in die
                  urtlbrief zu setzen. dann ie zu zeiten die gewalttrager vorsprechen und redner vil
                  langer unnutzer wort in den schriften einfueren, dieselben in den gerichtsbrief
                  nach der leng also einzuschreiben möcht nit allein unformlich sonder den gericht
                  und landmarschalch der den gerichtsbrief besigilt bei frembden personen
                  schimpflich und verächtlich werden. so ist auch mißlich die notturftigen articlen
                  aus den eingelegten schriften zu ziehen und in den gerichtsbrief einzuleiben,
                  sonderlich den partheien die sonst gern gruplen und krieg suechen. darumb soll in
                  den <pb
                    n="53" xml:id="S.53"/> gerichtsbriefen nicht verrer gangen, dann der
                  clager mit seiner clag und des antworters erscheinung oder sein ungehorsam und der
                  partheien eingefuert khuntschaft oder brief und sigil zu behelf ires furbringen
                  eingelegt anzaigt und gesezt werden, und darauf die urtl volgen mit datum des tags
                  und jar der zeit so die urtl vor gericht eröffent ist. dann ob iemant nachmals
                  ainicherlai notturftig wären, der mocht dasselb bei der registratur finden,
                  deshalben auch all gerichtshandlung khunfticlich in ordenliche rechtpuecher nach
                  der leng eingeschrieben werden sollen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.6">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 6.]</head>

                <p>Die urtlbrief und gerichtsbrief sein äiner parthei not zu nemen, die umb entlich
                  urtlen oder beiurtlen so craft ainer entlichen urtlen haben ausgeen, und soll
                  derselben urtl khain abschrift <pb
                    n="54" xml:id="S.54"/> dann also in gefertigten
                  gerichtsbriefen gegeben werden. aber der anderen urtlen, als wann ainer in antwort
                  gesprochen oder zu khuntschaft zu laisten erkhennt oder zu weisung zuegelassen
                  wierdet, und dergleichen beiurtlen die zu volfarung in recht zu des entlichen
                  urtlen dienen, der soll der landschreiber abschrift geben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.7">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 7.]</head>

                <p>Welcher ain entlich urtl erlangt und khain gerichtsbrief darumb nimbt, und wo ime
                  nachmalen not beschehe daz er sich in das gerichtspuech umb sein behabt recht
                  ziehen wolt, dem ist der landschreiber dasselb gerichtsbuech und urtl zu suechen
                  und furzubringen nicht schuldig, er wär dann von desselben parthei des gelts so
                  ime umb den gerichtsbrief zu geben geburt zuvor benuegig oder versichert, damit
                  der landschreiber seiner belonung so er <pb
                    n="55" xml:id="S.55"/> in der
                  gerichtshandlung biß zu ende der sachen gehabt aus der partheien lisstigkhait
                  nicht beraubt werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.4.8">
                <head>[Buch I Titel 4 §. 8.]</head>
                <p>Der landschreiber soll khainer parthei gebotsbrief ansatz anbot urlaub oder ander
                  brief so zu volfuerung des entlichen urtls dienen fertigen, si haben dann zuvor
                  den gerichtsbrief auf den die benanten nachvolgenden brief zaigen bei handen,
                  damit nit zerruttung und irrung in volfuerung des gerichts gemacht werden, doch
                  soll der landschreiber niemant mit den gerichtsbriefen saumen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5">
              <head>[V. Titel] Tax.</head>
              <div xml:id="NA.1.5.1">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 1.]</head>

                <p>Des landschreibers tax soll sein von ainem gerichtsbrief, do das gericht von
                  funfzig phunt phening biß in tausent wert ist: albeg von funfzig phunt phening <pb
                    n="56" xml:id="S.56"/> ain phunt phening. wo aber über funfzig phunt [den.] und
                  nit hundert wert ist zwai phunt phening und nicht mer. und was under funfzig phunt
                  [den.] wert ist: allain ain phunt [den.].</p>
              </div>
              <div xml:id="NA1.5.2">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 2.]</head>
                <p>Wo aber ain gericht uber tausent biß in zwai drei vier tausent phunt phening
                  minder oder mer wert ist: zwainzig phunt phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.3">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 3.]</head>
                <p>Wo aber ain gericht oder rechtfertigung noch grösser wär, alßdann sei die tax
                  nach erkhantnus des gerichts.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.4">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 4.]</head>
                <p>Von gemainen bevelhen sendbriefen vorderbriefen und ladungen umb schulden auf ain
                  kurzen termin, als vierzehen tag und deßgleichen, sambt ainer copi: davon
                  zwenunddreissig phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.5">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 5.]</head>

                <p>Von comission zu verhör der zeugen und dergleichen in recht notturftigen briefen:
                  vier schilling phening. <pb
                    n="57" xml:id="S.57"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.6">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 6.]</head>
                <p>Umb ain gebotsbrief: sechzig phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.7">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 7.]</head>
                <p>Umb ain ansatzbrief: ain phunt phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.8">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 8.]</head>
                <p>Umb ain anpotsbrief: sechzig phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.9">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 9.]</head>
                <p>Umb ain urlaubbrief: ain phunt phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.10">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 10.]</head>
                <p>Umb ain gerhabschaftsbrief: ain phunt phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.11">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 11.]</head>
                <p>Von ainem geschäft zu öfnen und einzuschreiben: ain phunt phening und nit
                  daruber, aber wol darunder nach gestalt der arbait.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.12">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 12.]</head>
                <p>Umb abschrift der khuntschaften: ie von ainem plat treulich geschriben funfzehen
                  phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.13">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 13.]</head>
                <p>Von ainem gwalt in das gerichtspuech einzuschreiben: vierundzwainzig phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.14">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 14.]</head>
                <p>Von ainer ladung auf sechs wochen: drei schilling phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.15">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 15.]</head>
                <p>Von abschrift derselben ladung und zu registerieren: sechs phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.16">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 16.]</head>
                <p>Umb commission zu guetlicher verhör oder beschaw: sechzig phening.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.5.17">
                <head>[Buch I Titel 5 §. 17.]</head>
                <p>Umb abschrift ainer beiurtl: wie obsteet zwölf phening. <pb n="58" xml:id="S.58"/>
                </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.6">
              <head>[VI. Titel.] Von ladungen.</head>
              <div xml:id="NA.1.6.1">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 1.]</head>
                <p>Die ladung ist der anfang und grund der gerichtlichen ordnung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.2">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 2.]</head>
                <p>Die ladung ist ain kurze gewisse schrift durch die oberigkhait gefertigt, darin
                  des clagers furnemen sein soll.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.3">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 3.]</head>

                <p>Umb mer cosstung pottenlon mue und ander beschwerung zu vermeiden soll furan
                  albeg nit mer dann ain ladung die drei underschiedlich täg. nemblich vierzehen zum
                  ersten, vierzehen zum andern und vierzehen zum lezten und entlichen rechtstag
                  benent gegeben werden mit dem anhang, ob zu ausgang der ladung das recht nicht
                  besessen wuerde, alßdann auf den nechsten gerichtstag darnach zu erscheinen, und
                  wo die geladen parthei auf denselben rechtstag nit erscheint, so <pb
                    n="59" xml:id="S.59"/> werd demnach auf der gehorsamen parthei anrueffen gehandlt wie
                  sich geburt und recht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.4">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 4.]</head>
                <p>Die verlaufung der täg in der ladung bestimbt sollen sich nit anfahen noch gerait
                  werden von dato der ladung sonder von dem tag als si uberantwort, und solches soll
                  furan in den ladungen gemelt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.5">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 5.]</head>
                <p>Alle ladungen im land sollen auf sechs wochen, und ausser lands auf drei monat,
                  das ist zwölf wochen, doch albeg mit meldung dreier underschiedlicher tag wie
                  vorberuert ist gestellt und gefertigt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.6">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 6.]</head>

                <p>Zu fürderung des rechten soll furan die clag alle in ainer ieden ladung clar und
                  lauter eingeleibt und der articl bisheer gebraucht, als in volfuerung der clag
                  lauter oder clärlicher angezaigt werden solle vermitten beleiben. <pb
                    n="60" xml:id="S.60"/> dann die zeit der dreier gerichtstäg in der ladung begriffen
                  sein dem antworter zu guet gegeben, damit er statlich bedenkhen und was ime zu
                  verantwortung der sachen not sei erkhundige, so der clager sich villicht ain jar
                  bedacht hat was gestalt und auf was grund er clagen wölle. und dieselb ladung soll
                  dem antworter bei ainem geschwornen gerichtspotten gesant werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.7">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 7.]</head>
                <p>Und dieweil also die clag in der ladung außgetrukht sein soll, so volgt daraus,
                  so bald der geladen die ladung empfächt und dieselb in sein wissen khumbt, das er
                  dann mit dem guet darumb geclagt ist nichts neus zu handlen hat, sonder soll das
                  in der maß beleiben lassen wie es die ladung begreift.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.8">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 8.]</head>
                <p>Welche ladung in der clag und beschlus oder begern vor verfahung des kriegs <pb n="61" xml:id="S.61"/> an einander ungleichhellig gefunden werden, dieselb
                  ladung, aber nit die sach, wierdt gefellt und der widerparthei die cosstung
                  vorbehalten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.9">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 9.]</head>
                <p>Wann der antworter ainsten geladen und erscheint, ist nit not den partheien zu
                  anderen handlungen in recht von newem zu verkhunden, dann sovil der khuntschaft
                  und fragstuckh halben beschicht, sonder sobald si ainst den krieg verfahen, sein
                  si schuldig zu ainer ieden gerichtszeit selbst oder durch ire gwält rechtlich zu
                  erscheinen biß zu end und entschied ires kriegs und volfuerung der urtl.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.10">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 10.]</head>

                <p>Veerer, umb cosstung schreibgelt pottenlon und ander beschwerung zu vermeiden,
                  wann etlich underschaidenlich umb ain sachen verphlicht sein darumb ain ieder
                  beclagt werden möcht und darumb sonderlich zu antworten schuldig <pb
                    n="62"
                    xml:id="S.62"/> wäre, als da ir etlich umb ain schuld oder purgschaft
                  unverschaidenlich verschriben sein, ist nit not ainem ieden ain sondere ladung
                  zuezuschickhen, sonder genueg das ain ladung, darin dieselben sachen all mit namen
                  begriffen, und sovil abschriften der ladung als vil der person in der ladung sein,
                  aus der canzlei gefertigt und underschriben werden. und welchem under inen allen
                  die ladung geantwort wierdt mit sambt den copeien und abschriften, der soll
                  alßdann die anderen seine mitverwonten mit den abschriften ersuechen und inen die
                  ladung also verkhunden, damit si khumen und ime die clag helfen zu verantworten.
                  dann dieselben seine mitverwonten khumen alßdann oder nit, nichts minder wierdet
                  gegen dem so die ladung emphangen gehandlt was recht ist. doch ist <pb
                    n="63" xml:id="S.63"/> ime vorbehalten sein geprechen und verlust gegen seinen
                  mitverwonten, die ine in der sachen verlassen haben, zu suechen wie recht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.11">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 11.]</head>
                <p>Wo aber mer personen ainer sachen verwont sein, die ainer ôn den anderen nit
                  verantworten mag noch soll, in derselben sach soll ainem ieden antworter ain
                  sondere ladung zuegesant werden, welche sachen sich aber sonderlich oder
                  samentlich zu verantworten geburen, soll der clager so die ladung begert erwegen,
                  dann sein nutz und nachtail daraus erwachsen mag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.12">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 12.]</head>

                <p>Ob ain landmarschalch des ambts entsezt wierdet oder stirbt, der ainer partheien
                  entlich ladung zuegesant, und derselb geladen erscheint nit, so mag der
                  nachkhument landmarschalch und richter dem der gerichtszwang bevolhen wierdet
                  wider dieselben partheien als ungehorsame <pb
                    n="64" xml:id="S.64"/> in recht nit
                  volfarn, sonder soll auf seines vorforderen ladung zeitlich ain gemain offen
                  verkhündung an der landschaft hauß und in etlichen stetten an den kirchen
                  anschlagen lassen, damit meniclich wissen muge auf was zeit er das landßrecht
                  halten wölle. erscheint alßdann der geladen oder nit, so hat der new
                  landmarschalch wol macht auf der partheien ungehorsam zu handlen wie recht
                  ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.13">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 13.]</head>
                <p>Was ainer in seiner ladung in recht furbringt das wierdt geacht, als ob er es vor
                  gericht bekhennt het, und mag darumb purgerlich oder peindlich doch vor dem
                  ordenlich gericht beclagt werden nach notturft das jhenig so dieselben wort
                  belangen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.6.14">
                <head>[Buch I Titel 6 §. 14.]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen beweglicher das ist varender gueter entwert, roß wägen
                  viech traid wein oder anders <pb
                    n="65" xml:id="S.65"/> nimbt, so ist der clager
                  nit schuldig die drei obberuert zeit der ladung zu erwarten sonder mag der richter
                  ime ain entliche ladung mit bestimbung aines tags, der von uberantwortung der
                  ladung gerait werden soll, daran er zum nechsten zu recht sitzen wierdt, schaffen
                  zu fertigen, dann der widerparthei ist langs bedachts ôn not, dieweil si irer
                  aigen gewaltigen handlung aus was ursachen si dieselb begangen wol bericht ist.
                  und wo dieselb parthei auf solchen benenten rechtstag nit erscheint, soll wider ir
                  ungehorsam wie recht ist gehandelt werden.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7">
              <head>[Buch I Titel 7] Vom fürpieter.</head>
              <div xml:id="NA.1.7.1">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 1.]</head>

                <p>Des gerichts fronpot den man ainen furpieter nennt soll ainer des adls oder ain
                  andere erbere glaubwirdige person <pb
                    n="66" xml:id="S.66"/> sein. der soll als
                  ain gemainer gerichtsdiener bei dem gerichts und der rathsthür albeg gegenwertig
                  warten und sein aufsehen auf die obgemelten personen, so zu dem gericht geordent
                  sein, samentlich und sonderlich haben zu des landsrechten und anderen ainer
                  landschaften händlen und notturften das zu thuen und auszurichten, so ime von
                  ambts und gemainer notturft wegen bevolhen wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.7.2">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 2.]</head>

                <p>All ladung und ander brief, so von gerichts wegen ausgeen und in der stat da das
                  landsrechten gehalten wierdet zu uberantworten sein, die sollen durch den
                  fronpotten oder furpieter und nit die gerichtspotten geantwort, und ime von ainer
                  ladung die drei tag begreift desgleichen von ainer offen comission von iedem
                  vierundzwainzig phening, und von anderen briefen wie die sein <pb
                    n="67" xml:id="S.67"/> zwölf phening gegeben werden, und was ansätz in den stetten und
                  purkhfriden auf des adls heusern oder in denselben heusern beschehen, die soll
                  auch der furpieter und nit des gerichts weißpot thuen, und davon dem
                  undermarschalch ain hungerischer gulden und nit mer und dem furpieter sechzig
                  phening fur sein mue geraicht werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.7.3">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 3.]</head>

                <p>Ob der furpieter iemant in der stat da das landßrecht gehalten wierdet auf einer
                  parthei begeren und des landmarschalchs bevelch zu guetlicher verhör oder in recht
                  zeugnus zu geben mundlich ervordert, als oft er ain person erfordert als oft soll
                  im der so dieselben zu fordern begert albeg von ainer person vier phening geben.
                  wann aber der landmarschalch fur sich selbst vordern lässt und von ambtswegen,
                  davon ist man ime nichts schuldig. <pb
                    n="68" xml:id="S.68"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.7.4">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 4.]</head>

                <p>Ob der landmarschalch oder undermarschalch iemant des adls in fenkhnus schafft,
                  die dann ain ieder furpieter zu gwalt haben und dermassen bewaren soll damit dem
                  landmarschalch und gericht khain spot erwachs, der soll dem furbieter wann er
                  wider heraus geschafft wierdt, und ob er nicht ain stund in der fenkhnus gelegen
                  wär, geben fur das hineinfueren vierundzwainzig phening und fur das wider
                  außlassen auch vierundzwainzig phening. ob aber ain gefangner uber nacht in der
                  gefenkhnus belib, der soll dem furpieter von ieder nach acht phening zu den
                  obberuerten achtundviertzig pheningen zallen, darumb auch der furpieter bemuet
                  sein soll zu dem gefangen zu sehen, ine zu verwaren, auch speis und andere
                  notturft hinein zu raichen, und ist nit schuldig den gefangnen aus gefenkhnus zu
                  lassen, <pb
                    n="69" xml:id="S.69"/> er sei dann solcher seiner gerechtigkhait zuvor
                  versichert.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.7.5">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 5.]</head>
                <p>Wo aber der gefangen nicht der adls sonder ain gemainer man oder knecht wäre, der
                  soll dem furbieter zwölf phening hinein und zwölf phening heraus, und als oft er
                  ain nacht in gefänkhnus ist, so oft und auf ain iede nacht vier phening fur sein
                  mue geben, wie vor begriffen ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.7.6">
                <head>[Buch I Titel 7 §. 6.]</head>
                <p>Der furpieter hat allein das beruefen vor gericht zu thuen. und wann der clager
                  den ungerechten antworter auf des gerichts erkhantnus beruefen lässt, sollen dem
                  furpieter umb solch beruefen von dem clager zwenundsibenzig phening gegeben
                  werden.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.8">
              <head>[Buch I Titel 8] Von gerichtspotten.</head>
              <div xml:id="NA.I.8.1">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 1.]</head>
                <p>Der landmarschalch oder undermarschalch <pb n="70"
                    xml:id="S.70"/> haben macht
                  die gerichtspotten nach notturft des gerichts und der partheien aufzunemen, zu
                  urlauben und zu schaffen nach gelegenhait irer handlung. und zu solchen potten
                  sollen aufgenumen werden, wo mans bekhumen mag, die schreiben und lesen khunden,
                  nicht ploß vergeben leut sonder erber glaubwirdig personen, deren albegen sechs
                  oder acht bei dem gericht sein und unser österreichisch wappen und khain anders an
                  iren potten puchsen tragen. und allain durch dieselben geschwornen gerichtspotten
                  und sonst niemant sollen die ladungen und ander brief so von gerichts wegen
                  ausgeen den partheien auf dem land ausserhalb der gerichtsstat gesessen
                  ubergeantwortt werden. dann wo solch ladungen und brief durch ander person
                  verkhundt wierden, sollen das in <pb
                    n="71" xml:id="S.71"/> recht nit craft haben
                  noch wider die geladen parthei wo dieselb vor gericht nit erschin gehandelt
                  werden. und damit sich die potten dest statlicher wissen zu halten, sollen si wann
                  si aufgenumen werden, dem gericht disen nachgeschribnen aid thuen ieder in
                  sonderhait: "ich glob und schweer etc."</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.2">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 2.]</head>
                <p>Und dieweil sich zueträgt das man anderer ainer landschaft geschäft und händl
                  halben ie zu zeiten mer potten zu gebrauchen notturftig ist, so mag alzeit der
                  undermarschalch zu den gerichts- oder anderen einer landschaft sachen uber die
                  vorberuert anzall mer person zu potten machen, phlicht von inen nemen und inen
                  unser pottenpüchsen anhengen, denen soll gleicher weis wie den anderen glaubt
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.3">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 3.]</head>
                <p>Wann die parthei die ladung <pb n="72"
                    xml:id="S.72"/> erlangt, soll si die dem
                  gerichtspotten bevelhen. die soll der pot verkhünden und antworten an das ende und
                  mit der maß wie ime die gemelt partei bevilcht, und sonderlich vleiß haben das dem
                  geladen die verkhündung selbst persöndlich under augen beschehe, wo das nit sein
                  möcht, doch in sein hauß, dardurch die ladung und clag in des antworters
                  erkhantnus gewißlich oder gelaublich khume, verkhundt und ubergeantwort werde und
                  alßdann solch verkhündung auf ain besonder zettl bei der ladung mit zeit tag maß
                  und stat der verkhündung, auch des antworters reden so er darzue gethon hat mit
                  sambt sein des potten namen schreiben, und dieselb sein außrichtung-zettl dem
                  clager oder wem er das bevilcht wider raichen, damit er die vor gericht nach
                  verscheinung der ladung <pb
                    n="73" xml:id="S.73"/> furzubringen hab, und nichts
                  minder der gerichtspot solch sein außrichtung der ladung dem landschreiber oder
                  seinem schreiber den er darzue ordent in der canzlei ansagen mit den umbständen
                  wie vor begriffen ist, damit dasselb solches zu der registerierten clag
                  einschreiben und in gericht so verr not wierdet anzaigen muge.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.4">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 4.]</head>

                <p>Ain ieder der geladen werden soll, wo er in der nähent nit gefunden wierdet, soll
                  bei seinem hauß gesucht und ime daselbst die landung geantwort werden. ob er die
                  nit annemen wollt, soll der pot desselben verachtung in seiner gegenwertigkhait
                  zuchticlich mit worten bezeugen, dardurch sein ungehorsam und verachtung der
                  oberigkhait khunt und geschafft werden muge. wo aber der geladen nit anhaim wär,
                  und sein hausfraw phleger haußverweser <pb
                    n="74" xml:id="S.74"/> oder diener
                  solch ladung nicht annemen, oder sich niemant im hauß anhaim bekhennen oder melden
                  wollt, so soll der pot die ladung auf die pruckhen mit ainem stain beschwert legen
                  oder an das thor an ainer khluppen steckhen. und so der pot solches auf sein aid
                  bestätt, soll das zum rechten genueg sein. und wann die ladung ainem also
                  geantwort oder solchen gstalt damit gehandelt wierdet, er sei anhaim oder nit, so
                  ist er geladen und mag wider ine im rechten gehandelt werden, er erschein oder
                  nit.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.5">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 5.]</head>

                <p>Des gleichen sollen die gerichtspotten all ander brief, so den partheien von
                  gerichts wegen gegeben, wie inen den potten solches bevolhen wierdet uberantworten
                  und die außrichtung ires bevelchs und ire namen aigentlich aufschreiben, und
                  alßdann an das ende dahin si <pb
                    n="75" xml:id="S.75"/> di parthei beschieden hat
                  antworten und ansagen, und in albeg vleiß thuen und aigentlich aufmerkhen was inen
                  bevolhen wierdet und was si darauf handlen, damit si zu ainer ieden zeit so des
                  not ist guete underricht bei irem aid davon thuen mügen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.6">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 6.]</head>
                <p>Aber in anderen sachen ausserhalb rechtens, als da sein vorderbrief comission
                  bevelch auf supplication und dergleichen händl, wo dieselben brief gleich nit
                  durch geschworen sonder ander potten oder person oder die parthei selbst geantwort
                  werden, und wo die gegenparthei der solch brief zuegesant werden bekhent oder
                  glaubwirdig gewisen wierdet, das ir die geantwort sein, so hat si umb das der pot
                  nit geschworen ist nit zu waigern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.7">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 7.]</head>
                <p>Den gerichtspotten soll fur ir müe von ainder ieden meil wegs <pb n="76" xml:id="S.76"/> im land zwölf phening, und ausser lands sechzehen phening, und
                  dann von der execution und außrichtung zwolf phening gegeben werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA1.8.8.">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 8.]</head>
                <p>Ob iemant, es sei inwoner oder ausländer, die geschwornen gerichtspotten mit
                  worten oder werkhen fräfelt, der ist dem landmarschalch nach gestalt seiner
                  handlung strafmässig. ob sich aber die potten unordenlich und zuvor in
                  uberantwortung der ladungen und briefen ungeburlich hielten, mag die parthei
                  solches dem landmarschalch oder gericht verkhunden, damit des potten unzücht
                  gepessert und darzue, wo die sach so grob wär, nach der straf von dem gericht
                  geurlaubt werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.8.9">
                <head>[Buch I Titel 8 §. 9.]</head>

                <p>Wann ain parthei ainen potten schickt in ainer sachen und dem potten steet ain
                  faal zue, der durch menschlich vernunft nit hat mugen gewendt <pb
                    n="77" xml:id="S.77"/> werden, solcher zuefall entschuldigt die parthei so in geschikht
                  hat, das ime der saumbsal nit zu nachtail raichen soll.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.9">
              <head>[Buch I Titel 9] Von den vorsprechern und rednern auch vögten in recht.</head>
              <div xml:id="NA.1.9.1">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 1.]</head>

                <p>Der vorsprechen und redner ambt und weß si sich vor gericht halten sollen wierdet
                  aus irer aidßphlicht und anderen hernach geschribnen articlen verstanden. dann si
                  sollen der zeit wie si zu dem gericht angenumen werden schweren "das si die
                  partheien deren sachen si in recht furzubringen annemen mit rechten ganzen trewen
                  mainen, und dieselben sachen nach irem höchsten versteen iren partheien zu guet
                  und nach ordnung und satzung dits landßrechtpuechs mit <pb
                    n="78"
                    xml:id="S.78"/>
                  vleis furbringen und handlen, und darin wissentlich khainen valsch oder unrecht
                  gebrauchen, noch gefärlich schüb und verlengerung zu verzug der sachen suechen
                  noch des die partheien zu thuen underweisen, auch mit den partheien khainerlai
                  vorgeding oder furwort machen vil noch wenig zu thail von der sachen der si redner
                  sein zu haben oder zu gewarten, auch die haimblich act nd behelf so si von den
                  partheien emphahen oder den verstand der sachen die si von inen selbst darin
                  erlernen und merkhen iren partheien zu nachtail niemant offenbaren, das gericht
                  und die gerichtspersonen eeren und furderen, vor gericht erberkhait gebrauchen und
                  lessterung und schmachwort bei peen nach massigung des gerichts meiden, die
                  partheien uber zimblichen sold und ordnung hernach geschriben <pb
                    n="79" xml:id="S.79"/> tax und satzung nit beschweren noch staigern, und ob des solds
                  halben zwischen inen und den partheien ainiche widerwertigkhait wuerde, desselben
                  bei erkhantnus des richters und der beisitzer beleiben, und was durch si in
                  gehaimen rat entschieden wierdet sich desselben benuegen, sich auch der partheien
                  und sachen die si in recht zu handlen angenumen haben ôn redlich ursachen und des
                  gerichts erlauben nit entschlagen, sonder biß zu ende derselben angenumen
                  partheien treulich helfen raten und handlen sollen und wöllen, ungefährlich".</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.2">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 2.]</head>

                <p>Welche vorsprecher und redner den ietz geschriben aid thuen, die sein furbaß den
                  aid fur gefärde den man nennet juramentum columnie zu thun nit schuldig, ob aber
                  außländer vor dem landßrechten clag- oder antwort-weiß <pb
                    n="80" xml:id="S.80"/>
                  zu kriegen hetten und ir redner und vorsprechen mit inen brächten oder mit gwalt
                  schikhten, dieselben sollen nicht zuegelassen werden, si haben dann zuvor den
                  beruerten aid fur gefärde in der sachen darumb si fur gericht khumen gethon.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.3">
                <head>Tax und satzung irer belonung [Buch I Titel 9 §. 3.]</head>

                <p>Ain iede parthei mag ain vorsprechen und redner bestellen, also wann die sach von
                  funfzig biß in hundert gulden reinisch wert betrifft, mit ainem reinisch gulden,
                  die si ime und nit mer zu handhab zu raichen schuldig ist. wo aber die sach under
                  funfzig gulden reinisch wert ist, soll die handgab ain halber gulden reinisch
                  sein. was aber sachen uber hundert biß auf funfhundert gulden reinisch wert, soll
                  die <pb
                    n="81"
                    xml:id="S.81"/> handgab zwen gulden reinisch, und was bei tausent
                  gulden wert vier gulden reinisch, was aber daruber ist die handgab funf gulden
                  reinisch und nit mer. nachmallen in verfarung des kriegs und rechtens sollen die
                  vorsprechen und redner ie nach gelegenhait der handlung und müe zimblich gelt zu
                  irer underhaltung von den partheien nemen, darnach zu ende der sachen und nach
                  entlicher urtl auf das, so si zu handhab und mitl des kriegs emphangen haben, die
                  ubermaß zu volkhumen lon sovil si erberlichen verdient haben empfahen. ob aber ain
                  parthei vormallen seinem vorsprechen und redner so vil hinaus geben, das si sich
                  mer zu geben beschwert, oder ob si sich des lonß sonst nicht verainen möchten,
                  mugen si solches zu bederseits, oder welche parthei beschwerung trüeg, dem
                  landmarschalch <pb
                    n="82" xml:id="S.82"/> und beisitzern supplication weiß zu
                  erkhenne geben, die sollen zu erwegen und zu sprechen macht haben, was von
                  derselben sachen billich gegeben und genumen werden soll. </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.4">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 4.]</head>

                <p>Zu furderung und besserer sicherhait der gerichtshändl partheien und ladungen
                  auch vil rede der versprechen redner vogt und gewalttrager abzuschneiden, daraus
                  ze zeiten menig irrung entsteen, haben wier geordent, das hinfuro all partheien in
                  recht schriftlich gegen ainander handlen sollen, die sachen seien groß oder
                  khlain, und zu beschluss aines ieden rechtsatz, er beschech zu der haubtsach oder
                  auf ain außzug, soll iede parthei oder ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager
                  nit mer dann drei schriften einzulegen nacht haben und irer widerparthei albeg ain
                  gleichlautende abschrift desselben ires <pb
                    n="83"
                    xml:id="S.83"/> einlegen
                  uberantworten. doch ob der clager nach des antworters ersten oder anderen schrift
                  nichts verrers furbringen und seinen rechtsatz mundlichen thuen wollt, daz hat er
                  wol macht, aber daneben nichts anders einzufueren dann den rechtsatz auf das
                  kurzist den schriften in recht gelegt gemäß. alßdann hat der antworter nicht macht
                  verrer geschriften darauf zu machen, sonder auch seinen plossen rechtsatz den
                  eingelegten schriften und herkhumen der sachen gemäß muntlich zu thuen.
                  deßgleichen hat auch der antworter, wo die vorschriften an ime sein, macht. wo
                  aber der partheien aine ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager in iren lezten
                  schriften oder muntlichen rechtsätzen ainiche neuerung einfuerten, dieselb
                  newerung hat die widerparthei wol macht, articl- und punctweiß ôn zuesätz <pb
                    n="84"
                    xml:id="S.84"/> muntlich anzuzaigen und zu verantworten, damit nit auf
                  dieselben sonder auf die vor eingelegten schriften und rechtsätz in recht erkhennt
                  werde, ob auch solchs newerung sein oder nicht den rechtsprechern zu erkhennen
                  haimbsetzen, aber khain sondern entschied daruber begeren. es sein auch die
                  rechtsprecher darüber zu erkhenen nicht schuldig, wo aber ir so gefärlich newerung
                  erfunden wuerden, soll die parthei oder ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager
                  darumb gestrafft werden. dieweil si wie obsteet schweren gefärde zu vereiden,
                  damit niemant armuet halben rechtloß sei, soll ain lantmarschalch oder
                  undermarschalch den armen die solchs nit vermugen aus den geschwornen zu dem
                  gericht vorsprechen oder redner zuestellen und si denselben bevelhen inen in recht
                  zu rathen furzubringen und das besst fur <pb
                    n="85" xml:id="S.85"/> si zu handeln.
                  und welchem vorsprechen oder redner die armen und ire sachen also bevelhen werden,
                  der ist phlichtig die bei peen entsetzung seines ambts ôn widerred anzunemen und
                  zu verwesen wie vorgemelt ist, und ob solcher armen sachen mer als aine wuerden,
                  soll der landmarschalch oder undermarschalch die gleich under die vorsprechen und
                  redner austailen ungefärlich. damit aber der boßlisstigen gleichsende armuet nit
                  stat geben werde, so soll der armb dem also aus mitleiden geholfen wierdet dem
                  gericht an aids stat geloben, sobald er durch behabnus gegen seinem widerthail
                  oder sonst zu narung khume, das er seinem vorsprechen oder redner nach gelegenhait
                  der ergangen urtl und sachen wie sich gebürt benuegig machen wölle.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.6">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 6.]</head>
                <p>Item, die vorsprechen redner vögt und <pb n="86" xml:id="S.86"/> gwalttrager
                  sollen verstendig beschaiden und sonderlich in disem landßrechten wissent und
                  geübt sein, recht gemain teutsch reden und schreiben, und nichts in latteinischer
                  zungen schriftlich noch müntlich vor gericht furbrigen, noch die lateinischen
                  namen zu dem teutschen ziehen, als so sie wolten reden oder schreiben: comission
                  prabation dilation exception compaßbrief und ander dergleichen namen, sonder sich
                  ordenlicher gemainer teutsch darfur gebrauchen, dieweil die so clar und lauter in
                  solchen fällen als die latein sein mag, nemblich bevelch gezeugnus verzug auszüg
                  zeugbrief und was si verrer in recht einzufüeren haben, daz sollen si zu erhaltung
                  und erleuterung dieses hier ingeschriben recht in teutscher zungen thuen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.7">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 7.]</head>
                <p>Item, der vorsprech redner vogt oder <pb n="87"
                    xml:id="S.87"/> gwalttrager der
                  seiner partheien in recht leisten oder ir sach furpringen soll vor und ee er die
                  sachen annimbt aufricht und macht die parthei wie sich geburt notturfticlich
                  hören, ir brief sigil und gerechtigkhait aigentlich ubersehen, und sich der
                  zeugnus und khuntschaft damit si die clag antwort außzüg und ander was not wuerde
                  beweren will gruntlich erkhunden, damit solches rechtmessiclich und nach der
                  parthei notturft furbracht werde, wo sie aber erfunden das die parthei nit guet
                  gerechtigkhait hat, alßdann dieselb mit dem bessten glimpfen abweisen sich in
                  recht nit zu begeben, costung und widerwillen zu vermeiden. dan vil geschehen
                  möcht, das die vorsprechen redner vögt oder gwalttrager, die hendl ungemessen und
                  unerfaren auch das gelt von den <pb
                    n="88" xml:id="S.88"/> partheien unbedacht
                  annemen, mer nach der partheien gelt dann nach grund der sachen fragen, und wierdt
                  in iren schriften und einlegen befunden, wie die clag antwort schriften und
                  eingelegt brief und sigil etwo unförmblich und der handlung ganz ungemäß sein. wo
                  dann der richter solchen unfleiß oder unachtberkhait spuret, dardurch die parthei
                  nachtail erwart, soll er die gerichts cosstung den vorsprechen rednern vögten oder
                  gwalttragern zu bezallen auflegen, das eingenumen gelt seiner parthei wider zu
                  geben bevelhen, und darnach die straf das er wider sein phlicht gehandelt hat dem
                  gericht vorbehalten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.8">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 8.]</head>

                <p>Die vorsprechen redner vögt gwalttrager oder beschirmer vor disem gericht sollen
                  ire einlegen und schriften, so si wider die gegenparthei zu thuen haben, <pb
                    n="89" xml:id="S.89"/> uber den dritten gerichtstag der besessen wierdet nicht
                  verziehen ôn merkhlich eehaft not dem gericht wissent. wo aber solcher verzug uber
                  die benennt zeit ôn rechtlich ursach durch die vorsprechen redner vögt gwalttrager
                  oder beschirmer beschähe und die widerparthei das vor gericht meldet, das soll in
                  das gerichtspuech bezaichent, und waß cosstung und nachtail aus derselben
                  verlengerung erwachsen wuerde, in mässigung des gerichts darlegen den genanten
                  vorsprechen redner vogt oder gwalttragern zu bezallen aufgelegt werden, dardurch
                  die parthei derselben die das gelt nemen unfleiß und versaumbnus nicht
                  entgelt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.9">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 9.]</head>

                <p>Die partheien oder ire vorsprechen redner vögt oder gwalttrager in gericht sollen
                  sich schamen und enthalten wissentlich unwarheit und ungrund <pb
                    n="90" xml:id="S.90"/> in hoffart und ubermuet furzubringen, und nicht achten umb das
                  si etwo die warhait truzlicher tempfen möchten sovil dest gelerter gesehen zu
                  sein. dann wo si der unnottuftigen subtilittet des rechtens und der worten mer
                  obligen dann den geschichten und handlungen der partheien und irer gerechtigkhait
                  oder aines gueten glaubens und der warhait, so sollen si nicht angenumen sonder
                  verworfen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.10">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 10.]</head>

                <p>Welcher vorsprech redner vogt oder gwalttrager sein parthei underweist die
                  warheit in recht zu verhalten oder solches anstat derselben parthei selbst
                  wissentlich thuet, der ist der widerparthei den schaden so si daraus emphächt, es
                  sei mit zeugnus khuntschaft cosstung oder verliesung der haubtsach, abzuthuen und
                    <pb
                    n="91" xml:id="S.91"/> zu widerkheren, und demnach sich mit dem gericht umb
                  versprechung seiner phlicht zu vertragen schuldig, dann si sollen recht und
                  warhait rathen handlen und furbringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.11">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 11.]</head>
                <p>Welcher vorsprech redner vogt oder gwalttrager mit seiner parthei vorgeding macht
                  umb ain thail khlain oder groß der sachen oder umb ain benant guet so in krieg
                  ist, den urlaubt das recht ôn erkhantnus und urtl von seinem ambt dasselb verrer
                  nicht zu geprauchen. und ob solch geding gleich mit dem aid bestät wäre, so hat es
                  dennocht nit craft, dann solcher aid ist wider recht und guet sitten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.12">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 12.]</head>

                <p>Die vorsprechen redner vögt und gwalttrager sollen nicht zu viel reden und
                  niemant an sein glimpfen belaidigen sonder beschaiden sein, <pb
                    n="92" xml:id="S.92"/> doch das so zu notturft irer partheien sachen dient nicht
                  verhalten, sonder mit den züchten und furworten als sich zu eren geburt an den tag
                  bringen. wo aber ainem durch die partheien ursach geben wuerde, mag er sich mit
                  maß und zucht verantworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.13">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 13.]</head>
                <p>Ob ain parthei die bessten und geschickhtsten vorsprechen redner vögt und
                  gwalttrager allain bestellet, dardurch sich die widerparthei mit den ungeuebten
                  betragen müest, des soll der richter nit gestatten, sonder ain gleiche thailung
                  und maß darin machen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA1.9.14">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 14.]</head>

                <p>So ain vorsprech redner vogt oder gwalttrager, der die gehaim ainer parthei
                  vernumen und sich derselben zu dienen zuegesagt und gedingt hat oder ist derselben
                  sachen handler gewesen, der soll der widerparthei <pb
                    n="93" xml:id="S.93"/>
                  vorsprech vogt redner oder gwalttrager nicht sein in ainicherlai dieselben sachen
                  berüerent. wo er aber solches thet und desselben oder wie er sonst als ain
                  bedenhender uberwisen wuerde, so soll er verleumbdig sein und gestrafft
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.15">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 15.]</head>
                <p>Wann ain vorsprech redner vogt oder gwalttrager ainicherlai red oder händlt vor
                  gericht in gegenwurtigkhait seiner partheien, und die widerspricht dasselb nicht
                  und zaigt die irrung des vorsprecher redner vogt oder gwalttrager nicht an,
                  wierdet gehalten als ob dieselb parthei solches selbst geredt und gehandelt
                  hete.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.16">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 16.]</head>

                <p>Frawen sollen nicht gwalttragen, ausgenumen si haben armb und krankh vätter
                  mueter een ändl oder haußwiert, dieselb zu handlen noch ander gwalttrager zu
                  bestellen nit <pb
                    n="94" xml:id="S.94"/> vermugen. auch wann si ain gerhab irer
                  khinder ist und den khindern durch ir mitgerhaben nit geholfen werden mag, wierdet
                  si von der khinder wegen in recht zu handlen zuegelassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.17">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 17.]</head>

                <p>Ain beschirmer haist, der sich ôn gwalt iemant im rechten zu verantworten
                  understeet. und derselb beschirmer ist schuldig bestand zu thuen mit purgen oder
                  phanden, das dem so geurtailt wierdet genueg beschehe und sein parthei die er
                  beschirmbt solch sein handlung zu guet anneme, damit das gericht nicht verschimpft
                  werde. desgleichen, wer aines außländers der nicht ligunt oder varent gueter im
                  land hat gwalttrager ist, der soll dem gericht und der widerparthei die ain
                  landman wär bestand thuen mit purgerschaft oder phanden dem rechten biß zu end <pb
                    n="95"
                    xml:id="S.95"/> zu warten, und ob er verlustig wuerde, das so mit recht
                  erkhennt wierdet zu volstreckhen. ausgenumen, derselb auslender wär ain
                  dienstknecht im land, oder sonst ain arme person der umb sein lidlon sold raitung
                  oder ander handlung seinem herren dem er gedient het oder ain andere höhere
                  gewaltige person umb erblich oder ander gerechtigkhait, als behaltnus schulden und
                  dergleichen, ansprüch, so ist nit recht denselben ansprechern in bestand zu
                  tringen, dann damit wuerde den mechtigen und gwaltigen stat gegeben die armen
                  wider die pillichait zu dringen, so si mengl halben des bestands ir gerechtigkhait
                  gegen inen nicht suechen möchten. doch damit auch ainer armen person nit ursach
                  und stat geben werde ainen herren oder unvermuglichen muetwillig zu beclagen <pb
                    n="96" xml:id="S.96"/> und umbzufueren, so soll ain solcher armer wo er nit
                  purgschaft haben mag vor der rechtfertigung mit aidsphlicht verstrikht werden, wo
                  er aber verlustig wuerde von gericht nit zu weichen sonder gepurlich straf des
                  gerichts zu gedulden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.18">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 18.]</head>
                <p>In sachen, die ainem gotshauß oder geistlichen stift nachtailig sein oder werden
                  mügen, hat der abbt oder prelat ôn des convents wissen und willen auch gwalt in
                  recht nicht macht zu handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.19">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 19.]</head>

                <p>Ob ain beschirmer in recht ôn gwalt von deswegen den er beschirmbt ain valsche
                  bekhantnus thuet, die khumbt der haubtsachen nicht zu nachtail, sonder ist derselb
                  beschirmer der widerparthei schuldig solches abzulegen, es wäre dann das sein
                  parthei in solche bekhantnus bewilligt. <pb
                    n="97" xml:id="S.97"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.20">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 20.]</head>
                <p>Ob ain versprecher redner vogt oder gwalttrager seiner parthei zu nachtail
                  handelt aus ubersehen oder uberfluͦs, den hat dieselb sein parthei darumb zu
                  beclagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.21">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 21.]</head>
                <p>Die partheien mugen nit allain gwalt zu recht schriftlich geben sonder auch vor
                  gericht mit glübt dem richter an den gerichtsstab, darzue einschreiben in das
                  gerichtspuech. und dasselb gelubt begreift in gemain all articl die zu ainem
                  volkhumen gwalt in recht nach des gerichts ordnung und geprauch notturftig,
                  ausgenumen den aid, der soll mit namen außgetrukht sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.22">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 22.]</head>

                <p>Es soll ain iede parthei iren vorsprechen redner vogt oder gwalttrager zu recht
                  in iren notturften genuegsamb underrichten, damit er vor gericht nit hinder sich
                  auf si waiger sich ab ir zu <pb
                    n="98" xml:id="S.98"/> erlernen, es begäb sich
                  dann ain zuefall die haubtsach gruntlich nicht beruerent darin neuer erkhundigung
                  und underricht not wär. ob aber der vorsprech redner vogt oder gwalttrager in der
                  haubtsach nit genuegsam underricht ist und auf seinen herren oder parthei waigert
                  und deßhalben das recht verzogen wierdet, so ist er die cosstung solchs verzugs
                  schuldig zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.23">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 23.]</head>
                <p>Die gwalt zu recht sollen lauter verstendiclich ôn hinterlisst und zweiflige wort
                  und articl gestellt, und sonst nicht angenumen noch der partheien auslegen daruber
                  gehört werden, damit nit ain krieg aus dem anderen erwachs, dieweil ebenso leicht
                  ain richtiger als ain listiger gwalt zu recht gegeben werden mag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.24">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 24.]</head>
                <p>Wo aber ain zweifl wäre, ob ainer <pb n="99"
                    xml:id="S.99"/> der sich als
                  gwalttrager anzaigt ain gwalt hab oder nicht, der mag mit bstand oder sicherhait
                  der phenung oder porgen zuegelassen werden gwalt furzubringen oder denselben zu
                  weisen, ausgenumen der herr oder parthei des kriegs möcht der enden da das gericht
                  ist oder nahent darbei erraicht werden, alßdann hat die sicherhait nit stat. oder
                  wodurch die sicherhait, so derselb vermaint gwalttrager dem gericht thuet, der
                  antworter in der haubtsach nit genuegsam versehen wäre, so soll solch sicherhait
                  durch den richter auch nicht angenumen werden. aber ain ieder auswendiger so
                  volkhumens alters ist mag aines abwesenden beschirmer sein in recht ôn gwalt, so
                  er sicherhait thuet das dem rechten und urtl genueg beschehe, ausgenumen derselb
                  beschirmer <pb
                    n="100" xml:id="S.100"/> wär ein person die sonst in recht nicht
                  handlen möcht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.25">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 25.]</head>
                <p>Wo der gwalttrager gesezt wierdet ain guet einzunemen oder das ime bezalt werden
                  solle, ist not das er ain verschriben gwalt furbring oder weise genuegsamblich des
                  gwalts laut und inhalt, so er innhat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.26">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 26.]</head>
                <p>Wann der antworter furwirft des clagers gwalt sei falsch, so soll derselb
                  gwalttrager mit sicherhait nit ausgelassen werden, der falsch werde dann vor
                  verkhündt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.27">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 27.]</head>

                <p>Der man mag seiner hausfrawen gwalttrager sein, aber nit sorger alles ires guets,
                  aber wol ir sorger zu rechtfertigung ainer sachen. und ob er ôn gwalt von iren
                  wegen clagen will, wierdet er zuegelassen doch mit sicherhait wie vorberüert, und
                  nicht allain zu clagen sonder auch si zu beschirmen. wo er aber <pb
                    n="101" xml:id="S.101"/> von seiner hausfrawen ain verschriben gwalt furbringt, so hat
                  er nicht macht mer zu handlen dann derselb gwalt vermag. und solches wierdet
                  verstanden in den guetern des weibs darzue der man khain gerechtigkhait hat. aber
                  anderst ists in dem heiratguet oder den guetern so das weib irem mann ausserhalb
                  des heiratsguets ubergeben hat, darin ist der man selbst handler und sacher.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.28">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 28.]</head>
                <p>Die gwalttrager in recht sollen nicht nachgesezt gwalttrager stellen weder vor
                  noch nach verfahung des kriegs, es werdt in dann durch iren haubtsacher oder den
                  gwalt erlaubt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.1.9.29">
                <head>[Buch I Titel 9 §. 29.]</head>

                <p>Gerhaben und sorger mügen vor und nach verfahung des kriegs gwalttrager zu recht
                  und anderen notturften irer waisen und khinder setzen, dieweil si denselben ir
                  handlung verantworten müessen.<pb
                    n="102" xml:id="S.102"/>
                </p>
              </div>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2">
            <head>[II. Buch.]</head>
            <div xml:id="NA.2.1">
              <head>[Buch II Titel 1.] Von dem gericht und seiner ordnung.</head>
              <div xml:id="NA.2.1.1">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 1.]</head>
                <p>Das gericht ist ain erliche handlung dreier person, des richter clager und
                  antworter. und derselben handlung dienen etlich zuordnung des gerichts, etlich zu
                  lernung der sachen und etlich zu entschied der sachen, als in den nachvolgenden
                  articlen gesehen wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.2">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 2.]</head>

                <p>Ain iede gerichtshandlung wierdet gethailt in drei thail: der erst ist von
                  ausgang der ladung biß zu verfahung des kriegs, das ist der recht anfang des
                  gerichts und kriegs biß zu dem entlichen urtl mit entlicher <pb
                    n="103" xml:id="S.103"/> volfuerung derselben urtl. in dem ersten tail wierdet
                  gehandelt, ob der richter der sachen ordenlicher oder treulicher richter sei, ob
                  der clager umb die sachen darumb er geladen clagen muge, ob der gwalttrager
                  genuegsam gwalt habe, ob der clager oder sein gwalttrager in recht handlen müge,
                  ob die ladung rechtfertig sei, ob die sach vor dem gericht gerechtfertigt werden
                  solle, und ander dergleichen handlung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.3">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 3.]</head>

                <p>In dem andern thail wierdet die haubtsach gehandelt, auszüg darwider gebraucht,
                  khuntschaft und zeugnus gelait und wider dieselb khuntschaft und der zeugen person
                  geredt, und anders gehandelt so zu erkhundigung der warhait in der haubtsachen
                  dienet. in dem lezten thail wierdet entlich urtl gefellt, die <pb
                    n="104" xml:id="S.104"/> gerichtscosstung gemässigt und dieselb urtl volzogen, und
                  anders gehandelt das zu endschaft der sachen geburt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.4">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 4.]</head>

                <p>Der löblich geprauch hat von alter heer eingefuert, den wir auch gnediclich
                  beleiben lassen und bestätten, das ain ieder des adels in unserm furstenthumb
                  Österreich uber seine holden und grund ainen aigen gerichtszwang hat in sachen
                  seine grund und holden berüerent und darumb straf zu thuen, allain malefitz und
                  landgerichtmässig händl ausgeschieden. doch wo ain solcher grundherr seumig ist
                  auf anderer leut clag recht zu thuen, so soll der landmarschalch umb außrichtung
                  angerueft und khain verpot im land wie bisheer beschehen gestatt werden. und wes
                  der clagent durch den verzug zu schaden khöme, soll <pb
                    n="105" xml:id="S.105"/>
                  ime der saumig grundherr zu widerlegen schuldig sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.4.a">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 4a. § 4 ist doppelt gezählt!]</head>
                <p>Welcher sich in gegenwertigkhait dits gerichts, ob das gleich nit sein ordenlich
                  gericht wär, wissentlich verphlicht alda in recht zu steen und das gericht nimbt
                  solch verwilligung an, der mag solch gericht in derselben sachen nachmallen nicht
                  mer waigern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.5">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 5.]</head>
                <p>Nach gemainen rechten soll der clager des antworters gericht ervolgen da des
                  antworters behausung, oder da er zu der zeit seiner handlung vertrag oder wilkhur
                  zu volziehen verphlicht hat, oder da das guet darumb der strit ist ligt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.6">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 6.]</head>

                <p>Der gelter, er sei außländer oder inwoner, ist schuldig an dem ende umb die
                  schuld zu recht zu steen da er sich <pb
                    n="106" xml:id="S.106"/> verphlicht hat
                  solch schuld zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.7">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 7.]</head>

                <p>Wann ainer roß viech oder ander guet durch ain gericht fuert darzue ain ander
                  gerechtigkhait zu haben vermaint, und der wanderer ist beleiblich in der nähent
                  dardurch er zimblich mag erraicht, dem soll solch guet mit verpotten noch
                  aufgehalten werden, dardurch dem wanderer und der anderen parthei nit mer cosstung
                  aus dem verpot erwachs. aber der wanderer sol sicherhait thuen das guet
                  unverändert zu halten, wann er deßhalben angesprochen dasselb guet furzubringen
                  und rechtens darumb zu gewarten. doch soll bei demselben auch ain zeit benennt
                  werden darin der clager solch sprüch sueche, wo er das nicht thuet, das der
                  wanderer müessig und ime sein schaden gegen dem clager vorbehalten sei. <pb
                    n="107" xml:id="S.107"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.1.8">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 8.]</head>
                <p>Ob ain gast des adls oder dienstman die merer zeit in dem land wonet und bei
                  ainem wiert zert khain aigen noch bestand-behausung daselbst hat, der ist nichts
                  minder nit als umb die händl so er an demselben ort aufricht und thuet, sonder
                  auch umb die er anderer enden begangen hat oder noch thuen wuerde auf bürgerlich
                  clag vor dem landßrechten zu recht zu steen schuldig</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.9">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 9.]</head>

                <p>Wann ain außlender ainen landman vor dem landmarschalch beclagt und den krieg in
                  recht verfähet, denselben mag der antworter aber sonst khain anderer vor endung
                  solcher gerichts handlung auch in derselben sachen vor dem landmarschalch widerumb
                  beclagen, und der außlender den gerichtsstuel nicht waigern fur seinen ordenlichen
                  richter. <pb
                    n="108" xml:id="S.108"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.1.10">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 10.]</head>
                <p>Ain außlender und erb aines abgestorbnen der unsers landmarschalch gerichtsstab
                  underworfen gewesen, ob er in dem selben gerichtszwang betretten wierdet, so ist
                  er umb des abgestorbnen handlung vor unserm landmarschalch schuldig zu antworten,
                  und irrt nicht ob derselb erb ainen anderen ordenlichen richter hat und außerhalb
                  unsers landmarschalchs gerichtszwang wonnhaft, oder ob er ausser ordnung gemainer
                  recht gefreit ist, alß ob derselb erb allain vor uns oder unseren räthen oder
                  regiment zu recht steen solle. dann will er des abgestorbnen erb geniessen, mag er
                  auf sein freihait nicht waigern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.1.11">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 11.]</head>

                <p>Ob ainer in seinem geschäft oder lezten willen ainem frembden varent oder ligent
                  guet das in unsers landmarschalchs gerichtszwang gelegen ist <pb
                    n="109" xml:id="S.109"/> ordent, und in demselben seinem geschäft ainen erben einsezt
                  der dem beruerten gerichtszwang nicht underworfen, nichts minder ist derselb vor
                  dem landmarschalch schuldig zu antworten, soverr er von dem der solch guet aus
                  craft des geschäfts begert mit der ansprach in das guet beclagt wierdet. wo er
                  aber mit ainer persondlichen ansprach beclagt wuerde, wäre er zu antworten nit
                  schuldig sonder mag derhalben fur sein ordenlich gericht waigern. aber in dem
                  gerichtszwang da der merer thail der erbschaft ligt ist der erb umb die selben
                  gueter, er werde mit persondlicher clag oder mit ansprach in das guet furgenümen,
                  zu antworten schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.12">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 12.]</head>

                <p>Ob ainer fur recht geladen wierdet und in zweifl steet, ob er dem gerichtsstab
                  underworfen sei oder nit, alß <pb
                    n="110" xml:id="S.110"/> gewöndlich beschicht
                  bei denen so zwischen den gränitzen der land sitzen, der selb geladen ist zu
                  erscheinen und ursach seiner waigerung des gerichts anzuzaigen schuldig, und hat
                  der landmarschalch daruber wol zu erkhennen, ob er deshalben richter sei oder nit,
                  mit der maß wie oben davon gemelt ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.13">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 13.]</head>
                <p>Ob ainer dem gerichtsstab underworfen zu recht geladen wierdet und sich nach
                  uberantwortung der ladung und vor verscheinung des benennten gerichtstags under
                  ain ander gericht setzet, nichts minder ist der geladen vor dem landmarschalch zu
                  erscheinen und dem rechten vor ime zu warten schuldig, dann genueg ist das ime die
                  ladung furkhumen und in dem gerichtszwang begriffen hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.14">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 14.]</head>
                <p>Zwischen vatter und sun ist ain naturliche verpündnus, darumben mag <pb n="111"
                    xml:id="S.111"/> zwischen inen khain gerichtlicher krieg sein, dann zu ainem
                  volkhumen gericht wie oben gemelt drei person notturftig der richter clager und
                  antworter. das mag aber in disem vall nicht sein, dieweil naturlich der vatter mit
                  dem sun und der sun mit dem vatter ain person geacht werden. auch ist in ainer
                  gerichtlichen handlung not, das zusamenfliessen die naturlich und burgerlich
                  verphlichtung, also zu versteen, das der krieg erwachs nit allein aus naturlicher
                  sonder auch aus burgerlicher landrechtmessiger handlung. also wann der vatter oder
                  sun aigen ausgeschaiden güeter hetten die ainer fur sich selbst ausserhalb des
                  anderen ererbt erdient erworben oder uberkhumen, darin der ander khain
                  geprauchliche mässigung het und doch darin irrung thet oder ime ainicherlai
                  zuezug, oder <pb
                    n="112" xml:id="S.112"/> wo ir ainer als gerhab vormund oder
                  versorger geursacht und von recht gedrungen wuerde wider den anderen in des
                  dritten als seines waisen oder jungen nutz rechtlich zu handlen, oder in anderen
                  dergleichen fällen, so mag zwischen vatter und sun gerichtliche handlung
                  beschehen. doch das der sun solchs wider den vattern anfahe mit gunst wissen und
                  erlaubnus der oberigkhait unverholen und mit gehorsamer ersuechung zuvor an den
                  vattern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.15">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 15.]</head>
                <p>Ain sun, der noch in seines vatters gwalt ist, mag beclagt werden umb sein
                  handlung und vertrag die er selbst thuet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.16">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 16.]</head>

                <p>Ob ainer den anderen beclagt vor disem gericht umb ain sach die daselbst zu
                  rechtfertigen geburt, und es fellt außzugweis ein ain frag oder sach, die sich an
                  dem ende zu <pb
                    n="113" xml:id="S.113"/> rechtfertigen nicht gebürt, nichts minder
                  mag der richter umb dieselb einfallent sachen erkhennen, ob er gleich derselben
                  sach sonst nicht richter ist, oder mag schweigent zu der entlichen urtl geen und
                  denselben auszug verwerfen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.1.17">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 17.]</head>

                <p>Damit unser landleut in ainigkhait und unzertrennt beleiben, irrung und zwitracht
                  in disem unserm selbst gerichtszwang vermitten werden, und wir unseren landleuten
                  in ainer gemain nicht schaden, so wöllen wir unß enthalten solch bevelch ausgeen
                  zu lassen dardurch die landleut zu sonderen von disem ordenlichen gericht des
                  landßrechten abzuforderen, noch auch die sachen so vor dem landßrechten zu
                  rechtfertigen geburen sonderen personen als nachgesezten richtern zu bevelhen,
                  ausgenumen es wär ain sach so merkhlich, <pb
                    n="114" xml:id="S.114"/> das darin
                  landmarschalch undermarschalch und der merer thail der beisitzer als verdächtlich
                  person aus warhaften ursachen gewaigert werden möchten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.18">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 18.]</head>
                <p>Die gwaltig entwerung soll vor dem gericht darunder si beschicht, es sei um
                  ligent oder varent guet, gerechtfertigt werden, also das auch die grossen
                  geistlichen prelatten und ander so ie zu zeiten den armen aus irem unvermugen
                  gwalt thuen sich des gerichts nicht eussern sollen. dann wo si uber gethonen gwalt
                  dem gericht ungehorsam erschinen, so soll auf den guetern die si under demselb
                  gerichtsstab haben volziehung beschehen, sonst wuerde den mechtigen ursach gegeben
                  die armen zu vertruckhen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.19">
                <head>[Buch II Titel 1 §. 19.]</head>

                <p>Der richter soll fur sich selbst khain kriegisch guet zu der dritten hand
                  stellen, wo der besitzer seiner posseß entsezt <pb
                    n="115"
                    xml:id="S.115"/>
                  wierdet es beschehe dann mit beder partheien willen. und werden dem dritten
                  behaltnusweiß eingeantwort ôn nachtail des besitzers posseß, es wär dann ain
                  beweglich guet und die parthei verdächtlich das si damit emphliehen möcht, oder
                  auch in unbeweglichem guet wann der inhaber verdächtlich und ain verthon mensch
                  dadurch das guet und die frucht nicht sicher wären. doch wo derselb sicherhait
                  thuet und die frucht und was es von dem guet emphächt aufgeschriben werden, soll
                  er nicht entsezt werden. oder wo die partheien aus macht und aigen willen mit
                  gwalt und waffen sich bei dem guet behalten und aufruer machen wolten, soll der
                  landmarschalch von unseren wegen dasselb guet biß zu außtrag des rechtens oder
                  dritten hande behaltnusweiß antworten, und <pb
                    n="116" xml:id="S.116"/> nach
                  erkhantnus der sachen den muetwiller und verachter in unser chamer zu straffen
                  anzaigen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2">
              <head>[Buch II Titel 2] Von clagern und clagen</head>
              <div xml:id="NA.2.2.1">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 1.]</head>
                <p>Ain ieder hat macht zu clagen, es werde im dann durch ordnung des rechten
                  verpotten oder mit urtl von der clag zu steen getrungen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.2">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 2.]</head>
                <p>Aus den rechten wierdet verpotten zu clagen waisen und denen so in mindern jaren
                  und under dem gwalt vatter und mueter, der gerhaben sorger oder vormunder sein,
                  desgleichen corherren munichen von regulierten ôn sonder bevelch und gwalt irer
                  ober und prelaten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.3">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 3.]</head>

                <p>Desgleichen mugen die unsinigen ungehorenden stumben und thoren fur sich selbst
                  und in aigner person nit <pb
                    n="117" xml:id="S.117"/> clagen. es soll auch denen
                  so im beschwerten pan und acht oder von mißhandlung wegen landreumig unleumbdig
                  monaidig, oder anderer gestalt ubelthätter sein die umb ir missethat peinlich
                  gestrafft werden mugen, zu clagen verpotten sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.4">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 4.]</head>
                <p>Wiewol menigerlai articl in der clag gesezt werden mugen, so ist doch genueg das
                  die clag dise furnemblich begreif: wer clag, wen er beclag, was und warumb er
                  clag, und von dem der cleger rechtens darumb begere.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.5">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 5.]</head>

                <p>Die clag soll beschehen schriftlich, und ob die in das guet beschicht, soll das
                  guet benentlich mit seiner maß gelegenhait und anderen umbstenden, und in den
                  persondlichen spruchen die ursach der handlung und zuespruchs und von wannen
                  dieselben erwachsen in der clag lauter <pb
                    n="118" xml:id="S.118"/> ausgetrukht,
                  damit zweiflicher und dunkler verstand ausgeschlossen werde und die widerparthei
                  schikhlich darauf antworten auch der richter ain clar lauter urtl geben müge.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.6">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 6.]</head>

                <p>Ain ieder soll sich vleissig bedenkhen warumb er in recht clagen wölle, damit in
                  der clag khain muetwillen sonder allain die notturft erschein, dann es ist ain
                  gemain war wort, das recht ist siniwel und ausgang der rechtfertigung
                  wandelwertig. welche aber nit inen selbst sonder anderen rechtfertigung ueben, als
                  gemainiclich die vorsprechen redner und gwalttrager, die haben oft dabei lust und
                  gewin. darumb sehe ain ieder des die sach aigen ist, was er thue und das besser
                  ist mit rue nuzlich zu gedulden dann mit schaden sorg und arbait zu kriegen. <pb
                    n="119" xml:id="S.119"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.7">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 7.]</head>

                <p>All clagen oder ansprach, so bei den ordenlichen oder wilkhurlichen richtern
                  geübt, die werden in drei thail gethailt: dann etlich sein persondlich, etlich in
                  das guet allein, etlich sein gemengt oder vermischt. die persondlich clag oder
                  ansprach gebüren aus vilerlai mainung so den personen anhengen, als umb wilkhur,
                  oder handlung ainer wilkhur gleichmässig, auch umb mishandlung oder umb sachen
                  ainer mißhandlung gleichmessig. clag oder ansprach in das guet deren sein etlich
                  leiblich, als wann ainer den anderen beclagt umb ain sichtig ligent oder varend
                  guet, gold, silber ackher wismad haus hof etc., etlich unleiblich, als so ainer
                  den anderen beclagt umb ain gerechtigkhait oder gebrauch, so ainer des ander guet
                  hat, da er sein guet nicht begert sonder die <pb
                    n="120" xml:id="S.120"/>
                  gerechtigkhait und dienstberkhait aines wegs durch sein grund zu treiben, zu faren
                  oder zu geen oder waid oder wasser auf seinen grunden zu nemen, auch umb
                  obrigkhait und gerechtigkhait und dergleichen unleiblich gerechtigkhait dann die
                  vermengten oder gemischten clag und ansprach sein, wann ainer handelt umb das sein
                  und das so man ime zu thuen phlichtig oder schuldig ist, als die ansprach sein umb
                  erbschaft oder gemaine thailung aines guets, so ir zween oder mer in gemain mit
                  ainander haben und dergleichen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.8">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 8.]</head>

                <p>Etlich clag werden genannt samentlich, so ainer begert sich ainen erben zu
                  erkhennen, oder begert ainer erbschaft, oder clagt aus ursach aines geschäfts
                  darinnen ime ain erbschaft geburen soll, oder umb thailung ainer erbschaft oder
                  umb khauf <pb
                    n="121" xml:id="S.121"/> ainer samentlichen erbschaft. und in
                  solchen handlungen ist der clager nit schuldig die gueter sonderlich in der clag
                  auszutruckhen. etlich clag sein gemainsam, als so ich umb schloß dorf oder anders
                  guet clag mit aller seiner zuegehörung, darinen mag erleuterung der zuegehörungen
                  begert werden, wo dieselb sonst nit wissent ist, damit der antworter auf des
                  clagers begeren lauter und gruntlich wiß zu antworten und der richter ain gewisse
                  richtige urtl geben müge. eetlich sein sonderlich clag, so umb sondere gueter, als
                  schulden verphlichtung wilkhur und dergleichen, beschehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.9">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 9.]</head>

                <p>Der clager mag nit gedrungen werden zu clagen, aber der antworter der sich
                  khunftiger ansprach von ainem anderen besorgt mag vor dem gericht pitten dem
                  clager zeit zu setzen darinn sein clag <pb
                    n="122" xml:id="S.122"/> furzubringen,
                  damit der antworter nicht ewiclich in der rechtfertigung ste. und ob er
                  khundschaft oder zeugen zu khunftiger gedächtnus zu verhören begert, das soll ime
                  gestat werden, damit ime sein rechtlich gegenweer durch des clagers verzug nicht
                  entgee. vor verfahung des kriegs mag der clager die clag fallen lassen, doch der
                  widerparthei die cosstung bezallen. aber nach verfahung des kriegs nicht mer,
                  sonderlich nit ân willen der widerparthei, er verzeihe sich dann khunfticlich
                  derselben sachen haben aller ansprach, doch auch mit bezallung der cosstung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.10">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 10.]</head>

                <p>Welcher ain burgerliche clag in ain peindliche verändern will dem soll das nit
                  gestat werden, dann die rechtmessig pillichait erleidet nicht das, so minder
                  schedlich ist, in grösseren spot oder nachtail zu wenden. <pb
                    n="123" xml:id="S.123"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.11">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 11.]</head>
                <p>Der so ainem anderen herren des beclagten guets in recht nennet soll demselben
                  herren durch des gerichts vorderbrief verkhunden lassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.2.12">
                <head>[Buch II Titel 2 §. 12.]</head>
                <p>In gar gemainen und schlechten clagen, darin der richter nit schuldig ist die
                  ordnung und zierd des rechten zu halten, mag die clag zu furderung der handlung
                  und sonderlich zwischen schlechten oder armen oder gessten und wegfertigen
                  personen muntlich aufgenumen und abschied darauf gegeben werden. und wierdet das
                  ain schlechte sach genennt, wo sich die gerichts cosstung höher erstreckhen möcht
                  dann die haubtsach.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3">
              <head>[Buch II Titel 3] Von ungehorsam.</head>
              <p>[Marg.: De contumacia.]</p>
              <div xml:id="NA2.3.1">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 1.]</head>
                <p>[Marg.: Contumax quis dicatur.]</p>
                <p>Der ist ain ungehorsamer, der auf ain erstliche ladung nit erscheint <pb n="124" xml:id="S.124"/> persöndlich oder durch seinen volmechtigen anwald, oder ôn
                  urlaub des gerichts wekh zeucht und nit genuegsam gwalt hinder sein verlässt,
                  desgleichen, wann ainer vor dem gericht erscheint, will aber in recht nit
                  antworten und hat des nit rechtlich ursach.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.2">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 2.]</head>

                <p>Wann der clager der ladung glaubwirdige copi und abschrift in recht furbringt zu
                  verlesen sambt des geschwornen potten außrichtung so damit eingelegt und gewisen
                  werden soll und darauf rechtens begert, und der antworter durch sich selbst noch
                  seinen volmechtigen gwalttrager desselben tags nit erscheint, so soll des nechsten
                  gerichtstags darnach auf anruefen des clagers dem antworter durch den furpieter
                  offentlich vor gericht gerueft werden dermassen, ob der nit gegenwurtig sei oder
                  iemant von <pb
                    n="125"
                    xml:id="S.125"/> seinetwegen mit volmechtigem gwalt der
                  sich gegen n. als clager verantworten wölle, der soll sich melden oder anzaigen,
                  zum ersten, zum anderen und zum drittenmal. wo sich dann iemant anzaigt der sich
                  vor gefärlich verhalten hat, der soll dem clager die cosstung so er von anfang des
                  rechten auf die rechtfertigung gelegt het abtragen und vor zu khaine handlung
                  zuegelassen [werden]. und ob sich der gwalttrager dardurch des handls entschlueg
                  oder auf solchs beruefen der antworter noch iemand von seinen wegen in recht nit
                  erschin, so soll den nechsten rechtstag nach solcher beruefung auf ungehorsam ain
                  enturtl gefellt werden. doch soll der antworter, wann er nachmals erscheint und
                  die cosstung nach mässigung des gerichts zu bezallen und sich in der haubtsach
                  zuezulassen erbeut, in jarsfrist widerumb zu der haubtsach zuegelassen <pb
                    n="126" xml:id="S.126"/> werden, das aber beruerte cosstung am ersten vor abtrettung der
                  gueter oder vergnuegung der ansprach entricht und bezallt werden und die
                  aufgehaben nutz desselben guets dem besitzer auch volgen und beleiben. und nach
                  ausgang der jarzeit, ob der antworter nit erschin und sich wie obgemelt nicht
                  anpeut, soll die ergangen urtl in ir vollige craft geen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.3">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 3.]</head>
                <p>[Marg.: De contumacia actoris.]</p>

                <p>Wann der clager zu dem rechtstag in seiner ladung benennt nicht erscheint und der
                  antworter sich in recht anpeut und des clagers ungehorsam anzaigt vor verfahung
                  des kriegs, soll dieselb ladung gefellt, aber umb die haubtsach nicht gehandelt
                  und der clager dem antworter die gerichtscossten abzutragen erkhannt werden. es
                  soll auch der clager zu khainer clag in derselben sachen mer zuegelassen werden,
                  er hab dann dem gericht <pb
                    n="127" xml:id="S.127"/> und der parthei umb sein
                  ungehorsam benuegen und sicherhait gethon furbaß dem rechten zu warten. wo aber
                  der clager nach verfahung des kriegs nicht erschin, so soll der richter volfaren
                  in recht zu erkhundigung der haubtsach auf des antworters handlung und furbringen,
                  und darumb entlich urtl sprechen wie er der partheien gerechtigkhait findet. dann
                  der clager waiß, das er seiner clag nachkhumen, gwalttrager stellen oder sein
                  irrung in recht anzaigen und nicht ungehorsam sein noch den antworter vergebner
                  weiß umbziehen soll.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.4">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 4.]</head>

                <p>Ob ainer mit krankhait oder sonst ehaften not die wissentlich beladen wär
                  dardurch er persondlich nicht khumen möcht, und die sachen groß und dermassen, das
                  er dieselb ainem gwalttrager zu bevelhen nit schuldig ist, soll er ainen schickhen
                  der ine in recht außrede und <pb
                    n="128" xml:id="S.128"/> sich erpiet nach
                  besserung der krankhait oder erledigung der not dem rechten gehorsam zu sein. o b
                  ine aber an dem weeg zum rechten iemant gefärlich aufhielt dardurch er in
                  ungehorsam erkhent wuerde, hat er wider denselben zu clagen, so verr er ime umb
                  den schaden guet ist. hete derselb aufhalten nit zu bezallen, soll der antworter
                  auf sein erpieten zu verantwortung gelassen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.5">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 5.]</head>
                <p>Der richter soll umb ungehorsam nicht erkhennen, es werde dann durch der
                  partheien aine in gericht begert, aber er mag den ungehorsamen dem gericht
                  straffen und ob die widerparthei des nit begert, dann des gerichts oberigkhait
                  wierdet veracht wo die straf nicht volgt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.6">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 6.]</head>

                <p>Wann der gerichtszwang in zweifl steet, ob der richter der beclagten sachen oder
                  person richter sei oder nit, wie auch oben davon geschriben ist, und der geladen
                    <pb
                    n="129" xml:id="S.129"/> erscheint nicht, so hat der richter wol macht des
                  geladen ungehorsam zu straffen. wo aber wissentlich wäre, das der richter
                  dieselben sachen oder person nicht richten möcht, da hat solche straf nit
                  fueg.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.7">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 7.]</head>
                <p>[Marg.: De contumacia rei in actione personali ante litis contestationem.]</p>

                <p>Wo ainer umb persöndlich sprüch clagt und der antworter ist ungehorsam vor
                  verfahung des kriegs, so soll der clager in des antworter varent haab so er die
                  hat eingesezt werden nach gelegenhait der ansprach oder schulden, und der richter
                  ain zeit setzen solch guet ine zu behalten, damit dasselb in solcher zeit nit
                  verderb oder mer costung dann das guet oder haubtsach vermag darauf lauf, und nach
                  verscheinung der gesezten zeit verrer in recht handlen, damit der cläger benuegig
                  werde umb die ansprach. hat der ungehorsam nicht varent guet, so soll der ansatz
                  beschehen auf sein ligent gueter. wo die auch nit vorhanden oder <pb
                    n="130" xml:id="S.130"/> genueg sein, soll solcher ansatz geen auf des ungehorsamen
                  schulden oder gerechtigkhait so er bei anderen leuten hat oder gewartent ist. es
                  mag auch ain ungehorsamer der nichts hat gefenkhnust und zu dem rechten sich zu
                  verantworten gestellt werden. wo aber der krieg in recht verfangen und die sach in
                  recht erkhennt ist, soll zu entlicher urtl gangen und darauf gehandelt werden was
                  recht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.8">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 8.]</head>
                <p>Ob der ungehorsam ain gast und zu furchten wär das er weichen wuerde, mag er mit
                  verpot verheft und sein guet roß oder anders in ain dritte hand gestellt werden
                  biß zu verantwortung und sicherhait zu gehorsam, darinn der richter maß und zeit
                  setzen soll nach gelegenhait der sachen, dardurch bed partheien unnutz cosst
                  vermeiden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.9">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 9.]</head>
                <p>Wo der clager umb ain verphendt guet <pb n="131" xml:id="S.131"/> clagt und
                  wierdet darein gesezt von des antworters ungehorsam wegen, der antworter khumbt
                  vor jarszeit und peut sich an zu recht wie vorbegriffen ist, und der clager erpeut
                  sich auch sein gerechtigkhait des satz- oder phandschillings in fuesstapfen
                  furzubringen, thuet das auch und weiset den satz, so soll er der clager auf des
                  antworters begeren und anbieten nicht entsezt werden, ime sei dann umb den
                  phandschilling benuegen beschehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.10">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 10.]</head>

                <p>Ob der ungehorsam sich vor jarsfrist zu gehorsam und recht erpeut und sicherhait
                  thuet und bringt rechtmessig ursachen fur die sein ungehorsam entschuldigen mugen,
                  also das an ime nit gestanden noch erwunden ist dem rechten gehorsam zu thuen, so
                  soll der richter in erkhantnus der cosstung die pillichait ansehen, damit der
                  ungehorsam wider die muglichait nit beschwert werde, dann niemant ist zu
                  unmuglichen dingen gebunden.<pb
                    n="132" xml:id="S.132"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.11">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 11.]</head>
                <p>Ob ain ungehorsamer umb ainen persondlichen spruch beclagt wierdet, so soll der
                  clager in des ungehorsamen guet nicht gesezt werden, er thue dann zuvor in gemain
                  ain anzaigen seiner ansprach und gerechtigkhait. und dann der ungehorsam uber
                  solchen ansatz in gericht nit erscheint, und der clager begert solch eingesezt
                  guet zu verkhumern damit er davon bezallt werde, oder ime dasselb zuezusprechen
                  fur sein gerechtigkhait, das soll nicht beschehen, derselb clager hab dann zuvor
                  sein ansprach und gerechtigkhait in recht genuegsam bewisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.12">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 12.]</head>
                <p>Wann ain gerhab in rechten ôn rechtmessig ursachen ungehorsam ist, so mag ine der
                  richter von ambtswegen als verdächtlichen verkheren, damit die khinder nicht in
                  nachtail khumen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.13">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 13.]</head>
                <p>Wann ainem antworter etwas zu thuen geburt, und er schickht an seiner stat <pb n="133" xml:id="S.133"/> ainen gwalttrager, und derselb ist ungehorsam oder
                  saumig und thuet das nicht das er sich understanden hat, solch ungehorsam und
                  lässigkhait khumbt dem antworter zu nachtail, dann er geb im selbs schuld das er
                  sich nicht mit ainem vleissigen mann versehen hat, ausgenumen der gwalttrager het
                  ursach aines vergebnen zuefalls der auch den antworter hete verhinderen mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.3.14">
                <head>[Buch II Titel 3 §. 14.]</head>

                <p>Der gwalttrager so an seiner parthei stat den krieg bevestent und nachmallen aus
                  seiner ungehorsam und lässigkhait seiner parthei das recht verleust derselb
                  gwalttrager ist seiner parthei die gerichts cosstung mit sambt der haubtsach
                  schuldig zu widerkheeren. <pb
                    n="134" xml:id="S.134"/>
                </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4">
              <head>[Buch II Titel 4] Von antwortern und antworten und gegenclagen.</head>
              <div xml:id="NA.2.4.1">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 1.]</head>
                <p>Ain ieder so fur gericht geladen wierdet, er sei dem gericht wissent underworfen
                  oder in zweifl nit, der soll erscheinen und seinen auszug furwenden und das
                  gericht fur seinen ordenlichen richter waigern, dann khain richter ist plößlich ôn
                  underricht zu verachten. wierdet dann derselb richter fur sein gericht mit urtl
                  gewisen, mag er der cosstung darauf geloffen von dem clager bekhumen wie recht
                  ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.4.2">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 2.]</head>

                <p>Wiewol die bennegigen so in dem grossen beschwerten pan der kirchen und die so in
                  die acht verkhündt sein auch etlich ander unlobmundig person wie ob angezaigt zu
                  clagen nicht zuegelassen werden, so sein si <pb
                    n="135" xml:id="S.135"/> doch in
                  recht zu antworten schuldig zu haß und straf irer unthat, auch das dem rechten
                  nach geburt aines ieden wie böß er sei schuld oder unschuld antwort weiß zu hören
                  und zuͦ verkhunden. aber den in dem minderen paan ist nicht verpotten zu clagen
                  noch zu antworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.4.3">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 3.]</head>
                <p>Die in minderen jarn sein das ist under zwainzig jaren, auch munich und ergeben
                  person in die orden, unsinig waisen thoren taub gehörloß und dergleichen person,
                  wie si nit clagen also mügen si auch nit rechtlich antworten ôn ir vorgeer und
                  sorger wissen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.4.4">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 4.]</head>

                <p>Priester und phaffen, wiewol si weder in clag noch antwort ir geistlich
                  oberigkhait und richter nicht begeben sollen, so ist doch ain ieder geistlicher,
                  so er umb ain weltlich guet oder als gweer schermb vertretter oder furstand <pb
                    n="136" xml:id="S.136"/> aines weltlichen guets das under disem unserm
                  gerichtszwang gelegen oder wesent ist beclagt wierdet, vor demselben unserm
                  gericht zu antworten schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.4.5">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 5.]</head>

                <p>Ob ain landman dienstman inwoner oder außlender durch ainen anderen landman fur
                  unser landßrecht geladen wierdet, und derselb landman oder dienstman waigert fur
                  seinen herren dem er in dem land dienet oder an andere ende, des hat er zu thuen
                  nicht macht sonder soll zu recht vor unserm landßrechten antworten, es sei umb
                  that oder guet, ausgenumen das ansprechig guet wäre ausser land gelegen dardurch
                  der richter die volziehung nicht statlich thuen und hand haben möcht und der
                  beclagt wär umb die spruͦch rechtsässig, so möcht der clager fur das gericht
                  ausser lands do <pb
                    n="137" xml:id="S.137"/> das guet gelegen ist gewisen
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.4.6">
                <head>[Buch II Titel 4 §. 6.]</head>

                <p>Ob ain glaubinger umb schulden in seines gelter guet gesezt wierdt, und die
                  anderen glaubinger so auch umb schulden zu demselben gelter zu sprechen haben
                  khumen in jarsfrist oder in zeit so der richter offentlich sezt und verkhunden
                  läst, und zaigen ir schuld glaubwirdig an und bezallen nach gelegenhait der
                  schulden costung und darlegen so der erst clager der sachen halben gethon hat, die
                  sollen zu solchem angesezten guet sowol als der erstclager gelassen werden, damit
                  wo der gelter und antworter sich villeicht aus sorg der menig der schulden nicht
                  zu recht stellen und sich verpergen wuerde, das ain ieder des schulden wissentlich
                  wierdet nach gelegenhait derselben schulden von dem beruerten guet alß verr
                  dasselb geraicht vergnuegt <pb
                    n="138" xml:id="S.138"/> werde. solch handlung ist
                  dem rechten und der pillichait gemäß. dann der gebrauch ist ubel: diser hat vor
                  clagt oder verpot gethon, darumb soll er entricht werden und die anderen nichts
                  haben. wo aber die beruert zeit verschine, dardurch der erst clager oder die so
                  sich anzaigt hetten zu dem guet das zu verkhaufen gelassen oder durch das gericht
                  dannen entricht wuerden, mugen die so hernach khumen darzue nichts sprechen, es
                  wäre dann ain ubermaß beliben. aber in den phandschaften darumb sich ein gelter
                  gegen den glaubingern verphlicht, geet in vergnuegung der schulden albeg die elter
                  phandschaft vor.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.5">
              <head>[Buch II Titel 5] Von auszügen und flüchten.</head>
              <p>
                <pb n="139" xml:id="S.139"/>
              </p>
              <div xml:id="NA.2.5.1">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 1.]</head>

                <p>Die auszüg in recht sein erfunden worden von beschwerung wegen der antworter.
                  dann es geschicht oft daz der clager ursach hat sein clag und ansprach zu setzen,
                  thuet aber die nicht pillichen wider disen ider den antworter, davon volgt ain
                  auszug der person halben, also zureden: mein knecht khauft ainicherlai guet von
                  ainem anderen, ich vermain er hab dasselb von dier khauft, verphlicht mich gegen
                  dier dasselb guet auf ain zait zu bezallen. alß die nach verscheinung der zeit ain
                  ansprach aus ursach meiner verphlichtung zu mir setzen magst, als pillich, hab ich
                  den auszug meiner irrung in dem namen der person furzuwenden und wuerdt auf die
                  clag unpillich verurtailt. dergleichen, ob mir ainer zuesagt mir ain gelt zu denen
                  handen zuͦ raichen und ich versprich dir dasselb auf einen tag <pb
                    n="140" xml:id="S.140"/> zuͦ geben, nach verscheinung des tags beclagstu mich umb das
                  gelt, hab ich pillich den auszug, das mir der ander dasselb nicht bezallt noch
                  geraicht hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.2">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 2.]</head>

                <p>Etlich auszüg sein entlich und die den krieg abschneiden und ganz außleschen, als
                  wann der antworter sagt, es sei vor umb die beschehen krieg entlich urtl ergangen,
                  oder die sachen durch verainigung hingelegt, oder der krieg hab sich in ander weeg
                  geendet, oder so der clager ain gelt an den antworter ervordert, das er ime
                  schuldig gewesen sein soll und der antworter sagt er hab ine bezallt, oder so der
                  antworter sagt der clager hab ime die schuld geschenkht und nimer zu fordern
                  versprochen, und dergleichen außzüg. so dann solch antworten und auszug gewisen,
                  so werden damit die clagen ewig abgeschnitten. und solch außzüg mügen albeg vor
                  der <pb
                    n="141" xml:id="S.141"/> entlichen urtl furbracht werden, nd in etlichen
                  sachen auch nach der entlichen urtl, dieweil dieselb nicht volfuert ist. den
                  auszug so den krieg abschneidt vor verfahung des kriegs fürbracht sol der richter
                  aus notturft erclären und zu der haubtsach nit khumen, er hab dan solchen außzug
                  zuvor entschaiden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.3">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 3.]</head>

                <p>Etlich auszug sein so den krieg verlängeren, aber nicht abschneiden, alß so ainer
                  den anderen beclagt vor der zeit er wann sich die zeit [<hi
                    rend="it">Cod.
                    Thinnfeld:</hi> schuld] oder bezallung verfellt, so [<hi rend="it">hat</hi>?]
                  der antworter den außzug das er dem clager vor derselben zeit nit schuldig ist,
                  und wierdet demnach der krieg aufgeschoben biß die zeit ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.4">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 4.]</head>

                <p>Es sein etlich außflücht die person berüerent so den krieg verlängeren, als wann
                  ain antworter sagt, diser clager müg nicht rechter clager oder gwalttrager <pb
                    n="142" xml:id="S.142"/> in recht sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.5">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 5.]</head>

                <p>Und wann aber mermallen unzimblich außzug durch den antworter furbracht werden,
                  so ist pillich das der clager sein widerred wider solch außzüg habe, deßgleichen
                  der antworter sein gegenred und ir beder beschlus und rechtsach [<hi
                    rend="it">Cod. Thinnfeld:</hi> rechtsatz <hi rend="it">?</hi>] nach gelegenhait der
                  sachen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.6">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 6.]</head>
                <p>Uber die auszüg vor verfahung des kriegs, darumb man in recht zu antworten nit
                  schuldig zu sein vermaint, mügen von ieder parthei mit zwaien schriften wol zu
                  recht gesezt werden zu kurzung der rechtfertigung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.7">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 7.]</head>

                <p>All außzug so den krieg verlengen sollen vor verfahung des kriegs gemelt werden,
                  ausgenumen si sein also gestalt das si die handlung in recht von unwirden machten,
                  dieselben mügen zu ainer ieden zeit furbracht werden.<pb
                    n="143" xml:id="S.143"/>
                  und ob die parthei der iezt beruerten auszüg mer dann ainen und nach ainander
                  furbringen und albeg des richters erkhantnus darüber erwarten wollt, sol der
                  richter das nit gestatten sondern derselben parthei bevelhen solch verlangert
                  auszüg ainsmals furzuwenden, dardurch daz recht gefärlichen nicht verzogen werde.
                  item, wo ain merkhlicher schaden durch verlengert auszug verhanden und zu besorgen
                  wäre, êr wann die rechtfertigung sich endet derselb schaden möcht sich begeben, so
                  soll der richter khain auszug der den krieg und rechtfertigung verlengert
                  zuelassen. ob si aber auszüg hetten die gemaines rechten sein die hat der richter
                  nicht abzuschlahen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.8">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 8.]</head>

                <p>Under allen verlengenden auszugen soll die waigerung des gerichts oder richter
                  oder verdächtlichait desselben die erst <pb
                    n="144" xml:id="S.144"/> sein. dann wo
                  ainer ander ausflücht vor prauchet und des richters erkhantnus umb solch sein
                  ausflüht begert, wierdet verstanden das er stilschweigent in den richter
                  verwilligt hab, ausgenumen er bezeugt öffentlich das er mit solchem auszug in den
                  richter nit verwilligen wollt, sovil recht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.9">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 9.]</head>
                <p>Den auszug, des sich der selbstschuldner gebrauchen mag, den hat auch sein porg
                  in derselben sachen macht furzubringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.10">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 10.]</head>

                <p>Auszug der entwerung ist ain auszug der den krieg verlengt, darumb soll der vor
                  verfahung des kriegs furbracht werden. und diser auszug so er geweist ist treibt
                  den clager ab von seiner clag, er clag umb was sachen er wöll, ausgenumen ain
                  gegenentwerung, wie hernach in dem thail der entwerung gesehen wierdet. und soll
                  diser auszug also furbracht werden: der <pb
                    n="145" xml:id="S.145"/> antworter sei
                  nit schuldig zu antworten, er sei dann zuvor des guets so ine der clager entwert
                  hat wider eingesezt. und obgleich das guet in aines anderen hand ist, nichts
                  minder wierdet der thätter das schuldig widerzugeben nit in craft des auszugs.
                  dann der außzüg würkht nicht mer, dann das er den clager von seiner clag treibt,
                  so aber der antworter den clager umb die entwerung beclagt und weiset dieselben
                  sein clag, so soll der entwert wider eingesezt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.11">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 11.]</head>

                <p>Wann ainer den anderen umb ain aigenthumb beclagt, der antworter treibt den
                  cläger ab mit dem auszug der entwerung, nachmallen beclagt der antworter umb solch
                  entwerung damit er wider eingesezt werde, ist die frag: dieweil es nun von dem
                  außzug zu den clag umb den einsatz <pb
                    n="146" xml:id="S.146"/> khumen ist, ob der
                  antworter dem clager auf sein clag umb das aigenthumb zu antworten schuldig sei?
                  darauf antwort und erledigung: nain, biß das der einsatz sein end erraicht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.12">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 12.]</head>

                <p>Dieweil zu zeiten auszüg gebraucht werden des landmarschalchs undermarschalchs
                  beisitzer oder ander gerichtspersonen halben, als ob die verdächtlich sein, das
                  aber wider die recht und ain vermuetlich poßhait angesehen wierdet, sonder wo
                  ainer wider gemelten personen aine oder mer als verdächtlich verwirft und dabei
                  nicht außtrukht die ursach der verdächtlichait mit lauteren und gegründten
                  anzaigen, damit darauf durch uns oder unser oberen gericht gesehen werden muge ob
                  die ursach der verdächtlichait genuegsam sei oder nicht, dann wo dieselben
                  genuegsam <pb
                    n="147" xml:id="S.147"/> erfunden werden, sollen durch uns oder
                  unserer oberer gericht mit beder partheien willen ander anstat der verdächtlichen
                  person darzue verordent, aber die ordenlichen richter darumben nicht verändert,
                  sonder ie ain landmarschalch oder undermarschalch zuegesezt werden. wo aber
                  solches ain parthei abschlüeg und nicht annemen wollt, wierdet dabei ir poßhait
                  und gefärlich flucht des rechtens und vermueticlich ungerechtigkhait verstanden.
                  welcher auch verdächtlichait furbringt und dieselb nicht genuegsam anzaigt und
                  durch urtl aberkhennt, der soll als ain muetwiller und verachter unser und des
                  gerichts in unser chamer und dem gericht gestrafft werden, der widerparthei ir
                  cosstung und versaumung vorbehalten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.5.13">
                <head>[Buch II Titel 5 §. 13.]</head>
                <p>Wo der landmarschalch verdächtlich ist, mag <pb n="148" xml:id="S.148"/> ine der
                  undermarschalch verdretten, und ist nit not darumb ander erkhantnus dann allain
                  der partheien notturft oder muetwillen zu erlernen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.6">
              <head>[Buch II Titel 6] Von aufschub verzug und feier der gericht.]</head>
              <div xml:id="NA.2.6.1">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 1.]</head>
                <p>Wir ordnen und setzen das die recht järlich zu vier zeiten, nemblich der
                  quottember, iren gang haben und ain iede zeit aufs wenigist ist drei wochen
                  besessen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.2">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 2.]</head>

                <p>Wann die recht aufgehebt und auf ain ander zeit oder quottember geschoben, soll
                  das nit allain öffentlich vor gericht durch den furpieter verkhündt, sonder auch
                  schriftlich an das landhaus da solch landßrechten besessen wierdet angeschlagen
                  werden, damit <pb
                    n="149" xml:id="S.149"/> auch die so dazumal nicht gegenwurtig
                  sein und nachmallen an die stat khumen den aufschub und khunftigen gerichtstag
                  wissen muͦgen. und ist anderer schriftlichen schüb, damit der gemain landmann
                  etwan beschwert wierdet, ôn not.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.3">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 3.]</head>
                <p>Von sant Thomans biß auf der heiligen drei khunigtag, die vierzehen tag im
                  vaschang biß auf den montag nach invocauit, von dem palbmabent biß acht tag nach
                  ostern, von dem heiligen phingstabent biß auf mantag nach unsers herren
                  fronleichnambstag, auch in der traid- und weinfechsung soll khain recht gehalten
                  noch auf dieselb zeit geschoben und angestellt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.4">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 4.]</head>

                <p>Wir wöllen, als oft zu ainer ieden quottember das recht den ersten tag besessen
                  das vor anfang des gerichts, êe wan der richter und beisitzer <pb
                    n="150" xml:id="S.150"/> zu recht nidersitzen, vor aller handlung des landmarschalchs
                  undermarschalchs der beisitzer des landschreibers auch der vorsprechen redner und
                  gwalttrager aid obgeschriben öffentlich vor meniclich gelesen werde, und richter
                  beisitzer und landschreiber ain ieder an seiner stat da er sitzen soll solchen aid
                  zu hören aufrecht steen, sich darnach nidersetzen, damit also ain ieder des so ime
                  von rechts wegen und nach seiner gewissen gebürt zu handlen ermont werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.5">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 5.]</head>

                <p>Verzugtäg mugen von recht durch den landmarschalch gegeben werden, wann er sicht
                  das solches die notturft ervordert mit gueter gewissen nach gelegenhait der
                  person, der sachen und des begerten guets in recht. nemblich der person halben, ob
                  si an die begerten verzügtag nit zeit oder stat gehabt sich zu bedenkhen, <pb
                    n="151" xml:id="S.151"/> zu ratschlagen, iemant zu verkhünden, khundschaft zu
                  laisten, oder ander gerichtlich notturften zu handlen. der sachen halben, ob
                  dieselb bedachts oder rats bedörff, das si nit allein schlächtig ist, oder durch
                  die partheien persöndlich gehandelt worden deshalben si derselben vorhin wissen
                  haben müest. des guets halben, wo dasselb durch verzug der sachen nit verdürb oder
                  von handen kheme, oder zu betrug der partheien verändert wuerde, oder das guet
                  dermassen gestalt das durch den verzug mer cosstung darauf liefe dann der wert des
                  guets wäre. es mugen auch die partheien selbs verzugtag an ainander zuegeben, dann
                  was si sich selbs verwilligen darin beschicht inen nicht unrecht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.6">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 6.]</head>
                <p>Sonst sollen verzug im rechten nit aus <pb n="152" xml:id="S.152"/> gunst gegeben
                  werden sonder allain aus der partheien notturften.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.7">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 7.]</head>
                <p>Ob ain parthei aines verzugs in recht begert, und der richter gedächt das solch
                  begeren zu gefärlicher verlengerung des rechtens beschehe, so mag er derselben
                  partheien den aid fur solch gefärde auflegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.8">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 8.]</head>
                <p>Die aufschüb und bedacht so in des richters macht steen die sollen gegeben werden
                  nach gelegenhait der sachen, als si groß langwierig oder nachtailig ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.9">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 9.]</head>

                <p>Wiewol ordenlich ainer parthei zu volziehung ainer aufgelegten handlung in recht
                  nit mer dann ain verzug oder zeit gegeben werden soll, doch wann recht eehafte not
                  wissentlich anzaigt wuerde so die partheien in solcher volziehung verhindert hete,
                  so mag ir der verzüg oder zeit gelengert werden, als <pb
                    n="153"
                    xml:id="S.153"/>
                  wann ainer gruntlichen anzaigt das sein gerechtigkhait brief oder sigil an
                  frembden und verren enden die er nicht erraichen mugen, oder bei iemant der von
                  gemainß nutz wegen von land wären, und ander dergleichen ursachen. und die haben
                  sonderlich stat in dem antworter, dem soll pillicher dann dem clager verzug
                  gegeben werden, dann er hat nit furwissen mugen zu welcher zeit ine sein
                  widerparthei beclagen wuerde, dardurch er sich mit seiner gerechtigkhait rüssten
                  und versehen oder den krieg zeitlich ablegen. aber der clager hat sich vor lang
                  bedenkhen und erfaren und sein gerechtigkhait besuechen mugen in dem krieg gefasst
                  zu erscheinen, ausgenumen es khäme ain solcher zuefall in recht, das wol gleublich
                  wäre der clager het denselben zuefal nit <pb
                    n="154" xml:id="S.154"/> bedenkhen
                  noch wissen mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.10">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 10.]</head>
                <p>Die zeugen sollen an den suntägen und hochzeitlichen feiertägen nicht beaidigt
                  noch ir saag von inen aufgenumen werden, es sei dann merkhlich ursach ir saag zu
                  horen, dennocht soll der aid nicht beschehen und ob die partheien darein
                  verwilligen, so ist doch der zeug nicht zu tringen zu der zeit der feier, die got
                  und den heiligen zu eeren und den menschen zu hail geordent sein, sein khundschaft
                  zu geben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.11">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 11.]</head>

                <p>In furwendung der zeugen die verr von land sein mag dem clager als dem antworter
                  gleichermaß verzugtag gegeben werden dann in der clager macht auch nicht gestanden
                  dieselben vor anfang des kriegs und aufgelegter weisung zu verhören. anderst ists
                  in den zeugen, die sich <pb
                    n="155" xml:id="S.155"/> gar von land ziehen und nicht
                  wider zu khumen willens sein, oder die mit alter beladen dardurch si absterben
                  möchten, als von dem titel der zeugnus gesehen wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.6.12">
                <head>[Buch II Titel 6 §. 12.]</head>

                <p>Ob der landmarschalch ainer parthei verzugtäg und zeit zu volfuerung der weisung
                  gibt und derselb landmarschalch wierdet mitler zeit vom ambt verkheert, und die
                  beruert parthei volfuert in der benennten zeit die weisung nicht, so soll der
                  nachkhument landmarschalch und richter derselben parthei die tag zu solcher
                  weisung nicht verlengern ôn erfarung redlicher eehafter not und ursachen, dann die
                  beruerten gegeben täg zu weisung werden ordenlich gehalten als verzüg die den
                  krieg abnemen tödten oder abschneiden mugen. darumb, wann die parthei welcher <pb
                    n="156" xml:id="S.156"/> weisung zu thuen auferlegt werden dieselb in den
                  bestimbten tägen nicht gelaist, so ist irer widerparthei ain gerechtigkhait daraus
                  erwachsen, die der landmarschalch nit macht hat aufzuheben ôn derselben
                  widerparthei willen, es werden dan rechtmässig ursachen furbracht, das der so
                  weisen soll die weisung in den bestimbten tägen nicht volfueren mugen hab.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7">
              <head>[Buch II Titel 7] Verfahrung oder bevesstigungs des kriegs.</head>
              <p>[<hi rend="it">Marg.:</hi> De contestatione litis.]</p>
              <div xml:id="NA.2.7.1">
                <head>[Buch II Titel 7 §. 1.]</head>

                <p>Verfahung oder bevestigung ist ain grund des rechten durch das furgelegt begeren
                  und gebürliche antwort darauf volgent in recht beschehen, und wo ôn das in gstalt
                  des rechts volfaren, wuerden die partheien mit unnützer arbait und cosstung
                  beladen. <pb
                    n="157" xml:id="S.157"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.7.2">
                <head>[Buch II Titel 7 §. 2.]</head>
                <p>Verfahung oder bevesstigung des kriegs beschicht, wann die partheien das ist
                  clager und antworter mit namen bekhennen den krieg verfasst zu haben, oder wann
                  der clager sein clag und der antworter zu derselben klag sein bekhantnus oder sein
                  läugnen und nain in recht gethon haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.7.3">
                <head>[Buch II Titel 7 §. 3.]</head>

                <p>Wo auf des clagers begeren der antworter zimblich ja oder nain darthuet, und ob
                  er gleich nit austrukht das er den krieg verfahen wölle, nichts minder wierdet
                  vermuet sein gemuet sei gewesen den krieg zu bevesten, er bezeug dann das er mit
                  seinem furbringen den krieg nit verfahen wölle, dann durch solch bezeugnus wierdet
                  sein gemuet erleutert. doch soll die bezeugnus seinem thuen nicht widerwertig
                  sein. dann ob ainer spräch: ich hab das so mich der clager bezeicht <pb
                    n="158" xml:id="S.158"/> nicht gethon, oder diser oder der ursach ist nit also, und wolt
                  aber damit nit geantwort haben, das het khain gestalt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.7.4">
                <head>[Buch II Titel 7 §. 4.]</head>
                <p>Welcher über ermanung des gerichts und ainer underredlichen oder beiurtl das er
                  zu der clag antworten solle den krieg in recht nicht verfahet, sein ja oder nain
                  der clag gemäß thuet, sonder schweigt oder furgeet, der mag als ob er die clag
                  bekhennet verstanden werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.7.5">
                <head>[Buch II Titel 7 §. 5.]</head>
                <p>Der krieg mag nit verfangen werden auf die ladung und clag so der widerparthei
                  zuegesant ist, die abschrift der selben ladung werd dann vor gericht mitsambt der
                  geschwornen gerichtspotten volziehung öffentlich wider furpracht.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8">
              <head>[Buch II Titel 8.] Von underredlichen oder beiurtln.</head>
              <p>[<hi rend="it">Marg.:</hi> De sententia interlocutoria. <pb n="159" xml:id="S.159"/>
              </p>
              <div xml:id="NA.2.8.1">
                <head>[Buch II Titel 8 §. 1.]</head>
                <p>Die underredlichen oder beiurtln werden gefellt zwischen anfang der
                  gerichtshändlung und beschlus derselben, nicht zu end der haubtsach sonder zu
                  volfuerung derselben, auch zu erclärung der auszüg so zu verhinderung des kriegs
                  oder als entlich auszüg furbracht werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.8.2">
                <head>[Buch II Titel 8 §. 2.]</head>

                <p>Nach verfahung des kriegs ermant der richter ie zu zeiten die partheien aus ainem
                  uberflus mit ainer underredlichen urtl, als wöll n. auf des n. anruefen in recht
                  icht verrer furzubringen etc. solch ermanung mag aus notturftigen ursachen, so der
                  richter zu erwegen waiß, zu zeiten dem antworter zu guet beschehen der zu kriegen
                  gedrungen wierdt, aber nicht dem clager der sich lengst hat beratten und bedenkhen
                  mugen. sonder wann er uber den dritten gerichtstag verzeucht <pb
                    n="160" xml:id="S.160"/> und nicht volfert, soll der richter auf anruefen der gehorsamen
                  parthei erkhennen was nach ordnung geburt, damit der antworter nit gefärlichen
                  umbgefuert, müed gemacht und im rechten verzogen werde.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8a">
              <head>[Buch II Titel 8a (Titel 8 bereits vorhanden!)] Von vermuetung.</head>
              <p>Die vermuetung des rechten ist, wo das gesezt annimbt ainicherlai zweifelhäftigs so
                der warhait gleichmässig ist, dardurch die purd der weisung dem widersacher
                aufgelegt wierdet.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9">
              <head>[Buch II Titel 9.] Von khundschaft und zeugnuß, auch zeit und verhorung
                derselben.</head>
              <div xml:id="NA.2.9.1">
                <head>[Buch II Titel 8 §. 1.]</head>
                <p>Kundschaft ist ain offenbarung der sachen oder handlungen die in zweifl <pb n="161" xml:id="S.161"/> hangen, und wierdet volfüert durch gesicht, durch
                  zeugen, durch brieflich urkhunden, durch bekhantnus, durch alte schrift,
                  glaubwirdig puecher und register, durch gwaltige vermuetung, durch gemainen oder
                  offenbaren ruef, auch durch den aid.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.9.2">
                <head>[Buch II Titel 9 §. 2.]</head>

                <p>Inmassen der clager schuldig ist sein clag und derselben grund zum ersten, also
                  ist auch der antworter schuldig nachmallen sein auszug zu weisen, es bekhenn dann
                  der antworter die clag in seinem auszug öffenlich ôn furwort, so gebürt ime die
                  weisung seines auszugs allain. wo aber der antworter des clagers clag plößlich
                  vernaint, so geburt dem clager die weisung zu thuen, es hab dann der clager ain
                  vermuetung des rechten fur sich, so wierdet die weisung dem antworter aufgelegt.
                  wo aber der antworter ain vermuetung <pb
                    n="162" xml:id="S.162"/> fur sich hat,
                  soll der clager darwider weisen. </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.9.3">
                <head>[Buch II Titel 9 §. 3.]</head>

                <p>Der da clagt umb einziehung aines guets, zu versteen aines guets herrlichait und
                  aigenthumbs, der soll dasselb sein aigenthumb weisen und nicht der besitzer, ob er
                  sich gleichen herren des guets anzaigt. dann wo der clager sein aigenthumb nicht
                  weiset, so beleibt der besitzer in seinem posseß und wierdet vermuet ain herr
                  desselben guets. wo aber der antworter sich ie verfahren wollt sein herrlichait
                  und aigenthumb zu weisen, mag er darzue gelassen werden, und so er dasselb weiset,
                  soll er ain herr des beclagten guets erkhennt werden. wiewol die herrlichait und
                  aigenthumb aines guets mit brieflichen urkhund geweiset wierdet, so ist doch nit
                  albeg genueg, das ainer weiset den khauf oder ander handlung darmit er das beclagt
                  guet <pb
                    n="163"
                    xml:id="S.163"/> an sich bracht, dieweil ainer auch aines anderen
                  und ain frembd guet verkhaufen mag, darin der verkhaufer dem khaufer nicht mer
                  gerechtigkhait uberantworten mugen dann der verkhaufer daran gehabt hat. darumb
                  ist zu zeiten not, und sonderlich wo umb di herrlichait und aigenthumb clagt
                  wierdet, neben den brieflichen urkhunden die nit all umbständ des verkhaufer und
                  khaufer gerechtigkhait anzaigen, oder da umb ain solch handlung brieflich urkhund
                  nicht ausgangen sein zu weisen, das der verkhaufer das beclagt guet mit ainem
                  rechten titl gehabt und dem khaufer eingeantwort und desselben ordenlich zeit nutz
                  und gweer ersessen hab, das khaufgelt bezallt worden oder darumb genuegsam
                  sicherhait beschehen sei. <pb
                    n="164" xml:id="S.164"/>
                </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.10">
              <head>[Buch II Titel 10.] Von eröfnung der khundschaften.</head>
              <div xml:id="NA.2.10.1">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 1.]</head>
                <p>Nach verscheinung der zeit darin khundschaft zu laisten und weisung zu thuen
                  durch das gericht gegeben soll verrer khain persöndlich zeugnus zuegelassen
                  werden, es sei dann das der so die weisung gelaist sollt haben eehaft not
                  furbring, das solches durch in und an seinem vleiß nicht erwunden hab. desgleichen
                  soll auch khain articl von der parthei so die zeit vergeen lassen hat nachmallen
                  aufgenumen werden, ob si die in recht bringen und iren gegenthail bei dem aid
                  darauf zu verhören begeren wollt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.2">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 2.]</head>

                <p>Manicherlai underschied der zeugen saag und die in ainem articl zusammenhallen
                  machen in demselben articl <pb
                    n="165" xml:id="S.165"/> ain volkhumen weisung.
                  dann das sonderlich oder allain nichts wurcht noch craft hat, wierdet durch
                  zusamenfuegung seines gleichen becrefftigt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.3">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 3.]</head>

                <p>Ain iede parthei, so mit urtl und recht zu weisung zuegelassen wierdet, hat
                  entlich zeit und täg zu volfuerung der khundschaft von erofnung derselben urtl biß
                  zu außgang des sitzen zu gericht und zu anfang des nächst darnach angeenden
                  landßrechten, dardurch sich niemant beclagen muge, das er in volfuerung seiner
                  khundschaft mit den tägen ubereilt werde. und er soll zu stund nachdem ime zu
                  weisen mit urtl auferlegt wierdet vorderbrief an die zeugen und bevelch an die
                  gegeben comissarien nemen, in den vierzehen tagen den nechsten nachdem dasselb
                  landßrecht aufgehebt <pb
                    n="166"
                    xml:id="S.166"/> wierdet vleiß thuen sein
                  khundschaft zu laisten. es sollen auch die redner und gwalttrager umb comissari zu
                  erwelen nicht macht haben auf ie abwesent partheien zu waigern. wo aber nemblich
                  irrung entstuendt, das die parthei in den vierzehen tagen nicht handlen möcht, so
                  hat sie dennoch die uberig zeit zwischen dem landßrechten als ainen entlichen
                  khundschafttag, darin si zu dem anderen und drittenmal oder auch mit der maß
                  hierinn gegeben zu dem viertenmal zeugen furstellen mag. und nachmallen nit
                  verrer, dan mer dan ain entlich zeit zu khundschaft zu geben ist dem rechten
                  ungemäß. aber ausser lands khundschaft zu laisten in unsern niderösterreichischen
                  landen soll die entlich zeit sein achtzehen wochen, in den verren landen <pb
                    n="167" xml:id="S.167"/> nach des richters erkhantnus und nach gelegenhait der
                  sachen. welcher aber ôn redlich eehaft not und ursach die der richter erkhennen
                  mag in solchen tägen und zeit sein zeugnus nit volfuert, ob er daruber als ainer
                  der von seiner weisung gefallen mit urtl nachtail leidet, d[...] wölle solches ime
                  selbst und seinem unfleis messen. dann durch verscheinung der khundschafttäg ist
                  der widerparthei ain gerechtigkhait erwachsen, die der richter ôn zuegeben
                  derselben widerparthei oder ôn erkhantnus genuegsamer redlicher ursachen und
                  eehafter not nit aufzuheben hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.4">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 4.]</head>

                <p>In der entwerung sind zwai ding not zu wissen: das posseß und die entwerung . und
                  wo ainer die entwerung zu thuen bevolhen het, soll derselb bevelch gewisen werden.
                  ob aber ainer <pb
                    n="168" xml:id="S.168"/> die entwerung in seinem namen beschehen
                  nachmallen zu willen angenumen het, das ist der so sich des beruembt zu weisen
                  schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.5">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 5.]</head>

                <p>Wann ain gwalt oder entwerung gewisen werden, so ist umb die verlust des guets
                  oder schaden in solchem gwalt beschehen verrer khainer weisung not, sonder wierdet
                  des clagers aid darumb geglaubt [Bl. 76<hi rend="sup">b</hi>] und recht darauf gesprochen zu haß
                  und straf des gwalts nach schwere und größ des muetwillen oder ungefuer des
                  thätters.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.6">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 6.]</head>

                <p>Wiewol nach ordenlichen rechten die zeugen allain nach verfahung des kriegs zu
                  hören sein, so werden si doch zu zeiten verhört zu ewiger gedächtnus der sachen
                  darumb si zu verhören erfordert sein. und so das durch den clager begert wierdet
                  in <pb
                    n="169"
                    xml:id="S.169"/> ainer sachen darumb er ôn verzug und im
                  fuesstapfen clagen mag, sol im solch sein begeren vor verfahung des kriegs nicht
                  gestat werden, es seien dann die zeugen seer alt oder schwerlich krankh also das
                  ir absterben zu besorgen sei, oder das si sich von hauß oder aus dem land und an
                  ander ort thetten das si schweer zu erlangen wären. wo auch der clager ain sachen
                  darumb er vor und ee er derselben grundlich wissen het nicht clagen möcht, als so
                  ainer umb ain erbschaft clagen wollt, so ist not das die zeugen [Bl. 77<hi
                    rend="sup">a</hi>] so
                  bei des sterbenden geschäft gewesen solch geschäft zuvor anzaigen und bezeugen,
                  damit der clager wiß ob dasselb geschäft creftig oder undüchtig sei. in solchen
                  und dergleichen fällen mügen die zeugen vor bevesstigung des kriegs furgestellt
                    <pb
                    n="170"
                    xml:id="S.170"/> und sollen in dem ersten fall, das ist zu ewiger
                  gedächtnus, verschlossen und in gehaimb gehalten biß zu notturft des rechten, aber
                  in dem nechsten articl die erbschaft beruerent nicht allein verhört sonder auch
                  geöfent werden, dann dem clager wäre sonst nicht geholfen. wo aber ain sach auf
                  khunftigen zweiflichen beschaid gestellt ist, darumben sollen zeugen auf khunftig
                  zu verhören nicht zuegelassen werden, es sei dann das sterben oder abwesen
                  pillichen zu besorgen. wo aber der antworter begert seine zeugen der ime not
                  beschehen möcht zu verhören, das soll ime ôn mitl gestat und ime derselben saag
                  urkhund weiß öffentlich ubergeantwort werden, [Bl. 77<hi
                    rend="sup">b</hi>] dann es möcht der
                  clager betrieglich sein clag verziehen biß dem antworter seine zeugen entgiengen.
                    <pb
                    n="171" xml:id="S.171"/> dieweil der antworter nit wissen mag wann ine der
                  clager beclagen will.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.7">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 7.]</head>

                <p>Wo die zeugen vor verfahung des kriegs in ainer haubtsach sollen verhört werden,
                  ist not das ain redliche ursach vor augen sei wie vor beschriben. auch soll die
                  widerparthei zu dem aid solcher zeugen und fragstuckh einzulegen geladen und
                  erfordert werden, wo aber das nit sein möcht eil halben der sach und das aus dem
                  verzug nachtail erstuende, darin doch khain vleis zu sparen ist, so soll doch der
                  clager so die zeugen zu verhören begert die widerparthei in jars frist umb
                  dieselben sachen beclagen oder ir auf das wenigist wo die clag auch nit stat het
                  verkhünden, das er derselben sachen halben zeugen verhören lassen, [Bl. 78<hi
                    rend="sup">a</hi>]
                  sonst ist die khundschaft nichts. und soll der clager solch khundschaft <pb
                    n="172" xml:id="S.172"/> aufnemen lassen bei des antworters gericht oder
                  oberigkhait. es hat auch solch begern stat allain in burgerlichen sachen und nicht
                  eeren oder peinlichen clagen, dann in denselben sachen soll nichts unordenlichs
                  und sonders in abwesen der widerparthei furgenumen werden, dieweil vil gotlicher
                  ist den schuldigen ungestrafft zu lassen dann den unschuldigen zu verdamen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.10.8">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 8.]</head>

                <p>Wann beden dem clager und antworter weisung gleichsmässigs articls aufgelegt
                  wierdet und ieder weiset genuegsam fur sich, so soll der richter genaigter sein
                  den antworter auf sein weisung zu erledigen dann auf des clagers weisung zu
                  verurtlen, und ob gleich des clagers zeugen der person halben merer sein, dieweil
                  in zweiflichen händlen die recht albeg dem [Bl. 78<hi
                    rend="sup">b</hi>] antworter genaigter sein
                  dann <pb n="173" xml:id="S.173"/> dem clager. aber anderst ists, wo ain weisung in
                  grund der khundschaft fur die ander furtreffenlicher gefunden wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.9">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 9.]</head>
                <p>Wann die zeugen in gericht geöffent werden, sollen auf die articl darumben die
                  zeugen vormallen verhört verrer zeugnus nicht zuegelassen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.10">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 10.]</head>

                <p>Wann ainem weisung zuͦ thuͦen mit recht aufgelegt, soll er dieselb
                  thuͦen laut der urtl die solcher weisung halben gesprochen ist. wo ime dann die
                  clag laut der ladung zu weisen aufgelegt wierdet, sollen die verhörer dieselb (so
                  verr si mer dann ainen articl begreift) thailen und auf ainen ieden in sonderhait
                  die zeugen fragen. wierdet aber in der urtl nur ains articls oder merer weisung
                  aufgelegt, sollen die darauf fragen und nicht verrer, wie die urtl laut. [Bl.
                  79<hi
                    rend="sup">a</hi>] <pb n="174" xml:id="S.174"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.11">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 11.]</head>
                <p>Wann die bevelchman der parthei oder irem gwalttrager dawider die weisung
                  beschehen soll tag verkhunden die zeugen sehen zu schweren und ire fragstuckh
                  einzulegen, so sollen si in albeg der zeugen namen in solcher verkhundung
                  aufgezaichent der partheien zuesenden, damit si ire fragstuckh nach gelegenhait
                  der zeugen personen dest grundlicher machen mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.12">
                <head>[Buch II 10 §. 12.]</head>

                <p>Ob die parthei etlich unfueglich fragstuckh eingelegt, so die bevelchman und
                  verhörer der zeugen anzunemen ôn not ansehen und deßhalben abschniden, nichts
                  minder sollen die bevelchman dieselben fragstuckh alle von wort zu wort, wie die
                  parthei die eingelegt hat, dem gericht mit der zeugensaag verschlossen zuesenden,
                  und ir bewegnus warumb si derselben fragstuckh etlich so si mit namen anzaigen
                  sollen verworfen und die zeugen <pb
                    n="175"
                    xml:id="S.175"/> darauf nit verhört
                  haben zu erkhennen geben, damit die partheien deßhalben [Bl. 79<hi rend="sup">b</hi>] nit in ainen
                  newen krieg wachsen und das gericht dest ordenlicher darauf wie recht ist handlen
                  muge.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.13">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 13.]</head>
                <p>Ob die parthei khain fragstuckh furleget, mag der verhörer von ambts wegen die
                  zeugen ursach ires wissen und ander umbständ fragen die warhait dardurch
                  beschaidenlich zu erkhunden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.14">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 14.]</head>

                <p>Khain handlung des gerichts ist den partheien höher dann die weisung, dieweil die
                  ganz sach zu gwin und verlust daran hanget. darumb soll das gericht sovil muglich
                  ist die zeugen selbst verhören, wo aber solches aus ursach nit sein mag, das
                  verstendigen und namhaften redlichen glaubwirdigen personen mit beder partheien
                  willen bevelhen. wo sich aber die partheien der bevelchman nicht verainen möchten,
                  hat der richter <pb
                    n="176"
                    xml:id="S.176"/> macht von ambtswegen personen darzue
                  zu benennen und inen solches zu bevelhen, damit durch unnotdurftig strit und
                  irrung das recht gefärlich nicht verzogen werde. [Bl. 80<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.15">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 15.]</head>
                <p>Wo auch die zeugen zu verr gesessen, dardurch den partheien die cosstung zu
                  schwer oder die zeugen disem gericht nicht underworfen wären, so mag unser
                  landmarschalch iren herschaften oder richtern schreiben si zu verhören, den
                  widerpartheien darzue zu verkhunden sich daselbst hinzufuegen die zeugen sehen zu
                  schweren und fragstuckh einzulegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.16">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 16.]</head>

                <p>Des gleichen mag unser landmarschalch handlen, wo ainer brieflich urkhunden
                  furzubrigen hette, da die haubtbrief ander ende oder ausser lands lägen, etwo bei
                  ainer stat oder canzlei, oder wo ainer dieselben brief nicht möcht <pb
                    n="177" xml:id="S.177"/> sicher fur das gericht bringen, oder wo wider brieflich
                  urkhunden als verdächtlich geredt wüerde und ain parthei wollt dieselben durch
                  zeugen so ausserhalb des gerichts wären becreftigen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.10.17">
                <head>[Buch II Titel 10 §. 17.]</head>

                <p>Und sollen solch weisung und khundschaften auch copien der brieflichen urkhunden
                  von den [Bl. 80<hi rend="sup">b</hi>] bevelchmannen herschaften und gerichten albeg glaubwirdig
                  gefertigt und verschlossen dem landmarschalch zuegesant und uberantwort, und dann
                  durch denselben offentlich aufgethon, beden thailen auf ir begeren abschrift davon
                  gegeben, ob aber ain thail dasselb aus ursachen verwideret, durch das gericht
                  darumb erkhent, damit verrer in recht wie sich geburt volfaren werden muge.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.11">
              <head>[Buch II Titel 11] Einred wider die zeugen.</head>
              <p>
                <pb n="178" xml:id="S.178"/>
              </p>
              <div xml:id="NA.2.11.1">
                <head>[Buch II Titel XI §. 1.]</head>

                <p>Wider der zeugen saag mag eingefuert werden, wann ir khundschaft nicht ainhellig
                  sonder tunkhl zweiflhäftig gesonder, an ainander widerwertig sein, wann si ain
                  nain vernainen zu beweisen oder zu becrefftigen, wann si nicht geschikhte rechte
                  lautere ursach ires wissen anzaigen, böß unförmblich antwort geben, in irer saag
                  darumb si zu zeugen [Bl. 81<hi
                    rend="sup">a</hi>] furgestellt sein nichts beschliessen, wann si
                  nit geschworen haben oder die parthei darzue nicht erfordert ist, oder sagen von
                  stat weil und tag die widersprochen, als so ain zeug sagt, ain parthei hab das zu
                  Wienn auf den tag gehandelt, die gegenparthei erpeut sich zu weisen das si
                  denselben tag nicht zu Wienn sonder an ainem anderen ort den ganzen tag gewesen
                  sei, und dergleichen auszüg die zu zeiten gegenweisung bedurfen. ie zu <pb
                    n="179" xml:id="S.179"/> zeiten wierdet des zeugen falsch auß seinen aigen worten und
                  khundschaft erfunden, wo die parthei solches vleissig anzaigt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.2">
                <head>[Buch II Titel XI §. 2.]</head>
                <p>Wann die einred ist, der zeug hab nicht geschworen oder die parthei sei darzue
                  nicht ervordert worden, so geburt die weisung dem so die zeuge einred, der zeug
                  sei unlobmundig oder vergifft durch miet und gab oder anders, und dergleichen
                  einred gebüren der widerparthei so dieselben einred thuet zu weisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.3">
                <head>[Buch II Titel XI §. 3.]</head>
                <p>Furlaitung der zeugen wierdet aus etlichen ursachen [Bl. 81<hi
                    rend="sup">b</hi>] abgeschlagen.
                  ainest, wann die zeit verscheint so der parthei zu volfurung irer khundschaft
                  gegeben worden ist. zum anderen, so ainer funfzig oder sechzig zeugen zu verhoren
                  begert, da er die sach mit ainer claineren anzall <pb
                    n="180" xml:id="S.180"/>
                  beweisen möcht, so mag der richter dieselb anzall mässigen und etlich die
                  nambhaftigisten aus inen verhören. verrer, wann die zeugen und ir saag vor gericht
                  eröffent sein, auch wann die parthei was ir oder der widerparthei zeugen gesagt
                  haben waiß und erlernt hat. zum lezten, so ainer drei mallen zeugen furwendt in
                  der zeit so ime zu volfuerung der khund gegeben ist, der soll zu der vierten
                  furlaitung nicht gelassen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.4">
                <head>[Buch II Titel XI §. 4.]</head>

                <p>Der so die aigenschaft der natur vernaint ist schuldig denselben nain zu weisen.
                  als wann ainer spricht, der sei zu der zeit seiner handlung nicht rechter vernunft
                  gewesen, oder dise handlung sei nicht ordenlich noch rechtmässig aufgericht, der
                  soll das weisen, [Bl. 82<hi
                    rend="sup">a</hi>] dann die vermuetung ist wider ine. dann ain ieder
                  wierdet fur sinnig geacht, <pb
                    n="181" xml:id="S.181"/> es werde dann die
                  unsinigkhait gewisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.5">
                <head>[Buch II Titel XI §. 5.]</head>
                <p>Ain brueder oder gesipter freund mag seinen prueder oder gesipten freund ime zu
                  guet zu zeugnus nit furstellen, es wäre dann sonst bei der handlung die gewisen
                  werden soll niemand gewesen. ob aber ain parthei irer widerparthei brueder oder
                  gesipten freund zu khundschaft furstellet, soll derselb brueder oder freund
                  zuegelassen, sonderlich wo solch handlung mit anderen personen nit gewisen werden
                  mag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.6">
                <head>[Buch II Titel XI §. 6.]</head>

                <p>Ain parthei mag den zeugen so ir gegenparthei verhören lassen auch wol wider
                  furstellen, aber nit auf die articl darumb ine die gegenparthei erstlich fragen
                  lassen hat, sonder auf ander. dann ain ieder zeug ist schuldig auf den articl
                  darumb er ainsten gefragt <pb
                    n="182"
                    xml:id="S.182"/> wierdet die warhait baiden
                  partheien zu guet und zu nachtail zu sagen. [Bl. 82<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.7">
                <head>[Buch II Titel XI §. 7.]</head>
                <p>Welcher zeug in seiner saag wandlwertig ist, dem wierdt nicht geglaubt. sein aber
                  mer zeugen wandlwertig oder widerwertig, so soll den glaubwirdigisten und
                  nambhaftigisten gelauben gegeben, es möchten dann der zeugen sagen vergleicht
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.8">
                <head>[Buch II Titel XI §. 8.]</head>
                <p>Die closterleut und von der welt gesondert personen mugen zeugen sein, doch mit
                  erlaubnus irer oberen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.9">
                <head>[Buch II Titel XI §. 9.]</head>
                <p>Der so ainen zeugen ervordern lässt ist im schuldig zerung zu geben und cosstung,
                  dieweil er auf dem weeg am hin- und heerziehen ist auch an dem ende da die
                  verhörer sein, nicht allain auf sein person sonder auch auf roß und fuerlon und
                  nemblich den armen und arbeitern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.10">
                <head>[Buch II Titel XI §. 10.]</head>
                <p>Wer ime vor verhörung der zeugen nicht <pb n="183"
                    xml:id="S.183"/> bekent und
                  vorbehelt die einred wider ir [Bl. 83<hi rend="sup">a</hi>] person der soll derselben hinnach
                  emperen, dann es wierdet verstanden, die parthei hab mit irem schweigen der zeugen
                  person angenumen, aber wider ir saag hat si wol macht furzubringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.11">
                <head>[Buch II Titel XI §. 11.]</head>
                <p>Ob die parthei wider die zeugen und ir saag nichts furbringt, so dann der richter
                  ainicherlai wandlwertigkhait oder ander unfueg darin spürt, mag er aus seinem ambt
                  wol verwerfen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.12">
                <head>[Buch II Titel XI §. 12.]</head>
                <p>Die unlobmundigen von recht und mainaidigen mügen nicht khundschaft geben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.13">
                <head>[Buch II Titel XI §. 13.]</head>

                <p>Wiewol der zeug so von hören sagen khundschaft gibt nicht glaubwirdig ist, so
                  wierdet doch sein khundschaft angenumen in sachen so uber der menschen gedächtnus
                  sein, als in dienstberkhaiten und gebreuchen, der grundmarchen <pb
                    n="184" xml:id="S.184"/> und anderen dergleichen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.14">
                <head>[Buch II Titel XI §. 14.]</head>
                <p>Wann die zeit und stat von aignem wesen [Bl. 83<hi
                    rend="sup">b</hi>] und notturfticlich anhengen
                  der mainung so zu weisen ist, so sollen die zeugen aigentlich solch stat und zeit
                  anzaigen, und wo si darin widerwärtig sein weisen si nichts, dann si sein
                  gesöndert, wie mit den valschen richtern und der keuschen
                    <persName>Sussanna</persName> beschach. wo aber stat und zeit der weisung nicht
                  anhengig sein, so ist unnot davon zu bekhennen, wo si aber gefragt werden, sollen
                  si ir wissenhait davon sagen. spricht der zeug, er hab der zeit vergessen, nichts
                  minder ist ander sein sag creftig, dann die zeit entgeet der gedächtnus
                  liederlich. aber der stat halben nicht also, dann ain ieder so ainer handlung
                  gedenkht dem gibt der gegenwurf vilmallen die stat, wo dieselb beschehen sei, in
                  erkhantnus. <pb
                    n="185" xml:id="S.185"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.15">
                <head>[Buch II Titel XI §. 15.]</head>

                <p>Die zeugen so auf des richters oder bevelchmans ervorderung ungehorsam sein zu
                  khumen, die mugen mit straf des gelts und phendung ires guets zu khumen und
                  zeugnus zu geben gedrungen werden. wo aber der zeug under [Bl. 84<hi rend="sup">a</hi>] ainem
                  anderen gerichtszwang ist, soll der landmarschalch demselben richter schreiben und
                  ime verhörung der zeugen bevelhen, wie oben davon geschriben ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.16">
                <head>[Buch II Titel XI §. 16.]</head>
                <p>Wann der parthei zu der zeugen aid und fragstuckh einzulegen nicht verkhundt ist,
                  hat verhörung der zeugen khain crafft.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.17">
                <head>[Buch II Titel XI §. 17.]</head>

                <p>Die bevelchman und verhörer der zeugen sollen vleissig aufsehen, mit was gemuet
                  ansehen beständigkhait zweifl oder wechslworten der zeug khundschaft gebe und
                  solches also aufzuschreiben bevelhen, und den <pb
                    n="186" xml:id="S.186"/> zeugen
                  seines aids aigentlich ermonen. deshalben auch not ist, wer khundschaft aufnimbt,
                  das er fursichtig gerecht und wissent sei.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.18">
                <head>[Buch II Titel XI §. 18.]</head>

                <p>Wann ain zeug unlauter khundschaft gibt, soll er von dem verhörer ermont werden
                  erclärung seiner saag zu thuen und dieselben zu erleutern. [Bl. 84<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.19">
                <head>[Buch II Titel XI §. 19.]</head>

                <p>Wann der aid den zeugen furgehalten, sollen bed partheien oder ir gwalttrager
                  darzue ervordert werden die zeugen zuvor, ee wann sin khundschaft geben und nicht
                  hinnach, wie obsteet, sehen zu schweren. und daselbst mag die parthei wider welche
                  die zeugen gelait werden ire fragstuckh einlegen der ladung und articl darumb die
                  weisung zu thuen ist gleichmässig, und mag bezeugen ir einred wider der zeugen
                  person und ir saag in recht vorzubehalten, <pb
                    n="187" xml:id="S.187"/> und ist
                  nit not das die widerparthei so die zeugen stellt derselben fragstuckh wissen
                  trage.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.20">
                <head>[Buch II Titel XI §. 20.]</head>
                <p>Die zeugen sollen auf begeren der partheien durch das gericht oder bevelchman
                  khundschaft zu geben ervordert. welche sich sonst khundschaft zu geben eindringen,
                  wuerden verdächtlich.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.11.21">
                <head>[Buch II Titel XI §. 21.]</head>

                <p>Es wierdet khainem zeugen, er sei wie hoch er wöll, gelaubt, er hab dann
                  geschworen vor dem so ine verhören soll doch in unserm und [Bl. 85<hi rend="sup">a</hi>] unsers
                  gerichts namen, er sei dann des aids durch bed partheien williclichen
                  erlassen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.12">
              <head>[Buch II Titel XII] Von glauben brieflicher urkhund, derselben vidmus das ist
                glaublichen abschriften, wan die creftig sein.</head>
              <p>
                <pb n="188" xml:id="S.188"/>
              </p>
              <div xml:id="NA.2.12.1">
                <head>[Buch II Titel XII §. 1.]</head>

                <p>Alle brieflich urkhund der sich die partheien behelfen wöllen sollen offentlich
                  fur gericht gebracht und daneben lauter und sauber copeien und abschrift
                  beigelegt, die darnach durch den undermarschalch und landschreiber oder ainen oder
                  zween beisitzer sambt dem landschreiber oder ainem die copeien underschriben bei
                  dem gericht behalten. und die gerichtspersonen so beruerter gestalt collationieren
                  sollen vleissig aufmerckhen, ob si ainich verdächtlichait oder valsch in den
                  brieflichen urkhunden spuren oder befunden, dieselben an landmarschalch und [Bl.
                  85<hi rend="sup">b</hi>] das gericht in gehaim gelangen lassen, die alßdann nach irem rat was si
                  getrew pillich und notturftig ansehen wierdet in der sachen handlen sollen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.2">
                <head>[Buch II Titel XII §. 2.]</head>
                <p>Es soll auch alzeit die gegenparthei <pb n="189" xml:id="S.189"/> in die canzlei
                  gewisen werden die original zu besichtigen und abschrift davon zu nemen und selbst
                  aufzumerkhen, ob si ainich verdächtlichait oder valsch darinnen spuret, dasselb
                  von stund an auf dem nechsten rechtstag vor gericht einzufueren. und so die brief
                  also collationiert, von der gegenparthei besichtigt und abschrift davon gegeben
                  sein, sollen die original irer parthei wider zu handen geantwort werden, dann nach
                  der urtl wuerde si nit mer zuegelassen. wo aber ain valsch der unsichtig oder
                  auswendig mit brieflichen urkhunden gebraucht worden wär furkhäm, denselben mag
                  die widerparthei auch nach der urtl clagweiß furbringen. und so si den valsch
                  weiset, wierdet das urtl so in craft desselben briefs gesprochen worden aufgelöst
                  und der brief vernicht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.3">
                <head>[Buch II Titel XII §. 3.]</head>
                <p>Der so ain verdächtlich schrift <pb n="190" xml:id="S.190"/> oder valsch brief
                  wissentlich in recht furbringt, der soll wissen das dieselben gerecht sein. weiset
                  er das nicht, und ob er gleich die brief selbst nicht aufgericht hat, soll er von
                  dem landmarschalch gestrafft werden sowol als ain valscher zeug durch das
                  richterlich ambt und nach gelegenhait des valsch und nicht mit ordenlicher peen
                  des gesetz, es werde dann umb den valsch beclagt und uberwunden. und die schrift
                  oder brief werden verdächtlich, so si geschaben und abkrazt, oder zwaierlai
                  handschrift darin sigler vergeben person oder die sigil ungerecht sein, oder so
                  der schreiber vormals umb ain valsch verurthailt worden wär, desselben schrift mag
                  khain khundschaft helfen, das si fur glaubwirdig angenumen werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.4">
                <head>[Buch II Titel XII §. 4.]</head>
                <p>Wann ainer sagt, er hab schuldbrief <pb n="191"
                    xml:id="S.191"/> oder ander
                  brieflich urkhund verloren durch betrug seiner gegenparthei wider die si gelaut,
                  das si im dieselben entfrembdt oder vernicht hab, so [Bl. 86<hi rend="sup">b</hi>] ist genueg das
                  er solchen diebstal oder vernichtung weise, und umb die inhaltung derselben brief
                  wierdet glaubt seinem aid. wo aber solch vernichtung oder entfrembdung wäre
                  beschehen nicht durch die widerparthei sonder ainen anderen, so ist nit genueg das
                  ainer den diebstal weiset, sonder auch not die inhaltung und laut der brief, wo er
                  derselben zu geniessen begert, zu weisen. und soll das beschehen durch personen
                  die verständig sein, die notturft und abgang brieflicher urkhund zu erwegen wissen
                  haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.5">
                <head>[Buch II Titel XII §. 5.]</head>

                <p>Wann sich der antworter seiner sach in des clagers brieflich urkhund zeucht, so
                  ist der clager schuldig dieselben sovil <pb
                    n="192" xml:id="S.192"/> die sach
                  berueren furzubringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.6">
                <head>[Buch II Titel XII §. 6.]</head>

                <p>Herwiderumb, ob der clager sein clag auf des antworter brief gründet und sich
                  darein zeucht, ist der antworter auch schuldig dieselben sovil die clagsach
                  berueren furzubringen. [Bl. 87<hi rend="sup">a</hi>] doch wo solch brief mer und ander sachen dann
                  die darumb geclagt oder geantwort wierdet innen hielten, so bedurfen solch brief
                  nit geoffenbart, sonder mügen die notturftigen inhalt bei dem gericht in gehaim
                  ausgezogen und in das gerichtspuech geschriben, den partheien zu irem behelf wie
                  vor steet abschrift davon gegeben, und der parthei so die brief eingelegt hat die
                  brief wider zu handen gestellt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.7">
                <head>[Buch II Titel XII §. 7.]</head>

                <p> Wann ainer den anderen umb ain schuld beclagt und der antworter zeucht sich in
                  des clagers raitpuech das er ine <pb
                    n="193" xml:id="S.193"/> bezallt hab, so ist
                  der clager dem antworter zu guet zu beweisung seines auszugs schuldig dasselb
                  furzubringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.8">
                <head>[Buch II Titel XII §. 8.]</head>

                <p>Ain abschrift wie die in recht furpracht wierdet ist albeg creftig wider die
                  parthei, so dieselb furbracht hat, aber nit gegen der widerparthei. [Bl.
                  87<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.9">
                <head>[Buch II Titel XII §. 9.]</head>
                <p>Ob ainer dem anderen all sein ligent und varent guet ubergibt vermacht oder
                  verschreibt, so werden dardurch nit verstanden, das die clag sprüch und
                  gerechtigkhait so der gaber zu anderen hat ubergeben oder vermacht sein, es
                  beschehe dann derselben sonderlich meldung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.10">
                <head>[Buch II Titel XII §. 10.]</head>

                <p>Die handschrift, so ainer bekhent als sein handschrift und darin die ursach der
                  handlung oder schulden angezaigt ist, macht ain volkhumen glauben wider den so
                  solch handschrift gegeben hat, ausgenumen, er bring in ordenlicher zeit dawider
                  fur und weise den außzug <pb
                    n="194"
                    xml:id="S.194"/> des unbezalten gelts solcher
                  handlung. wo aber der so ain handschrift gibt derselben handschrift absteet, als
                  sei es nit sein handschrift, und obgleich die ursach der handlung oder schulden
                  darin gemelt ist, so macht solch schrift allain khain glauben, sonder ist not das
                  die handschrift gewisen werde durch zusamgleichung der [Bl. 88<hi rend="sup">a</hi>] puechstaben
                  und formb gegen ainander desselben schriften, die wissentlich oder bezeugt werden
                  das si des schrift sein, der die beruert handschrift verlaugent.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.11">
                <head>[Buch II Titel XII §. 11.]</head>

                <p>Die raitpuecher und schuldregister so ain sterbender geschriben hat und hinder
                  sein verlässt weisen nichts. wo aber derselb sterbent aines gueten leben und
                  lobmund gewesen, so möchten solch register ain anzaigen oder zu zeiten neben
                  anderm behelf ain halbe weisung machen, und demnach durch den <pb
                    n="195" xml:id="S.195"/> aid oder ainen gegrundten zeugen gar erstat werden sonst
                  weissen die schrift und item, die ainer ime selbst geschriben und noch in seinem
                  leben furbringt, wider ain anderen nichts volkhumens.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.12">
                <head>[Buch II Titel XII §. 12.]</head>

                <p>Wo in ainem urkhund mer dann ainerlai handlung aufgeschriben sein, wo dann in
                  ainem articl ainer handlung ain valsch gefunden wierdet, so wierdt der articl der
                  [Bl. 88<hi rend="sup">b</hi>] selben handlung als valsch geacht, und nicht das ganz urkhund oder
                  die schrift alle helt aber dasselb brieflich urkhund nur ain handlung inen und
                  wierdet in ainem articl valsch erfunden, so ist das ganz urkhund valsch und
                  vernicht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.12.13">
                <head>[Buch II Titel XII §. 13.]</head>

                <p>In allen handlungen, darin die schrift von aigem wesen derselben sachen ist,
                  haben dieselben schrift mer glaubens dann die zeugen. dergleichen in beweisung
                  alter geschichten, dann des menschen <pb
                    n="196" xml:id="S.196"/> gedächtnus ist
                  schwach. dergleichen, wo vil articl in ainer handlung, als in raitung und in der
                  gleichen sachen sein, wierdet den schriftlichen urkhunden auch mer glauben geben
                  dann den zeugen, und in etlichen mer articlen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.13">
              <head>[Bl. 89<hi rend="sup">a</hi>] [XIII. Titel.] Von aiden.</head>
              <div xml:id="NA.2.13.1">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 1.]</head>
                <p>Es sein manicherlai aid aber der erst, so gemainclich den partheien von
                  gerichtswegen geben wierdet, haisset der aid fur gefärde und poshait.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.2">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 2.]</head>

                <p>Der ander aid wierdet genumen von den zeugen so in recht khundschaft geben
                  sollen, nemblich also: "ir werdet in denen sachen darumb ir zu zeugen benennt und
                  ervordert sein die ganz volkhumen lauter warhait sovil euch wissen ist sagen,
                  darinen gefärlich nichts verhalten noch unwarhait <pb
                    n="197"
                    xml:id="S.197"/>
                  eintragen weder von aigens nutz poßhait miet gab gunst vorcht lieb freundschaft
                  haß noch veindschaft noch von khainer anderen sach wegen, so durch menschen sinn
                  erdacht möchten werden, sonder allein ansehen euer gewissen gegen got, das recht
                  und die warhait [Bl. 89<hi rend="sup">b</hi>], und was ir hierinnen bekhennen und khundschaft weiß
                  anzaigen werdet niemant verrer öfnen biß solches in recht eroffent wierdet,
                  getreulich und ungefärlich, als euch got helf und all heiligen. amen."</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.3">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 3.]</head>

                <p>Der clager mag zu becreftigung seiner clag in der ladung in den antworter den
                  anzug thuen darumb zu sagen wie recht, darauf ist der antworter schuldig darumb zu
                  sagen wie recht. wo aber der anzug in der ladung nicht beschähe und der clager ain
                  halbe weisung thet, oder ain creftige rechtmässige <pb
                    n="198" xml:id="S.198"/>
                  vermuetung fur sich het, mag er sich zu volkhumer weisung auch an den antworter
                  ziehen und im den aid darumben auflegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA2.13.4">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 4.]</head>

                <p>Widerumb hat der antworter wol macht, wo er nicht schweren wollt, dem clager den
                  aid haimbzugeben selbst darumb zu sagen wie recht ist, den der clager alßdann
                  anzunemen [Bl. 90<hi
                    rend="sup">a</hi>] schuldig ist. es wierdet auch gefragt, welcher parthei der
                  richter den aid auflegen soll: darin soll der richter aigentlich aufsehen, bei
                  welcher parthei er vermuet die warhait baß mugen erlernen, so soll dem
                  merwissenden der aid gegeben werden. wo aber bede partheien die warhait wissen
                  mugen, so soll der parthei der merer zu glauben ist der aid aufgelegt werden. sein
                  si dann bede glaubwirdig, soll der clager zu erfüllung einer weisung den aid
                  thuen. <pb
                    n="199" xml:id="S.199"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.5">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 5.]</head>

                <p>Wer sich in der ladung oder sonst khainer clag oder articl in die widerparthei
                  darumb zu schweren zeucht, und ob im durch dieselb widerparthei der aid haimbgeben
                  wierdet, und alß dann die parthei den haimbgeben aid nit annemen sonder die
                  beruerten clag oder articl mit zeugen weisen wollt, der soll darzue nit gelassen
                  werden, dann es wierdet gesehen, er hab sich solcher khundschaft durch den erst
                  beschehen anzug in die widerparthei verzigen. so ist auch durch solch mittl der
                  partheien boshait [Bl. 90<hi rend="sup">b</hi>] damit aine die ander ie zuzeiten gefärlichen zu
                  verschimpfen understeet, furzukhumen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.6">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 6.]</head>

                <p>Wo nach beschehnem aid, er sei auf ainer parthei anzug oder durch den richter
                  auferlegt beschehen, ain urtl ergangen, in welcher craft der clager behabt het
                  oder der antworter erledigt ist, und <pb
                    n="200" xml:id="S.200"/> ain parthei
                  brieflich urkhund oder ander rechtlich behelf wider solchen aid, die si nit auß
                  betrug oder nachlässigkhait verhalten, in irer gwalt nit gehabt, sonder etwo von
                  newem gefunden haet, furbracht und dasselb weisen möcht, so mag dieselb parthei
                  den beschehen aid und das ergangen urtl damit widertreiben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.7">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 7.]</head>

                <p>Es wäre dann die sach guetlich vertragen, so het solches nit stat, sonder der
                  vertrag soll beleiben in craft der wilkhur, sonderlich wo im vertrag dieselb
                  mainung von new gefunden urkhunden und anderen behelfen gemelt und eingeleibt
                  wierdet. [Bl. 91<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.8">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 8.]</head>
                <p>Ain ieder aid soll beschehen mit der maß und formb als er ainem zu thuen
                  haimbgeben und aufgelegt ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.9">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 9.]</head>
                <p>Wann sich ainer zu bestättigung seines furgebens ain aid zu thuen erpeut, mag <pb n="201" xml:id="S.201"/> derselbig durch erkhantnus des gerichts zuegelassen
                  oder abgeschlagen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.10">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 10.]</head>
                <p>Ain ieder soll sein aid thuen inhalt seines glaubens darin er ist. dann soll ain
                  jud auf das evangellio schweren, so verpottet er dasselb.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.11">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 11.</head>
                <p>Der aufgelegt aid oder auf ain anzug, so er gethon wierdet, hat craft ainer
                  volkhumen weisung. darumb, so ainer auf des anderen ansinnen schwert er sei ime
                  nicht schuldig, wierdet nit verrer gefragt ob er ime schuldig sei.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.12">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 12.]</head>

                <p>Wann ich dier ain aid haimb gib und du willt umb dieselb sach nit schweren sonder
                  [Bl. 91<hi rend="sup">b</hi>] kerest dich zu ainer anderen handlung in recht, und ob du nachmallen
                  schweren woltest, so ist dier der aid nit nutz, dann du hast den nicht angenumen,
                  di ich dier den haimb geben hab.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.13">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 13.]</head>
                <p>Wann sich ain parthei den aid zu thuen <pb n="202" xml:id="S.202"/> erpeut und
                  die gegenparthei ist benuegig an demselben erpieten, lässt den aid nach, so ist es
                  sovil als ob die parthei den aid gethon het.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.14">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 14.]</head>
                <p>Als der antworter wider den clager mit dem aid bezallt, also wechst auch dem
                  clager gerechtigkhait aus dem aid den er thuet, und wierdet nit verrer gefragt
                  dann das, ob der aid rechtlich beschehen oder nachgelassen sei.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.15">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 15.]</head>

                <p>Wiewol all gerechtigkhait-handlung bei dem gerichtstuel gehandelt sollen werden,
                  so mag doch der aid dardurch auch der krieg [Bl. 92<hi
                    rend="sup">a</hi>] abgeschnitten soll
                  werden von großmechtigen personen, auch von den schweer krankhen und gar alten
                  dahaimb in iren höfen und wonungen aufgenumen werden, und nicht allain der beruert
                  aid sonder ain ieder notturftiger aid, und hat stat nit allain in den person <pb
                    n="203" xml:id="S.203"/> recht kriegen sonder auch in den kriegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.16">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 16.]</head>
                <p>Ob ainer ain unverständlichen aid thet, den hat der richter wider zu eraischen,
                  damit er sein aid erleuter und erclär.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.17">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 17.]</head>
                <p>Es wierdet auch umb erlegt gelt behaltnusweiß der aid aufgeben und genumen in
                  massen wie in anderen clagen die aines gueten glaubens sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.13.18">
                <head>[Buch II Titel XIII §. 18.]</head>

                <p>Wem ain aid aufgelegt wierdet der hat nicht macht denselben zu verwideren ôn
                  ursach, wiewol er den der widerpartheien so imen denselben aufgelegt wider haimb
                  geben mag. [Bl. 92<hi
                    rend="sup">b</hi>] dann wo ainer den aid beruerter massen verwidert, wierdet
                  er fur uberwunden gehalten. und ob die parthei der ain aid aufgelegt ain außlender
                  ist, soll sein gwalttrager, ob er gleich darumb gwalt hat, zu solchem aid nit
                  gelassen werden, sonder soll der landmarschalch <pb
                    n="204"
                    xml:id="S.204"/> der
                  acta gelegenhait sovil not ist derselben abwesenden parthei richter schickhen den
                  aid von ir selbst aufzunemen oder zuverwidern, und der widerparthei bei solchem
                  aid zuͦ sein oder iren gwalttrager zu schickhen tag setzen und verkhünden. auf
                  welcher parthei cosstung aber solches beschehen solle, steet in des
                  landmarschalchs erkhantnus. und alßdann soll der außlendisch richter dem
                  landmarschalch das so er gehandelt mit sambt den acta so ime zuegeschickt worden
                  wider zuesenden, damit der landmarschalch verrer darauf wisse zu volfaren. [Bl.
                  93<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.14">
              <head>[Buch II Titel XIV] Von entlichen urtln.</head>
              <div xml:id="NA.2.14.1">
                <head>[Buch II Titel XIV §. 1.]</head>
                <p>Ob mer person in ainer ladung <pb n="205"
                    xml:id="S.205"/> gefordert und beclagt
                  werden umb ain sach darumb die antworter nit underschiedlich verpflicht sein, und
                  etlich erscheinen, etlich mugen aus eehafter not nicht gegenwurtig sein, so mag
                  der richter gegen den gegenwurtigen umb ir gebürenden thail wol in recht volfaren
                  und urtl fellen und das recht gegen den abwesenden aufschreiben, dann es wierdet
                  verstanden, der sachen sein so vil als menig der beclagten person sein. wierdet
                  aber ain person umb ain articl beclagt, dieselb rechtfertigung noch die urtl mag
                  der richter nicht thailen. wierdet aber ain person umb mer dann ainen articl
                  beclagt, so hat der richter wol macht umb etlich zu erkhennen und etlich ansteen
                  zu lassen. anderst ists, wo ir zween oder mer umb ain sach oder [Bl. 93<hi
                    rend="sup">b</hi>]
                  schulden unverschaidenlich <pb n="206" xml:id="S.206"/> verphlicht sein. dann so
                  die urtl unverschaidenlich wider si gefellt wierdet, so beschicht die volfuerung
                  wider den vermügenden, wo die anderen nit zu bezallen haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.14.2">
                <head>[Buch II Titel XIV §. 2.]</head>
                <p>Der richter soll nit erkhennen umb das so durch die partheien nicht begert ist,
                  wil er anderst der torhait und dem unrat entfliehen, dann die urtl soll der clag
                  gerichtshandlung und rechtsätzen gemäß sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.14.3">
                <head>[Buch II Titel XIV §. 3.]</head>

                <p>Wann ainer clagt umb einziehung aines guets so der antworter besizt, wo die
                  gerichtshandlung wider den clager und fur den besitzer ist, soll der richter den
                  antworter muessig zellen ist die gerichtshandlung fur den clager wider den
                  besitzer, soll das urtl gestellt werden dem clager das guet einzuantworten, und
                  der emphangen nutz und frucht [Bl. 94<hi
                    rend="sup">a</hi>] halben gehalten werden <pb n="207" xml:id="S.207"/> laut beder partheien furbringen und begeren in recht. dann
                  welcher das posseß aus ainem gueten glauben gehabt het, wer die frucht so er
                  emphangen und die verzert wären nit schuldig wider zu geben, sonder allain die so
                  sich von verfahung des kriegs verfallen hetten. aber der besitzer aines bösen
                  glaubens oder der gwalt und entwerung gethon hat ist all frücht, si sein vorhanden
                  emphangen oder nicht emphagen, schuldig wider zu geben und zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.14.4">
                <head>[Buch II Titel XIV §. 4.]</head>

                <p>Wo zween oder mer nit unverschaidenlich sonder in gemain mit ainander umb ain
                  ausgetrukht maß oder zal verurthailt werden, und nicht ausgetrukht ist das ainer
                  den anderen ubertragen solle, so dann ainer der urtl seines thails genueg thuet,
                  mag er umb den abgang der anderen nit beclagt werden. <pb
                    n="208" xml:id="S.208"/>
                  [Bl. 94<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.15">
              <head>[Buch II Titel XV. ] Gerichtscostung und abgenumen nutzen und früchten interesse
                oder schaden.</head>
              <div xml:id="NA.2.15.1">
                <head>[Buch II Titel XV §. 1.]</head>
                <p>Wann die partheien in iren rechtfertigungen die gerichtscosten und schäden oder
                  abgenumen nutz und frucht begeren, so ist der richter phlichtig darumben zu
                  erkhennen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.2">
                <head>[Buch II Titel XV §. 2.]</head>
                <p>Wer muetwilliclich kriegt in recht und underligt, der ist schuldig dem uberwinder
                  die gerichtscosstung zu bezallen. wo aber ainer aus erberen rechtmessigen ursachen
                  zu kriegen in recht bewegt wäre und verlur, der möcht von der gerichtscosstung
                  enthebt werden, doch wierdet solches des richters erkhantnus bevolhen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.3">
                <head>[Buch II Titel XV §. 3.]</head>

                <p>Wer verphlicht oder verschreibt auf ain benannten tag ainicherlai zu gelten oder
                  [Bl. 95<hi
                    rend="sup">a</hi>] zu thuen, <pb n="209" xml:id="S.209"/> thuet das nicht und khumbt
                  daruber in recht, wiewol er sich alßdann genuegen zu thuen, so wierdet er doch
                  gerichtscostung schuldig, dann sein aigen that handlung phlicht oder verschreibung
                  soll ine ermanen dem tag und wort seines zuesagens nachzukhumen. wäre aber ain
                  sach durch seine eltern oder ander ôn sein wissen gehandelt, und möcht sein
                  unwissen vermuetlich in recht anzaigen, der mag der gerichtscosstung
                  entfliehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.4">
                <head>[Buch II Titel XV §. 4.]</head>
                <p>Die cosstung so ainer vor ausgang der ladung in ainer sachen thuet, es sei mit
                  zerung, zu verhör, umb bevelch von der oberigkhait, oder in ander weeg, die sollen
                  in die gerichtscosst nicht gerait werden sonder in die schäden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.5">
                <head>[Buch II Titel XV §. 5.]</head>
                <p>Die gerichtscossten werden bewisen mit dem aid und die anderen schäden und <pb n="210"
                    xml:id="S.210"/> [Bl. 95<hi rend="sup">b</hi>] abgenumen frucht durch khundschaft,
                  ausgenumen in gwaltiger that. dann wo der gwalt bewisen, werden solch schäden und
                  anders auch durch den aid bestät.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.6">
                <head>[Buch II Titel XV §. 6.]</head>
                <p>Welcher ainen anderen fur dits landßrecht mit ladung zeucht der disem gericht
                  nicht underworfen ist, der wierdet dem geladnen die cosstung schuldig zu
                  bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.15.7">
                <head>[Buch II Titel XV §. 7.]</head>

                <p>Der besitzer aines bösen glaubens ist schuldig zu widerkheeren all frücht, die er
                  emphangen hat oder der clager davon emphahen het mügen. was dann notturftiger
                  ausgab zu behaltung desselb guets sein, mag der antworter durch recht bekhumen,
                  was aber ausgab sein damit das guet nüzlicher worden ist, mag er an den fruchten
                  abziehen. anderst ists, wo der besitzer ain guet mit guetem gelauben besessen
                  hat.[Bl. 96<hi
                    rend="sup">a</hi>] <pb n="211" xml:id="S.211"/>
                </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.16">
              <head>[Buch II Titel XVI] Von ansatz und volfuerung der urtln.</head>
              <div xml:id="NA.2.16.1">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 1.]</head>

                <p>Nach dem geprauch unsers landßrechten in Osterreich wie von alter heer, wann die
                  entlich urtl gefellt ist so soll der partheien der dasselb urtl zusteet an die
                  widerparthei ain gebotsbrief gegeben werden der urtl von uberantwortung desselben
                  briefs in vierzehen tagen genueg zu thuen mit solcher warnung, wo das nit
                  beschäch, werde man mit dem ansatz auf derselben widerparthei gueter volfaren. wo
                  dann der urtl nit benuegen beschicht, so soll ain ansatzbrief gefertigt werden und
                  darauf der undermarschalch oder des gerichts weispot ansetzen. so der ansatz
                  beschehen ist, sol der richter dem angesezten ain anpotsbrief geben, <pb
                    n="212"
                    xml:id="S.212"/> darin er die widerparthei ermont den ansatz von dem angesezten
                  in ainem monat zu erledigen mit verrer warnung, [Bl. 96<hi rend="sup">b</hi>] wo das nit beschähe,
                  werden dem angesezten erlaubt mit den angesezten guetern zu handlen nach seiner
                  notturft, damit er seiner behebnus und costung auf der widerparthei ungehorsam
                  geloffen entricht werde. so dann die parthei solchem anpot auch nit volg thuet, so
                  soll der angesezt von dem gericht ain urlaubbrief erlangen, darinnen ime erlaubt
                  werde die angesezten gueter zu verkhumbern, zu verkhaufen oder selbst inzuhalten
                  und seiner erlangten gerechtigkhait davon zu bekhumen. und ob ainicherlai ubermaß
                  daran wäre, damit soll gehandelt werden mit des gerichts wissen wie recht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.2">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 2.]</head>
                <p>Und so der ansatz also beschehen und <pb n="213"
                    xml:id="S.213"/> der urlaubbrief
                  erlangt auf ain guet, darumb in recht geclagt und der widerparthei zueerkhennt
                  worden ist, mag der dem solch guet mit urtl zuegefallen ist in dem ansatz beleiben
                  und dasselb guet besitzen, ime werdt dann aus der widerthails guetern ain ubermaß
                  [Bl. 97<hi rend="sup">a</hi>] umb cosst und schäden, so soll mit schatzung derselben gehandelt
                  werden wie hernach volgt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.3">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 3.]</head>

                <p>Wo aber die sach ein persondlicher spruch wäre und der gewinnent umb
                  genuegthueung willen der urtl angesezt wierdet, so dann der verlierent den ansatz
                  nicht erledigt noch bezallt und dem gewinner der urlaubbrief gegeben wierdet, sol
                  der gewinner zu stund mit fertung des urlaubbriefs ain verkhundung auf die
                  widerparthey erlangen in vierzehen tagen auf ainen <pb
                    n="214"
                    xml:id="S.214"/>
                  benanten tag oder den nechsten gerichtstag darnach durch sich selbst oder seinen
                  gwalttrager zu khumen zu sehen und zu hören schatzung der angesezten gueter und
                  sein einred zu thuen. und er khumb und schickh oder nit, soll dennoch die
                  schatzung beschehen durch landmarschalch und beisitzer. wo si aber solches
                  persondlich nicht thuen möchten aus ursachen merer geschaft oder nambhafter
                  ursachen [Bl. 97<hi
                    rend="sup">b</hi>] und irrung der gueter, mag der landmarschalch solliches
                  unpartheiischen verstendigen landleuten bevelhen sich zu erkhunden wie die
                  notturft ervordert auf des gewinner cosstung, und solch schatzung in ainem monat
                  dem nechsten nach uberantwortung der comission oder bevelchs zu enden. es soll
                  auch in dem monat so der widerparthei zu der schatzung verkhundt ist <pb
                    n="215"
                    xml:id="S.215"/> vor gericht offentlich mermallen berueft und offen brief von
                  dem landmarschalch ausgeen und angeschlagen, darin die angesezten gueter angezaigt
                  werden, ob iemant wäre der ain merers als der gwinner darumb geben wollt, das
                  derselb auf den benanten tag mit seinem erpieten erscheine. so dann die verliesent
                  parthei ain ubermas laut der schatzung an den güetern het, soll darmit gehandelt
                  werden inhalt des urlaubbriefs, und dem so es pillichen zuesteen soll beleiben,
                  auch der dem die gueter zuegestellt von gerichts wegen [Bl. 98<hi
                    rend="sup">a</hi>] mit urkhund
                  versehen werden, damit er khunfticlich seinen titl und posseß derselben gueter
                  anzaigen müge. und welcher gewin er dise ordnung nicht hielt noch die schatzung
                  annäme oder nicht beschehen ließ <pb
                    n="216"
                    xml:id="S.216"/> sonder ôn ansatz fur
                  sich selbst inhielt, wo er dann vor ordenlicher ersitzung der nutz gweer und
                  rechtlichen furbrauchs umb dieselben gueter angesprochen, wiewol er die vorerlangt
                  suma nicht verlür, so wuerde er doch die eingenumen frücht an derselben suma
                  abziehen und die ubermas zu bezallen schuldig, dann er möcht sich fur ainen
                  besitzer des gueten glauben nicht anzaigen. doch sollen gefärd und unmüglich
                  handlung zu der niemant verpunden ist hierin bedacht, und wie in anderen
                  rechtmässigen sachen ausgeschieden sein. ob auch dem gewinner in erkhundigung der
                  sachen und auf die bevelchman so dapfer cosstung liefe, soll ime dieselb zimblich
                  nund nach massigung der bevelchman widerlegt werden. dann ainer so ain guet <pb
                    n="217" xml:id="S.217"/> khauft mueß auch cosstung darauf thuen und nichts
                  minder in seinem hauß notturft haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.4">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 4.]</head>
                <p>Wann auch durch lisstig handlung und betrug [Bl. 98<hi rend="sup">b</hi>] der verliesenden parthei
                  verhindert wuerde, daz khain khaufer zu den angesezten guetern gefunden werden
                  möcht, und er selbst auch der urtl nit genueg thät, so soll dem gwiner das
                  aigenthumb und herrlichait derselben güeter von gerichts wegen zuegestellt
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.5">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 5.]</head>

                <p>Ob der landmarschalch dem weispotten bevilcht volstreckhung ainer urtl zu thuen,
                  und der landmarschalch wierdet seines ambts vor solcher volstreckhung erledigt
                  oder stirbt dardurch der gerichtszwang erlischt. nichts minder ist der bevelch
                  creftig und der weißpot schuldig denselben zu volziehen.<pb
                    n="218" xml:id="S.218"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.6">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 6.]</head>

                <p>Ob ain landmarschalch ain entlich urtl gibt und vor volziehung derselben mit todt
                  abgeet oder des ambts erledigt wierdet, so hat der nachkhument landmarschalch
                  nicht macht uber die beruerten ergangen urtl zu erkhennen ob si wol oder ubel
                  gesprochen sei, sonder gebürt seinem ambt dieselben zu volziehen und darauf zu
                  handeln als ob er solliches urtl selbst [Bl. 99<hi
                    rend="sup">a</hi>] gegeben het. und ob die
                  parthei wider die solch volfuerung beschehen ist soll die ungerechtigkhait der
                  urtl furzüg und sich die zu weisen erbüte, soll die nicht gehört werden, dann die
                  vermuetung des rechtens ist fur die urtl und wider die parthei. doch ist derselben
                  parthei nichts abgeschlagen die nichtigkhait der beschehen gerichtshandlung und
                  urtlen in ordenlichem rechten nach der volfuerung <pb
                    n="219" xml:id="S.219"/>
                  furzubringen und verrer rechtens darumb zu begeren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.7">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 7.]</head>
                <p>Das entlich urtl in sprüchen in das guet macht niemant ainen herren des
                  zuegethailten guets sonder der ansatz, das ist, so ainem das guet auf die urtl mit
                  gerichts handen eingeantwort, so wierdet demselben die aigenschaft damit gegeben.
                  aber in persondlichen sprüchen, so ainer auf güeter angesezt wierdet, hat der
                  angesezt dieselben allain bstandweiß inen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.8">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 8.]</head>

                <p>Der ordenlich richter so verdächtlich erkhennt wierdet mag nichts minder
                  unverhindert solches furgebrachten verdächtlichait die urtl, so der [Bl. 99<hi rend="sup">b</hi>]
                  richter neben ime und an seiner stat geordent gegeben, volziehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.1.6.9">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 9.]</head>

                <p>Wann der richter ainem ain peen auflegt in ainer benanten zeit ainer urtl genueg
                  zu thuen und der glauber <pb
                    n="220" xml:id="S.220"/> erlengt ime die täg, so ist
                  der schuldner dem richter die peen nicht schuldig, wiewol er des richters gebot
                  khain benuegen gethon hat. dann der richter soll nicht verrer fragen, dann was die
                  partheien mit seinem wissen und willen handeln.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.10">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 10.]</head>

                <p>Welcher in ain guet gesezt wierdet oder das mit recht erlangt der hat nit mer
                  gerechtigkhait daran dann sein widerparthei von den er solch guet erhabt, dann ain
                  iedes guet geet in den nachvolger mit den beschwerungen und anhengen die vor der
                  rechtfertigung darauf ligen. so ist auch ain rechtmässig wort: "was zwischen
                  zwaien gehandelt wierdet, soll dem dritten so nicht ervordert ist nicht zu schaden
                  khumen. doch wo iemand in ain guet angesezt, und wuerde darnach befunden, daz
                  solches nicht richtig des verlüstigen [Bl. 100<hi
                    rend="sup">a</hi>] <pb n="221" xml:id="S.221"/>
                  antworters wär sonder ainer dritten person mitaigenthumb phandschaft oder anderer
                  parthei umb was ir an demselben guet mangeln und abgeen wuerde auf ander der
                  verlüstigen partheien gueter angesezt, und der dritten person, so si in der
                  rechtfertigung nicht begriffen, ôn nachtail erledigt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.11">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 11.]</head>
                <p>Ob der ansatz umb persöndlich sprüch ain zimblichs höher und teurer, dann der
                  spruch ist und erlangt schaden und cosstung beschicht, nichts minder hat der
                  ansatz craft, und sonderlich wo das ligent oder varent guet bedarf, soll der
                  ansatz so vil hoher beschehen, damit man auch dasselb darlegen davon bekhumen
                  mug.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.12">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 12.]</head>
                <p>Wo der richter befindt daz der persondlich spruch nit so gar lauter <pb n="222"
                    xml:id="S.222"/> oder richtig wär, soll er auch sein handlung mit dem ansatz
                  mässigen, damit der abwesend nicht zu hoch beschwert werde, und sonderlich in der
                  anderen erkhantnus [Bl. 100<hi rend="sup">b</hi>] umb bezalung des clagers, dann in der anderen
                  erkhantnus auf die ungehorsam hat es minder stat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.13">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 13.]</head>
                <p>Was umb brief dem landschreiber auch underlandmarschalch oder weispotten zu
                  volfuerung der urtl gegeben wierdet und was cosstung auf solch volziehung zimblich
                  und notturfticlich laufen, die sollen in abrichtung des ansatz zu der
                  gerichtscosstung gerait werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.14">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 14.]</head>
                <p>Wer wider den ansatz mit gwalt fräfelt der soll in unser straf gefallen sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.16.15">
                <head>[Buch II Titel XVI §. 15.]</head>
                <p>Umb schulden soll auf die güeter so zu heiratguet verschriben sein nicht <pb n="223"
                    xml:id="S.223"/> angesezt werden aus ursach der rechtlichen freihait so
                  heiratgüeter haben, die darumb gegeben sein, das die conschaft davon underhalten
                  werden soll. anderst ist in der widerlegung, dann von des mann schuld wegen soll
                  das weib ires zuegebrachten guets nicht beraubt, dergleichen der man von des weibs
                  [Bl. 101<hi rend="sup">a</hi>] schuld wegen seines gebrauchs und nutz in dem heiratguet zu der
                  chonschaft und erhaltung nicht entsezt werden.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.17">
              <head>[Buch II Titel XVII] Von peen und straf.</head>
              <div xml:id="NA.2.17.1">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 1.]</head>

                <p>Zwaierlei peen und straf sein: etlich wirdet von dem gesetz geordent und haisset
                  ain ordenliche peen, die ander wierdet durch verwilligung der partheien angenumen
                  und haisset ain wilkhurliche peen. die ordenlich peen <pb
                    n="224" xml:id="S.224"/>
                  ist der richter schuldig zu erkhennen, die wilkhurlich steet in der partheien, und
                  sonderlich der dieselb zuegesprochen werden solle, willen begeren oder
                  nachlaß.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.2">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 2.]</head>

                <p>Ain iede straf soll von aller mißhandlung des strafer frei sein. und soll die
                  zucht der wort oder die straf der that allein dem gemainen nutz zu guet und sonst
                  nicht beschehen, und verhüet werden das die peen nicht schwerer [Bl. 101<hi
                    rend="sup">b</hi>] sei
                  dann das versprechen, und in gleichmässigen handlungen nicht ainer gestrafft, der
                  ander als unwissent ubersehen oder gar nicht ermont werde. zumal soll in der straf
                  khain zorn erscheinen, dann das gemüet so mit zorn bewegt wierdet sihet selten die
                  maß was zu thuen sei. zu sorgen, ob auch der zornig die warhait erkhennen muge.
                  ain iede straf <pb
                    n="225" xml:id="S.225"/> soll mit maß und wag der erberkhait
                  und rechtens gewegen werden nach gelegenhait der verprechenden handlung gemuets,
                  furnemens verachtung der person, wie dann solches ainer ieden handlung und
                  gemaines nutz notturft erfordert.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.3">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 3.]</head>
                <p>Welcher erb iemant geistlich oder weltlich ain guet so demselben in ainem
                  geschäft geordent wär ôn ursach betrieglich vorhellt verlaugent oder verzeucht und
                  nicht bezallt, lässt sich darumb in recht beclagen, der soll das geschafft guet
                  raichen, und so vil als der wert desselben guets ist zu peen bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.4">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 4.]</head>
                <p>So ainem ain geltstraf rechtlich aufgelegt [Bl. 102<hi rend="sup">a</hi>] wierdet und derselb
                  vermag solch straf nicht zu bezallen, der soll die mit dem leib büessen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.5">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 5.]</head>
                <p>Ob landschreiber procuratores gerichtspot <pb n="226" xml:id="S.226"/> weispot
                  furpieter oder ander des gerichts personen iemant tringen oder betriegen uber den
                  gesezten lon und die maß so oben bestimbt ist, und darumb rechtlich beclagt
                  werden, die sollen die ubermas bezallen und umb zwaimal so vil die ubermaß ist dem
                  gericht gestrafft werden, der widerparthei die cosstung vorbehalten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.6">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 6.]</head>
                <p>So der richter ainem ain peen sezt, soverr er den clager in ainer bestimbten zeit
                  nicht bezallt und derselb schuldner verändert dits gericht mittler zeit, zeucht
                  sich daraus und zalt nicht, nichts minder ist er disem gericht peenfellig, und hat
                  der richter so die peen aufgelegt macht, wo er denselben in seinem gerichtszwang
                  betrit, gegen seinem leib und guet darumben zu handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.7">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 7.]</head>
                <p>Die peen, so ain parthei der anderen <pb n="227"
                    xml:id="S.227"/> aus ursachen
                  [Bl. 102<hi rend="sup">b</hi>] irer handlungen rechtmessiclich zu thuen ist, haben wir durch unser
                  bevelch der partheien zu nachtail nit abzuschaffen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.2.17.8">
                <head>[Buch II Titel XVII §. 8.]</head>
                <p>Wer ladung-articl oder ander verkhündbrief, so von unß und wer unser oberigkhait
                  ie zu zeiten verwaltet ausgeen und angeschlagen werden, abreist fräfenlich und des
                  uberwisen wierdet, der soll unß hundert phund phening zu straf verfallen sein, wer
                  so vil an dem guet nicht hat, der büeß es mit dem leib.</p>
              </div>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.3">
            <head>[Buch III]</head>
            <div xml:id="NA.3.0">
              <head>In das drit puech des landsrechten vorred.</head>

              <p>Als wir in den vörderen zwaien püechern beschriben haben von den gerichtspersonen
                und ordnung des gerichts, und <pb
                  n="228"
                  xml:id="S.228"/> so nun der merer Thail
                aller gerichtshandlung der güeter halben und aus den gerechtigkhaiten so die
                menschen darzue zu haben vermainen [Bl. 103<hi
                  rend="sup">a</hi>] entspringen, und die vier wörtl
                "mein und dein, es ist und ist nit" alle ursach zu krieg geben, darumb hat unß fur
                not angesehen numallen zu entdeckhen, welcherlai güeter in des menschen geprauch
                nutz posseß und aigenthumb fallen, und durch was handlung der mensch solch güeter
                uberkhumen müge, und wie in gemain ain ieclichs guet gethailt werden soll. wie wol
                wir bedenkhen, wie die rechtgelerten so vor zeiten die recht ainßthails in teutscher
                zungen ausgezogen albeg den fuesstapfen irer lernung nachgetretten, damit si nit
                gesehen wuerden aus dem weeg irer puecher zu geen, aber wenig aufsehen gehabt <pb
                  n="229"
                  xml:id="S.229"/> unserer zeiten regierung schikhlichait und geschichten
                derselben üebung gemainer gebrauch und erforschung der händl, dann unser wesen und
                gepreüch der römischen zeit wesen und handlung denen das geschriben recht aufgesezt
                worden ganz ungleich ungemäß und verr davon sein. [Bl. 103<hi rend="sup">b</hi>]</p>
            </div>
            <div xml:id="NA3.1">
              <head>[Buch III Titel I] Von thailung des recht.</head>
              <div xml:id="NA.3.1.0">
                <head>[Buch III Titel I Einleitung.]</head>
                <p>Deshalben wöllen wir sagen von thailung der güeter disem unserm fürstenthumb
                  gemäß. und ob dieselb ainsthails ab dem weg der geschribnen recht wiche, wolle si
                  niemand beschenen sonder die sachen unserer notturft gleichmässig mit dem
                  trewisten versteen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.1">
                <head>[Buch III Titel I §. 1.]</head>
                <p>Anfenkhlich werden alle güeter gethailt in geistlich und weltlich oder <pb n="230" xml:id="S.230"/> zeitlich. die geistlichen sein, die zu der eere gottes
                  ergeben und gebraucht und zu underhaltung des cristlichen glaubens gewidembt sein.
                  von denen vil zu sagen hie ôn not und unsers gemüets nicht ist. aber die
                  weltlichen und zeitlichen güeter werden gethailt in gemainsame und sondere
                  güeter.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.2">
                <head>[Buch III Titel I §. 2.]</head>
                <p>Der gemeinsamen güeter sind etlich aus [Bl. 104<hi
                    rend="sup">a</hi>] naturlichem rechten allen
                  tieren gemain, als luft wasser erdrich und was darin und darauf wechst, deren alle
                  thier der erden gleich geniessen zu enthaltung ires lebens, aber nicht zu
                  aigenschaft des umbkraiß der ganzen welt und seiner begreifung niemant zuezelt
                  werden mag dann got allain, der die ding allen thieren gemain zu underhaltung
                  geschaffen hat, doch entlich von des menschen wegen, aber under den <pb
                    n="231" xml:id="S.231"/> menschen sein etlich gueter gemain allen völkhern, also das
                  auch ainem ieden frembden gebürt dieselben zu geprauchen, doch dem so
                  gerechtigkhait daselbst hat ôn nachtail als scheffart auf schefreichen wassern die
                  mag ain ieder prauchen, doch bezal maut zol und ander vorderung. item, die schef
                  an den gestetten zu heften doch in den rechten ladstetten, allain die nottruft des
                  winds oder schifpruchs trib ainen an ain ander land, alßdann mag er auch auf aines
                  anderen gründ heften oder lenden, dem herrn des grunds an seiner gerechtigkhait
                  unvergreifenlich.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.3">
                <head>[Buch III Titel I §. 3.]</head>

                <p>Es sein auch gemaine güeter, die ainer ieden gemain wie si sonderlich in stetten
                  oder dörfern [Bl. 104<hi
                    rend="sup">b</hi>] versamelt werden und nicht den frembden zugehören,
                  aussgenumen den es vergünt wierdet, als die offen plätz, khaufmärkht <pb
                    n="232" xml:id="S.232"/> waidwasser zu geprauch des viehs und ander notturft gemaines
                  nutz derselben stat oder dorfs. aber die sonderen gueter sein die, die so sonderen
                  personen zu geprauchen oder zu nutzen oder aigens weis zu geniessen rechtlichen
                  zuegebüren. und die nechst gemelten gemainen und ietz beruerten sonderen gueter
                  werden durch die menschen manicherlai weiß uberkhumen und an sich bracht, als
                  durch erbschaft geschäft gab khauf teusch lehen volziehung der urtlen und in ander
                  weeg, wie durch die nachvolgenden titl clärlich gesehen wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.4">
                <head>[Buch III Titel I §. 4.]</head>

                <p>Es ist meniclich unverporgen das die wilden thier, die vögl in den lüften, die
                  visch in den wassern und das wilprät in den wälden von natturlicher ordnung frei
                  allen thieren gemain und des aigen sein, der si zum ersten <pb
                    n="233"
                    xml:id="S.233"/> fahet oder begreift, aber numallen, so das erdrich und die
                  gründ allenthalben durch die oberigkhait und herlichait [Bl. 105<hi
                    rend="sup">a</hi>] verfangen,
                  und der mensch sich und sein geschlecht selbst gephrengt und in gehorsam dem
                  gesetz zu leben ergeben, hat er ime und anderen menschen die natturlich freihait
                  selbst genumen, das er doch den wilden thieren des luffts erdrich und wasser
                  gestatten mues, und hat in der mensch durch zueziehung der aigenschaft der güeter
                  selbst maß geben, das er in aines anderen gründen wälden wasser oder erdrich nit
                  greifen sol daselbst zu jagen, zu hetzen, zu baissen oder in ander weeg sein nutz
                  und notturft zu suechen wider wissen willen und verhengen des grundherren oder
                  dessen so die oberigkhait des gejaids und wild derenden hat. <pb
                    n="234" xml:id="S.234"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.5">
                <head>[Buch III Titel I §. 5.]</head>
                <p>In disen fällen der gejaid sein khünig und fürsten ausgeschieden, die zu
                  ergezlichait irer müe und arbait damit si täglich als herren der khunigreich und
                  lande beladen sein besonder freihait haben, hie auszuzaigen ôn not, daz ain ieder
                  verständiger bei ime selbst ermessen mag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.6">
                <head>[Buch III Titel I §. 6.]</head>
                <p>Ob iemant ain wilprädt scheust oder verwundt [Bl. 105<hi
                    rend="sup">b</hi>] in seinem gejaid und
                  grund, und es trit auf aines anderen gründ und gejaid, so er ime nachkhumbt wie
                  die röt und das gespür solcher verwundung und außdrits anzaigt, mag er das
                  wilprädt daselbst gar fellen und nemen, doch dem herren des das gejaid am selben
                  ort ist ainen lauf vereren, damit gesehen werde, das er solches nit verhollen oder
                  haimblich gefellt hab. wo er aber dem wilprädt nicht nachkhumbt und <pb
                    n="235"
                    xml:id="S.235"/> verlässt das, so ist es des, der das auf seinem grund betrit
                  und fellt, findet es aber ain gemainer man berüerter mainung auf seinen gründen,
                  fellt dasselb oder das im die röt zu vil entgangen ist, soll ers nicht heben
                  sonder dem herren des orts anzaigen, der mag dasselb annemen und den gemainen man
                  davon begaben, und ob die gejaid auf denselben gründen aines anderen wären,
                  demselben sein gerechtigkhait, das ist ain lauf davon senden, damit nichts
                  verdachts und arglistigs sonder öffentlich und an dem tag gehandelt werde. ob aber
                  iemant in aines anderen gejaid [Bl. 106<hi
                    rend="sup">a</hi>] ôn erlauben muetwilliclich jaget,
                  wilpradt schuß oder fellet, der ist des zeugs darmit er solches thuet verfallen
                  dem herrn des gejaids. und ob er so starckh wär daz er sich desselben <pb
                    n="236"
                    xml:id="S.236"/> gwelticlich setzet, mag umb ain fräfl und gwalt zu ime geclagt
                  und darumb gericht werden. wierdet aber ain pawer oder gemainer man als begriffen,
                  der soll nicht allain den gezeug verlieren sonder darzue seinem herren angezaigt,
                  damit er gestrafft werde. dann es ist offenbar das vil gemainer leut dem hasen und
                  wilprädt schiessen, den wilden hüenern und anderm wilprät vahen, auch dem vischen
                  und kreussen haimblicher weiß nageen, ir arbait gründ und güter verlassen, mit dem
                  fang und genieß solcher waidnen, dem wein und voller weiß obligen dardurch ir
                  heuser güeter und gründ veröden und zu armuet khumen, die sollen wo si das
                  vermügen an dem guet, oder ob des muetwillen und diebstals sovil wär, an dem leib
                  nach gestalt irer verhandlung von iren herrschaften <pb
                    n="237" xml:id="S.237"/>
                  gestrafft und [Bl. 106<hi rend="sup">b</hi>] gebessert werden. dann dem gemainen mann, der selten
                  in gueter zucht mit sitten vernunft und tugenden erzogen, ist albeg die
                  leichtfertigkhait vor augen zu seinem selbst nachtail dem muetwillen und lust zu
                  leben, wo er nicht in sorgen und straf gehalten und der frei will gezaumbt
                  ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.7">
                <head>[Buch III Titel I §. 7.]</head>

                <p>Dergleichen soll es gehalten werden mit dem vogelgejaid, das allain der so die
                  gerechtigkhait hat tenn zu schlahen und zu verlassen der desselben macht hat und
                  ime ôn seinen willen und erlauben sonst niemant auf sein gründ nichts fahen soll.
                  wiewol pillich niemant so gar unvernuftig ist, der seinen nachberen oder ainem
                  anderen erberen mann des adels verpieten an ainem vergeben rit durch des anderen
                  gründ mit dem vederspil <pb
                    n="238"
                    xml:id="S.238"/> zu baissen oder füchs und
                  hasen ungefärlich vom strickh ôn schaden der gründtrait und frücht zu hetzen, dann
                  in dem allen soll ain vertreulich menschait zu bederseits gehalten werden, aber
                  schedlich raitzung und gefärd soll iederman verpotten sein. [Bl. 107<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.8">
                <head>[Buch III Titel I §. 8.]</head>

                <p>Die imen oder pinn werden auch geacht under den wilden thierlein. darumben setzen
                  wir derhalben solche maß, wann ainem ain swaden imen oder bin entgeet und sich
                  uber ain gewandten wegs auf ainem anderen grund oder paum anlegt, und der dem er
                  entflogen ist khumbt demnach und hat sorg das er sich weiter legen möcht, so mag
                  er in schöpfen doch daselbst steen lassen, und dem so den grund praucht und neust
                  zu stund solches zu wissen thuen, und denselben khunfticlich so er ime geriedt mit
                  ainem <pb
                    n="239"
                    xml:id="S.239"/> hönigfladen zimblichen zu vereren erbieten. wo
                  sich aber ain schwaden anlegt dem niemant nachkhumbt und verlassen ist, den soll
                  der so in findt nicht schöpfen noch die hönigfladen außschneiden ôn wissen des so
                  den grund in nutz und prauch hat. und welcher ee geschikht ist mit körben oder
                  binchor den schaden darein zu fahen, der mag das thuen. und welcher den behalten
                  will, soll halben thail des werts nach gelegenhait des schwaden und hönigsamen
                  auch das binkhor dem anderen treulichen bezallen [Bl. 107<hi rend="sup">b</hi>]. doch hat der so
                  das binchor darzubringt die merer waal den schwaden zu behalten oder zu lösen zu
                  geben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.9">
                <head>[Buch III Titel I §. 9.]</head>

                <p>So aber ainem ain schwaden entgeet und sich inner ainer gwanten wegs anlegt, der
                  mag den so er ime <pb
                    n="240" xml:id="S.240"/> nachkhumbt, unverhindert das der
                  grund der paum aines anderen ist, wol schöpfen dem früchtigen paumen ôn
                  nachtail.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.10">
                <head>[Buch III Titel X §. 10.]</head>

                <p>Wiewol auch der phaben und tauben nattur wild geacht werden, so wöllen wir doch
                  das die phaben und haimbischen tauben wie haimisch huner oder genß so bei ainem
                  hof oder hauß erzogen gehalten werden. und nachdem dieselben all ôn müe und
                  cosstung nit zu ziehen noch zu behalten sein, so sollen si, wo si iemant
                  entfliegen und ob sie gleich verr von irer herren angesicht khumen und inen nicht
                  nachgevolgt wierdet, wo si wissentlich betretten, dem der si erzogen oder vor der
                  entfliegung [Bl. 108<hi
                    rend="sup">a</hi>] mit guetem wissen gehabt hat wider volgen. und wer si
                  irem herren von sines nutz wegen darüber vorhellt, der ist nicht ôn straf und
                  verdächtlichait. und nachdem die <pb
                    n="241" xml:id="S.241"/> tauben etwo
                  merkhlich schaden in dem traidfeld und zu zeiten anderen früchten thuen, dardurch
                  sich niemant understee mit anderer leut nachtail sich und sein viech und nottruft
                  zu bessern, so sollen die tauben khöbel nindert dann bei den rechten mairhöfen
                  gehalten werden. ander gemain leut so traidpaw haben mügen auf ainer stangen sovil
                  als ain phluegrad begreiff taubennest zeunen, die anderen halblehner und herberger
                  sollen dieselben nicht öffentlich zu dem ausflug sonder in den stuben oder
                  gemachen halten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.11">
                <head>[Buch III Titel I §. 11.]</head>

                <p>Desgleichen, wann ainer ain wild thier geendes oder fliegents erzüg das von und
                  zu dem hauß zugeen oder zu fliegen gewent wär und ime fieng dasselb iemant
                  wissentlich auf, der ist es schuldig wider zu geben seinem herren des es
                  vorgewesen will er <pb
                    n="242" xml:id="S.242"/> [Bl. 108<hi rend="sup">b</hi>] anderst nicht
                  beclagt und darumb gestrafft werden. und sonderlich so ain solch thier an im tregt
                  ring glockhen geschuech oder ander zaichen dardurch es als ain erzogen thier
                  erkhennt wierdet, die sollen auch in gejaiden nicht gefellt werden. wo aber iemant
                  solche thier fächt und inen khumbt niemant nach dieselben zu ervorderen, so mag si
                  derselb behalten ain quotember lang und darnach verrer seinem willen nach damit
                  handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.12">
                <head>[Buch III Titel I §. 12.]</head>

                <p>Der gemain man soll mit solchen händlen nicht zu thuen haben, als oben angezaigt
                  ist. und ob er ie zu zeiten zu wald oder gehülz ain jungs wild oder obernennts
                  haimblichs erzogen thier und wilprät findet und haimbpringt oder dahaimen erlangt,
                  der soll es bei peen oder straf uber drei <pb
                    n="243" xml:id="S.243"/> tag nicht
                  vorhalten sonder seinem herrn zuebringen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.13">
                <head>[Buch III Titel I §. 13.]</head>

                <p>Es wierdet fur ain hofweis und scherzlich gehalten aber nit wol, das ainer dem
                  anderen waidlich hund am furziehen fur [Bl. 109<hi rend="sup">a</hi>] die heuser und hinweckh
                  lockhet oder sonst auffahet das grossen unwillen gebirt. deshalben solche
                  entfrembdung von meniclichen vermitten beleiben, und wo si beschäch von der
                  oberigkhait gestrafft, und der entfüert hund widergeben werden soll.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.14">
                <head>[Buch III Titel I §. 14.]</head>

                <p>Was auch von des menschen haimbischen vieh und thier geboren wierdt das ist auch
                  in seiner aigenschaft. aber wolf beren lux und dergleichen schedliche und
                  gefärliche thier soll niemant erziehen. dann entgeen si irem zuchtherrn und thuen
                  iemant schaden, so soll derselb den schaden büessen. <pb
                    n="244" xml:id="S.244"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.15">
                <head>[Buch III Titel I §. 15.]</head>

                <p>Die vischerei auf den schifreichen wassern hat ain gstalt wie mit dem gejaid des
                  erdrichs. dann so die wasser numallen allenthalben mit oberigkhait und
                  herrlichaiten verfangen, sol khainer ôn des anderen willen und erlauben auf der
                  frembden wassern vischen. wierdet er begriffen so hat er den zeug verloren, sezt
                  er sich des zu geben mag [Bl. 109<hi
                    rend="sup">b</hi>] er ains fräfels beclagt und also mit recht
                  gestrafft werden, dann sich soll ain ieder des benüegen so im zuegehört und ander
                  leut gueter gründ und gerechtigkhait nicht antasten. wo aber iemant auf solchen
                  grossen wassern mit ainem angl ie zu zeiten kurzweilet, als nicht von nutz
                  verkhaufens wegen noch damit ainicherlai gerechtigkhait zu schöpfen noch anderer
                  gefärlicher mainung, so soll niemant so grob sein dasselb zu weeren. doch das <pb
                    n="245" xml:id="S.245"/> die anglen nicht eingesezt werden, solches auch nicht
                  in den awen noch den beschlossen tumpheln und alt wassern die nicht durchfliessen
                  ôn willen der herrschaften die da gerechtigkhait haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.16">
                <head>[Buch III Titel I §. 16.]</head>

                <p>Es soll auch gleicher mainung gehalten werden auf den grossen pächen oder flüssen
                  so nicht schifreich sein. doch auf denselben grossen pächen soll auch das vischen
                  nicht allain mit dem zeug sonder mit der schnuer reuschen und aller gestalt
                  verpotten sein. [Bl. 110<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.17">
                <head>[Buch III Titel I §. 17.]</head>
                <p>Was ain gwaltiger flus iemant seinem grund zueschüt, daz ist auch sein grund. ain
                  zueschüt oder anschüt ist ain verporgen merung daz zu ainzing durch den fluß
                  iemant grund zuewechst, das zu ieder zeit und weil solcher anschüt nit wol
                  gemerkht mag werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.18">
                <head>[Buch III Titel I §. 18.]</head>
                <p>So der gwalt aines fluß von iemant grund ain nambhaft ort wekhreist <pb n="246" xml:id="S.246"/> und an ainem anderen grund zuetregt, also daz der hingerissen
                  grund erkhennt wierdet, so beleibt derselb grund dennoch des er vor was. und ob
                  die paum so auf solchem grund weckh getragen werden wurzeln an dem anderen grund
                  lassen, so sein si des ersten und des so derselb ander grund ist gemain.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.19">
                <head>[Buch III Titel I §. 19.]</head>

                <p>Ob in ainem grossen fluß ain aw die man auch ain werd nennt angeschüt wierdet in
                  rechter mitten des fluß, dieselb aw oder der werd ist der gemain so zu bederseits
                  gründ an dem gstat haben nach gelegenhait weit und größ derselben gründ des
                  gestats. [Bl. 110<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.20">
                <head>[Buch III Titel I §. 20.]</head>
                <p>Ob aber der werd oder die aw ainem gstat näher dann dem andern ist, so gehören si
                  dem zue so gründ an dem neheren gstat haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.21">
                <head>[Buch III Titel I §. 21.]</head>
                <p>Ob sich aber ain fluß thailt und an ainem ort in aines oder merer grund <pb n="247" xml:id="S.247"/> einbricht und fleüßt alßdann wider zusamen, also das
                  aus denselben grunden gestalt aines werds gemacht wierdet, dieselben gründ und
                  werd beleiben denen deren si vor gewesen sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.22">
                <head>[Buch III Titel I §. 22.]</head>

                <p>Wer teicht weier vischgrueben einsetz auf seinen gründen macht, und iemant darauf
                  begriffen wierdet der vischt ôn erlauben mit welcherlai zeug das sei nichts
                  ausgenumen, der thuet ain diebstall und ist das so er bei ime hat verfallen, wo er
                  nicht visch gefangen, soll er an dem pranger mit rueten gestrafft werden umb den
                  bösen willen, ist er anderst ain gemainer man. [Bl. 111<hi
                    rend="sup">a</hi>] wo aber visch bei
                  ime ergriffen, soll er mit strengem rechten gestrafft werden wie sich umb solchen
                  diebstal gebürt. thuet es aber ainer vom adl oder ritterlichen dienstleuten und
                  vertregt sich nicht mit seiner widerparthei güetlich und <pb
                    n="248" xml:id="S.248"/> erwart darumb der clag, der soll bezallen so vil der clager in
                  recht schweren mag, daz er visch in arkhwon des diebstals verloren al die zeit
                  derselb dieb in der nachperschaft gewont hat. und wierdet derselb durch die urtl
                  unlobmündig und seiner eeren entsezt und soll darzue von dem gericht geschafft
                  werden. aber widerlegung seiner eren mag er bei unß als herren und landßfürsten
                  erlangen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.23">
                <head>[Buch III Titel I §. 23.]</head>

                <p>Welcher nambhaft und groß teicht oder weier auf seinen gründen machen will, der
                  soll allen vleiß thuen dieselben mit starkhen genuegsamen stathaften thamen
                  terassen fluchtgräben ablassen und anderen notturften dermassen zu versehen, damit
                  [Bl. 111<hi
                    rend="sup">b</hi>] [in] wolkhenprüchen und güssen und anderen unglükhlichen geschichten
                  seinen nachperen so gründ und güeter <pb
                    n="249" xml:id="S.249"/> under seinem
                  teicht haben nicht schaden oder nachtail beschehe, dann er wuerde denselben
                  schaden auf anzaigen der widerpartheien und erkhantnus des gerichts schuldig zu
                  bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.24">
                <head>[Buch III Titel I §. 24.]</head>
                <p>Niemant soll teicht oder weier schütten auf seinen gründen, das dardurch anderer
                  leut gründ schaden oder nachtail entstee oder mit dem wasser ertrenkht werden, er
                  hab sich dann zuvor mit denselben grundherren auch den leuten so den gebrauch und
                  nutzung auf denselben gründen haben darumb vertragen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.25">
                <head>[Buch III Titel I §. 54.]</head>

                <p>Ob iemant darüber schut und nicht willen erlangt und ertrenkht die frembden
                  gründ, wierdet er darumb beclagt, der soll den teicht abthuen, die gründ
                  müessigen, und sollen die schäden der verderbten gründ von oberigkhait wegen
                  beschaut [Bl. 112<hi
                    rend="sup">a</hi>] und geschäzt und <pb n="250" xml:id="S.250"/> durch den
                  antworter widerkheert und bezallt werden. wo ime aber ainer auf sein gründ ain
                  merkhlichen nutz mit derlai vischerai schaffen möcht und solches der anderen gründ
                  ains tails berüeren wuerde, und der sich erpeut ime nach aller pillichait fur
                  dieselben gründ benüegen zu thuen mit gelt, gemessen gründen oder in ander weeg,
                  wo dann dardurch behauste güeter nit verödt werden, ist er schuldig ime zu
                  wilfaren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.26">
                <head>[Buch III Titel I §. 26.]</head>

                <p>Wann ainem ain teicht durch wolkenprüch güß oder ander geschicht abbricht oder
                  ubberscheust also das ime die visch entgeen, wo er inen dann zu stund nachkhumbt
                  mag er die in ainem veldpächlein wider auffahren, unverhindert ob dasselb pächlein
                  nit sein ist. was auch visch auf ander gründ geschlagen werden mag er auch <pb
                    n="251"
                    xml:id="S.251"/> heben. wo si aber in aines anderen teicht oder in ain
                  recht vischwasser da dergleichen visch innen wären [Bl. 112<hi rend="sup">b</hi>] schiessen, hat er
                  nicht macht denselben nachzusteen, es werde im dann vergünt oder derselb teicht
                  wär öd und nicht besezt, so ist der herr des teichts darein die visch fliessen ime
                  die auf ain zimblich zerung volgen zu lassen schuldig. khumbt er aber bald, das
                  ist in ainem tag und nacht nach der güß, den vischen nicht nach, so sein si an der
                  trückhen des der si zum ersten ergreiff, dann es ist ain thier das ôn wasser bald
                  verdirbt, und was an das wasser khumbt ist des dem das wasser zuegehört.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.27">
                <head>[Buch III Titel I §. 27.]</head>

                <p>Es sein auch leut die sich understeen güeter zu überkhumen mit schätz suechen und
                  graben, sehen in die pavillen, prauchen zauberei und <pb
                    n="252"
                    xml:id="S.252"/>
                  seltzam segen und caracteres. was derselben betrieger sein die sollen nicht
                  geduldt sonder gestrafft werden an dem leib, und ob si etwaß von schätzen finden,
                  die gebüren den grundherren zue. dergleichen betrieger sein die so mit der
                  archomei [= Alchemie] umbgeen und sich [Bl. 113<hi rend="sup">a</hi>] anderer khünsten austhuen,
                  der si doch nicht versteen noch wissen und die leut damit ansetzen und
                  betriegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.28">
                <head>[Buch III Titel I §. 28.]</head>

                <p>Wer ainen schatz findet auf seinen selbst gründen und güetern dem soll er
                  beleiben, und hat ain ieder wol macht auf seinen gründen schätz zu suechen, aber
                  nicht auf frembden noch mit den verpotnen khünsten. vindet er aber ainen schatz
                  vergebenlich auf ainem frembden grund, so beleibt er halber dem grundherren und
                  halber dem der in findet. wierdet er gefunden an <pb
                    n="253" xml:id="S.253"/>
                  ainer geweichten stat, so ist es geweicht oder geheiligt guet, so beleibt es der
                  kirchen gar. ist zeitlich oder weltlich guet, dabei soll dem finder sein halber
                  thail gegeben werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.29">
                <head>[Buch III Titel I §. 29.]</head>

                <p>So ain taglöner an seiner arbait in mauerprechen oder erden graben oder anderer
                  arbait ainen schatz findet vergebenlich, so gebürt dem herren der schatz, er soll
                  aber dem [Bl. 113<hi rend="sup">b</hi>] taglöner zusambt seinem taglon ain zimblich fintgelt davon
                  geben. ist aber der taglöner zu dem schatz graben bestellt und findet in, so hat
                  er nichts dann sein taglon, der herr begab ine dann von freiem willen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.30">
                <head>[Buch III Titel I §. 30.]</head>

                <p>Ob ainer dem ain guet oder grund versezt ist ain schatz darin findet, der wirdt
                  nur halber sein und halber des phandherren. dergleichen ist in den bestand- und
                  zinßguetern darinnen <pb
                    n="254" xml:id="S.254"/> ainer den gebrauch nutz und
                  niessung hat und ain ander rechter herr ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.31">
                <head>[Buch III Titel I §. 31.]</head>

                <p>Welcher sonst gelt cleinat oder varende güeter auf der strassen findet, der soll
                  die nicht verhalten sonder öffentlich bei den kirchen und märkhten verkhünden
                  lassen. und ob wissentlich und grüntlich erfunden wierdet wem solch gelt oder guet
                  zueghört, dem soll es ôn waigerung wider geantwort werden. verhellt er es aber, so
                  mag derselb wie umb ainen diebstal gestrafft werden. wo [Bl. 114<hi rend="sup">a</hi>] so bald
                  niemant khöme, soll er dasselb gelt oder guet jar und tag behalten, khumbt dann
                  niemant der dem gefunden guet nachstellt, mag der finder damit handlen nach seiner
                  notturft ôn meniclichs irrung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.1.32">
                <head>[Buch III Titel I §. 32.]</head>

                <p>Verrer werden die güeter gethailt in leiblich und unleiblich. die leiblichen
                  gueter sein, die von natur durch die <pb
                    n="255"
                    xml:id="S.255"/> auswendig sinn
                  begriffen werden mugen, als gründ heuser claider gold und ander dergleichen
                  sichtig ding. die unleiblichen sein die, so durch die inwendig sinlichait
                  verstanden und nicht berüert werden mügen, als da sein gerechtigkhait der
                  erbschaft oder verphlichtung gerichtszwang, auch herrichait und vberigkhait. und
                  in denselben unleiblichen güetern wierdet die geduldt des gebrauchs geacht als ain
                  uberantwortung desselben guets und gerechtigkhait. wie nun die alle sein und wie
                  wier dieselben uberkhumen mugen, wierdet zum thail in den vorbeschribnen auch mer
                  in nachvolgenden articlen nach der leng verstanden. [Bl. 114<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.2">
              <head>[Buch III Titel II.] Von gebrauch und <pb n="256" xml:id="S.256"/> nutz, auch
                von gebrauch allain ôn nutzung der gueter.</head>
              <div xml:id="NA.3.2.1">
                <head>[Buch III Titel II §. 1.]</head>
                <p>Gebrauch und nutz ist ain recht zu gebrauchen und niessen aines frembden guets ôn
                  verletzung desselben guets und das es in ime selbst behalten werdt. Dann wo
                  dasselb guet vergeet, wierdet auch aufgehebt das recht des berüerten gebrauchs und
                  nutz. und ist ain persondlich handlung, dann si endet sich mit der person,
                  desgleichen der gebrauch. wer den nutz hat der hat auch den gebrauch, aber nicht
                  widerumb wer den gebrauch hat daz er auch den nutz hab.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.2">
                <head>[Buch III Titel II §. 2.]</head>

                <p>Gebrauch und nutz hat ain underschaid mit der aigenschaft. dann es mag sein das
                  ainer die posseß aigenschaft und rechte herrlichait aines guets, und ain ander den
                  gebrauch und nutz <pb
                    n="257"
                    xml:id="S.257"/> innen hab, als so ainem ain grund
                  als erben verlassen und der gebrauch und nutz desselben grunds ainem [Bl.
                  115<hi rend="sup">a</hi>] geschäft weiß zuegestellt wierdet, so hat der erb die plossen
                  aigenschaft und rechte herrlichait desselben grunds ân den gebrauch und nutzung,
                  und in mer dergleichen fällen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.3">
                <head>[Buch III Titel II §. 3.]</head>
                <p>Niemant mag für sich selbst oder seine nachkhumen den langwierigen gebrauch und
                  nutz aines guets so er gehabt das posseß oder aigenschaft einfüeren, wo
                  wissentlich wierdet das ime oder seinen nachkhumen solcher gebrauch und nutz
                  plößlich gelihen ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.4">
                <head>[Buch III Titel II §. 4.]</head>

                <p>Ain ieder so geprauch und nutz gründ und güeter hat, der soll dieselben
                  gebrauchen und niessen als ainem vleissigen und getrewen hausvatter <pb
                    n="258" xml:id="S.258"/> und aines frumben verstendigen mannß gemüet gebürt, dardurch
                  dieselben gueter nicht abgepaut geschunden geschmellert und in unzimblich
                  verletzung khumen, dann die erberkhait und gueter glauben sollen allenthalben
                  gehalten und betrug nicht stat gegeben werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.5">
                <head>[Buch III Titel II §. 5.]</head>
                <p>Welcher auch gebrauch und nutz annimbt, der [Bl. 115<hi rend="sup">b</hi>] soll dem aigensherren
                  phlicht und sicherhait thuen das guet beruerter gestalt zu halten, und darzue, wo
                  ime iemant frembder das aigenthumb zueziehen und sich in das posseß zu dringen
                  understeen wollt, dasselb nach seinem höchsten vermügen zu weeren und also umb die
                  behuet des guets zu antworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.6">
                <head>[Buch III Titel II §. 6.]</head>

                <p>Dann als oft der niesser ain guet nit [?] solcher ietz geschribner gestalt seiner
                  phlicht und sicherhait nach hielt und <pb
                    n="259" xml:id="S.259"/> handelt, so ist
                  der dem aigenßherren schuldig sein guet zu widerkheeren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.7">
                <head>[Buch III Titel II §. 7.]</head>
                <p>Es hat auch der aigensherr macht ôn willen des geprauchers oder niessers laut zu
                  behuet aines grunds oder hauß darin si gebrauch oder nutz haben zu legen, wo es
                  die notturft erfordert, dardurch ime sein gerechtigkhait versichert und behalten
                  werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.8">
                <head>[Buch III Titel II §. 8.]</head>

                <p>Der so geprauch und nutz aines guets hat, ist schuldig zu tragen die gemain purd
                  so [Bl. 116<hi rend="sup">a</hi>] neben ainer landschaft uns oder gemainem land zu guet geburen zu
                  thuen, und nicht der herr des das aigenthumb ist und desselben die zeit dieweil
                  solcher gebrauch und nutz aines anderen ist nicht geneust.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.9">
                <head>[Buch III Titel II §. 9.]</head>

                <p>Desgleichen ist der niesser schuldig die dienst und zinß von dem guet und grund
                  darauf er den gebrauch und nutz hat zu bezallen, es werde dann <pb
                    n="260" xml:id="S.260"/> in aufrichtung desselben brauch und nutz mit namen anders
                  verlassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.10">
                <head>[Buch III Titel II §. 10.]</head>
                <p>Wann der niesser willig ist den gebrauch und nutz dem herren aufzugeben, soll er
                  nicht getrungen werden das nidergefallen oder verdorben ist wider aufzurichten,
                  waß aber durch sein oder der seinen schulden schaden beschehen das ist er schuldig
                  wider zu besseren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.11">
                <head>[Buch III Titel II §. 11.]</head>

                <p>Der gebrauch und nutz der sich durch abgeen des niessers endet mag nicht wider
                  ervordert werden, er sei dann des abgestorbnen erben auch gegeben. dergleichen, wo
                  das guet [Bl. 116<hi rend="sup">b</hi>] darauf ainer die gerechtigkhait gehabt ganz vergangen ist,
                  mag die niessung auch nicht wider ervordert werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.12">
                <head>[Buch III Titel II §. 12.]</head>

                <p>Ob aber ain grund ôn schuld des niessers von den feinden einzogen und widerumb
                  erledigt wierdet, dennoch erlischt gebrauch und nutz darauf <pb
                    n="261" xml:id="S.261"/> nicht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.2.13">
                <head>[Buch III Titel II §. 13.]</head>
                <p>Wann sich ainer so gebrauch und nutz aines guets hat in ain closter ergibt und
                  profeß thuet, wiewol er der welt gestorben ist, so behalt das closter dennoch
                  prauch und nutz des guets derselben ergeben person lebenlang biß si des
                  nattürlichen todts vergeet.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3">
              <head>[Buch III Titel III] Von dienstperkhait der heuser und veldgüeter.</head>
              <div xml:id="NA.3.3.1">
                <head>[Buch II Titel III §. 1.]</head>

                <p>Der heuser in stetten märkhten und dörfern dienstberkhait sein die zimerhölzer zu
                  pawen, den nachbern die liecht zu nemen oder nit hoher zu pauwen, den tachttropf
                  abzukheeren auf des [Bl. 117<hi
                    rend="sup">a</hi>] nachpern tach oder hof, am tram oder fürst
                  einzulassen in des nachpern wand, in sein hauß oder fur sein thür auszuwerfen,
                  oder haimblich <pb
                    n="262" xml:id="S.262"/> gemäch in sein hauß zu laiten, und
                  ander dergleichen handlung dardurch der nachpern behausung ain beschwerung
                  aufgelegt wierdet. davon wierdet hierinen ordnung gesezt nicht von der burger
                  wegen die ir besonder statut darinen haben, sonder von der prelaten herren und
                  ritterschaft wegen die ire clöster höf und heuser in stetten märkhten und dorfern
                  haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.2">
                <head>[Buch III Titel III § 2]</head>

                <p>Dienstberkhait der veldgueter das ist der gründ so auf dem veld liegen sein die,
                  das ainer ainen steig uber aines anderen gründ hat darüber er oder seine leut zum
                  wasser oder anderen notturften geen mugen, oder ain trib das ist das er sein viech
                  zu waid oder wasser uber aines anderen grund treiben mag oder weeg, und strassen
                  daz ainer uber des anderen gründ zu seiner notturft faren mag, oder wasser durch
                  des anderen <pb
                    n="263" xml:id="S.263"/> [Bl. 117<hi rend="sup">b</hi>] grund zu laiten zu seinem
                  nutz, oder den pluemb besuech, sand graben, kalchstein zu prechen auf aines
                  anderen grund macht hat, und ander dergleichen gerechtigkhait, wie aus den hernach
                  beruerten articlen clärlich verstanden wierdet. und sein solch dienstberkhait dem
                  guet anhangent, dann si nit sonderen personen sonder auch den erben und anderen
                  nachkhumen vervolgen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.3">
                <head>[Buch III Titel III § 3]</head>

                <p>Die dienstberkhait der heuser und veldgüeter werden aufgericht und gegeben durch
                  handlung lezter willen und geschäft, wie der gebrauch und nutz der gueter gegeben
                  wierdet und becreftigt durch einantwortung der gerechtigkhait, das ist wann ainer
                  den anderen auf den grund füert, auch durch geduldt des geprauchs der
                  dienstberkhait und wierdet solcher gebrauch und geduldt ain posseß geacht, <pb
                    n="264" xml:id="S.264"/> darumb die clagen umb handhabung der posseß erfunden
                  sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.4">
                <head>[Buch III Titel III § 4]</head>
                <p>Die dienstberkhait werden nicht gemacht, [Bl. 118<hi rend="sup">a</hi>] das ainer etwas thue oder
                  würkh, sonder das er etwas in seinem guet geduldt, als ainen anderen sein wasser
                  oder waid gebrauchen zu lassen oder etwas nicht zu thuen und zu geratten, als sein
                  mawer nicht höher zu erheben, damit er seinem nachberen das liecht nicht neme, und
                  dergleichen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.5">
                <head>[Buch III Titel III § 5]</head>

                <p>Wiewol die kaiserlichen recht aus ainer subtilitet geordent, das die
                  dienstberkhait der gueter nicht auf zeit noch mit underschaid auf zweifl
                  aufgericht sonder ewig sein sollen, villeicht zu nutz den guetern, so ervordert
                  doch die pillichait, damit das so zwischen den leuten beschlossen und gemacht
                  gehalten werde. deßhalben setzen und wöllen wier, daz die dienstberkhait gehalten
                    <pb
                    n="265"
                    xml:id="S.265"/> werden mugen auf ewig oder zeit oder mit
                  underschied, wie dann die partheien des nemblich überainkhumen si mugen auch maß
                  an ainander geben zu was zeiten tag stund, mit was last, mit was [Bl. 118<hi rend="sup">b</hi>]
                  viech oder gueter die dienstberkhait gepraucht werden soll.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.6">
                <head>[Buch III Titel III § 6]</head>
                <p>Wann ainer dem anderen vergünt in seinem garten zu spazieren, darin zu essen oder
                  obbs abzuprechen, wierdet khain dienstberkhait sonder ain persondlicher gebrauch
                  oder gerechtigkhait.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.7">
                <head>[Buch III Titel III § 7]</head>
                <p>Die dienstberkhait der weeg steig trib oder wasser füerens soll an dem ende des
                  grund gebraucht werden, da solch dienstberkhait dem grund am wenigisten schaden
                  thuen. und wann die ainsten gemacht sein, sollen si ôn willen nicht geändert
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.8">
                <head>[Buch III Titel III § 8]</head>
                <p>Wann ainem ain staig durch ainen <pb n="266" xml:id="S.266"/> grund vergünt
                  wierdet da khainer ist, so hat er dem solches vergünt ist wol macht mit graben und
                  holz einzulegen ain steig zu machen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.9">
                <head>[Buch III Titel III § 9]</head>

                <p>Welcher die dienstberkhait des steigs allain hat der soll khain viech daselbst
                  treiben noch [Bl. 119<hi rend="sup">a</hi>] darauf faren, wer aber den trib der hat auch den
                  steig, welcher aber die dienstberkhait des wegs der hat auch den steig und den
                  trib.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.10">
                <head>[Buch III Titel III § 10]</head>

                <p>Wiewol die dienstberkhait unleiblich gerechtigkhait sein, deßhalben man nutz und
                  gwer derselben hart ersitzen mag, und besonder der dienstberkhait die nicht ain
                  ewige ursach oder embsigen geprauch haben, als da ist die dienstberkhait der steig
                  trib oder weeg, dann niemand geet treibt oder weeg, dann niemand geet treibt oder
                  färt so stetticlich das sein gebrauch zu zeiten nicht underprechen werde, <pb
                    n="267"
                    xml:id="S.267"/> solch dienstberkhait mügen dennocht ersessen werden mit
                  zeit deren anfang nicht in gedächtnus ist oder durch ersitzung zwifacher zeit und
                  gweer, wie hernach begriffen ist. welche dienstberkhait aber ain ewige ursach
                  haben oder in gleichnus ainer ewigen ursach, als wo ain wasser uber eines anderen
                  grund oder ain rin zu außfuerung des regenwassers in aines anderen [Bl.
                  119<hi rend="sup">b</hi>]hof gefüert wierdet, die mügen mit furprauch ersessen werden zehen jar
                  under den gegenwürtigen und zwainzig jar under den abwesenden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.11">
                <head>[Buch III Titel III § 11]</head>

                <p>Ob ainer sagt er hab ain dienstberkhait aus guetem tittel, und mag denselben titl
                  nicht weisen mit zeugen oder briefen, und fuert zu behelf seines anzaigens
                  weißlich ein er hab dieselb dienstberkhait gebraucht mit wissen und ôn widerred
                  des grundherren, <pb
                    n="268" xml:id="S.268"/> daraus wierdet vermuet er hab die
                  dienstberkhait aus ursachen die vorlangst gewesen sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.12">
                <head>[Buch III Titel III § 12]</head>

                <p>Gebrauch der dienstberkhait in den personen ist unthailbar. also zu versteen, wo
                  ainem aines anderen grund dienet, das er ainen steig darüber hat und vil erben zu
                  seinem grund verlösst, so mag ain ieder erb denselben steig prauchen. auch ob der
                  solch dienstberkhait auf seinen grunden nimbt vil erben verlässt, die mugen
                  unverschaidenlich [Bl. 120<hi
                    rend="sup">a</hi>] darumb beclagt werden, doch die thailung der
                  gründ behalten. die dienstberkhait, als wo ainer ain grund hat dem ain wasser zu
                  guet gefuert ist und er verkhauft ainem anderen den grund halben, wo glaich der
                  ander thail der besser und ime das wasser mer zu guet ist, mag dennocht der ander
                  dasselb wasser gebrauchen, er <pb
                    n="269" xml:id="S.269"/> mag auch nach
                  gelegenhait ir beder grund gethailt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.13">
                <head>[Buch III Titel III § 13]</head>
                <p>Umb die dienstberkhait soll mit dem aigens herren und nicht mit dem niesser in
                  recht gehandelt werden</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.14">
                <head>[Buch III Titel III § 14]</head>
                <p>Ain gemaine wand oder mauwer mag khain nachber allain ändern, dann ir khainer
                  alain ist derselben herr.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.15">
                <head>[Buch III Titel III § 15]</head>

                <p>Also auch in ainer gemainen mawer zimbt khainer parthei rauchfankh noch ander
                  rören oder paw, dardurch dieselb mawer geschwecht [Bl. 120<hi rend="sup">b</hi>] oder schadhaft
                  wierdet, zu machen ôn willen des nachbern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.16">
                <head>[Buch III Titel III § 16]</head>

                <p>Ob ainer dienstberkhait hat was rören zu fueren bei seines nachbern hauß gemewer
                  oder gründen, soll er das thuen damit dieselben rören und feuchtigkhait am
                  wenigisten schaden thuen. dann ob sich aus verwarlosung seiner arbait nachtl
                  begibt, wierdet <pb
                    n="270" xml:id="S.270"/> er dem nachpern denselben schuldig zu
                  bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.17">
                <head>[Buch III Titel III § 17]</head>
                <p>Die dienstberkhait der behausten gueter wierdet durch den gebrauch behalten, dann
                  dieweil ainer ainen traum in des anderen mawer hat oder das regenwasser auf des
                  anderen rinnen oder in sein hof laitet und sich des also gepraucht, so besizt er
                  dieselb gerechtigkhait aus der that und des anderen geduldt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.18">
                <head>[Buch III Titel III § 18]</head>

                <p>Wann ainer die gerechtigkhait hat den regentropfen in aines anderen hof zu
                  kheeren, so hat der ander nicht macht denselben [Bl. 121<hi rend="sup">a</hi>] tropf zu verpauwen,
                  er kheer in dann in ander weg dem ersten nicht zu nachtail.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.19">
                <head>[Buch III Titel III § 19]</head>

                <p>Niemant soll noch mag die dienstberkhait so er auf seines nachpern guet oder
                  gründen hat höheren oder beschweeren, aber zu ringeren hat <pb
                    n="271" xml:id="S.271"/> ainer wol macht, es wuerde dann in aufrichtung solcher
                  dienstberkhait mit namen anderst beredt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.20">
                <head>[Buch III Titel III § 20]</head>
                <p>In ainem gemainen nutz mag khainer aus gerechtigkhait ainer dienstberkhait ôn der
                  anderen mitgewonten wissen und willen ainicherlai machen thuen oder verpieten,
                  sonder wo das durch ainen gemainer furgenumen wuerde, mügen die anderen solches
                  beclagen, und so es der gemainschaft nutz ervordert, die beschehen handlung
                  vernicht und abgethon werden. Dan niemant hat macht zu pawen in ainem gemainen
                  guet ôn seiner gemainer willen, ob er wol des sonst von den nachbern willen
                  erlangt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.21">
                <head>[Buch III Titel III § 21]</head>

                <p>Welcher dienstberkhait aines anderen grunds hat, als kalch darauf zu prennen,
                  stain zu [Bl. 121<hi
                    rend="sup">b</hi>] prechen und dergleichen, wierdet verstanden, das er solch
                    <pb
                    n="272" xml:id="S.272"/> dienstberkhait allain zu notturft seines grunds dem
                  die dienstberkhait gebürt geprauchen soll. wo er aber anderen nutz darin suechen,
                  kalchstain oder sand daraus verkhaufen wollt, wierdet es khain dienst sonder ain
                  gebrauch und nutz genennt. dann die dienstberkhait sein zu nutz der güeter denen
                  sie dienen und nicht anderen gwin.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.22">
                <head>[Buch III Titel III § 22]</head>
                <p>Wer die dienstberkhait aines steigs hat mag khain roß noch ander viech dardurch
                  treiben noch ziehen. wo er aber den steig rit, hat er wol macht. dann trib und
                  weeg soll ieder gebrauchen der des recht hat, den früchten ôn nachtail.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.23">
                <head>[Buch III Titel III § 23]</head>
                <p>Ain ieder weeg soll haben acht schuech und in der khrumb oder reib sechzehen
                  schuech.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.24">
                <head>[Buch III Titel III § 24]</head>
                <p>Da ain grund mer herren hat, mag ainer <pb n="273"
                    xml:id="S.273"/> aus etlicher
                  verwilligung darauf khain dienstberkhait ziehen, si verwilligen dann all
                  ainhelliclich [Bl. 122<hi rend="sup">a</hi>]. dergleichen mag auch die dienstberkhait durch etlich
                  aus der gemainschaft nicht nachgelassen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.25">
                <head>[Buch III Titel III § 25]</head>
                <p>So ainer dem anderen ain steig trib oder wasserfuer auf seinen grunden erlaubt,
                  und nicht anzaigt welcher enden des grunds der ander solch dienstberkhait
                  gebrauchen, so soll der dem erlaubt ist der enden dasselbig dem grund und fruchten
                  am wenigisten nachthailig ist gebrauchen oder die oberigkhait oder wilkhurlich
                  person solch anzuzaigen ansuechen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.26">
                <head>[Buch III Titel III § 26]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen ain weeg an ainem ende seines grunds erlaubt, so mag er
                  denselben enden weiter niemant wasser zu fueren vergunen. dergleichen, vergunt
                  ainer dem anderen <pb
                    n="274" xml:id="S.274"/> wasserfuer, so mag er anderen den
                  weeg noch steig daselbst nit erlauben, wo ainer den anderen in seiner
                  dienstberkhait verhindert.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.27">
                <head>[Buch III Titel III § 27]</head>
                <p>So ainem dienstberkhait aines weegs uber [Bl. 122<hi
                    rend="sup">b</hi>] merer leut gründ durch die
                  herren gegeben wierdet, und derselb praucht den weeg nur uber ain oder zween grund
                  und nicht uber die anderen in so langer zeit als die dienstberkhait verloren
                  wierdet, ist zu fragen, ob derselb die dienstberkhait auf den anderen grunden
                  dennocht behalt? wierdet geantwort, wo der dem die dienstberkhait gegeben ist
                  dieselb auf khainem grund gebraucht, verleust er die auf den grunden allen. wo er
                  si aber auf ainem oder mer gepraucht, behelt er die auf denen sovil er des
                  gebraucht, und verleurt die anderen so er nicht gepraucht. <pb
                    n="275" xml:id="S.275"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.28">
                <head>[Buch III Titel III § 28]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen zu ainer zeit vergünt ain steig oder trib durch seinen
                  grund und gibt im damit den gebrauch und nutz desselben grunds, und der ander
                  lässt ime denselben gebrauch und nutz wider volgen, so soll der erst denselben
                  gebrauch und nutz nicht anderst halten, dann das der ander an der dienstberkhait
                  des steigs und tribs unverhindert beleib. dergleichen [Bl. 123<hi rend="sup">a</hi>], wo ainer
                  wasser durch aines anderen gründ zu fueren hat, so gezimbt deshalben dem anderen
                  in demselben grund nicht zu pawen. so ime aber der die dienstberkhait hat daz paw
                  erlaubt, so ist er doch nicht anderst schuldig zu pawen dann seiner dienstberkhait
                  ôn schaden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.29">
                <head>[Buch III Titel III § 29]</head>
                <p>Wasser schöpfen ist ain gerechtigkhait des guets und nicht der menschen. <pb n="276" xml:id="S.276"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.30">
                <head>[Buch III Titel III § 30]</head>
                <p>Wann der grund der auf anderen grunden dienstberkhait hat in vil thail und herren
                  gethailt werden, so mag ain ieder die dienstberkhait, als steig und trib, des
                  dienenden grunds gebrauchen. doch ist not das die herren so ir thail ferr von den
                  dienenden grunden haben mit den anderen herren mitpartheien uberain werden, damit
                  si auch auf denselben grunden und thailen zu dem dienenden steig oder trib khumen
                  mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.31">
                <head>[Buch III Titel III § 31]</head>

                <p>Ob ir zween ainen gemainen grund haben, und ainen der irem grund dient bringen
                  [Bl. 123<hi
                    rend="sup">b</hi>] si in gemainschaft an sich, so erlischt die dienstberkhait. haben
                  aber ainer aigen grund und der drit dient ir beder gründen, den bringen si in
                  gemain an sich, als mit khauf oder anderer <pb
                    n="277" xml:id="S.277"/> gestalt,
                  nichts minder beleibt die dienstberkhait auf demselben erkhauften grund.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.32">
                <head>[Buch III Titel III § 32]</head>
                <p>Die dienstberkhait mag ainer dem anderen wol geben wasser auf seinen grunden zu
                  suechen und, so der ander das findet, zu seiner notturft durch des ersten grund
                  fueren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.33">
                <head>[Buch III Titel III § 33]</head>
                <p>Ob ainer ain thail aines guets das im dienet oder das ainem ander dient an sich
                  bringt, so erlischt darumb die dienstberkhait nicht, dann die dienstberkhait
                  wierdet auch durch thailung behalten. darumb ob aines guet ainem anderen guet
                  dient und der ander gibt desselben seines guets dem ersten ain thail, der erst
                  gibt widerumb seines guets dem anderen ain thail, nichts minder beleibt die
                  dienstberkhait.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.34">
                <head>[Buch III Titel III § 34]</head>
                <p>Wer die gerechtigkhait aines steigs <pb n="278"
                    xml:id="S.278"/> zu ainem [Bl.
                  124<hi rend="sup">a</hi>] wasser hat, der hat auch gerechtigkhait das wasser zu schöpfen darumb
                  der steig geben ist. gleicherweis, wer die gerechtigkhait des wasser schöpfen der
                  hat auch die gerechtigkhait des steigs zu dem wasser.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.35">
                <head>[Buch III Titel III § 35]</head>
                <p>Wo ain prun daraus ainer das wasser zu fueren gerechtigkhait hat etlich jar
                  austorret dardurch die dienstberkhait erlischt, und nach verscheinung der
                  verjärung wierdet er wider wasserreich, und der so gerechtigkhait gehabt hat
                  begert das wasser wider zu fueren, wiewol ime rechtlich die verjärung der
                  dienstberkhait für geworfen werden mag, so soll er doch aus gemainer pillichait zu
                  dem wasser gelassen werden werden, dann der gebrauch der dienstberkhait an ime
                  nicht erwunden ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.36">
                <head>[Buch III Titel III § 36]</head>
                <p>Wann ain dienstberkhait ainer <pb n="279"
                    xml:id="S.279"/> person und nicht ainem
                  grund zu guet vergünt wierdet, der ist persöndlich und volgt nit den erben noch
                  ander nachkhumen noch dem grund. [Bl. 124<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.37">
                <head>[Buch III Titel III § 37]</head>
                <p>Der ain guet verkhauft oder sonst vergibt so ain dienstberkhait auf ime hat, der
                  soll mit namen austruckhen was die dienstberkhait sei, damit durch gar gemain
                  anzaigen die handlung nicht unnütz, oder mer beschwerung der dienstberkhait auf
                  dasselb guet gelegt werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.38">
                <head>[Buch III Titel III § 38]</head>
                <p>Wann ainer ain erb ist aines grunds der seinem grund gedient hat und er verkhauft
                  ainem anderen die erbschaft zu stund alle, so beleibt die dienstberkhait, dann der
                  khaufer, so ime das erblich guet geantwort, wierdet mer fur ain erben geacht dann
                  der erst.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.39">
                <head>[Buch III Titel III § 39]</head>
                <p>So ainer dienstberkhait hat durch <pb n="280"
                    xml:id="S.280"/> aines anderen
                  gründ wasser zu füeren, so wierdet verstanden, daß ist stilschweigent volgt, das
                  der erst macht hab den pach oder die rinen zu bessern, dardurch er und seine
                  werchleut auf das nechst darzue geen, stain holz und [Bl. 125<hi rend="sup">a</hi>] anders darzue
                  notturftig dahin bringen mügen zu beder seiten des pachs.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.40">
                <head>[Buch III Titel III § 40]</head>
                <p>Welcher dienstberkhait in ainem grund hat, als steig, trib oder weeg, der soll
                  dieselben auch bei tag prauchen und nicht zu ungewöndlicher zeit, damit nit
                  vermuetung aines ubels oder verdächtlichait daraus entstee.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.41">
                <head>[Buch III Titel III § 41]</head>

                <p>Welcher ainem dienstberkhait weg steig trib tachtropf oder anders in seinem guet
                  vergünt, der mag auch solch dienstberkhait anderen vergünnen, doch das der erst in
                  seiner gerechtigkhait <pb
                    n="281" xml:id="S.281"/> durch die anderen nicht
                  verhindert werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.42">
                <head>[Buch III Titel III § 42]</head>
                <p>Es mag auch ainer durch den lezten willen und geschäft ain dienstberkhait auf
                  seines erben guet ainem anderen zuestellen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.43">
                <head>[Buch III Titel III § 43]</head>

                <p>Wiewol umb die dienstberkhait aines grunds allain der recht herr von recht [Bl.
                  125<hi rend="sup">b</hi>] zu clagen hat, so haben doch aus ursachen des nutz und der niesser, der
                  glaubinger des phands, der pawer und khaufer nuzlich umb solch dienstberkhait zu
                  clagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.44">
                <head>[Buch III Titel III § 44]</head>

                <p>Wer durch langen geprauch und posseß der gerechtigkhait das wasser zu fueren
                  erlangt hat, dem ist nicht not zu weisen was gestalt er die dienstberkhait erlangt
                  hab, sonder des ist genueg das er anzaig, das solch gerechtigkhait zehen zwainzig
                  oder dreissig jar gebraucht sei. darumb mag er gegen <pb
                    n="282" xml:id="S.282"/>
                  allen den so ime irrung in solcher dienstberkhait thuen clag und recht
                  erlangen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.45">
                <head>[Buch III Titel III § 45]</head>

                <p>Wann ain gemain vil aigner gründ haben und khaufen mit ainander ain gemaine waid,
                  die in zu den grunden diene damit si das viech darauf waidnen, ob nun dieselb
                  gemainschaft an der waid den erkhauften gründen nachvolg, darin soll die abred in
                  der handlung oder vertrag beschehen [Bl. 126<hi rend="sup">a</hi>] angeschaut werden. wo aber
                  nicht davon gehandelt und die sach in zweifel wär, so so volgt solche
                  gerechtigkhait der waid dem khaufer. dergleichen ist, ob ainer sein aigen guet
                  ainem geschäft-weiß zuestellt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.46">
                <head>[Buch III Titel III § 46]</head>
                <p>So ainer die dienstberkhait aines steigs und tribs hat und praucht allain den
                  steig, der behalt auch den trib.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.47">
                <head>[Buch III Titel III § 47]</head>
                <p>Wann ain grund thailt wierdet dem <pb n="283" xml:id="S.283"/> ain ander grund
                  dient dardurch derselb gethailt grund zu iedem thail ain sonderen herren erlangt,
                  so werden mer dienstberkhait, dann ain ieder mag zu seinem thail des grunds sein
                  dienstberkhait gebrauchen, oder wo er dieselb verjären lässt und nicht praucht
                  verlieren, doch denen so die anderen thail haben ôn nachtail.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.48">
                <head>[Buch III Titel III § 48]</head>

                <p>Wann ainer dienstberkhait hat ain wasser allain in dem sumer oder ain monat oder
                  zwei zu füeren, dieweil dann solches [Bl. 126<hi
                    rend="sup">b</hi>] khain stätter gebrauch noch
                  dienstberkhait ist, wierdet gefragt, wie ainer durch den nichtgebrauch solch
                  dienstberkhait verlieren mag? darauf geantwort, das die zeit der verjärung in
                  solchem fall zwispilt werden, nemblich zwischen den gegenwürtigen zwainzig jar und
                  den abwesenden vierzig jar sein solle. <pb
                    n="284" xml:id="S.284"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.49">
                <head>[Buch III Titel III § 49]</head>
                <p>Ob ainer ain dienstberkhait gröber und beschwerlicher praucht dann von anfang
                  bestellt ist, der verleurt dardurch die dienstberkhait nicht, aber ime soll
                  solcher beschwerung nicht gestat werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.50">
                <head>[Buch III Titel III § 50]</head>
                <p>Wann ain gemaine strassen durch flüß oder güß oder anderen gwalt verloren
                  wierdet, soll der nechst nachber ain andere strassen gedulden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.51">
                <head>[Buch III Titel III § 51]</head>

                <p>Es mügen mer nachpern aus ainem pachwasser fueren ain ieder zu seinem grund auf
                  geordent täg und zeit nach gelegenhait aines [Bl. 127<hi rend="sup">a</hi>] ieden grunds höher
                  oder niderer gelegen. welcher aber in zeit der verjärung solches nicht praucht der
                  verleurt die gerechtigkhait. doch haben die anderen nichts destmer gerechtigkhait,
                  sonder der dienet grund ist deßhalben umb so vil freier.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.52">
                <head>[Buch III Titel III § 52]</head>
                <p>Dem nachkhumenden wierdet in die <pb n="285" xml:id="S.285"/> verjärung gerait
                  die zeit darin sein vorforder die dienstberkhait nicht gepraucht hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.53">
                <head>[Buch III Titel III § 53]</head>
                <p>Die dienstberkhait mag ainer durch geprauch sein selbst oder aines anderen an
                  seiner stat behalten, doch daß solcher gebrauch beschehe aus vermuetung oder
                  ursach seiner gerechtigkhait, und nicht das er solches gebrauch als ob es ain
                  gemainer steig weg oder wasserlauf seie dann er het alsdann umb die dienstberkhait
                  khain clag zu thuen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.54">
                <head>[Buch III Titel III § 54]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen die dienstberkhait verpeut oder undersagt, der ander [Bl.
                  127<hi
                    rend="sup">b</hi>] underlässts auf solches verpot nicht sonder thuet cosstung und paw zu
                  gebrauch der dienstberkhait, so steet dem ersten solch paw zue als herren des
                  grunds, dann es wierdet gesehen, der ander hab ime die <pb
                    n="286" xml:id="S.286"/> costung wollen schenkhen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.55">
                <head>[Buch III Titel III § 55]</head>
                <p>Es ist nicht pillich des wassers so aus aines grunds fleust zu denselben seinen
                  gründen zu mangeln und ainem anderen dienstberkhait damit zu laisten, es hab dann
                  der besitzer so langen gebrauch das seines anfangs khain gedächtnus sei, oder das
                  sich der grundherr des sonst wissentlich begeben habe.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.56">
                <head>[Buch III Titel III § 56]</head>
                <p>Niemand soll ain wasser das von alter heer vil grunden zu nutz geflossen abkheren
                  zu seinem nutz allain.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.57">
                <head>[Buch III Titel III § 57]</head>

                <p>Ob ainer vil gründ uberkhumbt, so mag er doch die dienstberkhait des wassers oder
                  anders nicht verrer geprauchen dann auf die gründ darzue die dienstberkhait
                  geordent ist. [Bl. 128<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.58">
                <head>[Buch III Titel III § 58]</head>

                <p>Wann ainer in seinem stadl khain luft hat das traid zu winden dann uber seines
                  nachbern tach, so gibt ime <pb
                    n="287" xml:id="S.287"/> das recht die
                  dienstberkhait, daz der nachper das tach nicht höher heben soll, damit er dem
                  stadl den luft nicht neme und anderen sein traid nicht unnutz khume.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.59">
                <head>[Buch III Titel III § 59]</head>
                <p>Die paum die auch ordenlich gephlanzt sein, so si weit erwachsen das si des
                  nachbern grundvessten mit den wurzen den tächern ackhern und grunden mit den
                  essten schedlich sein, die sollen abgehawen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.60">
                <head>[Buch III Titel III § 60]</head>
                <p>Wer traid-grueb wolfs- oder fuchs-grueb macht bei den wegen oder offen lässt
                  ungewarnt, da es nicht gewondlich ist, lässt dasselb nicht verkhunden noch
                  offenbaren dardurch man sich zu hueten waiß, fellt ainicherlai darein, ist derselb
                  den schaden so vil es letzer wierdet schuldig zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.61">
                <head>[Buch III Titel III § 61]</head>
                <p>Dergleichen ist es mit den veldpau, men stricken [Bl. 128<hi
                    rend="sup">b</hi>] und selbgeschoß
                    <pb n="288" xml:id="S.288"/> zu halten, die ainer richt da ime nicht gebürt, und
                  ob ime das geburt doch ungewarnt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.3.62">
                <head>[Buch III Titel III § 62]</head>
                <p>Ob ainer die törn ausprennen will bei seinem grund, thuet das an ainem windigen
                  tag dardurch den nachbern traid oder holz ausprennt, der ist seinem unfleiß und
                  unbedacht nach schuldig den schaden zu buessen. dann in diser handlung wierdet die
                  schuld nahent gleichmässig dem gefärde geacht, sonder wo derselb nit vleis gehabt
                  dem fewer zu weeren. wo aber ain uebering windspreit das fewer verrer gefuert
                  wissentlich, mag er sich entschuldigen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4">
              <head>[Buch III Titel 4] Von der grundmarichen und der marichstain
                gerechtigkait.</head>
              <div xml:id="NA.3.4.1">
                <head>[Buch III Titel IV § 1]</head>
                <p>Die clag umb thailung der gründ und derselben marich ist gemenget, etwo <pb n="289"
                    xml:id="S.289"/> persöndlich etwo in das guet. und wierdet dise [Bl.
                  129<hi rend="sup">a</hi>] gerechtigkhait furgepraucht in dreissig jaren und hat der richter macht
                  nach notturftiger beschaw und verhör zwischen den partheien ainem thail zu nemen
                  oder zu geben oder ainem thail ain suma gelts fur das so er dem anderen merers
                  zuespricht zu erkhennen nach gelegenhait der handlung, wie dieselb fur in khumbt
                  und die pillichait ervordert.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.2">
                <head>[Buch III Titel IV § 2]</head>
                <p>Solche clag hat allain stat von der veldgüeter wegen, als wisen ackher gärten
                  hölzer weingärten, und ob dieselben auch in den stetten ligen und der march halben
                  irrig wären.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.3">
                <head>B.III Titel IV § 3]</head>

                <p>Wo aber die clag zwischen den landleuten ist hat der landmarschalch macht, wo die
                  alten marich nit grüntlich an den tag khumen, new march zu setzen, zu verschaffen,
                  ainem <pb
                    n="290"
                    xml:id="S.290"/> zu nemen, dem anderen zu geben wie oben davon
                  gesagt ist. und ob erfunden wuerde das ir ain parthei ain grund unpillich
                  zuegezogen, untz davon emphangen und doch den grund davon glauben inen gehalten
                  [Bl. 129<hi
                    rend="sup">b</hi>] hat, wierdet si dieselben nutzung der anderen parthei so der grund
                  zuegesprochen ist wider zu geben schuldig. geschicht aber ain solche irrung
                  zwischen den holden aines herren des die grund sein, hat der grundherr macht
                  marchstain zu setzen und der pillichait nach darin zu handlen. sein die holden
                  zwaier herren, so sollen bede herren darin march setzen und handlen wie si sich
                  vertragen mügen. wollt das nicht sein, alßdann mügen dieselben herren ir ordenlich
                  gericht darumb ersuechen. <pb
                    n="291" xml:id="S.291"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.4">
                <head>[Buch III Titel IV § 4]</head>
                <p>Der besitzer aines gueten glauben ist in diser clag die frucht zu bezallen
                  schuldig von zeit verfahung des kriegs und nicht mer, vnnd allain die frucht so
                  noch vorhanden und nicht verzeert sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.5">
                <head>[Buch III Titel IV § 5]</head>

                <p>Ob zu ainem grund der merer herren oder personen zuegehört ainicherlai grunds
                  geben und gemarcht wierdet, hat ain ieder an demselben zuegemarchten grund so vil
                  als ime nach gelegenhait seines thails an dem grund, darzue das march gefallen
                  ist, geburt. [Bl. 130<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.6">
                <head>[Buch III Titel IV § 6]</head>

                <p>Wann ir zwen ainen gemainen grund mit ainander ungethailt haben, und der erst hat
                  allain ain grund daran stossent, so hat er der march halben gegen dem anderen
                  khain clag, dann die zween werden der gemainschaft halben in diser clag <pb
                    n="292" xml:id="S.292"/> fur ain person geacht. wes si sich aber selbst verainen
                  dabei soll es beleiben. der erst mag aber der gründ ainen verkhaufen und alßdann
                  handlen des marchs halben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.7">
                <head>[Buch III Titel IV § 7]</head>
                <p>Wann ain gemaine stras oder fliessent wasser zwischen zwaier nachpern grunden
                  geet, mag der ain derselben enden wider den anderen umb die marich nit clagen. wo
                  aber ain sonderer pach der rinet, der irrt die clag nicht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.8">
                <head>[Buch III Titel IV § 8]</head>
                <p>Es mügen auch wilkhurlich richter zu entschied der march erweelt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.9">
                <head>[Buch III Titel IV § 9]</head>

                <p>Solche clagen mügen ôn beschaw der gründ nicht wol entschaiden werden. darumb
                  soll [Bl. 130<hi
                    rend="sup">b</hi>] die obrigkhait leut ordnen auf den grunden, wie sich gebürt und
                  recht ist, die sach zu besehen und die eltisten und die darumb <pb
                    n="293" xml:id="S.293"/> wissen zu verhören, damit die sach auf redliche beschaw und
                  khundschaft entschieden und laut desselben entschieds march gesezt werden
                  mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.10">
                <head>[Buch III Titel IV § 10]</head>
                <p>Wann der krieg allain umb die march erscheint, so ist unnot die langen
                  zierlichait der rechten zu halten noch den krieg zu verfahen, sonder soll des
                  richter ambt darin angerueft werden. aber anderst ists wo die clag des posseß oder
                  aigenschaft dabei kriegt wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.11">
                <head>[Buch III Titel IV § 11]</head>
                <p>Die marich sollen nach saag brieflicher urkhund, wo die vorhanden sein, wo aber
                  nit, alßdann nach anzaigen glaubwirdiger alten leut gehalten werden, es werde dann
                  beweist das dieselben march mit wissen und willen der besitzer geändert worden
                  sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.12">
                <head>[Buch III Titel IV § 12]</head>
                <p>Der herr so etwo bede gründ zwischen <pb n="294" xml:id="S.294"/> den [Bl.
                  131<hi rend="sup">a</hi>] die zwitracht ist besessen hat, der waiß am bessten khundschaft von den
                  marchen derselben gründ zu geben. dann ob er ain verkhauft, ist not gewesen
                  denselben verkhauften von dem anderen mit neuen marichen zu schaiden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.4.13">
                <head>[Buch III Titel IV § 13]</head>
                <p>Wer ain marchstain stilt oder ausgrebt der ist dem widerthail so vil schuldig
                  abzulegen als er schwert in recht, das er solches fräfels schaden genumen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.5">
              <head>[Buch III Titel V]</head>
              <head>Von allerlai verträgen, vertrautem und gelihnem gelt und guet.</head>
              <div xml:id="NA.3.5.1">
                <head>[Buch III Titel V § 1]</head>

                <p>So ainer dem anderen sein gelt oder guet leicht, wierdet verstanden er hab es
                  gelihen, das ime der ander so ain guets und wirdigs als ime gelihen <pb
                    n="295"
                    xml:id="S.295"/> ist wider bezalle, dann dem schuldner gebürt nicht ain letzere
                  bezallung dann ime der glaubinger vertraut zu thuen. [Bl. 131<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.2">
                <head>[Buch III Titel V § 2]</head>
                <p>Wann ainer dem anderen ainer dritten person gelt leicht, wiewol der erst den
                  anderen desselben gelts herren nicht machen mag, den es ist nicht sein, doch wo
                  der drit des solch gelt ist darein verwilligt, so hat das lehen craft und wierdet
                  der dem gelihen ist ain herr des gelihen gelts.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.3">
                <head>[Buch III Titel IV § 3]</head>
                <p>So ainer dem anderen ain guet wider zu antworten schuldig ist und dasselb
                  verdirbt, so ist der ander nichts minder dasselb guet wider zu geben oder zu
                  bezallen schuldig, als ob es noch in wesen wär.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.4">
                <head>[Buch III Titel V § 4]</head>

                <p>In disem und dergleichen vertrawen und anlehen soll angesehen werden das erstlich
                  furnemen der partheien und warumb anfänkhlich ain <pb
                    n="296" xml:id="S.296"/>
                  sach beschicht, und nicht das so nachmallen daraus volgt. dann dardurch khumbt man
                  in erkhantnus vil handlung, dann das gemuet der handler gibt ainer ieden sachen ir
                  maß und recht verständnus.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.5">
                <head>[Buch III Titel V § 5]</head>
                <p>Wann ainer sein gelt in aines anderen [Bl. 132<hi
                    rend="sup">a</hi>] namen, als ob es desselben
                  wär, ôn sein wissen und beiwesen ainem dritten leihet, so hat der ander in des
                  namen das lehen beschehen ist macht gegen dem dritten als schuldner umb das
                  beruert gelihen gelt zu clagen und nicht der gelihen hat. und irrt nicht das solch
                  gelt sein gewesen und das er es ôn des anderen wissen und beiwesen verlihen hat,
                  es sei dann daz ime der ander von newem gwalt oder bevelch gebe dasselb
                  einzunemen. und das ist darumb, dann der dem das gelt <pb
                    n="297" xml:id="S.297"/>
                  in aines anderen namen gelihen ist ain herr des gelts und niemant damit verphlicht
                  dann dem von deswegen es im geraicht worden ist. aber solch recht hat in anderen
                  handlungen ausserhalb ainer solchen geltschuld nicht stat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.6">
                <head>[Buch III Titel V § 6]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen aines drittel gelt in desselben abwesen leihet und derselb
                  drit bewilligt darain, so geburt ime als dem rechten herren die clag umb solch
                  gelihen gelt widerredt aber der drit solch des ersten handlung [Bl. 132<hi rend="sup">b</hi>]
                  öffentlich, so gebürt nicht dest minder dem ersten als dem vertretter die
                  clag.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.7">
                <head>[Buch III Titel V § 7]</head>

                <p>Wann ainer ain gelt bei ainem anderen behaltnusweiß erlegt und nachmallen auf
                  sein des anderen begeren ime vergünt dasselb zu seinen notturften zu gebrauchen,
                  so wierdet <pb
                    n="298" xml:id="S.298"/> aus dem behaltnen ain gelihen gelt, er
                  prauch dasselb oder nicht. wann aber der erst in anfang als er dem anderen die
                  behaltnus gibt spricht: "wilstu, so brauch das gelt", so wierdet daraus khain
                  gelihen gelt, es sei dann das es der ander auf solch verwilligung prauche, wär
                  aber sach das der ander solch gelt vor solcher verwilligung angriff und verthäte,
                  so hat der erst die clag nicht als umb ain gelihen sonder umb ain erlegt gelt
                  behaltnusweiß, er vergün dann von newem mit handgebner trew solch gelt dem anderen
                  als ain gelihen gelt zu raiten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.8">
                <head>[Buch III Titel V § 8]</head>
                <p>Ob ainer von dem anderen ein gelt zu lehen hat [Bl. 133<hi
                    rend="sup">a</hi>] des nicht, gibt ime
                  aber silbergeschirr oder golt dasselb zu verkhaufen und das gelt zu prauchen, so
                  er dann dasselb silber <pb
                    n="299" xml:id="S.299"/> oder golt verkhaufet, alsbald
                  ist das gelt ain gelihen gelt. verdirbt dasselb golt oder silber oder wierdet
                  verloren aus zuefall ôn sein schuld ee wann er es verkhauft, und es ist dem
                  vertrawer nicht fail gewesen anderst dann das er dem anderen zu guet dasselb fail
                  gemacht hat, nichts minder ist er dasselb schuldig zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.9">
                <head>[Buch III Titel V § 9]</head>
                <p>Daraus wierdet in gemain verstanden, wann ainer ain schaden nimbt in ainer
                  dienstberkhait oder guetem willen so er ainem anderen beweiset, so ist derselb
                  ander solchen schaden schuldig abzulegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.10">
                <head>[Buch III Titel V § 10]</head>

                <p>Ob aines closters münich, der schaffer khelner oder desselben gotßhaus handler
                  oder gwalttrager, auch ainer gesellschaft diener den man ainen factor nennet
                  flüchtig oder entrinnen wuerde, die mügen nachmallen dasselb <pb
                    n="300" xml:id="S.300"/> gotßhauß [Bl. 133<hi rend="sup">b</hi>] oder gesellschaft verrer nicht
                  verphlichten oder gegen niemant zu schulden oder anderen händln verpinden. dann
                  durch ir mißhandlung und flucht ist ir bevelch und gwalt haimblich und offentlich
                  widerrueft von recht dergleichen, wann ainer in der acht oder dem grossen paan
                  ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.11">
                <head>[Buch III Titel V § 11]</head>
                <p>Wo die eltern irem sun der noch in irer gwalt ist ain notturftig raißgelt geben,
                  und der sun vertraut dasselb lehens-weiß ainem anderen, wiewol der sun in recht ôn
                  willen des vattern nicht steen soll und die clag dem vattern nicht steen soll und
                  die clag dem vatter gebürt, nichts minder soll dem sun in disem vall das gericht
                  und oberigkhait zu hilf khumen, damit er seines notturftigen gelts nicht
                  mangl.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.12">
                <head>[Buch III Titel V § 12]</head>
                <p>Wiewol ain waiß khainen vertrag <pb n="301"
                    xml:id="S.301"/> mit iemant machen
                  noch ainicherlai handlung mag ôn willen seines gerhaben oder sorgers, nichts
                  minder, ob ain waiß ain gelt ainem [Bl. 134<hi rend="sup">a</hi>] anderen leicht oder zallt ôn des
                  vormunds wissen und der so es emphächt verthuet es so wierdet die handlung der
                  schulden oder bezallung creftig, unangesehen das solch handlung in anfang unwert
                  gewesen und das gelihen oder bezallt gelt des nicht worden ist der dasselb
                  emphangen hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.13">
                <head>[Buch III Titel V § 13]</head>

                <p>Der glaubinger ist nicht schuldig ain thail des gelihnen gelts zu nemen, es soll
                  auch der richter das nicht schaffen, dann ain richter soll die krieg mindern und
                  nicht meren, ausgenumen der gelter bekhenne der schuld nicht gar und wollt den
                  bekhennten thail zallen, so ist der glaubinger dasselb anzunemen schuldig. dann
                  wuerde <pb
                    n="302"
                    xml:id="S.302"/> dasselb gelt nachmallen verloren, wäre es dem
                  glaubinger der es zu nemen gewidert verloren. bekhennt er dann derselben schuld
                  ain thail vor bevesstigung des kriegs, so ist nicht not das der richter umb
                  denselben thail urtlen, sonder soll die bezallung der bekhennten schuld schaffen
                  und umb den [Bl. 134<hi rend="sup">b</hi>] anderen thail in recht volfaren. bekhennt er aber nach
                  verfahung der sach in recht, so mag der richter umb ain thail als umb den anderen
                  recht sprecht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.14">
                <head>[Buch III Titel V § 14]</head>

                <p>Umb ain benants zuesagen und umb ain unangetrukhts mag nicht ainicherlai clag und
                  urtl gegeben werden, als so ainer dem anderen verspricht zehen gulden zu geben und
                  ain haus zu pawen umb die zehen gulden mag die clag beschehen als umb ain benant
                  ausgetrukht guet, aber umb das paw <pb
                    n="303" xml:id="S.303"/> mag si nicht
                  beschehen anderst dann aus dem zuesagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.15">
                <head>[Buch III Titel V § 15]</head>

                <p>wann ainer dem anderen ain gelt leicht zu paw und besserung seines haus oder
                  aines anderen gelegnen guets oder ain hauß von newem zu pawen oder ain anderen
                  grund zu khaufen, so geet derselb vertrawer mit bezalung anderen glaubingern denen
                  derselb gelter zu thuen ist auf demselben guet vor, dann es [Bl. 135<hi rend="sup">a</hi>] wierdet
                  von recht verstanden als ob derselb vertrawer ainen haimblichen satz het auf dem
                  guet so mit dem gelihnen gelt erpaut oder erkhauft ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.16">
                <head>[Buch III Titel V § 16]</head>

                <p>Wann ainer den so des anderen gwalt oder bevelch hat bezallt, so wierdet er
                  ledig, und ob der ander solchen gwalt oder bevelch aufgehebt und dem ersten
                  unwissent widerrueft hat oder der ander gestorben wär, dann der erst <pb
                    n="304" xml:id="S.304"/> ist nicht schuldig gewesen des anderen widerruefen oder ob er
                  vergangen sei zu wissen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.17">
                <head>[Buch III Titel V § 17]</head>

                <p>Wann ainem ain gelter ain purgen stellt, oder sagt dem glaubinger zue was im
                  derselb gelter nicht bezalle das will er im bezallen, wo dann der glaubinger
                  denselben schuldner beclagt, ist darumb der bürg nicht ledig, der glaubinger werde
                  dann gar bezallt. gibt ime dann der bürg ain thail gelts, darumb ist der gelter
                  nicht ledig sonder beleiben bed in der phlicht biß der glaubinger gar bezallt
                  wierdet. [Bl. 135<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.18">
                <head>[Buch III Titel V § 18]</head>

                <p>Wann ainer dem anderen verspricht er wöl verfüegen das der ander bezallt werde,
                  so hat er den ersten umb die schuld nicht zu beclagen, sonder wann er dem anderen
                  ain gelter stellt der ine zu bezallen hat, so ist er seines zuesagens müessig, und
                  der ander soll es einbringen <pb
                    n="305" xml:id="S.305"/> von dem so ime der erst
                  stellt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.19">
                <head>[Buch III Titel V § 19]</head>
                <p>Die wort so sich zwischen den partheien in ainer handlung verlaufen sollen
                  verstanden werden nach natur und gelegenhait solcher handlung und derselben
                  gemäß.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.20">
                <head>[Buch III Titel V § 20]</head>

                <p>Wann sich zween oder drei umb ain schuld nicht unverschaidenlich verschreiben, so
                  ist ir ieder nicht mer schuldig dann sovil des gelts ieder emphangen, ausgenumen
                  es het der so das gelt eingenumen von den anderen gwalt solch gelt an ir aller
                  stat zu emphahen, oder das die anderen als pürgen gelobt hetten. sonst mag der
                  glaubinger des gelts von dem der solches emphangen hat bekhumen. [Bl.
                  136<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.21">
                <head>[Buch III Titel V § 21]</head>

                <p>Ob ainer ain gelt einnimbt auf sich und sein gemainer zu notturft ires gemainen
                  guets, und wo sein gemainer unverschaidenlich mit ime darumb <pb
                    n="306" xml:id="S.306"/> nicht verphlicht ist, und bezallt der entnemer solch gelt
                  allain, so mag er gegen seinem gemainer clagen zu eroberung des thailgelts
                  demselben seinem gemainer gebürende.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.22">
                <head>[Buch III Titel V § 22]</head>
                <p>Unglükhlich zuefäll und geschicht erledigen den gelter nicht von den schulden so
                  er gemacht hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.23">
                <head>[Buch III Titel V § 23]</head>
                <p>Wann ainer dem anderen etwas gibt oder schenkht aus ainer ursach die darauf
                  volgen soll, wo die ursach nicht volgt, so hat derselb gaber macht solch gab oder
                  schankh von dem anderen zu erfordern durch die clag das die ursach nicht erfüllt
                  ist, oder aber zu clagen damit die ursach verfolge.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.24">
                <head>[Buch III Titel V § 24]</head>

                <p>Wann ainer ain verschreibung gibt umb gwalt oder guet aus ainer suech der ubeln
                  [Bl. 136<hi
                    rend="sup">b</hi>] ursach, wiewol in der verschreibung ain erbere ursach <pb n="307" xml:id="S.307"/> der schulden gestellt, doch wo die schnöd ubel ursach gewisen
                  wierdet die verschreibung vernicht und der si gegeben hat erledigt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.25">
                <head>[Buch III Titel V § 25]</head>
                <p>Wann ain vatter gelt entnimbt und dasselb anlegt zu ernerung seiner khind, wo
                  nachmallen dieselben khind auß zuekhumenden auswendigen guet reich werden und der
                  vatter unvermüglich wuerde, sein si das beruert gelihen glt fur den vatter
                  schuldig zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.26">
                <head>[Buch III Titel V § 25]</head>

                <p>Niemant mag seines schuldners gelter beclagen, er hab dann denselben seinen recht
                  schuldner zum ersten gerechtfertigt und das er nicht zu bezalen hab. dann auch die
                  volfuerung der urtl nicht beschehen soll auf des schuldners gelter oder sein guet,
                  es sei dann das der recht schuldner sonst nichts hab noch bei ime funden werde.
                    <pb
                    n="308"
                    xml:id="S.308"/> dann in der volfuerung sol zum lezten auf des
                  schuldners gelter angesezt werden, wo sonst nichts vorhanden ist. [Bl.
                  137<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.5.27">
                <head>[Buch III Titel V § 27]</head>
                <p>Ob ain scheffman oder fuerman der sein lon umb das fuerwerch der gueter nimbt ain
                  maut verfuert oder verpotten war darneben fuert, dardurch ain neben dem anderen
                  durch die ambtleut einzogen wierdet, der ist schuldig den nachtail und genumen
                  gueter zu bezallen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.6">
              <head>[Buch III Titel VI] Von schulden und schuldbriefen. von bezallung und erledigung
                derselben.</head>
              <div xml:id="NA.3.6.1">
                <head>[Buch III Titel 5 § 1]</head>

                <p>On ain schuldner von dem glaubinger zu recht geladen wierdet, und der schuldner
                  khumbt fur gericht zuvor ee der clager sein clag in recht sezt <pb
                    n="309"
                    xml:id="S.309"/> und bekhennt die schulden, derselb ist nicht zu dringen uber
                  solche bekhantnus in das recht zu dretten, sonder soll im nach mässigung des
                  rechten ain zeit nach gelegenhait der person ires vermügens und der schulden, doch
                  die lengist uber zwai monat gesezt und gebotten werden in derselben zeit den
                  glaubinger zu bezallen. [Bl. 137<hi
                    rend="sup">b</hi>] und mag der richter demselben schuldner wol
                  ain peen aufsetzen dardurch er dest embsiger des richters gebot geleb und
                  volziehe. wo auch ain glaubinger dem richter uber sein schuldner ausserhalb
                  rechtens clagt umb ain schuld der sich der glaubinger mit aigner hand oder sonst
                  glaubwirdig verschriben, so hat der richter macht den schuldner fur sich zu
                  ervorderen ine der schuld zu erinnern, und so er die bekhennt und nicht gegrundt
                    <pb
                    n="310"
                    xml:id="S.310"/> ansehlich einred darwider hat ime die bezallung
                  beruerter gestalt aufzulegen, und wo er daruber verzüg alßdann den glaubinger ôn
                  ladung und rechtfertigung in des schuldners haab und güeter anzusetzen, und darin
                  zu verfaren gleicher weiß als ob die mit urtl und recht behabt wär. und das
                  wierdet verstanden auf die personen so landsessen und mit leib und guet dem
                  gerichtsstab underworfen sein. dann die auslender oder ander so verdächtlich
                  person sein oder nicht zu bezallen haben die sein schuldig dem glaubinger durch
                  burgen oder phand sicherhait zu thuen, das si des richters gebot in der benennten
                  zeit genueg thuen wöllen. wo si der khains thuen, mügen si in verpot [Bl.
                  138<hi
                    rend="sup">a</hi>] oder gefänkhnus nach gelegenhait der person und schulden angenumen,
                  dardurch si nicht <pb
                    n="311" xml:id="S.311"/> entwichen und der glaubinger durch
                  si nicht betrogen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.2">
                <head>[Buch III Titel 6 § 2]</head>
                <p>Ob ainer der schuldig ist ain fraihait erlangt das er in ainer zeit umb solch
                  schulden nicht beclagt werden muge, derselben fraihait mag der schuldner nicht
                  geniessen, er thue dan zuvor sein bekhentlichen glauben, sicherhait mit phand oder
                  purgen si zu ausgang derselben freihait der schulden zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.3">
                <head>[Buch III Titel 6 § 3]</head>

                <p>Wiewol der glaubinger, dem sein schuldner und gelter ainicherlai auf ainen
                  benanten tag hinderstellig zu thuen ist, der desselben tag verscheinung umb solch
                  schulden gegen dem gelter in recht nicht handlen mag, sonder möcht auch darumb
                  gestrafft werden als ainer so der zeit halben mer ervordert dann ime gebürt. doch
                  wo redlich ursach vor augen sein, als ob der schuldner <pb
                    n="312" xml:id="S.312"/> auß aigner boßhait, verschwendung seines guets und [Bl. 138<hi
                    rend="sup">b</hi>] in ainicherlai
                  waiß und nicht aus unversehen unglückhfall, als raub brunst schifbruch und
                  dergleichen zuefällen, zu armuet khumen wollt, mag der glaubinger in recht wol
                  handlen nit umb die schuld sonder umb sicherhait burgschaft oder phand, damit er
                  auf den bestimbten tag bezallt werde, der glaubinger het dann seines schuldners
                  unwesen oder armuet vor der gemachten schuld gewisst, so het er nicht macht auch
                  umb die bemelten sicherhait in recht zu handlen, dann der glaubinger soll ime
                  selbst verweisen warumb er uber solch wissen disem schuldner getraut hab. wo auch
                  der glaubinger ander mittel heet dardurch er der bezallung auf den gesezten tag
                  gewiß sein möcht, so wär aber nicht recht umb verrer sicherhait <pb
                    n="313"
                    xml:id="S.313"/> vor demselben tag zu handlen. wo aber der schuldner oder gelter
                  solch sicherhait, daz ist purgschaft oder phand nicht gäbe, mag der glaubinger aus
                  der ersten erkhantnus nach verscheinung des benanten tags in des schuldners guet
                  gesezt und verrer zu bezallung der schulden mit demselben guet gehandelt werden,
                  wie ordnung und recht ist. [Bl. 139<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.4">
                <head>[Buch III Titel 6 § 4]</head>
                <p>Ain ieder schuldner der mit recht die schulden zu bezallen erkhent wierdet und
                  nicht hat davon er bezalle, der mag darumb gefänkhnust werden biß er bezallt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.5">
                <head>[Buch III Titel 6 § 5]</head>

                <p>Item, ie zu zeiten beschicht, daz der eelich man seiner hausfrawen ain suma gelt
                  schuldweis verschreibt als ob es gelihen oder bezalt gelt wär, dergleichen die
                  fraw irem eeman, dardurch die rechten erben betrogen werden. solch handlung
                  vermueten die recht nicht fur <pb
                    n="314"
                    xml:id="S.314"/> richtig sonder fur
                  scheinhändl, es werde dann öffentlich die warhait des gelihnen gelts und die
                  bezallung gewisen. darumb sollen solch schuldbrief so dermassen ausgeen gruntlich
                  inhalten, von wann der frawen oder dem mann das gelihen gelt heerkhume, und zu waß
                  notturft die person der gelihen wierdet dasselb gelt gepraucht, und ander umbständ
                  zu erforschen dardurch die handlung zwischen in als zusamengefugten personen in
                  der that wissentlich verstanden werde, sonst sollen solche schuldbrief uncreftig
                  sein. [Bl. 139<hi rend="sup">b</hi>] dergleichen ist zu versteen zwischen vatter und sun, mueter
                  und tochter, den gerhaben und den waisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.6">
                <head>[Buch III Titel 6 § 6]</head>

                <p>Wer ausser gericht vor leuten bekhennt, das er dem oder disem schuldig sei und
                  benennt die ursach warumb die schuld gemacht, demselben ist solch sein bekhantnus
                    <pb
                    n="315" xml:id="S.315"/> in recht unschedlich.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.7">
                <head>[Buch III Titel 6 § 7]</head>
                <p>Welcher schuldner sein guet verkhumert oder verändert zu betrug seiner
                  glaubinger, dieselb handlung ist nichtig. und ob der solch guet annimbt das waist
                  oder ist gewarnet dasselb guet nicht zu khaufen oder anzunemen und thuet das
                  darüber, der ist des betrugs thailhaftig und soll ir handlung abgethon und si bed
                  gestrafft werden, ob gleich der glaubinger auf solchem guet khain satz oder
                  phandschaft sonder von schuld wegen ainen gemainen persondlichen spruch darzue
                  hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.8">
                <head>[Buch III Titel 6 § 8]</head>
                <p>Wo ain sun der noch in seines vatters macht [Bl. 140<hi
                    rend="sup">a</hi>] und gwalt ist zu
                  merkhlicher eehafter not und nicht leichtfertigkhait schulden macht oder ander
                  nachthailig handlung thuet ôn wissen und vergunnen seines vatters, der soll zu
                  bezallung und genuegthueung derselben <pb
                    n="316" xml:id="S.316"/> sachen
                  geurthailt werden auf sein des sun aigen und nicht des vatters guet. ob aber der
                  sun solche nicht hat, mag er darumb gefänkhnust werden, damit den jungen nicht
                  ursach gegeben werde ander leut auf ir vätter vertrawen zu betriegen oder
                  anzusetzen, wiewol etlich fäll sein darin derselb sun allein nach seinem vermügen
                  und nicht mer zu thuen schuldig ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.9">
                <head>[Buch III Titel 6 § 9]</head>

                <p>Wann ainer durch kriegsleuf fenkhnus prunst oder ander unglückhlich zuefäll in
                  verderben khumbt und schulden auf ime hat, mit demselben soll mitleiden gehalten,
                  und ob er wider zu narung khumbt, nicht verrer verurthailt werden dann sein
                  vermügen ist. zu versteen, das er nicht zu dem bettlbrot gedrungen, sonder soll
                  mit zeit [Bl. 140<hi
                    rend="sup">b</hi>] und weil nach gelegenhait seines vermügens in bezallung
                  erkennt <pb
                    n="317" xml:id="S.317"/> werden, dann unmenschlich wäre ainen zu
                  verdamen und ain höher purd seinem schmerzen aufzulegen, der ôn sein schuld durch
                  unglukhfall sonst alles seines guets beraubt ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.10">
                <head>[Buch III Titel 6 § 10]</head>
                <p>Welcher khindern so in der eltern gwalt sein ôn wissen derselben eltern gelt
                  leicht auf die khunftig erbschaft oder in ander weeg, dardurch die khind
                  unzimblich leben und dasselb plößlich verschwenden, derselb glaubinger soll das
                  selb gelihen gelt verliesen und zu ewigen zeiten mit ainicherlai clag darumb nicht
                  zuegelassen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.11">
                <head>[Buch III Titel 6 § 11]</head>
                <p>Ain ieder ist schuldig zu halten das er handelt und sich verphlicht, und ob
                  dasselbig wider der oberigkhait gesezt doch nicht wider götlich nattürlich recht
                  oder guet sitten ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.12">
                <head>[Buch III Titel 6 § 12]</head>
                <p>Der glaubinger wierdet nicht geacht in verzug [Bl. 141<hi
                    rend="sup">a</hi>] zu sein dem sein
                  gelihen <pb n="318" xml:id="S.318"/> gelt nicht gar sonder ainß thails bezallt
                  wierdet, ausgenumen die schuld wär nicht lauter, so soll der glaubinger die schuld
                  leutern. und ist genueg, ob ain schuldner an ainer unlauteren schuld ain phund
                  phening gibt, ist der glaubinger phlichtig sich benüegen zu lassen biß er die
                  schuld clar macht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.13">
                <head>[Buch III Titel 6 § 13]</head>
                <p>Und wann der schuldner die schuld zallen will, aber nicht den schaden darein er
                  den glaubinger gefüert hat, so ist der glaubinger ains ôn das ander nicht schuldig
                  zu nemen, wo sich der schuldner nicht zu zimblicher zeit oder an zimblicher stat
                  zu bezallen erpeut.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.14">
                <head>[Buch III Titel 6 § 14]</head>

                <p>Drei fäll sein aus denen ain schuldner geacht werden mag, es sei in verzug oder
                  genuegthuoung oder bezallung: zum ersten, das er das guet so er widerumb antworten
                  soll in seiner gwalt hab oder mit gefärde gehandelt dardurch dasselb in <pb
                    n="319"
                    xml:id="S.319"/> seiner gwalt nicht sei. zum andern, das er wisse oder
                  schuldig sei zu wissen gewesen dasselb [Bl. 141<hi rend="sup">b</hi>] guet wider zu antworten, dann
                  es wierdet gleich geacht etwas zu wissen oder schuldig sein zu wissen. darumb mag
                  ain pillich unwissen ain von dem verzug entschuldigen, als wann ain schuld oder
                  handlung alt ist und der schuldner selbst nicht gemacht, oder so unlauter, das ain
                  pillicher zweifl darin ist. zum dritten, soll ain schuldner darumb ainsten
                  ersuecht werden. aber wo das recht oder aines selbst angenumener und gesezter tag
                  und zeit, ist verrer ersuechung ôn not.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.15">
                <head>[Buch III Titel 6 § 15]</head>
                <p>Wann ainer den verzug des schuldners weisen wil, ist not die ietz beruerten drei
                  articl zu weisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.16">
                <head>[Buch III Titel 6 § 16]</head>
                <p>Die schulden, so man aus des richter <pb n="320" xml:id="S.320"/> ambt und
                  erkhantnus schuldig ist, sollen vor gericht oder durch des richters vermanung
                  offentlich ersuecht werden, und ist darumb ain gesonderte ervorderung nicht
                  gemäß.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.17">
                <head>[Buch III Titel 6 § 17]</head>

                <p>So ainer ainem ain münz leicht die nachmallen vergeet oder verpotten wierdet, so
                  soll er ine bezallen mit der newen münz und dem wert den si hat gegen der die
                  gelihen worden ist. [Bl. 142<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.18">
                <head>[Buch III Titel 6 § 18]</head>
                <p>Niemant soll sein widerparthei umb ainicherlai schuld oder handlung so auf zeit
                  täg zweifl mit underschied gestellt ist beclagen, derselb tag oder underschied
                  sein dann verschinnen und erfüllt, wil er anderst die straf des rechten
                  entfliehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.19">
                <head>[Buch III Titel 6 § 19]</head>

                <p>Ob ainer von dem anderen ain schuldbrief erledigt, so ist nit genueg das der
                  glaubinger den schuldner umb solch schuld schriftlich quitiert, sonder der <pb
                    n="321" xml:id="S.321"/> schuldner mag begeren das auch der haubtbrief vernicht
                  werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.20">
                <head>[Buch III Titel 6 § 20]</head>
                <p>Ob ainer ôn des anderen wissen von desselben schuldner gelt emphächt und der
                  ander verhängt nachmallen in sein handlung, so wierdet im der erst umb solch that
                  und gelt verphlicht. wo aber der ander nicht verwilligt so wierdet sein erster
                  schuldner durch solch bezalung nicht bemuessigt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.21">
                <head>[Buch III Titel 6 § 21]</head>

                <p>Wann der sun von seinem aigen guet darin der vatter khain gebrauch noch nutz hat
                  fur [Bl. 142<hi rend="sup">b</hi>] denselben seinen vattern mit seinem wissen und willen
                  ainicherlai schuld bezallt, dieselben schulden mag er von dem vattern oder den
                  miterben wider ervordern, und wierdet in zweifl nit vermuet daz er den vattern
                  solch schulden hab schenkhen wollen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.22">
                <head>[Buch III Titel 6 § 22]</head>
                <p>Die cosstung so ain man thuet in <pb n="322"
                    xml:id="S.322"/> khrankhaiten seines
                  weibs mag er nicht wider ervordern, ausgenumen die krankhait wär so langwierig das
                  dardurch die wirtschaft und des manns dienstberkhait erlege, als in den <ref target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?db=drw&amp;index=lemmata&amp;darstellung=v&amp;term=bettrisig">betrisen</ref> und unsinigen. wo si dann ain heiratguet hat mag er si von
                  demselben heiratguet erneren, oder ob si sonst güeter hat von denselben die
                  notturft nemen, soverr er bezeugt daz er die cosstung wider erfordern wölle, sonst
                  wierdet verstanden er hab sein darlegen aus chönlicher lieb gethon.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.23">
                <head>[Buch III Titel 6 § 23]</head>

                <p>Wo die partheien aine der anderen schuldig es sei in gelt oder güetern und die
                  schulden bede erleutert und wissen sein, der mag durch den richter gelt gegen
                  güetern [Bl. 143<hi
                    rend="sup">a</hi>] oder guet gegen guetern geschäzt und ains gegen dem anderen
                  abgezogen werden. wo aber ainer partheien schuld oder vorderung nicht erleutert
                  wär, <pb
                    n="323" xml:id="S.323"/> oder mit des andern nicht erleutert und erclärt
                  werden möcht, sol der richter umb die so erleutert ist erkhennen und die anderen
                  auf clärlich erkhantnus anstellen. aber die güeter so ainem behaltnus weiß gegeben
                  oder der sich ainer mit gwalt understanden und ainem anderen entwert, dieselben
                  mügen khainen abzug weder umb schulden lehen noch in ander weeg nicht erleiden,
                  dann die trew hand sol gehalten und der gwaltig entwerer gestrafft werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.24">
                <head>[Buch III Titel 6 § 24]</head>
                <p>Wo zwen ainicherlai schuld gegen ainander zu thuen sein, so mag ain abzug
                  beschehen. und ob ainer schuld mer und der anderen minder, so ist der die ubermaß
                  schuldig nicht mer interesse oder zinß verphlicht dann sovil sich von solcher
                  ubermas zu geben geburt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.25">
                <head>[Buch III Titel 6 § 25]</head>
                <p>Ob ain abzug zwischen beder partheien beschicht, [Bl. 143<hi
                    rend="sup">b</hi>] und ir ainer
                  wierdet <pb n="324" xml:id="S.324"/> dem anderen etwas darüber schuldig, und der
                  schuldner erlegt solches da er es erlegen solle, es sei bei dem glaubinger oder so
                  er das nicht annemen wollt bei der oberigkhait, so mag er umb das phand so er
                  daentgegen versezt unverhinderung clagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.26">
                <head>[Buch III Titel 6 § 26]</head>
                <p>Wann drei oder vier unverschaidenlich ainem anderen ain suma schuldig sein, er
                  erfordert die schulden an ir ainem, der gibt im ain thail, er nimbt denselben an,
                  so mag er solch schuld verrer nicht unverschaidenlich ervordern. dann es wierdet
                  verstanden, so er die thailung selbst gemacht und von dem so ime unverschaidenlich
                  schuldig gewesen ain thail angenumen hat, er sei mit ime schweigent ains worden
                  ine umb sein thail verrer nicht zu bekhumern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.27">
                <head>[Buch III Titel 6 § 27]</head>

                <p>Ob ain gestorbner der schuldig ist khain geschäft gethon und nicht erben
                  verlässt, <pb
                    n="325"
                    xml:id="S.325"/> so werden die glaubinger durch die
                  oberigkhait an dasselb guet nach gelegenhait aines ieden schulden [Bl. 144<hi rend="sup">a</hi>]
                  gesezt. damit aber wissentlich werde ob der berüert sterbent ôn erben abgangen
                  ist, sollen die zuvor ersuecht werden so ime am nechsten wissentlich zuegehört
                  haben, es mügen auch sein erben durch angeschlagen brief oder sonst offentlich
                  berueft werden, und zeit wie sich der gebürt darzue gegeben darin die erben
                  erscheinen und sich der erbschaft annemen. khumbt alßdann niemant, so haben die
                  glaubinger macht die oberigkhait obberuerter massen si einzusetzen zu
                  ersuechen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.28">
                <head>[Buch III Titel 6 § 28]</head>

                <p>Wo aber wier als herr und landsfürst uns solcher erbschaft als verlassner
                  understüenden oder iemant zuestellten, sollen doch vor allen sachen die glaubinger
                  zuvor davon bezallt, und dem guet ain sorger gegeben das zu verkhaufen <pb
                    n="326" xml:id="S.326"/> und dann die glaubinger zu benüegen und zu entrichten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.29">
                <head>[Buch III Titel 6 § 29]</head>

                <p>Ob iemant ain guet zu betruͦg seiner glaubinger verändert oder verkhumert,
                  desselben [Bl. 144<hi rend="sup">b</hi>] schuldner guet so er noch hat soll zuvor ersuecht und
                  geschäzt, und wo dasselb nicht geraicht, alßdann das so beruerter massen zu betrug
                  verkhumert worden und wissentlich gemacht wierdet angriffen, und davon den
                  glaubinger, genueg gethon werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.30">
                <head>[Buch III Titel 6 § 30]</head>
                <p>Ob iemant seinem khind oder anderen ain heiratguet gibt zu betrug der glaubinger,
                  wiewol das heiratguet verphendt und unverphendt im rechten vil freihait hat, so
                  khumbt doch der betrug dem heiratguet noch niemand anderen nicht zustatten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.31">
                <head>[Buch III Titel 6 § 31]</head>
                <p>Die quittung, so der glaubinger gibt das ine der gelter bezallt, hat in menig <pb n="327"
                    xml:id="S.327"/> weeg mer glaubens dann das der gelter den schuldbrief
                  furzaigt, als ob er denselben mit bezallung der schulden erledigt hab. dennocht
                  mag solcher schuldbrief auch aus anderer ursach in des gelter gwalt unbezallter
                  schulden khumen sein, und ist dem gelter not der sich des schuldbriefs behelfen
                  will, dieweil die schuld dardurch bekhennt wierdet, mit zwaien zeugen zu weisen
                  [Bl. 145<hi rend="sup">a</hi>] das solcher schuldbrief mit wissen und willen des glaubingers ime
                  zuegestellt sei.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.32">
                <head>[Buch III Titel 6 § 32]</head>

                <p>Ob ain gwalttrager oder handler seines herren schulden bezallt und von den
                  glaubingern die schuldbrief erledigt und darauf schreibt das der herr den
                  glaubingern nicht mer schuldig sei, und desselben handler erben uberantworten dem
                  herren solch schriften, dardurch wierdet der herr nicht ledig von seines <pb
                    n="328" xml:id="S.328"/> gwalttrager oder handlers erben, sonder ist schuldig,
                  wie die schuld von seines gwalttragers und nicht seinem gelt den glaubingern
                  bezallt worden ist, si zu bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.6.33">
                <head>[Buch III Titel 6 § 33]</head>
                <p>Wo die bezallung geweist wierdet hat nicht irrung, der schuldbrief sei vertilgt
                  oder nicht.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA3.7">
              <head>[Buch III Titel 7] Von handlung der kheuf und verkheuf.</head>
              <div xml:id="NA.3.7.1">
                <head>[Buch III Titel 7 § 1]</head>
                <p>Welcher wissentlich ain guet khauft das in [Bl. 145<hi
                    rend="sup">b</hi>] verpot ligt, oder aus
                  ainer erbschaft von dem der in bedacht steet ob er die erbschaft annemmen wöll
                  dardurch er die erbschaft nicht zu mindern hat, oder von ainem schuldner khauft zu
                  betrug des glaubingers, oder der von ainem waisen khauft ôn seines gerhaben oder
                  sorgers wissen und willen <pb
                    n="329" xml:id="S.329"/> der wierdet nicht
                  verstanden daß sein khauf aus ainem gueten gauben beschehe und deßhalben des
                  khauften guets khain herr.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.2">
                <head>[Buch III Titel 7 § 2]</head>
                <p>Fremd oder rechtfertig guet soll wissentlich niemant khaufen noch verkhaufen bei
                  straf des gerichts.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.3">
                <head>[Buch III Titel 7 § 3]</head>
                <p>Welcher ain kriegisch guet wissentlich khauft und nicht durch gefärde des
                  verkhaufer darein gefüert wierdet, der understeet sich alles nachtails und
                  widerwertigkhait so dasselb kriegisch guet nach ime zeucht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.4">
                <head>[Buch III Titel 7 § 4]</head>
                <p>Ob ainer ain guet ime und ainem anderen khauft, so ist uberflussig das der
                  verkhaufer denselben anderen umb bezallung ersuech, sonder der khauft hat ist ime
                  darumb schuldig zu antworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.5">
                <head>[Buch III Titel 7 § 5]</head>

                <p>So ainer dem anderen wein oder traid verkhauft und antwort ime die schlüssel
                  darzue bei demselben kheller <pb
                    n="330" xml:id="S.330"/> oder cassten da der wein
                  oder traid inligen das er es seiner notturft nach beschehn mag, und ob der khaufer
                  das nicht beschaut nichts minder hat er das posseß desselben guets von dem
                  verkhaufer emphangen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.6">
                <head>[Buch III Titel 7 § 6]</head>
                <p>So ainer mit dem anderen in khauf steet umb ain guet, und ain dritter ermont den
                  ersten wissentlich er soll dasselb guet nicht khaufen dann es sei sein, der erst
                  khauft es darüber, so mag er nicht sprechen das er dasselb guet mit guetem glauben
                  besitze, und wierdet demnach die emphangen frücht schuldig widerzugeben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.7">
                <head>[Buch III Titel 6 § 7]</head>

                <p>Wann ain grund verkhauft wierdet mit beschaid, so verr das khaufgelt auf solchen
                  tag bezallt wierdet, so mag der khaufer mittler zeit die frucht und nutzung davon
                  emphahen in kraft des khaufs. so aber das khaufgelt [Bl. 146<hi
                    rend="sup">b</hi>] <pb n="331" xml:id="S.331"/> auf solchen benanten tag nicht bezallt wierdet, hat der
                  verkhaufer macht umb die emphangen nütz zu clagen. wo aber der khaufer an solchem
                  khauf ain thail bezallt, sollen ime die frücht da entgegen zimblich gemuessigt
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.8">
                <head>[Buch III Titel 7 § 8]</head>
                <p>Welcher ain guet mit der ietz berüerten underschaid auf ainen tag annimbt und
                  geredt, und der khaufer dem khauf nicht nachkhumbt und deshalben der verkhaufer
                  dasselb guet umb geringer gelt geben müest, ist derselb khaufer solchen abgang zu
                  erstatten schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.9">
                <head>[Buch III Titel 7 § 9]</head>

                <p>Wann ain khauf beschicht auf bezallung aines benanten tags und der khaufer ist
                  willig demselben tag nachzukhumen, wierdet aber durch merkhlich eehaft not
                  derhalben er durch sich selbst noch ander solch tag und <pb
                    n="332" xml:id="S.332"/> bezallung nicht laisten mugen hat verhindert, der soll nicht entgelten das so
                  in seinem vermugen nicht gestanden ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.10">
                <head>[Buch III Titel 7 § 10]</head>
                <p>Welcher ain guet verkhauft das mit erbschaft [Bl. 147<hi rend="sup">a</hi>] an ine khumen soll
                  von ainem der noch lebendig ist, der thuet khain khauf, dann er verkhauft so in
                  wesen der natur noch nicht ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.11">
                <head>[Buch III Titel 7 § 11]</head>
                <p>Wann ainer ain guet verkhauft und ain thail des khaufgelts daran emphächt und die
                  ubermaß des gelts wierdet dem khaufer nicht bezallt und das khaufguet ist ime
                  nicht eingeantwort, so mag der verkhaufer dasselb guet wol phandweis inhaben biß
                  er von dem khaufer volliclich bezallt wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.12">
                <head>[Buch III Titel 7 § 12]</head>

                <p>Ob ainer dem anderen wein oder traid verkhauft und tag benennt darauf der khaufer
                  die bei dem verkhaufer heben soll, und es wierdet durch des verkhaufens <pb
                    n="333" xml:id="S.333"/> abwesen oder in ander weg durch ine verhindert das der
                  khaufer auf den benennten tag solch gekhauft guet bei dem verkhaufer nicht heben
                  mag, und mittler zeit ee wann der khaufer widerkhumbt dieselben weckzufueren hat
                  der wein oder traid schaden genumen, derselb schaden soll dem verkhaufer
                  haimbgeen, dann er ist in der versaumbnus gewesen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.13">
                <head>[Buch III Titel 7 § 13]</head>
                <p>Wann ainer dem anderen ain grund in ainem flus verkhauft und wierdet der khauf
                  wie sich geburt entlich entschlossen, und das wasser tregt den grund hinweckh, der
                  nachtail ist des khaufers. dergleichen, wo ime das wasser het angeschüt, wär der
                  gwin auch sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.14">
                <head>[Buch III Titel 7 § 14]</head>

                <p>Wo zwo partheien ains werden umb ain guet, der khaufer zu nemen und der
                  verkhaufer zu geben umb ain gelt, <pb
                    n="334"
                    xml:id="S.334"/> wie diser oder der
                  erkhennen wierdet, solcher khauf ist creftig und ir ieder den khauf schuldig zu
                  halten, wie derselb den si furgenumen haben erkhennt, er erkhenn wie er woll. es
                  wuerde dann ir ainer uber den halben thail des khaufgelts von ime dem dritten
                  ubergriffen, so möcht der khauf aufgelöst werden. wo aber der drit in des willen
                  also der ausspruch steet nichts erkhennet oder erkhennen möcht aus ainicherlai
                  zuefall oder ursach, so ist auch der khauf nichts und fuͦran khain parthei
                  solches als ain khauf beclagen. [Bl. 148<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.15">
                <head>[Buch III Titel 7 § 15]</head>

                <p>Wann ainer von dem anderen ain erbschaft khauft mit aller gerechtigkhait und
                  zuegehorung, wiewol derselb khaufer aller schulden man der erbschaft schuldig ist
                  zu ervordern und die gelter darumben zu beclagen hat, so ist er dennocht nicht <pb
                    n="335" xml:id="S.335"/> schuldig die schulden so die erbschaft anderen zu thuen
                  ist zu bezallen noch phlichtig dieselben zu verantworten sonder der erb und
                  verkhaufer, es sei dann in anfang des khaufs mit namen beredt worden, das der
                  khaufer auch die glaubinger entrichten solle, und die glaubinger solchs annemen
                  dann der erb hat wol macht das so ime zuesteet zu verkhaufen, aber ainem anderen
                  glaubinger dem es zu thuen ist ôn desselben wissen und annemen ain anderen zaller
                  zu setzen steet nicht in seiner wall.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.16">
                <head>[Buch III Titel 7 § 16]</head>

                <p>Ainer so ain guet verkhauft, alle dieweil er dasselb guet dem khaufer nicht
                  einantwort, beleibt der verkhaufer ain herr desselben guets darumb, so er solch
                  guet [Bl. 148<hi
                    rend="sup">b</hi>] nachmals ainem anderen verkhauft und einantwort, so wierdet die
                  aigensherrlichait demselben <pb
                    n="336" xml:id="S.336"/> andern khaufer rechtlich
                  zuegestellt, aber darumb das der verkhaufer dem ersten khaufer den glauben des
                  khaufs nicht gehalten, ist er im das beiwesen und was er des schaden hat schuldig
                  abzutragen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.17">
                <head>[Buch III Titel 7 § 17]</head>
                <p>Ob zwischen verkhaufer und khaufer durch betrug gehandelt wierdet, so mag der dem
                  der betrug zu nachtail raicht wol clagen, das der khauf aufgetrennt werde. hat
                  aber ain dritter zwischen verkhaufer und khaufer den betrug gehandelt, derselb mag
                  umb den betrug beclagt werden, wo khain ander mittl ist dardurch dem schadhaften
                  geholfen werde. und der betrug wierdet nicht aus minderung oder merung des khauf
                  lapß [?] sonder aus gelegenhait der handlung und that verstanden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.18">
                <head>[Buch III Titel 7 § 18]</head>
                <p>So ain khauf ordenlich beschlossen <pb n="337"
                    xml:id="S.337"/> wierdet. und ob
                  der verkhaufer nachmallen von begier [Bl. 149<hi
                    rend="sup">a</hi>] wegen zu dem verkhauften guet
                  und ob auch dasselb durch den verkhaufer nit gebessert worden zwifach khaufgeld
                  darumb geben wollt, so soll doch der khauf darumb nicht zertrennt noch der khaufer
                  getrungen werden das khaufgelt wider zu geben. dann ain ieder verkhaufer schätz
                  zum ersten sein guet hoch, der khaufer auf das geringist, biß der verkhaufer etwas
                  in seiner schatzung nachlässt und der khaufer hinzuelegt dardurch si des khaufs
                  ains werden. und dieweil solch handlung aus guetem glauben beschlossen wierdet,
                  erleidet das recht oder vernunft nicht auf ainer partheien begeren oder geren
                  solche handlung aufzulösen, es wäre dann der verkhaufer ubergriffen uber den
                  halben thail <pb
                    n="338" xml:id="S.338"/> [thail] des rechten werts des
                  verkhauften guets.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.19">
                <head>[Buch III Titel 7 § 19]</head>

                <p>Ob ainer gueter so in verr und in ainem anderen land gelegen ains tails geringer
                  dann ir wierde ist verkhauft, und will nachmallen sagen, er hab des lands [Bl.
                  149<hi rend="sup">b</hi>] geprauch und der gueter nutzung nicht gewisst, der soll nicht gehört
                  [werden], das der khauf darumb zertrennt werde, dann ain ieder ist schuldig seines
                  guets aigenschaft und vermügen zu wissen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.20">
                <head>[Buch III Titel 7 § 20]</head>

                <p>Wer ainicherlai haimblich verkhauft oder verändert iemant zu betrug, es sei
                  seinem herrn dem er zu thuen ist, seinen glaubern oder ainer gemain dabei er
                  wonet, solcher khauf hat khain stat und soll der verkhaufer gestrafft werden, und
                  der khaufer, so er den betrug gewisst, das so er an dem khauf bezallt hat
                  verliesen. <pb
                    n="339" xml:id="S.339"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.21">
                <head>[Buch III Titel 7 § 21]</head>
                <p>Ob ainer ain guet verkhauft darin er ainen bösen glauben hat und der khaufer
                  waist des nicht, dem soll des verkhaufers böser glauben und betrug nicht zu
                  nachtail raichen, dieweil der khaufer solch guet nicht aus ainer gewundlichen
                  ursach erlangt sonder sein gelt darumb gibt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.22">
                <head>[Buch III Titel 7 § 22]</head>
                <p>Wer ain frembd guet das nicht sein ist [Bl. 150<hi rend="sup">a</hi>] verkhauft und der khaufer
                  wais nicht anderst, es sei dasselb guet des verkhaufers, und ersizt desselben
                  ordenlich nutz und gweer, so ist der khaufer nicht schuldig dasselb guet dem
                  rechten herren wider zu geben sonder soll der herr den wert desselben guets bei
                  dem verkhaufer suechen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.23">
                <head>[Buch III Titel 7 § 23]</head>

                <p>Wann ainer dem andern ain guet verkhauft der mainung, wo er der verkhaufer oder
                  sein erben das khaufgelt wider erlegen, das inen alßdann <pb
                    n="340" xml:id="S.340"/> das guet wider zuegestellt werde, die erben erlegen solch
                  khaufgelt, des khaufers erben wöllen das guet nicht wider volgen lassen sonder
                  sich des khaufs halten, mag darumb clagt werden durch die clag des khaufs oder
                  furgewendter wert, und sol aufsehen im rechten gehalten werden auf das, so der
                  khaufer nach der zeit als des verkhaufers erben das gelt erlegt von demselben guet
                  emphangen hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.24">
                <head>[Buch III Titel 7 § 24]</head>

                <p>Welcher ain guet verkhauft das ain beschwerung auf ime hat und waist dieselben
                  [Bl. 150<hi
                    rend="sup">b</hi>] beschwerung aber der khaufer nicht, und verhellt solch beschwerung
                  dem khaufer, derselb khauf mag durch erkhantnus des rechten aufgelöst werden.
                  sonderlich wo deshalben ain gefärde an dem verkhaufer verstanden wierdet, so ist
                  er dem khaufer sin interesse und <pb
                    n="341" xml:id="S.341"/> schäden was er
                  solches verhaltens nachtail leidet schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.25">
                <head>[Buch III Titel 7 § 25]</head>
                <p>Welcher ainem anderen holz oder stain in ainem grund verkhauft, der mag clagen wo
                  er der khaufer dasselb holz oder stain in rechter zeit nicht weckh füeret, dann
                  der nachtail ist des verkhaufers, wo ime der grund zu rechter zeit nicht geraumbt
                  wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.26">
                <head>[Buch III Titel 7 § 26]</head>
                <p>Ob ainer ain frembd guet das nicht sein ist verkhauft und wierdet nachmals ain
                  erb des so dasselb guet ist, der ist alsdann schuldig den khauf zu volziehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.7.27">
                <head>[Buch III Titel 7 § 27]</head>

                <p>So ainer dem anderen ain guet verkhauft auf ainen nemblichen tag zu bezallen und
                  vertraut ime solcher bezallung auf denselben [Bl. 151<hi
                    rend="sup">a</hi>] tag und antwort im das
                  guet, aber der [ver]khaufer bezallt in nicht, so mag der verkhaufer dieweil er des
                  khaufers <pb
                    n="342" xml:id="S.342"/> glauben umb das khaufgelt anfänkhlich
                  gevolgt das verkhauft guet nicht wider anfordern noch einziehen, sonder allain umb
                  das khauflon clagen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.8">
              <head>[Buch III Titel 8] Von gweerschaft.</head>
              <div xml:id="NA.3.8.1">
                <head>[Buch III Titel 8 § 1]</head>

                <p>Wann ainer ain guet [v]erkhauft von dem dritten davon angesprochen wierdet, der
                  soll seinem verkhaufer die ansprach mit wissen verkhunden und hilf von ime begeren
                  ine zu vertretten und beizusteen in recht. und solche vertrettung und gewerschaft
                  ist der verkhaufer vor dem gericht da der khaufer beclagt worden, ob der
                  verkhaufer gleich sonst vor demselben richter zu antworten nicht schuldig wäre,
                  phlichtig auf sein cosstung und darlegen zu thuen, und so weit das auch die
                  briester in disem fall der <pb
                    n="343"
                    xml:id="S.343"/> laien gericht nicht
                  waigern mugen, soverr zwischen beden thailen [Bl. 151<hi rend="sup">b</hi>] in dem khauf sonderlich
                  widerwertigs deßhalben nicht uberkhumen ist. dann wo der verkhaufer solchen
                  beistand und vertrettung darüber nicht thät, so ist er dem khaufer phlichtig nicht
                  allein umb die aberkhennten gueter und gwerschaft sonder auch ine umb all erlitten
                  gerichtscosstung benuegig zu machen. wo aber dem verkhaufer die ansprach allin
                  verkhundt und khain beistand noch vertrettung in recht an ine begert und der
                  khaufer verlüstig wierdet, so mag er seinem verkhaufer umb die gweerschaft und
                  abgebrochen gueter allain und nicht umb die gerichtsschäden beclagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.2">
                <head>[Buch III Titel 8 § 2]</head>

                <p>Wann der verkhaufer den khaufer vertretten will im rechten, so hat er das nicht
                  zu thuen als ain gemainer <pb
                    n="344"
                    xml:id="S.344"/> beschirmer ôn verwilligung
                  des clagers, doch vor des khaufers als antworters und nicht seinem des verkhaufers
                  gericht. wo aber derselb verkhaufer solch vertrettung thät nicht als gemainer
                  beschirmer sonder das er die handlung in [Bl. 152<hi rend="sup">a</hi>] sich erneuen und damit den
                  khaufer aus des clagers ansprach ziehen wollt, indem wierdet der verkhaufer ôn des
                  clagers verhellen und willen nicht zuegelassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.3">
                <head>[Buch III Titel 8 § 3]</head>

                <p>Zwen brueder haben ain gesetz under inen, ob si in irrung fielen sollen si zu
                  güetiger handlung auf ir freund khumen. oder ainer verkhauft ain guet, sein[em]
                  brueder[n] will dasselb von dem khaufer haben und beclagt ine darumb rechtlich,
                  der erst verdrit den khaufer und begert laut irer ordnung die sachen fur die
                  freund zu weisen, nichts minder unverhindert <pb
                    n="345" xml:id="S.345"/> irer
                  ordnung mag der ander brueder in recht colfaren, und ist ime die gweerschaft und
                  beschirmung in recht zu thuen schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.4">
                <head>[Buch III Titel 8 § 4]</head>

                <p>Der so ain ansprechig guet an bezallung ainer schulden genumen mag seinem gaber
                  umb gweerschaft zu thuen so wol verkhünden oder furnemen als ob er solch guet
                  khauft het, unverhindert das ime die gweerschaft [Bl. 152<hi rend="sup">b</hi>] nicht verschriben
                  ist, der clager hab sich dann solcher gweerschaft verzigen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.5">
                <head>[Buch III Titel 8 § 5]</head>
                <p>Wer ain guet schenkht der ist nicht schuldig gweerschaft zu thuen, der gaber
                  verphlicht sich dann des oder es werde ain betrug in der handlung gespürt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.6">
                <head>[Buch III Titel 8 § 6]</head>

                <p>Ob ain gelter seinen glaubinger mit ainem guet bezallt das er auch anderen
                  verphendt hat, der ist schuldig <pb
                    n="346" xml:id="S.346"/> gweerschaft zu thuen
                  als ob es ain khauf wäre.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.7">
                <head>[Buch III Titel 8 § 7]</head>
                <p>Ob ainer ain guet verkhauft das er vor anderen verphendt hat, der ist schuldig
                  dem khaufer dasselb guet zu erledigen ee wann das guet ime ubergeantwort und das
                  khaufgelt bezallt ist. ist aber dem khaufer das guet geantwort, so ist ime der
                  verkhaufer des nicht schuldig sonder der khaufer soll der ansprach erwarten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.8">
                <head>[Buch III Titel 8 § 8]</head>

                <p>Der verkhaufer ist schuldig gweerschaft zu thuen und ob das nicht beredt wierdet,
                  die gwerschaft werde im dann williclich nachgelassen. [Bl. 153<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.9">
                <head>[Buch III Titel 8 § 9]</head>

                <p>Wer sicherhait mit pürgen umb gwerschaft thuet und ime wierdet und nicht den
                  purgen die ansprach verkhündt, der hat der burgen halben khain waigerung, sonder
                  ist genueg das ime verkhündt ist.<pb
                    n="347" xml:id="S.347"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.10">
                <head>[Buch III Titel 8 § 10]</head>
                <p>Ob der [ver]khaufer umb das khaufguet angesprochen wierdet und verkhündt dem
                  verkhaufer nicht, oder der khaufer erscheint vor gericht nit und ist ungehorsamb
                  oder der richter fellt ain urtl wider den khaufer ime unverkhündt, in den fällen
                  allen ist der verkhaufer dem khaufer khain gweerschaft schuldig, der khaufer hab
                  dann den gweerer mit der verkhündung nicht betretten mugen. und ob der khaufer
                  spräch, der verkhaufer het die ansprach gewisst darumb sei unnot gewesen ime zu
                  verkhünden, das tregt dem khaufer nicht für, dann er soll dem verkhaufer
                  verkhünden ob er seines schermb oder beistand begere, und solches mit wissen oder
                  schriften des gerichts handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.11">
                <head>[Buch III Titel 8 § 11]</head>
                <p>Wann dem khaufer das khauft guet nicht [Bl. 153<hi rend="sup">b</hi>] anbehabt wierdet <pb n="348" xml:id="S.348"/> in recht, so ist ime der verkhaufer zu thuen nichts schuldig,
                  es sei dann die ansprach vor dem khauf vor augen gewesen und anders davon
                  gehändelt worden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.12">
                <head>[Buch III Titel 8 § 12]</head>
                <p>Wann durch das gericht ain guet verkhauft wierdet zu bezallung der glaubinger,
                  nichts minder ist der schuldner dem die bezallung zu guet khumbt gweerschaft umb
                  solchen khauf schuldig, dann in gerichtlichen sachen wierdet des gerichts handlung
                  der partheien handlung geacht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.13">
                <head>[Buch III Titel 8 § 13]</head>
                <p>Ob ain guet durch den vatter verkhauft wierdet das dem sun zueghört und der sun
                  ist des vattern erb, deshalben er des khaufs gweer und vertretter ist, demnach mag
                  er umb dasselb verkhauft guet nicht clagen sonder wierdet abgetriben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.14">
                <head>[Buch III Titel 8 § 14]</head>
                <p>Wann ain guet dem khaufer so dem <pb n="349"
                    xml:id="S.349"/> gweer verkhindt
                  anbehabt wierdet, soll der richter auf ansuechen des khaufers der frucht acht
                  haben, dardurch ime das so er dasselb [Bl. 154<hi rend="sup">a</hi>] guet besser gemacht durch den
                  so das guet erlangt erstat werde. aber umb das khaufgelt wierdet der verkhaufer
                  beclagt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.15">
                <head>[Buch III Titel 8 § 15]</head>
                <p>Wer seinem verkhaufer ordenlich zu der gwerschaft verkhündt und verleust in recht
                  daz khaufguet mit rechtlicher urtl, dem ist der richter schuldig zu erkhennen das
                  er seines interesse von dem verkhaufer auch schaden und cosstung benuegig
                  werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.16">
                <head>[Buch III Titel 8 § 16]</head>

                <p>Der [ver]khaufer so das khauft guet ordenlich zeit daz ist dreissig jar ruebiger
                  ersessen und sich also verjärt hat, dem ist der verkhaufer khain gweerschaft
                  verrer schuldig. dann wo der khaufer solche verjärung in recht anzaigt und durch
                  den richter nicht <pb
                    n="350" xml:id="S.350"/> angenumen wierdet, derselb richter
                  handlt wider recht. bringt aber der khaufer solch verjärung nicht für, so ist er
                  selbst an seinem nachtl schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.8.17">
                <head>[Buch III Titel 8 § 17]</head>

                <p>Wann nach beschlus aines khaufs und vor bezalung aines khaufgelts ainicherlai der
                  [Bl. 154<hi rend="sup">b</hi>] gwerschaft halben einfellt, dieweil dann ain mitl oder handlung die
                  gwerschaft furkhumbt, so ist der khaufer nicht schuldig zu bezallen, er werde dann
                  der gweerschaft halben gesichert.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.9">
              <head>[Buch III Titel 9] Von gemächt und verschreibung zwischen den chonleuten.</head>
              <div xml:id="NA.3.9.1">
                <head>[Buch III Titel 9 § 1]</head>

                <p>Wann zwai eeleut etwas an ainander verkhaufen und wierdet dem khaufer von dem
                  anderen das khaufgelt oder guet geschenkht, solches ist khain khauf und die
                  handlung soll nicht craft haben. <pb
                    n="351"
                    xml:id="S.351"/> ob auch ain kauf
                  zwischen inen beschicht umb geringer gelt dann der wert des guets ist und wierdet
                  das khaufgelt bezallt, so ist doch der khauf uncrefftig umb sovil als das guet
                  geringer verkhauft oder umb sovil daran geschenkht worden ist. [Bl. 155<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.9.2">
                <head>[Buch III Titel 9 § 2]</head>

                <p>Das weib hat nicht macht zu clagen umb das heiratguet ôn des manns sonder wissen
                  und bevelch, dann der hauswirt des heiratguets rechter herr ist. ob aber der man
                  verderben wollt und sein guet plößlich gebrauchet oder sovil schuldig wäre daz er
                  von der ubermas heiratguet und widerlegung nicht zu bezallen hat, hat das weib wol
                  macht zu handlen und zu clagen, damit ir heiratguet und gemächt unverkhumert
                  beleib gegen dem mann wo er nicht zu bezallen hat. soverr er aber nichts hat,
                  alßdann mag si gegen anderen <pb
                    n="352"
                    xml:id="S.352"/> die sein guet erkhauft
                  oder in ir gwalt bracht nach aufrichtung des gemächts oder gegen des manns
                  schulden clagen, inmassen si darumben zu clagen macht hat, wo der man mit todt
                  vergangen wäre. aber gegen den so vor ir phandschaft auf ausgetrukhten guetern
                  gehabt oder wider die khinder so der man bei ainer anderen frawen gehabt und
                  derselben khinder guet hat si nit zu clagen. si hat auch nicht macht, wo si solch
                  vermacht guet erlangt, dasselbe zu [Bl. 155<hi rend="sup">b</hi>] verkhumern oder zu verkhaufen
                  sonder sich den haußwirt und khind davon zu underhalten. und was von derselben
                  frucht und nutzung uber die notturft ist, davon sollen die glaubinger entricht
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.9.3">
                <head>[Buch III Titel 9 § 3]</head>

                <p>Wann der eeman stirbt oder wissentlich sich zu verderben gibt daz weislich ist,
                    <pb
                    n="353" xml:id="S.353"/> so hat das weib macht wie oben davon gesagt umb
                  heiratguet und widerlegung zu clagen und an einziehung des heiratsguets so dem
                  mann bezallt oder verphendt worden ist mag sich khainerlai verjärung noch
                  ainicherlai ander geltschulden noch phandschaften nicht verhindern, dieselb
                  verjärung werde dann von der zeit des mannß absterben oder seines verderben
                  gerait.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.10">
              <head>[Buch III Titel 10] Von heirat, heiratguetern, widerlegung und morgengab und
                derselben handlungen.</head>
              <div xml:id="NA.3.10.1">
                <head>[Buch III Titel 10 § 1]</head>
                <p>Wann täg zu abred ainer heirat furgenumen, [Bl. 156<hi
                    rend="sup">a</hi>] so wierdet nach
                  erkhundigung aines gueten lobmunds und erber sitten mit namen gehandelt von der
                  praut heiratguet, zu latein dos genant so si dem <pb
                    n="354" xml:id="S.354"/>
                  khunftigen mann zuebringen soll, nachmallen von des manns oder des preutigam
                  widerlegung das genant wierdet ain gab von der conschaft wegen, zu latein donation
                  propter nupcias, nachmalen so die praut ain junkhfraw ist wierdet gemelt die
                  morgengab. dieselb gab ist ain belonung der jungkhfreulichen eeren oder magthumbs,
                  des gleichen, so ain wittib aim jungen gesellen und nicht ainem wittiber vermähelt
                  ist si im die morgengab schuldig, aber so wittiber und wittib zusamen heiraten die
                  geben noch nemen khain morgengab. und im ende redet man von der varenden haab die
                  hernach iren sonderen titl hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.2">
                <head>[Buch III Titel 10 § 2]</head>

                <p>Der gemain landsprauch unsers furstenthumbs Osterreich ist, daz gemainclich der
                  praut heiratguet <pb
                    n="355"
                    xml:id="S.355"/> und des preutigam widerlegung an der
                  suma gleich sein aber [Bl. 156<hi
                    rend="sup">b</hi>] die morgengab, so man auch ain verloren guet
                  nennt, steet im beschlus und abred der heiratleut, doch wierdet gemainclich halb
                  sovil als des heiratsguets allain ist zu morgengab benennt. solch heiratguet
                  wierdet zu zeiten in ainem gelt baar bezallt daentgegen soll man quitung solcher
                  bezallung nemen, zu zeiten auf gueter den man ausgezaigt und verschriben, da
                  entgegen ist der preutigam schuldig heirat- oder vermächtbrief zu fertigen darin
                  solch heiratguet auch sein widerlegung zusambt der morgengab bestimbt und auf sein
                  nemblichen ausgetrukhten guetern wo er die gesondert hat oder auf allem seinem
                  guet der praut verphenden, so es zu fällen khumbt <pb
                    n="356"
                    xml:id="S.356"/>
                  damit si das so ur zuegeburt wiß zu finden. solch vermächtsbrief sollen der praut
                  oder iren eltern dieselben zu verwaren geantwort werden. und wierdet mit dem
                  beruerten heiratguet widerlegung und morgengab gehandelt hernach beruerter weiß:
                  [Bl. 157<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.3">
                <head>[Buch III Titel 10 § 3]</head>

                <p>Alle dieweil die gemelten zwai ee- und chonleut bei und mit ainander leben, soll
                  von solchem zuebringen heiratguet und widerlegung die purden des eelichen stands
                  underhalten werden. wo si dann abgeen und ain khind oder mer hinder inen verlassen
                  das si mit ainander erobert, dieselben khind erben alßdann solch guet, wie alle
                  recht naturlich und geschriben gesetz das vermügen. und wann si khumen zu den
                  fruchtbaren oder vogtberen jaren daz si geschäft thuen mügen, und ir vatter und
                  mueter <pb
                    n="357"
                    xml:id="S.357"/> abgangen sein und nicht erben die von recht zu
                  enterben nit gebürt verlassen, haben si macht an iren lezten zeiten und sonst ir
                  vätterlich und mueterlich erbguet zu irer sel hail oder wie si verlangt zu geben
                  und zu verschaffen als der erberkhait gezimbt nach irem willen, als auch solches
                  in den titlen von geschäft und erbschaft hernach clarlich anzaigt wierdet. und hat
                  alßdann der erblich widerfall so [Bl. 157<hi rend="sup">b</hi>] die eltern nechsten freund noch
                  desselben fruchtbaren oder vogtbern khindern abgang suechen möchten darwider nicht
                  stat, dann das khind die jar seines erbfalls erlebt das er von recht selbst mit
                  seinem guet hat handlen mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.4">
                <head>[Buch III Titel 10 § 4]</head>

                <p>[Wenn (Text unleserlich!)] der man vor der frawen stirbt und lassen nicht khind
                  mit ainander oder das dieselben khind vor <pb
                    n="358" xml:id="S.358"/> iren
                  fruchtbern jaren auch abgeen und vor der mueter, so beleibt die mueter nichts
                  minder bei heiratguet widerlegung und morgengab und behellt die güeter darauf si
                  verschriben sein ir lebenlang. und wann si abstirbt, so geet ir heiratguet den
                  nechten freunden haimb und die widerlegung fellt des vorgestorbnen manns erben
                  wider haimb oder darfür die güeter so darumb verschriben sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.5">
                <head>[!13"10 § 5]</head>

                <p>Dergleichen ists, wann das weib vor dem mann stirbt und das si nicht khinder mit
                  [Bl. 158<hi
                    rend="sup">a</hi>] ainander lassen, oder daz die khind auch vor ine wie vorsteet
                  abgeen, so beleibt des weibs zuebringen bei dem mann sein lebenlang, und wann er
                  abstirbt, so fellt dasselb haim wie obsteet. es haben des abgestorbnen nechsten
                  freund <pb
                    n="359" xml:id="S.359"/> auch wol macht die verphendten gueter umb die
                  suma des heiratsguets und widerlegung oder morgengab welches dann fellig wierdet
                  abzuͦlosen gemainclich zwischen weihennachten und lichtmes, doch das dieselben
                  suma gelts der widerlegung wider angelegt oder vergwist werde, damit die erben
                  desselben ersten abgestorbnen nach abgang des anderen, so si khain khind
                  obberuerter massen verlassen, wissen zu finden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.6">
                <head>[Buch III Titel 10 § 6]</head>

                <p>Aber mit der morgengab hat das weib albeg, si sterb vor oder nach, si hab khind
                  oder nicht, zu handlen zu thuen zu lassen zu vermachen und zu verschaffen wem si
                  verlusst. wo si aber deshalben nichts [Bl. 158<hi
                    rend="sup">b</hi>] ordent und stirb vor ôn khind
                  die er bei ir hat, so gewinnen die ir nechst freund zusambt dem widerfall ires
                  heiratguets nach irem todt. <pb
                    n="360" xml:id="S.360"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.7">
                <head>[Buch III Titel 10 § 7]</head>
                <p>Wo das weib den man uberlebt und er ir khind so er bei ir hat verlässt, soll si
                  sich mit aufrichtung aines erfinder oder inventari auch gerhabschaft und der
                  anderen heirat halten wie in den hernach geschribnen articlen und titln angezeigt
                  wierdet, wil si straf schaden und schand emphliehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.8">
                <head>[Buch III Titel 10 § 8]</head>
                <p>Wo umb heiratguet und widerlegung vor der heirat nicht gehandelt werden mag
                  solches dem landsprauch gemäß nach der vermählung und beiliegen beschehen und
                  beschlossen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.9">
                <head>[Buch III Titel 10 § 9]</head>

                <p>Wiewol ain gemain sprichwort ist, mit lügen und mit lissten soll man heirat [Bl.
                  159<hi
                    rend="sup">a</hi>] stiften, wöllen wir doch was von heiratguet und widerlegung in den
                  heiraten zuegesagt und weislich wierdet durch brief oder personen, das solches vor
                  allen anderen <pb
                    n="361" xml:id="S.361"/> geschäften und schulden unausgetrukhten
                  elteren phandschaften, sonderlich denen phandschaften die auch benennt doch nach
                  der heirat beschehen sein, dem lebendigen thail entricht werde. dann pillich ist,
                  was man zu aufrichtung underhaltung und becrefftigung der löblichen chonschaft
                  zuegesagt, das solches volzogen werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.10">
                <head>[Buch III Titel 10 § 10]</head>

                <p>Ob ainer ain heiratbrief verfertigt und bekhennt darinnen er hab zu heiratguet
                  sovil emphangen, demnach hab er sovil widerlegt, und hat doch das heiratguet nicht
                  eingenumen, so ist die verschreibung nichts, dann die widerlegung wuerde mer
                  schankh oder gab gemäß die zwischen chonleuten verpotten ist. aber das wir ain
                  [Bl. 159<hi
                    rend="sup">b</hi>] widerlegung nennen, wierdet verstanden das etwas da entgegen vor
                  gegeben oder zuegesagt sei, <pb
                    n="362" xml:id="S.362"/> die ist erlaubt, und daz
                  ist zu versteen zwischen chonleuten die aines stands und wesens sein. ob aber ain
                  gemeiner man so reich ist ain frawen aines namhaften adls die armb ist nimbt, der
                  mag ir etwas vermachen, das wierdet verstanden als beschehe es zu ergezlichait
                  ires stands und adls.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.11">
                <head>[Buch III Titel 10 § 11]</head>

                <p>Wann ainer schuldbrief umb das heiratguet seiner tochter oder der so er verheirat
                  gibt, und ain zeit benennt oder sonst zuesagt ain zeit darinnen er dasselb
                  heiratguet bezallen wölle und verzeucht uber solch zeit, bezallt nicht, so ist er
                  alsdann das interesse und schäden so dem man aus dem verzug ersteet schuldig zu
                  bezallen nach erkhantnus des gerichts. wierdet khain zeit benennt so hat er zu dem
                  verzug ain jar und nicht lenger, darinn soll das heiratguet [Bl. 160<hi
                    rend="sup">a</hi>] <pb n="363" xml:id="S.363"/> bezallt oder hinnach mit sambt den erlittnen schäden
                  erstat werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.12">
                <head>[Buch III Titel 10 § 12]</head>
                <p>Wann ligende gueter umb heiratguet oder widerlegung verphendt oder verschriben,
                  so soll ain iedes guet in seinem wert nach erberem zimblichem landleufigen
                  anschlag geschäzt und khain thail darinnen beschwert, damit so es zu fällen khumbt
                  und die armen der losung nach dem landßprauch nicht vermögen wider landleufigen
                  erberen gebrauch nicht betrogen werden. und die gemächt so anderst gefertigt
                  sollen in dem jar darin si wider disen articl ausgericht sein khain craft haben
                  sonder durch die oberigkhait versehen werden. damit heiratguet und widerlegung
                  gleichmässig und in der zal und phandung der güeter khainem thail ubersezt
                  sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.13">
                <head>[Buch III Titel 10 § 13]</head>
                <p>Es begibt sich zu zeiten, das die herren so <pb n="364"
                    xml:id="S.364"/> [Bl.
                  160<hi rend="sup">b</hi>] ire dienst-junkhfrawen steuren und denselben heiratgüeter geben. so dann
                  dieselben ausgesteurten ôn khind abgeen und solch heiratguet ledig wierdet, so
                  gebürt der widerfall nicht dem herren noch seinen erben sonder der ausgesteurten
                  junkhfrawen nechsten erben, wo si solch heiratguet unverschafft hinder ir
                  verlässt. dann so der herr das heiratguet bezallt so wierdet verstanden er hab
                  solches seiner dienerin geschenkht oder ir dienst damit belont. wo si aber gar
                  khainen erben verlies und widerfall dem herren in abred der heirat zuegesagt oder
                  verschriben worden, des doch khain herr begeren soll, so volgt derselb dem
                  herren.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.14">
                <head>[Buch III Titel 10 § 14]</head>

                <p>Ob die hausfrawen ausserhalb des heiratguets ander aigen gueter haben, derselben
                  soll sich der hauswirt ôn des weibs sonder wissen und willen zu handlen in khainen
                  weg understeen noch <pb
                    n="365"
                    xml:id="S.365"/> einmüschen. was er aber also
                  handeln wuerde hat khain craft. [Bl. 161<hi rend="sup">a</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.15">
                <head>[Buch III Titel 10 § 15]</head>
                <p>Ob man vil heiratguets zuegesagt und nicht gar bezallt, so soll die widerlegung
                  demselben gemäs und nicht mer daentgegen entricht werden, obgleich vil mer und dem
                  zuesagen gemäs zu widerlegung verschriben oder verphendt worden wär.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.16">
                <head>[Buch III Titel 10 § 16]</head>

                <p>In dem guet so das weib ausserhalb oder uber das heiratguet hat mag der mann mit
                  wissen und willen des weibs handlen clagen und antworten, und was er mit solchem
                  guet gewint soll er zu underhaltung irer wiertschaft geprauchen, aber das
                  haubtguet soll er zu des weibs notturften nach irem willen austailen. und wo der
                  man dem weib solches guets halben sicherhait in dem heiratbrief oder sonst gethon,
                  mag sich sich solcher <pb
                    n="366"
                    xml:id="S.366"/> sicherhait oder phandschaft
                  betragen. wo nicht, sobald er dann daselb guet zu handlen angenumen und gelt oder
                  ainicherlai davon emphangen, so ist all des manns [Bl. 161<hi rend="sup">b</hi>] guet schweigent
                  dem weib darumb verphendt aus freiung des rechtens.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.17">
                <head>[Buch III Titel 10 § 17]</head>

                <p>Ob ain wittib khind hat von dem ersten mann und nimbt ain anderen, so mag dem
                  anderen mann nit mer zu heiratguet verschreiben noch vermachen, dann sovil damit
                  den khindern ir mueterlicher gebürender rechtmässiger erbthail unverrukht beleibe.
                  wo si aber abgieng und hat dem anderen man mer und anders dann ietz vermellt ist
                  vermacht oder geschäft weis zuegestellt, das ime beleiben und nach irem und seinem
                  abgang nicht wider auf die ersten khinder fallen sollt, desselben <pb
                    n="367"
                    xml:id="S.367"/> gemächts mag er nicht mer geniessen dann sovil als der khind
                  ainem aus unverschaftem müeterlichem guet geburt, sovil und nicht mer soll ime
                  auch zuesteen. verlasst si aber auch khind bei dem anderen mann, die thailen mit
                  den ersten khinden das mueterlich erb gleich, und gewint der man auch nicht. daz
                  wierdet auch also gehalten mit dem wittiber so er wider heirat. [Bl. 162<hi rend="sup">a</hi>]
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.18">
                <head>[Buch III Titel 10 § 18]</head>
                <p>Ob aber solches varent guet ist, soll die varent haab geschäzt werden durch die
                  so bede thail darzue geben, und die mueter oder vatter sicherhait thuen dieselb
                  varent haab treulichen zu gebrauchen, und wann si abgeet, das dieselb oder der
                  geschäzt wert darfür den khinden des ersten manns ôn minderung zuegestellt
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.19">
                <head>[Buch III Titel 10 § 19]</head>
                <p>Wann hierinnen von khinden <pb n="368" xml:id="S.368"/> meldung beschicht, dabei
                  werden auch verstanden enikhl urenikhl und ander gerad absteigent erben. und so
                  von der anderen heirat meldung beschicht, wierdet auch begriffen die drit viert
                  oder funft heirat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.10.20">
                <head>[Buch III Titel 10 § 20]</head>
                <p>Ob ain man sein weib als ain erben in seinem geschäft einsezt und verlässt,
                  dieselb fraw hat wol macht ir heiratguet zum ersten von des mannß gueter wie ander
                  geltschuld abzuziehen und das ander erbschaft weis anzunemen.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.11">
              <head>[Buch III Titel 11] Von geschäften und lezten willen.</head>
              <div xml:id="NA.3.11.1">
                <head>[Buch III Titel 11 § 1]</head>

                <p>Das geschäft oder lezter will, zu latein testament, wierdet genant ain zeugnus
                  oder khundschaft des gemüets und willen des menschen. und haist <pb
                    n="369" xml:id="S.369"/> darumb der lezt will, dann solch ordnung gemainclich zu lezter
                  weil des menschen, so er verrer nicht leben mag noch ainicherlai freien willen mer
                  hat, beschehen. darumben sollen solch lezt ordnungen und geschäft mit allem vleiß
                  gehalten und mit mas wie hernach volgt aufgericht und volzogen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.2">
                <head>[Buch III Titel 11 § 2]</head>
                <p>Die geschäft, so sein schriftlich oder mündlich, sollen wolbedächtlich und nicht
                  in beiwesen vergebner personen sonder i n gegenwurtigkhait der zeugen in
                  sonderhait darzue erbetten aufgericht werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.3">
                <head>[Buch III Titel 11 § 3]</head>
                <p>Die waisen so zu iren fruchtberen jaren, das soll [Bl. 163<hi
                    rend="sup">a</hi>] sein ain khnab
                  zu achtzehen jaren und ain mäidlein zu vierzehen jaren khumen sein, die mügen
                  ordenlich und rechtmässig wol schaffen und iren <pb
                    n="370" xml:id="S.370"/>
                  lezten willen aufrichten, aber die darunder sein haben nicht macht geschäft zu
                  thuen. es ist auch zu solchem geschäft der gerhaben und sorger ôn not, dann si
                  werden den waisen gegeben inen in dem leben zu rathen und zu helfen, und der will
                  des geschäfts soll von dem geschäftherren und nicht von anderen ausgeen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.4">
                <head>[Buch III Titel 11 § 4]</head>

                <p>Es ist nicht unzimblich, ob nit alzeit ain ieder geschäftherr gern wissen lässt
                  was er in seinem geschäft verlässt und ordent oder was sein lezter will sei, dann
                  aus vil ursachen solches in gehaimb zu halten bis nach seinem abgang nit allein
                  nuzlich sonder auch notturftig ist. demnach mag ain ieder ain geschäft allain mit
                  seiner selbst hand oder aines anderen in gehaimb aufrichten und aufschreiben,
                  dieselb schrift mit seinem sigil <pb
                    n="371"
                    xml:id="S.371"/> oder in ander weeg
                  verschliessen und vermachen und alßdann leut und zeugen [Bl. 163<hi
                    rend="sup">b</hi>] darzue
                  ervordern, in derselben gegenwurtigkhait aussen auf solch geschäft schreiben oder
                  ain anderen ausserhalb der ervorderten zeugen an seiner stat schreiben lassen, so
                  er selbst nit schreiben khan oder mag, das solches sein geschäft und lezter will
                  sei, und die zeugen das zu gedenkhen erbitten, und zu urkhund daz sich ieder mit
                  seiner hand auch auf daz geschäft schreibe oder schreiben lasse oder mit iren
                  sigiln verfertigen. solch geschäft hat nicht minder craft als wann der
                  geschäftherr die die articl seiner ordnung all mit der zeugen wissen gemacht het,
                  dann die ordnung zu thuen steet in des geschäftherren willen und nicht in der
                  zeugen, und ist der zeugen anderst nit <pb
                    n="372" xml:id="S.372"/> not dann daz
                  man waiß daz solch geschäft entlich des geschäftsherrn mainung geschäft und lezter
                  willen sei. anderst ists, wo ainer sein geschäft mündlich thuet und zeugen darzue
                  ervordert, die sollen nicht allain von seinem geschäft sonder auch die articl
                  seiner ordnung und willen wissen und bekhennen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.5">
                <head>[Buch III Titel 11"5]</head>
                <p>Item, so iemant sein geschäft oder lezten [Bl. 164<hi rend="sup">a</hi>] willen bei gesundhait
                  und guetem vermugen offenbar in brieflich urkhund begreift, dasselb sigilt und
                  durch gebetzetlen zwen oder drei glaubwirdigen man neben ime zu sigiln erbit.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.6">
                <head>[Buch III Titel 11 § 6]</head>

                <p>Item, desgleichen so er in seiner krankhait und not drei oder vier sigilmässig
                  verstendig redlich personen zu zeugen und besiglung <pb
                    n="373" xml:id="S.373"/>
                  und underschreibung seines lezten willen erbit.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.7">
                <head>[Buch III Titel 11 § 7]</head>
                <p>Item, oder das geschäft allain selbst besigilt und mit aigner hand underschriben
                  hat, solche geschäft und lezte willen, wo si dann von dem geschäftherren
                  rechtmässig und ordenlich gemacht sein und ander gestalt nicht, sollen glauben und
                  craft haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.8">
                <head>[Buch III Titel 11 § 8]</head>
                <p>Desgleichen, wo ainer ain geschäft vor seiner oberigkhait thuet, mit zwaien
                  zeugen bewisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.9">
                <head>[Buch III Titel 11 § 9]</head>

                <p>Item, in gemainer pawersleuten lezten willen und geschäft mügen ain priester und
                  zwen oder drei zeugen so geschworen umb die [Bl. 164<hi
                    rend="sup">b</hi>] articl des geschäfts
                  sagen, das geschäft oder lezten willen becreftigen. aber den petschaden, so ie zu
                  zeiten durch drei oder vier pawersman, si sein richter <pb
                    n="374" xml:id="S.374"/> vierer oder ander pawern, auf ain geschäft getrukht ôn teuglich zeugen durch
                  ungeschworen schreiber geschriben, und wo si nachmallen wie zu recht genueg ist
                  darumb nicht bekhennen, denselben geschäften soll khain glauben gegeben
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.10">
                <head>[Buch III Titel 11 § 10]</head>

                <p>Die khind so in irer vätter gwalt und zu iren fruchtbern jaren khumen und gueter
                  haben die inen nicht von dem vatter oder seinem guet ausgestanden sonder
                  ausserhalb, es sei von mueterlichem oder anderen erbschaften angefallen, oder mit
                  iren diensten auswendig an si khumen sein, mugen dieselben wol verschaffen und
                  geschäft darüber aufrichten nach rechtlicher ordnung, des vatters halben
                  unverhindert. ob auch der vatter dem suͦn seines embsigen vleiß und dienst <pb
                    n="375" xml:id="S.375"/> wegen ime bewisen ainicherlai geschenkht het, daz mag
                  er verschaffen doch nach ordnung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.11">
                <head>[Buch III Titel 11 § 11]</head>
                <p>Dieweil die rittersman und dienstleut so [Bl. 165<hi
                    rend="sup">a</hi>] im veld dienen von
                  khaiserlichen rechten vil freihait haben, wo dann ain rittersman dienstman bei uns
                  als seinem landsfursten von unser und gemainer vatterlands behaltung wegen im veld
                  ligt und daselbst an schlachten sturmen scharmützen oder anderen erlichen thaten
                  schadhaft wierdet, deßhalben er ain eilent geschäft oder ain halbs zu thuen
                  getrungen wierdt, dasselb geschäft und ob das die zierlichait so ain volkhumen
                  geschäft ervordert nicht hat, nichts minder soll das nach seiner inhalt sovil der
                  erberkhait und gemainem rechten gemäs ist volzogen werden. wo aber ainicherlai in
                  solchem <pb
                    n="376" xml:id="S.376"/> geschäft begriffen das dem rechten entgegen
                  wäre und doch mit zwaien zeugen gewisen wierdet, daz solches des sterbenden
                  entlicher willen gewesen, so soll von freihait wegen so die gemelten ritters- und
                  dienstleut pillichen haben aller vleis furkheert und mitl gesuecht werden sovil
                  müglich ist, vervolgt und benuegen beschehe.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.12">
                <head>[Buch III Titel 11 § 12]</head>
                <p>Der so ain gemain oder ungethailt guet hat [Bl. 165<hi
                    rend="sup">b</hi>] mit ainem anderen der
                  mag unverhindert seines gemainer umb sein thail so er an demselben guet hat, wo im
                  sein thail gleich nicht auszaigt ist, geschäft machen, erben einsetzen und
                  geschäft weis handlen wie sich gebürt. doch so es zwischen brüedern und
                  pluetsfreund wär, soverr dann dieselben durch unfreundschaft und böß sitten nicht
                  verwurkht, soll inen ain dritter thail vorbehalten <pb
                    n="377" xml:id="S.377"/>
                  sein und durch iren brueder oder freund nicht verschafft werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.13">
                <head>[Buch III Titel 11 § 13]</head>
                <p>Wiewol geschäft zu thuen ain freie handlung ist und ain ieder von tods wegen sein
                  guet ordnen mag, so soll doch darin die mas und ordnung der rechten gehalten
                  werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.14">
                <head>[Buch III Titel 11 § 14]</head>

                <p>Ob ain vatter ain aufschreiben mit seiner selbst hand thuet zwischen seinen
                  khindern wie es nach seinem abgang mit der erbschaft halten sollen, oder ainen
                  anderen aufschreiben lassen in gegenwertigkhait zwaier zeugen, oder solch sein
                  ordnung [Bl. 166<hi
                    rend="sup">a</hi>] und mainung in der zeugen beiwesen mundlich verlässt, solch
                  ordnung zwischen den khindern wierdet als ain creftig geschaft gehalten und soll
                  durch die khind volzogen werden, nicht allein des erbguets sonder auch deshalben
                  so anderen darin geschafft <pb
                    n="378" xml:id="S.378"/> oder zu götlichen sachen
                  geordent ist. wo aber in der beruerten schrift oder mündlichem verlassen ain
                  frembder zu erben eingesezt wäre, het dasselb berüerter mas ôn zierlich
                  aufrichtung aines geschäfts nicht stat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.15">
                <head>[Buch III Titel 11 § 15]</head>

                <p>Ob der geschäftherr nach dem als er sein geschäft gemacht zehen oder vil mer jar
                  lebet und andert dasselb geschäft nicht noch widerrueft es, so beleibt dasselb
                  beständig und wierdet nicht vermuet, das er desselben vergessen und wo er das
                  gedächtig gewesen het er dasselb geändert. und ob man gleichh sagen wollt der
                  geschäftherr wäre seitheer er daz geschäft gethon merkhlich reicher worden und
                  veindschaft zwischen sein und des [Bl. 166<hi
                    rend="sup">b</hi>] benennten erben eingefallen oder
                  dergleichen anzaigen, es werde das wissentlich enderung seines willen oder
                  widerruefung solchs <pb
                    n="379" xml:id="S.379"/> geschäfts lauter gewisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.11.16">
                <head>[Buch III Titel 11 § 16]</head>
                <p>Wo auch ain geschäftherr ain volkhumen geschäft thuet und macht nachmallen ain
                  anders mit geburlicher rechtmässiger zierlichait, so ist das erst zu stund
                  widerrueft und craftloß.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.12">
              <head>[Buch III Titel 12] Von geschäften so wider die natürlichen güetigkhait
                beschehen.</head>
              <div xml:id="NA.3.12.1">
                <head>[Buch III Titel 12 § 1]</head>

                <p>Wann vatter oder mueter ain geschäft thuet und die khind ains oder mer enterben,
                  also das si die nicht als erben in solchem irem lezten willen oder geschäft nennen
                  und setzen und mit namen nicht anzaigen ursach [Bl. 167<hi rend="sup">b</hi>] der entwerung und was
                  gstalt die khind solchen unwillen verschuldt haben, dasselb geschäft ist
                  uncreftig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.2">
                <head>[Buch III Titel 12 § 2]</head>
                <p>Ob vatter oder mueter irem khind <pb n="380" xml:id="S.380"/> schaffet mer dann
                  den gebürenden thail und nennen noch setzen dasselb khind im irem geschäft nicht
                  als ain erben, dasselb geschäft ist auch von recht uncreftig, dann es ist nicht
                  genueg daz si dem khinden den rechtmessigen thail ires guets schaffen, sonder si
                  sollen si auch als ir erben in dem geschäft nennen und erkhennen oder si mit
                  ursach enterben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.3">
                <head>[Buch III Titel 12 § 3]</head>

                <p>Ob die eltern irem erben den rechtmässigen gebürdenden thail ires guets nicht
                  schaffen sonder gar ain wenig khlainschätzig güetl, und erkhennen in doch im
                  geschäft fur ain erben, setzen in auch dermassen ain, so beleibt daz geschäft
                  dennocht creftig und hat der erb nicht macht daz geschäft als unwert zu beclagen,
                  aber wol fueg umb erstattung seines rechtmässigen gebürenden thails zu sprechen,
                  der ime <pb
                    n="381" xml:id="S.381"/> vervolgen [Bl. 167<hi rend="sup">b</hi>] soll und von dem
                  anderen ausgeschaffen guet sovil nach gelegenhait aines ieden zuegestellten thail
                  gebürt abgezogen werden, dardurch dem erben sein rechtmessiger gebürender erbthail
                  erstat werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.4">
                <head>[Buch III Titel 12 § 4]</head>
                <p>Item, wann die eltern die khind enterben mit angezaigter ursach in iren
                  geschäften, dieselben geschäft sein von recht creftig, aber den enterbten khindern
                  mag nicht geholfen werden, daz si macht haben wider solch geschäft zu clagen zu
                  erlernen und mit recht zu entschaiden ob die ursach der enterbung so genuegsam
                  sei, daz die eltern das naturlich gesezt und die vätterlich und mueterlich
                  guetigkhait ubertretten haben mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.5">
                <head>[Buch III Titel 12 § 5]</head>

                <p>Item, wider das geschäft so von recht unwierdig und uncrefftig ist darwider ist
                  ôn not zu clagen, dann wie das <pb
                    n="382"
                    xml:id="S.382"/> beclagt werdt das
                  nichts ist, und werden des geschaften nechts nechst gesipten pluetserben zu dem
                  verlassnen guet des der solch nichtig geschäft [Bl. 168<hi rend="sup">a</hi>] gethon zuegelassen
                  als ob derselb ôn geschäft abgangen wäre.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.6">
                <head>[Buch III Titel 12 § 6]</head>

                <p>Wann ain geschäft unwert ist oder vernichtig wierdet aus ursach der enterbung
                  oder furgang ainer eelichen person so von recht nit enterbt oder furgangen werden
                  sollen hat, nichts minder beleibt dasselb geschäft in anderen articlen und darin
                  anderen personen ausserhalb der enterbten oder furgangen personen geschafft ist,
                  demnach creftig, doch mit abzug dardurch der obernennten person ir gebürender
                  thail verfolg, so verr sonst sovil in der erbschaft nicht wäre. anders ists, wo
                  das geschäft als valsch oder unwirdig oder nicht förmblich und ordenlich <pb
                    n="383"
                    xml:id="S.383"/> aufgericht, vernicht werde, so fellt es gar. oder so
                  der geschäftherr ain schwangere hausfrawen verlässt unwissent und dieselb gebirt
                  nach seinem abgang dieweil dann derselb nach todt geborn erb unwissent und
                  furgangen, ist das geschäft nichts und fallen auch die articl darin er anderen
                  personen ainicherlai geordent hat. was er aber zu hail [Bl. 168<hi rend="sup">b</hi>] seiner seel
                  zimblich geschafft, das soll volzigen werden. dann khain zweifl ist, wo der
                  geschäftherr gewisst het daz ime mer khind geboren werden sollten, er het sein
                  guet mit außwendigem geschäft nicht beschwert.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.7">
                <head>[Buch III Titel 12 § 7]</head>

                <p>Das khind nach todt geborn so in seines vattern geschäft furgangen ist, so es
                  lebendig geborn wierdet und ob es gleich khain stimb nicht lässt und zu stund so
                  es das erdrich berüert oder <pb
                    n="384" xml:id="S.384"/> in der hebamen henden
                  stirbt, nichts minder wierdet das geschäft durch sein geburt vernicht, es wär dann
                  dieselb geburt ain wunder wider die natur und het nicht menschen bild.in das khind
                  so nach des geschäftherrn todt geboren wierdet fellt khain ursach der
                  enterbung.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.8">
                <head>[Buch III Titel 12 § 8]</head>

                <p>Item, ob ain khind seiner eltern lezten willen oder geschäft beclagt als wider
                  die naturlichen gesezt und guetigkhait beschehen, und in seiner clag und
                  rechtfertigung bis zu entlicher urtl und harret, also daz zeugen und khundschaft
                  verhört und geöfent, daraus erkhent [Bl. 169<hi
                    rend="sup">a</hi>] werden mag wer in recht
                  verlusstig und der antworter wierdet mit urtl müssig von der clag wider das
                  geschäft und des abgestorbnen lezten willen gefüert nicht allein die
                  gerichtscosstung <pb
                    n="385" xml:id="S.385"/> sonder auch ain dritten thail des so
                  ime in solchem beclagten geschäft zu nutz zuegeordent ist, und derselb dritthail
                  fellt denen zue so erben in dem geschäft benennt sein, ausgenumen, das beruert
                  khind oder clager stee von solcher clag vor eröffnung der zeugen, dieweil die
                  sachen noch im zweifl hangt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.9">
                <head>[Buch III Titel 12 § 9]</head>
                <p>Welcher umb erstattung seines gebürenden thails clagt, der mag nicht bezigen
                  werden, das er dasselb geschaft darinen ime minder geordent ist krieg oder
                  anfecht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.10">
                <head>[Buch III Titel 12 § 10]</head>

                <p>Wiewol bißher der gebrauch ditz erzherzogthumbs Osterreich gewest und heerkhumen
                  ist daz khain erbschaft hinder sich fallen solle, so ist doch bedacht, wo ain
                  erbguet von den eltern herkhumbt und naturlich erben absteigender [Bl. 169<hi
                    rend="sup">b</hi>]
                  lini nicht vorhanden ungefärlich sein, daz solch erbguet gar auf die <pb
                    n="386" xml:id="S.386"/> seitenfreund als brüeder und derselben lini fallen und die
                  eltern von dannen solch guet heerfleust des beraubt werden sollen. darumb ist
                  hierinnen solcher gebrauch gemässigt und gemiltert also: wo ain vatter seine
                  khinder ausstewert und mit iren legitima oder benanntem ausgezaigten guet
                  versicht, so dieselben khinder ôn eelich naturlich erben absteigender lini abgeen,
                  das dann alles vätterlich guet halb auf die seitenerben und derselben lini und der
                  ander halb thail hinder sich auf den vatter, oder wo der vatter abgangen wär, auch
                  auf den an soverr das guet von im heerkhumb und desselben nechst pluetsfreund
                  fallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.11">
                <head>[Buch III Titel 12 § 11]</head>

                <p>Wo aber die khinder ausserhalb solches vätterlichen guets von iren diensten gaben
                  anderen erbschaften oder geschäften ichtes erlangten oder anfiel, <pb
                    n="387"
                    xml:id="S.387"/> dasselb, so si nicht naturlich erben absteigender lini
                  verlassen, soll nach dem bisher gehaltnen gebrauch auf die seiten als brüeder oder
                  derselben naturlichen erben [Bl. 170<hi rend="sup">a</hi>] absteigender lini erben und fallen.
                  doch solcher geprauch und gesazt mag underprochen werden durch abred der heirat
                  darinnen gemeinclich durch di eltern beschlossen wierdet, so es zu fällen khumbt,
                  wohin das erb fallen soll.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.12">
                <head>[Buch III Titel 12 § 12]</head>

                <p>Ob ainer zween sün verlässt oder mer und iedem sein gebürenden thail als erben,
                  und ainem [ieden] aus inen schafft er zu disem seinem eelichen gebürenden thail
                  all ander sein guet dardurch er sich der ganzen erbschaft underwindet, wo er dann
                  den anderen seinen miterben iren eelichen gebürenden thail vorhellt und nicht
                  bezallt und lässt sich darumb berechten biß <pb
                    n="388" xml:id="S.388"/> zu
                  entlicher urtl, der soll demselben miterben solchen gebürenden thail mit zwifacher
                  zallung zu peen raichen und den verzug damit erstatten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.13">
                <head>[Buch III Titel 12 § 13]</head>

                <p>Es begibt sich daz zu zeiten vatter oder mueter bei irem leben ir ainem khind fur
                  die anderen oder frembden personen oder zu zeiten zu kirchen und göttlichen sachen
                  sovil [Bl. 170<hi rend="sup">b</hi>] umbsonst geben und schenkhen, daz si nachmalen in iren
                  geschäften den anderen iren khinden den eelichen thail nicht verlassen noch
                  schaffen mügen. so daz beschicht, haben dieselben khind solch schankhung zu
                  widerruefen und umb erstattung ires eelichen thails zu clagen von demselben
                  geschenkhten guet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.14">
                <head>[Buch III Titel 12 § 14]</head>

                <p>Dergleichen haben die khind dise clag zu thuen, wann ir mueter dem vatter oder
                  dem anderen mann all <pb
                    n="389" xml:id="S.389"/> ir guet verheirat dardurch die
                  khind ires müeterlichen gebürenden erbthails beraubt werden, ausgenumen dasselb
                  heiratguet gee den khinden nach abgang des vattern oder stiefvattern wider haimb,
                  so hat die clag nicht stat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.15">
                <head>[Buch III Titel 12 § 15]</head>

                <p>Wann vatter oder mueter ires suns guet verkhaufen und der sun erbt derselben
                  seiner eltern guet nicht, so mag er den khaufer umb solch guet beclagen und
                  dasselb wider erlangen, ist er aber seines vattern oder mueter er allain so ist er
                  gweer und schermb, hat [Bl. 171<hi rend="sup">a</hi>] er miterben so mag er von denselben gleichen
                  thail des werts bekhumen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.16">
                <head>[Buch III Titel 12 § 16]</head>

                <p>Wann ain vatter seinen khindern in ainem redlichen geschäft sein guet thailt und
                  ainem ieden zueordent nach seinem guetbedunkhen, und will daz sich die khind
                  solcher thailung <pb
                    n="390" xml:id="S.390"/> benuegen lassen, und ob er sie mit
                  namen nicht als erben einsezt oder benennt, nichts minder beleibt das geschäft
                  creftig. wo aber den khinden ir eelicher thail in solchem geschäft und thailung
                  nicht verlassen wäre, mugen si umb erstattung clagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.17">
                <head>[Buch III Titel 12 § 17]</head>

                <p>Wiewol die geschribnen khaiserlichen recht ain maß geben was die eltern iren
                  erben in den geschäften ires guets zuezustellen schuldig sein, so haben wir doch
                  erwegen daz di eltern umb nichte mer sorg arbait und müe haben dann daz si ire
                  eeleiblich nachkhumen in eer wierd und aufnemen setzen. deßhalben ordnen wier, das
                  [Bl. 171<hi
                    rend="sup">b</hi>] ain ieder vatter oder mueter iren erben oder khinden, wo es der
                  viere oder weniger verlässt halben thail alles seines guets, wo ir aber mer wären
                  die drei thail desselben seines <pb
                    n="391" xml:id="S.391"/> guets, so ime uber
                  schuld und das ausserhalb des geschäfts verphendt ist bevorsteet, als erben frei
                  verlassen und si damit als erben einsetzen sollen. mit der ubermas, den halben
                  oder vierten thail ires guets, haben si macht zu hail irer seel iren anderen
                  freunden oder ainem khind fur das ander vorthail zu thuen oder sonst zu
                  verschaffen wie si verlangt nach irem willen. aber in den anderen die nicht
                  absteigent erben sein lassen wier es bei dem dritten thail nach ordnung der
                  beschribnen recht besteen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.18">
                <head>[Buch III Titel 12 § 18]</head>

                <p>Dann der töchter halben, wo vatter und mueter sün neben inen verlassen, sollen
                  denselben töchtern durch die eltern ir heiratguet auf verzicht khunftiger
                  erbschaft gegeben werden aber nicht weiter dann biß zu derselben ires vattern
                  manns namen [Bl. 172<hi
                    rend="sup">a</hi>] <pb n="392" xml:id="S.392"/> und stamen von seinem leib
                  herkhument vorgeet. deßhalben soll auch khainer desselben mans stamen in geschäft
                  gabweis noch ander weeg nicht mer verwenden dann das nach abgang des leiblichen
                  mansstamen den töchtern oder iren leiblichen erben ir legitima und eelicher thail,
                  doch auf ir heiratguet so si emphangen haben zu raiten, volgen muge.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.19">
                <head>[Buch III Titel 12 § 19]</head>

                <p>Wann der lezt mansstamen darauf sich töchtern verzigen haben ain geschäft thuet,
                  und verschafft all sein guet anderen leuten oder zu göttlichen sachen, thuet
                  derselben verzignen töchter oder irer erben khain meldung in dem geschäft, so ist
                  es uncreftig. dann dieweil der mansstam in der verzicht den articl annimbt. der
                  laut: wo dermassen von iren voreltern herfliessent abgieng und nimer wäre, so
                  sollen dieselben <pb
                    n="393"
                    xml:id="S.393"/> verzigen töchter oder ir erben neben
                  des lezten mansstamen töchtern, wo er die verlässt, zu seinem verlassen guet erben
                  [Bl. 172<hi rend="sup">b</hi>] als ain andere erbtochter, in craft dits articls ist derselb lezt
                  mansstamen schuldig die verzigen erbtöchter oder ir erben fur ain haubt neben
                  seinen töchtern, ob er die hat, als ain erbtochter in gebürenden thail
                  zuezulassen, ob er die gleich neben seinen töchtern als erben nicht einsezt. dann
                  sonst wuerde umb freundschaft und trew so die verzigen töchtern und ir erben ires
                  vätterlichen und müeterlichen erbguets iren voreltern zu eeren so lang geratten
                  und gemanglt hetten untrew und poshait gegeben, so si des zum lezten wider der
                  verzicht vermügen durch daz geschäft beraubt und in ander hend gestellt
                  wuerde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.20">
                <head>[Buch III Titel 12 § 20]</head>
                <p>Ain mueter so ain oder zwen sün als <pb n="394"
                    xml:id="S.394"/> erben in irem
                  geschäft ordent und wierdet des dritten schwanger, si andert aus hinlässigkhait
                  daz geschäft nicht dieweil si schwanger ist, gebirt denselben dritten sun, und si
                  stirbt alßdann in der geburt dardurch der drit sun in dem geschäft [Bl. 173<hi rend="sup">a</hi>]
                  furgangen ist, dem soll aus craft des gesetz sein volkhumener thail aus derselben
                  erbschaft geantwort und geraicht werden. und ob daz nicht beschehe, so hat er
                  macht aus craft dits gesezt umb solchen seinen thail gegen den eingesezten erben
                  zu clagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.21">
                <head>[Buch III Titel 12 § 21]</head>

                <p>Welcher geschäft oder ordnung seines guets macht und frembd personen darin sezt
                  und sich nachmallen in ainen orden wie derselb ist ergibt, das geschäft wierdet
                  creftig, so er glübd und profession in dem orden thuet. oder vor solchem glübd und
                  profession hat er wol macht daz geschäft zu ändern und ain thail dem <pb
                    n="395" xml:id="S.395"/> closter darein er sich gibt zuezustellen, oder gar, so verr
                  nicht erben sein die er zu enterben nicht macht hat. wo aber die glübd und
                  profession beschehen, hat solche änderung verrer nicht stat, dann er wierdet
                  nachmallen als ainer der bei der welt gestorben ist geacht.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.12.22">
                <head>[Buch III Titel 12 § 22]</head>
                <p>Ob iemant sein aufsteigent oder absteigent [Bl. 173<hi
                    rend="sup">b</hi>] erben enterben will, der
                  soll das mit ursach thuen und dieselben ursach mit namen in dem geschäft melden
                  und den eingesezt erb in dem geschäft [nambhaft machen] und der des geschäfts
                  geniessen will, [der solle] wider den enterbten solch ursach weisen und waar
                  machen wider den enterbten, als oben davon gesagt ist, und der beruerten ursach
                  seinen vierzehen, als hernach gesehen wierdet. do wo ain ander ursach in dem
                  geschäft gemelt wierdet, die villeicht in der that grösser oder der vierzehen
                  ainer <pb
                    n="396"
                    xml:id="S.396"/> gleichmässig wären, möcht die enterbung so
                  dieselben ursach geweist wuerde auch stat haben. es mag auch ie zu zeiten aber
                  selten die enterbung stat haben ausserhalb der benanten vierzehen ursachen, als so
                  ain vatter ain verthonen sun het und sezt ain anderen erben ein mit solchem
                  beschaid und geding, wo sein sun zu besserung khumbt, das er ime alßdann die
                  erbschaft ôn abgang uberantwort. desgleichen, so ain mueter ain verthonen
                  haußwiert het und thet ain geschäft darin si iren hauswiert [Bl. 174<hi
                    rend="sup">a</hi>]
                  außschlüs und ain anderen erben einsetzet biß ir man sturb, alßdann der eingesezt
                  erb dem sun die erbschaft einantwortet, dardurch si mittler zeit durch den vattern
                  nicht verthon wuerde. ob auch der sun oder ain andere person in die enterbung
                  wissentlich verwilligt so ist aber khainer anderen ursach not, dann <pb
                    n="397" xml:id="S.397"/> allain die enterbung ist wider recht, so den aigen erben zu
                  widerwertigkhait und nachtail und nicht zu guetem oder mit seinem willen
                  beschicht.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.13">
              <head>[Buch III Titel 13] Was gestalt ain erbschaft genumen werden sol.</head>
              <div xml:id="NA.3.13.1">
                <head>[Buch III Titel 13 § 1]</head>

                <p>Es volgt nicht, der hat erbliche gueter innen oder besizt dieselben darumb ist er
                  ain erb, sonder soll gewisen werden das ainer die erbschaft angenumen oder das
                  posseß der gueter als ain erb erkhent hab. [Bl. 174<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.2">
                <head>[Buch III Titel 13 § 2]</head>

                <p>Dem ain erbschaft zuesteet die von mer erben schulden oder ander gestalt
                  beschwerung und anforderung auf ir tregt, die mag der erb in gegenwurtigkhait
                  zwaier oder dreier redlicher glaubwirdiger person die der sachen unverwant und
                  unverdächtlich sein inventieren <pb
                    n="398" xml:id="S.398"/> beschreiben und also
                  einziehen mit protestation, das er sich mit solcher erbschaft und guet gegen den
                  schuldnern und anvorderungen nit weiter beladen wölle dann sovil der verlassen
                  haab und gueter gelangen und erraichen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.3">
                <head>[Buch III Titel 13 § 3]</head>
                <p>Gleicher weis sol auch der erb der solcher erbschaft zu der zeit des falls in
                  posseß wär mit dem inventieren thuen, ausgenumen, wo das zwischen eeleuten wär die
                  besonder geschäft oder ordnung der varenden haab halben gethon und gemacht hetten,
                  die sein ôn not zu inventhieren, doch das noch beleibent den schulden und
                  anvorderungen zu antworten schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.4">
                <head>[Buch III Titel 13 § 4]</head>
                <p>Dann wo die geltschulden mer laufen dann [Bl. 175<hi
                    rend="sup">a</hi>] die erbschaft trüeg, und
                  der erb ließ sich uninventiert in die gueter, so wuerde er die schulden völlig zu
                  bezallen schuldig. <pb
                    n="399" xml:id="S.399"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.5">
                <head>[Buch III Titel 13 § 5]</head>
                <p>Welcher ainicherlai von der erbschaft verkhauft, und ob er daz widerumb zu
                  begrebnus des absterbenden und anderen notturften anlegt, oder der williclich die
                  erblich schuld ains thails oder gar bezallt, der wierdet verstanden daz er die
                  erbschaft angenumen hab, es wuerde dann gewisen daz er solch schuld in aines
                  anderen namen und ainem anderen zu guet und nicht in sein selbst oder der
                  erbschaft namen bezallt het, dann die vermuettuͦng ist in zweifl, er hab die
                  schuld von sein selbst wegen bezallt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.6">
                <head>[Buch III Titel 13 § 6]</head>
                <p>Wer zu seinen lezten zeiten ainer erbschaft halben so im zuegestanden ist ordnung
                  macht, der zaigt an daz er dieselben angenumen hab.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.7">
                <head>[Buch III Titel 13 § 7]</head>
                <p>Dem ain erbschaft zuesteet und dieselben [Bl. 175<hi
                    rend="sup">b</hi>] noch nicht erkhant hat
                  oder angenumen, der mag auf anruefen der glaubinger und so sprüch zu derselben <pb
                    n="400"
                    xml:id="S.400"/> erbschaft haben fur gericht ervordert und daselbst
                  gefragt werden, ob er die zuegestellt erbschaft annemen wöll oder nicht. und ob
                  derselb erb aines bedachts begert, soll ime durch den richter auf zimblich zeit
                  daz ist drei monat gegeben werden. ob aber khain eingesezter erb wäre, sollen die
                  so die nechsten erben zu sein vermainen erfordert und mit inen beruerter massen
                  gehandelt werden, wo aber dieselben nicht wissen noch vor augen wären, alsdann ain
                  gemain beruef oder ladung beschehen. wer vermain als erb gerechtigkhait zu des
                  verstorbnen verlassen guet zu haben, der khumb fur gericht auf den n. tag und ob
                  alßdann niemant erscheint, so soll der ligenden erbschaft ain sorger gegeben
                  werden, den mügen die glaubinger beclagen. derselb sorger bezallt alß vil dieselb
                  erbschaft vermag, und beschicht auch volziehung der urtlen allain auf <pb
                    n="401" xml:id="S.401"/> der erbschaft güetern, [Bl. 176<hi rend="sup">a</hi>] dem sorger an seinem
                  darlegen nach erkhantnus des gerichts ôn schaden. ob sich aber ainer fur ain erben
                  anzaigt, er sei ainer oder nicht, der wierdet nichts minder getrungen die purden
                  der erbschaft auf sich zu nemen und ist schuldig dieselben zu verantworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.8">
                <head>[Buch III Titel 13 § 8]</head>
                <p>Der vatter hat nicht macht sich der erbschaft, die seinem sun den er in gwalt hat
                  zuegestellt worden, ôn willen desselben sun zu emphahen oder zu eussern.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.9">
                <head>[Buch III Titel 13 § 9]</head>
                <p>Welcher die possess und besitzung der erblichen gueter vordert oder bit, derselb
                  soll gehalten werden als ob er di erbschaft angenumen und erkhennt, doch soll er
                  derselben nicht entgelten biß er posseß und niessung derselben erlangt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.10">
                <head>[Buch III Titel 13 § 10]</head>
                <p>Wo mer person in gleicher sipt ain erbschaft zuesteet, und derselben etlich <pb n="402"
                    xml:id="S.402"/> nemen die erbschaft an und etlich nicht, so fellt der
                  [Bl. 176<hi rend="sup">b</hi>] thail so die nachlassigen oder die sich der erbschaft entschlahen
                  denen haimb so die erbschaft angenumen haben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.13.11">
                <head>[Buch III Titel 13 § 11]</head>

                <p>Ob zwai chonleut zusamenkhumen ôn heiratgüeter und widerlegung der ainen person
                  armuet halben und daz reicher stirbt vor dem armen so soll der lebendigen person
                  so vil als der khinder ainem, dieselben khind sein von in beden oder ir ainem so
                  vor bei ainer anderen chonperson erobert, sein leben lang zuesteen unverkhumert
                  sich davon zu erneren und zu behelfen, und nach derselben person abgangen soll
                  dasselb guet den khinden wider haimbgeen. seinen aber nicht khinder sonder
                  beseitserben vorhanden, so soll derselben chonperson ir zuegestelter thail
                  beleiben <pb
                    n="403"
                    xml:id="S.403"/> damit nach irem willen zu handeln. ob ir
                  aber durch die sterbenden person ainicherlai geschäftweis geordent wär, daz soll
                  ir in der beruerten thailung an irem thail abgezogen werden. [Bl. 177<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.14">
              <head>[Buch III Titel 14] Von dem zuelegen oder erstattung in die erbschaft.</head>
              <div xml:id="NA.3.14.1">
                <head>[Buch III Titel 14 § 1]</head>

                <p>Wiewol wider die natur und unordenlich recht ist, das ain khind so sein erbguet
                  nicht verworcht hat nicht gleichen thail des vätterlichen erbe nemen soll so wol
                  als sein geschwisterigt, doch wie der landßprauch in Osterreich bisheer eingefuert
                  also lassen wiers noch beleiben. nemblich, daz sich die töchter wann si verheirat
                  werden und ir heiratguet emphangen haben verzihen dieweil der manndlich stam von
                  iren <pb
                    n="404"
                    xml:id="S.404"/> vättern herruerent in leben ist, daz si neben
                  demselben mandlichen stam vätterlich guet und zu zeiten auch müeterlichs nicht
                  erben wöllen biß der mandlich stamen gar vergeet und die erbschaft zu den weibern
                  oder auf töchter fallet, das alßdann dieselben verzigen töchter oder ir erben als
                  erbtöchter mügen zu des lezten [Bl. 177<hi rend="sup">b</hi>] mannßstamen gelassen güeter einsteen.
                  und so das also zu fall khumbt, so sein dieselben verzigen töchter oder ir erben
                  das emphangen heiratguet schuldig zu der erbschaft zu legen, damit ain
                  gleichhellige thailung zwischen ir und iren miterben gemacht werde. wo si sich
                  aber solcher erbschaft entschlagen, sein si nicht schuldig hinzuezulegen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.2">
                <head>[Buch III Titel 14 § 2]</head>
                <p>Ob ain erb ainicherlai vor emphangen des er schuldig ist zu thailung der <pb n="405" xml:id="S.405"/> erbschaft zu legen und zu erstatten oder daran abziehen
                  zu lassen, und sezt sich des gegen seinen miterben, darumb soll der richter
                  erkhennen, und was er erfindet das derselb widerspenig mer dann die anderen zu
                  gleichem thail innen hat, sol er darob sein damit er dasselb herausgebe oder soll
                  in zu der clag umb seinen thail der erbschaft nicht lassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.3">
                <head>[Buch III Titel 14 § 3]</head>

                <p>Das zuelegen oder erstatten in die erbschaft hat allein stat in den absteigenden
                  erben [Bl. 178<hi
                    rend="sup">a</hi>] die nach der oberen erbschaft steen, und sonderlich den
                  absteigenden erben den die oberen schuldig sein iren eelichen gebürenden thail zu
                  verlassen, und wo das nicht ist, hat das zuelegen in die erbschaft von recht nicht
                  stat. daraus volgt, daz zwischen beseit-gesipten die ains beseiten freunds
                  erbschaft begeren daz zuelegen nicht stat <pb
                    n="406" xml:id="S.406"/>,
                  dergleichen, so ain ober aines absteigenden erbschaft annemen wollt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.4">
                <head>[Buch III Titel 14 § 4]</head>
                <p>Wann ain vatter seiner tochter oder sun ainicherlai schafft geschäft- und nicht
                  erbschaft weis, das ist nicht schuldig ir emphangen heiratguet oder ander guet, so
                  derselb vatter demselben sun vormallen gegeben, wann si solch geschafft guet
                  einnemen hinzuezulegen oder abzuziehen, dann solch zuelegen hat in dem so ainem
                  geschäftweis zuegestellt wierdet nicht stat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.5">
                <head>[Buch III Titel 14 § 5]</head>

                <p>Wann ain sun nach des vattern abgang gewint darzue er seiner brüeder guet nicht
                  gebraucht, daz ist er nicht schuldig zuzulegen. [Bl. 178<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.6">
                <head>[Buch III Titel 14 § 6]</head>

                <p>Die enikhl und ander erben so anstat ires vattern nach des een erbschaft steen
                  sein schuldig zuezulegen das so derselb ir vatter emphangen, dann das <pb
                    n="407" xml:id="S.407"/> zuelegen gebürt auch zu thuͦen der erben nacherben. und
                  welche sich des verwidern, den wierdet die clag umb iren thail der erbschaft
                  abgeschlagen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.14.7">
                <head>[Buch III Titel 14 § 7]</head>

                <p>Als wann Peter drei khind het, Hannsen Barbara und Margaretha, die verlässt auch
                  khind, die sein des Pettern enickhl, der Petter stirbt auch darnach ôn geschäft,
                  also khumen Hannß Margaretha und der Barbara khind zu gleichem thail der
                  erbschaft, so sein der Barbara khind schuldig das heiratguet so ir mueter
                  emphangen zuezulegen in die erbschaft desgleichen, ob Hanß und Margaretha
                  ainicherlai, es sei heiratguet widerlegung oder anders, von dem genanten irem
                  vatter emphangen, sein si dergleichen schuldig zuezulegen. also soll es [Bl.
                  179<hi
                    rend="sup">a</hi>] auch in anderen <pb n="408" xml:id="S.408"/> absteigenden erben
                  verstanden werden da ainer an des anderen stat steet, also ietzo die enikhl an
                  irer mueter stat. wo aber die enickhl ainicherlai von irer mueter emphangen, das
                  wären si zu des Pettern als ires een erbschaft nicht schuldig zuezulegen, dann daz
                  zuelegen hat allain stat und soll allain beschehen in den guetern, so die person
                  welcher erbschaft halben gehandelt wierdt verlässt.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.15">
              <head>[Buch III Titel 15] Von geschaftem guet geschäftmannen und treuhalten.</head>
              <div xml:id="NA.3.15.1">
                <head>[Buch III Titel 15 § 1]</head>

                <p>Ob der erb anspruch des geschäfts und erbschaft halben hat, so ist er nicht
                  schuldig in anhangenden rechten die geschaftman des geschafften guets zu
                  entrichten, si thuen im [Bl. 179<hi
                    rend="sup">b</hi>] <pb n="409" xml:id="S.409"/> dann
                  sicherhait, wo im die erbschaft mit recht anbehabt wuerde, daz si alßdann solch
                  geschafft guet ôn abgang wider antworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.2">
                <head>[!2"15 § 2]</head>

                <p>Ob ain geschäftherr ainem ain frembt guet da er waist daz es nicht sein ist
                  geschäft weiß zuestellt, solch zuestellung hat craft, und der erb ist schuldig dem
                  geschäftman solch guet zu erlangen khaufweis oder in ander weeg, oder den wert
                  desselben guets darfur zu geben. wo aber der geschäftherr vermaint solch geschafft
                  guet sei sein und hat darinnen geirrt, so hat solch zuestellung nicht craft, dann
                  allain die sei beschehen ainem nachgesipten seiner hausfrawen oder sonder
                  verwonten person, da versehenlich und vermuetlich ist daz der geschäftherr ime
                  solch guet verlassen, ob er gleich [nicht] gewisst daz solch guet nicht <pb
                    n="410"
                    xml:id="S.410"/> sein gewesen. und steet dise lezt mainung in erkhantnus
                  des richters. [Bl. 180<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.3">
                <head>[Buch III Titel 15 § 3]</head>
                <p>Ob ain geschäftman daz geschäft den erben verhielt oder undertruckhet, der fellt
                  von dem so ime darin geschafft und zuegestellt ist.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.4">
                <head>[Buch III Titel 15 § 4]</head>
                <p>Wann ainem umb daz er gerhab sein solle ainicherlai geschafft wierdet und derselb
                  nimbt die gerhabschaft nicht an, dem ist man nicht schuldig das geschafft guet zu
                  raichen, er sei dann willig gerhab zu sein und werde als teuglicher erfunden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.5">
                <head>[Buch III Titel 15 § 5]</head>

                <p>Der geschäftherr mag wol peen seinen erben und geschäftmannen setzen, soverr si
                  daz so er in zu thuen oder zu lassen bevilcht nicht volziehen, sein bevelch wären
                  dann wider guet sitten, spötlich oder sonst zu thuen nicht wol müglich. <pb
                    n="411" xml:id="S.411"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.6">
                <head>[Buch III Titel 15 § 6]</head>

                <p>Es soll der geschäftman in dem geschäft nicht beschwert werden höher dann daz so
                  ime darin zuegestellt ist, sonderlich so [Bl. 180<hi rend="sup">b</hi>] solch zuestellung geschicht
                  in mas oder zal. wierdet im aber sonderlich guet zuegestellt und da entgegen
                  beschwerung aufgelegt die sich höher dann daz geschafft guet erstreckht, so geb er
                  ime selbst die schuld, so er den wert des geschaften guets gewisst und dasselb mit
                  der beschwerung darüber angenumen hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.7">
                <head>[Buch III Titel 15 § 7]</head>
                <p>Welcher ainer person ain geschäft thuet, sofeer si seinen freund oder sun zu der
                  ee näme, und derselb sun stirbt ee wann si zusamen heiraten. so fellt auch das
                  geschäft, dann die glückhfall hat in vil mer geschichten macht zu nemen und zu
                  geben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.8">
                <head>[Buch III Titel 15 § 8]</head>
                <p>In clag ains geschäft und lezten willen <pb n="412"
                    xml:id="S.412"/> umb
                  geschafft guet wierdet erkhennt umb daz interesse und frucht so der geschäftman
                  aus der erben verzug nachthail gelitten, soveer der erb khain rechtmässig ursach
                  seines kriegs hat. [Bl. 181<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.9">
                <head>[Buch III Titel 15 § 9]</head>
                <p>Ob der geschäftman daz so ime geschäftweis geordent worden von dem erben gar
                  begert, so ist ime der erb solches nicht schuldig, es werde dann zuvor in gemain
                  zusamengerait uberschlagen und erkhent umb den abzug wo die erbschaft nicht
                  geraichet, oder der geschäftman thue sicherhait oder pürgschaft soverr die
                  erbschaft nicht erraicht den abzug zu gedulden. aber so er halben oder dritten
                  thail seines geschafften guets begert, daz ist ime der erb schuldig.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.10">
                <head>[Buch III Titel 15 § 10]</head>
                <p>Das guet so mer personen geschafft und ainer dem anderen nachgesezt wierdet, <pb n="413" xml:id="S.413"/> also daz nachlebenden dasselb guet zuesteen soll, solch
                  guet hat derselb lezt sterbent frei zu verkhumern oder seinen erben zu
                  verlassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.11">
                <head>[Buch III Titel 15 § 11]</head>

                <p>So der beschaid des geschäftherren erfüllt wierdet, so fellt daz geschafft guet
                  an den geschäftman und sein erben, und ob er daz vor nicht ersuecht hat. [Bl.
                  181<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.15.12">
                <head>[Buch III Titel 15 § 12]</head>
                <p>Der beschaid !soverr ainer khinder hab oder verlaß' wierdetr erfüllt so er ain
                  khind sun oder tochter hat, und wierdet darumb nicht vernicht ob dasselb khind zu
                  stund stirbt.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.16">
              <head>[Buch III Titel 16] Von clag und thailung der erbschaft und wie die ôn geschäft
                des sipsal volgt.]</head>
              <div xml:id="NA.3.16.1">
                <head>[Buch III Titel 16 § 1]</head>

                <p>Die clag umb die erbschaft wierdet gegeben der sich vermuet ain erb zu sein, es
                  sei aus craft seines geschäfts oder <pb
                    n="414"
                    xml:id="S.414"/> ôn geschäft, und
                  wierdet der ain erb der ain erbschaft annimbt. und wiewol die geschribnen recht
                  wöllen daz solch annemung allain durch daz gemüet und willen beschehe, so wollen
                  wir doch den so irer gerechtigkhait nachsteen ain zimblichen [Bl. 182<hi
                    rend="sup">a</hi>] weg
                  furschlahen, dardurch niemand durch sorg oder ansprach von seinem rechten gewendt
                  werde. und ist unser ordnung, das der als erb geacht werden soll der sich in die
                  erbschaft und ire gueter ligent oder varent, khlain oder groß einlässt, mit der
                  that handelt und sich derselben verfahet, es sei ain rechtmessiger erb oder nicht,
                  im werde die erbschaft nachmallen anbehabt oder nicht. dann was ain solcher der
                  die erbschaft in guetem glauben angenumen pillicher und <pb
                    n="415" xml:id="S.415"/> rechtlicher schulden bezallt oder entricht, wo ime dann die erbschaft mit recht
                  abgesprochen wuerde, so wierdt imme der, so mit recht zu erben erkhennt, solch
                  ausgab an den guetern der erbschaft in der uberantwortung oder abtrettung
                  abzuziehen phlichtig. aus dem volgt, daz der dem die erbschaft durch die
                  oberigkhait zueerkhennt ain erb wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.2">
                <head>[Buch III Titel 16 § 2]</head>
                <p>Welcher aber allain der erbschaft rechtlich [Bl. 182<hi
                    rend="sup">b</hi>] oder durch wilkhur oder
                  verträg nachsteet, und doch vil noch wenig mit der that sich darein nicht gelassen
                  noch von der erbschaft emphangen noch innhat, oder zu erben nicht erkhennt ist,
                  der soll für khain erben nicht geacht werden. dann wo ainer in gemüet sich seiner
                  gerechtigkhait verhofft und ainer zweiflhaftigen urtl darinnen erwart, der hat der
                  erbschaft <pb
                    n="416" xml:id="S.416"/> khain gebrauch, es werde dann darzue
                  erkhennt, oder er begreif posses der erblichen gueter leiblichen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.3">
                <head>[Buch III Titel 16 § 3]</head>
                <p>Wo ainer so erbliche gueter als er besizt ainmal davon fallet so mag er als erb
                  darumb nicht mer clagen, dan so er ainsten davon gefallen so ist es nimer sein
                  erblich guet. aber hat er clag umb dasselbig guet aus anderen ursachen, die sein
                  ime ungespart.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.4">
                <head>[Buch III Titel 16 § 4]</head>
                <p>Der so umb ain erbschaft clagt soll in seiner [Bl. 183<hi rend="sup">a</hi>] ladung zwai bitten,
                  nemblich daz er zu ainem erben erkhennt und daz die widerparthei durch den richter
                  bezwungen werde ime die erblichen gueter so die widerparthei besitzt
                  ainzuantworten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.5">
                <head>[Buch III Titel 16 § 5]</head>
                <p>Ob ainer als erb in geschäft eingesezt und ime bevolhen wierdet dieselben <pb n="417" xml:id="S.417"/> erbschaft nachmallen ainem anderen uberzuantworten, den
                  wir ain trew gehalter genennt. derselb trewhalter ist schuldig all clag und
                  verantwortung dieselben erbschaft beruerent anzunemen, dann er ist an stat des
                  erben. demnach hat er auch macht die clag umb die erbschaft zu thuen, damit er
                  derselben besitzung erlang.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.6">
                <head>[Buch III Titel 16 § 6]</head>

                <p>Der so ain besitzer ainer erbschaft aus guetem glauben, der ist von nutzung und
                  früchten derselben erbschaft emphangen vor verfahung des kriegs nicht mer schuldig
                  [Bl. 183<hi rend="sup">b</hi>] wider zu geben, wo ime die erbschaft anbezallt wierdet. aber nach
                  verfahung des kriegs ist er die emphangen nutzung und frucht schuldig zu
                  bezallen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.7">
                <head>[Buch III Titel 16 § 7]</head>
                <p>So ainer ain erbschaft uberantworten soll wierdet im abgezogen daz er auf <pb n="418" xml:id="S.418"/> des gestorbnen krankhait und begrebnus ausgeben. auch
                  was er des gestorbnen glaubingern auf gueten grund, so gewisen werden soll,
                  bezallt hat.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.8">
                <head>[Buch III Titel 16 § 8]</head>

                <p>Die clag umb thailung der erbschaft gebürt dem miterben so von der gemainschaft
                  der erbschaft tretten wöllen, damit dieselb geleich oder nach ordnung des
                  geschäftherren under si getheilt werde, und ist die clag aines gueten glaubens es
                  mag auch der die clag thuen so sich vermaint ain miterb zu sein und nichts an der
                  erbschaft besitzt, der besitzer [Bl. 184<hi
                    rend="sup">a</hi>] steet dann nicht daz der clager ain
                  miterb sei, darumb sol der richter am ersten darumb erkhennen. und beschicht
                  solche thailung in allen erbschaften, si khumen aus was grund oder gerechtigkhait
                  si wöllen. <pb
                    n="419" xml:id="S.419"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.9">
                <head>[Buch III Titel 16 § 9]</head>
                <p>Das geschäft und andere brieflich urkhund sollen bei dem miterben beleiben, dem
                  der merer thail der erbschaft zuesteet, mit sicherhait der burgschaft dieselben
                  furzubringen ob es not wuerde, oder wo daz nicht fueg het soll ain gueter freund
                  oder ain gewißende als bei den gerichtssachen durch die erben all samentlich
                  furgenumen, da dieselben zu gemainen handen erlegt und den so des notturftig sein
                  abschrift davon gegeben werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.10">
                <head>[Buch III Titel 16 § 10]</head>

                <p>Ain guet, darumb erbschaftweiß clagt ist sol in hangenden rechten durch die
                  parthei nicht verändert werden. [Bl. 184<hi rend="sup">b</hi>]</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.11">
                <head>[Buch III Titel 16 § 11]</head>

                <p>In den dreierlei clagen, da umb thailung der erbschaft auch thailung ainer
                  gemainschaft und umb marich der grund gehandlt wierdet, so ainer aus den clagern
                  stirbt und vil erben <pb
                    n="420" xml:id="S.420"/> verlässt, die sollen anstat des
                  abgangnen all in recht erscheinen und handlen oder ain gwalttrager setzen, dan
                  dise gericht mügen nicht gethailt werden. es wäre dann daz ainer oder miterben
                  oder gemainer veer von land und umb sein gwalt nicht leicht zu errraichen wär, dem
                  mag in seinem abwesen nicht verrechtet werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.12">
                <head>[Buch III Titel 16 § 12]</head>
                <p>In thailung der erbschaft so durch die oberigkhait oder die parthei beschicht ist
                  ain miterb dem anderen furstand und gweerschaft zu laisten schuldig, es werde dann
                  in solcher thailung mit namen anders zwischen den erben verlassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.13">
                <head>[Buch III Titel 16 § 13]</head>

                <p>Ob der sterbent nicht ain löblich oder volkhumen geschäft zierlichait halben
                  thuet [Bl. 185<hi
                    rend="sup">a</hi>] und seine khind die erbschaft zu thailen begeren als ob er
                    <pb
                    n="421" xml:id="S.421"/> ôn geschäft vergangen sei, wiewol dieselb erbschaft
                  gleich under die erben zu thailen ist, nicht minder soll der richter aufsehen
                  haben damit er des gestorbnen willen verfolgt und der lezt will gehalten werde der
                  khind halben, aber nicht gegen auswendigen personen so neben in eingeschriben oder
                  benennt wären.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.14">
                <head>[Buch III Titel 16 § 14]</head>
                <p>Ob etlich erben ain thailung zwischen innen machten ainer erbschaft in abwesen
                  irer miterben, solch thailung khumbt den abwesenden nicht zu schaden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.15">
                <head>[Buch III Titel 16 § 15]</head>

                <p>Wer nit erben wil, der ist nicht schuldig das so er vor aus ursachen ainer
                  schankh und gab emphangen zuezulegen, dieselb gab sei dann so unmeßlich daz di
                  miterben iren eelichen thail von der ubermaß nicht bekhumen, so mügen si die
                  erstatung erfordern von dem <pb
                    n="422" xml:id="S.422"/> geschenkhten. [Bl.
                  185<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.16">
                <head>[Buch III Titel 16 § 16]</head>

                <p>Ob ain brueder ain erbguet aus gemainer erbschaft verphendt und in der thailung
                  den anderen brüedern solch guet zuesteet, und der erst brueder verhellt daz er
                  dasselb verphendt hat, so dann der phandman dasselb guet auf sein phandschaft
                  erlangt, so ist der verphender oder phandherr schuldig den anderen brüedern den
                  nachthail widerzukheeren und gwerschaft zu thuen phlichtig. hat aber der ander
                  brueder solch guet angenumen und die verphendung gewist, so dann der phandman
                  dasselb erlangt, ist der verphender den anderen brüedern nichts schuldig, es werde
                  dann gewisen das der verphender in der thailung des anderen umb gwerschaft solcher
                  phandschaft halben versprochen hab. <pb
                    n="423" xml:id="S.423"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.17">
                <head>[Buch III Titel 16 § 17]</head>

                <p>Die erben so mit irem eelichen gebürenden thail gleich erben, sein gleich von
                  irer erbschaft schuldig zu bezallen und nicht von dem vorthail so der geschäftherr
                  ainem fur den anderen vergünt hat. [Bl. 186<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.18">
                <head>[Buch III Titel 16 § 18]</head>
                <p>So ainer dem anderen schuldig ist ain suma gelts und macht in nachmallen neben
                  anderen seinen erben zu ainem miterben nichts minder der ander sein miterben umb
                  die beruerten schuld persondlich beclagen, doch daz ainem ieden und gleich so wol
                  in dem anderen nach iren gebuerenden thailen der erbschaft die bezallung aufgelegt
                  und abgezogen werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.19">
                <head>[Buch III Titel 16 § 19]</head>

                <p>Wann ain sun zu notturft seines vattern aus seines vattern bevelch ain gelt
                  entnimbt und entschlecht sich nachmallen der vätterlichen erbschaft, der ist nicht
                  schuldig zu bezallen. <pb
                    n="424" xml:id="S.424"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.20">
                <head>[Buch III Titel 16 § 20]</head>

                <p>Ob ain man abstirbt und ainen sun lässt und ain schwangere frawen, so mag der sun
                  vor der geburt nicht ervordern halben thail der erbschaft sonder allain den
                  vierten thail. dann dieweil ain fraw nach sag der naturlichen maister funf oder
                  siben khinder geberen mag, alßdann mermals gesehen worden, haben die recht daz
                  mittl erwellt [Bl. 186<hi
                    rend="sup">b</hi>] und vermueten, daz drei khind geboren möchten werden.
                  und ist mer not unser unwissen des khunftigen zuefalls dann der natur ordnung
                  hierinn zu erwegen. so aber die fraw geboren hat der erbschaft thail ir
                  wissentlich anzaigen, ausgenumen, der obgemelt sun wär dann des schwangeren pauchs
                  gegebner vormund und versorger, so hat er wol macht vor der geburt die erbschaft
                    <pb
                    n="425" xml:id="S.425"/> mit iren zueständen allen zu erfordern und
                  einzuziehen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.21">
                <head>[Buch III Titel 16 § 21]</head>
                <p>Ob ain man der in recht steet abgeet mit todt und mer dan ain erben verlässt, und
                  ainer understeet sich allain ôn der anderen willen des gestorbnen recht
                  auszufueren, und wuerde die urtl wider ine gegeben, dieselb urtl ist den anderen
                  miterben unschedlich. doch mag der berüert erb in recht zu handlen an der anderen
                  stat zuegelassen werden, soverr er bestand thuet, daz sein miterben solch sein
                  handlung annemen und fur verwilligt halten wöllen. [Bl. 187ͣ] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.22">
                <head>[Buch III Titel 16 § 22]</head>

                <p>Wann sich ainer in ain betlcloster bekhentlich oder gelübtlich, daz ist mit
                  profession, ergibt und zuvor khain ordnung oder geschäft seines erbs und guets
                  thuet, so geburt dasselb verlassen <pb
                    n="426" xml:id="S.426"/> guet denen die
                  sonst der ergeben person, wo dieselben ôn geschäft abgangen, von recht erben
                  wären.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.23">
                <head>[Buch III Titel 16 § 23]</head>
                <p>Aber götlich mitlaidig und pillich ist daz demselben bettlcloster, so nicht aigen
                  gueter haben und darein sich solch person ergeben, von seinem guet ain almuesen
                  varender haab und nicht ligender gueter gegeben werde.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.24">
                <head>[Buch III Titel 16 § 24]</head>

                <p>Die gastgeben oder wiert bei denen frembd gesst sterben die sollen derselben
                  gesst geschäft oder ir guet wo si nicht geschäft gethon der oberigkhait anzaigen
                  und furbringen, daz soll alßdann nach laut des geschäfts der gestorben
                  nechstgesipten freund geraicht, oder wo die nicht sein, zu almuesen der armen
                  durch die oberigkhait geordent, [Bl. 187<hi
                    rend="sup">b</hi>] und wo der wiert daz nicht thät oder
                  ainicherlai guets <pb
                    n="427" xml:id="S.427"/> gefärlich verhielt, der sol das
                  dreifaltig bezallen oder peindlich gestrafft werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.25">
                <head>[Buch III Titel 16 § 25]</head>
                <p>Die brueder und schwester so von vatter und mueter geschwisterigt sein, die
                  werden den so von dem vatter allain oder von der mueter allain geschwisteriget
                  sein in allen erblichen güetern, si khumen von wemb si wöllen furgesezt. wo aber
                  der erbfall khumbt zwischen geschwisterigeten die ains thails von dem vater und
                  ainsthails von der mueter geschwisteriget sein, darin wierdet aufsehen gehalten
                  woheer daz erblich guet khumbt, derselben seiten nach volgt die erbschaft.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.26">
                <head>[Buch III Titel 16 § 26]</head>

                <p>Der vatter verleust nutz und gebrauch seines suns mueterlichen guets nicht ob er
                  wider heirat, dieweil derselb sun noch unvogtbar ist. aber daz guet soll [Bl.
                  188<hi
                    rend="sup">a</hi>] demselben sun und nicht dem so aus der <pb n="428" xml:id="S.428"/>
                  anderen chonschaft geboren behalten und dem sun zu seinen vogtbaren jaren
                  uberantwort werden. ob im aber die mueter solch ir guet sein lebenlang vergünt und
                  verschriben hat, so mag er also dabei beleiben.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.27">
                <head>[Buch III Titel 16 § 27]</head>
                <p>So ain enikhl ain guet von seiner mueter ererbt und stirbt und verlässt nicht
                  absteigent noch beseit näher erben sonder allain den eeen von dem vatter und ain
                  een von der mueter, so wierdet in dem fall der een von der mueter, dieweil daz
                  guet von ir herkhumbt, dem vätterlichen eeen furgesezt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.16.28">
                <head>[Buch III Titel 16 § 28]</head>

                <p>So ainer abgeet und verlässt gueter die er von vatter und mueter nicht ererbt, so
                  fellt dasselb guet zum ersten erblich auf seine khind, wo er die nit hat auf seine
                  geschwistriget so von [Bl. 188<hi
                    rend="sup">b</hi>] vatter und mueter sein geschwisteriget <pb n="429" xml:id="S.429"/> sein und ire khind, wo die auch nicht sein, alßdann auf
                  seine geschwisteriget von ainer seiten, wo die auch nicht wären, alßdann fellt die
                  erbschaft auf vatter und mueter, so noch in leben sein.</p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.17">
              <head>[Buch III Titel 17] Von den inventarien und beschreibungen varender haab und
                güeter.</head>
              <div xml:id="NA.3.17.1">
                <head>[Buch III Titel 17 § 1]</head>

                <p>Welcher erb alles seines vorfaren des erb er ist verlassen guet durch beiwesen
                  erberer glaubhaftiger personen ain wissentlichen inventari aufricht, der ist des
                  abgestorbnen glaubinger und den so im geschäft ainicherlai zuegestellt ist nicht
                  mer, dann soweit und vil sich das erbguet [Bl. 189<hi
                    rend="sup">a</hi>] erstreckht, schuldig zu
                  bezallen. wo aber khain inventari gemacht wierdet, ist der erb die <pb
                    n="430" xml:id="S.430"/> glaubinger und geschäftman umb all ir anvorderung, und ob
                  dieselben vil uber das erblich guet raichen, phlichtig von dem seinen benuegig zu
                  machen und den abgang zu erstatten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.17.2">
                <head>[Buch III Titel 17 § 2]</head>
                <p>Ob ainer den inventari in gericht wider den waisen furzubringen begert, soll im
                  allain der articl des der clager begert, sovil in recht oder zu erkhantnus der
                  sachen genueg ist, ausgezogen und nicht der ganz inventari furbracht werden. dann
                  es ist dem waisen zu zeiten nachthaillig, das die haimblichait oder vermugen
                  seiner haab und guet den widerwertigen geoffenbart wierdet.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.17.3">
                <head>[Buch III Titel 17 § 3]</head>

                <p>Ain iede witib soll ain inventari ires mannß gelassen guet von stund an nach
                  seinem abgang durch recht geschickht leut [Bl. 189<hi
                    rend="sup">b</hi>] machen, oder das guet <pb n="431" xml:id="S.431"/> mit vleis versperren und verpetschaden lassen biß zu
                  erforderung und zuekhunft der erben und sich fur sich selbst darein nicht
                  schlahen, will si uneer und nachtail an irem heiratgemächt und khunftigen
                  zuefallenden erbschaft entfliehen. doch soll der wittib was mittler zeit zu
                  zimblicher narung gebürt vergünt werden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.17.4">
                <head>[Buch III Titel 17 § 4]</head>

                <p>Item, bisherr ist gebraucht, wann ain man stirbt und zwischen ime und seiner
                  hausfrawen khain ausgetruckht mainung in der heirat der varenden haab halben
                  aufgericht ist, so hat die fraw die varend haab gar genumen, si haben khind mit
                  ainander gehabt oder nicht, das dem armen adl hoch verderblich ist. dann des adls
                  claider und clainat die si etwo lange zeit zu eeren gebraucht khumen in fremb
                  hend, <pb
                    n="432"
                    xml:id="S.432"/> so die wittib wider heirat. und wie sollen die
                  schulden bezallt werden, so die waisen villeicht nichts merers als die frucht und
                  [Bl. 190<hi rend="sup">a</hi>] varend haab wissen? und hat mancher armer ritterßman mer an
                  varenden dann ligenden guetern damit er sein haußwiertschaft eerlich underhalten.
                  darumb soll nun furan ainer wittib nit meer varent haab dann sovil ainem khind
                  gebüren wierdet zuesteen und treulich zwischen inen gethailt werden, es werde dann
                  mit namen in der heirat anderst abgeredt oder durch den sterbenden in geschäft
                  verlassen. verlässt der sterbent aber nicht khind, so mag si dem alten landsprauch
                  nach steen, es sei dann durch den gestorbnen in gemächt oder geschäftweis anderst
                  verlassen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.17.5">
                <head>[Buch III Titel 17 § 5]</head>
                <p>In der varenden haab wierdet nicht <pb n="433" xml:id="S.433"/> gerait phand noch
                  satzbrief noch geltschuld, item reitroß harnisch püchsen bulfer armbrust schwert
                  degen, es sei beschlagen oder nicht, und allerlai weer so zu der ritterschaft und
                  behuetung der gschlösser gehören.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.17.6">
                <head>[Buch III Titel 17 § 6]</head>

                <p>Wo aber ain fraw ainem mann der auch aigen varent haab hat ainicherlai varenden
                  haab zuebringt, die mag derselben irer haab ain inventari machen und denselben den
                  man lassen underschreiben oder anderer gstalt mit wissen <pb
                    n="434" xml:id="S.434"/> des manns becrefftigen, oder wo si daz ungefärlich underlies
                  und zu zeiten des falls solch ir varent hab nach dem fall ervordern und nemen. wo
                  si aber der khains thät und vermenget ir haab mit des, so wierdet geacht der man
                  sei heer der varenden haab aller und hat die fraw nicht davon als ir guet
                  auszusondern, ausserhalb des so oben gemellt oder ir vermacht oder verschafft ist.
                  [Bl. 191ͣ] </p>
              </div>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.18">
              <head>[Buch III Titel 16] Von gerhabschaft.</head>
              <div xml:id="NA.3.18.1">
                <head>[Buch III Titel 18 § 1]</head>

                <p>Dreierlai gerhaben sein: die ersten, so ain ieder seinen khinden in seinem lezten
                  willen und geschäft gerhaben und geen allen anderen gerhaben vor. <pb
                    n="435" xml:id="S.435"/> wo die nicht wären, sein die anderen des nechstgesipten freund
                  und sonderlich, die er des eingesezten erben nechst gesipten und der erbschaft von
                  ime gewartent wären, wo er ôn geschäft abgieng, und haissen eelich gerhaben. die
                  dritten so von der oberigkhait gegeben werden wo die anderen nicht sein, die
                  haissen gegeben gerhaben. und die all haben ir underschiedlich recht, wie hernach
                  volgt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.2">
                <head>[Buch III Titel 18 § 2]</head>
                <p>Gerhabschaft ist ain handlung aines gueten [Bl. 191<hi rend="sup">b</hi>] glaubens. darumb soll
                  ain ieder gerhab fürsichtig und aines gerechten gemuͦets sein, damit er darin
                  nicht mißhandl, ob er schand und schäden entfliehen will.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.3">
                <head>[Buch III Titel 18 § 3]</head>

                <p>Die gerhabschaft ist ain gemain offen ambt darzue ain ieder ambtman gedrungen
                  werden mag durch die <pb
                    n="436" xml:id="S.436"/> oberigkhait, er hab dann
                  rechtmässig ursach darumb er sich derselben entschlahen mag. ob sich aber ainer
                  derselben anzunemen setzet, mag in der landmarschalch von oberigkhait wegen darzue
                  halten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.4">
                <head>[Buch III Titel 18 § 4]</head>

                <p>Den unsinnigen thoren stumben und die ewig krankhait haben und iren guetern nicht
                  ob sein mugen und sonderlich den guet verschwendern so den tobsüchtigen
                  zuegeleicht, denselben sollen sorger und trager von der oberigkhait gegeben
                  werden, damit ir guet mit maß ainer erberkhait gehandelt und nicht mit schanden
                  und schaden auch verderben mißbraucht werde. dann es ist [Bl. 192<hi
                    rend="sup">a</hi>] ain
                  notturft des gemainen nutz, das die underthonen vermügig des guets sein und
                  dasselb nicht ubel handlen. <pb
                    n="437" xml:id="S.437"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.5">
                <head>[Buch III Titel 18 § 5]</head>
                <p>Welcher selbst drew khind hat in dem land die unerzogen und nicht volkhumen
                  alters und in leben sein, der mag sich von der gerhabschaft entschuldigen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.6">
                <head>[Buch III Titel 18 § 6]</head>

                <p>Weer in unseren ämbtern oder gemaines nutz handlung ist der hat entschuldigung
                  der gerhabschaft. ob er aber aine angenumen het, all dieweil er darinnen von
                  unseren und gemaines nutz wegen bekhumert ist dardurch er dem waisen und
                  gerhabschaft nicht warten möcht, soll ime ain sorger zuegestellt werden. derselb
                  soll auch dieselb zeit sein handlung und nicht der abwesent verantworten biß der
                  gerhab unsers ambts oder gemaines nutz bevelch gemuesigt wierdet. und wo der erst
                  die gerhabschaft oder sorg nicht wider annemen wollt, soll ine die oberigkhait
                  darzue halten. [Bl. 192<hi
                    rend="sup">b</hi>] <pb n="438" xml:id="S.438"/>
                </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.7">
                <head>[Buch III Titel 18 § 7]</head>
                <p>Die armen die der purd der gerhabschaft nicht gemäß, die krankhen die iren aigen
                  sachen nicht warten mügen, auch die uber sibenzig jar sein, die unverständigen die
                  iren aigen notturften nicht ordnen khunen sein der gerhabschaft ausgeredt.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.8">
                <head>[Buch III Titel 18 § 8]</head>
                <p>Khain gerhab soll seinem waisen ôn wissen und bewilligung der nechsten freund zu
                  der ee nemen noch seinem sun oder enikhl manßstamen vermäheln. wo er aber der
                  gerhabschaft entledigt und genuegsam raitung davon gethon, hat er wol fueg selbst
                  oder sein sun dem waisen, so er den freien willen erlangt, zu verheiraten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.9">
                <head>[Buch III Titel 18 § 9]</head>

                <p>Ob der eelichen gerhaben irrung werden möcht welche gerhaben sein, daz soll an
                  den landmarschalch und <pb
                    n="439"
                    xml:id="S.439"/> beisitzer bracht werden, den
                  in disem vall fursehung zu thuen gebürt, damit si aus denselben allen nach [Bl.
                  193<hi rend="sup">a</hi>] gelegenhait der waisen und guets gerhaben erwelen die der gerhabschaft
                  nutzlich vorsein mügen, und inen bevelhen die sachen treulich zu handlen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.10.a">
                <head>[Buch III Titel 18 § 10]</head>

                <p>Wiewol die recht die khinder der gerhabschaft endledigen, die knaben zu
                  vierzehen, die maidlein mit zwölfen als zu iren fruchtbern jaren, und nachmalen
                  den waisentrager oder sorger zueordnen, so ist doch unser will von meniger
                  handlung wegen die oft den khinden und irem guet nachthailig ist zu vermeiden, daz
                  sich die gerhabschaft der knaben mit achtzehen jaren und der maidlein mit
                  vierzehen jaren, so si zu der heirat geschikht sein, nach disem <pb
                    n="440"
                    xml:id="S.440"/> landßrechten und nicht vor enden sollen. aber guet ists, das
                  sich demnach meniclich enthalt und mit den knaben vor vierundzwainzig jaren und ôn
                  zuegeben und wissen der oberigkhait khainerlai merkhlich gewerb kheuf satz noch
                  dergleichen ander [Bl. 193<hi rend="sup">b</hi>] handlung denselben jungen zu nachtail machen,
                  wöllen si khunftig unrat vermeiden und daz ime nicht zuegemessen werde, der jung
                  sei durch dieselben betrogen worden.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.10a">
                <head>[Buch III Titel 18 § 10 a]</head>
                <p>Die gerhaben sollen sich der gerhabschaft nicht understeen, si haben dann zuvor
                  aller gueter so der waiß hat glaubwirdig inventari aufgericht, dardurch si
                  dieselben zu seiner zeit ordenlich anzaigen und verraiten mugen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.11">
                <head>[Buch III Titel 18 § 11]</head>
                <p>Die, so der erbschaft gewarten wollen, <pb n="441" xml:id="S.441"/> sollen auch
                  die purden der gerhabschaft bei verlierung derselben irer erbschaft auf sich
                  nemen, wo si darzue teuglich sein.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.12">
                <head>[Buch III Titel 18 § 12]</head>

                <p>Der waiß so under den gerhaben ist mag sein nutz und guet bessern ôn des gerhaben
                  wissen und gwalt, aber nicht schmelern. darumb soll mit den waisen khain handlung
                  ôn mittl der gerhaben gethon, dardurch niemandt deßhalben in schaden gefuert
                  werde. [Bl. 194<hi rend="sup">a</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.13">
                <head>[Buch III Titel 18 § 13]</head>

                <p>Ob ain gerhab mit seinem waisen in recht zu handlen hat, soll er die sprüch der
                  oberigkhait furlegen. und soverr die oberigkhait befindt, das des gerhaben
                  notturft und sonderlich seinen merkhlichen schaden zu verhueten ervordert daz
                  recht gegen dem waisen anzunemen, soll dem waisen ain sorger oder trager zu
                  verantwortung desselben rechtens von der oberigkhait zuegestellt werden, und <pb
                    n="442" xml:id="S.442"/> nimbt desselben sorgers oder tragers handlung ent zu
                  ausgang und volziehung des rechten.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.14">
                <head>[Buch III Titel 18 § 14]</head>
                <p>Die gerhabschaft endet sich mit absterben des gerhaben oder waisen.</p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.15">
                <head>[Buch III Titel 18 § 15]</head>

                <p>Ob der geordent gerhab mit krankhait beladen oder sonst merkhlicher notturft
                  halben des waisen sachen nicht beisein mag, demselben gerhaben soll von der
                  oberigkhait ain sorger oder trager dem waisen sein sachen zu handlen und davon
                  bschaid zu thuen zuegestellt werden. [Bl. 194<hi rend="sup">b</hi>] </p>
              </div>
              <div xml:id="NA.3.18.16">
                <head>[Buch III Titel 18 § 16]</head>
                <p>Wann ain dritter aus bevelch aines gerhaben des waisen sachen handelt, derselb
                  drit ist dem gerhaben aus ursachen des bevelchs und dem waisen aus ursachen der
                  handlung umb dieselb ursach und handlung zu antworten schuldig.</p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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