Die folgende Transkription erhebt nicht den Anspruch einer selbständigen
wissenschaftlichen Edition. Es geht allein darum, aus der handschriftlichen Ausgabe durch
Theodor Motloch in der sogenannten Sammlung
Chorinsky einen elektronischen Text herzustellen, der zitierbar und maschinell
durchsuchbar ist. Daher sind gegenüber der Vorlage kleinere Änderungen vorgenommen worden:
Beispielsweise ist die Blattbezeichnung der Handschrift immer dort vor oder hinter ein
Wort gestellt worden, wo Motloch eine Worttrennung durch einen Seitenwechsel dokumentiert
hatte. Beispiel: Aus "ain[Bl. 122a]helliclich" wird "ainhelliclich [Bl. 122a]",
damit das Wort als solches erhalten bleibt.
Die Buch-, Titel- und Paragraphenangaben sind in der Weise umgewandelt worden, dass
zitierbare "Sprungmarken" für Hyperlinks generiert werden konnten. So wurde aus der
Paragraphenangabe Motlochs "[§. 25.]" im dritten Buch und dritten Titel die Zeichenfolge
"NA.3.3.25" generiert. Auf sie kann ein Hyperlink in der Form gerichtet werden: <a
href="...#NA.3.3.25">Buch III Titel III §. 25</a>".
Das vermutlich von Motloch stammende Inhaltsverzeichnis wurde vorerst ausgeklammert, soll
aber in einem weiteren Schritt durch einen Index erweitert und separat publiziert werden.
[Aus Zeitgründen obsolet: 28.05.2022]
Der Österreichischen Nationalbibliothek sei herzlich gedankt — einmal für die
Digitalisierung der gesamten Sammlung Chorinsky, dann aber auch dafür, dass sie mir vorab
die Images des Zeigers in das Landrechtsbuch zur Verfügung gestellt hat. Dies war die
Voraussetzung für die Erstellung dieser Transkription. Dem Deutschen Rechtswörterbuch sei
ebenso herzlich dafür gedankt, dass ich aus seiner Datenbank die etwa 800 Zitate aus
dieser Quelle zur Verfügung gestellt bekommen habe. Als Leiter des Rechtswörterbuchs war
es immer mein Wunsch, über die Exzerpte auf den Belegzetteln hinaus, die Theodor Motloch
für das DRW gefertigt hatte, den Kontext des Beleges lesen zu können. Insofern ist die
vorliegende Transkription auch als ein Beitrag zu "Rekontextualisierung" von
Wörterbuchzetteln zu sehen. Dem Rechtswörterbuch sei auch für die Bereitstellung
eines Skripts gedankt, das es ermöglicht, durch einen Doppelklick auf ein beliebiges Wort
sich dieses in den Beständen des DRW (Wortartikel, Belegtexte, Textarchiv) zeigen zu
lassen. In absehbarer Zeit wird eine gedruckte Ausgabe desselben Textes durch
Professor Wilhelm Brauneder in der "Rechtshistorischen Reihe" im Verlag Lang erscheinen.
Da die Faksimileausgabe der ÖNB, diese Transkription und der gedruckte Text jeweils
anderen Zwecken dient, ist somit eine umfassende Nutzung des Niederösterreichischen
Landrechtsentwurfes / Zeiger in das Landrechtsbuch / Institutum Ferdinandi I. möglich
geworden. Heino Speer Klagenfurt am Wörthersee Österreich. Januar / Oktober
2014.
Editorial Motloch:
Handschrift N.Ö. Landesarchiv Cod. Mscr. N°. 178
Pap. XVI. Lederband mit Goldschnitt. Am Rücken zwei aufgeklebte Zettel "N°. 178" und
"Zeiger in das Landrechtsbuch". Am Vorderdeckel eingepreßt: 'Originale Lib. P.' Dazwischen
auf aufgeklebtem Zettel: 'Lib. P. Zaiger in das Land Rechts Buech oder Institutum Kayßers
Ferdinandi Imi. Die N. Ö. Land Rechten Vnd Gerichtspersohnen betr. Ist
das Originale.' Auf der Innenseite des Vorderdeckels: 'Benedictis Domini Super Caput Justi
: Os autem Impiorum operit Iniquitas. Proverb. 10. Magistratus Virum Demonstrat.
Modus (darunter Wappen Aichens mit der Jahreszahl Anno 1721.)
Dono dedit, et fundav Titel 'In des löb. N. Ö. Ritterstandts Archiv gehorig. Johann
Joachim V. Aichen m. p. Landt Unter Marschall et fundator.' Auf dem Vorsteckblatte:
'Lib. P. Sint Tibi Mille Oculi Sit Tibi Nulla Manus.'
Titelblatt: 'Zaiger in das Landsrechtpuech.. NB. Dises Buech ist mier Johann Joachim
Von Aichen Landt Untermarschall gehörig.' Darüber blauer Zettel aufgeklebt: 'N. Ö.
Ritterstand.'
Bl. 1a — 194b Text. 195a Catalogus secundum ordinem Alphabeticorum quae in hoc libro continentur.
(Nur der Anfang des Buchstaben A.) Fol. V.
Haben aus götlichem eingeben nach ausweisung des loblichen römischen khaiser
Justiniani betracht die höchst angltugent der gerechtigkhait,
und das ôn dieselb tugent furstliche großmechtigkhait (wo sich die mit zimblicher
maß und weg selbst diemuetigt) ain greuliche hoffart, die unuberwindlich sterckh ain
viechische ungestuemb, und die hochberuembt massigkhait ain khindhait geacht
wierdet, wie
| Seite 2| auch in irdischen dingen nicht ist dem
menschen durch die gotlich waißhait anfenkhlich eingephlanzt dann das gesezt und
gebot daraus die gerechtigkhait iren ursprung nimbt und alle löblich und ubel
handlungen und thathen, guets und pöß und was dem menschen zuthuen gezimb und zu
meiden gebüre underschiedlich schleust und [Bl. 1b] richtet. welch tugent der
almechtig got nach unserm ersten vatter Abraham, seinen
nachkhumen unsern altvättern behaltern liebhabern und volfuern der gebot genediclich
und wunderparlich eingegossen hat, als dem gotlichen Noe von
dem alle fürstenthumb entsprungen, dem gehorsamen Abraham des
samen gemanigfaltigt und gesegnet ist, dem kunstreichen Mose
aus des prun alle weisen der Kriechen getrunkhen haben, dem getrewen
Dauidt
| Seite 3| des gotlicher gedult und streitbarer hand die heilig
geschrift vol ist, dem hochweisen Saloman des weißhait vom
aufgang biß zu dem nidergang der sunnen erhollen ist, wie geschweigent hernach
volgent der Athenier Ligurgier und Lacedemonier auch der ersten khunig zu Rom gesazt
und rechtmachern und anderer großmechtigen fursten herzogen khünigen und kaisern,
die all als gotlich werkhzeug durch mandlich beschiermung und rechtmessige regierung
irer völkher und underthonen mit aufrichtung underhaltung gueter gesezt und ordnung,
löblicher gepreuch und sitten sich in die unthädlichait erhebt und ewigen namen (den
göttern gemäß) auf erden hinder inen verlassen. derselben unser vorfordern und
eltern (darunder vil unser
| Seite 4| gesipten freunt) fuesstapfen,
adenlichen furstlichen und khuniclichen von got erleuchten weishait, gemüetten und
tugenden nachzuvolgen unß wol gezimbt zu fursehen, damit unsere von got und der
natur angefallne und angeborne fustenthumb und lande nit minder mit solcher tugent
der gerechtigkhait, ordenlichen gerichten und nuzlichen gesezten als scheinenden
waffen geziert und gesterkht bede zeit des frids und kriegs tröstlich underhalten
werden.
Nun ist durch glaubwirdige erfarung biß auf uns khumen, wie unser vorfordern
fursten und erzherzogen zu Österreich von iren manhait [Bl. 2b] redlichait
| Seite 5| vernunft macht und alten khuniclichen geschlechts und
heerkhumens wegen dem heiligen römischen reich und desselben regierern albeg fur
ander fursten hochverwont und mit gesellschaft verpunden, und darumb vil zeit mit
desselben römischen reichs, kaiserlichen und khuniclichen händln und beiständn in
friden und kriegen beladen gewest, auch daselbst regierent kaiser und khunig vil und
lange zeit dem römischen reich zu friden aufnemen und merung gemaines nutz löblich
vorgewesen sein, und also den höchsten eren und wirden nachgerungen, die auch
ritterlich und großmueticlich erraicht, dardurch si iren erblichen landen und leuten
und sonderlich disem erzherzogthumb als irer aigen wirtschaft wenig beiwonen mugen,
damit dann der adl im
| Seite 6| land ôn oberigkhait recht und ordnung
nit were, haben si als getrew fursten alzeit in den namhaften edln geschlechten
gesuecht, ainen daraus an irer stat geordent, denselben iren landmarschalch genennt,
ime ir ordenlich gericht zu gwalt und macht geben in burgerlichen sachen zwischen
[Bl. 3a] dem adl rechtlichen und entlichen auch in ander weg mit maß zu handln,
die ungehorsamen des rechtens, und fräfler geburlich zu straffen, dardurch frid
ainigkhait guet sitten und recht im land zwischen dem adl erhalten wuerden. und
nachdem derselb landmarschalch dem rechten auch andern sachen darzue dienent und
notturftig deren täglichen vil fürfallen nit alzeit persondlich warten mag, ime
ainen undermarschalch aus dem stand der ritterschaft zuegeordent, der in seinem
abwesen
| Seite 7| daz recht zu besitzen und ander zuefallent
notturften zu versehen und abzurichten macht hat, dardurch die gerichtshandlung und
andere zwitracht und irrungen der partheien nit angehangen noch underlassen werden,
So sein wir auch ansehlich erinnert, wie wir umb gedachter unser vorfordern
wolthatten und hohen verdiensten willen von Cayo Julio kaiser
und Kayo Nerone augusto und kaiser [Bl. 3b] und hernach von
andern kaisern und kunigen biß auf heut erhöcht, mit sondern privilegien und
freihaiten begabt sein, daz wir als erzherzog zu Österreich den frei gwaltigen
kunigen gleich in unsern furstenthumben landen und herrschaften selbst
unwiderrueflich recht zu setzen und zu halten haben, und von unsern urthailn fur des
römischen reichs gericht nit geappelliert
| Seite 8| berueft noch
gedingt wierdt. gleicherweiß soll noch mag auch von beruertem unserm landßrechten
unsers landmarschalchs und desselben urtl nit appelliert noch gedingt werden.
Damit aber ain ieder landmarschalch oder undermarschalch aus aignem furnemen fur
sich selbs ôn rat und wissen nicht handlen, werden ime aus den zwaien ständen der
herren und ritterschaft sechs personen zu beisitzern, darzue ain landschreiber und
furpieter zuegeordent. dieselben personen all vom höchsten biß zum nideristen sollen
uns als herren [Bl. 4a] und landsfursten zu dem rechten geschworen sein, haben
deshalben ir besoldung aus unser chamer. daraus zu versteen iren ursprung macht und
obrigkhait des rechten von uns fliessent, und das si fur sich selbst und in craft
irer namen und ämbter
| Seite 9| khainen ordenlichen gerichtßzwang
haben, dann sovil und lang inen derselb von uns und unsern nachkhumen bevolhen
wierdet. welchen ursprung aigenschaft und wesen dits unsers landßrechten wir uns
noch wolgefallen lassen, wirdigen creften und bestätten.
So wir aber in eingang unserer regierung erlernt und wargenumen, wie unser
erzherzogthumb Osterreich under [Bl. 4b] der Ennß als der ursprung unsers
väterlichen löblichen hauß und namen Österreich lange jar und zeit mit
beschwerlichen kriegsleufen belestigt gewest, dardurch nach dem spruch des
zierlichen Römers Tulii (das die gesezt under des waffen
schweigen) die altherkhumen gueten satzung gewonhaiten
| Seite 10|
ordnung und gebreuch zerrüt, mit den vergenkhlichen menschen vergessen abgestorben
und des merern tails verlorn sein, So ist uns, sobald wir in die regierung angenumen
und eingetretten sein, zum vörderisten angelegen gewesen unsern landen und leuten
den frid zu geben, die ubermuetigen zu nidern, die widerspenigen zu straffen und die
frembden anstossenden gezung die unser land und leut mit anfechtung und
widerwertigkhait geuebt und vervolgt haben zu ruebigen, entlich der mainung und
fursatz, so wir die durch den sig gottes stillen, alßdann [Bl. 5a] unsern
befridten solch maß und ordnung zu setzen dardurch ainigkhait guet sitten und
ordnung under inen zu erhalten, so in allem wesen der menschen nichts
furtreffenlichers noch bestendigeres ist, dann wo frumb leut gleicher sitten und
tugent
| Seite 11| ainmuetig verpunden sein. daraus dann volgt, daz
aus vil seelen ain gemuet und willen gegen der obrigkhait und eltern gehorsam und
erempietung, gegen dem nechsten lieb, in den heusern reichtumb, und in den gemüeten
freud rue und êr wurzlt und erwechst, und all krieg zerstörung und widerwillen
getempft werden.
Dieweil dann wir und ain ieder erzherzog zu Österreich aus vorberuerten unserer
vorfordern wolthatten und hoch erdienten privilegien unsere gericht und recht frei
haben, deßhalben uns volkhumenlich und nach notturften und gelegenhait unserer land
und leut gebuer inen recht zu setzen und zu machen, die dem gotlichen gesezt der
natur und vernunft gemäß sein.
| Seite 12|
Demnach haben wir nit allain als stathalter des heiligen römischen reichs aus
kaiserlichem gewalt, sonder auch als regierender erzherzog herr und landsfurst zu
Österreich aus furstlicher macht mit unserer treffenlichen ordenlichen hofräthe auch
landleuten und underthonen der edlen unser lieben getrewen u. herrn ritter und
knechten, das ist der zwaier ständ des adls beruerts erzherzogthuͦmbs Österreich
under der Enns, zeitigem rat vorbetrachten und guetem wissen und willen das puech
mit etwo vil notturftigen gesezten articln und ordnungen als ain angefangne
furgeschribne tafel, so pillich wie von alter heer das landßrecht genannt wierdet,
zu begreifen und zu verfassen bestellt, dasselb aigentlich ersehen
| Seite 13| vernumen aufgericht gefertigt und gesezt.
Also zu versteen, daz nach inhalt desselben alle clagen nicht anderst dann
burgerlich volfuret, und die lassterlichen peindlichen und malefizhändl davon
geschaiden an iren sondern orten nämblichen in den landgerichten gerechtfertigt
werden. derhalben niemant irren sonder mäniclich vernemen soll, dits landßrecht
adenlich und das landgericht peindlich, in namen und wesen ganz ungeleich und
getheilt sein.
In solchen gesazten und articln dits landsrechtspuechs haben wir ursachen derselben
gesazten aufs maist, so uns leidenlich angesehen hat, umbgangen und underlassen aus
dem grund und spruch der romischen rechtsprecher Juliani und
Nerazi, daz nit von allem dem so auch unsere voreltern
eingefuert haben ursach gegeben werden mug, es
| Seite 14| sei auch
nit not dieselben zuerkhonden, dann dardurch wuerden vil gesezt die wissentlich und
gerecht sein verkheert.
Und dieweil wir bedenkhen, das dits werkh nach der vil und menig täglichen
zuefallenden händl mer gesezt articl und ordnung dann hierin zum anfang begriffen
ervordern wierdet, das sich auch die sitten der menschen nach den zeiten verwandlen
und nach irer poßhait auf new fünd zu böser gewonhait henden, die si dann gegen den
unverständigen in ain gewondlich recht zu ziehen und zu geprauchen understeen
möchten, dasselb zu erstatten und zu fursehen soll unß und unseren nachkhumen alzeit
mit rat und willen unserer landleut der weeg offen sein dits landßrechtpuech mit mer
gesazten articlen und ordnungen zu erpawen zu erweitern zu mern, auch wo darinnen
| Seite 15| vinsternus oder beschwerung erschinen zu erlauchten und
nach gelegenhait der zeiten und sitten der menschen zu ändern zu bessern und
dardurch all new fünd und gefär abzuschneiden. nachdem wir nun in eingang des
rechten sein, hat uns nit unfruchtbar angesehen etwas anzuzaigen und zu
underschaiden, was die gerechtigkhait das recht das gesezt und gewonhait, wie die
durch die alten beschriben sein.
Die gerechtigkhait nach außlegung kaiser Justian ist ain
beständiger volkhumer willen, der ainem ieden das sein zuestellt. die gerechtigkhait
wierdet auch genennt ain guete uebung, die ainem ieden sein erlich aigenschaft gibt,
got die diemuetigkhait und andacht,
| Seite 16| den obrigkhaiten und
eltern gehorsam und erempietung, den gleichmässigen ainigkhait, den underthonen
zucht, ir selbs keuschait und mässigkhait, den armen mitleiden und hilf.
Und nach sag Tuli ist gerechtigkhait ain uebung des gemuets,
die durch erhaltung gemaines nutz ainem ieden sein wierde zuestellt.
Das recht nach beschreibung Vlpiani des rechtsprechers ist ain
kunst des guets und pillichen, der götlichen und menschlichen sachen erkhantnus, des
gerechten und ungerechten wissenhait, davon, so wie die gerechtigkhait eren, die
erkhantnus des gueten und pillichen aussprechen, daz pillich von dem unpillichen
schaiden, wie rechtlich
| Seite 17| hailgeber genennt werden.
Das recht wierdet in mer weg gethailt, nemblichen etlichs haist naturlich recht, so
aus götlicher ordnung davon die natur erschaffen ist fleust. das möcht nach saag der
alten rechtsprecher mit vil mainungen erclart und ausgelegt werden, ist aber hie ôn
not, sonder allain daraus zu nemen die höchste gestalt solches naturlichen rechten
dem menschen, der sich göttlicher gesezt und natur gebrauchen soll, ist nemblich
| Seite 18| die, was du dir zu geschehen nit willt daz soll tu auch
ainen andern erlassen.
Aus disem rechten ist entsprungen das gemain recht auch der naturlichen vernunft
eingephlanzt, des sich alle volkher halten und nach bewegnus der erberkhait und
pillichait zu underschiedlicher erkhantnus in gemein gebrauchen.
Daraus sein gewachsen thailung und auszaigen des erdrichs, aller land und grund,
auch veränderung und allerlai verpflichtung und derhalben mißhellung krieg und frid
etc.
Aber die statrecht sein, was ain iede stat gemain oder besamblung aus verhenkhnus
der obrigkhait under inen selbst fur recht oder handvesst zu halten setzen, das
burgerlich recht genannt wierdet. und dits ist disem unserm landßrechten nahent und
nit gemäß, allain solcher underschied, daz dise
| Seite 19| unser
rechtsatzung aus unser als herrn und landßfursten bewilligung unseren landleuten vom
adl in Österreich zu furderung rue frid und ainigkhait zwischen inen und den
inwonern des furstenthumbs, damit auf solch ordenlich recht sorg und aufsehen
gehalten werde, genediclich gegeben ist.
Das gesezt ist ain ordnung des lebens und wesens in der vernunft gewurzelt und
gegrund, ôn des wissen oder erkhantnus khain menschlich wesen beleiben, die welt und
natur selbst nit besteen mag.
Aber durch gesezt werden die waffen gestillt und in rue behalten und durch die
waffen gesezt und recht beschirmbt und gehandhabt.
Der verstand und die vernunft sein das
| Seite 20| gesezt, nit die
wort. dann ob ie zu zeiten in vil händlen und fällen ordnung des rechten entpricht,
so entbricht doch die untötlich vernunft nicht.
Das gesezt wider erberkhait und guet sitten gemacht ist unwirdig und noch mer die
gewonhait.
Die gesezts dits landsrechtpuechs sollen von anfang biß zu ende vleissig angesehen
und erwegen, dieweil nit in ainem ieden articl alle notturft eingefuert mugen
werden, sonder was zu zeiten in etlichen titln und articln zu kurz und wenig
angezogen ist, wierdet etwo in andern erfüllt und erstat.
Die gewonhait ist ain recht das nit geschriben sonder durch ain gemain wissentlich
aus erbern ursachen der
| Seite 21| vernunft lang zeit numallen
gebraucht ist.
Die gewonhait mag nit einfueren daz, so dem gotlichen und naturlichen rechten auch
disen unsern gesezt oder gueten sitten ungemäß ist. darumben sollen die ursachen der
gewonhait in der vernunft gegrundt sein.
Eetlich sonder persohnen die an zal angezaigt mügen werden, khain gewonhait machen,
sonder was durch ain gemain samentlich gehalten, gebraucht und beschirmbt, wierdet
dem rechten und der vernunft gemäß und gemainem nutz fürderlich, dann anderst wär
die gewonhait ain zerrüttung.
Die gewonhait hat drei aigenschaft, si ist dem gesezt gemäß wo khain ausgetruckt
recht ist.
So ist ain verstendige oder verrer auslegung oder beteutung des gesezts
| Seite 22| und entzeucht durch den gebrauch dem so gemain recht ist.
Die gewonhait mag clag- und auszugsweiß in recht angezaigt und furgebracht werden,
und wo dieselb offenbart und nit widersprochen wierdet, also das dawider öffenlich
gehandelt oder geurthailt worden, so ist ôn not solch gewonhait zu weisen. wo aber
die gewonhait widersprochen wuerdet so soll si volkhumenlich gewisen werden,
nemblich also daz die zeugen wissen solch gewonhait in recht furgewendt durch ain
gemain also gehalten und emsiclich, das ist mer dann ainest auch zehen jar und
darob, vor solcher rechtfertigung geiebt und gebraucht, auch inen den zeugen nicht
wissent das offenlich und unwidersprochenlich der gemain oder irer obrigkhait
rechtlich darwider gehandelt und geurthailt sei. dann wo zwaimal aufs
| Seite 23| wenigist alss in gegenwurtigkhait der gemain oder ieer obrigkhait
unwidersprochenlich darwider geurthailt wär, so fellt die gewonhait und wierdet das
urtl durch die widerwertige einfuerungen ain gesezt, es wuerde dann solch urtl als
wider erberkhait und guet sitten gegeben mit recht verworfen und aufgelöst. wo das
aber nit beschähe, und wiewol die urtl so wider die gewonhait gesprochen nicht
volzogen wär, nichts destminder bricht si die gewonhait.
Damit ain ieder landmarschalch gruntlich
| Seite 24| weiß, was
sein ambtsphlicht sei und wie er sich halten, so ist sein aid so er uns und aim
ieden fursten erzherzogen zu Osterreich in eingang seines ambts thuen soll hernach
beschriben in seiner person also: "ich soll und will der hungerischen und
behaimbischen khu. maj. etc. als erzherzogen und regierenden herrn und
landsfürsten in Österreich under der Enns getrew gehorsam und gewärtig sein, irer
khu. maj. etc. êr nutz und frumben fürdern, schaden nachtail und unglimpf so vil
an mir ist warnen und wenden, mit willen khain ratsanschlegen noch gemainschaften
sein darwider irer khu. maj. etc. person obrigkhait und gerechtigkhait gehandelt
wierdet, wo sich das aber ungefärlich fürget doch ir khu. maj. etc. davon
treulichen warnen, den gerichtszwang so mir von irer khu. maj. etc. bevolhen
| Seite 25| wierdet treulichen handln handvessten demselben nichts
abprechen lassen, gleiches gericht und recht füeren und ergeen lassen dem armen
als dem reichen und dem reichen als dem armen nach dits erzherzogthumbs Österreich
freihaiten, löblichen und rechtmessigen gebrauchen und gewonhaiten und sonderlich
nach ausweisung und ordnung dits landsrechtpuechs, die urtlen so durch die merer
stimen und volg gesprochen werden nach ordnung des landßrechten vleissig
volziehen, die partheien bei solcher volziehung so vil an mir ist handhaben,
dardurch frid und recht zu erhalten und aufruer zu verhueten, und hierinnen
niemants verschonen, und nit ansehen weder freundschaft feindschaft miet gab gunst
noch ainicherlai ander sachen, sonder allain das gotlich recht so geurthailt ist,
auch
| Seite 26| mir selbst in dem gericht nichts zu ziehen, die
beisitzer und personen so mir zuegeben sein in zimblichen eern halten, die rats
gehaim biß in mein grueben verschweigen und ausser recht niemant offenbarn noch
davon warnen, und sonst alles das handln thuen und lassen das ainem redlichen
gebornen mann gegen seinem herrn und landsfursten und ainem getrewen ordenlichen
richter von rechts und löblicher gewonhait wegen zu thuen gebürt, alles nach
meinem höchsten versteen und vermugen, trewlich und ungefärlich, als wae mir got
helf."
Der landmarschalch als ordenlicher richter an unser stat hat all zuesprüech
persöndlich und umb gueter so mit burgerlicher clag und ausfuerung fur ine khumen
zwischen den inwonern des lands, iren phlegern
| Seite 27| dienern,
auch in den stetten, in der prelatten und adls freien heusern und andern auf dem
land in disem erzherzogthumb Österreich under der Enns gesessen, die sonst andern
ordenlichen gerichten nicht underworfen sein, zu richten zu entschaiden zu urtlen
und dieselben urtl zu volfueren.
Er hat aber nit zu richten uber unser camerguet und urbar noch unser brief sigil
gab und gewerschaft noch uber unser lehengerechtigkhait und gueter, wo die
landsessen darumb kriegen wuerden, noch ernhändel zwischen dem adl, es werdt ime
dann von uns neben dem ordenlichen gericht insonderhait bevolhen.
Wiewol der landmarschalch also der landleut ordenlicher richter ist, so hat er
doch nicht macht, seinen gerichtszwang oder die gerichtshandlung
| Seite 28| so vor ime ausgefüert werden solle iemand anderen ausserhalb des
undermarschalchs zu bevelhen, ausgenumen in den sachen so zu hilf fürderung und
ausfuerung der haubtsach vnd des rechtens not, als zeugen zu hören, beschaw auf
grunden, und ander erfarung zu thuen die ime persöndlich zu handlen nit gelegen
und den partheien von grosser mue und cosstung wegen so darauf laufen beschwerlich
sein möchten.
Der landmarschalch soll die partheien in iren notturften gütlich und
unvertreßlich hören, beschaid und antwort mit züchtigen und senften worten nach
gelegenhait der person und sachen geben, und ob ie zu zeiten ernstlicher handlung
und straf von der partheien unzucht wegen not thät, soll er sich als ain oberer zu
scheltworten und mißhandlung
| Seite 29| nit bewegen lassen, sonder
mit züchtigen ernstlichen worten und geparden den verprecher durch den
undermarschalch oder furpieter in straf zu nemen haissen nach gstalt der person
und sach, also das mer die vernunftig zucht dann die hietzig ungestuemb
erschein.
Wiewol als obsteet der landmarschalch umb lessterlich oder peindlich sachen nicht
zu richten noch handlung des bluets beruerent zu schaffen hat, es wuerde im dann
von uns sonderlich bevolhen, so hat er dennocht straf des kerchers und gefenkhnus
auch peenfall uns in unser khamer aufzulegen macht und gwalt, dann der
gerichtszwang ân sein gemässe straf nicht sein mag.
Wann partheien vor dem landmarschalch zu krieg khumen, ob er der person oder
sachen darumb geladen ist ordenlicher richter sei oder nicht, das hat der
| Seite 30| landmarschalch wol mit urtl zu entschaiden und sich zu
richter zu erkhennen oder daz recht an ander ende zu weisen, ausgenumen der
landmarschalch ließ sich gegen ainer parthei ein sein ordenlich gericht selbst zu
kriegen, alßdann het er mit macht umb den beruerten streit zu erkhennen, dann er
sich als ain parthei gemacht und nicht als ain richter gehalten het.
Ain ieder landmarschalch soll sich treulich bevleissen vor den endlichen urtlen
die partheien daran zu weisen damit si sich von besser freundschaft wegen, umb
cosst zerung und ander nachthail so zu zeiten aus hitziger rechtfertigung
erwachsen zu vermeiden, in güetliche verainigung begeben dardurch die partheien
mit wissen und willen freuntlich vertragen werden möchten. aber er soll si in
khainen hindergang
| Seite 31| weisen, es sei dann der partheien
aigner will. und wiewol der landmarschalch etlicher maß wilkhurlichen richter sein
möcht wo ine die partheien darzue erwellen, so ist doch besser sich der zu
entschlagen, dann schwer und schimpflich und dem rechten ungemäß wär sich als
erwelter richter aines handls mit sorgen zu beladen, dann er als ordenlicher
richter abzuschaiden macht hat. so werden ie zu zeiten nach den wilkhurlichen
abschieden oder urtlen wie als ordenliche oberigkhait umb hilf und höher recht
abgerueft, daselbst wuerde alßdann ain landmarschalch als wider des handlung die
beruefung beschehe angeschlossen, das ime und seiner ordenlichen oberigkhait
verclainerung bringen möcht. aber anderst wierdt verstanden in den sachen darin
der
| Seite 32| landmarschalch ordenlicher richter nit ist.
Es soll der landmarschalch albeg die eltisten sachen und händl so in gericht
khumen und zu recht gesezt sein von ersten und vor den neweren und jungeren
furnemen und abfertigen und darin guet ordnung und maß halten.
Des Landmarschalchs brief und sigil in den sachen sein gerichtszwang belangent
ausserhalb des landundermarschalchs oder landschreibers als geschwornen
gerichtschreibers gefertigt wierdt in recht nit glaubt.
Der landmarschalch hat nit macht die gerichtshandlungen bei seiner hand zu
behalten, sonder sollen bei dem landschreiber beleiben, der auch davon antwort
thuen solle.
Der landmarschalch soll sein ain frumber redlicher verständiger man
| Seite 33| und in zweiflichen sachen nit volgen dem beisitzer oder ratßman
der das merer ansehen hat, sonder dem der mer rechtmessig und gruntlich ursach
seines ratschlags furbringt. und darumb soll er vernunftig sein, das er solch
ursach underschiedlich erkhenn und darumb frumb, das er dem besseren volg und das
unrecht verlaß.
Des undermarschalchs aid mag aus des landmarschalchs obgeschriben form genumen
werden mit mässigung etlicher wort nach gelegenhait des ambts und person.
Dieweil also dem landmarschalch ain undermarschalch zu hilf und beistand
zuegeordent, ist pillich, das der undermarschalch sein aufsehen auf den
| Seite 34| landmarschalch und sein bevelch als oben hab, und sonderlich in
den händlen die das ambt den gerichtszwang und rechtfertigung berueren. deßhalben
sollen si sich dermassen bei ainander redlich und rechtmessikhlichen halten, damit
zwischen inen khain zerrutung entstehe.
Ain ieder undermarschalch soll auf sein cosstung halten ainen weispotten des adls
oder ain ander erber glaubwirdig person, so dem gericht geschworen sei und an
seiner stat die ansätz auf dem land zuvolfuerung der urtlen thue. wo er aber
khainen geschwornen weißpotten het, so ist er schuldig die ansätz persondlich zu
thuen. und wo ainicherlai irrung oder eingrif darin beschehe, ist der
landmarschalch phlichtig dem angesezten handhabung zu thuen, wie hernach von dem
angesezten gesehen
| Seite 35| wierdt.
Welchem der undermarschalch durch den weißpotten ainen ansatz thuet, als menige
nacht der weispot auf dem land biß der ansatz gar beschehen ist, als oft der so
den ansatz erlangt ime geben ainen hungerischen gulden oder darfur aindlif
schilling phening und auf ain person und pherd erber zimbliche zerung. wo aber der
ansatz so nahent beschäch, das der weispot aines tags wider anhaimb khumen möcht
und nit uber nacht ausbleiben bedurffte, nichts dest minder soll dem
undermarschalch ain hungerischer gulden geraicht werden. und wo der
undermarschalch khainen weißpotten het und den ansatz persondlich thät, ist man
ime auch nit mer solds noch zerung schuldig, dann wie angezaigt ist.
All verhör, ausser rechtens die sich umb täglich handlung
| Seite 36| in den herren und adlsheusern in der stat so der burgerrecht
nicht underworfen sein begeben die soll der undermarschalch thuen und die händl
mit fueg abrichten ôn des landmarschalchs beschwerung, es war dann der
undermarschalch des landmarschalchs hilf und handhabung notturftig, die woll er im
mittailen. was sich auch fäll und wändl in denselben heusern begaben, gehören
ainem undermarschalch zue.
Der beisitzer sollen wie obsteet sechs sein, nemblich drei von dem herrenstand,
und ainer aus der ritterschaft der ain ritter, und die zwen edl und rittergemäß
von den geschlechten in dem land und aines erbern herkhumen sein.
| Seite 37| ir aid und phlicht so si vor eingang ires ambts thuen sollen ist
hernach beschriben in aines ieder person insonderhait also: "ich soll und will dem
landßrechten getreulich und mit vleiß ob sein, nach disem landsrechtpuech
desselben satzung und ordnung auch nach redlichem erbern und leidlichen gebrauch
und gueten gewonhaiten des erzherzogthumbs Österreich under der Enns und, sovil
mich mein vernunft zu der erberkhait und pillichait geleiches rechtens weiset, dem
armen als dem reichen und dem mereren als dem minderen nach mainem bessten und
höchsten verstand ain gleiches götlichs recht sprechen, mich khain sach darwider
bewegen lassen, sonderlich von den partheien noch iemand anderen khainer sachen
halben so in gericht gehandelt werden ainicherlai
| Seite 38| gab
schankhung oder nutz durch mich selbst oder iemand anderen wie das menschen sinn
erdenkhen möchten nicht suechen, auch in dem gericht und urtlen khain sonder
parthei anhang und zuefall furnemen noch machen, khain parthei warnen noch inen
rahten, und was in ratschlegen gehandelt wierdt niemand öfnen vor noch nach der
urtlen sonder die ratßgehaim biß in mein grueb verschweigen, auch khain sachen
gefärlicher weiß aufhalten noch verziehen, und sonst alles das thuen das ainem
frumben gerechten beisitzer und rechtsprecher gebürt, ungefärlich als waar mir got
helf."
Davon soll ain ieder frumer rechtsprecher pillich sein pildnus erkhennen, also
das sein seel ist ain lob gottes, sein geist ain sorg und haltung des gesezt, sein
haubt ain verständig gericht, sein
| Seite 39| augen und zungen ain
liecht und leer der warhait, sein brust ain gedächtnus der gerechtigkhait, sein
herz ain gerechter will, sein hend volziehung des gerechten und die fues
verharrung und bestendigkhait in allem gueten. und ist in suma aller nichts anders
dann die pillichait und erberkhait.
Wiewol sich ain ieder landman des landmarschalchs gerichtszwang underworfen die
gesezt und recht dits landrechtpuechs zu erlernen befleissen soll wie er schaden
und nachtail emphliehen will, so sein doch landmarschalch undermarschalch
beisitzer und landschreiber schuldig die fur ander zu wissen.
Dann so sollen richten nach der ordnung und den gesazten dits landßrechtpuechs,
die aber nit nach der redner oder gwalttrager auslegung wie si alle
| Seite 40| ding inen zu vortail teutschen sonder wie die zu fürderung des
rechten, gemaines nutz und die partheien am wenigisten zu belaidigen verstanden
worden und sollen deshalben landmarschalch und beisitzer ausserhalb dits
landßrechtpuechs auf andere geschribne recht nicht aufsehen noch achtung haben,
dann allin in sachen und händlen wo khain außgetrukht recht oder gesezt hierin
begriffen wär. doch in denselben auch nit mer noch anderst dann nach löblichem
geprauch und gewonhaiten dits erzherzogthumbs und so vil si die erberkhait und
pillichait geleiches rechtens und ursach der vernunft weiset und bewegt.
Wann wir dem landmarschalch und beisitzern auf iemands anpringen bevelch und
brief zuesenden, die sollen
| Seite 41| albeg verstanden werden, so
verr das anpringen in grund der warhait also sei. und obgleich der articl in
solchen bevelhen nicht eingeleibt und aber die sachen anderer gestalt dann uns
furbracht erfunden wuede, so sollen die bevelch den erwerbern nit zu statten
khumen.
Also sollen die beisitzer mit sambt dem landmarschalch oder undermarschalch all
sachen so güetlich oder rechtlich fur si khumen treulich und vleissig nach irem
höchsten versteen erwegen ratschlagen, und was die sechs beisitzer all
gleichhellig und samentlich oder der merer thail aus inen schliessen und
erkhennen, oder wo si ungleich und zerspalten wuerden welcher mainung dann der
landmarschalch der zu derselben zeit alß richter dem rat vor ist zuefellt, dabei
| Seite 42| sollen die urtl und abschied besteen. dar umb si
pillich betrachten, wie si nit allein iren nachberen und mitlandleuten sonder auch
inen selbst, iren khinden und erben an guet oder nachtail handlen, und waß sie
ietzo anderen güetlich oder rechtlich erkhennen, das si oder die iren solchs
kunfticlich von got gericht umb gueten und bösen rat iren lon emphahen werden.
Dann wo landmarschalch undermarschalch beisitzer landschreiber und ander
geschworen gerichtspersonen ir phlicht nit also bedenkhen und durch ir sament oder
sonderlich unfleis lässigkhait versaumbnus der partheien gerechtigkhait und recht
gesperrt wuerde, möchten si nach vermüg kaiserlicher recht
| Seite 43| wol verkheert und gestrafft werden und noch mer, wo si ander
schentlich untugent üebten aber ôn das ist nit fruchtbar die gerichtspersonen oft
zu verkheren, es wär dann man die menig und wal rechtverstendigen person gehaben
möcht.
Wiewol die geschribnen recht wollen das die personen so der höchsten ämbter ains
und des fursten statt verwalten in der zeit irer verwesung mit recht nit beclagt
werden sollen, so haben wir doch ermessen die beschwerung und verdächtlichait so
daraus entsteen möchten. deshalben soll in abwesen aines landmarschalchs, oder wo
er iemand verdächtlich wäre oder selbst vor gericht zu thuen het, der
undermarschalch an seiner stat in gericht gleichs macht haben, vor dem der
landmarschalch in den sachen an dits landßrecht gehörent zu clagen
| Seite 44| und zu antworten schuldig, und nit frei gelassen sein soll in
seinen sachen nach seinem willen oder mit gwalt unbeclagt und ungerechtfertigt mit
unseren landleuten underthonen und inwoneren zu handlen.
Dergleichen soll es mit dem undermarschalch und den beisitzern verstanden und
gehalten werden. uns will auch gefallen, welches tags ain landmarschalch clag-
oder antwortweiß vor gericht zu thuen hat, das er sich desselben tags des sitzen
zu recht enthalt und den undermarschalch zu recht sitzen laß, dann es wär
schimpflich aus dem gerichtsstuel aufzusteen und als ain parthei im fuesstapfen
vor ainem anderen und minderen rechtens zu gewarten, damit des ambts und der
person nicht verspott werde. aber an dem undermarschalch hat die sach minder
nachtails
| Seite 45|
Der Landmarschalch und undermarschalch wo si bed in rat bei den urtlen sitzen
haben bed nur ain stimb, dann ir khainer ist ain beisitzer sonder ieder nach weil
und zeit richter. darumb wo die beisitzer ainer urtl halben ungleich und stössig
wuerden ist genug, das ir ainer der landmarschalch oder undermarschalch von des
zuefallen wegen in zweiflichen sachen, darin wie vorsteet khain ordnung oder
gesezt ist, rechtens gefragt werde. doch wo der landmarschalch gegenwurtig ist
soll pillichen er und nit der undermarschalch gefragt werden, es wären dann ursach
vor augen darumb ir ainer nit urtlen sollt.
Die beisitzer sollen zu allen rechtfertigungen all gegenwurtig sein angesehen das
ir ain klaine anzall ist. ob aber ie ainer abgieng krankhait halben oder das er in
| Seite 46| dem rat nit sitzen möcht darumb das er ainer parthei
vatter brueder oder aus anderen wissentlichen ursachen ainer parthei verdächtlich
wär oder seiner aigen sachen halben darumb er selbst vor recht zu thuen hett, so
hat der landmarschalch oder undermarschalch wol macht dieselb zeit ainen anderen
unverdächtlichen verständigen landman desselben stands und der nicht vil groß
sachen in recht hangend haben an des andern stat haissen nidersitzen und
öffentlich an dem gericht und im haimblichen rat auf dasselbmal und zu demselben
handl und nit verrer zugeprauchen.
Der landschreiber so an dem landßrechten gerichtschreiber ist der soll gelert
| Seite 47| verständig in rechtschriften und üebungen erfaren und
sonderlich in disem landßrechtpuech khundig sein, dardurch er der partheien sachen
ordenlich aufzuschreiben und zu handlen, die ratschleg und urtl wie die in rat
furgenumen formlich und rechtmessiclich zu begreifen und gewondlicher landleufiger
schreiberei gehörent stattlichen auszuwarten wisse doch wierdet gelegenhait seines
ambts und was ime darin zu handlen geburt aus seiner phlicht und aid auch anderen
articlen hienach volgent schriftlich gestellt gesehen, also: "ich gelob und
schwer, das ich dem landschreiberambt getreulich vorsein, mit aufschreiben lesen
und andere handlung des landßrechten inner und ausser rats der partheien
furbringen und schriften mit
| Seite 48| sambt den brieflichen
urkhunden und alles das so in gericht gelegt und mir zu verwaren vertraut wierdet
dem gericht treulich bewaren, dieselben khainer parthei ôn des gerichts wissen und
bevelch hinauß antworten noch copi oder abschrift davon geben, und was durch
landmarschalch oder undermarschalch und beisitzer in rat gehandelt wierdet auch
die haimblichait gerichtshändl khainer partheien noch iemant anderen ausserhalb
der genanten landmarschalch undermarschalch und beisitzer entdeckhen noch
eröffnen, auch khainer parthei wider die ander ainicherlai ratten noch si warnen,
khainerlai miet gab schankhung oder anderen genieß durch mich selbst oder andere
personen wie das menschen sin erdenkhen möchten nemen noch nemen lassen,
| Seite 49| sonder mich meines gewondlichen solds und der tax mir
nach gelegenheit aines ieden handls und briefs geordent benuegen lassen, auch
khain partheien fur die andern beschweren, gefärlichen furdern noch verhinderen,
auch meine schreiber so ich in dem ambt geprauchen wierde solchem nachzukhumen und
treulichen zu geloben mit meinem höchsten vleis underweisen und si darzue halten,
und alles thuen soll und wil daz ich dem gericht und partheien dem rechten und
dits landsrechtpuechs satzung nach schuldig bin, treulich und ungefärlich".
Dieweil uns auch unseren landmarschalch und beisitzern und gemainer
| Seite 50| landschaft an ainem redlichen verstendigen gelerten
landschreiber nit wenig gelegen ist, darumben wo derselben ainer begriffen wierdet
der soll mit vleis bei dem ambt behalten werden, wo aber ainer in dem rat
kriegischer partheiischer und bei den landleuten aigennutziger und beitiger des
guets gefunden wuerde, der soll uns angezaigt, damit er als ain gift gemaines nutz
weckh gethon und dem rechten und landleuten zu guet verkheert werde.
Und so ain ieder landschreiber die gerichtshändl und der partheien schriften und
einlegen aus not mer und öfter dann ain beisitzer uberlesen und besehen und durch
die hand lassen mueß, damit er die brief so von gerichts wegen ausgeen sollen der
gerichtshandlung gemäß und mit
| Seite 51| widerwertig mach, ist
nit unnot ir zu zeiten von underrichtung wegen der schriften sein guetbedunkhen
und ratschlag zu hören. aber auf sein ratschlag, dieweil er im rat urtl zu fellen
khain stim hat, soll nit mer gerait werden dann so vil den landmarschalch oder
undermarschalch und den beisitzern in schöpfung der urtlen, wie dann oben davon
gemelt, an solchem seinem ratschlag annemblich ist und gefellt. und allain der
landschreiber werde mit namen des rats gefragt darauf er sein red und
guetbedunkhen underschiedlich und zuchticlich thuen und anzaigen soll, sonst
geburt im nichts zu den sachen noch den urtlen zu reden. ob ime aber die
rechtsprecher ungegrundt irrigen zu sonderen partheien genaigt funden, soll er in
khainen weg gefragt werden.
| Seite 52|
Die partheien sollen fueren schriftlich handlungen, deshalben ain iede bei ir
selbst handen haben mag was durch si bed wider ainander in recht furpracht
wierdet. darumb ist unnot den proceß und die gerichtshandlung nach der leng in die
urtlbrief zu setzen. dann ie zu zeiten die gewalttrager vorsprechen und redner vil
langer unnutzer wort in den schriften einfueren, dieselben in den gerichtsbrief
nach der leng also einzuschreiben möcht nit allein unformlich sonder den gericht
und landmarschalch der den gerichtsbrief besigilt bei frembden personen
schimpflich und verächtlich werden. so ist auch mißlich die notturftigen articlen
aus den eingelegten schriften zu ziehen und in den gerichtsbrief einzuleiben,
sonderlich den partheien die sonst gern gruplen und krieg suechen. darumb soll in
den
| Seite 53| gerichtsbriefen nicht verrer gangen, dann der
clager mit seiner clag und des antworters erscheinung oder sein ungehorsam und der
partheien eingefuert khuntschaft oder brief und sigil zu behelf ires furbringen
eingelegt anzaigt und gesezt werden, und darauf die urtl volgen mit datum des tags
und jar der zeit so die urtl vor gericht eröffent ist. dann ob iemant nachmals
ainicherlai notturftig wären, der mocht dasselb bei der registratur finden,
deshalben auch all gerichtshandlung khunfticlich in ordenliche rechtpuecher nach
der leng eingeschrieben werden sollen.
Die urtlbrief und gerichtsbrief sein äiner parthei not zu nemen, die umb entlich
urtlen oder beiurtlen so craft ainer entlichen urtlen haben ausgeen, und soll
derselben urtl khain abschrift
| Seite 54| dann also in gefertigten
gerichtsbriefen gegeben werden. aber der anderen urtlen, als wann ainer in antwort
gesprochen oder zu khuntschaft zu laisten erkhennt oder zu weisung zuegelassen
wierdet, und dergleichen beiurtlen die zu volfarung in recht zu des entlichen
urtlen dienen, der soll der landschreiber abschrift geben.
Welcher ain entlich urtl erlangt und khain gerichtsbrief darumb nimbt, und wo ime
nachmalen not beschehe daz er sich in das gerichtspuech umb sein behabt recht
ziehen wolt, dem ist der landschreiber dasselb gerichtsbuech und urtl zu suechen
und furzubringen nicht schuldig, er wär dann von desselben parthei des gelts so
ime umb den gerichtsbrief zu geben geburt zuvor benuegig oder versichert, damit
der landschreiber seiner belonung so er
| Seite 55| in der
gerichtshandlung biß zu ende der sachen gehabt aus der partheien lisstigkhait
nicht beraubt werde.
Der landschreiber soll khainer parthei gebotsbrief ansatz anbot urlaub oder ander
brief so zu volfuerung des entlichen urtls dienen fertigen, si haben dann zuvor
den gerichtsbrief auf den die benanten nachvolgenden brief zaigen bei handen,
damit nit zerruttung und irrung in volfuerung des gerichts gemacht werden, doch
soll der landschreiber niemant mit den gerichtsbriefen saumen.
Des landschreibers tax soll sein von ainem gerichtsbrief, do das gericht von
funfzig phunt phening biß in tausent wert ist: albeg von funfzig phunt phening
| Seite 56| ain phunt phening. wo aber über funfzig phunt [den.] und
nit hundert wert ist zwai phunt phening und nicht mer. und was under funfzig phunt
[den.] wert ist: allain ain phunt [den.].
Von gemainen bevelhen sendbriefen vorderbriefen und ladungen umb schulden auf ain
kurzen termin, als vierzehen tag und deßgleichen, sambt ainer copi: davon
zwenunddreissig phening.
Umb mer cosstung pottenlon mue und ander beschwerung zu vermeiden soll furan
albeg nit mer dann ain ladung die drei underschiedlich täg. nemblich vierzehen zum
ersten, vierzehen zum andern und vierzehen zum lezten und entlichen rechtstag
benent gegeben werden mit dem anhang, ob zu ausgang der ladung das recht nicht
besessen wuerde, alßdann auf den nechsten gerichtstag darnach zu erscheinen, und
wo die geladen parthei auf denselben rechtstag nit erscheint, so
| Seite 59| werd demnach auf der gehorsamen parthei anrueffen gehandlt wie
sich geburt und recht ist.
Die verlaufung der täg in der ladung bestimbt sollen sich nit anfahen noch gerait
werden von dato der ladung sonder von dem tag als si uberantwort, und solches soll
furan in den ladungen gemelt werden.
Alle ladungen im land sollen auf sechs wochen, und ausser lands auf drei monat,
das ist zwölf wochen, doch albeg mit meldung dreier underschiedlicher tag wie
vorberuert ist gestellt und gefertigt werden.
Zu fürderung des rechten soll furan die clag alle in ainer ieden ladung clar und
lauter eingeleibt und der articl bisheer gebraucht, als in volfuerung der clag
lauter oder clärlicher angezaigt werden solle vermitten beleiben.
| Seite 60| dann die zeit der dreier gerichtstäg in der ladung begriffen
sein dem antworter zu guet gegeben, damit er statlich bedenkhen und was ime zu
verantwortung der sachen not sei erkhundige, so der clager sich villicht ain jar
bedacht hat was gestalt und auf was grund er clagen wölle. und dieselb ladung soll
dem antworter bei ainem geschwornen gerichtspotten gesant werden.
Und dieweil also die clag in der ladung außgetrukht sein soll, so volgt daraus,
so bald der geladen die ladung empfächt und dieselb in sein wissen khumbt, das er
dann mit dem guet darumb geclagt ist nichts neus zu handlen hat, sonder soll das
in der maß beleiben lassen wie es die ladung begreift.
Welche ladung in der clag und beschlus oder begern vor verfahung des kriegs
| Seite 61| an einander ungleichhellig gefunden werden, dieselb
ladung, aber nit die sach, wierdt gefellt und der widerparthei die cosstung
vorbehalten.
Wann der antworter ainsten geladen und erscheint, ist nit not den partheien zu
anderen handlungen in recht von newem zu verkhunden, dann sovil der khuntschaft
und fragstuckh halben beschicht, sonder sobald si ainst den krieg verfahen, sein
si schuldig zu ainer ieden gerichtszeit selbst oder durch ire gwält rechtlich zu
erscheinen biß zu end und entschied ires kriegs und volfuerung der urtl.
Veerer, umb cosstung schreibgelt pottenlon und ander beschwerung zu vermeiden,
wann etlich underschaidenlich umb ain sachen verphlicht sein darumb ain ieder
beclagt werden möcht und darumb sonderlich zu antworten schuldig
| Seite 62| wäre, als da ir etlich umb ain schuld oder purgschaft
unverschaidenlich verschriben sein, ist nit not ainem ieden ain sondere ladung
zuezuschickhen, sonder genueg das ain ladung, darin dieselben sachen all mit namen
begriffen, und sovil abschriften der ladung als vil der person in der ladung sein,
aus der canzlei gefertigt und underschriben werden. und welchem under inen allen
die ladung geantwort wierdt mit sambt den copeien und abschriften, der soll
alßdann die anderen seine mitverwonten mit den abschriften ersuechen und inen die
ladung also verkhunden, damit si khumen und ime die clag helfen zu verantworten.
dann dieselben seine mitverwonten khumen alßdann oder nit, nichts minder wierdet
gegen dem so die ladung emphangen gehandlt was recht ist. doch ist
| Seite 63| ime vorbehalten sein geprechen und verlust gegen seinen
mitverwonten, die ine in der sachen verlassen haben, zu suechen wie recht ist.
Wo aber mer personen ainer sachen verwont sein, die ainer ôn den anderen nit
verantworten mag noch soll, in derselben sach soll ainem ieden antworter ain
sondere ladung zuegesant werden, welche sachen sich aber sonderlich oder
samentlich zu verantworten geburen, soll der clager so die ladung begert erwegen,
dann sein nutz und nachtail daraus erwachsen mag.
Ob ain landmarschalch des ambts entsezt wierdet oder stirbt, der ainer partheien
entlich ladung zuegesant, und derselb geladen erscheint nit, so mag der
nachkhument landmarschalch und richter dem der gerichtszwang bevolhen wierdet
wider dieselben partheien als ungehorsame
| Seite 64| in recht nit
volfarn, sonder soll auf seines vorforderen ladung zeitlich ain gemain offen
verkhündung an der landschaft hauß und in etlichen stetten an den kirchen
anschlagen lassen, damit meniclich wissen muge auf was zeit er das landßrecht
halten wölle. erscheint alßdann der geladen oder nit, so hat der new
landmarschalch wol macht auf der partheien ungehorsam zu handlen wie recht
ist.
Was ainer in seiner ladung in recht furbringt das wierdt geacht, als ob er es vor
gericht bekhennt het, und mag darumb purgerlich oder peindlich doch vor dem
ordenlich gericht beclagt werden nach notturft das jhenig so dieselben wort
belangen.
Wann ainer dem anderen beweglicher das ist varender gueter entwert, roß wägen
viech traid wein oder anders
| Seite 65| nimbt, so ist der clager
nit schuldig die drei obberuert zeit der ladung zu erwarten sonder mag der richter
ime ain entliche ladung mit bestimbung aines tags, der von uberantwortung der
ladung gerait werden soll, daran er zum nechsten zu recht sitzen wierdt, schaffen
zu fertigen, dann der widerparthei ist langs bedachts ôn not, dieweil si irer
aigen gewaltigen handlung aus was ursachen si dieselb begangen wol bericht ist.
und wo dieselb parthei auf solchen benenten rechtstag nit erscheint, soll wider ir
ungehorsam wie recht ist gehandelt werden.
Des gerichts fronpot den man ainen furpieter nennt soll ainer des adls oder ain
andere erbere glaubwirdige person
| Seite 66| sein. der soll als
ain gemainer gerichtsdiener bei dem gerichts und der rathsthür albeg gegenwertig
warten und sein aufsehen auf die obgemelten personen, so zu dem gericht geordent
sein, samentlich und sonderlich haben zu des landsrechten und anderen ainer
landschaften händlen und notturften das zu thuen und auszurichten, so ime von
ambts und gemainer notturft wegen bevolhen wierdet.
All ladung und ander brief, so von gerichts wegen ausgeen und in der stat da das
landsrechten gehalten wierdet zu uberantworten sein, die sollen durch den
fronpotten oder furpieter und nit die gerichtspotten geantwort, und ime von ainer
ladung die drei tag begreift desgleichen von ainer offen comission von iedem
vierundzwainzig phening, und von anderen briefen wie die sein
| Seite 67| zwölf phening gegeben werden, und was ansätz in den stetten und
purkhfriden auf des adls heusern oder in denselben heusern beschehen, die soll
auch der furpieter und nit des gerichts weißpot thuen, und davon dem
undermarschalch ain hungerischer gulden und nit mer und dem furpieter sechzig
phening fur sein mue geraicht werden.
Ob der furpieter iemant in der stat da das landßrecht gehalten wierdet auf einer
parthei begeren und des landmarschalchs bevelch zu guetlicher verhör oder in recht
zeugnus zu geben mundlich ervordert, als oft er ain person erfordert als oft soll
im der so dieselben zu fordern begert albeg von ainer person vier phening geben.
wann aber der landmarschalch fur sich selbst vordern lässt und von ambtswegen,
davon ist man ime nichts schuldig.
| Seite 68|
Ob der landmarschalch oder undermarschalch iemant des adls in fenkhnus schafft,
die dann ain ieder furpieter zu gwalt haben und dermassen bewaren soll damit dem
landmarschalch und gericht khain spot erwachs, der soll dem furbieter wann er
wider heraus geschafft wierdt, und ob er nicht ain stund in der fenkhnus gelegen
wär, geben fur das hineinfueren vierundzwainzig phening und fur das wider
außlassen auch vierundzwainzig phening. ob aber ain gefangner uber nacht in der
gefenkhnus belib, der soll dem furpieter von ieder nach acht phening zu den
obberuerten achtundviertzig pheningen zallen, darumb auch der furpieter bemuet
sein soll zu dem gefangen zu sehen, ine zu verwaren, auch speis und andere
notturft hinein zu raichen, und ist nit schuldig den gefangnen aus gefenkhnus zu
lassen,
| Seite 69| er sei dann solcher seiner gerechtigkhait zuvor
versichert.
Wo aber der gefangen nicht der adls sonder ain gemainer man oder knecht wäre, der
soll dem furbieter zwölf phening hinein und zwölf phening heraus, und als oft er
ain nacht in gefänkhnus ist, so oft und auf ain iede nacht vier phening fur sein
mue geben, wie vor begriffen ist.
Der furpieter hat allein das beruefen vor gericht zu thuen. und wann der clager
den ungerechten antworter auf des gerichts erkhantnus beruefen lässt, sollen dem
furpieter umb solch beruefen von dem clager zwenundsibenzig phening gegeben
werden.
Der landmarschalch oder undermarschalch
| Seite 70| haben macht
die gerichtspotten nach notturft des gerichts und der partheien aufzunemen, zu
urlauben und zu schaffen nach gelegenhait irer handlung. und zu solchen potten
sollen aufgenumen werden, wo mans bekhumen mag, die schreiben und lesen khunden,
nicht ploß vergeben leut sonder erber glaubwirdig personen, deren albegen sechs
oder acht bei dem gericht sein und unser österreichisch wappen und khain anders an
iren potten puchsen tragen. und allain durch dieselben geschwornen gerichtspotten
und sonst niemant sollen die ladungen und ander brief so von gerichts wegen
ausgeen den partheien auf dem land ausserhalb der gerichtsstat gesessen
ubergeantwortt werden. dann wo solch ladungen und brief durch ander person
verkhundt wierden, sollen das in
| Seite 71| recht nit craft haben
noch wider die geladen parthei wo dieselb vor gericht nit erschin gehandelt
werden. und damit sich die potten dest statlicher wissen zu halten, sollen si wann
si aufgenumen werden, dem gericht disen nachgeschribnen aid thuen ieder in
sonderhait: "ich glob und schweer etc."
Und dieweil sich zueträgt das man anderer ainer landschaft geschäft und händl
halben ie zu zeiten mer potten zu gebrauchen notturftig ist, so mag alzeit der
undermarschalch zu den gerichts- oder anderen einer landschaft sachen uber die
vorberuert anzall mer person zu potten machen, phlicht von inen nemen und inen
unser pottenpüchsen anhengen, denen soll gleicher weis wie den anderen glaubt
werden.
Wann die parthei die ladung
| Seite 72| erlangt, soll si die dem
gerichtspotten bevelhen. die soll der pot verkhünden und antworten an das ende und
mit der maß wie ime die gemelt partei bevilcht, und sonderlich vleiß haben das dem
geladen die verkhündung selbst persöndlich under augen beschehe, wo das nit sein
möcht, doch in sein hauß, dardurch die ladung und clag in des antworters
erkhantnus gewißlich oder gelaublich khume, verkhundt und ubergeantwort werde und
alßdann solch verkhündung auf ain besonder zettl bei der ladung mit zeit tag maß
und stat der verkhündung, auch des antworters reden so er darzue gethon hat mit
sambt sein des potten namen schreiben, und dieselb sein außrichtung-zettl dem
clager oder wem er das bevilcht wider raichen, damit er die vor gericht nach
verscheinung der ladung
| Seite 73| furzubringen hab, und nichts
minder der gerichtspot solch sein außrichtung der ladung dem landschreiber oder
seinem schreiber den er darzue ordent in der canzlei ansagen mit den umbständen
wie vor begriffen ist, damit dasselb solches zu der registerierten clag
einschreiben und in gericht so verr not wierdet anzaigen muge.
Ain ieder der geladen werden soll, wo er in der nähent nit gefunden wierdet, soll
bei seinem hauß gesucht und ime daselbst die landung geantwort werden. ob er die
nit annemen wollt, soll der pot desselben verachtung in seiner gegenwertigkhait
zuchticlich mit worten bezeugen, dardurch sein ungehorsam und verachtung der
oberigkhait khunt und geschafft werden muge. wo aber der geladen nit anhaim wär,
und sein hausfraw phleger haußverweser
| Seite 74| oder diener
solch ladung nicht annemen, oder sich niemant im hauß anhaim bekhennen oder melden
wollt, so soll der pot die ladung auf die pruckhen mit ainem stain beschwert legen
oder an das thor an ainer khluppen steckhen. und so der pot solches auf sein aid
bestätt, soll das zum rechten genueg sein. und wann die ladung ainem also
geantwort oder solchen gstalt damit gehandelt wierdet, er sei anhaim oder nit, so
ist er geladen und mag wider ine im rechten gehandelt werden, er erschein oder
nit.
Des gleichen sollen die gerichtspotten all ander brief, so den partheien von
gerichts wegen gegeben, wie inen den potten solches bevolhen wierdet uberantworten
und die außrichtung ires bevelchs und ire namen aigentlich aufschreiben, und
alßdann an das ende dahin si
| Seite 75| di parthei beschieden hat
antworten und ansagen, und in albeg vleiß thuen und aigentlich aufmerkhen was inen
bevolhen wierdet und was si darauf handlen, damit si zu ainer ieden zeit so des
not ist guete underricht bei irem aid davon thuen mügen.
Aber in anderen sachen ausserhalb rechtens, als da sein vorderbrief comission
bevelch auf supplication und dergleichen händl, wo dieselben brief gleich nit
durch geschworen sonder ander potten oder person oder die parthei selbst geantwort
werden, und wo die gegenparthei der solch brief zuegesant werden bekhent oder
glaubwirdig gewisen wierdet, das ir die geantwort sein, so hat si umb das der pot
nit geschworen ist nit zu waigern.
Den gerichtspotten soll fur ir müe von ainder ieden meil wegs
| Seite 76| im land zwölf phening, und ausser lands sechzehen phening, und
dann von der execution und außrichtung zwolf phening gegeben werden.
Ob iemant, es sei inwoner oder ausländer, die geschwornen gerichtspotten mit
worten oder werkhen fräfelt, der ist dem landmarschalch nach gestalt seiner
handlung strafmässig. ob sich aber die potten unordenlich und zuvor in
uberantwortung der ladungen und briefen ungeburlich hielten, mag die parthei
solches dem landmarschalch oder gericht verkhunden, damit des potten unzücht
gepessert und darzue, wo die sach so grob wär, nach der straf von dem gericht
geurlaubt werde.
Wann ain parthei ainen potten schickt in ainer sachen und dem potten steet ain
faal zue, der durch menschlich vernunft nit hat mugen gewendt
| Seite 77| werden, solcher zuefall entschuldigt die parthei so in geschikht
hat, das ime der saumbsal nit zu nachtail raichen soll.
Der vorsprechen und redner ambt und weß si sich vor gericht halten sollen wierdet
aus irer aidßphlicht und anderen hernach geschribnen articlen verstanden. dann si
sollen der zeit wie si zu dem gericht angenumen werden schweren "das si die
partheien deren sachen si in recht furzubringen annemen mit rechten ganzen trewen
mainen, und dieselben sachen nach irem höchsten versteen iren partheien zu guet
und nach ordnung und satzung dits landßrechtpuechs mit
| Seite 78|
vleis furbringen und handlen, und darin wissentlich khainen valsch oder unrecht
gebrauchen, noch gefärlich schüb und verlengerung zu verzug der sachen suechen
noch des die partheien zu thuen underweisen, auch mit den partheien khainerlai
vorgeding oder furwort machen vil noch wenig zu thail von der sachen der si redner
sein zu haben oder zu gewarten, auch die haimblich act nd behelf so si von den
partheien emphahen oder den verstand der sachen die si von inen selbst darin
erlernen und merkhen iren partheien zu nachtail niemant offenbaren, das gericht
und die gerichtspersonen eeren und furderen, vor gericht erberkhait gebrauchen und
lessterung und schmachwort bei peen nach massigung des gerichts meiden, die
partheien uber zimblichen sold und ordnung hernach geschriben
| Seite 79| tax und satzung nit beschweren noch staigern, und ob des solds
halben zwischen inen und den partheien ainiche widerwertigkhait wuerde, desselben
bei erkhantnus des richters und der beisitzer beleiben, und was durch si in
gehaimen rat entschieden wierdet sich desselben benuegen, sich auch der partheien
und sachen die si in recht zu handlen angenumen haben ôn redlich ursachen und des
gerichts erlauben nit entschlagen, sonder biß zu ende derselben angenumen
partheien treulich helfen raten und handlen sollen und wöllen, ungefährlich".
Welche vorsprecher und redner den ietz geschriben aid thuen, die sein furbaß den
aid fur gefärde den man nennet juramentum columnie zu thun nit schuldig, ob aber
außländer vor dem landßrechten clag- oder antwort-weiß
| Seite 80|
zu kriegen hetten und ir redner und vorsprechen mit inen brächten oder mit gwalt
schikhten, dieselben sollen nicht zuegelassen werden, si haben dann zuvor den
beruerten aid fur gefärde in der sachen darumb si fur gericht khumen gethon.
Ain iede parthei mag ain vorsprechen und redner bestellen, also wann die sach von
funfzig biß in hundert gulden reinisch wert betrifft, mit ainem reinisch gulden,
die si ime und nit mer zu handhab zu raichen schuldig ist. wo aber die sach under
funfzig gulden reinisch wert ist, soll die handgab ain halber gulden reinisch
sein. was aber sachen uber hundert biß auf funfhundert gulden reinisch wert, soll
die
| Seite 81| handgab zwen gulden reinisch, und was bei tausent
gulden wert vier gulden reinisch, was aber daruber ist die handgab funf gulden
reinisch und nit mer. nachmallen in verfarung des kriegs und rechtens sollen die
vorsprechen und redner ie nach gelegenhait der handlung und müe zimblich gelt zu
irer underhaltung von den partheien nemen, darnach zu ende der sachen und nach
entlicher urtl auf das, so si zu handhab und mitl des kriegs emphangen haben, die
ubermaß zu volkhumen lon sovil si erberlichen verdient haben empfahen. ob aber ain
parthei vormallen seinem vorsprechen und redner so vil hinaus geben, das si sich
mer zu geben beschwert, oder ob si sich des lonß sonst nicht verainen möchten,
mugen si solches zu bederseits, oder welche parthei beschwerung trüeg, dem
landmarschalch
| Seite 82| und beisitzern supplication weiß zu
erkhenne geben, die sollen zu erwegen und zu sprechen macht haben, was von
derselben sachen billich gegeben und genumen werden soll.
Zu furderung und besserer sicherhait der gerichtshändl partheien und ladungen
auch vil rede der versprechen redner vogt und gewalttrager abzuschneiden, daraus
ze zeiten menig irrung entsteen, haben wier geordent, das hinfuro all partheien in
recht schriftlich gegen ainander handlen sollen, die sachen seien groß oder
khlain, und zu beschluss aines ieden rechtsatz, er beschech zu der haubtsach oder
auf ain außzug, soll iede parthei oder ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager
nit mer dann drei schriften einzulegen nacht haben und irer widerparthei albeg ain
gleichlautende abschrift desselben ires
| Seite 83| einlegen
uberantworten. doch ob der clager nach des antworters ersten oder anderen schrift
nichts verrers furbringen und seinen rechtsatz mundlichen thuen wollt, daz hat er
wol macht, aber daneben nichts anders einzufueren dann den rechtsatz auf das
kurzist den schriften in recht gelegt gemäß. alßdann hat der antworter nicht macht
verrer geschriften darauf zu machen, sonder auch seinen plossen rechtsatz den
eingelegten schriften und herkhumen der sachen gemäß muntlich zu thuen.
deßgleichen hat auch der antworter, wo die vorschriften an ime sein, macht. wo
aber der partheien aine ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager in iren lezten
schriften oder muntlichen rechtsätzen ainiche neuerung einfuerten, dieselb
newerung hat die widerparthei wol macht, articl- und punctweiß ôn zuesätz
| Seite 84| muntlich anzuzaigen und zu verantworten, damit nit auf
dieselben sonder auf die vor eingelegten schriften und rechtsätz in recht erkhennt
werde, ob auch solchs newerung sein oder nicht den rechtsprechern zu erkhennen
haimbsetzen, aber khain sondern entschied daruber begeren. es sein auch die
rechtsprecher darüber zu erkhenen nicht schuldig, wo aber ir so gefärlich newerung
erfunden wuerden, soll die parthei oder ir vorsprech redner vogt oder gwalttrager
darumb gestrafft werden. dieweil si wie obsteet schweren gefärde zu vereiden,
damit niemant armuet halben rechtloß sei, soll ain lantmarschalch oder
undermarschalch den armen die solchs nit vermugen aus den geschwornen zu dem
gericht vorsprechen oder redner zuestellen und si denselben bevelhen inen in recht
zu rathen furzubringen und das besst fur
| Seite 85| si zu handeln.
und welchem vorsprechen oder redner die armen und ire sachen also bevelhen werden,
der ist phlichtig die bei peen entsetzung seines ambts ôn widerred anzunemen und
zu verwesen wie vorgemelt ist, und ob solcher armen sachen mer als aine wuerden,
soll der landmarschalch oder undermarschalch die gleich under die vorsprechen und
redner austailen ungefärlich. damit aber der boßlisstigen gleichsende armuet nit
stat geben werde, so soll der armb dem also aus mitleiden geholfen wierdet dem
gericht an aids stat geloben, sobald er durch behabnus gegen seinem widerthail
oder sonst zu narung khume, das er seinem vorsprechen oder redner nach gelegenhait
der ergangen urtl und sachen wie sich gebürt benuegig machen wölle.
Item, die vorsprechen redner vögt und
| Seite 86| gwalttrager
sollen verstendig beschaiden und sonderlich in disem landßrechten wissent und
geübt sein, recht gemain teutsch reden und schreiben, und nichts in latteinischer
zungen schriftlich noch müntlich vor gericht furbrigen, noch die lateinischen
namen zu dem teutschen ziehen, als so sie wolten reden oder schreiben: comission
prabation dilation exception compaßbrief und ander dergleichen namen, sonder sich
ordenlicher gemainer teutsch darfur gebrauchen, dieweil die so clar und lauter in
solchen fällen als die latein sein mag, nemblich bevelch gezeugnus verzug auszüg
zeugbrief und was si verrer in recht einzufüeren haben, daz sollen si zu erhaltung
und erleuterung dieses hier ingeschriben recht in teutscher zungen thuen.
Item, der vorsprech redner vogt oder
| Seite 87| gwalttrager der
seiner partheien in recht leisten oder ir sach furpringen soll vor und ee er die
sachen annimbt aufricht und macht die parthei wie sich geburt notturfticlich
hören, ir brief sigil und gerechtigkhait aigentlich ubersehen, und sich der
zeugnus und khuntschaft damit si die clag antwort außzüg und ander was not wuerde
beweren will gruntlich erkhunden, damit solches rechtmessiclich und nach der
parthei notturft furbracht werde, wo sie aber erfunden das die parthei nit guet
gerechtigkhait hat, alßdann dieselb mit dem bessten glimpfen abweisen sich in
recht nit zu begeben, costung und widerwillen zu vermeiden. dan vil geschehen
möcht, das die vorsprechen redner vögt oder gwalttrager, die hendl ungemessen und
unerfaren auch das gelt von den
| Seite 88| partheien unbedacht
annemen, mer nach der partheien gelt dann nach grund der sachen fragen, und wierdt
in iren schriften und einlegen befunden, wie die clag antwort schriften und
eingelegt brief und sigil etwo unförmblich und der handlung ganz ungemäß sein. wo
dann der richter solchen unfleiß oder unachtberkhait spuret, dardurch die parthei
nachtail erwart, soll er die gerichts cosstung den vorsprechen rednern vögten oder
gwalttragern zu bezallen auflegen, das eingenumen gelt seiner parthei wider zu
geben bevelhen, und darnach die straf das er wider sein phlicht gehandelt hat dem
gericht vorbehalten.
Die vorsprechen redner vögt gwalttrager oder beschirmer vor disem gericht sollen
ire einlegen und schriften, so si wider die gegenparthei zu thuen haben,
| Seite 89| uber den dritten gerichtstag der besessen wierdet nicht
verziehen ôn merkhlich eehaft not dem gericht wissent. wo aber solcher verzug uber
die benennt zeit ôn rechtlich ursach durch die vorsprechen redner vögt gwalttrager
oder beschirmer beschähe und die widerparthei das vor gericht meldet, das soll in
das gerichtspuech bezaichent, und waß cosstung und nachtail aus derselben
verlengerung erwachsen wuerde, in mässigung des gerichts darlegen den genanten
vorsprechen redner vogt oder gwalttragern zu bezallen aufgelegt werden, dardurch
die parthei derselben die das gelt nemen unfleiß und versaumbnus nicht
entgelt.
Die partheien oder ire vorsprechen redner vögt oder gwalttrager in gericht sollen
sich schamen und enthalten wissentlich unwarheit und ungrund
| Seite 90| in hoffart und ubermuet furzubringen, und nicht achten umb das
si etwo die warhait truzlicher tempfen möchten sovil dest gelerter gesehen zu
sein. dann wo si der unnottuftigen subtilittet des rechtens und der worten mer
obligen dann den geschichten und handlungen der partheien und irer gerechtigkhait
oder aines gueten glaubens und der warhait, so sollen si nicht angenumen sonder
verworfen werden.
Welcher vorsprech redner vogt oder gwalttrager sein parthei underweist die
warheit in recht zu verhalten oder solches anstat derselben parthei selbst
wissentlich thuet, der ist der widerparthei den schaden so si daraus emphächt, es
sei mit zeugnus khuntschaft cosstung oder verliesung der haubtsach, abzuthuen und
| Seite 91| zu widerkheren, und demnach sich mit dem gericht umb
versprechung seiner phlicht zu vertragen schuldig, dann si sollen recht und
warhait rathen handlen und furbringen.
Welcher vorsprech redner vogt oder gwalttrager mit seiner parthei vorgeding macht
umb ain thail khlain oder groß der sachen oder umb ain benant guet so in krieg
ist, den urlaubt das recht ôn erkhantnus und urtl von seinem ambt dasselb verrer
nicht zu geprauchen. und ob solch geding gleich mit dem aid bestät wäre, so hat es
dennocht nit craft, dann solcher aid ist wider recht und guet sitten.
Die vorsprechen redner vögt und gwalttrager sollen nicht zu viel reden und
niemant an sein glimpfen belaidigen sonder beschaiden sein,
| Seite 92| doch das so zu notturft irer partheien sachen dient nicht
verhalten, sonder mit den züchten und furworten als sich zu eren geburt an den tag
bringen. wo aber ainem durch die partheien ursach geben wuerde, mag er sich mit
maß und zucht verantworten.
Ob ain parthei die bessten und geschickhtsten vorsprechen redner vögt und
gwalttrager allain bestellet, dardurch sich die widerparthei mit den ungeuebten
betragen müest, des soll der richter nit gestatten, sonder ain gleiche thailung
und maß darin machen.
So ain vorsprech redner vogt oder gwalttrager, der die gehaim ainer parthei
vernumen und sich derselben zu dienen zuegesagt und gedingt hat oder ist derselben
sachen handler gewesen, der soll der widerparthei
| Seite 93|
vorsprech vogt redner oder gwalttrager nicht sein in ainicherlai dieselben sachen
berüerent. wo er aber solches thet und desselben oder wie er sonst als ain
bedenhender uberwisen wuerde, so soll er verleumbdig sein und gestrafft
werden.
Wann ain vorsprech redner vogt oder gwalttrager ainicherlai red oder händlt vor
gericht in gegenwurtigkhait seiner partheien, und die widerspricht dasselb nicht
und zaigt die irrung des vorsprecher redner vogt oder gwalttrager nicht an,
wierdet gehalten als ob dieselb parthei solches selbst geredt und gehandelt
hete.
Frawen sollen nicht gwalttragen, ausgenumen si haben armb und krankh vätter
mueter een ändl oder haußwiert, dieselb zu handlen noch ander gwalttrager zu
bestellen nit
| Seite 94| vermugen. auch wann si ain gerhab irer
khinder ist und den khindern durch ir mitgerhaben nit geholfen werden mag, wierdet
si von der khinder wegen in recht zu handlen zuegelassen.
Ain beschirmer haist, der sich ôn gwalt iemant im rechten zu verantworten
understeet. und derselb beschirmer ist schuldig bestand zu thuen mit purgen oder
phanden, das dem so geurtailt wierdet genueg beschehe und sein parthei die er
beschirmbt solch sein handlung zu guet anneme, damit das gericht nicht verschimpft
werde. desgleichen, wer aines außländers der nicht ligunt oder varent gueter im
land hat gwalttrager ist, der soll dem gericht und der widerparthei die ain
landman wär bestand thuen mit purgerschaft oder phanden dem rechten biß zu end
| Seite 95| zu warten, und ob er verlustig wuerde, das so mit recht
erkhennt wierdet zu volstreckhen. ausgenumen, derselb auslender wär ain
dienstknecht im land, oder sonst ain arme person der umb sein lidlon sold raitung
oder ander handlung seinem herren dem er gedient het oder ain andere höhere
gewaltige person umb erblich oder ander gerechtigkhait, als behaltnus schulden und
dergleichen, ansprüch, so ist nit recht denselben ansprechern in bestand zu
tringen, dann damit wuerde den mechtigen und gwaltigen stat gegeben die armen
wider die pillichait zu dringen, so si mengl halben des bestands ir gerechtigkhait
gegen inen nicht suechen möchten. doch damit auch ainer armen person nit ursach
und stat geben werde ainen herren oder unvermuglichen muetwillig zu beclagen
| Seite 96| und umbzufueren, so soll ain solcher armer wo er nit
purgschaft haben mag vor der rechtfertigung mit aidsphlicht verstrikht werden, wo
er aber verlustig wuerde von gericht nit zu weichen sonder gepurlich straf des
gerichts zu gedulden.
In sachen, die ainem gotshauß oder geistlichen stift nachtailig sein oder werden
mügen, hat der abbt oder prelat ôn des convents wissen und willen auch gwalt in
recht nicht macht zu handlen.
Ob ain beschirmer in recht ôn gwalt von deswegen den er beschirmbt ain valsche
bekhantnus thuet, die khumbt der haubtsachen nicht zu nachtail, sonder ist derselb
beschirmer der widerparthei schuldig solches abzulegen, es wäre dann das sein
parthei in solche bekhantnus bewilligt.
| Seite 97|
Ob ain versprecher redner vogt oder gwalttrager seiner parthei zu nachtail
handelt aus ubersehen oder uberfluͦs, den hat dieselb sein parthei darumb zu
beclagen.
Die partheien mugen nit allain gwalt zu recht schriftlich geben sonder auch vor
gericht mit glübt dem richter an den gerichtsstab, darzue einschreiben in das
gerichtspuech. und dasselb gelubt begreift in gemain all articl die zu ainem
volkhumen gwalt in recht nach des gerichts ordnung und geprauch notturftig,
ausgenumen den aid, der soll mit namen außgetrukht sein.
Es soll ain iede parthei iren vorsprechen redner vogt oder gwalttrager zu recht
in iren notturften genuegsamb underrichten, damit er vor gericht nit hinder sich
auf si waiger sich ab ir zu
| Seite 98| erlernen, es begäb sich
dann ain zuefall die haubtsach gruntlich nicht beruerent darin neuer erkhundigung
und underricht not wär. ob aber der vorsprech redner vogt oder gwalttrager in der
haubtsach nit genuegsam underricht ist und auf seinen herren oder parthei waigert
und deßhalben das recht verzogen wierdet, so ist er die cosstung solchs verzugs
schuldig zu bezallen.
Die gwalt zu recht sollen lauter verstendiclich ôn hinterlisst und zweiflige wort
und articl gestellt, und sonst nicht angenumen noch der partheien auslegen daruber
gehört werden, damit nit ain krieg aus dem anderen erwachs, dieweil ebenso leicht
ain richtiger als ain listiger gwalt zu recht gegeben werden mag.
Wo aber ain zweifl wäre, ob ainer
| Seite 99| der sich als
gwalttrager anzaigt ain gwalt hab oder nicht, der mag mit bstand oder sicherhait
der phenung oder porgen zuegelassen werden gwalt furzubringen oder denselben zu
weisen, ausgenumen der herr oder parthei des kriegs möcht der enden da das gericht
ist oder nahent darbei erraicht werden, alßdann hat die sicherhait nit stat. oder
wodurch die sicherhait, so derselb vermaint gwalttrager dem gericht thuet, der
antworter in der haubtsach nit genuegsam versehen wäre, so soll solch sicherhait
durch den richter auch nicht angenumen werden. aber ain ieder auswendiger so
volkhumens alters ist mag aines abwesenden beschirmer sein in recht ôn gwalt, so
er sicherhait thuet das dem rechten und urtl genueg beschehe, ausgenumen derselb
beschirmer
| Seite 100| wär ein person die sonst in recht nicht
handlen möcht.
Wo der gwalttrager gesezt wierdet ain guet einzunemen oder das ime bezalt werden
solle, ist not das er ain verschriben gwalt furbring oder weise genuegsamblich des
gwalts laut und inhalt, so er innhat.
Wann der antworter furwirft des clagers gwalt sei falsch, so soll derselb
gwalttrager mit sicherhait nit ausgelassen werden, der falsch werde dann vor
verkhündt.
Der man mag seiner hausfrawen gwalttrager sein, aber nit sorger alles ires guets,
aber wol ir sorger zu rechtfertigung ainer sachen. und ob er ôn gwalt von iren
wegen clagen will, wierdet er zuegelassen doch mit sicherhait wie vorberüert, und
nicht allain zu clagen sonder auch si zu beschirmen. wo er aber
| Seite 101| von seiner hausfrawen ain verschriben gwalt furbringt, so hat
er nicht macht mer zu handlen dann derselb gwalt vermag. und solches wierdet
verstanden in den guetern des weibs darzue der man khain gerechtigkhait hat. aber
anderst ists in dem heiratguet oder den guetern so das weib irem mann ausserhalb
des heiratsguets ubergeben hat, darin ist der man selbst handler und sacher.
Die gwalttrager in recht sollen nicht nachgesezt gwalttrager stellen weder vor
noch nach verfahung des kriegs, es werdt in dann durch iren haubtsacher oder den
gwalt erlaubt.
Gerhaben und sorger mügen vor und nach verfahung des kriegs gwalttrager zu recht
und anderen notturften irer waisen und khinder setzen, dieweil si denselben ir
handlung verantworten müessen.
| Seite 102|
Das gericht ist ain erliche handlung dreier person, des richter clager und
antworter. und derselben handlung dienen etlich zuordnung des gerichts, etlich zu
lernung der sachen und etlich zu entschied der sachen, als in den nachvolgenden
articlen gesehen wierdet.
Ain iede gerichtshandlung wierdet gethailt in drei thail: der erst ist von
ausgang der ladung biß zu verfahung des kriegs, das ist der recht anfang des
gerichts und kriegs biß zu dem entlichen urtl mit entlicher
| Seite 103| volfuerung derselben urtl. in dem ersten tail wierdet
gehandelt, ob der richter der sachen ordenlicher oder treulicher richter sei, ob
der clager umb die sachen darumb er geladen clagen muge, ob der gwalttrager
genuegsam gwalt habe, ob der clager oder sein gwalttrager in recht handlen müge,
ob die ladung rechtfertig sei, ob die sach vor dem gericht gerechtfertigt werden
solle, und ander dergleichen handlung.
In dem andern thail wierdet die haubtsach gehandelt, auszüg darwider gebraucht,
khuntschaft und zeugnus gelait und wider dieselb khuntschaft und der zeugen person
geredt, und anders gehandelt so zu erkhundigung der warhait in der haubtsachen
dienet. in dem lezten thail wierdet entlich urtl gefellt, die
| Seite 104| gerichtscosstung gemässigt und dieselb urtl volzogen, und
anders gehandelt das zu endschaft der sachen geburt.
Der löblich geprauch hat von alter heer eingefuert, den wir auch gnediclich
beleiben lassen und bestätten, das ain ieder des adels in unserm furstenthumb
Österreich uber seine holden und grund ainen aigen gerichtszwang hat in sachen
seine grund und holden berüerent und darumb straf zu thuen, allain malefitz und
landgerichtmässig händl ausgeschieden. doch wo ain solcher grundherr seumig ist
auf anderer leut clag recht zu thuen, so soll der landmarschalch umb außrichtung
angerueft und khain verpot im land wie bisheer beschehen gestatt werden. und wes
der clagent durch den verzug zu schaden khöme, soll
| Seite 105|
ime der saumig grundherr zu widerlegen schuldig sein.
Welcher sich in gegenwertigkhait dits gerichts, ob das gleich nit sein ordenlich
gericht wär, wissentlich verphlicht alda in recht zu steen und das gericht nimbt
solch verwilligung an, der mag solch gericht in derselben sachen nachmallen nicht
mer waigern.
Nach gemainen rechten soll der clager des antworters gericht ervolgen da des
antworters behausung, oder da er zu der zeit seiner handlung vertrag oder wilkhur
zu volziehen verphlicht hat, oder da das guet darumb der strit ist ligt.
Der gelter, er sei außländer oder inwoner, ist schuldig an dem ende umb die
schuld zu recht zu steen da er sich
| Seite 106| verphlicht hat
solch schuld zu bezallen.
Wann ainer roß viech oder ander guet durch ain gericht fuert darzue ain ander
gerechtigkhait zu haben vermaint, und der wanderer ist beleiblich in der nähent
dardurch er zimblich mag erraicht, dem soll solch guet mit verpotten noch
aufgehalten werden, dardurch dem wanderer und der anderen parthei nit mer cosstung
aus dem verpot erwachs. aber der wanderer sol sicherhait thuen das guet
unverändert zu halten, wann er deßhalben angesprochen dasselb guet furzubringen
und rechtens darumb zu gewarten. doch soll bei demselben auch ain zeit benennt
werden darin der clager solch sprüch sueche, wo er das nicht thuet, das der
wanderer müessig und ime sein schaden gegen dem clager vorbehalten sei.
| Seite 107|
Ob ain gast des adls oder dienstman die merer zeit in dem land wonet und bei
ainem wiert zert khain aigen noch bestand-behausung daselbst hat, der ist nichts
minder nit als umb die händl so er an demselben ort aufricht und thuet, sonder
auch umb die er anderer enden begangen hat oder noch thuen wuerde auf bürgerlich
clag vor dem landßrechten zu recht zu steen schuldig
Wann ain außlender ainen landman vor dem landmarschalch beclagt und den krieg in
recht verfähet, denselben mag der antworter aber sonst khain anderer vor endung
solcher gerichts handlung auch in derselben sachen vor dem landmarschalch widerumb
beclagen, und der außlender den gerichtsstuel nicht waigern fur seinen ordenlichen
richter.
| Seite 108|
Ain außlender und erb aines abgestorbnen der unsers landmarschalch gerichtsstab
underworfen gewesen, ob er in dem selben gerichtszwang betretten wierdet, so ist
er umb des abgestorbnen handlung vor unserm landmarschalch schuldig zu antworten,
und irrt nicht ob derselb erb ainen anderen ordenlichen richter hat und außerhalb
unsers landmarschalchs gerichtszwang wonnhaft, oder ob er ausser ordnung gemainer
recht gefreit ist, alß ob derselb erb allain vor uns oder unseren räthen oder
regiment zu recht steen solle. dann will er des abgestorbnen erb geniessen, mag er
auf sein freihait nicht waigern.
Ob ainer in seinem geschäft oder lezten willen ainem frembden varent oder ligent
guet das in unsers landmarschalchs gerichtszwang gelegen ist
| Seite 109| ordent, und in demselben seinem geschäft ainen erben einsezt
der dem beruerten gerichtszwang nicht underworfen, nichts minder ist derselb vor
dem landmarschalch schuldig zu antworten, soverr er von dem der solch guet aus
craft des geschäfts begert mit der ansprach in das guet beclagt wierdet. wo er
aber mit ainer persondlichen ansprach beclagt wuerde, wäre er zu antworten nit
schuldig sonder mag derhalben fur sein ordenlich gericht waigern. aber in dem
gerichtszwang da der merer thail der erbschaft ligt ist der erb umb die selben
gueter, er werde mit persondlicher clag oder mit ansprach in das guet furgenümen,
zu antworten schuldig.
Ob ainer fur recht geladen wierdet und in zweifl steet, ob er dem gerichtsstab
underworfen sei oder nit, alß
| Seite 110| gewöndlich beschicht
bei denen so zwischen den gränitzen der land sitzen, der selb geladen ist zu
erscheinen und ursach seiner waigerung des gerichts anzuzaigen schuldig, und hat
der landmarschalch daruber wol zu erkhennen, ob er deshalben richter sei oder nit,
mit der maß wie oben davon gemelt ist.
Ob ainer dem gerichtsstab underworfen zu recht geladen wierdet und sich nach
uberantwortung der ladung und vor verscheinung des benennten gerichtstags under
ain ander gericht setzet, nichts minder ist der geladen vor dem landmarschalch zu
erscheinen und dem rechten vor ime zu warten schuldig, dann genueg ist das ime die
ladung furkhumen und in dem gerichtszwang begriffen hat.
Zwischen vatter und sun ist ain naturliche verpündnus, darumben mag
| Seite 111| zwischen inen khain gerichtlicher krieg sein, dann zu ainem
volkhumen gericht wie oben gemelt drei person notturftig der richter clager und
antworter. das mag aber in disem vall nicht sein, dieweil naturlich der vatter mit
dem sun und der sun mit dem vatter ain person geacht werden. auch ist in ainer
gerichtlichen handlung not, das zusamenfliessen die naturlich und burgerlich
verphlichtung, also zu versteen, das der krieg erwachs nit allein aus naturlicher
sonder auch aus burgerlicher landrechtmessiger handlung. also wann der vatter oder
sun aigen ausgeschaiden güeter hetten die ainer fur sich selbst ausserhalb des
anderen ererbt erdient erworben oder uberkhumen, darin der ander khain
geprauchliche mässigung het und doch darin irrung thet oder ime ainicherlai
zuezug, oder
| Seite 112| wo ir ainer als gerhab vormund oder
versorger geursacht und von recht gedrungen wuerde wider den anderen in des
dritten als seines waisen oder jungen nutz rechtlich zu handlen, oder in anderen
dergleichen fällen, so mag zwischen vatter und sun gerichtliche handlung
beschehen. doch das der sun solchs wider den vattern anfahe mit gunst wissen und
erlaubnus der oberigkhait unverholen und mit gehorsamer ersuechung zuvor an den
vattern.
Ob ainer den anderen beclagt vor disem gericht umb ain sach die daselbst zu
rechtfertigen geburt, und es fellt außzugweis ein ain frag oder sach, die sich an
dem ende zu
| Seite 113| rechtfertigen nicht gebürt, nichts minder
mag der richter umb dieselb einfallent sachen erkhennen, ob er gleich derselben
sach sonst nicht richter ist, oder mag schweigent zu der entlichen urtl geen und
denselben auszug verwerfen.
Damit unser landleut in ainigkhait und unzertrennt beleiben, irrung und zwitracht
in disem unserm selbst gerichtszwang vermitten werden, und wir unseren landleuten
in ainer gemain nicht schaden, so wöllen wir unß enthalten solch bevelch ausgeen
zu lassen dardurch die landleut zu sonderen von disem ordenlichen gericht des
landßrechten abzuforderen, noch auch die sachen so vor dem landßrechten zu
rechtfertigen geburen sonderen personen als nachgesezten richtern zu bevelhen,
ausgenumen es wär ain sach so merkhlich,
| Seite 114| das darin
landmarschalch undermarschalch und der merer thail der beisitzer als verdächtlich
person aus warhaften ursachen gewaigert werden möchten.
Die gwaltig entwerung soll vor dem gericht darunder si beschicht, es sei um
ligent oder varent guet, gerechtfertigt werden, also das auch die grossen
geistlichen prelatten und ander so ie zu zeiten den armen aus irem unvermugen
gwalt thuen sich des gerichts nicht eussern sollen. dann wo si uber gethonen gwalt
dem gericht ungehorsam erschinen, so soll auf den guetern die si under demselb
gerichtsstab haben volziehung beschehen, sonst wuerde den mechtigen ursach gegeben
die armen zu vertruckhen.
Der richter soll fur sich selbst khain kriegisch guet zu der dritten hand
stellen, wo der besitzer seiner posseß entsezt
| Seite 115|
wierdet es beschehe dann mit beder partheien willen. und werden dem dritten
behaltnusweiß eingeantwort ôn nachtail des besitzers posseß, es wär dann ain
beweglich guet und die parthei verdächtlich das si damit emphliehen möcht, oder
auch in unbeweglichem guet wann der inhaber verdächtlich und ain verthon mensch
dadurch das guet und die frucht nicht sicher wären. doch wo derselb sicherhait
thuet und die frucht und was es von dem guet emphächt aufgeschriben werden, soll
er nicht entsezt werden. oder wo die partheien aus macht und aigen willen mit
gwalt und waffen sich bei dem guet behalten und aufruer machen wolten, soll der
landmarschalch von unseren wegen dasselb guet biß zu außtrag des rechtens oder
dritten hande behaltnusweiß antworten, und
| Seite 116| nach
erkhantnus der sachen den muetwiller und verachter in unser chamer zu straffen
anzaigen.
Aus den rechten wierdet verpotten zu clagen waisen und denen so in mindern jaren
und under dem gwalt vatter und mueter, der gerhaben sorger oder vormunder sein,
desgleichen corherren munichen von regulierten ôn sonder bevelch und gwalt irer
ober und prelaten.
Desgleichen mugen die unsinigen ungehorenden stumben und thoren fur sich selbst
und in aigner person nit
| Seite 117| clagen. es soll auch denen
so im beschwerten pan und acht oder von mißhandlung wegen landreumig unleumbdig
monaidig, oder anderer gestalt ubelthätter sein die umb ir missethat peinlich
gestrafft werden mugen, zu clagen verpotten sein.
Wiewol menigerlai articl in der clag gesezt werden mugen, so ist doch genueg das
die clag dise furnemblich begreif: wer clag, wen er beclag, was und warumb er
clag, und von dem der cleger rechtens darumb begere.
Die clag soll beschehen schriftlich, und ob die in das guet beschicht, soll das
guet benentlich mit seiner maß gelegenhait und anderen umbstenden, und in den
persondlichen spruchen die ursach der handlung und zuespruchs und von wannen
dieselben erwachsen in der clag lauter
| Seite 118| ausgetrukht,
damit zweiflicher und dunkler verstand ausgeschlossen werde und die widerparthei
schikhlich darauf antworten auch der richter ain clar lauter urtl geben müge.
Ain ieder soll sich vleissig bedenkhen warumb er in recht clagen wölle, damit in
der clag khain muetwillen sonder allain die notturft erschein, dann es ist ain
gemain war wort, das recht ist siniwel und ausgang der rechtfertigung
wandelwertig. welche aber nit inen selbst sonder anderen rechtfertigung ueben, als
gemainiclich die vorsprechen redner und gwalttrager, die haben oft dabei lust und
gewin. darumb sehe ain ieder des die sach aigen ist, was er thue und das besser
ist mit rue nuzlich zu gedulden dann mit schaden sorg und arbait zu kriegen.
| Seite 119|
All clagen oder ansprach, so bei den ordenlichen oder wilkhurlichen richtern
geübt, die werden in drei thail gethailt: dann etlich sein persondlich, etlich in
das guet allein, etlich sein gemengt oder vermischt. die persondlich clag oder
ansprach gebüren aus vilerlai mainung so den personen anhengen, als umb wilkhur,
oder handlung ainer wilkhur gleichmässig, auch umb mishandlung oder umb sachen
ainer mißhandlung gleichmessig. clag oder ansprach in das guet deren sein etlich
leiblich, als wann ainer den anderen beclagt umb ain sichtig ligent oder varend
guet, gold, silber ackher wismad haus hof etc., etlich unleiblich, als so ainer
den anderen beclagt umb ain gerechtigkhait oder gebrauch, so ainer des ander guet
hat, da er sein guet nicht begert sonder die
| Seite 120|
gerechtigkhait und dienstberkhait aines wegs durch sein grund zu treiben, zu faren
oder zu geen oder waid oder wasser auf seinen grunden zu nemen, auch umb
obrigkhait und gerechtigkhait und dergleichen unleiblich gerechtigkhait dann die
vermengten oder gemischten clag und ansprach sein, wann ainer handelt umb das sein
und das so man ime zu thuen phlichtig oder schuldig ist, als die ansprach sein umb
erbschaft oder gemaine thailung aines guets, so ir zween oder mer in gemain mit
ainander haben und dergleichen.
Etlich clag werden genannt samentlich, so ainer begert sich ainen erben zu
erkhennen, oder begert ainer erbschaft, oder clagt aus ursach aines geschäfts
darinnen ime ain erbschaft geburen soll, oder umb thailung ainer erbschaft oder
umb khauf
| Seite 121| ainer samentlichen erbschaft. und in
solchen handlungen ist der clager nit schuldig die gueter sonderlich in der clag
auszutruckhen. etlich clag sein gemainsam, als so ich umb schloß dorf oder anders
guet clag mit aller seiner zuegehörung, darinen mag erleuterung der zuegehörungen
begert werden, wo dieselb sonst nit wissent ist, damit der antworter auf des
clagers begeren lauter und gruntlich wiß zu antworten und der richter ain gewisse
richtige urtl geben müge. eetlich sein sonderlich clag, so umb sondere gueter, als
schulden verphlichtung wilkhur und dergleichen, beschehen.
Der clager mag nit gedrungen werden zu clagen, aber der antworter der sich
khunftiger ansprach von ainem anderen besorgt mag vor dem gericht pitten dem
clager zeit zu setzen darinn sein clag
| Seite 122| furzubringen,
damit der antworter nicht ewiclich in der rechtfertigung ste. und ob er
khundschaft oder zeugen zu khunftiger gedächtnus zu verhören begert, das soll ime
gestat werden, damit ime sein rechtlich gegenweer durch des clagers verzug nicht
entgee. vor verfahung des kriegs mag der clager die clag fallen lassen, doch der
widerparthei die cosstung bezallen. aber nach verfahung des kriegs nicht mer,
sonderlich nit ân willen der widerparthei, er verzeihe sich dann khunfticlich
derselben sachen haben aller ansprach, doch auch mit bezallung der cosstung.
Welcher ain burgerliche clag in ain peindliche verändern will dem soll das nit
gestat werden, dann die rechtmessig pillichait erleidet nicht das, so minder
schedlich ist, in grösseren spot oder nachtail zu wenden.
| Seite 123|
In gar gemainen und schlechten clagen, darin der richter nit schuldig ist die
ordnung und zierd des rechten zu halten, mag die clag zu furderung der handlung
und sonderlich zwischen schlechten oder armen oder gessten und wegfertigen
personen muntlich aufgenumen und abschied darauf gegeben werden. und wierdet das
ain schlechte sach genennt, wo sich die gerichts cosstung höher erstreckhen möcht
dann die haubtsach.
Der ist ain ungehorsamer, der auf ain erstliche ladung nit erscheint
| Seite 124| persöndlich oder durch seinen volmechtigen anwald, oder ôn
urlaub des gerichts wekh zeucht und nit genuegsam gwalt hinder sein verlässt,
desgleichen, wann ainer vor dem gericht erscheint, will aber in recht nit
antworten und hat des nit rechtlich ursach.
Wann der clager der ladung glaubwirdige copi und abschrift in recht furbringt zu
verlesen sambt des geschwornen potten außrichtung so damit eingelegt und gewisen
werden soll und darauf rechtens begert, und der antworter durch sich selbst noch
seinen volmechtigen gwalttrager desselben tags nit erscheint, so soll des nechsten
gerichtstags darnach auf anruefen des clagers dem antworter durch den furpieter
offentlich vor gericht gerueft werden dermassen, ob der nit gegenwurtig sei oder
iemant von
| Seite 125| seinetwegen mit volmechtigem gwalt der
sich gegen n. als clager verantworten wölle, der soll sich melden oder anzaigen,
zum ersten, zum anderen und zum drittenmal. wo sich dann iemant anzaigt der sich
vor gefärlich verhalten hat, der soll dem clager die cosstung so er von anfang des
rechten auf die rechtfertigung gelegt het abtragen und vor zu khaine handlung
zuegelassen [werden]. und ob sich der gwalttrager dardurch des handls entschlueg
oder auf solchs beruefen der antworter noch iemand von seinen wegen in recht nit
erschin, so soll den nechsten rechtstag nach solcher beruefung auf ungehorsam ain
enturtl gefellt werden. doch soll der antworter, wann er nachmals erscheint und
die cosstung nach mässigung des gerichts zu bezallen und sich in der haubtsach
zuezulassen erbeut, in jarsfrist widerumb zu der haubtsach zuegelassen
| Seite 126| werden, das aber beruerte cosstung am ersten vor abtrettung der
gueter oder vergnuegung der ansprach entricht und bezallt werden und die
aufgehaben nutz desselben guets dem besitzer auch volgen und beleiben. und nach
ausgang der jarzeit, ob der antworter nit erschin und sich wie obgemelt nicht
anpeut, soll die ergangen urtl in ir vollige craft geen.
Wann der clager zu dem rechtstag in seiner ladung benennt nicht erscheint und der
antworter sich in recht anpeut und des clagers ungehorsam anzaigt vor verfahung
des kriegs, soll dieselb ladung gefellt, aber umb die haubtsach nicht gehandelt
und der clager dem antworter die gerichtscossten abzutragen erkhannt werden. es
soll auch der clager zu khainer clag in derselben sachen mer zuegelassen werden,
er hab dann dem gericht
| Seite 127| und der parthei umb sein
ungehorsam benuegen und sicherhait gethon furbaß dem rechten zu warten. wo aber
der clager nach verfahung des kriegs nicht erschin, so soll der richter volfaren
in recht zu erkhundigung der haubtsach auf des antworters handlung und furbringen,
und darumb entlich urtl sprechen wie er der partheien gerechtigkhait findet. dann
der clager waiß, das er seiner clag nachkhumen, gwalttrager stellen oder sein
irrung in recht anzaigen und nicht ungehorsam sein noch den antworter vergebner
weiß umbziehen soll.
Ob ainer mit krankhait oder sonst ehaften not die wissentlich beladen wär
dardurch er persondlich nicht khumen möcht, und die sachen groß und dermassen, das
er dieselb ainem gwalttrager zu bevelhen nit schuldig ist, soll er ainen schickhen
der ine in recht außrede und
| Seite 128| sich erpiet nach
besserung der krankhait oder erledigung der not dem rechten gehorsam zu sein. o b
ine aber an dem weeg zum rechten iemant gefärlich aufhielt dardurch er in
ungehorsam erkhent wuerde, hat er wider denselben zu clagen, so verr er ime umb
den schaden guet ist. hete derselb aufhalten nit zu bezallen, soll der antworter
auf sein erpieten zu verantwortung gelassen werden.
Der richter soll umb ungehorsam nicht erkhennen, es werde dann durch der
partheien aine in gericht begert, aber er mag den ungehorsamen dem gericht
straffen und ob die widerparthei des nit begert, dann des gerichts oberigkhait
wierdet veracht wo die straf nicht volgt.
Wann der gerichtszwang in zweifl steet, ob der richter der beclagten sachen oder
person richter sei oder nit, wie auch oben davon geschriben ist, und der geladen
| Seite 129| erscheint nicht, so hat der richter wol macht des
geladen ungehorsam zu straffen. wo aber wissentlich wäre, das der richter
dieselben sachen oder person nicht richten möcht, da hat solche straf nit
fueg.
[Marg.: De contumacia rei in actione personali ante litis contestationem.]
Wo ainer umb persöndlich sprüch clagt und der antworter ist ungehorsam vor
verfahung des kriegs, so soll der clager in des antworter varent haab so er die
hat eingesezt werden nach gelegenhait der ansprach oder schulden, und der richter
ain zeit setzen solch guet ine zu behalten, damit dasselb in solcher zeit nit
verderb oder mer costung dann das guet oder haubtsach vermag darauf lauf, und nach
verscheinung der gesezten zeit verrer in recht handlen, damit der cläger benuegig
werde umb die ansprach. hat der ungehorsam nicht varent guet, so soll der ansatz
beschehen auf sein ligent gueter. wo die auch nit vorhanden oder
| Seite 130| genueg sein, soll solcher ansatz geen auf des ungehorsamen
schulden oder gerechtigkhait so er bei anderen leuten hat oder gewartent ist. es
mag auch ain ungehorsamer der nichts hat gefenkhnust und zu dem rechten sich zu
verantworten gestellt werden. wo aber der krieg in recht verfangen und die sach in
recht erkhennt ist, soll zu entlicher urtl gangen und darauf gehandelt werden was
recht ist.
Ob der ungehorsam ain gast und zu furchten wär das er weichen wuerde, mag er mit
verpot verheft und sein guet roß oder anders in ain dritte hand gestellt werden
biß zu verantwortung und sicherhait zu gehorsam, darinn der richter maß und zeit
setzen soll nach gelegenhait der sachen, dardurch bed partheien unnutz cosst
vermeiden.
Wo der clager umb ain verphendt guet
| Seite 131| clagt und
wierdet darein gesezt von des antworters ungehorsam wegen, der antworter khumbt
vor jarszeit und peut sich an zu recht wie vorbegriffen ist, und der clager erpeut
sich auch sein gerechtigkhait des satz- oder phandschillings in fuesstapfen
furzubringen, thuet das auch und weiset den satz, so soll er der clager auf des
antworters begeren und anbieten nicht entsezt werden, ime sei dann umb den
phandschilling benuegen beschehen.
Ob der ungehorsam sich vor jarsfrist zu gehorsam und recht erpeut und sicherhait
thuet und bringt rechtmessig ursachen fur die sein ungehorsam entschuldigen mugen,
also das an ime nit gestanden noch erwunden ist dem rechten gehorsam zu thuen, so
soll der richter in erkhantnus der cosstung die pillichait ansehen, damit der
ungehorsam wider die muglichait nit beschwert werde, dann niemant ist zu
unmuglichen dingen gebunden.
| Seite 132|
Ob ain ungehorsamer umb ainen persondlichen spruch beclagt wierdet, so soll der
clager in des ungehorsamen guet nicht gesezt werden, er thue dann zuvor in gemain
ain anzaigen seiner ansprach und gerechtigkhait. und dann der ungehorsam uber
solchen ansatz in gericht nit erscheint, und der clager begert solch eingesezt
guet zu verkhumern damit er davon bezallt werde, oder ime dasselb zuezusprechen
fur sein gerechtigkhait, das soll nicht beschehen, derselb clager hab dann zuvor
sein ansprach und gerechtigkhait in recht genuegsam bewisen.
Wann ain gerhab in rechten ôn rechtmessig ursachen ungehorsam ist, so mag ine der
richter von ambtswegen als verdächtlichen verkheren, damit die khinder nicht in
nachtail khumen.
Wann ainem antworter etwas zu thuen geburt, und er schickht an seiner stat
| Seite 133| ainen gwalttrager, und derselb ist ungehorsam oder
saumig und thuet das nicht das er sich understanden hat, solch ungehorsam und
lässigkhait khumbt dem antworter zu nachtail, dann er geb im selbs schuld das er
sich nicht mit ainem vleissigen mann versehen hat, ausgenumen der gwalttrager het
ursach aines vergebnen zuefalls der auch den antworter hete verhinderen mugen.
Der gwalttrager so an seiner parthei stat den krieg bevestent und nachmallen aus
seiner ungehorsam und lässigkhait seiner parthei das recht verleust derselb
gwalttrager ist seiner parthei die gerichts cosstung mit sambt der haubtsach
schuldig zu widerkheeren.
| Seite 134|
Ain ieder so fur gericht geladen wierdet, er sei dem gericht wissent underworfen
oder in zweifl nit, der soll erscheinen und seinen auszug furwenden und das
gericht fur seinen ordenlichen richter waigern, dann khain richter ist plößlich ôn
underricht zu verachten. wierdet dann derselb richter fur sein gericht mit urtl
gewisen, mag er der cosstung darauf geloffen von dem clager bekhumen wie recht
ist.
Wiewol die bennegigen so in dem grossen beschwerten pan der kirchen und die so in
die acht verkhündt sein auch etlich ander unlobmundig person wie ob angezaigt zu
clagen nicht zuegelassen werden, so sein si
| Seite 135| doch in
recht zu antworten schuldig zu haß und straf irer unthat, auch das dem rechten
nach geburt aines ieden wie böß er sei schuld oder unschuld antwort weiß zu hören
und zuͦ verkhunden. aber den in dem minderen paan ist nicht verpotten zu clagen
noch zu antworten.
Die in minderen jarn sein das ist under zwainzig jaren, auch munich und ergeben
person in die orden, unsinig waisen thoren taub gehörloß und dergleichen person,
wie si nit clagen also mügen si auch nit rechtlich antworten ôn ir vorgeer und
sorger wissen.
Priester und phaffen, wiewol si weder in clag noch antwort ir geistlich
oberigkhait und richter nicht begeben sollen, so ist doch ain ieder geistlicher,
so er umb ain weltlich guet oder als gweer schermb vertretter oder furstand
| Seite 136| aines weltlichen guets das under disem unserm
gerichtszwang gelegen oder wesent ist beclagt wierdet, vor demselben unserm
gericht zu antworten schuldig.
Ob ain landman dienstman inwoner oder außlender durch ainen anderen landman fur
unser landßrecht geladen wierdet, und derselb landman oder dienstman waigert fur
seinen herren dem er in dem land dienet oder an andere ende, des hat er zu thuen
nicht macht sonder soll zu recht vor unserm landßrechten antworten, es sei umb
that oder guet, ausgenumen das ansprechig guet wäre ausser land gelegen dardurch
der richter die volziehung nicht statlich thuen und hand haben möcht und der
beclagt wär umb die spruͦch rechtsässig, so möcht der clager fur das gericht
ausser lands do
| Seite 137| das guet gelegen ist gewisen
werden.
Ob ain glaubinger umb schulden in seines gelter guet gesezt wierdt, und die
anderen glaubinger so auch umb schulden zu demselben gelter zu sprechen haben
khumen in jarsfrist oder in zeit so der richter offentlich sezt und verkhunden
läst, und zaigen ir schuld glaubwirdig an und bezallen nach gelegenhait der
schulden costung und darlegen so der erst clager der sachen halben gethon hat, die
sollen zu solchem angesezten guet sowol als der erstclager gelassen werden, damit
wo der gelter und antworter sich villeicht aus sorg der menig der schulden nicht
zu recht stellen und sich verpergen wuerde, das ain ieder des schulden wissentlich
wierdet nach gelegenhait derselben schulden von dem beruerten guet alß verr
dasselb geraicht vergnuegt
| Seite 138| werde. solch handlung ist
dem rechten und der pillichait gemäß. dann der gebrauch ist ubel: diser hat vor
clagt oder verpot gethon, darumb soll er entricht werden und die anderen nichts
haben. wo aber die beruert zeit verschine, dardurch der erst clager oder die so
sich anzaigt hetten zu dem guet das zu verkhaufen gelassen oder durch das gericht
dannen entricht wuerden, mugen die so hernach khumen darzue nichts sprechen, es
wäre dann ain ubermaß beliben. aber in den phandschaften darumb sich ein gelter
gegen den glaubingern verphlicht, geet in vergnuegung der schulden albeg die elter
phandschaft vor.
Die auszüg in recht sein erfunden worden von beschwerung wegen der antworter.
dann es geschicht oft daz der clager ursach hat sein clag und ansprach zu setzen,
thuet aber die nicht pillichen wider disen ider den antworter, davon volgt ain
auszug der person halben, also zureden: mein knecht khauft ainicherlai guet von
ainem anderen, ich vermain er hab dasselb von dier khauft, verphlicht mich gegen
dier dasselb guet auf ain zait zu bezallen. alß die nach verscheinung der zeit ain
ansprach aus ursach meiner verphlichtung zu mir setzen magst, als pillich, hab ich
den auszug meiner irrung in dem namen der person furzuwenden und wuerdt auf die
clag unpillich verurtailt. dergleichen, ob mir ainer zuesagt mir ain gelt zu denen
handen zuͦ raichen und ich versprich dir dasselb auf einen tag
| Seite 140| zuͦ geben, nach verscheinung des tags beclagstu mich umb das
gelt, hab ich pillich den auszug, das mir der ander dasselb nicht bezallt noch
geraicht hat.
Etlich auszüg sein entlich und die den krieg abschneiden und ganz außleschen, als
wann der antworter sagt, es sei vor umb die beschehen krieg entlich urtl ergangen,
oder die sachen durch verainigung hingelegt, oder der krieg hab sich in ander weeg
geendet, oder so der clager ain gelt an den antworter ervordert, das er ime
schuldig gewesen sein soll und der antworter sagt er hab ine bezallt, oder so der
antworter sagt der clager hab ime die schuld geschenkht und nimer zu fordern
versprochen, und dergleichen außzüg. so dann solch antworten und auszug gewisen,
so werden damit die clagen ewig abgeschnitten. und solch außzüg mügen albeg vor
der
| Seite 141| entlichen urtl furbracht werden, nd in etlichen
sachen auch nach der entlichen urtl, dieweil dieselb nicht volfuert ist. den
auszug so den krieg abschneidt vor verfahung des kriegs fürbracht sol der richter
aus notturft erclären und zu der haubtsach nit khumen, er hab dan solchen außzug
zuvor entschaiden.
Etlich auszug sein so den krieg verlängeren, aber nicht abschneiden, alß so ainer
den anderen beclagt vor der zeit er wann sich die zeit [Cod.
Thinnfeld: schuld] oder bezallung verfellt, so [hat?]
der antworter den außzug das er dem clager vor derselben zeit nit schuldig ist,
und wierdet demnach der krieg aufgeschoben biß die zeit ist.
Es sein etlich außflücht die person berüerent so den krieg verlängeren, als wann
ain antworter sagt, diser clager müg nicht rechter clager oder gwalttrager
| Seite 142| in recht sein.
Und wann aber mermallen unzimblich außzug durch den antworter furbracht werden,
so ist pillich das der clager sein widerred wider solch außzüg habe, deßgleichen
der antworter sein gegenred und ir beder beschlus und rechtsach [Cod. Thinnfeld: rechtsatz ?] nach gelegenhait der
sachen.
Uber die auszüg vor verfahung des kriegs, darumb man in recht zu antworten nit
schuldig zu sein vermaint, mügen von ieder parthei mit zwaien schriften wol zu
recht gesezt werden zu kurzung der rechtfertigung.
All außzug so den krieg verlengen sollen vor verfahung des kriegs gemelt werden,
ausgenumen si sein also gestalt das si die handlung in recht von unwirden machten,
dieselben mügen zu ainer ieden zeit furbracht werden.
| Seite 143|
und ob die parthei der iezt beruerten auszüg mer dann ainen und nach ainander
furbringen und albeg des richters erkhantnus darüber erwarten wollt, sol der
richter das nit gestatten sondern derselben parthei bevelhen solch verlangert
auszüg ainsmals furzuwenden, dardurch daz recht gefärlichen nicht verzogen werde.
item, wo ain merkhlicher schaden durch verlengert auszug verhanden und zu besorgen
wäre, êr wann die rechtfertigung sich endet derselb schaden möcht sich begeben, so
soll der richter khain auszug der den krieg und rechtfertigung verlengert
zuelassen. ob si aber auszüg hetten die gemaines rechten sein die hat der richter
nicht abzuschlahen.
Under allen verlengenden auszugen soll die waigerung des gerichts oder richter
oder verdächtlichait desselben die erst
| Seite 144| sein. dann wo
ainer ander ausflücht vor prauchet und des richters erkhantnus umb solch sein
ausflüht begert, wierdet verstanden das er stilschweigent in den richter
verwilligt hab, ausgenumen er bezeugt öffentlich das er mit solchem auszug in den
richter nit verwilligen wollt, sovil recht ist.
Auszug der entwerung ist ain auszug der den krieg verlengt, darumb soll der vor
verfahung des kriegs furbracht werden. und diser auszug so er geweist ist treibt
den clager ab von seiner clag, er clag umb was sachen er wöll, ausgenumen ain
gegenentwerung, wie hernach in dem thail der entwerung gesehen wierdet. und soll
diser auszug also furbracht werden: der
| Seite 145| antworter sei
nit schuldig zu antworten, er sei dann zuvor des guets so ine der clager entwert
hat wider eingesezt. und obgleich das guet in aines anderen hand ist, nichts
minder wierdet der thätter das schuldig widerzugeben nit in craft des auszugs.
dann der außzüg würkht nicht mer, dann das er den clager von seiner clag treibt,
so aber der antworter den clager umb die entwerung beclagt und weiset dieselben
sein clag, so soll der entwert wider eingesezt werden.
Wann ainer den anderen umb ain aigenthumb beclagt, der antworter treibt den
cläger ab mit dem auszug der entwerung, nachmallen beclagt der antworter umb solch
entwerung damit er wider eingesezt werde, ist die frag: dieweil es nun von dem
außzug zu den clag umb den einsatz
| Seite 146| khumen ist, ob der
antworter dem clager auf sein clag umb das aigenthumb zu antworten schuldig sei?
darauf antwort und erledigung: nain, biß das der einsatz sein end erraicht.
Dieweil zu zeiten auszüg gebraucht werden des landmarschalchs undermarschalchs
beisitzer oder ander gerichtspersonen halben, als ob die verdächtlich sein, das
aber wider die recht und ain vermuetlich poßhait angesehen wierdet, sonder wo
ainer wider gemelten personen aine oder mer als verdächtlich verwirft und dabei
nicht außtrukht die ursach der verdächtlichait mit lauteren und gegründten
anzaigen, damit darauf durch uns oder unser oberen gericht gesehen werden muge ob
die ursach der verdächtlichait genuegsam sei oder nicht, dann wo dieselben
genuegsam
| Seite 147| erfunden werden, sollen durch uns oder
unserer oberer gericht mit beder partheien willen ander anstat der verdächtlichen
person darzue verordent, aber die ordenlichen richter darumben nicht verändert,
sonder ie ain landmarschalch oder undermarschalch zuegesezt werden. wo aber
solches ain parthei abschlüeg und nicht annemen wollt, wierdet dabei ir poßhait
und gefärlich flucht des rechtens und vermueticlich ungerechtigkhait verstanden.
welcher auch verdächtlichait furbringt und dieselb nicht genuegsam anzaigt und
durch urtl aberkhennt, der soll als ain muetwiller und verachter unser und des
gerichts in unser chamer und dem gericht gestrafft werden, der widerparthei ir
cosstung und versaumung vorbehalten.
Wo der landmarschalch verdächtlich ist, mag
| Seite 148| ine der
undermarschalch verdretten, und ist nit not darumb ander erkhantnus dann allain
der partheien notturft oder muetwillen zu erlernen.
Wir ordnen und setzen das die recht järlich zu vier zeiten, nemblich der
quottember, iren gang haben und ain iede zeit aufs wenigist ist drei wochen
besessen werden.
Wann die recht aufgehebt und auf ain ander zeit oder quottember geschoben, soll
das nit allain öffentlich vor gericht durch den furpieter verkhündt, sonder auch
schriftlich an das landhaus da solch landßrechten besessen wierdet angeschlagen
werden, damit
| Seite 149| auch die so dazumal nicht gegenwurtig
sein und nachmallen an die stat khumen den aufschub und khunftigen gerichtstag
wissen muͦgen. und ist anderer schriftlichen schüb, damit der gemain landmann
etwan beschwert wierdet, ôn not.
Von sant Thomans biß auf der heiligen drei khunigtag, die vierzehen tag im
vaschang biß auf den montag nach invocauit, von dem palbmabent biß acht tag nach
ostern, von dem heiligen phingstabent biß auf mantag nach unsers herren
fronleichnambstag, auch in der traid- und weinfechsung soll khain recht gehalten
noch auf dieselb zeit geschoben und angestellt werden.
Wir wöllen, als oft zu ainer ieden quottember das recht den ersten tag besessen
das vor anfang des gerichts, êe wan der richter und beisitzer
| Seite 150| zu recht nidersitzen, vor aller handlung des landmarschalchs
undermarschalchs der beisitzer des landschreibers auch der vorsprechen redner und
gwalttrager aid obgeschriben öffentlich vor meniclich gelesen werde, und richter
beisitzer und landschreiber ain ieder an seiner stat da er sitzen soll solchen aid
zu hören aufrecht steen, sich darnach nidersetzen, damit also ain ieder des so ime
von rechts wegen und nach seiner gewissen gebürt zu handlen ermont werde.
Verzugtäg mugen von recht durch den landmarschalch gegeben werden, wann er sicht
das solches die notturft ervordert mit gueter gewissen nach gelegenhait der
person, der sachen und des begerten guets in recht. nemblich der person halben, ob
si an die begerten verzügtag nit zeit oder stat gehabt sich zu bedenkhen,
| Seite 151| zu ratschlagen, iemant zu verkhünden, khundschaft zu
laisten, oder ander gerichtlich notturften zu handlen. der sachen halben, ob
dieselb bedachts oder rats bedörff, das si nit allein schlächtig ist, oder durch
die partheien persöndlich gehandelt worden deshalben si derselben vorhin wissen
haben müest. des guets halben, wo dasselb durch verzug der sachen nit verdürb oder
von handen kheme, oder zu betrug der partheien verändert wuerde, oder das guet
dermassen gestalt das durch den verzug mer cosstung darauf liefe dann der wert des
guets wäre. es mugen auch die partheien selbs verzugtag an ainander zuegeben, dann
was si sich selbs verwilligen darin beschicht inen nicht unrecht.
Ob ain parthei aines verzugs in recht begert, und der richter gedächt das solch
begeren zu gefärlicher verlengerung des rechtens beschehe, so mag er derselben
partheien den aid fur solch gefärde auflegen.
Die aufschüb und bedacht so in des richters macht steen die sollen gegeben werden
nach gelegenhait der sachen, als si groß langwierig oder nachtailig ist.
Wiewol ordenlich ainer parthei zu volziehung ainer aufgelegten handlung in recht
nit mer dann ain verzug oder zeit gegeben werden soll, doch wann recht eehafte not
wissentlich anzaigt wuerde so die partheien in solcher volziehung verhindert hete,
so mag ir der verzüg oder zeit gelengert werden, als
| Seite 153|
wann ainer gruntlichen anzaigt das sein gerechtigkhait brief oder sigil an
frembden und verren enden die er nicht erraichen mugen, oder bei iemant der von
gemainß nutz wegen von land wären, und ander dergleichen ursachen. und die haben
sonderlich stat in dem antworter, dem soll pillicher dann dem clager verzug
gegeben werden, dann er hat nit furwissen mugen zu welcher zeit ine sein
widerparthei beclagen wuerde, dardurch er sich mit seiner gerechtigkhait rüssten
und versehen oder den krieg zeitlich ablegen. aber der clager hat sich vor lang
bedenkhen und erfaren und sein gerechtigkhait besuechen mugen in dem krieg gefasst
zu erscheinen, ausgenumen es khäme ain solcher zuefall in recht, das wol gleublich
wäre der clager het denselben zuefal nit
| Seite 154| bedenkhen
noch wissen mugen.
Die zeugen sollen an den suntägen und hochzeitlichen feiertägen nicht beaidigt
noch ir saag von inen aufgenumen werden, es sei dann merkhlich ursach ir saag zu
horen, dennocht soll der aid nicht beschehen und ob die partheien darein
verwilligen, so ist doch der zeug nicht zu tringen zu der zeit der feier, die got
und den heiligen zu eeren und den menschen zu hail geordent sein, sein khundschaft
zu geben.
In furwendung der zeugen die verr von land sein mag dem clager als dem antworter
gleichermaß verzugtag gegeben werden dann in der clager macht auch nicht gestanden
dieselben vor anfang des kriegs und aufgelegter weisung zu verhören. anderst ists
in den zeugen, die sich
| Seite 155| gar von land ziehen und nicht
wider zu khumen willens sein, oder die mit alter beladen dardurch si absterben
möchten, als von dem titel der zeugnus gesehen wierdet.
Ob der landmarschalch ainer parthei verzugtäg und zeit zu volfuerung der weisung
gibt und derselb landmarschalch wierdet mitler zeit vom ambt verkheert, und die
beruert parthei volfuert in der benennten zeit die weisung nicht, so soll der
nachkhument landmarschalch und richter derselben parthei die tag zu solcher
weisung nicht verlengern ôn erfarung redlicher eehafter not und ursachen, dann die
beruerten gegeben täg zu weisung werden ordenlich gehalten als verzüg die den
krieg abnemen tödten oder abschneiden mugen. darumb, wann die parthei welcher
| Seite 156| weisung zu thuen auferlegt werden dieselb in den
bestimbten tägen nicht gelaist, so ist irer widerparthei ain gerechtigkhait daraus
erwachsen, die der landmarschalch nit macht hat aufzuheben ôn derselben
widerparthei willen, es werden dan rechtmässig ursachen furbracht, das der so
weisen soll die weisung in den bestimbten tägen nicht volfueren mugen hab.
Verfahung oder bevestigung ist ain grund des rechten durch das furgelegt begeren
und gebürliche antwort darauf volgent in recht beschehen, und wo ôn das in gstalt
des rechts volfaren, wuerden die partheien mit unnützer arbait und cosstung
beladen.
| Seite 157|
Verfahung oder bevesstigung des kriegs beschicht, wann die partheien das ist
clager und antworter mit namen bekhennen den krieg verfasst zu haben, oder wann
der clager sein clag und der antworter zu derselben klag sein bekhantnus oder sein
läugnen und nain in recht gethon haben.
Wo auf des clagers begeren der antworter zimblich ja oder nain darthuet, und ob
er gleich nit austrukht das er den krieg verfahen wölle, nichts minder wierdet
vermuet sein gemuet sei gewesen den krieg zu bevesten, er bezeug dann das er mit
seinem furbringen den krieg nit verfahen wölle, dann durch solch bezeugnus wierdet
sein gemuet erleutert. doch soll die bezeugnus seinem thuen nicht widerwertig
sein. dann ob ainer spräch: ich hab das so mich der clager bezeicht
| Seite 158| nicht gethon, oder diser oder der ursach ist nit also, und wolt
aber damit nit geantwort haben, das het khain gestalt.
Welcher über ermanung des gerichts und ainer underredlichen oder beiurtl das er
zu der clag antworten solle den krieg in recht nicht verfahet, sein ja oder nain
der clag gemäß thuet, sonder schweigt oder furgeet, der mag als ob er die clag
bekhennet verstanden werden.
Der krieg mag nit verfangen werden auf die ladung und clag so der widerparthei
zuegesant ist, die abschrift der selben ladung werd dann vor gericht mitsambt der
geschwornen gerichtspotten volziehung öffentlich wider furpracht.
Die underredlichen oder beiurtln werden gefellt zwischen anfang der
gerichtshändlung und beschlus derselben, nicht zu end der haubtsach sonder zu
volfuerung derselben, auch zu erclärung der auszüg so zu verhinderung des kriegs
oder als entlich auszüg furbracht werden.
Nach verfahung des kriegs ermant der richter ie zu zeiten die partheien aus ainem
uberflus mit ainer underredlichen urtl, als wöll n. auf des n. anruefen in recht
icht verrer furzubringen etc. solch ermanung mag aus notturftigen ursachen, so der
richter zu erwegen waiß, zu zeiten dem antworter zu guet beschehen der zu kriegen
gedrungen wierdt, aber nicht dem clager der sich lengst hat beratten und bedenkhen
mugen. sonder wann er uber den dritten gerichtstag verzeucht
| Seite 160| und nicht volfert, soll der richter auf anruefen der gehorsamen
parthei erkhennen was nach ordnung geburt, damit der antworter nit gefärlichen
umbgefuert, müed gemacht und im rechten verzogen werde.
Die vermuetung des rechten ist, wo das gesezt annimbt ainicherlai zweifelhäftigs so
der warhait gleichmässig ist, dardurch die purd der weisung dem widersacher
aufgelegt wierdet.
Kundschaft ist ain offenbarung der sachen oder handlungen die in zweifl
| Seite 161| hangen, und wierdet volfüert durch gesicht, durch
zeugen, durch brieflich urkhunden, durch bekhantnus, durch alte schrift,
glaubwirdig puecher und register, durch gwaltige vermuetung, durch gemainen oder
offenbaren ruef, auch durch den aid.
Inmassen der clager schuldig ist sein clag und derselben grund zum ersten, also
ist auch der antworter schuldig nachmallen sein auszug zu weisen, es bekhenn dann
der antworter die clag in seinem auszug öffenlich ôn furwort, so gebürt ime die
weisung seines auszugs allain. wo aber der antworter des clagers clag plößlich
vernaint, so geburt dem clager die weisung zu thuen, es hab dann der clager ain
vermuetung des rechten fur sich, so wierdet die weisung dem antworter aufgelegt.
wo aber der antworter ain vermuetung
| Seite 162| fur sich hat,
soll der clager darwider weisen.
Der da clagt umb einziehung aines guets, zu versteen aines guets herrlichait und
aigenthumbs, der soll dasselb sein aigenthumb weisen und nicht der besitzer, ob er
sich gleichen herren des guets anzaigt. dann wo der clager sein aigenthumb nicht
weiset, so beleibt der besitzer in seinem posseß und wierdet vermuet ain herr
desselben guets. wo aber der antworter sich ie verfahren wollt sein herrlichait
und aigenthumb zu weisen, mag er darzue gelassen werden, und so er dasselb weiset,
soll er ain herr des beclagten guets erkhennt werden. wiewol die herrlichait und
aigenthumb aines guets mit brieflichen urkhund geweiset wierdet, so ist doch nit
albeg genueg, das ainer weiset den khauf oder ander handlung darmit er das beclagt
guet
| Seite 163| an sich bracht, dieweil ainer auch aines anderen
und ain frembd guet verkhaufen mag, darin der verkhaufer dem khaufer nicht mer
gerechtigkhait uberantworten mugen dann der verkhaufer daran gehabt hat. darumb
ist zu zeiten not, und sonderlich wo umb di herrlichait und aigenthumb clagt
wierdet, neben den brieflichen urkhunden die nit all umbständ des verkhaufer und
khaufer gerechtigkhait anzaigen, oder da umb ain solch handlung brieflich urkhund
nicht ausgangen sein zu weisen, das der verkhaufer das beclagt guet mit ainem
rechten titl gehabt und dem khaufer eingeantwort und desselben ordenlich zeit nutz
und gweer ersessen hab, das khaufgelt bezallt worden oder darumb genuegsam
sicherhait beschehen sei.
| Seite 164|
Nach verscheinung der zeit darin khundschaft zu laisten und weisung zu thuen
durch das gericht gegeben soll verrer khain persöndlich zeugnus zuegelassen
werden, es sei dann das der so die weisung gelaist sollt haben eehaft not
furbring, das solches durch in und an seinem vleiß nicht erwunden hab. desgleichen
soll auch khain articl von der parthei so die zeit vergeen lassen hat nachmallen
aufgenumen werden, ob si die in recht bringen und iren gegenthail bei dem aid
darauf zu verhören begeren wollt.
Manicherlai underschied der zeugen saag und die in ainem articl zusammenhallen
machen in demselben articl
| Seite 165| ain volkhumen weisung.
dann das sonderlich oder allain nichts wurcht noch craft hat, wierdet durch
zusamenfuegung seines gleichen becrefftigt.
Ain iede parthei, so mit urtl und recht zu weisung zuegelassen wierdet, hat
entlich zeit und täg zu volfuerung der khundschaft von erofnung derselben urtl biß
zu außgang des sitzen zu gericht und zu anfang des nächst darnach angeenden
landßrechten, dardurch sich niemant beclagen muge, das er in volfuerung seiner
khundschaft mit den tägen ubereilt werde. und er soll zu stund nachdem ime zu
weisen mit urtl auferlegt wierdet vorderbrief an die zeugen und bevelch an die
gegeben comissarien nemen, in den vierzehen tagen den nechsten nachdem dasselb
landßrecht aufgehebt
| Seite 166| wierdet vleiß thuen sein
khundschaft zu laisten. es sollen auch die redner und gwalttrager umb comissari zu
erwelen nicht macht haben auf ie abwesent partheien zu waigern. wo aber nemblich
irrung entstuendt, das die parthei in den vierzehen tagen nicht handlen möcht, so
hat sie dennoch die uberig zeit zwischen dem landßrechten als ainen entlichen
khundschafttag, darin si zu dem anderen und drittenmal oder auch mit der maß
hierinn gegeben zu dem viertenmal zeugen furstellen mag. und nachmallen nit
verrer, dan mer dan ain entlich zeit zu khundschaft zu geben ist dem rechten
ungemäß. aber ausser lands khundschaft zu laisten in unsern niderösterreichischen
landen soll die entlich zeit sein achtzehen wochen, in den verren landen
| Seite 167| nach des richters erkhantnus und nach gelegenhait der
sachen. welcher aber ôn redlich eehaft not und ursach die der richter erkhennen
mag in solchen tägen und zeit sein zeugnus nit volfuert, ob er daruber als ainer
der von seiner weisung gefallen mit urtl nachtail leidet, d[...] wölle solches ime
selbst und seinem unfleis messen. dann durch verscheinung der khundschafttäg ist
der widerparthei ain gerechtigkhait erwachsen, die der richter ôn zuegeben
derselben widerparthei oder ôn erkhantnus genuegsamer redlicher ursachen und
eehafter not nit aufzuheben hat.
In der entwerung sind zwai ding not zu wissen: das posseß und die entwerung . und
wo ainer die entwerung zu thuen bevolhen het, soll derselb bevelch gewisen werden.
ob aber ainer
| Seite 168| die entwerung in seinem namen beschehen
nachmallen zu willen angenumen het, das ist der so sich des beruembt zu weisen
schuldig.
Wann ain gwalt oder entwerung gewisen werden, so ist umb die verlust des guets
oder schaden in solchem gwalt beschehen verrer khainer weisung not, sonder wierdet
des clagers aid darumb geglaubt [Bl. 76b] und recht darauf gesprochen zu haß
und straf des gwalts nach schwere und größ des muetwillen oder ungefuer des
thätters.
Wiewol nach ordenlichen rechten die zeugen allain nach verfahung des kriegs zu
hören sein, so werden si doch zu zeiten verhört zu ewiger gedächtnus der sachen
darumb si zu verhören erfordert sein. und so das durch den clager begert wierdet
in
| Seite 169| ainer sachen darumb er ôn verzug und im
fuesstapfen clagen mag, sol im solch sein begeren vor verfahung des kriegs nicht
gestat werden, es seien dann die zeugen seer alt oder schwerlich krankh also das
ir absterben zu besorgen sei, oder das si sich von hauß oder aus dem land und an
ander ort thetten das si schweer zu erlangen wären. wo auch der clager ain sachen
darumb er vor und ee er derselben grundlich wissen het nicht clagen möcht, als so
ainer umb ain erbschaft clagen wollt, so ist not das die zeugen [Bl. 77a] so
bei des sterbenden geschäft gewesen solch geschäft zuvor anzaigen und bezeugen,
damit der clager wiß ob dasselb geschäft creftig oder undüchtig sei. in solchen
und dergleichen fällen mügen die zeugen vor bevesstigung des kriegs furgestellt
| Seite 170| und sollen in dem ersten fall, das ist zu ewiger
gedächtnus, verschlossen und in gehaimb gehalten biß zu notturft des rechten, aber
in dem nechsten articl die erbschaft beruerent nicht allein verhört sonder auch
geöfent werden, dann dem clager wäre sonst nicht geholfen. wo aber ain sach auf
khunftigen zweiflichen beschaid gestellt ist, darumben sollen zeugen auf khunftig
zu verhören nicht zuegelassen werden, es sei dann das sterben oder abwesen
pillichen zu besorgen. wo aber der antworter begert seine zeugen der ime not
beschehen möcht zu verhören, das soll ime ôn mitl gestat und ime derselben saag
urkhund weiß öffentlich ubergeantwort werden, [Bl. 77b] dann es möcht der
clager betrieglich sein clag verziehen biß dem antworter seine zeugen entgiengen.
| Seite 171| dieweil der antworter nit wissen mag wann ine der
clager beclagen will.
Wo die zeugen vor verfahung des kriegs in ainer haubtsach sollen verhört werden,
ist not das ain redliche ursach vor augen sei wie vor beschriben. auch soll die
widerparthei zu dem aid solcher zeugen und fragstuckh einzulegen geladen und
erfordert werden, wo aber das nit sein möcht eil halben der sach und das aus dem
verzug nachtail erstuende, darin doch khain vleis zu sparen ist, so soll doch der
clager so die zeugen zu verhören begert die widerparthei in jars frist umb
dieselben sachen beclagen oder ir auf das wenigist wo die clag auch nit stat het
verkhünden, das er derselben sachen halben zeugen verhören lassen, [Bl. 78a]
sonst ist die khundschaft nichts. und soll der clager solch khundschaft
| Seite 172| aufnemen lassen bei des antworters gericht oder
oberigkhait. es hat auch solch begern stat allain in burgerlichen sachen und nicht
eeren oder peinlichen clagen, dann in denselben sachen soll nichts unordenlichs
und sonders in abwesen der widerparthei furgenumen werden, dieweil vil gotlicher
ist den schuldigen ungestrafft zu lassen dann den unschuldigen zu verdamen.
Wann beden dem clager und antworter weisung gleichsmässigs articls aufgelegt
wierdet und ieder weiset genuegsam fur sich, so soll der richter genaigter sein
den antworter auf sein weisung zu erledigen dann auf des clagers weisung zu
verurtlen, und ob gleich des clagers zeugen der person halben merer sein, dieweil
in zweiflichen händlen die recht albeg dem [Bl. 78b] antworter genaigter sein
dann
| Seite 173| dem clager. aber anderst ists, wo ain weisung in
grund der khundschaft fur die ander furtreffenlicher gefunden wierdet.
Wann ainem weisung zuͦ thuͦen mit recht aufgelegt, soll er dieselb
thuͦen laut der urtl die solcher weisung halben gesprochen ist. wo ime dann die
clag laut der ladung zu weisen aufgelegt wierdet, sollen die verhörer dieselb (so
verr si mer dann ainen articl begreift) thailen und auf ainen ieden in sonderhait
die zeugen fragen. wierdet aber in der urtl nur ains articls oder merer weisung
aufgelegt, sollen die darauf fragen und nicht verrer, wie die urtl laut. [Bl.
79a]
| Seite 174|
Wann die bevelchman der parthei oder irem gwalttrager dawider die weisung
beschehen soll tag verkhunden die zeugen sehen zu schweren und ire fragstuckh
einzulegen, so sollen si in albeg der zeugen namen in solcher verkhundung
aufgezaichent der partheien zuesenden, damit si ire fragstuckh nach gelegenhait
der zeugen personen dest grundlicher machen mugen.
Ob die parthei etlich unfueglich fragstuckh eingelegt, so die bevelchman und
verhörer der zeugen anzunemen ôn not ansehen und deßhalben abschniden, nichts
minder sollen die bevelchman dieselben fragstuckh alle von wort zu wort, wie die
parthei die eingelegt hat, dem gericht mit der zeugensaag verschlossen zuesenden,
und ir bewegnus warumb si derselben fragstuckh etlich so si mit namen anzaigen
sollen verworfen und die zeugen
| Seite 175| darauf nit verhört
haben zu erkhennen geben, damit die partheien deßhalben [Bl. 79b] nit in ainen
newen krieg wachsen und das gericht dest ordenlicher darauf wie recht ist handlen
muge.
Ob die parthei khain fragstuckh furleget, mag der verhörer von ambts wegen die
zeugen ursach ires wissen und ander umbständ fragen die warhait dardurch
beschaidenlich zu erkhunden.
Khain handlung des gerichts ist den partheien höher dann die weisung, dieweil die
ganz sach zu gwin und verlust daran hanget. darumb soll das gericht sovil muglich
ist die zeugen selbst verhören, wo aber solches aus ursach nit sein mag, das
verstendigen und namhaften redlichen glaubwirdigen personen mit beder partheien
willen bevelhen. wo sich aber die partheien der bevelchman nicht verainen möchten,
hat der richter
| Seite 176| macht von ambtswegen personen darzue
zu benennen und inen solches zu bevelhen, damit durch unnotdurftig strit und
irrung das recht gefärlich nicht verzogen werde. [Bl. 80a]
Wo auch die zeugen zu verr gesessen, dardurch den partheien die cosstung zu
schwer oder die zeugen disem gericht nicht underworfen wären, so mag unser
landmarschalch iren herschaften oder richtern schreiben si zu verhören, den
widerpartheien darzue zu verkhunden sich daselbst hinzufuegen die zeugen sehen zu
schweren und fragstuckh einzulegen.
Des gleichen mag unser landmarschalch handlen, wo ainer brieflich urkhunden
furzubrigen hette, da die haubtbrief ander ende oder ausser lands lägen, etwo bei
ainer stat oder canzlei, oder wo ainer dieselben brief nicht möcht
| Seite 177| sicher fur das gericht bringen, oder wo wider brieflich
urkhunden als verdächtlich geredt wüerde und ain parthei wollt dieselben durch
zeugen so ausserhalb des gerichts wären becreftigen.
Und sollen solch weisung und khundschaften auch copien der brieflichen urkhunden
von den [Bl. 80b] bevelchmannen herschaften und gerichten albeg glaubwirdig
gefertigt und verschlossen dem landmarschalch zuegesant und uberantwort, und dann
durch denselben offentlich aufgethon, beden thailen auf ir begeren abschrift davon
gegeben, ob aber ain thail dasselb aus ursachen verwideret, durch das gericht
darumb erkhent, damit verrer in recht wie sich geburt volfaren werden muge.
Wider der zeugen saag mag eingefuert werden, wann ir khundschaft nicht ainhellig
sonder tunkhl zweiflhäftig gesonder, an ainander widerwertig sein, wann si ain
nain vernainen zu beweisen oder zu becrefftigen, wann si nicht geschikhte rechte
lautere ursach ires wissen anzaigen, böß unförmblich antwort geben, in irer saag
darumb si zu zeugen [Bl. 81a] furgestellt sein nichts beschliessen, wann si
nit geschworen haben oder die parthei darzue nicht erfordert ist, oder sagen von
stat weil und tag die widersprochen, als so ain zeug sagt, ain parthei hab das zu
Wienn auf den tag gehandelt, die gegenparthei erpeut sich zu weisen das si
denselben tag nicht zu Wienn sonder an ainem anderen ort den ganzen tag gewesen
sei, und dergleichen auszüg die zu zeiten gegenweisung bedurfen. ie zu
| Seite 179| zeiten wierdet des zeugen falsch auß seinen aigen worten und
khundschaft erfunden, wo die parthei solches vleissig anzaigt.
Wann die einred ist, der zeug hab nicht geschworen oder die parthei sei darzue
nicht ervordert worden, so geburt die weisung dem so die zeuge einred, der zeug
sei unlobmundig oder vergifft durch miet und gab oder anders, und dergleichen
einred gebüren der widerparthei so dieselben einred thuet zu weisen.
Furlaitung der zeugen wierdet aus etlichen ursachen [Bl. 81b] abgeschlagen.
ainest, wann die zeit verscheint so der parthei zu volfurung irer khundschaft
gegeben worden ist. zum anderen, so ainer funfzig oder sechzig zeugen zu verhoren
begert, da er die sach mit ainer claineren anzall
| Seite 180|
beweisen möcht, so mag der richter dieselb anzall mässigen und etlich die
nambhaftigisten aus inen verhören. verrer, wann die zeugen und ir saag vor gericht
eröffent sein, auch wann die parthei was ir oder der widerparthei zeugen gesagt
haben waiß und erlernt hat. zum lezten, so ainer drei mallen zeugen furwendt in
der zeit so ime zu volfuerung der khund gegeben ist, der soll zu der vierten
furlaitung nicht gelassen werden.
Der so die aigenschaft der natur vernaint ist schuldig denselben nain zu weisen.
als wann ainer spricht, der sei zu der zeit seiner handlung nicht rechter vernunft
gewesen, oder dise handlung sei nicht ordenlich noch rechtmässig aufgericht, der
soll das weisen, [Bl. 82a] dann die vermuetung ist wider ine. dann ain ieder
wierdet fur sinnig geacht,
| Seite 181| es werde dann die
unsinigkhait gewisen.
Ain brueder oder gesipter freund mag seinen prueder oder gesipten freund ime zu
guet zu zeugnus nit furstellen, es wäre dann sonst bei der handlung die gewisen
werden soll niemand gewesen. ob aber ain parthei irer widerparthei brueder oder
gesipten freund zu khundschaft furstellet, soll derselb brueder oder freund
zuegelassen, sonderlich wo solch handlung mit anderen personen nit gewisen werden
mag.
Ain parthei mag den zeugen so ir gegenparthei verhören lassen auch wol wider
furstellen, aber nit auf die articl darumb ine die gegenparthei erstlich fragen
lassen hat, sonder auf ander. dann ain ieder zeug ist schuldig auf den articl
darumb er ainsten gefragt
| Seite 182| wierdet die warhait baiden
partheien zu guet und zu nachtail zu sagen. [Bl. 82b]
Welcher zeug in seiner saag wandlwertig ist, dem wierdt nicht geglaubt. sein aber
mer zeugen wandlwertig oder widerwertig, so soll den glaubwirdigisten und
nambhaftigisten gelauben gegeben, es möchten dann der zeugen sagen vergleicht
werden.
Der so ainen zeugen ervordern lässt ist im schuldig zerung zu geben und cosstung,
dieweil er auf dem weeg am hin- und heerziehen ist auch an dem ende da die
verhörer sein, nicht allain auf sein person sonder auch auf roß und fuerlon und
nemblich den armen und arbeitern.
Wer ime vor verhörung der zeugen nicht
| Seite 183| bekent und
vorbehelt die einred wider ir [Bl. 83a] person der soll derselben hinnach
emperen, dann es wierdet verstanden, die parthei hab mit irem schweigen der zeugen
person angenumen, aber wider ir saag hat si wol macht furzubringen.
Ob die parthei wider die zeugen und ir saag nichts furbringt, so dann der richter
ainicherlai wandlwertigkhait oder ander unfueg darin spürt, mag er aus seinem ambt
wol verwerfen.
Wiewol der zeug so von hören sagen khundschaft gibt nicht glaubwirdig ist, so
wierdet doch sein khundschaft angenumen in sachen so uber der menschen gedächtnus
sein, als in dienstberkhaiten und gebreuchen, der grundmarchen
| Seite 184| und anderen dergleichen.
Wann die zeit und stat von aignem wesen [Bl. 83b] und notturfticlich anhengen
der mainung so zu weisen ist, so sollen die zeugen aigentlich solch stat und zeit
anzaigen, und wo si darin widerwärtig sein weisen si nichts, dann si sein
gesöndert, wie mit den valschen richtern und der keuschen
Sussanna beschach. wo aber stat und zeit der weisung nicht
anhengig sein, so ist unnot davon zu bekhennen, wo si aber gefragt werden, sollen
si ir wissenhait davon sagen. spricht der zeug, er hab der zeit vergessen, nichts
minder ist ander sein sag creftig, dann die zeit entgeet der gedächtnus
liederlich. aber der stat halben nicht also, dann ain ieder so ainer handlung
gedenkht dem gibt der gegenwurf vilmallen die stat, wo dieselb beschehen sei, in
erkhantnus.
| Seite 185|
Die zeugen so auf des richters oder bevelchmans ervorderung ungehorsam sein zu
khumen, die mugen mit straf des gelts und phendung ires guets zu khumen und
zeugnus zu geben gedrungen werden. wo aber der zeug under [Bl. 84a] ainem
anderen gerichtszwang ist, soll der landmarschalch demselben richter schreiben und
ime verhörung der zeugen bevelhen, wie oben davon geschriben ist.
Die bevelchman und verhörer der zeugen sollen vleissig aufsehen, mit was gemuet
ansehen beständigkhait zweifl oder wechslworten der zeug khundschaft gebe und
solches also aufzuschreiben bevelhen, und den
| Seite 186| zeugen
seines aids aigentlich ermonen. deshalben auch not ist, wer khundschaft aufnimbt,
das er fursichtig gerecht und wissent sei.
Wann der aid den zeugen furgehalten, sollen bed partheien oder ir gwalttrager
darzue ervordert werden die zeugen zuvor, ee wann sin khundschaft geben und nicht
hinnach, wie obsteet, sehen zu schweren. und daselbst mag die parthei wider welche
die zeugen gelait werden ire fragstuckh einlegen der ladung und articl darumb die
weisung zu thuen ist gleichmässig, und mag bezeugen ir einred wider der zeugen
person und ir saag in recht vorzubehalten,
| Seite 187| und ist
nit not das die widerparthei so die zeugen stellt derselben fragstuckh wissen
trage.
Die zeugen sollen auf begeren der partheien durch das gericht oder bevelchman
khundschaft zu geben ervordert. welche sich sonst khundschaft zu geben eindringen,
wuerden verdächtlich.
Es wierdet khainem zeugen, er sei wie hoch er wöll, gelaubt, er hab dann
geschworen vor dem so ine verhören soll doch in unserm und [Bl. 85a] unsers
gerichts namen, er sei dann des aids durch bed partheien williclichen
erlassen.
Alle brieflich urkhund der sich die partheien behelfen wöllen sollen offentlich
fur gericht gebracht und daneben lauter und sauber copeien und abschrift
beigelegt, die darnach durch den undermarschalch und landschreiber oder ainen oder
zween beisitzer sambt dem landschreiber oder ainem die copeien underschriben bei
dem gericht behalten. und die gerichtspersonen so beruerter gestalt collationieren
sollen vleissig aufmerckhen, ob si ainich verdächtlichait oder valsch in den
brieflichen urkhunden spuren oder befunden, dieselben an landmarschalch und [Bl.
85b] das gericht in gehaim gelangen lassen, die alßdann nach irem rat was si
getrew pillich und notturftig ansehen wierdet in der sachen handlen sollen.
Es soll auch alzeit die gegenparthei
| Seite 189| in die canzlei
gewisen werden die original zu besichtigen und abschrift davon zu nemen und selbst
aufzumerkhen, ob si ainich verdächtlichait oder valsch darinnen spuret, dasselb
von stund an auf dem nechsten rechtstag vor gericht einzufueren. und so die brief
also collationiert, von der gegenparthei besichtigt und abschrift davon gegeben
sein, sollen die original irer parthei wider zu handen geantwort werden, dann nach
der urtl wuerde si nit mer zuegelassen. wo aber ain valsch der unsichtig oder
auswendig mit brieflichen urkhunden gebraucht worden wär furkhäm, denselben mag
die widerparthei auch nach der urtl clagweiß furbringen. und so si den valsch
weiset, wierdet das urtl so in craft desselben briefs gesprochen worden aufgelöst
und der brief vernicht.
Der so ain verdächtlich schrift
| Seite 190| oder valsch brief
wissentlich in recht furbringt, der soll wissen das dieselben gerecht sein. weiset
er das nicht, und ob er gleich die brief selbst nicht aufgericht hat, soll er von
dem landmarschalch gestrafft werden sowol als ain valscher zeug durch das
richterlich ambt und nach gelegenhait des valsch und nicht mit ordenlicher peen
des gesetz, es werde dann umb den valsch beclagt und uberwunden. und die schrift
oder brief werden verdächtlich, so si geschaben und abkrazt, oder zwaierlai
handschrift darin sigler vergeben person oder die sigil ungerecht sein, oder so
der schreiber vormals umb ain valsch verurthailt worden wär, desselben schrift mag
khain khundschaft helfen, das si fur glaubwirdig angenumen werde.
Wann ainer sagt, er hab schuldbrief
| Seite 191| oder ander
brieflich urkhund verloren durch betrug seiner gegenparthei wider die si gelaut,
das si im dieselben entfrembdt oder vernicht hab, so [Bl. 86b] ist genueg das
er solchen diebstal oder vernichtung weise, und umb die inhaltung derselben brief
wierdet glaubt seinem aid. wo aber solch vernichtung oder entfrembdung wäre
beschehen nicht durch die widerparthei sonder ainen anderen, so ist nit genueg das
ainer den diebstal weiset, sonder auch not die inhaltung und laut der brief, wo er
derselben zu geniessen begert, zu weisen. und soll das beschehen durch personen
die verständig sein, die notturft und abgang brieflicher urkhund zu erwegen wissen
haben.
Wann sich der antworter seiner sach in des clagers brieflich urkhund zeucht, so
ist der clager schuldig dieselben sovil
| Seite 192| die sach
berueren furzubringen.
Herwiderumb, ob der clager sein clag auf des antworter brief gründet und sich
darein zeucht, ist der antworter auch schuldig dieselben sovil die clagsach
berueren furzubringen. [Bl. 87a] doch wo solch brief mer und ander sachen dann
die darumb geclagt oder geantwort wierdet innen hielten, so bedurfen solch brief
nit geoffenbart, sonder mügen die notturftigen inhalt bei dem gericht in gehaim
ausgezogen und in das gerichtspuech geschriben, den partheien zu irem behelf wie
vor steet abschrift davon gegeben, und der parthei so die brief eingelegt hat die
brief wider zu handen gestellt werden.
Wann ainer den anderen umb ain schuld beclagt und der antworter zeucht sich in
des clagers raitpuech das er ine
| Seite 193| bezallt hab, so ist
der clager dem antworter zu guet zu beweisung seines auszugs schuldig dasselb
furzubringen.
Ain abschrift wie die in recht furpracht wierdet ist albeg creftig wider die
parthei, so dieselb furbracht hat, aber nit gegen der widerparthei. [Bl.
87b]
Ob ainer dem anderen all sein ligent und varent guet ubergibt vermacht oder
verschreibt, so werden dardurch nit verstanden, das die clag sprüch und
gerechtigkhait so der gaber zu anderen hat ubergeben oder vermacht sein, es
beschehe dann derselben sonderlich meldung.
Die handschrift, so ainer bekhent als sein handschrift und darin die ursach der
handlung oder schulden angezaigt ist, macht ain volkhumen glauben wider den so
solch handschrift gegeben hat, ausgenumen, er bring in ordenlicher zeit dawider
fur und weise den außzug
| Seite 194| des unbezalten gelts solcher
handlung. wo aber der so ain handschrift gibt derselben handschrift absteet, als
sei es nit sein handschrift, und obgleich die ursach der handlung oder schulden
darin gemelt ist, so macht solch schrift allain khain glauben, sonder ist not das
die handschrift gewisen werde durch zusamgleichung der [Bl. 88a] puechstaben
und formb gegen ainander desselben schriften, die wissentlich oder bezeugt werden
das si des schrift sein, der die beruert handschrift verlaugent.
Die raitpuecher und schuldregister so ain sterbender geschriben hat und hinder
sein verlässt weisen nichts. wo aber derselb sterbent aines gueten leben und
lobmund gewesen, so möchten solch register ain anzaigen oder zu zeiten neben
anderm behelf ain halbe weisung machen, und demnach durch den
| Seite 195| aid oder ainen gegrundten zeugen gar erstat werden sonst
weissen die schrift und item, die ainer ime selbst geschriben und noch in seinem
leben furbringt, wider ain anderen nichts volkhumens.
Wo in ainem urkhund mer dann ainerlai handlung aufgeschriben sein, wo dann in
ainem articl ainer handlung ain valsch gefunden wierdet, so wierdt der articl der
[Bl. 88b] selben handlung als valsch geacht, und nicht das ganz urkhund oder
die schrift alle helt aber dasselb brieflich urkhund nur ain handlung inen und
wierdet in ainem articl valsch erfunden, so ist das ganz urkhund valsch und
vernicht.
In allen handlungen, darin die schrift von aigem wesen derselben sachen ist,
haben dieselben schrift mer glaubens dann die zeugen. dergleichen in beweisung
alter geschichten, dann des menschen
| Seite 196| gedächtnus ist
schwach. dergleichen, wo vil articl in ainer handlung, als in raitung und in der
gleichen sachen sein, wierdet den schriftlichen urkhunden auch mer glauben geben
dann den zeugen, und in etlichen mer articlen.
Der ander aid wierdet genumen von den zeugen so in recht khundschaft geben
sollen, nemblich also: "ir werdet in denen sachen darumb ir zu zeugen benennt und
ervordert sein die ganz volkhumen lauter warhait sovil euch wissen ist sagen,
darinen gefärlich nichts verhalten noch unwarhait
| Seite 197|
eintragen weder von aigens nutz poßhait miet gab gunst vorcht lieb freundschaft
haß noch veindschaft noch von khainer anderen sach wegen, so durch menschen sinn
erdacht möchten werden, sonder allein ansehen euer gewissen gegen got, das recht
und die warhait [Bl. 89b], und was ir hierinnen bekhennen und khundschaft weiß
anzaigen werdet niemant verrer öfnen biß solches in recht eroffent wierdet,
getreulich und ungefärlich, als euch got helf und all heiligen. amen."
Der clager mag zu becreftigung seiner clag in der ladung in den antworter den
anzug thuen darumb zu sagen wie recht, darauf ist der antworter schuldig darumb zu
sagen wie recht. wo aber der anzug in der ladung nicht beschähe und der clager ain
halbe weisung thet, oder ain creftige rechtmässige
| Seite 198|
vermuetung fur sich het, mag er sich zu volkhumer weisung auch an den antworter
ziehen und im den aid darumben auflegen.
Widerumb hat der antworter wol macht, wo er nicht schweren wollt, dem clager den
aid haimbzugeben selbst darumb zu sagen wie recht ist, den der clager alßdann
anzunemen [Bl. 90a] schuldig ist. es wierdet auch gefragt, welcher parthei der
richter den aid auflegen soll: darin soll der richter aigentlich aufsehen, bei
welcher parthei er vermuet die warhait baß mugen erlernen, so soll dem
merwissenden der aid gegeben werden. wo aber bede partheien die warhait wissen
mugen, so soll der parthei der merer zu glauben ist der aid aufgelegt werden. sein
si dann bede glaubwirdig, soll der clager zu erfüllung einer weisung den aid
thuen.
| Seite 199|
Wer sich in der ladung oder sonst khainer clag oder articl in die widerparthei
darumb zu schweren zeucht, und ob im durch dieselb widerparthei der aid haimbgeben
wierdet, und alß dann die parthei den haimbgeben aid nit annemen sonder die
beruerten clag oder articl mit zeugen weisen wollt, der soll darzue nit gelassen
werden, dann es wierdet gesehen, er hab sich solcher khundschaft durch den erst
beschehen anzug in die widerparthei verzigen. so ist auch durch solch mittl der
partheien boshait [Bl. 90b] damit aine die ander ie zuzeiten gefärlichen zu
verschimpfen understeet, furzukhumen.
Wo nach beschehnem aid, er sei auf ainer parthei anzug oder durch den richter
auferlegt beschehen, ain urtl ergangen, in welcher craft der clager behabt het
oder der antworter erledigt ist, und
| Seite 200| ain parthei
brieflich urkhund oder ander rechtlich behelf wider solchen aid, die si nit auß
betrug oder nachlässigkhait verhalten, in irer gwalt nit gehabt, sonder etwo von
newem gefunden haet, furbracht und dasselb weisen möcht, so mag dieselb parthei
den beschehen aid und das ergangen urtl damit widertreiben.
Es wäre dann die sach guetlich vertragen, so het solches nit stat, sonder der
vertrag soll beleiben in craft der wilkhur, sonderlich wo im vertrag dieselb
mainung von new gefunden urkhunden und anderen behelfen gemelt und eingeleibt
wierdet. [Bl. 91a]
Wann sich ainer zu bestättigung seines furgebens ain aid zu thuen erpeut, mag
| Seite 201| derselbig durch erkhantnus des gerichts zuegelassen
oder abgeschlagen werden.
Der aufgelegt aid oder auf ain anzug, so er gethon wierdet, hat craft ainer
volkhumen weisung. darumb, so ainer auf des anderen ansinnen schwert er sei ime
nicht schuldig, wierdet nit verrer gefragt ob er ime schuldig sei.
Wann ich dier ain aid haimb gib und du willt umb dieselb sach nit schweren sonder
[Bl. 91b] kerest dich zu ainer anderen handlung in recht, und ob du nachmallen
schweren woltest, so ist dier der aid nit nutz, dann du hast den nicht angenumen,
di ich dier den haimb geben hab.
Wann sich ain parthei den aid zu thuen
| Seite 202| erpeut und
die gegenparthei ist benuegig an demselben erpieten, lässt den aid nach, so ist es
sovil als ob die parthei den aid gethon het.
Als der antworter wider den clager mit dem aid bezallt, also wechst auch dem
clager gerechtigkhait aus dem aid den er thuet, und wierdet nit verrer gefragt
dann das, ob der aid rechtlich beschehen oder nachgelassen sei.
Wiewol all gerechtigkhait-handlung bei dem gerichtstuel gehandelt sollen werden,
so mag doch der aid dardurch auch der krieg [Bl. 92a] abgeschnitten soll
werden von großmechtigen personen, auch von den schweer krankhen und gar alten
dahaimb in iren höfen und wonungen aufgenumen werden, und nicht allain der beruert
aid sonder ain ieder notturftiger aid, und hat stat nit allain in den person
| Seite 203| recht kriegen sonder auch in den kriegen.
Wem ain aid aufgelegt wierdet der hat nicht macht denselben zu verwideren ôn
ursach, wiewol er den der widerpartheien so imen denselben aufgelegt wider haimb
geben mag. [Bl. 92b] dann wo ainer den aid beruerter massen verwidert, wierdet
er fur uberwunden gehalten. und ob die parthei der ain aid aufgelegt ain außlender
ist, soll sein gwalttrager, ob er gleich darumb gwalt hat, zu solchem aid nit
gelassen werden, sonder soll der landmarschalch
| Seite 204| der
acta gelegenhait sovil not ist derselben abwesenden parthei richter schickhen den
aid von ir selbst aufzunemen oder zuverwidern, und der widerparthei bei solchem
aid zuͦ sein oder iren gwalttrager zu schickhen tag setzen und verkhünden. auf
welcher parthei cosstung aber solches beschehen solle, steet in des
landmarschalchs erkhantnus. und alßdann soll der außlendisch richter dem
landmarschalch das so er gehandelt mit sambt den acta so ime zuegeschickt worden
wider zuesenden, damit der landmarschalch verrer darauf wisse zu volfaren. [Bl.
93a]
Ob mer person in ainer ladung
| Seite 205| gefordert und beclagt
werden umb ain sach darumb die antworter nit underschiedlich verpflicht sein, und
etlich erscheinen, etlich mugen aus eehafter not nicht gegenwurtig sein, so mag
der richter gegen den gegenwurtigen umb ir gebürenden thail wol in recht volfaren
und urtl fellen und das recht gegen den abwesenden aufschreiben, dann es wierdet
verstanden, der sachen sein so vil als menig der beclagten person sein. wierdet
aber ain person umb ain articl beclagt, dieselb rechtfertigung noch die urtl mag
der richter nicht thailen. wierdet aber ain person umb mer dann ainen articl
beclagt, so hat der richter wol macht umb etlich zu erkhennen und etlich ansteen
zu lassen. anderst ists, wo ir zween oder mer umb ain sach oder [Bl. 93b]
schulden unverschaidenlich
| Seite 206| verphlicht sein. dann so
die urtl unverschaidenlich wider si gefellt wierdet, so beschicht die volfuerung
wider den vermügenden, wo die anderen nit zu bezallen haben.
Der richter soll nit erkhennen umb das so durch die partheien nicht begert ist,
wil er anderst der torhait und dem unrat entfliehen, dann die urtl soll der clag
gerichtshandlung und rechtsätzen gemäß sein.
Wann ainer clagt umb einziehung aines guets so der antworter besizt, wo die
gerichtshandlung wider den clager und fur den besitzer ist, soll der richter den
antworter muessig zellen ist die gerichtshandlung fur den clager wider den
besitzer, soll das urtl gestellt werden dem clager das guet einzuantworten, und
der emphangen nutz und frucht [Bl. 94a] halben gehalten werden
| Seite 207| laut beder partheien furbringen und begeren in recht. dann
welcher das posseß aus ainem gueten glauben gehabt het, wer die frucht so er
emphangen und die verzert wären nit schuldig wider zu geben, sonder allain die so
sich von verfahung des kriegs verfallen hetten. aber der besitzer aines bösen
glaubens oder der gwalt und entwerung gethon hat ist all frücht, si sein vorhanden
emphangen oder nicht emphagen, schuldig wider zu geben und zu bezallen.
Wo zween oder mer nit unverschaidenlich sonder in gemain mit ainander umb ain
ausgetrukht maß oder zal verurthailt werden, und nicht ausgetrukht ist das ainer
den anderen ubertragen solle, so dann ainer der urtl seines thails genueg thuet,
mag er umb den abgang der anderen nit beclagt werden.
| Seite 208|
[Bl. 94b]
Wann die partheien in iren rechtfertigungen die gerichtscosten und schäden oder
abgenumen nutz und frucht begeren, so ist der richter phlichtig darumben zu
erkhennen.
Wer muetwilliclich kriegt in recht und underligt, der ist schuldig dem uberwinder
die gerichtscosstung zu bezallen. wo aber ainer aus erberen rechtmessigen ursachen
zu kriegen in recht bewegt wäre und verlur, der möcht von der gerichtscosstung
enthebt werden, doch wierdet solches des richters erkhantnus bevolhen.
Wer verphlicht oder verschreibt auf ain benannten tag ainicherlai zu gelten oder
[Bl. 95a] zu thuen,
| Seite 209| thuet das nicht und khumbt
daruber in recht, wiewol er sich alßdann genuegen zu thuen, so wierdet er doch
gerichtscostung schuldig, dann sein aigen that handlung phlicht oder verschreibung
soll ine ermanen dem tag und wort seines zuesagens nachzukhumen. wäre aber ain
sach durch seine eltern oder ander ôn sein wissen gehandelt, und möcht sein
unwissen vermuetlich in recht anzaigen, der mag der gerichtscosstung
entfliehen.
Die cosstung so ainer vor ausgang der ladung in ainer sachen thuet, es sei mit
zerung, zu verhör, umb bevelch von der oberigkhait, oder in ander weeg, die sollen
in die gerichtscosst nicht gerait werden sonder in die schäden.
Die gerichtscossten werden bewisen mit dem aid und die anderen schäden und
| Seite 210| [Bl. 95b] abgenumen frucht durch khundschaft,
ausgenumen in gwaltiger that. dann wo der gwalt bewisen, werden solch schäden und
anders auch durch den aid bestät.
Welcher ainen anderen fur dits landßrecht mit ladung zeucht der disem gericht
nicht underworfen ist, der wierdet dem geladnen die cosstung schuldig zu
bezallen.
Der besitzer aines bösen glaubens ist schuldig zu widerkheeren all frücht, die er
emphangen hat oder der clager davon emphahen het mügen. was dann notturftiger
ausgab zu behaltung desselb guets sein, mag der antworter durch recht bekhumen,
was aber ausgab sein damit das guet nüzlicher worden ist, mag er an den fruchten
abziehen. anderst ists, wo der besitzer ain guet mit guetem gelauben besessen
hat.[Bl. 96a]
| Seite 211|
Nach dem geprauch unsers landßrechten in Osterreich wie von alter heer, wann die
entlich urtl gefellt ist so soll der partheien der dasselb urtl zusteet an die
widerparthei ain gebotsbrief gegeben werden der urtl von uberantwortung desselben
briefs in vierzehen tagen genueg zu thuen mit solcher warnung, wo das nit
beschäch, werde man mit dem ansatz auf derselben widerparthei gueter volfaren. wo
dann der urtl nit benuegen beschicht, so soll ain ansatzbrief gefertigt werden und
darauf der undermarschalch oder des gerichts weispot ansetzen. so der ansatz
beschehen ist, sol der richter dem angesezten ain anpotsbrief geben,
| Seite 212| darin er die widerparthei ermont den ansatz von dem angesezten
in ainem monat zu erledigen mit verrer warnung, [Bl. 96b] wo das nit beschähe,
werden dem angesezten erlaubt mit den angesezten guetern zu handlen nach seiner
notturft, damit er seiner behebnus und costung auf der widerparthei ungehorsam
geloffen entricht werde. so dann die parthei solchem anpot auch nit volg thuet, so
soll der angesezt von dem gericht ain urlaubbrief erlangen, darinnen ime erlaubt
werde die angesezten gueter zu verkhumbern, zu verkhaufen oder selbst inzuhalten
und seiner erlangten gerechtigkhait davon zu bekhumen. und ob ainicherlai ubermaß
daran wäre, damit soll gehandelt werden mit des gerichts wissen wie recht ist.
Und so der ansatz also beschehen und
| Seite 213| der urlaubbrief
erlangt auf ain guet, darumb in recht geclagt und der widerparthei zueerkhennt
worden ist, mag der dem solch guet mit urtl zuegefallen ist in dem ansatz beleiben
und dasselb guet besitzen, ime werdt dann aus der widerthails guetern ain ubermaß
[Bl. 97a] umb cosst und schäden, so soll mit schatzung derselben gehandelt
werden wie hernach volgt.
Wo aber die sach ein persondlicher spruch wäre und der gewinnent umb
genuegthueung willen der urtl angesezt wierdet, so dann der verlierent den ansatz
nicht erledigt noch bezallt und dem gewinner der urlaubbrief gegeben wierdet, sol
der gewinner zu stund mit fertung des urlaubbriefs ain verkhundung auf die
widerparthey erlangen in vierzehen tagen auf ainen
| Seite 214|
benanten tag oder den nechsten gerichtstag darnach durch sich selbst oder seinen
gwalttrager zu khumen zu sehen und zu hören schatzung der angesezten gueter und
sein einred zu thuen. und er khumb und schickh oder nit, soll dennoch die
schatzung beschehen durch landmarschalch und beisitzer. wo si aber solches
persondlich nicht thuen möchten aus ursachen merer geschaft oder nambhafter
ursachen [Bl. 97b] und irrung der gueter, mag der landmarschalch solliches
unpartheiischen verstendigen landleuten bevelhen sich zu erkhunden wie die
notturft ervordert auf des gewinner cosstung, und solch schatzung in ainem monat
dem nechsten nach uberantwortung der comission oder bevelchs zu enden. es soll
auch in dem monat so der widerparthei zu der schatzung verkhundt ist
| Seite 215| vor gericht offentlich mermallen berueft und offen brief von
dem landmarschalch ausgeen und angeschlagen, darin die angesezten gueter angezaigt
werden, ob iemant wäre der ain merers als der gwinner darumb geben wollt, das
derselb auf den benanten tag mit seinem erpieten erscheine. so dann die verliesent
parthei ain ubermas laut der schatzung an den güetern het, soll darmit gehandelt
werden inhalt des urlaubbriefs, und dem so es pillichen zuesteen soll beleiben,
auch der dem die gueter zuegestellt von gerichts wegen [Bl. 98a] mit urkhund
versehen werden, damit er khunfticlich seinen titl und posseß derselben gueter
anzaigen müge. und welcher gewin er dise ordnung nicht hielt noch die schatzung
annäme oder nicht beschehen ließ
| Seite 216| sonder ôn ansatz fur
sich selbst inhielt, wo er dann vor ordenlicher ersitzung der nutz gweer und
rechtlichen furbrauchs umb dieselben gueter angesprochen, wiewol er die vorerlangt
suma nicht verlür, so wuerde er doch die eingenumen frücht an derselben suma
abziehen und die ubermas zu bezallen schuldig, dann er möcht sich fur ainen
besitzer des gueten glauben nicht anzaigen. doch sollen gefärd und unmüglich
handlung zu der niemant verpunden ist hierin bedacht, und wie in anderen
rechtmässigen sachen ausgeschieden sein. ob auch dem gewinner in erkhundigung der
sachen und auf die bevelchman so dapfer cosstung liefe, soll ime dieselb zimblich
nund nach massigung der bevelchman widerlegt werden. dann ainer so ain guet
| Seite 217| khauft mueß auch cosstung darauf thuen und nichts
minder in seinem hauß notturft haben.
Wann auch durch lisstig handlung und betrug [Bl. 98b] der verliesenden parthei
verhindert wuerde, daz khain khaufer zu den angesezten guetern gefunden werden
möcht, und er selbst auch der urtl nit genueg thät, so soll dem gwiner das
aigenthumb und herrlichait derselben güeter von gerichts wegen zuegestellt
werden.
Ob der landmarschalch dem weispotten bevilcht volstreckhung ainer urtl zu thuen,
und der landmarschalch wierdet seines ambts vor solcher volstreckhung erledigt
oder stirbt dardurch der gerichtszwang erlischt. nichts minder ist der bevelch
creftig und der weißpot schuldig denselben zu volziehen.
| Seite 218|
Ob ain landmarschalch ain entlich urtl gibt und vor volziehung derselben mit todt
abgeet oder des ambts erledigt wierdet, so hat der nachkhument landmarschalch
nicht macht uber die beruerten ergangen urtl zu erkhennen ob si wol oder ubel
gesprochen sei, sonder gebürt seinem ambt dieselben zu volziehen und darauf zu
handeln als ob er solliches urtl selbst [Bl. 99a] gegeben het. und ob die
parthei wider die solch volfuerung beschehen ist soll die ungerechtigkhait der
urtl furzüg und sich die zu weisen erbüte, soll die nicht gehört werden, dann die
vermuetung des rechtens ist fur die urtl und wider die parthei. doch ist derselben
parthei nichts abgeschlagen die nichtigkhait der beschehen gerichtshandlung und
urtlen in ordenlichem rechten nach der volfuerung
| Seite 219|
furzubringen und verrer rechtens darumb zu begeren.
Das entlich urtl in sprüchen in das guet macht niemant ainen herren des
zuegethailten guets sonder der ansatz, das ist, so ainem das guet auf die urtl mit
gerichts handen eingeantwort, so wierdet demselben die aigenschaft damit gegeben.
aber in persondlichen sprüchen, so ainer auf güeter angesezt wierdet, hat der
angesezt dieselben allain bstandweiß inen.
Der ordenlich richter so verdächtlich erkhennt wierdet mag nichts minder
unverhindert solches furgebrachten verdächtlichait die urtl, so der [Bl. 99b]
richter neben ime und an seiner stat geordent gegeben, volziehen.
Wann der richter ainem ain peen auflegt in ainer benanten zeit ainer urtl genueg
zu thuen und der glauber
| Seite 220| erlengt ime die täg, so ist
der schuldner dem richter die peen nicht schuldig, wiewol er des richters gebot
khain benuegen gethon hat. dann der richter soll nicht verrer fragen, dann was die
partheien mit seinem wissen und willen handeln.
Welcher in ain guet gesezt wierdet oder das mit recht erlangt der hat nit mer
gerechtigkhait daran dann sein widerparthei von den er solch guet erhabt, dann ain
iedes guet geet in den nachvolger mit den beschwerungen und anhengen die vor der
rechtfertigung darauf ligen. so ist auch ain rechtmässig wort: "was zwischen
zwaien gehandelt wierdet, soll dem dritten so nicht ervordert ist nicht zu schaden
khumen. doch wo iemand in ain guet angesezt, und wuerde darnach befunden, daz
solches nicht richtig des verlüstigen [Bl. 100a]
| Seite 221|
antworters wär sonder ainer dritten person mitaigenthumb phandschaft oder anderer
parthei umb was ir an demselben guet mangeln und abgeen wuerde auf ander der
verlüstigen partheien gueter angesezt, und der dritten person, so si in der
rechtfertigung nicht begriffen, ôn nachtail erledigt werden.
Ob der ansatz umb persöndlich sprüch ain zimblichs höher und teurer, dann der
spruch ist und erlangt schaden und cosstung beschicht, nichts minder hat der
ansatz craft, und sonderlich wo das ligent oder varent guet bedarf, soll der
ansatz so vil hoher beschehen, damit man auch dasselb darlegen davon bekhumen
mug.
Wo der richter befindt daz der persondlich spruch nit so gar lauter
| Seite 222| oder richtig wär, soll er auch sein handlung mit dem ansatz
mässigen, damit der abwesend nicht zu hoch beschwert werde, und sonderlich in der
anderen erkhantnus [Bl. 100b] umb bezalung des clagers, dann in der anderen
erkhantnus auf die ungehorsam hat es minder stat.
Was umb brief dem landschreiber auch underlandmarschalch oder weispotten zu
volfuerung der urtl gegeben wierdet und was cosstung auf solch volziehung zimblich
und notturfticlich laufen, die sollen in abrichtung des ansatz zu der
gerichtscosstung gerait werden.
Umb schulden soll auf die güeter so zu heiratguet verschriben sein nicht
| Seite 223| angesezt werden aus ursach der rechtlichen freihait so
heiratgüeter haben, die darumb gegeben sein, das die conschaft davon underhalten
werden soll. anderst ist in der widerlegung, dann von des mann schuld wegen soll
das weib ires zuegebrachten guets nicht beraubt, dergleichen der man von des weibs
[Bl. 101a] schuld wegen seines gebrauchs und nutz in dem heiratguet zu der
chonschaft und erhaltung nicht entsezt werden.
Zwaierlei peen und straf sein: etlich wirdet von dem gesetz geordent und haisset
ain ordenliche peen, die ander wierdet durch verwilligung der partheien angenumen
und haisset ain wilkhurliche peen. die ordenlich peen
| Seite 224|
ist der richter schuldig zu erkhennen, die wilkhurlich steet in der partheien, und
sonderlich der dieselb zuegesprochen werden solle, willen begeren oder
nachlaß.
Ain iede straf soll von aller mißhandlung des strafer frei sein. und soll die
zucht der wort oder die straf der that allein dem gemainen nutz zu guet und sonst
nicht beschehen, und verhüet werden das die peen nicht schwerer [Bl. 101b] sei
dann das versprechen, und in gleichmässigen handlungen nicht ainer gestrafft, der
ander als unwissent ubersehen oder gar nicht ermont werde. zumal soll in der straf
khain zorn erscheinen, dann das gemüet so mit zorn bewegt wierdet sihet selten die
maß was zu thuen sei. zu sorgen, ob auch der zornig die warhait erkhennen muge.
ain iede straf
| Seite 225| soll mit maß und wag der erberkhait
und rechtens gewegen werden nach gelegenhait der verprechenden handlung gemuets,
furnemens verachtung der person, wie dann solches ainer ieden handlung und
gemaines nutz notturft erfordert.
Welcher erb iemant geistlich oder weltlich ain guet so demselben in ainem
geschäft geordent wär ôn ursach betrieglich vorhellt verlaugent oder verzeucht und
nicht bezallt, lässt sich darumb in recht beclagen, der soll das geschafft guet
raichen, und so vil als der wert desselben guets ist zu peen bezallen.
Ob landschreiber procuratores gerichtspot
| Seite 226| weispot
furpieter oder ander des gerichts personen iemant tringen oder betriegen uber den
gesezten lon und die maß so oben bestimbt ist, und darumb rechtlich beclagt
werden, die sollen die ubermas bezallen und umb zwaimal so vil die ubermaß ist dem
gericht gestrafft werden, der widerparthei die cosstung vorbehalten.
So der richter ainem ain peen sezt, soverr er den clager in ainer bestimbten zeit
nicht bezallt und derselb schuldner verändert dits gericht mittler zeit, zeucht
sich daraus und zalt nicht, nichts minder ist er disem gericht peenfellig, und hat
der richter so die peen aufgelegt macht, wo er denselben in seinem gerichtszwang
betrit, gegen seinem leib und guet darumben zu handlen.
Die peen, so ain parthei der anderen
| Seite 227| aus ursachen
[Bl. 102b] irer handlungen rechtmessiclich zu thuen ist, haben wir durch unser
bevelch der partheien zu nachtail nit abzuschaffen.
Wer ladung-articl oder ander verkhündbrief, so von unß und wer unser oberigkhait
ie zu zeiten verwaltet ausgeen und angeschlagen werden, abreist fräfenlich und des
uberwisen wierdet, der soll unß hundert phund phening zu straf verfallen sein, wer
so vil an dem guet nicht hat, der büeß es mit dem leib.
Als wir in den vörderen zwaien püechern beschriben haben von den gerichtspersonen
und ordnung des gerichts, und
| Seite 228| so nun der merer Thail
aller gerichtshandlung der güeter halben und aus den gerechtigkhaiten so die
menschen darzue zu haben vermainen [Bl. 103a] entspringen, und die vier wörtl
"mein und dein, es ist und ist nit" alle ursach zu krieg geben, darumb hat unß fur
not angesehen numallen zu entdeckhen, welcherlai güeter in des menschen geprauch
nutz posseß und aigenthumb fallen, und durch was handlung der mensch solch güeter
uberkhumen müge, und wie in gemain ain ieclichs guet gethailt werden soll. wie wol
wir bedenkhen, wie die rechtgelerten so vor zeiten die recht ainßthails in teutscher
zungen ausgezogen albeg den fuesstapfen irer lernung nachgetretten, damit si nit
gesehen wuerden aus dem weeg irer puecher zu geen, aber wenig aufsehen gehabt
| Seite 229| unserer zeiten regierung schikhlichait und geschichten
derselben üebung gemainer gebrauch und erforschung der händl, dann unser wesen und
gepreüch der römischen zeit wesen und handlung denen das geschriben recht aufgesezt
worden ganz ungleich ungemäß und verr davon sein. [Bl. 103b]
Deshalben wöllen wir sagen von thailung der güeter disem unserm fürstenthumb
gemäß. und ob dieselb ainsthails ab dem weg der geschribnen recht wiche, wolle si
niemand beschenen sonder die sachen unserer notturft gleichmässig mit dem
trewisten versteen.
Anfenkhlich werden alle güeter gethailt in geistlich und weltlich oder
| Seite 230| zeitlich. die geistlichen sein, die zu der eere gottes
ergeben und gebraucht und zu underhaltung des cristlichen glaubens gewidembt sein.
von denen vil zu sagen hie ôn not und unsers gemüets nicht ist. aber die
weltlichen und zeitlichen güeter werden gethailt in gemainsame und sondere
güeter.
Der gemeinsamen güeter sind etlich aus [Bl. 104a] naturlichem rechten allen
tieren gemain, als luft wasser erdrich und was darin und darauf wechst, deren alle
thier der erden gleich geniessen zu enthaltung ires lebens, aber nicht zu
aigenschaft des umbkraiß der ganzen welt und seiner begreifung niemant zuezelt
werden mag dann got allain, der die ding allen thieren gemain zu underhaltung
geschaffen hat, doch entlich von des menschen wegen, aber under den
| Seite 231| menschen sein etlich gueter gemain allen völkhern, also das
auch ainem ieden frembden gebürt dieselben zu geprauchen, doch dem so
gerechtigkhait daselbst hat ôn nachtail als scheffart auf schefreichen wassern die
mag ain ieder prauchen, doch bezal maut zol und ander vorderung. item, die schef
an den gestetten zu heften doch in den rechten ladstetten, allain die nottruft des
winds oder schifpruchs trib ainen an ain ander land, alßdann mag er auch auf aines
anderen gründ heften oder lenden, dem herrn des grunds an seiner gerechtigkhait
unvergreifenlich.
Es sein auch gemaine güeter, die ainer ieden gemain wie si sonderlich in stetten
oder dörfern [Bl. 104b] versamelt werden und nicht den frembden zugehören,
aussgenumen den es vergünt wierdet, als die offen plätz, khaufmärkht
| Seite 232| waidwasser zu geprauch des viehs und ander notturft gemaines
nutz derselben stat oder dorfs. aber die sonderen gueter sein die, die so sonderen
personen zu geprauchen oder zu nutzen oder aigens weis zu geniessen rechtlichen
zuegebüren. und die nechst gemelten gemainen und ietz beruerten sonderen gueter
werden durch die menschen manicherlai weiß uberkhumen und an sich bracht, als
durch erbschaft geschäft gab khauf teusch lehen volziehung der urtlen und in ander
weeg, wie durch die nachvolgenden titl clärlich gesehen wierdet.
Es ist meniclich unverporgen das die wilden thier, die vögl in den lüften, die
visch in den wassern und das wilprät in den wälden von natturlicher ordnung frei
allen thieren gemain und des aigen sein, der si zum ersten
| Seite 233| fahet oder begreift, aber numallen, so das erdrich und die
gründ allenthalben durch die oberigkhait und herlichait [Bl. 105a] verfangen,
und der mensch sich und sein geschlecht selbst gephrengt und in gehorsam dem
gesetz zu leben ergeben, hat er ime und anderen menschen die natturlich freihait
selbst genumen, das er doch den wilden thieren des luffts erdrich und wasser
gestatten mues, und hat in der mensch durch zueziehung der aigenschaft der güeter
selbst maß geben, das er in aines anderen gründen wälden wasser oder erdrich nit
greifen sol daselbst zu jagen, zu hetzen, zu baissen oder in ander weeg sein nutz
und notturft zu suechen wider wissen willen und verhengen des grundherren oder
dessen so die oberigkhait des gejaids und wild derenden hat.
| Seite 234|
In disen fällen der gejaid sein khünig und fürsten ausgeschieden, die zu
ergezlichait irer müe und arbait damit si täglich als herren der khunigreich und
lande beladen sein besonder freihait haben, hie auszuzaigen ôn not, daz ain ieder
verständiger bei ime selbst ermessen mag.
Ob iemant ain wilprädt scheust oder verwundt [Bl. 105b] in seinem gejaid und
grund, und es trit auf aines anderen gründ und gejaid, so er ime nachkhumbt wie
die röt und das gespür solcher verwundung und außdrits anzaigt, mag er das
wilprädt daselbst gar fellen und nemen, doch dem herren des das gejaid am selben
ort ist ainen lauf vereren, damit gesehen werde, das er solches nit verhollen oder
haimblich gefellt hab. wo er aber dem wilprädt nicht nachkhumbt und
| Seite 235| verlässt das, so ist es des, der das auf seinem grund betrit
und fellt, findet es aber ain gemainer man berüerter mainung auf seinen gründen,
fellt dasselb oder das im die röt zu vil entgangen ist, soll ers nicht heben
sonder dem herren des orts anzaigen, der mag dasselb annemen und den gemainen man
davon begaben, und ob die gejaid auf denselben gründen aines anderen wären,
demselben sein gerechtigkhait, das ist ain lauf davon senden, damit nichts
verdachts und arglistigs sonder öffentlich und an dem tag gehandelt werde. ob aber
iemant in aines anderen gejaid [Bl. 106a] ôn erlauben muetwilliclich jaget,
wilpradt schuß oder fellet, der ist des zeugs darmit er solches thuet verfallen
dem herrn des gejaids. und ob er so starckh wär daz er sich desselben
| Seite 236| gwelticlich setzet, mag umb ain fräfl und gwalt zu ime geclagt
und darumb gericht werden. wierdet aber ain pawer oder gemainer man als begriffen,
der soll nicht allain den gezeug verlieren sonder darzue seinem herren angezaigt,
damit er gestrafft werde. dann es ist offenbar das vil gemainer leut dem hasen und
wilprädt schiessen, den wilden hüenern und anderm wilprät vahen, auch dem vischen
und kreussen haimblicher weiß nageen, ir arbait gründ und güter verlassen, mit dem
fang und genieß solcher waidnen, dem wein und voller weiß obligen dardurch ir
heuser güeter und gründ veröden und zu armuet khumen, die sollen wo si das
vermügen an dem guet, oder ob des muetwillen und diebstals sovil wär, an dem leib
nach gestalt irer verhandlung von iren herrschaften
| Seite 237|
gestrafft und [Bl. 106b] gebessert werden. dann dem gemainen mann, der selten
in gueter zucht mit sitten vernunft und tugenden erzogen, ist albeg die
leichtfertigkhait vor augen zu seinem selbst nachtail dem muetwillen und lust zu
leben, wo er nicht in sorgen und straf gehalten und der frei will gezaumbt
ist.
Dergleichen soll es gehalten werden mit dem vogelgejaid, das allain der so die
gerechtigkhait hat tenn zu schlahen und zu verlassen der desselben macht hat und
ime ôn seinen willen und erlauben sonst niemant auf sein gründ nichts fahen soll.
wiewol pillich niemant so gar unvernuftig ist, der seinen nachberen oder ainem
anderen erberen mann des adels verpieten an ainem vergeben rit durch des anderen
gründ mit dem vederspil
| Seite 238| zu baissen oder füchs und
hasen ungefärlich vom strickh ôn schaden der gründtrait und frücht zu hetzen, dann
in dem allen soll ain vertreulich menschait zu bederseits gehalten werden, aber
schedlich raitzung und gefärd soll iederman verpotten sein. [Bl. 107a]
Die imen oder pinn werden auch geacht under den wilden thierlein. darumben setzen
wir derhalben solche maß, wann ainem ain swaden imen oder bin entgeet und sich
uber ain gewandten wegs auf ainem anderen grund oder paum anlegt, und der dem er
entflogen ist khumbt demnach und hat sorg das er sich weiter legen möcht, so mag
er in schöpfen doch daselbst steen lassen, und dem so den grund praucht und neust
zu stund solches zu wissen thuen, und denselben khunfticlich so er ime geriedt mit
ainem
| Seite 239| hönigfladen zimblichen zu vereren erbieten. wo
sich aber ain schwaden anlegt dem niemant nachkhumbt und verlassen ist, den soll
der so in findt nicht schöpfen noch die hönigfladen außschneiden ôn wissen des so
den grund in nutz und prauch hat. und welcher ee geschikht ist mit körben oder
binchor den schaden darein zu fahen, der mag das thuen. und welcher den behalten
will, soll halben thail des werts nach gelegenhait des schwaden und hönigsamen
auch das binkhor dem anderen treulichen bezallen [Bl. 107b]. doch hat der so
das binchor darzubringt die merer waal den schwaden zu behalten oder zu lösen zu
geben.
So aber ainem ain schwaden entgeet und sich inner ainer gwanten wegs anlegt, der
mag den so er ime
| Seite 240| nachkhumbt, unverhindert das der
grund der paum aines anderen ist, wol schöpfen dem früchtigen paumen ôn
nachtail.
Wiewol auch der phaben und tauben nattur wild geacht werden, so wöllen wir doch
das die phaben und haimbischen tauben wie haimisch huner oder genß so bei ainem
hof oder hauß erzogen gehalten werden. und nachdem dieselben all ôn müe und
cosstung nit zu ziehen noch zu behalten sein, so sollen si, wo si iemant
entfliegen und ob sie gleich verr von irer herren angesicht khumen und inen nicht
nachgevolgt wierdet, wo si wissentlich betretten, dem der si erzogen oder vor der
entfliegung [Bl. 108a] mit guetem wissen gehabt hat wider volgen. und wer si
irem herren von sines nutz wegen darüber vorhellt, der ist nicht ôn straf und
verdächtlichait. und nachdem die
| Seite 241| tauben etwo
merkhlich schaden in dem traidfeld und zu zeiten anderen früchten thuen, dardurch
sich niemant understee mit anderer leut nachtail sich und sein viech und nottruft
zu bessern, so sollen die tauben khöbel nindert dann bei den rechten mairhöfen
gehalten werden. ander gemain leut so traidpaw haben mügen auf ainer stangen sovil
als ain phluegrad begreiff taubennest zeunen, die anderen halblehner und herberger
sollen dieselben nicht öffentlich zu dem ausflug sonder in den stuben oder
gemachen halten.
Desgleichen, wann ainer ain wild thier geendes oder fliegents erzüg das von und
zu dem hauß zugeen oder zu fliegen gewent wär und ime fieng dasselb iemant
wissentlich auf, der ist es schuldig wider zu geben seinem herren des es
vorgewesen will er
| Seite 242| [Bl. 108b] anderst nicht
beclagt und darumb gestrafft werden. und sonderlich so ain solch thier an im tregt
ring glockhen geschuech oder ander zaichen dardurch es als ain erzogen thier
erkhennt wierdet, die sollen auch in gejaiden nicht gefellt werden. wo aber iemant
solche thier fächt und inen khumbt niemant nach dieselben zu ervorderen, so mag si
derselb behalten ain quotember lang und darnach verrer seinem willen nach damit
handlen.
Der gemain man soll mit solchen händlen nicht zu thuen haben, als oben angezaigt
ist. und ob er ie zu zeiten zu wald oder gehülz ain jungs wild oder obernennts
haimblichs erzogen thier und wilprät findet und haimbpringt oder dahaimen erlangt,
der soll es bei peen oder straf uber drei
| Seite 243| tag nicht
vorhalten sonder seinem herrn zuebringen.
Es wierdet fur ain hofweis und scherzlich gehalten aber nit wol, das ainer dem
anderen waidlich hund am furziehen fur [Bl. 109a] die heuser und hinweckh
lockhet oder sonst auffahet das grossen unwillen gebirt. deshalben solche
entfrembdung von meniclichen vermitten beleiben, und wo si beschäch von der
oberigkhait gestrafft, und der entfüert hund widergeben werden soll.
Was auch von des menschen haimbischen vieh und thier geboren wierdt das ist auch
in seiner aigenschaft. aber wolf beren lux und dergleichen schedliche und
gefärliche thier soll niemant erziehen. dann entgeen si irem zuchtherrn und thuen
iemant schaden, so soll derselb den schaden büessen.
| Seite 244|
Die vischerei auf den schifreichen wassern hat ain gstalt wie mit dem gejaid des
erdrichs. dann so die wasser numallen allenthalben mit oberigkhait und
herrlichaiten verfangen, sol khainer ôn des anderen willen und erlauben auf der
frembden wassern vischen. wierdet er begriffen so hat er den zeug verloren, sezt
er sich des zu geben mag [Bl. 109b] er ains fräfels beclagt und also mit recht
gestrafft werden, dann sich soll ain ieder des benüegen so im zuegehört und ander
leut gueter gründ und gerechtigkhait nicht antasten. wo aber iemant auf solchen
grossen wassern mit ainem angl ie zu zeiten kurzweilet, als nicht von nutz
verkhaufens wegen noch damit ainicherlai gerechtigkhait zu schöpfen noch anderer
gefärlicher mainung, so soll niemant so grob sein dasselb zu weeren. doch das
| Seite 245| die anglen nicht eingesezt werden, solches auch nicht
in den awen noch den beschlossen tumpheln und alt wassern die nicht durchfliessen
ôn willen der herrschaften die da gerechtigkhait haben.
Es soll auch gleicher mainung gehalten werden auf den grossen pächen oder flüssen
so nicht schifreich sein. doch auf denselben grossen pächen soll auch das vischen
nicht allain mit dem zeug sonder mit der schnuer reuschen und aller gestalt
verpotten sein. [Bl. 110a]
Was ain gwaltiger flus iemant seinem grund zueschüt, daz ist auch sein grund. ain
zueschüt oder anschüt ist ain verporgen merung daz zu ainzing durch den fluß
iemant grund zuewechst, das zu ieder zeit und weil solcher anschüt nit wol
gemerkht mag werden.
So der gwalt aines fluß von iemant grund ain nambhaft ort wekhreist
| Seite 246| und an ainem anderen grund zuetregt, also daz der hingerissen
grund erkhennt wierdet, so beleibt derselb grund dennoch des er vor was. und ob
die paum so auf solchem grund weckh getragen werden wurzeln an dem anderen grund
lassen, so sein si des ersten und des so derselb ander grund ist gemain.
Ob in ainem grossen fluß ain aw die man auch ain werd nennt angeschüt wierdet in
rechter mitten des fluß, dieselb aw oder der werd ist der gemain so zu bederseits
gründ an dem gstat haben nach gelegenhait weit und größ derselben gründ des
gestats. [Bl. 110b]
Ob sich aber ain fluß thailt und an ainem ort in aines oder merer grund
| Seite 247| einbricht und fleüßt alßdann wider zusamen, also das
aus denselben grunden gestalt aines werds gemacht wierdet, dieselben gründ und
werd beleiben denen deren si vor gewesen sein.
Wer teicht weier vischgrueben einsetz auf seinen gründen macht, und iemant darauf
begriffen wierdet der vischt ôn erlauben mit welcherlai zeug das sei nichts
ausgenumen, der thuet ain diebstall und ist das so er bei ime hat verfallen, wo er
nicht visch gefangen, soll er an dem pranger mit rueten gestrafft werden umb den
bösen willen, ist er anderst ain gemainer man. [Bl. 111a] wo aber visch bei
ime ergriffen, soll er mit strengem rechten gestrafft werden wie sich umb solchen
diebstal gebürt. thuet es aber ainer vom adl oder ritterlichen dienstleuten und
vertregt sich nicht mit seiner widerparthei güetlich und
| Seite 248| erwart darumb der clag, der soll bezallen so vil der clager in
recht schweren mag, daz er visch in arkhwon des diebstals verloren al die zeit
derselb dieb in der nachperschaft gewont hat. und wierdet derselb durch die urtl
unlobmündig und seiner eeren entsezt und soll darzue von dem gericht geschafft
werden. aber widerlegung seiner eren mag er bei unß als herren und landßfürsten
erlangen.
Welcher nambhaft und groß teicht oder weier auf seinen gründen machen will, der
soll allen vleiß thuen dieselben mit starkhen genuegsamen stathaften thamen
terassen fluchtgräben ablassen und anderen notturften dermassen zu versehen, damit
[Bl. 111b] [in] wolkhenprüchen und güssen und anderen unglükhlichen geschichten
seinen nachperen so gründ und güeter
| Seite 249| under seinem
teicht haben nicht schaden oder nachtail beschehe, dann er wuerde denselben
schaden auf anzaigen der widerpartheien und erkhantnus des gerichts schuldig zu
bezallen.
Niemant soll teicht oder weier schütten auf seinen gründen, das dardurch anderer
leut gründ schaden oder nachtail entstee oder mit dem wasser ertrenkht werden, er
hab sich dann zuvor mit denselben grundherren auch den leuten so den gebrauch und
nutzung auf denselben gründen haben darumb vertragen.
Ob iemant darüber schut und nicht willen erlangt und ertrenkht die frembden
gründ, wierdet er darumb beclagt, der soll den teicht abthuen, die gründ
müessigen, und sollen die schäden der verderbten gründ von oberigkhait wegen
beschaut [Bl. 112a] und geschäzt und
| Seite 250| durch den
antworter widerkheert und bezallt werden. wo ime aber ainer auf sein gründ ain
merkhlichen nutz mit derlai vischerai schaffen möcht und solches der anderen gründ
ains tails berüeren wuerde, und der sich erpeut ime nach aller pillichait fur
dieselben gründ benüegen zu thuen mit gelt, gemessen gründen oder in ander weeg,
wo dann dardurch behauste güeter nit verödt werden, ist er schuldig ime zu
wilfaren.
Wann ainem ain teicht durch wolkenprüch güß oder ander geschicht abbricht oder
ubberscheust also das ime die visch entgeen, wo er inen dann zu stund nachkhumbt
mag er die in ainem veldpächlein wider auffahren, unverhindert ob dasselb pächlein
nit sein ist. was auch visch auf ander gründ geschlagen werden mag er auch
| Seite 251| heben. wo si aber in aines anderen teicht oder in ain
recht vischwasser da dergleichen visch innen wären [Bl. 112b] schiessen, hat er
nicht macht denselben nachzusteen, es werde im dann vergünt oder derselb teicht
wär öd und nicht besezt, so ist der herr des teichts darein die visch fliessen ime
die auf ain zimblich zerung volgen zu lassen schuldig. khumbt er aber bald, das
ist in ainem tag und nacht nach der güß, den vischen nicht nach, so sein si an der
trückhen des der si zum ersten ergreiff, dann es ist ain thier das ôn wasser bald
verdirbt, und was an das wasser khumbt ist des dem das wasser zuegehört.
Es sein auch leut die sich understeen güeter zu überkhumen mit schätz suechen und
graben, sehen in die pavillen, prauchen zauberei und
| Seite 252|
seltzam segen und caracteres. was derselben betrieger sein die sollen nicht
geduldt sonder gestrafft werden an dem leib, und ob si etwaß von schätzen finden,
die gebüren den grundherren zue. dergleichen betrieger sein die so mit der
archomei [= Alchemie] umbgeen und sich [Bl. 113a] anderer khünsten austhuen,
der si doch nicht versteen noch wissen und die leut damit ansetzen und
betriegen.
Wer ainen schatz findet auf seinen selbst gründen und güetern dem soll er
beleiben, und hat ain ieder wol macht auf seinen gründen schätz zu suechen, aber
nicht auf frembden noch mit den verpotnen khünsten. vindet er aber ainen schatz
vergebenlich auf ainem frembden grund, so beleibt er halber dem grundherren und
halber dem der in findet. wierdet er gefunden an
| Seite 253|
ainer geweichten stat, so ist es geweicht oder geheiligt guet, so beleibt es der
kirchen gar. ist zeitlich oder weltlich guet, dabei soll dem finder sein halber
thail gegeben werden.
So ain taglöner an seiner arbait in mauerprechen oder erden graben oder anderer
arbait ainen schatz findet vergebenlich, so gebürt dem herren der schatz, er soll
aber dem [Bl. 113b] taglöner zusambt seinem taglon ain zimblich fintgelt davon
geben. ist aber der taglöner zu dem schatz graben bestellt und findet in, so hat
er nichts dann sein taglon, der herr begab ine dann von freiem willen.
Ob ainer dem ain guet oder grund versezt ist ain schatz darin findet, der wirdt
nur halber sein und halber des phandherren. dergleichen ist in den bestand- und
zinßguetern darinnen
| Seite 254| ainer den gebrauch nutz und
niessung hat und ain ander rechter herr ist.
Welcher sonst gelt cleinat oder varende güeter auf der strassen findet, der soll
die nicht verhalten sonder öffentlich bei den kirchen und märkhten verkhünden
lassen. und ob wissentlich und grüntlich erfunden wierdet wem solch gelt oder guet
zueghört, dem soll es ôn waigerung wider geantwort werden. verhellt er es aber, so
mag derselb wie umb ainen diebstal gestrafft werden. wo [Bl. 114a] so bald
niemant khöme, soll er dasselb gelt oder guet jar und tag behalten, khumbt dann
niemant der dem gefunden guet nachstellt, mag der finder damit handlen nach seiner
notturft ôn meniclichs irrung.
Verrer werden die güeter gethailt in leiblich und unleiblich. die leiblichen
gueter sein, die von natur durch die
| Seite 255| auswendig sinn
begriffen werden mugen, als gründ heuser claider gold und ander dergleichen
sichtig ding. die unleiblichen sein die, so durch die inwendig sinlichait
verstanden und nicht berüert werden mügen, als da sein gerechtigkhait der
erbschaft oder verphlichtung gerichtszwang, auch herrichait und vberigkhait. und
in denselben unleiblichen güetern wierdet die geduldt des gebrauchs geacht als ain
uberantwortung desselben guets und gerechtigkhait. wie nun die alle sein und wie
wier dieselben uberkhumen mugen, wierdet zum thail in den vorbeschribnen auch mer
in nachvolgenden articlen nach der leng verstanden. [Bl. 114b]
Gebrauch und nutz ist ain recht zu gebrauchen und niessen aines frembden guets ôn
verletzung desselben guets und das es in ime selbst behalten werdt. Dann wo
dasselb guet vergeet, wierdet auch aufgehebt das recht des berüerten gebrauchs und
nutz. und ist ain persondlich handlung, dann si endet sich mit der person,
desgleichen der gebrauch. wer den nutz hat der hat auch den gebrauch, aber nicht
widerumb wer den gebrauch hat daz er auch den nutz hab.
Gebrauch und nutz hat ain underschaid mit der aigenschaft. dann es mag sein das
ainer die posseß aigenschaft und rechte herrlichait aines guets, und ain ander den
gebrauch und nutz
| Seite 257| innen hab, als so ainem ain grund
als erben verlassen und der gebrauch und nutz desselben grunds ainem [Bl.
115a] geschäft weiß zuegestellt wierdet, so hat der erb die plossen
aigenschaft und rechte herrlichait desselben grunds ân den gebrauch und nutzung,
und in mer dergleichen fällen.
Niemant mag für sich selbst oder seine nachkhumen den langwierigen gebrauch und
nutz aines guets so er gehabt das posseß oder aigenschaft einfüeren, wo
wissentlich wierdet das ime oder seinen nachkhumen solcher gebrauch und nutz
plößlich gelihen ist.
Ain ieder so geprauch und nutz gründ und güeter hat, der soll dieselben
gebrauchen und niessen als ainem vleissigen und getrewen hausvatter
| Seite 258| und aines frumben verstendigen mannß gemüet gebürt, dardurch
dieselben gueter nicht abgepaut geschunden geschmellert und in unzimblich
verletzung khumen, dann die erberkhait und gueter glauben sollen allenthalben
gehalten und betrug nicht stat gegeben werden.
Welcher auch gebrauch und nutz annimbt, der [Bl. 115b] soll dem aigensherren
phlicht und sicherhait thuen das guet beruerter gestalt zu halten, und darzue, wo
ime iemant frembder das aigenthumb zueziehen und sich in das posseß zu dringen
understeen wollt, dasselb nach seinem höchsten vermügen zu weeren und also umb die
behuet des guets zu antworten.
Dann als oft der niesser ain guet nit [?] solcher ietz geschribner gestalt seiner
phlicht und sicherhait nach hielt und
| Seite 259| handelt, so ist
der dem aigenßherren schuldig sein guet zu widerkheeren.
Es hat auch der aigensherr macht ôn willen des geprauchers oder niessers laut zu
behuet aines grunds oder hauß darin si gebrauch oder nutz haben zu legen, wo es
die notturft erfordert, dardurch ime sein gerechtigkhait versichert und behalten
werde.
Der so geprauch und nutz aines guets hat, ist schuldig zu tragen die gemain purd
so [Bl. 116a] neben ainer landschaft uns oder gemainem land zu guet geburen zu
thuen, und nicht der herr des das aigenthumb ist und desselben die zeit dieweil
solcher gebrauch und nutz aines anderen ist nicht geneust.
Desgleichen ist der niesser schuldig die dienst und zinß von dem guet und grund
darauf er den gebrauch und nutz hat zu bezallen, es werde dann
| Seite 260| in aufrichtung desselben brauch und nutz mit namen anders
verlassen.
Wann der niesser willig ist den gebrauch und nutz dem herren aufzugeben, soll er
nicht getrungen werden das nidergefallen oder verdorben ist wider aufzurichten,
waß aber durch sein oder der seinen schulden schaden beschehen das ist er schuldig
wider zu besseren.
Der gebrauch und nutz der sich durch abgeen des niessers endet mag nicht wider
ervordert werden, er sei dann des abgestorbnen erben auch gegeben. dergleichen, wo
das guet [Bl. 116b] darauf ainer die gerechtigkhait gehabt ganz vergangen ist,
mag die niessung auch nicht wider ervordert werden.
Ob aber ain grund ôn schuld des niessers von den feinden einzogen und widerumb
erledigt wierdet, dennoch erlischt gebrauch und nutz darauf
| Seite 261| nicht.
Wann sich ainer so gebrauch und nutz aines guets hat in ain closter ergibt und
profeß thuet, wiewol er der welt gestorben ist, so behalt das closter dennoch
prauch und nutz des guets derselben ergeben person lebenlang biß si des
nattürlichen todts vergeet.
Der heuser in stetten märkhten und dörfern dienstberkhait sein die zimerhölzer zu
pawen, den nachbern die liecht zu nemen oder nit hoher zu pauwen, den tachttropf
abzukheeren auf des [Bl. 117a] nachpern tach oder hof, am tram oder fürst
einzulassen in des nachpern wand, in sein hauß oder fur sein thür auszuwerfen,
oder haimblich
| Seite 262| gemäch in sein hauß zu laiten, und
ander dergleichen handlung dardurch der nachpern behausung ain beschwerung
aufgelegt wierdet. davon wierdet hierinen ordnung gesezt nicht von der burger
wegen die ir besonder statut darinen haben, sonder von der prelaten herren und
ritterschaft wegen die ire clöster höf und heuser in stetten märkhten und dorfern
haben.
Dienstberkhait der veldgueter das ist der gründ so auf dem veld liegen sein die,
das ainer ainen steig uber aines anderen gründ hat darüber er oder seine leut zum
wasser oder anderen notturften geen mugen, oder ain trib das ist das er sein viech
zu waid oder wasser uber aines anderen grund treiben mag oder weeg, und strassen
daz ainer uber des anderen gründ zu seiner notturft faren mag, oder wasser durch
des anderen
| Seite 263| [Bl. 117b] grund zu laiten zu seinem
nutz, oder den pluemb besuech, sand graben, kalchstein zu prechen auf aines
anderen grund macht hat, und ander dergleichen gerechtigkhait, wie aus den hernach
beruerten articlen clärlich verstanden wierdet. und sein solch dienstberkhait dem
guet anhangent, dann si nit sonderen personen sonder auch den erben und anderen
nachkhumen vervolgen.
Die dienstberkhait der heuser und veldgüeter werden aufgericht und gegeben durch
handlung lezter willen und geschäft, wie der gebrauch und nutz der gueter gegeben
wierdet und becreftigt durch einantwortung der gerechtigkhait, das ist wann ainer
den anderen auf den grund füert, auch durch geduldt des geprauchs der
dienstberkhait und wierdet solcher gebrauch und geduldt ain posseß geacht,
| Seite 264| darumb die clagen umb handhabung der posseß erfunden
sein.
Die dienstberkhait werden nicht gemacht, [Bl. 118a] das ainer etwas thue oder
würkh, sonder das er etwas in seinem guet geduldt, als ainen anderen sein wasser
oder waid gebrauchen zu lassen oder etwas nicht zu thuen und zu geratten, als sein
mawer nicht höher zu erheben, damit er seinem nachberen das liecht nicht neme, und
dergleichen.
Wiewol die kaiserlichen recht aus ainer subtilitet geordent, das die
dienstberkhait der gueter nicht auf zeit noch mit underschaid auf zweifl
aufgericht sonder ewig sein sollen, villeicht zu nutz den guetern, so ervordert
doch die pillichait, damit das so zwischen den leuten beschlossen und gemacht
gehalten werde. deßhalben setzen und wöllen wier, daz die dienstberkhait gehalten
| Seite 265| werden mugen auf ewig oder zeit oder mit
underschied, wie dann die partheien des nemblich überainkhumen si mugen auch maß
an ainander geben zu was zeiten tag stund, mit was last, mit was [Bl. 118b]
viech oder gueter die dienstberkhait gepraucht werden soll.
Wann ainer dem anderen vergünt in seinem garten zu spazieren, darin zu essen oder
obbs abzuprechen, wierdet khain dienstberkhait sonder ain persondlicher gebrauch
oder gerechtigkhait.
Die dienstberkhait der weeg steig trib oder wasser füerens soll an dem ende des
grund gebraucht werden, da solch dienstberkhait dem grund am wenigisten schaden
thuen. und wann die ainsten gemacht sein, sollen si ôn willen nicht geändert
werden.
Wann ainem ain staig durch ainen
| Seite 266| grund vergünt
wierdet da khainer ist, so hat er dem solches vergünt ist wol macht mit graben und
holz einzulegen ain steig zu machen.
Welcher die dienstberkhait des steigs allain hat der soll khain viech daselbst
treiben noch [Bl. 119a] darauf faren, wer aber den trib der hat auch den
steig, welcher aber die dienstberkhait des wegs der hat auch den steig und den
trib.
Wiewol die dienstberkhait unleiblich gerechtigkhait sein, deßhalben man nutz und
gwer derselben hart ersitzen mag, und besonder der dienstberkhait die nicht ain
ewige ursach oder embsigen geprauch haben, als da ist die dienstberkhait der steig
trib oder weeg, dann niemand geet treibt oder weeg, dann niemand geet treibt oder
färt so stetticlich das sein gebrauch zu zeiten nicht underprechen werde,
| Seite 267| solch dienstberkhait mügen dennocht ersessen werden mit
zeit deren anfang nicht in gedächtnus ist oder durch ersitzung zwifacher zeit und
gweer, wie hernach begriffen ist. welche dienstberkhait aber ain ewige ursach
haben oder in gleichnus ainer ewigen ursach, als wo ain wasser uber eines anderen
grund oder ain rin zu außfuerung des regenwassers in aines anderen [Bl.
119b]hof gefüert wierdet, die mügen mit furprauch ersessen werden zehen jar
under den gegenwürtigen und zwainzig jar under den abwesenden.
Ob ainer sagt er hab ain dienstberkhait aus guetem tittel, und mag denselben titl
nicht weisen mit zeugen oder briefen, und fuert zu behelf seines anzaigens
weißlich ein er hab dieselb dienstberkhait gebraucht mit wissen und ôn widerred
des grundherren,
| Seite 268| daraus wierdet vermuet er hab die
dienstberkhait aus ursachen die vorlangst gewesen sein.
Gebrauch der dienstberkhait in den personen ist unthailbar. also zu versteen, wo
ainem aines anderen grund dienet, das er ainen steig darüber hat und vil erben zu
seinem grund verlösst, so mag ain ieder erb denselben steig prauchen. auch ob der
solch dienstberkhait auf seinen grunden nimbt vil erben verlässt, die mugen
unverschaidenlich [Bl. 120a] darumb beclagt werden, doch die thailung der
gründ behalten. die dienstberkhait, als wo ainer ain grund hat dem ain wasser zu
guet gefuert ist und er verkhauft ainem anderen den grund halben, wo glaich der
ander thail der besser und ime das wasser mer zu guet ist, mag dennocht der ander
dasselb wasser gebrauchen, er
| Seite 269| mag auch nach
gelegenhait ir beder grund gethailt werden.
Also auch in ainer gemainen mawer zimbt khainer parthei rauchfankh noch ander
rören oder paw, dardurch dieselb mawer geschwecht [Bl. 120b] oder schadhaft
wierdet, zu machen ôn willen des nachbern.
Ob ainer dienstberkhait hat was rören zu fueren bei seines nachbern hauß gemewer
oder gründen, soll er das thuen damit dieselben rören und feuchtigkhait am
wenigisten schaden thuen. dann ob sich aus verwarlosung seiner arbait nachtl
begibt, wierdet
| Seite 270| er dem nachpern denselben schuldig zu
bezallen.
Die dienstberkhait der behausten gueter wierdet durch den gebrauch behalten, dann
dieweil ainer ainen traum in des anderen mawer hat oder das regenwasser auf des
anderen rinnen oder in sein hof laitet und sich des also gepraucht, so besizt er
dieselb gerechtigkhait aus der that und des anderen geduldt.
Wann ainer die gerechtigkhait hat den regentropfen in aines anderen hof zu
kheeren, so hat der ander nicht macht denselben [Bl. 121a] tropf zu verpauwen,
er kheer in dann in ander weg dem ersten nicht zu nachtail.
Niemant soll noch mag die dienstberkhait so er auf seines nachpern guet oder
gründen hat höheren oder beschweeren, aber zu ringeren hat
| Seite 271| ainer wol macht, es wuerde dann in aufrichtung solcher
dienstberkhait mit namen anderst beredt.
In ainem gemainen nutz mag khainer aus gerechtigkhait ainer dienstberkhait ôn der
anderen mitgewonten wissen und willen ainicherlai machen thuen oder verpieten,
sonder wo das durch ainen gemainer furgenumen wuerde, mügen die anderen solches
beclagen, und so es der gemainschaft nutz ervordert, die beschehen handlung
vernicht und abgethon werden. Dan niemant hat macht zu pawen in ainem gemainen
guet ôn seiner gemainer willen, ob er wol des sonst von den nachbern willen
erlangt.
Welcher dienstberkhait aines anderen grunds hat, als kalch darauf zu prennen,
stain zu [Bl. 121b] prechen und dergleichen, wierdet verstanden, das er solch
| Seite 272| dienstberkhait allain zu notturft seines grunds dem
die dienstberkhait gebürt geprauchen soll. wo er aber anderen nutz darin suechen,
kalchstain oder sand daraus verkhaufen wollt, wierdet es khain dienst sonder ain
gebrauch und nutz genennt. dann die dienstberkhait sein zu nutz der güeter denen
sie dienen und nicht anderen gwin.
Wer die dienstberkhait aines steigs hat mag khain roß noch ander viech dardurch
treiben noch ziehen. wo er aber den steig rit, hat er wol macht. dann trib und
weeg soll ieder gebrauchen der des recht hat, den früchten ôn nachtail.
Da ain grund mer herren hat, mag ainer
| Seite 273| aus etlicher
verwilligung darauf khain dienstberkhait ziehen, si verwilligen dann all
ainhelliclich [Bl. 122a]. dergleichen mag auch die dienstberkhait durch etlich
aus der gemainschaft nicht nachgelassen werden.
So ainer dem anderen ain steig trib oder wasserfuer auf seinen grunden erlaubt,
und nicht anzaigt welcher enden des grunds der ander solch dienstberkhait
gebrauchen, so soll der dem erlaubt ist der enden dasselbig dem grund und fruchten
am wenigisten nachthailig ist gebrauchen oder die oberigkhait oder wilkhurlich
person solch anzuzaigen ansuechen.
Wann ainer dem anderen ain weeg an ainem ende seines grunds erlaubt, so mag er
denselben enden weiter niemant wasser zu fueren vergunen. dergleichen, vergunt
ainer dem anderen
| Seite 274| wasserfuer, so mag er anderen den
weeg noch steig daselbst nit erlauben, wo ainer den anderen in seiner
dienstberkhait verhindert.
So ainem dienstberkhait aines weegs uber [Bl. 122b] merer leut gründ durch die
herren gegeben wierdet, und derselb praucht den weeg nur uber ain oder zween grund
und nicht uber die anderen in so langer zeit als die dienstberkhait verloren
wierdet, ist zu fragen, ob derselb die dienstberkhait auf den anderen grunden
dennocht behalt? wierdet geantwort, wo der dem die dienstberkhait gegeben ist
dieselb auf khainem grund gebraucht, verleust er die auf den grunden allen. wo er
si aber auf ainem oder mer gepraucht, behelt er die auf denen sovil er des
gebraucht, und verleurt die anderen so er nicht gepraucht.
| Seite 275|
Wann ainer dem anderen zu ainer zeit vergünt ain steig oder trib durch seinen
grund und gibt im damit den gebrauch und nutz desselben grunds, und der ander
lässt ime denselben gebrauch und nutz wider volgen, so soll der erst denselben
gebrauch und nutz nicht anderst halten, dann das der ander an der dienstberkhait
des steigs und tribs unverhindert beleib. dergleichen [Bl. 123a], wo ainer
wasser durch aines anderen gründ zu fueren hat, so gezimbt deshalben dem anderen
in demselben grund nicht zu pawen. so ime aber der die dienstberkhait hat daz paw
erlaubt, so ist er doch nicht anderst schuldig zu pawen dann seiner dienstberkhait
ôn schaden.
Wann der grund der auf anderen grunden dienstberkhait hat in vil thail und herren
gethailt werden, so mag ain ieder die dienstberkhait, als steig und trib, des
dienenden grunds gebrauchen. doch ist not das die herren so ir thail ferr von den
dienenden grunden haben mit den anderen herren mitpartheien uberain werden, damit
si auch auf denselben grunden und thailen zu dem dienenden steig oder trib khumen
mugen.
Ob ir zween ainen gemainen grund haben, und ainen der irem grund dient bringen
[Bl. 123b] si in gemainschaft an sich, so erlischt die dienstberkhait. haben
aber ainer aigen grund und der drit dient ir beder gründen, den bringen si in
gemain an sich, als mit khauf oder anderer
| Seite 277| gestalt,
nichts minder beleibt die dienstberkhait auf demselben erkhauften grund.
Die dienstberkhait mag ainer dem anderen wol geben wasser auf seinen grunden zu
suechen und, so der ander das findet, zu seiner notturft durch des ersten grund
fueren.
Ob ainer ain thail aines guets das im dienet oder das ainem ander dient an sich
bringt, so erlischt darumb die dienstberkhait nicht, dann die dienstberkhait
wierdet auch durch thailung behalten. darumb ob aines guet ainem anderen guet
dient und der ander gibt desselben seines guets dem ersten ain thail, der erst
gibt widerumb seines guets dem anderen ain thail, nichts minder beleibt die
dienstberkhait.
Wer die gerechtigkhait aines steigs
| Seite 278| zu ainem [Bl.
124a] wasser hat, der hat auch gerechtigkhait das wasser zu schöpfen darumb
der steig geben ist. gleicherweis, wer die gerechtigkhait des wasser schöpfen der
hat auch die gerechtigkhait des steigs zu dem wasser.
Wo ain prun daraus ainer das wasser zu fueren gerechtigkhait hat etlich jar
austorret dardurch die dienstberkhait erlischt, und nach verscheinung der
verjärung wierdet er wider wasserreich, und der so gerechtigkhait gehabt hat
begert das wasser wider zu fueren, wiewol ime rechtlich die verjärung der
dienstberkhait für geworfen werden mag, so soll er doch aus gemainer pillichait zu
dem wasser gelassen werden werden, dann der gebrauch der dienstberkhait an ime
nicht erwunden ist.
Wann ain dienstberkhait ainer
| Seite 279| person und nicht ainem
grund zu guet vergünt wierdet, der ist persöndlich und volgt nit den erben noch
ander nachkhumen noch dem grund. [Bl. 124b]
Der ain guet verkhauft oder sonst vergibt so ain dienstberkhait auf ime hat, der
soll mit namen austruckhen was die dienstberkhait sei, damit durch gar gemain
anzaigen die handlung nicht unnütz, oder mer beschwerung der dienstberkhait auf
dasselb guet gelegt werde.
Wann ainer ain erb ist aines grunds der seinem grund gedient hat und er verkhauft
ainem anderen die erbschaft zu stund alle, so beleibt die dienstberkhait, dann der
khaufer, so ime das erblich guet geantwort, wierdet mer fur ain erben geacht dann
der erst.
So ainer dienstberkhait hat durch
| Seite 280| aines anderen
gründ wasser zu füeren, so wierdet verstanden, daß ist stilschweigent volgt, das
der erst macht hab den pach oder die rinen zu bessern, dardurch er und seine
werchleut auf das nechst darzue geen, stain holz und [Bl. 125a] anders darzue
notturftig dahin bringen mügen zu beder seiten des pachs.
Welcher dienstberkhait in ainem grund hat, als steig, trib oder weeg, der soll
dieselben auch bei tag prauchen und nicht zu ungewöndlicher zeit, damit nit
vermuetung aines ubels oder verdächtlichait daraus entstee.
Welcher ainem dienstberkhait weg steig trib tachtropf oder anders in seinem guet
vergünt, der mag auch solch dienstberkhait anderen vergünnen, doch das der erst in
seiner gerechtigkhait
| Seite 281| durch die anderen nicht
verhindert werde.
Wiewol umb die dienstberkhait aines grunds allain der recht herr von recht [Bl.
125b] zu clagen hat, so haben doch aus ursachen des nutz und der niesser, der
glaubinger des phands, der pawer und khaufer nuzlich umb solch dienstberkhait zu
clagen.
Wer durch langen geprauch und posseß der gerechtigkhait das wasser zu fueren
erlangt hat, dem ist nicht not zu weisen was gestalt er die dienstberkhait erlangt
hab, sonder des ist genueg das er anzaig, das solch gerechtigkhait zehen zwainzig
oder dreissig jar gebraucht sei. darumb mag er gegen
| Seite 282|
allen den so ime irrung in solcher dienstberkhait thuen clag und recht
erlangen.
Wann ain gemain vil aigner gründ haben und khaufen mit ainander ain gemaine waid,
die in zu den grunden diene damit si das viech darauf waidnen, ob nun dieselb
gemainschaft an der waid den erkhauften gründen nachvolg, darin soll die abred in
der handlung oder vertrag beschehen [Bl. 126a] angeschaut werden. wo aber
nicht davon gehandelt und die sach in zweifel wär, so so volgt solche
gerechtigkhait der waid dem khaufer. dergleichen ist, ob ainer sein aigen guet
ainem geschäft-weiß zuestellt.
Wann ain grund thailt wierdet dem
| Seite 283| ain ander grund
dient dardurch derselb gethailt grund zu iedem thail ain sonderen herren erlangt,
so werden mer dienstberkhait, dann ain ieder mag zu seinem thail des grunds sein
dienstberkhait gebrauchen, oder wo er dieselb verjären lässt und nicht praucht
verlieren, doch denen so die anderen thail haben ôn nachtail.
Wann ainer dienstberkhait hat ain wasser allain in dem sumer oder ain monat oder
zwei zu füeren, dieweil dann solches [Bl. 126b] khain stätter gebrauch noch
dienstberkhait ist, wierdet gefragt, wie ainer durch den nichtgebrauch solch
dienstberkhait verlieren mag? darauf geantwort, das die zeit der verjärung in
solchem fall zwispilt werden, nemblich zwischen den gegenwürtigen zwainzig jar und
den abwesenden vierzig jar sein solle.
| Seite 284|
Ob ainer ain dienstberkhait gröber und beschwerlicher praucht dann von anfang
bestellt ist, der verleurt dardurch die dienstberkhait nicht, aber ime soll
solcher beschwerung nicht gestat werden.
Es mügen mer nachpern aus ainem pachwasser fueren ain ieder zu seinem grund auf
geordent täg und zeit nach gelegenhait aines [Bl. 127a] ieden grunds höher
oder niderer gelegen. welcher aber in zeit der verjärung solches nicht praucht der
verleurt die gerechtigkhait. doch haben die anderen nichts destmer gerechtigkhait,
sonder der dienet grund ist deßhalben umb so vil freier.
Die dienstberkhait mag ainer durch geprauch sein selbst oder aines anderen an
seiner stat behalten, doch daß solcher gebrauch beschehe aus vermuetung oder
ursach seiner gerechtigkhait, und nicht das er solches gebrauch als ob es ain
gemainer steig weg oder wasserlauf seie dann er het alsdann umb die dienstberkhait
khain clag zu thuen.
Wann ainer dem anderen die dienstberkhait verpeut oder undersagt, der ander [Bl.
127b] underlässts auf solches verpot nicht sonder thuet cosstung und paw zu
gebrauch der dienstberkhait, so steet dem ersten solch paw zue als herren des
grunds, dann es wierdet gesehen, der ander hab ime die
| Seite 286| costung wollen schenkhen.
Es ist nicht pillich des wassers so aus aines grunds fleust zu denselben seinen
gründen zu mangeln und ainem anderen dienstberkhait damit zu laisten, es hab dann
der besitzer so langen gebrauch das seines anfangs khain gedächtnus sei, oder das
sich der grundherr des sonst wissentlich begeben habe.
Ob ainer vil gründ uberkhumbt, so mag er doch die dienstberkhait des wassers oder
anders nicht verrer geprauchen dann auf die gründ darzue die dienstberkhait
geordent ist. [Bl. 128a]
Wann ainer in seinem stadl khain luft hat das traid zu winden dann uber seines
nachbern tach, so gibt ime
| Seite 287| das recht die
dienstberkhait, daz der nachper das tach nicht höher heben soll, damit er dem
stadl den luft nicht neme und anderen sein traid nicht unnutz khume.
Die paum die auch ordenlich gephlanzt sein, so si weit erwachsen das si des
nachbern grundvessten mit den wurzen den tächern ackhern und grunden mit den
essten schedlich sein, die sollen abgehawen werden.
Wer traid-grueb wolfs- oder fuchs-grueb macht bei den wegen oder offen lässt
ungewarnt, da es nicht gewondlich ist, lässt dasselb nicht verkhunden noch
offenbaren dardurch man sich zu hueten waiß, fellt ainicherlai darein, ist derselb
den schaden so vil es letzer wierdet schuldig zu bezallen.
Dergleichen ist es mit den veldpau, men stricken [Bl. 128b] und selbgeschoß
| Seite 288| zu halten, die ainer richt da ime nicht gebürt, und
ob ime das geburt doch ungewarnt.
Ob ainer die törn ausprennen will bei seinem grund, thuet das an ainem windigen
tag dardurch den nachbern traid oder holz ausprennt, der ist seinem unfleiß und
unbedacht nach schuldig den schaden zu buessen. dann in diser handlung wierdet die
schuld nahent gleichmässig dem gefärde geacht, sonder wo derselb nit vleis gehabt
dem fewer zu weeren. wo aber ain uebering windspreit das fewer verrer gefuert
wissentlich, mag er sich entschuldigen.
Die clag umb thailung der gründ und derselben marich ist gemenget, etwo
| Seite 289| persöndlich etwo in das guet. und wierdet dise [Bl.
129a] gerechtigkhait furgepraucht in dreissig jaren und hat der richter macht
nach notturftiger beschaw und verhör zwischen den partheien ainem thail zu nemen
oder zu geben oder ainem thail ain suma gelts fur das so er dem anderen merers
zuespricht zu erkhennen nach gelegenhait der handlung, wie dieselb fur in khumbt
und die pillichait ervordert.
Solche clag hat allain stat von der veldgüeter wegen, als wisen ackher gärten
hölzer weingärten, und ob dieselben auch in den stetten ligen und der march halben
irrig wären.
Wo aber die clag zwischen den landleuten ist hat der landmarschalch macht, wo die
alten marich nit grüntlich an den tag khumen, new march zu setzen, zu verschaffen,
ainem
| Seite 290| zu nemen, dem anderen zu geben wie oben davon
gesagt ist. und ob erfunden wuerde das ir ain parthei ain grund unpillich
zuegezogen, untz davon emphangen und doch den grund davon glauben inen gehalten
[Bl. 129b] hat, wierdet si dieselben nutzung der anderen parthei so der grund
zuegesprochen ist wider zu geben schuldig. geschicht aber ain solche irrung
zwischen den holden aines herren des die grund sein, hat der grundherr macht
marchstain zu setzen und der pillichait nach darin zu handlen. sein die holden
zwaier herren, so sollen bede herren darin march setzen und handlen wie si sich
vertragen mügen. wollt das nicht sein, alßdann mügen dieselben herren ir ordenlich
gericht darumb ersuechen.
| Seite 291|
Der besitzer aines gueten glauben ist in diser clag die frucht zu bezallen
schuldig von zeit verfahung des kriegs und nicht mer, vnnd allain die frucht so
noch vorhanden und nicht verzeert sein.
Ob zu ainem grund der merer herren oder personen zuegehört ainicherlai grunds
geben und gemarcht wierdet, hat ain ieder an demselben zuegemarchten grund so vil
als ime nach gelegenhait seines thails an dem grund, darzue das march gefallen
ist, geburt. [Bl. 130a]
Wann ir zwen ainen gemainen grund mit ainander ungethailt haben, und der erst hat
allain ain grund daran stossent, so hat er der march halben gegen dem anderen
khain clag, dann die zween werden der gemainschaft halben in diser clag
| Seite 292| fur ain person geacht. wes si sich aber selbst verainen
dabei soll es beleiben. der erst mag aber der gründ ainen verkhaufen und alßdann
handlen des marchs halben.
Wann ain gemaine stras oder fliessent wasser zwischen zwaier nachpern grunden
geet, mag der ain derselben enden wider den anderen umb die marich nit clagen. wo
aber ain sonderer pach der rinet, der irrt die clag nicht.
Solche clagen mügen ôn beschaw der gründ nicht wol entschaiden werden. darumb
soll [Bl. 130b] die obrigkhait leut ordnen auf den grunden, wie sich gebürt und
recht ist, die sach zu besehen und die eltisten und die darumb
| Seite 293| wissen zu verhören, damit die sach auf redliche beschaw und
khundschaft entschieden und laut desselben entschieds march gesezt werden
mugen.
Wann der krieg allain umb die march erscheint, so ist unnot die langen
zierlichait der rechten zu halten noch den krieg zu verfahen, sonder soll des
richter ambt darin angerueft werden. aber anderst ists wo die clag des posseß oder
aigenschaft dabei kriegt wierdet.
Die marich sollen nach saag brieflicher urkhund, wo die vorhanden sein, wo aber
nit, alßdann nach anzaigen glaubwirdiger alten leut gehalten werden, es werde dann
beweist das dieselben march mit wissen und willen der besitzer geändert worden
sein.
Der herr so etwo bede gründ zwischen
| Seite 294| den [Bl.
131a] die zwitracht ist besessen hat, der waiß am bessten khundschaft von den
marchen derselben gründ zu geben. dann ob er ain verkhauft, ist not gewesen
denselben verkhauften von dem anderen mit neuen marichen zu schaiden.
Wer ain marchstain stilt oder ausgrebt der ist dem widerthail so vil schuldig
abzulegen als er schwert in recht, das er solches fräfels schaden genumen.
So ainer dem anderen sein gelt oder guet leicht, wierdet verstanden er hab es
gelihen, das ime der ander so ain guets und wirdigs als ime gelihen
| Seite 295| ist wider bezalle, dann dem schuldner gebürt nicht ain letzere
bezallung dann ime der glaubinger vertraut zu thuen. [Bl. 131b]
Wann ainer dem anderen ainer dritten person gelt leicht, wiewol der erst den
anderen desselben gelts herren nicht machen mag, den es ist nicht sein, doch wo
der drit des solch gelt ist darein verwilligt, so hat das lehen craft und wierdet
der dem gelihen ist ain herr des gelihen gelts.
So ainer dem anderen ain guet wider zu antworten schuldig ist und dasselb
verdirbt, so ist der ander nichts minder dasselb guet wider zu geben oder zu
bezallen schuldig, als ob es noch in wesen wär.
In disem und dergleichen vertrawen und anlehen soll angesehen werden das erstlich
furnemen der partheien und warumb anfänkhlich ain
| Seite 296|
sach beschicht, und nicht das so nachmallen daraus volgt. dann dardurch khumbt man
in erkhantnus vil handlung, dann das gemuet der handler gibt ainer ieden sachen ir
maß und recht verständnus.
Wann ainer sein gelt in aines anderen [Bl. 132a] namen, als ob es desselben
wär, ôn sein wissen und beiwesen ainem dritten leihet, so hat der ander in des
namen das lehen beschehen ist macht gegen dem dritten als schuldner umb das
beruert gelihen gelt zu clagen und nicht der gelihen hat. und irrt nicht das solch
gelt sein gewesen und das er es ôn des anderen wissen und beiwesen verlihen hat,
es sei dann daz ime der ander von newem gwalt oder bevelch gebe dasselb
einzunemen. und das ist darumb, dann der dem das gelt
| Seite 297|
in aines anderen namen gelihen ist ain herr des gelts und niemant damit verphlicht
dann dem von deswegen es im geraicht worden ist. aber solch recht hat in anderen
handlungen ausserhalb ainer solchen geltschuld nicht stat.
Wann ainer dem anderen aines drittel gelt in desselben abwesen leihet und derselb
drit bewilligt darain, so geburt ime als dem rechten herren die clag umb solch
gelihen gelt widerredt aber der drit solch des ersten handlung [Bl. 132b]
öffentlich, so gebürt nicht dest minder dem ersten als dem vertretter die
clag.
Wann ainer ain gelt bei ainem anderen behaltnusweiß erlegt und nachmallen auf
sein des anderen begeren ime vergünt dasselb zu seinen notturften zu gebrauchen,
so wierdet
| Seite 298| aus dem behaltnen ain gelihen gelt, er
prauch dasselb oder nicht. wann aber der erst in anfang als er dem anderen die
behaltnus gibt spricht: "wilstu, so brauch das gelt", so wierdet daraus khain
gelihen gelt, es sei dann das es der ander auf solch verwilligung prauche, wär
aber sach das der ander solch gelt vor solcher verwilligung angriff und verthäte,
so hat der erst die clag nicht als umb ain gelihen sonder umb ain erlegt gelt
behaltnusweiß, er vergün dann von newem mit handgebner trew solch gelt dem anderen
als ain gelihen gelt zu raiten.
Ob ainer von dem anderen ein gelt zu lehen hat [Bl. 133a] des nicht, gibt ime
aber silbergeschirr oder golt dasselb zu verkhaufen und das gelt zu prauchen, so
er dann dasselb silber
| Seite 299| oder golt verkhaufet, alsbald
ist das gelt ain gelihen gelt. verdirbt dasselb golt oder silber oder wierdet
verloren aus zuefall ôn sein schuld ee wann er es verkhauft, und es ist dem
vertrawer nicht fail gewesen anderst dann das er dem anderen zu guet dasselb fail
gemacht hat, nichts minder ist er dasselb schuldig zu bezallen.
Daraus wierdet in gemain verstanden, wann ainer ain schaden nimbt in ainer
dienstberkhait oder guetem willen so er ainem anderen beweiset, so ist derselb
ander solchen schaden schuldig abzulegen.
Ob aines closters münich, der schaffer khelner oder desselben gotßhaus handler
oder gwalttrager, auch ainer gesellschaft diener den man ainen factor nennet
flüchtig oder entrinnen wuerde, die mügen nachmallen dasselb
| Seite 300| gotßhauß [Bl. 133b] oder gesellschaft verrer nicht
verphlichten oder gegen niemant zu schulden oder anderen händln verpinden. dann
durch ir mißhandlung und flucht ist ir bevelch und gwalt haimblich und offentlich
widerrueft von recht dergleichen, wann ainer in der acht oder dem grossen paan
ist.
Wo die eltern irem sun der noch in irer gwalt ist ain notturftig raißgelt geben,
und der sun vertraut dasselb lehens-weiß ainem anderen, wiewol der sun in recht ôn
willen des vattern nicht steen soll und die clag dem vattern nicht steen soll und
die clag dem vatter gebürt, nichts minder soll dem sun in disem vall das gericht
und oberigkhait zu hilf khumen, damit er seines notturftigen gelts nicht
mangl.
Wiewol ain waiß khainen vertrag
| Seite 301| mit iemant machen
noch ainicherlai handlung mag ôn willen seines gerhaben oder sorgers, nichts
minder, ob ain waiß ain gelt ainem [Bl. 134a] anderen leicht oder zallt ôn des
vormunds wissen und der so es emphächt verthuet es so wierdet die handlung der
schulden oder bezallung creftig, unangesehen das solch handlung in anfang unwert
gewesen und das gelihen oder bezallt gelt des nicht worden ist der dasselb
emphangen hat.
Der glaubinger ist nicht schuldig ain thail des gelihnen gelts zu nemen, es soll
auch der richter das nicht schaffen, dann ain richter soll die krieg mindern und
nicht meren, ausgenumen der gelter bekhenne der schuld nicht gar und wollt den
bekhennten thail zallen, so ist der glaubinger dasselb anzunemen schuldig. dann
wuerde
| Seite 302| dasselb gelt nachmallen verloren, wäre es dem
glaubinger der es zu nemen gewidert verloren. bekhennt er dann derselben schuld
ain thail vor bevesstigung des kriegs, so ist nicht not das der richter umb
denselben thail urtlen, sonder soll die bezallung der bekhennten schuld schaffen
und umb den [Bl. 134b] anderen thail in recht volfaren. bekhennt er aber nach
verfahung der sach in recht, so mag der richter umb ain thail als umb den anderen
recht sprecht.
Umb ain benants zuesagen und umb ain unangetrukhts mag nicht ainicherlai clag und
urtl gegeben werden, als so ainer dem anderen verspricht zehen gulden zu geben und
ain haus zu pawen umb die zehen gulden mag die clag beschehen als umb ain benant
ausgetrukht guet, aber umb das paw
| Seite 303| mag si nicht
beschehen anderst dann aus dem zuesagen.
wann ainer dem anderen ain gelt leicht zu paw und besserung seines haus oder
aines anderen gelegnen guets oder ain hauß von newem zu pawen oder ain anderen
grund zu khaufen, so geet derselb vertrawer mit bezalung anderen glaubingern denen
derselb gelter zu thuen ist auf demselben guet vor, dann es [Bl. 135a] wierdet
von recht verstanden als ob derselb vertrawer ainen haimblichen satz het auf dem
guet so mit dem gelihnen gelt erpaut oder erkhauft ist.
Wann ainer den so des anderen gwalt oder bevelch hat bezallt, so wierdet er
ledig, und ob der ander solchen gwalt oder bevelch aufgehebt und dem ersten
unwissent widerrueft hat oder der ander gestorben wär, dann der erst
| Seite 304| ist nicht schuldig gewesen des anderen widerruefen oder ob er
vergangen sei zu wissen.
Wann ainem ain gelter ain purgen stellt, oder sagt dem glaubinger zue was im
derselb gelter nicht bezalle das will er im bezallen, wo dann der glaubinger
denselben schuldner beclagt, ist darumb der bürg nicht ledig, der glaubinger werde
dann gar bezallt. gibt ime dann der bürg ain thail gelts, darumb ist der gelter
nicht ledig sonder beleiben bed in der phlicht biß der glaubinger gar bezallt
wierdet. [Bl. 135b]
Wann ainer dem anderen verspricht er wöl verfüegen das der ander bezallt werde,
so hat er den ersten umb die schuld nicht zu beclagen, sonder wann er dem anderen
ain gelter stellt der ine zu bezallen hat, so ist er seines zuesagens müessig, und
der ander soll es einbringen
| Seite 305| von dem so ime der erst
stellt.
Die wort so sich zwischen den partheien in ainer handlung verlaufen sollen
verstanden werden nach natur und gelegenhait solcher handlung und derselben
gemäß.
Wann sich zween oder drei umb ain schuld nicht unverschaidenlich verschreiben, so
ist ir ieder nicht mer schuldig dann sovil des gelts ieder emphangen, ausgenumen
es het der so das gelt eingenumen von den anderen gwalt solch gelt an ir aller
stat zu emphahen, oder das die anderen als pürgen gelobt hetten. sonst mag der
glaubinger des gelts von dem der solches emphangen hat bekhumen. [Bl.
136a]
Ob ainer ain gelt einnimbt auf sich und sein gemainer zu notturft ires gemainen
guets, und wo sein gemainer unverschaidenlich mit ime darumb
| Seite 306| nicht verphlicht ist, und bezallt der entnemer solch gelt
allain, so mag er gegen seinem gemainer clagen zu eroberung des thailgelts
demselben seinem gemainer gebürende.
Wann ainer dem anderen etwas gibt oder schenkht aus ainer ursach die darauf
volgen soll, wo die ursach nicht volgt, so hat derselb gaber macht solch gab oder
schankh von dem anderen zu erfordern durch die clag das die ursach nicht erfüllt
ist, oder aber zu clagen damit die ursach verfolge.
Wann ainer ain verschreibung gibt umb gwalt oder guet aus ainer suech der ubeln
[Bl. 136b] ursach, wiewol in der verschreibung ain erbere ursach
| Seite 307| der schulden gestellt, doch wo die schnöd ubel ursach gewisen
wierdet die verschreibung vernicht und der si gegeben hat erledigt.
Wann ain vatter gelt entnimbt und dasselb anlegt zu ernerung seiner khind, wo
nachmallen dieselben khind auß zuekhumenden auswendigen guet reich werden und der
vatter unvermüglich wuerde, sein si das beruert gelihen glt fur den vatter
schuldig zu bezallen.
Niemant mag seines schuldners gelter beclagen, er hab dann denselben seinen recht
schuldner zum ersten gerechtfertigt und das er nicht zu bezalen hab. dann auch die
volfuerung der urtl nicht beschehen soll auf des schuldners gelter oder sein guet,
es sei dann das der recht schuldner sonst nichts hab noch bei ime funden werde.
| Seite 308| dann in der volfuerung sol zum lezten auf des
schuldners gelter angesezt werden, wo sonst nichts vorhanden ist. [Bl.
137a]
Ob ain scheffman oder fuerman der sein lon umb das fuerwerch der gueter nimbt ain
maut verfuert oder verpotten war darneben fuert, dardurch ain neben dem anderen
durch die ambtleut einzogen wierdet, der ist schuldig den nachtail und genumen
gueter zu bezallen.
On ain schuldner von dem glaubinger zu recht geladen wierdet, und der schuldner
khumbt fur gericht zuvor ee der clager sein clag in recht sezt
| Seite 309| und bekhennt die schulden, derselb ist nicht zu dringen uber
solche bekhantnus in das recht zu dretten, sonder soll im nach mässigung des
rechten ain zeit nach gelegenhait der person ires vermügens und der schulden, doch
die lengist uber zwai monat gesezt und gebotten werden in derselben zeit den
glaubinger zu bezallen. [Bl. 137b] und mag der richter demselben schuldner wol
ain peen aufsetzen dardurch er dest embsiger des richters gebot geleb und
volziehe. wo auch ain glaubinger dem richter uber sein schuldner ausserhalb
rechtens clagt umb ain schuld der sich der glaubinger mit aigner hand oder sonst
glaubwirdig verschriben, so hat der richter macht den schuldner fur sich zu
ervorderen ine der schuld zu erinnern, und so er die bekhennt und nicht gegrundt
| Seite 310| ansehlich einred darwider hat ime die bezallung
beruerter gestalt aufzulegen, und wo er daruber verzüg alßdann den glaubinger ôn
ladung und rechtfertigung in des schuldners haab und güeter anzusetzen, und darin
zu verfaren gleicher weiß als ob die mit urtl und recht behabt wär. und das
wierdet verstanden auf die personen so landsessen und mit leib und guet dem
gerichtsstab underworfen sein. dann die auslender oder ander so verdächtlich
person sein oder nicht zu bezallen haben die sein schuldig dem glaubinger durch
burgen oder phand sicherhait zu thuen, das si des richters gebot in der benennten
zeit genueg thuen wöllen. wo si der khains thuen, mügen si in verpot [Bl.
138a] oder gefänkhnus nach gelegenhait der person und schulden angenumen,
dardurch si nicht
| Seite 311| entwichen und der glaubinger durch
si nicht betrogen werden.
Ob ainer der schuldig ist ain fraihait erlangt das er in ainer zeit umb solch
schulden nicht beclagt werden muge, derselben fraihait mag der schuldner nicht
geniessen, er thue dan zuvor sein bekhentlichen glauben, sicherhait mit phand oder
purgen si zu ausgang derselben freihait der schulden zu bezallen.
Wiewol der glaubinger, dem sein schuldner und gelter ainicherlai auf ainen
benanten tag hinderstellig zu thuen ist, der desselben tag verscheinung umb solch
schulden gegen dem gelter in recht nicht handlen mag, sonder möcht auch darumb
gestrafft werden als ainer so der zeit halben mer ervordert dann ime gebürt. doch
wo redlich ursach vor augen sein, als ob der schuldner
| Seite 312| auß aigner boßhait, verschwendung seines guets und [Bl. 138b] in ainicherlai
waiß und nicht aus unversehen unglückhfall, als raub brunst schifbruch und
dergleichen zuefällen, zu armuet khumen wollt, mag der glaubinger in recht wol
handlen nit umb die schuld sonder umb sicherhait burgschaft oder phand, damit er
auf den bestimbten tag bezallt werde, der glaubinger het dann seines schuldners
unwesen oder armuet vor der gemachten schuld gewisst, so het er nicht macht auch
umb die bemelten sicherhait in recht zu handlen, dann der glaubinger soll ime
selbst verweisen warumb er uber solch wissen disem schuldner getraut hab. wo auch
der glaubinger ander mittel heet dardurch er der bezallung auf den gesezten tag
gewiß sein möcht, so wär aber nicht recht umb verrer sicherhait
| Seite 313| vor demselben tag zu handlen. wo aber der schuldner oder gelter
solch sicherhait, daz ist purgschaft oder phand nicht gäbe, mag der glaubinger aus
der ersten erkhantnus nach verscheinung des benanten tags in des schuldners guet
gesezt und verrer zu bezallung der schulden mit demselben guet gehandelt werden,
wie ordnung und recht ist. [Bl. 139a]
Ain ieder schuldner der mit recht die schulden zu bezallen erkhent wierdet und
nicht hat davon er bezalle, der mag darumb gefänkhnust werden biß er bezallt.
Item, ie zu zeiten beschicht, daz der eelich man seiner hausfrawen ain suma gelt
schuldweis verschreibt als ob es gelihen oder bezalt gelt wär, dergleichen die
fraw irem eeman, dardurch die rechten erben betrogen werden. solch handlung
vermueten die recht nicht fur
| Seite 314| richtig sonder fur
scheinhändl, es werde dann öffentlich die warhait des gelihnen gelts und die
bezallung gewisen. darumb sollen solch schuldbrief so dermassen ausgeen gruntlich
inhalten, von wann der frawen oder dem mann das gelihen gelt heerkhume, und zu waß
notturft die person der gelihen wierdet dasselb gelt gepraucht, und ander umbständ
zu erforschen dardurch die handlung zwischen in als zusamengefugten personen in
der that wissentlich verstanden werde, sonst sollen solche schuldbrief uncreftig
sein. [Bl. 139b] dergleichen ist zu versteen zwischen vatter und sun, mueter
und tochter, den gerhaben und den waisen.
Wer ausser gericht vor leuten bekhennt, das er dem oder disem schuldig sei und
benennt die ursach warumb die schuld gemacht, demselben ist solch sein bekhantnus
| Seite 315| in recht unschedlich.
Welcher schuldner sein guet verkhumert oder verändert zu betrug seiner
glaubinger, dieselb handlung ist nichtig. und ob der solch guet annimbt das waist
oder ist gewarnet dasselb guet nicht zu khaufen oder anzunemen und thuet das
darüber, der ist des betrugs thailhaftig und soll ir handlung abgethon und si bed
gestrafft werden, ob gleich der glaubinger auf solchem guet khain satz oder
phandschaft sonder von schuld wegen ainen gemainen persondlichen spruch darzue
hat.
Wo ain sun der noch in seines vatters macht [Bl. 140a] und gwalt ist zu
merkhlicher eehafter not und nicht leichtfertigkhait schulden macht oder ander
nachthailig handlung thuet ôn wissen und vergunnen seines vatters, der soll zu
bezallung und genuegthueung derselben
| Seite 316| sachen
geurthailt werden auf sein des sun aigen und nicht des vatters guet. ob aber der
sun solche nicht hat, mag er darumb gefänkhnust werden, damit den jungen nicht
ursach gegeben werde ander leut auf ir vätter vertrawen zu betriegen oder
anzusetzen, wiewol etlich fäll sein darin derselb sun allein nach seinem vermügen
und nicht mer zu thuen schuldig ist.
Wann ainer durch kriegsleuf fenkhnus prunst oder ander unglückhlich zuefäll in
verderben khumbt und schulden auf ime hat, mit demselben soll mitleiden gehalten,
und ob er wider zu narung khumbt, nicht verrer verurthailt werden dann sein
vermügen ist. zu versteen, das er nicht zu dem bettlbrot gedrungen, sonder soll
mit zeit [Bl. 140b] und weil nach gelegenhait seines vermügens in bezallung
erkennt
| Seite 317| werden, dann unmenschlich wäre ainen zu
verdamen und ain höher purd seinem schmerzen aufzulegen, der ôn sein schuld durch
unglukhfall sonst alles seines guets beraubt ist.
Welcher khindern so in der eltern gwalt sein ôn wissen derselben eltern gelt
leicht auf die khunftig erbschaft oder in ander weeg, dardurch die khind
unzimblich leben und dasselb plößlich verschwenden, derselb glaubinger soll das
selb gelihen gelt verliesen und zu ewigen zeiten mit ainicherlai clag darumb nicht
zuegelassen werden.
Ain ieder ist schuldig zu halten das er handelt und sich verphlicht, und ob
dasselbig wider der oberigkhait gesezt doch nicht wider götlich nattürlich recht
oder guet sitten ist.
Der glaubinger wierdet nicht geacht in verzug [Bl. 141a] zu sein dem sein
gelihen
| Seite 318| gelt nicht gar sonder ainß thails bezallt
wierdet, ausgenumen die schuld wär nicht lauter, so soll der glaubinger die schuld
leutern. und ist genueg, ob ain schuldner an ainer unlauteren schuld ain phund
phening gibt, ist der glaubinger phlichtig sich benüegen zu lassen biß er die
schuld clar macht.
Und wann der schuldner die schuld zallen will, aber nicht den schaden darein er
den glaubinger gefüert hat, so ist der glaubinger ains ôn das ander nicht schuldig
zu nemen, wo sich der schuldner nicht zu zimblicher zeit oder an zimblicher stat
zu bezallen erpeut.
Drei fäll sein aus denen ain schuldner geacht werden mag, es sei in verzug oder
genuegthuoung oder bezallung: zum ersten, das er das guet so er widerumb antworten
soll in seiner gwalt hab oder mit gefärde gehandelt dardurch dasselb in
| Seite 319| seiner gwalt nicht sei. zum andern, das er wisse oder
schuldig sei zu wissen gewesen dasselb [Bl. 141b] guet wider zu antworten, dann
es wierdet gleich geacht etwas zu wissen oder schuldig sein zu wissen. darumb mag
ain pillich unwissen ain von dem verzug entschuldigen, als wann ain schuld oder
handlung alt ist und der schuldner selbst nicht gemacht, oder so unlauter, das ain
pillicher zweifl darin ist. zum dritten, soll ain schuldner darumb ainsten
ersuecht werden. aber wo das recht oder aines selbst angenumener und gesezter tag
und zeit, ist verrer ersuechung ôn not.
Die schulden, so man aus des richter
| Seite 320| ambt und
erkhantnus schuldig ist, sollen vor gericht oder durch des richters vermanung
offentlich ersuecht werden, und ist darumb ain gesonderte ervorderung nicht
gemäß.
So ainer ainem ain münz leicht die nachmallen vergeet oder verpotten wierdet, so
soll er ine bezallen mit der newen münz und dem wert den si hat gegen der die
gelihen worden ist. [Bl. 142a]
Niemant soll sein widerparthei umb ainicherlai schuld oder handlung so auf zeit
täg zweifl mit underschied gestellt ist beclagen, derselb tag oder underschied
sein dann verschinnen und erfüllt, wil er anderst die straf des rechten
entfliehen.
Ob ainer von dem anderen ain schuldbrief erledigt, so ist nit genueg das der
glaubinger den schuldner umb solch schuld schriftlich quitiert, sonder der
| Seite 321| schuldner mag begeren das auch der haubtbrief vernicht
werde.
Ob ainer ôn des anderen wissen von desselben schuldner gelt emphächt und der
ander verhängt nachmallen in sein handlung, so wierdet im der erst umb solch that
und gelt verphlicht. wo aber der ander nicht verwilligt so wierdet sein erster
schuldner durch solch bezalung nicht bemuessigt.
Wann der sun von seinem aigen guet darin der vatter khain gebrauch noch nutz hat
fur [Bl. 142b] denselben seinen vattern mit seinem wissen und willen
ainicherlai schuld bezallt, dieselben schulden mag er von dem vattern oder den
miterben wider ervordern, und wierdet in zweifl nit vermuet daz er den vattern
solch schulden hab schenkhen wollen.
Die cosstung so ain man thuet in
| Seite 322| khrankhaiten seines
weibs mag er nicht wider ervordern, ausgenumen die krankhait wär so langwierig das
dardurch die wirtschaft und des manns dienstberkhait erlege, als in den betrisen und unsinigen. wo si dann ain heiratguet hat mag er si von
demselben heiratguet erneren, oder ob si sonst güeter hat von denselben die
notturft nemen, soverr er bezeugt daz er die cosstung wider erfordern wölle, sonst
wierdet verstanden er hab sein darlegen aus chönlicher lieb gethon.
Wo die partheien aine der anderen schuldig es sei in gelt oder güetern und die
schulden bede erleutert und wissen sein, der mag durch den richter gelt gegen
güetern [Bl. 143a] oder guet gegen guetern geschäzt und ains gegen dem anderen
abgezogen werden. wo aber ainer partheien schuld oder vorderung nicht erleutert
wär,
| Seite 323| oder mit des andern nicht erleutert und erclärt
werden möcht, sol der richter umb die so erleutert ist erkhennen und die anderen
auf clärlich erkhantnus anstellen. aber die güeter so ainem behaltnus weiß gegeben
oder der sich ainer mit gwalt understanden und ainem anderen entwert, dieselben
mügen khainen abzug weder umb schulden lehen noch in ander weeg nicht erleiden,
dann die trew hand sol gehalten und der gwaltig entwerer gestrafft werden.
Wo zwen ainicherlai schuld gegen ainander zu thuen sein, so mag ain abzug
beschehen. und ob ainer schuld mer und der anderen minder, so ist der die ubermaß
schuldig nicht mer interesse oder zinß verphlicht dann sovil sich von solcher
ubermas zu geben geburt.
Ob ain abzug zwischen beder partheien beschicht, [Bl. 143b] und ir ainer
wierdet
| Seite 324| dem anderen etwas darüber schuldig, und der
schuldner erlegt solches da er es erlegen solle, es sei bei dem glaubinger oder so
er das nicht annemen wollt bei der oberigkhait, so mag er umb das phand so er
daentgegen versezt unverhinderung clagen.
Wann drei oder vier unverschaidenlich ainem anderen ain suma schuldig sein, er
erfordert die schulden an ir ainem, der gibt im ain thail, er nimbt denselben an,
so mag er solch schuld verrer nicht unverschaidenlich ervordern. dann es wierdet
verstanden, so er die thailung selbst gemacht und von dem so ime unverschaidenlich
schuldig gewesen ain thail angenumen hat, er sei mit ime schweigent ains worden
ine umb sein thail verrer nicht zu bekhumern.
Ob ain gestorbner der schuldig ist khain geschäft gethon und nicht erben
verlässt,
| Seite 325| so werden die glaubinger durch die
oberigkhait an dasselb guet nach gelegenhait aines ieden schulden [Bl. 144a]
gesezt. damit aber wissentlich werde ob der berüert sterbent ôn erben abgangen
ist, sollen die zuvor ersuecht werden so ime am nechsten wissentlich zuegehört
haben, es mügen auch sein erben durch angeschlagen brief oder sonst offentlich
berueft werden, und zeit wie sich der gebürt darzue gegeben darin die erben
erscheinen und sich der erbschaft annemen. khumbt alßdann niemant, so haben die
glaubinger macht die oberigkhait obberuerter massen si einzusetzen zu
ersuechen.
Wo aber wier als herr und landsfürst uns solcher erbschaft als verlassner
understüenden oder iemant zuestellten, sollen doch vor allen sachen die glaubinger
zuvor davon bezallt, und dem guet ain sorger gegeben das zu verkhaufen
| Seite 326| und dann die glaubinger zu benüegen und zu entrichten.
Ob iemant ain guet zu betruͦg seiner glaubinger verändert oder verkhumert,
desselben [Bl. 144b] schuldner guet so er noch hat soll zuvor ersuecht und
geschäzt, und wo dasselb nicht geraicht, alßdann das so beruerter massen zu betrug
verkhumert worden und wissentlich gemacht wierdet angriffen, und davon den
glaubinger, genueg gethon werden.
Ob iemant seinem khind oder anderen ain heiratguet gibt zu betrug der glaubinger,
wiewol das heiratguet verphendt und unverphendt im rechten vil freihait hat, so
khumbt doch der betrug dem heiratguet noch niemand anderen nicht zustatten.
Die quittung, so der glaubinger gibt das ine der gelter bezallt, hat in menig
| Seite 327| weeg mer glaubens dann das der gelter den schuldbrief
furzaigt, als ob er denselben mit bezallung der schulden erledigt hab. dennocht
mag solcher schuldbrief auch aus anderer ursach in des gelter gwalt unbezallter
schulden khumen sein, und ist dem gelter not der sich des schuldbriefs behelfen
will, dieweil die schuld dardurch bekhennt wierdet, mit zwaien zeugen zu weisen
[Bl. 145a] das solcher schuldbrief mit wissen und willen des glaubingers ime
zuegestellt sei.
Ob ain gwalttrager oder handler seines herren schulden bezallt und von den
glaubingern die schuldbrief erledigt und darauf schreibt das der herr den
glaubingern nicht mer schuldig sei, und desselben handler erben uberantworten dem
herren solch schriften, dardurch wierdet der herr nicht ledig von seines
| Seite 328| gwalttrager oder handlers erben, sonder ist schuldig,
wie die schuld von seines gwalttragers und nicht seinem gelt den glaubingern
bezallt worden ist, si zu bezallen.
Welcher wissentlich ain guet khauft das in [Bl. 145b] verpot ligt, oder aus
ainer erbschaft von dem der in bedacht steet ob er die erbschaft annemmen wöll
dardurch er die erbschaft nicht zu mindern hat, oder von ainem schuldner khauft zu
betrug des glaubingers, oder der von ainem waisen khauft ôn seines gerhaben oder
sorgers wissen und willen
| Seite 329| der wierdet nicht
verstanden daß sein khauf aus ainem gueten gauben beschehe und deßhalben des
khauften guets khain herr.
Welcher ain kriegisch guet wissentlich khauft und nicht durch gefärde des
verkhaufer darein gefüert wierdet, der understeet sich alles nachtails und
widerwertigkhait so dasselb kriegisch guet nach ime zeucht.
Ob ainer ain guet ime und ainem anderen khauft, so ist uberflussig das der
verkhaufer denselben anderen umb bezallung ersuech, sonder der khauft hat ist ime
darumb schuldig zu antworten.
So ainer dem anderen wein oder traid verkhauft und antwort ime die schlüssel
darzue bei demselben kheller
| Seite 330| oder cassten da der wein
oder traid inligen das er es seiner notturft nach beschehn mag, und ob der khaufer
das nicht beschaut nichts minder hat er das posseß desselben guets von dem
verkhaufer emphangen.
So ainer mit dem anderen in khauf steet umb ain guet, und ain dritter ermont den
ersten wissentlich er soll dasselb guet nicht khaufen dann es sei sein, der erst
khauft es darüber, so mag er nicht sprechen das er dasselb guet mit guetem glauben
besitze, und wierdet demnach die emphangen frücht schuldig widerzugeben.
Wann ain grund verkhauft wierdet mit beschaid, so verr das khaufgelt auf solchen
tag bezallt wierdet, so mag der khaufer mittler zeit die frucht und nutzung davon
emphahen in kraft des khaufs. so aber das khaufgelt [Bl. 146b]
| Seite 331| auf solchen benanten tag nicht bezallt wierdet, hat der
verkhaufer macht umb die emphangen nütz zu clagen. wo aber der khaufer an solchem
khauf ain thail bezallt, sollen ime die frücht da entgegen zimblich gemuessigt
werden.
Welcher ain guet mit der ietz berüerten underschaid auf ainen tag annimbt und
geredt, und der khaufer dem khauf nicht nachkhumbt und deshalben der verkhaufer
dasselb guet umb geringer gelt geben müest, ist derselb khaufer solchen abgang zu
erstatten schuldig.
Wann ain khauf beschicht auf bezallung aines benanten tags und der khaufer ist
willig demselben tag nachzukhumen, wierdet aber durch merkhlich eehaft not
derhalben er durch sich selbst noch ander solch tag und
| Seite 332| bezallung nicht laisten mugen hat verhindert, der soll nicht entgelten das so
in seinem vermugen nicht gestanden ist.
Welcher ain guet verkhauft das mit erbschaft [Bl. 147a] an ine khumen soll
von ainem der noch lebendig ist, der thuet khain khauf, dann er verkhauft so in
wesen der natur noch nicht ist.
Wann ainer ain guet verkhauft und ain thail des khaufgelts daran emphächt und die
ubermaß des gelts wierdet dem khaufer nicht bezallt und das khaufguet ist ime
nicht eingeantwort, so mag der verkhaufer dasselb guet wol phandweis inhaben biß
er von dem khaufer volliclich bezallt wierdet.
Ob ainer dem anderen wein oder traid verkhauft und tag benennt darauf der khaufer
die bei dem verkhaufer heben soll, und es wierdet durch des verkhaufens
| Seite 333| abwesen oder in ander weg durch ine verhindert das der
khaufer auf den benennten tag solch gekhauft guet bei dem verkhaufer nicht heben
mag, und mittler zeit ee wann der khaufer widerkhumbt dieselben weckzufueren hat
der wein oder traid schaden genumen, derselb schaden soll dem verkhaufer
haimbgeen, dann er ist in der versaumbnus gewesen.
Wann ainer dem anderen ain grund in ainem flus verkhauft und wierdet der khauf
wie sich geburt entlich entschlossen, und das wasser tregt den grund hinweckh, der
nachtail ist des khaufers. dergleichen, wo ime das wasser het angeschüt, wär der
gwin auch sein.
Wo zwo partheien ains werden umb ain guet, der khaufer zu nemen und der
verkhaufer zu geben umb ain gelt,
| Seite 334| wie diser oder der
erkhennen wierdet, solcher khauf ist creftig und ir ieder den khauf schuldig zu
halten, wie derselb den si furgenumen haben erkhennt, er erkhenn wie er woll. es
wuerde dann ir ainer uber den halben thail des khaufgelts von ime dem dritten
ubergriffen, so möcht der khauf aufgelöst werden. wo aber der drit in des willen
also der ausspruch steet nichts erkhennet oder erkhennen möcht aus ainicherlai
zuefall oder ursach, so ist auch der khauf nichts und fuͦran khain parthei
solches als ain khauf beclagen. [Bl. 148a]
Wann ainer von dem anderen ain erbschaft khauft mit aller gerechtigkhait und
zuegehorung, wiewol derselb khaufer aller schulden man der erbschaft schuldig ist
zu ervordern und die gelter darumben zu beclagen hat, so ist er dennocht nicht
| Seite 335| schuldig die schulden so die erbschaft anderen zu thuen
ist zu bezallen noch phlichtig dieselben zu verantworten sonder der erb und
verkhaufer, es sei dann in anfang des khaufs mit namen beredt worden, das der
khaufer auch die glaubinger entrichten solle, und die glaubinger solchs annemen
dann der erb hat wol macht das so ime zuesteet zu verkhaufen, aber ainem anderen
glaubinger dem es zu thuen ist ôn desselben wissen und annemen ain anderen zaller
zu setzen steet nicht in seiner wall.
Ainer so ain guet verkhauft, alle dieweil er dasselb guet dem khaufer nicht
einantwort, beleibt der verkhaufer ain herr desselben guets darumb, so er solch
guet [Bl. 148b] nachmals ainem anderen verkhauft und einantwort, so wierdet die
aigensherrlichait demselben
| Seite 336| andern khaufer rechtlich
zuegestellt, aber darumb das der verkhaufer dem ersten khaufer den glauben des
khaufs nicht gehalten, ist er im das beiwesen und was er des schaden hat schuldig
abzutragen.
Ob zwischen verkhaufer und khaufer durch betrug gehandelt wierdet, so mag der dem
der betrug zu nachtail raicht wol clagen, das der khauf aufgetrennt werde. hat
aber ain dritter zwischen verkhaufer und khaufer den betrug gehandelt, derselb mag
umb den betrug beclagt werden, wo khain ander mittl ist dardurch dem schadhaften
geholfen werde. und der betrug wierdet nicht aus minderung oder merung des khauf
lapß [?] sonder aus gelegenhait der handlung und that verstanden.
So ain khauf ordenlich beschlossen
| Seite 337| wierdet. und ob
der verkhaufer nachmallen von begier [Bl. 149a] wegen zu dem verkhauften guet
und ob auch dasselb durch den verkhaufer nit gebessert worden zwifach khaufgeld
darumb geben wollt, so soll doch der khauf darumb nicht zertrennt noch der khaufer
getrungen werden das khaufgelt wider zu geben. dann ain ieder verkhaufer schätz
zum ersten sein guet hoch, der khaufer auf das geringist, biß der verkhaufer etwas
in seiner schatzung nachlässt und der khaufer hinzuelegt dardurch si des khaufs
ains werden. und dieweil solch handlung aus guetem glauben beschlossen wierdet,
erleidet das recht oder vernunft nicht auf ainer partheien begeren oder geren
solche handlung aufzulösen, es wäre dann der verkhaufer ubergriffen uber den
halben thail
| Seite 338| [thail] des rechten werts des
verkhauften guets.
Ob ainer gueter so in verr und in ainem anderen land gelegen ains tails geringer
dann ir wierde ist verkhauft, und will nachmallen sagen, er hab des lands [Bl.
149b] geprauch und der gueter nutzung nicht gewisst, der soll nicht gehört
[werden], das der khauf darumb zertrennt werde, dann ain ieder ist schuldig seines
guets aigenschaft und vermügen zu wissen.
Wer ainicherlai haimblich verkhauft oder verändert iemant zu betrug, es sei
seinem herrn dem er zu thuen ist, seinen glaubern oder ainer gemain dabei er
wonet, solcher khauf hat khain stat und soll der verkhaufer gestrafft werden, und
der khaufer, so er den betrug gewisst, das so er an dem khauf bezallt hat
verliesen.
| Seite 339|
Ob ainer ain guet verkhauft darin er ainen bösen glauben hat und der khaufer
waist des nicht, dem soll des verkhaufers böser glauben und betrug nicht zu
nachtail raichen, dieweil der khaufer solch guet nicht aus ainer gewundlichen
ursach erlangt sonder sein gelt darumb gibt.
Wer ain frembd guet das nicht sein ist [Bl. 150a] verkhauft und der khaufer
wais nicht anderst, es sei dasselb guet des verkhaufers, und ersizt desselben
ordenlich nutz und gweer, so ist der khaufer nicht schuldig dasselb guet dem
rechten herren wider zu geben sonder soll der herr den wert desselben guets bei
dem verkhaufer suechen.
Wann ainer dem andern ain guet verkhauft der mainung, wo er der verkhaufer oder
sein erben das khaufgelt wider erlegen, das inen alßdann
| Seite 340| das guet wider zuegestellt werde, die erben erlegen solch
khaufgelt, des khaufers erben wöllen das guet nicht wider volgen lassen sonder
sich des khaufs halten, mag darumb clagt werden durch die clag des khaufs oder
furgewendter wert, und sol aufsehen im rechten gehalten werden auf das, so der
khaufer nach der zeit als des verkhaufers erben das gelt erlegt von demselben guet
emphangen hat.
Welcher ain guet verkhauft das ain beschwerung auf ime hat und waist dieselben
[Bl. 150b] beschwerung aber der khaufer nicht, und verhellt solch beschwerung
dem khaufer, derselb khauf mag durch erkhantnus des rechten aufgelöst werden.
sonderlich wo deshalben ain gefärde an dem verkhaufer verstanden wierdet, so ist
er dem khaufer sin interesse und
| Seite 341| schäden was er
solches verhaltens nachtail leidet schuldig.
Welcher ainem anderen holz oder stain in ainem grund verkhauft, der mag clagen wo
er der khaufer dasselb holz oder stain in rechter zeit nicht weckh füeret, dann
der nachtail ist des verkhaufers, wo ime der grund zu rechter zeit nicht geraumbt
wierdet.
Ob ainer ain frembd guet das nicht sein ist verkhauft und wierdet nachmals ain
erb des so dasselb guet ist, der ist alsdann schuldig den khauf zu volziehen.
So ainer dem anderen ain guet verkhauft auf ainen nemblichen tag zu bezallen und
vertraut ime solcher bezallung auf denselben [Bl. 151a] tag und antwort im das
guet, aber der [ver]khaufer bezallt in nicht, so mag der verkhaufer dieweil er des
khaufers
| Seite 342| glauben umb das khaufgelt anfänkhlich
gevolgt das verkhauft guet nicht wider anfordern noch einziehen, sonder allain umb
das khauflon clagen.
Wann ainer ain guet [v]erkhauft von dem dritten davon angesprochen wierdet, der
soll seinem verkhaufer die ansprach mit wissen verkhunden und hilf von ime begeren
ine zu vertretten und beizusteen in recht. und solche vertrettung und gewerschaft
ist der verkhaufer vor dem gericht da der khaufer beclagt worden, ob der
verkhaufer gleich sonst vor demselben richter zu antworten nicht schuldig wäre,
phlichtig auf sein cosstung und darlegen zu thuen, und so weit das auch die
briester in disem fall der
| Seite 343| laien gericht nicht
waigern mugen, soverr zwischen beden thailen [Bl. 151b] in dem khauf sonderlich
widerwertigs deßhalben nicht uberkhumen ist. dann wo der verkhaufer solchen
beistand und vertrettung darüber nicht thät, so ist er dem khaufer phlichtig nicht
allein umb die aberkhennten gueter und gwerschaft sonder auch ine umb all erlitten
gerichtscosstung benuegig zu machen. wo aber dem verkhaufer die ansprach allin
verkhundt und khain beistand noch vertrettung in recht an ine begert und der
khaufer verlüstig wierdet, so mag er seinem verkhaufer umb die gweerschaft und
abgebrochen gueter allain und nicht umb die gerichtsschäden beclagen.
Wann der verkhaufer den khaufer vertretten will im rechten, so hat er das nicht
zu thuen als ain gemainer
| Seite 344| beschirmer ôn verwilligung
des clagers, doch vor des khaufers als antworters und nicht seinem des verkhaufers
gericht. wo aber derselb verkhaufer solch vertrettung thät nicht als gemainer
beschirmer sonder das er die handlung in [Bl. 152a] sich erneuen und damit den
khaufer aus des clagers ansprach ziehen wollt, indem wierdet der verkhaufer ôn des
clagers verhellen und willen nicht zuegelassen.
Zwen brueder haben ain gesetz under inen, ob si in irrung fielen sollen si zu
güetiger handlung auf ir freund khumen. oder ainer verkhauft ain guet, sein[em]
brueder[n] will dasselb von dem khaufer haben und beclagt ine darumb rechtlich,
der erst verdrit den khaufer und begert laut irer ordnung die sachen fur die
freund zu weisen, nichts minder unverhindert
| Seite 345| irer
ordnung mag der ander brueder in recht colfaren, und ist ime die gweerschaft und
beschirmung in recht zu thuen schuldig.
Der so ain ansprechig guet an bezallung ainer schulden genumen mag seinem gaber
umb gweerschaft zu thuen so wol verkhünden oder furnemen als ob er solch guet
khauft het, unverhindert das ime die gweerschaft [Bl. 152b] nicht verschriben
ist, der clager hab sich dann solcher gweerschaft verzigen.
Wer ain guet schenkht der ist nicht schuldig gweerschaft zu thuen, der gaber
verphlicht sich dann des oder es werde ain betrug in der handlung gespürt.
Ob ain gelter seinen glaubinger mit ainem guet bezallt das er auch anderen
verphendt hat, der ist schuldig
| Seite 346| gweerschaft zu thuen
als ob es ain khauf wäre.
Ob ainer ain guet verkhauft das er vor anderen verphendt hat, der ist schuldig
dem khaufer dasselb guet zu erledigen ee wann das guet ime ubergeantwort und das
khaufgelt bezallt ist. ist aber dem khaufer das guet geantwort, so ist ime der
verkhaufer des nicht schuldig sonder der khaufer soll der ansprach erwarten.
Wer sicherhait mit pürgen umb gwerschaft thuet und ime wierdet und nicht den
purgen die ansprach verkhündt, der hat der burgen halben khain waigerung, sonder
ist genueg das ime verkhündt ist.
| Seite 347|
Ob der [ver]khaufer umb das khaufguet angesprochen wierdet und verkhündt dem
verkhaufer nicht, oder der khaufer erscheint vor gericht nit und ist ungehorsamb
oder der richter fellt ain urtl wider den khaufer ime unverkhündt, in den fällen
allen ist der verkhaufer dem khaufer khain gweerschaft schuldig, der khaufer hab
dann den gweerer mit der verkhündung nicht betretten mugen. und ob der khaufer
spräch, der verkhaufer het die ansprach gewisst darumb sei unnot gewesen ime zu
verkhünden, das tregt dem khaufer nicht für, dann er soll dem verkhaufer
verkhünden ob er seines schermb oder beistand begere, und solches mit wissen oder
schriften des gerichts handlen.
Wann dem khaufer das khauft guet nicht [Bl. 153b] anbehabt wierdet
| Seite 348| in recht, so ist ime der verkhaufer zu thuen nichts schuldig,
es sei dann die ansprach vor dem khauf vor augen gewesen und anders davon
gehändelt worden.
Wann durch das gericht ain guet verkhauft wierdet zu bezallung der glaubinger,
nichts minder ist der schuldner dem die bezallung zu guet khumbt gweerschaft umb
solchen khauf schuldig, dann in gerichtlichen sachen wierdet des gerichts handlung
der partheien handlung geacht.
Ob ain guet durch den vatter verkhauft wierdet das dem sun zueghört und der sun
ist des vattern erb, deshalben er des khaufs gweer und vertretter ist, demnach mag
er umb dasselb verkhauft guet nicht clagen sonder wierdet abgetriben.
Wann ain guet dem khaufer so dem
| Seite 349| gweer verkhindt
anbehabt wierdet, soll der richter auf ansuechen des khaufers der frucht acht
haben, dardurch ime das so er dasselb [Bl. 154a] guet besser gemacht durch den
so das guet erlangt erstat werde. aber umb das khaufgelt wierdet der verkhaufer
beclagt.
Wer seinem verkhaufer ordenlich zu der gwerschaft verkhündt und verleust in recht
daz khaufguet mit rechtlicher urtl, dem ist der richter schuldig zu erkhennen das
er seines interesse von dem verkhaufer auch schaden und cosstung benuegig
werde.
Der [ver]khaufer so das khauft guet ordenlich zeit daz ist dreissig jar ruebiger
ersessen und sich also verjärt hat, dem ist der verkhaufer khain gweerschaft
verrer schuldig. dann wo der khaufer solche verjärung in recht anzaigt und durch
den richter nicht
| Seite 350| angenumen wierdet, derselb richter
handlt wider recht. bringt aber der khaufer solch verjärung nicht für, so ist er
selbst an seinem nachtl schuldig.
Wann nach beschlus aines khaufs und vor bezalung aines khaufgelts ainicherlai der
[Bl. 154b] gwerschaft halben einfellt, dieweil dann ain mitl oder handlung die
gwerschaft furkhumbt, so ist der khaufer nicht schuldig zu bezallen, er werde dann
der gweerschaft halben gesichert.
Wann zwai eeleut etwas an ainander verkhaufen und wierdet dem khaufer von dem
anderen das khaufgelt oder guet geschenkht, solches ist khain khauf und die
handlung soll nicht craft haben.
| Seite 351| ob auch ain kauf
zwischen inen beschicht umb geringer gelt dann der wert des guets ist und wierdet
das khaufgelt bezallt, so ist doch der khauf uncrefftig umb sovil als das guet
geringer verkhauft oder umb sovil daran geschenkht worden ist. [Bl. 155a]
Das weib hat nicht macht zu clagen umb das heiratguet ôn des manns sonder wissen
und bevelch, dann der hauswirt des heiratguets rechter herr ist. ob aber der man
verderben wollt und sein guet plößlich gebrauchet oder sovil schuldig wäre daz er
von der ubermas heiratguet und widerlegung nicht zu bezallen hat, hat das weib wol
macht zu handlen und zu clagen, damit ir heiratguet und gemächt unverkhumert
beleib gegen dem mann wo er nicht zu bezallen hat. soverr er aber nichts hat,
alßdann mag si gegen anderen
| Seite 352| die sein guet erkhauft
oder in ir gwalt bracht nach aufrichtung des gemächts oder gegen des manns
schulden clagen, inmassen si darumben zu clagen macht hat, wo der man mit todt
vergangen wäre. aber gegen den so vor ir phandschaft auf ausgetrukhten guetern
gehabt oder wider die khinder so der man bei ainer anderen frawen gehabt und
derselben khinder guet hat si nit zu clagen. si hat auch nicht macht, wo si solch
vermacht guet erlangt, dasselbe zu [Bl. 155b] verkhumern oder zu verkhaufen
sonder sich den haußwirt und khind davon zu underhalten. und was von derselben
frucht und nutzung uber die notturft ist, davon sollen die glaubinger entricht
werden.
Wann der eeman stirbt oder wissentlich sich zu verderben gibt daz weislich ist,
| Seite 353| so hat das weib macht wie oben davon gesagt umb
heiratguet und widerlegung zu clagen und an einziehung des heiratsguets so dem
mann bezallt oder verphendt worden ist mag sich khainerlai verjärung noch
ainicherlai ander geltschulden noch phandschaften nicht verhindern, dieselb
verjärung werde dann von der zeit des mannß absterben oder seines verderben
gerait.
Wann täg zu abred ainer heirat furgenumen, [Bl. 156a] so wierdet nach
erkhundigung aines gueten lobmunds und erber sitten mit namen gehandelt von der
praut heiratguet, zu latein dos genant so si dem
| Seite 354|
khunftigen mann zuebringen soll, nachmallen von des manns oder des preutigam
widerlegung das genant wierdet ain gab von der conschaft wegen, zu latein donation
propter nupcias, nachmalen so die praut ain junkhfraw ist wierdet gemelt die
morgengab. dieselb gab ist ain belonung der jungkhfreulichen eeren oder magthumbs,
des gleichen, so ain wittib aim jungen gesellen und nicht ainem wittiber vermähelt
ist si im die morgengab schuldig, aber so wittiber und wittib zusamen heiraten die
geben noch nemen khain morgengab. und im ende redet man von der varenden haab die
hernach iren sonderen titl hat.
Der gemain landsprauch unsers furstenthumbs Osterreich ist, daz gemainclich der
praut heiratguet
| Seite 355| und des preutigam widerlegung an der
suma gleich sein aber [Bl. 156b] die morgengab, so man auch ain verloren guet
nennt, steet im beschlus und abred der heiratleut, doch wierdet gemainclich halb
sovil als des heiratsguets allain ist zu morgengab benennt. solch heiratguet
wierdet zu zeiten in ainem gelt baar bezallt daentgegen soll man quitung solcher
bezallung nemen, zu zeiten auf gueter den man ausgezaigt und verschriben, da
entgegen ist der preutigam schuldig heirat- oder vermächtbrief zu fertigen darin
solch heiratguet auch sein widerlegung zusambt der morgengab bestimbt und auf sein
nemblichen ausgetrukhten guetern wo er die gesondert hat oder auf allem seinem
guet der praut verphenden, so es zu fällen khumbt
| Seite 356|
damit si das so ur zuegeburt wiß zu finden. solch vermächtsbrief sollen der praut
oder iren eltern dieselben zu verwaren geantwort werden. und wierdet mit dem
beruerten heiratguet widerlegung und morgengab gehandelt hernach beruerter weiß:
[Bl. 157a]
Alle dieweil die gemelten zwai ee- und chonleut bei und mit ainander leben, soll
von solchem zuebringen heiratguet und widerlegung die purden des eelichen stands
underhalten werden. wo si dann abgeen und ain khind oder mer hinder inen verlassen
das si mit ainander erobert, dieselben khind erben alßdann solch guet, wie alle
recht naturlich und geschriben gesetz das vermügen. und wann si khumen zu den
fruchtbaren oder vogtberen jaren daz si geschäft thuen mügen, und ir vatter und
mueter
| Seite 357| abgangen sein und nicht erben die von recht zu
enterben nit gebürt verlassen, haben si macht an iren lezten zeiten und sonst ir
vätterlich und mueterlich erbguet zu irer sel hail oder wie si verlangt zu geben
und zu verschaffen als der erberkhait gezimbt nach irem willen, als auch solches
in den titlen von geschäft und erbschaft hernach clarlich anzaigt wierdet. und hat
alßdann der erblich widerfall so [Bl. 157b] die eltern nechsten freund noch
desselben fruchtbaren oder vogtbern khindern abgang suechen möchten darwider nicht
stat, dann das khind die jar seines erbfalls erlebt das er von recht selbst mit
seinem guet hat handlen mugen.
[Wenn (Text unleserlich!)] der man vor der frawen stirbt und lassen nicht khind
mit ainander oder das dieselben khind vor
| Seite 358| iren
fruchtbern jaren auch abgeen und vor der mueter, so beleibt die mueter nichts
minder bei heiratguet widerlegung und morgengab und behellt die güeter darauf si
verschriben sein ir lebenlang. und wann si abstirbt, so geet ir heiratguet den
nechten freunden haimb und die widerlegung fellt des vorgestorbnen manns erben
wider haimb oder darfür die güeter so darumb verschriben sein.
Dergleichen ists, wann das weib vor dem mann stirbt und das si nicht khinder mit
[Bl. 158a] ainander lassen, oder daz die khind auch vor ine wie vorsteet
abgeen, so beleibt des weibs zuebringen bei dem mann sein lebenlang, und wann er
abstirbt, so fellt dasselb haim wie obsteet. es haben des abgestorbnen nechsten
freund
| Seite 359| auch wol macht die verphendten gueter umb die
suma des heiratsguets und widerlegung oder morgengab welches dann fellig wierdet
abzuͦlosen gemainclich zwischen weihennachten und lichtmes, doch das dieselben
suma gelts der widerlegung wider angelegt oder vergwist werde, damit die erben
desselben ersten abgestorbnen nach abgang des anderen, so si khain khind
obberuerter massen verlassen, wissen zu finden.
Aber mit der morgengab hat das weib albeg, si sterb vor oder nach, si hab khind
oder nicht, zu handlen zu thuen zu lassen zu vermachen und zu verschaffen wem si
verlusst. wo si aber deshalben nichts [Bl. 158b] ordent und stirb vor ôn khind
die er bei ir hat, so gewinnen die ir nechst freund zusambt dem widerfall ires
heiratguets nach irem todt.
| Seite 360|
Wo das weib den man uberlebt und er ir khind so er bei ir hat verlässt, soll si
sich mit aufrichtung aines erfinder oder inventari auch gerhabschaft und der
anderen heirat halten wie in den hernach geschribnen articlen und titln angezeigt
wierdet, wil si straf schaden und schand emphliehen.
Wo umb heiratguet und widerlegung vor der heirat nicht gehandelt werden mag
solches dem landsprauch gemäß nach der vermählung und beiliegen beschehen und
beschlossen werden.
Wiewol ain gemain sprichwort ist, mit lügen und mit lissten soll man heirat [Bl.
159a] stiften, wöllen wir doch was von heiratguet und widerlegung in den
heiraten zuegesagt und weislich wierdet durch brief oder personen, das solches vor
allen anderen
| Seite 361| geschäften und schulden unausgetrukhten
elteren phandschaften, sonderlich denen phandschaften die auch benennt doch nach
der heirat beschehen sein, dem lebendigen thail entricht werde. dann pillich ist,
was man zu aufrichtung underhaltung und becrefftigung der löblichen chonschaft
zuegesagt, das solches volzogen werde.
Ob ainer ain heiratbrief verfertigt und bekhennt darinnen er hab zu heiratguet
sovil emphangen, demnach hab er sovil widerlegt, und hat doch das heiratguet nicht
eingenumen, so ist die verschreibung nichts, dann die widerlegung wuerde mer
schankh oder gab gemäß die zwischen chonleuten verpotten ist. aber das wir ain
[Bl. 159b] widerlegung nennen, wierdet verstanden das etwas da entgegen vor
gegeben oder zuegesagt sei,
| Seite 362| die ist erlaubt, und daz
ist zu versteen zwischen chonleuten die aines stands und wesens sein. ob aber ain
gemeiner man so reich ist ain frawen aines namhaften adls die armb ist nimbt, der
mag ir etwas vermachen, das wierdet verstanden als beschehe es zu ergezlichait
ires stands und adls.
Wann ainer schuldbrief umb das heiratguet seiner tochter oder der so er verheirat
gibt, und ain zeit benennt oder sonst zuesagt ain zeit darinnen er dasselb
heiratguet bezallen wölle und verzeucht uber solch zeit, bezallt nicht, so ist er
alsdann das interesse und schäden so dem man aus dem verzug ersteet schuldig zu
bezallen nach erkhantnus des gerichts. wierdet khain zeit benennt so hat er zu dem
verzug ain jar und nicht lenger, darinn soll das heiratguet [Bl. 160a]
| Seite 363| bezallt oder hinnach mit sambt den erlittnen schäden
erstat werden.
Wann ligende gueter umb heiratguet oder widerlegung verphendt oder verschriben,
so soll ain iedes guet in seinem wert nach erberem zimblichem landleufigen
anschlag geschäzt und khain thail darinnen beschwert, damit so es zu fällen khumbt
und die armen der losung nach dem landßprauch nicht vermögen wider landleufigen
erberen gebrauch nicht betrogen werden. und die gemächt so anderst gefertigt
sollen in dem jar darin si wider disen articl ausgericht sein khain craft haben
sonder durch die oberigkhait versehen werden. damit heiratguet und widerlegung
gleichmässig und in der zal und phandung der güeter khainem thail ubersezt
sein.
Es begibt sich zu zeiten, das die herren so
| Seite 364| [Bl.
160b] ire dienst-junkhfrawen steuren und denselben heiratgüeter geben. so dann
dieselben ausgesteurten ôn khind abgeen und solch heiratguet ledig wierdet, so
gebürt der widerfall nicht dem herren noch seinen erben sonder der ausgesteurten
junkhfrawen nechsten erben, wo si solch heiratguet unverschafft hinder ir
verlässt. dann so der herr das heiratguet bezallt so wierdet verstanden er hab
solches seiner dienerin geschenkht oder ir dienst damit belont. wo si aber gar
khainen erben verlies und widerfall dem herren in abred der heirat zuegesagt oder
verschriben worden, des doch khain herr begeren soll, so volgt derselb dem
herren.
Ob die hausfrawen ausserhalb des heiratguets ander aigen gueter haben, derselben
soll sich der hauswirt ôn des weibs sonder wissen und willen zu handlen in khainen
weg understeen noch
| Seite 365| einmüschen. was er aber also
handeln wuerde hat khain craft. [Bl. 161a]
Ob man vil heiratguets zuegesagt und nicht gar bezallt, so soll die widerlegung
demselben gemäs und nicht mer daentgegen entricht werden, obgleich vil mer und dem
zuesagen gemäs zu widerlegung verschriben oder verphendt worden wär.
In dem guet so das weib ausserhalb oder uber das heiratguet hat mag der mann mit
wissen und willen des weibs handlen clagen und antworten, und was er mit solchem
guet gewint soll er zu underhaltung irer wiertschaft geprauchen, aber das
haubtguet soll er zu des weibs notturften nach irem willen austailen. und wo der
man dem weib solches guets halben sicherhait in dem heiratbrief oder sonst gethon,
mag sich sich solcher
| Seite 366| sicherhait oder phandschaft
betragen. wo nicht, sobald er dann daselb guet zu handlen angenumen und gelt oder
ainicherlai davon emphangen, so ist all des manns [Bl. 161b] guet schweigent
dem weib darumb verphendt aus freiung des rechtens.
Ob ain wittib khind hat von dem ersten mann und nimbt ain anderen, so mag dem
anderen mann nit mer zu heiratguet verschreiben noch vermachen, dann sovil damit
den khindern ir mueterlicher gebürender rechtmässiger erbthail unverrukht beleibe.
wo si aber abgieng und hat dem anderen man mer und anders dann ietz vermellt ist
vermacht oder geschäft weis zuegestellt, das ime beleiben und nach irem und seinem
abgang nicht wider auf die ersten khinder fallen sollt, desselben
| Seite 367| gemächts mag er nicht mer geniessen dann sovil als der khind
ainem aus unverschaftem müeterlichem guet geburt, sovil und nicht mer soll ime
auch zuesteen. verlasst si aber auch khind bei dem anderen mann, die thailen mit
den ersten khinden das mueterlich erb gleich, und gewint der man auch nicht. daz
wierdet auch also gehalten mit dem wittiber so er wider heirat. [Bl. 162a]
Ob aber solches varent guet ist, soll die varent haab geschäzt werden durch die
so bede thail darzue geben, und die mueter oder vatter sicherhait thuen dieselb
varent haab treulichen zu gebrauchen, und wann si abgeet, das dieselb oder der
geschäzt wert darfür den khinden des ersten manns ôn minderung zuegestellt
werden.
Wann hierinnen von khinden
| Seite 368| meldung beschicht, dabei
werden auch verstanden enikhl urenikhl und ander gerad absteigent erben. und so
von der anderen heirat meldung beschicht, wierdet auch begriffen die drit viert
oder funft heirat.
Ob ain man sein weib als ain erben in seinem geschäft einsezt und verlässt,
dieselb fraw hat wol macht ir heiratguet zum ersten von des mannß gueter wie ander
geltschuld abzuziehen und das ander erbschaft weis anzunemen.
Das geschäft oder lezter will, zu latein testament, wierdet genant ain zeugnus
oder khundschaft des gemüets und willen des menschen. und haist
| Seite 369| darumb der lezt will, dann solch ordnung gemainclich zu lezter
weil des menschen, so er verrer nicht leben mag noch ainicherlai freien willen mer
hat, beschehen. darumben sollen solch lezt ordnungen und geschäft mit allem vleiß
gehalten und mit mas wie hernach volgt aufgericht und volzogen werden.
Die geschäft, so sein schriftlich oder mündlich, sollen wolbedächtlich und nicht
in beiwesen vergebner personen sonder i n gegenwurtigkhait der zeugen in
sonderhait darzue erbetten aufgericht werden.
Die waisen so zu iren fruchtberen jaren, das soll [Bl. 163a] sein ain khnab
zu achtzehen jaren und ain mäidlein zu vierzehen jaren khumen sein, die mügen
ordenlich und rechtmässig wol schaffen und iren
| Seite 370|
lezten willen aufrichten, aber die darunder sein haben nicht macht geschäft zu
thuen. es ist auch zu solchem geschäft der gerhaben und sorger ôn not, dann si
werden den waisen gegeben inen in dem leben zu rathen und zu helfen, und der will
des geschäfts soll von dem geschäftherren und nicht von anderen ausgeen.
Es ist nicht unzimblich, ob nit alzeit ain ieder geschäftherr gern wissen lässt
was er in seinem geschäft verlässt und ordent oder was sein lezter will sei, dann
aus vil ursachen solches in gehaimb zu halten bis nach seinem abgang nit allein
nuzlich sonder auch notturftig ist. demnach mag ain ieder ain geschäft allain mit
seiner selbst hand oder aines anderen in gehaimb aufrichten und aufschreiben,
dieselb schrift mit seinem sigil
| Seite 371| oder in ander weeg
verschliessen und vermachen und alßdann leut und zeugen [Bl. 163b] darzue
ervordern, in derselben gegenwurtigkhait aussen auf solch geschäft schreiben oder
ain anderen ausserhalb der ervorderten zeugen an seiner stat schreiben lassen, so
er selbst nit schreiben khan oder mag, das solches sein geschäft und lezter will
sei, und die zeugen das zu gedenkhen erbitten, und zu urkhund daz sich ieder mit
seiner hand auch auf daz geschäft schreibe oder schreiben lasse oder mit iren
sigiln verfertigen. solch geschäft hat nicht minder craft als wann der
geschäftherr die die articl seiner ordnung all mit der zeugen wissen gemacht het,
dann die ordnung zu thuen steet in des geschäftherren willen und nicht in der
zeugen, und ist der zeugen anderst nit
| Seite 372| not dann daz
man waiß daz solch geschäft entlich des geschäftsherrn mainung geschäft und lezter
willen sei. anderst ists, wo ainer sein geschäft mündlich thuet und zeugen darzue
ervordert, die sollen nicht allain von seinem geschäft sonder auch die articl
seiner ordnung und willen wissen und bekhennen.
Item, so iemant sein geschäft oder lezten [Bl. 164a] willen bei gesundhait
und guetem vermugen offenbar in brieflich urkhund begreift, dasselb sigilt und
durch gebetzetlen zwen oder drei glaubwirdigen man neben ime zu sigiln erbit.
Item, desgleichen so er in seiner krankhait und not drei oder vier sigilmässig
verstendig redlich personen zu zeugen und besiglung
| Seite 373|
und underschreibung seines lezten willen erbit.
Item, oder das geschäft allain selbst besigilt und mit aigner hand underschriben
hat, solche geschäft und lezte willen, wo si dann von dem geschäftherren
rechtmässig und ordenlich gemacht sein und ander gestalt nicht, sollen glauben und
craft haben.
Item, in gemainer pawersleuten lezten willen und geschäft mügen ain priester und
zwen oder drei zeugen so geschworen umb die [Bl. 164b] articl des geschäfts
sagen, das geschäft oder lezten willen becreftigen. aber den petschaden, so ie zu
zeiten durch drei oder vier pawersman, si sein richter
| Seite 374| vierer oder ander pawern, auf ain geschäft getrukht ôn teuglich zeugen durch
ungeschworen schreiber geschriben, und wo si nachmallen wie zu recht genueg ist
darumb nicht bekhennen, denselben geschäften soll khain glauben gegeben
werden.
Die khind so in irer vätter gwalt und zu iren fruchtbern jaren khumen und gueter
haben die inen nicht von dem vatter oder seinem guet ausgestanden sonder
ausserhalb, es sei von mueterlichem oder anderen erbschaften angefallen, oder mit
iren diensten auswendig an si khumen sein, mugen dieselben wol verschaffen und
geschäft darüber aufrichten nach rechtlicher ordnung, des vatters halben
unverhindert. ob auch der vatter dem suͦn seines embsigen vleiß und dienst
| Seite 375| wegen ime bewisen ainicherlai geschenkht het, daz mag
er verschaffen doch nach ordnung.
Dieweil die rittersman und dienstleut so [Bl. 165a] im veld dienen von
khaiserlichen rechten vil freihait haben, wo dann ain rittersman dienstman bei uns
als seinem landsfursten von unser und gemainer vatterlands behaltung wegen im veld
ligt und daselbst an schlachten sturmen scharmützen oder anderen erlichen thaten
schadhaft wierdet, deßhalben er ain eilent geschäft oder ain halbs zu thuen
getrungen wierdt, dasselb geschäft und ob das die zierlichait so ain volkhumen
geschäft ervordert nicht hat, nichts minder soll das nach seiner inhalt sovil der
erberkhait und gemainem rechten gemäs ist volzogen werden. wo aber ainicherlai in
solchem
| Seite 376| geschäft begriffen das dem rechten entgegen
wäre und doch mit zwaien zeugen gewisen wierdet, daz solches des sterbenden
entlicher willen gewesen, so soll von freihait wegen so die gemelten ritters- und
dienstleut pillichen haben aller vleis furkheert und mitl gesuecht werden sovil
müglich ist, vervolgt und benuegen beschehe.
Der so ain gemain oder ungethailt guet hat [Bl. 165b] mit ainem anderen der
mag unverhindert seines gemainer umb sein thail so er an demselben guet hat, wo im
sein thail gleich nicht auszaigt ist, geschäft machen, erben einsetzen und
geschäft weis handlen wie sich gebürt. doch so es zwischen brüedern und
pluetsfreund wär, soverr dann dieselben durch unfreundschaft und böß sitten nicht
verwurkht, soll inen ain dritter thail vorbehalten
| Seite 377|
sein und durch iren brueder oder freund nicht verschafft werden.
Wiewol geschäft zu thuen ain freie handlung ist und ain ieder von tods wegen sein
guet ordnen mag, so soll doch darin die mas und ordnung der rechten gehalten
werden.
Ob ain vatter ain aufschreiben mit seiner selbst hand thuet zwischen seinen
khindern wie es nach seinem abgang mit der erbschaft halten sollen, oder ainen
anderen aufschreiben lassen in gegenwertigkhait zwaier zeugen, oder solch sein
ordnung [Bl. 166a] und mainung in der zeugen beiwesen mundlich verlässt, solch
ordnung zwischen den khindern wierdet als ain creftig geschaft gehalten und soll
durch die khind volzogen werden, nicht allein des erbguets sonder auch deshalben
so anderen darin geschafft
| Seite 378| oder zu götlichen sachen
geordent ist. wo aber in der beruerten schrift oder mündlichem verlassen ain
frembder zu erben eingesezt wäre, het dasselb berüerter mas ôn zierlich
aufrichtung aines geschäfts nicht stat.
Ob der geschäftherr nach dem als er sein geschäft gemacht zehen oder vil mer jar
lebet und andert dasselb geschäft nicht noch widerrueft es, so beleibt dasselb
beständig und wierdet nicht vermuet, das er desselben vergessen und wo er das
gedächtig gewesen het er dasselb geändert. und ob man gleichh sagen wollt der
geschäftherr wäre seitheer er daz geschäft gethon merkhlich reicher worden und
veindschaft zwischen sein und des [Bl. 166b] benennten erben eingefallen oder
dergleichen anzaigen, es werde das wissentlich enderung seines willen oder
widerruefung solchs
| Seite 379| geschäfts lauter gewisen.
Wo auch ain geschäftherr ain volkhumen geschäft thuet und macht nachmallen ain
anders mit geburlicher rechtmässiger zierlichait, so ist das erst zu stund
widerrueft und craftloß.
Wann vatter oder mueter ain geschäft thuet und die khind ains oder mer enterben,
also das si die nicht als erben in solchem irem lezten willen oder geschäft nennen
und setzen und mit namen nicht anzaigen ursach [Bl. 167b] der entwerung und was
gstalt die khind solchen unwillen verschuldt haben, dasselb geschäft ist
uncreftig.
Ob vatter oder mueter irem khind
| Seite 380| schaffet mer dann
den gebürenden thail und nennen noch setzen dasselb khind im irem geschäft nicht
als ain erben, dasselb geschäft ist auch von recht uncreftig, dann es ist nicht
genueg daz si dem khinden den rechtmessigen thail ires guets schaffen, sonder si
sollen si auch als ir erben in dem geschäft nennen und erkhennen oder si mit
ursach enterben.
Ob die eltern irem erben den rechtmässigen gebürdenden thail ires guets nicht
schaffen sonder gar ain wenig khlainschätzig güetl, und erkhennen in doch im
geschäft fur ain erben, setzen in auch dermassen ain, so beleibt daz geschäft
dennocht creftig und hat der erb nicht macht daz geschäft als unwert zu beclagen,
aber wol fueg umb erstattung seines rechtmässigen gebürenden thails zu sprechen,
der ime
| Seite 381| vervolgen [Bl. 167b] soll und von dem
anderen ausgeschaffen guet sovil nach gelegenhait aines ieden zuegestellten thail
gebürt abgezogen werden, dardurch dem erben sein rechtmessiger gebürender erbthail
erstat werde.
Item, wann die eltern die khind enterben mit angezaigter ursach in iren
geschäften, dieselben geschäft sein von recht creftig, aber den enterbten khindern
mag nicht geholfen werden, daz si macht haben wider solch geschäft zu clagen zu
erlernen und mit recht zu entschaiden ob die ursach der enterbung so genuegsam
sei, daz die eltern das naturlich gesezt und die vätterlich und mueterlich
guetigkhait ubertretten haben mugen.
Item, wider das geschäft so von recht unwierdig und uncrefftig ist darwider ist
ôn not zu clagen, dann wie das
| Seite 382| beclagt werdt das
nichts ist, und werden des geschaften nechts nechst gesipten pluetserben zu dem
verlassnen guet des der solch nichtig geschäft [Bl. 168a] gethon zuegelassen
als ob derselb ôn geschäft abgangen wäre.
Wann ain geschäft unwert ist oder vernichtig wierdet aus ursach der enterbung
oder furgang ainer eelichen person so von recht nit enterbt oder furgangen werden
sollen hat, nichts minder beleibt dasselb geschäft in anderen articlen und darin
anderen personen ausserhalb der enterbten oder furgangen personen geschafft ist,
demnach creftig, doch mit abzug dardurch der obernennten person ir gebürender
thail verfolg, so verr sonst sovil in der erbschaft nicht wäre. anders ists, wo
das geschäft als valsch oder unwirdig oder nicht förmblich und ordenlich
| Seite 383| aufgericht, vernicht werde, so fellt es gar. oder so
der geschäftherr ain schwangere hausfrawen verlässt unwissent und dieselb gebirt
nach seinem abgang dieweil dann derselb nach todt geborn erb unwissent und
furgangen, ist das geschäft nichts und fallen auch die articl darin er anderen
personen ainicherlai geordent hat. was er aber zu hail [Bl. 168b] seiner seel
zimblich geschafft, das soll volzigen werden. dann khain zweifl ist, wo der
geschäftherr gewisst het daz ime mer khind geboren werden sollten, er het sein
guet mit außwendigem geschäft nicht beschwert.
Das khind nach todt geborn so in seines vattern geschäft furgangen ist, so es
lebendig geborn wierdet und ob es gleich khain stimb nicht lässt und zu stund so
es das erdrich berüert oder
| Seite 384| in der hebamen henden
stirbt, nichts minder wierdet das geschäft durch sein geburt vernicht, es wär dann
dieselb geburt ain wunder wider die natur und het nicht menschen bild.in das khind
so nach des geschäftherrn todt geboren wierdet fellt khain ursach der
enterbung.
Item, ob ain khind seiner eltern lezten willen oder geschäft beclagt als wider
die naturlichen gesezt und guetigkhait beschehen, und in seiner clag und
rechtfertigung bis zu entlicher urtl und harret, also daz zeugen und khundschaft
verhört und geöfent, daraus erkhent [Bl. 169a] werden mag wer in recht
verlusstig und der antworter wierdet mit urtl müssig von der clag wider das
geschäft und des abgestorbnen lezten willen gefüert nicht allein die
gerichtscosstung
| Seite 385| sonder auch ain dritten thail des so
ime in solchem beclagten geschäft zu nutz zuegeordent ist, und derselb dritthail
fellt denen zue so erben in dem geschäft benennt sein, ausgenumen, das beruert
khind oder clager stee von solcher clag vor eröffnung der zeugen, dieweil die
sachen noch im zweifl hangt.
Welcher umb erstattung seines gebürenden thails clagt, der mag nicht bezigen
werden, das er dasselb geschaft darinen ime minder geordent ist krieg oder
anfecht.
Wiewol bißher der gebrauch ditz erzherzogthumbs Osterreich gewest und heerkhumen
ist daz khain erbschaft hinder sich fallen solle, so ist doch bedacht, wo ain
erbguet von den eltern herkhumbt und naturlich erben absteigender [Bl. 169b]
lini nicht vorhanden ungefärlich sein, daz solch erbguet gar auf die
| Seite 386| seitenfreund als brüeder und derselben lini fallen und die
eltern von dannen solch guet heerfleust des beraubt werden sollen. darumb ist
hierinnen solcher gebrauch gemässigt und gemiltert also: wo ain vatter seine
khinder ausstewert und mit iren legitima oder benanntem ausgezaigten guet
versicht, so dieselben khinder ôn eelich naturlich erben absteigender lini abgeen,
das dann alles vätterlich guet halb auf die seitenerben und derselben lini und der
ander halb thail hinder sich auf den vatter, oder wo der vatter abgangen wär, auch
auf den an soverr das guet von im heerkhumb und desselben nechst pluetsfreund
fallen.
Wo aber die khinder ausserhalb solches vätterlichen guets von iren diensten gaben
anderen erbschaften oder geschäften ichtes erlangten oder anfiel,
| Seite 387| dasselb, so si nicht naturlich erben absteigender lini
verlassen, soll nach dem bisher gehaltnen gebrauch auf die seiten als brüeder oder
derselben naturlichen erben [Bl. 170a] absteigender lini erben und fallen.
doch solcher geprauch und gesazt mag underprochen werden durch abred der heirat
darinnen gemeinclich durch di eltern beschlossen wierdet, so es zu fällen khumbt,
wohin das erb fallen soll.
Ob ainer zween sün verlässt oder mer und iedem sein gebürenden thail als erben,
und ainem [ieden] aus inen schafft er zu disem seinem eelichen gebürenden thail
all ander sein guet dardurch er sich der ganzen erbschaft underwindet, wo er dann
den anderen seinen miterben iren eelichen gebürenden thail vorhellt und nicht
bezallt und lässt sich darumb berechten biß
| Seite 388| zu
entlicher urtl, der soll demselben miterben solchen gebürenden thail mit zwifacher
zallung zu peen raichen und den verzug damit erstatten.
Es begibt sich daz zu zeiten vatter oder mueter bei irem leben ir ainem khind fur
die anderen oder frembden personen oder zu zeiten zu kirchen und göttlichen sachen
sovil [Bl. 170b] umbsonst geben und schenkhen, daz si nachmalen in iren
geschäften den anderen iren khinden den eelichen thail nicht verlassen noch
schaffen mügen. so daz beschicht, haben dieselben khind solch schankhung zu
widerruefen und umb erstattung ires eelichen thails zu clagen von demselben
geschenkhten guet.
Dergleichen haben die khind dise clag zu thuen, wann ir mueter dem vatter oder
dem anderen mann all
| Seite 389| ir guet verheirat dardurch die
khind ires müeterlichen gebürenden erbthails beraubt werden, ausgenumen dasselb
heiratguet gee den khinden nach abgang des vattern oder stiefvattern wider haimb,
so hat die clag nicht stat.
Wann vatter oder mueter ires suns guet verkhaufen und der sun erbt derselben
seiner eltern guet nicht, so mag er den khaufer umb solch guet beclagen und
dasselb wider erlangen, ist er aber seines vattern oder mueter er allain so ist er
gweer und schermb, hat [Bl. 171a] er miterben so mag er von denselben gleichen
thail des werts bekhumen.
Wann ain vatter seinen khindern in ainem redlichen geschäft sein guet thailt und
ainem ieden zueordent nach seinem guetbedunkhen, und will daz sich die khind
solcher thailung
| Seite 390| benuegen lassen, und ob er sie mit
namen nicht als erben einsezt oder benennt, nichts minder beleibt das geschäft
creftig. wo aber den khinden ir eelicher thail in solchem geschäft und thailung
nicht verlassen wäre, mugen si umb erstattung clagen.
Wiewol die geschribnen khaiserlichen recht ain maß geben was die eltern iren
erben in den geschäften ires guets zuezustellen schuldig sein, so haben wir doch
erwegen daz di eltern umb nichte mer sorg arbait und müe haben dann daz si ire
eeleiblich nachkhumen in eer wierd und aufnemen setzen. deßhalben ordnen wier, das
[Bl. 171b] ain ieder vatter oder mueter iren erben oder khinden, wo es der
viere oder weniger verlässt halben thail alles seines guets, wo ir aber mer wären
die drei thail desselben seines
| Seite 391| guets, so ime uber
schuld und das ausserhalb des geschäfts verphendt ist bevorsteet, als erben frei
verlassen und si damit als erben einsetzen sollen. mit der ubermas, den halben
oder vierten thail ires guets, haben si macht zu hail irer seel iren anderen
freunden oder ainem khind fur das ander vorthail zu thuen oder sonst zu
verschaffen wie si verlangt nach irem willen. aber in den anderen die nicht
absteigent erben sein lassen wier es bei dem dritten thail nach ordnung der
beschribnen recht besteen.
Dann der töchter halben, wo vatter und mueter sün neben inen verlassen, sollen
denselben töchtern durch die eltern ir heiratguet auf verzicht khunftiger
erbschaft gegeben werden aber nicht weiter dann biß zu derselben ires vattern
manns namen [Bl. 172a]
| Seite 392| und stamen von seinem leib
herkhument vorgeet. deßhalben soll auch khainer desselben mans stamen in geschäft
gabweis noch ander weeg nicht mer verwenden dann das nach abgang des leiblichen
mansstamen den töchtern oder iren leiblichen erben ir legitima und eelicher thail,
doch auf ir heiratguet so si emphangen haben zu raiten, volgen muge.
Wann der lezt mansstamen darauf sich töchtern verzigen haben ain geschäft thuet,
und verschafft all sein guet anderen leuten oder zu göttlichen sachen, thuet
derselben verzignen töchter oder irer erben khain meldung in dem geschäft, so ist
es uncreftig. dann dieweil der mansstam in der verzicht den articl annimbt. der
laut: wo dermassen von iren voreltern herfliessent abgieng und nimer wäre, so
sollen dieselben
| Seite 393| verzigen töchter oder ir erben neben
des lezten mansstamen töchtern, wo er die verlässt, zu seinem verlassen guet erben
[Bl. 172b] als ain andere erbtochter, in craft dits articls ist derselb lezt
mansstamen schuldig die verzigen erbtöchter oder ir erben fur ain haubt neben
seinen töchtern, ob er die hat, als ain erbtochter in gebürenden thail
zuezulassen, ob er die gleich neben seinen töchtern als erben nicht einsezt. dann
sonst wuerde umb freundschaft und trew so die verzigen töchtern und ir erben ires
vätterlichen und müeterlichen erbguets iren voreltern zu eeren so lang geratten
und gemanglt hetten untrew und poshait gegeben, so si des zum lezten wider der
verzicht vermügen durch daz geschäft beraubt und in ander hend gestellt
wuerde.
Ain mueter so ain oder zwen sün als
| Seite 394| erben in irem
geschäft ordent und wierdet des dritten schwanger, si andert aus hinlässigkhait
daz geschäft nicht dieweil si schwanger ist, gebirt denselben dritten sun, und si
stirbt alßdann in der geburt dardurch der drit sun in dem geschäft [Bl. 173a]
furgangen ist, dem soll aus craft des gesetz sein volkhumener thail aus derselben
erbschaft geantwort und geraicht werden. und ob daz nicht beschehe, so hat er
macht aus craft dits gesezt umb solchen seinen thail gegen den eingesezten erben
zu clagen.
Welcher geschäft oder ordnung seines guets macht und frembd personen darin sezt
und sich nachmallen in ainen orden wie derselb ist ergibt, das geschäft wierdet
creftig, so er glübd und profession in dem orden thuet. oder vor solchem glübd und
profession hat er wol macht daz geschäft zu ändern und ain thail dem
| Seite 395| closter darein er sich gibt zuezustellen, oder gar, so verr
nicht erben sein die er zu enterben nicht macht hat. wo aber die glübd und
profession beschehen, hat solche änderung verrer nicht stat, dann er wierdet
nachmallen als ainer der bei der welt gestorben ist geacht.
Ob iemant sein aufsteigent oder absteigent [Bl. 173b] erben enterben will, der
soll das mit ursach thuen und dieselben ursach mit namen in dem geschäft melden
und den eingesezt erb in dem geschäft [nambhaft machen] und der des geschäfts
geniessen will, [der solle] wider den enterbten solch ursach weisen und waar
machen wider den enterbten, als oben davon gesagt ist, und der beruerten ursach
seinen vierzehen, als hernach gesehen wierdet. do wo ain ander ursach in dem
geschäft gemelt wierdet, die villeicht in der that grösser oder der vierzehen
ainer
| Seite 396| gleichmässig wären, möcht die enterbung so
dieselben ursach geweist wuerde auch stat haben. es mag auch ie zu zeiten aber
selten die enterbung stat haben ausserhalb der benanten vierzehen ursachen, als so
ain vatter ain verthonen sun het und sezt ain anderen erben ein mit solchem
beschaid und geding, wo sein sun zu besserung khumbt, das er ime alßdann die
erbschaft ôn abgang uberantwort. desgleichen, so ain mueter ain verthonen
haußwiert het und thet ain geschäft darin si iren hauswiert [Bl. 174a]
außschlüs und ain anderen erben einsetzet biß ir man sturb, alßdann der eingesezt
erb dem sun die erbschaft einantwortet, dardurch si mittler zeit durch den vattern
nicht verthon wuerde. ob auch der sun oder ain andere person in die enterbung
wissentlich verwilligt so ist aber khainer anderen ursach not, dann
| Seite 397| allain die enterbung ist wider recht, so den aigen erben zu
widerwertigkhait und nachtail und nicht zu guetem oder mit seinem willen
beschicht.
Es volgt nicht, der hat erbliche gueter innen oder besizt dieselben darumb ist er
ain erb, sonder soll gewisen werden das ainer die erbschaft angenumen oder das
posseß der gueter als ain erb erkhent hab. [Bl. 174b]
Dem ain erbschaft zuesteet die von mer erben schulden oder ander gestalt
beschwerung und anforderung auf ir tregt, die mag der erb in gegenwurtigkhait
zwaier oder dreier redlicher glaubwirdiger person die der sachen unverwant und
unverdächtlich sein inventieren
| Seite 398| beschreiben und also
einziehen mit protestation, das er sich mit solcher erbschaft und guet gegen den
schuldnern und anvorderungen nit weiter beladen wölle dann sovil der verlassen
haab und gueter gelangen und erraichen.
Gleicher weis sol auch der erb der solcher erbschaft zu der zeit des falls in
posseß wär mit dem inventieren thuen, ausgenumen, wo das zwischen eeleuten wär die
besonder geschäft oder ordnung der varenden haab halben gethon und gemacht hetten,
die sein ôn not zu inventhieren, doch das noch beleibent den schulden und
anvorderungen zu antworten schuldig.
Dann wo die geltschulden mer laufen dann [Bl. 175a] die erbschaft trüeg, und
der erb ließ sich uninventiert in die gueter, so wuerde er die schulden völlig zu
bezallen schuldig.
| Seite 399|
Welcher ainicherlai von der erbschaft verkhauft, und ob er daz widerumb zu
begrebnus des absterbenden und anderen notturften anlegt, oder der williclich die
erblich schuld ains thails oder gar bezallt, der wierdet verstanden daz er die
erbschaft angenumen hab, es wuerde dann gewisen daz er solch schuld in aines
anderen namen und ainem anderen zu guet und nicht in sein selbst oder der
erbschaft namen bezallt het, dann die vermuettuͦng ist in zweifl, er hab die
schuld von sein selbst wegen bezallt.
Dem ain erbschaft zuesteet und dieselben [Bl. 175b] noch nicht erkhant hat
oder angenumen, der mag auf anruefen der glaubinger und so sprüch zu derselben
| Seite 400| erbschaft haben fur gericht ervordert und daselbst
gefragt werden, ob er die zuegestellt erbschaft annemen wöll oder nicht. und ob
derselb erb aines bedachts begert, soll ime durch den richter auf zimblich zeit
daz ist drei monat gegeben werden. ob aber khain eingesezter erb wäre, sollen die
so die nechsten erben zu sein vermainen erfordert und mit inen beruerter massen
gehandelt werden, wo aber dieselben nicht wissen noch vor augen wären, alsdann ain
gemain beruef oder ladung beschehen. wer vermain als erb gerechtigkhait zu des
verstorbnen verlassen guet zu haben, der khumb fur gericht auf den n. tag und ob
alßdann niemant erscheint, so soll der ligenden erbschaft ain sorger gegeben
werden, den mügen die glaubinger beclagen. derselb sorger bezallt alß vil dieselb
erbschaft vermag, und beschicht auch volziehung der urtlen allain auf
| Seite 401| der erbschaft güetern, [Bl. 176a] dem sorger an seinem
darlegen nach erkhantnus des gerichts ôn schaden. ob sich aber ainer fur ain erben
anzaigt, er sei ainer oder nicht, der wierdet nichts minder getrungen die purden
der erbschaft auf sich zu nemen und ist schuldig dieselben zu verantworten.
Der vatter hat nicht macht sich der erbschaft, die seinem sun den er in gwalt hat
zuegestellt worden, ôn willen desselben sun zu emphahen oder zu eussern.
Welcher die possess und besitzung der erblichen gueter vordert oder bit, derselb
soll gehalten werden als ob er di erbschaft angenumen und erkhennt, doch soll er
derselben nicht entgelten biß er posseß und niessung derselben erlangt.
Wo mer person in gleicher sipt ain erbschaft zuesteet, und derselben etlich
| Seite 402| nemen die erbschaft an und etlich nicht, so fellt der
[Bl. 176b] thail so die nachlassigen oder die sich der erbschaft entschlahen
denen haimb so die erbschaft angenumen haben.
Ob zwai chonleut zusamenkhumen ôn heiratgüeter und widerlegung der ainen person
armuet halben und daz reicher stirbt vor dem armen so soll der lebendigen person
so vil als der khinder ainem, dieselben khind sein von in beden oder ir ainem so
vor bei ainer anderen chonperson erobert, sein leben lang zuesteen unverkhumert
sich davon zu erneren und zu behelfen, und nach derselben person abgangen soll
dasselb guet den khinden wider haimbgeen. seinen aber nicht khinder sonder
beseitserben vorhanden, so soll derselben chonperson ir zuegestelter thail
beleiben
| Seite 403| damit nach irem willen zu handeln. ob ir
aber durch die sterbenden person ainicherlai geschäftweis geordent wär, daz soll
ir in der beruerten thailung an irem thail abgezogen werden. [Bl. 177a]
Wiewol wider die natur und unordenlich recht ist, das ain khind so sein erbguet
nicht verworcht hat nicht gleichen thail des vätterlichen erbe nemen soll so wol
als sein geschwisterigt, doch wie der landßprauch in Osterreich bisheer eingefuert
also lassen wiers noch beleiben. nemblich, daz sich die töchter wann si verheirat
werden und ir heiratguet emphangen haben verzihen dieweil der manndlich stam von
iren
| Seite 404| vättern herruerent in leben ist, daz si neben
demselben mandlichen stam vätterlich guet und zu zeiten auch müeterlichs nicht
erben wöllen biß der mandlich stamen gar vergeet und die erbschaft zu den weibern
oder auf töchter fallet, das alßdann dieselben verzigen töchter oder ir erben als
erbtöchter mügen zu des lezten [Bl. 177b] mannßstamen gelassen güeter einsteen.
und so das also zu fall khumbt, so sein dieselben verzigen töchter oder ir erben
das emphangen heiratguet schuldig zu der erbschaft zu legen, damit ain
gleichhellige thailung zwischen ir und iren miterben gemacht werde. wo si sich
aber solcher erbschaft entschlagen, sein si nicht schuldig hinzuezulegen.
Ob ain erb ainicherlai vor emphangen des er schuldig ist zu thailung der
| Seite 405| erbschaft zu legen und zu erstatten oder daran abziehen
zu lassen, und sezt sich des gegen seinen miterben, darumb soll der richter
erkhennen, und was er erfindet das derselb widerspenig mer dann die anderen zu
gleichem thail innen hat, sol er darob sein damit er dasselb herausgebe oder soll
in zu der clag umb seinen thail der erbschaft nicht lassen.
Das zuelegen oder erstatten in die erbschaft hat allein stat in den absteigenden
erben [Bl. 178a] die nach der oberen erbschaft steen, und sonderlich den
absteigenden erben den die oberen schuldig sein iren eelichen gebürenden thail zu
verlassen, und wo das nicht ist, hat das zuelegen in die erbschaft von recht nicht
stat. daraus volgt, daz zwischen beseit-gesipten die ains beseiten freunds
erbschaft begeren daz zuelegen nicht stat
| Seite 406|,
dergleichen, so ain ober aines absteigenden erbschaft annemen wollt.
Wann ain vatter seiner tochter oder sun ainicherlai schafft geschäft- und nicht
erbschaft weis, das ist nicht schuldig ir emphangen heiratguet oder ander guet, so
derselb vatter demselben sun vormallen gegeben, wann si solch geschafft guet
einnemen hinzuezulegen oder abzuziehen, dann solch zuelegen hat in dem so ainem
geschäftweis zuegestellt wierdet nicht stat.
Die enikhl und ander erben so anstat ires vattern nach des een erbschaft steen
sein schuldig zuezulegen das so derselb ir vatter emphangen, dann das
| Seite 407| zuelegen gebürt auch zu thuͦen der erben nacherben. und
welche sich des verwidern, den wierdet die clag umb iren thail der erbschaft
abgeschlagen.
Als wann Peter drei khind het, Hannsen Barbara und Margaretha, die verlässt auch
khind, die sein des Pettern enickhl, der Petter stirbt auch darnach ôn geschäft,
also khumen Hannß Margaretha und der Barbara khind zu gleichem thail der
erbschaft, so sein der Barbara khind schuldig das heiratguet so ir mueter
emphangen zuezulegen in die erbschaft desgleichen, ob Hanß und Margaretha
ainicherlai, es sei heiratguet widerlegung oder anders, von dem genanten irem
vatter emphangen, sein si dergleichen schuldig zuezulegen. also soll es [Bl.
179a] auch in anderen
| Seite 408| absteigenden erben
verstanden werden da ainer an des anderen stat steet, also ietzo die enikhl an
irer mueter stat. wo aber die enickhl ainicherlai von irer mueter emphangen, das
wären si zu des Pettern als ires een erbschaft nicht schuldig zuezulegen, dann daz
zuelegen hat allain stat und soll allain beschehen in den guetern, so die person
welcher erbschaft halben gehandelt wierdt verlässt.
Ob der erb anspruch des geschäfts und erbschaft halben hat, so ist er nicht
schuldig in anhangenden rechten die geschaftman des geschafften guets zu
entrichten, si thuen im [Bl. 179b]
| Seite 409| dann
sicherhait, wo im die erbschaft mit recht anbehabt wuerde, daz si alßdann solch
geschafft guet ôn abgang wider antworten.
Ob ain geschäftherr ainem ain frembt guet da er waist daz es nicht sein ist
geschäft weiß zuestellt, solch zuestellung hat craft, und der erb ist schuldig dem
geschäftman solch guet zu erlangen khaufweis oder in ander weeg, oder den wert
desselben guets darfur zu geben. wo aber der geschäftherr vermaint solch geschafft
guet sei sein und hat darinnen geirrt, so hat solch zuestellung nicht craft, dann
allain die sei beschehen ainem nachgesipten seiner hausfrawen oder sonder
verwonten person, da versehenlich und vermuetlich ist daz der geschäftherr ime
solch guet verlassen, ob er gleich [nicht] gewisst daz solch guet nicht
| Seite 410| sein gewesen. und steet dise lezt mainung in erkhantnus
des richters. [Bl. 180a]
Wann ainem umb daz er gerhab sein solle ainicherlai geschafft wierdet und derselb
nimbt die gerhabschaft nicht an, dem ist man nicht schuldig das geschafft guet zu
raichen, er sei dann willig gerhab zu sein und werde als teuglicher erfunden.
Der geschäftherr mag wol peen seinen erben und geschäftmannen setzen, soverr si
daz so er in zu thuen oder zu lassen bevilcht nicht volziehen, sein bevelch wären
dann wider guet sitten, spötlich oder sonst zu thuen nicht wol müglich.
| Seite 411|
Es soll der geschäftman in dem geschäft nicht beschwert werden höher dann daz so
ime darin zuegestellt ist, sonderlich so [Bl. 180b] solch zuestellung geschicht
in mas oder zal. wierdet im aber sonderlich guet zuegestellt und da entgegen
beschwerung aufgelegt die sich höher dann daz geschafft guet erstreckht, so geb er
ime selbst die schuld, so er den wert des geschaften guets gewisst und dasselb mit
der beschwerung darüber angenumen hat.
Welcher ainer person ain geschäft thuet, sofeer si seinen freund oder sun zu der
ee näme, und derselb sun stirbt ee wann si zusamen heiraten. so fellt auch das
geschäft, dann die glückhfall hat in vil mer geschichten macht zu nemen und zu
geben.
In clag ains geschäft und lezten willen
| Seite 412| umb
geschafft guet wierdet erkhennt umb daz interesse und frucht so der geschäftman
aus der erben verzug nachthail gelitten, soveer der erb khain rechtmässig ursach
seines kriegs hat. [Bl. 181a]
Ob der geschäftman daz so ime geschäftweis geordent worden von dem erben gar
begert, so ist ime der erb solches nicht schuldig, es werde dann zuvor in gemain
zusamengerait uberschlagen und erkhent umb den abzug wo die erbschaft nicht
geraichet, oder der geschäftman thue sicherhait oder pürgschaft soverr die
erbschaft nicht erraicht den abzug zu gedulden. aber so er halben oder dritten
thail seines geschafften guets begert, daz ist ime der erb schuldig.
Das guet so mer personen geschafft und ainer dem anderen nachgesezt wierdet,
| Seite 413| also daz nachlebenden dasselb guet zuesteen soll, solch
guet hat derselb lezt sterbent frei zu verkhumern oder seinen erben zu
verlassen.
So der beschaid des geschäftherren erfüllt wierdet, so fellt daz geschafft guet
an den geschäftman und sein erben, und ob er daz vor nicht ersuecht hat. [Bl.
181b]
Der beschaid !soverr ainer khinder hab oder verlaß' wierdetr erfüllt so er ain
khind sun oder tochter hat, und wierdet darumb nicht vernicht ob dasselb khind zu
stund stirbt.
Die clag umb die erbschaft wierdet gegeben der sich vermuet ain erb zu sein, es
sei aus craft seines geschäfts oder
| Seite 414| ôn geschäft, und
wierdet der ain erb der ain erbschaft annimbt. und wiewol die geschribnen recht
wöllen daz solch annemung allain durch daz gemüet und willen beschehe, so wollen
wir doch den so irer gerechtigkhait nachsteen ain zimblichen [Bl. 182a] weg
furschlahen, dardurch niemand durch sorg oder ansprach von seinem rechten gewendt
werde. und ist unser ordnung, das der als erb geacht werden soll der sich in die
erbschaft und ire gueter ligent oder varent, khlain oder groß einlässt, mit der
that handelt und sich derselben verfahet, es sei ain rechtmessiger erb oder nicht,
im werde die erbschaft nachmallen anbehabt oder nicht. dann was ain solcher der
die erbschaft in guetem glauben angenumen pillicher und
| Seite 415| rechtlicher schulden bezallt oder entricht, wo ime dann die erbschaft mit recht
abgesprochen wuerde, so wierdt imme der, so mit recht zu erben erkhennt, solch
ausgab an den guetern der erbschaft in der uberantwortung oder abtrettung
abzuziehen phlichtig. aus dem volgt, daz der dem die erbschaft durch die
oberigkhait zueerkhennt ain erb wierdet.
Welcher aber allain der erbschaft rechtlich [Bl. 182b] oder durch wilkhur oder
verträg nachsteet, und doch vil noch wenig mit der that sich darein nicht gelassen
noch von der erbschaft emphangen noch innhat, oder zu erben nicht erkhennt ist,
der soll für khain erben nicht geacht werden. dann wo ainer in gemüet sich seiner
gerechtigkhait verhofft und ainer zweiflhaftigen urtl darinnen erwart, der hat der
erbschaft
| Seite 416| khain gebrauch, es werde dann darzue
erkhennt, oder er begreif posses der erblichen gueter leiblichen.
Wo ainer so erbliche gueter als er besizt ainmal davon fallet so mag er als erb
darumb nicht mer clagen, dan so er ainsten davon gefallen so ist es nimer sein
erblich guet. aber hat er clag umb dasselbig guet aus anderen ursachen, die sein
ime ungespart.
Der so umb ain erbschaft clagt soll in seiner [Bl. 183a] ladung zwai bitten,
nemblich daz er zu ainem erben erkhennt und daz die widerparthei durch den richter
bezwungen werde ime die erblichen gueter so die widerparthei besitzt
ainzuantworten.
Ob ainer als erb in geschäft eingesezt und ime bevolhen wierdet dieselben
| Seite 417| erbschaft nachmallen ainem anderen uberzuantworten, den
wir ain trew gehalter genennt. derselb trewhalter ist schuldig all clag und
verantwortung dieselben erbschaft beruerent anzunemen, dann er ist an stat des
erben. demnach hat er auch macht die clag umb die erbschaft zu thuen, damit er
derselben besitzung erlang.
Der so ain besitzer ainer erbschaft aus guetem glauben, der ist von nutzung und
früchten derselben erbschaft emphangen vor verfahung des kriegs nicht mer schuldig
[Bl. 183b] wider zu geben, wo ime die erbschaft anbezallt wierdet. aber nach
verfahung des kriegs ist er die emphangen nutzung und frucht schuldig zu
bezallen.
So ainer ain erbschaft uberantworten soll wierdet im abgezogen daz er auf
| Seite 418| des gestorbnen krankhait und begrebnus ausgeben. auch
was er des gestorbnen glaubingern auf gueten grund, so gewisen werden soll,
bezallt hat.
Die clag umb thailung der erbschaft gebürt dem miterben so von der gemainschaft
der erbschaft tretten wöllen, damit dieselb geleich oder nach ordnung des
geschäftherren under si getheilt werde, und ist die clag aines gueten glaubens es
mag auch der die clag thuen so sich vermaint ain miterb zu sein und nichts an der
erbschaft besitzt, der besitzer [Bl. 184a] steet dann nicht daz der clager ain
miterb sei, darumb sol der richter am ersten darumb erkhennen. und beschicht
solche thailung in allen erbschaften, si khumen aus was grund oder gerechtigkhait
si wöllen.
| Seite 419|
Das geschäft und andere brieflich urkhund sollen bei dem miterben beleiben, dem
der merer thail der erbschaft zuesteet, mit sicherhait der burgschaft dieselben
furzubringen ob es not wuerde, oder wo daz nicht fueg het soll ain gueter freund
oder ain gewißende als bei den gerichtssachen durch die erben all samentlich
furgenumen, da dieselben zu gemainen handen erlegt und den so des notturftig sein
abschrift davon gegeben werden.
In den dreierlei clagen, da umb thailung der erbschaft auch thailung ainer
gemainschaft und umb marich der grund gehandlt wierdet, so ainer aus den clagern
stirbt und vil erben
| Seite 420| verlässt, die sollen anstat des
abgangnen all in recht erscheinen und handlen oder ain gwalttrager setzen, dan
dise gericht mügen nicht gethailt werden. es wäre dann daz ainer oder miterben
oder gemainer veer von land und umb sein gwalt nicht leicht zu errraichen wär, dem
mag in seinem abwesen nicht verrechtet werden.
In thailung der erbschaft so durch die oberigkhait oder die parthei beschicht ist
ain miterb dem anderen furstand und gweerschaft zu laisten schuldig, es werde dann
in solcher thailung mit namen anders zwischen den erben verlassen.
Ob der sterbent nicht ain löblich oder volkhumen geschäft zierlichait halben
thuet [Bl. 185a] und seine khind die erbschaft zu thailen begeren als ob er
| Seite 421| ôn geschäft vergangen sei, wiewol dieselb erbschaft
gleich under die erben zu thailen ist, nicht minder soll der richter aufsehen
haben damit er des gestorbnen willen verfolgt und der lezt will gehalten werde der
khind halben, aber nicht gegen auswendigen personen so neben in eingeschriben oder
benennt wären.
Wer nit erben wil, der ist nicht schuldig das so er vor aus ursachen ainer
schankh und gab emphangen zuezulegen, dieselb gab sei dann so unmeßlich daz di
miterben iren eelichen thail von der ubermaß nicht bekhumen, so mügen si die
erstatung erfordern von dem
| Seite 422| geschenkhten. [Bl.
185b]
Ob ain brueder ain erbguet aus gemainer erbschaft verphendt und in der thailung
den anderen brüedern solch guet zuesteet, und der erst brueder verhellt daz er
dasselb verphendt hat, so dann der phandman dasselb guet auf sein phandschaft
erlangt, so ist der verphender oder phandherr schuldig den anderen brüedern den
nachthail widerzukheeren und gwerschaft zu thuen phlichtig. hat aber der ander
brueder solch guet angenumen und die verphendung gewist, so dann der phandman
dasselb erlangt, ist der verphender den anderen brüedern nichts schuldig, es werde
dann gewisen das der verphender in der thailung des anderen umb gwerschaft solcher
phandschaft halben versprochen hab.
| Seite 423|
Die erben so mit irem eelichen gebürenden thail gleich erben, sein gleich von
irer erbschaft schuldig zu bezallen und nicht von dem vorthail so der geschäftherr
ainem fur den anderen vergünt hat. [Bl. 186a]
So ainer dem anderen schuldig ist ain suma gelts und macht in nachmallen neben
anderen seinen erben zu ainem miterben nichts minder der ander sein miterben umb
die beruerten schuld persondlich beclagen, doch daz ainem ieden und gleich so wol
in dem anderen nach iren gebuerenden thailen der erbschaft die bezallung aufgelegt
und abgezogen werden.
Wann ain sun zu notturft seines vattern aus seines vattern bevelch ain gelt
entnimbt und entschlecht sich nachmallen der vätterlichen erbschaft, der ist nicht
schuldig zu bezallen.
| Seite 424|
Ob ain man abstirbt und ainen sun lässt und ain schwangere frawen, so mag der sun
vor der geburt nicht ervordern halben thail der erbschaft sonder allain den
vierten thail. dann dieweil ain fraw nach sag der naturlichen maister funf oder
siben khinder geberen mag, alßdann mermals gesehen worden, haben die recht daz
mittl erwellt [Bl. 186b] und vermueten, daz drei khind geboren möchten werden.
und ist mer not unser unwissen des khunftigen zuefalls dann der natur ordnung
hierinn zu erwegen. so aber die fraw geboren hat der erbschaft thail ir
wissentlich anzaigen, ausgenumen, der obgemelt sun wär dann des schwangeren pauchs
gegebner vormund und versorger, so hat er wol macht vor der geburt die erbschaft
| Seite 425| mit iren zueständen allen zu erfordern und
einzuziehen.
Ob ain man der in recht steet abgeet mit todt und mer dan ain erben verlässt, und
ainer understeet sich allain ôn der anderen willen des gestorbnen recht
auszufueren, und wuerde die urtl wider ine gegeben, dieselb urtl ist den anderen
miterben unschedlich. doch mag der berüert erb in recht zu handlen an der anderen
stat zuegelassen werden, soverr er bestand thuet, daz sein miterben solch sein
handlung annemen und fur verwilligt halten wöllen. [Bl. 187ͣ]
Wann sich ainer in ain betlcloster bekhentlich oder gelübtlich, daz ist mit
profession, ergibt und zuvor khain ordnung oder geschäft seines erbs und guets
thuet, so geburt dasselb verlassen
| Seite 426| guet denen die
sonst der ergeben person, wo dieselben ôn geschäft abgangen, von recht erben
wären.
Aber götlich mitlaidig und pillich ist daz demselben bettlcloster, so nicht aigen
gueter haben und darein sich solch person ergeben, von seinem guet ain almuesen
varender haab und nicht ligender gueter gegeben werde.
Die gastgeben oder wiert bei denen frembd gesst sterben die sollen derselben
gesst geschäft oder ir guet wo si nicht geschäft gethon der oberigkhait anzaigen
und furbringen, daz soll alßdann nach laut des geschäfts der gestorben
nechstgesipten freund geraicht, oder wo die nicht sein, zu almuesen der armen
durch die oberigkhait geordent, [Bl. 187b] und wo der wiert daz nicht thät oder
ainicherlai guets
| Seite 427| gefärlich verhielt, der sol das
dreifaltig bezallen oder peindlich gestrafft werden.
Die brueder und schwester so von vatter und mueter geschwisterigt sein, die
werden den so von dem vatter allain oder von der mueter allain geschwisteriget
sein in allen erblichen güetern, si khumen von wemb si wöllen furgesezt. wo aber
der erbfall khumbt zwischen geschwisterigeten die ains thails von dem vater und
ainsthails von der mueter geschwisteriget sein, darin wierdet aufsehen gehalten
woheer daz erblich guet khumbt, derselben seiten nach volgt die erbschaft.
Der vatter verleust nutz und gebrauch seines suns mueterlichen guets nicht ob er
wider heirat, dieweil derselb sun noch unvogtbar ist. aber daz guet soll [Bl.
188a] demselben sun und nicht dem so aus der
| Seite 428|
anderen chonschaft geboren behalten und dem sun zu seinen vogtbaren jaren
uberantwort werden. ob im aber die mueter solch ir guet sein lebenlang vergünt und
verschriben hat, so mag er also dabei beleiben.
So ain enikhl ain guet von seiner mueter ererbt und stirbt und verlässt nicht
absteigent noch beseit näher erben sonder allain den eeen von dem vatter und ain
een von der mueter, so wierdet in dem fall der een von der mueter, dieweil daz
guet von ir herkhumbt, dem vätterlichen eeen furgesezt.
So ainer abgeet und verlässt gueter die er von vatter und mueter nicht ererbt, so
fellt dasselb guet zum ersten erblich auf seine khind, wo er die nit hat auf seine
geschwistriget so von [Bl. 188b] vatter und mueter sein geschwisteriget
| Seite 429| sein und ire khind, wo die auch nicht sein, alßdann auf
seine geschwisteriget von ainer seiten, wo die auch nicht wären, alßdann fellt die
erbschaft auf vatter und mueter, so noch in leben sein.
Welcher erb alles seines vorfaren des erb er ist verlassen guet durch beiwesen
erberer glaubhaftiger personen ain wissentlichen inventari aufricht, der ist des
abgestorbnen glaubinger und den so im geschäft ainicherlai zuegestellt ist nicht
mer, dann soweit und vil sich das erbguet [Bl. 189a] erstreckht, schuldig zu
bezallen. wo aber khain inventari gemacht wierdet, ist der erb die
| Seite 430| glaubinger und geschäftman umb all ir anvorderung, und ob
dieselben vil uber das erblich guet raichen, phlichtig von dem seinen benuegig zu
machen und den abgang zu erstatten.
Ob ainer den inventari in gericht wider den waisen furzubringen begert, soll im
allain der articl des der clager begert, sovil in recht oder zu erkhantnus der
sachen genueg ist, ausgezogen und nicht der ganz inventari furbracht werden. dann
es ist dem waisen zu zeiten nachthaillig, das die haimblichait oder vermugen
seiner haab und guet den widerwertigen geoffenbart wierdet.
Ain iede witib soll ain inventari ires mannß gelassen guet von stund an nach
seinem abgang durch recht geschickht leut [Bl. 189b] machen, oder das guet
| Seite 431| mit vleis versperren und verpetschaden lassen biß zu
erforderung und zuekhunft der erben und sich fur sich selbst darein nicht
schlahen, will si uneer und nachtail an irem heiratgemächt und khunftigen
zuefallenden erbschaft entfliehen. doch soll der wittib was mittler zeit zu
zimblicher narung gebürt vergünt werden.
Item, bisherr ist gebraucht, wann ain man stirbt und zwischen ime und seiner
hausfrawen khain ausgetruckht mainung in der heirat der varenden haab halben
aufgericht ist, so hat die fraw die varend haab gar genumen, si haben khind mit
ainander gehabt oder nicht, das dem armen adl hoch verderblich ist. dann des adls
claider und clainat die si etwo lange zeit zu eeren gebraucht khumen in fremb
hend,
| Seite 432| so die wittib wider heirat. und wie sollen die
schulden bezallt werden, so die waisen villeicht nichts merers als die frucht und
[Bl. 190a] varend haab wissen? und hat mancher armer ritterßman mer an
varenden dann ligenden guetern damit er sein haußwiertschaft eerlich underhalten.
darumb soll nun furan ainer wittib nit meer varent haab dann sovil ainem khind
gebüren wierdet zuesteen und treulich zwischen inen gethailt werden, es werde dann
mit namen in der heirat anderst abgeredt oder durch den sterbenden in geschäft
verlassen. verlässt der sterbent aber nicht khind, so mag si dem alten landsprauch
nach steen, es sei dann durch den gestorbnen in gemächt oder geschäftweis anderst
verlassen.
In der varenden haab wierdet nicht
| Seite 433| gerait phand noch
satzbrief noch geltschuld, item reitroß harnisch püchsen bulfer armbrust schwert
degen, es sei beschlagen oder nicht, und allerlai weer so zu der ritterschaft und
behuetung der gschlösser gehören.
Wo aber ain fraw ainem mann der auch aigen varent haab hat ainicherlai varenden
haab zuebringt, die mag derselben irer haab ain inventari machen und denselben den
man lassen underschreiben oder anderer gstalt mit wissen
| Seite 434| des manns becrefftigen, oder wo si daz ungefärlich underlies
und zu zeiten des falls solch ir varent hab nach dem fall ervordern und nemen. wo
si aber der khains thät und vermenget ir haab mit des, so wierdet geacht der man
sei heer der varenden haab aller und hat die fraw nicht davon als ir guet
auszusondern, ausserhalb des so oben gemellt oder ir vermacht oder verschafft ist.
[Bl. 191ͣ]
Dreierlai gerhaben sein: die ersten, so ain ieder seinen khinden in seinem lezten
willen und geschäft gerhaben und geen allen anderen gerhaben vor.
| Seite 435| wo die nicht wären, sein die anderen des nechstgesipten freund
und sonderlich, die er des eingesezten erben nechst gesipten und der erbschaft von
ime gewartent wären, wo er ôn geschäft abgieng, und haissen eelich gerhaben. die
dritten so von der oberigkhait gegeben werden wo die anderen nicht sein, die
haissen gegeben gerhaben. und die all haben ir underschiedlich recht, wie hernach
volgt.
Gerhabschaft ist ain handlung aines gueten [Bl. 191b] glaubens. darumb soll
ain ieder gerhab fürsichtig und aines gerechten gemuͦets sein, damit er darin
nicht mißhandl, ob er schand und schäden entfliehen will.
Die gerhabschaft ist ain gemain offen ambt darzue ain ieder ambtman gedrungen
werden mag durch die
| Seite 436| oberigkhait, er hab dann
rechtmässig ursach darumb er sich derselben entschlahen mag. ob sich aber ainer
derselben anzunemen setzet, mag in der landmarschalch von oberigkhait wegen darzue
halten.
Den unsinnigen thoren stumben und die ewig krankhait haben und iren guetern nicht
ob sein mugen und sonderlich den guet verschwendern so den tobsüchtigen
zuegeleicht, denselben sollen sorger und trager von der oberigkhait gegeben
werden, damit ir guet mit maß ainer erberkhait gehandelt und nicht mit schanden
und schaden auch verderben mißbraucht werde. dann es ist [Bl. 192a] ain
notturft des gemainen nutz, das die underthonen vermügig des guets sein und
dasselb nicht ubel handlen.
| Seite 437|
Weer in unseren ämbtern oder gemaines nutz handlung ist der hat entschuldigung
der gerhabschaft. ob er aber aine angenumen het, all dieweil er darinnen von
unseren und gemaines nutz wegen bekhumert ist dardurch er dem waisen und
gerhabschaft nicht warten möcht, soll ime ain sorger zuegestellt werden. derselb
soll auch dieselb zeit sein handlung und nicht der abwesent verantworten biß der
gerhab unsers ambts oder gemaines nutz bevelch gemuesigt wierdet. und wo der erst
die gerhabschaft oder sorg nicht wider annemen wollt, soll ine die oberigkhait
darzue halten. [Bl. 192b]
| Seite 438|
Die armen die der purd der gerhabschaft nicht gemäß, die krankhen die iren aigen
sachen nicht warten mügen, auch die uber sibenzig jar sein, die unverständigen die
iren aigen notturften nicht ordnen khunen sein der gerhabschaft ausgeredt.
Khain gerhab soll seinem waisen ôn wissen und bewilligung der nechsten freund zu
der ee nemen noch seinem sun oder enikhl manßstamen vermäheln. wo er aber der
gerhabschaft entledigt und genuegsam raitung davon gethon, hat er wol fueg selbst
oder sein sun dem waisen, so er den freien willen erlangt, zu verheiraten.
Ob der eelichen gerhaben irrung werden möcht welche gerhaben sein, daz soll an
den landmarschalch und
| Seite 439| beisitzer bracht werden, den
in disem vall fursehung zu thuen gebürt, damit si aus denselben allen nach [Bl.
193a] gelegenhait der waisen und guets gerhaben erwelen die der gerhabschaft
nutzlich vorsein mügen, und inen bevelhen die sachen treulich zu handlen.
Wiewol die recht die khinder der gerhabschaft endledigen, die knaben zu
vierzehen, die maidlein mit zwölfen als zu iren fruchtbern jaren, und nachmalen
den waisentrager oder sorger zueordnen, so ist doch unser will von meniger
handlung wegen die oft den khinden und irem guet nachthailig ist zu vermeiden, daz
sich die gerhabschaft der knaben mit achtzehen jaren und der maidlein mit
vierzehen jaren, so si zu der heirat geschikht sein, nach disem
| Seite 440| landßrechten und nicht vor enden sollen. aber guet ists, das
sich demnach meniclich enthalt und mit den knaben vor vierundzwainzig jaren und ôn
zuegeben und wissen der oberigkhait khainerlai merkhlich gewerb kheuf satz noch
dergleichen ander [Bl. 193b] handlung denselben jungen zu nachtail machen,
wöllen si khunftig unrat vermeiden und daz ime nicht zuegemessen werde, der jung
sei durch dieselben betrogen worden.
Die gerhaben sollen sich der gerhabschaft nicht understeen, si haben dann zuvor
aller gueter so der waiß hat glaubwirdig inventari aufgericht, dardurch si
dieselben zu seiner zeit ordenlich anzaigen und verraiten mugen.
Die, so der erbschaft gewarten wollen,
| Seite 441| sollen auch
die purden der gerhabschaft bei verlierung derselben irer erbschaft auf sich
nemen, wo si darzue teuglich sein.
Der waiß so under den gerhaben ist mag sein nutz und guet bessern ôn des gerhaben
wissen und gwalt, aber nicht schmelern. darumb soll mit den waisen khain handlung
ôn mittl der gerhaben gethon, dardurch niemandt deßhalben in schaden gefuert
werde. [Bl. 194a]
Ob ain gerhab mit seinem waisen in recht zu handlen hat, soll er die sprüch der
oberigkhait furlegen. und soverr die oberigkhait befindt, das des gerhaben
notturft und sonderlich seinen merkhlichen schaden zu verhueten ervordert daz
recht gegen dem waisen anzunemen, soll dem waisen ain sorger oder trager zu
verantwortung desselben rechtens von der oberigkhait zuegestellt werden, und
| Seite 442| nimbt desselben sorgers oder tragers handlung ent zu
ausgang und volziehung des rechten.
Ob der geordent gerhab mit krankhait beladen oder sonst merkhlicher notturft
halben des waisen sachen nicht beisein mag, demselben gerhaben soll von der
oberigkhait ain sorger oder trager dem waisen sein sachen zu handlen und davon
bschaid zu thuen zuegestellt werden. [Bl. 194b]
Wann ain dritter aus bevelch aines gerhaben des waisen sachen handelt, derselb
drit ist dem gerhaben aus ursachen des bevelchs und dem waisen aus ursachen der
handlung umb dieselb ursach und handlung zu antworten schuldig.