<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader xml:lang="de">
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Windsheim Newe Aufgerichte Ordnung Satzung und Statrechte</title>
        <author>
          <persName ref="https://d-nb.info/gnd/118697358">
            <forename>Johann</forename>
            <surname>Greffinger</surname>
          </persName>
        </author>
        <editor>
          <persName>
            <forename/>
            <surname>Hünefeld</surname>
          </persName>
        </editor>
        <respStmt>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/104652299X">
            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>: </persName>
          <resp when="2018">Digitale Version</resp>
          <resp when="2022">Revision</resp>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/104652299X">
            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>
          </persName>
        </publisher>
        <authority corresp="marcrelator:his">
          <orgName corresp="https://digital-humanities.uni-graz.at" ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Institut für Digitale
            Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor corresp="marcrelator:rps">
          <orgName ref="https://gams.uni-graz.at">GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset
            Management System</orgName>
        </distributor>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative Commons BY-NC
            4.0</licence>
        </availability>
        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
        <idno type="PID">o:repat.1521-windsheimref</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
          digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen
          Neuzeit von Heino Speer</title>
        <respStmt>
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Heino</forename>
            <surname>Speer</surname>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <author>
            <persName ref="https://d-nb.info/gnd/118697358">
              <forename>Johann</forename>
              <surname>Greffinger</surname>
            </persName>
          </author>
          <editor corresp="marcrelator:edt"> (Hrsg. <persName>
              <forename/>
              <surname>Hünefeld</surname>
            </persName>) </editor>
          <title>1521 Windsheim Newe Aufgerichte Ordnung Satzung und Statrechte.</title> (<publisher/>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Windsheim</pubPlace>
          <date when="1974">1974</date>) </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <editorialDecl>

        <p>Grundlage des elektronischen Textes ist die Ausgabe von Prof. Hünefeld (Windsheim 1974).
          Es ist allerdings aus urheberrechtlichen Gründen nur die Transkription der
          Stadtrechtreformation publiziert; die Einführung (10 Seiten), die Erläuterungen von
          Hünefeld im Text und die 20 Seiten Sachregister und Glossar sind nur in der gedruckten
          Edition nachzulesen. Exemplare der Druckausgabe sind noch <ref target="http://bad-windsheim.de/">hier</ref> erhältlich.</p>
      </editorialDecl>
      <schemaRef url="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd"/>
      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
          Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="de">Deutsch</language>
        <language ident="la">Latein</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <list>
            <item>
              <term>
                <ref target="info:fedora/context:repat.quellen" type="context">Quellen</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.windsheim" type="context">Windsheim (Reichsstadt)</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
              <term>
                <date type="dcterms:temporal" when="1521">1521</date>
              </term>
            </item>
          </list>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text xml:lang="de">
    <front>
      <divGen type="toc"/>
    </front>
    <body>
      <div xml:id="NA.0">
        <head>Windsheim Newe Aufgerichte Ordnung Satzung und Statrechte 1521 (ed. Hünefeld)</head>
        <div xml:id="NA.Titel">
          <head>[WindsheimRef. Titel]</head>
          <p>Gemainer Stat <placeName>Windsheim</placeName> Newe Aufgerichte Ordnung Satzung und
            Statrechte</p>
          <p>Zusammengetragen durch <persName>Johann Greffingern</persName> Stat Schreibern, de dato
              <date when="1521-05-27">27. Maii, Anno 1521</date>. </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.Vorrede">
          <head>[WindsheimRef. Vorrede]</head>
          <p> Den erbern, fürsichtigen und weisen Herren <name type="person">Niclas
              Santzenbachen</name>, Bürgermaistern, <persName>Conraden Haiden</persName>,
              <persName>Johann Grossern</persName> und <persName>Michel Bernpecken</persName>, alten
            Bürgermaistern, <persName>Jobsten Remblin</persName>, <persName>Veit
              Gleissenbergern</persName>, <persName>Jas Simon</persName>, <persName>Jorg
              Königspergern</persName>, <persName>Sebastian Hagelstein</persName>, <persName>Conrat
              Hemerß Hemern</persName>, <persName>Hans Pflugmachern</persName>, <persName>Jorgen
              Widman</persName> und <persName>Kilian Mulichen</persName>, des inneren und eltern
            Rats des Hailigen Römischen Reichs Stat <placeName>Windßheim</placeName>, meinen
            gebietenden und günstigen Herren, entbeut ich, <persName>Johann Grefinger</persName> von
              <placeName>Swaben</placeName> des <placeName>Bayerischen</placeName> Hawß,
              <placeName>Freisinger Bistombs</placeName>, ewr erbern fürsichtigen Weyßhait williger
            Diener und Statschreiber, mein gar schuldig Gehorsam mit undertenigen Verpflichten und
            allzeit willigen Dinsten stets zuvor, gebietende und günstige Herren. </p>

          <p> Ain yder Undertan und Diener ist seiner Obrigkait und Herschaft aus pillicher
            Verpflichtung getrewe Dinstberkait, Hilf und Müglichait mit höchstem Fleiß ze laisten
              <pb
              n="19"/> und zu erzaigen schuldig. Deß hab ich mich (fürwar one Rum ze melden und
            anzezaigen) gegen meinen Herschaften, denen ich bißher mit Dinsten verpflicht pin, ye
            und alwegen beflissen [<hi
              rend="it">und</hi>] pin gesint, dweil die Vernuft mein
            Regirerin und Laiterin ist, [<hi
              rend="it">auch</hi>] ewr erbern f. Weißhait [<hi
              rend="it">getreue Dienstbarkeit</hi>] zu erzaigen und [<hi
              rend="it">habe</hi>] ytzo
            zu Erschainung meins Anzaigens und Erbietens, auf ewr f. W. Gesinnen dise nachfolgend
            Ordnung und Satzung (dises gegenwurtigen Werk und Buchlins mit Beystand und Hilf Gottes
              [<hi
              rend="it">des</hi>] Almechtigen, der aller guten Geschichten ain Anfang, Mitel
            und End ist, auch mit Rat und Zuschub etlicher Gelerten) über ewre Gerichts- und ander
            gmain Gebreuch vergriffen und gar aus vil zesamengeleßnen Stücken und scheinenden,
            wolglesenden Spiegelen, wie ain Junkfrau, die ir zum Tantz aus vil schönen Blomen ainen
            Krantz berait und ain Gesicht, wie ir derselb anstet, entpfecht, nach meinem höchsten
            Fleis und pessten Verstentnus (die aber gleichwol klain, schwach und dermaß gestalt ist,
            wie <persName>Persius</persName> in ainem seinem Spruch meldet, also lautende: "Ich
            bekenn mich, das meine Leffzen den Bronnen der Kunst nie berührt, noch mein Gmüt und
            Verstentnus in dem Gebirg der Weißhait nie geruet hat) ainen Schein und Widerglast
            darvongenomen, gezogen, geschmidet und an den Tag geboren, darmit ainem yden ewrer
            erbern f. Weißhait Undertan und nit heut ainem das, dem andern morgen jens, sondern
            gleiche Wag und Maß in seinen rechtlichen oder streflichen Übungen erdeiche und
            widerfare. Hab auch gleichwol darmit mir als ainem Hungrigen und Durstigen in schneller
            Eyl ain Brotspeis und Getränk gepacken, gekocht und berait und ainen Scheinspiegel
            angehengt, wölchs ich ewrer erbern fürsichtigen Weißhait hie mit diser meiner Schrift
            aufopfre und übersende, mit gehorsamen und dinstlichen Fleis bitende, das gutwilliglich
            und unverschmecht anzunemen. Was das Aug meiner Verstentnus darinnen nit gnugsamlich
            durchplickt oder ainichs Mißformigs eingeseet hat, das wolle e. f. W. als die
            Verstendigen außreuten [<hi
              rend="it">und</hi>] mich desselben ze tun gunstlich und
            gutwillig underrichten. [<hi rend="it">Dann</hi>] wil ich auf ir Verpessern, solchs in
            pessern Stand und Form ze ziehen und ze pringen, kainen Fleis sparen, tu mich derselben
            ewr erbern f. Weißhait hiemit (der Got der Almechtig zu Regirung irer Gmaind, darmit sy
            die in ain ordenlich, stanthaft Wesen pringen, vil guter Zeit mit langwiriger Gesunthait
            und glücklichen Val mitzetailen geruche) immerwerender williger Dinstberkait erbieten
            und gantz underwürfig machen. </p>
          <p>Datum am Montag nach Sonntag der Hailigen Driveltigkait den sibenundzwaintzigisten Tag
            Maii, als man zelt nach der Geburt Cristy des ainigen Wesens der Driveltigkait im
            fünfzehenhundert und ainundzwaintzigisten Jar. 27 Maii Anno Christi 1521. </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.Register">
          <head>[WindsheimRef. Register] Tailung und Register [Abdruck der Titelüberschriften ohne
            Rubriken, die im Text erscheinen.]</head>
          <p>Dise Reformacion und gemainer Stat <placeName>Windßheim</placeName> Statrecht, Ordnung
            und Gesetze ist underschiden in fünf underschiden Tail, und hat ydlicher Tail seine
            sondere Titel und ain yder Titl seine sondere Rubriken, wie dann in hernachvolgendem
            Register zum kürtzten wirdet anzaigt. Es hat auch ain yde Rubric ir sonder Artikel, von
            denen in disem Register kain Meldung geschieht. Darumben sind der Rubriken wenig und
            kurtz, und nachvolgends erkleren di Artikel lauterer, dann die Rubric anzaigt. </p>
          <p>
            <list type="simple">
              <item>Der erst Tail diser Reformacion sagt, wie in gemainem bürgerlichen
                Gerichtsprozeß sey ze handelen und hat zwelf Titel.</item>
              <item> Der erst Titl des ersten Tails sagt von Fürbot und Ladung.</item>
              <item> Der ander Titl des ersten Tails sagt von Anwelden und irn Gewelden in
                gemain.</item>
              <item> Der dritt Titl des ersten Tails sagt von den Clegern, Clagen und Ungehorsam der
                Antworter.</item>
              <item> Der viert Titl des ersten Tails sagt von den Antwortern und der Cleger
                Ungehorsam, auch wie von beden Parteyen bis zu der Beweisung mit der
                Kriegsverfachung und Gegenrechten gehandelt werden sol.</item>
              <item> Der fünft Titel des ersten Tails sagt von den Beweisung und Zeugen, wie
                darinnen und darmit ze handeln sey.</item>
              <item> Der sechst Titl des ersten Tails sagt von Beschliessung und entlichem
                Rechtsatz. </item>
              <item> Der sibent Titl des ersten Tails sagt von den Urtailen.</item>
              <item> Der acht Titl des ersten Tails sagt von Vermutungen.</item>
              <item> Der newnt Titl des ersten Tails sagt von der Taxacion.</item>
              <item> Der zehend Titl des ersten Tails sagt vom Appelliren.</item>
              <item> Der aylft Titl des ersten Tails sagt von Execucion und Hilf erlangter Urtailen,
                Vollung und Bekanntnus.</item>
              <item> Der zwelft Titl des ersten Tails sagt vom Vorgang der Schultherrn.</item>
            </list>
            <list type="simple">
              <item> Der ander Tail diser Reformacion sagt von gemainen Contracten und hat newn
                Titl.</item>
              <item> Der erst Titl sagt von Pfandtschaften, genannt "<hi rend="it">De
                  pignoribus</hi>".</item>
              <item> Der ander Titl des andern Tails sagt von allerley Verpflichtung und
                Bürgschaften.</item>
              <item> Der dritt Titl des andern Tails sagt vom Kaufen und Verkaufen.</item>
              <item> Der viert Titl des andern Tails sagt vom Verleihen und Besteen, genannt "<hi rend="it">De locato und conducto</hi>".</item>
              <item> Der fünft Titl des andern Tails sagt von Entleihen menigerley Hab, genannt "<hi rend="it">Acto modatum</hi>".</item>
              <item> Der sechst Titl des andern Tails sagt von dem Hinleihen, das man zu Latein "<hi rend="it">precarium</hi>" nennt.</item>
              <pb n="21"/>

              <item> Der sibent Titl des andern Tails sagt vom Hinleihen varender Hab, das man zu
                Latein "<hi rend="it">mutuum</hi>" und teutsch "Wechselen" nennt, das ist Barschaft,
                Getraid, Wein und dergleichen.</item>

              <item> Der acht Titl des andern Tails sagt von Erbestentnus, Bezalung der Gulten, das
                man "<hi rend="it">Emphiteosis</hi>" pflegt ze nennen.</item>
              <item>Der newnt Titl des andern Tails sagt vom Erlegen zu getreus Handen, "<hi rend="it">Depositum</hi>" genennt.</item>
            </list>
            <list type="simple">
              <item> Der dritt Tail diser Reformacion sagt von Heuraten und Vormundschaften und hat
                vier Titl. </item>
              <item> Der erst Titl des dritten Tails sagt von Heuraten.</item>
              <item> Der ander Titl des dritten Tails sagt von Niessung der Eeleut Hab und Bezalung
                der Schulden.</item>
              <item> Der drit Titl des dritten Tails sagt von Erbschaft der Eeleut, ains vorn
                andern.</item>
              <item> Der viert Titl des dritten Tails: Von Pfleg und Vormundschaften.</item>
            </list>
            <list type="simple">
              <item> Der viert Tail dies Buechs tut sagen von Begabung, Testamenten und andern
                natürlichen Erbschaften, auch Tailung und Vergleichung derselben und hat fünf
                Titl.</item>
              <item> Der erst Titl des virten Tails sagt von Begabung und Testamenten.</item>
              <item> Der ander Titl des vierten Tails sagt von allerley gemainen natürlichen
                Erbschaften.</item>
              <item> Der dritt Titel des vierten Tails sagt von ledigen Kinden, wie die
                erben.</item>
              <item> Der viert Titl des virdten Tails sagt von Erbschaften der Eekinder.</item>
              <item> Der fünft Titl des vierten Tails sagt von Vergleichen und Tailen der
                Erbschaft.</item>
            </list>
            <list type="simple">
              <item> Der fünft und letzt Tail diser Reformacion sagt von Schme, Iniurien und andern
                gefügten Scheden, bürgerlicher fridlicher Wonung der Gebew und Undergengen; hat fünf
                Titl.</item>
              <item> Der erst Titl sagt von Schme, Iniurien und andern gefügten Scheden.</item>
              <item> Der ander Titl des fünften Tails sagt von bürgerlicher fridlicher Wonung und
                Straf der Gegenhandler.</item>
              <item> Der dritt Titl des fünften Tails sagt von den Gebewen.</item>
              <item> Der viert Titl des fünften Tails sagt von den Undergengen.</item>
              <item> Der fünft und letzt Titl des fünften Tails sagt, wie man gemainer Stat Straßen
                und Pflaster rain und sauber halten sol.</item>
            </list>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.Ratsvorrede">
          <head>[WindsheimRef. Vorrede des Rates:]</head>
          <p>
            <persName>Plato</persName>, weiland ain Liecht der Gelerten und Verstendigen, hat ainen
            seinen Spruch, (der dann von der Muter der Cristenlichen Kirchen ist angenomen und
            eingeschriben) ausgegossen, dise Maynung verlautende: "Wölche gemainen Nutz treulich
            maynen, fürdern, hanthaben und verwalten, dieselben erlangen gewißlich ain zugeordnete
            Stat in ewigen Freiden, die sy mit dem ewigen Got in ewiger Glory imer zu geniessen
            haben." </p>

          <p>Dweil aber der gemain Nutz, wie dann die alten Hochweisen und Verstendigen in iren
            Buechern, die sy von dem gemainen Nutz ertacht und gemacht haben, an vil Orten anzaigen
            und zu versten geben, nit pas dann von guten wolgemessen und gegründten Ordnungen,
            Statuten und Satzungen, (die da sein ain Fundament <pb
              n="22"/> und Aufenthaltung der
            Stete und gmains Nutzs, an die auch kain Versamblung besteen und in Wesen bleiben mag)
            Anfang und Entschaft erraichen mag, haben wir Bürgermaister und Rate des Hailigen Reichs
            Stat <placeName>Windßheim</placeName>, die uns mit iren Gerichten, Zwengen und Penen,
            von weyland dem allerdurchlauchtigisten Fürsten und Herrn Römischen Kaisern und Königen
            hochlöblichsten Gedechtnussen, und jüngst von dem Allerdurchleuchtigisten und
            großmechtigisten Fürsten und Herrn, Herrn <persName>Carlen</persName> dem Fünften,
            erwelten Römischen Kayser, zu allen Zeiten Merer des Reichs, in
              <placeName>Germanien</placeName>, <placeName>Hispanien</placeName>,
              <placeName>Neapolis</placeName>, beder <placeName>Sicilien</placeName> und
              <placeName>Jerusalem</placeName> Königs, Ertzherzogs zu
              <placeName>Österreich</placeName>, Herzogs zu <placeName>Burgundi</placeName>, Herrens
            in <placeName>Asia</placeName> und <placeName>Africa</placeName>, unserm
            allergnedigisten Herren und zuvorab von Got dem Almechtigen, von dem aller Gwalt und
            Regirung herfleusst, zu regiren gnediglich verliehen und bevolchen ist, mit höchstem
            Fleis, emsiger Vorbetrachtung, auch mit gutem Vorrate der Hochgelerten und
            Rechtverstendigen, Got dem Almechtigen ze Lob und Er, zu Fürdrung, Hanthabung und
            Verwaltung gemains Nutzs, auch Aufnemung und Merung egemelter des Hailigen Reichs und
            unserer Stat <placeName>Windßheim</placeName>, derselben Bürgerschaft, Undertanen und
            Verwonten, daruf alle unsere Vortrachtung und Fürsorg stet, dise nachgeende Ordnung und
            Satzung aus Craft gemains Rechtens Römischer Kaiserlicher und Königlicher Majestet,
            Freihaiten und Oberkaiten unsres Regiments, "<hi rend="it">jus magistratus</hi>"
            genennt, für unser Statrecht, Gesetz, Ordnung und Polucey geordent, gesetzt und, umb
            Vermeidung willen des blöden, vergessenlichen Gemüts, das auch unsere in disen oder
            pessern Fuesstapfen bleiben mügen, in dise Schrift lassen vervassen. Und darmit [wir]
            bey den Satzungen gemainer geschriben Rechten und guten Gewonhaiten, sovil sich des nach
            Herkomen und Gelegenhait der Hendel und Fell wil und mag erlaiden, bliben, ordnen,
            setzen und wollen [wir], das die, all und yde, samet und sonderlich, in unser Stat und
            bey allen unsern Undertanen und Verwonten gehalten, vollzogen und nach gemainer unser
            Stat gewondlichem teutschem Gezüng verstanden, ausgelegt und aufgenomen werde. </p>
          <p>Wo aber darinne ainiche Irrung oder zwifacher Verstand einfiele, so wollen wir lautern
            Entschid und darüber Erklerung ze tun zu aller Zeit Macht haben, behalten uns auch
            hierinnen ordenlich bevor, solch Statuta, Ordnung und Gesetze zu yder Zeit ze meren, ze
            mindern, zu endern, wie und als oft die Notturft erfordert. Dann der Kristenlich Kaiser
            und Rechtsetzer <persName>Justinianus</persName> spricht: "Der menschlich Stand erzaig
            sich in steter Verenderung also, das alle Handlung, Übung und Gebreuch aller Stet und
            Wesens durch das Alter und der Zeit Verrückung entpfache, derhalben dann das menschlich
            Wesen gar oft und dick bey alten Gesetzen und Ordnungen nit bleiblich noch bestendig
            sein mag, wo es nit mit Newen gepessert, verendert, ersetzt und fürsehen würde. Darumben
            mügen nit allain die Statuta, Gesetz und Ordnung der Stat,sondern auch die gemainen
            geschriben Recht alwegen und zu yder Zeit in gleichem Inhalt nit gehalten werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.1">
          <head>[WindsheimRef. I: Prozeßrecht] Der erst Tail diß Buechs sagt, wie in gemainem
            bürgerlichen Gerichtsprozeß sey ze handelen und hat zwelf Titl.</head>
          <div xml:id="NA.1.1">
            <head>[WindsheimRef. I 1:] Der erst Titl des ersten Tails sagt von Fürbot und
              Ladung.</head>

            <p>Wiewol dises Buechlin in vier wesenlich Stück und Tail und darnach yder Tail in
              sondere Titl gesetzt und getailt, ist nach dem Spruch des hochberühmbten römischen
              Redners <persName>Marci Tullii Ciceronis</persName> not ze wissen, was doch das sey,
              das da anzaigt, bemelt oder fürgetragen ist, ehe darvon verrer Red und Gesprech
              einwachse. Demnach wirdet in diser Reformacion yder Titel (vor und ehe zum End
              desselben gewandelt wirdet), was er haißt und sein Natur sey, angezaigt. So dann yetzo
              von Fürboten und Ladungen, "<hi rend="it">citacio</hi>" zu Latein genennt, die dann
              ain Eingang und Gruntvest aller Rechtvertigung ist, Meldung geschicht, wirdet das als
              ain Anfang, was es sey, bemeldet und ist ain Erforderung oder Berufung in Gericht deß,
              von dem sich ymants beclagt und dieselben Clagstück vor dem Richter fürlegt. Und wie
              die geschechen sollen, volgt hernach. </p>
            <div xml:id="NA.1.1.1">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 1:] Wie man unseren Burgeren, Inwonern und Verwonten,
                so mit unserer Statmauer verfangen und Anhaims sind, fürbieten sol.</head>

              <p>Ein yeder Bürger, Bürgerin, Inwoner oder ander Gerichtzverwonter, auch Außlender,
                der nit Gastgerichts begert, der gegen ainem anderem unserem Burgeren, Undertan oder
                Aidpflichtigen, der anhaim und mit unserer Statmauren begriffen, Rechts nottürftig
                ist, der sol und mag demselben durch ainen unsern geschworen Statknecht auf ainen
                benennten Tag, daran man Gericht helt, für dasselb Gericht, oder, wo die Sachen vom
                Gericht für uns ainen Rate gewisen were, für Rate lassen vordern und fürbieten. Und
                wo er auf das erste Fürbot nit erschine, sol er ime zum anderen, erschin er aber
                nit, zum dritten Mal fürbieten lassen und handelen, wie hernach in disem Tail under
                dem dritten Titel under der <ref target="#NA.1.3.5">Rubriken</ref> "Wie der Cleger
                vor Gericht handelen und begeren sol etc.", am dritten und vierdten Artikel verrer
                angezaigt wirdet. Erscheint aber der Antworter des erst, ander oder dritt Gericht,
                so sol die Clag und Antwort verhört und darnach, wie in ytzt bemeltem Titel under
                deme ersten und andern Artikel verleibt ist, gehandelt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.2">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 2:] Wie die Fürbot am Bawrengericht geschehen
                sollen.</head>

              <p>Wirdet ymants gegen ainem unserm oder der unsern Undersassen und Aidspflichtigen uf
                dem Lande ausserhalben unsrer Statmauren Rechts nottürftig, der sol demselben wie
                ainem unserm Bürger nach Laut vorberürter Rubriken lassen fürbieten. Und er erschein
                oder nit, sol es gehalten werden, wie hernach in disem ersten Tail under dem dritten
                Titel und under der <ref target="#NA.1.3.5">Rubriken</ref> "Wie der Cleger vor
                Gericht handelen und begeren sol etc." am dritten und virten Artikel verrer anzaigt
                wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.3">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 3:] Wie man Burgeren und Inwonern zu Gastgericht
                fürbieten sol.</head>
              <p>Het ymants Frömbder oder Außwendiger zu ainem unserm Undertan, Bürger, Bürgerin,
                Inwoner oder Verwonten, mit unserer Statmauern verfangen, Spruch und Vordrung, dero
                er ausserhalb Rechtens mit gütlichen Ervorderen nit erlangen mocht, der mag
                denselben seinen Gegentail auf Zulassung und Vergonnung unsers Bürgermaisters zu
                Gastgericht auf ainen nemblichen und benennten Tag lassen fürbieten. Der sol alßdann
                (wo ime anderst die Fürvordrung under Augen gescheen ist, auf die benennt Zeit, die
                ime der Statknecht und Fürbieter aigentlich, wo, wann, und von weßwegen er
                erscheinen, ansagen sol) one alle Ausflucht zum ersten Fürbote zu Recht fürkomen,
                sein Antwort und Gegenwör dartun, und sol alßdann uf beder Parteien Fürtrag ergeen,
                sovil und recht ist. </p>

              <p> Würde aber der, der also zu Gastgericht fürgevordert ist, sich eusserlich machen
                und nit erscheinen, den Gerichtzwang und Fürbot verachten, und sich der Cleger
                solcher Ungehorsam würde beclagen, sol kain Fürbot mer erkennt, sonder gegen dem
                Ungehorsamen, seinen Haben und Gütern verholfen werden, wie hernach der <ref target="#NA.1.11">aylft Titel in disem ersten Tail</ref> "Von der Execucion und
                Hilf erlangter Urtailen, Vollung und Bekanntnussen" im Anfang mit etlichen
                nachgeenden Artikelen angezaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.4">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 4:] Von den, die sich in Fürbietung vor dem Putlstab
                verpergen.</head>
              <p>Wo sich ain Bürger oder ain ander unser Gerichtzverwonter in gerichtlichen
                Fürboten, es sey im Anfang, Mitel oder Ende des Rechtens, dergleichen in
                Pfandvordrung oder Execucion und Hilf der Urtailen, in unserem Gerichts- und
                Butelstab vergriffen, geverlicher Weis verbürg oder verhielt, also das er nit wol ze
                treffen und vermutlich were, dem Cleger oder seinem Gläubiger geverlich darmit
                vorzegeen, so sol derselb an den Enden seiner Wohnung und Behausung, wo er die hete,
                und darzu bey den Nachtbern und Kundigen daselbst durch den Fürbieter und
                Gerichtzknecht mit Fleis gesucht werden und erstlich ze fragen nach seiner Person,
                wo sy sey, und wo die nit angezaigt noch uf Anzaigung nit mocht getroffen werden, so
                sol alßdann der Fürbieter dem Nachtbern oder Kundigen die Sachen seins Fürbots, es
                sey Ladung, Pfandvordung oder was ime in gerichtlicher Ordnung bevolchen were,
                entdecken und sagen mit Anzaigung und Bestimbung desselben, auch die Zeit der
                Erscheinung, wie, wo oder wann er erscheinen sol, auch von was wegen di Ladung
                geschehen und ausgebracht sey. </p>
              <p>Würde er dann auf benennte Zil und Zeit nit erscheinen (und der Gerichtzknecht <pb n="25"/> und Fürgebieter bey seinem Aid bereden, das er solchs getreulich und mit
                Fleis gehandelt hete), so sol gegen ime und seinen Haben und Güeteren als gegen
                ainem Ungehorsamen und, wie hernach in disem ersten Tail under dem dritten Titel
                "Von der Ungehorsam der Antworter ... etc." im Anfang mit etlichen nachgeenden
                Artikeln angezaigt wirdet, geholfen werden. </p>
              <p>Erschin aber der Antworter hernach und were ainicher Proceß wider ine als ainen
                Ungehorsamen ergangen und mocht mit seinem Rechten, das ime nach Gstalt der Sachen
                in Gericht aufgelegt wurde, betawern oder sunsten darbringen, das vermutlich und
                fürsehenlich, ime were das Fürbot oder Verkundung nit gescheen, so sol alßdann der
                ergangen Proceß auf Erkanntnus abgestellt und der Antworter zu seiner Gegenwör
                gelassen werden. </p>
              <p>Were aber die Execucion und Volziehung vor der Partey Erscheinung entlich gescheen
                und ergangen, so sol es bey demselben bleiben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.5">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 5:] Wie denjenen, so abwesenlich sein, sol fürgeboten
                werden.</head>
              <p>Wo ain Bürger, Gast oder ymants ander zu ainem unsern Bürger, Inwoner oder
                Gerichtzverwonten in der Stat oder uf dem Lande Vordrung hete umb Sachen, darinnen
                wir aus Obrigkait ze richten haben, und derselb Gerichtzverwont nit anhaims, noch in
                seiner gewondlichen Behausung und Herberg durch ainen verordenten Statknecht nit
                gefunden wurde, sol alßdann derselb Statknecht und Fürbieter seiner Hausfrau,
                verstendigen Kinden oder Ehalten, wo er die hete, das Fürbote oder seinen Bevelch
                mit Bestimbung der Zeit, wann und wo, auch von weswegen er erscheinen sol, ansagen
                und lauter one ainich Umbstand entdecken und eigentlich merken, was ime von
                denselben zu Antwort oder Entschuldigung geben worden sey, dieselb Antwort oder
                Entschuldigung uf das Gericht oder vor uns in Rate, wann er darumben gefragt wirdet,
                bey seiner Pflicht wiß anzezaigen, darmit wir am Rate oder die Urtailer am Gericht
                haben zu vermuten und zu erkennen, ob von dem, so fürgeboten ist, sey Erscheinens
                künftigs Fürgebots, oder aber Ungehorsam und Abwesenhait zu fürsehen und
                gegenwertig. Wann und wie demselben fürtter zu verkünden ist, sol dem Cleger Beschid
                gegeben werden. </p>

              <p>Und so derselb also zu Haws und zu Howe ersuecht und, wie obstet, rechtlich
                fürgevordert ist, persondlich oder ymants von seinetwegen mit Gwalt nit erscheint,
                alßdann ist der Fürgevordert dem Cleger vor- oder rechtsflüchtig geacht, sol demnach
                Clegeren ain andere Citacion erkennt, darzu zu Verhelfung Trost geben werden,
                unangesehen des Beclagten Ungehorsam, und alßdann ain öffentliche Citacion und
                Ladung mit Bestimbung ains entlichen und geraumten Rechtstages "<hi rend="it">peremptorie</hi>" gestellt, an die Wag offenlich angeschlagen und an die Ende, do
                er anzaigt wirdet, durch den geschwornen Statboten oder Gerichtsknecht uf des
                Clegers Costen gesent und verkunt werden, welche Citacion nach Gstalt der Sachen uf
                nachvolgend Maynung lauten sol: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.6">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 6:] Forma der Citacion.</head>

              <p>Wir Bürgermaister und Rate des Hailigen Reichs Stat Windßheim entbieten N., unserm
                Bürger (vel Undersassen oder Verwonten etc.) unsern Grus zuvor und <pb
                  n="26"/>
                füegen dir zu vernemen, da N., dein Gläubiger, uf heut dato vor uns in Gericht (vel
                Rate) zu dir und deinen Haben und Güeteren clagt umb N. Gulden, die du ime für N. ze
                tun und schuldig seiest mit Anzaigung, wie er dich ufs unsres Bürgermaisters
                Vergönnen durch die geschworn Gerichtsknecht merermal zu Haws und Howe hab suechen
                und gerichtlich fürfordern lassen, aber doch dein Person nie betreten mügen, mit
                demütiger Bite, ime gegen dir, deinen Haben und Güeteren Gerichtzhilf mitzeteilen.
                Dweil dann denjenen, so Rechts begeren, dasselb von irer edlen Hilf und Würkung
                willen nit zu versagen, sonder demselben mit Nachvolg, Execucion und Hilf zu
                erschliessen gebürlich ist, darumben haischen, laden und vordern wir dich hier mit
                disem unserem offen Prief, aus unsres Magistrats und richterlichen Ampts Obrigkait
                ernstlich gebietende, das du uf den 14 Tag nach dato dies Priefs verlaufende, das
                wirdet auf N. Tag, dero wir dir 15 für den ersten, 15 für den andern und 15 für den
                dritten, letzten und entlichen Rechtstag "<hi
                  rend="it">peremptorie</hi>" setzen und
                benennen, durch dich selbst oder deinen volmechtigen Anwald zu früer Rats- oder
                Gerichtszeit allhie vor uns uf unserm Rathaus erscheinest, gedachtem deinem
                Gläubiger zu seiner Clag antworten und rechtens mit allen Terminen bis zu entlicher
                Urtail gewarten wöllest. Wo du aber, oder ymants von deinenwegen nit erscheinen
                würdest, [<hi rend="it">soll gegen dich</hi>] als ain Ungehorsamer, Vor- und
                Rechtsflüchtiger erkennt und uf verrer Anrufen deiner Widerpartey gegen dir und
                deinen Haben und Güeteren geholfen werden, wie sich gebürt. Darnach hab dich ze
                richten, dann deiner Widerpartey anzaigter Rechtstag dermaß auch verkunt ist. Datum
                under unserm zurück aufgedrücktem Secretinsigel uf etc. </p>
              <p>Wo aber dem man also fürvordern wil, an dem Ende, do er anzaigt wirdet, nit
                getroffen und funden würde, sol solche Citacion an der Wag under dem Rathaws oder,
                ob uns gefellt, zu ainem Überflus an der Stat Toren und Pforten angeschlagen, durch
                ainen geschwornen Statknecht vor dem Tor under den Schrenken beruft, und wie
                vorlaut, uf wölchen Tag, zu wölcher Zeit, wo und von weßwegen er erscheinen sol,
                benennt und verkunt werden. </p>
              <p> Erscheint er alßdann oder ymants von seinetwegen mit Gwalt, sol uf beder Fürtrag
                gescheen, sovil und Recht ist. Würde er aber ausbleiben, oder niemant von
                seinetwegen erscheinen, so sol alßdann wider ine, sein Hab und Güter gehandelt und
                procedirt werden als ainem Ungehorsamen oder Rechtsflüchtigen, wie hernach in disem
                Tail im dritten Titel "Von den Clegern, Clagen und Ungehorsam" am virdten Artikel
                und dann im ailften Titel dies Tails "Von der Execucion und Hilf" anzaigt wirdet. </p>
              <p> Tete aber er oder ymants von seinetwegen mit Gwalt erscheinen und der Sachen nit
                bis zu Ende außwarten, so sol verrer der Vollung, Pfandvordrung und aller
                rechtlichen Nachvolg halben ainich persondlich Verkündung außerhalb seiner
                gewondlichen Behausung oder Herberg, in unser Obrigkait begriffen, und außerhalb der
                Wag, wie vorstet, ze tun nit not noch schuldig sein, und dem Cleger uf sein
                Ansuechen verholfen werden, als wer er nit erschinen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.7">

              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 7:] Wie denjenen fürzebieten sey, die unserm
                Gerichtzwang durch Verwürkung "<hi rend="it">racione delicti</hi>" verpflicht
                werden.</head>

              <p> Würde ymants Ußwendiger in unser Stat und Obrigkaiten an uns oder den unsern oder
                auch frömbden, ußlendigen Sachen begeen, darumben er sich auf frischer Tat
                verpflichtet und globet, dieselben Handlung vor uns gerichtlich auszefüren, so sol
                demselben an die Ende, do er haussessig ist und in sein Behausung <pb n="27"/> zu
                aigner Hant, oder aber in Abwesen seiner Hawsfrawen, verstendigen Kinden oder
                Ehalten, wo er die hete, oder, wo er nit aigen Haws noch Wonung hete, zu seiner
                Herberg ain schriftliche Ladung mit dreyen inhaltenden Gerichtstegen durch den
                geschworn Statboten oder Knecht, darzu verordent, gesent werden ungeverlich uf
                nachvolgend Maynung: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.8">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 8:] Forma der Ladung</head>

              <p> Wir Bürgermaister und Rate des Hailigen Reichs Stat Windßheim entbieten dir N.
                unsern Grus zuvor. Nachdem du dich verschiner Zeit allhie in unser Stat mit N. in
                Widerwillen begeben hast und mit ime zu aufrüriger Handlung komen pist, darinne du
                ine, als er sich beclagt, iniurirt und seinen guten Leymut verletzt, (vel) mit
                tätlicher Handlung und gewaffender Hant beschedigt, darumben du auf frischem Fueß
                solch Handlung vor uns gerichtlich auszefüren gelobt und dich darmit diß Vals unserm
                Gerichtzwang, wie dann pillich gescheen ist, underwürfig gemacht hast, demnach und
                incraft unsres richterlichen Ampts und deiner Verpflichtung haischen, laden und
                vordern wir dich, das du auf den 21 Tag nach dato diser Schrift, das wirdet uf N.
                Tag, dero wir dir siben für den ersten, 7 für den andern und siben für den dritten,
                letzten und entlichen Rechttag "<hi rend="it">peremptorie</hi>" setzen und benennen,
                vor uns uf unserm Rathaus zu früer Rats- (vel) Gerichtzeit erscheinst, deiner
                Widerparthey Rechtens gewarten und außerhalb unsres Wissens und verrers Beschids nit
                abziehen wollest. Wo du das nit tetest, würden wir dein Herschaft mit Anzaig deiner
                Glübd und Verpflichtung darumben unersucht nit lassen. Darnach wiß dich ze richten.
                Dann solcher Rechttag deiner Widerparthey dermaßen auch verkunt ist. Datum etc. </p>
              <p> Erscheint der Fürgevordert alßdann, sol Clag und Antwort, soverr nit rechtmeßig
                  <hi rend="it">Excepciones</hi> dargebracht wurden, verfangen, der Krieg contestirt
                und alßdann verrer daruf gehandelt und procedirt werden, sovil und recht ist. </p>
              <p> Würde aber der Fürgehaischen noch ymant von seinetwegen mit gnugsamen Gwalt nit
                erscheinen, so sol des Ungehorsamen Richter und Herschaft mit Anzaigung des Handels
                und Entdeckung der Ungehorsame darumben schriftlich ersuecht werden, den
                Ungehorsamen nach laut seiner Verpflichtung für unser Gericht ze weisen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.9">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 9:] Wie denen fürzebieten oder Verkundung ze tun sey,
                die auf Gütern, so in unsern Oberkaiten ligen und vor uns zu verrechtvertigen
                gebüren, Interesse haben oder ze haben vermainen.</head>

              <p> Würde sich ymants, er were Bürger, Inwoner, Gast oder ander Verwonter, anmaßen, uf
                ligende oder varende Hab und Gueter ze clagen, zu den oder darauf ander auch, sy
                seien uns gerichtber oder nit, Interesse oder Gerechtigkait heten oder ze haben
                vermainten, sol der Cleger mit seiner Clag gehört, aber ime doch nit geholfen,
                sonder der Beschid geben werden, diejenen, so auch allda Interesse haben oder ze
                haben vermainen und die Sachen berührte, zuvor von des gemainen unverrechten Guts
                Costen zu verkünden. Alßdann sol ain offne gemaine Verkündung und Ladung "<hi rend="it">peremptorie</hi>" gestellt, denselben, Interesse habend, durch den
                geschwornen Statboten oder Gerichtsknecht zu Haws und ze Howe zugesent und darmit
                verkünt werden, ob sy wollen Errettung ze tun, wie ungeverlich nachvolgend Forma
                ausweist: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.10">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 10:] Forma der Verkündung</head>
              <p>
                <pb
                  n="28"/> Wir Bürgermaister und Rate des Hailigen Reichs Stat Windßheim entbieten
                N. und N. und allen andern, so zu weyland N. unsers Bürgers seligen verlassen Hab
                und Güter Spruch, Vordrung und Interesse ze haben vermainen, unsern Grus zuvor und
                füegen euch, allen und yden, sametlich und sonderlich, mit disem unserem offen Prief
                zu vernemen, das uf heut dato vor uns in Gericht erschinen ist N., zaigte clagßweis
                an, er were vorbemelts unsers Bürgers N. seligen verlaßner Hab und Gut negster
                natürlicher und vehiger Erb mit Bite, ime dieselb Hab zu tradiren, überzegeben und
                uß richterlichem Ampt einzeantworten. Dweil wir aber Bericht entpfachen, das ir
                euch, all und yder, in sonder in anzaigter Habe zu schlahen willens und Miterben ze
                sein oder Interesse da ze haben vermainte, haben wir ime solchs diser Zeit gewegert
                und ainen andern Gerichts- und Erscheintag uf negstkomend N. angesetzt. Demnach und
                in sonder, dweil wir ungern ymants von demjenen, darzu er Fueg, Glimpf und
                Gerechtigkait hat, dringen wollten, sonder aller Hilf genaigt sind, verkünden wir
                als der Sachen ordenlich Richter euch allen und yden in sonder ainen Rechtstag uf
                den 14 Tag nach Dato diser Schrift, das wirdet auf N., dero wir euch 15 für den
                ersten, 15 für den andern, 15 für den dritten und letzten Rechtstag "<hi
                  rend="it">peremptorie</hi>", also, das ir uf angezaigten Gerichtstag durch euch selbst oder
                volmechtig Anwelde zu früer Ratszeit allhie vor uns uf unserm Rathaus erscheinet,
                allda gemelte Hab und Gut (ob ir wollet) gerichtlich verfechtet. Würdet ir aber nit
                erscheinen, würden wir nichtsweniger auf der gehorsamen erscheinenden Parthey
                Anrufen und Begeren ergeen lassen, sovil und recht wirdet, darzu mit Tradirung,
                Übergebung oder Einantwortung der Hab nach Gstalt der Sachen gemes halten.[<hi
                  rend="it">Das</hi>] wollten wir euch guter Maynung und im pessten, euch darnach
                wissen ze richten, nit verhalten; dann solcher Tag ewrer Wider- und der clagenden
                Parthey dermaß auch verkünt ist. Wir wollen auch, das euch solch unser Ladung oder
                glaubwirdig Abschrift, darvon also in offen edictsweiß verkündet, gleicherweiß, als
                ob euch di zu eur aigen Person under Augen verkündet were, binden sol. Darnach [<hi rend="it">wiß dich zu richten</hi>]. Datum under unserm zurück aufgedrücktem
                Siegel. </p>
              <p> Dergleichen Form sol auch aine an der Wag under dem Rathaus angeschlagen, darzu
                durch den Gerichtsknecht proclamirt werden. </p>
              <p> Sol auch hinach auf Erscheinung und Vertretung oder Außbleibung der Parteyen
                gehandelt und procedirt werden, wie hievor von den Erscheinenden und hernach von den
                Ungehorsamen und Verhelfungen verrer Meldung geschieht. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.11">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 11:] Wenn, zu wölcher Zeit und wie die Fürbot
                geschehen sollen.</head>
              <p> Alle Fürbot, Ladung und Verkündung sollen zu rechter, gewondlicher Tagzeit, nit zu
                nachts nach dem Ausschlachen sonder den Bürgern und Gerichtsverwonten guter Zeit
                darvor, zu Haws und zu Hove, und fürnemblich das erst Fürbot müntlich under Augen
                geschehen, es were dann, das sich ainer geverlich enteusserte und vorm Fürbote
                verschluege, so were es zu Haws und zu Hove oder zu gewondlicher Herberg und Wonung
                genug. </p>

              <p> Item, sy sollen an den Werktagen und kainem gepotnen Feiertag, dann nach der
                Vesper, auch an kainer geweihten Stat, noch dweil man zu Gericht und Rat sitzt, die
                Gerichtstür noch nit aufgetan, und wir noch vom Rate nit aufgestanden noch abgangen
                sein, gescheen. <pb n="29"/>
              </p>
              <p> Aber unser der Bürgermaister, Zinßherren, Pfender, Rueger oder ander Amptsherren,
                die von unser und gemainer Stat Nutz und Notturft fürfordern, dieselben Fürbot
                sollen zu aller Zeit, es sey Werk- oder Feyertag, Tag oder Nacht; wie die geschehen,
                Craft und vollige Macht und die den Widersitzen darumben, wie unser Statpfandbuch
                und hernach auch zum Tail anzaigt wirdet, ze straffen haben. </p>
              <p> Solche Fürbot, auch alle und yde, sollen warlich angesagt und ehe dem Statknecht
                mit seiner Pflicht, dann dem fürgeboten ist, glaubt werden, es würde dann anderßt
                darwider anzaigt und bewisen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.1.12">
              <head>[WindsheimRef. I 1 Rubrik 12:] Wem und wölchen Personen nit fürgeboten werden
                sol.</head>
              <p> [1] Item unseren Bürgermaistern, die ye zu Zeiten sein und die Bürde und das
                Magistrat tragen, sol, dweil sy das Ambt tragen, umb kainer Sachen fürgeboten
                werden. </p>
              <p>[2] Dergleichen den Personen, die zuer Ee gegriffen und iren Kirchgang heten, auch
                iren Vater, Muter, Swester und Bruder zuer Zeit des Kirchgangs und der Hochzeit, bis
                die nach unser Stat Gebrauch geendet wirdet. </p>
              <p>[3] Dergleichen sol auch kainem fürgeboten werden, dem Vater, Muter oder sein
                eelicher Genos mit Tod ist abgangen und verfallen, bis nach dem Sibenden. </p>
              <p>[4] Auch sollen die Personen mit Fürbot verschont werden, die mit swerer Krankhait
                beladen sein, bis sy wider vermüglich werden, es were dann Sach, das die Krankhait
                lang weret, so mag der Cleger seinen Spruch vor uns dartun; wollen wir nach Gstalt
                der Sachen Beschid geben und Hilf tun. </p>
              <p>[5] Item allen denjenen, als die Minderjerig, Stumen, Sinnlos und dergleichen, die
                mit Vormünden fürsehen sein, sol kaineswegs, sonder allain den Vormündern fürgeboten
                werden. Wo aber die nit Vormund heten, wollen wir inen die uf Ansuechen und Piten
                setzen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.2">
            <head>[WindsheimRef. I 2 Titel:] Der ander Titel des ersten Tails: Von den Anwelden und
              iren Gewelden in gemain.</head>
            <div xml:id="NA.1.2.1">
              <head>[WindsheimRef. I 2 Rubrik 1:] Von dem Ampt der Gewalthaber, auch wenn und wie sy
                in Gericht zugelassen werden.</head>

              <p> Gwalthaber oder Anwald haist und ist der, der von Gebot oder Lieb wegen seines
                Herren oder guten Frundts ain oder mer Sachen ze clagen oder zu verantworten und
                also auszefüeren an sich nimpt. Darumben, so ainer aine oder mer Sachen auf- oder
                annimpt, alßdann ist sein Ampt vonnöten und darumben geordent und gesetzt, das er
                nit absten mög, sonder er sol gezwungen werden, der Sachen bis zu Ende auszewarten.
                Doch mag der Gwalthaber oder Anwald (soverr das sein Bevelch und Gwalt in sich
                beschleusst), ainen oder mer ander an seine Stat mit volkomen Gwalt substituiren und
                nachsetzen. Und wann er den Krieg in <pb n="30"/> Recht verfangen und bevestigt hat,
                so ist er nach Sag gemeiner geschribner Recht ain Herr des Kriegs und mag nimer
                abgestellt werden bis zum Endurtailen, es werden dann redlich Ursachen vor Augen. </p>
              <p> Darumben sol nach Bevestigung des Kriegs zu allen Termineyen und Gerichtztagen der
                Anwald und Procurator oder Gwalthaber, und nit der Principal fürgevordert werden. </p>

              <p> Es sol auch kain Person, die frömbd oder unserm Gerichtzwang nit underworfen ist,
                in Gericht ze clagen, ze vordern oder Antwort ze tun nit zugelassen werden, sy hab
                dann ainen gnugsamen Gwalt, wie dann hernach in negstvolgender <ref
                  target="#NA.1.2.2">Rubriken</ref> "Von den gnugsamen und glaubwirdigen Gewelden"
                angezaigt wirdet. In gleichem Vall sol auch kain Gerichtzverwonter on gnugsamen
                Gwalt für ander Person ze clagen oder ze antwurten zugelassen werden, es were dann,
                das sich ymants von ainer gesipten Person wegen, die ime bis in den dritten Grad
                gesipt und zugehörig were, solchs underfinge. Der möcht und sol zugelassen werden,
                wo er Caucion und Sicherhait tete, von dem Principal gnugsamen Gwalt <hi rend="it">cum ratificacione</hi> gehandelter Sachen ze pringen. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Tutores</hi> und <hi
                  rend="it">Curatores</hi> mügen von der wegen, der
                Vormund und Pfleger oder Träger sy seind, als Procuratores und Anwelde inner- und
                ausserhalb Gerichts erscheinen, clagen und antworten bis zu End der Sachen. Doch
                sollen und mügen sy in irer Vormünder und Versorgkinder Sachen vor Bevestigung des
                Kriegs kainen anderen <hi rend="it">Procuratorem</hi> oder Anwald setzen. </p>

              <p> Wo sy aber der Sachen bis zu End nit gewarten, mügen sy mit unser Erkanntnus, wo
                die Kinder abwesenlich und unredbar weren, nach der Kriegsbevestigung wol <hi rend="it">Actores</hi> und Handler setzen. Weren aber die Kind gewachsen, redbar
                und gegenwurtig, die mügen vor Bevestigung des Kriegs mit Verwilligung irer
                Vormünder Procuratores setzen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.2.2">
              <head>[WindsheimRef. I 2 Rubrik 2:] Welche Gwelde für glaubhaft und genugsam
                angenommen werden.</head>
              <p> Ain yder Gwalt, deß sich ainer vor uns inner- oder ausserhalb Rechtvertigung hat
                willens zu gebrauchen, der sol mit ordenlicher Zier, wie die Recht setzen,
                verfertigt, nemblich mit Bestimung der Sachen und Parteien ausgedrückt und der
                Fürsten, Prelaten, Graven, Herren, Stat-, gebannter Gericht oder anderer zwaier oder
                mer erberer Lewt kundigen Insigelen oder ains oder mer glaubwirdiger Notarien offen
                Instrument bezirt sein und eingelegt werden. </p>
              <p> Wolt aber die clagend Partey vor oder nach Bevestigung des Kriegs, dergleichen der
                Antworter ainen oder mer Gwalthaber und Anwelde stellen, das mügen dieselben Person
                vor uns dem Rate oder Gericht, oder zum wenigsten vor zwayen unser des Rats tun, irn
                Gwalt also mit Bestimung der Sachen und Parteyen, und was der Gwalthaber ze tun
                Macht haben sol, aufgeben und durch den geschwornen Statschreiber in das
                Gerichtzbuech lassen einleiben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.2.3">
              <head>[WindsheimRef. I 2 Rubrik 3:] Wann und aus was Ursachen sich die Anwaldschaft
                endet.</head>

              <p> Wann der Cleger oder Antworter ire Gwalthaber oder Anweld, sy inner- oder
                ausserhalb Gericht zu vertreten, ze clagen oder ze beschirmen, gesetzt haben, mügen
                sy die albegen und zu yder Zeit, vor und ehe der Krieg in Recht verfangen wirdet,
                widerumb abvordern und den Gwalt wider zu iren Handen nemen. <pb n="31"/>
              </p>
              <p> Alßdann nach solcher Abvordrung sol der Anwald in derselben Sachen, ime wurde die
                nachmals widerumben bevolchen, nit mer gehört noch angenomen werden. Dergleichen sol
                sich die Anwaldschaft enden, wann der Anwald aus redlichen gegründten Ursachen, die
                wir gegründt erkennen kunnten, nach der Kriegsbevestigung abgevordert und der
                Principal selbs eintreten und handelen würde. </p>
              <p> Die Anwaldschaft endet sich auch, ob und wo der Anwald ain Zeitlang, oder zu
                benennten Sachen oder Tagen gestellt were, wann dieselb Zeit aus und vergangen, die
                benennt Sachen gütlich oder rechtlich entschiden ist, oder der oder die Tag gelaisst
                sein. </p>
              <p> Item, wann der Principal oder Anwald ir ainer Tods verfallen und abgangen, so were
                die Anwaldschaft auch aus und verloschen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.2.4">
              <head>[WindsheimRef. I 2 Rubrik 4:] Wer nit Gwalthaber oder Anwald sein mög.</head>

              <p> Dweil durch die gemainen geschriben Recht lauter außgedrückt ist, das sich die
                Geweihten layischer Hendel sollen entschlachen, darumben wollen wir vor unserm Rat,
                Stat- oder Bawrengericht kainen Priester, Cleriken noch Ordensman zu Gwalthaber,
                layisch Hendel auszefüren, nit annemen noch zulassen, ausgenomen in zwayen Fellen,
                zum ersten, ihre aigne Person oder Güter, zum andern, ire Kirchen und Pfründen
                betreffende; also, wo ymants an denselben Gütern auch Tail hat und zu Irrung
                wuechsen, möchte der Tailhaber dem Priester oder Cleriken seinen Gwalt wol
                übergeben, doch mit der Beschaidenhait, wie hievor anzaigt wirdet, <ref target="#NA.1.2.2">Welche Gwelde für glaubhaft und gnugsam angenommen
                  werden"</ref>. </p>
              <p> Item, kain Frawenpild sol vor unserm Rat oder Gerichten zu dem Ampt der
                Anwaldschaft gelassen werden, dann in etlichen Fellen, als wo aine die Sach,
                darumben sy die Anwaldschaft von ymants anneme, sy auch berürte. Item auch von irer
                Vater oder Muter wegen, die Blödighait halben selbs nit handelen konnten, noch ander
                Anwald ze setzen nit vermochten. </p>
              <p> Item, es werden auch vor uns und unsern Gerichten von dem Ampt der Anwaldschaft
                getrieben die Tauben, die Blinden, die Unsinnigen, die Minderjerigen und die nit mit
                gnugsamen Gwalt fürsehen sein etc. Item all diejenen, als die Minderjerigen, Stumen,
                Sinnlosen und dergleichen, die mit Vormunden fürsehen sein. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.3">
            <head>[WindsheimRef. I 3 Titel:] Der dritt Titel des ersten Tails: Von den Clegeren,
              Clagen und Ungehorsam der Antworter.</head>
            <div xml:id="NA.1.3.1">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 1:] Was ain Cleger sey, auch wer in Gericht clagen müg
                oder nit.</head>

              <p> [1] Cleger ist ain Person, die da in Gericht gegen ainem andern handelt und umb
                was anspricht. Dieweil aber nach gemainer Regel ainem yden erlaubt ist ze clagen, es
                werde ime dann aus sondern Fellen abgestelt und verboten, so ordnen, setzen und
                wollen wir: Wo sich ymants vor uns, dem Rate oder den Gerichten ze clagen anmasste
                und in den ytzt nachbemelten Fellen ainem stünde, das derselb uf Anzaigung und
                Anregung des Beclagten ze clagen, noch Vordrung und Anspruch ze haben, nit
                zugelassen werden sol. <pb n="32"/>
              </p>
              <p> [2] Erstlich, die offenlich in Acht und Pann denuncirt und verkunt, noch nit
                darvon noch daraus geledigt noch absolvirt, auch diejenen, die unser Stat umb ir
                Mißhandlung, an uns und den unsern begangen, verwisen worden sind. </p>
              <p>[3] Item die Minderjerigen one ire Vormünder, als ain Knab under vierzehn Jarn und
                ain Medlin under zwelf Jarn. </p>

              <p> [4] Item die Ausflüchtigen und Trinnigen, so sich unser Stat und Oberkait one
                unser Wissen und Willen enteussert heten, darzu die Geudigen und Verschwender irer
                Güter, <hi
                  rend="it">prodigi</hi> zu Latein, die mit <hi
                  rend="it">Curatores</hi>
                fürsehen sind und sunst alle, die im Rechten ausserhalb <hi
                  rend="it">Tutores</hi>
                und <hi rend="it">Curatores</hi> nit steen mügen. </p>
              <p> [5] Item, wölcher dem Rechten ungehorsam gewesen und derhalben umb Cost und andres
                vertailt ist, der sol zu clagen nit gelassen werden, so lang und vil, bis er die
                Ungehorsame, auch dem Beclagten Cost und Scheden, der Ungehorsam halb erliten,
                widerlegt, bezalt und abgetragen hat. </p>
              <p> [6] Item diejenen, die sich des Zuspruchs, darumben sy clagen wollten, verzigen
                und begeben heten, oder die Sachen durch Tranßaction oder Compromiß verfasst und
                zuer Gütlichait angenomen oder hievor durch Rechtspruch, die in ir Craft gangen
                weren, entschiden. </p>
              <p> [7] Item, wölche zu verboten Zeiten, als nach Öffnung und Endung des Gerichts,
                Aufsteung unser vom Rat oder andern unbequemen Zeiten und Orten clagen wolten, die
                sollen uf dasselb Mal bis zum negsten Gericht nit zugelassen werden. </p>
              <p> [8] Item ain Ordensman one Erlaubnis und Gwalt seins Obern. </p>
              <p> [9] Item, dweil nach gemainer Rede niemant sol verpfent zu Recht stan, wollen wir,
                wo ymants ainem andern was geweltig vorbehielt, das sich dann also erschainte und
                darnach umb oder von derselben wegen Clag fürnemen und anfahen wolte, das derselb
                gweltig Inhelter ze clagen nit Fueg hab solang, bis er den Gegentail des gweltigen
                Vorhaltens wider eingesetzt hab. </p>
              <p> [10] Ar-[<hi rend="it">tikel</hi>] Item, Vater, Muter, Kinder und Eeleut sollen
                aus verpflichter Lieb und Treu gegenainander in Gericht nit Clag fürnemen. Wo sich
                aber begebe, das das Kind gegen seinen Eltern, die Hausfrau gegen iren Eman und
                herwiderumb die Eltern gegen iren Kindern oder der Haußman gegen seinen Gemahel,
                zeitlicher oder ander zuprachter Hab halben, ichts ze clagen heten, die sollen
                solchs zuvor, ehe sy ainiche Clag fürnemen, an unsern Bürgermaister lassen langen
                und umb Erlaubnis Fürpots und Gerichts piten. Wölche aber das nit teten, die sollen
                mit iren Clagen und Ansprüchen nit gehört werden. </p>
              <p> Und in sonder sollen solch Personen umb schmelich oder der Eren verletzend Hendel
                gegeneinander in Gericht nit clagen. Het aber ains also gegen den andern ainichen
                Mangel, das sol unserm Bürgermaister angezaigt und derselb darinnen zu entschaiden
                oder Beschid ze geben Gwalt haben, oder das an uns langen lassen. </p>
              <p> [11] Ar-[<hi
                  rend="it">tikel</hi>] Begeb sich auch, das frömbd Personen, aine oder
                mer, di unerkannt und in der Nehin bey uns nit ansessig weren, ymants der Unsern in
                Gericht beclagen wollten umb Hendel, die was namhaft und antrüffig sein, so sollen
                die oder derselb Cleger den Beclagten, (soverr sy das begeren) gnugsame Caucion und
                Sicherhait tun, das sy dieselben, die sy beclagen wollen, umb Costen, Scheden,
                Interesse und andere Nachtail, die sy durch das Beclagen erlaiden, soverr <pb n="33"/> sy mit Recht ledig erkannt wurden, entheben, dieselben Scheden erstatten und
                belegen. Wo sy aber das nit tun wollten noch konnten, sollen sy uf Anrufen des
                Gegentails zu der Clag ze füeren nit gelassen werden, es were dann Sach, das wir aus
                redlichen Ursachen ain anders erkennten. </p>

              <p>Sonsten sollen allen Personen und sonderlich denen, so es von Rechts wegen nit
                verboten wirdet, vor uns in Rate oder Gericht ze clagen, (soverr die Clagen gegrünt
                und bestendig weren, wie hernach <ref target="#NA.1.3.3">"Von den Clagen"</ref>
                angezaigt wirdet) stat geben und fleissig der Arm als der Reich gehört, sein Sach,
                wo die für uns ainen Rate wüechse, wo er mit andern Fürsprechen oder schriftlichen
                Libellen nit fürsehen ist, durch seinen von uns, dem Rate, verordenten Fürsprechen
                getreulichen fürgetragen und daruf nach Erkanntnus und Ermessung der Handlung
                gericht werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.2">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 2:] Das kain unser Verwonter den andern an auswendigen
                Gerichten sol beclagen noch antasten.</head>
              <p> Dieweil die Fürsichtigkait der geschriben Recht hoch beweget und gesetzt haben,
                das ain yder Cleger dem, den er zu beclagen vorhat, in sein ordenlich Gericht sol
                nachfaren und mit frömbden unordenlichen oder außlendischen Gerichten nit umbtreiben
                noch bekümeren, ordnen, setzen und gebieten wir allen und yden unsern Bürgeren,
                Aidßpflichtigen, Undertanen und Verwonten in der Stat und uf dem Lande, das kainer
                den andern mindert anderßwo, weder vor gaistlichen oder weltlichen, Hof-, Land- oder
                Statgerichten, nit fürforder, haische noch lade, angreif, antast noch umbtreibe,
                sonder wölcher zu dem andern ainich Vordrung und Spruch, warumben das were, hete,
                das er das gar an kainem andern Ort und Gericht tu dann vor unserm Stat- oder
                Bawrengericht oder vor unserm Rate anpringe und in erster Instanz auffüere. Wer oder
                wölcher aber darwider teten und ymants der unsren fürnemen, vordern oder laden tete
                an ainich ander Gericht, wo oder wie das Namen hete, ausserhalb unserer Stat
                Windßheim, der- oder dieselben sollen irs Bürgenrechts oder ander Gnaden und
                Freiheit, die sy von uns heten oder haben möchten, darzu die Recht und Gerechtigkait
                irs Spruchs und der Anfordrung gentzlich beraubt und entsetzt sein und zu demselben
                nimer komen, solang und vil, bis sy dem oder den Beclagten oder Belaidigten irer
                erlitnen Scheden, Expens und Interesse ain volkomene Vernügung und Außrichtung
                getan, darzu uns umb die Überfarung und Frevel ain Benügen gemacht haben. </p>
              <p> Solcher obemelter Artikel ist zu versteen, wann der Handel von Natur layisch und
                nit gaistlich ist und für uns gehört; were aber ain Handel gaistlich, oder die
                Unsern heten an andern Orten contrahirt oder gefrevelt, darumben sy dann vom selben
                Richter, oder aus desselben Gehais zu Recht und Ausfürung irer Sachen heten müssen
                anrüren, oder wo sy, die Unsern an andern Orten, in Steten oder andern Gerichten
                gelegen, umb Erbschaft, Rechtvertigung ze tun heten und dergleichen, so werden sy
                vom obgemelten Artikel entschuldigt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.3">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 3:] Von den Clagen und derselben Formirung.</head>

              <p> Clag wirdet gemainklich genennt ain Ding, das ainer rechtlich von seinem Widertail
                mit Bestimbung und Meldung desselben Dings begert. Nu, wiewol die gemainen
                geschriben Recht lauter und clar anzaigen, mit was Solemnitet und Zirlichait <pb
                  n="34"/> all und yde Clagen sollen vor dem Richter fürgebracht werden, diewil aber
                den schlechten gemainen, der Recht unwissenden Personen solch Fürsichtigkait und Zir
                verporgen ligen, und von den Widertailen vil <hi rend="it">Excepciones</hi>, lang
                untüglich Hendel wurtzelen und einfliessen, dardurch die Parteien in überflüssig
                unnutz Cost und Scheden gefürt wurden, ordnen, setzen und wollen wir: Wölche Clag
                müntlich oder schriftlich fürgebracht wirdet, die lauter außdrückt die Ursach
                solcher Clag oder die Hab, darnach geclagt wirdet und den Beschlus, das ist die Bit
                und Beger des Clegers Maynung, was zu Recht sol erkennt werden, das solchs für ain
                rechtmessig Clag sol gehalten und der Antworter mit seiner Excepcion, die er wider
                di Clag fürwenden wolt, nit gehört werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.4">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 4:] Forma ainer gemainen Clag.</head>
              <p> "Herr der Richter, ich clag und sprich zu dem A., der hat mir 10 Malter Korens umb
                10 Gulden verkauft, die hab ich ime also par bezalt, oder die pin ich ime nach laut
                der Abred des Kaufs zu bezalen urpütig. Aber vormelter A. wil mir solch mein gekauft
                Gut nit weren noch zustellen. Bit und Beger an eur Weißhait, ir wolt den ge-dachten
                A. mit ewrem rechtlichen Spruch dahin weisen und vermügen, das er mir mein erkauf
                Gut zustelle und Cost und Scheden, derhalben in und ausserhalb Gerichts erliten,
                belege und erstatt." </p>
              <p>Wo auch ain Cleger des erkauften Guts an der Nitwerung ainen Schaden erliten oder
                deß, wann die Werschaft geschehen were, ainen Nutz haben het mügen, möcht ainer
                denselben Schaden oder Manglung deß Nutzs mit einziehen und sein Peticion auch daruf
                stellen. Und solchs mag in allen andern Clagen, darinnen ainer mangelt ains Nutzs
                oder entpfecht Schaden, auch gescheeen, yedes nach Gstalt der Sachen. </p>

              <p>Wie aber die Clagen umb Iniurien oder Schmach formirt werden sollen, wirdet hernach
                in dem <ref target="#NA.1.4">virdten Tail under dem ersten Titel</ref> verleibt etc.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.5">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 5:] Wie der Cleger vor Gericht handelen und begeren
                sol.</head>

              <p> Dieweil nach Sag der Schrift vil pesser ist, das ainer vor der Zeit ainer Sachen
                fürkeme, dann nach der belaidigten Sachen Rat und Erzney ze suchen, so sol und mag
                ain yder, vor und ehe er in Recht oder Gericht eintritt, geschickter und
                verstendiger Lewt Rat haben, darmit er sein Clag (dweil auf dieselb der gantz
                Gerichtsprozeß ausget) dester schicklicher und ime zu fürtreglicherm Rechtspruch müg
                einpringen. Und wann er also geschickt und in Rechtvertigung vor unserm Stat- oder
                Bawrngericht mit Recht eintreten und clagen wil, mag er ainen Herrn des Gerichts zu
                Fürsprechen erfordern, seinem Gegentail, dem Antworter lassen ruefen. Ist er zugegen
                und wil Errettung tun oder Antwort geben, so soll der Cleger sein Clag in obgemelter
                Maß, wie verzaichent ist, kürzlich müntlich darlegen, dergleichen der Antworter sein
                Antwort und Gegenwör. Tet aber der Cleger sein Clag schriftlich einlegen und die was
                Tapferhait uf ir trüeg, solle die verlesen, dem Antworter Abschrift und die Sachen
                hinfüro für uns in den Rate gewisen werden. Ist aber die Clag müntlich dargebracht,
                  [<hi
                  rend="it">ist</hi>] der Krieg des Rechtens daruf verfangen und <hi rend="it">sumarie</hi> zum schlechtesten und kürtzten mit Reden und Widerreden bestriten
                oder auch Rechtsatz getan. </p>

              <p> Solchs sollen die zween Fürsprechen aigentlich vermerken, die Handlung für den
                sitzenden Richter und die andern Urtailer tragen, ir beder Notturft und Einpringen
                erzelen und, soverr die Sach nit umb Erb, Aigen oder Iniuri oder ander tapfer <pb
                  n="35"/> Handlung liefe, nach irer pessten Verstentnus diser unser Reformacion
                gemeß (wie sy dann von Got am Jüngsten Gericht auch verurtailt werden und sich mit
                iren Sprüchen demselben gestrengen Urtail nit in Ungnad verpflichten wollen)
                erkennen oder, soverr der Spruch Iniuri, Erb, Aigen, Undergeng und dergleichen
                antreffe oder was Tapferhait auf ime trüege, die Parteien durch ainen Beschid für
                uns in Rate weisen. Wie alßdann die Parteien nach gegeben Beschid handelen oder
                begeren sollen, ist in negstvolgender <ref target="#NA.1.3.6">Rubriken</ref> beym
                Anfang und durchaus angezaigt. </p>

              <p> Erscheint aber der Antworter und Fürgevordert nit oder wer doch zugegen und wolt
                nit antworten, mag ime der Cleger desselben Mals zum ersten Mal umb sein Ungehorsam
                in das Gerichtspuech lassen schreiben und zum andern Mal fürvordern. Erscheint er
                aber nit und tut kain Antwort, ist er ain Bürger (der antworten sol) oder in unser
                Stat anwesenlich, mag er ine zum ander Mal umb die Ungehorsam einschreiben und zum
                dritten Mal "<hi
                  rend="it">peremptorie</hi>" lassen fürvordern. Ist aber der
                Antwurter ainer usser unser Stat uf dem Lande und dem Bawrengericht verwont, sol er
                zum ersten Außbleiben umb die Ungehorsam eingeschrieben und zum andermal "<hi rend="it">peremptorie</hi>" fürgevordert werden und sol zu yder Ungehorsam 15
                Pfennige ze Pueß geben. </p>

              <p> Wann aber ain Bürger zum dritten Mal und ain Außlender zum andermal ungehorsam
                erscheinen, so sol und mag der Cleger seinen Spruch, darumben er ze clagen vorhat,
                darlegen und Vollung ze erkennen biten. Ist dann die Sach under oder bey zehen oder
                12 Gulden, soll dem Cleger Vollung erkennt und hernach geholfen werden, wie in disem
                  <ref target="#NA.3.11.1">Tail under dem aylften Titel in der ersten Rubric</ref>
                "Von Execucion und Hilf erlangter Urtailen, Vollung und Bekanntnus" gemelt wirdet.
                Wer aber der Clagspruch umb Erb, Aigen, Gründt, Undergang, Iniuri oder ander
                dergleichen Sachen und über zehen oder zwelf Gulden, sol der Cleger für uns ainen
                Rate gewisen und allda verrer Ladung und Citacion vergunnt und in der Handlung
                erkennt werden, so vil und recht ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.6">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 6:] Wie der Cleger vor uns dem Rate in Gerichtssachen
                handeln sol und mag.</head>

              <p> Wirdet dann ain oder mer Clag wie oblaut für uns in Rate gewisen, die Vollung uf
                ir trueg, die am Stat- oder Bawrngericht nit erkennt were, so sol unser
                Bürgermaister dem Cleger uf sein Ansuechen ainen Tag für uns ernennen, zudem der
                Cleger seiner Widerpartey, daruf er die Vollung zu er-langen vermaint, verkünden und
                durch den Gerichts- oder Statknecht ainen "<hi
                  rend="it">peremptorie</hi>" lassen
                für uns ainen Rat vordern, solch Vollung Erkanntnus ze hören oder, warumb das nit
                sein sol, Errettung und Ursach fürzepringen. Erscheint dann der Fürgevordert, sol uf
                ir beder Fürbringen, die dann, wie negst nachvolgender Artikel in sich beschleusst,
                handelen und fürbringen sollen, ergeen, sovil und Recht ist. Blib aber der
                Fürgevordert aus und wurde ungehorsam, sol abermals gehandelt werden, wie <ref target="#NA.1.3.7">negstvolgende Rubriken</ref> "Von der Ungehorsam der Antwurter"
                under sich beschleusst. </p>

              <p> Wer aber ain Sach, da Clag und Antwort erstlich am Gericht ergangen und von den
                Gerichtzherrn und Urtailern für uns gewisen were, was Sachen das betreffe, alßdann
                sol unser Bürgermaister der begerenden Partey auf ir Ansuechen gegen <pb
                  n="35"/>
                irer Widerpartey ainen Ratstag, zum schirsten und fürderlichisten es sein mag,
                ernennen und ansetzen, auch darumben Bevelch tun, das er seinen Widertail uf den
                benennten Tag für Rat laß beruefen und durch der geschwornen Knecht ainen
                fürvordern. Alßdann und auf denselben Tag sol und mag der Cleger den, so am Gericht
                sein Fürsprech gewest ist, wo aber derselb nit vorhanden were, ainen anderen von uns
                aus dem Rate vom Richter umb Erlaubnis piten, ime sein Clag und Notturft der Sachen
                bis zum Ende fürzetragen. Solchs sol ime umb Verhütung wegen unnutzs Costens gegonnt
                werden. Hete aber ainer ainen frömbden Redner und <hi rend="it">Procuratorem</hi>
                oder wolt sein Sachen selbst beschirmen oder fürtragen, das sol ime, darmit er nit
                vermain, ime möchte Nachtail seins Rechtens erwachsen, auch zugelassen werden. </p>
              <p> [Fürtrag seiner Clag verkürzt und ime die (soverr die Er, Leumut oder Tapferhait
                auf sich trueg) durch das müntlich Fürbringen durch Vergessenhait nit gnugsam
                eingebracht werden.)] </p>
              <p> Es mag auch ainer sein Sachen, sover die Eer oder ander Tapferhait uf ir trüege,
                schriftlich oder müntlich, wie ime am füeglichisten ist, dartun und fürbringen. Aber
                in mittelmessigen und klainsachigen Hendelen sol das schriftlich Darbringen umb
                costgebirender Außgab nit zugelassen, sonder allain müntlich procedirt werden, und
                in solchem, wo Span entsprünge, sol die Erkanntnus alwegen bey uns oder dem Gericht
                steen, wann das schriftlich Einpringen zuzelassen sey oder nit. Aber ainem yden
                wollen wir begünstigen, das er sein Clag, oder uf des Beclagten Antwort sein
                Gegenred, auch des Antworters Antwort und Einred mag durch unseren Statschreiber von
                Mund, wie das alles vor uns in Rate oder dem Gericht eingebracht wirdet, lassen
                beschreiben und zimlich Zug und Tag begeren, die ime dann nach Gelegenheit der
                Sachen und Swere des Handels ainen Tag, drey, vier, acht, 14, mer oder weniger,
                geben und zugelassen werden solle. </p>

              <p> Wir wollen auch dem Cleger incraft dits Artikels und Gesetz günstigklich
                zugelassen haben, sein Clag vor uns, dem Rate, ze meren, ze mindern, ze endern,
                abzetun oder von newen einzepringen, solang und vil, bis der Krieg des Rechtens vor
                uns dem Rate in Recht ist verfangen, unangesehen, ob der Krieg vor dem Gericht (von
                dem dann der Handel für uns gewisen ist), bevestigt were worden oder nit. Dann wir
                wollen dieselben Kriegsbevestigung vor Gericht gentzlich restindirt haben und
                dermassen achten, als wer der nie bevestent. Wo aber der Krieg vor uns im Rate
                contestirt und verfangen ist, sol die Endrung der Clag kain stat mer haben, es wolte
                dann der Cleger dem Antwurter allen aufgeloffnen Costen uf unser Messigung, wie
                hernach in disem <ref target="#NA.1.9">Tail under dem newnten Titel "Von der
                  Taxacion etc."</ref> verleibt wirdet, abtragen, die Sachen mit Fürbot und allen
                Grichtzhandlungen von newen anfachen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.3.7">
              <head>[WindsheimRef. I 3 Rubrik 7:] Von der Antworter Ungehorsam.</head>

              <p> Würde sich begeben, das ain Cleger seiner Widerpartei, die an dem Stat- oder
                Bawrngericht ungehorsam erschinen wer (die sich in dem Fürbote nit het wollen lassen
                betreffen, und die Ladung und Fürvordrung zum andern Mal am Bawrngericht und zum
                dritten Mal am Statgericht gescheen were, nach laut des ersten Titels in disem
                ersten Tail under der <ref
                  target="#NA.1.1.4">Rubriken</ref> "Von den, die sich in
                Fürbietung <pb
                  n="37"/> vor dem Bütelstab verpergen") uf Vergönnung unsres
                Bürgermaisters für uns den Rate het lassen fürvordern; ze Haws und ze Hove oder
                seiner gewondlichen Wonung und Herberg, auch inmassen, wie obemelte <ref
                  target="#NA.1.1.4">Rubrik</ref> "Von den, die sich in Fürbietung vor dem Bütelstab
                verbergen etc." in sich helt, het weder am Gericht noch vor uns kain Errettung tan
                noch Antwort geben und erschin also ungehorsame, so sollen und wollen wir alßdann
                dem Cleger auf Anzaigung oder Beweisung seiner Clag und Spruchs zum wenigisten mit
                seinem Aid auf Berufung des Beclagten nach Inhalt seins Spruchs oder der Clag, der
                Hawbtsach, auch der Gerichtscosten und Scheden ain Vollung erkennen und ertailen und
                nachmals gegen des Beclagten und Ungehorsamen Haben und Güeteren mit verrer
                Execucion und Zwang des Rechtens verhelfen, wie hernach in disem <ref
                  target="#NA.1.11">ersten Tail under dem aylften</ref> und <ref target="#NA.1.12">zwelften Titel</ref> "Von der Execucion und Angrif" gemeld wirdet. </p>

              <p> Doch ob vor gantzer Volziehung, entlicher Execucion und Volstreckung solcher
                Vollung und Rechtens der Beclagt und Verantworter sein Aussenbleiben und
                Verhinderung aus rechter ehafter Not möcht beweisen, anzaigen und fürbringen, doch
                zum wenigisten mit seinem Aid, wie recht ist, so sol er auf Fürvordrung des Clegers
                zu seiner rechtlichen Gegenwör der Hawbtsach zugelassen und die mit Recht ausgefürt
                werden und ime darauf die erlangt Vollung, mitsambt der gerichtlichen Nachvolg
                darvor gescheen, unschedlich sein. Doch sol er dem Cleger seinen Costen, Saumsale
                und Schaden, deßhalben erliten, uf unser Messigung, wie hernach in disem <ref target="#NA.1.9">Tail under dem newndten Titel</ref> "Von der Taxacion" volgt,
                bekeren und ablegen.</p>
              <p>Wo aber die Execucion und Volziehung desselben Rechten vor diser Partey Erscheinung
                und Fürbringen entlich ergangen und die Einsetzung gescheen were, so sol es dann bey
                demselben ausgefürten Rechten und der Volziehung desselben bleiben und der
                Verantwurter nit mer zugelassen werden.</p>

              <p> Welchen Fürgevorderten aber die Fürbot, ains oder mer, under Augen begriffen hete,
                wer weder am Gericht noch vor uns dem Rate erschinen, oder wer ain oder mermal
                erschinen, und vor Endung der Gerichtshandlung ungehorsam, der sol uf verrer Anrufen
                und Begeren des Clegers, auch auf Anzaigung und Beweisung seiner Clag und Spruchs
                zum wenigisten mit seinem Aid auf Berufung des Antwurters der Hawbtsach und erliten
                Costen vollig erkennt und gegen seinen Haben und Güeteren verholfen werden, wie <ref target="#NA.???">hernach</ref> "Von der Execucion und Angrif etc." gemeld wirdet,
                sol darzu der Stat Pfendter in zway Pfund Pueß für di Verachtung und Ungehorsam, der
                Aussenbleibung vor uns dem Rate gescheen, ertailt und hinfüro zu seiner Errettung
                nit gelassen werden, es were dann Sach, das wir auf sein Anzaigen ain anders mochten
                erkennen, so sol es gehalten werden, wie die negst vorbemelten Artikel in sich
                beschliessen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.4">
            <head>[WindsheimRef. I 4 Titel:] Der vierd Titel des ersten Tails:</head>
            <div xml:id="NA.1.4.1">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 1:] Von den Antwortern und der Cleger Ungehorsam und
                wie von beden Parteyen bis zu der Beweisung mit der Kriegsverfachung und
                Gegenrechten gehandelt werden sol.</head>
              <p>
                <pb
                  n="38"/> Ain Antworter haist und ist, der im Rechten fürgevordert und beclagt
                wirdet, aber nit von der Verschuldung wegen "<hi
                  rend="it">a reatu</hi>", sonder
                  "<hi rend="it">a re</hi>", das ist von der Sach wegen, darumb er also fürgevordert
                und genennt wirdet, also gehaissen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.2">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 2:] Wer Antwort und Gegenwör oder Errettung tun sol
                und müg.</head>

              <p> Wir wollen auch, das alle diejenen, so unsern Gerichtzwengen ordenlich underworfen
                und zugetan sein, auch alle, die unserm Gerichtzwang mit Pflichten und Aiden, durch
                Contrahiren, Verwürkung oder ander Sachen verstrickt werden, ir Sachen, darumben sy
                dann verstrickt worden sein, vor uns oder unseren Gerichten auszetragen, sollen bey
                den Penen und Puessen, [<hi
                  rend="it">wie</hi>] hiervor in dem negsten Titel under
                den <ref
                  target="#NA.1.3.5">Rubriken</ref> "Wie der Cleger vor Gericht handelen und
                begeren sol etc." under dem dritten Artikel und under der <ref
                  target="#NA.1.3.7">Rubriken</ref> "Von der Antworter Ungehorsam" durchaus anzaigt wirdet, auf der
                Cleger Fürvordern ir Antwort, Gegenwör oder Errettung tun, ausgenommen die
                Minderjerigen, Witbe und Waysen, Blind, Stumen und ander, so mit Vormünder fürsehen
                sind. Wo aber der Person, aine oder mer, mit Vormündern, Tutoren oder Curatoren nit
                fürsehen were, wollen wir derselben uf ir oder der Fruntschaft Anrufen und Begeren,
                auch aus Craft unser Obrigkait <hi
                  rend="it">Tutores</hi> oder <hi rend="it">Curatores</hi> setzen und geben, die sy im Rechten mügen vertreten. </p>

              <p> Wir wollen auch, wer oder wölcher also mit Gericht fürgevordert wirdet, das er
                durch sich oder seinen vol-mechtigen Anwald, wie hiervor in disem ersten Tail im
                andern Titel under der <ref
                  target="#NA.1.2.2">Rubriken</ref> "Wölche Gwelt für
                glaubhaft und gnugsam angenomen worden etc." gemeld ist, Antwort und Gegenwör oder
                Errettung tue, wie dann auch hievor under dem bemelten andern Titel under der ersten
                  <ref target="#NA.???">Rubriken</ref> am dritten Artikel verleibt ist. </p>

              <p> Es sol und mag auch ain yder Haußwirt, dem sein eelich Gemahel Kind oder Tiechter
                für Gericht gevordert were, die durch ire Person noch ire Anweld nit erschinen,
                denselben seinen Gemahel, Kind oder Tiechter in Recht verantworten oder vertreten,
                doch also, das er vor entlicher Urtail irer Verwilligung und Becreftigung solch
                erganger Gerichtzhendel fürbringen sol. Wo er aber das nit tete, sol er dem Richter
                zway Pfund Gelts zu Pueß verfallen und schuldig sein, dem Cleger Gerichtzcosten,
                Zerung und Saumsal uf unser Messigung zu bekeren und hinfüro one sondern gnugsamen
                Gwalt in derselben Sachen ze handelen nit zugelassen, sonder wider die Frawen
                procedirt werden, wie hernach in disem <ref target="#NA.1.11">ersten Tail der ailft
                  Titel "Von der Execucion"</ref> außweist. </p>
              <p> Aber ain Haußgemahel, die mag iren Haußwirt one sondern Gwalt nit vertreten, dann
                es stet geschriben, das die Frawen von den Mannen und nit herwiderumben die Mann von
                den Frawen beschirmbt sollen werden. Doch wo der Man nit anwesenlich, sonder ausser
                unser Stat und seiner Haimkunft in Kürtz nit zu fürsehen were, sol der Frawen von
                wegen irs Mans Errettung oder Bekanntnus ze tun (ob sy wil) gestatt werden. </p>

              <p> Item die Vormünder der Minderjerigen, der Stumen, Sinlosen und dergleichen sollen
                zu yder Zeit von wegen der, die sy in irer Vormundpfleg haben, Recht geben und ire
                Pflegkinder nach laut irer Pflicht, wie hernach under dem sibenden Titel des dritten
                Tails "Von der Pfleg und Vormundschaft" under der <ref target="#NA.3.4.9">Rubriken</ref> "Der Vormünder Aid" gemelt wirdet, vertreten. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.3">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 3:] Wie der Antworter sein Antwort, Gegenwör oder
                Errettung tun, und was er handelen mag.</head>

              <p> So der Antworter vor Gericht oder uns dem Rate, wo er dann fürgevordert ist,
                gehorsamlich erscheint, mag er in aller Massen wie der Cleger ainen Fürsprechen vom
                Richter, ime sein Sachen fürzetragen, piten, das ime dann gegönnt werden sol. Und
                wann er also die Clag ge-hört, mag er die alspald, ob er wil, müntlich, soverr er
                nit "<hi
                  rend="it">excepciones dilatorias</hi>" oder "<hi rend="it">peremptorias</hi>" hete, verantworten und den Krieg des Rechtens verfachen. Wo
                das also geschehen ist, sol uf ir beder Fürbringen geschehen, sovil und Recht ist. </p>
              <p> Het aber der Verantworter "<hi
                  rend="it">excepciones dilatorias</hi>", das sein
                Auszug und Behelf, die die Sachen aufhalten, oder "<hi
                  rend="it">excepciones
                  peremptorias</hi>", die die Handlung gar abschneiden, wie dann von denen Auszügen
                und Freihaiten hernach in disem Tail im dreyzehenden Titel gemeldt wirdet, so mag er
                die, wie dann ir ydlicher fürzebringen ist, vor oder nach der Bevestigung oder
                Verfahung des Kriegs dartun. Wo auch die Sachen was Tapferhait und Swere uf ir
                trüege, oder er besorgte, der Cleger wer ime zu behend, mag er der Clag Abschrift,
                zimlich Zil und Zeit sich darinnen zu versehen und daruf sein Antwort und Gegenwör
                fürzebringen, begeren. Ist dann die Clag schriftlich eingelegt und von uns
                schriftlich ze handelen zugelassen, sol ime Abschrift, darzu zimlich Zug und Tag uf
                Erkanntnus geben werden. Wer aber die Clag nit schriftlich eingelegt, sondern
                müntlich dargetan und trug doch was Tapferhait und Swere uf ir, so sol die auf sein,
                  [<hi rend="it">des</hi>] Antworters Begeren und Costen vom Clegers müntlichen
                Fürbringen durch unsern Statschreiber aufgeschriben und ime, dem Antwurter,
                Abschrift und Dilacion uf unser Erkanntnus geben werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.4">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 4:] Von des Clegers Ungehorsam.</head>

              <p>Wo aber der Cleger auf den angesetzten Gerichtztag vor Gericht und Rate nit erschin
                oder niemants von seinetwegen handelen würde, so sol und mag der Antwurter sich deß
                beclagen und den Cleger umb sein Aussenbleiben in das Gerichts- oder Ratßbuch lassen
                beschreiben, auch "<hi rend="it">ab instancia iudicii</hi>", das ist der Ladung und
                Fürhaischung halb desselben Tags mitsambt Ertailung des Costens und Saumsals, solchs
                Tagwartens und gehorsamen Erscheinens erliten, der auch nach Gelegenhait der Person,
                Zeit und Handlung taxirt und gemessigt werden sol, Absolucion begeren, des ime
                erkennt und der Cleger hinfüro sein Clag zu volfüeren nit zugelassen werden sol, er
                hab dann zuvor dem Cleger den gemessigten und erliten Schaden, auch wo er am Gericht
                ungehorsam erschinen were, dem Richter 30 Pfennige und, wo er vor Rate ungehorsam
                erschinen were, 2 Pfund zu Peen oder Pueß vergnügt und bezalt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.5">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 5:] Von dem Gegen- und Widerrechten "<hi rend="it">reconvencio</hi>" zu Latein genennt.</head>

              <p> So der Antworter uf den ernennten und fürgevorderten Tag erscheint, wil sein
                Sachen erretten und dem Cleger rechtlichen Widerstand tun und hat gegen dem Cleger
                auch Spruch und Vordrung, die von und aus der Sachen, darumben der Cleger sein
                Begeren tut, entspringen, also das die Gegenclag und die erst Clag <pb
                  n="40"/>
                ainer Natur sein und aus einander fliessen und volgen, wie dann das oft geschieht,
                so mag er, der Antworter, alspald, vor und ehe er den Krieg contestirt und verfecht,
                des Gegen- und Widerrechtens, "<hi rend="it">reconvencio</hi>" zu Latein genennt,
                piten und begeren. Daruf ist ime dann der Cleger Antwort zu geben schuldig, ob ime
                gleichwol kain Fürbot geschehen were, also, das die Antwort für ain Gegenclag, und
                dann ain Antwort uf die ersten Clag dargetan und ain Sachen mit der anderen geortert
                werde. </p>
              <p> Wo aber des Antworters Spruch nit aus oder von des Clegers Clag herflüsse und
                ainer Natur weren, und doch gegen dem Cleger ains Gegenrechten begert, das sol er ze
                tun nit stathaben, und mag sich der Cleger desselben zu aller Zeit wol widern und
                ist nit schuldig, dem Antworter darumben vor uns (soverr der Cleger unserm
                Gerichtzwang nit underworfen werde) Antwort ze geben. Und solchs zu erläutern sol
                alwegen zu unserer Erkanntnus steen. </p>
              <p> Wo aber der Antworter, der solch Reconvencion hete, derselben vor der Verfachung
                des Kriegs nit begerte, sol sy hinach nach der Bevestigung nit mehr zugelassen
                werden, es were dann Sach, das er sich derselben vorbehalten und die nit
                nachzelassen protestirt hete. Sy, die Reconvencion sol auch nit zugelassen werden
                umb gwaltige Entsatzung oder merklich Iniuri, die Eren berürende, und ander
                dergleich Sachen von Rechts wegen verboten. </p>

              <p> Wo auch ain Frömbder und Ußmerkischer durch ainen Anwald clagte, und der Bürger
                oder Gerichtsverwont zum selben des Widerrechten begerte und das namhaftig machte,
                so sol in dem Gwalt der Artikel des Widerrechten halben verleibt sein. Wo aber das
                nit, so were der Beclagt uf die dargetan Clag zu antworten nit schuldig, solang und
                vil, bis der Anwald des ainen gnugsamen Gwalt anzaigte, oder solchs ze pringen "<hi rend="it">cum rato</hi>" Caucion und Sicherhait tut. Doch so der Frömbd seiner
                Person halb, oder etlicher sonder Sachen und Fell halben, allhie zu verrechten nit
                gebürende, vermainte, das nit schuldig ze sein, darumben behalten wir uns Leuterung
                ze tun bevor. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.6">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 6:] Was Bevestigung des Kriegs "<hi rend="it">litis
                  contestacio</hi>" sey, und wie der in Recht verfangen und daruf procedirt werden
                sol.</head>
              <p> Bevestigung des Kriegs, zu Latein "<hi
                  rend="it">litis contestacion</hi>" genennt,
                ist sovil, wann der Cleger und Antworter vor dem Richter und Gericht erscheinen, der
                Cleger sein Clag dartut, und der Antworter dieselb Clag vernaint oder bekennt.
                Demnach, wölche also vor uns Rechtens pflegen wollen, sol der Cleger, wie oblaut,
                sein Clag zum kürtzten lauter und verstentlich dartun, dergleichen der Antworter
                sein Antwurt, darmit man mag versten, das er den Krieg mit Bekennung oder Laugnung
                als ungeverlich mit dergleichen Worten "ja" oder "nein", oder "ich pin des Clegers
                Clag, inmassen sy dargebracht ist, nit gestendig", oder "ich pin ir ge-stendig".
                Doch sol ime, dem Antworter alwegen die Reconvencion, wo er die hete, vor der
                Bevestigung, auch seine <hi
                  rend="it">Excepciones</hi>, wo er die hete, unbenomen
                sein. <pb n="41"/>
              </p>
              <p> Es mag auch der Cleger sein Clag, die er müntlich oder schriftlich dargetan hat,
                vor der entlichen Antwurt und der Kriegsbevestigung wol fallen lassen und darvon
                sten, doch mit Erstattung und Bezalung dem Beclagten sein aufgeloffen Costen und
                Saumsal uf unser Messigung. Wann aber der Krieg des Rechtens verfangen und
                contestirt ist, so sol in des Clegers Macht nit mehr steen, von der Clag ze weichen
                one unser Erlaubnus und des Beclagten Begünstigen, sonder es sol bis zum Endurteil
                procedirt und entschiden werden, des sich gebürt. </p>

              <p> Item, all und ydlich angesetzt Termin und Tag, die den handelnden Parteien nach
                der Kriegsbevestigung ernennt, sollen all "<hi rend="it">peremptorie</hi>" gesetzt
                und verstanden und auf der ainen Partey Abwesen nichts weniger, sovil und sich
                desselben Termins halben in Recht gebürt, procedirt und kain sondere Verkundung
                ernennt, aber nach getanem Rechtsatz sollen bed Parteien zu Verhörung der Urtail
                fürgevordert werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.7">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 7:] Von dem Aid, Geverd zu vermeiden, zu Latein "<hi rend="it">juramentum de calumnia vitanda</hi>".</head>

              <p> Nach getaner Kriegsbevestigung mügen bed Parteien oder der aine von der anderen,
                soverr die Handlung Groß und Tapferhait uf ir trüege, den Aid für Geverd "<hi rend="it">juramentum de calumnia vitanda</hi>" ze schwern begeren. Und wölche
                Partey solchen Aid von irer Widerpartey vorderte und sich desselben ze schweren auch
                erbüte, es were vor der Clag oder vor der Antwort oder darnach, in welchem
                Gerichtstand derselb Aid angeboten oder gevordert würde, so mag sich derjene, der
                deß angevordert ist, nit wegern, sonder er ist denselben nach Sag der Recht ze
                schweren schuldig und mag durch den Richter nit umbgangen werden. </p>
              <p> Wo aber die Sachen geringschetzig were, so ordnen wir, das solcher Aid umb
                Verhütung langgebirender Rechtvertigung und daraus erwachsen Scheden nit gefordert
                werden sol, und er sol durch Stillschweigen fürgangen werden. </p>
              <p> Wann er aber gevordert und durch uns ze schweren zugelassen wirdet, und sich der
                Antwurter des ze schweren wegeret, so sol er dermassen geacht sein, als ob er sich
                der Clag bekannt und sol für bekannt wider ine geacht und procedirt werden, als ob
                er der Clag mit Urtail verfallen were. Würde sich aber der Cleger diß Aids sperren,
                so sol der Antworter one Mitel ledig erkannt und absolvirt werden mit Erstattung
                seiner erlitnen Gerichtscosten und Saumsal uf zimlich Messigung. </p>
              <p> Und solchen Aid mit seinen Capitelen wie hernachvolgt ze schweren, sol kain
                Person, die in Recht handelt, sy sey gaistlich oder weltlich, ausgeschlossen werden.
                Wo aber di Person gaistlich were, mocht sy denselben Aid vor ihren Oberen schweren,
                doch sol sy irer Widerpartey, solchs ze sehen und ze ze hören, zuvor darzu verkünden
                und, das sy solchen Aid volfürt hab, Urkund pringen. </p>
              <p>Aber kain Anwald, der deß nit sonderlichen ausgedrückten Gwalt hat, mag solchen Aid
                in die Sel irs Principals nit schweren, und wo der Anwald, solchen Aid ze schweren
                in die Sele seins Principals gnugsamen Gwalt hete, so ist er dennoch, solchen Aid in
                sein selbs Sele, soverr er von der Widerpartey begert wirdet, oder ime von den
                Urtailern oder uns aufgelegt wirdet, ze schweren auch schuldig. Wo er sich deß aber
                wolt speren, sol er von seinem Rechten verfallen sein, wie der dritt Artikel in
                diser Rubric außweist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.8">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 8:] Forma des Aids mit seinen Capitelen.</head>
              <p> Der Cleger sol erstlich schweren, das er darfür helt und acht, das sein Krieg, und
                der Antworter, das sein Wör und Sach aufrecht und gut sey. </p>
              <p> Wo sy gefragt werden, das sy die Warhait nit verschweigen, sonder lauter one
                Geverd an den Tag pringen und sagen wollen. </p>
              <p>Das sich ir kainer kainer valschen noch unrechten Kuntschaft und Beweisung
                gebrauchen wollen. </p>
              <p>Das sy kainen geverlichen Zug suechen noch begeren wollen, das die Sachen geverlich
                verlengert würde. </p>
              <p> Das sy nichts verheissen haben, auch nichts verheissen, ausgeben und schenken
                wollen, das für sy geurtailt werden, dann allein denen Personen, denen sy von Rechts
                wegen ir Belonung ze geben schuldig sind. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.4.9">
              <head>[WindsheimRef. I 4 Rubrik 9:] Wie nach der Kriegsverfahung bede Tail bis zu der
                Kuntschaft und Beweisung volfaren sollen.</head>
              <p> Nach geschworem Aid für Geverd oder Underlassung desselben, wo er von der Partey
                nit begert wirdet, und nach Vernaynung der Clag mag der Cleger sein schriftliche
                oder müntliche dargeprachte Clag, wo sy geringschetzig und nit weitleufig ist,
                darzebringen und zu beweisen anzaigen und sich mit solcher Kuntschaft zuzelassen,
                auch Zug und Tag zu Einbringung derselben begeren. </p>

              <p> Trueg aber die Clag was Dapfer- und Hochmerklichait auf ir, also das die
                weitläufig und der Artikel oder Pit vil weren, mag er die, ob er wil, uf Vernainung
                und Nitgesteung derselben underschidlich in Posicion und Artikel stellen und
                dieselben uf ainen bestimbten Tag fürbringen, den Antworter (soverr der Aid für
                Geverd geschworen ist) beim selben Aid uf yden Artikel sonder clerlich und lauter
                mit dem Wort, er glaub den war sein, oder, er glaub den nit war sein, ze antworten
                begeren. Doch sollen dieselben Artikel auch bey geschworm Aid für Geverd "<hi
                  rend="it">assertius</hi>" und "<hi rend="it">dispositius</hi>", das ist "gewiß,
                schickerlich und verstentlich", und nit uf Forschen oder fragßweise gestellt werden. </p>
              <p> Was alßdann für Artikel vom Antworter bekennt und dem Cleger für bekennt
                angenommen werden, daruf sol procedirt und gehandelt werden, sovil und sich in Recht
                gebürt. Würde er aber die gar oder zum Tail vernaynen, sol dem Cleger uf sein Bite
                und Beger, schriftlich oder persondlich Beweisung ze tun, Zil und Tag ertailt und
                des bequeme Zeit nach Gstalt der Sachen gemessigt, auch dem Antworter der Artikel
                Abschrift und ain Tag zu Übergebung seiner Fragstück bestimbt werden. </p>
              <p> Wo aber der Antworter "<hi rend="it">excepciones peremptorias</hi>" hete, das sein
                Auszug und Sachen, die di Handlung und Rechvertigung abschneiden und ine von dem
                Krieg erledigen, die mag, die sol er vor der Bevestigung des Kriegs, ehe er ainiche
                Bekennung oder Vernaynung tut, fürbringen. Daruf sol auch gehandelt werden, so vil
                und recht ist. </p>

              <p> Wolt auch der Cleger nach der Litiscontestacion unarticulirt sein Clag ainiche
                Beweisung fürwenden, das sol von ime aufgenommen werden, doch dem Widertail
                unabschlegig seiner Notturft, Fragstück und Einred in derselben Person und Sagen.
                  <pb n="43"/> Und sol ime fürtter in derselben Sachen andere Clagstück und Artikel,
                die nit anhangen oder aus der Clag entspringen, daruf der Krieg contestirt ist,
                fürzetragen nit gestatt, sondern abgeschnitten werden. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="WHR1.5">
            <head>[WindsheimRef. I 5 Titel:] Der fünft Titel des ersten Tails sagt von den Beweisung
              und Zeugen, wie darinnen und darmit ze handelen sey.</head>
            <div xml:id="NA.1.5.1">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 1:] Was ain Beweisung sey und in wievil Gstalt die
                geschehe.</head>
              <p> Beweisung haist und ist ain Ding, wo ain zweifelheftig oder ungewiß Ding dem
                Richter durch ainen waren Glauben wirdet anzaigt und fürgebracht und mag in
                menigerlay Weiß und Gstalt gescheen als durch ain offenliche Geschicht, durch ain
                gmain Gerücht, durch Aide, durch Prief, Büecher und Sigill und durch Personen etc.,
                auch durch Vermutung. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.2">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 2:] Welcher Partey, die in Recht erbeten, Beweisung
                zuzelassen oder aufzelegen sey.</head>
              <p> Es begibt sich vil in Gericht, das ain Partey ir Fürbringen uf "ja" oder
                "geschechne Ding", und die ander uf "nein" oder "nit geschechne Ding" setzen, und
                doch yde Partey vermaint, das ir zu beweisen. Und darmit hinfüro in solchem nit mer
                Irrung fürfalle, so sol an unsern Gerichten alwegen der Partey, di ir Maynung uf
                "ja" oder "geschechne Ding" setzt, ir Beweisung zugelassen und ertailt werden, und
                nit der andern Partey, die sich mit dem "Nain" oder Laugnen behelfen oder Umbstand
                suechen wolt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.3">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 3:] Wie das Wort "Nain" bewisen mag werden.</head>

              <p> Wiewol war und ain gemaine Regel ist, das das Wort "nain" oder "nit sein", das zu
                Latein "<hi
                  rend="it">probacio negativa</hi>" genennt ist, nit mag bewisen, sol auch
                in kainerley Gstalt durch den Richter zugelassen werden, aber doch, so "nain" oder
                "nit sein" also für uns oder in Gericht gebracht wurde mit der bezwungen Maß und
                Zusatz der Stat- und Zeithalben, da und darunder die angeregt Verhandlung, dargegen
                oder darumben das "nain" oder "nit sein" fürgezogen werde, gescheen sein solt,
                derselb, der solch Vernainen oder "nit sein" fürstellet, sol auch darmit als wol als
                der sein Mainung uf "ja" und "geschechne Ding" setzte, zugelassen werden, als in
                disem und dergleichen Fellen, wo ainer bezigen würde, er hete allhie in unser Stat
                auf die und die Zeit was nemlichs getan oder verhandelt, und der Bezigen sagt
                "nain", oder er hete nit getan und erbüte sich, solchs zu beweisen, wiewol er das
                Nit-Getan nit beweisen mag. So er aber die bezwungen Maß und den Zusatz darzu setzt,
                er sey der Zeit und diß Tags, als er der bezigen Tat beclagt werde, nit hie in unser
                Stat, sonder zu Nürmberg, Dinckelspüel oder Rotenburg etc. gewesen, erbiet sich,
                dasselb zu beweisen, so er solchs also beweist <pb n="43"/> und darpringt, das er
                desselben Tags und Stund der geschech-nen Tat nit in unser, sonder in obgenennter
                oder in andrer Stat ainer gewesen, also das zu vermuten, das unmüglich were, das er
                derselben Stund oder Tags nit an beden Orten hete mügen gesein, volgt gleublich
                daraus, das er unschuldig sey. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.4">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 4:] Wie der, dem Beweisung zugelassen ist, sein
                Maynung lauter stellen und die der Widerpartey übergeben sol.</head>
              <p> Vorbemelten Rubriken und der Pillichait nach, darmit zum negsten, zum End und
                Grund der Warhait ze komen sey, ordnen und wollen wir, das die Partey, der ainiche
                Beweisung zugelassen und mit Recht ertailt ist, iren Grund und Maynung irer
                Beweisung durch nemliche Wort oder Artikel underschidlich, clar und lauter, wie
                ob-stet, erkler und außdrück, daraus aigentlich und lauter müg verstanden werden,
                wes er sich zu beweisen understanden hab. Wo aber solchs eussere, undinstliche und
                unfürtregleche Weisung weren, das sich dann nach beder Tail Verhörung des Gerichts
                oder unser Erkanntnus erfunde, der sol darmit nit zugelassen, noch der Widertail
                darmit beschwert werden. </p>

              <p> Und solch des Beweisers Maynung, Grund und Artikel sollen dem Widertail auf sein
                Begeren, sover der Handel merklich were, als umb Eer, Aigen und dergleichen,
                zugestellt werden, seine Interrogatoria und Fragstück dargegen ze machen und
                einzelegen. Doch wo derselb Tail unnottürftige und überflüssige Fragstück und
                Interrogatoria machen und einlegen wolt, sollen ime di überflüssigen, und die zu der
                Sach nit dinstlich sein, abgeschniten, auch wo der Handel geringschetzig und
                schlecht were, die <hi rend="it">Posiciones</hi> nit zugestellt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.5">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 5:] Wie Beweisung mit Schriften geschehen.</head>
              <p> Beweisung geschicht nit allain mit Leuten, sonder in menigerlay Gestalt, wie
                hievor in Anfang diß Titels angezaigt wirdet. Darumben, welcher versigelt Prief, die
                mit unsern oder ander Oberkaiten oder ander erber Personen Sigillen, ainem oder mer
                bezirt, formlich und ordenlich aufgericht, in Gericht einlegte, die sollen für ware
                Kuntschaft angenomen wer[d]e[n], dergleichen die Instrument, die durch erber,
                geleumbt Notari mit gnugsamer Zir aufgericht weren; doch sol der Widerpartey ir
                Einred in die Prief, Sigill oder Notari vorbehalten und zugelassen sein, und alßdann
                unserer oder des Gerichts Erkanntnus, ob die kreftig oder widertriben und
                undinstlich sein sollten, leiden. </p>
              <p> Dergleichen sollen auch Hantschriften Beweisung tun, und wo ainer derselben
                leugnet, sol er mit ainer andern Hantschrift, die dergleichen ist, oder sunsten mit
                anderer Kuntschaft bewisen werden; und wo der Leugner ungerecht erfunden würde,
                behalten wir uns die Straf gegen ime bevor. </p>

              <p> Item, Urbarbüecher, Salbüecher, Rechenbüecher der Keufer und Verkeufer, auch
                Hantwerker Schuldregister, wo die one Argkwone und ordenlich gemacht, auch die
                Schultherrn ir Gewerb und Hantwerch aufrecht und erberlich füeren und aines guten
                Leumats, Wandels und Wesens sein, die wollen wir, wo andere Kuntschaft nit vor Augen
                sein mag, zu voller gnugsamer oder mitler Beweisung, mit oder one mitgegeben Aide in
                  <hi rend="it">Suplementum</hi>, alles uf unser oder des Gerichts Mutmassung und
                Erkanntnus zulassen. Aber ander unbesigelt Zettel, Schriften oder Copien sollen
                ausserthalb des Originals nit zugelassen noch Glaub daruf gesetzt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.6">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 6:] Von Beweisungen mit Vermutungen oder aufgelegten
                Aiden.</head>
              <p>
                <pb
                  n="45"/> Wo ain Handlung für uns in Gericht oder in Rate gebracht wirdet, der
                nit gnugsam bewisen were oder bewisen werden möcht, so wollen wir albegen die Ersam-
                und Glaubhaftigkeit beder Tailen, auch die Natur des Spans und Fürtrags für Augen
                nemen und die Vermutung, von denen hernach in disem Tail under dem achten Titel, die
                von den Vermutungen anzaigt ist etc., [<hi
                  rend="it">mit</hi>] höchst[<hi
                  rend="it">em</hi>] Fleiß erwegen, welchem Tail sich die Warhait mer zuschlahe; wölchem Tail
                dann mer Eren und Aide aufzelegen ist, wie harnach in dem negsten sechsten Titel
                under der <ref
                  target="#NA.1.7.2">Rubriken</ref> "Uf was Grund die Urtailen sollen
                gestellt werden, wo nit Beweisung ist etc." am [...] Artikel auch gemelt wirdet, dem
                wollen wir als für ain Beweisung seiner Sach den Aid in <hi rend="it">Suplementum</hi> ertailen und alwegen ehe dem, der glaubhaft ist, dann dem
                Unachtberen. </p>

              <p> Wo aber ain Sach von Art dermassen gestalt were, das die nit bewisen werden möcht,
                so ist und wollen wir für gnugsam haben, das mit bewerliche Vermutungen glaublichen
                anzaigen. Welche Vermutungen bewerlich, kreftig oder frevenlich sey, wirdet harnach
                in disem <ref target="#NA.1.8">Tail under dem achten Titel</ref> lauter und gnugsam
                angezaigt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.7">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 7:] Wie der Zeugenfüerer die lebendigen Kuntschaft mit
                Gericht einpringen sol.</head>
              <p> Wann die Partey, der lebendige Kuntschaft zu verfüeren zugelassen ist, ir Maynung,
                was sy beweisen will, lauter anzaigt und, wie oblaut, im Anfang dies Titels und
                darnach in der vierten Rubric bemeld ist, dargetan hat, so sol sy die Zeugen, die in
                unsern Gerichtzwengen vergriffen sind, durch ainen geschwornen Statknecht uf das
                negst Stat- oder Bawrengericht, wohin yde Person gehört, lassen fürvordern und
                derselben nach altem Gebrauch und Herkomen um Kuntschaft ze geben zusprechen, das
                dann die Urtailer am Gericht, unangesehen der vermainten Zeugen, für gewennten
                Gegenwör erkennen und der Widerpartey, wider die sy dann Kuntschaft geben sollen,
                vorbehalten zur Zeit der Verhörung ir Einred in ir Person und Sagen. Weren aber di
                Personen zu Kuntschaft und Zeuknus ze geben nit zulessig, wie hernach under der
                Rubric "Wölche Personen rechtmessige Kuntschaft nit geben mügen" anzaigt wirdet, und
                sy, die Urtailer des Wissen und glaublich Anzaigen heten, alßdann sollen sy die nit
                erkennen noch zulassen. </p>
              <p> So aber die Kuntschafter und Zeugen ußwendig unserer Stat Gerichtzwang wonhaft und
                uns nit verpflicht sind, so sol derselb Zeugenfüerer, dieselben Zeugen zu verhören,
                an der Gezeugen ordenlichen Richter Fürdernus- oder Compaßbrive piten und begeren,
                des ime mit der Widerpartey Interrogatorien und Fragstück, soverr sy die eingeben
                wil, in nachvolgender Form geben werden sol: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.8">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 8:] Forma des Compaß</head>

              <p> Dem N. entbieten wir Bürgermaister und Rate der Stat Windßheim unser fruntlich
                Dinst zuvor. Zwischen N. an einem und N. am andern Tail hat sich vor uns <pb
                  n="46"/> ain Rechtvertigung angefangen, darinnen sich vermelter N. sein Maynung nach Laut
                diser beiligenden Posicion und Beweißartikel, auch des Widertails eingegebne
                Fragstück mit Zeugen und Personen ewrem Gerichtzwang underworfen, zu beweisen
                angemasst, [<hi rend="it">und wir haben</hi>] des ime mit Recht zugelassen. Dweil
                dann ain Gerichtzwang dem andern mitleidenlich und, umb das rechtlichs Warhait aus
                Mangel der Beweisung nit ernidergedrückt werde, hilflich sein und die Hant pieten
                sol, ist an euch unser fruntliche Bit, die Personen, so euch bemelter A. anzaigen
                wirdet, rechtlich, wie sich gebürt, mit Beladung der Aiden uf die beyligenden
                Beweißartikel und Fragstück nach Form des Rechten und eurer Gericht Gewonhait wollet
                verhören und der begerenden Partey verschlossen Urkund gegen zimlich Belonung zu
                behendigen, die vor uns in Rechtverti-gung haben zu gebrauchen. Das wollen wir
                zusambt der Pillichait umb euch verdienen. Datum under unserem zurück aufgedruckten
                Secret-Insigel. </p>
              <p> Und solchs ist zu versteen in sweren, tapfern Hendelen, do ain Proceß von
                untüglichem Verhören der Zeugen vernicht werden möchte. Aber in klainen und
                gemainen, geringschetzigen Handlungen sol solche Solemnitet nit vonnöten sein zu
                gebrauchen, wölchs dann alles albegen bey unser oder des Gerichts Erkanntnus sten
                sol. </p>
              <p> Der Zeugenfüerer möcht auch sein Kuntschafter in aigner Person für uns in Rate
                oder Gericht pringen, doch sollen sy von irer Herschaft Kuntschaft ze geben
                gezwungen sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.9">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 9:] Wie der Zeugenfüerer nach Einpringung seiner
                Zeugen, auch die Widerpartey bis zu der Verhörung handelen mügen.</head>
              <p> Wann der Zeugenfüerer seine Gezeugen mit Gericht eingebracht hat, das sy ime irs
                Wissens Kuntschaft sagen sollen, sol er vom Gericht (soverr der Handel swer und
                tapfer oder großachtig were) zu Verhörung und verrerer Handlung derselben seiner
                Zeugen ainen Tag biten, der ime dann durch das Gericht oder unsern Bürgermaister
                ernennt und seiner Widerpartey, darwider die Zeugen gestellt sein, darzu verkunt
                werden, ire Interrogatoria und Fragstück, zu der Sachen dinstlich, einzelegen, die
                Zeugen sehen und hören, sweren, ir Einrede dargegen tun, ob sy der hete, und verrers
                Beschids warten. </p>
              <p> Were aber die Sachen geringschetzig, gemain und klain, so möcht er, der
                Zeugenfüerer, seiner Widerpartey zum Gericht, wann er die Zeugen einzepringen
                vermaint, lassen pieten und verkunden und die Zeugen alßpald nach dem Einpringen
                lassen verhören und sweren, wie hernach verrer bemeldet wirdet und fürtter daruf
                ergeen lassen, sovil und sich nach Erkenntnus der Richter gebüren wirdet. </p>

              <p> Erscheint alßdann der, wider den die Gezeugen fürgestellt werden, gibt seine
                Interrogatoria und Fragstück ein, oder hat wider die fürgestellten Personen, das die
                nit rechtmessig Zeuknus geben sollen oder mügen, <hi
                  rend="it">Excepciones</hi>, mit
                dem allen sol er zugelassen und darauf gehandelt werden, sovil und Recht wirdet,
                unangesehen, das die Urtailer am Gericht die Kuntschafter mit iren Personen heten
                zugelassen; dann das sol der Widerpartey, die ire <hi
                  rend="it">Excepciones</hi>
                hete, nit Schaden pringen, wo ir zum selben Einpringen nit Verkundung gescheen were;
                dann die Urtailer mochten von denselben <hi
                  rend="it">Excepciones</hi> nit gewisst
                haben. Wo aber die <pb
                  n="47"/> Person, darwider die Kuntschaft gestellt ist, ire
                  <hi rend="it">Excepciones</hi> in die Person der Zeugen vor irer Aidsschwörung und
                Verhörung nit fürwendet, sollen sy hinach darmit nit mer zugelassen werden, sy hete
                ir dann des mit nemlicher Protestacion Vorbehaltung. Aber die Einred in ir Sag mügen
                sy nach Öffnung und Verhörung der Sag wol tun. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.10">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 10:] Wie und wenn die Gezeugen erscheinen und
                Kuntschaft geben sollen.</head>
              <p> So ymants unserer Bürger oder Gerichtzverwonten zu ainiger Kuntschaft ze füeren
                nottürftig were oder sein würde, mag derselb Kuntschaftfüerer dieselben durch der
                geschwornen Knecht ainen zu Gericht lassen fürbieten und anzaigen, das sy Kuntschaft
                halben erscheinen sollen; so sollen die Fürgevorderten alßdann nach der ersten
                Fürvordrung vor Gericht erscheinen, desselben oder andern Mals, wie er beschiden
                wirdet, sovil ime der Sachen kunt und wissent sey, Kuntschaft zu geben, soverr er
                rechtlicher Ehaft halben nit verhindert wirdet bey der Peen und Pueß, als oft ine
                der Zeugenfüerer wie ainen Ungehorsamen lies schreiben, 3 1/2 Pfund Gelts dem
                Pfendter und Ablegung des Füerenden Costen, den er daruf gelegt oder sunsten der
                Ungehorsame Schaden genomen hete; und sol dennoch solcher Zeug seiner Sag nit
                entledigt sein, sonder mit dem grösten Ernst zu derselben auszesagen gehalten
                werden, es möcht sich auch ainer so geverlich und frevenlich halten, wir würden ine,
                wie wir zu Rat würden, strafen. Es sol auch ain yder Zeug in der Füerers Expens und
                Costen erscheinen, wölchen Costen die Urtailer zu messigen haben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.11">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 11:] Wölche Personen rechtmessige Kuntschaft nit geben
                mügen.</head>
              <p> Zum merermal erscheint sich, das die in Gericht kriegenden Personen gegen und
                wider der fürgestellten Gezeugen Person Einred füeren und darmit abzeweisen, das an
                Kuntschaft Pruch geschee, underhant nemen. Dweil aber gleichwol, wo die
                Fürsichtigkait der Recht nit ain günstiges Einsehen hete, meniger durch yppig
                verleumbd Personen die Unwarhait zeweg ziehen und was beweisen möchte, das nie
                gescheen were, wollen wir, das alle nachvolgende Personen weder vor unsern Gerichten
                noch dem Rate kain rechtmessige, glaubwirdige Kuntschaft sagen noch geben mügen: </p>
              <p> Erstlich die, so in Bann oder in der Acht sein, so solcher Bann oder Acht in den
                negsten acht Tagen darnach nach des Rechten Erkanntnus beweist würde. </p>
              <p> Item all verunleumbd Personen, als die do sind erlos, maynaidig, öffenlichs
                Eebruchs und dergleichen. Auch Frawen, die öffenlich zu unkeuschem Gebrauchs irs
                Laibs wonen und Gelt darumb nemen, auch die solch Personen halten, hausen und
                herbergen; auch die Manspersonen, die solchs Gewins oder sondigen Gelts Tailnemer
                oder Entpfaher sind. Auch die Personen, di umb ir Verhandlung peinliche Straf
                entpfangen haben oder unsrer Stat verwisen und religirt sind, oder di noch in Haft
                und Venknus ligen und solche Straf anzetun were. Item, di umb ir Sag und Kuntschaft
                Gab entpfangen oder heten der noch zu geniessen Verhoffung. </p>

              <p> Item die Personen, die vor in der Sachen Anwaldschaft gehebt oder Anfordrung umb
                den Zuspruch getan haben, die auch an der Clag ainichen Nutz und Genies, oder mit
                dem Antworter in Gemainschaft desselben Guts were; auch Manspersonen under 14 Jaren
                und Frawenpilder under 12 Jaren. <pb n="48"/>
              </p>
              <p> Auch sol ain Vater und Muter, dergleichen alle in aufsteigender Lini wider noch
                für ire Kinder, und di in absteigender Linien sein, zu Gezeuknus nit zugelassen noch
                gedrungen werden, herwiderumben di Kinder und di in absteigender Linien sein, sollen
                nit wider ire Eltern und die inen in aufsteigender Linien verwant sein, zu
                Kuntschaft gedrungen noch zugelassen werden, es were dann Sach, das solchs von beden
                Tailen würde zugelassen, oder wir von Erforschung wegen wir der Personen aine hören
                und ainen Bericht entpfahen wollten. Dergleichen sollen auch Eeleut wider- und
                gegeneinander nit zugelassen noch gedrungen werden, sonder gleich mit denselben wie
                mit den Eltern gegen irn Kindern gehalten werden. </p>
              <p> Item, Bruder und Swester, auch ander Gefrundt bis in den dritten Grad, sollen
                gegeneinander nit, aber wol wider einander sollen und mügen sy Kuntschaft geben, es
                were dann der Handel ainer solchen Natur und Art, das er allain under den Frunden
                geschehen, alßdann sind Erb und Eebeteding und ander dergleichen Felle, oder der
                Handel were gantz an Argwon, das weder inen noch wider den die Kuntschaft gelaisst
                wirdet, weder Nutz noch Schaden daraus erwüchse, oder würden von der Widerpartey
                auch zugelassen. Doch behalten wir den Urtailer und uns nach Herkomen der Sachen
                Erkanntnus bevor. </p>
              <p> Item, wo ainer des andern öffenlicher Veind were, der mag, wider den er di
                Gremschaft tregt, noch die, so demselben anhangen, nit Kuntschaft geben. Wo auch mer
                Puncten, dann hiroben angezaigt sind, von aincher Partey in Gericht würde angezogen
                und excepcionsweiß fürgebracht, dardurch ymants nit oder kain Zeug sein sol, in
                denselben Fellen allen behalten wir uns und den Urtailern Erkanntnus ze tun bevor.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.12">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 12:] Wie man die Gezeugen abvertigen, mit Aiden
                beladen, den Aid auslegen und die Peen des Mainaids anzaigen sol etc.</head>
              <p> Wann ain Partey ir vermaint Gezeugen mit Gericht eingebracht und Kuntschaft ze
                geben mit dem Zwang des Rechtens erlangt hat, so sol denselben Gezeugen in beder
                Parteyen Gegenwurtigkait oder iren Anwelden, oder doch uf der Widerpartey Ungehorsam
                durch der Fürsprechen ainen oder durch den Statschreiber anzaigt werden, wie ainer
                sweren und nemlich, das er drey Vinger aufheben sol; nachvolgends, was in demselben
                Sweren yder Vinger bedeut, als nemlich bey dem ersten Vinger, dem Daum, werde bedeut
                "Got der Vater", bey dem andern Vinger, dem Zaiger, werde bedeut "Gott der Sone" und
                bey dem dritten und mitleren Vinger werde bedeut und verstanden "Got der Hailig
                Gaist". Noch seyen zwen Vinger under sich in die Hant genaigt, der erst und viert,
                welcher der ungenennt Vinger gehaissen wirdet, wirdet bedeut und verstanden die
                cöstliche Sele, verporgen under der Menschait. Der ander und fünf Vinger, der der
                klain Vinger genent ist, bedeut den Laib des Menschen, der klain und schwach ist ze
                schetzen gegen der Sele. So bedeut di gantz Hant miteinander: ainen Got und ainen
                Schöpfer, der den Menschen und alle Creatur erschaffen hat. </p>

              <p> Nach solchem sol man ine, vor und ehe sy den Aid volfüren, fürhalten, erstlich
                also, wölcher ainen valschen Aid schworn ist, der handelt also, als ob er spreche:
                "Ich bit heut Got den Vater, Got den Son und Got den Hailigen Gaist, das ist die
                Hailig Triveltigkait, das ich von der Gmain und Guetat der Hailigen Cristenlichen
                Kirchen ausgeschlossen und ausgesetzt sey, das dieselb cristenlich Guetat an mir
                alle werde verloren und werde alles meiner Sele, meinem Leib und Leben ain ewiger
                Fluech." Zum andern, als ob er spräch: "Ich pit heut die Hailig Triveltigkait, <pb n="49"/> Got den Vatern, Got den Son und Got den Hailigen Gaist, die barmhertzig
                Mueter Cristy, alles himlisch Hör, das mir die zur Zeit, als sich mein Sel und Leib
                von einander schaiden werden, nimer ze Hilf noch ze Trost kumb." Zum dritten, als ob
                er sprech: "Ich pit heut die Hailig Triveltigkait, den costbaren Leichnam Cristi,
                das sein pitere Angst und Not und sein strenge Marter und unschuldiger Tod mir
                armen, sondigen Menschen gantz entzogen und an mir verloren werde." Zum vierdten,
                als ob er sprech: "Ich pit, das mein Sele, die bedeuten ist den vierdten Vinger, und
                mein Leib, der bedeuten ist den fünften Vinger, vor dem gestrengen Richter am
                Jüngsten Gericht miteinander verdampt, von der Gemainschaft aller Hailigen
                abgeschiden, des begirlichen Angesichts Cristi, der lobsamen Junkfrawen Marie und
                aller himlischen Inwonung ymer und ewiglich beraubt werde." Aus dem allen ain ydlich
                Mensch und cristenliches Hertz merken vor Augen und pillich in Gedechtnus haben sol,
                was ain valscher Aid auf ime tregt, wie hoch ain yder Mainaidiger Got den
                Almechtigen, die lobsam Junkfrau Marie belaidig und sein arme Sel verdamb; darvor
                sich ain ydlich Mensch bey ewiger Verdambnus pillich hüeten sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.13">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 13:] Forma des Aids.</head>
              <p> Wann also den Gezeugen obemelte Erinnerung gescheen ist, sol man inen den Aid in
                nachvolgender Forma geben also: "Ich swer zu Got und den Hailigen mit Warhait meiner
                Sele, das ich in der Sachen, darinnen ich zu Kuntschaft und Zeuknus gestellt pin,
                ain gantze lautere Warheit one allen Valsch und one alle Betrieglichait für bed
                Tail, sovil mir kunt und wissend ist, sagen wil. Wil das auch weder durch Muet, Gab,
                Fruntschaft, Veintschaft, Lieb, Laid, Neid, Has, noch gar von kainer Sachen wegen,
                dardurch die Warhait verdrückt werden mochte, verschweigen, wil auch anderst nichts
                dann die war Geschicht anzaigen, nichts Unwars darunder mischen, wie ich dan das am
                Jüngsten Gericht Got verantwurten wil, als war helf mir Got und all Hailigen."
                Dieser Aid sol an Verwilligung beder Parteien nit nachgelassen werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.14">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 14:] Wie nach geschworm Aid die Gezeugen sollen
                verhört und bis zu irer Publicacion und Öffnung gehandelt werden.</head>

              <p> Wann die Gezeugen geschworen oder haben bed Parteien den Aid gutwilliglich
                nachgelassen, sol man denselben Zeugen abermals fürhalten, wie swere und grosse Sünd
                sey, die in irer Sag die Warhait verhalten, was Unrechts und Übels entstee,
                erstlich, ain yder, der valsch und unrechtlich sagt, belaidigt Got den Herren,
                nachdem er allenthalben sey, tu auch wider die zehen götlichen Gesetz und Gebot,
                betrieg auch mit seiner valschen, unrechten Sag den Richter und die Urtailer, das sy
                auf dieselben sein valsche Sag urtailen, dardurch dann dem gerechten Tail Unrecht
                geschee und dem ungerechten würde, das nit sein were; das were wider die Gebot
                Gottes und die Lieb des Negsten. Es möchte auch kain Gezeug, der solchs tete, nimer
                mer oder doch gar hart püessen, dann die hailig Schrift sag lauter, das die Sünd nit
                werde vergeben, es sey dann, das unrecht Gut wider erstatt. Solche Erstattung und
                Widergebung were ain Zeug, der valsch gesagt hete, ze tun schuldig, müst dem
                gerechten Tail, dem er mit seiner unwaren Sag das Recht und das Sein abgenomen hete,
                sambt allen Scheden, die er dardurch erliten hete, dasjen, so er also entberen
                müsste, bey seiner Sele Seligkait bekeren und widergeben, oder dardurch ewige
                Verdambnus leiden. <pb n="50"/>
              </p>

              <p> Nach solcher Erinnerung sollen die Gezeugen, ir yder sonderlich in Abwesen des
                anderen, auch [<hi rend="it">in</hi>] Abwesen beder Parteien, durch den
                Statschreiber, auch zum wenigisten zwair unserer Ratsfrund, der Parteien
                Handelfürtrager, oder vor uns dem Rat oder Gericht auf die Beweißartikel und
                Fragstück (soverr die eingeben und zugelassen werden weren), verhört, ir Sag und
                Kuntschaft in das Gerichts- oder Ratsbuch underschidlich und lauter aufgeschriben
                und dem Zeugen, der also verhört wirdet, bey seinem getanen Aid geboten werden, sein
                Sag niemants zu eröffen, bis di mit rechtlicher Zulassung eröffent worden ist. Wo
                aber kain Fragstück eingegeben worden were, sol dennoch gemaine Fragstück, der
                Sachen dinstlich, den Zeugen fürgehalten und sonderlich, wo der Zeug von Wissen der
                Sachen ainichs fürgibt, die Ursach seins Wissens, wie, wer, wann, am wölchen Ort, zu
                was Stunde oder Zeit solchs gescheen, und wer mer darbey gewesen sey, gefragt
                werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.15">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 15:] Wie die gefürt und verhört Zeucknus sol publicirt
                und nach der Publicacion kaine mer zugelassen werden.</head>

              <p> So solchs alles mit Fleis geschehen ist, und die Zeugen gesagt haben, sol beden
                Parteien zu Öffnung der Sag, soverr sy bed Parteien oder ir aine derselben begeren,
                ain Tag ernennt und angesetzt, oder aber alspald nach der Verhörung dieselb
                Attestacion geöffent und vor Gericht öffentlich verlesen, auch, wiewol solchs bißher
                unser Gebrauch gar nit gewesen ist, dem begerenden Tail Abschrift, auch zimblich Zug
                und Tag, sich darinnen zu ersehen, Abschrift darvon widerfaren lassen. Dann das ist
                pillich, [<hi rend="it">und</hi>] es ligt gemainklich aller Grund an den
                Kuntschaften. So ist menschlich Gedechtnus schlipferig, vergessen und nit alwegen
                geschickt, vil zu behalten. Darumben wollen wir, unangesehen, das solchs bißher
                unser Gebrauch nit gewesen ist, dem Rechten nachvolgen und den alten Gebrauch darmit
                abgetan haben. </p>
              <p> Auf denselben angesetzten Tag mügen die Parteien, nemblich der Zeugenfüerer,
                soverr die Sag ime zulegt, sein Peticion und Beger tun, das er sein Darpringen,
                Anzaigen und Clag bewert hab, das derohalben für ine geurtailt, die Widerpartey
                condempnirt, oder ain ewig Stillschweigen umb ir Clag aufgelegt werde mit Erstattung
                und Bekerung der erlitnen Costen. </p>
              <p> Het aber die Widerpartey, darwider die Zeugschaft gestellt ist, <hi rend="it">Excepciones</hi> in ir Sag ze reden und die anzefechten, die sollen auch
                zugelassen, gehört und daruf gehandelt werden, sovil und sich in Recht gebürt. Aber
                in ir Person ze reden sol ime hiemit abgelaint und nit zugelassen werden, er hete
                sich dann solchs vor getanem Aid protestirt. </p>
              <p> Und wann die Kuntschaft in und mit Gericht publicirt und geöffent ist, und sich
                ain Partey mer Kuntschaft ze füeren anmasste, das sol ir auch nit zugelassen werden,
                es were dann uß merklicher Ursach, die di Urtailer oder wir erkennen mochten. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.16">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 16:] Wie es gehalten werden sol mit den, die
                Kuntschaft fürschlahen, und sorgsam es geschee von Verlengerung wegen und von der
                Dilacion derselben.</head>

              <p> So ymant sich vermeß und fürschlueg, Gezeuknus oder Weisung ze tun mit Personen,
                die hie nach unsern Gerichtßzwengen nit ansessig noch underwürfig <pb n="51"/>
                weren, oder mit Bürgern und andern Personen, die ausser Lands und auch nit anhaims
                weren, wo dann die Parteien bedunken wolt, das solche Fürschlahung der Zeuknus zu
                geverlicher Verlengerung geschee, wolt das anden und anfechten, und were der Aid für
                Geverd mit seinen Capitelen, wie vorlaut, geschworen, sol der Fürschlaher der
                Kuntschaft desselben Aids mit entlicher, underschidlicher Bestimmung des Artikels,
                das er kain geverliche Verlengerung noch valsche Beweisung prauchen wolle, erinnert
                und ime solchs daruf gegeben werden. Were aber der Aid mit Stillschweigen fürgangen,
                von kainem Tail begert, noch nit geschworen worden, so sol dem Fürschlaher der
                Zeuknus ain Aid geben werden uf nachvolgend Maynung: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.17">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 17:] Form des Aids</head>
              <p> "Ich swer, das ich solche Zeuknus gar mit kainen Geverden noch zu kainer
                Verlengerung der Sachen fürgezogen, sonder das von Notturft und Warhait wegen meiner
                Sachen getan hab, also helf mir Got und all Hailigen." </p>
              <p> Wo dann der Fürzieher der Kuntschaft uf den geschwornen Aid calumnie oder
                ytztbemelten Aid neme, das sein Fürziehen aus kainer Verlengerung noch Geverd getan
                hete, sol er mit seiner Kuntschaft zugelassen und ime darzu zimlich Zug und Tag
                ertailt und gegeben werden. Wo er aber solchs nit nemen, noch den Aid nit volfüren
                möcht noch wolt, sol er zu solcher Weisung nit gelassen werden. </p>
              <p> Es sollen auch ainem yden Zeugenfüerer drey Dilacion nacheinander zugelassen und
                vergönnt werden nach Erkanntnus unsers Bürgermaisters und Gelegenhait der Sachen,
                wann er seinen Fleis anzaigt und, als oft der Zeugenfüerer ain Dilacion erlangt, sol
                er das von Stunden in das Gericht- oder Ratßbuch bezaichnen und schreiben lassen,
                darmit er solchs, wo di Widerpartei wider ine procediren oder Vollung piten würde,
                Urchund anzaigen möchte. Wo er aber solch Dilacion nit einschreiben liesse und sein
                Widerpartey umb Hilf ansuechte, der soll solchs gestat und der mit der Zeuknus nit
                zugelassen werden. </p>
              <p> Aber die vierdt Dilacion sol ime kainswegs zugelassen werden, es were dann Sachen,
                das er mit seinem Aid betauren und darbringen möcht, das er zu Ervolgung seiner
                fürgeschlagen Kuntschaft höchsten und pessten Fleis angewent hab, aber die nit mügen
                erlangen; sol daruf globen, und der Aid in nachvolgender Massen geben werden: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.18">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 18:] Form des Aids</head>
              <p> "Wie ich mit Trewen globt hab, also swer ich zu Got und den Hailigen mit Warhait
                meiner Sele, das ich zu Ervolgung meiner fürgewendten Kuntschaft dem N. und N.
                meinen höchsten und pessten Fleis angekert, und hab mich durch kain geverliche
                Verhindrung nie gesaumbt, hab aber die aus redlicher Verhindrung nie mügen erlangen,
                also helf mir Got und all Hailigen." </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.5.19">
              <head>[WindsheimRef. I 5 Rubrik 19:] Wie Zeuknus zu ewiger Gedechtnus gefürt werden
                sol.</head>

              <p> Wiewol nach gemainen Rechten kain Zeug noch Kuntschafter vor Bevestigung des
                Kriegs aufgenommen noch verhört werden sollen, es were dann, das ymant die zu ewiger
                Gedechtnus füren wolt, alß-dann, so dieselb Person in Sorgen und Ferlichait stünde,
                das solch Personen, der sy zur Warhait und Kuntschaft <pb n="52"/> nottürftig were,
                sogar verr ausser Lands ziehen wolten oder mit Krankhait und Alter beladen werden,
                das dieselb Partey, der vor irer Stellung beraubt werden und seins Rechtens zu
                Ferlichait komen möcht, dardurch dann die Warhait verdruckt würde, so sol derselb
                die Personen, der er zu seinem Rechten zu geniessen verhofft, vor dem Richter, der
                des Antworters ordenlicher Richter ist, oder desselben Commissarius mit rechtlicher
                Fürvordrung der Widerpartey, die das berürt und antrift, di dann ir Protestacion
                tun, auch ire Interrogatoria geben mag, wie sich gebürt und recht ist. Und wann
                solche Zeuknus ordenlich, wie hievor under etlichen besondern Rubriken bemeld,
                verhört ist, sol di Attestacion und Sag hinder demselben Richter, do sy verhört
                worden ist, verschlossen ligen bleiben bis zu rechtlichem Gebrauch. Und der Cleger
                sol sich der-selben Sag in dem negsten Jar darnach gebrauchen, anderst sy erlischt
                und wirdet von Unwirden; aber der Antworter mag sich ir ye alwegen und zu aller Zeit
                gebrauchen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.6">
            <head>[WindsheimRef. I 6 Titel:] Der sechst Titl des ersten Tails: Von Beschliessung und
              entlichem Rechtsatz.</head>
            <div xml:id="NA.1.6.1">
              <head>[WindsheimRef. I 6 Rubrik 1:] Wie man beschliessen und den Rechtsatz tun sol;
                wie der wider aufgelöst und darinnen gehandelt werden mag.</head>

              <p> Wann die Parteyen Clag, Antwort, Red, Widerred und gefürte Kuntschaft in Recht
                eingebracht, dieselb angefochten, wider defendirt und all Sachen nach Notturft
                fürgebracht und in Recht bestriten, so sol alßdann uf beder oder der ainen Partey
                Begeren beschlossen und die Handlung zu Erkanntnus und gerichtlichem Entschid
                gegeben und gesetzt werden, doch mag ir yde Partey protestiren und vorbehalten [<hi rend="it">bleiben</hi>], solchen Beschlus und Rechtsatz zu restindiren und wider
                aufzelösen, vor und ehe das Urtail geöffent werde. </p>
              <p> So dann ain Partey den Rechtsatz und Beschlus aufzelösen und etwas weiter in Recht
                fürzetragen begerte, und aber die Widerpartey den Anfordrer und den, so die
                Auflösung begert, Geverds beschuldiget, so sol sich, der solchs Auflösung begert,
                mit dem Aide, der ime sonderlich darüber geben werden sol, berainigen, das er solchs
                zu kainen Geverden, sonder aus merklicher seiner Notturft tue. Wo er aber den Aide
                nit volfürt oder vollfüren wolte, so sol der Rechtsatz kreftig, beschließlich und
                die Restission und Auflösung nit zugelassen sein, sonder mit der Urtail daruf
                procedirt werden. </p>
              <p> Und nach getanem Rechtsatz der Sachen sol kain Bewerung oder Weysung mer angenomen
                noch zugelassen werden, es würde dann zuvor der Beschlus und Rechtsatz restindirt
                und wider aufgelöst, und der Ersuecher oder Zeuknusfüerer prechte dar mit seinem
                Aide, wie sich gebürt, der ime derhalben mit sonderer Form aufgelegt und durch ine
                geschworen werden sol, das er vor Beschlus der Sachen von derselben Zeuknus, die er
                füeren wil, vorhin nichts gewisst, sonder erst erkundigt hab. </p>
              <p> Doch Bewerung und Beweisung Augenscheins, "<hi
                  rend="it">probacio ad oculum</hi>"
                zu Latein genennt, mag und sol nach Beschlus der Sachen zugelassen werden und
                gescheen, <pb n="53"/> soverr es di Notturft erfordert, doch das dem Widertail darzu
                verkunt werde, ob er was dargegen reden oder fürbringen wolt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.6.2">
              <head>[WindsheimRef. I 6 Rubrik 2:] In hangenden Rechten sol kain Newerung fürgenomen
                werden.</head>

              <p> Kain Partey sol gegen der anderen in hangendem Rechtskrieg kain Newerung fürnemen
                also, das das die Gstalt der Sachen geendert würde und nit plib, wie die Clag und
                Antwort die Sachen ergriffen heten. Wo sy aber, ain Parthey, solchs underneme, so
                sollen uf desjenen, dem zuwider innovirt und Newerung eingebracht were, Anrufen und
                Begeren, solch <hi rend="it">Innovata</hi> und Newerung, wo die angezaigt und
                bewisen weren, von uns ex officio und richterlichen Ampts wegen abgetan und die
                Sachen in vorigen Stand gestellt und gebracht werden. </p>
              <p> Würde auch durch die beclagten Partey in hangenden Kriegsrechten die beclagt Hab
                vereussert, verhindert oder verendert, wie und in was Weg das beschee, so sol
                derselb auch uß richterlichem Ampt dahin gehalten werden, dieselb verenderten Hab
                wider zu sich ze bringen, oder zum wenigisten, wo er die nit zu ime pringen kunt
                oder möcht, andere gleichmessige Hab und Güter, oder sovil der Wert weren, an
                derselben Stat zu ersetzen und ze stellen, darmit der Cleger ain Benugen müg
                erlangen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.7">
            <head>[WindsheimRef. I 7 Titel:] Der sibend Titl des ersten Tails: Von den
              Urtailen.</head>
            <div xml:id="NA.1.7.1">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 1:] Was ain Urtail sey und wie die gegeben werden
                sol.</head>
              <p> Dweil Urtailen im Rechten genennt werden "gerichtlich Entschid", dardurch die
                Widerwertigkaiten und Krieg geendet, die Parteyen entledigt oder verurtailt werden,
                so ist not, uf die Clagen Antwort eingebrachter, lebendiger oder schriftlicher
                todter Gezeuknus, Urkund und Kuntschaft, daran dann gemainklich die gantz Substantz
                hangt und ligt, Ufmerken ze haben und fleissig zu erwegen, darmit kainem an seinen
                Rechten Abbruch geschee. </p>
              <p> Demnach wollen wir, so Clag und Antwort, auch alle gerichtliche Notturft von beden
                Parteyen für uns in Gericht oder in Rate gebracht, publicirt nach guter Gewon-hait
                und rechtlicher Ordnung mit Reden und Widerreden bestriten, auch der entlich
                Rechtsatz gescheen ist etc., alle Acta und einbrachte Handlung mit Fleis ersuechen
                und erforschen und sonderlich, wo die Handlung Tapfer- und Weitläufigkeit uf ir
                trüeg, des Urtails ain Zeitlang, darmit wir der Warhait grüntlich nachkomen und
                ainen yden durch unsern Rechtspruch, was ime von Rechts wegen gebürt, ertailen
                mügen, Bedacht nemen und alßdann die Urtail in unser Rat- oder Gerichtsbuch uf die
                Clag, Antwort eingebrachter Kuntschaft und gerichtlicher Verhör, und nit uf frömds
                Wissen, lassen vergreifen und in Gegenwurtigkait beder Parteien oder in Abwesen der
                ungehorsamen Parteie verlesen und öffnen. </p>
              <p> Und sind zwaierley Gestalt als underredlich und entlich, wie hernach under dem
                zehenden Titel "Von den Appellacionen" anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.2">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 2:] Uf was Gründt die Urtailen sollen gestellt werden,
                wo kain Beweisung oder Kuntschaft ist.</head>

              <p> Vil und dick werden vil Personen umb vermainte Geltschuld oder ander Sachen mit
                Gericht fürgefordert, das doch one ainiche Beweisung, auch one fürsehenliche
                Vermutung, one redlich Ursach und wider die Warhait [<hi
                  rend="it">ist</hi>]; ist in
                solchem auch oft, als wir uß der teglichen Erfarung befinden, des Cleger Gmüt und
                Maynung, den Fürgeforderten derselben Zeit anhaimischer Arbait zu berauben und uf
                Aid ze dringen. So nu darauf der Antworter des Clegers Clag nit gestendig, und der
                Antworter dieselb sein Clag zu beweisen nit urputig, noch für ine, [<hi rend="it">den</hi>] Clegern nit Ursach fürsehenlicher Vermutung vor Augen weren, so sol der
                Antworter von derselben Clag one ainichen Aid ledig, und der Cleger in die
                Gerichtscosten, dem Antworter zu bekeren und Erstattung seiner anhaimischen Saumsal
                ze tun, ertailt werden. </p>
              <p>Wo aber der Cleger etwas Scheins ainer Beweisung und doch ungnugsam fürbrecht, oder
                Ursach fürsehenlicher Vermutung für ine were, so sol der Antworter uf Berainigung
                seins Aids ledig ertailt und die Scheden compensirt werden. </p>
              <p>Oft geschieht, das der Antworter dem Cleger seiner Clag gestendig ist, doch mit
                ainem Zusatz, als wo der Cleger ainen beclagt, er hab im 10 Gulden geliehen, und der
                Antworter gestet der Clag mit dem Zusatz, er hab ime aber bezalt oder ainß Tails
                daran geben etc., alßdann sol dem Antworter Beweisung, wo, wie und wann er bezalt
                hab, aufgelegt werden. </p>
              <p> Wo er aber der Beweisung nit haben mocht oder kain Quitantz darumben hete, sol er,
                der Antworter in Bezalung der gestanden Suma condempnirt werden, es were dann gar
                ain fürsehenliche Vermutung vorhanden, oder der Antworter, so ains erlichen und
                guten Leumats und der Cleger ains Arkwons, so sol dem Antwurter mit Berainigung
                seins Aids glaubt werden. </p>
              <p>Beclagte aber ymant den anderen, und der Antworter vermaint, dem Cleger an seiner
                dargetanen Clag nichts schuldig sein, und der Cleger seiner Clag kain gnugsame
                dargebrachte Beweisung hete, so mag der Antworter dem Cleger die Betaurung seins
                Spruchs anbieten und haimworfen. Wolt dann der Cleger auf solchs Anbieten und
                Haimworfen seinen dargelegten Spruch mit seinem Aide nit bestetten, so sol der
                Antworter abermals absolvirt und ledig erkennt und der Cleger in die Expens ertailt
                werden. </p>
              <p>Wo aber der Cleger dem Antworter solchen Aid haimwürfe, sein Vernainen darmit zu
                betawern, solche Betaurung sol dem Antwurter, soverr er ain erliche unverleumbte
                Person und nit fürsehenliche Vermutung wider sy vorhanden ist, nit aufgelegt, sonder
                ledig erkennt und die Expens compensirt werden. </p>
              <p>Were aber der Cleger ainer höheren und erberen, unverleumbteren Person dann der
                Antwurter und wider ine oder für den Cleger fürsehenliche Vermutung vor Augen, und
                [d]er Antwurter solchen Aid nit annemen, auch die Berainigung oder Betau-rung mit
                dem Aide nit tun noch vollfüren wollt, so sol der Antwurter condempnirt und als
                schuldig ertailt werden. </p>

              <p>Wo sich aber begebe, das zwu Parteien in Recht geerbet und den Rechtsatz und
                Beschlus one ainiche Beweisung getan heten, und zu beden Tailen Ursachen zu
                fürsehenlichen Vermutungen, oder der von kainem Tail vorhanden und bed Parteien
                glaubwirdig, unberüchtigt und erlich Personen, oder aber zu beden Tailen <pb n="55"/> schlecht Personen weren, und zu ainichen rechtlichem Grund der Sachen one
                Dargebung ains Aids nit komen werden möcht, so sol derselb Aid alwegen der Person,
                die glaubwirdiger und vermutlicher were, sy hab Got mer vor Augen dann die ander,
                der Aid aufgelegt und auf Volfürung desselben, ist sy der Cleger, der Antworter
                condempnirt, ist sy aber der Antworter, absolvirt und die Scheden compensirt werden.
                Wo sy aber solchen Aid nit volfüren wolt noch möcht, sol di andere Partey obtinirt
                haben, und der den Aid nit nemen wolt, in die Expens condempnirt werden. </p>
              <p>So ain Witbe oder Kinder ains getorben Haußwirt oder Vaters umb Schuld oder ander
                Sachen, die der Abgestorben ymants ze tun und schuldig were oder sein solt, beclagt
                würden, und dann die Witwe, Kinder oder ander, die also von des abgestorben und
                moltigen Munds wegen beclagt wurden, umb den Zuspruch kain Wissen heten, und der
                Cleger was glaubhaftig oder ainiche Vermutung für ine were und der Clag oder seins
                Zuspruchs nit vollige Beweisung hete, so mag der Verantwurter ain Aide uf des Toten
                Leib, das man "moltigen Mund" nennt, ertailen also, das er von der Sachen, darumben
                er beclagt, kain Wissen hete, nach Laut diser nachvolgenden Form: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.3">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 3:] Aid uf <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=moltig">moltigen
                  Mund</ref>
              </head>
              <p>"Ich swer ainen Aid zu Got und den Hailigen mit Warhait meiner Sel, das ich von der
                Sachen gar kain Wissen, auch von meinem Haußwirt (oder Vater etc., wie dann der
                Handel herfleußt) derhalben nie nichts gehört noch vernomen hab. Ich wil aber
                höchste und fleissige Nachfrag und Forschung haben, ob ich der Sachen was erforschen
                und erfragen möchte. Was ich also erforsch und erfrag, darinne ich dann gar kainen
                Fleis sparen noch Geverd undermischen, das wil ich bey disem meinem Aid one alles
                Verziehen, Vortail und Geverd, wenn ich des angesonnen wirde, getreulichen anzaigen
                und tun dasjen, so ich mit Gericht underwisen wirde. Also helf mir Got und all
                Hailigen." </p>
              <p>So er den Aid also volfürt, so sol ime, dem Antworter Jar und Tag, Schub und
                Dilacion geben und darneben eingebunden werden, das er uf den moltigen Mund Vorsch
                und Frag hab, deß, darumben er angesprochen ist, zu erfaren. Und wann die Zeit, Jar
                und Tag verschinen und vergangen und der Cleger den Verantworter widerumb für
                Gericht gefordert hete, zu erlernen, was der Antworter erforscht hete, so sol uf die
                Erlernung und Vorsch, wo was erforscht were, als bekennt geurtailt werden. Wo aber
                kain Erforschung noch Erkundung auf fleißige Nachfrag der Antworter het mügen
                erfinden, so sol ime ain Aid uf nachvolgende Form aufgelegt werden, den er auch
                seins Inhalts, wie recht ist, volfüren sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.4">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 4:] Form des Aids</head>

              <p>"Ich swer, das ich gebürlichen und nottürftigen Fleis, solchs zu erfaren, getan
                hab. Ich glaub auch nit, stet auch in meinem Wissen nit, das ich dem Cleger solcher
                Anforderung halb ainichs schuldig oder pflichtig sey. Also helf mir Got und all
                Hailigen." <pb n="56"/>
              </p>
              <p> Wo aber der Antworter umb ainen Tail oder Anzal wisste und derselben Anzal als
                glaubhaftig gestünde, so möcht er solch Anzal darlegen und umb die Überteurung
                schweren. </p>
              <p>Wo aber ain Partey, der ain Aid aufgelegt wurde, Schub und Dilacion begerte, sol ir
                dieselb geben, und, wie es verrer darmit gehalten werden sol, findet man hernach in
                disem Tail under der Rubric "Wie di Par-tey, der ain Recht aufgelegt ist, zu
                Volfürung desselben mag Dilacion piten etc.". </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.5">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 5:] Uf was Grund die Urtailen sollen gestellt werden,
                so Beweisung gefürt ist.</head>

              <p>Dieweil in menigerlay Weiß und Weg mügen Beweisung gescheen, daruf ze urtailen ist,
                als durch Gezeugen, mit offenbaren glaubwirdigen Schriften oder durch Bekenntnus der
                Parteyen, durch ainen offenbaren Leumut, so ain Gezeug oder sunsten halb gnugsame
                Beweisung da ist, durch ainen Aid, der ainer Partey durch den Richter aufgelegt,
                oder die ander Partey haimgeworfen wirt, auch in Besichtigung des Augenscheins, "<hi rend="it">probacio ad oculum</hi>", und durch offenbar Geschicht, di am Tag ligt,
                darvon kain Zweifel ist und dergleichen, demnach, wo zwu Parteien, in Recht
                gewachsen, Clag und Antwurt fürgebracht und sich ain Tail Beweisung angemasst,
                dieselben Gezeugen fürgestellt und, so man die verhört und den Rechtsatz getan hat,
                und aber der sich was zu beweisen angemasst und dasselb sein Anmassen nit lauter
                noch gnugsam, weder durch Personen, Schriften noch obemelten Gezeuknussen bewisen
                het, so sol der Antwurter von der Clag und desselben Fürtrags ledig ertailt werden.
                Herwiderumben sol der Cleger, so er sein Clag gnugsamlich bewisen hat, seinen Spruch
                erstanden haben und für ine geurtailt werden mit Ablegung seiner Expens uf zimblich
                Messigung, es were dann, das der Antworter darwider noch mer und lautere Beweisung
                fürbrechte. </p>
              <p>Wenn ain Partey, die sich auf Zeuknus gezogen und sich ir Clag oder Artikel darmit
                war ze machen erboten hat, und dann dieselb Partey zwu oder drey glaubheftig
                Personen hat, die ir Clag oder Posicion war sein sagen, so sol alßdann für dieselben
                laut irer Clag, soverr di ander Partey nit mer und gnugsamere Zeuknus fürprechte,
                mit Ertailung oder Compensirung der Expens geurtailt werden, doch in den Fellen
                alwegen, do die geschriben Recht, als in Testamenten, Codicillen, Übergaben, in
                Peinlichait und anderm, wie hernach in ydem Fall und Tail auch berürt wirdet,
                benennen und haben wollen, dieselben Recht und Fell angesehen. </p>

              <p> Wann aber ain Partey zwen, drey oder mer Gezeugen fürstellt und sein Clag oder
                Artikel darmit warzemachen vorhete, und under denselben Zeugen ainer die gantz
                Substantz, Handlung, Clag oder Artikel war sein sagte, und die andern Zeugen allain
                von Hörensagen und nit die gantz Substantz sagten, so dann der ain Gezeug, der also
                die Substantz sagte, ain erbere, geleumbte und redliche Person und dem Fürsteller
                mit Sipschaft nit verwont ist, so mag nach Gstalt der Sachen und auf Vermutung, das
                das Fürbringen di Warhait sey, dem Fürsteller der Aid, so man zu Latain "<hi
                  rend="it">juramentum decisorium</hi>" nennt, aufgelegt werden. Also müg er sweren
                zu sambt seiner eingebrachten Kuntschaft, das sein Dargeben, Clag oder Antwurt die
                Warhait sey; das sol von ime aufgenomen werden. Und er tu <pb n="57"/> das oder nit,
                geschee darnach verrer, was Recht sey. Volfürt er alßdann solchen Aid, so sol für
                ine geurtailt, ist er Cleger, sol ime der Antworter condempnirt und vollig ertailt,
                ist er aber Antworter, sol er absolvirt und mit den Gerichtsscheden, mit
                Condempnacion oder Com-pension nach Gstalt der Sachen gehandelt werden. Wolt er aber
                solchen Aid nit volfüren, sol er sambt seiner Widerpartey Ablegung der Expens
                condempnirt und seins Rechtens verfallen werden. </p>
              <p>Wölche Partey sich in seinem Anmassen gründet auf ain Qualitet, das ist ain
                Wesenlichait oder ain Zufal ainer Geschicklichait, die di Geschicht oder die Clag
                beschweren möcht, als wo ainer clagt, er were von seiner Widerpartey mit ainem
                plossen Messer überloffen worden und mit demselben Messer hart verwondet; nu, wo
                derselb Cleger bewise, das er angelaufen were, und bewiß doch nit, das der Anlaufer
                ain ploß Messer gehabt hete und ine ver-wundet, so hat der Anmasser der Kuntschaft
                die Qualitet und zugesetzt Maße nit bewisen, und uf solche unbewißne Qualitet sol zu
                yder Zeit di Widerpartey ledig ertailt, die Scheden nach Gstalt der Sachen
                compensirt, oder aber der Anmasser condempnirt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.6">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 6:] Wie die Partey, der ain Recht und Aid aufgelegt
                ist, zu Volfürung desselben mag Dilacion piten, und wie es mit ir in Condemnirung
                oder Absolvirung gehalten werden sol.</head>
              <p>Wirdet ainer Partey mit entlicher oder underredlicher Urtail ain Aid ertailt und
                der, dem solcher Aid ertailt und aufgelegt ist, denselben Aid auf frischem,
                erstgeschechnem Auflegen nit möcht noch wolt volfüren, so sol derselb Fueg und Macht
                haben, sich desselben Aids zu bedenken, ob er den mit Warhait seiner Sele und one
                Betrug seiner Widerpartey müg schweren, 14 Tag, die negsten nach gegebnen Urtail,
                oder do ime solcher Aid aufgelegt worden ist. </p>
              <p>Wann nu di 14 Tag vergangen sein, und er den Aid inmassen, wie er ime ertailt ist,
                wil volfüren, sol er zuvor bey dem Bürgermaister oder Richter ain Tag oder drey
                Ansuechung tun, das er ime solch aufgelegten Aid zu volfüren vergönne. Alßdann sol
                ime durch den Bürgermaister ainen Tag zu Volfürung desselben ernennt, darbey
                angesagt werden, das er seiner Widerpartey auf denselben Tag durch den geschwornen
                Knecht zu erscheinen, den Aid ze sehen und ze hören verkünde. Und es erschein der
                Widertail oder nit, sol dennoch nichts weniger uf Vollfürung des Aids und Rechtens,
                der das volfürt, ist er Cleger, der Antworter condemnirt, ist er aber Antworter,
                absolvirt und mit den Expensen nach ansehenlichen Sachen erkennt werden. </p>

              <p> Wo aber der, dem solch Recht aufgelegt worden ist, lenger Dilacion dann 14 Tag ze
                haben nottürftig sein würde, sol ime auf sein Begeren zum andern, auch nachvol-gends
                zum dritten albegen 14 Tag Dilacion geben werden, doch das er solch Erlangung der
                Dilacion und Schub albeg zu dem gegeben Urtail laß einschreiben. Wo er aber solchs
                nit ließ einschreiben, sol seiner Widerpartey uf ir Ersuechen und Begeren Rechts
                gestattet, verholfen und der, dem solch Recht aufgelegt ist und hat die Dilacion nit
                lassen schreiben, vollig ertailt oder aber absolvirt werden nach Gstalt der Sachen.
                Wo aber der, dem solch Aid aufgelegt und ertailt ist, das nit wolt noch möcht
                volfüren und unseren Bürgermaister oder den Richter umb verrer Dilacion zu Volfürung
                  <pb n="58"/> desselben nit ansuechte, so sol und mag sich sein Widertail bey dem
                Richter nach Verscheinung der 14 Tag anzaigen und Hilf von dem, so der Aid aufgelegt
                und nit volfürt ist, begeren. Auf solch Ansuechung sol der Richter demselben den
                negsten Gerichts- oder Ratstag ernennen, zu dem er also durch sich selbst oder
                seinen Anwald komen und Hilf begeren sol. Alßdann sol der, dem solch aufgelegt ist,
                er sey Cleger oder Antworter, condempnirt und umb den Spruch vollig ertailt werden
                und hinach verrer nit mer gehört noch mit seinem Aide zugelassen werden, er möcht
                dann zu Recht gnugsam beybringen oder deßhalb ainen sondern Aid sweren, das er solch
                Aid uß rechten ehaften Ursachen, das ist Venknus, Krankhait, Herrengescheft, Wasser
                und Ausser-Lands-Sein, nit hete mügen volfüeren noch Dilacion desselben begeren. Wo
                er dann solch Ehaft fürbrecht, sol er wider zu Volfürung seins Rechtens gelassen und
                die Condempnacion oder Absolucion, die ime oder seiner Widerpartey gescheen were,
                cassirt und abgetan sein. </p>
              <p>Wer aber ainiche Vermutung oder rechtlicher Grund und Erfarung vor Augen, das dem
                Aufgelegten des Aids zugemessen werden mocht ainiche Leichtvertigkait oder
                Ausspennung seiner Widerpartey, so sol ime nach gegeben Urtail kain Dilacion noch
                vil weniger die Ehaft ze schweren zugelassen werden. </p>

              <p>Arbaiten aber zwu Parteien gegeneinander in Recht, und yde Partey vermaint
                Kuntschaft darzebringen, nemblich die ain Partey uf "Ja", und die ander uf "Nain",
                so sol der Partey, die uf "Ja" arbait, zu der Kuntschaft gelassen und die ander
                Partey nit gehört werden, es geschee dann mit ainer Maß, wie hievor in diesem ersten
                Tail under dem fünften Titel "Von Beweisung und Zeugen" under der <ref target="#NA.1.5.3">Rubric "Wie das Wort ,Nain' beweist wirdet"</ref>, klerlich
                inhelt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.7.7">
              <head>[WindsheimRef. I 7 Rubrik 7:] Wie und wenn Gerichtshendel erleschen und mit
                Urtail werden abgetilgt.</head>
              <p>So Cleger oder Antworter, vor und ehe dann entlich zu der Clag geantwort und der
                Krieg bevesstigt ist, mit Tod abget, so sol dasselb fürgenomen Recht darmit
                abgestellt und gefallen und der Antworter oder sein Erben nit schuldig sein, den
                Krieg zu bevestigen, sonder solchs uf Begeren der Parteien mit newen Ladungen und
                Clagen fürgenomen werden mit Abstellung der aufgeloffen Gerichtscosten, es were dann
                Sach, das solch Sachen durch merklich Auszug und rechtlich Übung aufgezogen, das in
                Schriften verfasst oder sunsten in frischer Gedechtnus were dem, der beclagt oder
                sein Erben anhangen und rechtlich Beschaid darumb haben wollte, oder das vor
                Bevestigung des Krigs in dem Handel ainich Interlocutori, das ist Beyurtel,
                ergangen, von der appellirt were, so sol alßdann der Handel und di Sach nit
                abgestellt sein, sonder mochten das an den Enden, wie sich gebürt, vollenden und
                außtragen, darzu des Abgegangen Tails Erben darzu verkünden. </p>

              <p>Es geschicht auch oft, das zwu Parteien aneinander rechtlich fürfassen und sich
                mutwilliglich in Cost und Scheden füren, darzu die Sachen unentschaiden lassen
                hangen, und muß der Antworter dem mutwilligen Cleger mit Erscheinung verpunden sein.
                Solchem zu begegnen wollen wir, das nu hinfüro kain Cleger seinen Spruch gegen dem
                gerichtlich Fürgevassten mer dann zwaymal mag lassen fallen. Also, wann ainer den
                anderen umb ain Sachen, was die were, beclagte und ain virtel Jars nach dem ersten
                Fürbot one Ehaft und redlich Ursachen, die zu Erkenntnis sten sol, liesse
                verscheinen, in der Sachen nit procedirte, mag er zum ander Mal fürvordern und nach
                demselben Termin auch ain virtel Jars ließ verscheinen <pb n="59"/> und procedirt
                nit, so sol derselb Zuspruch gegen dem Antworter tod und ab, der Antworter uf sein
                Anrufen absolvirt und der Cleger hinfüro umb denselben Zuspruch nit mer gehört
                werden, er tete dann Caucion und Sicherhait, das er solcher Rechvertigung, wie ime
                die aufgelegt wurde, stracks wolt nachkomen, und sol der Cleger nichts weniger dem
                Antworter in sein Expens, durch sein erst Zwu-Tagwartung erliten, darzu den
                Pfenderen umb 5 Pfund ze Pueß condempnirt werden. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.8">
            <head>[WindsheimRef. I 8 Titel:] Der acht Titl des ersten Tails: <lb/> Von
              Vermutungen.</head>
            <div xml:id="NA.1.8.1">
              <head>[WindsheimRef. I 8 Rubrik 1:] Von der Vermutung, was die sey etc.</head>

              <p>Dieweil hievor in Entschaidung der Urtailen vil uf Vermutung gestellt ist, wil die
                Notturft erfordern ze wissen, was das Wort "Vermutung", zu Latein "<hi rend="it">presumpcio</hi>", haiß, in was Gstalt, und wann zu ir ze fliechen oder auf sy ze
                gründen sey, und hat menigerlay Außlegung. Doch under allen Auslegungen wirdet zum
                letzten ain Sin daraus verstanden also: Vermutung ist ain Ursach oder Grund, daraus
                die waren Geschichten durch Gleichnus vermerkt und bewert werden und ist dreyerlay.
                Die erst haist "frevenlich", die ander "beweißlich" oder "bewerlich" und die dritt
                "creftig" oder "mechtig". </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.8.2">
              <head>[WindsheimRef. I 8 Rubrik 2:] Von der frevenlichen Vermutung.</head>
              <p>Frevenliche Vermutung entstet von pösen, haderlichen, leichtvertigen Personen und
                Sachen, als wo man ain alte verleumbte Weibßperson bey ainer jungen sten sehe, die
                ir ainen Prief mit roter oder grüner Seiden umbwunden darraichte, möcht ain Arkwon
                oder Vermutung ainer Cuplerin entsteen. Dweil aber zweiflich Sachen alwegen zum
                pessten gekert werden sollen, so wil auf ain solche Vermutung nit ze gründen sein,
                und ist solche Vermutung frevenlich zu verwerfen und nit anzenemen, noch die
                Urtailen darauf ze schöpfen. Dann das alt Weib möcht der Jungen solche Seiden
                gekauft und umb ain Papier, das die nit verwirrt würde, gewunden haben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.8.3">
              <head>[WindsheimRef. I 8 Rubrik 3:] Von der bewerlichen Vermutung.</head>
              <p>Bewerliche Vermutung entstet uß vil Ursachen und Won, und ist ain Vermutung des
                Richters, als wo ain Gerücht und Leumat auf ainen entstet, aus dem der Verdacht
                verursacht wirdet, sich zu berainigen und purgiren und der Berüchtigung zu
                entschuldigen; so der Berüchtigt sich vor Gericht wil purgiren, ist dem Richter ain
                Vermutung, er sey unschuldig, und solche Vermutung gibt dem Richter ain halbe
                Beweisung. Aber doch wider solch Purgiren und Vermutung werden Zeuknus zugelassen,
                und alßdann nach diser Vermutung ist auch nit ze urtailen, es beschehe dann Pruch
                oder Mangel an der Beweisung, oder das ain Zeug oder ain andere gleiche Vermutung
                darumben und darneben auch entstund. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.8.4">
              <head>[WindsheimRef. I 8 Rubrik 4:] Von der creftigen Vermutung.</head>
              <p>Creftige oder mechtige Vermutung haist ain Vermutung des Rechtens und entstet aus
                ainer Beweisung mit solcher Craft, das sy der Warhait gleich ist, als wann ainer in
                Gericht ainen Schuld- oder ainen anderen dergleichen Prief fürlegt, der zerstochen
                oder durchstrichen, oder das Sigill darvon geschnitten ist, ain Rechtsvermutung, das
                die Schuld bezalt sey, und ist gnugsam Urtail daruf ze schöpfen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.8.5">
              <head>[WindsheimRef. I 8 Rubrik 5:] Von menigerlay starken Vermutungen, daruf ain
                Grund ze setzen ist.</head>
              <p>Item ain yde gute Sache wirdet für gerecht, und ain yde pöse Sach wirdet für
                ungerecht vermutet, es werde dann statlich darwider bewisen. </p>
              <p>Item zwischem ainem Vater und seinem Son oder zwischen Eeleuten wirdet ain
                aufgerichter Contract für simulirt und scheinlich vermut und geacht. </p>
              <p>Item es wirt vermut, es hab ainer ainen guten Leumut. </p>
              <p>Es wirt vermutet, ainer, der neulich gelebt hat, er leb noch, es were dann der Tod
                bewisen. </p>
              <p>Es ist zu vermuten, es sey ainer ains gesunden Gemüts, es werde dann dargegen ain
                anders bewisen. </p>
              <p>Es wirt vermut, der ainmal gut ist, das er allemal gut sey. </p>
              <p>Herwiderumb wirdet auch vermut, wer ainmal pös ist, das er allmal pös sey. </p>
              <p>Es wirdet auch vermut, ainer sey seins Ampts unwirdig, der bezwungenlich oder wider
                seinen Willen darzu verordent ist. </p>
              <p>Es wirdet vermut, das der ain Velscher und Betrieger sey, der sich unwarhaftiger
                oder verdechtlicher Schriften im Rechten gebraucht, so er dieselben für glaubwirdig
                darlegt. </p>
              <p>Es ist aus natürlicher Lieb zu vermuten, das ain Sone seinen Vater alspald hab
                wollen ledigen, den er von Geschicht der Chur hat wollen ledig sein. </p>
              <p>Es ist zu vermuten, es sey ainer tüglich, es werde dann die Untüglichait dargegen
                bewisen. </p>
              <p> Aus ainer nachvolgenden Geschicht ist etwas groß zu vermuten, als oben von der
                kreftigen Vermutung stet, also das ainer gleich aus geschechner Tat für ainen
                Bekennten oder Überwundenen ze achten sey. </p>
              <p> Es wirdet vermut, ainer, der ainen anget und schlecht ine, das er ine hab wollen
                tödten oder doch großlich verletzen, es werde dann darwider bewisen. Und dise
                Vermutung sol sein vom Gegenwurtigen zum Vergangen. </p>
              <p> Wölcher ainem gibt hessige Wort, wirdet vermut, es geschee in Willen, ine ze
                schmehen, es werde dann das widerwertig bewisen. </p>
              <p>Es ist zu vermuten, so ain Kind aus ainem eelichen Weib geboren, das es desselben
                eelichen Mans Kind sey, wo sy anderßt beieinander wonen. </p>
              <p> Herwiderumben wirdet vermut, so der Eeman in zehen Jaren nit anhaims gewest, das
                Kind sey nit sein. </p>
              <p>Item, der wirdet für arkwonig vermutet, der unwilliglich was Sachen übte. </p>
              <p> Es wirdet vermutet, das ainem Gwaltigen kain Injuri noch Überlast geschee, es
                werde dann die Unmüglichait darwider bewisen. </p>
              <p>Es ist zu vermuten, das ainer ain Urtail angenomen hab, der in etlichen Sachen tut,
                das das Urtail außdrückt. </p>

              <p>Es ist sich zu vermuten, wölcher zu ainer Bezalung Frist begert, das er schuldig
                sey oder hab das Urtail angenomen. <pb n="61"/>
              </p>
              <p>Es ist sich zu vermuten, aine sey ains eeliche Hausfrau, die bey ime wont, es werde
                dann darwider bewisen. </p>
              <p>Es wirdet vermuet, wölcher aus ainem guten Geschlecht geboren, er sey auch gut <hi rend="it">et e converso</hi>. </p>
              <p>Item es wirdet vermut, ain eeliche Hausfraw hab ir Gut und Klainot von irem Mann,
                es werde dann bewisen, das es anderßwo herkombe. </p>
              <p>Item wölcher ain Heuratgut mit der Underschid gibt, das es ime widergeben werden
                sol auch in dem Fall, der da mit außgedrückt ist, wirdet vermut, er hab sich darmit
                fürsehen wollen, es werde dann durch das Weib anderß bewisen. </p>
              <p>Es wirdet vermutet, ainer, der alle seine Güter entpfrömbd, er hab es ungern tan,
                es werde dann sein Will bewisen. </p>
              <p>Es ist sich zu vermuten, das Wuecher sein zugelassen, die vor lang bezalt sein. </p>
              <p>Es ist sich zu vermuten, der Schuldiger sey von seinem Gläubiger erledigt, so er
                den abgetanen Prief hat. </p>
              <p> Es ist sich zu vermuten, wann ain Weib über aylf Monat nach Absterben irs Ewirts
                ain Kind gebirt, sy hab es von ainem andern entpfangen. Dise Vermutung wirt vom
                Gegenwurtigen in das Künftig. </p>
              <p>Es wirdet auch vom Vergangen wider das Gegenwurtig vermut, wann also ist es wider
                ainen in Behaltung seiner Pfründt. </p>
              <p>Item es wirdet sich vermut, das des Sons Güeter des Vaters sein. </p>
              <p>Item, was in den Instrumenten oder Priefen versprochen ist, wirdet vermut, das es
                zirlich und wol gehandelt sey. </p>
              <p>[Es ist] Sich auch zu vermuten, wölcher tobig oder ains wütenden Gmüts ist, das er
                alwegen also pleib. </p>
              <p> Item, so ain Gab oder Donacion geschicht zur Zeiten der Ee, ist zu vermueten, sy
                sey darvor bewilligt. </p>
              <p>Es ist sich zu vermuten, wo ymants ain Geding macht von Gelts wegen, das bedingt
                sey, das Pfand nit wider zu erforderen. </p>
              <p>Wann ain Mutter und ain Kindlin, das ir ist, in ainem Schifbruch sterben, wirdet
                vermut, das Kind sey ehe gestorben. </p>
              <p>[Es ist] Sich auch zu vermuten, Vater und Muter haben das überkomen Gut inen
                beiden, oder ir ainem für sich selbst wollen behalten, sy habens dann andern
                übergeben. </p>
              <p>In Sonderhait, was für Vermutung zuzelassen sein oder nit, sol in dem Hertzen des
                gerechten Urtailers fleissiglich erwogen werden. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.9">
            <head>[WindsheimRef. I 9 Titel:] Der newdt Titl des ersten Tails: Von der Taxacion
              etc.</head>
            <div xml:id="NA.1.9.1">
              <head>[WindsheimRef. I 9 Rubrik 1:] Wann die Taxacion der Ausgab und Expens begert,
                und wie die taxirt werden sollen.</head>

              <p>Wann ainer Partey in Recht, sy sey Cleger oder Antworter, was ze tun aufgelegt
                wurde, oder sich was darzebringen vermesse, und dasselb uf den benenten Tag nit
                tete, und die Widerpartey erfordert desselben Tagwartens Cost und Expens, so sol <pb n="62"/> auf des handelnden Tail Aufmerkung gehabt werden, ob er in der Sachen
                geverlich lessig gewesen sey oder nit; derselben Ufmerkung und Erfindung nach sol
                die Taxacion von Stunden oder zum letzten in dem Urtail gegangen werden. </p>
              <p> Wo aber ander Expens nach Verfachung des Kriegs als mit Fürbot, Einschreibung,
                Lesen, Abschriften, Zeugen, Gerichtsknechten und ander dergleichen auflaufen, di
                sollen erst zuletzt mit dem Endurtail, soverr sich der ain Partey nit verzeicht und
                vor dem Endurtail begert, taxirt und geortert werden. </p>
              <p>Wo aber ain Partey solcher Scheden nit begeren, sonder mit Stillschweigen fürgeen
                liesse, sol ir kain Ermessigung oder Ablegung darumben erkennt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.9.2">
              <head>[WindsheimRef. I 9 Rubrik 2:] Die Tax des Interesse.</head>
              <p>Interesse hat menigerley Namen und Bedeutnus, erstlich wirdet das Wort "Interesse"
                genennt ain Schatzung oder gezelt Gelt, die do volgt anstat ainer ydlichen Hab, wo
                die nit geben wirdet, als sy sol, oder ains ydlichen Dings, wann es nit geschicht,
                als es geschehen sol; also wirdet und sol es angesehen werden, was das Schaden oder
                Nutz pringen mog, so das Verhaissen nit gescheen ist. </p>
              <p>Item Interessescheden wirdet gehaissen di Schatzung des Schadens, das ainem
                geschicht, oder des Gewins, der dann ruwet und versaumbt werden muß, so etwas
                geschehen solt und nit geschicht. Wirdet auch genennt in drey Weg etlich Geding, als
                wo ainer spricht: "Tu ich das nit, als ich dir verhaisssen hab, so wil ich dir geben
                zehen Gulden für deinen Schaden." Wo solchs also für uns in Gericht eingebracht
                wirdet, wollen wir zu yder Zeit solchen Schaden und Verhaissung nach Laut der
                Parteien Überkommung erkennen und taxiren. </p>
              <p>Item des gemainen Iteresse Schad ist ain gemaine Schatzung des Schadens, der do
                geschicht ainem uß dem, das etbas geben oder gescheen sol, und dasselb wirdet nit
                geben, oder geschicht nit an der Stat oder zu der Zeit, oder wirdet nit geben, als
                es geben werden sol, oder geschicht nit, als es gescheen sol; in solchem gemainen
                Interesseschaden werden gerechent die Nutzung der Hab, die man schuldig ist, auch
                Lon, Zinß und Gult etc.; auch wirdet angesehen di Stat, die Zeit und deßgleichen. </p>
              <p>Item des sonderlichen Interesseschad ist ain Schatzung, die do kumbt aus
                sonderlicher Begird, die ainer zu ainem Ding hat, als wo man ainem ze kaufen geit
                ainen Grunds, der seines Vateren oder Gefrundten gewesen ist; dieselben Gründ sein
                gemainklich ainem begirlicher dann frömbde, oder wo ainer kaufte ain Haus, das an
                ime gelegen were, und das Haus, das er vor hete, gült dem newgekauften Haws ain
                Dinstberkait, die were darmit abe. Und also were solcher Kauf dem, der in getan hat,
                umb 10 Gulden nützer dann ainem anderen. </p>
              <p> So dann ymant den andern also beclagt, oder in aine Clag under anderen ließ
                mitlaufen, der sol dasselb Interesse ermelden und estimiren, wie hoch er das acht;
                dargegen sol des Beclagten Gegenred auch gehört und uf beder Tail Rechtsatz ain Suma
                taxirt und dem Darleger ain Aid aufgelegt; was er under derselben Suma Schadens oder
                Nachtails entpfangen hab, das sol ime der Widertail zu bekeren verurtailt werden. </p>
              <p>In solcher Maynung sol es auch mit den anderen Ausgaben und Gerichtscheden, uf
                Fürbot, Schreiben, Kuntschaft und dergleichen ergangen, gehalten werden, soverr
                derselben vil aufgeloffen und die gerichtlich Handlung mit der Dapferhait und Groß
                beladen were. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="WHR1.10">
            <head>[WindsheimRef. I 10 Titel:] Der zehend Titl des ersten Tails: Von dem
              Appelliren.</head>
            <div xml:id="WHR1.10.1">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 1:] Was ain Appellacion sey, und, wieder beschwert,
                appelliren, auch was er tun sol.</head>
              <p>Das Wort "<hi rend="it">Appellacio</hi>" wirdet im Rechten ausgelegt, das es sey
                ain Widerpringung der Urtailen und Beschwerden durch ain Berufung von aines andern
                Richters bössen und ungerechten Urtailen oder Beschwerungen, an den oberen Richter
                gescheen. So nu also ymants durch ain unser Urtail, sy sey entlich oder
                underredlich, beschwert ze sein vermaint, mag er das Mitel der Appellacion, soverr
                die Haubtsuma über 14 Gulden betrifft, fürnemen, doch mit der Underschid, wie
                hernach under der Rubric "Hernach volgt die Freiheit, uns Appellirens halben
                gegeben" bemeld wirdet, und daruf one Mittel für den allerdurchlauchtigisten und
                großmechtigisten Fürsten und Herrn, Herrn Carlen, erwelten Römischen Kaiser, zu
                allen Zeiten Merer des Reichs etc., unserm allergnedigisten Herren oder seiner
                Kayserlichen Majestet Nachkomen am Reich und derselben Camergericht, ze Stund an
                nach Eröffnung der Urtail müntlich appelliren in nachvolgender Form: </p>
              <p>"Herr der Richter, als ytzo von euch ain Urtail für A und wider ine, B., der
                Iniurien (oder ander Sachen) halben ergangen, darinnen ist er beschwert aus
                Ursachen, die er zu seiner Zeit im Rechten anzezaigen wais, beruft, bedingt und
                appellirt derhalben an den allerdurchleuchtigisten und großmechtigisten Fürsten und
                Herrn, Herrn <persName>Corolum</persName>, erwelten Römischen Kaiser, zu allen
                Zeiten Merer des Reichs, in Germanien, Hispanien, Neapolis, beder Sicilien und
                Jerusalem König, Ertzhertzogen zu Österreich etc., unsern allergnädigisten Herrn und
                seiner Kayserlichen Majestet Camergericht, in der allerhöchsten und pessten Form,
                und er das von Recht, Gewonhait und Pillichait wegen tun sol und mag, zum ersten,
                zum anderen und zum dritten, fleissig, noch fleissiger, aberfleissiger und zum
                allerfleissigisten bit und begert, daruf Laßbrive, Apostel und Urkund der ergangen
                Handlung underwürft und bevilcht sich und seine Anhenger und Sachfürer in Schutz und
                Schirm obenanzaigtens unsers allergnedigisten Herren." </p>

              <p>Wo aber ymants in Zweifel stünde, die Urtail in ir Craft lassen ze geen oder darvon
                zu appelliren, mag er "<hi rend="it">terminum iuris</hi>" zehen Tag begeren und
                alßdann anderst nit dann in Schriften appelliren und von uns oder unserem
                Bürgermaister solch Appellacion in dreissig Tagen, den negsten nach der Appellacion,
                auch der Widerpartey durch ain Instrument von ainem glaub- und erenwirdigen Notario
                gemacht, insinuiren und verkünden, Apostolos piten und das ze tun, wie hernach in
                Kaiserlicher Majestet Begnadung uns der Appellacion halben darmit gnediglich
                fürsehen begriffen ist. </p>
              <p> Und solchs ist allain zu versteen uf die Endurtailen. Wo aber ymants von ainem <hi
                  rend="it">Interlocutorium</hi> oder Beyurtel zu appelliren underneme, das sol
                allain in Schriften und nit muntlich gescheen, anderßt die Appellacion were desert.
                Wir wollen uns <pb n="64"/> auch nach Zugebung der Recht, die da wollen, das ain
                Richter die Beyurtailen aus ansechlichen Ursachen widerrufen und aufheben mag,
                Vorbehaltung getan haben, ain oder mer Beyurtel, die durch uns ergingen, aufzeheben
                oder in ir Craft geen ze lassen, wi Recht ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.2">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 2:] Urtailen, darvon man appellirt, haben zwayerlay
                Namen.</head>
              <p>Wann dann der Appellans müntlich oder in Schriften der Apostel begert, sol ime
                nachbemelte Freihait vorgelesen und daruf der Aid aufgelegt, zu Caucion und
                Sicherhait gehalten werden. Ist er dann solchs ze tun urputig und volfürts nach Laut
                der Freihait Sag, sollen ime di Acta, darzu Apostolos nach Gstalt der Sachen gegeben
                werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.3">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 3:] Von den Apostelen.</head>

              <p>Apostel sind Loßbrive und haissen kurtz Sendbrive, die da den Richter, darzu
                appellirt wirdet, underweisen des Richters Gmüt, von dem appellirt ist, wie und was
                Gstalt er die Appellacion zulaß und derselben statgeb, und sind menigerlay Namen als
                  <hi
                  rend="it">convencionales</hi>, <hi rend="it">testimoniales</hi>, <hi rend="it">dimissorias</hi>, <hi
                  rend="it">reverenciales</hi> und <hi rend="it">refutatorias</hi>. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Convencionales</hi> sind die, so die Widerpartey die in Gericht
                selbst zulesst, ob sy der Richter verwürft und untüglich acht. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Testimoniales</hi> sein, die vor dem Richter oder anderen
                glaubwirdigen Personen erzeugt werden. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Dimissori</hi> sein die, durch wölche verstanden wirdet, das der
                Richter der Appellacion stat hab geben. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Reverenciales</hi> sind die, wann die Appellacion allain dem obern
                Richter zu undertenigen Eren und Gefallen die Appellacion zugelassen und sunsten für
                untüglich geacht ist. </p>
              <p>
                <hi rend="it">Refutatorii</hi> sind die, aus wölchen erscheint und erfunden wirdet,
                das der Richter der Appellacion nit statgeben hab, sonder acht die für frevenlich
                und unnütz. </p>

              <p>Dweil dann ainem yden Richter und Urtailer not ist, sich eben zu fürsehen, was er
                dem Appellanten für Apostolos geben wolle, darmit er niemant im Rechten beschwere,
                werden doch gemainklich <hi
                  rend="it">Reverenciales</hi> gegeben oder <hi rend="it">Refutatorias</hi>. Demnach haben wir zwu Formen, wie dann hernachvolgen, lassen
                vergreifen, darmit in Mittailung derselben hinfüro ain Gebrauch und Stilus bey uns
                gehalten werde. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.4">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 4:] Forma der Apostel "<hi rend="it">Reverencialium</hi>".</head>

              <p>Dem allerdurchleuchtigisten, großmechtigisten Fürsten und Herren, Herren Carolo,
                erwelten Römischen Kaiser etc., zu allen Zeiten Merer des Reichs, zu Hispanien,
                Germanien, Neapolis, beder Sicilien und Jerusalem König, Ertzhertzogen zu Österreich
                etc., entbieten wir Bürgermaister und Rate der Stat Windßheim unser undertenigisten
                Gehorsam mit unaufhörlichem Fleis, stets zuvor allergnedigisten Herr. <pb n="65"/>
                Wiewol wir ye und alwegen diejenen, so vor uns in Gericht erbeten, mit unsern
                Urtailen mit Wissen und Willen nie beschwert, allain den gemainen geschrieben
                Rechten und unseren altherkomenden Gewonhaiten, Gebräuchen und Municipalien und
                Statrechten, von Eur Kayserlichen Majestet gnediglich confirmirt und bestet,
                nachgangen sein, hat doch A., Cleger, von ainer Urtel, die in Craft unser
                Municipalien gesprochen, nach Laut hiebeiligender (vel hieobenanzaigten) Acta für
                Eur Kaiserlich Majestet und derselben Camergericht appellirt. Und wiewol wir solch
                Appellacion unnütz und frevenlich angesehen, haben wir doch Eur Kayserlich Majestet
                als unserem allergnedigistem Erbherren umb gebürender Reverentz und undertenigster
                erzaigender Er willen solcher Appelacion statgeben und die zugelassen. Demnach
                senden für Eur Kayserlichen Majestet und derselben Camergericht wir ine hie mit
                disem Prif, uns Eur Kayserlichen Majestet als unserem allergnedigisten Herren, die
                der almechtig Got uns und gemainer Cristenhait zu Nutz und Trost in langwiriger
                Gesundhait, Glück und Seligkait zu enthalten gerueche, bevelchende. Datum under
                unserem etc. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.5">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 5:] Form der Apostl "<hi rend="it">Refutatorii</hi>".</head>

              <p>Wo erschin, das sich ymants aus frevenlichem Gwalt wider die Pillichait auch
                hernach angezaigten Freihait und dergleichen von unpillichen Dingen und allain aus
                Verlengerung ze appelliren anmassen würde, alßdann sol mit der Execucion volfaren
                und dem Appellanten dise <hi
                  rend="it">Apostolos Refutatorios</hi> gegeben werden:
                Dem allerdurchleuchtigsten etc. Wiewol wir Eur Kayserlichen Majestet umb gebürender
                Reverentz und undertenigister erzaigender Er willen willig und genaigt weren, N.
                seiner mutwilligen freve-lichen und untüglichen Appellacion halben <hi
                  rend="it">Apostolos Reverenciales</hi> ze geben, und wir aber von dem
                allerdurchleuchtigisten und großmechtigisten Fürsten und Herren, Herren Maximilian,
                weiland Römischen Kaisers hochlöblichister Gedechtnus etc., euer Kayserlichen
                Majestet Anherren und Vorfaren am Reich gnediglich fürsehen und begnad sind nach
                Laut diser hie inliegenden, glaubwirdigen und waren <hi
                  rend="it">Copia</hi>, die
                von euer Kayserlichen Majestet under anderem gnediglich bestett und confirmirt ist,
                uß wölcher vermainter Appellant gangen und derselben nit nachkomen, auch sein
                vermainte Appellacion von Unwirden, nichtig, sonder frevenlich und mutwillig, der
                weder vom Rechten noch Richter statzegeben ist, wissen wir ime ander <hi
                  rend="it">Apostelos</hi> dann <hi
                  rend="it">Refutatorii</hi> nit ze geben; geben ime hiemit
                dieselben in Craft diser Schrift uns eur Kaiserlichen Majestet als unserem gnedisten
                Herrn etc. in der Form "<hi rend="it">Reverencialium</hi>". </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.6">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 6:] Hernachvolgt die Freihait, uns Appellirens halben
                gegeben.</head>

              <p>[Das im Druck weggelassene Privileg Maximilians I. vom 21. Mai 1499 findet sich bei
                Lünig, Staatsarchiv XIV 672ff. Am 31. Mai 2011 noch ohne verfügbares Digitalisat.
                H.S.] <pb n="66"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.10.7">
              <head>[WindsheimRef. I 10 Rubrik 7:] Wann die Appellacion desert und vernichtig
                wirdet.</head>

              <p>Wann ain Partey also müntlich oder in Schriften appellirt, der Apostel ordenlich
                begert und nach Laut diser Freihait Sag getan hat und ir die Apostel sambt den <hi
                  rend="it">Attestaciones</hi> uf Caucion und Gnugtuung dem <hi
                  rend="it">Appellatem</hi> nach Laut vorgemelter Freiheit geben sind und die Appellacion in
                Jarsfrist durch Citacion von Kayserlichen Majestet oder aber erlangter <hi
                  rend="it">Fatal</hi> nit anhengig macht und <hi
                  rend="it">Litem</hi> in der andern Instantz
                contestirt, oder der <hi
                  rend="it">Appellans</hi> hat nit getan und appellirt, wy in
                hivorgenden Rubriken anzaigt ist, alßdann sol diselb Appellacion desert, vernichtig
                und unser gegeben Urteil in "<hi
                  rend="it">rem judicatam</hi>" komen sein also, das
                dem <hi rend="it">Appellatem</hi> uf sein Ansuchen sol verholfen werden, wie dann
                hernach under dem Capitel "[Von] der Hilf und Execucion erlangt Urtailen" vermelt
                wirdet, es wer dann Sach, das di appellirent Partey so grossen Fleis fürprecht, also
                das daraus ir getaner Fleis und Ehaft möcht verstanden werden mit so vil Gründts und
                Notturft, als sich gepürt. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.11">
            <head>[WindsheimRef. I 11 Titel:] Der ailft Titl des ersten Tails: Von der Execucion und
              Hilf erlangter Urtailen, Ervollung und Bekenntnus.</head>
            <div xml:id="NA.1.11.1">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 1:] Wie und wann man helfen und mit der Execucion
                nachfarn sol.</head>

              <p>Dieweil die erlangten Urtailen, wo das Mittel der Hilf nit dargestreckt wurde, auch
                all Cost und Scheden, so über die Sachen gangen, gantz verloren weren, wollen wir
                demnach ainen yden, der was an unseren Gerichten erlangt und ervolgt, fürderlicher
                Hilf und Execucion seins erlangten Rechtens gestatten. Demnach, wo ymants dem
                anderen am Gericht bekennt, oder aber nach herkomendem alten Gebrauch am dritten und
                den außlendigen, die die Statmauer nit verfangen hat, und doch dem Bütlstab
                underworfen sein, an dem andern Gericht ain Erfollung, oder vor uns in Rate ainen
                Spruch oder andres erstanden hete, das dann in Gerichtzbuech ordenlich verzaichent
                were, oder für ainen wer ain Urtail, darvon nit appellirt, sondern die were in "<hi rend="it">rem judicatam</hi>" gangen, gesprochen, so sol derselb, der also erlangt
                hete, vierzehen Tag, die negsten nach der Erlangung, Bezalung, Aufrichtung oder
                Vergnügung von seiner Widerpartey warten. </p>

              <p>Erdiche ime aber in den negsten vierzehen Tagen nach der Erlangung kain Vergnügung
                noch Bezalung der erlangten Sprüch, so sol derselb, so erlangt hat, ain Bekenntnus
                seins erlangten Spruchs von dem Statschreiber aus dem Gerichtsbuech nemen und
                dieselb für unsern Bürgermaister pringen und der Hilf seins erstanden und erlangten
                Spruchs begeren. Daruf sol und wirdet ime der Bürgermaister, den Knecht umb Gelt
                oder umb Pfand einzegeen und ze nemen, erlauben und, wo Pfand geben werden, sol es
                mit denselben gehalten werden, wie hernach in disem Titel under etlichen sonderen
                Rubriken anzaigt wirdet. <pb n="67"/>
              </p>
              <p>Wurde aber dem (der erstanden und umb Gelt oder Pfand mit dem Gerichtsknecht
                einzegeen Erlaubnus hat) Bezalung oder Pfand versagt, so derselb solchs von Stunden
                in das Gerichtsbuch für die erst Ungehorsam der Versagung ergangen Urtails lassen
                schreiben und negstags darnach, ob er wil, soverr nit Ferien sein oder über lengere
                Zeit, zum andern Mal eingeen und obgemelter Massen Gelt oder Pfand erfordern. Wurde
                ime dasselb abermals versagt, das sol er zum andermal lassen beschreiben und darnach
                des negsten oder lengerer Tag darnach wider in obgemelter Maynung und Form eingeen,
                Gelt oder Pfand entlich und peremptorie erfordern. Wur-de der abermals und zum
                dritten ungehorsam, das sol er abermals lassen beschreiben und uf den negsten
                Gerichtstag darnach für Gericht komen, die Bekenntnus, so er hievor vom
                Statschreiber uß dem Gerichtsbuch genomen hat, vor Gericht anzaigen, die Ungehorsam
                seins Schuldigers oder Widertails beclagen und verrer rechtlich Execucion und Hilf
                darüber begeren. Daruf sollen die Gerichtsherren, soverr der also ansucht, alle
                Ungehorsam hat lassen beschreiben, mit rechtlichem Spruch erkennen, das der
                Widersessig und Ungehorsam zu Verhaftung in die Eysen zur Straf umb sein Ungehorsam
                sol gefürt und darinnen enthalten werden, bis er seinem Gegentail umb Haubtsuma,
                ufgeloffen Scheden volkomenliche Benugung tu. Solchs sol alßdann in das Gerichtsbuch
                eingeschriben, darzu auf den eingelegten Zetel der Bekenntnus uß dem Gerichtzbuch
                gezaichent, ime, dem Ansuecher, wider überantwurt werden. Der sol alßdann mit
                demselben Zetel unsern Bürgermaister wider ersuchen und entlicher Execucion begeren.
                Daruf sol und wirdet unser Bürgermaister denselben Verachter laut der gerichtlichen
                Erkanntnus zu Verhaftung ze füeren Bevelch tun, dem dann von Stunden nachgegangen
                werden sol. </p>

              <p>Wu aber der, an den die Pfand erfordert und darumb eingangen wirdet, nit anhaims
                were oder verschlüg sich geverlich und wolt sich nit lassen treffen, so sol es mit
                gehalten werden, wie hievor am ersten Titel des ersten Tails "Vom Fürbot" under der
                Rubric "Von den, die sich in Fürbietung vor dem Putelstab verpergen" gemeldt wirdet,
                und nichts weniger die Erkanntnus in die Straf gerichtlich erkennt werden und, wo er
                nit ze treffen sein würde, sol dem Ansuecher zu seinen Haben und Güter verholfen und
                mit gehalten werden, wie nachvolgende <ref target="#NA.???">Rubriken</ref> "Wie die
                Pfand zu verkaufen sein etc." anzaigen.</p>
              <p>Wo aber ainer von Ungeschichten und ungeverlicher Weiß nit anhaims were, dem sol
                derselben Zeit kain Pfand ausgetragen noch umb di Ungehorsam nit eingeschriben,
                sonder darmit gehalten werden, wie die Rubric im ersten Tail des ersten Titels "Wie
                denjenen, so abwesenlich sein, sol fürgeboten werden" anzaigt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.2">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 2:] Von der Pen der Ungehorsamen, gerichtlicher
                Erkenntnus, auch der, die sich für uns pieten.</head>

              <p>Ain yder, der den gerichtlichen Erkenntnussen widerwertig lebte, nit Bezalung tun,
                noch kain Pfand geben wil, der sol zur ersten Ungehorsam, die er in der
                Pfandvordrung tut, unser Stat Pfendter mit vierthalb Pfunden unnachlessig zu
                bezalen, und zur andern Ungehorsam mit 5 1/2 Pfunden gepuesst, und für die dritt mit
                den Eysen und derselben Verhaftung gestraft werden. Dweil auch menig Personen bißher
                am Gericht haben Erfollung auf sy lassen erlangen oder Bekenntnus getan, wann man
                dann gegen inen mit der Execucion und Pfandvordrung hat <pb n="68"/> wollen
                handelen, haben sy sich für uns ainen Rate geboten zu Erkanntnus. Dergleichen ist
                auch von inen gescheen, wo Urtailen oder ander Proceß wider sy ergangen sein, darmit
                iren Widertailen lenger vorgangen und die zu mererem Costen gefürt, des wir hinfüro
                nit mer gestatten wollen. Wo solchs mer fürfellt, und sich ain Partey, die ain
                Bekanntnus getan, ain Vollung auf sich hat lassen erraichen, oder ain Urtel wer
                wider sy gesprochen, gegen der man Execucion verhelfen sol, für uns ainen Rate
                erbüte, dieselb Partey sol alwegen, vor und ehe sy vor uns dem Rate gehört wirdet,
                irer Widerpartey die Scheden, derhalben erwachsen, ußrichten, erstatten und
                widerkeren. Und wo sy sich allain umb Verlengerung und unpillich für uns erboten
                hete, (des wir erkennen möchten) sol dieselb unserer Stat Pfendter zway Pfund ze
                Pueß unnachlessig zu bezalen verfellt werden und nichts weniger Gelt oder Pfand
                geben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.3">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 3:] Ordnung, welche Hab und Güter in rechtlicher
                Nachvolg erstlich verpfend und angriffen werden sollen.</head>

              <p>Wann sich begibt, das der Schuldner aus Kraft seiner Bekenntnus, Ungehorsam oder
                ergangen Urtails angegriffen, so sol nachvolgende Underschid gehalten und erstlich
                angegriffen werden di varende Hab, sovil und sich der Werdt ungeverlich bey oder
                über Suma betrifft, doch außgenomen der Hausfrawen zimlich Klaidung, Gebende und
                dasjen, so ir für ir Morgengab und Eesteur sambt ainem Pett, pfandhaft und
                verpflicht ist, wie dann hernach im anderen Tails des Buechs im ersten Titel under
                der <ref target="#NA.2.1.9">Rubriken</ref> "Wann und was Hab und Güter
                stillschweigend pfandbar sein und werden" auch im dritten Tails ditz Puchs under dem
                ersten Titel "Von Heuraten" verrer bemeld wirdet. Nachvolgends sol nit angriffen
                werden dasjen, so zum Acker- oder Weinpaw gehört, als Pferd, Pflug und ander
                dergleichen, auch Harnasch, Waffen und Wör, so ainem zu Erhaltung gemainer Stat Nutz
                ze haben aufgelegt ist, auch ains yden Werkzeug, darmit er sich, sein Hausfraw und
                Kind muß erneren. </p>
              <p>Solch vorgeschribne ausgenomene Hab sol im Eingang umb Pfand in Rue gestellt,
                nachvolgends zu den bewegenden, ligenden Haben gegriffen werden. Und wo an solchen
                ligenden Haben Bruch geschee oder nit vorhanden, alßdann so were und ist anzegreifen
                gewise und richtige Schuld, auch Recht und Gerechtigkait, woran die der Schuldiger
                hat. Und auf das jüngst und allerletzt sol erst angriffen werden dasjen, so zum
                Acker- oder Weinpaw gehört, und der Werkzeug, doch in alwegen der Frawen ir
                Klaidung, Gebend und ain Pett hindan und frey gesatzt. </p>
              <p> Wo auch im Eingang des Gerichts Kindtbetterin oder ander krank, legerheftig
                Personen erfunden würden, denselben sol dasjen, sovil sy zu Erhaltung und Pfleg
                ungeverlich bedürfig und nottürftig sein bis zur Zeit des Ausgangs und Freyung der
                Krankhait nit ausgetragen noch verpfendt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.4">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 4:] Wie die bewegenden todte Pfandt, die unleichtlich
                Schaden entpfachen. in rechtlicher Nachvolg verkauft werden.</head>
              <p>
                <pb
                  n="69"/> So der Schuldiger seinem Schultherrn ainiche tote varende Hab hat
                zugestellt und für Pfand eingeben, derselb Schulther sol dieselben zugestellte Güter
                umb sein erlangte Suma, wie das die Bekenntnus uß dem Gerichtzbuch, die er alspald
                einlegen sol, anzaigt, verpfenden und die underschidlich von Stücken zu Stücken zu
                Stücken in das Gerichtsbuch lassen beschreiben und dieselben Pfand also vierzehen
                Tag unverfailst und unaufgeboten hinder das Gericht legen. Wann dieselben Pfand also
                vierzehen Tag hinder dem Gericht gelegen sein, sol der Schulther dieselben nachmals
                vor Gericht dem Gerichtsknecht umb sein Suma sambt den aufgeloffen Scheden aufbieten
                und solchs dem, deß die Pfand gewesen oder noch sein, das er die an ine löse, zu
                verkünden begeren. Und solche Pfand sollen noch vierzehen Tag nach dem Aufbieten
                hinder dem Gericht bleiben, ob sy der Schuldiger an ine lösen wolle. Löste die der
                Schuldiger und vergnügt seinen Schultherren, hat es seinen Weg; [<hi
                  rend="it">dann</hi>] sollen ime die Pfand widerumben eingeben und zugestellt werden. Löste
                er aber die nit und tut dem Schultherren in den 14 Tagen nach dem Anbieten kain
                Vergnügung, mag und sol der Schultherr nach Ausgang derselben vierzehen Tag wider
                für Gericht komen, anzaigte seine Pfand dem Gerichtsknecht zu verkaufen begeren.
                Daruf sol der Gerichtsknecht dieselben Pfand vor dem Gericht offenlich mit Benennung
                ains yden Stücks und Darweisung derselben zu failem Kauf ausschreyen und alspald der
                geschwornen Fürkeuflerin fürlegen, die in vierzehen Tagen aufs höchst auszufailsen.
                Das sol dem Schuldiger abermals verkunt werden, ob er die umb die Hawbtsuma sambt
                den aufgeloffen Scheden an ine wolle lösen. Kumbt er und löste die, sollen sy ime,
                anderswo unverkauft und unangesehen, ob ymands mer daruf gelegt hete, widerfarn. Wo
                er aber di nit löste und solche Pfand vierzehen Tag vor der geschwornen Fürkeuflerin
                gelegen und ausgefailst sein, sol und mag der Schultherr abermals in Gericht
                erscheinen und Beschids der Bezalung begeren. Daruf sol dem Schuldiger zum dritten
                und entlich "<hi rend="it">peremptorie</hi>" verkünt werden. Wo er die eingestellten
                Pfand in den negsten dreien Tagen nit wider umb Hawbtsuma und aufgeloffen Scheden an
                ine löse, werden die andern verkauft; und er könne, werde noch müge kain rechtliche
                Nachfrag noch Hilf mer darzu haben. </p>
              <p>Wann dann die Pfand also verpfendet, angeboten, zu failem Kauf ausgeschrien und der
                Fürkeuflerin auszefailsen fürgelegt worden, und die drey Tag auch vergangen sein,
                und solchs alwegen lauter in das Gerichtsbuech eingeschriben worden ist, so sol die
                Fürkeuflerin dieselben Hab, alle und ydes Stück, dem, der zum maisten und das merer
                daruf gelegt hat, ze kaufen geben, das Gelt unserm Bürgermaister getreulich one
                ainichen Abzug ausserhalb irs gewondlichen Lons und nach Laut irer Pflicht
                überantworten und zustellen. Und der also in Gericht vollfaren ist, sol aller
                ergangner Handlung ain Urkund uß dem Buech nemen und unserm Bürgermaister
                fürbringen, des Gelts und seins erstanden und gehandelten Rechtens entlicher Hilf
                begeren, der ime dann, soverr so vil Gelts die vergangen und verkauften Pfand
                ertragen haben, als sein Hawbtsuma sambt den Scheden erraicht, dasselb erlöst Gelt
                zustellen sol. </p>

              <p>Wu aber niemants über das gerichtlich Ausschreyen und Verfailsen uf die Pfandt
                gelegt oder gekauft hete, sollen die dem, der sy mit gerichtlicher Ordnung hat
                lassen außtragen und handelen, wie obstet, an seiner Suma, weß die ungeverlich wert
                sein und durch die Fürkeuflerin geschetzt werden möcht, wo er die nach der ergangen
                Gerichtzordnung nit lenger vor der Fürkeuflerin ligenlassen und porgen wolt, zu
                Handen gestellt werden. Erfunde sich daran, ob wan die verkauft worden weren, ain
                Überschuß, denselben Überschus sol er herausgeben, oder wo im <pb
                  n="70"/> Verkaufen
                ainer vorhanden were, der sol, dem die Pfand vorgangen sein, one Mittel zusteen und
                volgen, es weren dann mer Gläubiger, di auch uf ine gelegt heten oder mitlerweil
                clagten, vor Augen. Denselben sol solcher Überschus, wer den Vorgang pillich haben
                sol, wie in hernachvolgenden 12 Titel under ainer sonderen <ref
                  target="#NA.1.12.1">Rubriken</ref> "Von dem Vorgang der Schultherren etc." gemeld wirdet, volgen und
                eingeben werden. Herwiderumb, wu dem Schultherren an den Pfanden abgingen, das er
                Hawbtgut und Scheden nit bezalt werden möcht, sol ime unbenomen sein, umb merer
                Pfand einzegeen und ze handelen, wie in disem Titel hernach under der <ref target="#NA.???">Rubriken</ref> "Vom Einsetzen der Frömbden" am virdten Artikel
                verleibt wirdet. </p>
              <p>Ob auch der Pfand, ains oder mer, in Zeit diser gerichtlichen Handlung in Abfal
                keme oder zu Verderbnus raichte, das sol dem Schultherren in allweg unverletzlich
                sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR1.11.5">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 5:] Wie die essenden, lebentigen Pfande in
                rechtlicher Nachvolg verkauft werden sollen.</head>
              <p>Wollte ymants dem anderen uf das gerichtlich Eingeen essende und lebendige Pfand
                einstellen, als Pferd, Rinder, Schaf und dergleichen, so sol der, dem solche Pfand
                eingestellt sein, dieselben von Stunden umb sein Hawbtsuma und ergangen Scheden laut
                sein Urkunds, uß dem Gerichtsbuch genomen, das er alspald mit auflegen sol, lassen
                verpfenden und in das Gerichtsbuech vergreifen, und solche Pfand drey Tag in ains
                offen Wirtshaus stellen und nach Ausgang derselben dreyer Tag zu morgens umb zway uf
                den Tag, soverr kain Feiertag ist, uf den Markt lassen treiben und den Knecht lassen
                beschreyen, wer die kaufen wölle; dann sy steen zu failem Kauf, der mag das tun. </p>

              <p> Wann die also ainßmals oder drey beschrien sein, soll er die wider in das
                Wirtshaus ziehen oder treiben und dem, deß sy sein, lassen verkünden, ob er wölle,
                das er die umb die verpfendten Suma und Scheden wider an ine löse in den negsten
                dreien Tagen, und sol derselb Tag der Fürtreibung und Verkündung auch für ainen Tag
                genennt und gerechnet werden. Kombt er dann und löst die, so hat es seinen Weg. Löst
                er aber die nit und vergnügt auch seinen Schult-herren nit, so sollen dieselben
                essenden Pfand am sibenden Tag abermals ze morgens umb zway bis hin uf drey uf den
                Tag getriben und die zu failem Kauf, wie dann der geschworen Gerichtsknecht in
                Bevelch hat, bey den vier Ortern der inneren Stat ainßmals, und aufm Markt zum ofter
                Mal <pb n="71"/> ausgeschrien werden und, wann es drey schlecht, widerumben in das
                Wirtshaus und nachvolgends desselben Tags umb ains oder zwey gen Nacht, wie der
                Gerichtsknecht bericht wirdet, widerumben uf den Markt ziehen oder treiben und
                abermals an den vier Orten der innern Stat an ydem Ort zway Mal, und hervornen ufm
                Markt zum ofter Mal umb die Suma und Scheden zu failem Kauf ausschreien. Und wer
                dann am maisten, wann die klain Glock ausschlecht, daruf gelegt, der hat sy gekauft,
                dem sol das in das Gerichtzbuech beschriben und dem, deß di Pfand gewesen sein, bey
                nemlicher Straf geboten werden, dem Inhaber derselben darumben kain Bedrang noch
                Zuzug mit Worten oder Werken füegen. </p>
              <p>Wo aber niemants daruf legte oder gelegt hete, so sollen die dem, der sy hat lassen
                außtreiben und uf die gerichtlich Ordnung gebracht, für die Haubtsuma, darumben sy
                dann verpfend sein, sambt den aufgeloffen Scheden volgen, in das Gerichtsbuch lassen
                beschreiben, und sol dem Schuldiger geboten werden, wie negst obemelter Artikel beim
                End anzaigt. </p>
              <p>Wo sich aber bey solchen Pfanden ain Überschus oder Nit-Gnugsein erzaigte, sol es
                mit gehalten werden, wi negst vorgemelte Rubriken under dem dritten Artikel ußweist.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.6">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 6:] Wie die todten bewegenden Pfand, die pald Schaden
                entpfachen, sollen verkauft werden in rechtlicher Nachvolge.</head>
              <p>Tet ymant, ain Schuldiger, seinem Schultherren in rechtlicher Nachvolg bewegende
                Pfand, die tod weren, einstellen, die leichtiglich Schaden entpfachen möchten, als
                Wein, Fleisch, Brot, Schmaltz, Kes, Aier und dergleichen etc., dieselben Pfand
                sollen auch von Stunden verpfendt, in das Gerichtszbuch umb die benennten
                verpfendten Suma eingezaichent und alspald für die geschworen Fürkeuflerin gelegt
                werden und drey Tag pfandßweis steen, ob sy der Einsteller und Schuldiger widerumb
                lösen und seinen Gläubiger unclagbar machen wolte, und am dritten Tag dem, der sy
                eingestellt hat, aus Bevelch unsers Bürgermaisters, der darinnen anstat des Richters
                volkomen Gwalt haben solle, verkünt werden, nochmals in dreien Tagen an sich ze
                lösen; und sol derselb Tag der Verkündung auch für ainen Tag gezelt und gerechent
                werden. Kumbt der und löst die, hat es seinen Weg. Wo nit, sollen die negstags
                darnach durch den Gerichtsknecht allain am Markt ze nachts und ze morgens
                ausgerufen, beschrien und darmit gehalten werden, wie von den "Essenden Pfanden"
                hievor in der negsten Rubric Meldung gescheen ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.7">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 7:] Wie die ligenden und unbeweglichen Güter in
                rechtlicher Nachvolg verkauft werden sollen.</head>

              <p>Stellte ymants dem anderen in rechtlicher Nachvolg zu Pfand ein Hewser, Ecker,
                Wisen, Weingart und ander dergleichen ligende Güter, so sol der Schultherr aus dem
                eingestellten Gut, so es Heuser oder dergleichen weren, ainen Span, weren es aber
                Gründ oder Poden, ainen Schollen oder Wasen nemen, denselben umb sein Suma mit
                Übergebung des Urkunts uß dem Gerichtsbuch lassen verpfenden und einschreiben, und
                daßselb Pfand also unverfailst und unaufgeboten hinder das Gericht legen. Wann
                dieselben Span oder Schollen und Wasen also unverfailst hinder dem Gericht gelegen
                sein, sol der Schultherr dieselben nachmals vor Gericht dem Gerichtzknecht umb sein
                Suma sambt den auf-geloffen Scheden aufbieten und solchs dem Schuldiger, das er die
                an sich löse, zu verkünden begeren. Und solchs sol nach dem Aufbieten nochmals 14
                Tag hinder dem Gericht ligen bleiben, ob sy der Schuldiger an ine löse. Löst er die
                und vergnügt seinen Schultherren, hat es seinen Weg; wo nit, sol der Schultherr nach
                Ausgang derselben <pb n="72"/> vierzehen Tag dieselben eingestelten Pfand den
                Gerichtsknecht offenlich zu verkaufen begeren. Daruf sol der Gerichtsknecht
                dieselben Pfand vor Gericht umb die verpfend Suma offenlich mit Benennung der Stück
                und Suma zu failem Kauf ausschreien und solch Verkaufung dem Schuldiger, ob er die
                nochmals in vierzehen Tagen umb Haubtsuma und Scheden lösen wolle, verkünden. Löst
                er die aber nit, so mag der Schultherr abermals vor Gericht erscheinen und Beschids
                der Bezalung begeren. Daruf sol dem Schuldiger zum dritten und entlich "peremptorie"
                verkünt werden. Wo er die eingestellten Pfand in den negsten dreien Tagen nach der
                Verkündung umb Haubtsuma und Scheden nit wider an ine löse, werden die andern
                verkauft, und er könne, werde noch müge kain rechtlich Nachfrag noch Hilf mer darzu
                haben. </p>

              <p>Wann dann die Pfand also verpfendet, angeboten, zu failem Kauf ausgeschrien, die
                drey Tag auch vergangen, solchs alles aigentlich verkünt und in das Gerichtzbuech
                verzaichent und von dem Schuldiger nit an sich gelöst ist, so sol der Gerichtzknecht
                ze Hant desselben oder negstvolgenden Tags, als das zum schirsten und füglichisten
                sein mag, dieselben verpfendten Güter noch drei Tag, die negsten nacheinander
                volgende, offenlich nach dem Tagampt bey den vier Orten der inneren Stat, nemlich
                des ersten Tags ainmal, des anderen Tags zwaymal und des dritten Tags dreymal
                nacheinander mit ainer zimblichen Paus und Worten, wie er dann beschiden ist, auch
                aufm Markt zu failem Kauf ausgerufen werden, und am letzten dritten Tag umb oder
                ungeverlich von Stunden nach zwaien gen Nacht abermals an der vier Orten der inneren
                Stat dreymalen und am Markt vor dem Rathaus zum merermal uf die verpfend Suma,
                aufgeloffen Scheden, auch wo ymants mer daruf legte, zu failem Kauf außrufen. Wer
                und wölcher dann am maisten, wann die klain Glock ausschlecht, daruf gelegt, der hat
                sy gekauft, dem sol darin Einsatzung gescheen und dem, deß sy gewesen sein,
                ernstlich geboten werden, derselben von Stunden abzetreten. Wo er aber derselben
                Güter in acht Tagen, den negsten nach dem Gebote, nit abtrete, sol er in die Eysen
                gefürt und umb sein Ungehorsam gestraft werden nach Gstalt der Sachen und danach
                ydes [<hi rend="it">Tags</hi>], so er ungehorsam gewesen ist, dem Pfender in zway
                Pfund Pueß unnachlessig zu bezalen ertailt werden. </p>

              <p>Wo aber auf solche Pfand niemant legte oder die kaufen wolte, sonder dem
                Schultherren umb die aufgeboten Suma und Scheden haimfielen, in dieselben Güeter sol
                er, wie hernach die sondern <ref target="#NA.1.11.11">Rubriken</ref> und Artikel
                "Vom Einsetzen " lauter gesetzt, ime des Urkund gegeben und dem Schuldiger inmassen
                wievor ernstlich geboten werden, der abzetreten und die dem Schultherren lassen ze
                volgen. Wo er aber der nit abtreten wolt, sol es gehalten werden, wie ytzt obemelter
                Artikel bey End anzaigt ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.8">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 8:] Wann solche aufgebotne Güeter Aigenherren heten,
                wie es darmit gehalten werden sol.</head>

              <p>Heten aber solche aufgebotne, verfailste und ausge-schriene Güter Aigen- oder
                Gultherren, dem sol solch Aufbieten, Verfailsen, und wann die ausgeschrien und
                vergangen sein, verkündt werden, ob er solche Güeter umb die Suma, so zum höchsten
                daruf gelegt ist, an sich kaufen wolle. Wo er dann solche Güeter, das er <pb n="73"/> in acht Tagen, den negsten nach der Verkündung und gerichtlichen Vergeen, ze tun
                Macht haben, an sich nemen wolt, sol er den Schultherren oder dem solche mit dem Hal
                der Glocken haimgefallen sein, der Hawbtsuma, und was daruf gangen ist, vergnügen
                und bezalen. Wo er aber die nit an sich kaufen wolt, oder das in den negsten acht
                Tagen nach der Verkündung und gerichtlichem Vergeen nit tete, sollen die dem, der
                dann am maisten daruf gelegt hat, bleiben und dem Aigen- oder Gultherren an seinem
                Rechten hantlonen, Haubtrechten, Zinsen, Gulten, Fellen und Gewonhaiten gar kain
                Abpruch noch Schmelerung geschehen, sonder so eingesetzt wirdet gegen dem Ai-gen-
                oder Gultherren, auch gemainer Stat alles das verpunden und verpflicht sein, das
                der, des die Güter gewest, verpflicht, verpunden und schuldig gewesen ist. </p>
              <p>Wo sich aber an solchen vergangen Güeteren ain Überschus oder Nachtail ereugte, sol
                es mit gehalten werden, wie die Rubriken hievor in disem Tail "Wie die bewegenden
                todten Pfand in rechtlicher Nachvolg sollen verkauft werden etc." im dritten Artikel
                beim End anzaigt worden ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.9">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 9:] Von der Hilf verdints Lidlons, auch Ertailung, wo
                Spenn darunder entsprüngen.</head>

              <p>Ainem yden gebroten Ehalten oder Tagloner sol auf Verschainung der Zeit des
                verdinten Lidlons auf sein Anrufung one ainiche Rechtvertigung und Zugs mit
                Verhörung der Herschaft, ob solcher Lidlon nit spenig erschein, verholfen werden.
                Erschin aber der Lon spenig und entsprung darunder Zwitracht, also das die Herschaft
                fürgebe, der Lone were noch unverdint, oder der Ehalt trete uß dem Dinst one ainiche
                redliche, sonder aus mutwilligem Fürnemen und frevenlichen Ursachen, wie dann zum
                dickermal geschicht, so sol solch Handlung für Gericht gewisen und darumben ertailt
                werden, nemlich, wo sich der Ehalt beclagte, wie zu Zeiten der Tewrung und des
                Winters, wann man die groß Erbet getan hat, und der Ehalten wol geraten möcht, [<hi rend="it">wie es</hi>] (oft geschieht), sein Herschaft geb ime unpillichs Urlaub,
                und er sey urputig ze tun dasjen, so ainem Ehalten zustet und bete daruf, das man
                sein Herschaft dahin halten wollte, ine vollat lassen außzedinen, oder aber geb ime
                versprochnen gantzen Lon und Erstattung desjenen, so er dweil, bis er ainen anderen
                Dinst erlangen müge, verzeren muß. </p>
              <p>Oder aber die Herschaft beclagt sich, der Ehalt hete solchen Lon nit verdint; nem
                er diser Zeit, so er sein bedorft, Urlaub, wie oben gemeldet ist, so sol die Sachen
                in Gericht vernomen und, wo bey ainichem Tail unredliche und kain grüntliche Ursach
                des Urlaubs funden würde, ertailt werden, soverr der Ehalt nit lenger dienen wolte,
                das ime die Herschaft nichts schuldig sein sol. Wo aber die Herschaft unpillichs
                Urlaub gebe, das dem Ehalten gantzer bedingter Lon volgen sol, doch alwegen Gstalt
                beder Personen angesehen und uf Vermutung Acht gehebt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.10">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 10:] Von der Hilf der, die an unsern Gerichten
                erlangt haben, und die, daruf erlangt ist, vor und ehe die Execucion get, unserm
                Gerichtzwang und hinder ander Herschaft entwichen ist.</head>
              <p>
                <pb n="74"/> Wo ain Bürger oder ain ander Ußlender uf ainen unsern Undertanen uf dem
                Land was erfolgt und erlangt hete an unsern Gerichten, und derselb nach erraichter
                Vollung sich unserer Gebiete und Güeter enteussert und hinder ander Herschaft getan
                hete, so sol dem Cleger seiner erlangten Vollung, Urtail oder Bekenntnus uß dem
                Gerichtsbuch, darneben ain sondere Bitschrift an die Herschaft, darunder er sich
                gezogen hete, geben und gebeten werden, demjenen, so erlangt hete, zum schirsten zu
                verhelfen ungeverlich auf nachvolgende Form: </p>
              <p>Form der Bit. </p>
              <p>Dem N. unsern fruntlich Dinst zuvor. A., diser gegenwurtig, hat verschiner Zeit
                allhie an unserm Bawrngericht uf B., als der noch unser Verwonter und Zugetaner war,
                ain Vollung erraicht etc., oder ain Urtl erstanden. Nach Laut diser hie
                ingeschloßner unsers Gerichtsbuchs Abschrift hat sich aber gedachter B. von uns
                hinder euch getan, wiewol unser ungeurlaubt, auch unwissend. Allain in Maynung, als
                wir anders nit achten kunden, dann erlangten Urtailen und behebten Rechten
                vorzesteen, und das wir gegen ime mit der Hilf des Rechtens nit verfaren mügen, ist
                demnach an euch unser fruntlich Gesinnen, ir wollet in Ansehung der gemainen Recht,
                die da wollen, das ain Gerichtzhant der andern mit Execucion und Hilf erlangten
                Urtailen die Hant pieten und hilflich sein sol, vermeltem A. von gedachten B., das
                er alhie vor uns erlangt hat, verhelfen, darmit das Recht und die Gerechtigkait ir
                edel Würkung volfürn müg; das sein wir umb euch zu erwideren und mereren fruntlich
                zu verdienen berait zu dem, das von euch als ainem Liebhaber der Recht Fürdrung und
                Hilf desselben volzogen wirdet. Datum ... </p>
              <p>Wo aber der Herr, dem also geschriben wirdet, kain Execucion noch Hilf erlangten
                Urtailen und Rechten tun wolt, so sol dem Cleger vergönnt werden, denselben, gegen
                dem er erlangt hat, uf unsern Güeteren und Oberkaiten, wo er den betreten mag, oder
                aber desselben Hab und Güeter anzetasten, in unser Stat ze Haften ze pringen und
                gegen ime ze handelen, wie hievor in disem Titel under der ersten Rubric am dritten
                Artikel bemelt ist. Het er aber Güter angenomen, sol es mit gehalten, wie die
                Rubriken hievor auch darvon Meldung tun. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.11">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 11:] Vom Einsetzen der, so nit Bürger sein, die in
                rechtlicher Nachvolg auf unbewegende und ligende Güter erlangt haben.</head>
              <p>So nun in rechtlicher Nachvolg vorgeschribner Ordnung ymants, der nit unser
                aidßpflichtiger und verwonter Bürger were, etliche unbewegliche, ligende Güter
                verpfend, aufgeboten, verfailst und außrufen het lassen, die ime mit der Hal der
                Glocken haimgefallen weren, der sol uf Gnugtuung nachbemelter Artikel in dieselben
                Güeter gesetzt und ime die eingeben werden auf Maynung, wie auch nachbemelt Artikel
                under diser Rubriken beschliessen: </p>

              <p>Erstlich, soverr die Hab und Güeter in unser Stat oder uf unser Statmarkung gelegen
                were, sol er die inner Jarsfrist ainem andern unserm Bürger oder Bürgerin ze kaufen
                geben, auch gemainer unser Stat Zinsstuben Schuld, es wer Bet, Stewr, Wach, Ungelt
                oder anders, die in den negsten dreien Jaren uf ine erwachsen weren, doch unbenomen
                der Gerechtigkait under der Rubriken im zwesten Tail hernach volgend "Gemaine unser
                Stat sol zu yder Zeit etc.", zuvoraus, <pb n="75"/> soverr der, des die Güeter
                gewesen sein, nit mer Güeter hete, darmit unser Stat Zinsstuben bezalt werden
                möchte, vergnügen. Wo er aber solche Güter in Jar und Tag nit verkaufte, und ime die
                durch uns lenger zu behalten vergünstigt wurde, sol er abermals die Steur und
                bürgerliche Beschwerd darvon tragen und leiden, auch darumben vor unserm Statgericht
                Recht ze nemen und ze geben, auch gemainer Stat gewertig ze sein und, was ime
                derselben Güter halb aufgelegt wurde, ze tun, wie dan der, deß sy gewest sein,
                verpflicht und ze tun schuldig gewesen ist. In Sonderhait sol er, wo die Güeter
                ainen Aigen- oder Gultherren heten, zuvöderst seiner ausstenden Zinß und Gult
                entrichten, entpfachen und verhantlonen, wie hernach under dem achten Titel des
                andern Tails under der Rubrik "In was Zeit der Erbbestener das Erbgut von dem
                Aigenherren sol entpfachen etc.", auch in negst darnach volgenden Rubriken "Uß was
                Ursachen ainer sein Erb verwürk", bemelt wirdet, es were dann, das der Aigenherr
                solch Güter in laut vorgender ainer Rubriken in disem Titel anzaigt also lautend
                "Wann solche aufgebotne Güter Aigenherren heten, wie es damit gehalten werden sol",
                an sich genomen hete. </p>
              <p>So dann solchs der Schuldtherr zugesagt hat, sol er durch den Gerichtsknecht in die
                Behausung oder uf die Veldgüter und Gründ gefürt, die Schlüssel überantwort, der
                Türnagel oder ain Erdtrich des Guts zu ainer Einsetzung in die Hant geben werden und
                nachvolgends für Rat oder Gericht, wo man aber nit Rat noch Gericht hete, für den
                Bürgermaister füegen, und sol der Gerichtsknecht Relacion tun, wie er ine
                eingesetzt, oder was ine daran verhindert hab. Solchs sol alßdann in das
                Gerichtsbuech vergriffen, auch dem Schultherrn deß uf sein Begeren Urkund geben
                werden. </p>

              <p>Erschin und erfunde sich kuntberlich, das der Schultherr an seinen eingestellten
                Pfanden, darein er gesetzt ist, nit begnügen, sonder ainichen Nachtail, auch
                gemainer Stat für Stewr, Ungelt, Bet oder ander Schuld was ausgeben hete, sol er
                mitler Zeit der rechtlichen Nachvolg oder darnach zu yder Zeit, um mer Pfand
                einzegeen und mit denselben in rechtlicher Nachvolg ze handelen, wie die sondern
                Rubriken hieoben darvon anzaigen, ze handelen Macht haben. Wer aber der Schuldiger
                arm und het noch vermocht, nit mer Pfands darzegeben, sold dem Schultherrn unbenomen
                sein, wo der Schuldiger hinfüro mer Narung erraichte, sich seins Ausstens bey ime zu
                erholen und obgemelter Massen mit Pfandungen gegen ime fürzefaren. Wollt aber der
                Schultherr daran nit benügig sein, sonder man sol ime den Schuldiger zu Haften
                annemen und enthalten, das sol ime gegönnt und der Schuldiger uf sein, des
                Schultherren Costen zu Fronvest und Verhaftung angenomen und darinnen bis zu
                Bezalung oder Außlas-sung des Schultherrens enthalten und darinnen mit zimblicher
                Narung, wie Gefangen zustet und von Alter bey uns hergebracht ist, fürsehen und nit
                gar mit Hungers noch Dursts Not, wie des Schultherren Gmüt sein möcht, gequelt
                werden. Wolt aber der Schultherr seinen Schuldiger in ytzgemelter Maß zu Verhaftung
                nit komen lassen, sonder verrer Hilf begern, so sol demselben Schuldiger, unser Stat
                acht Meil Wegs weit nit darzu ze kommen noch darbey ze sein solang und vil, bis er
                seinen Schultherren vergnüg und bezal, verboten und also von derselben verwisen
                werden, das er dann also und fürnemlich (das er weder an ligenden noch varenden
                Haben, Stücken und Güeteren nichts ausgenomen, sovil nit hab, darvon er gelten und
                  <pb n="76"/> seinen Schultherren doch zum Tail vergnügen müg; und wo er zu
                pesserem Glück, Narung und Gut keme, das er seinen Gläubiger und Schultherren
                getreulichen bezalen wolle oder vergnügen) zu Got und den Hailigen mit Warhait
                seiner Sel ainen leip-lichen Aid ungeverlich in nachvolgender Form volfüren und
                schweren sol: </p>
              <p>Form des Aids. </p>
              <p> "Ich, N, swer ainen waren Aid zu Got und den Hailigen mit Warhait meiner Sel, das
                ich den N, meinen Schultherren, wo ich deß an Parschaft, Haußrait, Klainoten,
                Werkzeug ausserhalb ains ainichen Klaids und des geringisten meiner Bedeckung an
                anderen varenden, auch ligenden Haben und Güeteren hete oder vermöchte, geren
                redliche Bezalung tun wolt, auch zu Geverde gar nichts hinderhalten, wil auch acht
                Meil Wegs weit und prait umb dise Stat Windßheim nit komen, solang und vil, bis ich
                bemelten N, meinen Gläubiger und Schultherren vergnügt hab. Und ob mir Got pessers
                Glück und mer Narung, dann ich ytzt hab, verliehe, darmit ich ine, bemelten meinen
                Gläubiger entrichten möcht und zu entrichten hete, so wil ich ine oder sein Erben
                getreulich entrichten und bezalen, als war ich Got, meinem Schöpfer umb all mein
                Handlung Rechnung und Antwort geben muß, also helf mir derselb mein Got und Erlöser
                und all Hailigen."</p>

              <p>Erfunde sich aber ain Überschus, der sol dem Schuldiger haimfallen und mit gehalten
                werden, wie die <ref target="#NA.1.11.4">Rubrik</ref> in disem Titel "Wie die
                bewegenden todten Pfand sollen in rechtlicher Nachvolg verkauft werden" under dem
                dritten Artikel beschliessen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.12">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 12:] Vom Einsetzen der Bürger, die auf unbewegende
                und ligende Güter in rechtlicher Nachvolg erlangt, auch die solche Güter in der
                Ausschreyung gekauft haben.</head>

              <p>Wann ain Bürger und gemainer unser Stat Aidßplichtiger in obgeschribner Massen
                unbewegende Güter durch sein Selbpt-Verpfenden, Aufbieten, Verfailsen und
                Ausschreien an sich gebracht, oder ime die durch sein Daruflegen und dem Kauf mit
                dem Hal der Glocken keuflich an ine komen weren, der sol in dieselben Güter gesetzt
                werden, wie negstvolgende Rubric under dem dritten Artikel in sich beschleusst, und
                sol nach der Einsetzung mit denselben Güeteren seins Gefallen tun und Lassens
                handelen als mit anderen seinen Haben und Güeteren, doch das er den Aigen- und
                Gultherren nach Laut negstvorgender Rubriken under dem anderen Artikel, [<hi
                  rend="it">wie</hi>] beym Ende anzaigt wirdet, auch gemainer unser Stat Zinsstuben,
                Stewr, Bet, Wach, Frevel, Ungelt oder ander Schulden, so uf den Schuldiger in den
                negsten zwei Jaren erwachsen weren, so er andere Pfand, darvon unserer gemainer Stat
                Zinsstuben ain Bezalung und Vergnügen gescheen mocht, zuvoraus entricht und
                vergnüge, doch unbenomen nachgender Rubric im zwelften Titel "Gemaine unser Stat sol
                zu yder Zeit etc.". Erfunde sich aber an solchen Güeteren ain Überschus oder
                Nachtail, sol es mit gehalten [halten] werden, wie hievor in disem Titel under der
                  <ref target="#NA.1.11.4">Rubric</ref> "Wie die bewegenden todten Pfand in
                rechtlicher Nachvolg verkauft werden sollen" under dem dritten Artikel anzaigt
                wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.11.13">
              <head>[WindsheimRef. I 11 Rubrik 13:] Das denen, die durch gerichtliche Nachvolg
                Güeter an sich gebracht haben, kain Gwalt, Bedrang noch Iniuri angetan werde.</head>
              <p>Wirdet ain Bürger, Inwoner oder Gast ichts, das durch unser Gericht, wie hievor
                laut, fail- und aufgeboten wirdet, an sich kaufen oder pringen, es seyen ligende
                oder varende Hab, oder würde ime dieselben Hab mit Erkanntnus des Gerichts, wie
                hievorlaut, eingeantwurt, wie das bekeme, der sol solche Hab, inmassen wie oblaut
                und die besondern Rubriken anzaigen, für sein Gut innenhaben und gebrauchen. Würde
                ime aber ain oder mer Personen am selben mit aigem Gwalt und tetlicher Handlung, wie
                sich die mit Worten oder Werken füegten, Bedrangung, Gwalt, Schmach, Iniuri,
                Entsatzung oder dergleichen Widerdries darumben oder daran zufüegen, der oder
                dieselben sollen, yder in sonder, ob sy noch ainich Gerechtigkait zu derselben Hab
                hetten, dieselb Gerechtigkait verwürkt und verfallen haben, darzu gemainer Stat
                Zinsstuben mit one vierhundert Pfunden unablessig zu bezalen in Pen und Pueß
                verfallen sein und nichts weniger dem Belaidigten, ob er desselben ainichen Schaden
                genomen und entpfangen hete, wie sich der Schad fügte, nach unser Erkanntnus und
                Messigung Bekerung und Ablegung tun. Und ainer möcht sich darinnen so frevenlich und
                verachtlich halten, wir würden gegen ime mit Straf fürfaren nach Gelegenhait der
                Sachen oder wie wir ze Rat würden.</p>
              <p>Doch sol kainem Außwendigen, der nit unser Bürger ist oder in ainem Jar, dem
                negsten, Bürger werden wil, gestatt werden, ausserhalb varnder Hab weder Gult,
                Dinstberkait, Recht noch Gerechtigkait, auch gar kain ligend Stück, weder klain noch
                groß, so in unser Stat und uf derselben Bemarkung gelegen ist, ze kaufen noch an
                sich ze pringen, dann in obgeschribnen Fellen mit der rechtlichen Nachvolge. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.12">
            <head>[WindsheimRef. I 12 Titel:] Der zwelft Titl des ersten Tails: Vom Vorgang der
              Schultherren etc.</head>
            <div xml:id="NA.1.12.1">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 1:] Wie die Schultherrn, ainer vor dem andern,
                Freihait im Vorgang haben sol.</head>

              <p>Sich erzaigt zum dickermal, das ain Armer aus ferlessiger Weiß, etlicher ußd
                zufelligen Widerwertigkaiten und etlicher aus andern Sachen in Schuld fellt,
                darinnen abstirbt, weicht vom Lande oder mag villeicht sunst kain Bezalung tun; [<hi
                  rend="it">auch</hi>] findet man etlich Personen, die sich mit Fleis geverlich
                prauchen, erste Verbot in die Güeter ze legen, darmit sy vermainen, erste Bezalung
                zu erlangen, und auch die Fromen, die den armen Leuten nit geren eintreten, noch
                ainen Rueff machen, darvon ze weisen, das bedünkt uns unpillich, und darinnen vom
                Vorgang der Schultherrn sondere Ordnung fürzenemen; darmit die Behendigkait, die
                darinne gebraucht werden möchte, werde abgestellt, und daruf aus Craft gemainer
                geschribner Recht, die hierinnen ir sonderlich Ordnung und Aussehen <pb n="78"/>
                hat, gesetzt, wann sich zu Fellen raichte, das diser obligend Val einbreche: Het
                sich begeben, das der Schuldiger Tods verfallen und zu besorgen, der Hab were nit so
                vil vorhanden, darmit die Gläubiger und Schultherren von seinem gemainen verlassen
                Gut möchten bezalt werden, so sol erstlich Vorgang an der Bezalung haben, was sein
                Begrebdnus und Bestattung zur Erden nach seinem Stand gebürt; nachvolgends die, so
                ime in solcher seiner Krankhait gedint und hilflichen Beystand umb den Lidlon, auch
                wie zimlich ist und sich gebürt, getan hetten.</p>
              <p>Nachvolgents: Het der Schuldiger ligende Güter, die zinß- oder gultber werden, so
                get derselb Lechenherr und Aigenherr umb sein ausstend Zinß und Gult vor;
                nachvolgends gemainer unser Stat Zinsstuben, wie das ain sondere Rubric hernach
                inhelt, und gemainer unser Stat Bürgere, Undertane und Verwonte vor den Ußwendigen,
                es hete dann ain Ußwendiger vor ainem unserm Bürger und Verwonten ain Einstellung
                etlicher Güter, die ime durch den Schuldiger, vor unserem Gericht und in unsrem
                Gerichtzbuch eingezaichent, eingesatzt were.</p>
              <p>Darnach geen billich vor alle, die in obgemelter Maß Einstellung oder Einsatzung
                benennter Güter heten, denen solchs vor unserem Stat- oder Bawrengericht oder
                anderen zwaien von uns, dem Rate, eingestellt und in das Gerichtsbuch verzaichent
                were. Nachvolgends geen vor, die in Gericht was auf den Schuldiger, es sey in
                Urtailen, Bekenntnus oder Vollung erlangt haben. Wie und wann aber solch Erkanntnus
                und Vollung erleschen und nit mer daruf ze gründen ist, wirdet hernach under ainer
                sonderen Rubric anzaigt. Weren aber mer Schultherren dann ainem Ersatzung und
                Einstellung gescheen, so hat die gmain Rechtsregel ir Würkung: Wölcher der erst in
                der Einstellung und Pfantschaft ist, der get im Rechten und mit der Tat vor dem, so
                hernach eingestellt ist, in Erlangung seiner Bezalung. Wann auch der Schultherren
                mer dann ainer, denen also Pfand ersetzt und wie oblaut eingestellt were, so mag der
                ander nachvolgend Gläubiger den ersten Gläubiger seine Schulden bezalen und die
                Einstellung allain an sich lösen; dergleichen mag auch der vorder und erst
                Schultherr dem nachgeenden sein Anzal Schulden darlegen und das Pfand ime
                innenhalten. Also get auch, der zum ersten in Gericht erlangt hat, vor dem
                nachgenden.</p>
              <p> Aber die irer Schulden allain Erkenntnusprief oder Hantschrift heten, sol kain
                Underschid der Zeit halben sein, sondern denselben und andern Schultherren, die ir
                Schuld auch darbringen mügen, sol gleich verholfen werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.2">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 2:] Wann die Hab der Schuldiger nit raichte zu
                Bezalung irer Schulden, wie es gehalten werden sol.</head>
              <p>Ereugt sich dann, das die Gläubiger, die umb ir Schulden kain Ersatzung noch
                Einstellung, auch mit Gericht nit uf iren Schuldiger erlangt haben, von der Hab irs
                Schuldigers nit all bezalt möchten werden, so sol am ersten von des Schuldigers Gut
                gemaine unser Stat, nachvolgends Haws- und Bodenzins, deßgleichen gedingter Ehalten
                Lidlon, so sich in ainem Jar, dem negsten, erlaufen hete, und alßdann aus dem
                übrigen Gut ydem Schultherren nach Markzal seiner Schuld geben und bezalt und nit
                angesehen werden diejenen, die erste Erkenntnusprief oder Hantschrift, oder sich zum
                ersten haben lassen anzaigen und einschreiben. Dann wu ye der erst bezalt, so würde
                der ander nachgeen und mangelen, das unpillich were. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.3">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 3:] Wie es mit des Schuldigers Gütern, wann er
                verstorben oder entwichen were, mit Aufschreibung, Verkaufung und Bezalung der
                Schultherren gehalten werden sol.</head>
              <p>
                <pb n="79"/>Wir wollen umb deßwillen, darmit ainem yden gebürlich erdeiche und
                widerfare Bezalung seiner Schulden, wann hinfüro ymants bey uns, der in vil Schulden
                geflochten were, mit Tod abging oder sich unser Stat geverlich enteussert und weck
                getan hete, uf Ansuechen der Gläubiger ymants in desselben Schuldigers Behausung
                ordnen und alles, das darinnen ist, lassen inventiren und zum pessten bewaren sechs
                Wuchen und drey Tag unangegriffen lassen ligen, nach derselben Zeit auf Anrufen der
                Schultherren dieselben Hab, ligend und varend, wie hievor im aylften Titel dies
                ersten Tails under den sonderen Rubriken verleibt wirdet, lassen ausschreien und
                verkaufen und dem Schuldiger durch Schriften darzu, ob er die lösen wolle,
                verkünden. Wann die also verkauft sein, das erlöst Gelt aigentlich, so vil und was
                ain ydes Stück gelten, hat lassen beschreiben und zu Bezalung und Austailung
                desselben ainen Tag lassen berufen, und all Schuldiger durch ain offenlich
                Ausschreiung, auch ainer Schrift, under unserm Rathaus an der Wag lassen fordern und
                alßdann ainem yden, soweit es raicht, bezalen, doch nit anderßt, dann wie die
                hievor- und nachgenden dieß Titels Rubriken und Artikel in sich halten.</p>

              <p>Wann sich aber ain Schuldiger arkwonig macht, sich unserer Stat zu enteussern, oder
                sein Gut seinen Gläubigern oder Schultherren zu Nachtail verendert, so sollen und
                wollen wir [<hi
                  rend="it">ihn</hi>] zu yder Zeit auf Anrufen der Schultherren zu
                Haften nemen, wie hievor im aylften Titel des ersten Tails under der <ref target="#NA.1.11.11">Rubric</ref> "Vom Einsetzen der, so nit Bürger sein etc."
                under dem virdten Artikel Meldung geschicht. </p>

              <p> Dweil aber zu Zeiten vil fromb Leut unfürsehner und unglückhaftiger Sachen in
                Schulden fallen und sich zu Abwendung derselben auch irer Hantirung und Gewerb
                nachwandelen und also aus unser Stat komen, die aber an irer Narung und <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Glaube#Glaube-4.0">Glauben</ref> wol sovil haben, das die
                bezalen mügen, wo sy nit übereilt, sondern mit zimblichen Zilen fürsehen werden,
                wollen wir uns in allen fürgefallen Handlungen solcher abtrütigen Bürger halben
                vorbehalten und Macht haben, zimblich Zil, Frist und Tag ze geben und ze machen und
                inen zu verkünden und zu handelen unsres Gutbedünkens.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.5">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 4:] Gemaine unser Stat sol zu aller Zeit mit irn
                Schulden und Pfanden den Vorgang haben.</head>

              <p>Wann sich begibt, das ain Bürger oder Außwendiger uf ainen andern unsern Bürger
                oder Verwonten umb Schuld clagte und dahin prechte, das er ime Pfand, wie hievor
                "Von der Hilf und Execucion" gemeld wirdet, eingeben müsste, und der, dem die Pfand
                eingeben, sy weren ligend, varend, tod oder essende, mit gerichtlicher Nachvolg
                nacherbetet, und derselb Schuldiger oder Gelter uns und gemainer unser Stat ze tun
                schuldig were, so sollen und wollen wir uns zu aller Zeit den Vorgang, auf dieselben
                Güter ze clagen und umb unser Stat Zinsstuben Schuld, es were Stewr, Bete, Ungelt,
                Wach, Nachrais, Frevel oder andres, vorbehalten haben in solcher Gstalt, das der, so
                in Recht, wie vorlaut, stünde und arbaitet, mit seiner Schuld hinderhalten und uns
                auf Bezalung seiner Gerichtsscheden, die er mit Verpfendung oder Aufbietung oder
                Verkaufung sambt dem gewondlichen Schreibgelt erliten hete, angeen und uns mit
                voller Ausfürung derselben <pb n="80"/> Rechtvertigung den Vorgang lassen sol,
                solang und vil, bis wir unserer Schuld vergnügt und bezalt sein. Wo sich aber
                derselb, dem die Pfand eingestellt sein, verpflichtet, uns und gemainer Stat
                Zinsstuben ir Schuld zu vergnügen und auszerichten, sol ime sein Rechtvertigung
                auszeüben gestatt und uf Erlangung wievor eingesetzt werden. Wo wir aber ainen in
                Recht liessen fürfaren und bis zu der Zeit der Einsetzung kain Ansuchung noch
                Vordrung zu den Pfanden teten, sol er uns und unserer Zinsstuben zufort auszerichten
                nit mer verpflicht sein, dann wie die Artikel hievor im ailften Titel des ersten
                Tails "Von Einsetzung" Meldung tun.</p>
              <p> In gleichen Vall soll unseren Bürgeren und Verwonten gegen den Außwendigen auch
                vorbehalten sein.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.6">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 5:] Uf was Handlung Bekenntnus, Urtel und Vollung den
                Schultherrn sol verholfen werden.</head>
              <p>Auf ain yde ware, unlaugenbare, sonder bekennte müntliche Schuld Bekenntnus, Urtel
                und Vollung aus unsern Gerichtsbüecheren (soverr die nit erloschen und noch bey
                Kreften sein; wie aber die erleschen, zaigt nachvolgender Artikel an), auch auf
                glaubwirdig Instrument durch bekennt und glaubwirdig Notari, auch Prief under ains
                oder mer bekennten Insigelen, auch Contract und Übergabschriften uß unseren
                Gerichtzbüchern sol den Schultherren, wann sy die fürbringen, uf Besendung der
                Widerpartey, der in die Instrument und besigelt Prief ir Einred und Anfechtung tun
                mag, Hilf erkennt und nit abgeschlagen werden. Aber ander schlecht Schriften als
                Zerbzetel und Prif under schlechter Personen Zaichen und Pitschiren, den sollen uf
                Anfechtung der Widerpartey kain Glauben geben werden, sy würden dann durch dieselb
                Partey, darwider sy fürbracht werden, recognostirt, das sy desselben Contracts oder
                Pacts eingangen were.</p>
              <p>Brecht aber ymants ain Bekenntnus und Vollung, di am Gericht ergangen were, für,
                die in ainem nachdem sy ergangen, nit gerechtvertigt worden were, dieselb Bekenntnus
                oder Vollung sol erloschen und von kainen Wirden mer sein, auch daruf nichts
                verholfen werden. Und wo der Cleger die nit fallen lassen wil, sol er die von newem
                in Gericht erlangen. Aber Bekenntnus, die in Schein ains Contracts oder Pacts oder
                dergleichen Handlung vor zwaien des Rats und dem Statschreiber oder seinem
                Substituten geschee, die zu Urtet besteen solle, auch ergangne und behabte Urtel, so
                die Sachen mit Clag, Antwort und Rechtsatz bestriten worden sein, sollen ye und
                alwegen bei irn Kreften bleiben und nit vonnöten sein, dieselben von Jaren zu Jaren
                zu ernewen, sonder ye und alwegen, so oft das di Notturft erfordert, mit der
                Execucion und Hilf gegen demselben, wider den die lauten, verholfen werden.</p>

              <p>Es sollen auch solch Schriften oder Bekenntnus, Contract oder Pact dem, der sy
                begert, Abschrift und Urkunt mitgetailt werden, es were dann Sach, das wider dieselb
                begerend Partey grosse fürschenliche Vermutung were, das sy solch Begeren gar aus
                kainer Notturft, sonder irer Widerpartey zu Geverd und einfü- <gap reason="unclear"/> ... Costens und unpillichen Fürnemens tete. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.7">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 6:] Wenn, wie und in was Gstalt der Gläubiger von
                seinem Schuldiger ist schuldig, War ze nemen.</head>
              <p>
                <pb
                  n="81"/> Wo ain Schuldiger oder Gelter seinem Gläubiger oder Schultherren an
                seiner unlaugenbaren und wissentlichen Schuld vermaint, Pfand, Hab oder War ze
                geben, so ist derselb Schultherr und Gläubiger nit schuldig, solchs ze nemen, sonder
                ine der mit parem Gelt zu bezalen, es were dann anderst im Contract oder Pact
                begriffen, oder das der Gelter anderst nichts hete dann Pfand, sy weren ligend oder
                varend, und möcht solch sein Unvermügen mit seinem Aid betauren, das er auch kain
                Gelt wisste zu erlangen, aufzetreiben noch aus seinen Güteren ze lösen. Alßdann sol
                der Schultherr schuldig sein, wo er seinen Gelter nit lenger aufhalten wil, Pfand
                und Werschaft ze nemen, es seien ligende oder varende Güter, wölche ime an dem
                gelegenisten sein, unverhindert des Titels "Ordnung, wölche Hab und Güter in
                rechtlicher Nachvolg erstlich angriffen werden sollen etc.", doch ausgeschlossen der
                Frawen ir Klaidung etc., Wein und Ackerpaw, Werkzeug etc. ... Und mit solchen
                Pfanden sol der Gläubiger und Schultherr gefaren, wie oben von der "<hi rend="it">Execucion</hi>" verleibt ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.1.12.8">
              <head>[WindsheimRef. I 12 Rubrik 7:] Wo sich der Schuldiger bewilligt, wann er auf die
                bestimbten Zeit nit Bezalung tut, in die Straf ze geen.</head>
              <p> Verwillkürte sich ain Schuldiger inner- oder ausserhalb Gerichts seinem
                Schultherren uf ain nembliche Zeit, wo er ime nit Bezalung tete, one alle Erkanntnus
                in die Straf ze geen, und dann der Schultherr solchs anneme, und der Schuldiger auf
                die benennten Zeit dem Schultherren wider seinen Willen verseß und nit Vergnügen
                tete, alßdann sol uf des Schultherren Anrufen der Schuldiger in die Starf gefürt,
                mit zimblicher Notturft, allain Wassers und Prots, uf des Schultherrn Costen
                enthalten werden, solang und vil, bis er vergnügt, oder alßlang der Schultherr ine
                also verlegen wil, doch sol solche Verpflichtung allain uf di Person des Gläubigers
                und nit uf seine Erben verstanden werden.</p>

              <p>Wo aber der Schultherr den Schuldiger uf seinen Costen wie oblaut nit verlegen
                wolte, so sol ime Pfand mit denselben, wie hievor under dem Titel "Von der
                Execucion" in sondern Rubriken underschiden ist, ze handelen vergönnt, wo aber der
                Schuldiger nit Pfand hete, mit gehalten werden, wie im selben Titel "Von der
                Execucion" under der <ref target="#NA.1.11.11">Rubric</ref> "Vom Einsetzen der, die
                nit Bürger sein" am virdten Artikel verleibt wirdet.</p>
            </div>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.2">
          <head>[WindsheimRef. II: Schuld- und Sachenrecht]</head>
          <div xml:id="NA.2.1">

            <head>[WindsheimRef. II 1 Titel:] Der erst Titl des andern Tails: Von Pfandschaften
              genannt "<hi rend="it">De pignoribus</hi>
            </head>
            <div xml:id="NA.2.1.1">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 1:] Von der Bedeutung des Worts "Pfand"</head>

              <p>Pfandung haist ain Verpindung ains zimblichen Guts, die da geschicht für Schulden
                und wirdet getan zu ainer merern Sicherhait. Dann es ist gewinlicher und sicherer
                anzesteen und nachzevolgen den Pfanden, dann die Personen zu beclagen, und hat
                zwayerlay Bedeutung und Underschid, erstlich, wann ymants ain ligend oder varend Gut
                eingestellt ist und hat den Besitz daran, so haist es "<hi
                  rend="it">pignus</hi>",
                wann aber ainem der Besitz nit zugestellt ist, so haist es "<hi rend="it">ypoteca</hi>". </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.2">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 2:] Wo ainer dem andern Pfand einstellt, wie der
                Schultherr mit denselben mit verrerer Verkaufung oder Versetzung handlen mag.</head>
              <p> So nach Gesetz gemainer geschribner Recht kain Pfand sol noch mag entlich verkauft
                werden durch den, dem es eingestellt ist, es were dann Zil des Gedings vergangen und
                der Schuldiger an der Bezalung seumig, und aber auch nach der Strenge des Rechtens
                der Schultherr incraft ains Pacts und Gedings Macht und Erlaubnis hat, so das Zil
                und die Bezalung gescheen sein sol, vergangen ist, das Pfand mit aignem Gwalt
                anzegreifen und innenzubehalten, ist aber doch zimblicher und wesenlicher, das
                solchs geschee mit Wissen, Willen und Erkanntnus des Gerichts; demnach ordnen und
                wollen wir: Wölchem hinfüro Pfand eingestellt werden, sy seien ligend oder varend,
                und die der Einsteller dieselben uf die bestimten Zeit des Pacts und Gedings nit
                gelöst hat, und der Schuldherr nit lenger borgen wil, so sol er die vor uf unserm
                Statgericht verpfenden, aufbieten, verfailsen und mit handelen, wie hievor im
                ailften Titl des ersten Tails von der "Execucion" under den sondern Rubriken "Von
                den unbewegenden und bewegenden Gütern, wie die in rechtlicher Nachvolg verkauft
                werden sollen", anzaigt wirdet.</p>

              <p>Wo aber der Schultherr die nit also mit Gericht wolt aufbieten, verpfenden,
                verfailsen, und nach Laut obmelts Artikels mit handelen, dem Einsteller und seinem
                Schuldiger ze gut, so mag er dieselben ainem andern Vertrauten, der als geschickt
                und als getreu als er ist, one Sorg und Schaden des Schuldners umb sein Suma
                verpfenden und einstellen. Doch sol solchs mit Erkanntnus unsers Statgerichts
                gescheen und von demselben ain Verkundung durch den Gerichtsknecht, soverr der <pb n="83"/> Schuldiger anwesenlich ist, müntlich, ist er aber abwesenlich, ain
                schriftliche ausgeen, darmit, wie der Schultherr solche Pfand wolle verendern,
                Erinnerung tun; und der Schultherr, dem ainiche Pfand eingestellt sein, mag
                dieselben eingestellten Pfand, wo er die nit verkauft noch verendert, innenbehalten,
                solang und vil, bis er der gantzen Suma und Schuld one Nachtail umb dieselb Summa,
                darumben ime die Pfand eingestellt sein, auch umb Schuld, die ime der Schuldner ze
                tun were, ob er ime jach von derselben wegen die Pfand nit eingestellt hete, bis zu
                entlicher Bezalung und Vergnügung innenbehalten. Doch sol und muß solche Schuld,
                darumben die Pfand nit eingestellt sein, unlaugenbar und beweißlich, auch redlich
                sein. Er, der Schultherr mag sy auch nit allain umb solch sein Schuld innenbehalten,
                sondern auch, wi di vorgemelten zween Artikel in sich beschliessen, verkaufen oder
                andern versetzen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.3">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 3:] Von Ledigung und Widerlosung der Pfand.</head>
              <p>Wie ainer ainich Hab und Gut dem andern pfandßweis zustellt und eingibt, umb solche
                Suma und one ainichen Aufgab sol und mag der Schuldner oder Einsteller dasselb sein
                Pfand wider losen und ledigen. Und sol dem Schultherrn kain Übermaß noch Aufgab, ob
                er sich deß gleichwol incraft ains Pacts oder Gedings verschriben und verpunden
                hete, nachzegeben nit schuldig sein, es were dann, das ainer ain jerliche Gült aus
                etlichen ligenden Güeteren verschriben het, wie hernach in dem dritten Titel dies
                andern Tails "Vom Kaufen und Verkaufen" gemelt wirdet. Und solche Widerlosung sol
                der Schultherr seinem Schuldner in kainen Weg vor sein, ob gleichwol der Schuldner
                solch Losung vor der benennten Frist keme und deß begert. Wolt aber der Schultherr
                solch Widerlosung nit gestatten und dem Schuldiger vorgeen, so mag er umb solch
                Pfand, ob es auch Ergerung genomen hete, und umb des Interesse, auch aufgeloffen
                Scheden gegen dem Schultherrn vor Gericht clagen und piten, ime sein Pfand sambt der
                Ergerung, die es entpfangen hete, auch Interesse und Scheden wider ze lösen, ze
                geben und Bekerung ze tun, das dann pillich erkennt werden sol.</p>

              <p>Der Schuldner mag auch seinem Schultherrn den Nutz, den der Schultherr von dem
                eingestellten Pfand eingenomen hat, wann er das Pfand lössen wil, an der Hawbtsuma
                abrechnen und abschlachen; und solcher Nutz kan gemainklich nit wol anders komen
                noch gescheen dann mit Einstellung Hewser, Ecker, Wisen, Weingarten und dergleichen.
                Doch sol der Schultherr deß, so er zu Pawung oder Erlangung der Frucht oder des
                Nutz, oder, ob er auch zu Pesserung derselben Güeter was außgeben hete, vom
                Schuldner wider bezalt werden. Und dweil solchs nit gescheen, so ist er das Gut
                widerzegeben nit schuldig. Doch wo in solchem ain sonder Pact und Verding der
                Nutzung und Ausgab halben gemacht und das in unser Gerichtzbuch vergriffen were, dem
                sol nachkomen werden. Was aber im Gerichtzbuch oder ander glaubwirdig Schriften nit
                verfasst ist, wie dann hievor im fünften Titl des ersten Tails "Von den Beweisungen"
                under der <ref target="#NA.1.5.5">Rubric</ref> "Wie Beweisung mit Schriften
                gescheen" bemeld wirdet, das ist von Unwirden und nit creftig. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.4">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 4:] Der Schuldner sol sein Hab nit zwayen Schultherrn
                verpfenden, und die Pen der Überfarer.</head>
              <p>
                <pb n="84"/> Es sol auch kainer unser Bürger, Undertan oder Verwonter kain Hab,
                Stück, Gut noch Pfand mer Personen hindereinander verpfenden noch einstellen
                ausserhalb Wissen, Willen und Vergünstigung des ersten Schultherrn. Wer oder wölcher
                solchs überfüere, der sol den virdten Tail rechts Werts, das das verpfendt Gut in
                ainer Kaufsuma erreichen möcht, gemainer unser Stat Zinsstuben zu Peen und Pues
                verfallen sein, darvon der Halbtail dem, dem die Pfand hinder dem ersten Schultherrn
                eingestellt sein, gefallen; sol auch solche Nachsetzung der ersten eingesetzten
                unschedlich sein. Wo aber der Schuldiger ain oder mer Pfand mit Wissen und
                Vergünstigung des ersten Schultherrn, dem sy eingestellt weren, tete, das sol
                unbefrevelt und nach Laut desselben aufgerichten Pacts besteen.</p>
              <p> Es sol auch kainer kain fremde Hab, die nit sein ist, andern pfandßweis einstellen
                one Willen und Wissen, deß die Hab ist, bey Peen und Pueß sovil Werts, das di frömbd
                Hab in verkaufender Suma zum halb Tail möcht ertragen, welche Pueß gemainer Stat di
                drei Tail, und der viert Tail, deß die Hab ist, einnemen und gefallen sol. Es mag
                auch derselb, des di Hab ist, von dem, dem sy eingestellt und pfanthaft gemacht
                worden ist, wider erfordern und einpringen, sol ime auch one ainiche Beschwerd
                volgen und zugestellt und der viert Tail darumb und darfür von der Pueß werden für
                sein Interesse. Wo aber das Interesse und Scheden nach rechtlicher Erkenntnus und
                Messigung durch Verdürbnus oder Abnemen des Pfands grösser weren dan die Pueß, so
                sol der, der das Pfand also verpfendet und eingestellt hat, dahin gehalten werden,
                denselben Schaden, unangesehen der Pueß und one Nachlassung derselben, zu bekeren.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.5">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 5:] Die varenden Pfand sol yder in sein Gewarsam
                nemen, und wie er die halten sol.</head>
              <p>Werden ainem varende Hab, es seien Klaider, Klainot oder andres nichts außgenomen,
                zu ainem Pfand versetzt und eingestellt, der sol und mag sy zu seiner Gewarsam nemen
                und an seinen Nagel hengen. Tut er aber das nit, und kemen andere Schultherrn, nemen
                dieselben Pfand, wolten die mit rechtlicher Nachvolg, wie hievor im ailften Titel
                des ersten Tails "Von der Execucion" bemeld ist, verpfenden, das sol inen gestatt
                werden, und mag sich der erst Schuldherr, dem sy gleichwol pfandßweis eingestellt
                sein, solcher Einstellung und Pfandschaft nit gebrauchen, er hab darüber
                Verschreibung oder nit. Aber in ligenden Pfanden ist es anders, wie hernach under
                der negstvolgenden Rubriken anzaigt wirdet.</p>

              <p>Es sol auch der Schultherr dasselb ime verpfendt und eingestellt Gut erlich und
                fleissig besorgen, versehen, behüeten, die nit gebrauchen, das die zu Abfal und
                Schaden komen möchten. Wo aber das nit geschee, sonder uß Unfleis und Unbewarnus
                oder Gebrauchung die Güter Schaden entpfingen, denselben Schaden sol der Schultherr
                ze tragen pflichtig und schuldig sein, wi dann hernach der newndt Titel dits Tails
                "Vom Hinderlegen" in ainer sondern Rubriken "In was Handlung und Gstalt der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> den Schaden, den di hinderlegt Hab entpfangen hat, ist
                schuldig zu bekeren" auch bemeld wirdet. Ging aber das Pfand one Hinlessigkait und
                one Schuld des Schultherrn ab oder keme in Verderben, das der <pb n="85"/>
                Schultherr nit fürkomen konnt, und er das also bewerlich machte, sol er dem
                Schuldiger umb den Abgang nichts, sonder der Schuldiger verpflicht sein, die Schuld
                zu bezalen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.6">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 6:] Wie man ligende Güter verpfenden sol.</head>

              <p>Wölcher dem andern ainich ligend Hab und Gut zu ainer Vergwissung und Pfandung
                einstellt, der sol solchs zum wenigisten in unser Statgerichtzbuch vergriffen
                lassen. Wo aber das nit geschee, und ain ander Schuldiger dieselben ligenden Güter
                antassten und würde gegen denselben mit rechtlicher Nachvolg handelen oder tet die
                zu Underpfand annemen, das sol ime alles gegonnt und dem ersten, der darumben in
                unser Statbuech oder kain ander glaubwirdige Schrift hete, - was aber glaubwirdig
                Schriften sein, findet man hievor im <ref target="#NA.1.5.5">fünften Titel des
                  ersten Tails "Von den Beweisung" in der Rubric "Wie Beweisung mit Schriften
                  gescheen etc."</ref> — nichts schuldig sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR121">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 7:] Wölche und was Güter nit mügen verpfent
                werden.</head>
              <p>Wievor under dem <ref target="#NA.1.11.3">ailften Titel des ersten Tails under der
                  Rubriken "Ordnung, wöllche Hab und Güter in rechtlicher Nachvolg erstlich
                  verpfendt und angriffen werden sollen"</ref>, ist zum Tail vergriffen, wölche
                Güter nit wol mügen verpfendt werden, als das zum Baw und dem Hantwerch gehört etc.
                Wo aber doch anders gebricht, so muß man zu denselben greifen. Dweil aber der Sin
                der gemainen geschriben Recht lauter underschaidet und außdrückt, das dennoch
                etlicher Hab nit mügen verpfendet werden, setzen und wollen wir, das hinfüro den
                erbern Hawsfrawen ir Eesteuer, Klaider und zimblich Klaider, zu irm Leib gehörig,
                sollen für des Manns oder ir beder gemainer Schuld nit verpfend noch in Pfandung
                vergangen werden, wie dann hernach under dem ersten Titel des dritten Tails "Von
                Heuraten" under der ersten Rubriken der drit, vierd und fünft Artikel beschleusst.
                Wo aber solch Pfandung geschee, so sol und mag die Hausfrau sich deß vor unserm
                Statgericht beclagen; alßdann sol di Pfandung abgeschaft werden und die vo Unwirden
                sein.</p>
              <p>Aber ander der Frawen Güter mügen mit irem Verwilligen für ir beder gemaine Schuld,
                das ist die Schuld, die sy in bestander Ee miteinander gemacht haben, wol verpfendt
                und mit Gericht daruf procedirt werden.</p>
              <p>Item, was ainem Haußhalter von gemainer unser Stat Nutz wegen aufgelegt ist, als
                Harnasch, Spies, Puchsen, Helenparten, Armbrost, Winden und dergleichen, sollen noch
                mügen nit verpfendt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.8">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 8:] Wölche Personen nit Macht haben zu
                verpfenden.</head>
              <p>Wir wollen und setzen, das Personen, die noch nit ire mündigen Jare erraicht haben,
                ausserhalb irer Vormünd oder unser gerichtlichen Erkenntnus ligende, noch sunst
                kostliche Güter nit mügen verpfenden noch vil weniger verkaufen.</p>
              <p>
                <pb
                  n="86"/> Ain Kind sol und mag ausserhalb seiner Eltern, ob es schon seine
                mündige Jare erraicht hat, seiner Eltern Gut, dweil die noch in Leben sind, nit
                verpfenden noch anwerden. Also sol und mag auch der Vormund, er sey <hi
                  rend="it">Tutor</hi> oder <hi rend="it">Curator</hi>, seins Vormund Kinds Hab und Güter für
                sein eigne Schuld nit verpfenden.</p>
              <p>Ain Procurator oder Sachfüerer mag one sondern gegeben Gwalt seins Patrons und
                Principals Hab und Güeter in kain Weis verpfenden.</p>

              <p>Ain Person, die allain den Besitz bey etlichen Haben und Güetern hat, mag das
                Aigenthumb derselben Güter nit verpfenden. Aber mit den <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Blume">Blomen</ref> und Abnutzungen, so von solchen Güetern
                gefallen und komen sind, mag sy wol Verpfändung und Setzung tun.</p>
              <p>Die Güter, die in anderer Ansprach, auch mit Rechtvertigung verfangen oder in
                Gesellschaft weren, mügen ausserhalb Bewilligung der Personen, die Interesse und
                auch Recht dazu haben, von ainer aintzigen Person nit verpfendt werden. Aber doch
                Güter, die in Geselschaft ligen, mügen die Personen, sovil ir yde daran hat, iren
                Tail, und nit mer verpfenden.</p>
              <p>Wölche Personen über dise obgemelte Satzung was verpfendet von Güetern, die
                obegriffen sein, dergleichen, die solche Pfandung einnehmen, sollen nach Gelegenhait
                der Sachen darumben gestraft werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.1.9">
              <head>[WindsheimRef. II 1 Rubrik 9:] Wölche Güter stillschweigend pfandtber
                sein.</head>
              <p>Wer ainichen Frevel beget, es sey der durch Verbrechung unser Gebot oder Verbot,
                oder durch Schlahen, Lemung oder anders, wie das were, desselben Hab und Güter sein,
                alle und yde, gemainer unser Stat Zinsstuben stillschweigend verpfendt, solang und
                vil, bis derselb Frevel und Pueß durch Bezalung vergnügt worden ist. Die Hab der
                Muter, die irs Kinds Tutel nach Absterben irs Haußwirts, mit dem sy das Kind
                geboren, uf sich genomen und hat zuer andern Ee gegriffen, den Kindern nit Rechnung
                noch Vergnügen getan und nit ander Vormund lassen setzen, so sein alle Hab und
                Güter, die sy, di Muter und ir Haußwirt, mit dem sy zur andern Ee gegriffen hat, dem
                Kind bis zu volliger Vergnügung verheft und verpfendt.</p>
              <p>Ainem Eeman sind alle Hab und Güter deß, der ime Eesteur zu seinem Egemahel
                versprochen hat, so lang und vil, bis die Eesteur bezalt wirdet, stillschweigend
                verpfendt. Herwiderumben sind der Frawen alle Hab und Güter des Manns für ir Eesteur
                und Morgengab verpfendt und stillschweigend eingesetzt.</p>
              <p> Ainem Verleiher ains Grunds sind alle Frücht, so darvon entspringen, für seinen
                Zinß verpfendt. Wo aber die Frucht gefallen und verkauft, so wer es anderst, und das
                daraus gelöst Gelt dem Herrn des Grunds nit pflichtber.</p>
              <p>Was Hab und Güter ainer in ain Behausung, die er bestanden hat, pringt, die sein
                alle und yde dem Herrn deß Hawß für seinen Hauszinß und umb den Schaden, den der
                Bestener in dem Hauß gefügt hat, stillschweigend verpfendt.</p>
              <p>Die Hab der Vormünder ist iren Vormundkindern von wegen der Hab, "<hi rend="it">adventicia</hi>" genannt, stillschweigend verpfendt. </p>
              <p>
                <pb n="87"/> Zu dem wollen wir, das alle Hab und Güter, die unbeweglich und ligend
                sein, so ainer von dem andern verkauft hat, dem Verkaufer bis zu volliger Bezalung
                des Kaufgelts sollen innensteen und stillschweigend pfandber sein. Und wu dieselben
                verkauften Güter mitler Zeit der stillschweigenden Pfandung Schaden nemen, sol dem
                Verkaufer gegen dem Kaufer sein Vordrung umb das Kaufgelt uf anderen seinen Haben
                und Güetern vorsteen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.2">
            <head>[WindsheimRef. II 2 Titel:] Der ander Titl des andern Tails: Von allerlay
              Verpflichtung und Bürgschaften</head>
            <div xml:id="NA.2.2.1">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 1:] Was Bürgschaft sey, und wer Bürg sein mug.</head>
              <p>Bürgschaft ist, wo ymants ain frömbde Verpflichtung aufnimpt in seinen Glauben
                also, das er wöll gnugtun für und umb dasjen, das der erst Verpflichter (das ist der
                Principal oder Schuldner) schuldig ist ze tun. Und mag ain yder, der seiner Güeter
                ainen sicheren und freien Zugang hat, wol Bürgschaft auf sich laden und die
                Gnugtuung an sich nemen. Wer aber seiner Güter ainen sichren und freien Zugang hat,
                wirdet hernach in disen Titel under der Rubric "Ob und wie Frawenpilder, auch
                gaistlich Personen etc." gnugsam anzaigt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2.2">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 2:] Wie lang der Bürg gegen dem Schultherrn sol
                verpflicht sein.</head>
              <p>Wirdet ymants gegen dem andern Bürg schlechtlich und one besonder Fürgeding, so sol
                und mus derselb Bürg, alldweil dasjen, darfür er Bürg worden, nit vergnügt noch
                bezalt ist, gegen dem er sich verpflicht hat, sein Lebtag aus, es sterb der
                Selbgelter mitlerweil oder nit, umb dasjen, darumben er sich dann solcher Bürgschaft
                angenomen hat, verpflicht und verbunden sein. Wo aber die Bürgschaft mit nemlichen
                Worten, wie die gestellt sein sol, verdingt wurde, darbey sol es one Mitel auch
                besteen und bleiben.</p>

              <p>Und der Bürg mag nit clagen wider den Schuldiger, noch sich der Bürgschaft, der er
                sich verpflicht hat, ledigen, es were dann, das der Schuldiger lang verzüg, wie in
                disem Titl hernach under ainen sondern <ref target="#NA.2.2.4">Rubric "Ob, wie und
                  wann der Bürg den Hawbtschuldiger müg beclagen"</ref> gemeld wirdet.</p>
              <p>Wann aber der Schuldiger dem Schultherrn oder Gläubiger umb dasjen, darumben er den
                Bürgen versetzt, Außrichtung und Vergnügen getan hat, so ist der Bürg der Bürden,
                die er derhalben tragen hat, müssig, ledig und los.</p>
              <p>Wo auch der versetzt Bürg in der Zeit seiner Bürgschaft Tods abging, so ist sein
                Hausfrawn noch seine Erben nit schuldig, gegen dem der Abgangen zu Bürgen versetzt
                worden ist, ainichs ze laisten, sondern die Bürgschaft ist mit im auch abgestorben
                und verloschen, es were dann, das der abgegangen Bürg Selbschuld worden, so weren
                seine Erben alles das verpflicht ze tun, das er, der Bürg, ze tun verpflicht und
                schuldig gewesen ist. </p>

              <p> Machet auch der Schultherr oder Gläubiger mit dem Selbgelter ausser Wissen deß
                oder der Bürgen ainen sondern Vertrag, mit dem wer er aus der <pb n="88"/> ersten
                Verpflichtung des Bürgen und Selbgelters gangen. Were auch zu vermuten, er hete und
                wolt dem Selbgelter mer Glauben geben dann den Bürgen, darumben sollen uf solche
                Handlung die Bürgen, sy seien Selbschulden oder schlecht Bürgen gewest, ledig und
                dem Gläubiger nichts mer verpflicht sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2.3">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 3:] Vom Fürnemen der Bürgen und Schuldiger, wölcher
                zum ersten umb Genugtuung angelangt werden sol.</head>

              <p>Verpflicht sich ymants, für ainen andern Bürgschaft, also Bezalung oder was andres
                ze tun, so sol und mag der Schultherr und Gläubiger den Bürgen uß der Satzung und
                Freihait, genannt "<hi rend="it">Epistula Divi Adriani</hi>" umb Bezalung und
                Gnugtuung nit fürnemen, beclagen noch anziehen, er hab dann zuvor den rechten
                Schuldiger, soverr er gegenwurtig ist, beclagt, und ime sey vom selben nit
                Ußrichtung gescheen. Wo aber der Haubtschuldner abwesig und nit an unsern Oberkaiten
                oder nahend umb uns ze treffen were, oder sich der Bürg obenanzaigter Freihait
                begeben hete, so mag der Schultherr den Bürgen, ime Bezalung und Gnugtuung ze tun,
                wol fürnemen. Weren sy aber bed abwesig, und doch der Bürg neher dann der
                Schuldiger, so mag alßdann der Bürg abermals umb der Neherung willen (die do
                gegenwurtig geacht und genennt wirdet) umb Gnugtuung angelangt werden.</p>
              <p>Were aber der, so sich der Bürgschaft angenomen hat, Bürg und Selbschuld worden,
                wie dann yezo bey uns allenthalben der gemain Gebrauch ist, so hat alßdann
                Schultherr und Gläubiger Macht und Gwalt, umb dasjen, so ime gegen dem Selbgelter
                oder Bürgen mangelt, den Bürgen oder Selbschulden anzelangen und zu beclagen,
                welchen er wil, unangesehen der Abwesen- oder Gegenwurtigkait und ungeledigt des
                andern, es seien die Bürgen oder Selbgelter.</p>
              <p>Dweil durch das <hi rend="it">Beneficium</hi> und rechtlich Zulassung, genennt "<hi
                  rend="it">Nova constitucio de pluribus reis debendi vel promitendi</hi>", sich die
                Bürgen und Schuldner mügen behelfen, wo sy, all und yder in sonder zu bezalen
                vermüglich were, das nit ir ydlicher in sonder, oder ain Tail aus inen umb des, so
                sy versetzt sein, sollen Vergnügung und Bezalung tun, sonder allain die Schuld sol
                under sy getailt und ir yder umb sein Anzal angelangt und fürgenomen werden. Wo
                demnach solchs fürfiele und sich begebe, das der Schuldiger oder Bürgen, ainer oder
                mer, vom Schultherrn umb dasjen, so ime gegen inen mangelt, würden fürgevordert und
                die Schuldiger oder Bürgen all gegenwurtig und zu bezalen vermüglich und die
                Schulden vor Bevesstigung des Kriegs ze tailen piten weren, so sol dieselb Schuld
                getailt und ydem sein Anzal zu bezalen vergönnt werden, es heten sich dann die
                Schuldiger oder Bürgen obenanzaigter Begnadung und Freihait verzigen. So aber solch
                Schuldner oder Bürgen etlich nit so vermüglich weren zu Zeiten des fürgenomen
                Rechtens und Bevestigung des Kriegs, so mügen die andern, so vermüglich und <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=haebig#häbig-2.0">hebig</ref> weren, durch den Schultherrn
                fürgenomen werden. Aber die Schuldner und Bürgen mügen sich undereinander diß
                Auszugs behelfen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2.4">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 4:] Ob, wie Frawenpilder, auch gaistlich und frömbd
                Personen mügen Bürgschaft laisten, und ob man die sey schuldig anzenemen oder
                nit.</head>
              <p>
                <pb n="89"/> Als hievor im Anfang diß Titls under der Rubric beym End verlaibt
                wirdet, das ain yde Person, die irer Güter ainen freyen Zugang haben, mügen
                Bürgschaft laisten und die Verpflichtung uf sich nemen, und aber die Frawen,
                Junkfrawen, auch gaistlich Personen durch kayserliche Satzung für die Verpflicht der
                Bürgschaft zum Tail fürsehen sind, und doch zugelassen ist, das ain Frawenpild, die
                aigen Gut hat, in etlichen Fellen mag Bürgschaft laisten, demnach zu Hanthabung
                gemainer unser Bürger Hantirung wollen wir: Wo sich ain Eefraw, die Aigengut und
                verdingten Heurat mit irem Evogt hat, Bürgschaft mit Wissen und Vergünstigen
                desselben irs Evogts auf sy ze laden underfinge, so sol dieselb Bürgschaft als
                gentzlich, als het sy sich der "Begnadung Velleiani" verzigen, kreftig, und sy, die
                Fraw umb dieselb Verpflichtung, wie hievor und hernach von den Bürgen gemelt ist,
                schuldig sein.</p>
              <p>Aber die Witben sollen sich, wann sy Bürgschaft tun wollen, der "Begnadung
                Velleiani" verzeihen. Wo sy aber das nit tun und zu wenigsten in unser
                Statgerichtsbuch einschreiben lassen, so würde sy von solcher Bürgschaft, wann sy
                sich des Auszugs und der "Freihait Velleiani" gebrauchen oder der Bürgschaft ze
                laisten in Reu steen würde, geledigt und dem Schultherrn nit pflichtig.</p>
              <p>Und ain Eefraw, sy hab Aigengut oder nit, die ausser Wissen und Verwilligen irs
                Evogts und Haußwirts sich Bürgschaft ze laisten underziehen, dieselb Bürgschaft
                wirdet, ob sy sich der Freihait Velleiani begeben und verzigen hete, von Unwirden
                und craftlos.</p>
              <p>Wo sich ainer, [<hi rend="it">wo</hi>] in Contracten, Keufen, Verkeufen oder
                anderen Handlungen Bürgen ze setzen vonnöten ist, und sich derselb Setzer, gaistlich
                oder frömbd, unbekannt, auch arm, die nit ze gnugtun heten, ze Bürgen zu setzen
                anmassen, darmit würde er nit gnugtun, noch der, dem man sy setzte, die anzenemen
                gedrungen, sondern allda sollen allain Gegenwürtig, und die gnugzetun und ire Hab
                under unsern Gerichtzwengen oder nahend umbligend haben, zu Bürgen gesetzt werden.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2.5">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 5:] Ob, wie und wann der Bürg den Haubtschuldner müg
                beclagen, das er ine ledig, und ob der Schultherr von seinem Schuldiger oder Bürgen
                vor der Zeit des Zils Bezalung seiner Schuld müg Vordrung tun.</head>
              <p>Wiewol durch Aufsatzung gemainer geschribner Recht klerlich bestimbt ist, das vor
                der Zeit des Zils kain statliche Clag wider den Bürgen noch den Selbgelter mag
                fürgenomen werden, das die Bezalung oder Gnugtuung geschee, dweil aber durch vil
                einreißende Mittel die Schuldiger zu Abfal komen, ir Gut zerstrewen, anwerden und
                dermassen handelen, dadurch die Bürgen, die also versetzt, müssen umb die Schulden
                verpflicht sein, gnugtun und das Jr ausgeben, demnach, wo sich begibt, das ain
                Selbgelter das Sein also pößlich zu gebrauchen anhuebe, so sol und mag ain yder Bürg
                gegen dem Selbgelter oder, wo der nit mer in Leben were, gegen seinen verlassen
                Erben wol Clag fürnemen, das er ine enthebe, schadlos halte und der Bürgschaft ledig
                mache.</p>

              <p>In gleicher Weiß mag ain yder Schultherr gegen seinen Selbgelteren und Bürgen vor
                der Zeit des Zils, do die Bezalung gefallen sol, auch wol Clag fürnemen und ime das
                Sein mit Gelt oder Wert zu entrichten begeren. Doch sollen alwegen zuvor, die also
                Bezalung oder Ledigung vor der erschinen Frist haben wollten, sweren, das er solcher
                oberürter Ding von glaubwirdigen Personen under-richt und derhalben zu Fürkomung
                seins Schadens gewarnet sey, und das er solchs nit tu <pb n="90"/> aus Neid, Has,
                Gremschaft noch Widerwillen dem Schuldner noch Bürgen, sonder allain von oberzelter
                seiner Notturft und Ursach willen. So dann solchs also gescheen ist, sol uf
                Erkundigung oder Augenscheins der Sachen geschehen, was gebürlich ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.2.6">
              <head>[WindsheimRef. II 2 Rubrik 6:] Wie die Bürgen aller Scheden, die sy durch die
                Versatzung erleiden, sollen enthebt werden.</head>
              <p>Wirdet ymannts von den andern zu Bürgen versetzt, so sollen der oder dieselben
                Bürgen oder ire Erben der Bürgschaft halben und aller der Ausgab und Scheden, die
                inen solcher Bürg-schaft halber aufgeloffen sein, von denjenen, die sy versetzt
                haben, oder iren Erben aller Ding gantz schadlos gehalten werden.</p>
              <p>So aber mer Bürgen dann ainer in Bürgschaft verpflicht werden und ir ainer der
                Bürgen ausserhalb seiner Mitbürgen von dem Schuldherrn umb Bezalung und Gnugtuung
                fürgenomen und also auf ine mit Recht erlangt wirdet, so mag derselb Bürg, der also
                ausserhalb seiner Mitbürgen bezalt hat, erstlich den Haubtschuldner, der ine
                versetzt hat, oder seine Erben umb Erstattung und Widerlegung desjenen, so er
                solcher Bürgschaft halb ausgeben umd erliten hat, fürnemen und beclagen, die ime
                dann Bekerung und Gnugtuung schuldig sind. Wo er aber an demselben Haubtschuldner
                oder seinen Erben irs Unvermügens und Armut halben nit erlangen mag, so sollen ime
                darnach seine Mit-bürgen nach gleicher Anzal Erstattung und Außrichtung tun.</p>
              <p> Würde auch ain Bürg also mit Recht, den Schultherrn auf sein Beclagen und Fürnemen
                zu entrichten gewisen, also das er die gantz Suma oder mer, dann ime nach Anzal der
                Bürgen und Suma gebüret, bezalen solt, gibt ime dann der, des Bürg er gewesen ist,
                vor der Bezalung Gwalt, solche Übermaß an seinen Mitbürgen zu erholen, das mag er
                also tun. Wo aber solchs nit vor der Bezalung der ertailten Suma geschee, müsst er
                deß nach Laut des vorgesetzten Artikels vordern und sein Angebürnis lassen abgeen.
              </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.3">
            <head>[WindsheimRef. II 3 Titel:] Der dritt Titl des andern Tails Vom Kaufen und
              Verkaufen etc.</head>
            <div xml:id="NA.2.3.1">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 1:] Wem man zu kaufen geben sol.</head>

              <p>Wiewol im Rechten niemant verboten ist, mit Güetern, die sich zu verendern gebüren,
                Kaufmanschatz und Hantirung ze treiben, aber darmit gemainer unser Stat Zinsstuben
                an gemainen iren Stewern, Zinsen, Gülten und Fellen nit Abpruch geschee, setzen,
                ordnen und wollen wir, das kain unser Bürger, Undertan und Verwonter, der ligende
                oder unbewegliche Güter in unser Stat und auf unserer Markung hat, dieselben seine
                Güter kainem ußmerkischen verkauf, vermache noch übergebe one sonder unser Wissen
                und Verwilligen, sonder wölcher also durch Notturft gedrungen oder aus freier
                Willkür zu verkaufen gelüstig würde, der sol das anderst niemant tun dann ainem
                unserm Bürger oder Bürgerin, dergleichen auch nichts übergeben. Wer, wölcher oder
                wölche aber hiewider teten, <pb n="91"/> es were in Kaufwechsels, Vergabung oder
                ander dergleichen Weiß, das sol alles uncreftig, unpündig und gar von kainen Wirden,
                sonder der sich solchs understünde, den virdten Tail derselben verkauften Hab zu Pen
                in unsrer Stat Zinsstuben zu bezalen verfallen und nichts weniger der ergangen
                Contract oder Pact von Unwirden sein.</p>

              <p>Es sollen auch alle unbewegliche und ligende Hab und Güter in unser Stat, in andern
                unseren Oberkaiten und uf unserer Markung gelegen, gemainer unser Stat Zinsstuben
                mit Dinsten, Stewern und anderer bürgerlicher Auflag verpflicht, verpunden und als
                ain "<hi
                  rend="it">jus tributarium</hi>" und "<hi
                  rend="it">onus reale</hi>"
                angehengt sein, und solche Auflag "<hi
                  rend="it">jus tributarium</hi>" und "<hi rend="it">onus reale</hi>" solle zu yder Zeit durch die Verkäufer ausgenomen
                werden. Und ob sy gleichwol durch den Verkäufer mit sonderen außgedrückten Worden
                nit benennt wurden, so wollen wirs doch hiemit ytzo als dann und dann als ytzo
                ausgenomen haben.</p>
              <p>Wo aber ymants, der nit unser Bürger oder Bürgerin were, solcher unbeweglicher
                Güter, ains oder mer, durch Erbschaft erlangte, so sol derselb, dem solche Güter
                zugestanden weren, dieselben inner Jarsfrist verkaufen und mit gehalten werden, wie
                hievor im ersten Tail des ailften Titels "Von der Execucion" under der Rubriken "Vom
                Einsetzten der, so nit Bürger sein etc." durchaus anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.2">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 2:] Wie die Keuf der unbeweglichen, ligenden Güeter
                sollen vervasst werden.</head>
              <p>Umb das die unzimblichen Contract, Pact und Kewf, die vil und oft, als wir aus
                Erfarnus haben, wider Recht und gut Siten, dardurch gemainer unser Stat Zinsstuben
                an iren Fellen, Rechten, Stewern und Gerechtigkaiten vil abget, auch die Parteien zu
                costgebirenden und untreglichen Scheden wachsen, werden abgeschniten und durch ain
                gute Ordnung zu rechtmessiger hailsamer Stanthaftung gebracht, wollen wir, das all
                und yde Keuf, die umb unbewegende und ligende Güter, auch Gült, Zins und
                Dienstberkait gescheen, durch gewondlich Werprief under aines oder zwair bekannten
                Insigel oder in unser Stat Gerichtzbücher, wie nach altem Gebrauch herkomen ist, von
                zwaien aus uns, dem Rate bezeugt und in vierzehen Tagen, den negsten nach dem
                Contract, in Schriften verfasst werden; dazu sollen Käufer und Verkäufer am negsten
                Gericht nach der schriftlichen Verfassung vor unserm Statgericht erscheinen und der
                Verkaufer dem Kaufer das Gut übergeben, absteen und vor Gericht vertigen, wie dann
                hernach in disem Titel under der Rubric "Wie die Werschaft geschehen und das verk.
                etc." Meldung geschieht. Wo aber solchs in benennter Zeit nit geschieht und der Kauf
                von ainer Partey in dreien Tagen, den negsten vor der Beschliessung, aufgekunt
                worden, so were der Kauf von Unwirden und nichtig, wie dann hernach in disem Titel
                under der Rubric "Wölche Keuf vernicht sein, und wie bed Parteien oder die ain vom
                Kauf lassen mügen" verleibt wirdet under dem Artikel "Sich begibt etc.". </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.3">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 3:] Was sich zu ainem rechten, bestendigen Kauf
                gebüre.</head>
              <p>
                <pb n="92"/> Zum ersten gebürt sich zu ainem rechten bestendigen Kauf, das ainer
                kauf und der ander verkauf.</p>
              <p>Zum anndern, das des Verkaufers Hab sein Ain [<hi rend="it">Aigen</hi>] wer, als
                Hewser, Ecker, Wein, Korn und dergleichen, und des Käufers Hab sey Gelt. Dann one
                Gelt kan kain Kauf gescheen. Wo aber des Käufers Hab auch War, so were es kain Kauf,
                sonder ain Wechsel oder Tausch.</p>
              <p>Zum dritten, das das Gelt sey in ainer Suma als umb zehen, zwaintzig, dreissig, mer
                oder weniger etc. und nit in ainer Gstalt, als "ich gib dir das umb das Gelt, das tu
                in deinem Seckel hast, oder das tu morgen gewinnen kanst". Dann das wer auch kain
                Kauf, sondern ain ander Contract, der kainen Namen hat.</p>
              <p>Zum virdten, das die Hab, die verkauft wirdet, gewiß sey, sy sey gegenwürtig oder
                künftig, die gegenwürtig als ain Behausung und anders, die künftig als das Gewichs
                ufm Veld oder an den Stöcken und dergleichen, es were dann, das allain ain Hofnung
                gekauft würde, als wo ainer vischet, und ainer dem Vischer abkaufte, was er
                desselben Zugs fing. Dann solcher Kauf umb Hofnung ist nach gemainem geschriben
                Rechten auch stet und vestzuhalten, wiewol die Hab in den Kauf nit kumbt und schon
                nichts gefangen würde.</p>
              <p>Zum fünften, das die verkauft Hab also sey, das man sich der müg gebrauchen. Der
                Kauf were sunsten von nichten; dann es sein viererlay Hab, die nit mügen verkauft
                noch verpfendt werden, als geweihte, gaistliche, hailige und gemaine Hab. Die
                geweichten sein, die offenlich und sonderlich durch die Bischöve geweiht sein; die
                gaistlichen sein die Toten. Under dem werden vergriffen all frey Menschen und
                dergleichen. Die hailigen sein die Mauren und Tor der Stet, Merckt, Kirchen, und
                darumben ist bey Verlierung des Hawbtes in weltlichen Rechten verboten, wer solche
                Hab zerstört, oder anderst in die beschlossen Merkt und Stet ein- oder ausget dann
                durch die Tor und Porten. Aber hierinnen werden rechtlich Krieg ausgenomen. Die
                gemain Hab sein die grossen Wasser und Gstat darbey und was umb gemains Nutz willen
                gebawen ist, als Rat- und Tantzheuser, Mercte und dergleichen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.4">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 4:] Wölche Hab und Gueter und wölche nit sollen und
                mügen verkauft werden.</head>
              <p>Hievor in negstvorganger Rubric und letztem Artikel ist anzaigt, wie viererley Hab
                und Gueter, als geweiht, gaistlich, hailig und gemain, nit sollen noch mügen
                verkauft werden. Dergleichen sol und mag auch kain Gemainschafter oder Miterb one
                Wissen, Bekenntnus und Verwilligung seiner Zugetanen, derselben seiner Zugetanen
                Hab, nit entpfrömbden, verkaufen noch versetzen. Wo aber ain solcher Verkauf durch
                ain Person, die allain ain Miterb oder Gemainschafter were, geschehe, so sol derselb
                Kauf und Contract nit weiter Pündtnus noch Craft haben, dann sovil und den Verkäufer
                zu seinem Tail berürt. Darzu mügen auch die Hab und Güeter der, so noch nit 25 Jar
                irs Alters erraicht haben, nit verkauft werden, wie hernachvolgende Rubric "Vom
                Verkaufen der, so noch nit 25 Jare erraicht haben, und irer Vormünder oder Curator
                etc." in sich helte. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.5">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 5:] Wann ymants ligende Güter verkauf, was denselben
                anhangen sol.</head>
              <p>Verkauft ymants dem andern Ecker, Hewser, Weingarten und dergleichen ligende Güter,
                so sollen denselben Guetern alwegen anhangen und mit in dem Kauf verstanden werden,
                nemlich an Eckern die Bedingung, so daruf ligt oder daruf gefürt ist, auch das
                Gewichs, so daruf stet, sambt allen und yden Zugehören, Recht, Nutzung und
                Gerechtigkait, so demselben Acker anhangt.</p>

              <p>Wer es ain Haus, dem sol anhangen, nachvolgen und darinnen bleiben alles dasjen,
                das mid <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=niet">Neid</ref> und Nagel verheft, angeschlagen und
                gebunden ist, als nemlich Öfen, Hellhefen, eingemaurt Kessel, Venster, Schlösser,
                Giter, Kanndenpriter, Keltern, Parn, Leger in den Kelern und dergleichen, so Hawßrat
                ist. Weren es aber Weingarten, sollen demselben die Pfel, so darinnen sein, sambt
                dem Gewichs an den Stöcken und aller Zugehör auch anhangen und nachvolgen,
                dergleichen in allen andern dergleichen Keufen als Baumgerten, Krautgerten, Weir und
                anders.</p>
              <p>Doch wo ain Verkäufer, der was verkaufte, in dem Kauf obenanzaigter Ding, es were
                dem Haws Gründen oder Weyren anhengig, als in dem Haws Keltern, eingemaurt Kessel,
                Hellhefen oder dergleichen, auch den Gründten das Gewichs daruf und in den Weiren
                die Visch, außneme, solchs sol bey dem Geding und dem Außnemen besteen, es were
                dann, das solch Behausung oder Gründ ymants gült- oder zinßber weren, so sol solch
                Außnemen ausserhalb des Lehen- oder Aigenherrn Verwilligen unpillich, unpindig und
                von nichten, sondern alles dasjen, so ausgenomen were, dem Haws angehengt und
                verpflicht sein. Wo aber ymants ainen Beysitz verkaufte oder Nutzung, Niessung und
                Gebrauch, den er sein Lebtag uf etlichen Gütern hat, das sol, kan und mag der
                Aigentumbherr nit weren, sonder sol solchen Kauf nachlassen und zugeben, solang und
                sich gebürt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.6">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 6:] Verkaufung varnder Hab; wie die geschehen
                sol.</head>
              <p>Wo ymants dem andern bewegende oder varende Hab verkauft, ist nit Not, das
                dieselben in Schriften vervasst werden, es were dann, das die bestimbt Suma nit gar
                bezalt würde, so möcht der Käufer dem Verkäufer ain Bekenntnis der ausstenden Suma
                in unser Stat-Gerichtsbücher tun; alßdann wirdet der Kauf und die Suma von ime
                selbst benennt.</p>
              <p>Verkauft ainer dem andern Vieh, als Pferd, Swein und anders dergleichen, die ainer
                Bewerung und Schaw bedorfen, so sol der Verkäufer dem Käufer verpflicht und
                verpunden sein, die für gerecht ze weren, als Pferd für rützig, rewdig und
                hartschlechtig, Schwein für pfinnig, und sol für solchs verpflicht sein, vierzehen
                Tag und nit lenger, es were dann Sach, das solche Hab geraubt und gestolen were;
                dafür sol der Verkaufer alwegen verpflicht sein. Und wie es mit solcher geraubter
                und gestolner Hab gehalten werden sol, wirdet hernach under der Rubric "Von
                geraubter oder gestolner Hab" angezaigt.</p>
              <p>Geb auch ainer dem andern ain Pferd, das gesatelt und gezaumbt wer ze kaufen,
                denselben Satel und Zaumb sol der Verkaufer sambt dem Pferd übergeben, er hete dann
                solchs mit sondern Vorworten vorbehalten.</p>

              <p>Verkauft auch ainer ainiche ligende oder varende Hab mit den sonderlichen Vorworten
                  <pb n="94"/>, ob ymant in ainer bestimten Zeit mer umb dieselben Hab geben wolt,
                das diser Kauf nichts sein sol, in solchem und dergleichem Val mag der Verkaufer, ob
                ymants mer um dieselb Hab geben wolt, dieselb Hab wider zu ime ziehen, doch mit der
                Underschid, wo der erst Kaufer mitler Zeit ainen Nutz oder Frucht von derselben Hab
                entpfangen hat, das ime derselb Costen innenbleiben und, wo er ainichs Notwendigs
                daran verpaut hat, widerkert werden sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.7">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 7:] Was ligende, auch varende Hab sey.</head>
              <p>Ligende und unbewegliche Hab und Güter sein, die von Natur nit mügen gefürt,
                getragen noch verendert werden, sonder die da unbeweglich und untreglich sein, als
                Hewser, Ecker, Wisen, Hofrait , auch jerlich Zins, Gult, Vell, Hantlon, Zoll, Maut,
                Frevel und dergleichen; item Dinstberkait, Gebreuche, Nutzung, Beysitz und Niessung
                unbeweglicher Güeter, auch Gerechtigkait und Spruch, die solchen Güetern anhangen,
                und was zu ewiger oder Erbbestentnus verliehen und bestanden wirdet, oder ains
                Menschen Lebtag aus. Item Stend-Getraid, Obs uf den Pawmen, Treiblin an den Stocken
                und dergleichen, was den unbeweglichen Güetern anhangt und noch nit mit der Zeit
                fruchtbar noch darvon entledigt und komen ist. Aber verfallen Zins oder Gült, zeitig
                abgelesen Obs und Treublin, geschniten Getreid, Barschaft, Haußrat, Klaider,
                Kleinot, Harnasch, Wörr, Waffen, Werkzeug, Vieh und alles, das man gemainklich
                treiben und tragen mag, auch verfallen Frondinst oder andere ver-falne Gerechtigkait
                wirdet für varende und bewegliche Hab geacht und gehalten. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.8">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 8:] Des Verkaufers negsten Frundt mügen die verkauft
                Hab wider an sich lösen.</head>
              <p>Zum merermal ereugt sich scheinlich, das der Verkaufer die Hab, die er zu verkaufen
                vorhat, seinen negsten natürlichen, gesipten Frund und Erben umb solch Gelt, wie er
                die andern zustellt, nit will lassen widerfaren und aus Widerdries (wie dann
                gemainklich die Geudigen und Verschwender tun, die auch weder Pillichait, Treu noch
                Fruntschaft ansehen) andern frömbden Personen neher und umb geringer Gelt dann den
                Gefrundten vergönnen, zustellen und lassen ußdem oft ain Hab, die vil lange Jar bey
                ainem Geschlecht in grossem Wert und mit grosser Fürsorg der Eren, darmit die nit
                den Zungen der Geschwetzigen komen, gehalten werden, von ainem Geschlecht komen,
                derhalben dann ye zu Zeiten Abnemen desselben Geschlechts erwechst; solchen aus
                redlichen, erbern und tapfern Ursachen zu begegnen, setzen und ordnen wir: Wer oder
                wölcher hinfüro ainiche ligende und unbewegliche Hab, alhie in unser Stat oder uf
                unser Markung, auch in unsern Gebieten und Gerichtzwengen gelegen, ymants verkaufte,
                übergebe oder vermach das alßdann in dem negstkomenden Jar nach Dato, als der Käufer
                oder Begabt dieselben Hab besessen und in Gebrauch gehabt hat, des Ver-kaufers
                negsten Gefrundten umb die bestimbte Kaufsuma Weinkauf, Prief und Sigill oder ander
                Urkund drüber gangen ist, an ine und seine Erben widerkaufen und lösen mag, das ime
                alßdann der Keufer gestatten und nit wegern sol, doch das derselb, dem solch Lösung
                ze tun gezimpt, dieselb Hab ime selbst und kainem andern löse, der des Geschlechts
                und Fruntschaft des Namens nit sey. Dann das ist allain von wegen des Geschlechts
                und nit der Frömbden erdacht. </p>
              <p>Wo aber der negst Erb des Verkaufers solche Lösung nit tun wolt noch vermöchte, <pb n="95"/> so mügen die andern nachvolgenden des Geschlechts und Geblüts solchs
                erfordern und von uns begeren, das wir demselben negstgesipten ain bestimbte Zeit
                stellen, solch Lösung an sich ze nemen. Wo er aber solchs nit tun wolt, inen, den
                anderen nachvolgenden gesipten Erben, solche Lösung und Widerkaufung zu vergönnen ),
                die sy dann ze tun Macht haben sollen. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR2.3.9">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 9:] Wie die Werschaft geschehen und das verkauft Gut
                übergeben werden sol.</head>
              <p>Wann zwu Parteyen ainen Contract ains Kaufs miteinander beschlossen haben, so ist
                der Käufer in obgemelter Zeit, wie die Rubriken in disem Titel "Wie die Keuf der
                unbeweglichen ligenden Güter sollen vervasst werden" in sich beschleusst, die War
                dem Keufer ze überantworten, der gentzlich abzetreten und gnugsame Werschaft ze tun,
                wie nachvolgend Artikel verlauten, verpflicht und verpunden, soverr der Kauf durch
                der Parteien eine in dreien Tagen, wie hievorlaut under der Rubric "Wie die Keuf der
                unbeweglichen etc." mit abgekunt ist. Wo aber der Verkeufer solch Wer in seiner
                Gwalt nit hete oder übergeben mocht, so ist der Keufer nit schuldig, ainiche
                Bezalung ze tun. Alspald aber die Hab tradirt, übergeben und der abgestanden,
                alßdann ist der Verkaufer schuldig, die Bezalung ze tun, es were dann ain ander
                Geding zwischen ir gemacht.</p>
              <p>Wann dann ain Kauf umb ligende Güter, also beschlossen, nit abgekunt und mit
                Schriften vervasst ist, so sollen Keufer und Verkeufer zum negsten Gericht nach der
                Verfassung für unser Statgericht komen, die Verfassung der Schrift in Gericht lassen
                verlesen und nach derselben Verlesung der Verkaufer dem Kaufer an den Gerichtzstab
                auf- und übergeben und Versprechung tun, ine der gerüblich lassen prauchen, der
                abzesteen, auch gebürliche Werschaft nach laut nachvolgender Artikelen ze tun.</p>
              <p> Und wu die gekauft Hab were unbewegend und ligend, auch Zinß, Gült und
                dergleichen, der sol darumben Fürstand und Werschaft tun Jar und Tag, den negsten
                nach der Abtretung des Guts gegen den Anwesenden. Aber gegen den Außwendigen oder
                ander rechter redlicher Ursach, das ain anwesende Partey aus Ehaft verhindert worden
                were unwissenthalb, darmit sy zum verkauften Gut nit gesprochen noch Eintrag getan
                hete, so möchten sy nach Gstalt der Sachen auf Erkanntnus des Rechten und mit
                Verkundung des Verkaufers oder seiner Erben zugelassen werden. Und wo der Ansprecher
                das Gut mit Recht behielt, so solt dem Kaufer sein Kaufsuma von dem Verkaufer oder
                seinen Erben widerumb bekert und zugestellt werden mit der Nutzung nach Anzal der
                Zeit oder Erkanntnus.</p>

              <p>Were aber solche Kaufsuma an dem Verkaufer oder seinen Erben Armut halben nit zu
                erlangen, so sol nichts weniger dem Ansprecher und dem, so das Gut mit Recht
                behalten hat, volgen und bleiben dasselb Gut, unverhindert des Keufers oder seiner
                Erben. Darumben sol ain yder Käufer, der etwas kaufen wil, sich wol fürsehen, von
                wem, wie und was er kauf. Es mocht auch der Verkaufer, soverr er <pb n="96"/> in
                Leben und vor der Hant were, umb seinen Betrug, das er dasjen, das nit sein gewest
                ist, verkauft hat, nach Erkanntnus und Gelegenheit der Sachen gestraft werden, wie
                hernach in disem Titel under der Rubric "Wo ain Verkaufer ain Gut zwaien verkaufte,
                welcher den Vorgang hab etc." under dem ersten Artikel verleibt wirdet.</p>
              <p>Doch sol der Kaufer, alspald er angesprochen wirdet, vor oder pald nach der
                Bevesstigung des Kriegs umb Verkündung dem Verkaufer, das er in Gericht kumb, ime
                den Kauf were, vertig und vertrete ansuechen und piten ), die mit ainem unserm offen
                Prief und geschwornem Knecht auszuvertigen, erkennt und mitgeteilt werde. Wo aber
                der Kaufer solcher Verkundung an den Kaufer auszegeen nit begerte, so sol der
                Verkaufer verrer nit schuldig sein, dem Kaufer desjenen, so ime mit Recht abbehalten
                worden were, zu vertreten und schadlos ze halten. Wo dann solche obemelte Verkundung
                gegen dem Verkaufer geschee, so sol derselb schuldig sein, die Hab mit Gericht zu
                vertreten und zu beschirmen und allen Costen derhalben ze leiden, ze tragen und ze
                tun. Wo er aber nit erschin, so sol der Kaufer solche Beschirmung und Vertretung
                selbs tun und allen aufgeloffnen Costen, er gewinne oder verliere, vom Verkaufer
                erfordern und erlangen.</p>
              <p> Kauft aber ymants varende und bewegliche Hab und pringt die durch rechtlichen
                Contract an ine, so wirdet dieselb Varnus zwischen den Gegenwurtigen, die des
                kuntlich Wissen haben, ersessen in den negsten dreien Monaten, den negsten nach dem
                Ekaufen oder An-sich-Pringen, aber mit den Außwendigen, die des kain Wissen, in
                dreien Jaren, und mit den Gegenwurtigen, di redlich Ehaft heten, in ainem Jar und
                nit lenger.</p>
              <p>Würde aber der Kaufer der Hab, sy sey ligend oder varend, mit tetlicher Handlung
                gweltiglich ausgetriben und entsetzt, so wer der Verkaufer nit schuldig, den Kaufer
                schadlos ze halten, ob joch solche Clausel im Contract gedingt und benennt were, das
                der Verkaufer den Kaufer schadlos halten sollt. Dann di Werschaft wirdet allain
                verstanden, was dem Kaufer mit Recht und nit mit Gwalt abbehalten wirdet, und ain
                yder Verkaufer ist schuldig, seinen Keufer ze weren, es werde im Contract gemeldet
                oder nit.</p>

              <p>Wo sich aber der Keufer seiner erkauften Hab und Guts eusseret und helt das in Zeit
                der Werschaft "<hi rend="it">pro derelicto</hi>", und ime geschee daran durch
                Gerichtshandlung Urtail, aus seiner Selbs-Verwarlosung Nachtail und lite des Schaden
                oder geschee ime daran Gewaltsam, so ist ime der Verkaufer, ob er den anziehen wolt,
                darumben nichts schuldig. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.10">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 10:] Von geraubter oder gestolner Hab.</head>

              <p>So ymants ain gestolne oder geraubte Hab verkauft, die als fraisam und entweltigt
                herkomen were und die angesprochen würde, so mag der Inhaber derselben Hab seinen
                Weren von dem, di an ine kumbt, und dergleichen derselb Gewerer ainen andern Gewern
                füret und füret bis uf den rechten Teter oder Urheber uf zimblich Zug des Rechtens
                mit zimblicher Messigung, ye zu Zeiten der Gewern und Zeugen stellen, und welcher
                aus inen dieselben Hab für das Sein vertritt und zu verfechten <pb n="97"/>
                vermaint. Bringt dann der Ansprecher des Diebstals oder Raubs die Aigenschaft, das
                solchs sein gewesen ist und ime inmassen, als er fürgeben hat, geraubt oder gestolen
                were worden, so volgt ime die pillich. Und so der Ansprecher beweist, das solche Hab
                sein gewesen were und mocht doch den Raub oder Diebstal oder Verlust des Guts nit
                beweisen, und der Inhaber möcht auch seinen Geweren noch ainichen rechtlichen Titel
                und Ankomen auch nit stellen noch fürpringen, das nach beder Tail fürbrachten Dingen
                zurecht gnug were, so sollt dem Ansprecher auf sein Betaurung, das er sich deß nit
                enteussert, verzigen noch begeben hab, darumben glaubt werden und ime dieselb Hab
                volgen.</p>
              <p>Wo aber der Ansprecher nichts beweist, so sol der Inhaber von der Ansprach geledigt
                werden, es were dann, das sich Verdechtlichait darbey erfunde, so sol dem Inhaber
                ain Berainigung mit seinem Aid aufgelegt werden. Wo aber solchs Verdechtlichait
                sogar ursechlich und merklich were, so mocht man ime solch Berainigung aufzelegen
                vermeiden, oder unser peinlicher Richter mocht Amps halben oder auf Anrufen der
                Partey sovil darinnen handelen, als sich nach Gestalt der Sachen gebürt.</p>
              <p>Ob auch auf die Hab, wann die essend were, ain Atzung ergangen und dem Ansprecher
                zugetailt were, sol er die Atzung nach des Gerichts oder unser Ermessigung auch
                entrichten.</p>
              <p>Und hieran an solcher gestolner oder geraubter Hab mag kain Verjerung oder Besees
                ersessen noch prstribirt, sondern zu aller Zeit angetasst werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.11">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 11:] Wer den Schaden an der verkauften Hab, die noch
                nit übergeben und schadbar worden ist, tragen und leiden sol.</head>
              <p>So Keuf, wie oblaut, ligender oder varender Güter durch Bewilligen beder Parteien,
                Kaufers und Verkaufers, beschlossen und angenomen ist, und dann dieselb vor
                Übergebung, Abtretung und Zustellung Schaden neme, alspald ist die Sorgfeltigkait
                und Schaden der gekauften Hab des Kaufers unangesehen, das ime die noch nit gantz
                übergeben, so ist er doch derselben durch den Kauf ain Herr worden und ime das
                Aigentumb daran zustendig, es were dann ain War, die ainer Bewerung und Schaw
                bedorfte, so stünde der Schaden dem Verkaufer, oder das der Verkaufer über Erfordern
                der Hab mit Überantwurtung und Zustellung derselben lessig oder der Schaden durch
                sein Verwarlosung gescheen sey und kainen Betrug oder Geverd darinnen gesucht hab.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.12">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 12:] Wo ain Verkaufer ain Gut zwayen verkauft hat,
                wölcher den Vorgang hab.</head>

              <p>Wann ain Hab oder Gut, sy sey ligend oder varend, zwayen oder mer, ye ainem hinder
                dem andern verkauft wirdet oder, so zwischen mer Personen in Geselschaft, oder die
                in Gemainschaft sitzen, Zwitracht entstünde etlicher Hab und Gut halben, das ir yder
                maint, sy stünde ime zu und wolt die haben, so sol angesehen werden die
                Verschreibung, über solchen Kauf aufgericht. Wölcher dann di erst Verschreibung
                oder, wo kain Verschreibung vor Augen were, wölcher dann aus inen <pb n="98"/> durch
                Abtretung und Überantwortung des Verkaufers in Posseß und Gwör komen ist, der sol
                vor den andern den Vorgang haben, und die andern mügen den Verkaufer umb Schaden und
                Interesse, derhalben erliten, auch beclagen und fürnemen und den bey ime mit
                Erkanntnus Rechtens erlangen. Es sol auch derselb Verkaufer, der die erst, auch
                andere Verkaufung verschwiegen und nit lauter anzaigt hete, in den dritten Tail, als
                die verkauft Hab wert ist, zu Pen und Pues, halbs unser Stat Zinsstuben und der
                andre Halbtail, dem Schaden gescheen und mit dem Kauf angefürt ist, unangesehen der
                andern Scheden, so mit Gericht uf ine erlangt sein, volgen und werden. Doch möcht
                ainer die Sachen so geverlich handelen, wir würden ine strafen, wie wir der Sachen
                zu Rat kemen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.13">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 13:] In wem die Willkür stee, vom Kauf ze treten,
                wann das Kaufgelt nit bezalt ist.</head>
              <p>Wo auch ain Hab oder Gut, ligend oder varend, kauft und verkauft wirdet mit ainem
                sondern Geding, wo das Kaufgelt uf die bestimbt Zeit nit bezalt wurde, das der Kauf
                auch nichtig sein sol. Were dann, das der Kaufer das Kaufgelt uf die benennten Zeit
                nit bezalt, so sol solche Wal sten in Willen und Wilkür des Ver- kaufers und nit in
                Gefallen des Kaufers, ob der Verkaufer den Kauf wolle lassen ab sein oder woll den
                halten. Wil der Verkaufer den Keufer alßdann nit begnaden und vom Kauf lassen
                treten, so ist er denselben schuldig ze halten, sol auch mit Recht darzu gedrungen
                werden. Dann niemant sol sich mer verpflichten, dann er vermag. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.14">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 14:] Von Keufen, Zins, Gult oder anders, so auf
                Widerkeuf gescheen, auch vom Hantlone.</head>
              <p>Wo ymants Zins, Gult oder andere unbewegliche ligende Güter auf ain Widerlosung
                verkauft, so sollen in solchen Keufen die Solemnitet und Zir, wie mit der Urtet
                gehalten und in Schriften vervasst werden; anderßt der Kauf würde vernicht, zerrütt
                und von Unwirden. Und wie solcher Widerkeuf geschehen, das sol aigentlich in der
                Contractschrift verleibt, bey demselben entlich bleiben und also vollzogen
                werden.</p>

              <p>Dweil dann gemainen Zinsen und jerlichen Gülten ye ain Huen oder mer zur Vaßnacht
                zu bezalen angehengt und mit dem Zinßgelt gekauft wirdet, so sol und mag der
                Verkaufer yedesmals, so er das Huen bezalen sol, Macht haben, für dasselbig Huen
                zehen Pfennig gemainer ganckheftiger Müntz Statwerung dem Keufer und Zinßherrn ze
                geben, oder aber das Huen, wölchs ime, dem Zinßgeber, am gelegenisten ist; und der
                Zins- oder Gultherr sol sich auch daran lassen settigen und seinen Zinßman darüber
                nit höher beschweren. Und als ytzt gesetzt ist ain Huen, soll auch auf mer Huener al
                zway, drey, vier oder mer [<hi rend="it">gesetzt sein</hi>] und allain uf den
                Guetern, die uf unser Markung und in unser Stat gelegen sein und nit auf die
                außwendigen verstanden werden. Dann ausserhalb unser Stat- und Markunggüter sol die
                Wilkür in dem Zins- oder Gultherrn und nit dem Zinßman oder Gultgeber steen.</p>
              <p>Dergleichenmassen ist und wirdet kain Inhaber solcher Gueter, die in unser Stat
                oder uf unser Marckung gelegen, und die gült- und zinsber sein, innenhat,
                verpflicht, zuer Zeit der Entpfahung mer Hantlons dann ain gemain Virtel
                Frankenweins zu geben. Aber mit den außmerckischen Guetern sol es nach Laut der
                Verschreibung oder Gegenden Gebrauch gehalten werden.</p>
              <p>
                <pb n="99"/> Und wann also ain Zinß, Gült oder Aigenschaft auf Widerkauf erkauft
                wirdet, so sol der Keufer alle Recht der Aigenschaft haben, solang und vil, bis der
                Widerkauf ye nach Abred des Contracts oder Pacts geschicht.</p>
              <p>Wann aber umb den Zinß oder Gült Irrung entstünden, darmit soll es in Entscheidung
                gehalten werden, wie hernach in disem Tail under dem ersten Titel "Von
                Erbbestentnussen" under der Rubric "Entschid, wo des Zins- oder dergleichenhalben
                zwischen dem Aigenherrn und Erbmann Zwitracht entstünden" verleibt ist. Wer oder
                wölcher also Zinß und Gült kauft, das sol allain auf ligenden Güetern gescheen. Wo
                aber das nit auf ligenden, sondern varenden Haben als Schulden oder dergleichen
                geschee, so wer es kain Kauf, sonder ain wuchrisch Lehen, das dann hiemit auch
                abgetan, vernicht und niemant gestatt noch daruf verholfen werden sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.15">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 15:] Wölche Keuf vernicht sein, und wie bed Parteyen
                oder die ain vom Kauf lassen mügen.</head>

              <p>So Parteyen miteinander contrahiren und Kewf beschliessen wollen, so sollen sy die
                vorgemelte Solemnitet und Gebreuch, wo sy aber das nit halten und an der Substantz,
                auch am <hi rend="it">Corpus</hi> geirrt, so würde der Kauf auch nichtig und
                ununcreftig, als nemlich, wo der Kaufer mainte, er hete kauft ainen Acker vor dem
                Setor, und der Verkaufer mainet ainen Weingarten oder Acker vorm Hansertor. Auch wo
                der Verkaufer maint, er hab um zehen verkauft, und der Kaufer maint, er hab um fünf
                kauft, auch wo der Verkaufer Gulden und der Kaufer Pfundt mainte.</p>
              <p>Der Kauf ist auch vernicht, wo am Geschlecht ain Irrsal were, als der Kaufer het
                gemaint ain Pferd und der Verkaufer ain Rind und dergleichen Fell vil.</p>
              <p>Wo auch das Kaufgelt nit mit ainer lauteren Suma underschidlich bestimbt und im
                Contract verleibt und eingeschriben wirdet; dann, wo ain Contract oder Verschreibung
                ains Kaufs fürgebracht und nit die nemlich Suma des Kaufgelts darinnen, sonder
                dergleichen Artikel verleibt wurde, ze kaufen geben umb ain Suma Gelts, der mich
                wolbenügt. Solcher Contract und Kauf ist von Natur unpindig.</p>
              <p>Item alle die Keuf, die in die Nacht nach der Fewrglocken, wann die umb zway, wie
                gwondlich geschicht, geleut wirdet, geschehen, wollen wir aus sondern guten und
                redlichen Ursachen, das dieselben Keuf alle von Unwirden und nit kreftig sein
                sollen.</p>
              <p>Sich begibt zum oftermal, wann zwu Parteien miteinander contrahirt und ainen Kauf
                beschlossen haben, das die ain Partey durch den Geraw vom Kauf wil fallen. Demnach,
                wo also ain Kauf beschlossen ist, sollen bed Parteien, oder yde in sonder Macht
                haben, drey Tag, die negsten als der Kauf gescheen ist, denselben Kauf, vor und ehe
                er mit Schriften, wie hievor in disem Titel under der Rubric "Wie die Keuf der
                unbewegenden ligenden Güter sollen vervasst werden" verzaichent ist, verfasst
                wirdet, anzenemen oder aufzesagen, mit der Underschid, wölche Partey solchen Kauf
                nit halten, sonder vom selben lassen wil, sol sy der andern Partey in gegen zwair
                erbern Personen abkünden und solchen Kauf oder Verkauf aufsagen.</p>
              <p>
                <pb
                  n="100"/> Doch wo was uf den Kauf geben oder Weinkauf getrunken worden were, so
                sol der Kaufer, soverr er vom Kauf lassen wil, den gegeben <hi
                  rend="it">Arram</hi>
                verloren haben, darzu den Weinkauf allain bezalen. Wo aber der Verkaufer nit halten
                wolt, sol er den eingenommen <hi rend="it">Arram</hi> in zwifacher Spelt dem, der
                gekauft hat, widergeben und den gedrunken Weinkauf allain bezalen.</p>
              <p>Were aber der Kauf oder Contract mit Schriften vervast worden, so sol derselb bey
                Kreften sein und bleiben, es wollten dann bed Perteien gutwillig ablassen. Wo aber
                der Kauf in den negsten dreyen Tagen nach seiner Beschliessung nit aufgesagt und in
                obgemelter Maynung in Beysein zwair erber Menner abgekünt were, und die ain Partey
                darüber vom Kauf ze steen und den in den negsten vierzehen Tagen nit beschreiben
                lassen wolt uf Ansuchung der Widerpartey, so sol die Partey, die nit aufgekunt und
                doch nit halten wolt, mit Recht gedrungen werden, den ze halten, zu beschreiben, in
                Gericht ze vertigen, der Güter abzetreten und ze tun, deß sich zu solchem gebürte.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.16">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 16:] Von Widerhilf, die ze tewr kaufen, und über den
                Halbtail rechts Werts betrogen sein.</head>
              <p>Als oft ain Kaufer und Verkaufer in Keufen und Verkeufen über den Halbtail rechts
                Werts betrogen sind, so mügen dieselben, die also zum Tail oder über den Halbtails
                rechts Werts betrogen sind, clagen gegen dem Betrieger und seinen Erben, das inen
                Erfollung, Erstattung und Widerkerung geschee. Und demnach setzen wir ydem
                Betrognen, nemlich, der zum Tail angefürt und betrogen ist, ain Jar, und dem, so
                über den Halbtail rechts Werts eingefürt ist, zehen Jar, darinnen sy gegen dem
                Betrieger den Krieg des Rechtens mügen anfachen und Erstattung begeren. Wölche aber
                in mitler Zeit nit clagten noch begerten, sol ir Clagen nachmals nit mer gehört
                werden.</p>
              <p> Wo sich aber der Keufer oder Verkeufer in Schein ainer Begnadung aus Überredung
                des Betriegers solchs Betrugs nimer zu erfordern begeben oder das er solchen Betrug
                nit suechen wollte, mit hantgebenden Trewen an Aidsstat gelobt hete, und sich doch
                erfunde, das er über den Halbtail rechts Werts betrogen were, so sol nach Vermög
                dies unsres Gesetzes den Betrogen sein Verpflichtung nit pinden, sondern der
                Betrieger in Straf und Peen des Gelts, sovil dasselb kauft oder verkauft Gut wert
                ist, verfallen sein, der Halbtail unser Stat Zinsstuben und der andre Halbtail dem
                Betrognen unablessig zu bezalen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.3.17">
              <head>[WindsheimRef. II 3 Rubrik 17:] Vom Verkaufen der, so noch nit 25 Jar erraicht
                haben, auch was ire Vormunder zu verkaufen Macht haben.</head>

              <p>Dieweil die jungen Personen mer Naigung und Beweglichait zu unnutzem Wesen und der
                Welt Wollust als Tantzen, Springen, Spielen, Prassen, dann zur Narung, Erberckeit
                und redlichem Wesen tragen, dardurch werden und komen alte, erbere und gute
                Geschlecht und erberer Narung (wo man mit den Jungen mit guten, redlichen Ordnungen
                Einsehen hat, durch solch jung Personen, die dem Wollust nachvolgen und ain Lauten
                für ain Pferd nemen, die dann ytzt das, dann jens haimlich verkaufen und verstecken)
                in Abnemung, und wann das Alter und die Weißhait wil komen, behielten sy das-jen, so
                ire Eltern in grossen Wirden gehabt und sy, die Jungen, in irer Torhait angeworden
                haben, erst geren, - so ist es hin. Demnach wil uns als dem Magistrat nit unpillich
                gebüren, dweil geschrieben <pb
                  n="101"/> stet und war, das gemainem Nutz gantz
                fürtreglich sey, das niemant das Sein pösslich anwerde und verprauch, in solchem
                sonder fleissig Fürsorg ze tragen, und wollen demnach: Wer oder wölcher, so under 25
                Jaren irs Alters mit oder one Wissen und Verwilligung irer Vormünd, sy seien <hi
                  rend="it">Tutores</hi> oder <hi rend="it">Curatores</hi>, ainich ligende oder
                varende Hab, die in gutem redlichen Wert were, verkauft und anwirdet, das derselb
                Kauf ausserhalb unser ains Rats Becreftigung unpindig und von Unwirden sein, sonder
                der verkauft hat, es sey jach mit seiner Vormünder Verwilligen geschehen, sol und
                mag sich in den negsten vier Jaren, nachdem er die 25 Jar erraicht hat, widerumben
                lassen restituirn und die verkauft Hab sambt allen Abnutzungen widerumb an sich
                vordern, die ime auch der Keufer nit wegern noch vortragen, sonder allain umb die
                Kaufsuma one ainichen Genies widerumben überantwurten und zustellen sol sambt aller
                Abnutzung, die er Kaufer darvon gehabt und genossen hat. Doch wo der Verkaufer im
                Contract gesagt und versten hat geben, er were volkomens Alters, so mag der Keufer
                die eingenomen Abnutzung hinderhalten und die herauszegeben nit schuldig sein.</p>
              <p>Und wo sich in der Restitucion oder der Zeit der Verkaufung des Alters und
                Verkaufens halber Irrung erzaigte, so sollen die Schriften, über die Keuf
                aufgericht, angesehen werden. Dann es nit umbsonsten erdacht ist, die Keuf zu
                beschreiben, wie dann hievor gemelt ist, wie auch oben stet, das sich der, so under
                25 Jaren verkauft, mit lassen restituirn, ist war. Wo aber unsre Erkantnus und
                Becreftigung über solchen Kauf gangen, also das der Werprief mit unser Stat-Gerichts
                Insigel besigelt, oder der Kauf in unser Stat-Vormundbuch mit Erkenntnus und
                Becreftigung der Vormundherrn, die solche Becreftigung wol tun und Zeugen sein
                mügen, beschriben were, oder das der Verkaufer nach den 25 Jarn seins Alters
                denselben Kauf freywilligklich becreftigt, so soll alßdann die Restitucion feieren
                nit zugelassen, sondern der Kauf kreftig und sonderlich, sover in der Verschreibung
                des Kaufs bewegende Ursach des Verkaufens als Fürkomung Scheden und Schaffung
                pessres Nutzs bestimbt ist, und von Wirden sein.</p>

              <p>Zu Ausfüerung und lauters Verstands der Wort in diser Rubric, am ersten Artikel
                vergriffen, oder varende Hab, die in gutem, redlichem Wert were, verkauft und
                anwirdet, ist, das die bericht, was solche Hab sey, und dafür sol verstanden werden,
                nemlich: Silber und Zingeschirr, auch Kleider und Klainot und dergleichen, das one
                Verdürbnus wol behalten werden mag. Aber was one Beschedigung nit wol, als geliche
                Klaidung, Wein, Getraid und anders dergleichen mag behalten werden, dasselb mag
                durch die Vormünder ausserhalb unser oder Vormundherrn Becreftigung wol verendert,
                verkauft und den Jungen zu Nutz angelegt werden. Es sol auch ain yder <hi
                  rend="it">Tutor</hi> oder <hi
                  rend="it">Curator</hi>, so er was verkauft, das seins Pupils
                und Vormundkinds gewesen ist, aigentlich und lauter beschreiben und bestimmen, wie
                hernach im <ref target="#NA.3.4">dritten Tail under dem sibenden Titel</ref> "Von
                der Pfleg und Vormundschaft" in seinen sondern Rubriken angezaigt wirdet. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.4">

            <head>[WindsheimRef. II 4 Titel:] Der vierd Titl des andern Tails. Vom Verleihen und
              Besteen, genannt "<hi rend="it">De locato et conducto</hi>".</head>
            <div xml:id="NA.2.4.1">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 1:] Warin der Contract stat hab, was er und sein
                Natur sey.</head>
              <p>
                <pb
                  n="102"/> Verleichen und Besteen geschieht nit allain in ligenden, sondern auch
                in varenden Haben und Guetern, auch der Menschen, die man zu Lernung der Kunst und
                Hantwerch tut, und haist ain Überainkomung umb ainen bedingten Lone, als wo ainer
                ligende Güter umb ain jerliche Pension, dergleichen varende Hab, oder junge Menschen
                zu Lernung, Kunst oder Hantwerch oder Werk zu vertigen, als Meur zu machen, Buecher
                ze schreiben und dergleichen, verleicht und andingt; und der Hinleicher haist zu
                Latein "<hi
                  rend="it">Locator</hi>" und der Annemer oder Besteer, "<hi
                  rend="it">Conductor</hi>". Und diser Contract vergleicht sich vil mit dem Contract Kaufens
                und Verkaufens, zeucht desselben Natur vil zu ime, wie dann hievor im dritten Titel
                diß Tail under der <ref
                  target="#NA.2.3.3">Rubric</ref> "Was sich zu ainem
                bestendigen Kauf gebüre" verleibt und vermerkt wirdet. Dann wie dieselben <ref
                  target="#NA.2.3">Artikel</ref> "Vom Kaufen und Verkaufen" Meldung [<hi
                  rend="it">tun</hi>], also sein sy auch zu versteen "<ref
                  target="#NA.2.4">Vom Verleihen und
                  Besteen</ref>". Hat aber mit dem nachvolgenden achten <ref target="#NA.2.8">Titel</ref> "Von Erbbestantnussen", wiewol dasselb auch verlichen und bestanden
                wirdet, gar ain grosse Underschid, wie dann im Anfang desselben Titels gemelt
                wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.2">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 2:] Von Hinleihung und Besteung der Heuser und
                Herbergen etc.</head>

              <p>Wo ymants dem andern Hewser oder Herberg, Leden, Schewern oder dergleichen Gemach
                und Wonung oder Beheltnus hinliehe uf etliche Zeit und Jar umb ainen nemlichen Zinß,
                so sol der Besteer dasselb bestanden Gut durch sich selbst oder dem er es hernach
                verlichen hat, seinet- und desselben halben, dem er es verrer verliehen hat,
                unschadhaft innenhaben und den Zinß uf die bestimbten Zeit, oder zur Endung des Jars
                one ainich Verbot, Scheden und Verziehen entrichten und bezalen. Were aber das
                Geding anderst gemacht, darbey sol es zuvor bleiben. Und der Hinleicher des Hawß sol
                auch all nottürftig Gebew und Pesserung an der Bedachung und allent-halben an
                Schlossen, Öfen und Venstern tun. Wo er aber das nit tete, und der Bestener
                derhalben von solch Pesserung und Noturft ze machen ausgebe, das sol ime der <hi rend="it">Locator</hi>, das ist der Verleiher, am Zinß lassen abgeen.</p>

              <p>Der Bestener sol auch solch bestanden Gut durch ime oder dem er das verrer
                verleiht, das er dann ze tun Macht hat, wie hernach under ainer sonderen Rubric
                verleibt wirdet, dermassen gebrauchen, darmit der Patron und <hi
                  rend="it">Locator</hi> ainichs Mißbrauchs nit beschwerd werde. Ob aber der Bestener vor der
                Zeit der Erscheinung solchs Bestentnus Tods abging und Erben oder ymant anders ime
                nachvolgends verlesst, so sein dieselben Erben verpunden und pflichtig, solch
                Bestentnus wie der, so gestorben ist, angenomen hat, die bestanden Jare auszehalten,
                sy tun persönlich oder durch andere Besitzung und Inhabung, doch das mit Bezalung
                der Zinß und Räumung der Bestend gehalten werde, wie negst nachvolgende Rubric
                inhält. Es sollen auch alle und yde des Besteners Hab und Gut, die er in das
                bestanden Haws, Herberg oder Gmach gefürt und gebracht hat, wie dann hievor im Titel
                "Von den Pfantschaften" under der Rubric "Wann und was Hab und Güter stillschweigend
                pfandbar sein und werden", verleibt ist, dem Hinleiher umb verfallen Zinß, auch
                Scheden, wo ime die durch Bestener geverlicher oder aus lessiger Weiß gefügt werden,
                stillschweigend verheft und pfandbar sein. Sol ime auch denselben <pb n="103"/>
                Pfanden allen, oder sovil er darumb hemen wil, one verrer Erkanntnus verhelfen und
                vergönt werden, mit denselben Pfanden nach gerichtlicher Ordnung, wie hievor under
                dem ailften Titel des ersten Tails "Von der Execucion" under seinen sondern
                Rubricken Meldung geschieht, zu gefahren. In solcher Maß soll auch des Nachbesteners
                Gut dem Patron und auch dem Nachleiher umb ir Pension oder Scheden verhaft sein.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.3">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 3:] Wie und wann man die bestanden Wonung wider
                räumen sol.</head>
              <p>Wölcher in bestanden Hawß, Cramladen oder ander Wonung wonet, der sol daselb nach
                laut des Bestands, wann der aus und hin ist, zu gebürender Zeit, als nemlich zwen
                oder drey Tag vor dem bestimbten und gedingten Tag Räu- mung tun und ausziehen,
                darmit der, so dasselb Gmach, Haws, Schewrn, oder was das were, nachvolgends
                bestanden hete, ungeengt und ungeirrt bleib. Wölcher aber das nit, sondern in
                obgemelter Zeit one Vergünstigung seiner Zinßherschaft oder desjenen, der nach ime
                kumbt, nit auszüge und seinen Nachkomen hinderte, der sol ydes Tags, solang er über
                solche Zeit besitzt, umb sechs Groschen halb unser Statpfendter, und der andere
                Halbtail der Herschaft und dem anderen Tail seinem Nachkomenden, den er also engt
                oder irrte, ze Pues gestraft werden.</p>

              <p>Wurden aber zwischen dem Bestener und Verleiher Zwitracht, also das der Bestener
                vermaint, der Bestant were ime lenger versprochen, und der Hinleicher vermaint, der
                Bestant geendet und aus ze sein, so sol solchs zeitlich vor obgemelter Zeit der
                Räumung gerichtlich fürgenomen werden. Were dann dasselb Gmach, darumben der Streit
                ist, ainem andern verliehen, wölcher dann in Recht niederlege, der were schuldig,
                dem nachkomenden Bestener die Scheden, die er desselben seins Einzugs und Bestands
                halben erliten hete, zu bekeren [<hi
                  rend="it">schuldig</hi>] und ydes Tags über die
                Zeit vier Groschen unser Statpfender ze geben [<hi rend="it">schuldig
                sein</hi>].</p>
              <p>Wo aber ainer ain Gmach, das er also ain oder mer Jar bestanden hat, nach Ausgang
                desselben Jars innenhat und gebraucht ain Monat lang, und der Verleicher offenlich
                darwider nit gerett hat, so sol es für ain newe Bestentnus ain Jar lang geacht und
                gehalten werden.</p>
              <p>Machte sich aber ain <hi
                  rend="it">Conductor</hi>, das ist der Bestener, umb oder
                nach Ausgang des verschinen Zils abwesig also, das er in acht oder 14 Tagen nit zu
                sehen were, so mag alßdann der <hi rend="it">Locator</hi> die Behawsung mit
                Verwilligung unsres Bürgermaisters auftun, die Hab lassen inventiren durch unsern
                geschworn Statschreiber oder seinen Substituten und zwaien glaubwirdigen Gezeugen,
                und dieselb uf des Besteners Costen an andere Ort ze tun und verwart legen und daruf
                umb den verfallen Zins ze clagen, alles nach Gstalt und Notturft der Sachen.</p>
              <p>Geschee auch, das aus Unfleis, Geverd und Übersechung des Besteners oder der Seinen
                in dem bestanden Gmach Feur außkeme, dadurch das Gmach gar oder zum Tail verpronne,
                auch annder deßhalb Scheden nemen, denselben Schaden, allen und yden, sol der
                Bestener ze widerlegen, soverr er das am Gut vermag, schuldig sein mit Vorbehaltung
                unsrer Straf oder an irn Leiben nach Gstalt der Sachen und Verhandlung derjenen, die
                solchs am Gut nit haben, ze bekern. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.4">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 4:] Vom Hinleihen Ecker, Wisen, Weingarten und anders
                dergleichen, was Frucht pringt.</head>

              <p>Wann Ecker, Wisen, Weingarten und anders dergleichen, das Frucht bringt, verliehen
                und bestanden werden, so sol der Bestener derselben Güter auf seinen aigen <pb n="104"/> Costen und Darlegen lassen pawen, die Frücht darvon einfenntten und alle
                Notturft, die darzu mit Vergraben, Verrainen oder Verstainen und Verzeinen nach
                Gelegenhait und Gstalt des Guts (es were dann in Zeit des Bestands ain ander Geding
                gemacht worden, dem sol one Einred nachkomen werden) gehören, handelen, auch den
                gewond-lichen Pension und Zinß nach Laut des Gedingszeit one allen Schaden, auch für
                alles Verheften und Verbieten menigklichs entrichten und bezalen.</p>
              <p>Bestünd aber ainer ainen Grund, es were Weingarten oder anders zum halben, dritten
                oder anderem nemlichen Tail, wie das geschee, und im selben Grund fruchtber Paum,
                die Obs trüegen und im Geding oder Verleihung von denselben Früchten der Pawmen kain
                Meldung gescheen were, sol dennoch nichts desterminder der Bestener, dieselben
                Frücht geniessen zum halben, dritten oder nemlichen Tail, wie dann der Grund
                bestanden ist, und der übrig Tail der Pawmfrucht dem Verleiher werden, es were dann,
                das der Bestener den Grund umb ain nemliche Suma bestanden hete, so sollen ime auch
                alle Frucht volgen. Und der Bestener sol dem Verleiher vom selben Gut nichts lassen
                entziehen, sonder wo ainich Irrung einriße, sol der Verleiher dieselb Irrung uf
                seinen Costen außzereuten, wie dann hernach in disem Titel under ainer sondern
                Rubrick "Von der Werschaft" auch geschriben stet, schuldig sein.</p>
              <p>Der Bestener sol auch alles, was er dem Gut, das er also bestanden hat, in Zeit
                seiner Bestentnus angehengt oder darein gepflantzt oder gefürt hat als Gedung, Paum,
                Pfal, Zewn und dergleichen, alles lassen nachvolgen und anhangen, auch one Wissen
                und Verwilligen des Verleichers kainen Bawn aus dem bestanden Gut abhawen noch
                vertilgen bey Verlierung seiner Recht, die er am Bestant ver-maint zu haben, und der
                Pueß, zwaintzig Pfundt halb unser Stat Pfender und den andern Halbtail dem Verleiher
                one Gnad zu bezalen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.5">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 5:] Von Verleihung und Besteung varender Hab.</head>
              <p>Leicht ainer dem andern Küe, Pferd, Schaf oder ander dergleichen Viehe umb ainen
                bedingten Lone, sol es zu voran, wie das Geding verlaut hat, bleiben. Wo aber kain
                sonder Geding gescheen noch gemacht, sonder allain der Lone bestimbt were, so sol
                der Bestener dieselb bestanden Hab mit Atzung, Füeterung und aller Wart halten und
                brauchen, als were das sein aigen Gut. Und ob die Hab, ausser-halb seiner
                Verschuldung Ergerung oder Schaden entpfangen hat, darumben ist er nichts pflichtig,
                dann er gibt seinen Lon darumben. Wo aber das Vieh oder die Hab aus seiner, des
                Besteners Versaumbnus oder Verwarlosung Ergerung oder Schaden entpfing, darumben wer
                er dem Verleiher pflichtig, Widerlegung ze tun. Wölcher dem andern verleicht ain
                schadhaft oder ungerecht Gut als ain stinkend oder wurmbessig Vaß oder ain Pferd,
                das sich im Wasser weltzt, wissentlich und dergleichen umb ainen verdingten Lone und
                zaigt den Gebrechen nit an, und der Bestener desselben zu Schaden kumbt, so ist der
                Verleiher dem Bestener den erliten Schaden zu bekeren verpflicht und ain Ablegung
                nach Gelegenhait der Sachen ze tun schuldig.</p>

              <p> So auch ainer dem andern gute, gerechte Hab umb ain benennten Zinß verleicht,
                dieselben Hab ain bestimbte Zeit zu gebrauchen, und aber der Bestener dieselb Hab
                lenger und weiter, dann ime verlichen ist, gebraucht, und in solcher Gebrauchung
                Ergerung und Schaden entpfing, ist er dem Verleiher, denselben Schaden abzelegen
                oder die Ergerung wider zu pessern, schuldig. Wann aber die <pb n="105"/> Hab in der
                bestimbten Zeit des Gebrauchs und Orts, als er sy bestanden hat, ausserhalb seins
                Unfleiß und Verwarlosung Ergerung und Schaden entpfing, darumben ist er nichts
                schuldig; denn er gibt sein Gelt darumben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.6">

              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 6:] Ob, auch wie und wann der Verleiher die
                hingelichen Güter wider zu ime nemen und den Bestener darvon dringen müg <hi rend="it">et e converso</hi>.</head>

              <p>Wiewol alle Verheissung fallen in die Schulden der Bezalung nach, dennoch sein vier
                Fell, wann ainer dem andern Behausung, Gemach, Veldgüter oder anders verleicht umb
                ainen nemlichen Zinß, das der Verleiher den Bestener von solchem seinen Bestand mag
                dringen, und ist den nit schuldig zu halten, darumben wollen wir zum ersten: Wo der
                  <hi
                  rend="it">Conductor</hi> mit Bezalung und Entrichtung der Pension und Zinß in
                zwaien Jaren seumig ist und den nit entricht; wo er aber zu bezalen berait und
                geschickt were, sol er gehört und nachvolgends die Pillichait erkennt werden. Zum
                andern, wo sich begebe, das der Verleichung seiner Gmach oder Behawsung, di [<hi
                  rend="it">er</hi>] hingelichen hete, unfürsehenlicher Ding zur Zeit des Hinleihens
                und Bestands solche Not zufiele, das er derselben seiner Behausung oder Gemachs
                selbs nottürftig were, oder solchs aus merklicher Not verkaufte und anderßwohin nit
                wisste und solchs dem Inwoner und Bestener ze wissen machte, so sol der Inwoner oder
                Besteer dasselb Haws oder Gmach raumben oder der Hab abtreten, wie dann durch uns
                erkennt wurde; darbey es auch von beden Tailen bleiben sol. Wo aber im Anfang des
                Bedings der Verleiher sich solcher Gebrauchung verzigen hete, so mocht er den
                Bestener nit ußtreiben, sondern wer schuldig, den Bestand ze halten. Zum dritten, wo
                di Behawsung oder das Gmach ainen solchen Schaden entpfing, dardurch Einfallung oder
                sonsten grosser Nachtail zu gewarten und zu besorgen were, und in solcher Baw mit
                der Inwonung des Besteners nit möcht gepessert werden, so ist der Bestener abermals
                schuldig ze räumen und darvon ze ziehen. Aber gleichwol mocht der Bestener nach
                Pesserung und Vollendung des Paws vom Verleiher widerumben Zustellung und Verleihung
                seins Gmachs begeren, das ime alßdann verlichen und die bestanden Zeit aus,
                darhinnen ze wonen und zu gebrauchen, gegönnt werden sol, es were dann vor- oder
                nachbemelter Artikel Verhindrung da. Zum vierden, so Huererei, verpotnes unzimblichs
                Spil und dergleichen Büberey, durch den Inwoner darinne geschehen, oder anderen
                durch ine darinnen vergönnet und verhengt; und in disem und ersten Artikel ist der
                  <hi rend="it">Locator</hi> nit schuldig, ainich Pension oder Zinß nachzelassen.
                Aber in den mitlen zwaien ist er pflichtig, nach Anzal und der Zeit Nachlassung des
                Zinß ze tun.</p>
              <p>Wo auch ainer ain bestandene Behawsung oder dergleichen wüest legte, Schaden
                darinnen mit Außbrechung Priter, Zimer oder dergleichen, auch das Vieh an
                ungewondlich Ort der Behawsung, als uf Poden und ander dergleichen Ort trib und
                hielte, dadurch deß Haws Nachtail und Scheden zu besorgen were, oder wo ainer
                Weingarten, Ecker, Wisen und dergleichen Bestend nit bawet noch mit zimblicher Wart
                in Pesserung hielte, sondern wüest und öd legte, oder was darvon entziehen ließe, so
                möchte der Verleiher den Bestener abermals wol vom Bestande treiben und die
                hingelichen Güter zu seinen Handen nemen; doch sol er dem Bestener nach der Zeit
                Nachlassung der Pension tun. Und hat der Bestener ainichen Schaden gefügt, es were
                am Zimer oder anderm, oder die Güeter öd und pawlos gelassen oder ainichen Pawm
                abgehawen, das sol er nach beder Tail Verhörung und unser Erkanntnus püessen und dem
                Verleiher Bekerung tun.</p>
              <p>
                <pb n="106"/> Hete aber der <hi rend="it">Locator</hi> den <hi rend="it">conductorem</hi> mit dem Geding angefürt also, das er über den Halbtail des
                rechten Werts betrogen were, so mag er mit Gericht piten, das der Verleiher sein Gut
                wider zu seinen Handen neme oder an der Pension und Zinß Nachlassung tu also, daß
                von ime ain zimblicher, rechtmessiger Zinß genommen werde.</p>
              <p>In gleicher Maß mag der Verleiher, wo er durch den Verleicher [<hi rend="it">?</hi>] angefürt und über den Halbtail rechts Werts betrogen were, auch piten und
                begeren, den Bestener dahin ze halten, das er abtrete, oder aber auch
                gleichmessigen, rechten Zinß bezale und gebe. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.7">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 7:] Ob, auch wie und wann der Verleiher dem Bestener
                ist schuldig Nachlassung ze tun an der Pension.</head>

              <p>Begibt sich, das ainer Bawgüter etliche Zeit umb ainen nemblichen Zins besteet und
                mitler Zeit des Bestands merklich Ungefell dem Gut, als Mißwachs, Hagel oder
                dergleichen Unfall zustünde, das da geschee ausserhalb des Besteners Sawmsal oder
                Unfleis, so sol der Verleicher verpflicht und schuldig sein, dem Bestener (soverr er
                anders das vergangen Jar nit überreichliche Frucht, oder das nachkomend Jar des nit
                ergetzt werden mocht) nach Erkanntnus erberer, verstendiger Lewt, der yder Tail zwen
                oder drey darzu piten sollen, an der Pension und Zinsung ain Nachlassung ze tun. Wo
                aber ainer umb halbs oder ainen nemblichen Tail bestanden hete, alßdann ist ime der
                  <hi
                  rend="it">Locator</hi> ainichs nachzelassen nit schuldig, ob dem <hi rend="it">Conductori</hi> gleichwol der Samen nit bezalt wurde. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.8">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 8:] Von Werschaft und Vertretung der hingelichen Hab
                etc.</head>

              <p>So ainer dem andern Hewser, Ecker, Wisen, Weingarten und ander dergleichen Hab umb
                ainen nemblichen Zinß uf etlich Zeit hinleicht und verlesst, und dem <hi
                  rend="it">Conductori</hi>, das ist der bestanden hat, geschicht von ymants Eintrag oder
                Anfordrung uf Maynung, das der <hi
                  rend="it">Locator</hi> solch Hinlassung nit Fueg
                oder Macht gehabt sol haben oder dergleichen Ansprach, so sol der <hi
                  rend="it">Locator</hi> dieselben Ansprüch oder Vordrung zu aller Zeit vertreten und den <hi rend="it">Conductorem</hi> darvon lösen und ledigen one allen seinen Schaden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.9">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 9:] Ob und wie der <hi rend="it">Conductor</hi> sein
                verlihne Hab andern verrer verleihen müge.</head>
              <p>Es mag auch ain yder, der ain Gut bestanden hat, seinen Bestand und Gebrauch ainem
                andern als Geschickten und Tüglichen, als er ist, wol verrer verleihen und
                verlassen. Und doch sol der erst Bestener und sein Erben umb die Pension, Zinß und
                Scheden, die gefügt wurden, sambt dem er noch verliehen hat, verpflicht und
                verpunden sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.10">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 10:] Wie und wann man denjenen, so Erbet bestanden
                haben, ir Belonung schuldig sey zu entrichten, und was dieselben herwiderrumb sein
                pflichtig.</head>

              <p>Ain yder, der ainem ainen Acker, Weingarten oder dergleichen Bawgüter oder ander
                Werk verleicht ze pawen oder ze machen, wie dann zwischen dem Annemer <pb n="107"/>
                solcher Paw oder Verfertigung und dem Verleicher das Geding der Bezalung gemacht
                wirdet, darbey sol es entlich bleiben.</p>
              <p>Uf solchs sol der Besteer der Erbet verpflicht und schuldig sein, dasselb verlichen
                Gut oder Werk mit allem Fleis und mer, dann wer es sein Aigen, ze pawen und zu
                verfertigen zu rechter gewondlichen Baw- und Erbetzeit und darinnen gar kainen Fleis
                sparen. Wo er aber solchs nit tete, die Güter pfleglos und unpeulich legte, die
                Erbet zu rechter, gewondlicher Zeit nit tete, und, ob er die tete, das solchs nit
                mit aller gebürender Notturft geschee, oder aber das bestanden Werk verderbte und
                nit nach Laut des Gedings machte, so sol derselb Bestener den Schaden, den der
                Verleiher derohalb tragen und leiden muß, nach Erkenntnus erber, redlicher,
                verstandener Personen, der yder Tail zwu darzu piten sol, ablegen. Und was dieselben
                Persone in Erkanntnus machen, dem sol one allen Mangel nachgegangen und Volziehung
                getan werden, auch der das Werk ze machen verderbt und nit nach Laut des Gedings und
                Bestands gemacht hat, von newen machen, werklich richten und auf seinen aigen Costen
                pessern, darzu Schaden und Interesse zu belegen und erstatten verpflicht sein wie
                oblaut.</p>
              <p> Und wo im Geding von der Belonung, wann die geben werden oder gefallen sol, kain
                sonder Abred gescheen, so ist der Verleiher nichts schuldig hinaus ze geben, solang
                und vil, bis die Erbet volbracht, oder das Werk verfertigt und ausgemacht ist.</p>
              <p>Wenn ainem ain Werk ze machen verdingt wirdet auf ain benente Zeit und der Besteher
                verfertigt dasselb Werk nit und unterlesst es aus seiner Saumsal, der ist dem
                Verleiher allen Schaden, so er uß der Nitmachung leidet, abzetragen und zu bekeren
                schuldig, unangesehen, ob er sich das Werk nochmals zu vertigen erbüte. Wurd er aber
                aus des Verleihers Hindernus gesaumbt, so ist er dem Verleiher nichts schuldig,
                sonder der Verleiher Pflichten: Dem Bestener das Gelt hinauszegeben und zu bezalen,
                es weren dann redlich Ursachen vorhanden.</p>

              <p>Wurde ain Werk zwaien, drei oder vieren, ye mer oder weniger, verdingt, so mag der
                Verleiher ir yden, wölchen er wil, abgesondert des anderen anziehen und fürnemen,
                das verdingt Werk zuvor vertigen, und sol den, der also fürgenomen und umb
                Volziehung des Gedings und Bestands anzogen wirdet, nit fürtragen, das er sich uf
                die andern behelfen, sonder er sol darhin gehalten [<hi rend="it">werden</hi>] ze
                leisten, das verdingt ist, darhinne ime auch sein Anfordrung gegen seinen
                Mitgesellen unbenomen sein sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.4.11">
              <head>[WindsheimRef. II 4 Rubrik 11:] Von Verleihung der Lerjungen.</head>
              <p>Verdingt oder verlesst ymant dem andern Lerjünger, Knaben oder Medlin ze lernen
                Hantwerch oder ander Kunst, demselben Geding, soverr anderst das zimblich, dem
                Hantwerch gemeß und nit ungebreuchlich ist, dem sol von beden Tailen nachgangen
                werden. Daruf sol der Jung demselben seinem Meister getrew und gewer sein, nichts
                entpfrembden noch entpfüeren, solchs auch andern seins Vermügens nit gestatten, noch
                seinem Maister unverhalten lassen und dem Maister, sovil und dasselb Hantwerch oder
                Lernung antrifft, treulich denen gehorsam sein und vervolgen. Dargegen sol der
                Maister denselben Jungen zu der Lernung treulich underweisen, lernen, und wie
                Hantwerchs Gebrauch ist, zimlich halten.</p>
              <p>
                <pb n="108"/> Und so der Jung vor Ausgang und Erscheinung der Lerjar ungeurlaubt,
                one redlich Ursachen von seinem Maister liefe und vermainte, nit mer zu ime ze komen
                noch lenger ze dienen, nichts weniger ist das Lergelt, als vil und ime versprochen
                ist, verfallen, und der Maister mag das von dem, der ime den Knaben verliehen hat,
                erfordern und mit gerichtlichem Zwang erlangen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.5">

            <head>[WindsheimRef. II 5 Titel:] Der fünft Titl des andern Tails. Von dem Entlechnen
              menigerlay Hab genannt "<hi rend="it">Acto modatum</hi>".</head>
            <div xml:id="WHR2.5.1">
              <head>[WindsheimRef. II 5 Rubrik 1:] Was Entlechnen sey und von desselben Natur und
                Underschaidung.</head>
              <p>Entlechnen, das man zu Latein "<hi
                  rend="it">comodare</hi>" haisst, ist ain
                Entpfachung ains Guts, das ainem aus Gunst und gutem Willen one ainichen Belonung zu
                ainem sondern Gebrauch verliehen wirdet, und ist sein Natur, das dasselb entlechent
                Gut widergeben werde nach der Zeit, und der Entlechner dasselb gebraucht hat. Und
                der Hinleicher des Guts mag vor der Zeit, ehe die entlechent Hab gebraucht worden
                ist, dieselb nit wider vordern, sondern muß, dem er solchs geliehen hat, zu seinem
                Prauch lassen volgen und ist von negst obemelten Contract vom Verleihen und Besteen
                abgeschiden und gantz ainer sondern Natur, wie dann gemeld ist. Wann in obemelten
                Contract wirdet ain nemliche Suma umb das geliehen Gut bestimbt, das geschicht
                hierhinnen nit sonder aus Gunst, darumben haist es "<hi
                  rend="it">Comodatum</hi>"
                und das vorig "<hi
                  rend="it">Locatum</hi>", hat auch von negstkomenden dreyen
                Titelen, die da gescheen "<hi
                  rend="it">ex precario</hi>" und "<hi rend="it">mutuo</hi>" und "<hi rend="it">emphiteosi</hi>", wiewol es auch alles geliehen
                und verlichen ist, ain sondere Abschaidung, wie dann hernach laut. Und darmit ain
                yder sein Vordrung Verleihens oder Hinleichens halben desto bequemer tue, und die
                Ertailung gruntlich und gewißlich daruf volgen müg, wollen wir ydes Natur in sonder
                setzen.</p>
              <p> Und dweil in disen Verleichungen Argerlist, der grösst, kleinst und mittelst
                Unfleis, auch unglücklicher Zufal vil Würkung und Anschawens hat, ist not zu wissen,
                was solchs sey; zum ersten:</p>
              <p>Argerlist, zu Latein "<hi rend="it">dolus</hi>", ist ain schalkhaftige Listigkait,
                den andern zu betriegen, und das geschicht in dergleichen Fellen, wo ainem etwas
                gelichen wurde, es were Becher, Kannten, Bücher, Klaidung oder anderß, und der, dem
                also gelichen were, wisste, das sein Nachtbar oder ain anderer ain Dieb und willens
                ist, dieselb gelichen Hab ze stelen, und der, dem also gelichen ist, lesst daruf die
                Tür seiner Behausung offen, das der hineinkome und stel das.</p>
              <p>Grosser Unfleis, zu Latein "<hi rend="it">magna</hi>" oder "<hi rend="it">lata
                  culpa</hi>" genennt, geschicht durch ain unfürsichtige oder unbeschaidne Übergeung
                ains Fleiß, den sunsten gemainklich all Menschen tun, also, wo ainem ain Buch oder
                Klaid zu seinem Nutz oder Gebrauch gelichen, und der Entlechner wer so unfleissig
                gewesen, het das vor seinem Haws lassen ligen und nit in das Haws zu Verwarung
                getan, were also durch Regen oder Ungewiter schadhaft, oder durch ainen andern
                hingetragen und aufgehoben worden.</p>
              <p>Leichter oder klainer Unfleis, zu Latein "<hi
                  rend="it">levis culpa</hi>" genennt,
                geschicht durch ain unweißliche und unbeschaidne Übergeung ains Fleiß, den ain
                fleissiger Mensch <pb n="109"/> nit übergangen hete und ist, ain Fleis ze
                underlassen, den ain fürsichtiger oder fleissiger Mensch nit underlassen hete, also,
                wo der Entlechner die entlechenten Hab het getan in ain Kamern, und doch die Tür aus
                Nachlessigkait oder Unfürsichtigkait und Unfleis offen gelassen, darmit Schaden an
                der entlechenten Hab gescheen were.</p>
              <p>Clainst oder leichtest Unfleis, zu Latein "<hi rend="it">levissima culpa</hi>"
                genennt, geschicht durch ain unfürchtige Abweichung von ainem Fleis, den gemainklich
                haben die allerfleissigisten Menschen, und ist: Nitbewaren, das der Allerfleissigist
                hete bewart und fürkomen, oder es ist ain Underlassung, das der Allerfleissigist nit
                underlassen hete, also, wenn der Entlechner die entlechenten Hab in ain Camer oder
                in ain Truchen setzt und bevesstigt oder beschleusst, doch die Truchen mit kainem
                Schlüssel, und wirt di Hab also wegenomen.</p>
              <p>Solch obgemelt unfleissig Verwarlosung ist der Entlechner schuldig zu bekeren. Dann
                im wirdet von Recht geboten, den höchchsten Fleis anzekeren, das Gut, so ime zu
                seinem Gebrauch gelichen wirdet, zu bewaren, und ine entschuldigt nit, ob er gleich
                so grossen Fleis als mit seinem Gut angewent hat, dweil man ainen finden mag, der
                grössern Fleis getan und das bas bewart hete.</p>
              <p>Unglücklicher Zufal, zu Latein "<hi rend="it">casus fortuitus</hi>" genennt, ist
                ain unfürsehenlicher Zufal, der von kainem Fleissigen hat mügen verhütet noch
                fürgangen werden als Brünst, Bawfal, Schifbruch, Räuberey, Einfallung der Veind und
                dergleichen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.5.2">
              <head>[WindsheimRef. II 5 Rubrik 2:] In was Gütern das Entlechnen stat hab.</head>

              <p>Accomodare und Entlechnen, das da one ainichen bedingten Lon zu sonderem zimblichen
                Gebrauch geschicht in ligenden, varenden und unleiplichen Güteren als Dinstberkaiten
                und dergleichen, geschicht aber doch nit in varenden Gütern, die durch den Gebrauch
                zerstreut, vertan oder verzert werden als Gelt, Getraid, Obs und dergleichen. Solch
                hingelichne Hab, die durch den Brauch verzert und zerstreut werden möchte, haist
                  "<hi
                  rend="it">mutuum</hi>" "Wechselen", wie dann in dem nachvolgenden sibenden
                Titel gemelt wirdet. Gleichwol möchte Gelt auch gerliehen und entlechent werden in
                disem Fall. Das geschee aber in der Maß: Wo ainer ainem Gelt leiche, das er darmit
                gesehen und für reich oder treffenlich geacht würde, als wo ainer gern Unglück und
                ain Weib [<hi rend="it">sic!</hi>] hete, das man ime Gelt liche, das er es ließ
                sehen. Solch Gelt müsst dann nit vertan noch zerstreut, sondern wie es gelichen
                were, widergeben werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.5.3">
              <head>[WindsheimRef. II 5 Rubrik 3:] Wann Güter zu zimblichen Gebrauch hingelichen,
                wann die wider haimgestellt und wie es mit gehalten werden sol.</head>

              <p>Entlechent ainer vom andern Pferd, Klaider, Kleinot, Bücher oder ander ligend und
                varend Hab zu ainem sondern Gebrauch unbedingt ainichs Lons, wie dann dieß Contracts
                Natur ist, so sol und mag der Entlechner dieselben Hab, zu dem sy ime gelichen ist,
                gebrauchen, unverhindert deß, der ime die gelichen hat. Und wann der, so entlechent,
                den Gebrauch der Hab gehabt hat, sol er dieselb Hab dem, der ime die gelichen hat,
                widerumb zustellen und überantwurten. Aber vor Ausgang des Gebrauchs, als wann ainer
                ainem ain Buech auszelesen oder ain Pferd gen Nürmberg oder anderßwohin ze reiten
                verliehe, ist der Entlechner nit schuldig, das widerzugeben, er hab dann das
                ausgelesen, oder das Pferd ditz Orts gebraucht. Er, der gelichen hat, mag das auch
                nit vordern. Das ist also zu versten: <pb n="110"/> die Zeit, darinnen ainer das
                Buech möcht außlesen, oder das Pferd gen Nürmberg reiten und widerkomen. Und der,
                dem solchs gelichen, ist schuldig, mit sovil und mer Fleis das zu bewaren, dann ob
                es sein aigen Hab were. Und wo der Hab durch Saumbnus, Unfleis oder Verletzen des
                Entlechners ainicher Schad geschee, denselben Schaden, allen und yden, wie der aus
                Un-fleis oder argem List geschee, ist er zu bekeren und dem Leicher abzelegen
                schuldig.</p>
              <p>Wo aber über seinen gebürlichen Fleis und aus unglücklichen Zufellen der Hab
                Schaden geschee oder würde geergert, darumben wer er nichts schuldig dann in dreien
                Fellen. Zum ersten, wann in der Verleichung Meldung gescheen were von unglücklichem
                Zufal, das der Entlechner denselben erstatten und bezalen wolt. Zum andern, wann der
                Entpfacher selbs in der Schuld were also, wo ime ain Pferd dohin an das Ende ze
                reiten oder ze füren gelichen, und er were mit demselben Pferd an ain ander Ende
                geriten. Zum dritten, wann der Entlechner die Hab lenger, dann der verlichen
                Gebrauch wert, innenhat und nimbt die Hab darüber Schaden. In solchen dreyen und
                dergleichen Fellen wirdet der Entlechner vom unglücklichen Zufal, denselben zu
                erstatten, schuldig. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.5.4">
              <head>[WindsheimRef. II 5 Rubrik 4:] Wo der Entlechner die entlechent Hab mit oder one
                Wissen des Leihers verrer verpfendet.</head>
              <p>Verpfendet oder versetzt ainer die Hab, di ime verliehen were, mit Wissen und
                Verwilligen des Hinleichers, so sol der Entlechner dieselb Hab wider ledig machen
                nach Laut des Gedings, das sy derhalben miteinander besprochen haben. Wo aber von
                kainer Zeit nit geret, darinnen die Ledigmachung gescheen solt, so were, der die Hab
                versetzt hat, pflichtig, dieselb in den negsten zwayen Monaten nach des Hinleichers
                Ansuechen und Beger ze ledigen und dem wider zuzestellen, ungeergert und
                ungeschedigt.</p>
              <p>Wo aber solche Versatzung one Wissen und Verwilligung des Hinleichers geschee, so
                sol der Versatzer verpflicht sein, dieselb Hab in den negsten 14 Tagen ze lösen und
                dem Hinleicher ungeergert und one allen Schaden mit den daruf ergangen Expensen und
                Interesse wider zuzestellen.</p>
              <p>Liche aber ainer dieselb Hab verrer hin und neme darvon ainichen Genies, so sol
                derselb Genies sambt Widerkerung der Hab dem Aigenherrn der Hab volgen, darzu, ob
                die geergert were oder wurde, schadlos gehalten werden. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.6">

            <head>[WindsheimRef. II 6 Titel:] Der sechst Titl des andern Tails. Von Hinleichen, das
              man zu Latein "<hi rend="it">precarium</hi>" nennt.</head>
            <div xml:id="NA.2.6.1">
              <head>[WindsheimRef. II 6 Rubrik 1:] Was diser Titl und sein Natur sey.</head>
              <p>Verleichung und Gönnung, das zu Latein "<hi
                  rend="it">precarium</hi>" haisst, ist
                ain Hinleichung und Vergönnung ains Guts oder ainer Hab, dem zu gebrauchen, der da
                pitt, als lang und vil und es dem Hinleicher geliebt, und geschicht auch one ainiche
                Belonung und allain aus Gunst, und wirt von negst obgemeltem Titel, "<hi
                  rend="it">comodatum</hi>" genennt, auch von nachvolgendem Titel, "<hi
                  rend="it">mutuum</hi>" genennt, abgeschiden. Dann <pb
                  n="111"/> in negstvorgemeltem günstigen
                Titel "<hi rend="it">commodatum</hi>" wirt bestimbt oder ist ain gewiser Gebrauch
                und Zeit, die stillschweigend gemeld oder geendet wirdet. Und der Hinleicher mag die
                Hab vor dem zimlichen oder bequemen Gebrauch nit wider an ine vordern. Aber in disem
                Titl mag der Verleicher die hingelichen Hab alwegen und zu yder Zeit, wann ine
                verlüst, zu ime vordern, und der Entlechner wirdet schuldig, die entlechenten Hab
                widerzegeben, ob er di schon nit gebraucht hat. Wann es ist pillich, das sich ainer
                ains andern Guts nit lenger gebrauch, dann ime vom Herrn der Hab vergonnt
                wirdet.</p>
              <p>Und solch Leihen geschicht in varender, ligender und auch in unleiplicher Hab als
                Klaider, Buecher, Ecker, Wisen, Dinstbarkait, und ist des Contracts Natur, das er
                alwegen, wann der Hinleicher wil, mag widerruft werden und irret nit, ob in der
                Verleihung ain Pact gemacht worden were nit ze widerrufen, es were dann gesetzt
                durch ainen Weg der Aigenschaft, als wann der Hinleicher wolt wider-rufen one Ursach
                und mit grossem Schaden aines andern. Dweil dann solch Verleichung ist ain
                gutwillige Würkung, sol ir auch one grosse Ursach nit widerstrebt werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.6.2">
              <head>[WindsheimRef. II 6 Rubrik 2:] Wie solche Hab hingelichen und wider zugestellt
                werden soll.</head>
              <p>Verleicht oder gunnt ainer dem andern etbas aus Bite, so ist der Entlechner
                verpflicht, dieselb Hab in Zeit seiner Innenhabung und Gebrauchung pessts und merers
                Fleiß dann sein aigen Hab zu bewaren und dem Leicher auf sein Erfordern widerumben
                zuzestellen. Wo er aber das nit tete, so sol er dem Entlechner (nachdem und er solch
                Hab wider in sein Hant ze stellen gefordert hat) all Scheden, di daruf ergangen,
                auch ob die Hab Ergerung oder Schaden, es were durch was Fal es wolt, genommen hete,
                wider zustellen und bekeren.</p>
              <p>Aber vor Widerrufung ist der Entlechner nit mer schuldig dann für Argenlist und
                grossen Unfleis. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.7">

            <head>[WindsheimRef. II 7 Titel:] Der sibent Titel des andern Tails. Von Hinleichen
              varender Hab, das man zu Latein "<hi rend="it">mutuum</hi>" und Teutschs "Wechselen"
              nennt, das ist Barschaft und dergleichen.</head>
            <div xml:id="NA.2.7.1">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 1:] Was diser Titel, sein Natur und Aigenschaft
                sey.</head>
              <p>Entleichen und Hinleichen, das man zu Latein "<hi rend="it">mutuum</hi>" und zu
                teusch "Wechselen" und auch "leichen" haist, geschicht allain in varenden Haben und
                Güeteren, die gezelt, gewogen, gemessen und durch den Gebrauch verzert werden, als
                Gelt, Ertzt, Getraid, Wein, Eysen, Tuch und andres dergleichen; und ist die Natur
                diß Contracts, das nit eben die gelichen Hab, sonder desselben Geschlecht und
                gleichen one allen Abgang und ausserhalb Argslists, Unfleis und unglücklicher Zufal
                wider gege-ben wirdet, wie dann hernach under den sondern Rubriken gemelt wirdet.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7.2">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 2:] Von Hinleihung zu Spil und anderm unzimblichen
                Brauch.</head>
              <p>
                <pb n="112"/> Wir ordnen, setzen und wollen: Wo ymant dem andern wissentlich Gelt
                oder ander dergleichen Hab, es were zum Spil oder anderm unzimblichem Gebrauch,
                liche, dieselb sol der Hinleicher incraft diser unsrer Ordnung in Gericht ze fordern
                gar nit gehört, noch vil weniger sol ime dero verholfen werden, und der Entlechner
                sol dieselb Hab widerzugeben oder zu bezalen nit schuldig sein.</p>

              <p>Und darmit solch unzimblich Handlung fürko-men und zu ordenlichem Wesen gebracht
                werde, setzen und wollen wir, das nie hinfüro kain unzimblich Afterwett geschee. Wo
                aber das geschee, [<hi
                  rend="it">soll sie</hi>] unpindig, uncreftig, unbezalt [<hi rend="it">sein</hi>]; darzu sol und mag ain yder sein verloren Spilgelt in ainem
                virtel Jar, dem negsten, nachdem solch Spil gescheen were, von dem oder denen, die
                solchs gewonnen haben, wider erfordern, das ime auch verholfen werden sol.</p>

              <p>Doch das Spilgelt, das gering getriben und nit über sovil Werts ist, als der
                Verspiler mit seinem Hausgesind ainen Tag mit zimblichen Gebrauch in seinem Haws
                verzert, ausgenomen, das sol, noch mag nit wider erfordert [<hi rend="it">werden</hi>]. Auch sollen Schiessen, Laufen und ander dergleichen Spil, die zur
                Ritterschaft und Kriegshandlungen dienen sind, nit für After- noch unzimlich Wett
                verstanden werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7.3">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 3:] Von dem Hinleichen, das den Jungen hinder iren
                Eltern geschicht.</head>

              <p>Liche ymants Sönen, Töchtern, die noch in väter- oder müterlichem Gwalt oder in
                Versorg irer Vormünder, sy wern <hi
                  rend="it">Tutores</hi> oder <hi
                  rend="it">Curatores</hi>, stünden, Gelt oder Geltswert, daraus Gelt gelöst oder gemacht
                werden möchte, dasselb Gelt ist der Vater, Muter noch Vormund, auch die Kinder durch
                die Constitucion, die "<hi
                  rend="it">senatus consultum Macedonianum</hi>" genent
                wirdet, zu bezalen nit schuldig, es were dann Sach, das solch gelichen oder
                gewechselt Gelt in des Vaters Nutz komen were, oder das dieselben Kind entlechent
                heten, sovil deß sich die Eltern nit widern sollten, inen ze geben, wann sy die
                ausgeschickt oder zu der Lernung getan heten, oder wo die Eltern iren Willen darein
                geben heten, das man inen liche, oder wo sy sich mit dem entlechenten Gelt geledigt
                heten von andern Gläubigeren, das sy sunsten rechtlich heten müssen bezalen, oder wo
                sy Gewerb, Handlung und Kaufmanschatz mit der Eltern Willen getriben, oder, wo die
                Jungen irer aignen Güter mechtig, nit in väter-, müter- noch vormundlichem Gwalt ze
                sein dargeben und genennt heten, oder die Jungen heten Güter, die man zu Latein
                nennt "<hi
                  rend="it">castrense vel quasi castrense peculium</hi>", als weit sy
                raichen. Und sind das die Güeter, die also "<hi
                  rend="it">castrense</hi> oder <hi rend="it">quasi castrense</hi>" genennt werden ), die die Kinder aus irer aignen
                Fürsichtigkait, Clughait oder Kunst one Darstreckung und väterliche Hilf erobern und
                gewinnen als mit Reden, Raten, Artzneien, Fechten und dergleichen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7.4">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 4:] Was die "Macedonianisch Constitucion" sey.</head>
              <p>Oben stet, durch die Constitucion, die "<hi
                  rend="it">senatus consultum
                  Mecedonianum</hi>" genennt wirdet, ist ze wissen, wo und von wem die iren
                Ursprung, und was Würkung sy hab: Item zu Rom ist ainer gewesen,
                  <persName>Macedo</persName>), ain grosser, pöser Wucherer, <pb n="113"/> der hat
                mit seinem Gelt, das er den Kinden ausser Wissen irer Eltern dargelichen hat, vil
                Buberey und Schalkhait getriben, grossen Wucher genomen und den Kinden mit
                verdeckten Worten gelichen und geraten, das sy ire Eltern tödten. Wann dann derselb
                  <persName>Macedo</persName> das Gelt, das er hingelichen het, haben wolt, so
                vergaben die Kinder iren Eltern, das sy stürben. Demnach setzte der Senat und Rate
                zu Rom in Hab aller Wuchrer das Recht und die Satzung: Wo ymants Kindern, die in
                väter-, müter- oder vormundlichem Gwalt weren, Gelt liche, das dasselb Gelt verloren
                und von den Eltern, noch Kindern zu bezalen nit schuldig were, ausgenomen in
                obemelten Fellen, darinnen dise Constitucion ruet, und hat iren Namen von dem
                  <persName>Macedo</persName>, wider den sy am ersten aufgesetzt und erdacht ward.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7.5">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 5:] Wann und wie die gelichen Hab wider bezalt werden
                sol, die Gewicht oder Maß bedarf.</head>
              <p>Leicht ymants dem andern Hab, die mit dem Gewicht oder der Maß bezalt werden muß
                als Getreid, Wein, Tuch, Wollen und dergleichen zu zimblichen Gebrauch, das sol der
                Entlechner seinem Gläubiger (das ist, der ime also gelichen hat) dieselben Hab an
                allen Schaden und Abgang, ungeirrt und ungehindert, ob dem Entlechner durch
                unglücklichen Zufal, Argenlist, grossem, leichtem und klainstem Unfleis Schaden
                darzu gescheen were, wider überantwurten und zustellen uf den Tag und Zeit, wie sy
                das Geding miteinander gemacht und getroffen haben, wo aber kain Frist noch Zeit
                darinnen gemacht oder bestimbt were, auf die Zeit, wann die gevordert wirdet und der
                Gläubiger, und der nimer entbern wil, alwegen in solcher Maß und Gewicht und gutem
                Werde, als das gelichen ist.</p>
              <p>Were aber die Hab, die Maß oder Gewicht bedorf, durch den Gebrauch verzert worden,
                so sol der Entlechner dieselb mit anderem gutem Wert desselben Geschlechts der Wert
                und gutem Kaufmansgut one allen Nachtail und Schaden des Gläubigers bezalt werden.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.7.6">
              <head>[WindsheimRef. II 7 Rubrik 6:] Von gelicher Barschaft zu bezalen.</head>

              <p>Ain yder, der dem andern Gelt gelichen hat, der sol zu der Zeit der Bezalung (die
                dann geschehen sol, wie negst obemelte Rubric verlaut) nit mer wider nemen, dann
                sovil und er ausgelichen hat, solchs auch kains Gesuchs noch Wuchers darvon begern
                noch gewarten; dann es stet geschriben, es sey durch den göttlichen Mund gesprochen
                  "<hi rend="it">mutuum dantes nichil inde sperantes</hi>". )</p>
              <p>Wer oder wölche aber ainicherley Genies oder Wucher darvon einzenemen begerten, es
                sey in was Gstalt das wöll, als wann Hawbtgut und Wuecher in ain Suma
                zusamengerechent und in ain Suma geschlagen were oder werden solt, denselben Genieß
                und Besuech ist, der also entlechent hat, zu bezalen nit schuldig, sonder, ob und
                wann er denselben geben hete, mag er denselben in ainem Jar, dem negsten nach der
                Bezalung wider erfordern.</p>

              <p>Wo auch solch Wuchers Schriften, es weren durch Prief oder ander Fell, für uns
                gebracht würden, denselben sol kain Glauben geben, sonder als von Unwirden <pb n="114"/> delirt und niemants nutz angesehen, verworfen und gar nichts daruf
                geholfen werden. Solche, auch dergleichen Schriften sollen in unsere Bücher nit
                eingeschriben noch bezeugt werden. Wo aber solchs geschee, es were wissentlich oder
                unwissentlich des Wuchers, sollen di weder Craft noch Macht haben. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.8">

            <head>[WindsheimRef. II 8 Titel:] Der acht Titl des andern Tails. Von Erbbestentnus,
              Bezalung der Gulten, das man pfligt "<hi rend="it">Emphiteosis</hi>" ze nennen.</head>
            <div xml:id="NA.2.8.1">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 1:] Von der Natur und dem Wesen diß
                Contractes.</head>

              <p>Wiewol vor vergangen Jaren allain die öden Hofraite und unfruchtbaren Gründe,
                darmit die erzimert, gebaut und zu Frucht gebracht würden, zu Erbbestentnus sind
                verlichen und angenomen worden, hat doch zuletzt der gut Gebrauch angenomen, das nit
                allain öde und unfruchtber Hofstat und Gründ, sondern auch die wol erpauten und
                fruchtbaren Gründe, Wonung und Erdtrich zu Erbbestentnus mügen verlichen werden, umb
                das die in gutem Wesen und Erhaltung bleiben. Und disen Contract hat der
                allerdurchleuchtigste <persName>Zeno</persName>), der römisch Kaiser, nach der
                Geburt Cristi, unsres Hailmachers, im vierhundert und fünfzigisten) Jar regirt gnug
                heidnisch und den Cristen hörit und greulich gewesen ist, erdacht und aufgesetzt und
                haisst in kriechischer Zungen "<hi
                  rend="it">Emphiteosis</hi>", lateinisch "<hi
                  rend="it">melioracio</hi>" und in teutsch "Erbbestentnus oder Pesserung". Und
                diser Contract geschicht allain umb das Erdrich, hat der Natur Kauffens und
                Verkaufens, auch Verleihens und Bestens, darvon hievor in disem Tail gesetzt ist,
                vil an ime. Ist doch von demselben vil abgesondert, wiewol das auch verlichen und
                bestanden wirdet. Dann der Erbbestener, "<hi
                  rend="it">Emphiteoticarius vel
                  Emphiteota</hi>" genannt, überkumbt und hat nützliche Herschaft des Grunds, aber
                ain zeitlicher Weil länger, und nit "Erbbestener", "<hi
                  rend="it">Conductor</hi>"
                genennt; der überkumbt nit die nützlich Herschaft des Guts. <hi
                  rend="it">Emphiteoticarius</hi> und der Erbbestener besitzt das bestanden Gut natürlich,
                aber der <hi
                  rend="it">Conductor</hi> kan und mag nit besitzen. Der <hi
                  rend="it">Locator</hi>, das ist der Verleicher ains Guts, der mag sein verlihen Gut wider
                an ine vordern und an sich pringen, wo das die Notturft erhaischt. Aber der Patron,
                der zu Erb verlichen hat, mag dasselb sein Gut nit wider, ob gleichwol das sein
                Notturft begerte, an sich erfordern noch pringen. So geschicht Erbbestentnus allain
                in ligenden Gütern. Aber Verleichung "<hi
                  rend="it">locacio</hi>" geschicht in
                ligenden und varenden Gütern, auch Andingungen, Arbait zu ververtigen. So wirdet in
                zeitlicher Bestentnus von Mißwachs, Hagel, Wind oder dergleichung [<hi rend="it">!</hi>] wegen ain Nachlassung, aber in Erbbestentnussen nit, und andres mer), wie
                dann der fleissig Leser und Aufmerker mag vernemen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.2">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 2:] <pb n="115"/> Wie diser Contract sol aufgericht
                und vervasst werden.</head>
              <p>Dweil Erbbestentnus und diser Contract nit allain auf ain Person oder Geschlecht
                und derselben Erben, Erbens Erben "für und für" in ewig Zeit geschicht, sonder auch
                auf etlich Personen und derselben Erben, solang die in Leben sein und nit lenger,
                verlichen und bestanden werden, solchs sol alles ye und zu aller Zeit mit Schriften
                vervasst durch gewondlich offen Prief und verstendig genugsam Schreiber mit
                gemainklicher Inhaltung nachvolgender Artikel, die dazu dinstlich sein, oder zum
                wenigisten in unser Statgerichtzbuch vergriffen und aufgericht werden.</p>

              <p>Sonderlich das uns uf denselben Güetern, die also verlichen werden, sover die in
                unser Stat oder uf unser Markung gelegen sein, vorbehalten werde, uns und unser Stat
                Zinsstuben Steur, Bete, Dinst und andere bürgerliche Beschwerd und Auflag als <hi
                  rend="it">jus tributarium</hi> und <hi rend="it">onus reale</hi>, wölchs wir
                denselben Gütern, sy werden in Schriften außgenomen oder nit, hiemit angehengt und
                alwegen außgenomen haben wollen.</p>
              <p>Und wölche Verleihung und Erbbestentnus also wivor und nachvolgenden dinstlichen
                Rubriken und Artiklen lauten wirdet, die sol unpindig, von Unwirden und von nichten
                sein, die wir auch also hiemit vernichtig, unwirdig und unpindig erkennen und
                machen. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR2.8.3">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 3:] Wie der Erbbestener sein Erb ze halten und was er
                seinem Patron, auch gemainer unser Stat darvon ze tun schuldig sey.</head>

              <p>Ain yder Erbman, der also die Erbschaft annimbt und von seinem Patron oder
                Aigenherrn entpfecht, der sol derselben seiner Herschaft globen und sweren, seinen
                Fromen ze fürdern, Schaden ze warnen, das Erb unzertailt und unzertrennt
                innenzubehalten, nichts darvon noch daraus entziehen, noch solchs anderen ze tun
                vergonnen, verhengen noch gestatten, das auch in gutem, redlichem und wesenlichem
                Baw ze halten. Er sol auch alle Jar zu gebürender Zeit nach laut des Gedings und
                Contracts seinem Patron, das ist seiner Herschaft, die gebürend Zins und Gült, das
                man zu Latein "<hi
                  rend="it">canon</hi>" nennt, für all Acht, Krieg, Pan und
                Verheften menigklichs one all Scheden zu seiner gewondlichen Behausung pringen und
                fueren. Dazu sol ain yder Erbman von seinem Erbgut uns und gemainer unser Stat
                Zinsstuben alle Jar jerlich von den Güteren, so in unser Stat und uf unser Markung
                gelegen sein, die gewondliche Stewr, Bete, Dinst und ander bürgerliche Auflag und
                Beschwerd als "<hi
                  rend="it">jus tributarium</hi>" und "<hi
                  rend="it">onus
                  reale</hi>" bezalen und geben. Dann ain yder Erbman, und nit der Aigenherr ist die
                Bürden ze tragen verpflicht und schuldig. Er sol auch sein Erb ausserhalb Willen und
                Wissen seiner Aigenherschaft kainswegs andern übergeben, vermachen, verkaufen,
                verpfenden, auch kain besonder Beschwerd oder Gült andern daraus versetzen noch des
                Gründs ainßtails oder gantz anwerden, es geschee dann, wie in nachvolgenden Rubriken
                und Artiklen verleibt wirdet und mit Verwilligen seiner Aigenherschaft. Wölcher aber
                wider solchs tete, der were der Straf und Pen, wie nachvolgende Rubrik <ref target="#???">Uß was Ursachen ainer sein Erb verwürck"</ref> bemeld wirdet,
                gewertig, darein gefallen und der Contract, den er hievor gemacht hat, von Unwirden,
                uncreftig und unpindig.</p>

              <p>Es sol auch kain Erbman hinder seinem Aigenherrn kainen andern Schutz-, Munt- noch
                Verspruch-Herrn nit annemen, auch des Erbs Aigenherrn seinem Undersassen <pb n="116"/> ausser unsres Wissens und Verwilligens solchs nit gestatten. Wölcher Erbmann aber
                solchs überfuere, der sol unser Straf gewarten und im negsten Jar darnach von
                Stunden solch sein Erb ainen andern tuglichen und dem Aigenherrn annemlichen
                verkaufen, des Guts mit Bezalung aller ver-fallner Zinß abtreten, es were dann, das
                er solch Schutz-, Munt- oder Verspruch-Herschaft in vier Wuchen, den negsten, als er
                des ermant wurde, abstellte. Wölcher aber solchs nit tete, sonder verachte, der sol
                darmit auch wie in negstbemelter angezogner Rubric Verwürckung seins Erbs gewertig
                sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.4">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 4:] Ob, wie, wann und wem der Erbman das Erbgut müg
                gar oder zum Tail verkaufen, verwechselen, verrer verleihen oder den Grund in ain
                ander Wesen pringen.</head>
              <p>Ain yder <hi
                  rend="it">Emphiteoticarius</hi>, das ist der Erbman, mag sein Erb
                ainem als Geschickten und Tuglichen, und nit seinem Übergnossen, darvon der
                Aigenherr seinen Zinß, und das man ime derhalben pflichtig ist, pringen mag,
                verkaufen, doch also, das der Erbman solch seinen Willen seinem Aigenherrn anzaig
                und bite, das er solch Gut von ime aufneme und ainem andern leiche, und das der
                Erbman solch sein Erb dem Aigenherrn vor anbiete, ob er dasselb kaufen, sol auch die
                Warhait, was man ime darumben geben wolle, anzaigen und sagen. Alßdann mag sich der
                Aigenherr vier Wuchen bedenken, ob er solch Erb zu seinen Handen nemen oder anderßwo
                verkaufen lassen wolle. Wo der Aigenherr solch Erb nit annemen wil, so ist er
                schuldig, dem Erbmann zu gestatten, ainem als tuglichen, als er ist, und nit sein
                Erbmans Übergenossen als Edelleut, Gotsheußer und dergleichen, darvon der Aigenherr
                seiner Zins und Gült nit habhaft werden möchte, zu verkaufen, zu verwechßlen oder zu
                verpfenden, daruf er auch leichen und das gewondlich Hantlon (wie hernach under der
                Rubric <ref target="#NA.2.8.5">"In was Zeit der Erbbestener das Erbgut vom Aigenherr
                  sol entpfechen"</ref> verleibt wirdet) geben.</p>
              <p>Der Erbman sol auch bey seinem Aid, den er seiner Aigenherschaft, wo sy ine das nit
                erlassen wil, sweren, sol warhaftigklich ansagen, wie hoch und wie tewr er solch
                sein Erb geschetzt und verkauft, und das er in solchem seinem Ansagen kain Geverd
                noch Betrug gesucht hab, und alßdann, wo der Erbman verkauft und der Aigenherr seins
                Hantlons vergnügt hat, auch noch hinderstellig Zins und Gülten, vom selben Erb
                herrürend, aussten. Die sol der Kaufer, oder der solch Erb zu ime gebracht hat,
                bezalen und sambt dem Hantlon, vor und ehe ime gelichen wirdet, ain Gewißhait und
                Vergnügen tun. Het aber der Aigenherr das Erb zu seinen Handen genomen, so were man
                ime kain Abzug, Gelt noch Hantlon nit schuldig, weren auch all versessen Zinß, wo
                er, der Aigenherr di nit ußgenomen hete, also das der Erbman die bezalen oder am
                Kaufgelt abgeen lassen sol, gefallen und ab. Dann das Gut tregt di Bürden.</p>
              <p>Kain Erbman hat auch nit Macht noch Fueg, das er Gründ in ain ander Wesen
                transferire oder pring also, wo ain Weingart were, das er daraus ainen Acker mache,
                oder aus ainem Acker ain Wisen und dergleichen. Herwiderumb, wiewol ime des Guts
                Pesserung zugelassen ist, es geschee dann mit Vergünstigung seins Patrons und
                Aigenherrn, er mag auch one obemelte Bewilligung kainen Zins noch Gült daraus
                verkaufen bey der Pen des virten Tails, als das Erb wert ist.</p>

              <p>Aber ain Erbman mag ain Zeit lang seinen Erb-bestandt, aber doch nit lang
                ausserhalb Wissen und Verwilligen seiner Aigenherschaft, wol und one Hantlon <pb n="117"/> verleichen, mag auch solchs one Verwilligung seiner Aigenherschaft zu
                Eesteur ainem seinem Kind oder Tiechter geben one Hantlon. Wo er aber dasselb Erb
                für ain Suma Gelts darschlueg und gebs für ain benente Suma Gelts, so sol er das
                Hantlon darvon ze geben schuldig sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.5">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 5:] In was Zeit der Erbbestener das Erbgut vom
                Aigenherrn sol entpfachen und wieviel Hantlons geben.</head>

              <p>Wann und wie oft ain Erbbestentnus durch Absterben des Erbmans, Verwechßlung,
                Verkaufung oder Zugab zu ainer Eesteur und dergleichen Fellen ledig wirdet, so sol
                der, der das Erb entpfachen und einnemen wirdet, bey Verlierung seins Erbs pflichtig
                und verpunden sein, in Jarsfrist, der negsten, von dem Aigenherrn zu entpfachen,
                auch gebürlich Pflicht, wie hievor under der <ref target="#NA.2.8.3">dritten
                  Rubricken</ref> mit iren Artikelen gemeld wirdet, tun.</p>

              <p>Ist aber das Erb durch Absterben ledig worden und erblich uf die Entpfecher komen
                [so], oder der Erbman het solch Erb ainer seiner Tochter oder anderm Kind oder
                Tiechter zu ainer Eesteur geben, unangeschlagen und für ain unbenente Suma Gelts
                oder Geltswerts, so sol ine der Aigenherr dasselb Erb one Hantlon und mit ainem
                gemainen Virtel Weins leichen und hantlonshalb nit mer vordern, noch die Parteien,
                so entpfachen, mer ze geben schuldig sein. Wer aber das Erb durch Verkaufen,
                Verwechßelen oder Tauschen, oder von dem Erbman ainem seinem Kind oder andern für
                ain benennte Suma Gelts angeschlagen und also dafür bezalt und geben worden, so were
                es nach Sag der Recht ain gerechter Kauf. Darumben sol von solchem allem alwegen der
                Entpfecher dem Aigenherrn den fünfzehenden Pfennig, Pfund oder Guldin, wie das Erb
                verkauft oder dar- und angeschlagen worden ist, das dann der Inhaber bey seinem
                Aide, wo ine der Aigenherr das nit erlassen wil, wie hievor in der <ref target="#NA.2.8.4">negstvorgeenden Rubric</ref> im andern Artikl anzaigt wirdet,
                betauren sol, zu Hantlon ze geben schuldig sein, es wolt ime dann der Aigenherr gern
                ain sunder Nachlassung tun, oder der Erbman mocht Prief oder ander gnugsam
                Gerechtigkait darbringen, das es anderßt gehalten werde und er solchs ze geben nit
                schuldig sein sol.</p>

              <p>Wo aber die Erben in obemelter Zeit nit entpfingen, sonder verachteten, so sein sy,
                wie <ref
                  target="#NA.2.8.6">negst nachvolgende Rubric</ref> in sich beschliesst, von
                dem Erb gefallen. Wo auch dem Erbman Sachen zufielen, es were durch Prunst, Krieg,
                Wasserbruch oder anderm unglücklichen Zufal — wie und was der sey, findet man
                hievor in dem <ref target="#NA.2.5.1">fünften Titel diß Tails under der ersten
                  Rubriken</ref> —, das er sein Erb räumen, sich des verzeihen, ligen und dem
                Aigenherren haimfallen lassen müsste, so ist er und sein Erben dennoch dem
                Aigenherrn umb all verfallen Canones, Zins, Gult und Hantlon, soverr die nit
                entricht und der hinderstellig schuldig weren, verpflicht und zu bezalen verpunden,
                ungehindert, das sich der Aigenherr des Erbs underwunden und auf seins Erbmans
                Wüst-Liegenlassung oder Verzeihung underfangen hat. Und der Aigenherr mag auch dann,
                zumal mit solchem Erb mit Verleichung anderer oder Selbs-Gebrauchung handelen seins
                Nutzs und Gefallens one Widersprechen des Erbman und menigklichs. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.6">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 6:] Wie und was Ursachen ainer sein Erb und
                Gerechtigkait verwürck.</head>
              <p>
                <pb n="118"/> Die Fürsichtigkait der gemainen Recht hat geboten: Wölcher Erbman
                seinen Zinß und Gült von dem erbbestanden Gut, ist es gegen weltlichen, in dreien,
                und gegen gaistlichen Aigenherrn, als Stift, Closter, Pfarr und dergleichen, in
                zweien Jaren nit bezalte, der sol darmit sein Erb und Gerechtigkait verwürkt haben,
                es were dann, das sich der Aigenherr solchs Rechtens Freiheit und Gebrauch in der
                Verleichung begeben und verzigen hete. Und den Erbman mag nit fürtragen, ob er das
                Erb gepessert und der Aigenherr die Gult nit gevordert hete, wann die Zeit haischt,
                vordert und begert an des Herrn Stat die Bezalung der Gült. Dann der Herr, der das
                Gut zu Erb gibt, gibt darmit di Aigenschaft nit von ime. Und wenn ainer sein Erb
                also verwürkt, zu gebürender Zeit nit bezalt, noch zu gebürender Zeit nit
                entpfangen, noch nachvolgend Artikel nit gehalten hat, ordnen, setzen und wollen
                wir, das der Aigenherr volkomen Macht und Gwalt haben sol, sich des Erbs mit oder
                one Gericht, wie ime allerpesst fuegt, ze underwinden, andern zu verleichen und
                darmit seins Nutzs und Gefallens ze handelen.</p>

              <p>Wölcher auch sein Erbrecht nit in gutem wesenlichen Baw und Pesserung helt, seinen
                Aigenherrn nit für seinen rechten Verspruchherrn erkennte, sonder andere über ine
                anneme, wie hievor in der Rubric <ref target="#NA.2.8.3">"Wie der Erbbestener sein
                  Erb ze halten"</ref> am dritten Artikel auch anzaigt wirdet, und das Erb ime
                unangeboten ausser seins Willen und Wissen und sonderlich seins Erbmans Übergenossen
                als Edelleute, Stiften, Clostern und dergleichen, darvon der Aigenherr seinen Zinß
                bequemlich nit pringen mochte, verkaufte, ainich Übergab oder Vermechdnus daruf
                tete, den Grund in ain ander Wesen prechte, deß ainßtails oder sondere Gült und Zinß
                daraus verkauft und versetzte, der sol in obgemelter Maß darvon gefallen sein. Und
                der Aigenherr mag den Erbman mit oder one Gericht darvon wol abtreiben und sich deß
                in vorgemelter Maynung underwinden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.7">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 7:] Entschid, wo zwischen dem Aigenherrn und Erbman
                umb den Zins oder dergleichen Zwitracht entstünde.</head>

              <p>Entstünden zwischen dem Aigenherr und Erbman Zwitracht von wegen deß Zinß, das man
                zu Latein "<hi rend="it">canon</hi>" nennt, also das der Herr sagte, ime weren die
                Zinß und Gulten nit entricht, sondern stünden noch unbezalt aussen und der Erbman
                geb für, er hete dieselben bezalt, in solchem Fall sol dem Aigenherrn auf seinen Aid
                glaubt und der Erbman darnach zu Bezalung desselben Zinß gehalten werden. Wenn sy
                aber umb das, das der Gült mer oder weniger sein solle, zu Irrung kemen, alsdann sol
                di Verschreibung, darüber aufgericht, angesehen. Wo aber der kaine, noch auch nit
                persondliche Beweisung vorhanden weren, so sol des Aigenherrn Zinß- und Gültbuch,
                das er auch mit seinem Aid und darumben bestetten sol, das ime und seinen Vorfaren
                das Erb vorher alwegen sovil geben hat und sovil ze geben schuldig sei, glaubt und
                der Erbman zu solcher Entrichtung und Bezalung gehalten werden.</p>

              <p>Wolt aber der Erbman seiner Aigenherschaft Canonem, Zinß oder Gult nit geben, er
                zaigte ime dann an di Güter, darvon er solchen Zinß geb sol und die Gerechtigkait,
                warumben solcher Zinß daruf komen were, so sol der Aigenherr, unangesehen des
                Erbmans Begeren, bey seiner besitzlichen Gewör, den Zinß zu entpfachen, gehanthabt
                und, wo alßdann der Erbman solchs unpillich ze sein vermaint, der Erbschaft und Zinß
                nit gesteen wollte, derhalben die Sachen zu Recht gewisen, und der Erbman, ob er
                sagen wolt, er gestünde nit, das er das Gut in erbs- oder bestantsweiß innenheten,
                gehört werden. Möcht alßdann der <pb n="119"/> Herr das Aigentumb des Grunds, oder
                das ime oder seinen Vorfarn der Zinß etliche nemliche Jar entricht und bezalt worden
                weren, mit prieflicher Urkunt, Abschriften unser Statbüecher, seinem Zinßbuch oder
                Personen lebendiger Kuntschaft nit beweisen, sol der Inhaber des Guts des Zinß ledig
                erkennt werden. Dweil aber durch menigerley Sachen die Prief und Urkund, die über
                Aigentumb, Zinß, Gult oder anders lauten, vergeen, dardurch die Aigenherschaft ir
                Aigentumb nit anzaigen mag, demnach, wo der Aigenherr darbringt mit erbern,
                redlichen Personen, das er oder seine Vorfarn den Zinß von und aus den stritigen
                Gütern erfordert und eingenomen, und die Widerpartey oder Inhaber des Guts oder ire
                Vorfarn den gevorderten Zinß bezalt haben, darbey sol es entlich besteen und der
                Aigenherr bei seiner besitzlichen Gewör gehanthabt und der Inhaber zu Bezalung
                gehalten werden.</p>
              <p>Entsprüngen aber Irrungen des Widerkaufenden zinßhalben also, das der Inhaber des
                Guts den Zinß, so daruf stet, wolt wider abkaufen und ablösen, und ime der Aigenherr
                dasselb nit gestatten und geb für, dasselbe Gut were mit ewigem Zinß beschwert, in
                dem sol, nachdem ain ydes Gut oder Grund von seiner Natur, auch in Vermutung des
                Rechtens frey geachtet wirdet, es were dann anderß darwider bewisen, der Zinßgeber
                gehört und die Ablösung deß Zinß mit Bezalung aller verseßner Zins und Gulten
                vergönnt werden, es mochte dann der Aigenherr beweisen und darbringen, das solcher
                Zinß durch schriftliche Verfassung zu Urtet vergriffen oder sunsten dem Gut
                ewigklich aufgelegt were. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.8">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 8:] Wo Erb und Aigen beyeinander sein, wie es
                gehalten werden sol.</head>
              <p>Hat ain Erbman neben, bey und an seinem Erb ain Aigen, das sol und mag er
                ausserhalb Gunst und Verwilligung seins Aigenherrn nit zusamenziehen noch
                miteinander gebrauchen, sonder er sol das underschidlich voneinander abtailen,
                darmit dem Erb noch dem Aigen nichts entzogen noch newe Beschwerd ufgelegt werde. Wo
                aber der Erbman das zesamenzüg, unverscheidenlich miteinander gebrauchte, so sol
                dasselb Erb dem Aigen angehangen und dem Aigenherrn inmassen wie das Erb verpflicht
                sein, doch nit höher noch verrer dann umb die Zinß und Gült, so das Erb ierlich
                pflichtber ist, ze geben.</p>
              <p>Wo aber ainer zwayerlay Erb, von zweierlay Erbschaften und Aigenherrn darrürende,
                innenhete, dieselben zween Erbtail sollen in kainerlay Weiß vermengt noch
                zesamengezogen werden bey Verlierung sein Erbmans Gerechtigkait beder Erbschaft, es
                geschee dann mit sonderer Zutuung und Verwilligung beder Herrschaft und Aigenherrn.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.8.9">
              <head>[WindsheimRef. II 8 Rubrik 9:] Von den fruchtbern Bawmen, uf ander Gründt
                raichent.</head>
              <p>Het auch ain Erbman in seinem erbbestanden oder aigem Gut Bawm, die mit den Essten
                uf seins Nachtbern Gründt raichten oder hingen, wo dann derselb Nachtber solchen
                Überhang schadenhalben, den er ime mit dem Schatten oder sunst fuegen mochte, nit
                gedulden noch leiden wil, so sol der, des derselb Bawm ist, desselben Esst, 15
                Schuch hoch von der Erden und dem Stamm außzerechen, abtun, oder aber dem, uf des
                Grund die Össt hangen, die Frucht vom selben Pawm lassen volgen, abnemen und seins
                Nutzs gebrauchen. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.9">
            <head>[WindsheimRef. II 9 Titel:] <pb
                n="120"/> Der newnt Titl des andern Tails: Von
              Erlegung zu getreues Handen "<hi rend="it">Depositum</hi>" genent.</head>
            <div xml:id="NA.2.9.1">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 1:] Von Übergebung deß, so zu getreues Handen erlegt
                ist.</head>

              <p>Erlegen zu getreueß Handen ist, ain varende Hab ainem oder mer andern zu Beheltnus
                und zu Verwarung einzegeben, und solchs geschicht allain in varenden Haben; und der,
                der hinder- und zu getreues Handen legt, haisst "<hi
                  rend="it">Depositor</hi>" und
                der, hinder den erlegt wirdet, haisst "<hi
                  rend="it">Depositarius</hi>". So ymant
                dem andern Gelt, Klainot, Klaider, Büecher, Prief oder andere varende Hab, wie die
                Namen hat, zu getreues Handen und in Verwarung einstellt und zu behalten gibt, so
                sol der Depo-sitarius, das ist der, hinder den erlegt ist, dieselb hinderlegt Hab
                mit allem Fleis als sein aigen Hab und Gut verwaren, versperren und behalten und in
                Widerantwortung derselben darmit handelen, wie das Geding zwischen ir gelaut hat,
                oder die verschriben Prief, darüber aufgericht, innenhalten. Wo aber kain sonder
                Geding noch Prief darüber vorhanden weren, so sol der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> dieselben Hab dem <hi
                  rend="it">Depositori</hi>, das ist der,
                der hinterlegt hat, wo mit nachvolgenden Artikelen und Rubriken nit Irrung
                einfleusste, auf sein Ervorderen und Begeren unverzogenlich wider zustellen und
                überantworten, und in dem irrt nit, obschon in der Zeit, als man hinderlegt hat, ain
                Geding gemacht und berett were, wie lang die Hab liegen sol, es were dann Sach, das
                dem <hi
                  rend="it">Depositario</hi> mit der Hab der Gebrauch, Nutzung und Niessung
                derselben Hab, das er beweißlich darbringen möcht, mit verlichen worden were, so
                möcht er dieselb Hab bis auf die bestimbte Zeit wol innenhaben und gebrauchen. Der
                  <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> und hinder den erlegt ist, mag auch dem <hi
                  rend="it">Depositori</hi> und Hinderlegern die erlegt Hab durch kainerlay Schuld,
                die ime der Hinderleger ze tun und schuldig, wie die gefügt were, hinderhalten,
                verheften noch beschweren, weder von sein noch sunst von niemant anders in kain
                Weiß, es were dann Sachen, das solche Hab durch uns oder unser Gericht verboten
                wurden. Alßdann sol der <hi rend="it">Depositarius</hi> die hinderlegte Hab
                ungeledigt des Verbots nit hinaus geben.</p>

              <p>Die deponirt, erlegt und zu getreues Handen gegeben Hab sol auch dem Hinderleger,
                ob jach der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> arm und ausflüchtig wurde und seine <hi
                  rend="it">Creditores</hi> und Gläubiger auf ine drungen, alle sein Hab und Gut
                annemen und sich derselben underziehen wolten, vor allen Schultherrn und Gläubigern
                volgen, zugestellt und geben werden, unangesehen, wo die Schultherrn oder der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi>, wann derhalben Irrung entstünde, fürgeben, das
                hinderlegt Gut were des Clegers Aigen nit. Dann er, der Cleger ist nit schuldig,
                ainich Aigentumb anzezaigen noch zu beweisen, sondern ist gnug, das solche Hab
                hinderlegt, [<hi rend="it">als</hi>] sein bekennt oder bewisen wirdet.</p>
              <p>Der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> und Behalter der hinderlegten Hab sol die
                hinderlegt Hab weder verfendelen, anwerden noch gebrauchen. Wo er aber das darüber
                tete, were er den Schaden, der an derselben Hab darumben erscheinen und anzaigt
                würde, zu be- keren und zu bezalen pflichtig, wie in <ref target="#NA.2.9.2">negstvolgender Rubric</ref> beim End clerer anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.2">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 2:] In was Handlung und Gstalt der <hi rend="it">Depositarius</hi> den Schaden, den die hinderlegt Hab entpfangen hat, ist
                schuldig zu bekern.</head>
              <p>
                <pb
                  n="121"/> So ymants ainiche Hab und Güter zu Verwarung und zu getreues Handen
                annimt und innenhat, die aus seiner Verwarlosung, Seumbnus oder Verschuldung, also
                das er die nit mit gebürenden Fleis aufhebt, versperrt, verschleusst und versorgt,
                Ergerung oder Schaden entpfachen oder gestolen wirdet, so ist der <hi rend="it">Depositarius</hi>, das ist, hinder den erlegt ist, schuldig und pflichtig,
                solchen Schaden oder dieselben Hab zu gelten, ze pessern und zu bezalen.</p>
              <p>Wo ime aber, dem <hi rend="it">Depositario</hi>, über seinen gebürlichen
                angewendten Fleis solche Hab abfiele, zu Ergerung keme, oder sambt dem Seinen
                entwört und gestolen, oder durch unglücklichen Zufal zum Tail oder gar verginge oder
                Beschedigung geschee, darumben ist er dem Hinderleger nit schuldig noch pflichtig,
                es were dann im Hinderlegen oder hernach bedingt.</p>
              <p>Dergleichen wo er, der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi>, die hinderlegten Hab ainem
                Tail, dem die nit zustünde, oder wo der Hinderleger mer dann ainer weren, und der
                  <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> ir ainem aus den Hinderlegern die Hab one Wissen
                der andern zustellte und übergebe, derselben Hab ist er, sovil sich der andern
                Hinderlegern angebürt und sy des Schaden entpfachen möchten, zu bekeren, ze
                widerlegen und widerzegeben schuldig, es were dann in dem Contract und Hinderlegen
                bemeld worden, inen allen, dem merer Tail, oder ydem sonderlich zuzestellen, so were
                er, der <hi rend="it">Depositarius</hi> ledig und darumben nichts schuldig.</p>
              <p>Wo auch der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> über Erforderung der Erleger der Hab
                dieselben Hab, die er laut vorgemelter Artikel ze überantworten und widerzegeben
                schuldig ist, nit überantwurtet, und über solch gebürlich Vorderung ainicher Schad
                daran geschicht, es sey durch unglücklich Zufelle oder wurde gestolen, wie das
                geschee, nichts ausgenomen, denselben Schaden oder die gantz Hab ist er zu erstatten
                und zu bezalen schuldig, und ine mag nit fürtragen, ob die Hab bey andern auch
                verdorben were. Würde auch der <hi rend="it">Depositarius</hi> die hinderlegten Hab
                gebrauchen oder nutzen, das ime in dem Anfang des Gedings nit gegönnt were, und
                dieselb Hab ainichen Schaden oder Ergerung entpfing, denselben Schaden und Ergerung
                ist er sambt dem Interesse zu bezalen auch verpflicht und schuldig. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.3">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 3:] Hinder wem die hinderlegt Hab auf Absterben deß,
                hinder den sy gelegt gewest ist, auch wann under den Erlegern Irrung entstunde,
                bleiben sol.</head>
              <p>So Hab und Güter hinder ymants zu getreueß Handen erlegt und der, hinder den erlegt
                gewesen ist, Tods abging und ließ mer dann ainen Erben, so sol die erlegt Hab bey
                dem merer Tail der Erben verwart und behalten werden, di andern Erben bewilligen
                darein oder nit; doch das sy darumben Genügen und Sicherheit tun.</p>
              <p>Wo aber der Hinderleger Tods abging und mer dann ainen eelichen Erben hinder ime
                verließ, und derselben zum Tail oder ire Vormünder die hinderlegten Hab annemen
                wolten und zwischen inen oder sunst andern Personen Spenn und Zwitracht der
                hinderlegten Hab halben erwuechse, so sol uf der Tail Fürbringen di Sachen zu
                rechtlichem Entschid gewisen werden, und sollen die oder der Inhalter der Hab
                dieselb uf der Parteien Irrung mit Wissen derselben hinder das Gericht erlegen,
                alßdann sind sy auch darmit irer Verpflicht geledigt, es wollten dann dieselben
                spennigen Erben oder Parteien dasselb mit gutem Willen lenger bey inen lassen
                inligen oder sich miteinander verainen, hinder ander Personen ze legen.</p>
              <p>
                <pb n="122"/> Wo auch mer dann ain Person gemain Hab oder Gut zu getreues Handen
                hinderlegen, so mag derselben kainer in sonder erfordern oder clagen umb die erlegt
                Hab oder Gut, es were dann zur Zeit der Erlegung sonderlich abgerett, das solche Hab
                oder Gut ir ydem sol gevolgt werden. Aber yder mag seinen Tail vordern, es were auch
                in der Zeit der Erlegung anders abgerett, das ir kainem an den andern nicht volgen
                sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.4">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 4:] Was und wölche Hab, die hinderlegt ist, man nit
                sol überantworten, die man auch ze überantworten nit schuldig ist.</head>
              <p>Wiewol hievor im Anfang diß Titels bemelt und auch war ist, das man dem Hinderleger
                die hinderlegten Hab auf sein Ervordern sol überantworten und zustellen, das ist zu
                versteen, wo di dieselb Hab zimblich gebraucht, rechtlich herkomen oder nit
                zwispeltig mit Krieg bestritten wirdet, demnach wollen wir, das in nachvolgenden
                vier Fellen, wo die erlegt, gleichwol erfordert würde, nit zugestellt, sonder
                hinderhalten werden sol, zum ersten: So ainer Schwert, Messer, Spies oder ander
                schedliche Waffen zu Beheltnus eingebe und die in Grimmen seins Zorns wider
                ervordert und vermaint, darmit unzimblichen Schaden ze tun; zum andern, so ain Dieb
                oder Räuber geraubte oder gestolne Hab zu getreuen Handen eingeben hete, und darnach
                keme der andre, dem die Hab entpfrömbd were, und die verheft und mit Recht nachkeme;
                zum dritten, so der Dieb ainem etwas zu getreues Handen eingebe, das er ime darvor
                gestolen hete; zum virdten, wann ainer umb Mißhandlung deportirt und ewigklich in
                das Elend gewisen, seine Güter confis[c]irt oder gmain verkundt wern.</p>
              <p>Item, der <hi rend="it">Depositarius</hi> mag auch zimblichen Costen, den er zu
                Verwarung der Hab ausgeben hat, erfordern; der sol ime auch belegt und überantwort
                werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.5">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 5:] Wo zwischen dem Erleger und dem <hi rend="it">Depositario</hi> Irrung erwüchse.</head>

              <p>Legte oder geb ainer ainem andern etlich Hab oder Güter beschlossen oder besigelt
                in ainer Laden, Vaß, Sack oder anderm zu getreueß Handen, und der Hinderleger zaigt
                dem, hinder den er legte, nit alle Stück ordenlich, lauter und augenscheinlich an,
                so ist der <hi rend="it">Depositarius</hi> in Überantwortung der Laden, Vaß, Sack
                oder anderm nit schuldig, ob dieselb Hab ainichen Schaden entpfangen hete,
                sonderlich Red und Antwurt darumben ze geben, noch vil weniger ainichen Schaden zu
                bekern, es were dann, das beweißlich oder sichtig were, das er ainichen Betrug und
                Ferlichait darinnen gebraucht hete, und ist gnug an dem, das er solch Laden, Vas
                oder Sack, oder was das ist, besigelt und verschlossen, wie ime das hinderlegt ist,
                wider überantwurt.</p>

              <p>Wo aber die Laden, Vaß oder Sack aufgetan und etbas daraus verendert werde, wie
                dann solchs vermutlich und durch den Erleger beweißlich oder augenscheinlich, und
                doch nit darbringen möcht, was in solcher Laden, Vaß oder Sack gewesen were, so mag
                er mit seinem Aid behalten, was in solchen beschlossen gewesen sey, und dann auf
                solch Behaltung sol der <hi rend="it">Depositarius</hi> oder Inhelter der Hab
                pflichtig und schuldig sein, dieselb nach rechtlicher Messigung zu erstaten und zu
                bezalen.</p>

              <p>So aber der Erleger solchen Betrug, Geverd, Auftuung und Verrückung der Sigill oder
                Beschliessung nit mag anzaigen, darbringen noch beweisen und derhalben kain
                Vermutung vorhanden, und were der Inhaber ain Person guts Glaubens, Namens oder
                Leumats, so möcht sich derselb <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> mit seinem Aid
                berainigen, <pb n="123"/> das er solch Beschliessung noch Besiglung nit verrückt,
                aufgetan, gar kain Geverd darinnen gebraucht, von solchem auch gar kain Wissen, deß
                auch kain Schuld, sondern in Verwarung seinen müglichen Fleis getan hete, sol er
                darmit geledigt und dem Erleger derhalben ain ewig Stillschweigen aufgelegt
                werden.</p>

              <p>Wo auch der Hinderleger ainich Hab, die gezelt, gewogen oder gemessen were, an
                ainen andern vor-dert in Schein, als sol das hinder in deponirt und in getreuß
                Handen zu Verwarung gelegt sein, und der <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> le[<hi rend="it">u</hi>]gnet und gestünde des Erlegens nit, so sol der Erleger in seiner
                Clag aigentlich anzaigen und bestimben, was dieselb Hab, oder wievil der gewesen
                sey, solchs auch alles lauter beweisen; beweist er das, so hat der Inhaber seiner
                Treu vergessen und ist schuldig, dasselb, so bewisen ist, zu erstatten und zu
                bezalen. Beweist er aber das nit alles, und doch das etwas gelegt und durch den
                Inhaber geverlich oder betrüglich verendert sey, so mag er die Zal, Maß oder Gewicht
                mit seinem Aid, soverr er und die Zeugen glaubwirdig Personen guts Leumats sein,
                behalten. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.6">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 6:] Wo ymants dem andern Hab in sein Haus legte, get
                dann darvon, bevilchts schlechtlich oder bevilchts nit zu verwaren.</head>

              <p>Zum dickermal begibt sich, das ainer ain Ding seiner Hab legt schlechtlich in ains
                andern Haws, wie dann gemainklich in Wirts- oder Kaufheusern geschicht und spricht:
                "Ich wil das Mein da lassen ligen, wil gen, etwas kaufen", oder "ich wil das heut
                oder morgen haben", wie dann dergleichen Maynung under dem gemainen Volk
                gebreuchlich ist. Wo dann also ymants in ains andern Haws was legte oder lessts
                darinnen und tut nit sonderlichen Bevelch, das zu bewaren, oder der Herr des Hawß
                nimbt das zu verwarn nit an, lesst doch solch Haben ligen und steen, und über solchs
                nimbt die Hab Schaden, wirdet geergert oder gar verloren, umb solche Ergerung,
                Schaden oder Verlust sol der, hinder den, oder in deß Behausung die Hab gelegt ist,
                ze antworten noch ze gelten nit schuldig noch pflichtig sein, es were dann, das er
                darinnen Schuld, Geverd oder Betrug gesucht hete. Sagt aber oder gebe, der die Hab
                gelegt hete, für, das der, hinder oder in deß Hawß gelegt were, die Bürde der
                Verwarung uf ine genomen und des z behalten zugesagt hete, das sol er beweisen.
                Volfürt er solche Beweisung und stet ime die laut seins Dargebens bey, so ist der
                  <hi
                  rend="it">Depositarius</hi> pflichtig, Abtrag der Ergerung und erlitens
                Schadens ze tun. Beweist er aber solchs nit gnugsamlich mit erbern, redlichen
                Personen, und dann ainiche Vermutung wider denselben, hinder den erlegt ist,
                vorhanden were, so sol ime ain Aid zu Beraynigung seins Fürgebens , das er die
                Verwarung nit aufgenomen noch zugesagt hab, [aufgelegt] auch des Schadens und
                Verlusts kains Wissens noch Schuld hab, aufgelegt [<hi rend="it">werden</hi>]. Wo er
                aber ain glaubwirdige Person und wider ine ainichs Arkwons kain Vermutung were, sol
                er blößlich absolvirt. In gleicher Weiß sol es gehalten werden, wo also ainer in
                ains andern Haus Truchen, die verschlossen oder unverschlossen weren, setzte. Und
                sol ime der Erleger di Schuld, das er sein Hab nit fürtrechtlicher versorgt, zu
                solcher Hinderlegung erfordert, oder Schriften darüber aufgericht hat, haimgeworfen
                werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.2.9.7">
              <head>[WindsheimRef. II 9 Rubrik 7:] Von der Hab, so Hantwerk- oder Werkleuten ze
                arbaiten eingeben wirdet.</head>

              <p>Gibt ymants Hant- oder Werkßleuten ze arbeiten Hab ein, und solche Hab durch
                unglücklichen Zufal, wie hievor im Titl "Vom Entlechnen" under der ersten Rubricken
                  <pb n="124"/> am letzten Artikel gemeld wirdet, Schaden entpfinge oder verdürbe,
                sol derselb Hantwerker oder Werkman derhalben dem Herren oder Eingeber des Guts
                darumben nichts pflichtig sein, dann sovil und solcher Hab, darüber vorhanden,
                pliben were.</p>
              <p>Wo aber obgemelt unglücklich Zufal nit vor Augen, und der Hant- oder Werkman durch
                Argenlist oder Unfleis, wie auch in obgemeltem Titel under der benennten Rubriken
                verleibt wirdet, in der Schuld, so were er pflichtig, die eingegeben [und] und ime
                bevolchen Hab widerumben zu erstatten und zu bezalen. </p>
            </div>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.3">
          <head>[WindsheimRef. III: Familienrecht] Der dritt Tail dits Buechs sagt von Heuraten und
            Vormundschaften und hat vier Titl.</head>
          <div xml:id="NA.3.1">
            <head>[WindsheimRef. III 1 Titel:] Der erst Titl des dritten Tails: Von Heuraten.</head>
            <div xml:id="WHR3.1.1">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 1:] Von dem Namen der Estewr, auch der Widerlegung
                und von Freihait derselben.</head>

              <p>Got der Almechtig hat in Erschaffung menschlicher Natur das Sacrament der hailigen
                Ee zu Erhaltung des menschlichen Lebens und Erfüllung der Chor der abgestossen Engel
                aufgesetzt. So ist seither durch gute Gewonhait umb den Last und Beschwerung der Ee,
                so der Man auf sich nimbt, gewurtzelt, das man gewondlich pfligt, dem Man zu seinem
                Eegnossen ain Eesteur ze geben, das zu Latein "<hi
                  rend="it">dos</hi>" genennt, und
                wirdet das Wort also ausgelegt, das es sey ain Steur oder Gab, die dem Man geben
                wirdet zu seinem Egenossen umb die tragend Bürde der Ee. Und diselb Eestewr, "<hi
                  rend="it">dos</hi>" genennt, ist des Weibs recht erblich Aigengut oder <hi
                  rend="it">patrimonium</hi> und vom Rechten hochgefreit. Dann dem gemainen Nutz ist
                gut und not, die Frawen auszesteurn und ir Esteur mit hohem Fleis zu bewaren, darmit
                die Weiber zu eelichem Wesen komen mügen und eeliche Kinder gewinnen, darmit hie auf
                Erden die Stet und Flecken werden erfült, der gmain Nutz dardurch geeufft und nach
                Absterben die Tron und Chor der abgestossen Engel wider ersetzt, und geschicht in
                zwaierley Gstalt. Die erst Gstalt ist, wann solche Eesteur wirdet gegeben vom Vater,
                Anherrn, Uranherrn oder andern von derselben Bevelch oder Güter wegen gegeben
                wirdet, und haissen "<hi
                  rend="it">bona profecticia</hi>", die ander Gstalt, so
                dieselben Eestewr ain ander gibt, oder das der Vater der Tochter solchs sunsten
                schuldig were und das mit irem Willen zu Heuratgut geben hete, und haissen "<hi rend="it">bona adventicia</hi>".</p>

              <p>Dargegen und zu ainer Widerlegung der Eesteur gibt man Heuratgüter, das wirdet
                genennt "<hi
                  rend="it">antiferna</hi>" oder "<hi
                  rend="it">donacio propter
                  nupcias</hi>", das ist, das der Frawen zu ainer Widerlegung irer Eesteur von dem
                Man oder desselben Frundten geben wirdet, umb das sy ir Esteur dester sichrer habend
                und gewertig sein müg. Darumb ordnen, setzen und wollen wir: Wann nun hinfüro zu
                eelichen Sachen gegriffen und Abredung der Eestewr und Widerlegung halben gescheen
                wirdet, das die Eestewr, dergleichen die Donacion alwegen uf ain bestimbte Suma
                Gelts oder gewiße <pb n="126"/> Güter gestellt und lauter aigentlich durch offen
                Prief oder in unser Stat Gerichtsbüecher verschriben werden.</p>

              <p>Wo solche Solemnitet und Zir gebraucht und die Heu-ratsabred vergriffen und
                eingeschriben wirdet, so ordnen, setzen und wollen wir: Ob ain Man seine Güeter,
                alle und yde, in gemain oder besonder, auch mit Verwilligung seins Eegnossen
                verschrib, verpfendet oder ymants daruf bekennet, das doch in solcher Verpfendung
                und Verschreibung, wie die gescheen were, der Frawen Eesteur und Morgengab, soverr
                ir auch aine versprochen und verschriben were, auch ir zimblich Klaider und Klainot
                kainswegs sollen verpunden und verstrickt, sonder aller Ding frey, ledig und
                unbeschwert sein, unangesehen, ob sich die Fraw der "<hi
                  rend="it">Constitucion
                  Velleiani</hi>" bei geschwornem Aid verzigen hete. Dann solche Verzicht sol sy
                derhalben von der Eesteur Hab wegen nit pinden, sy hete sich dann der Gnaden und
                Freihait, die man "<hi rend="it">pro dote</hi>" nennt, mit begeben, das doch
                leichtlich nit sein sol.</p>

              <p> Wo auch der Man zu Armut wuechse, also das er nit zu bezalen hete, und seine
                Gläubiger uf ine drüngen, mit Gericht erlangt und ervolt, und umb Pfand einzegeen
                Erlaubnis hete, so sollt doch, es were der Man in- oder abwesenlich, der Frawen
                Eestewr, zimblich Klaider und Klainot, zu irem Leib gehörende, darzu ain gericht
                Pett, das sy under allen zu welen hat, und wo sy, die Fraw, eelich Kinder mit irem
                Man geboren hete, die "<hi
                  rend="it">donacion propter nupcias</hi>", das ist die
                Widerlegung, frey, ausgenomen und vor allen Schultherrn und Gläubigern volgen und
                unangetasst werden, wie dann hievor im ersten Tail under dem ailften Titel "Von der
                Execucion" under der Rubric <ref
                  target="#NA.1.11.3">"Wölche Hab und Güter in
                  rechtlicher Nachvolg erstlich sollen angetast werden"</ref> auch zum Tail Berürung
                und Meldung geschicht. Doch sollen nit alle Güter, die man den Kindern und jungen
                Eeleuten zur Zeit der Hochzeit gibt, Eesteur und "<hi
                  rend="it">donacion propter
                  nupcias</hi>", das ist die Widerlegung, geacht und genennt sein, sonder allain,
                die mit sonderlichen ausgedrückten Worten und mit solcher Solemnität und
                Beschaidenhait, so darzu gehört, zu Eestewr und Widerlegung benennt wirdet, als wann
                der Vater der Tochter, die er ausstewern wil, spricht: "Ich gib oder ich wil geben
                meiner Tochter hundert oder sovil Gulden zu Eesteuer oder zu Heuratgut etc." und
                dergleich Wort. Und der Vater des Sons sprech: "Ich wil meinem Sone sovil zu
                Widerlegung der Eesteur raichen und geben etc." Und wo ainer solche Wort und
                dergleichen Zir nit prauchte, und die Abred lauter beschriben oder genugsamlich
                durch Leut bewisen und bezeugt wurde, so hat es nit den Namen oder die Würcklichait
                der Eesteur, sonder sol geacht und für ain Heurat gehalten werden, doch [<hi rend="it">das</hi>] sy zway, Leib an Leib und Gut an Gut, one ainich Fürgeding
                ge-heurat haben, wie dann hernach auch Meldung darvon geschicht.</p>
              <p>Es mag auch ainer seinem Kind vil oder wenig zu Esteur oder zu Widerlegung geben,
                und was er im gibt, dieselben Suma alle, oder nur dero zum Tail "Eesteur oder
                Donacion" nennen.</p>

              <p>Wir lassen auch zu, das nit allain Vater und Muter oder die Negstgesipten irn
                Kindern oder Töchtern Eesteur geben, sondern auch der Man, der ain ersame
                Junckfrawen oder Frawen ime eelich vermehelt, die arm were, der mag er von seinen
                aigen Haben und Güetern Eestewr setzen und geben. Aber dieselb Eestewr, die er, der
                Man, der Frawen gibt, wo er, der Man zu Armut und Schulden keme, sol dermassen nit
                gefreit sein, das sy vor den Schultherrn und Gläubigern müg unbeschwert und
                unangetasst sein, sonder dieselb Eesteur sol under sy, die Frawen und di Gläubiger
                nach Anzal irer Schulden getailt und also daruf verholfen werden. Aber wo ir was für
                Morgengab und junkferliche Er verschriben und verwisen <pb n="127"/> were, das sol
                ir zuvoran unangetasst von allen Gläubigern sambt iren zimblichen Klaidern und
                Klainoten, auch ainem dem pessten gerichten Pet sicher und unbeschwert sein und
                bleiben.</p>
              <p>Wan auch nit Schulden vor der Hant wern, und sy, die Fraw one eelich lebendig
                Leibßerben mit dem Man, der ir solch Eestewr gesetzt hete, Tods verfiele, so sol
                dieselb Eesteur des Manns negstgesipten Erben wider hinder sich und haimfallen. Sol
                auch, wo der Eesteursetzer vor ir Tods abging und kain Kind mit ir geboren, lebend
                hinder ime verließe, solch Eesteur vergwisen, die nit verendern, sonder allain ir
                Leben lang den Nutz und Beisitz daran und darbey ze haben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.2">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 2:] Wo kain Eesteur gerett noch wirdet geben, wie es
                gehalten werden sol.</head>

              <p>Dieweil sich oft etliche Junge, die auch irer Jar gnugsam Alter haben, eelich
                zesamen verpflichten one ainiche heuratliche Abred, auch one oder mit Verwilligung
                irer Eltern oder Vormünderen, derhalben kain Eesteur noch Widerlegung derselben
                gerett, gegeben noch versprochen wirdet, und aber dennoch pillich, das das weiplich
                Geschlecht von wegen der Geberung der Kinder vor Augen und Eren gehalten und
                dermassen bewart werden, das inen durch ir unwürklich Einfälle das Ir behuet werde,
                ordnen und wollen wir: Wo dieselben, so also zu eelichem Wesen gegriffen haben, was
                von väter- oder müterlich oder ander irer Gefrundten in ab- oder ufsteigender oder
                von beiseiter Linien aigens und erblichs Gut heten, das an ainer gewisen Suma were,
                so sol dieselb erblich Hab ydem Egnos zum halben Tail als dem Weibspild für ir
                Esteur und dem Man für die "<hi
                  rend="it">donacion propter nupcias</hi>" gerechent
                und geacht sein, und die Freihait und dermassen Gstalt haben, wie hievor under der
                negsten vorgeenden Rubriken und Artikelen verleibt wirdet, doch das solchs inner
                ainem virtel Jars, dem negsten nach irem hochzeitlichem Kirchgang, uf ydes Egnos
                Seiten durch zwu ernhaft Manß- und glaubwirdig Person, sy seien inen mit Vormünder
                oder Fruntschaft verwont, vor unserm Statgericht mit iren Aiden erzeugt (was und
                wievil ir yde der Egnossen Person, oder ir ainer allain zuer Zeit irs hochzeitlichen
                Kirchgangs über ir Schulden, Kleidung und gemainem zimblichen Haußrat gehabt haben)
                und alßdann laut und alßdann solchs lauter und underschidlich in das Buech "<hi rend="it">Notabilium</hi>" nach gemainer Form begriffen und geschriben werde.</p>
              <p>[Heten aber bemelte Eeleut kain Aigengut, es weren sy bede oder ir ains, sonder
                noch Eltern in Leben, was ine dann dieselben zu Eesteur oder Widerlegung
                versprechen, das sol auch die Freihait der Eesteur oder Widerlegung ...]</p>
              <p>Heten aber bemelte Eeleut, sy bede oder ir ains, kain Aigengut, sonder noch Eltern
                oder Frundt, darvon sy was zu gewarten verhoffte, so wollen wir zulassen und
                nachgeben und hiemit geordent und gesetzt haben: Wann derselben beder Eeleut, oder
                ir ains Eltern, vor und ehe sy eelich bey- und miteinander schlafen, inen ainich
                Eestewr oder Widergebung setzen und geben wollen, das dieselb Satzung und Gebung
                auch vollkommene Craft und Freihait der Eestewr oder Widerlegung haben soll, doch
                das solchs durch den Setzer offenlich bekennt und mit Schriften zu Gedechtnus
                vervasst werde, wie hievor laut. </p>
              <p>
                <pb
                  n="128"/> Wann sich aber zway eelich zesamen verpflichten und kain Eesteur zuer
                Zeit ires hochzeitlichen Kirchgang und Beyschlafens haben und dennoch in der Zeit
                der bestendigen Ee was miteinander ererben, erobern, gewinnen oder ersparen, vom
                selben kan und sol kain Eestewr noch Widerlegung hinfüro mer gesetzt, sonder ain
                Heurat one Verding, als Leib an Leib und Gut an Gut, genennt und zu den Fellen auch
                in der bestendigen Ee gehalten werden alles wie hernachvolgt. Und wo der Man zu
                Schulden raichte, und dieselben seine Gläubiger auf ine drüngen und die Bezalung
                haben wollten, mag sich die Fraw kainer Eesteur noch kains Vortails an der "<hi rend="it">donacion propter nupcias</hi>" gebrauchen, sonder sol allain ire Klaider
                und Klainot, zimblich Geschmuck und Gepende sambt dem pessten gerichten Pett
                zuvoraus, das ir, unangetasst und frey, unbeschwert volgen sol, haben und nemen.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.3">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 3:] Wie man die Kinder ausstewern und dieselben mit
                Eesteur fürsehen sol.</head>
              <p>Pflichtig und schuldig sind die Eltern, ire Kinder mit höchstem und größtem Fleis
                zu bewaren, darmit die nit verfürt noch zu Laster gebracht werden. Dweil aber solchs
                durch den Weg des Sacraments der hailigen Ee (deß Orden Got der Almechtig ob allen
                anderen Orden hat aufgesetzt und selbst gewirdigt) zum allersichristen sein mag,
                ordnen, setzen, wollen und gebieten wir allen unsern Undertanen, die Kinder in irer
                Bewarung und Huet haben, das dieselben als die Eltern iren Kinden, wann sy ire Jare
                erraichen, gebürliche Eestewr setzen, geben und in eelichen Stand oder ander erlich
                bestett Wesen pringen, geben und verhelfen.</p>
              <p> Wern aber die Eltern solchs ze tun ungeflissen und unwillig, also das die Kind
                etwo verseumet oder an Heuraten gehindert wurden, so sollen und mügen deß oder
                derselben Kind ainer, zween oder drey der negstgesipten Frund uns als Oberhant
                ansuechen und eröffen, so wollen wir gebürlichs Einsehen haben und den Kinden nach
                Gstalt der Sachen und Person von iren väter- und müterlichen Gueteren, so weit sich
                dieselben erstrecken und sich erleiden wil, Eesteur setzen, zu eelichem oder anderm
                erlichen bestetten Wesen Stat und Hilf tun.</p>

              <p>Merk als obstet, das dieselben, als die Eltern iren Kindern, wann sy ire Jar
                erraichen, gebürliche Eestewr setzen, geben etc., ist auf die Kind zu versteen, die
                gewachsen und auszestewrn alt gnug, auch iren Eltern gevolgig, erlich und frumb
                sind. Wo sich aber ain Sone under dreissig Jaren dergleichen ain Tochter under
                vierundzwaintzig Jaren ausserhalb Wissen irer Eltern oder uns unersucht durch sein
                Fruntschaft verheurat, auch ain Tochter, die sich unzüchtigs Wesens geflissen, irer
                Junkfrauschaft entsatzt were, und dennoch zu der Ee gegriffen hete, die alle solle,
                obemelt unser Gesetz und Ordnung zu erfordern oder an seinen Eltern Eesteur oder
                Ausgab zu erlangen, kain Hilf tun, sonder sy sollen deß unentpfenklich ze fordern
                nit erhörlich und die Eltern nit verpflicht sein, inen ainiche Eesteur oder
                Ausschatz ze geben, es were dann, das sich der Person aine mit ainem erberen und
                reicherm, dann es were, und mit Vergünstigen desselben Fruntschaft, Eltern oder
                Vormünder eelich verpflicht und solchs nit durch ain Winkelee erlangt hete. Doch mag
                auch solchs die Tochter, die irer Junkfrauschaft entsetzt worden were, nit
                fürtragen, ob sy sich auch gleichwol mit ainem erberem und reicherm vertraut hete.
                Wo es aber zu Fellen kumbt, und die Eltern <pb n="129"/> Tods abgeen one sonder
                Gescheft, so sollen nichtzt dester minder die andern ire Geschwistergeit und
                Miterben ir eingenomen Zuschetze zu Vergleichung der verlassen Erbschaft einwerfen.
                Ire Eltern sollen und mügen sy auch derhalben in iren Gescheften nit enterben,
                sondern sy sind pflichtig, sy erblichen zu fürsehen, oder zum wenigsten ire Legitima
                oder natürliche Erbschaft volgen ze lassen, es were dann, das sy die anderer
                Verhandlung halben verworcht heten, wie hernach von Begabungen und Testamenten am
                End gemeld wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.4">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 4:] Wie und wann die Geschwisterd Eesteur oder
                Widerlegung geben sollen.</head>

              <p>Wan die Eltern vor Aussteuerung der Kinder Tods verfallen, und die Kinder noch in
                unvertailter Hab bey- und miteinander sitzen oder weren, und sich derselben Kinder
                ains mit Wissen und Verwilligen seiner Vormünd oder negstgesipten Frunden eelich
                verheurat, so mag dasselb, verheurat, von seinen Mitgeschwisterden "<hi
                  rend="it">dotem</hi>" oder "<hi rend="it">donacionem propter nupcias</hi>" erfordern und
                seinen angebürenden Tail zu ime nemen, ob das seinen Geschwisterden schon nit lieb
                und gleichwol wider were. Wo aber das sich also Verheurat ain Winckelee und
                ausserhalb seiner Fruntschaft oder Vormünder Wissen und Vergünstigen ain Kupelee
                gemacht und angenomen und pößlich angeworden hete, sol es in solchem, wie es mit der
                Eesteur und solchem seinem Gut gehalten werden sol, bey verrerer unser Erkanntnus
                nach Gstalt der Sachen steen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.5">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 5:] Wie und in was Zeit die Eesteur oder Widerlegung
                sollen bezalt werden.</head>
              <p>Wann ain Eesteur oder "<hi rend="it">donacion propter nupcias</hi>" gesetzt und
                versprochen wirdet, die sol durch den Setzer oder Versprecher gnugsamlich vergwisst
                und nachvolgends zum lengsten in Jar und Tag bezalt werden. Ob auch solche Eesteur
                oder Donacion dem Man oder der Frawen.</p>
              <p> Ob auch solche Eesteur oder "<hi rend="it">donacion propter nupcias</hi>" dem Man
                oder der Frawen, wo die an Güeteren, die nit zu verpflichten oder zu verpfenden
                weren, wurden gegeben und inen die rechtlich abgewonnen oder abbehalten, , so mügen
                bede Egnos, oder ydes in sonder, an des andern Gwalt zu denjenen, die inen solch
                Eesteur oder Donacion gesetzt und versprochen haben, wol clagen und andere in
                vorgemelter Suma erfolgen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.6">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 6:] Wo ymants Kinder in ainen Orden bestetten oder
                tun wolt.</head>

              <p>Wollten aber Eeleut, die noch bede leben, oder ir ains nach des andern verfallen
                Tod und Abgang ains oder mer ir Kinder in Closter oder ander Orden bestetten und
                fürsehen, das sollen sy ze tun Macht haben, doch das sy mit denselben Kindern vor
                dem Eingang und Eintrit in das Closter Vertrag und Pact machen und dermassen zimlich
                mit ainer varenden Hab oder ierlichem Leibting nach Vermög ains yeden Narung
                fürsehen und aussteuren, das sy, dieselben Kinder, so den Orden annemen wolten, zu
                irer Eltern Hab und Gut, so sy nach Tod verlassen möchten, darzu aller An- und
                Zufelle, die denselben Kinden oder dem Orden <pb n="130"/> zusteen möchten, bis auf
                den virdten Grad inclusive, kain Nachfrag, Erbfal, Ansprach noch Vordrung, weder
                inner- noch ausserhalb Rechtens haben sollen, wollen noch mügen, das sich auch
                dieselben Kind dermassen also gnugsamlich vor uns, wie sy dann des zu yder Zeit
                Underrichtung entpfachen werden, verzeichen und begeben, das sich auch derselb Orden
                oder das Closter, darein die Kind getan werden, solcher künftiger Anfall auch begebe
                und gnugsamlich unter irem Sigillen verzeichen.</p>
              <p>Wo aber anderer Massen mit den Kinden, in die Orden zu bestetten, gehandelt würde,
                sol ir Handlung nach Inhalt und Vermüg diser unsrer Satzung gar kain Craft noch
                Bestant haben, und sollen die, so hiewider handelen, in unser sweren Straf und
                Verlierung, den vierdten Tail aller irer Hab und Gut unser Stat Zinsstuben
                unablessig zu bezalen, steen.</p>

              <p>In solcher Massen sol es auch mit den Vormünden, di Kinder in irer Verwaltung
                heten, gehalten werden. Wo aber Kinder, die in die Orden kemen one Wissen und
                Verwilligen irer Eltern, Vormünder oder Gefrundten, denen sol und mag ir Vater noch
                die Eltern in irem Leben nichts geben, und die mit Testament als ire ungehorsame und
                ungevolgige Kinder zum Tail in der Erbschaft ausschliessen, also, das demselben Kind
                nit mer dann der halb Legitima oder "<hi rend="it">porcio de iure natura</hi>" —
                was und wievil das sey, wirdet hernach "Von den Testamenten und Begabungen"
                angezaigt, — volgen und werden sol, soverr und wo des abgangen Vater oder Muter
                Frund in den virdten Grad inclusive vor Augen weren.</p>
              <p>Wo aber diejenen, so ire Kinder in die Orden bestett, nit Erben oder Verwanten
                heten bis uf den virdten Grad inclusive, die unsrer Stat an- und zugehörig weren, so
                sollen alßdann dieselb verlassen Hab denselben Kinden oder dem Orden vor andern
                Erben fallen und werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.1.7">
              <head>[WindsheimRef. III 1 Rubrik 7:] Wie die Heuratsabred gemert, gewenigert oder
                geendert werden mög.</head>

              <p>Wir wollen auch hiemit aus redlichen Ursachen zulassen, das all Hewratsabred, in
                denselben sey von ainicher Erbschaft gemeldet oder nit, auch von Widerfellen und
                allen andern Inhaltungen, in Leben beder Eeleut ainiche Enderung, Merung oder
                Minderung umb Got oder Er willen, iren Frundten, Guevateren wol gescheen müg, doch
                das solchs vor uns in Gericht oder Rate fürgenomen werde, es were dann, das ain
                Egnos dem andern durch ainichen letzten Willen was beschaiden wolt, doch das solche
                Beschaidung und Gab dem fünften Artikel in nachvolgendem dritten Titl dieß dritten
                Tails under der <ref target="#NA.3.3.5">Rubric</ref> "Erbschaft der Eeleut, die one
                ainich Fürgeding miteinander geheurat haben", nit wider, sonder desselben Inhalts
                der Person und Heurats halb gemes sey.</p>

              <p>Zudem wollen wir auch hiemit ordenlich gemaint haben, das all Eeberedung und
                Heuratsnotelen, die sich obemelter, auch nachbestimbter Beneficien, Gnaden und
                Freiheiten der Eesteur und Widerlegung gebrauchen und geniessen wollen, in Beysein
                beder Parteien, negsten Fruntschaft oder, ob man dieselben nit haben möchte, der
                Vormund oder anderer ersamer Leut, zu dem minsten zwaier, und nit in Winkel- oder
                Cupelheusern gescheen, sy wurden dann hernach durch die Eltern oder andere Gefrundte
                nach Laut obgemelter Rubriken <ref target="#NA.3.1.2">Rubriken</ref> "Wo kain
                Eesteur gerett noch geben wirdet", wie es gehalten werden sol, under dem andern
                Artikel begriffen wirdet, geben und zugesagt. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.2">
            <head>[WindsheimRef. III 2 Titel:] Der ander Titl des dritten Tails: Von Niessung der
              Eeleut Hab und Bezalung der Schulden.</head>
            <div xml:id="WHR3.2.1">
              <head>[WindsheimRef. III 2 Rubrik 1:] Wie die Eeleut, die mit Geding der Eesteur und
                Widerlegung zesamen geheurat haben, ir Hab niessen und die Schulden bezalen
                sollen.</head>
              <p>Wann sich zwu Personen mit ainichem Fürgeding der Eestewer und Widerlegung eelich
                zesamen verpflichten, so sollen sy bede ir ydes Hab und Gut, so sy gleichwol, über
                die bede ir Eesteur und Widerlegung haben, hinfüro miteinander gewinnen, ersparen,
                erwerben und erobern, mitsambt der Eesteur und Widerlegung zu irer und der iren
                gemainen Haußhaltung und Notturft miteinander gebrauchen, nutzen und niessen, doch
                unbegeben ir ydes Aigenschaft seins zuprachten Guts und sol zu Fellen, wie die
                heuratlich Ab-red in sich beschleusst, gehalten werden. Wann aber die Heuratsabred
                nit alle lauter ausgedrückt were vom gewonnen oder ersparten Gut, so soll ydes Egnos
                an derselben Überbezalung der Schulden den Halbtail daran haben.</p>

              <p>Sollen auch alle Schulden, die sy in bestendiger Ee miteinander machen, von der
                Übertewrung irer Eesteur und Donacion oder Widerlegung bezalen. Wo aber dieselb
                Übertewrung nit langen, noch zu Bezalung gnugsam sein würde, und der Eeman zu Armut
                gewachsen were, so sol der Frawen ir Eestewr, darzu Klaidung und Gepend, zu irm Leib
                gehörig, (das zimblich und nit gar überflüssig, also das es zu achten sey, weren,
                nit mit Geverd und zu Nachtail der Gläubiger gemacht) sambt ainem gerichten und dem
                pessten Pett, zuvor anwerden, volgen und nachvolgends die Gläubiger von der
                Widerlegung und anderer Überteurung entricht und bezalt werden, doch hierinnen
                nemblich ausgedingt, wo die Eeleut miteinander eeleubliche und vor Augen
                wesendeKinder heten, so sol die Widerlegung, das ist die "<hi rend="it">donacion
                  propter nupcias</hi>" under die Frawen und die Gläubiger getailt werden also, das
                ydem nach Anzal seiner Suma am Abbruch oder Zugang gedeiche.</p>
              <p>Wann aber die Eeleut offenlichen gemainen Handel als Wirtschaft und Kramschaft mit
                einander pflegen ze treiben also, das sy teglich zu offen Cram, Laden und Markt
                sessen, miteinander kauften und verkauften oder Gastung hielten als [dann
                gemainklich die Gwantschneider, Kremer, Wirt und dergleichen] offen teglich Handler
                und Handlerin, so sollen sy bede Eeleut, von iren Haben und Guetern zu Bezalung irer
                beder oder ir ains gemachter Schulden verpflicht sein, und hiewider sol ir kains
                kain vor- noch nachgeend Rubric noch Artikel nit freien, fürtragen noch schirmen,
                sonder wider solchs alls aufgehaben sein. Doch sollen der Frawen ir zimblich
                Klaidung und ain gericht Pett zum pessten, auch irer messigen Klainot, zu irm Leib
                gehörende, ausgenomen, und das der Frawen Eestewer, bis kain ander Gut mer vor der
                Hant ist, frey sey.</p>
              <p>
                <pb n="132"/> Wir wollen auch die Frawen nach dem Gesetz der gemainen geschriben
                Recht hiemit auch begünstigt und menigklich wissenhaft gemacht haben: Wann sich
                begebe, das zway Eeleut (sy haben mit oder one Geding eelich zesamen geheurat) zu
                Armut wüchsen und all ir Hab und Gut an die Schuld geben und doch nit gnugsame
                Bezalung getan heten also, das noch etliche Gläubiger nit vergnügt weren, und inen
                stünde noch an iren Schulden was aussen, und der Man ginge Tods abe, und
                nachvolgends stünde der Frawen, von väter- oder müterlicher oder ander Geschwister
                Fruntschaft, oder andern durch Testament, Begabung oder ander Weiß ain Erbfal oder
                Hab zu, so sol die Fraw dieselben Schuld, so ir Haußwirt mit ir, und ob sy gleichwol
                mit im Handel gewesen ist, gemacht hat, von derselben irer hernach zugefallen Hab
                nit schuldig sein, ainiche Bezalung ze tun, ob sy gleichwol derselben Schuld nit
                schuldig were und überwisen wurde. Die Fraw kan und mag auch one Wissen und
                Vergünstigen . . . </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.2.2">
              <head>[WindsheimRef. III 2 Rubrik 2:] Der Man sol seinem Egnossen weder ir Eesteur
                noch ander ir Anfell nit vertun.</head>

              <p>Wir wollen auch hiemit sonder ernstlich gesetzt, geordent und geboten haben, das
                kain Eeman seiner eelichen Hausfrawen ir Gut, es sey Eesteur oder ander ir
                zugebracht Gut, vil oder wenig, in den Luder- und Spilheusern weder mit Spil,
                Prassen noch ander unnutzer Handlung nit verzeren noch vertun sol. Wo sich aber ain
                solcher unnutzer Eman hinfüro erfünde, der sol verpflicht, verbunden und schuldig
                sein, seiner Hausfrawen umb ir Eesteur, auch ander ir zubracht Gut zu versichern und
                zu verweisen mit Bürgen oder Underpfanden, darmit sy wisse, des Iren sicher ze sein.
                Und sy, die Fraw, oder ire Gefreundte sollen uns das, wo ain solcher unnutzer
                Vertuer were, [sollen] uns solchs anzaigen, [<hi rend="it">dann</hi>] wollen wir
                gebürlich Einsehen haben, ine mit Tro und Verpenung von seinem unnutzen Vertun ze
                pringen. Wo er sich aber von seiner ungeschickten Weis nit ziehen lassen wollte und
                würde unsrer Warnung, Tro und Verpenung verachtlich sein, so wollen wir ine mit der
                Straf des Türens oder andern, wie uns geliebt und wir übereinkomen, recht tun und
                züchtig, unspielerisch noch luderisch ze leben lernen.</p>
              <p>Dweil dann solch Emenner, wo sy von irer Hausfrau umb Rechttun beclagt werden,
                dieselben ire Hausfrauen heftigklich strafen und gegen inen greulich erweisen, das
                sy hinfüro der Clag müssen ledig und absteen, wann wir solchs erkundigen, daruf wir
                dann allen Fleis haben, so wollen wir denselben Eeman mit vilfeltigerer, swerer
                Straf, dann vor anziechen; und sich mocht ainer so greulich erzaigen, wir würden ine
                an dem Leib, oder wie wir sunst ze Rat werden, strafen.</p>

              <p>Doch sol ainem yden fromen, züchtigen Eeman, der nach Eren und Gut strebt und webt,
                unbenomen sein, volkomene Verwaltung und freie Niessung seins Ehegemachels Hab
                dergstalt, das solchs unsern Ordnungen und Statrechten nit zewider raiche, [<hi rend="it">haben</hi>].</p>

              <p>Die Eefraw sol, kan noch mag auch one sonder Wissen und Vergünstigen irs Haußwirts
                nichts hingeben noch zusagen. Wo aber solchs darüber geschee, so sol es doch weder
                Craft, Fürgang noch Macht haben, es were dann die Ursach so <pb n="133"/> redlich,
                das wir solchs mit unserer rechtlichen Erkanntnus zuliessen, oder das sy solchs
                incraft ains Testaments von iren Gueteren tete durch irer Sel Hail oder ander
                redlichen Ursachen willen, wie dann hernach von den Begabungen und Testamenten
                klerlichen anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.2.3">
              <head>[WindsheimRef. III 2 Rubrik 3:] Wie die Eeleut, die one Geding der Esteur und
                Widerlegung zesamen geheurat haben, ir Hab niessen und die Schulden bezalen
                sollen.</head>

              <p>Wann sich zwu Personen one ainich benennt Eesteur, Widerlegung und Geding, als Leib
                an Leib und Gut an Gut, wie hievor in disem Tail under dem ersten Titel under der
                Rubric <ref target="#NA.3.1.2">"Wu kain Eesteur gerett noch geben wirdet etc."</ref>
                under derselben und sonderlich dem letzten Artikel vergriffen ist, eelich zesamen
                verpflichten, so sollen sy all ir Hab und Gut, die sy zesamen pringen, miteinander
                ererben, ersparen und gewinnen oder sunsten getlich erlangen, zu Erziehung irer
                Kind, soverr sy die heten, auch irer und der Ihren Haußhaltung miteinander niessen
                und gebrauchen, und kain Egnos vor dem andern kain besonder Aigenschaft noch
                Vortail, dann allain ydes Klaider, Kleinot, Harnasch, Wer, Geschmück und Gebend zu
                ir ydes Leib gehörig, daran haben.</p>

              <p>Sollen auch all ir beder oder ains gemachter Schulden, die in bestendiger Ee
                gemacht wirdet, miteinander bezalen und an solchen Gueteren kainen Vortail haben
                dann allain, wie hievor im aylften Titel des ersten [<hi
                  rend="it">Tails</hi>] under
                der <ref
                  target="#NA.1.11.3">Rubric</ref> "Ordnung wölche Hab und Güter in
                rechtlicher Nachvolg etc." berürt wirdet; und hierin kan die Fraw kain Eesteur noch
                  "<hi rend="it">donacion propter nupcias</hi>" fürtragen, dann da ist kaine geben
                noch gesetzt.</p>

              <p>Was aber alßdann über Bezalung irer beder oder ains Schulden übrigs und bevor
                pleibt, so ist dieselb Hab ydes Egnossen, halbe oder mer, wie dann hernach im
                dritten Titel des dritten Tails <ref
                  target="#NA.3.3.6">"Von Erbschaften der Heurat
                  one Verding"</ref> anzaigt wirdet; mag auch in Zeit seins Leben, am Todbett oder
                sunst darmit als seinem aigen Gut handelen, tun und lassen seins Nutz und Gefallens,
                unverhindert des in Leben bleibenden Egnos, seiner Erben und menigklichs, es were
                dann hierinnen geverd ain Winkel- oder Cupelee beschlossen, das ain Arms ain Reichs
                hete verfürt und mit Listigkait hinder-komen; [<hi
                  rend="it">dann</hi>] sol es
                gehalten werden, wie hernach im dritten Titel dies Tails <ref target="#NA.3.3.8">"Von der Erbschaft der Eeleut, die one Geding zesamen geheurat haben"</ref>,
                underm 4 Artikel lauterer anzaigt wirdet.</p>
              <p>Wann sich auch begebe, das der Man vor der Frawen Tods abging und ir beder Hab und
                Gut zu Bezalung irer Schulden nit raichen, und doch der Frawen und Witben hernach
                ainicher Erbfal zustünde, darvon ist sy des Tods verfallen Mans Schulden nit
                pflichtig zu bezalen, wie dann der letzt Artikel hievor in disem Titel under dem
                Titel, "Wie die Eeleut, die mit Geding der Esteur und Widerlegung zesamen heurat
                haben etc." auch klerlicher außweist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.2.4">
              <head>[WindsheimRef. III 2 Rubrik 4:] Von Niessung der Gueter, die den Kinden
                ausserthalb zufallen.</head>

              <p>Zum oftermal erzaigt sich, das den Kinden ainich Fal von iren Anherrn, Anfrawen
                oder andern Gefrundten erblich zu- und anfallen, beyweilen aus natürlicher <pb n="134"/> Erbschaft, beyweilen aus Testamenten oder andern Begabungen. Dweil dann
                den Kindern, so noch in Gwalt und Verwaltung irs Vaters steen, nit getreuere
                Vormünder oder Trewhender aus gewondlicher Pluts- und natürlicher Verwantnus mügen
                ersetzt werden, dann derselb ir Vater oder die Muter (dweil sy, die Muter noch in
                unverrücktem Witbenstul sitzt), so wollen und ordnen wir aus guten Ursachen, das der
                Vater, dergleichen auch die Muter der Kind, den was erblich durch natürlich Erbfall,
                Testament oder begabungsweiß zugefallen were, dieselben zugefallen Hab, alßlang und
                vil und nachbemelt Artikel verrer in inen becleren, sollen und mügen innenhaben, den
                Besitz daran haben und den Nutz davon entpfachen, doch mit der Underschid, das sy
                dieselben Hab und Güter, sy seien varend oder ligend, lauter und aigentlich in ain
                unsern geschworen Statschreiber oder seinen Substituten lassen vergreifen in Beysein
                der Kinder, zwaier Negstgefrundten, darvon solcher Val herkumbt, und dann zwair
                unser von dem Rat als Gezeugen und Wissenträger der Handlung und ierlich darvon
                Bete, Steur und andere Auflag one der Kind Costen und Schaden entrichten, die
                Schulden darvon nach unsrer Erkanntnus bezalen und am Aigentumb kainen Abpruch noch
                Schmelerung tun.</p>
              <p>Und solcher Gebrauch, Beysitz und Niessung sol bey dem Vater des Kinds, dem solcher
                Val zugestanden were, unverhindert menigklichs bleiben und nit aufgehört werden,
                solang und vil, bis die Kind ausgesteurt werden, uß des Vaters Handen und Gwalt
                kemen und in aigner Haußhaltung sind, irs aignen Guts geleben müssen, es were dann,
                das der Vater der- oder desselben Kinds Gut mißbrauchen, mindern, oder sunst ains
                ungeschickten Wesens halten würde, daraus dem oder den Kindern irs Guts Nachteil und
                Abpruch entsten möchte.</p>

              <p>Wo aber der Vater vergangen und mit Tod abgefallen und das Kind in der Muter Pfleg
                were, so sol die Muter als lang und vil, dweil sy unverendert in witbelichem Stul
                sitzt und sich erlich helt, den Gebrauch, Nutzung und Beysitz bey solchem des oder
                der Kinder Zufal haben, doch in obgemelter Maß, wie der erst Artikel under diser
                Rubric in sich beschliessen tut. Wo sich aber die Muter verendert und in die
                nachgeende Ee tut, so sol sy dem- oder denselben Kinden umb Vormund piten, dieselb
                vor angefallen sambt der väterlichen Hab, wie hernach <ref target="#NA.3.3">"Von den
                  Erbschaften der Eeleut"</ref> lauter under sondern Artikelen bemeld wirdet,
                zustellen und ir Nutzung auch aufhören.</p>
              <p>Fielen aber den Kindern Güeter an, die durch den teglichen Gebrauch geergert
                mochten werden, als varende Hab, die mügen die Eltern auch wol gebrauchen und
                niessen, sollen aber dieselben, wann ir Nutzung und Gebrauch aufhört, sovil an
                derselben Hab ersetzen, als die gebraucht Hab geergert oder geringert worden ist,
                ungeverlich. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.3">
            <head>[WindsheimRef. III 3 Titel:] Der dritt Titl des dritten Tails: Von Erbschaft der
              Eeleut, ains vom andern.</head>
            <div xml:id="NA.3.3.1">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 1:] Wie es mit der Eeleut Erbschaft, die mit Geding
                zesamen geheurat haben und kain Kind miteinander verlassen, gehalten werden
                sol.</head>
              <p>
                <pb
                  n="135"/> Wann sich zwu Personen mit Wissen irer Eltern, Gefrundten, oder in
                der Pfleg sy gestanden sein, eelich zesamen verpflichten, die "<hi
                  rend="it">dotem</hi>" und "<hi rend="it">donacionem propter nupcias</hi>", das ist Eestewer
                und Widerlegung, aneinander verschreiben nach Laut vorbemelter unserer Satzung, und
                also ain sonder Fürgeding, wie es mit Fellen, Gegen- und Widerfellen nach ir ains
                oder ir beder Tod gehalten werden sol, verschreiben und getroffen haben, dem sol, sy
                haben eeleublich Erben und Kind miteinander oder nit, nachgegangen werden und
                ent-lich bey demselben pleiben. Wo aber derhalben kain lautere, gnugsame und
                außgedrückte Maynung begriffen were, so sol es, sy haben bey- und miteinander
                eeleubliche Erben und Kinder zur Zeit des ainen Abgangs verlassen, gehalten werden,
                wie hernachvolgt:</p>

              <p>Erstlich, wo der Egnossen ainß, wölchs das were, vor dem andern Tods verfellt one
                eelich, lebendig Leibßerben in absteigender Linien miteinander geboren, die mit
                Eestewer, Widerlegung und dergleichen erlichem Geding zesamen geheurat haben, auch
                was in der Zeit der bestendigen Ee miteinander ererbt, ererbert, gewonnen oder
                erspart, und heten kain Gescheft, Beschid noch letzten Willen hinder ime verlassen,
                so sol nach Bezalung ir beder Schulden, soverr die vor Augen weren, auch was auf den
                Leibfal und ander dergleichen Dingen gangen ist, dieselb Eestewr, "<hi
                  rend="it">dos</hi>" genennt, oder die Widerlegung "<hi rend="it">donacio propter
                  nupcias</hi>" dem in Leben bleibenden Egnos sambt allem dem, das es das
                lebenbleibend in bestendiger Ee ererbt, durch Testament oder ander Weiß erlebt hete,
                auch seiner Klaider, Klainot, Ros, Harnasch, Wör, Geschmück und Gepend, zu seinem
                Leib gehörig, und seinen Erben in Ewigzeit für und für, unverhindert und ungeirrt
                des Abgestorben Erben und menigklichs, innenbleiben und mit derselben als seinem
                aigen Gut seins Nutz und Gefallens handelen.</p>

              <p>Aber dasjen, das das abgestorben von seinen Frundten oder Eltern ererbt, durch
                Testament oder ander Weis an sich gebracht hete, daran und von dem allen sol das
                Aigentumb seinen negsten verlassen Erben bis in den virdten Grad einschließlich,
                auch von demjenen, was sy, die Eeleut, in bestendiger Ee miteinander erspart,
                erkargt oder gewonnen heten, der dritt Tail haimfallen, doch mit der Underschid, das
                das in Leben blei-bend Egnos sein Leben lang den Gebrauch, Nutzung und Genies darvon
                hab. Dasselb lebenbleibend Egnos sol auch dieselben Hab und Güter, so hinder sich
                fallen, mit derselben Hab erben, wissen und darzu Verkundung in unserer zwaier aus
                dem Rate Beysein durch unsern geschwornen Statschreiber oder seinen Substituten
                lassen inventiren, dieselben angefallen der Erben Hab und Güter nit verfendelen,
                anwerden noch ergern, sondern in gutem, rechtem, redlichen und wesenlichem Baw haben
                und halten, die mit Dachung, Swellung, Ofen, Gleser, Stubenfenstern, Slossen und
                dasjen, so zu teglichem Gebrauch gehört, fürsehen und nach zimblich Notturft
                bewaren. Wann aber Farnus darunder were, darmit sol es auch nach Laut des virten
                Artikels under dem andern Titl diß dritten Tails bey der Rubric <ref target="#NA.3.2.4">"Von Niessung der Güter, die den Kinden ausserthalben
                  zufallen"</ref> gehalten werden.</p>

              <p> Wolt sich aber das in lebenbleibend Egnos mit seines Tods verfallen Egnossen Erben
                verainigen und vertragen, das sol zu ir beder Willen steen, doch das solchs
                aigenlich beschriben, darumben quittirt und kain Anforderung mer von des abgangen
                Erben darumben fürgewendt, noch ainicher nachgeender Zank daraus erwachsen werde.
                Wann dann über solchen Vertrag ainiche Vordrung geschee, so sol dieselb gantz
                craftlos sein und kain Würkung mer haben, es were dann, das <pb n="136"/> solchs in
                dem Vertrag mit nemlichen außgedrückten Worten vorbehalten worden were.</p>

              <p>Wern aber des abgegangen Erben an der Darlegung des Beschreiben und Inventirens deß
                Abgegangen verlassen Güter nit genügig und vermainten, des Abgegangen sol mer Güter,
                dann anzaigt worden, sein, in der bestendigen Ee ausserhalben der Eesteur oder der
                Widerlegung etc. ererbt, durch Testament oder ander Weis an sich gebracht und erlebt
                haben, das sol inen zu beweisen zugelassen oder aufgelegt. Wo sy aber nichts
                beweisen wolten noch mochten, so sol dem, in deß Verwaltung die Hab ist, auf
                Ansuechen und Begeren des abgestorben Erben ain Aid vor oder nach dem Inventiren
                  "<hi rend="it">mutatis mutandis</hi>" aufgelegt und der Inhaber der Güter, und dem
                der Aid also aufgelegt ist, wo ime deß sein Widerpartey nit erlassen wil, auf
                frischem Fueß ze schweren angehalten werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.2">

              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 2:] Forma des Aids, er gesche vor oder nach dem
                Inventiren, "<hi rend="it">mutatis mutandis</hi>".</head>
              <p>"Ich schwer mit Warhait meiner Sel zu Got und den Hailigen, das ich alle und yde
                Hab und Güter, klain und gros, nichts ausgenommen, es sey ligends oder varends, das
                mein Egemahel seliger verlassen und ausserhalb seins gegeben und mir vermachten
                Heuratguts zupracht hat, er hab das von seinen Eltern oder Frundten ererbt, durch
                Testament, Begabung oder ander Weiß erlangt und an sich gebracht sambt dem, das wir
                miteinander gewonnen, erspart und erobert haben, getreulich wil anzaigen und
                inventiren lassen und darinnen gar nichts hinderhalten noch verschweigen. Und ob ich
                hinfüro noch etwas bedechte oder erfunde, das in das vermelt Inventarium gehörte,
                das wil ich auch alles getreulich und ungeverlich, wie ich dann Got dem Almechtigen
                am Jüngsten Gericht darumben Antwort geben muß, anzaigen, also helf mir Got und all
                Hailigen."</p>
              <p>Wann sich dann das im Leben bleibend Egnos in die ander oder nachgeend Ee wolt und
                würde begeben, so mag es seinem Gemahel der andern Ee oder der dritten und
                nachgeenden nach den Kinden, die es in derselben Ee gewinnen würde, am Aigentumbs
                seines vorderen abgegangen Gemahels verlaßner Hab ausserhalb deß, so ime nach Laut
                diser Rubric under dem andern Artikel gebürt, nichts machen noch geben dann den
                Besitz, Nutz und Gnies darvon sein Leben lang. Und wann alßdann doßselb Egnos, so
                den Besitz hinzugebracht hat, auch abgangen, so ist dise sein zuprachte Hab, von dem
                vordern Egnos herrürende, desselben vor abegegangen Egnossen Erben ledig worden und
                haimgefallen, es mügen auch die, so die ingehebt und gebraucht, kain Recht noch
                Vordrung mer darnach haben.</p>
              <p> Und der Inhaber und Nutzungentpfacher der Güter des Besitzes, "<hi
                  rend="it">usufructuarius</hi>" zu Latein genennt, sol dieselben Güter in gutem, rechtem,
                redlichen, wesenlichen Baw und dermassen halten, wie der dritt Artikel under diser
                Rubric außweist. Wo aber der Nutzentpfacher und Beysitzhalter solche Güter nit
                dermassen wie vorlaut hielte, sonder durch sein Schuld, Unfleis und Versaumbnus zu
                Schaden kemen oder nemen, denselben Schaden sol er zu bekeren und ze widerlegen
                schuldig sein in der Summa, wie die Güter derselben Zeit, als er die angenomen hat,
                und die an ine gefallen sein, werd gewesen sein, und sol darüber, ob die Güter
                derselben Zeit der Entpfencknus des Schadens höher Werts geacht weren, nit gedrungen
                werden zu höherer Erstattung <hi rend="it">et e converso etc.</hi>
              </p>
              <p> Wo aber das abgegangen Egnos weder in ab-, ufsteigender noch beseiter <pb
                  n="137"/> Linien zur Zeit seins tödlichen Fals bis in den vierdten Grad einschließlich
                kainen Gefrundten noch Erben hete, so [<hi
                  rend="it">soll</hi>] solche, desselben
                abgestorben Egnossen alle und yde verlassene Hab und Gut dem in Leben bleibenden
                Egnos one menigklichs Verhindern und Einsprechen innenbleiben, volgen und werden;
                darumben [<hi rend="it">soll er</hi>] kainen Inventarium ze machen noch andres ze
                tun nit schuldig noch pflichtig sein, sondern dasselb als sein erblich Aigengut
                nutzen und gebrauchen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.3">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 3:] Wie es mit der Eeleut und irer Kind Erbschaft,
                die mit Geding zesamen geheurat und Kind miteinander verlassen haben, gehalten
                werden sol, erstlich uf Abgang des Weibs.</head>

              <p>Heten aber die Eeleut eeliche leipliche Kinder oder derselben Erben in absteigender
                Linie, und ginge das Weib vor dem Man an ainich Gescheft und Beschid Tods abe, so
                mag der Man in aller des Weibs verlaßner Hab und Gut, es sey Eesteur, Widerlegung,
                auch was sy, bede Eeleut mitler Zeit in bestendiger Ee miteinander ererbt, erobert,
                erspart und gewonnen heten, stillsitzen ungeteilt und den Genies darvon mit
                Erziehung und Hinbringung der Kinder haben, er verender und verrük seinen Witbestul
                oder nit, doch also, das den Kinden oder iren Erben das Ai-gentumb der Eesteur und
                ander müterlichen zugebrachten, auch irer gewonen Hab vorbehalten [<hi rend="it">und</hi>] in ainen Inventarium in Beysein der Kind, zwair negsten Frund, auch
                unser zwaier des Rats durch unsern Statschreiber oder seinen Substituten vergriffen
                were; und wann der Kind, ains oder mer, mündig werden und ir Jar erraichen, von
                derselben irer Hab nach Erkenntnus seiner und der Kind zwaier negsten Frund in
                eelichen Stand oder gaistlich Wesen aussteure und verhelfe, wie dann hievor in
                diesem tritten Tail under dem ersten Titel und under der Rubriken, "Wie man die
                Kinder aussteuren und die mit Esteur fürsehen sol", klerlichen anzaigt wirdet.</p>
              <p>Und wann der Man zu der andern Ee greifen wolte, ist sich zu fürsehen und
                vermutlich, er werde in derselben andern oder nachgenden Ee mer Kinder erlangen und
                geberen; darmit aber den Kinden in der ersten und vorigen Ee irs müterlichen Guts
                kain Abbruch und zu den Kindern in der andern Ee kome, so ordnen und wollen wir, das
                derselb Man, vorhin und ehe er in die andern Ee greift, denselben seinen Kinden der
                ersten Ee ir müterliche Hab und Gut oder sovil Werts durch offen Prief, Instrument
                oder unsrer Stat Vormundbuch angewisen Stücken oder mit Bürgen vergwiß und verweise,
                doch ime die Nutzung und den Beisitz sein Leben lang darvon ze haben
                unvergriffenlich. Wo sich aber der Man, solch Verweisung und Vergwisung uf Anrufen
                der Kinder Gefrundten, (die dann solchs alwegen, wann es also zu solchen Fellen
                kumbt, tun und bey uns sich derhalben anzaigen sollen) nit tun wolte und würde sich
                des widern, der sol denselben seinen Kinden irs müterlichen Guts abtreten und seiner
                Nutzung und Beisitz darvon zu Peen verfallen und nichts weniger verpflicht sein,
                dieselben seine Kinder von seiner aigen Hab, bis sy mündigs Alter erraichen, zu
                erneren mit Klaidung und anderer zimblichen Wart und Notturft fürsehen.</p>

              <p>Wir wollen auch, wann der Man sein Hausfrawen überlebt und Kinder in bestendiger Ee
                mit ir geboren und sy, die Fraw, die nach Tod hinder ir verlassen hat, das <pb
                  n="138"/> der Vater nit allain Nutzung und Niessung oder den Beysitz und <hi rend="it">usufructum</hi> der oberürten seiner Kinder Güter hab, sonder, soverr er
                ain erlich, redlich und achtbar Man ist und die Kinder unmündbar sind, das er solch
                der Kinder Erbfal, von der Muter herrürend, bey Handen in seinem Gwalt und
                Verwaltung hab, unangesehen, das die Güter aufgeschriben worden sind, wie
                negstebemelter Artikel anzaigt. Er sol auch nit schuldig sein, denselben seinen
                Kinden kain Rechnung ze geben, dweil die Güter von ime und der Muter herrürend; ist
                auch nit not, das denselben Kinden ainicher Vormund gesetzt werde. Aber umb andere
                Güter, die den Kinden ausserthalb zufielen, were er, wo er die in Verwaltung hat,
                Rechnung ze geben schuldig, wann die an ine erfordert würde. Und wu er zu Armut
                raichen würde, mag er dieselben seiner Kinder Güter mit unserm Verwilligen und
                unserer Erkanntnus zu Erhaltung seins Leibs und purß Hungers Not angreifen. Aber
                ausserhalb unserer Erkanntnus sol er das ze tun nit Macht haben.</p>
              <p>Zu dem allen wollen wir alle, dweil die Kinder noch unmündbar, oder sunst zu Got
                oder der Welt nit fürsehen noch ausgesteurt sind, das der Vater nit allain aus
                väterlicher Lieb und Treu, sonder auch nach Ordnung der cristenlichen Kirchen seine
                Kinder bey ime behalten, erziehen, ernern, zu Gotsforcht, Zucht, Tugent, Er und
                Kunst fürdern und dieselben seine Kind, solchs zu erlangen, ernstlich ab- und
                anhalten sol, soverr und weit sein Vermügen erstreckt, ob gleichwol die Kinder aigne
                Güter haben oder nit. Und ob sich der Vater Verwaltung und Niessung der Güter wolt
                entschlahen (deß er dann ze tun Macht und andern als getreuen Vormunden zu bevelchen
                Macht haben sol), so sol und mag er sich doch aus Craft diser unser Satzung
                Erziehung seiner Kind, bis sy zu Got und der Welt ausgesteurt sind, nit wegern noch
                sperren, sonder er sol sich beweisen, wie ainem getrewen Vater wol anstet.</p>

              <p>Hete aber die abgestorben Fraw hievor auch ain Ee gehalten und in derselben Ee ains
                oder mer Kind verlassen, so sollen dieselben ersten und dann die nachgeenden Kind in
                der andern oder dritten Ee das müterlich Gut gleich erben als "menig Mund, als menig
                Pfund", und denselben Kinden in der vorigen Ee ist ir väterlich Gut vorbehalten
                worden, konden mit den nachgeenden iren Geschwistergeiten am väterlichen Hab nichts
                erben, es were dann Ainkintschaft gemacht, darvon hienach bey End dieß Titels in der
                letzten <ref target="#NA.3.3.9">Rubric</ref> Meldung geschieht.</p>

              <p>Dweil dann den Kinden, so aus den Eltern entspringen, ir gebürlich Tail von der
                müterlichen Hab vergwist, ist not, Fürsehung ze tun in dem Erbtail und den Gütern,
                so dem Man zestet. Darumben ordnen und wollen wir, das derselb des Manns
                angebürender Erb-fal sambt andern Gut, so er hernach durch andere seine Frundt und
                Gönner möcht erleben und erblich oder begabungsweiß an ine komen oder sunst
                überkeme, erspart oder gewönne, sein frey Aigengut heissen und sein sol, darmit ze
                handelen, ze schaffen, ze tun und ze lassen nach seiner Notturft und seinen
                Gefallen, doch mit der Underscheidung, das er dasselb sein Gut, er tu sich in die
                ander Ee oder nit, mit Vergebung in Testamenten oder andern Begabungen verrer nit
                vergebe oder vermache, er laß dann denselben seinen Kinden, (soverr sy sich nit
                ungebürlich, dadurch er sy enterben mocht, wie hernach beym End von den Begabungen
                und Testamenten anzaigt ist, halten), ire Legitima frey bevor, wie dann hernach im
                virdten Tail des ersten Titels under der Rubric <pb n="139"/>
                <ref target="#NA.4.1.8">"Vorbehaltung der rechten natürlichen Erben, ire Legitima,
                  und was dieselb sey"</ref>, verrer und klerlicher anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.4">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 4:] Wie es mit der Eleut und irer Kind Erbschaft,
                die mit Geding zesamen geheurat und Kind miteinander verlassen haben, gehalten
                werden sol auf Abgang des Mans.</head>

              <p>Stürb aber der Man vor der Frawen, so sollen den Kinden, so hinderlassen sind, uf
                Ansuechen des Abgestorben Fruntschaft Vormünder geben werden und, soverr und dweil
                die Fraw also in unverrücktem Witbestul sitzt, sol sy alle ir zubrachte, auch des
                Manns alle verlaßne Hab und Gut als ain Mitvormünderin mit Wissen obgemelter Vormund
                inhaben, gebrauchen, sy und ire Kind darmit und darvon zu Gotßforcht, Kunst, Zucht,
                Tugenden und Er erziehen, auch darvon, wann sich das erfordere, wie hievor <ref
                  target="#NA.3.1.3">"Vom Aussteuern der Kinder"</ref> auch Anregung geschehen ist,
                mit der Vormund Wissen und Verwilligen in gaistlichen oder weltlichen Orden und
                Stand bestetten und one der Vormund Wissen und Verwilligen kain ligend noch varende
                Hab, die in gutem, redlichen Wert were (was aber solche varende Hab ist, wirdet
                hievor im dritten Titel des andern Tails under der Rubric <ref target="#NA.2.3.16">"Vom Verkaufen der, so noch nit 25 Jar erraicht haben"</ref>, am vierten Artikel
                bemeldet) nit verkaufen, verrücken, verendern noch anwerden. Wern aber di Güter auf
                Absterben des Vaters nit so gros und namhaft, das die Kinder daraus erzogen mochten
                werden, sol dennoch die Muter dieselben ire Kinder, bis sy zu iren Tagen komen, nit
                von ir treiben, wie dann dem Vater hievor inder negstvorgenden Rubric am virten
                Artikel auch aufgelegt ist. Wo aber die Notturft erhiesche ain Angrif der
                väterlichen Gueter, das sol dieselb Fraw an uns lassen langen. Alßdann wollen wir ir
                mit Wissen der Vormünder, wie und was für ain Angrif der Güter gescheen soll,
                Beschid geben. Was aber ausser unsres Wissen angegriffen und verkauft wirdet, das
                sol kain Kraft noch Bestand haben.</p>
              <p>Wo sy sich aber verendern und in die ander Ee greifen, oder aber sonsten bey den
                Kindern nit lenger bleiben wolt, so sol sy ir Eestewr, auch Klaider und Klainot, zu
                iren Leib gehörig, zuvoraus nemen und hinach alle Hab und Gut, klains und groß,
                nichts ausgenomen, es seyen ir oder irs Haußwirts angefallen Erbfall, gewonnes oder
                ersparts Gut, die ir Haußwirt, der Kinder Vater, verlassen hat, mit denselben Kinden
                in Beisein, auch mit Wissen und Verwilligen der Vormünder gleich abtailen, ydem als
                vil werden als dem andern, nemlich "als menig Mund, als menig Pfund". Wern aber die
                Kinder, ains oder mer, noch unmündig und unausgesteurt, dieselben Kind sol sy solang
                und vil, bis sy auch mündig und irs Guts mechtig wern, nit mer Vormünder bedorfen
                noch haben wollen, wie negst vorberürter Artikel bey End in sich helt, erziehen,
                darzu den Beysitz bey deß oder derselben Kind angefallen Erbtail, solang und dweil
                sy die erzeucht und bey ir hat, haben und dieselben irs Nutzs, doch unverendert und
                ungeergert des Aigentumbs gebrauchen; sol auch dieselben Erbfal und Gueter, wie
                hievor vom Vater auch bemelt ist, lassen inventiren in gegen der Kinder Vormund und
                zwaier unser des Rats darzu, die mit Bürgen oder angewisen Stücken verweisen, darmit
                denselben Kinden an dem Aigentumb nichts werde entzogen und sol in aller Massen
                gehalten werden, wann sy die Verweisung nit tun wolte, wie hievor under der
                negstvor-geenden Rubric des andern Artikels verleibt wirdet.</p>
              <p>
                <pb
                  n="140"/> Wan aber dieselben ire Kind in der vordern Ee mündig werden und zu
                eelichem Wesen greifen, sol sy, die Muter, denselben Kindern ir zugetailt und
                angefallen Erb und Hab überantworten, zustellen und der gentzlichen abtreten, auch
                die, dweil sy die in Nutzung, Genies und Gebrauch hat, mit gutem, wesenlichem Paw
                und dermassen halten, wie der <ref target="#NA.3.8.1">acht Artikel diß dritten
                  Titels under der ersten Rubric</ref> innenhelt.</p>
              <p>Hete aber der abgestorben Man hievor auch ain Ee gehalten und in derselben Ee ains
                oder mer Kinder verlassen, so sollen dieselben ersten, und dann die ytzigen)
                nachgeenden Kind in der andern oder dritten Ee das väterliche Gut gleich miteinander
                erben "als menig Mund, als menig Pfund", und denselben Kinden in der vorigen Ee ist
                ir müterlich Gut vorbehalten worden, darumben konnden sy mit den nachgeenden iren
                Geschwistergeiten an müterlicher Hab nichts erben, es were dann durch Ainkintschaft
                gemacht, darvon hienach bey End diß Titels in der letzten Rubric Meldung
                geschicht.</p>

              <p>Dweil dann den Kinden, so aus den Eltern entspringen, ir gebürlicher Tail von der
                väterlichen Hab vergwist, ist not, Fürsehung ze tun in dem Erbtail und in den
                Güteren, so der Frawen zustet; darumben ordnen und wollen wir, das derselben, der
                Frawen angebürender Erbfal sambt andern Gut, so sy hernach durch andere ire Frund
                und Gönner möcht erleben und erblich oder begabungsweiß an sy kommen oder sunsten
                erspart oder gewönne, ir frey lauter Aigengut heissen und sein sol, darmit ze
                handelen, ze tun, ze schaffen und ze lassen nach irer Notturft, Nutzs und Gefallen,
                doch mit der Underschid, das sy dasselb ir Gut, sy tu sich in die andern Ee oder
                nit, mit Vergebung in Testamenten, letzten Begabung[ung]en oder ander Weiß anderßt
                nit halte, begab noch vergebe, sy laß dann denselben iren Kindern (soverr sy sich
                nit ungebürlich, dardurch sy dieselben enterben möcht, wie hernach im virten Tail
                des ersten Artikels bey End anzaigt wirdet, gehalten heten) ire Legitima frey bevor,
                wie dann hernach im bemelten virdten Tail und ersten Titel under der <ref target="#NA.4.1.8">Rubric</ref> "Vorbehaltung der rechten natürlichen Erben, ire
                Legitima, und was dieselb sey" verrer und klerlicher anzaigt wirdet, es were dann
                Sach, das sy sich, vor und ehe sy zur andern oder nachgeenden Ee griffen hete, mit
                irer Kind Vormünder veraint oder derhalben vertragen hete. Wo aber die Kind über
                achtzehen Jar weren, so möchten sy solchen Vertrag durch sich selbst beschliessen
                und kreftig machen.</p>
              <p>Wann sich aber die Muter mit denselben Kinden in der vordern Ee irer Legitima
                halben nit vertruege oder vertragen mocht, und doch mit den Kinden nach Laut diser
                Rubriken ersten Titels, wann ir was erblich in der Zeit der ersten bestendigen Ee
                von iren Frundten oder Begünstigern zugefallen were, mit des Vaters Gut abgetailt
                hete, so sol zum letzten, wann es zu Fellen kumbt, den letzten Kinden in der
                nachgeenden Ee der müterlichen Erbschaft halben von der ersten Abtailung wegen, das
                sy mit den Kindern in der ersten oder vordern Ee ir angefalne Erbschaft abgetailt
                hat, ain Erstattung gescheen, als vil als der ersten Kinder ainem von desselben
                müterlichen Guts geworden ist.</p>

              <p> Wern aber der Kind, ains oder mer, oder ire Vormünder an der vermainten Abtailung
                nit genügig, sonder vermainten, noch was vor der Hant ze sein, das in gleiche
                Tailung gehörte, das sol gehört und ine derhalben ainiche Beweisung, wo sy die
                fueren wollten oder mochten, zugelassen werden. Wollten oder möchten sy aber nichts
                Beweisung und begerten, an die Muter oder diejenen, in der <pb
                  n="141"/> Verwaltung
                die Hab were, den Aid rechter Tailung ze tun, so sol solcher Aid der Muter der oder
                denselben Personen, die die Güter in Verwaltung innengehabt oder noch heten,
                aufgelegt werden ze schweren, und mügen sich solchen Aid uf Anhalten und Begeren des
                Widertails underzelassen durch kainer Sachen willen beschirmen noch denselben
                wegern, und laut derselb Aid, wie hernachvolgt, er geschee vor oder nach der
                Tai-lung <hi rend="it">mutatis mutandis</hi>. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.5">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 5:] Forma des Aids rechter Tailung.</head>

              <p>"Ich swer zu Got und den Hailigen mit Warheit meiner Sele, das ich alle und yde
                ligende und varende Hab und Gut, es sey Hewser, Ecker, Wisen, Weingarten, Hofraite,
                Schuld, Parschaft, Silbergschirr, Haußrat, Klaider, Klainot, Pettgwand, gar nichts
                ausgenommen, das in gemaine Tailung gehört, getrülichen fürgebracht und anzaigt,
                darinnen mit Wissen noch Willen, weder klains noch groß, gar nichts ausgenomen,
                hinderhalten noch verschwigen hab, auch ander Personen, solchs ze tun, ze
                hinderhalten, zu verschweigen, zu verstossen, noch abzetragen nit gehaissen,
                angericht noch gestatt [<hi rend="it">hab</hi>]. Und ob ich etwas noch mer erfunde
                oder bedechte, das auch ze tailen sich gebürte, wil ich hinfüro auch melden und
                schaffen, das solchs getailt werde und darinnen gar und gantz kain Geverd noch
                Betrieglichait gebrauchen; hab das auch nit gebraucht, als war mir Got der
                Almechtig, dem ich derhalben am Jüngsten Gericht Antwort geben muß, helfe und all
                Hailigen." </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR3.3.6">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 6:] Wie es mit der Erbschaft der Eleut und irer
                Kind, die one ainich Fürgeding zesamen geheurat haben, gehalten werden sol.</head>
              <p>Wo sich zway eelich zesamen verheuraten one ainich sonder Fürgeding der Eesteur
                oder Widerlegung, sonder Leib an Leib und Gut an Gut, und kain Vermechdnus noch
                sonders Geding in bestendiger Ee aufgericht noch gemacht heten, und der ains one
                eelich leiplich Erben in absteigender Linie Tods verging und leiplich eelich Vater
                oder Muter oder dergleichen Anherrn oder Anfrawen, oder aber eeliche und leipliche
                Geschwistergeit, von Vater und Muter verstametlich, oder in ainem in Sonderhait,
                oder dergleichen Geschwisterd Kind hinder ime verliesse, so solt dem- oder
                denselben, und nemblich dem negsten aus inen, erblich werden und gefallen der
                Halbtail des Aigentumbs aller verlassener Hab, sovil und der über Bezalung der
                Schulden, Leibfal, und was ungeverlich daruf gangen ist, übrigs bleibt, doch mit
                Underschid derselben aufsteigenden oder Seitenerben, wie die Titel, Rubriken und
                Artikel im vierdten Tail ditz Puchs darvon melden.</p>
              <p>Und sol das lebenbleibend Egnos bey solchem halben Tail, so auf des Abgestorben
                Fruntschaft gefallen ist, sein Leben lang den Beysitz, Nutzung und Niessung
                unverhindert daran haben, doch mit der Underschid, das es mit gehalten werde, wie
                die erst Rubric in disem Titel, der dritt, virt, fünft, sechst, sibend und acht
                Artikel in sich beschliessen.</p>
              <p>Het aber das abgegangen [<hi
                  rend="it">Egnos</hi>] uf Zeit seins Abgangs solcher
                vorbestimbter Erben nit, sonder ander Erben, ime verrer verwant, und hete auch
                kainen Beschid, Vermechdnus noch letzten Willen hinder sein verlassen, so sollen dem
                in Leben bleibenden Egnos die zwen Drittel aller verlaßner Hab frey werden, und der
                  <pb n="142"/> übrig dritt Tail des abgestorbnen negsten Erben, so es hinder ime
                verlesst bis in den virdten Grad einschließlich, doch das das in Leben bleibend sein
                Leben lang den Beysitz, Nutzung und Gebrauch darvon hab, auch halte, wie
                negstbemelter Artikel verrer weist.</p>
              <p> Doch solle diß obemelt zween Artikel diß Gesetzs die Eeleut, wo ains das ander
                durch ain Winkel- oder Kupelee erworben und sich under seinem gebürlichen Alter als
                der Sone under 30, die Tochter under 25 Jaren one Wissen und Willen seiner
                leiplichen und eelichen Vater und Muters, Anherrn, Anfrawen oder ander seiner
                Fruntschaft und Vormünder, in der Versorg und Pfleg es gestanden were, verheurat
                hete, nit helfen noch fürtragen, sondern wir wollen dieselben Winkel-, Kupel- oder
                Kirchbeiischen Ee und Person darmit gar nit gemaint und also gesetzt haben: Wölchs
                also von seinen Eltern oder andern was ererbt und an sich gebracht hete und Tods
                abginge, so sol dem, so danach in Leben were, von demselben seinem todßverfalnen
                Egnos ), soverr dasselb Egnos Erben hete, bis in den virdten Grad einschließlich
                nichts erblich werden, sonder denselben seinen Erben bis in den virdten Grad, den
                negsten aus inen, wider hinder sich- und haimfallen. Hete es, das todsverfallen
                Egnos aber so nahend Erben bis in den virdten Grad nit, so sol dieselb des
                todsverfallen Egnos Hab zum Halbtail den negsten Erben bis in den achten Grad
                einschließlich, und der ander Halbtail dem lebenbleibenden Egnos volgen und werden,
                es were dann Sach, das solche todßverfalne Person seinem bleibenden Egnos durch
                besonder Geschick seins Testament und letzten Willens mit der Solemnitet und Zir,
                als nach disen unsern Statrechten darzu gehört, was verordent und beschiden
                hete.</p>
              <p>Und das, so also durch ain Winkel-, <ref
                  target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Kuppelehe">Cupel-</ref>
                oder <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Kirchweihehe">Kirchweyee</ref> erworben were, sol und
                mag seinem Egnossen in seinem Leben durch kain Vermechdnus oder Gab zwischen den
                Lebentigen kain Aigentumb noch Beisitz (nach sein, des Erwerbers Absterben) seiner
                Hab und Güter nit geben, sonder, wo solche Gab fürgenommen und außgericht, auch
                confirmirt oder insinuirt wurde, so sol dieselb in alweg tot, craftlos und von
                Unwirden sein.</p>
              <p>Were aber die Ee mit Wissen und Nachgeben irer Eltern gescheen, so hieß und wer es
                kain Winkelee, wi dann nachvolgender Artikel verlaut, und das todsverfallen Egnos
                kainen Erben weder in ab-, aufsteigender noch beseiter Linien zur Zeit seins
                todlichen Fals bis in den virdten Grad einschließlich hete, so sol es gehalten
                werden, wie der letzt Artikel der ersten Rubriken in disem dritten Titel außweist.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.7">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 7:] Was ain Winkelee sey.</head>

              <p>Zur lauterer Ausführung und Verstands der Wörter "Winkel-, Cupel- oder Kirchbeyee"
                ist zu wissen: Wann sich ain Person zu der andern tut, die mit Schmaichelworten
                ausserhalb Wissen, Begünstigen und Verwilligen der Eltern dahin pringt, das sy ain
                Ee mit ime beschliesst, und solchs den Eltern wider und nit lieb ist, demnach alle
                diejenen, die ander Personen durch ir selbs oder ander Cupler Schmaichelworten also
                bereden und den Eltern ire Kinder oder Gefrundte entpfueren und ausserhalb derselben
                Wissen, Willen und Vergünstigen beelichen, die sollen ain Winkelee, und nit ain
                redliche, aufrichtige Ee, darvor obemelter Artikel verlaut, miteinander besitzen,
                kainer Erbschaft vehig, die Eltern denselben Personen weder Eesteur noch "<hi
                  rend="it">donacion propter nupcias</hi>", noch anderst nichts ze <pb
                  n="143"/>
                geben, noch ze helfen schuldig sein, wie dann hievor under dem ersten Titel diß
                dritten Tails under der <ref target="#NA.3.1.3">Rubric</ref> "Wie man die Kinder
                austeuren und dieselben mit Eesteur fürsehen sol" under dem dritten Artikel
                clerlicher verleibt ist.</p>
              <p>Wo aber des Kinds, das zu der Winkelee verfürt soll werden, sein Eltern oder, wo es
                dieselben nit hete, negst Gefrundte oder Vormund zu desselben Kirchen und Hochzeit
                mitgingen, die Hochzeit hülfen vollenden, oder in ainem Jar, dem negsten, die nach
                dem Hochzeit- und Kirchgang in die Ee verwilligten, das gnugsamlich zu beweisen
                were, das sol für kain Winkelee verstanden, sonder als ain aufrichtige, mit der
                Eltern Willen beschloßne Ee gehalten werden; und als vorstet, Eltern, oder, wo es
                die nit hete, Negstgefrundte oder Vormund zu desselben Hochzeit und Kirchen
                mitgingen, sol also verstanden werden: Wann di Eltern, wo di vor Augen weren, zur
                Zeit des Beschluß der Ee und noch lebten und in solche Ee willigten, wann aber die
                zwu Eepersonen ainen Pact machten, sy wollten nit zu Kirchen geen, bis die Eltern
                absterben, nachvolgends wollten sy es durch ander Gefrundt Verwilligung erlangen,
                das sol ain rechte, lautere Winklee bis in ir ains Tod geacht und gehalten werden
                wie oblaut. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.8">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 8:] Wie es mit der Eleut Kind Erbschaft, die one
                Geding zesamen geheurat, nichts gehebt und was miteinander gewonnen haben, gehalten
                werden sol.</head>

              <p>Verliesse das abgegangen Egnos, das zu seinem andern Mitgenossen one ainich Geding
                geheurat hat, eelich leiblich geborne Kinder, oder desselben Erben in absteigender
                Linien, ist es die Fraw, so sol der Man in aller verlaßner und vor Augen wesender
                Hab und Gut stillsitzen, die gerublich verwalten, innenhaben, die Kind ernern,
                erziehen, in gaistlichen oder weltlichen Stand bestetten, wie hievor in disem Tail
                under dem ersten Titel und under der <ref
                  target="#NA.3.1.3">Rubric</ref> "Wie man
                die Kinder aussteuren und die mit Eesteur versehen sol" klerlich anzaigt wirdet. Und
                sol den Kinden, ir sein vil oder wenig, den dritten Tail aller Güter, die sy also
                miteinander gewonnen haben, so uf Absterben seins Egemahels vorhanden gewest, für ir
                natürlich Gut vorweisen und in allem halten, wie die vorgend <ref target="#NA.3.3.4">Rubric</ref> "Wie es mit der Eeleut und Kind Erbschaft, die mit Geding zesamen
                geheurat und Kinder miteinander verlassen haben", gehalten werden sol erstlich auf
                Abgang des Weibs etc." mit iren nachvolgenden Artikelen klerlichen in sich
                beschliessen.</p>

              <p>Ginge aber der Man vor anzaigter seiner Hausfrawen abe und verließ mit ir
                eeleublich Erben und Kind oder derselben Kind eeleublich Erben in absteigender
                Linien, so sol und mag die Fraw in allen und yden verlassen Haben und Guetern, dweil
                sy in unverrücktem Witbestul sitzt, als ain Mitvormünderin sitzen und sol in aller
                Massen gehalten werden, wie die vorgeend <ref
                  target="#NA.3.3.4">Rubric</ref> aine
                also lautend, "Wie es mit der Eeleut und irer Kind Erbschaft, die mit Geding zesamen
                geheurat und Kinder miteinander verlassen haben, gehalten werden sol auf Abgang des
                Manns etc." klerlich mit iren nachvolgenden Artikelen in sich beschliesst,
                außgenomen das die Muter diß Vals kainen Voraus, sonder mit denselben gleich
                abtailen sol "als menig Mund, als menig Pfund". <pb n="144"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.3.9">
              <head>[WindsheimRef. III 3 Rubrik 9:] Von den Kindtschaften.</head>

              <p>Wann hinfüro bey uns Ainkintschaft gemacht wirdet, so sol dise Ordnung darinnen
                fürgenomen werden, erstlich: so under zwaien Eeleuten, di in bestendiger Ehe Kind
                miteinander erzeugt und geboren haben, ir ains, es sey Man oder Fraw, Tods abget und
                leipliche Kinder, die sy wie oblaut miteinander geboren haben, hinder ime verlesst,
                und sich das in Leben pleibend Egnos in die andern Ee begeben und Ainkintschaft
                machen wolte, so sollen alwegen die Negstgefrundten, zwen von des Abgegangen Stamen,
                denen dann di Vormundschaft ausserhalb des Vaters oder der Muter gebüret, oder, wann
                sich der Val begebe, der Kinder Erben [<hi rend="it">=Vormundherren?</hi>] sein
                möchten sambt zwayen von uns aus dem Rate, die alwegen ain Bürgermaister uf
                Ansuechen der Persone, die sich also in die andren Ee begeben wil, als gemainklich
                die Vormundherrn oder ander zwen und denselben Bevelch tun, ain emsig Einsehen ze
                haben, ob den Kinden der vorderen oder nachgeenden Ee zuzelassen sey oder nit.</p>
              <p>Dieselben zwen, so also von uns darzu geordent werden, sollen bey den Pflichten,
                darmit sy uns zum Rate verstrickt sein, wann sy ain Geverd darinne merkten oder
                erfunden also, und das solche Kintschaft den Kinden in der ersten Ee zu Nachtail
                reichen irs väterlichen oder müterlichen Guts, zu vorhin nit entlich entricht, oder
                durch ainen Voraus, wann es zu künftiger Erbschaft und Fellen keme oder ausgesteurt
                wurden, vergnügt und irs gebürenden väter- oder müterlichen Erbfals durch solch Bey-
                und Nebenweg würden enterbt, oder den Kinden in der nachgenden ain sondere Geverd
                dardurch erwüchse und nit beden Tailen durch Wacknus gleiche Hin- und Widerweltzung
                zu Gut und Gleichem komen möchte, so sollen sy in dieselben Kintschaft und
                Heuratsabred gar nichts willigen, die auch kainswegs zulassen, die wir auch hiermit
                gentzlich wollen abtun, das die in kainen Weg kain Craft haben, sonder dasjen, das
                also die Kintschaft machen wollte, solle denselben seinen Kinden irs väter- oder
                müterlichen Guts, wie dann hievor darvon geschriben und gemeldet ist, vergnügen oder
                abtreten.</p>
              <p>Wann aber die zwen, die also von uns, dem Rate, darzu geordent werden, würden
                erkennen und die Kintschaft für gleichmessig, also das sy kainem Tail vasst zu
                Nachtail, sondern wie oblaut durch gleiche Wacknus, Hin- und Widerfelle anzenemen,
                die Kinder der ersten Ee irs väter- oder müterlichen Guts durch ainen Voraus
                entricht wern, ansehen, sollen und mügen sy alßdann dieselben von unsern ains Rats
                wegen, darzu wir inen dann volkomen Bevelch und Gwalt geben und gegeben haben
                wollen, verwilligen und bekreftigen, solchs in Schriften, durch offen Heuratsbrive
                mit unserm anhangenden Sigill, oder zum wenigsten in unser Stat Notabilium lassen
                verfassen, beschreiben und aufrichten. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.4">
            <head>[WindsheimRef. III 4 Titel:] Der viert Titl des dritten Tails: Von Pfleg und
              Vormundschaften.</head>
            <div xml:id="NA.3.4.1">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 1:] Was Vormundschaft sey und von dem Namen der
                Vormünder.</head>
              <p>
                <pb n="145"/>Vormundschaft ist, wie <ref target="/o:repat.ciciv-inhalt#D.26.1.1">
                  <persName>Servius</persName>

                </ref> ausgelegt und geschriben hat, ain Macht und
                Gwalt über ain frey Mensch, den zu beschirmen, der von Jugent halb sich selbst nit
                beschirmen mag, mit Statrecht gegeben und nachgelassen. Vormünder aber sein, die
                solche Macht und Gwalt haben, darvon sy dann den Namen entpfachen, "<hi
                  rend="it">tutores</hi>", genennt "Beschirmer", und kumbt her von dem Wort "<hi
                  rend="it">editui</hi>", das sein die, di Hewser beschirmen, und ist drifach als <hi
                  rend="it">testamentaria</hi>, <hi rend="it">le-gitima</hi> und <hi rend="it">dativa</hi>. <hi
                  rend="it">Tutores testamentarii</hi> sind die Vormünd und
                Beschirmer, die den freien, natürlichen und jungen Kinden, <hi
                  rend="it">impuberes</hi> genennt, in ainem Testament und letzten Willen benennt und gesetzt
                werden, und dise Vormundschaft get vor den andern zwayen Vormundschaften. <hi
                  rend="it">Tutores legitimi</hi>, das sein di Vormund, die Negstgesipten und
                angeboren Frund des Geblüts. Und dise Vormünder werden angenomen [und] zu der
                Vormundschaft, wo die <hi
                  rend="it">Testamentaria</hi> gebricht. <hi rend="it">Tutores dativi</hi>, das sein die Vormund, die von uns, dem Rate als Oberhant,
                aus guten, redlichen, ansechlichen Ursachen gesetzt und gegeben werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR3.4.2">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 2:] Wer die negsten Vormünder sein.</head>

              <p>So ain Muter der Kinder, die sy mit irem eelichen Man erzeugt hat, Tods abget und
                dieselben Kinder hinder ir verlesst, so ist der Vater vor allen andern der Frawen
                Gefrundten seiner und seins abgegangen Gemahels verlaßner Kinder der negst Vormund
                und Beschirmer und nit not, mer Vormünder zu ime zu setzen. Dann es ist glaublich
                und natürlich, das den Kinden niemants getrewer sey dann ir Vater, und sol alßdann
                derselb Vater oder Vormund ungeverlich in zwayen Monaten, den negsten, wie oben
                gemelt ist in dem dritten Titl under der <ref target="#NA.3.3.3">Rubric</ref> "Wie
                es mit der Eeleut und irer Kind Erbschaft, die mit Geding zesamen geheurat und
                Kinder miteinander verlassen haben, gehalten werden sol, erstlich uf Abgang des
                Weibs" am ersten Artikel, vor den Vormundherrn erscheinen und in Beysein zwaier der
                Muter Negstgefrundten die verlassen Hab lassen inventiren oder in das Vormundbuch ze
                schreiben.</p>

              <p>Wo aber ain Man oder Hawßvater Tods abget und hinder ime eeliche Kinder mit seinem
                lebenbleibenden Egnossen verlesst, so sol und mag dieselb sein Hausfraw, der Kinder
                Muter, der Vormundschaft annemen, doch das sy sich zuvor verzeich der Rechtsatzung
                Velleiani, das sy sich auch nit wider in eelichen Stand woll tun. Wann sy das also
                tut, mag sy bey den Kinden sitzen, wie hievor under dem <ref target="#NA.3.3.1">dritten Titl</ref> "Von Erbschaft der Eeleut" auch gemeldet ist, und die
                Vormundschaft außüben, auch alles das tun, das di Vormund ze tun verpflicht sein mit
                ierlicher Darleg und Rechnung. Sy sol auch ir Hab den Kindern verpflichten und
                verpinden zu Versicherung der Kinder Hab. </p>

              <p>Wann sy aber bey den Kinden nit bleiben oder solch Vormunderschaft nit annemen
                wollte, so sollen sich die negstgesipten Frund, die dieselben Kinder erben möchten,
                uns angeben und angezeigt werden. Dieselben sollen alßdann, als nemlich nach dem
                Vater, wo die Muter solch Vormundschaft nit annemen, der Anherr, die Anfraw und
                ymerdar di Negstgesipten von väter- und müterlicher Linien, wo di geschickt und
                darzu tüglich sein, angenomen und solche Vormundschaft bevolchen werde. Und ain yde
                weltliche Person, wieferr die im Grad gesipt ist, sol albegen <pb n="146"/> der
                gaistlichen Person, ob die joch im Grad neher were, fürgesetzt und zugelassen
                werden. Dann es ist geschriben, das sich die Gaistlichen der weltlichen Hendel nit
                tailheftig machen sollen.</p>
              <p> Wo sich aber die Muter der Tutel und Vormundschaft underfangen und doch Willens
                hete, sich anderwait zu vermehelen, sol sy von Argwonigkait wegen, darmit sy der
                Kinder Güter nit schmeler und den in der nachgeenden Ee zuwende, von dem Ambt der
                Vormundschaft entlöst werden, und sy sol vor solcher anderwaiter irer Vermehelung
                ain Monat lang für uns komen, irn Kindern umb andere Vormünd ansuechen und piten. Wo
                sy aber solchs nit tete, sonder sich vor Beger der Kinder Vormundsatzung vermehelte,
                so sollen ir von derselben irer Kinder Hab, wo die ane Gescheft Tods verfielen,
                nichts werden noch zusteen, sonder zu Peen verfallen sein.</p>
              <p>Wo sich aber erschaint und funde, das ain Vormünder, er were Vater, Muter, Anherr
                oder ander zu solcher Vormundschaft durch Verschwendung oder ander Weg nit tüglich
                noch geschickt, so wollen wir denselben entsetzen und ander an deß oder derselben
                Statt vordern und ordnen, und die Entsetzten sollen purliche Abschid, Rechnung,
                Darlegung, auch Bezalung tun. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.3">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 3:] Wem, wer und wie man Vormünder setzen sol und
                mag.</head>

              <p>Es ist offenlich, unverborgen und vor Augen, das bey den Jungen geringer und
                schwacher Verstand, auch klaine Vernunft ist. Derhalben, wo [<hi
                  rend="it">wir</hi>]
                inen nit mit Beschirmern oder Versorgern zu Hilf komen, würden sy in kurtzer Zeit,
                ehe die Vernunft ir Gmüt ze laiten wüchse, das Ir anwerden, verfendelen und
                verhenken, das sy nit erzogen, oder, wo sy schon erzogen würden, in Armut wüchsen,
                daraus dann (dweil nach gut gehebten Tagen die üblen nachkomenden Tag wetun) menigs
                Laster gestift wirdet; demnach und solchem zu begegnen und fürnemlich der Schrift
                nach, die also sagt, es sey gemainem Nutz gar fürtreglich, das niemant das Sein
                pößlich verbrauch, ordnen und wollen wir, das ain yder Vater seinen eelichen und
                natürlichen Kinden, nemlich den Knaben, so under 14 und den Medlin, die under zwelf
                Jar sein, oder die gebrechenhaft und sinnlos weren, in seinem Testament oder letzten
                Willen sol und mag <hi
                  rend="it">Tutores</hi> oder <hi
                  rend="it">Curatores</hi>
                setzen und ordnen, und sonderlich diejenen, den solchs von Geblüt und Rechts wegen
                gebürt wie hievor negstgende <ref target="#NA.3.4.2">Rubric</ref> zu erkennen geit.
                Und wann der Vater daruf Tods abginge, so hat di Muter nit Macht, dieselben Vormund,
                so durch den Vater gesetzt sind, von der Vormundschaft abzetreiben oder abzerufen.
                Sy hat auch nit Macht, wo der Vater den Kinden nit Vormund gesetzt het, das sy
                dieselben bevormund, sonder sy sol, das solchs von uns getan und erkennt werde,
                begeren und piten; doch wann di Kind nit bevormund weren, und sy, die Muter auch
                Tods verfiele, mag sy denselben iren Kinden in irem Testament und letzten Willen,
                soverr sy ains erlichen Wesens und glaubhaft ist, auch wol Vormünder ordnen und
                setzen.</p>

              <p>Und die, so also durch Vater oder Muter zu Vormünden geordent und gesetzt sind,
                soverr sy dann solchs den testirenden Personen zugesagt haben, die sollen vor
                menigklich zu solcher Vormundschaft gelassen werden, sich derselben auch annemen und
                beladen, dero kainswegs widersetzen, sy haben dann recht gegründet Ursachen, wie
                nachgeende <ref
                  target="#NA.3.4.4">Rubriken</ref> inhelt "Uß was Ursachen sich
                ymants der Vormundschaft ledigen mag etc." Wo sy aber, wiewol sy benennt und gesetzt
                weren, nichts zugesagt haben und daruf die Vormundschaft nit annemen, <pb n="147"/>
                sonder sich derselben entschlahen wollten, das sol zu unsrer Erkanntnus steen, ob sy
                dero pillich entladen werden, oder die annemen sollten. Und wo sy solcher
                Vormundschaft entladen würden von uns aus Ursachen, wollen wir den Kinden andere, so
                aus der Fruntschaft tugenlich und geschickt vorhanden sind, so aber dero kainer
                tugenlich noch geschickt vor Augen were, mit anderen unsern Verwonten fürsehen.</p>

              <p>Were aber Sach, das die Eltern ire unmüntbare Kind in iren letzten Willen nit mit
                Vormünden fürsehen heten, so sollen nach Absterben des Vaters oder Anherrens der
                Kinder die Muter oder die Anfraw oder, ob die nit weren, die negsten Sipfrund, so
                anderst etlich ainer oder mer vorhanden und in unser Stat seßhaft weren, in ainem
                Monat, dem negsten nach der Eltern Absterben uns oder den Vormundherren anzaigen,
                und, soverr die Muter oder die Anfraw der Vormundschaft und Verwaltung begert, ist
                sy dann ains erlichen Wesens und nach unserm Ansehen tugenlich, so sollen und wollen
                wir ir sambt ainem oder zwayen der negsten Frund vom Vater, ob wir die gehaben mügen
                und in unser Stat sein, wo aber die nit in unser Stat weren, ainen andern
                tugenlichen zu ir, der Muter oder der Anfrawen ordnen und setzen, wie dann hievor in
                  <ref target="#NA.3.3">drittem Titel diß Tails</ref> "Von Erbschaft der Eeleut"
                auch bemelt ist. Wolt di Muter oder Anfraw aber die Vormundschaft nit an-nemen,
                sonder sich derselben entschlahen, wie sy dann wol tun mügen, oder das sy nit für
                tugenlich angesehen würden, so wollen wir under den negsten Sipfrunden, die wir in
                unserer Stat und Obrigkait gehaben mügen, ainen, zween, mer oder weniger, wie uns
                für not ansieht und geschickt bedunken, und die one grossen Costen gehabt mügen
                werden, darzu ordnen und erwelen, inen die Vormundschaft bevelchen.</p>
              <p>Und dieselben, die wir also darzu ordnen uß den gesipten Frunden, konden und mügen
                sich derselben Bürde und Vormundschaft nit wegern noch widern, sy heten dann
                sonderliche Ursach, die auch hernach under ainer sondern Rubriken verlaibt sein, die
                auch dennoch bey unser Erkenntnus steen sollen. Dann zu solcher Bürden und Annemung
                der Vormundschaft pindet sy menschliche Vernunft und natürliche Pillichait, dieweil
                sy von denselben Personen natürlich Erbfell verhoffen mügen. Doch sol sich ir kainer
                solcher Vormundschaft ausserhalb Wissen und Verordnung der Vormundherrn aigens
                Fürnemens und Gwalts underziehen.</p>

              <p>Wo aber der Pupillen Gesipten in unsern Oberkaiten nit vergriffen und seßhaft
                weren, wollen wir ander, zween oder mer, die uns für tugenlich und geschickt
                ansehen, darzu verordnen, die Pfleg und Vormundschaft zu verwalten bevelchen; und
                die also von uns geordent und gesetzt werden, wollen wir hiemit denselben bey
                unserer ernstlichen Straf geboten haben, das sy dieselben Pfleg und Vormundschaft
                als ain gemaine Bürd an sich nemen, dieselben verwalten und treulich pflegen, wie sy
                dann ire Kinden zu gescheen gern heten. Dann das ist ain Ampt und ain Bürde, die da
                gemain und offenlich, auch dem gemainen Nutz fürtreglich und gut ist. Was dann
                gemain und offenlich ist, darvon mag sich niemant ledigen. Dann es stet geschriben,
                das die menschlich Geselschaft dem Dürftigen sol zu Hilf komen. Doch wo ainer oder
                mer rechtmessig Ursach heten, die wir erkennen mochten und zum Tail hernach under
                der <ref target="#NA.3.4.5">Rubric</ref> "Uß was Ursachen sich ymants der
                Vormundschaft entschlahen und ledigen mag" vergriffen sein, die sollen nit gezwungen
                werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.4">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 4:] Wer, wann und wie man den Vormundsfal bey uns
                anzaigen sol.</head>
              <p>
                <pb n="148"/> In negstbemelter Rubric am dritten Artikel ist bemeld, wann der Vater
                oder Anherr der jungen Kinder Tods verfiele, soll die Muter oder Anfraw solchen
                Todsfal, und das die Kinder bevormund werden, bey uns anzaigen oder, wo die nit vor
                der Hand weren, die negsten Sipfrund in ainem Monat, dem negsten nach dem Leibfal.
                Begebe sich aber, das weder die Muter, Anfraw noch Sipfrund vorhanden, oder weren
                vorhanden und heten doch den Fal nit anzaigt, die darumb Straf entpfahen sollen, wie
                negstbemelter Artikel in sich begreift, ordnen, setzen und gebieten wir, das die
                negsten Nachbern verpflicht und schuldig sein sollen, dieser Kinder Notturft und
                irer Eltern Absterben das zum schirsten an uns ze bringen, darmit wir dieselben
                fürsehen mügen. Dann die statlichen Beywonung, Siten und Pflicht erfordern, das der
                armen, unfürsehenlichen Waisen nit vergessen werde.</p>
              <p>Würde aber ain Muter oder, wo die nit were, die negsten Sipfrund seumig und zaigten
                uns denselben Todsfal, der der nachgelassenen Kinder mit Vormündern sol ersetzt
                werden, nit an, dieselben sollen aller Erbschaft, die sy von denselben Kinden
                gewarten heten mügen, zu Peen verfallen sein, wo dieselben Kinder ane Gescheft
                abgingen. Saumpten sich aber die Nachberen, die nit gefrundt sein und zaigten uns
                solchen Fal nit one, die sollen darumben als Verechter unsrer Satzung in unserer
                Straf steen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.5">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 5:] Uß was Ursachen und in was Zeit sich ainer der
                Vormundschaft ledigen und entschlachen mag.</head>
              <p>Alle diejenen, die under zwaintzig oder über sibenzig Jar alt, auch die mit
                gemainer unser Stat schweren Ambten beladen sein, auch diejenen, die hievor zwu
                Vormundschaft in Bevelch hat, der er kainer entledigt ist, auch diejenen, die krank,
                unvermüglich, pettriß und legerhaftig weren, die sollen zu kainer Vormundschaft
                gedrungen werden; auch ainer, der mit der Kinder Eltern in schwerer Veintschaft oder
                merklichem Unwillen gestanden und darumben vor irem Absterben mit inen nit verainigt
                noch vertragen were, der hat nit allain Entschuldigung, sonder, ob er di annemen
                wolt, wollen wir ine nit darzu komen lassen.</p>
              <p>Wölcher aber ander Ursachen, dann wie oblaut, fürwenden würde, nemlich seiner
                Gewerb, Kinder, Armut oder ander Sachen halben, dieselben Ursachen und
                Entschuldigung, die sollen, ob sy gnugsam sein oder nit, bey unsrer Erkanntnus sten.
                Und wölcher obemelter Entschuldigung aine hete und die inner sechs Wuchen und dreien
                Tagen, nachdem und ime die Bürden bevolchen ist, nit fürprechte oder anzaigte, der
                sol des Ambtes hinfüro außwarten und mit seiner Entschuldigung nit mer zugelassen
                werden bey der Pen und Verlirung der Wart, so ime künftiglich von derselben Person,
                wo der Fal one Gescheft geschee, gefallen mochte. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.6">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 6:] Was die Vormünder tun sollen, ehe sy sich irer
                Pflegkind Güter underfahen etc., erstlich ir Pflicht.</head>
              <p>Es sol sich bey grossen und schweren unsern Strafen kain Vormund, er sey <hi
                  rend="it">Testamentarius</hi>, <hi rend="it">Legitimus</hi> oder <hi
                  rend="it">Dativus</hi>, in seiner Pflegkind Güter einmischen, die <pb
                  n="149"/> zu
                Verwaltung ein- oder auszenemen und ze geben, er hab dann zuvor dise Pflicht getan,
                nemblich, das er seiner Pflegkind Güter, ligende und varende, getreulichen
                verwalten, auch die in seinen aigen Nutz (darvon den Kinden an Gut oder anderm ain
                Nachtail entsteen möchte), nit keren, verenden noch gebrauchen. Das er auch seine
                Pflegkind inner- und außerhalb Rechtens gemainklich beschirmen, vertreten, derselben
                Recht und Gerechtigkait seins pessten Vermügens hanthaben, auch der Kinder ligende
                Güter, darzu Rent, Zinß und Gult, kainswegs verendern, beschweren noch verkaufen
                wolle ausserhalb Wissen und Verwilligen der Vormundherrn, sonder die in gutem,
                redlichen Baw und Pesserung halten und haben, auch der Kinder Hab und Gut, alle und
                yde, bei klain und gros, in das Vormundbuch laß beschreiben und lautern Inventarium
                mache, und das er den Vormundherrn in Beysein der Kinder Fruntschaft, wo man die mit
                geringen Costen haben mag, alle Jar, wann er von den Vormundherren beschiden wirdet,
                und ob er darvor absten müsst, ain ufrichtig, volkomen Rechnung geben und, sovil an
                ime ist, kain Jar zum andern komen lassen, sonder, so ungeverlich acht oder 14 Tag
                über das Jar seins Antrits erschiesse, woll er bei diser seiner Pflicht vor dem
                Bürgermaister oder Vormundherrn erscheinen, sich der Rechnung erbieten, und wo er in
                Rechnung etbas schuldig würde, das von Stunden mit Wissen, Rat und Verwilligen der
                Vormundherrn und der Kinder Fruntschaft den Kinden zu Nutz anlegen, und ob er
                ainichen Zuspruch zu seinen Pflegkindern hete, oder sy ainichen zu ime haben
                möchten, das er solchs vor seinem <ref target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?db=drw&amp;index=lemmata&amp;darstellung=v&amp;term=Anstand#Anstand-1.1">Anstand</ref> eröffen und nit woll verschweigen alles bei Verpindung aller seiner
                Güter, ligender, varender, gegen-wurtiger und künftiger getreulich und ungeverlich,
                als ime Got helf und all Hailigen.</p>
              <p>Wer oder wölcher zu ainem Vormund erkoren wirdet, er sey <hi rend="it">Testamentarius</hi> oder <hi
                  rend="it">Legitimus</hi> oder <hi rend="it">Dativus</hi>, der solch [<hi rend="it">!</hi>]] sich bey den Vormundherren
                anzaigen, die ime dann obemelte Pflicht auflegen, geben und wem, wie und zu wölcher
                Zeit er erkoren oder zugelassen ist, in das Vormundbuch lassen verzeichen, darmit
                sich di Vormundherrn mit der Rechnung und allem darnach wissen ze richten. Er, der
                Vormund, sol sich auch der Güter mit Einnemen oder Ausgeben nit underziehen, bis er
                den Inventarium gemacht und in das Vormundbuch gebracht hat, das zum lengsten in
                ainem Monat nach der Pflicht gescheen sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.7">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 7:] Was die Vormünder nach getaner Pflicht schuldig
                sind.</head>

              <p>Wann die Eltern mit Tod verplichen und den Jungen, iren Kinden, Vormünder gesetzt
                sind, sollen sich dieselben Vormünder nach getaner Pflicht und Beschreibung der
                Kinder Hab und Güter, wie negst vorgende <ref
                  target="#NA.3.4.6">Rubric</ref> laut,
                derselben Hab und Güter underwinden, der Kind Nutz mit Einnemen und Ausgeben nach
                irem pessten Verstentnus und der Vormundherren Rat und Wissen, wo das die Notturft
                erhaischt, schaffen und werben; sollen auch alle Parschaft und Varnus nach dem
                pessten Nutz der Kinder anlegen und nit in irem aigen Gewaltsam zu irer Notturft
                halten und prauchen, sonder anlegen, darmit sy ir jerlichen Zinß und Genies <pb
                  n="150"/> darvon haben und entpfachen, es were dann Sach, das die Kinder gar oder
                zum Tail das Alter heten, das sy sich verheuraten wolten. Alßdann möcht die
                Parschaft hinderhalten [<hi rend="it">werden</hi>] nach Rat der Vormundherrn, auch
                der Jungen, angelegt oder dem Verheurateten geben werden.</p>

              <p>Sy sollen und mügen aber one Wissen und Verwilligen der Vormundherrn kain
                unbeweglich noch ligend Hab, noch auch kain varende Hab, die etwas dapfer und wert
                were, die nit leichtlich Schaden entpfachen möcht, verkaufen, versetzen noch
                verendern one Wissen und Verwilligen der Vormundherrn. Wo aber solchs darumb
                geschee, sol es unpindig und von kainen Wirden sein, inmassen wie hievor im andern
                Tail diß Buchs im tritten Titel "Vom Kaufen und Verkaufen" under der <ref target="#NA.2.3.17">Rubric</ref> "Vom Verkaufen der, so noch nit 25 Jar erraicht
                haben" lauterer Meldung geschicht. Aber ligende Güter, die pald Schaden nemen, mügen
                sy ane Wissen der Vormundherrn und für sich selbst verkaufen, wie sy dann das in
                Rechnung verantworten wollen.</p>
              <p>Sy sollen auch in Zeit irer Vormundschaft nit gegeneinander als widerwertig in
                Recht kriegen oder hadern in Sachen die Vormundschaft betreffende, darmit di Kinder
                nit zu ungebürlichem Costen gebracht werden; sy sollen auch von der Zeit, ehe sich
                die Tutel irenthalben endet, von solcher Vormundschaft nit abtreten. Wölcher Vormund
                aber ausserhalb des Außgangs und Ends irer Vormundschaft abtrete und die verliesse
                durch sich selbst aus aignem Gwalt, oder aber in der Sachen nit redlich, sonder
                geverlich und den Kinden zu Schaden übte, dieselben sollen nach fürbrachten Dingen
                und nach Erkanntnus des Rechtens umb dieselben Scheden, deßhalben und darmit gefügt,
                zu erstatten und ze widerlegen verpunden sein.</p>
              <p>Und ob auch ainem uß inen von den andern der gemainten Vormünderschaft halber
                ainicher Bevelch geschee und er darinnen mißhandelt oder verseumlich were, so sollen
                die andern Mitvormünd mit ime deßselben Schadens verpflicht sein; dergleichen, wann
                auch ainer oder mer one Bevelch der andern mißhandelt, und die andern solchs mit
                Versaumbnus irer Verpflicht verhengten, so sind sy abermals mit dem oder denselben,
                solchen Schaden zu widerlegen, pflichtig und schuldig. Es soll auch ir kainer aus
                der Vormünder seiner Vormundkinder Hab oder Güter, sy seien ligend oder varend, nit
                kaufen, weder durch sich noch ander Mittelpersonen, auch denselben nit ze kaufen
                geben. Dann zwischen inen sol gar kain Contract gescheen one Wissen und Verwilligen
                der Vormundherren. Es soll auch ir kainer kain Geding, Pflicht oder Zusagen von
                seinem Vormundkind annemen, und ob es darüber geschee, sol es gantz kraftlos und
                unpindig sein, und darzu der Vormund in unser Straf sten.</p>
              <p>Zudem wollen wir ernstlich gesetzt und geboten haben, das kain Vormünder seine
                Pflegkind, di ime vormunds- oder pflegßweiß zu beschirmen bevolchen sind, ime selbst
                oder seinen eelichen Kindern vermehelen sol zu der Ee one der Kinder Fruntschaft
                Verwilligen, die erbers und redlichen Glaubens, wo aber kain solche Fruntschaft
                vorhanden were, one der Vormundherren Wissen und Verwilligen. Wo aber solchs von
                ainem Vormund darüber geschee, den wollen wir nach Gelegenhait und Gstaltsame der
                Sachen und, nachdem das geverlich und aufsetzlichen gehandelt wurde, strafen. Danach
                und darvor wiß sich ain yder zu verhüeten. Dann die gemainen geschriben Recht achten
                solch Heurat gar und gantz für hesstig und aller Vernunft widerwertig, dweil die gar
                selten und nimer one Betrug und Aufsatz der, die sy berürt, gescheen.</p>
              <p> Darzu sollen die Vormünder ire Pflegkind, die noch jung und unmündbar sein, <pb n="151"/> zuvorderst zu Gots-forcht, Zucht, Kunst oder zu ainem Hantwerk, wozu es
                dann geschickt ist, so weit sich des Kinds Vermügen streckt, aufziehen, fürdern und
                laiten, doch das sy dieselben Kind, es seien Knaben oder Medlin, weder zu Got noch
                zu der Welt aussteuren, fürsehen und beraten one Wissen und Rat irer der Kind
                negsten Frund und, ob die nit vor Augen weren, one Wissen und Willen der
                Vormundherren.</p>

              <p> Darzu sol er sein Schuld von Stund an, wo ime di der Kind Eltern ze tun oder
                schuldig weren, vordern, wi der ander Artikel under negstgender <ref target="#NA.3.4.8">Rubric</ref> in sich helt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.8">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 8:] Von der Vormünder Rechnung und Meldung irer
                Ausgab und Schulden.</head>
              <p>Die Vormünder sollen nu hinfüro alle Jar, jerlich und ydes Jars besonder, zur Zeit,
                wie in der Pflicht bemelt ist, oder sy von den Vormundherren darzu erfordert werden,
                bemelten Vormundherrn, auch ainem oder zwaien der Kinder Negstgefrundten, soverr man
                die haben mag, umb alles ir Einnemen und Außgeben nach Vermög des eingezaichenten
                Inventariums gute, lautere und verstendige Rechnung tun, darinnen sy dann getreulich
                anzaigen sollen alles Einnemen und Ausgeben, Schuld, Gegenschuld, Vortail und
                Nachzug. Solche Rechnung sol in Suma lauter in das Vormund-buch verzaichent und
                eingeschriben werden umb das man zu künftigen Zeiten sehen und hören müg, wie die
                Vormünder iren Pflegkindern getreulich vorgeen.</p>
              <p>Es sol auch ain yder Vormund zur Zeit, als er di Vormundschaft auf- und an ine
                nimbt, wie dann hievor in der Pflicht auch bemeldet ist, die Schuld, di ime die
                Kinder oder ire Eltern ze tun und schuldig sind, melden und anzaigen. Wo er aber das
                underließ, möcht er darnach dieselben Schuld nimer vordern sonder sein Ansprach, die
                er darnach tun wollte, solle ime abgeschnitten und die Kinder nichts dafür schuldig
                sein. Dann wo ainer nach solcher Zeit und erst, in ander, dritter oder letzter
                Rechnung Schulden vordern würde, darunder ain Geverd gemutmasst und was sy, die
                Vormünder der Kind halber Cost oder Zerung ausgeben heten, die sollen sy zu yder
                Rechnung einlegen, der inen alwegen von der Vormundherren taxirt und ain fleissig
                Aufsehen gehabt werden sol, darmit überflüssiger Costen, den die Vormünder zum
                dickermal den Kinden aufrechnen und ir aigne Sachen darunder außrichten wöllen,
                abgestellt werde. Dann es ist ain gemaine Regel, das kainer durch deß andern Schaden
                seinen Gnies und Nutz suchen sol. Darumben sol ain yder Vormünder in seinem Ausgeben
                nit zu leicht und zu geudig sein; welche aber iren Costen oder Ausgab nit in die
                jerlich Rechnung prechten, sonder geverlich verhielten, den sol derselb Costen
                hinfüro nit mer taxirt noch erstatt werden. Darumben seien sy fürsichtig!</p>

              <p> Oft begibt sich, das sich die Kinder nach Endung der Tutel beclagen, das di
                Vormünder in der Rechnung nit volkomenlich anzaigt haben dasjen, das sy von irer der
                Kind wegen eingenomen haben und in Gebrauch gehabt. Wo dann solcher Span fürter
                entstünde, so sol den Kinden oder irem Curator Beweisung irs Anmassens erkennt und
                aufgelegt werden also, das dasjen, das sy begeren und in der Clag anzogen ist, sey
                komen von irer der Kinder Güter, und das solchs nit in der Rechnung bestimbt sey.
                Wollten oder möchten aber di Kinder solch ir Clag und Anzaigen redlich nit beweisen
                noch darbringen, so möcht man dem oder den Vormündern ainen Aid auflegen in
                nachvolgender Form ze schweren: <pb n="152"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.9">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 9:] Form des Aids.</head>
              <p>"Ich schwer, das ich der Kinder Hab und Gut, sovil und ich das in mein Verwaltung
                entpfangen, mit Wissen nit hinderhalten noch geverlich verschwigen, sonder in
                Rechnung lauter dargelegt hab, auch das, darumben ich angezogen wirde, zu meinem
                Nutz nit gebraucht und, ob ich nochmals icht mer gewar würde, das den Kinden von
                Rechts wegen gebüren und zusteen sol, das wil ich inen auch getreulich schaffen;
                also helf mir Got und all Hailigen."</p>
              <p>Dweil sich auch begeben möcht, das die Kinder nach Endung der Tutel nit Rechnung
                von den Vor-münden annemen und begeren, sonder geverlich verziehen wollten uf
                Meynung, ob sy abstürben, allßdann solch Rechnung von deß abgestorben Erben zu
                ervordern, welch Rechnung si doch nit wol tun könnten noch möchten, demnach haben
                wir geordnet und gesetzt, das di Vormünder ierlich und alle Jar, jedes Jars besonder
                und sonderlich, wann sich die Tutel geendet hat, ir Rechnung tun und daruf von iren
                Vormundkindern in das Vormundbuech quittirt werden. Wölche Kinder aber nach Endung
                der Tutel in ainem Jar, dem negsten, von iren Vormünden nit Rechnung begerten und
                aufnemen wollten, und sich di Vormund die bey den Vormundherren ze tun anzaigt
                heten, das sol in das Vormundbuch geschriben und nachmalen sy oder ire Erben kain
                andere noch verrer Rechnung derhalben ze tun schuldig sein, sondern sollen darvon
                geledigt werden, es were dann Sach, das di Vormünder solch Rechnung geverlich und
                über der Kinder Willen verzügen, das wir doch kainswegs gestatten, sonder die
                Vormünder zu aller Zeit zu Rechnung und Überantwortung desjenen, das sy von der Kind
                wegen eingenomen haben, halten und vermügen wollen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.10">

              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 10:] Wann und aus was Ursachen sich die
                Vormundschaft der Tutl ende, und wenn <hi rend="it">Curatores</hi> sollen geben
                werden.</head>
              <p>Vormundschaft, ,<hi
                  rend="it">tutela</hi>' genennt endet sich, wann die Kinder ire
                Jar und Alter, nemblich der Knab vierzehen und das Medlin zwelf Jar erstanden haben
                und auf sich gebracht, auch wann die Kind in der Zeit, ehe sy das Alter erraichten,
                abstürben, wann auch der Vormund mitler Weil abstürb. Dann Vormundschaft erstreckt
                sich nit uf die Erben. Item, wann ainer ain Zeitlang zu Vormund verordent, und
                dieselb Zeit vergangen, so were die Vormundschaft auch geendet. Item, Vormundschaft
                  ,<hi rend="it">tutela</hi>' endet sich auch durch Verendrung des Stats, also, wo
                der Vormund arglistigklich handelte oder würde ain Verschwender des Seinen; denn wer
                das Sein nit behalten, der kan kains andern versorgen. Item, wann der Vormund ausser
                Lands züg. Item, wann sich die Muter in die ander oder nachgend Ee tut, so hört die
                Vormundschaft bey ir auf.</p>

              <p> Und wann sich die Tutel hat geendet, so wollen wir den Kinden, darmit sy nit
                unbeschirmbt bleiben, und das Ir verschwent werde, <hi
                  rend="it">Curatores</hi>
                geben und setzen, bis sy das 25 Jar erraichen, oder sich zu Got oder eelichem Wesen
                stewern, anwerden und besteten, und sollen in aller obgeschribner Maß von uns, dem
                Rate gefordert und geben werden, wie mit der Tutel gehandelt ist. Und wann sich die
                Tutel geendet hat, so sollen die <hi rend="it">Tutores</hi> entlich volkomene
                Rechnung wie oblaut tun, der Kinder Güter abtreten und darumben quittirt. Würde aber
                ainer oder mer nach der Tutel zu Curatoren verordent, so ist er wider pflichtig
                wievor.</p>
              <p>
                <pb n="153"/>
                <hi
                  rend="it">Curatores</hi>, Versorger zu Latein genennt, sollen nit
                allain den Jungen nach irm erstanden Alter und Endung der Tutel geben werden, sonder
                auch denjenen, die natürlicher Würkung beraubt sind, als die Tauben, Stumen, Toren,
                Unvernünftigen, auch den Verschwendern irer Hab, auch die mit grossen, legerhaftigen
                Krankhaiten beladen sein, wo der <hi
                  rend="it">Tutor</hi>, so im Testament geben,
                oder <hi
                  rend="it">Legitimus</hi>, und doch nit geschickt were, die Tutel zu
                verwalten; dergleichen, wo ain geschickter <hi
                  rend="it">Tutor</hi> etliche Zeit
                verhindert were, das er der Tutel nit ußwarten möchte; wo auch der <hi
                  rend="it">Tutor</hi> krank, abwesenlich und zu vermuten were, das der nit pald zu Land
                keme, oder wo der <hi rend="it">Tutor</hi> ain besondere Sach zu den Pupillen hete,
                so sol alwegen ain Curator zugeben werden.</p>
              <p>Und endet sich in obgemelter Maynung die Curatorschaft allain in Ausschliessung der
                Jar. Doch den Stumen, Toren, Kranken, Unvernünftigen, auch Verschwendern und den,
                die irer natürlichen Würkung entsetzt sein, endet sich die Curatorschaft gar nit, ob
                sy gleichwol 40, 50, 60 oder mer Jar alt weren, dann allain zu irer Vernunft und
                Gesundhait. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.3.4.11">
              <head>[WindsheimRef. III 4 Rubrik 11:] Wie die Vormünder sollen belont und in iren
                Hendlungen gefürdert werden.</head>

              <p>Es ist natürlich, gut und gerecht, das dem getreuen Arbaiter umb sein Handlung und
                Übung ain Ergetzung, Belonung erdeiche und widerfare. Demnach ordnen, setzen und
                wollen wir, das kain Vormünder, er sey <hi
                  rend="it">Tutor</hi> oder <hi rend="it">Curator</hi>, in seinem Antrit des Ampts kainen Sold noch Belonung haischen noch
                vordern, und ob er das gleichwol tete, kainer gegeben werden sol; dann sein Handlung
                ist noch ungewiß und unwissent, was er könne oder mög verdienen. Wann er aber sein
                Ambt ain Jar treulich verwaltet und Rechnung tut, so sollen ime di Vormundherren
                nach seinem Vordern und Begeren nach Gstalt seiner Handlung und Übung zimbliche
                Belonung erkennen und setzen in aller Maß, als wer ime die in seinem Antrit erkennt
                und gesetzt, dargegen noch darwider, weder die Kinder noch derselben Fruntschaft nit
                reden noch handelen, sondern bei demselben bleiben lassen sollen.</p>

              <p>Und wann dieselben Vormünder in irer Pflegschaft und Kinder Handelen für uns den
                Rat oder in Gericht komen, so sollen und wollen wir sy zu allen Zeiten vor anderen
                getreulichen hören und zu der Pillichait, wie sich gebürt, fürdern, darmit unserer
                Stat oder anderer unserer Undertan Kinder und der pflegbar Personen Sachen zu Nutz
                und Aufgang getreulichen ausgericht werden. <pb n="154"/>
              </p>
            </div>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.4">
          <head>[WindsheimRef. IV: Erbrecht] Der viert Tail dits Buechs tut Meldung von Begabungen,
            Testamenten und andern natürlichen Erbschaften, auch Tailung und Vergleichung
            derselben.</head>
          <div xml:id="NA.4.1">
            <head>[WindsheimRef. IV 1 Titel:] Der erst Titl des virten Tails:</head>
            <div xml:id="NA.4.1.1">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 1:] In was Gstalt Begabung geschechen.</head>

              <p>Begabung geschechen in menigerley Gstalt, als durch Übergab, die man Übergab under
                den Lebentigen [<hi
                  rend="it">nennt</hi>]. Und dise Begabung hat nach geschener
                Handlung von Stunden ir Würkung, und wirdet der, dem übergeben ist, derselben
                übergebnen Güter ain Her und erlangt noch in Leben des Donators das <hi
                  rend="it">dominium</hi> und die Aigenschaft. So geschechen auch Übergaben uf Todfell, die
                man nennt Übergaben von Todßwegen. So geschechen auch Begabung incraft Testament,
                Codicill und letzter Willen, und in solchen dreien letzten Begabungen erlangt der
                  <hi rend="it">Donatarius</hi> das Aigenthumb der gegeben Hab nach Abgang des
                Donators.</p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.2">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 2:] Wer nit übergeben oder kain Testament und letzt
                Willen machen müg.</head>

              <p>Wiewol nach den gemainen Rechtsprüchen ainer yden Person ir freier unbedingter Will
                zu begaben und zu testiren ist unbenomen und vorbehalten, ist doch solchs allain zu
                versteen uf die Personen, die irs Guts mechtig und Genos sind, und werden vil
                Personen hierinnen außgenomen. Daruf ordnen wir, das nachvolgend Personen weder zu
                begaben oder zu testiren kain Macht haben sollen. Wo aber das darüber geschee, sol
                es doch unpindig und von kainen Wirden sein. Erstlich sol und mag nach unserer
                Satzung und Maynung kain Person, die nit 25 Jar irs Alters volkomenlich erraicht
                hat, kain Übergab under den Lebentigen aufrichten, es wern dann zway Egnos, die ir
                Hab und Gut aneinander mit sovil Solemnitet und Zir als darzu gehört, uf- und
                übergeben. Es sol und mag auch kain Manßperson under 14 Jaren und kain Weibßperson
                under zwelf Jarn kain Testament, Gescheft noch Gab auf Todßfall machen, dergleichen
                weder die Tauben, Stumen, Toren und die irer natürlich Wurkung beraubt sind, die
                auch one <hi rend="it">Tutores oder</hi>
                <pb n="155"/>
                <hi
                  rend="it">Curatores</hi> nit geleben mügen, auch die wider unsrer Stat Nutz oder
                  <hi
                  rend="it">crimen lese maiestatis</hi> gehandelt und begangen heten; auch die
                Mainaidigen, die in Acht und in Ban und die zu peinlicher Straf verurtailt oder für
                gefangen in Laistung verpfendt weren, im Latein ,<hi rend="it">obses</hi>' genennt,
                ine würde dann das mit unserer Erkanntnus nachgelassen.</p>

              <p>Item die Kinder, die in väter- oder müterlichem Gwalt weren, sollen nit Macht haben
                zu begaben noch zu testiren dann von iren aigen gewonnen Guetern, genannt ,<hi
                  rend="it">castrense peculium vel quasi castrense peculium</hi>'. Was aber das sey,
                ist hievor im sibenden Titel des andern Tails under der <ref target="#NA.2.7.3">Rubric</ref> "Vom Hinleihen, das den Kinden hinder iren Eltern geschicht" gnugsam
                angezaigt und nit not, hierinne verrer Meldung darvon fürzenemen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.3">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 3:] Wo und wie die Übergaben gescheen sollen.</head>
              <p>Zufürkomen Geverd, Betrug, Arglist und Hindergeng, die zum merermal in Begabung
                gebraucht werden, ordnen, setzen und wollen wir hiemit kreftiglich fürgenomen haben,
                das all und yde Übergaben (ausserhalb der Testament und letzten Willen), sy gescheen
                durch zway Egnos und Eeleut oder ander Personen, vor uns dem Rate oder Gericht
                sollen auf- und übergeben und uns also alspald insinuirt werden. Daruf wollen wir
                nach der Personen, die also übergeben wollen, Anzaigung, das sy solch Übergab
                forhaben, die negstgesipten Erben, oder zum wenigsten zween der angebornen Frund,
                Vater und Muters halben verwant, , sy seien gaistlich oder weltlich, inhaimisch oder
                ußwendig, uf der übergebenden Tail Costen, darzu erfordern, berufen und citirn, das
                die solch Übergab uf ainen benennten Tag hören und sehen, auch ir Einred, warumb das
                nit gescheen sol, dargegen zu tun. Und die erscheinen alßdann oder nit, sol desto
                weniger mit der Übergab, Zulassung derselben oder Abkundung und Nitzulassung
                derselben gehandelt werden, sovil und sich gebürt und recht wirdet.</p>

              <p>Wern aber die negsten Frund nit ze treffen oder unsern Gerichtzwang und Oberkaiten
                nit verpunden und die nit inner Lands, so wollen wir an die, so allda Interesse
                vermainen ze haben, ain gemaine Urkundung mit Inhaltung ainer entlichen Ladung "<hi rend="it">peremptorie</hi>" an die Wag under unserm Rathaus offenlich anschlahen,
                und das di negsten drey Gericht, so nacheinander gehalten werden, publiciren und
                verkünden, und alßdann uf den benennten und angesetzten Tag mit Zulassung oder
                Widertreibung handelen und ergeen lassen, sovil und sich gebürt und recht wirdet,
                und der begerenden Parthey darüber Urkund under unser Stat Gerichtsinsigel mittailen
                oder in unser Ratsgerichtsbuch lassen vergreifen.</p>
              <p>Und wölche Übergaben also vor uns aufgeben und gescheen, die wir dann auch
                zulassen, die auch uns, wie nachvolgende Artikel aufgericht und uns insinuirt und
                durch uns auch zugelassen werden, die wollen wir hinfüro alwegen kreftig erkennen.
                Doch wollen wir ainem yden begünstigt haben, soverr und ine sein Gmüet laitet, das
                er die, wie vor Jaren her vil gescheen ist, am fürstlichen Landgericht des
                Herzogtumbs zu Franken bestetten wollt, das er das tun müg.</p>

              <p>Wir wollen auch hiemit begünstigen und zulassen, das zway Eleut ir Gut (doch das es
                dem <ref
                  target="#NA.4.3.4">virten Titel des dritten Tails diß Buchs</ref>, do von
                der Erbschaft der Eeleut und iren Kinden Meldung geschicht, nit wider sey) vor
                unserm Statschreiber <pb n="156"/> und zwayen von uns aus dem Rat, auch anderer
                dreier Personen, di glaub- und ernwirdig sein, durch ain Instrument wol auf- und
                ainem ander übergeben mügen, doch das solch Instrument auch in obgemelter Maynung
                uns insinuirt und anzaigt werde, darzu wir dann in obgemelter Maß die Fruntschaft
                berufen und handelen wollen, wie negst obemelt drey Artikel under inen beschliessen;
                darzu wollen wir auch nit wider sein, ob ymants dasselb Instrument nachmals, wie
                jüngst obemelter dritter Artikel lauter am Landgericht des Herzogtumbs zu Franken
                verrer confirmiren und bestetten und an unser Bestettung nit genügig sein wolt, das
                dieselb Bestettung iren Fürgang hab.</p>

              <p>Setzen und ordnen hiruf, wollen auch, wölche Übergaben anderst dann vor uns in Rate
                oder Gericht, oder zum wenigisten durch ain offen Instrument mit unsers
                Ampsschreibers Signatur in Beysein der Personen wie oblaut aufgericht wirdet, sy
                geschee an anderen Hof- oder Landgerichten oder durch ander <hi rend="it">Notarios</hi>, soll und die uns nit insinuirt under unsern Sigillen durch offen
                Prief oder zum wenigisten in unser Ratsgerichtzbuch eingeschriben wirdet, das
                dieselben all von Unwirden und nichtig sein sollen, die wir auch hiemit all vernicht
                und für craftlos geacht und erkennt haben wollen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.4">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 4:] Kainer sol dem gemainen Nutz oder den Schultherrn
                zu Schaden sein Gut verendern, auch sein Anspruch kainem andern übergeben.</head>
              <p>Wir wollen hiemit aus sondern bewegenden Ursachen fürgenomen und gesetzt haben, das
                kain unser Bürger, Inwoner, Undertan und Verwonter, der gegen uns als der Oberkait
                seins zeitlichen Guts, es were Schulden, Frevel, Übeltat oder umb ander Sachen, in
                Sorgen stünde, oder, wo ainer mit vil Schulden beladen und nit wol zalbar were, sein
                ligend oder varend Hab und Güter nit verkauf, verender, mit Zins, Gulten oder Lechen
                beschwer, oder ymants anderm nit übergebe noch vermache, so lang und vil, bis er
                derselben Bürden ist entledigt. Wo aber solchs darüber geschee, wollen wir, soverr
                das unser Stat Zinsstuben und gemainem unserm Nutz zuwider oder Nachtail dinte, oder
                ander Gläubiger und Schultherrn nit möchten, von seiner Überteurung vergnügt werden,
                dieselben Übergaben oder verenderten Güter zu unsern Handen nemen, oder den
                Gläubiger nichtsdesterweniger daruf helfen; dann solcher Contract oder Pact sol in
                allweg uncreftig und unpindig sein.</p>
              <p>Zudem wollen wir, das kain unser Bürger, Under-tan oder Verwonter, in was Stands
                und Wesens der sey, kainem anderen Inwoner noch Außwendigen ainich sein Anfordrung,
                Zuspruch oder Ansprach zu aigen übergebe und zustell, es sey durch Cession oder
                ander Weg, es geschee dann mit unserer Verwilligung und Nachlassen. Wo aber solchs
                darüber und ausser unsers Nachlassens und Verwilligens geschee, sol dasselb weder
                pündig noch kreftig, sondern beder Parteien, der Übergeber und auch der Entpfecher
                in unser Straf sein nach Gstalt und Gelegenhait der Sachen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.5">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 5:] Wie und wenn Testament und letzt Willen mügen
                aufgericht werden.</head>

              <p>Wir wollen ainer yden Person, die unsern Gezwengen verpunden sind, zulassen, das sy
                ir Ordnung, Testament und <ref
                  target="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?db=drw&amp;index=lemmata&amp;darstellung=u&amp;term=Letzte#Letzte-2.0">letzten</ref> zu yder Zeit, weil sy noch <pb
                  n="157"/> verstendlich ir Rede
                ausgiessen kan, machen müg, also das [<hi rend="it">sie</hi>] sonderlich in
                demselben Testament ain oder mer Erben einsetze und müntlich (in Beysein siben
                erberer Manßpersonen, darunder zum wenigisten zwen aus uns dem Rat sein sollen)
                ernenne, ir Ordnung, Gab und Maynung, das di nachvolgenden unsern Gesetzen nit
                widerwertig erscheinen, darneben bestimbe und ausspreche, und das solchs in
                Schriften durch unsern Statschreiber oder, wo er abwesenshalb nit gehabt werden
                möchte, durch ainen andern, erbern, redlichen, geleumbten Notarien verzaichent und
                zu Gedechtnus verfasst werde. Es sol auch anderst nit dann nachvolgends durch unsern
                Statschreiber concipirt und durch den Notarium, der darbey, als man testirt hat,
                gewesen ist, underschriben werden, und sunst sol kain Testament werhaft sein, es sey
                dann in Schrift aufgericht, es were dann uß redlichen Ursachen, die wir erkennen
                mochten, verhindert.</p>
              <p>Aber die Testament, Codicillen, Übergaben oder ander letzt Willen, die vor uns in
                unserm Rat oder vor Gericht aufgericht werden, sollen die kreftigisten Bestand haben
                und zu widertreiben kain Zulassung haben, es weren dann gros Ursachen. Wo aber
                ymants in seinem Gescheft und letzten Willen kainen Erben setzen, sonder die
                Erbschaft den negst iren Gesipten, als were sy one Gescheft vergangen, zusteen
                lassen und wolt doch iren letzten Willen ordnen, was hingeben und beschaiden, das
                haist, kain Testament aigentlich ze reden, — es mag aber sunst ain letzter Will,
                als ain Codicill oder Gab von Tods wegen genennt werden — solchs sol auch
                inmassen wie die Testament aufgericht werden, allain das an fünf Gezeugen, under den
                zum wenigisten ainer von uns aus dem Rate und andrer zwu erber Manßpersonen, und di
                übrigen zwen Gezeugen mügen erber geleumbt Frauenperson sein.</p>
              <p>Wann aber wer die Zeit des Gebrechens und Pestilentz, darvor Got der Herr
                menigklich zu enthalten geruche, so ordnen und wollen wir, das die testirend Per-son
                iren Willen in obgemelter Maß ausprechen und den Erben benennen sol, und wo sy mit
                diser Krankhait beladen were, das an dreien erbern Manßpersonen, di zu Gezeuknus
                tüglich und glaubhaft, für Gezeugen gnugsam seind, doch das darbey ain Notarius sey.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.6">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 6:] Die Testament sollen uns insinuirt werden.</head>

              <p>Umb Verhütung willen künftiger Gezenk, Zwitracht und Kriegen, wollen und ordnen
                wir, das all und yde Testament und letzt Willen, die nit vor uns in Rate oder
                Gericht aufgericht werden, durch die Erben oder <hi
                  rend="it">Executores</hi>, den
                dann solchs auszerichten und zu exequiren bevolchen ist, vor oder nach Abgang des
                Gescheftigers, ehe zu ainicher Volstreckung und Handlung griffen wirdet, für uns
                gebracht und anzaigt werden, das wollen wir alßdann durchsehen, ob das kreftig sein
                soll oder nit. Ist oder wirdet es von uns für unmiltsam und nit kreftig geacht, so
                sollen sich die Erben oder <hi
                  rend="it">Executores</hi> desselben entschlachen und
                nichts darinnen exequiren. Würde es aber gar oder zum Tail kreftig geacht und
                erkennt, wi dann hernach auch gemelt wirdet, wollen wir den Erben oder Executoren
                Bevelch tun, das sy in Beisein unser zwaier des Rats, wer es aber der Zeit der
                Pestilentz, andrer zwaier erberen Manßpersonen inventiren und dasselb nach Laut
                seiner Inhalt und des Testators Gmüt und Willen zum fürderlichsten und, so an inen
                ist, inner Jarßfrist außrichten, des Testators Hab zum höchsten, als sy mügen, one
                iren Nutz <pb n="158"/> und Gesuech, auch niemant ze Gunst noch ze Laid verkaufen
                und anwerden, inmassen wie sy dann in Rechnung, die sy derhalben vor unsern
                Vormundherren tun müssen, wollen besteen und darumben Antwort geben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.7">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 7:] Wie der <hi rend="it">Testator</hi> Macht hat zu
                testiren.</head>
              <p>Wiewol nach gemainer Sag der Rechten ainem yden ist unbenomen, der nit in ab- noch
                aufsteigender Linien leiblich, natürlich und Noterben hat, mit seinem Haben und
                Güter Außtailung und Vergabung ze tun, so mag ain yde Person, die nach Laut
                vorbemelter Rubric und Artikelen zu testiren geschickt ist, ir Hab und Gut in seinem
                Testament oder andern letzten Willen außtailen nach irer Sel Hail, wohin und an
                welches Ort sy ir Naygung und Gmüt lait, das das solchs nachbemelten Artikelen nit
                widerwertig erscheine und erstlich [. . .] </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.8">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 8:] Vorbehaltung der rechten natürlichen Erben, ire
                Legitima, und was die sey.</head>

              <p>Ain yder Haußvater oder Haußmuter ist von Natur pflichtig und schuldig, seine
                Kinder, auch seine Elteren liebzehaben, die nit allain zu erziehen, sonder auch nach
                seinem Absterben und Tod Güter zu verlassen, darmit die dester bas ausgebracht und
                ire nachgeborne Kinder erhalten, Lernung und ander Schicklichait zu erwerben.
                Demnach und sonderlich, dweil die Sag der gemainen Recht verstentlich außtruckt, das
                Einsetzung der Erben und Hinderlassung natürlicher Erbschaft ain Grund und Fundament
                ains Testaments ist, so ist der <hi
                  rend="it">Testator</hi> schuldig, das wir auch
                hiemit geordent und gesetzt haben wollen, seine eeliche Kind, oder wo er di nit
                hete, seine Tiechter oder derselben absteigend Erben bis in den vierdten Grad vor
                Vater und vor Muter oder anderen in aufsteigender Lini in seinem Testament zu Erben
                einzesetzen, oder aber die aus Ursachen und Fellen, wie hie bey dem End diß Tails
                bemelt sein, zu enterben, und solchen seinen eingesetzten Erben zum wenigisten ,<hi rend="it">legitimam porcionem de jure natura</hi>' vorzubehalten also, das den
                Kinden und eingesetzten Erben, wo der viere oder weniger weren, so gebürt inen allen
                der Drittail aller verlaßner Hab, doch die Manlehen und Schulden zuvor hindan
                gesetzt. Wo ir aber fünfe oder mer weren, so gebürt ine von aller verlaßnen Hab auch
                der Halbtail, doch wie ytzt zenegst bemeldet ist, alle Schulden und die Manlehen zu
                voraus hindan gesetzt. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.9">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 9:] Wen der <hi rend="it">Testator</hi> in seinem
                Testament zu Erben ernennen und einsetzen sol.</head>
              <p>In negstobemeltem Artikel ist klerlich ausgedrückt, das der <hi
                  rend="it">Testator</hi> seine leibliche eeliche Kind, wo er die hete, vor allen anderen
                seinen Frunden sol zu Erben einsetzen und denselben zum wenigisten ,<hi
                  rend="it">legitimam porcionem de jure natura</hi>' vorzehalten. Verlies aber der <hi
                  rend="it">Testator</hi> bey und neben seinen eelichen leiblichen Kindern <ref
                  target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Diechter">Tiechterle</ref>, die sollen mitsambt und neben den
                eelichen Kinden an irer <pb
                  n="159"/> Eltern Stat auch zu Erben eingesetzt und
                derselben Erbschaft vehig werden, doch also, das dieselben alle anstat irs
                abgegangen Elteren und für ain Person gesetzt und gerechent werden; dergleichen sol
                es mit den Tiechtern und Urtiechtern verstanden werden, wie dann hernach im <ref target="#NA.4.2">anderen Titel diß Tails</ref> "Von der natürlichen Erbschaft"
                klerlichen anzaigt wirdet.</p>
              <p>Die Eltern mügen auch ainem oder mer Kinden in irem aufgerichten Testament oder
                durch Übergab under Lebentigen oder uf Todfell ufgericht, ainen Voraus vermachen und
                schaffen, doch das den andern an irer gebürlichen nottürftigen Erbschaft und
                Legitima kain Abbruch geschee. Dergleichen und herwiderumben mügen sy iren ungeraten
                Kinden oder Tiechterlichen, die vor andern iren Geschwisterden und Miterben vor der
                gefallen Erbschaft von derselben Eltern Hab was vertan und angeworden heten, zu
                Vergleichung gemainer Erbschaft und den andern Miterben darmit ainen Voraus tun und
                machen. Und wo solchs geschicht, so ist, dweil die Eltern under iren Kindern, die
                von inen geboren werden, unverarkwont und unpartheyisch Richter geacht werden,
                kainer Insinuacion wie oblaut vonnöten, sonder allain durch ain Instrument in
                Beysein zwair Gezeugen ufgericht gnugsam, es weren dann ander Hendel mit
                eingefochten; alßdann sol obemelte Ordnung mit der Insinuacion und Zeugschaft
                gehalten werden.</p>
              <p>Heten aber die Gescheftmacher nit eelich leipliche Kinder, Tichter noch ander Erben
                in absteigender Linien, sonder Vater, Muter, Anherrn, Anfrawen und dergleichen in
                aufsteigender Lini, so sollen dieselben Gescheftiger ire Eltern in aufsteigender
                Linien mit gebürlichen Legitima, das ist der Drittail aller verlassen Hab und Gut,
                fürsehen.</p>

              <p>Zu dem allen ordnen, setzen und wollen wir: Wölcher gleichwol obemelter Noterben
                nit, sonder hete Bruder, Swester, Vater oder Pasen bis in das viert Glit
                einschließlich und hete zitlich Zinß, Gult oder ander ligend Hab und Güter, so von
                gemainen Eltern herrürten und darkomen, so sol derselb <hi
                  rend="it">Testator</hi>
                nit Macht noch Gwalt haben, frömbd Personen in solch Güter anders zu Erben ze setzen
                dann mit der Maß, das sy ainen dritten Tail von solchem Gut den egenennten iren
                Sipfrunden bis in das vird Glid einschließlich verlassen, es wern dann Sachen und
                redlich Ursachen als Undankperkait oder ander vorhanden, darvon dann in dem
                Instrument oder in dem Gescheft Meldung gescheen sol. Aber von dem Gut, das der <hi rend="it">Testator</hi> oder Gescheftiger aus seiner aigen Fürsichtigkait gewonnen
                oder an sich gebracht hete, das nit von seinen Eltern herrürte, darmit mag er,
                unangesehen diß Artikels handelen und vergeben, wem oder wohin er wil, doch das er
                den Noterben, soverr er die in ab- oder aufsteigender Lini hete, ire Legitima, wie
                oben bemelt ist, vorbehalt.</p>
              <p>Wann aber der Gescheftiger obemelter Erben kainen hat, alßdann mag er in seinem
                Gescheft und Testament zu Erben einsetzen, wen er wil und zu dem er Naigung hat, es
                sey gemaine unser Stat Gotsheuser oder arm Leut, zu wem und wuhin ine sein Gemüt
                lait, unverhindert menigklichs. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.10">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 10:] Wo vil Erben eingesetzt werden.</head>
              <p>Würde ain <hi
                  rend="it">Testator</hi> und Gescheftiger zwen, drey, vier mer oder
                weniger zu Erben setzen und ernennen, ir yden zu seinem Tail, und dann ainer oder
                mer under inen <pb n="160"/> stürbe, vor und ehe das Erb zu Fal kumbt, oder das ir
                ainer seins Tails nit wolte oder deß nit entpfenklich were, wölchs geschicht, het
                dann der Gescheftiger ainen andern an sein, des Abgangen Stat substituirt, der sol
                an solchem Tail zugelassen werden. Het er aber niemant substituirt, so sol derselb
                Tail fallen und wachsen an die andern Miterben, unverhindert menigklichs.</p>
              <p>Wo auch ainer mit gemainen, weit begriffen Worten Erben setzte oder legirt, als so
                ainer seinen Bruders Kinden oder ainer seinen Namen und Stamen, oder ainem seinem
                Geschlecht sein Erbgut verließ, so sol die Ordnung darinnen gehalten werden, das
                alwegen diejenen, so im Grad neher und erbmessig wern, sollen vorgeen und das
                verschafft Gut oder Erb annemen, ob sy wollen. Und wann derselb, der neher ist, das
                nit mocht oder wolt annemen, so sol der ander, der der Neher ist, nach ime
                zugelassen und also "für und für" gehalten werden; und were, das derjen, der solch
                Gut annimbt, Kinder hete, so plib das "für und für" bey ime und seinen Kinden. Het
                er aber kain Kind, so sol solch Gut nach seinem Tod abermalen den Neheren zufallen.
                Deßhalben sol der Inhaber des Guts am Hawbtgut ligender Güter one unser Zulassen und
                Erkanntnus kain Minderung tun. Wo aber ausser unsres Zulassens ain Endrung geschee,
                die sol kain Craft noch Fürgang haben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.11">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 11:] Wie der <hi rend="it">Testator</hi> substituiren
                und sein Hab selbst schetzen mag.</head>

              <p>Es mag auch ain yde testirende Person irem benennten und eingesetzten Erben ainen
                oder mer Nacherben substituiren und nachsetzen also, wo der eingesetzt Erb das Erb
                nit annemen würde, durch was Gstalt das geschee, das alßdann dieselb Erbschaft dem
                substituirten Erben sol und mag volgen, werden und erdeichen. Neme aber der gesetzt
                Erb die Erbschaft an, so het alßdann der nachgesetzt Erb kainen Zugang zur selben
                Erbschaft, es were dann, das der oder die gesetzten Erben zur Zeit, als sy zu Erben
                gesetzt, noch unmündig gewest und, ehe sy mündig worden, Tods abgangen were, nemlich
                der Knab under 14 und das Medlin under zwelf Jaren. Wann sy aber die mündigen Jar
                erraichen, mügen sy dieselb Erbschaft, wo sy one eelich leiplich Erben verfielen,
                anderen beschaiden, es were dann durch den <hi rend="it">Testatorem</hi> und
                Gescheftiger anderst verordent. Wo sy aber die nit verordenten und nit leiplich
                Erben in absteigender Linien verliessen, so gefiele dieselb Erbschaft uf die
                substituirten Erben, unverhindert und unangesehen der verstorben Erben und
                menigklichs. Und in solchem allen irrt nichts, ob die Vormünder der unmündigen
                gesetzten Erben von irem Vormundkind wegen die Erbschaft angenomen heten oder
                nit.</p>

              <p>Der Gescheftiger mag auch sein Hab und Gut bey seinen Trewen, die er deßhalb an
                geschworn Aidsstat dem Notario geben sol, soverr solche Disposicion, Ordnung und
                Gescheft ausserhalb unsres Rats oder Gerichts geschicht, selbst schetzen und "<hi rend="it">legitimam porcionem</hi>" ernennen. Und bey solcher seiner Schatzung sol
                es ungewegert und one Widertriben der Kinder bleiben. Wer aber darwider tete oder
                solchs zu widertreiben fürneme, der sol sein Erbrecht darmit verwürkt haben und den
                andern, so solchs halten, wachsen und zufallen.</p>
              <p>Zudem haben wir sonderliche Versehung tun wollen, wenn der <hi
                  rend="it">Testator</hi> dem gesatzten Erben bevolchen hat, die Erbgüter nach seinem Tod
                anderßwohin ze antwurten oder ze fallen, so mag derselb gesetzt Erb desselben Guts
                nichts verkaufen noch verendern. Ob er aber mitler Zeit was verkaufte oder <pb n="161"/> verenderte, das hat kain Craft und mag derjen, so das Erb gehört, so die
                Zeit kumbt, alles das, so verkauft, verendert oder mit Zinsen beschwert were, frey
                widerumben an sich nemen und ziehen one alle Beladung, ungeirrt der Käufer oder
                derjenen, die solchs verkauft oder verpfendt heten. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.12">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 12:] Wie der <hi rend="it">Testator</hi> sein
                Gescheft zu erleutern und Endrung ze tun hat.</head>
              <p>Wer ain Testament oder Begabung in ainem oder mer Puncten und Artikelen nit lauter
                noch verstendig also, das der Gescheftiger oder Begaber Sorg hete, er möchte durch
                solche Unlauterhait zwifachen Verstand oder Auslegung erwecken, mag er alwegen und
                zu yder Zeit seins Lebens, dweil er noch verstendigklich reden mag, dasselb
                Testament oder letzten Willen in Beysein zwair erberen Manßperson und dem Notario,
                der das gemacht hat, wol erklern und pessern. Aber gar abzetun, das sol er an die
                Solemnitet, hievor anzaigt, darzu gehörende, nit fürnemen.</p>
              <p>Es mag auch ain yder <hi rend="it">Testator</hi> sein Testament oder andern
                gemachten letzten Willen, wenn und als oft er wil, meren, mindern, endern, abtun und
                von newem machen, dweil er noch vernünftig ist, unangesehen, ob er sich in ainem
                seinem Testament oder letzten Willen ufs höchst verpunden und verpent het, das nit
                ze endern, und, ob er sich also verpunden, het es doch nit Craft, dann der Will des
                Menschen ist frey gar bis in den Tod. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.13">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 13:] Wie der <hi rend="it">Testator</hi> sein
                Gescheft verpenen mag, das es gehalten werde.</head>

              <p>Der Gescheftiger mag sein Testament und Ordnung Ungehorsam halb verpenen dermaß, wo
                seiner nachgesetzten Erben, es sein Kind oder Tiechter in absteigender oder in
                aufsteigender Linien, das nit halten wollte, das demselben über die nottürftig,
                gebürlich und gesatzt Erbschaft und Legitima nichts volgen noch werden sollte. Aber
                in andern Ordnungen als Legaten oder den Personen, gegen den der <hi rend="it">Testator</hi> mit der Noterbschaft nit verpunden ist, mag sy ir Gescheft und
                Ordnung also verpenen, also, wo dieselben an dem verordenten Legat noch geschickt,
                nit genügig were, das ime alßdann von seiner verlassen Hab gar nichts werden noch
                volgen, sonder dieselb uf ain ander Ort, wohin sy dann das ordnen wil, fallen, und
                das demselben allem aigentlich nachgegangen werden sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.14">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 14:] Von den Legaten, wie die bezalt werden.</head>
              <p>Wir wollen, so ain Gescheftiger in seinem letzten Willen <hi
                  rend="it">Legata</hi>
                ordent, das die durch di Erben oder <hi
                  rend="it">Executores</hi>, soverr dieselben
                  <hi rend="it">Legata</hi> zulessig sind, fürderlich und getreulich bezalt werden,
                doch mit der Unterschaidung, das zuvorderst der Leibfal und die Schulden ußgericht
                und nachvolgends zu den Legaten zu bezalen gegriffen werde.</p>

              <p>Und were, das der Gescheftiger zwaien, dreien, viren, mer oder weniger miteinander
                ain Suma Gelts oder ain ligend Gut ydem zu gleichen Tail hete legirt oder verordent,
                so sol ir ydem (soverr sy den Todfal erleben) ain Tail daran werden nach Markzal.
                Und ob ainer aus denselben abging, vor und ehe der Todfal geschee, oder das Legat
                sein Craft entpfinge, so sol sein Gerechtigkait den übrigen <pb n="162"/>
                Mitgesellen pleiben und an sy fallen, es hete dann der Gescheftiger andere Maynung
                vor ime gehebt und gesagt: "Ich verorden Ticio, Seio und Sempronio ir ydem hundert
                Gulden." Wo ainer uß denen sterb vor der Becreftigung des Legats, so weren seine
                hundert Gulden auch abgestorben und gefiel ir kainem, sonder allain dem gemainen Gut
                oder dem Erben zu.</p>
              <p>Es sol auch niemant oder kain Person, der was in ainem Gescheft verordent ist, so
                mutwillig und frevlich sein, das er dasselb Legat oder Verordnung aigens Gwalts one
                Wissen und Willen des Erbens oder des Executors selbst neme. Wölcher aber solchs
                tete, der sol dasselb Legat halbs gemainer unser Stat Pfender, und das ander dem
                Erben zu Pen verfallen sein.</p>
              <p>Hete ain <hi rend="it">Testator</hi> oder Gescheftiger ain Legat oder Gescheft one
                Fürwort geordnet und allain der Zalung halben . . . [Anm. Hrsg.: In der Hs.
                gestrichen ...] </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.15">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 15:] Wann ymants mit Fürworten legirt.</head>
              <p>Wann ain Gescheftiger in seinem Gescheft und letztem Willen ainem seinem Frund oder
                anderm ain Gescheft oder Legat mit sondern ausgedrückten Fürworten beschiden als
                nemlich in ainem solchen oder dergleichen Fall, das dem, so legirt ist, dasselb
                Legat sol zusten und gefallen, wann er in ainem Jar nach sein, des Gescheftigers
                Abgang und Tod ain Priester wurde oder anders dergleichen, so sol ime der Erb oder
                Executor von der verlassen Hab raichen und incraft ains Legats überantworten hundert
                Gulden. Und der, dem solch Gescheft und Legat also mit Fürgeding verordent ist,
                verfiele auch mit Tod, ehe das Jar vergangen were, und ehe er Priester worden were,
                so ist dasselb Legat auch gefallen und stirbt der gemainen Hab oder dem Erben des
                Testators zu und haben deß Erben, dem also mit Fürworten beschiden war, kain
                Anfordrung noch Recht.</p>
              <p>Het aber der Gescheftiger das Legat oder Gescheft one sonder Fürwort geordent und
                allain der Bezalung halben Zil und Tag ernennt, als wo ainer sprech: "Ich verorden
                meine Frund, dem N. oder dem hundert Gulden, di sol man ime in zway oder dreien Jarn
                nach meinem Abgang und Tod bezalen." Stürb dann der, dem solch Gescheft verordent
                were, vor Ausgang der Zeit, doch nach des Gescheftigers Tod, so ist man seinen Erben
                das Legat schuldig. </p>
              <p>Es ist auch gar in nottürftiger und fleissiger Acht ze haben, so der <hi
                  rend="it">Testator</hi> und Gescheftiger Zil und Tag setzt, ob er die mit oder one Fürwort
                verstanden hab. Dann wann der <hi
                  rend="it">Testator</hi> sein <hi
                  rend="it">Legatum</hi> auf ain künftige Geschicht, das in ainer Zeit erfüllt soll werden,
                entlich setzt, so haist das "<hi
                  rend="it">legatum</hi> mit Fürworten", als wenn
                ainer spricht: "Wann Ticius zu seinen Tagen kumbt, oder soverr er zu seinen Tagen
                kumbt, so sol ime diser Acker werden. Stürbe Titius, ehe er zu seinen Tagen keme, so
                ist man seinen Erben nichts schuldig." Uß deßgleichen, so ainer spreche: "Wann
                Ticius in dreien Jarn Priester wirdet, so sol man im das Gut geben, stirbt er under
                den dreien Jarn, ist man seinen Erben auch nichts verbunden." Were aber, das der <hi
                  rend="it">Testator</hi>, dem so geordent ist, das Gut one Fürwort schaffte und
                satzt allain Zil und Tag der Bezalung halb, so hat das Legat kain Beding noch
                Fürwort, als wenn ainer sprech: "Ich verschaff Ticio hundert Gulden, die sol man ime
                in drei oder vier Jarn bezalen; desselben Legats wern auf Absterben Ticii seine
                Erben angengig und sol ine das bezalt werden.<pb n="163"/>
              </p>
              <p>Als obstet, "wann Ticius zu seinen Tagen kumbt", ist zu versteen, wann ain
                Manßperson vierzehen Jar irs Alters und ain Medlin zwelfe auf sich genomen
                haben.</p>

              <p>Und dem also mit Fürworten ainich Legat beschiden oder vermacht were, so ist der
                Erb oder der Executor nit schuldig, dem <hi
                  rend="it">Legatario</hi>, bis die Zeit
                der Fürwort vergangen sind, solch Legat zu stellen, aber er ist schuldig, dem <hi rend="it">Legatario</hi> gnugsame Sicherhait und Caucion ze tun, das er ime solch
                Legat oder Gescheft, so Zil und Tag verscheint, one Abgang und Minderung bezalen
                wölle. Wollt sich aber der Erb oder Executor deß zu tun sperren, so wollen wir von
                Ampts und Oberkait wegen solch Legat aus seinen Handen und Gwalt nemen, und das zu
                andern Handen oder gemainem Gwalt, wie uns nach dem pessten ansicht, nemen und
                bewaren lassen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.16">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 16:] Wie, wann und aus was Ursachen die Testament und
                Übergaben werden widerruft und abgetriben.</head>
              <p>Wie der sinnreich <persName>Ulpianus</persName> in ainem seinem Spruch erklert, in
                was Gstalt ain Ding ze Hauf gesetzt, also wirdet es auch widerumben zerütt und
                zenicht gemacht. Dweil dann die Testament, letzt Willen und Gaben auf Todfell
                freywilliglich gescheen, demnach sol und mag ain yde Person all ir Begabung, incraft
                ains letzten Willens oder auf Todfell aufgericht, zu yder Zeit, dweil sy noch
                vernünftig ist und articulirt reden kan und mag, widerrufen und abtreiben, wie dann
                hievor auch bemelt ist.</p>

              <p>Wo aber die Testament und Gaben, die auf Todfal geschehen, nit widerruft wurden und
                ain oder mer, denen verschafft und verordent ist, vor dem Verschaffer oder Geber
                Tods abgingen, so ist dieselb Gab, wie hiervor under der <ref target="#NA.4.1.14">Rubric</ref> "Von den Legaten" auch bemelt ist, auch tod, ab und gefallen und
                wechst dem Erben zu oder dem gemainen Gut, sy were dann anderßwohin verordent und
                beschiden.</p>

              <p>Aber die Übergaben, die under Lebentigen gescheen und mit dem Aid oder Stipulacion
                becreftigt, werden nit leichtlich widerrufen oder abgetriben, es were dann, das der
                  <hi
                  rend="it">Donator</hi> nachvolgender Ursachen, aine oder mer, möcht anzaigen,
                nemlich so der, dem übergeben were, frevenliche Hant an den Übergeber legte. Item,
                wo der, dem übergeben ist, den Übergeber mit schmelichen Worten, die man ,<hi
                  rend="it">injurias atroces</hi>' nennt, antasste, oder auch mit schedlichen Waffen
                überlüfe, jagte, fing oder gefenklich hielte, oder das er dem Übergeber merklichen
                Schaden durch Zugrif an seiner Hab tete, oder wo er dem Übergeber ainiche
                Sorgveltigkait seins Lebens abzenemen zumesse, als mit Tro, Vergiften, Verraten und
                dergleichen. Ob es gleichwol nit würklichen Fürgang erraichte, sonder wer gnug, wann
                der Übergeber in solcher Far und Sorg stünde. Auch die Übergaben, die gescheen, wann
                die Übergeber zur Zeit der Übergab nit Kinder heten, auch nit Zuversicht, der mer zu
                gewinnen und doch mit gotlichem Beistand Kinder geberen und überkemen, dieselben
                Übergaben mügen auch abgetan und widerruft werden, auch wann der <hi rend="it">Donatarius</hi>, das ist der, dem übergeben ist, were seumig an der Enthaltung
                und Narung deß, der ime übergeben hat.</p>

              <p>Und obemelt Artikel und Widerrufung, die ymants fürzenemen understünde, die da
                gescheen weren unter Lebentigen, sollen vor unserm Rate abgetriben und widerruft
                werden mit Bestimbung der Ursach, warumb solch Widerrufung fürgenomen und getan
                  werde.<pb n="164"/>
              </p>
              <p>Aber Testament und Übergaben uf Todßfell mügen allenthalben in Heusern oder am
                Todpett, dweil di Person vernünftig ist und reden kan, widerruft werden, doch mit
                der Gstalt und Zir, wie di aufgericht sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.17">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 17:] Uß was Ursachen die Testament und Übergab
                uncreftig und nit von Wirden sein.</head>

              <p>Alle Begabungen, die da gescheen in Form der Testament under Lebentigen oder auf
                Todsfell, darinnen die Solemnitet auch Würkung [<hi rend="it">hat</hi>] und
                geschicht, wie hievor anzaigt ist und hernach verrer bemelt, nit gebraucht noch
                gehalten, die wirdet und sol bei und von uns weder in Gerichtssprüchen, Urtailen
                noch andern Sachen nit für kreftig, sonder für unmilt und nichtig geacht und
                gehalten werden.</p>

              <p>Item, wo in ainem Testament der recht natürlich Erb in ab- oder aufsteigender Lini,
                auch wo der <hi
                  rend="it">Testator</hi> Güter hete, die von seinen Voreltern
                herrürten, seinen negsten Frund bis in das viert Glied einschließlich, nit zu Erben
                eingesetzt, sonder het dieselben fürgenommen oder one Ursach enterbt; item, wo ain
                Hausfraw von dem <hi
                  rend="it">Testator</hi> ain Kind entpfangen, darvon der <hi
                  rend="it">Testator</hi> kain Wissen gehabt und das in dem Testament nit bedacht
                hete; item, wölch Testament oder Übergab aus Forcht oder Zwangsal gemacht were;
                item, wann der <hi rend="it">Testator</hi> nach aufgerichtem Testament in di Ee
                greift.</p>
              <p>Item, wann der <hi
                  rend="it">Testator</hi> in der Erbsatzung ainen unrechten Erben
                einsetzte oder sunst Mangel fürfiele, das di Erben das Erb nit annemen wollten, so
                ist dieselb Erbsatzung auch zunichten und fellt das Gut an die negsten Sipfrund.
                Doch wo das Testament in ander Weg nit mangelheftig were, so sollten und müssten die
                Sipfrund, oder die Executores sollen nichts weniger alle <hi rend="it">Legata</hi>
                und Verordnung, sy gehören wem oder wohin sy wollen, außrichten; item, das erst
                Testament wirdet durch das nachgemacht ze nichten.</p>

              <p>Auch alle Testament und Übergaben, die da gescheen wider unser Statordnung und
                Zerrüttung derselben, auch dem gemainen Nutz zewider, die sein von Unwirden und
                nichtig, auch alle, die da übergeben under Lebentigen, die noch nit volkomen 25 Jar
                erraicht haben, außgenomen ain Egnos dem andern, die obemelten Rubriken und
                Artikelen under dem <ref target="#NA.3.1">Titel</ref> "Von den Heuraten" nit
                zewider, zesamen geheurat haben. Auch die Übergaben, die durch den Haußvater den
                Kinden zu grosser Beschwerd geschehen, sollen all, ob di jach mit dem Aid oder
                Stipulacion becreftigt weren, von Unwirden und nichten sein, sonder sy mügen durch
                di Erben widerruft und abgetriben werden. </p>
              <p>Wo auch zway Eeleut oder ain Egnos dem andern hete donirt, di Kinder heten, und
                weren der zu gewinnen nit versichtig und überkemen doch Kinder miteinander, solche
                Übergab sol nach diser unser Satzung nichtig und tod sein; auch all Übergaben, die
                da geschehen mit Geding oder aus Ursachen; wann dann das Geding oder die Ursach ab,
                so ist die Übergab auch ab und gefallen.</p>
              <p>Wann auch ainer, der von ainem andern seiner Hab oder Güter gweltiglich entsetzt
                were, dem Entwerer gebe, darmit er die entwert Hab oder Gut wider zu ime precht,
                dieselb Gab ist von Unwirden; item, so Wucher oder gewuchert Gut dem Wucherer
                gesetzt oder gegeben wurde. Wo auch ainer ain Übergab auf Todßfell getan hete und
                dieselb Hab nach der Übergab verwendte, andern verpfen- det oder verkaufet, so ist
                dieselb Gab auch von Unwirden und stillschweigend widerruft.</p>
              <p>Aber all Begabung, darmit gemaine unsre Stat bedacht wirdet, es sey an Wege, <pb n="165"/> Steg, Tor, Prücken, Türn, Greben, Pflaster oder ander Erhaltung gemains
                Nutzs, die sollen zu aller Zeit kreftig sein und gar durch kainer obgemelten noch
                ander Sach willen widertriben werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.18">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 18:] Wie und wann die Begabungen ir Craft erlangen
                und nit widertriben werden.</head>
              <p>Tat ymants in Zeit seins Lebens ain Begabung, es sey durch Testament oder [<hi rend="it">Testaments</hi>] weis getan, und dieselb Begabung, Ordnung und Gescheft
                wurde in ainem Jar, dem negsten nach deß Gescheftmachers Abgang und Tod rechtlich
                nit angefochten, so sol dieselb hinfüro nit mer widertriben werden, es were dannn,
                das di verwonten Parteien, die solchs anzefechten vermainten, ausserhalb Lands oder
                aus rechter Ursach verhindert weren worden, ir Notturft darwider fürzebringen und
                solchs nach unser Erkanntnus, darinnen wir uns dann gantz gebürlich halten wollen,
                für gnugsam angesehen und erkennt wurde. </p>

              <p>Wurde aber ain Testament in anzaigter Zeit angefochten und mit Recht bestriten, so
                sollen die Executores dennoch die verlassen Schuld zuvoran außrichten. Und ob sich
                auch gaistliche oder andere <hi rend="it">Legata</hi> Geschick und Ordnung desselben
                Geschefts nit irrig oder spennig erschinen, oder sich auf Erkanntnus des Rechten
                dermassen hielten, das sy sollen ausgericht werden, dieselben sollen auch mit
                gebürlicher Execucion exequirt und des Testators Will erfüllt werden. Aber was
                spennig oder in Recht angefochten wurde, das soll ruen bis zu rechtlicher oder
                gütlicher Orterung der Sachen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.19">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 19:] Kain Person sol die ander Begabung ze tun oder,
                wo aine gescheen were, zu Widerrufung dringen.</head>
              <p>Wo ain Person von ymant andern ain Begabung ze tun, es were in Form ains Testaments
                oder anderm letzten Willens under Lebentigen oder auf Todfell, wider irn freien
                Willen bedrangt wurde, dieselb Begabung sol kraftlos und von Unwirden sein, wie
                hievor auch anzaigt ist. Und derselb Bedranger, ob ime ausserhalb solcher Begabung
                von des Abgangen verlassen Hab ichts Erblichs angefallen sol sein, dasselb sol er
                darmit als mit der Tat verworcht haben und den andern des Abgangen Erben, die daran
                kain Schuld heten, werden und wachsen. </p>
              <p>Understünde sich auch ain Person, di ander an irem Gescheft zu verhindern, oder, wo
                ain Gescheft und Begabung gescheen were, das di widerruft werden sol, solch
                Widerrufung sol auch (soverr die dargetan oder erfunden wurde, das solche
                Widerrufung unwilliglich, sonder aus Forcht oder Zwangsal gescheen were), von
                Unwirden, sonder die ausgericht Begabung bey Creften sein und bleiben, und dieselb
                Person, so also Verhindrung tut, sol auch alles deß, so ime zufallen mocht, entsetzt
                werden und den negsten Erben fallen und wachsen. Geschee oder fürfiele aber das von
                eussern Personen, die Begabung oder Erbschaft sunst nit berürte, dieselben sollen
                nach Gstalt der Sachen und der Verhandlung, wie wir derhalben ze Rat werden, Straf
                entpfachen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.20">
              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 20:] Von den Executoren der Gescheft, wie und wann sy
                das ausrichten und was Ordnung sy darinnen halten sollen.</head>
              <p>Ain yder <hi
                  rend="it">Testator</hi> oder Gescheftmacher mag in seinem Testament
                und letzten <pb
                  n="165"/> Willen ainen oder mer Executores oder Treuhender, zu denen
                er am meisten Naigung und Gefallen hat, nemen und stellen, doch das dieselben
                Treuhender und Außrichter uns gehorsam und verpflicht sein. Dieselben Treuhender und
                Executores sollen nach Abgang des Gescheftigers dasselb Testament und Gescheft, zum
                schirsten und es füglich sein mag, wie dann hieoben under der <ref
                  target="#NA.4.1.6">Rubric</ref> "Die Testament sollen uns insinuirt werden", für
                uns pringen und sich als <hi
                  rend="it">Testamentarios</hi> und <hi rend="it">Executores</hi> anzaigen mit der Pit und dem Begeren, das wir inen die
                Außrichtung vergönnen. Daruf wollen wir sy mit Pflichten beladen, das sy dasselb
                Testament (soverr es zulessig und von uns für milt geacht wirdet) exequiren nach
                Laut und Vermög des Testators letzten Willen und unserem guten Ansechen.</p>
              <p>Wer oder wölcher <hi rend="it">Executor</hi> und Treuhender uns nit Pflicht tun
                wollten, wie wir ine die derhalben geben werden und unser Pflichtbuch außweist,
                dieselben, sy seien wer sy wollen, kain Person, sy sey uns mit Gericht verwont oder
                nit, ausgenomen, dieselben sollen von dem Ampt der Treuhandschaft oder Außrichtung
                getriben werden und deß Genieß, den sy von des Testators Geschefts wegen, es were
                Erbschaft oder Legat, warten, unentpfenklich sein; und wir wollen an deß oder
                derselben Stat, die sich der Pflicht widern werden und die nit tun wollten, ander
                stellen und den Genies, den die Geordenten in dem Gescheft haben heten mügen,
                zuwenden und Bevelch tun zu exequiren.</p>

              <p>Erstlich und vor allen Dingen sollen sy aller ligenden und varenden Haben und
                Güteren, die der Gescheftiger hinder sein verlassen hat, Inventarium machen lasssen
                durch unsern geschworn Statschreiber und zwair, wie negst bemelte <ref target="#NA.4.1.6">Rubric</ref> "Die Testament sollen uns insinuirt werden"
                inhelt, und nachvolgends zum schirsten zur Execucion greifen, darmit dasselb
                Testament inner Jar und Tag, so vil an inen ist, volstreckt werde. Wann sy aber in
                der Ußrichtung seumig und lessig wern und die ausserhalb redlicher Ursach über das
                Jar verzügen, so sollen sy abermals irs Gnieß, den sy darvon haben sollten und
                machten, gentzlich entsetzt werden und die Außrichtung an uns ainen Rat wachsen,
                darzu wir andere, die das exequiren sollen, verordnen wollen gegen zimblicher
                Belonung, die wir inen derhalben setzen; und der seumigen Executores oder Trewhender
                Gnies sol halber Tail unser Stat Zinsstuben und der ander halb Tail dem Erben oder
                dem gemainen Gut zufallen.</p>

              <p>Und die Executores oder Erben sollen in der Außrichtung die Ordnung halten,
                erstlich, das sy alle des Testators verlassen Schuld bezalen, nachvolgends di legata
                zu milten Sachen, die man ,ad <hi
                  rend="it">pias causas</hi>' nennt, das sein die,
                wo gemainer unser Stat Nutz an Weg-, Stegerhaltung, Türen, Prücken, Pflaster, Tor
                und ander Bevestigung, oder Gotshäusern, Kirchen oder Almusen was beschiden were.
                Nachvolgends sol das Erb angenomen oder repudirt und verschmecht werden und zuletzt
                die ander Ordnung im Testament vergriffen. Und wann das gar und entlich exequirt
                ist, sollen sy uns das Testament und Inventarium abermals überantwurten und daruf
                unsern Vormundherrn gebürliche Darlegung und Rechnung tun, darzu den Erben, die
                instituirt und eingesetzt sein, verkündt werden. Wo aber die Erben nit ze komen, [d.
                h. zu ihrem Erbe] verschenlich were als nemlich, wo der <hi rend="it">Testator</hi>
                ain frömbd Closter oder ander arme Leut zu Erben einsetzt, so sollen di Vormundherrn
                an derselben Erben Stat sein und handelen, wie inen von Ambts wegen gebürte. Item,
                wann ymands, der uns nit mit Aidßpflichten verwont, sonder außmerkisch ist, ain
                ligend Gut durch Erbschaft bey uns anfiele, darmit sol es gehalten werden, wie
                hievor der ailft Titel des ersten Tails "Von der Execucion etc." under der Rubric
                "Vom Einsetzen der, so nit Bürger sein etc." am andern Artikel verleibt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.1.22">

              <head>[WindsheimRef. IV 1 Rubrik 21:] Uß nachvolgenden Ursachen mügen die Eltern ire
                Kind enterben — <hi rend="it">et e converso</hi>.</head>
              <p>Die Eltern mügen durch die hernachbemelten Felle ire eeliche und leipliche Kinder
                väter- und müterlicher Erbfall und Fell entsetzen und irer Legitimen berauben und
                enterben, doch also, das solcher Val der Enterbung in dem Testament oder Begabung
                bestimbt und vergriffen were, und das solcher Fal, so in dem Gescheft gesetzt ist,
                nach Abgang der Eltern zu denselben Enterbten, ob sy der in Abred stünden, lauter
                mügen angezaigt und bewisen werden.</p>
              <p>Zum ersten, wann die Kinder frevenliche Hant an ire Eltern legen und die darmit
                betrüben und frevelich schlachen.</p>
              <p>Zum andern, wann die Kinder iren Eltere swere und unersame Unrecht, Frevel und
                Scheltwort anlegen oder zumessen oder gegen inen fürnemen.</p>

              <p>Zum dritten, wann die Kinder ire Eltern vor Gericht beschuldigen und beclagen umb
                Malefiz und peinlich Sachen und umb Sachen, Leib und Leben berürende, das zu Latein
                ,capitale crimen' genennt wirdet, es were dann, das di Eltern ,<hi rend="it">lese
                  maiestatis</hi>', also, das dieselb Untat ain schwere Verhandlung wider die
                Römisch Kaiserlich oder Königlich Majestet, oder wider den gemainen Nutz und Stand
                unsrer Stat Windßheim were. </p>
              <p>Zum virdten, wann die Kinder Zawbrer weren oder mit denselben Geselschaft triben
                und laisten.</p>
              <p>Zum fünften, wann sich die Kinder understünden, iren Eltern ir Leben mit Gift oder
                andern pesen Anschlegen ze nemen.</p>
              <p>Zum sechsten, wann die Kinder iren Eltern valsche Lasten durch Krieg zufuegen, in
                welchen di Eltern groß Schaden entpfangen oder geliten haben.</p>
              <p>Zum sibenden, wann sich die Söne für den Vater nit wollen verpflichten noch Bürg
                werden, wann der zu unzimblichen Kerkerung und Gevenknus gebracht wirdet.</p>
              <p>Zum achten, wann sich die Kinder mit irer Eltern elichen Gemahelen, als dem
                Stiefvater oder Stiefmuter vermischen und beschlafen. </p>
              <p>Zum newndten, so die Kinder iren Eltern verbieten, gebürliche Gescheft ze tun, und
                so di Eltern darüber ir Testament und Gescheft tun, so mügen sy die Kinder diser
                Ursach halben enterben. Und so aber die Eltern solchs Verpots halb ainich Gescheft
                nit tun möchten, sonder ane Gescheft abgingen, so sollen und mügen
                nichtsdesterminder dieselben Kinder enterbt und derselb Tail, so inen worden sein
                sollte, andern des Abgegangen negsten Erben verfallen sein und werden.</p>
              <p>Zum zehenden, wann der Sone were ain Ferchait, Gaukler oder Catzenritter oder
                deßgleichen, und sich understanden hete, mit unvernünftigen Tieren ze fechten, es
                were dan der Vater auch desselben Ordens und Wesens.</p>

              <p>Zum ailften, so sich die Töchter nit wollten lassen bestetten zu der Ee, so der
                Vater sy nach seinem Vermü-gen, vor und ehe sy 25 Jar alt worden were, hete <pb n="168"/> wollen bestetten, und sy darüber ain lesterlich, unkeusch Wesen
                fürgenomen. So aber der Vater an solcher irer Bestettung seumig, were sy darumb nit
                zu enterben.</p>
              <p>Zum zwelften, wann die Kinder versaumben, den Eltern Narung ze geben und nit
                nottürftige Artzney mittailen, wann die Eltern tobsüchtig und unvernünftig weren,
                und wo die Kinder von Frunden oder Frömbden solchs fürzenemen ersucht werden und
                doch darüber nit teten, und sich die Frund oder Frömbden solchs ze tun understünden,
                denselben Personen, die sich solcher Handlung und Beweisung der Gutat underfangen
                heten, den sol anstat derselben ungetreuen Kinder die Erbschaft werden und
                erdeichen.</p>
              <p>Zum dreizehenden, wan der Son den Vater von den Ungläubigen nit wil erlösen, und
                der Vater in solch Venknus verging, der ist der Erbschaft nit vehig.</p>
              <p>Zum virtzehenden, wann die Eltern Cristen und die Kinder Ketzer wern.</p>
              <p>Herwiderumben und gleich in obbestimbten Fellen ,<hi rend="it">mutatis
                  mutandis</hi>' mügen die Kinder di Eltern irer Erbschaft und Legitima auch
                enterben und berauben. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.4.2">
            <head>[WindsheimRef. IV 2 Titel:] Der ander Titl der virten Tails: Von allerlay gemainen
              natürlichen Erbschaften, die one Gescheft geschehen.</head>
            <div xml:id="WHR4.2.1">
              <head>[WindsheimRef. IV 2 Rubrik 1:] Von der Erbschaft und irer Underschaidung.</head>
              <p>Erbschaft ist ain Nachgang in alles das Recht, das der Gestorben hat gehebt und
                hinder sein verlassen, und gefellt am maisten den negstgesipten Frundten dreyerley
                Linien als absteigend, aufsteigend und zwerchs oder beseit Lini, ydes aus nehin der
                Graden und Staffelen, und ist ain gemain Regel: Wo ain Person one Gescheft Tods
                abget und hinder sein Erben in absteigender Lini verlesst, so werden die Gesipten
                und Gefrundten der andern zwair Linien, wie nahend sy in dem Grad sein,
                ausgeschlossen und der verfallen Erbschaft nit vehig. Wo aber der Abgestorben in
                absteigender Lini kainen Erben hinder ime verlesst, so geen die Gesipten in
                aufsteigender Linien vor denen in der Zwerch- oder Beseiterlinien, ausgenomen Bruder
                und Swester oder derselben Kind deß Abgestorben, die von beden Panden, das ist von
                Vater und Muter, zugefügt sein, die werden sambt den in der aufsteigenden Linien
                zugelassen. Wo aber weder in ab- noch aufsteigender Linien Gesipte vorhanden wern,
                alßdann werden di aus der Beseiten- oder Zwerchlinien zugelassen, wie dann hernach
                under yder Rubric lauterer Verstand anzaigt wirdet. </p>
              <p>Zu lauterem Verstand der Wort ,gesipte Lini' und ,Grad' ist zu merken erstlich, was
                die drey Wort ,Sipt', ,Lini' und ,Grad' sein und haissen; erstlich: Sipschaft ist
                ain Gebend und Verainigung des Geblüts etlicher Personen, die aus ainem leiplichen
                Stamen und ye ain Sipt von der andern entspringt und herfleußt durch die Linien.</p>
              <p>,<hi rend="it">Linia</hi>' haißt und ist ain Versamblung der Personen, so von ainem
                gemainen Stamen komen und verrer Zalen durch Graden oder Staffel underschiden.
                ,Graden' oder ,Staffel' haißen Zaichen, dardurch man kan und mag abnemen und
                erfinden, wie verrer die Person in der Sipschaft von einander geschiden sein, wie
                aus nachvolgender Ver-zaichnus klerlicher Verstand mag geschöpft werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR4.2.2">
              <head>[WindsheimRef. IV 2 Rubrik 2:] Erbfell in absteigender Lini.</head>
              <p>So ymants one ainich Gescheft und Ordnung Tods abget und hinder ime rechte
                eeleubliche, eeliche Kinder verlesst, es seien der vil oder wenig, so erben
                dieselben alle verlaßne Hab und Güter in die Hewbter, das ist nach Anzal der
                Personen gleich miteinander "als menig Mund, als menig Pfund".</p>
              <p>Wern aber neben denselben Kinden in rechter absteigender Lini auch Kinds Kinder,
                die man dann nach unserm und frenkischem Gezüng "Tiechterlin" nennt, so sollen
                dieselben, alle und yde, für ain Person in dem Stamtail (das ist, das sy alle als
                vil als ir Vater oder Muter von solcher Erbschaft, wo sy den Fal erlebt heten,
                geworden wer), so zu solch Erbschaft gelassen werden.</p>
              <p>Wern auch neben obgemelten Kindern und Tiechterlin Urtiechterlin oder ander in
                rechter absteigender Linien verrer verwont vorhanden, dieselben sollen auch anstatt
                irer abgegangen Eltern wie oblaut in den Stamtail zugelassen werden. Wern aber nit
                Kind, sonder Tiechterlin oder Urtiechterlin vorhanden, oder ander in rechter
                absteigender Lini, und es were ydes Tails vil oder wenig, so sol alßdann die
                Erbschaft in den Stamen getailt und ydem Stamen als vil werden als seinen Eltern, wo
                es den Fal erlebt hete, geworden were. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.2.3">
              <head>[WindsheimRef. IV 2 Rubrik 3:] Erbfell in aufsteigender <hi rend="it">Linia</hi>.</head>

              <p>Get dann ymants one ainich Gescheft abe und verlesst kainen eelichen Leibßerben in
                absteigender <hi rend="it">Linia</hi>, sonder verlesst hinder ime Vater und Muter,
                sy bede oder ir ains, dieselben (des abgegangen Vater und Muter) erben des
                Abgegangen verlassen Hab und Gut vor allen andern in aufsteigender oder
                Zwerchlinien, außgenomen des Abgestorben Bruder oder Swester von Vater und von
                Muter, wo die vorhanden wern, oder derselben Bruder und Swester eeleubliche Kind,
                die werden mit des abgangen Vater und Muter zu der Erbschaft gelassen und dieselb
                under sy getailt "als menig Mund, als menig Pfund". Doch die Geschwistergeit Kind
                werden nur in den Stambtail, das ist, das sy alle an irs Vaters oder der Muter Stat
                für ain Person gerechent sollen werden, zugelassen.</p>
              <p>Verließ aber ymants nit Vater noch Muter, sonder Anherrn oder Anfrawen und neben
                denselben Bruder oder Swester von Vater und Muter oder derselben Geschwisterd Kind,
                so erben derselb Anherr oder Anfraw sambt den Geschwistergeiten oder derselben
                Kinder des Abgegangen Hab und Gut "als menig Mund, als menig Pfund", doch die
                Geschwisterd Kind allain in den Stamtail, bei negst oberürter Artikel verlaut.</p>

              <p>In solcher Massen erben auch Uranherren und Ur-anfrawen, und also fürt ,auf und
                auf' ze rechnen und schliessen aus die Geschwistergeit, die von ainem Pand als vom
                Vater oder von der Muter allain Geschwistergeit sein, und vil mer derselben Kind und
                ire Tiechterlin. <pb n="170"/>
              </p>
              <p>Wo aber nit Geschwistergeit von beden Eltern noch derselben Kind zur Zeit des
                gefallen Erbfals vorhanden weren, so erben Vater und Muter vor dem Anherrn und
                Anfrawen, Anherr und Anfraw vor Uranherrn und Uranfrawen, und fürt auf in
                aufsteigender Lini, und werden die Tiechterlin der Geschwistergeit von Vater und
                Muter, auch die Geschwistergeit vom Vater allain oder von der Muter allain, und all
                ander uf der Seiten- oder Zwerchlinien ausgeschlossen und nit zugelassen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.2.4">
              <head>[WindsheimRef. IV 2 Rubrik 4:] Erbfell in Beseiter- oder Zwerchlinien.</head>
              <p>Get aber ymants mit Tod one Gescheft und Ordnung one eelich Erben in ab- oder
                aufsteigender Lini ab und lesst hinder ime eeleubliche Geschwister von beden Panden,
                das ist von Vater und von Muter und neben denselben Geschwisterden, Geschwisterd
                Kinder, alßdann erben dieselben Geschwisterd und di Geschwisterd Kind des Abgegangen
                verlassen Hab und Gut gleich miteinander, doch allain, das die Geschwistergeit
                Kinder nit mer dann ainen Stamtail als vil, als ir Vater oder Muter erben het mügen,
                nemen.</p>
              <p>Und solche Geschwisterd, von beden Panden geboren, und derselben Kinder schliessen
                aus an der Erbschaft ire Mitgeschwistergeit, allain vom Vater oder allain von der
                Muter inen zugefügt; sy schliessen auch aus alle andere negstbeseite gesipte Frund,
                kainen ausgenomen.</p>
              <p>Wo aber solche Geschwisterd von beden Panden, das ist von Vater oder Muter geboren,
                nit vor Augen, sonder ire Kinder in Leben erschinen, solche Geschwisterde Kinder
                erben des Abgegangen verlassen Hab und Gut vor den Geschwistergeiten von ainem Band
                und vil mer vor derselben Kind Enikel.</p>

              <p>Weren aber allain Geschwistergeit Kind, von Vater und von Muter verwont, vorhanden
                zur Zeit des gefallen Erbtails und, wiewol derselben Geschwisterd Kinder ungleich in
                dem Stamen, also das des ainen Geschwistergeits Kind drei oder vire, und des andern
                sechse oder achte, zu beden Tailen mer oder wenigeren wern, so sollen dieselben
                Geschwisterd Kinder, alle und yde, gleich miteinander in die Hewbter, das ist "als
                menig Mund, als menig Pfund", zu der Erbschaft gelassen werden unangesehen, ob des
                ainen Abgestorben Geschwistergeits Kind wollten anzaigen und fürgeben, sy gingen
                anstat irer Eltern, wie hievor under der <ref
                  target="#NA.4.1.2">Rubric</ref>
                "Erbfal in absteigender <hi rend="it">Linia</hi>" von etlichen mocht verstanden
                werden. Das ist in diser Beseiten- und Zwerchlinia nit also zu versteen; dann
                dieselben Geschwisterd Kinder, haben davor irer väter- oder müterlicher Erbschaft
                ain Vergnügung. Und das ist allain ain erblicher Fall von ainem Vettern oder von
                ainer Pasen herrürende; derhalben seind sy gleich an dem Grad, so sein sy auch
                gleich an dem Rechten, und hat kains vor dem andern kainen Behelf noch Vortail. Und
                hierinnen schliessen aus die Kinder der Geschwistergeit von beden Panden der
                Geschwistergeit Kinder von ainem Bande.</p>

              <p>Weren aber solcher Geschwistergeit Kinder von beden Panden, das ist von Vater und
                von Muter nit vor Augen, sonder derselben Tiechter und neben denselben Tiechtern des
                Abgegangen Geschwistergeit von ainem Band, so erben dieselben Geschwistergeit von
                ainem Pand und die Tiechter (es weren ir vil oder wenig) für ain Person ze rechnen
                gleich miteinander des Abgegangen verlassen Hab und Gut. Und dise schliessen alle
                des abgegangen Vater oder Muter Bruder und <pb n="171"/> Swester, auch alle andere,
                die vater- oder muterßhalben gesipt weren, auß an der Erbschaft. </p>
              <p>Wo aber der Geschwisterd Tiechter von beden Panden kains vor Augen erschine, sonder
                allain weren vorhanden des Abgegangen Geschwistergeit von ainem Pand und auch
                derselben Geschwistergeit Kinder, so erben die Geschwistergait von ainem Pand in die
                Hewbter und die Geschwistergeit Kinder in den Stamtail. Und dise Geschwistergeit von
                ainem Pand oder derselben Kinder schliessen aus am Erbnemen des abgegangen Vaters
                oder Muters Bruder und Swester und alle, die inen vaters- oder muterßhalben gesipt
                sind, und irrt hierinnen gar nit, das des abgegangen Vaters oder Muter Bruders mit
                den Kindern der Geschwisterd von ainem Pand in gleichem Grad sein. Dann wiewol der
                Grad gleich, so ist doch das Recht zu der Erbschaft ungleich. Dann die Kinder treten
                in disem Fall in die Fuesstapfen irer Eltern und werden inen vergleicht.</p>
              <p>Hete aber deß, der oder die Abgegangen hinder inen verlassen Geschwisterd von dem
                Vater allain und Geschwisterd von der Muter allain, so nemen di Geschwisterd von dem
                Vater die Hab, so von dem Vater allain, und die Geschwisterd von der Muter di Hab,
                so von der Muter allain herkomen ist. Heten aber di Abgegangen miteinander was
                erspart und gewonnen, das erben sy gleich miteinander "als menig Mund, als menig
                Pfund". Deßgleichen nemen Erb di Geschwisterd Kinder an ainem Tail für ain Person
                und in dem Stamtail ze rechnen mit den Geschwisterden, wie obemelt ist. </p>
              <p>Sein aber nit Bruder oder Swester noch derselben Kind vorhanden, sonder des
                abgegangen leiplichen Vaters Bruder oder Swester von Vater und Muter verstamentlich,
                und neben denselben seiner leiplichen Muter Bruder oder Swester verstamentlich, so
                ordnen wir, das dieselben, des Vaters und der Muter Geschwistergeit, des
                Abgestorbenen verlassen Hab oder Gut gleich miteinander tailen "als menig Mund, als
                menig Pfund", ungeacht von welchem Tail der Personen mer an der Zal weren.</p>
              <p>So aber das mit Tod Abgegangen verlesst seins Vaters Bruder oder Swester von ainem
                Pand, das ist vom Vater oder von der Muter allain, und seiner Muter Geschwisterd
                auch von ainem oder beden Panden, so sollen dieselben, wölche von beden Panden
                Geschwisterd sein, vor denen, die allain von ainem Pand Geschwisterd sein, zu der
                Erbschaft des Abgestorben verlassen Hab und Gut verlassen werden.</p>

              <p>Wer aber, das das Abgestorben hinder ime verließ seins Vaters Geschwisterd,
                demselben vom Vater allain verwont, und seiner Muter Geschwisterd, demselben von der
                Muter allain gesipt, so sollen di vom Vater zu der Hab vom Vater herkomen und die
                von der Muter zu der Hab von der Muter herkomen ist, gelassen werden. Aber gleiche
                Hab, di weder vom Vater noch von der Muter Herkomen bewisen werden möcht, erben sy
                gleich miteinander. Wo aber obemelter Sipfrund zur Zeit des gefallenen Erbfals
                kainer vor Augen erschin, so erben dann darnach, die am negsten gesipt sind und
                schleusst ye das neher das verrer aus, und die, so dy negsten und gleich im Grad
                sein, erben gleich miteinander in die Hewbter, unangesehen, das sy vom Vater oder
                von der Muter Gesipfrund sein, aus ainem oder beden Panden. <pb n="172"/>
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.2.5">
              <head>[WindsheimRef. IV 2 Rubrik 5:] Erbfell zwischen Stiefvater und
                Stiefkinden.</head>
              <p>Wir wollen auch hiemit sonderlich fürsehen, wo fürfiele, das ain Stiefvater oder
                Muter Stiefkinder heten, die noch under iren Jaren und in vermelter irer Stiefvater
                oder Muter Verwaltung und Narung, und der Kinder weren ains oder mer und aus beden
                Elteren Geschwisterd, das dann ain Geschwisterd das ander in allen verlassen Haben
                erben solle. Wo aber der Stiefkind ains were und Tods abging und in ab-,
                aufsteigender- noch in beseiter Linien kain eelichen Sipfrund hete bis in das virdt
                Glid uf und ab ze rechnen, so sol der Stiefvater oder die Stiefmuter desselben
                Stiefkinds verlassen Hab, das Stiefkind were in irer Verwaltung oder nit, zum
                sechsten Tail und die anderen des Kinds Frund das übrig erben.</p>
              <p>Deßgleichen, ob der Stiefvater oder Stiefmuter abstürben und auch, wie oblaut, in
                ab- aufsteigender oder beseiter Linien ,für und für' ze rechen, bis in den virten
                Grad kainen Sipfrund heten, so sollen dieselben Stiefkinder auch den sechsten Tail
                irs Stiefvaters oder Stiefmuter verlassen Hab und das übrig di andern
                Negstgefrundten erben. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.4.3">
            <head>[WindsheimRef. IV 3 Titel:] Der dritt Titl des virten Tails: Von ledigen Kinden,
              wie die erben etc.</head>
            <div xml:id="NA.4.3.1">
              <head>[WindsheimRef. IV 3 Rubrik 1:] Von dem Namen der ledigen Kind.</head>

              <p>Doch sind beyweilen vorhanden etliche Kinder, die ausserhalb eelicher Vermehelung
                geboren werden und dennoch der Erbschaft, von Vater oder Muter herrürende, vehig
                sind, und diser Kinder sind menigerlay Namen. Etliche haissen <ref
                  target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=natürlich-2.2">natürliche</ref> Kinder, etliche ,<ref
                  target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Bastard">Bastardii</ref>', ,<hi
                  rend="it">Spurii</hi>' oder ,<hi rend="it">Manseres</hi>' und etliche ,<hi rend="it">Nothy</hi>'.</p>
              <p>Natürliche Kinder haissen auch ,<ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=liebkind">Liebkinder</ref>'
                und sein die von zwayen ledigen Personen, die nit eelich sitzen, sich zesamen
                halten, als wann ainer ain Concubin und ledige Diern, die sich an ime allain helt,
                in dem Hawß bey ime hat, und haissen darumben ,natürliche Kinder', das sy von Natur,
                und aber doch nit aus der Er und Zucht der Vermehelschaft geborn sind.</p>
              <p>
                <hi rend="it">Bastardii</hi>, <hi rend="it">Spurii</hi> oder <hi
                  rend="it">manseres</hi> sind die von gemainen ledigen Frawen, die sich nit allain zu ainem
                Man allain, sonder sich ytzt an den, und dann an disen halten, dero Vater ungewiß
                ist, werden geboren. Und dise Kinder könnden noch mügen sy kainer Dignitet noch
                genennter Sipschaft freyen. <hi
                  rend="it">Nothy</hi> oder <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=kebisch">kebisch</ref> Kinder sind die aus verdambter
                Vermischung geboren werden, als wann der Eltern ains gaistlich und Got ergeben, oder
                in eelichem Stand wern. Und dise Kinder mügen sich auch gar kainer Dignitet noch
                genennter Sipschaft freyen und haissen ,Unflatskinder'. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.3.2">
              <head>[WindsheimRef. IV 3 Rubrik 2:] Wie die natürlichen Kind erben.</head>

              <p>Natürliche oder Liebkinder erben, wo der Vater andere eeleubliche Kinder hete, von
                den väterlichen Güteren gar nichts, aber von denselben väterlichen Gütern <pb
                  n="173"/> sollen sy erzogen werden. Wo aber der Vater kain eeleublich, sonder
                allain natürliche Kinder hete oder verliesse, so erben dieselben Kinder sambt irer
                Muter, oder, wo dieselb nit in Leben were, von den väterlichen Gueteren den sechsten
                Tail, und das übrig nemen des abgestorben Vaters Negstgesipt in der aufsteigenden
                oder in der Zwerchlinien. Auch erben dieselben natürlichen Kinder, wo nit
                eeleubliche vorhanden sein, die erblich Gerechtigkait, ,<hi rend="it">ius
                  prognati</hi>' genennt.</p>
              <p>Hete aber die Muter rechte eeleubliche Kinder, und neben denselben natürliche
                Kinder, so erben die ee-leublichen und auch die natürlichen Kinder der Muter Gut
                gleich miteinander "als menig Mund, als menig Pfund". Hete aber die Muter kain
                eeleublich, sonder allain natürliche Kinder, so erben dieselben der Muter Güter, als
                weren sy eeleubliche Kinder.</p>
              <p>Item die natürlichen Kinde (wo dieselben heten Geschwistergeit, die ir Vater oder
                di Muter in ainer Ee eeleublich geboren heten), erben von denselben iren
                Geschwistergeiten, wann dieselben Geschwistergeit andere rechte eeleubliche
                Geschwistergeit haben, oder derselben Kinder gar nichts. Wann aber derselben
                Geschwisterd oder ire Kinder gebrechen, alßdann so werden di natürlichen
                Geschwisterd vor andern Sipfrunden in der beseiten Linien zugelassen.</p>
              <p>Dise natürlichen Kinder erben auch nichts von irem Anherrn, wo derselb eeleubliche
                Kinder hete. Wo aber der Anherr kain eeleubliche Kinder hete, alßdann volgen di
                natürlichen Kind nach und erben iren Anherren oder Anfrawen den zwelften Tail irs
                Guts und das übrig die Negstgesipten.</p>
              <p>Aber Anherren, Anfrawen und ander gesipt Frund, die inen, den natürlichen Kinden
                Muterß halben zugetan und verwont sind, wo dieselben andere eeleubliche Kind hete,
                so erben die natürlichen Kinder den zwelften Tail aller verlaßen Hab, und die andern
                ailf Tail erben di eeleublichen Kinder. Wo aber nit eeleubliche Kinder vor der Hand
                und in Leben wern, so erben sy, dy natürlichen Kind den sechsten Tail, und das übrig
                erben di Negstgesipten des Geblüts.</p>
              <p>Aber solche natürliche Kinder erben von denen, di irer Vater oder Muter in der
                Beseiten- oder Zwerch-linien gesipt sein, gar nichts, deßgleichen erben sy nach irem
                Anherrn oder irer Anfrawen in aufsteigender Lini auch nichts. Zudem so sind sy auch
                weder Lehengüter noch Erbbestentnus mit Erbbestentnus nit vehig, es geschee dann mit
                ainem sondern Pact oder Geding, von dem Vater aufgericht.</p>

              <p>Item, der Vater mag auch solche seine natürliche Kinder neben und bey seinen
                eeleublichen Kindern in dem Testament zu Erben ernennen und einsetzen, doch allain
                nit mer dann in den zwelften Tail seiner Güter neben den natürlichen Kindern. Wo
                aber der Vater kain eeleublich, sonder allain natürlich Kind hete, auch nit in Leben
                weren, [<hi
                  rend="it">sie</hi>] sein des Vaters Vater oder Muter, so mag er seinen
                natürlichen Kindern setzen, als vil er wil, doch das er seinem Anherrn und Anfrawen
                oder andern in aufsteigender Linien von Vater und Muter Gesiptem ,<hi
                  rend="it">legitimam porcionem</hi>', darvon hievor "<ref target="#NA.4.1">Von den Begabung
                  und Testamenten</ref>" gemelt ist, was dieselb Porcion sey, vorbehalt und nit
                entziehe. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.3.3">
              <head>[WindsheimRef. IV 3 Rubrik 3:] Wie und was die Bastarden erben.</head>
              <p>
                <hi rend="it">Bastardi</hi>, <hi rend="it">Spurii</hi> oder <hi
                  rend="it">Manseres</hi> genennt, das sein die von gemainen ledigen Frawen geboren werden,
                wie dann hievor in diesem Titel under der <ref
                  target="#NA.4.3.1">ersten Rubric und
                  am dritten Artikel</ref> verleibt ist. Diese Kinder erben von väterlichen Haben
                und Güteren gar nichts und noch vil weniger von desselben Gefrundten, in was <pb n="174"/> Linien die sein. Aber die müterlichen Hab erben sy mit den eelaublichen
                Kinden, wo sy die Muter hete. Wo aber eleubliche Kinder nit vor Augen erschinen,
                erben sy dieselben allain. Wo auch nit eeleubliche Geschwisterd vorhanden sein,
                erben sy aneinander. Auch erben sy, wo sunsten neben ine nit eeleubliche Kinder
                weren, von denjenen, die inen muterßhalben gesipt sind, den sechsten Tail der
                verlassen Hab, doch Lehengüter und Erbbestentnus ausgeschiden, und das übrig nemen
                di anderen negstgesipten Personen.</p>
              <p>Sonderlich ist auch ze merken, wie und in was Tail, und wenn solche obemelte
                natürliche Kind und dergleich als Bastardikinder erben, also herwiderumben erben
                dieselben solche Kinder, wo sy one eelich lebendig Leibßerben und one Gescheft
                verfielen. </p>

              <p>Und wiewol nach Sag der Recht inen, den Bastarden der Vater in Testamenten, dweil
                er für ainen ungewisen Vater geacht wirdet, nit <hi
                  rend="it">Tutores</hi> oder
                Vormünd setzen mag, sy auch von desselben Vater noch Gefrundten Haben und Gütern
                nichts Erblichs besitzen und ankomen mügen, wollen wir doch hiemit in diser Satzung
                günstigen und zulassen, das ain yder gemainter Vater oder desselben Gefrundten, oder
                ander diesen Bestarden (wo sy in auf- oder absteigender <hi rend="it">Linia</hi> nit
                Noterben hat), auch kain Geschwisterd oder derselben Kind haben) in iren Testamenten
                und letzten Willen mügen fürsehen und begaben, darmit sy zu erberm Wesen, Handlung,
                Hantwerk und Übung komen mügen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.3.4">
              <head>[WindsheimRef. IV 3 Rubrik 4:] Von Erbschaft der Kinder, so aus verdambter
                Vermischung geboren sein.</head>
              <p>
                <hi rend="it">Nothi</hi> oder Kebischkinder, dweil sy aus verdambter Vermischung
                und abscheulicher Geburt herkomen, sind sy nach gemainem Rechtem nit ze nennen; aber
                darmit in dem Namen der ledigen Kind Underschid gemerkt, werden sy ,Unflatskinder'
                gehaissen und sein weder in Testamenten noch andern Ordnungen, noch auch sunst nach
                natürlichem Erbfal weder von Vater, Muter noch andern derselben Gesipten ze erben
                gar nichts entpfenklich, allain das Vater und Muter aus Natur und Ordnung, dweil sy
                under iren Jaren, sind schuldig, von Hungersnot aufzebringen und zu erneren.</p>
              <p>Wir wollen inen aber hiemit aus Gütigkait nach-lassen und Begnadung tun, wo
                derselben Kind Eltern weder in auf- noch absteigender, noch auch in zwerch und
                beseiten Linien kainen Sipfrund heten bis in das vird Glidt, das alßdann dieselben
                Eltern denselben Kindern den sechsten Tail irs Guts, darmit sy zu Hantwerk oder
                anderm redlichem Wesen komen möchten, in irem Testament oder ander Ordnung vermachen
                und aufgeben mügen; und die Übermaß sollen nemen dy Negstgesipten. Weren aber die
                Eltern unbefrundt bis in das sechst Glid, sollen und mügen sy inen, den Kindern, den
                virten Tail irs Guts vermachen und übergeben, und das übrig felt uf di Sipfrund.
              </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.4.4">
            <head>[WindsheimRef. IV 4 Titel:] Der virt Titl des virten Tails: Von den <ref
                target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Ehekind">Eekindern</ref> etc. <pb n="175"/>
            </head>
            <div xml:id="WHR4.4.1">
              <head>[WindsheimRef. IV 4 Rubrik 1:] Was ain Eekind sey.</head>

              <p>Eekinder sein und haissen, die durch ain Beredung ainer Kintschaft zu Erben gemacht
                werden, wie dann hievor in disem Tail under dem anderen Titel under der <ref target="#NA.3.3.9">Rubriken</ref> "Von den Kintschaften" bemelt ist. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.4.2">
              <head>[WindsheimRef. IV 4 Rubrik 2:] Was, wie und von wem die erben.</head>
              <p>So Ekinder mit rechten eeleublichen Kindern nach Abgang irer gemachten Vater oder
                Muter vorhanden weren, so sollen solche Eekinder mitsambt den rechten eeleublichen
                Kindern zu der verlassen Erbschaft gelassen werden "als menig Mund, als menig Pfund"
                in allermassen, als wern sy alle von denselben Egnossen leiplich geboren.</p>
              <p>Aber dise eeliche Kinder sollen noch mügen incraft der Abred der Kintschaft
                derselben irer gemachten Vater oder Muter gesipten Frund, in aufsteigender oder
                zwerch Linien gesipt, nit erben, sy weren dann denselben sunsten aus angeborner
                Fruntschaft verwont, also das sy nach gemainen Rechten oder ander unser Ordnung zu
                dem Erbfal Fug heten.</p>
              <p>Sonderlich sol in Acht und Gedechtnus gehalten werden: wann sich begibt, das der
                eelichen Kinder (durch die Abred der Kintschaft) gemacht Vater oder Muter Tods
                verfallen und Tailung zwischen der verfallen eeleub-lichen und eelichen Kindern um
                väter- oder müterliche Hab gescheen were, alßdann so hat die Kintschaft auch ir Ende
                erraicht, ist geloschen und gefallen, und erben die Kinder, die aus ainem Vater
                geboren sein, aneinander, und die aus ainer Muter geboren sein, auch aneinander.</p>

              <p>Gefiele aber, das ain Man Tods abging und nach ime verließ sein Hausfrawen, die
                Witben und ire eeleubliche Kinder, und dann die Witbe sich in die anderen Ee begebe
                und mit den Kinden, mit irem vorigen Haußwirt geboren, und auch den Kinden, die sy
                in der andern, nachgenden Ee gebere, Ainkintschaft macht inmassen und Form, wie
                hievor verlaut ist, und dann denselben Kinden, in der ersten Ee geboren, etwas von
                iren Gefrundten erbßweiß zufiele, so sol und mag sich der gemacht Vater durch die
                Abred der Kintschaft derselben seiner gemachten Kind angefallen Erbfals, wo sy, die
                Kinder noch in seinem Gwalt und under 25 Jaren weren, underziehen, gebrauchen und
                niessen, das das Ir der Vater dieselb Hab laß aigentlich durch unsern Statschreiber
                und zwair des Rats inventiren oder in das Vormundbuch beschreiben, den Kinden das
                Aigenthumb daran vorbehalt in guten, wesenlichen Baw und Pesserung, wie hievor im
                andern Titel des dritten [<hi
                  rend="it">Tails</hi>] "Von Niessung der Hab etc."
                under der <ref target="#NA.3.2.4">Rubric</ref> "Von Niessung der Güter, die den
                Kinden ausserthalb zufallen" durchaus bemeld wirdet.</p>
              <p>Wo aber die Kinder, den solcher Erbfal zugestanden were, 25 Jar alt in eelichem
                Stand und Wesen weren, so sol der gemacht Vater denselben Kinden iren erlebten
                Erbfal uf ir Begeren zustellen und umb di Abnutzung und Gnieß, den er darvon bis zu
                der Zeit der Erfordrung gehabt hat, nichts schuldig sein.</p>

              <p>Wann aber die Fraw also verstürb und abging und den Man und eeleubliche Kinder
                hinder ir verliesse, und derselb Man auch zur andern Ee griffe und Ainkintschaft
                machte, sol es in allermassen, wie <ref
                  target="#NA.3.2.4.">negstbemelt zwen
                  Artikel</ref> under inen beschliessen, gehalten werden. <pb n="176"/>
              </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.4.5">
            <head>[WindsheimRef. IV 5 Titel:] Der fünft Titl des virten Tails: Vom Tailen und
              Vergleichen der Erbschaft.</head>
            <div xml:id="NA.4.5.1">
              <head>[WindsheimRef. IV 5 Rubrik 1:] Wie die Vormünder die Kinder, so unzimblich Cost
                wollen gebrauchen, sollen von den andern Kinden tailen.</head>
              <p>So Kinder oder Erben in gemainer unvertailter Hab und Erbschaft seien, und etliche
                Kinder über ir zimbliche Notturft etwo unzimblich Cost wolten gebrauchen, alßdann
                sollen die Vormünder derselben Kinder mit denselben Kinden, so also Cost gebrauchen,
                mit Wissen der gesatzten Vormundherren abtailen und dieselben Kind wegsondern. Wo si
                sich aber der Tailung und Absonderung sperren wolten, so sol inen ir unzimblich
                Übermaß und Cost nachvolgends an irem Tail, darmit die andern Erben nit merklichen
                Nachtail oder Schaden entpfachen, abgezogen werden. Und solche Tailung, wie, in was
                Gstalt die geschicht, die stellt kain künftige Wart der Erbfell abe, es were dann,
                das sy sich derselben gnugsam verzigen hete. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.5.2">
              <head>[WindsheimRef. IV 5 Rubrik 2:] Wie die entpfangen Heuratgüter sollen in gemainer
                Tailung eingeworfen werden und was nit.</head>
              <p>Hetten auch etliche Kinder oder Erben von den Eltern und denen, die sy vermainen zu
                erben, ainich Heuratgut entpfangen und eingenomen, das sollen sy zu gemainer Tailung
                einwerfen, also das ir ydlichem als vil als dem andern werde, doch bedorf dasjen,
                dem solch Heuratgut worden und geben ist, dasselb nit hinausgeben, sonder
                stillsteen, solang und vil, bis seine Miterben ir ydes auch als vil habe als ime
                gebürt hat. Aber sonsten andere gekoste oder gegebne Hab und Gut dürfen sy nit
                einwerfen, es heten dann solch Costung die Eltern in iren Gescheften einzewerfen und
                zu vergleichen verordent. Darbey sol es entlich bleiben, doch solchs alles den
                Miterben an iren Legitimen, so icht durch Costung oder Gab übersetzt were, one
                Schaden. Was auch ainem in Testament, Gescheft oder andern letzten Willen was
                beschiden oder gesetzt were, das ist man nit schuldig einzewerfen, es hete dann der
                Begaber ainiche Meldung darvon getan.</p>
              <p>Und solch Gerechtigkait, Güter einzewerfen und zu vergleichen, erfordern und
                begeren, wechst fürtter uf di nachgeenden Erben also, so Tiechterlin aus ainer
                Tochter geboren, mit des Vatern Geschwisterd und Tiechter aus ainem Sone oder
                Tochter komen, mit der Muter Bruder zu Tailung ains Erbfals geen wollen, sind
                schuldig einzewerfen Heuratgüter und Brautgaben, di irem Vater oder Muter worden
                sind. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.4.5.3">
              <head>[WindsheimRef. IV 5 Rubrik 3:] Yde Erbschaft oder yder Tail sol sein angebürend
                und seins Tails gemacht Schulden bezalen.</head>

              <p>Wern aber auch Schulden bey mer dann ainerlay Eltern gemacht worden, sol yde
                Erbschaft dem gemainen Sprichwort nach "Die Schuld sey negster Zaler ir Schuld deß,
                das er erbt", auszerichten und zu bezalen verpflicht sein. Doch stet <pb n="177"/>
                in des Erben Macht, sich solcher Erbschaft und Schuld anzenemen oder zu entschlahen.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="WHR4.5.4">
              <head>[WindsheimRef. IV 5 Rubrik 4:] Bey was Pflichten man tailen sol.</head>

              <p>Erfunde sich nach geschehner Tailung, das nit gleich getailt, sonder ainichs
                hinderhalten, verschwiegen und nit in die Tailung gebracht worden were, solchs mag
                nach geschehner Tailung dennocht erfordert und die, so solchs hinderhalten het, mit
                gebürlichem Zwang darzu gewisen werden, solch ungetailte Hab nochmals einzewerfen
                und in Tailung ze legen, bey dem Aid "Rechter Tailung" hievor under dem dritten
                Titel des dritten Tails am <ref target="#284r">284 Plat</ref> eingeleibt. </p>
            </div>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.5">
          <head>[WindsheimRef. V Titel:] Der fünft Tail dits Buechs sagt von Schme, Iniurien und
            andern gefügten Scheden, der Stat Bew, Undergengen und bürgerlicher fridlicher Wonung
            und hat fünf Titul in sich.</head>
          <div xml:id="NA.5.1">
            <head>Der erst Titl des fünften Tails: Von Schme, Iniurien und andern gefügten
              Scheden.</head>
            <div xml:id="NA.5.1.1">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 1:] In was Gestalt Iniurien gescheen und was ,<hi rend="it">iniuria</hi>' haisst.</head>
              <p>Erstlich bedeut das Wort ,<hi rend="it">iniuria</hi>' nach Maynung und Außlegung
                der Schrift: Alles, das ainem one oder wider Recht zu Schaden und Verletzung
                zugefügt und getan wirdet, und das beschicht in menigerlay und fürnemlich in
                dreyerlay Weiß, erstlich mit Worten, das ist, wenn ainer den andern seiner Ern und
                guten Leumats berüchtigt, als wo ainer den andern ainen Schalk, Dieb, Bößwicht oder
                dergleichen getanen Worten beschilt und guten Leumat abschneidt, es sey offenlich
                under Augen oder haimlich zurück. Zum dritten geschichts mit Schmachschriften,
                Liederen, Hewserbezaichnen oder andern schmelichen Gedichten und dergleichen, die
                ymants dem andern zewider macht, anschlecht, list, singt und also zu verletzen
                understet. Zum dritten geschichts mit tetlicher Handlung, als ainem über seinen
                Willen in seine Hewser, Gründt und dergleichen ze geen, auch mit Schlahen, Raufen
                oder Werfen, es sey mit oder one gewappend Hende. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.2">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 2:] In was Gstalt und wu der, dem Iniurien geschehen
                sein, Clag fürnemen mag.</head>

              <p>Dieweil, wie man gemainklich sagt und war ist, das menschliche Art behend und
                schnell sey zu Pösem, seinen Negsten zu vervolgen, so ist gebürlich, ye mer sich
                ymants dem andern zu Widerdries ereugt, das die Straf ye herter und grösser darnach
                volge, darmit gut ainig Wesen under der Bürgerschaft müg bleiben. Dann wo getanem
                Übel nit zimbliche und pilliche Pueß und Straf nachvolge, möcht kain Ordnung, Frid
                noch gemainer Nutz enthalten werden. Hierumb setzen und ordnen wir: Wer oder welche
                Person von ymants an Leib, Eren oder Gut betrübt, angetasst oder geschmecht worden
                were, das dieselb belaidigt Person den Teter vor unserm Stat- oder Bawrngericht in
                welchem der Teter begriffen wirdet, <pb n="179"/> bürgerlich mag beclagen und
                fürnemen und gegen ine sein Begeren dartun, wie in hernachvolgender Rubriken und
                erstem Artikel zum Tail verrer berürt und anzaigt wirdet. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.3">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 3:] Was bürgerlich oder peinlich Clagen sein und was
                die in sich beschliessen sollen.</head>

              <p>Bürgerlich fürgenomen oder angelangt ist, wann ainer sein erlitne Iniuri, sy sey
                durch Wort, Lieder, Gesang, Haimsuchung oder tetliche Handlung setzt, und acht auf
                ain Suma Gelts, die er lieber verliern oder soviel Gelts nit nemen wolt, das solche
                Iniuri, wo sy mit Worten, Gesang oder Schriften oder dergleichen mit Verletzen der
                Ern gescheen were, rechtlich auf ine gebracht würde, oder, wo das mit tetlicher
                Handlung gescheen were, das er sovil Gelts seins aigen Guts dafür geben oder sovil
                nit nemen wolte, solch Iniuri, wo die [<hi rend="it">nit</hi>] gescheen were,
                nochmals ze dulden und ze leiden, und begert daruf in solcher seiner Clag und dem
                Rechtsatz, das ime der Teter solch Verletzung und Gwaltsam mit Gelt oder Geltswerd
                abtrag und Erstattung tu.</p>

              <p>Peinlich fürgenomen oder angelangt ist, wo ainer in seiner fürgewendten Clag sein
                Bit und Begeren stelt, das ime die Schmach und Iniuri, durch Verletzung seiner Ern
                erliten, sol gestraft werden nach Sag gemainer geschribner Rechten und Gstalt der
                Iniuri. Dweil aber die gemainen geschriben Recht in disem Fall als in ,<hi rend="it">libellis famosis</hi>' streng und hart sein und lassen zu, das man dem Schmeher
                sein Hawbt möcht nemen oder dermassen strafen, das er solchs nit mer tun würde,
                demnach wollen wir kainem unserem Bürger noch Undertan gestatten, das er seinen
                Negsten umb solch Iniurien oder Schmewort peinlich, sonderlich allain bürgerlich
                beclag, ausgenomen uns, dem Rat und derselben erberen Dinstperson, wollen wir gegen
                dem Schmeher bürgerlich oder peinlich ze clagen zugelassen haben. So dann aber die
                Recht, wie ytzt angezaigt, streng sein, ist zimlich in ainer yden Strenkhait die
                Milterung einzemischen. Demnach sol der, der also umb Iniuri und Schme peinlich
                clagen wil, in seiner Clag den Rechtsatz allain und dahin, und nit verrer stellen,
                das ime der Verletzer und Smeher durch ainen Widerspruch auf offen Markt, vor der
                Menig des Volks, vor Gericht oder anderen Orten, do er geschmecht und verletzt
                worden ist, Bekerung und Abtrag tu.</p>
              <p>Wer pürger- oder peinlich clagt, der sol in seiner Clag under Einfürung der
                Geschichten bestimben den, der beclagt wirdet, auch das Jar, der Tag, das Ende und
                Ort, daran die Schme und Iniuri gescheen ist; dann di Personen, Zeit und Stat,
                beschweren die Handlung; auch mag der Cleger in der bürgerlichen Clag Cost, Expens,
                Scheden und Interesse vordern und zu taxiren begern. Aber in peinlicher Clag ist
                solchs benomen.</p>
              <p>Wölcher auch bürgerlich ze clagen angefangen und, der beclagt, <hi
                  rend="it">litem</hi> daruf contestirt hat, der mag nachvolgends das peinlich nimer
                fürwenden. Herwiderumben ists auch, der peinlich clagt, und wölcher bürgerlich oder
                peinlich geclagt und under der Clag den Schmeher, auch das Jar, den Tag, das Ort und
                Ende, do <pb n="180"/> und daran solch Iniuri und Schme gescheen ist, nit eingefürt
                hat, deß Clag sol uf Anfechten des Widertails nichtig erkennt und verrer mit seiner
                Clag nit zugelassen werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.4">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 4:] Wie die Partheyen, so umb Iniuri in Recht erbeten,
                sollen verfellt oder ledig erkennt werden.</head>

              <p>Wiewol nach Sag und Maynung der Gelerten ain yder, der iniurirt und mit Schme
                angetasst wirdet, sein Belaidigung mag auf ain Suma Gelts, die er nit nemen, oder
                lieber sovil verliren wolt, als dieselb Iniury und Schme ze laiden, estimiren und
                den Richter piten, den Belaidiger mit rechtlichem Spruch dahin zu erkennen, solch
                Estimacion uf gebürliche Messigung zu entrichten, ist doch solchs bißher bey uns nit
                vil in Übung gewesen, das wir auch solchs fürnemen sollen, [<hi rend="it">ist
                  auch</hi>] bey uns der Gebrauch der Menschen und Handlung nit darnach. Demnach
                wollen wir sunsten in allen und yden Iniurien, darmit ainem yden dennoch nach Gstalt
                unsres Wesens seiner Belaidigung und Schme Abtrag erfolge, höchsten Fleis fürwenden
                und gebürlichs Einsehen haben, auch demnach diese nachvolgenden Artikel hierüber zu
                Straf und Pen der Mutwilligen verordent.</p>
              <p>Dweil bißher bey uns leichtlich und umb gering Sachen ain Person die ander umb
                vermaint Iniuri und Schme haben fürgenomen und ir Dargeben und Clag uf kainen Grund
                konden stellen, sonder uf Aid gejagt und gefochten, wollen wir solchen hinfüro mit
                diser Satzung begegent haben also: Wölche clagende Person ir Clagen und Bero-men nit
                förderlich und gnugsam kan darbringen, so wollen wir den Antworter als von ainer
                nichtigen und unbewißnen Clag ledig und darzu erkennen, das er, der Cleger, den
                Frevel als ain mutwilliger, frevenlicher und unverursachter Cleger unser
                Statpfender, darvon dem Beclagten der Drittail sol volgen und werden, entrichte,
                darzu der Saumsal und Expens uf unser Messigung ain Erstattung tu.</p>

              <p>Würde aber der Beclagt der Clag abredig und nit gestendig, und doch dieselb Clag
                wider ine bewisen, so sol derselb nach des Clegers Begeren und unserer Messigung mit
                rechtlicher Erkenntnis in zwiefache Pueß erkennt und dem Cleger sambt Bekerung, deß
                ime von Gerichtswegen daruf geloffen ist, darvon werden, wie hirnach im andern Titel
                under der <ref target="#NA.5.2.4">Rubric</ref> "Von der Pen, di mit Worten
                verletzen" gemelt wirdet.</p>

              <p>Wir wollen auch nu hinfüro in allen und yden Iniurien, sy gescheen, in was Gstalt
                sy wollen, die Gelegenhait und Erberkait der Personen, auch die Stat und Zeit, daran
                die gescheen sein, in unser Mutmassung für Augen nemen, und wo die Schmehen vor uns
                dem Rate, Gericht, uf unserem Rathaus, Tantzhaws, Markt oder anderen menigen Volks
                geschieht, wollen wir die alwegen gegen unser Statpfender und dem Belaidigten in
                zwifacher Straf und Pueß erkennen. Dann nach Sag der Rechten, so häuft und mert die
                Person, so belaidigt wirdet, auch die Stat und Zeit, daran solch Belaidigung
                geschicht, die Pen und Straf, es möcht sich auch ainer so verechtlich halten, sein
                Übung dermassen gebrauchen, das wir ine an dem Leib oder anderst, wie wir dann ze
                Rat wurden, in Straf erkennen, auch der Stat ewiglich verwisen. Darumben sey ain
                yder in seinen Handlungen und Übungen fürtrechtig, weise sein Gemüt, still seinen
                Zorn und lait seine Wort dermassen, das er deß selbst nit Schmach noch merklichen
                Schaden müg entpfachen. <pb n="181"/>
              </p>

              <p>Were aber die Person, die mit Worten angetasst ist, dermassen, wie die Schme und
                der Bezig laut, so sol der beclagt, unangesehen das sein Ausgeben und Bezig di
                Warhait ist, darumben unser Statpfender zu Straf und Frevel uf unser Erkenntnus
                verfellt und dem clagenden Tail alain die aufgeloffen Expens und Scheden erkennt und
                belegt werden. Dann in solchem Bezig sol angesehen werden das Gemüt des Schmehers,
                und das er solch sein Aussag in Schmehes Weis getan hab, doch werden die hierinnen
                außgenomen, di zu irer Entschuldigung und Notturft vor uns dem Rate oder Gericht
                wider ain Person was fürgebe, das di Warhait und inen zu irer Entschuldigung oder
                Auszug Nutz were, wi hernach im anderen Titel under der <ref target="#NA.5.2.4">Rubric</ref> "Von der Pen, die mit Worten verletzen" auch anzaigt wirdet am 9
                Artikel. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.5">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 5:] Verfellung der Iniurien, so mit gewafenter Hand
                geschehen.</head>

              <p>Beclagt ymants den andern umb Iniurien und Schme, die mit tetlicher Handlung oder
                gewaffenter Hant, als Raufen, Schlahen oder Verwondung geschieht, darinnen ainem ain
                oder mer Glid weren abhendig oder lam gemacht oder anderer Schaden entsprungen,
                dardurch er zum Tail seiner Narung beraubt oder Zerung und Saumsal leiden und tragen
                und dieselb Iniuri an ain Suma Gelts, die er darfür geben oder nit sovil nemen, das
                er die leiden sollt, legen würde, in solchem, wo die Clag gestendig oder bewisen
                ist, und, der beclagt, kain Notwer dargegen ausgefürt hat oder die nit ausfüren mag,
                wollen wir alwegen mutmassen die Person, der die Iniuri und Gwaltsam zugefügt ist,
                auch ir Hantirung, Gewerb und Erbet, waß sy aus Verlierung oder Lemung deß oder
                derselben Glider künftigen Abpruch an irer Narung leiden, auch zimblich Zerung und
                Saumsal entpfangen und getragen hete oder hinfüro entpfachen und tragen würde und
                demnach den Beclagten verdumpnen, das er dem Belaidigten sol entrichten des Artztlon
                zimbliche Zerung, dweil er des Artzts nit hat mügen entberen, darzu ain Erstattung
                seins künftigen Abbruchs der Narung, so er durch Verlierung oder Lemung der oder
                desselben Glids entberen und leiden muß, und in sonder solchs gegen gemainer unser
                Statpfender zu verpuessen, wie der ander Titel dits Tails verlaut under der <ref target="#NA.5.2.3">Rubric</ref> "Von der Pen, die ausserhalb gebotens Fridens
                yemants verletzen".</p>
              <p>In solchem wirdet nit angesehen noch dem Belaidigten der Schmertzen noch die
                geliten und hinfüro leidend Ungeschaffenhait taxirt oder belegt. Dann nach Sag der
                Recht ist niemant seiner Glider Herr, sonder allain wirt gemutmasst und angesehen
                der Abbruch, den der Belaidigt durch die Entwendung oder Zufügung des Schadens an
                seiner Narung gedulden, leiden und tragen muß. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.6">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 6:] Wer umb Iniurien und Schmered ze clagen zugelassen
                werden sol.</head>

              <p>Ain yder, dem an Ern, Leib oder Gut Iniurien und Schme zugelegt sein worden, der
                sol die selbst in aigner Person clagen und sunst niemant von seinetwegen mit Clag
                zugelassen werden. Ausserhalb ain Vater mag für seine Kind, ain Eman für sein
                Hausfraw und ain Vormünder für seine Vormund-kinder clagen und Erstattung der
                erlitnen Iniurien begeren. Aber kain Frau sol für iren Man umb Iniurien ze clagen
                zugelassen werden. Dann die Frawen sollen von den Mannen, und nit die Menner von den
                Frawen beschirmbt werden.<pb n="182"/>
              </p>
              <p>Wo aber ymants uf ain Tods verfalne Person ainich Schmachait ziehen und die darmit,
                als zum dickermal geschicht, antassten würde, so sol und mag desselben verstorben
                Erb gegen dem Verletzer, als were ime die Iniuri oder Schmach begegent, clagen und
                gegen demselben nach der Pillichait gericht werden. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.7">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 7:] In was Zeit und durch was Ursachen Iniurienclagen
                erleschen und werden vergleicht gegeneinander.</head>

              <p>Iniurien, Schmach und Lesterung, die ainem mit Worten, Schriften, Gedichten,
                Liedern, Gesang, Gemele der Heuser oder dergleichen zugezogen werden, die sollen
                inner Jarsfrist, der negsten, nachdem der Belaidigt das gewar worden ist, mit Recht
                angefangen und, sovil an ime ist, der Krieg daruf bevestigt werden. Wer oder welche
                aber die inner Jarsfrist nit rechtvertigte, wie ytzo bemelt ist, oder het sich mit
                dem Schmeher versünt, irten[<hi rend="it">?</hi>]zach und dergleichen Gemainsam mit
                ime gehalten, ine gegrüsst oder fruntlich zugesprochen und die angetan Schme nit zu
                Gmüt gefürte, so ist sein Clag erloschen, nit mer zuzelassen, und mag sich der
                Beclagt darvon zu absolviren und dem Cleger derhalben ain ewig Stillschweigen
                aufzelegen piten.</p>
              <p>Solch Clagen werden auch aufgehaben durch den Todfal ainicher Partey, soverr die
                darvor nit rechtlich und mit der Litiscontestacion verfangen ist.</p>
              <p>Aber Iniurien und Schme durch tetlich Handlung als mit Raufen, Schlahen und
                Anlegung frevenlicher Hant, Eingang der Hewser oder Gründ mügen zu aller Zeit
                gerechtfertigt werden und erleschen nimer.</p>
              <p>Wo ain Person der andern Ursach gebe und sich mit gleichem Widerstand als Wort
                gegen Wort, Schriften gegen Schriften und dergleichen wappent, so wirdet die Clag
                auch aufgehaben und verlöschen gegen den Par-teien, aber gegen unser der Stat
                Pfender sollen sy zu beden Tailen als Verhandler pußwirdig erkennt werden nach
                Gstalt der Iniuri. Weren aber die Iniurien und Handlung ungleich, als ainer geb Wort
                und der ander Straich oder dergleichen, sol auch darinnen nach Gstalt der
                Verhandlung Erkanntnus gescheen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.8">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 8:] Die Schaden in Wein-, Kraut- oder Obstgerten, auch
                in Eckern und Wisen tun etc.</head>
              <p>Würde ymants dem andern in Wein-, Kraut- oder Obßgerten, auch in Eckern oder Wisen
                mit Ausschneidung Per, Getraid, Hintragung des Obs, Veretzung des Blümens oder
                dergleichen etc. ainichen Schaden fuegen, darob begriffen oder überzeugt und dem
                Ruegherren darumben fürgebracht oder angezaigt, der sol dem, so solcher Schaden
                gescheen ist, solchen seinen Schaden, den er bey seinem Aid oder Bürgerßpflicht, wie
                ime die nach Erkenntnus des Ruegherrn oder Pfendters aufgelegt werde, erhalten
                möcht, das er sovil nit nemen wolt, solchen Schaden, wo der nit gescheen were, ze
                dulden, oder wolt sovil darfür geben, das er den nit geliten hete, ist er bey Tag
                gescheen, zwifeltig, und bey Nacht, vier-feltig bekeren und widerlegen und dem
                Ruegherrn in Pen und Straf verfallen sein, zwifeltiges erkennts Schadens
                unnachleßlich zu bezalen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.9">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 9:] Scheden, die an und von den Tieren
                geschehen.</head>
              <p>
                <pb n="183"/>Würde ymants dem andern an seinen Tieren geverlichen oder
                ungeverlichen Schaden fuegen, derselb, so den Schaden gefügt hete, sol denselben dem
                Herren des Tiers bezalen und gelten uf unser Messigung mit sovil Werds, als der (deß
                solch Tier gewesen ist) mit seinem Aid oder Bürgerßpflicht, die ime darumben
                aufgelegt wurde, erhalten möcht, das es gültig gewesen sey, oder er solch Tier umb
                sovil widerkaufen oder nit entberen wolt. Und der Herr des Tiers mag auch den
                Schaden oder Saumbsal, den er dardurch an den anderen seinen Tieren, Baw oder
                Hantwerch dulden und tragen muß, auch darlegen. Doch wo sich, der solchen Schaden
                getan hat, sich desselben Tiers mit frischer Notwer hete müssen enthalten und wern,
                der were dem Herren des Tiers darumben nichts schuldig.</p>
              <p>Het aber ymants ain Tier oder mer, das ymants andern Schaden tete, so ist der Herr
                desselben Tiers schuldig, denjenen, so Schaden gescheen ist, denselben zu bekeren;
                wo er aber solchs zu tun nit vermainte, und solch Tier zum Veldbaw tüglich und
                nutzbar ist, sol er ime für denselben Schaden das Tier lassen volgen, es were dann,
                das der Herr des Tiers het sambt demselben zum Schaden Ursach geben, und der Schad
                so gros, das er mit demselben Tier nit zu bezalen. Wo auch das Tier unnütz were, sol
                es alßdann zu unserer oder des Gerichts Messigung steen.</p>
              <p>Schedigt aber ain Tier das ander, und das Tier, so beschedigt were, het den Hader
                und Zank angefangen, so ist der Herr desselben Tiers nit pflichtig noch schuldig,
                denselben Schaden abzelegen und zu bekeren. Dann das Gesetze der Natur gibt und
                erlaubt Vernünftigen und Unvernünftigen die Wider- oder Gegenwöre. Wo man aber nit
                weiß, wölchs Tier das ander zum ersten angangen hab, so ist kain Herr dem andern nit
                pflichtig noch schuldig kains Schadens. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.1.10">
              <head>[WindsheimRef. V 1 Rubrik 10:] Von Beschedigung Außwerfens und Außgiessens aus
                den Heusern, auch anderen Scheden, von den Heusern komende.</head>
              <p>Außschüete oder würfe ymants aus Hewsern oder Gemachen an gemaine Strassen, darvon
                ymants an Leib, Hab oder Klaidern Schaden widerfuere, denselben Schaden ist der
                Inwoner der Behausung, für den Teter gerechent, dem Belaidigten zwifeltig zu bekeren
                verpflicht und schuldig, der Schaden sey gescheen am Leib oder an den Klaidern,
                darzu unser Statpfendter 3 ½ Pfund Gelts unnachleßlich zu bezalen. Doch sol dem
                Inwoner der Behawsung vorsteen, sich solchs seins Ausgebens, wo ainer seins Gesinds
                oder ander solchen Ausgus oder Schaden getan het, sich desselben bey ime zu erholen. </p>
              <p>Geschee aber ymant Schaden von und aus ainem Hawß durch anhangend Leden, ausgelöste
                Pand oder dergleichen, dardurch dem Inhaber der Behawsung die Schuld des Unfleiß,
                das er solchs nit verwart hat und doch wol tun het mügen, zugemessen werden möcht,
                denselben Schaden, er geschee an Leuten oder Vieh, das fürget, das ist der Inwoner
                zu bekeren und abzelegen schuldig.</p>

              <p>Würde aber Unflat oder Unsauberkait des Kots oder Wassers, das durch des Menschen
                Leib get, uß ainem Hawß geschütt oder getragen und darmit ymants geunseubert, das
                sol der Haußherr oder Inwoner gegen dem Belaidigten mit zehen Pfund Gelts sambt dem
                Schaden, so ime an seinen Klaidern gescheen ist, und gegen gemainer Stat Pfender
                auch sovil puessen. <pb n="184"/>
              </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.5.2">
            <head>[WindsheimRef. V 2 Titel:] Der ander Titl des fünften Tails: Von bürgerlicher
              fridlicherWonung und Straf der Gegenhandler.</head>
            <div xml:id="NA.5.2.1">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 1:] Wie man in Aufrüren Friden gebiten und denselben
                halten sol.</head>

              <p>Frid und Ainigkait ist nach Außlegung der Schrift ain Ende der Zwitrachtigkait oder
                ain Band der Lieb. Dweil dann ain yde Oberkait nit Loblichers noch Fruchtberlichers
                under iren Undertanen mag pflanzen und würken, dann das die in Ainigkait und
                fridlicher Wonung (dardurch tetlich Aufrüren, einreißend Scheden und alle
                Widerwertigkait fürkomen werde) bleiben und gehanthabt werden, und das die Überfarer
                und Gegenhandler des Fridens, der Lieb und Ainigkait, auch die, so Zwitracht und
                Aufrüren erwecken, derselben freve-lich Gemuet und Mutwillen mit Pen und Strafen
                Zawm einlegen, zwingen und beladen, das ir Übung anderen sey ain Abschew, darumben
                ordnen, setzen und wollen wir: So hinfüro in unser Stat Windßheim oder derselben
                Obrigkaiten under zwayen oder mer ainicher Widerwill in Worten oder Werken, die zu
                Aufrur und Zerbrechung des Bands der Lieb dienen möchten, entstünde, das alßdann ain
                yder unser Stat Inwoner, gar kainer außgenommen, sollen pflichtig und schuldig sein,
                erberlich und getreulich zuzelaufen und unparteisch ainem als dem andern, dem
                Frömbden als dem <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=Kunde-1#Kunde-1-1.1">Kunden</ref>, dem
                Reichen als dem Armen ze schaiden, Friden ze nemen, zu begeren und ze biten, auch
                dieselben zu bürgerlichem Rechten für unser Stat- oder Bawrengericht verheften zu
                dem allerpeldisten und es sein mag, darmit das Ende der Zwitrachtigkait (das dann
                wie oblaut der Friden haisst und ist) ir Euffung entfache, Schad und Übels verhüet
                werde.</p>
              <p>Uf denselben geboten Friden sollen alßdann diejenen, so zu Widerwillen entzünt
                gewesen weren, nachlassen von Stunden, Frid und Rue haben, weder mit Worten, Werken
                noch tetlicher Handlung ausserhalb Rechtens nichtzit gegen einander fürnemen noch
                handelen. Würde sich aber ymants über obgemelt Fridegebot gweltiglichen setzen, wolt
                den Friden nit halten, sonder seinen Mutwillen und hitzig Gemüt volfüren, ander
                antzünden, auch Unru und Widerwillen stiften, den- oder dieselben sollen diejenen,
                die den Friden geboten heten, oder sunsten bey der Handlung wern und mitler Zeit
                darzu kemen, zu iren Handen nemen, dem Bürgermaister durch die Statknecht lassen
                fürbringen, der sy dann zu Verheftung annemen und bis uf verreren Beschaid in den
                Türen füren lassen sol. </p>
              <p>Wo aber die Bürger oder Inwoner solch der Frid brechenden Tail ungestüm Gemüt one
                Ferlichait irs Leibs und Lebens nit wol tun möchten, noch die also zu der Zukunft
                der Statknecht enthalten, sollen und mügen sy andern Bürgeren, Inwonern oder Gesten
                zusprechen, inen zu Hanthabung solchs Fridens Hilf und Beystand zu erweisen, die
                Fridbrecher und mutwilligen Überfarer helfen anzenemen und zu enthalten, wölche dann
                bey iren Pflichten und Aiden, darmit sy uns zugetan und verwont sind, und bey
                Vermaidung der Straf und Pen, darein der Fridbrecher nach Laut nachbemelter Rubric
                und Artikelen fellt und gefallen sein sol, hilfliche Beylegung tun und zu Hanthabung
                des Fridens handelen sollen, wie er dann gern hete, das ime gescheen sol. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.2.2">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 2:] Von der Pen und Straf der Fridbrecher.</head>

              <p>Begebe sich, das ainer unser alter oder junger Bürgermaister, denen Verwaltung
                gemainer Stat Sorg bevolchen ist und derzeit am Ampt sind, zu Aufrur und <pb
                  n="185"/> Widerwillen der Parteien kemen, der Stat Friden gebieten und doch die, denen
                solcher Frid geboten ist, nit annemen, sonder verachten und iren Mutwillen volfüren
                würden, wer es mit Worten, sol er gemainer unser Stat Zinsstuben in den negsten acht
                Tagen nach der Verbrechung unnachlesslich bezalen und überantwurten 32 Pfund
                gemainer Stat Werung und dem Belaidigten, daran der Frid gebrochen ist, nichts
                weniger umb di Schme und Iniuri uf rechtliche unser Erkenntnus Bekerung tun. Wo aber
                der Fridbruch mit tetlicher Handlung als Raufen, Schlachen, Verwondung und
                dergleichen geschee, so sol derselb, der also frevenliche Hant anlegt und den Friden
                gebrochen hat, unser Stat Zinsstuben in den negsten acht Tagen darnach zu bezalen,
                nemlich, so ainer über ainen zückte, raufte oder mit Feusten und doch nit
                plutrünstig schluege, 200 und 22 Pfund, darzu dem Belaidigten und Beschedigten
                ablegen dasjen, so er an ime begangen hat, nach rechtlicher Erkenntnus. Wo aber
                solchem Fridbruch Lemung, Plutrünst oder Entsetzung der Glider nachvolge, der sol
                gegen uns ,<hi rend="it">crimen lese maiestatis</hi>' begangen haben. In dem wollen
                wir uns die Pen und Straf nach Gelegenhait und Verhandlung der Sachen am Laib, Leben
                oder Gut, wie wir ze Rat werden, vorbehalten haben. Volgte aber solchem Fridbruch
                Entleibung nach, so sol der Fridenbrecher als ain fürsetzlicher Todschlaher und
                Mörder mit dem Rad vom Leben zum Tod gericht und gebracht, sein Hab und Gut gemainer
                unser Stat Zinsstuben confistirt werden.</p>
              <p>Wann aber ainer von uns aus dem alten oder jungen Rat oder unser Stat erber Diener
                zu solchem Widerwillen keme, Friden gebüte und ufneme, und der Fridbrecher darüber
                Überfarung tete, were es mit Worten, sol er 24 Pfund, were es mit Zücken, Raufen
                oder Schlahen, daraus doch nit Plutrünst noch andere herte Schlachtung, die sich
                Plutrünsten vergleichen möchten, komen were, 100 und 80 Pfund. Wo aber Plutrünst und
                Lemung, und doch nit Entwerung der Glider nachgevolgt hete, 200 und 40 Pfund
                gemainer unser Stat Zinsstuben in den negsten acht Tagen nach der Überfarung bezalen
                und nichts weniger dem Belaidigten umb die Iniuri und begangen Mutwillen nach
                rechtlicher Erkanntnus Erstattung tun. Volgte aber nach solcher Überfahrung
                Entwerung der Glider, der Pen und Straf wollen wir uns, ob wir die an Leib, Leben
                oder am Gut fürnemen, wie wir darinnen ze Rat werden, vorbehalten haben. Und mit der
                Entleibung sol es nach Laut vorgesetzt erstem Artikels, wie pei dem End desselben
                anzaigt ist, gehalten werden.</p>
              <p>Wann aber ain ander unser Bürger, Gast oder Inwoner, solchen Friden gebüte und
                vordert, und der von ainem Tail nit gehalten würde, sol es alles, were es mit
                Worten, tetlicher Handlung, Zücken, Raufen, Schlahen, Verwundung, ausserhalb
                Entsatzung der Glider, die wir uns in all Zeit vorbehalten haben wollen, mit halber
                Pen obemelts anderen Artikels in unser Stat Zinsstuben zu bezalen und mit der
                Entleibung nach Laut diser Rubric ersten Artikels am End gehalten werden.</p>

              <p>Erbüte sich aber ymants selbs zu Recht und Friden, were gern von anderm Schme oder
                Mutwillens erlassen, und ymants denselben mit Worten über den selbs geboten Friden
                oder Recht antasste, der sol gemainer unser Stat Zinsstuben 21 Pfund, were es mit
                Zücken, Raufen oder Schlahen, daraus nit Plutrünst oder ander dergleichen herte
                Schlachtung oder Verwondung volgte, 84 Pfund, were es aber harte Plutrünst und doch
                kain Lemung, 86 Pfund, wer es aber Lemung oder Entwerung ains oder mer Glider, 100
                und 32 Pfund in den negsten acht Tagen nach geschehner Tat unnachlesslich zu Pen und
                Pueß zu bezalen verfallen. Und <pb
                  n="186"/> hierinnen in obemelten dreyen und disem
                virdten Artikel solle alwegen entlich ausgenomen sein, der belaidigten Person die
                Ablegung und Erstattung ze tun nach unserer rechtlichen Erkanntnus, und sol dem
                Pfender nichts weniger der Frevel, darein der Teter erkennt wirdet, unbenomen und
                dise obemelte Puessen und Penen allain umb Verbrechung des Fridens, und nit von der
                tetlichen Handlung wegen gesetzt sein. Dann der tetlich Handler ist pflichtig, sein
                tetliche Übung gegen dem Pfendter und der belaidigten Person zu verpüessen. Demnach
                wolle ain yder sein Zoren und hitzig Gmüt Za[<hi rend="it">u</hi>]m einlegen und
                sein Übung dermassen laiten und weisen, wie er deß zu geniessen oder Schaden zu
                entpfachen vorhat. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.2.3">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 3:] Von der Pen, die ausserhalb gebotens Fridens
                ymants verletzen mit tätlicher Handlung.</head>
              <p>Wölcher ausserhalb gebotens Fridens an den anderen gwaltsame Hant anlegte, erstlich
                rauf oder schlueg mit Feisten, daraus kain Verwondung oder Plutrünst keme, der sol
                das gegen gemainer Stat Pfender puessen mit 18 Pfunden bey Tag, aber bey Nacht
                zwifach. Verwundet er aber und macht ain frische Wunden oder Plutrünst, dero nit
                Lemung oder Entwerung der Glider nachvolgt, der sol das verpuessen mit 24 Pfund beym
                Tag, bey Nacht zwifach. Volgte aber der Verwundung Lemung nach, ist die Pueß beim
                Tag 42 Pfund, bey der Nacht zwifach. Volgte aber Entwerung der Glider nach, ist die
                Pueß bey Tag 84 Pfund, bey Nacht zwifach.</p>
              <p>Verwundet ymants den anderen in seiner Behausung oder an seiner Gewarsam, das ist
                in seiner Hofrait, Gerten, Kram oder ander dergleichen, der verfellt in Pen und
                Pueß, ist es bey Tag 100 und 80 Pfund, bey Nacht zwifach. Überlüf auch ainer ainen
                in seinem Hawß, vordert den heraus und tet kain ander Gwaltsam, der verfellt in Pen
                und Pueß 48 Pfund bey Tag; aber bey der Nacht ist es zwifach. Vergweltigte aber
                ymants den anderen also, das der Vergweltiger ain Behausung überfiele, auftrete und
                hineindrung, ymants darinne mit tetlicher Handlung verwondet und verletzt, der sol
                zu Pueß, ist es beim Tag, 200 und 80, ist es bey Nacht, zwifach verfallen sein. Es
                möcht sich auch ainer so verechtlich und dermaß halten, wir würden ine an Leib oder
                am Gut in ander Weg, wie wir ze Rat wurden, strafen.</p>
              <p>Überlüfe aber ymants den andern in seinem Aigentumb ausserhalb unserer Stat, es
                were in Wein-, Kraut- oder Obßgerten, uf Eckern oder Wisen und tut ainem gweltige
                Iniuri mit Schlahen und Verwondung an, der verfellt in Pen und Pueß gegen unser
                Statpfendter in 100 und 20 Pfund unnachlassig zu bezalen.</p>
              <p>Item, wölcher nach dem andern mit Wurfparten, Bleykugelen, Stainen oder dergleichen
                würfe, er treffe oder nit, ist es bey Tag, der sol das unser Statpfendter verpüessen
                mit 40 Pfund unnachleßlich zu bezalen, ist es aber bey Nacht, zwifach.</p>

              <p>Item, wölcher, er sey Bürger oder anderer Inwoner, kainer außgenomen, ainen Tegen,
                Schwert oder Messer über den andern zückte, er schlach oder schlach nit, der sol und
                muß one Gnad unser Statpfendter, ist es bey Tag, zehen Pfund, ist <pb n="187"/> es
                bey Nacht, 20 Pfund unnachlessig bezalen.</p>
              <p>Geschee aber obemelter Verwondung oder Raufung, Ausziehung der Tegen oder Swert uf
                unserem Rathaus, Tantzhaus am Platz, auch am Roß- oder Korenmarkt, wölcher Ort ainer
                das were, und in den Gassen oder Hewsern, die die drey Merkt oder Pletze
                beschliessen, der sol in alweg in zwifacher Pueß anderst und mer dann hieoben
                geschriben ist, verfallen sein, es sey bey Tag oder bey der Nacht </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.2.4">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 4:] Von der Pen, die mit Worten verletzen.</head>

              <p>So zwu oder mer Personen miteinander zu Worten und Widerwillen stiessen, das ain
                Person die ander zu verletzen und iren guten Leumat abzeschneiden fürneme und hieß
                  <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?artikel=luegen#lügen-a-3.0">liegen</ref>, sol der Verletzer
                dieselben Wort gegen unser Statpfendter verpuessen mit sechs Groschen und der
                belaidigten Person zween Groschen unnachlessig zu bezalen.</p>
              <p>Hiesse ymants das ander ain Huerenkind oder dergleichen, sol das verpuessen gegen
                gemainer Stat Pfendter mit 6½ Pfund und der belaidigten Person 3½ Pfund unnachlessig
                zu bezalen.</p>
              <p>Hieß ymants den anderen ainen anmechtigen Man und dergleichen schlechte Wort, sol
                das verpuessen gegen gemainer Stat Pfendter mit 6½ Pfund und dem Belaidigten 3½
                Pfund unnachleßlich zu bezalen.</p>
              <p>Hieß aber ymants den andern ainen Schalkspueben oder dergleichen, der sol das gegen
                gemainer Stat Pfendter verpuessen mit zehen Pfunden, dem Oberrichter vier Pfund und
                dem Belaidigten 5½ Pfund.</p>

              <p>Hieß ymants den anderen ainen Pößwicht oder dergleichen, sol das gegen gemainer
                Stat Pfendter verpuessen mit on [<hi rend="it">= ein</hi>] ainem halben zwaintzig
                Pfund, und dem Belaidigten auch sovil unnachleßlich zu bezalen.</p>
              <p>Hieß ymants den andern ainen Dieb oder dergleichen, der sol das gegen gemainer Stat
                Pfendter verpuessen mit on ainem halben 20 Pfund, dem Belaidigten auch sovil und dem
                Oberrichterambt vier Pfund. </p>
              <p>Hieß ymants den andern ainen Mörder, Verreter und ander dergleichen grosse
                Schmewort, sol das verpuessen gegen der Stat Pfendter mit an ainem 40 Pfund, dem
                Belaidigten auch sovil.</p>
              <p>Hieß aber ymants ain erbere Frawenperson ain Hueren oder dergleichen, sol das
                verpuessen gegen gemainer Stat Pfendter mit on ainem halben zwaintzig Pfund, der
                Belaidigten auch sovil, und dem Oberrichterambt vier Pfund.</p>

              <p>Hieß aber ymants ain Frawenperson ain Huern, ob das gleichwol war und beweißlich
                were, der sol das nichts weniger, ob sein Sag die Warhait wer, verpuessen gegen
                gemainer Stat Pfender mit 7½ Pfund. Dann da ist anzesehen das Gmüt ze schmehen, aber
                der Geschmechten ist man nichts dann allain die Gerichtscosten zu bekern, wie hievor
                in ersten Titl diß Tails under der <ref target="#NA.5.1.4">Rubric</ref> "Wie die
                Parteien, so umb Iniurien in Recht erbeten, sollen verfellt oder ledig erkennt
                werden" auch anzaigt ist under dem letzten Artikel. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.2.5">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 5:] Wie der Pfendter die Frevel vordern, die Person
                verheften und die einbringen sol.</head>
              <p>
                <pb n="188"/>Es sol nun hinfüro unser Stat Pfendter, wann ain Person vor Gericht
                oder uns dem Rat in Frevel und Pueß ertailt und erkennt ist, dieselb gefrevelt
                Person von Stunden nach gegeben Urtail desselben Orts verheften und verbieten, nit
                von dannen noch ab der Stat ze komen, bis sy ime umb den erkennten und gesetzten
                Frevel ain Benügen, Vertrostung und Gestalt getan oder gemacht hat. Würde aber
                dieselb Person, die in Frevel erkennt ist, über des Pfendters Verheften und Gebote
                von ime über Benugtuung oder ausser seins Wissens und Vergünstigens abgeen, sol
                dieselb Person nachvolgends gegen vermelter unser Stat Zinsstuben in vierfache Pueß,
                wie ir zum ersten aufgelegt ist worden in den negsten acht Tagen darnach ze geben,
                erkennt, oder aber der Stat so lang, bis sy Bezalung tut, verwisen werden.</p>
              <p>Unser Stat Pfendter sol auch, ob ymants den anderen mit Worten oder Werken betrübte
                und antasste, dieselben Antaster oder betrübte Personen, ob die nit clagen oder für
                Gericht komen wollten, nichts weniger von Ampt wegen dieselben Personen durch seins
                Amptsknecht für ine beschaiden und die Frevel getreulichen einfordern und
                einpringen. Ob sich aber ymants darwider sperren oder die nit geben wolt, sol er,
                unersucht unser, umb Pfand schicken und nemen lassen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.2.6">
              <head>[WindsheimRef. V 2 Rubrik 6:] Von denen, die die Frevel nit haben zu
                bezalen.</head>
              <p>Dieweil sich aber vil mutwillig Personen verlassen, auf das sy solch aufgesetzt
                Frevel, Pen und Puessen nit haben zu bezalen, und verfueren darüber ir mutwillig
                Fürnemen, dieselben sollen solch Pueß und Frevel, die sy begangen haben, durch sy
                selbs oder andere ire Mithelfer, an unserer gemainer Stat Gebewen, es sey an Mauren
                Türnen, Greben oder andern, mit irer Arbait abverdienen. Vermochte sy aber das auch
                nit ze tun, sollen sy, wie uns nach Gelegenhait der Sachen und irer Person ansicht,
                mit dem Türen gestraf, oder in den Branger gestellt, oder den Stain ze tragen, oder
                der Stat verwisen werden.</p>
              <p>Wer oder wölche auch den Fridbrechern oder Todschlegern oder ander gefrevelten
                Personen Hilf, Beilegung und Fürschub teten, das die entwert würden und von dannen
                kemen, dardurch ir Verbrechung und Übel nit würde gestraft, oder unser gemainer Stat
                in iren Frevelen abgezogen, dieselben sollen gegen uns verheft sein in aller der Maß
                als der Verhandler. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.5.3">
            <head>[WindsheimRef. V 3 Titel:] Der dritt Titl des fünften Tails: Von den
              Gebewen.</head>
            <div xml:id="NA.5.3.1">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 1:] Wie unser Stat Baumaister ierlich die Bew besehen
                sol.</head>

              <p>Zu Erhaltung bürgerlicher Ainigkait und Merung gemains Nutz sind die Zier der Bew,
                und das dieselben, underschiden mit Undergengen, aufgericht und in Wesen bleiben,
                nit die wenigisten Ursachen. Dann auß denselben entspringen und <pb n="189"/>
                fliessen, das nit allain die Bürgerschaft gemert, sonder auch Gewerb, Hantirung und
                Handel zunemen, die gemainen Nutz geeuft und in fridlicher Wonung gehalten werden.
                Dweil aber under den Inwonern der Bew ungleicher Sin, ainer zu Aufrichtung und
                Erhaltung derselben in wesenlicher Schicklichait, der ander zuer Ödung, Wüstmachung
                und aus Unfleis in Abfalkomenlassung und lieber zu Wartung des Weinhauß oder Spils,
                dann zu Ufrichtung ainichs Unpaus oder Erhaltung aines wesenlichen Bawes genaigt ist
                und mocht leiden, das Zerrüttung und Erstarung einriße, darmit mit ime alle Glück
                und Fridainigkait verstellt würde, wil, solchem zu begegnen, ainer yden Oberkait,
                mit dem höchsten Fleis darein ze sehen, und dem mit guten, sittlichen Ordnungen zu
                statten ze komen, gebüren; haben daruf ernstlich geordent und gesetzt, erstlich:</p>
              <p>Es ist ain gemain Sprichwort und auch war, das der maist Tail der Menschen,
                besonder under den gemainen, wil und muß zu seinem Nutz gezwungen werden. Demnach
                sol unser Stat alter Baumaister und mit ime vier, die jerlich, wann wir andre unsere
                Ampt besetzen, darzu geordent, auch darumben nach zimlichen Dingen belont werden
                sollen, ydes Jar zu bequemer Zeit in unser Stat umbgeen, die Hewser und andere
                Dachrechte inwendig und außwendig nach Notturft durchsehen, und in wölchem Hawß
                Dachrecht oder Hofraiten ainicher Unpau und Abfal erschine, oder in ainem virtel
                Jars oder lenger ze komen vermutlich und augenscheinlich were, sollen sy dem Inhaber
                oder Herren desselben bey ainer nemlichen Pen und Straf nach Gelegenhait und Gstalt
                des Baws und Abfals oder desselben künftigen Besorgs ernstlich ansagen und schaffen,
                das er denselben Abfal in ainer zimblichen Zeit, die sy ime dann aufsetzen und
                benennen sollen und werden, wende und fürkome, das widerumben zu Pesserung und
                vorigen Stand pring oder darinnen erhalte.</p>
              <p>Und darmit ainer, dem solchs aufgelegt und geboten wirdet, sich Pesserung und
                Ufrichtung des Unpaus nit müg entschuldigen, wollen wir demselben das Holtz in
                unserm Wald, dem Schußbach, oder anderßwo nach der Gebüre geben, darzu, ob er an
                Werkleuten Mangel hete, gemainer unser Stat Werkleut zimblich und gebürlich Zeit uf
                seinen Costen leichen. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.3.2">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 2:] Wo oder bey wölchem ain Unpaw oder Abfal ains Paws
                erfunden, wie gehandelt werden sol, das der gewent würde.</head>

              <p>Bey wölchem also wie oblaut ain Abfal oder Unpaw erfunden und den ze wenden geboten
                würde, und doch das in der verordenten und aufgesetzten Zeit nit tete und verlasste
                und noch mit nichten darzu tete, der sol dieselb aufgesetzte Pen unnachleßlich zu
                bezalen und von Stunden in den negsten acht Tagen darnach in unser Stat Zinsstuben
                ze geben verfallen und nichts weniger verpflicht sein, solchen Unpau oder Abfal
                abermals in ainer solchen Zeit, der negsten, wie ime erstlich aufgesetzt gewesen
                ist, bey zwifacher Pen zu bezalen, aufzerichten und ze machen. Verlasste ainer das
                abermals, so sol solch Behausung, Hofrait und Dachrecht mit allem seinen Ein- und
                Zugehören, soverr sy frey und aigen were, gemainer unser Stat haimgefallen, und der
                solche Verlassung getan hat, von allen seinen Rechten und Gerechtigkaiten, so er ye
                daran gehabt hat, zu Pen der Verachtung gefallen sein. Und wir oder unser
                Baumaister, so yder Zeit ist, sol <pb n="190"/> solchen Abfal erstatten und nach
                geschehen Dingen dieselb Gerechtigkait und Dachung verleichen oder verkaufen, wie
                dann das gemainer unser Stat am gelegenisten und fürtreglichistem ist.</p>

              <p>Were aber dieselb Behausung, Hofrait oder Dachung lehen- oder gultbar also, das
                ainer ainen ierlichen Zinß oder Gult daruf hete, so sol dem Aigen- oder Zinßherren
                solchs verkündet und geoffenbart werden. Derselb sol alßdann gegen seinem Zinßman
                vor unserm Gericht oder Rate umb Wendung solchs Abfals, darmit ime an seinen Zinß
                und Gulten nit Abgang geschee, Clag füren, dem sol auch auf Relacion unsres
                Bawmaisters und seiner Zugeordenten, die solchen Abfal oder Unpaw gefunden haben,
                mit Recht erkennt werden, das derselb Zinßman solchen Abfal in gebürender Zeit bey
                Verlierung seins Erbsrecht und Gerechtigkait, so er an dem beclagten Gut hete und
                hinfüro haben möchte, in ainer benennten Zeit pessere und in Wesen pringe, wie
                hievor under dem anderen Tail des achten Titels von den Erbestentnussen under der
                  <ref target="#NA.???">Rubric</ref> "Uß was Ursachen ainer sein Erb verwürkt etc."
                auch zum Tail berürt ist.</p>
              <p>Und wann der Zinßman solcher gerichtlichen Ertailung widersessig erschine, seine
                Gebew in Recht oder Rat aufgesetzter Zeit nit in Wesen prechte, dem auch auf sein
                Ansuchen zimblich Zimerholtz im Wald geben und, wo es mit Fug sein mag, der Stat
                Werkleut gelichen worden, sol er alßdann sein Erb und Gerechtigkait verworcht haben,
                darvon gefallen und der Zinß- oder Aigenherr schuldig sein, solchen Baw in Pesserung
                und Wesen ze pringen. Wo er Zinßherr das aber auch nit tun, mit Fürnemung des
                Gerichts oder Pawens nachlessig sein und das nit tun würde, der sol seiner Recht und
                Gerechtigkait auch verfallen und die sambt der Erbgerechtigkait unser gemainer Stat
                zustendig sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.3.3">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 3:] Von alten, verfallen Gebewen.</head>

              <p>Ain yder Bürger oder Bürgerin, die ain Gebew, es were Heuser, Scheurn oder anders,
                das Bedachung gehabt hete, in Abfal und Unpaw het lassen komen in ainem Jar vor
                Angang diser unser Ordnung, die sollen verpflicht und verpunden, auch bey ainer
                nemblichen Pen dahin gehalten werden, denselben Baw inner Jarsfrist widerumben
                aufzerichten und in Wesen ze pringen, dem wir auch mit der Streckung des Holtz uß
                unsern Weldern und mit Leihung gemainer Stat Werkleut, wo er di anderßwo nit bekomen
                mag, hilflich sein, wie hievor in disem Titel under der ersten <ref target="#NA.5.3.1">Rubric</ref> am letzten Artikel auch anzaigt ist.</p>

              <p>Es sol auch kain Bürger noch Bürgerin noch ymants anders in unser inneren noch
                eussern Stat, kain Gebew, das Bedachung hat oder gehabt hat, lassen verfallen oder
                abgeen, daraus ainen Garten ze machen, sonder wer sich solchs fürzenemen underfinge,
                dem sol das durch unsern Bawmaister und di Umbegener verboten und geboten werden,
                denselben Baw widerumben aufzerichten. Wer oder wölche aber in disen zwaien Artiklen
                widersessig weren und die Ufrichtung ze tun nit vermainten, dieselben [<hi rend="it">sollen</hi>] zu Pen irer Verachtung unsrer Stat verwisen und der Grund mit seinem
                Zugehören vermelter unser Stat gemainen Nutzs verfallen und werden.</p>

              <p>Es sol auch kain Bürger oder Bürgerin noch Inwoner nu hinfüro dem andern weder
                Stain, Ziegel, Holtz oder anders dergleichen, das von ainem Baw komen were, den man
                in Abfal wolt lassen pleiben, abkaufen bey Verlierung desselben gekauften Guts, und
                sollen demnach der Kaufer und Verkaufer, yder mit <pb n="191"/>zwifacher Pueß als
                das Kaufgelt gewesen ist, gemainer unser Stat Zinsstuben vollig gestraft werden.
              </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.3.4">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 4:] Von dem Vortail der, die bawen.</head>

              <p>Wir wollen auch ainem yden, der ain alt verfallen Behausung oder ainen anderen
                Grund von newem bezimert und aufbaut, darinnen menschliche Wonung mit Stuben,
                Küchen, Kamern und dergleichen ist, die Gnad und Freihait tun, das dieselb new
                aufgebaut Behausung des Bawers Leben lang unserer Stat Stewr und Bete ledig und
                gefreit sein sol. Darzu wollen wir ime auch das Holtz in unserm Wald lassen geben
                und mit den Werkleuten unser Stat behülfig sein, wie hievor under der ersten <ref target="#NA.5.3.1">Rubric</ref> diß Titel am letzten Artikel anzaigt ist.
                Dergleichen Vortail wollen wir denen tun, die alte bawfellige Hewser heten, die die
                dannen prechen und den Grund dermassen, wie er erstlich, als die alt Behausung new
                warde, erbauten.</p>
              <p>Wir wollen auch allen denjenen, die ir Behausung und Baw in guter Pesserung halten,
                inwendig mit der Notturft bewaren, auch außwendig tünchen, anstreichen und ferben
                lassen wolten, was Kalks, Gips, Barstains oder Varb dieselb Behawsung hervornen
                gegen der Gassen und dem Gesicht bis under das Tach bedarf, unsern Statbawmaister
                von gemainer unser Stat Zewg, wo er deß begert, geben und beihendigen lassen.</p>
              <p>Heten ir zwen oder drey ainen unvertailten Grund oder bewfellig Behausung, etlich
                wollten denselben ufrichten und pawen, und di andern wegerten ir Anzal Hilf und
                Stewr darzu ze tun, so sollen dieselben, die solcher Hilf und Darleg Wegrung teten,
                von irer Gerechtigkait gefallen sein, und solcher Baw mit alder Herschaft und
                Aigentumb zusten und volgen dem- oder denjenen, die solchen Baw aufgericht oder in
                Wesen gebracht haben one Widerred und Eintrag derjenen, so solche Hilf gewegert
                haben. Dieselben sollen auch hinfüro kain Clag, Vordrung, Recht noch Gerechtigkait
                mer darzu haben noch inen gebüren. </p>
            </div>
            <div xml:id="WH.5.3.5">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 5:] Wie man die Hewser bawen und die Nachtbern vor
                Schaden bewarn sol.</head>
              <p>Ain yder, der sich ze bawen annimbt, der sol und mag uf seinen Gründen und Boden
                sein Zimer und Gebew auffüeren, als hoch er wil, es were dann, das ime solchs in
                ainem Contract oder andern Satzungen verboten were. Doch sol er mit solcher seiner
                Auffuerung seinem Nachbern an dem Liecht, das ime das dardurch nit benomen werde,
                kainen Abbruch noch Schaden fuegen; das ist in dem zu versteen: Wo ainer zenegst an
                seinem Nachtbern, do er aus Verhindrung des Bawens kain Traufrecht, Luft noch Liecht
                hete, noch haben möcht, auffuere. Wo das also geschee und ainer neben dem andern
                auffuere, und der ander auf derselben Seiten der Auffürung zur Noturft Luft und
                Licht bedürfig were, di unsere Bawmaister und Umbgener erkennen möchten, sol der
                Auffürer des Baws drey gemainer unser Stat Werkschuch hinder sich und von seinem
                Nachtbern weichen und demselben Luft und Liecht lassen und alßdann auffarn, als hoch
                er wil. Were aber ain gemaine Gassen zwischen dem Auffuerer und seinem Nachtbern, so
                mag der Auffürer farn, als hoch er wil, unverhindert seins Nachtbern.</p>

              <p>Es sol auch ain yder in seiner Behausung und Wonung gut und sicher Feurstet machen
                und gemaurt Schlot oder Rauchroren durch das Tach auffueren, auch <pb n="192"/>die
                Bedachung mit anderm nichte dann mit guten Ziegelen oder Platten bedecken. Wer oder
                wölche das nit teten, den sollen und wollen wir nach seinem Vermügen darumben
                strafen. Und geschee ymants aus solchem seinem Verwarlosen oder Unpaw mit Fewr oder
                anderm Schaden, den sol er, soverr er des in Vermügen ist, zu sambt unser Straf, wie
                wir der nach Gelegenhait der Handlung darinnen zu Rat werden, zu erstatten und zu
                bekeren schuldig sein. Wo er aber des nit in Vermügen were, wollen wir uns die Straf
                gegen ime an dem Leib, auch wie wir ze Rat werden, vorbehalten haben.</p>
              <p>Wer oder wölcher ain Fewrstat oder Hert in seiner Behausung neben und an seins
                Nachbaren Wand pawen würde, der sol zuvor ain Maur zwair unser Stat Werkschuch dick
                lassen machen und solche verwaren bis oben über das Dach aus, das darvon nit Schaden
                geschee. Were aber darvor an seins Nachtbern Wandt ain Maur, so sol er dennoch in
                seiner Behausung ungeverlich ains Schuchs dick ain Maur lassen machen und in
                obgemelter Maß auffueren. Es sol auch ain yder, der in seinem Gebew und Wenden
                Venster und Lecher macht und hat, dardurch er one Mittel in ains andern Grund, Haus
                oder Hove sehen mag, dieselben Venster mit Eysen verriegelen und vormachen, darmit
                seinem Nachtberen mit Ein-, Durch- oder Aussehen kain Schad oder Nachtail geschee
                und widerfare. Er, der Herr der Behausung sol auch solche Beriglung und Versichrung
                fürtter uf seinen Costen halten.</p>
              <p>Es sol auch kainer one sonder Erlaubnis unsres Bawmaisters kainen Kelerhals noch
                Kelers Luftlöcher heraus uf gemainer unser Stat Almend und Strassen machen. Wölcher
                aber solchs tete, der sol das widerabzeprechen angehalten und darzu gezwungen
                werden. Wurden ime aber Luftlöcher vergönnt, so sol er dieselben oben mit Eysen für
                Einfallen der Fürgeenden wol bewaren. Tet ainer das nit, und ymants darüber mit
                Einfallung Schaden geschee, denselben Schaden, allen und yden, sol er zu bekern
                verpflicht und schuldig sein und nichts weniger in unser Straf sten.</p>
              <p>Es sol auch kainer, es sey mit Pesserung oder newer Auffuerung seiner Gebew, heraus
                uf gemainer Stat Allmend und Strassen faren one sonder Erlaubnis unser ains Rats,
                noch vil weniger sol er ainichs gar daruf ze pawen fürnemen. Wölcher aber das
                understünde, der sol solchen Baw in dem negsten Monat darnach one Verziehen bey Pen
                ains Mark Silbers in gemainer unser Stat Zinsstuben vollig abtun, und sol nichts
                weniger denselben Baw im negsten Monat darnach bey obgemelter Pen und also fürt und
                füert aus, abtun. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.3.6">
              <head>[WindsheimRef. V 3 Rubrik 6:] Von ausgelaitem Spüel- und anderm Wasser.</head>

              <p>Kainer sol auch nit Macht noch Fueg haben, ainen Ausflus Spüel- oder anders Wassers
                ze machen oder ze pawen an der Wande oder in ainem Grund seins Nachtbern, dardurch
                dieselb Wand möcht in Verfaulung oder anderen Nachtail komen, oder das solch
                unsauber Wasser sten und stinken würde, dardurch der Nachtber durch den stinkenden
                Geruch möchte belestigt werden, oder das solch unrain Wasser würde sinken oder
                triefen in seinen Pronnen, Keller oder anderßwo in sein Gemach etc., sonder, der
                solch Wasser machte, sol das auf ime selbst behalten oder one Belestigung seins
                Nachbern durch Canal oder Roren under der Erden in ainen gemainen Tal oder anderßwo
                ausfueren one Nachtail seins Nachtberen und anderer, und die Canal und Roren fürtter
                ewiglich auf seinen Costen in guten wesenlichen Baw und Erhaltung haben.<pb n="193"/>
              </p>
              <p>Es sol auch, der solch Canal oder Roren zu Ausfürung seins Wassers uf oder in
                seines Nachtbers Grund hete, kain ander Unsauberkait, allain das Wasser in solch
                Canal und Roren giessen, darmit die verstopft und dem Wasser der Flus genomen würde
                und dem Nachtbauren durch Außdringung oder Stand desselben Wassers an stinkend
                Geruch oder Einsinkung Unlust, böser Geruch oder ander Schaden möcht geborn werden,
                alles bey Pen, solchs nach Besichtigung der Undergenger und aufgesetzer Zeit ze
                wenden und abzetun; der solchs aber in aufgesetzter Zeit nit abtete oder Schaden
                fürkeme, der sol yden Tag, dweil er widersessig ist, newn Groschen halb dem
                Belaidigten und halb unser Stat Pfendter one Gnad und unnachlessig bezalen. </p>

              <p>Wo aber ymants sein Spuel- oder ander dergleichen Wasser an gemaine Strassen
                außlaitet oder güsste, der sol behutsam sein, das den Fürgeenden weder an Klaidern
                noch an Leib kain Beschedigung widerfare, wie hievor under dem ersten Titel diß
                Tails "Von Schme und gefügten Scheden" under der <ref target="#NA.5.1.9">Rubric</ref> "Von Beschedigung Außwerfens und Außgiessens aus den Hewsern"
                anzaigt wirdet. Und der, so also Spuel- oder dergleichen Wasser durch Wasserstain
                außlaitet oder frey ausschüttet, der sol kain ander Unsauberkait oder Unfletigkait
                als Gederm und anders dergleichen mitgeen lassen.</p>
              <p>Wo aber ainer het Gerechtigkait und Dinstberkait, durch ains andern Grund Wasser,
                das vom Himel herab kumbt, Regenwasser genennt, oder aigens gemachts Wasser, als
                Spuel- und ander dergleichen Wasser, auszefueren und ab ime ze treiben, derselb sol
                das tun seinem Nachtbern, uf den er die Dinstberkait hete, one Belestigung also: ist
                es Regenwasser, so sol er kain ander unsauber Wasser der Zeit des Regens oder zu
                anderen Zeiten mitlassen geen oder zu solchem Ausgang schütten bey der Pen, newn
                Groschen halb dem Belaidigten und der ander Halbtail unser Stat Pfendter
                unnachlessig zu bezalen. Und ob solch Regenwasser auf seinem Nachtbern steen bleiben
                oder sinken würde, darumben ist er nichts schuldig, sonder der, uf dem solch
                Regenwasser steen pleibt, sol dasselb, soverr es ime Belestigung tete, dannen fueren
                uf seinen Costen. Were es aber Spüel- oder ander unrain und gemacht Wasser und uf
                seinem Nachtbern steen plib, stinken oder sinken und dem Nachtbern zu Unlust oder
                Schaden eindringen würde, so sol, der die Dinstberkait hat, dem andern, seinem
                Nachtberen, dasselb Wasser durch Canal oder Roren, wie der erst Artikel under diser
                Rubric außweist, one Nachtail ausfueren. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.5.4">
            <head>[WindsheimRef. V 4 Titel:] Der viert Titl des fünften Tails: Von
              Undergengen.</head>
            <div xml:id="NA.5.4.1">
              <head>[WindsheimRef. V 4 Rubrik 1:] In was Güetern Undergeng gescheen.</head>

              <p>Undergeng geschehen allain in ligenden und unbeweglichen Guetern und haben
                zwayerley Namen. Etliche haissen ,<hi
                  rend="it">urbana</hi>' und etliche ,<hi rend="it">rustica</hi>'. Die ligenden Güeter, die ,<hi
                  rend="it">urbana</hi>' und
                zu teutsch ,heußliche Güter' haissen, sind die in Steten, <pb
                  n="194"/> Merkten,
                Dörfern und Flecken ligen, die mit Zimer bezirt sind, als Hewser, Schewren, Stelle,
                Casten, Obdach und dergleichen. Aber die ligenden Güter, die man ,<hi
                  rend="it">rustica</hi>', zu teutschs ,Veldgüter' nennt, haissen und sein die Güter, die man
                mag bawen, daraus Frucht entspringen, als wenn Obs- und Krautgerten, Acker, Wisen,
                Flecken und dergleichen, die man unbezirt des Zimers ligen lesste. Und mit solchen
                bederley Gütern mag ainem Schaden gescheen, als so ainer etbas pawet oder macht ,<hi
                  rend="it">in urbanis</hi>', das ainem leicht zerrinnen, Fewlung der Wend oder
                ander Nachtail zufallen möcht, aber ,<hi rend="it">in rusticis</hi>', dardurch die
                Gstalt desselben Guts verwandelt und geendert wirdet, als mit Aufwerfung Greben,
                Gruben oder ander ungewondlich Baw ze machen, darvon seinem Anstosser künftiger
                Schaden durch Ab- und Einreißen, Sinkung Wassers oder dergleichen entsteen möchte.
                Hierumben, dem durch des andern Bawen Sorg und Far vorstünde, mag zu Abtreibung
                nachvolgendermaßen handelen: </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.4.2">
              <head>[WindsheimRef. V 4 Rubrik 2:] Dem Sorg vorstunde, er würde durch heuslich Gebew
                beschwert, wie er umb Undergeng piten, und was und wie alßdann gehandelt werden
                sol.</head>
              <p>Wann ymants in unserer Stat new Gebew fürnemen und ufrichten wolt, dardurch sich
                sein Anstosser oder Nachtbere beschwerlich oder überlestig erfunde, so mag er ye zu
                Zeiten zu unserm Bürgermaister geen und solch sein Beschwerung anzaigen und piten,
                ymants der Knecht zum Herren des Baws zu verordnen, das er solchs Bawens aufhöre und
                bis uf Besichtigung unsers Baumaisters und Undergenger stillstee, doch sol, der also
                clagt und Aufhörung oder Stillstands begert, zuvoran, ehe unser Bürgermaister ymants
                zum Herren des Baws verordent, mit hantgebenden Trewen an geschworn Aidstat globen,
                das er solch Biten und Begeren nit geverlicher Maynung, auch nit aus Ungunst, Neid,
                Has, Betrug, Unfreuntschaft, sonder allain aus rechter, wahrhaftiger, gegründter und
                redlicher Ursach und ungezweifelter seiner Gerechtigkait tu.</p>
              <p>Wann alßdann, der sein Begeren tut, also gelobt hat, sol unser Bürgermaister ainen
                Knecht an die Ort des Bawens schicken, dem Herren des Bawens anzaigen, wie sich der,
                so also mit Clag und Beschwer fürgetreten ist, solchs Bawens beclag und beschwer und
                ime sambt seinen Werkleuten daruf zu gebieten, solchen Baw in Rue zu stellen, bis
                unser Bürgermaister sambt den Undergengern darob gewesen sein, denselben besichtigt,
                uns der Sachen Relacion getan und wir ainen Beschid geben haben, wie es verrer
                gehalten werden sol. </p>

              <p>Und wann also solch Clag an unsern Bürgermaister langte, der sol uns das uf den
                negsten Ratstag nach solcher Fürbringung anzaigen. Wo aber die Zeit, darinnen Ferien
                oder ander Ursachen wern, das wir in ainem Tag oder dreien nit Rat hielten, in ainem
                Gesprech anzaigen, wollen wir alßdann zum schirsten, desselben oder negsten Tags
                darnach, ungeverlich unsern Baumaister sambt den Undergengern an die Ort des Bawens
                ordnen, denselben zu besehen, des Clegers Gebrechlichait, Beschwer und Überlestung,
                auch des Bawherrens Gegenwör zu vernemen, und wann sy beder Tail gnugsam Verstand
                und Underrichtung der Sachen entpfangen haben, uns dasselb in Relacion anzezaigen.
                Daruf wollen wir di Parteien zum fürderlichisten nach ergangner Handlung für <pb n="195"/> uns in Rat oder Gericht erfordern und, wie es fürtter mit Aufrichtung
                oder Abwendung des Bawens gehalten werden sol, Erkanntnus tun, darbey es dann bed
                Parteien one ainiche Beschwerd und Appelacion bey Pen, in unser Stat Zinsstuben drey
                Mark Silbers zu bezalen, pleiben lassen und nit verrer pringen sollen. Wo sich aber
                ymants, solchs weiterzepringen oder ze appelliren understünde, derselben Appellacion
                sol nit statgeben werden.</p>
              <p>Und wann also dem Bawherren und Werkleuten aus Gehaiß unsers Bürgermaisters durch
                ainen geschwornen unsern Knecht, dem auch solchs bei seinen Pflichten, darmit er uns
                dinstshalb verwont ist, glaubt werden sol, Stillstand geboten und des Clegers
                Beschwerd anzaigt ist, der sol von solchen Baw ufhören und verrer bis unser
                Erkanntnus darüber gangen ist, nit fürfaren bey der Pen, solchen Baw, er hab
                desselben Recht oder Unrecht, uf seinen aigen Costen widerumben dannen ze tun,
                abzebrechen und ze räumen bey der Pen, wie hernach im sechsten Artikel verleibt
                wirdet. Doch wollen wir dem Bawherren hiemit gegünstigt haben, wo und soverr er Far
                und Costens mit dem Stillsten und Aufhalten des Bawens dulden müsste, wo er Caucion
                und Sicherhait tete, das er den Baw, wo er desselben Unfueg oder Unrecht haben oder
                gewinnen würde, denselben uf unser Abschaffung zum fürderlichisten und in der
                aufgesetzten Zeit abräumen und uf seinen Costen dannen tun wolt, das er alßdann
                denselben Baw volfüren und ufrichten müg.</p>
              <p>Wurden aber Spenn und Irrung von wegen der aufgerichten und verfürten Gebew, so mag
                sich, der also sich belestigt und beschwert vermaint, unsern Bürgermaister
                ersuechen, sein Beschwerung anzaigen und piten, unserer der Stat Bawmaister sambt
                den verordenten Undergengern darüber zu schicken und zu besehen, das dann, wie ytzt
                vorberürt Artikel auch in sich beschliessen, getan und entlicher Entschid geben
                werden sol — wer es umb Aufrichtung ains newen Baws als Hewser, Schewrn, Stell
                oder Wende, die in kurz und one Wissen des beschwerten Anstossers oder Nachtbern nit
                aufgefürt werden möchten, und der Nachtber solchs geliten und sich nit bey unserm
                Bürgermaister anzaigt und Bite getan hete, wie der erst Artikel diser Rubric in sich
                helt — so sol der Herr des Baws mit seiner Aufrichtung prestribirt haben und nit
                gedrungen werden, denselben Baw widerumben abzetun, es erfünde sich dann, das er so
                eylends und in Abwesen seins Nachtbern und Anstossers aufgefaren oder ainich sonder
                Geverd darinnen gebraucht worden, oder der Anstosser urputig were, dem Bawherren
                seinen Costen, derhalben mit Aufrichtung desselben Baws erliten, zu erstatten und
                abzelegen, alles nach unserer Erkanntnus, die wir darinnen uf Relacion der
                geordenten Undergenger getun und entschaiden wollen.</p>

              <p>Aber in Gepewen, die ainer in kurzer Zeit und one Wissens seins Anstossers oder
                Nachtbers verfüren mag, die sollen und mügen uf Clag desselben Anstossers, wo sy
                durch unsern Bawmaister und Undergenger besichtigt, zu Nachtail und Schaden dem
                Anstosser geschehen würden, wol wider abgetriben werden und der Herr desselben Baws
                sol dieselben aberkennten Baw in acht Tagen, den negsten nach der Erkanntnus, räumen
                und dannen tun bey der Pen ains yden Tags, so er über Erkanntnus steen ließ, 20
                Groschen unser Statpfendter unnachleßlich zu bezalen. Doch sol, zuvor und ehe
                solcher Baw aberkennt, der Anstosser globen und sweren, das er solch Abteibung nit
                aus Neid, Ungunst, Unfreuntschaft oder ander hessiger, sonder allain aus recht
                gegründter und beschwerter Maynung tu, und das er solch Pawns, bis der ufgericht und
                verfertigt gewesen ist, kain Wissen noch Anzaigung darvon gehabt hab, und wo er
                solchs ainichs Wissens <pb n="196"/> Anzaigung oder Bedunkung gehabt hete, das er im
                Anfang Stillstands, wie dann die vorberürten Artikel verlauten, wolt, begert und den
                Aufbauer zu solchen Uncosten nit gefürt haben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.4.3">
              <head>[WindsheimRef. V 4 Rubrik 3:] Von dem Undergang der Veldgüter "<hi rend="it">urbana rustica</hi>" genennt.</head>
              <p>Wiewol ain yder seine Veldgüter, Ecker, Wisen, Weingarten und dergleichen nach
                seinem pessten Nutz und er deß zu geniessen verhoft, unverhindert seins Anstossers
                und meniglichs, bawen und in Wesen pringen mag, die auch als Ecker, Wisen zu
                Weingerten machen und verendern, auch darinnen Greben, Furch und ander Güter
                Notturft setzen mag, sol doch derselb seinem Anstosser und andern von wegen des
                Außwurfs der Greben oder Machung der Furch mit dem gewondlichen Lauf oder Stemung
                des Wassers, es sey Regen- oder ander Wasser, an den Früchten, Samen oder
                Weinstocken nit schadhaftigen Nachtail fuegen.</p>
              <p>Würde aber ymants seinen Grund also verendern oder darinnen ainicherley Gebew
                fürnemen, darvon und dardurch seinem Anstosser oder andern künftiger Nachtail
                besorglich were, so mag derselb, dem solch Beschwerung und Sorg oder Nachtail
                vorstünde, solchs unserm Bürgermaister fürbringen und handelen, wie dann die negst
                vorgend Rubric und ire Artikel in ir beschliessen.</p>

              <p>Dergleichen mag auch der, so von seinem Nachtbern und Anstosser mit Einziehung des
                Grunds, Ußwerfung oder Verlust der Markstain überlesstigt und derhalben Undergang
                und Besichtigung nottürftig würde, solchs unserm Bürgermaister anzaigen und piten,
                das ime der Undergenger und Stainsetzer zugeordent [<hi rend="it">werden</hi>].
                Alßdann sol gehandelt werden, wie unser Underrichtbuech mit Undergengern, Markern
                und Stainsetzern in sich beschleusst. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.4.4">
              <head>[WindsheimRef. V 4 Rubrik 4:] Wie und wenn die Gebew ir Gerechtigkait erlangen
                und nit mer abgetriben werden und wie der, so pawen wil, das seinem Anstosser
                verkünden sol.</head>

              <p>Wann ymants ainen Baw ober der Erden aufgefürt und gebaut hat, und derselb Baw fünf
                Jar lang gestanden ist, sol und mag kain Nachtber oder Anstosser, der inhaimisch und
                gegenwurtig gewesen were, gegen dem Herren und Inhelter des Baws zu Abtreibung
                desselben nit mer handelen noch clagen. Aber die Außwendigen und die nit gewesen
                sein gegenwurtig, mügen inner zehen Jarn clagen, doch alles mit der Verpflichtung,
                wie der letzte Artikel under der vorgenden <ref target="#NA.5.4.2">Rubric</ref> "Dem
                Sorg vorstünde, er würde durch heußlich Gebew etc." inhelt. Aber nach Ausgang der
                zehen Jar ist dieselb Clag auch erloschen und, wo die fürgenomen werden wolt,
                unerhörlich. </p>

              <p>Darmit vil Gezenks, Glübd und Aidschwörens vermiten bleib, ordnen und wollen wir,
                das ain yder, der ainen Baw aufzefüren und zu verbringen für sich nimbt, solchs
                seinem Nachtbern und Anstosser, des der Grundt ist, zuvor selbst in aigner Person
                oder durch ainen oder zwen ander geleumbt, erber Personen oder uf Vergönnung unsers
                Bürgermaisters durch ainen geschworn Knecht müntlich oder schriftlich anzaig und uns
                alßdann, was ime wider für Antwort gefallen, wie, <pb n="197"/> wo, wann und in wes
                Beywesen solch Anzaigung und Urkundung geschee sey, verstendig und in das Buech,
                sonderlich zu den Undergengen verordent, einzeschreiben pit und beger. Wölcher aber
                das nit tun, der würde leiden müssen, was ime hernach durch Auflag des Stilstands
                oder Abraumbs desselben seins fürgenomen Bawes begegnen möchte. </p>
              <p>Derhalben wollen wir ainen yden, das er fürtrechtig sey, hiemit gewarnet und
                Anzaigung seiner Handlung getan haben. </p>
            </div>
          </div>
          <div xml:id="NA.5.5">
            <head>[WindsheimRef. V 5 Titel:] Der fünft Titl des fünften Tails: Wie man gemainer Stat
              Straßen und Pflaster rain und sauber halten sol.</head>
            <div xml:id="NA.5.5.1">
              <head>[WindsheimRef. V 5 Rubrik 1:] Wie kain Cloak ob der Erden gehalten werden
                sol.</head>
              <p>Die Fürsichtigkait und Satzung gemainer Recht und Gebot, denen wir alle aus
                Gehorsam undertenig und geloben sollen, zaigen an mer dann an ainem Ort an, das der
                Unflat und das Kot, des Menschen Durchgang, auch andere Unsauberkait der Weg und
                Strassen in den Steten vergiften, treen und pringen pestilentzisch Luft und gebern
                dem Menschen vil Krankhaiten, darumben dann Cloac am Tag oder zu sumerlichen Zeiten
                nit sollen aufgetan noch gefegt werden von wegen des Gestanks, das der Mensch
                dardurch nit verunrainigt noch begift werde; hierumb ordnen und setzen wir
                ernstlich, das kain Cloac noch haimlich Gmach weder in unser innern noch eussern
                Stat ob der Erden gemacht oder gehalten werden sol bey der Pen, solchen Baw von
                Stunden widerumben abzetun und darzu, wo er dem, so ime Abtuung geboten würde,
                widersessig lebte, ydes Tags zwaintzig Groschen unser Stat Pfendter unnachlessig zu
                bezalen.</p>
              <p>Es sol auch kainer sein Cloac und haimlich Gemach weder im Tag noch zu Sumerzeiten
                nit auftun, fegen noch austragen, sonder allain zu Winters und kalten Zeiten bey der
                Nacht, es were dann sonder grosse Ursach, die bey unser Erkanntnus steen sollen.</p>
              <p>Dergleichen sol auch niemant, wer der sey, kainer-ley Enthaltnus als Kübelen,
                Kachelen, Hefen oder dergleichen mit Kot, das durch den Menschen get oder gangen
                ist, auf die Gassen schütten oder tragen, weder bey Tag noch bey Nacht, bey der Pen
                und Pueß alwegen, so oft ymants hiewider tete, 16 Groschen halb unser Stat Pfendter
                unnachleßlich zu bezalen, und den anderen halben Tail, dem solcher Unflat für sein
                Haus, Scheuren oder Aigentumb zum negsten geschütt oder getragen were. Und solche
                Pueß sol zu yder Zeit der Herr des Hawß, darvon und daraus solcher Unflat kumbt,
                bezalen, ob joch solchs sein Gesind oder ander getan heten. Doch sol dem Haußherren,
                sich seiner Ausgab an denjenen, der di Unsauberkait ausgetragen oder ausgeworfen
                hat, zu erholen vorsteen.</p>

              <p>Wo aber ymants solch Unfletigkait gleichwol nit ausgeusste oder außtriege, sonder
                sein Notturft der Natur in Gassen oder uf der Strassen, do gewondlich Fürgang und
                Wobrung ist, tete und über siben Jar alt were, derselb sol ze Pen verfallen sein 3
                Groschen halb unser Stat Pfendtknecht und der ander Halbtail dem <pb n="198"/> für
                sein Behausung oder Aigentumb solch Unfletigkait komen ist. Und die Eltern sollen
                mit diser Pueß für ire Kinder zu bezalen verpflicht sein. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.5.2">
              <head>[WindsheimRef. V 5 Rubrik 2:] Kain tod Vich sol man uf die Strassen werfen noch
                tragen.</head>
              <p>Es sol niemant kain tod Vich schelmen und Unlust, als Hunde, Katzen, Swein, Genß,
                Hüner oder ander Tier, wie das Namen hat, an ainich Ort in unser Stat, als weit die
                die Mauer umbfangen hat, werfen, tragen noch legen, noch solchs von den Seinen nit
                gestatten, verfüegen noch verhengen in kain Weis bey Pen ains reinischen Gulden, die
                drei Tail unser Stat Pfendter und der virt Tail, dem solchs für sein Behawsung,
                Hofreit oder Aigentumb und demjenen, so solchs fürbringt, ydes nach Gebüre,
                unnachleßig zu bezalen. Als aber diejenen, die solchs tun, sich gewondlich fleissen,
                das bey nechtlicher Weil oder ander haimlicher Zeit zu verpringen, darmit sy nit
                gesehen werden, so gebieten wir allen unsern Bürgeren, Undertanen, Inwonern und
                Verwonten bey iren Pflichten und Aiden, darmit sy uns und den Unsern verwand sind:
                Wölcher oder welche solchs sehen oder gewar werden, das sy solchs zum schirsten
                unser Stat Pfendter rügen und anzaigen, der alßdann den oder dieselben, so solch
                Verprechung getan haben, Stunden besenden und die Pueß von ime einbringen, dem Rüger
                den Ort und dem, so solchs für sein Haus oder Aigentumb komen ist, den andern Ort
                darvon entrichten. Wo sich aber der oder die Fürgevorderten, wo nit ganz Lauters,
                Wars anzaigen und Grund irer Verhandlung, sonder allain ain Bedunken und Arkwon da
                were, mit yrem Aid möchten berainigen, das sy solchs Arkwons ledig und unschuldig
                wern, sollen der- oder dieselben darüber ungepuesst bleiben. </p>
            </div>
            <div xml:id="NA.5.5.3">
              <head>[WindsheimRef. V 5 Rubrik 3:] Kain Kericht, Gemül, Aschen oder dergleichen sol
                man auf das Pflaster schütten.</head>

              <p>Wir ordnen und wollen sonderlich, das niemant kain Kericht, Gemüll, Aschen,
                zerbrochen Hefen, Mist, Stro oder ander Unlust und Unsauberkait, so in Heusern,
                Küchen oder Stellen gemacht oder aufgesammelt wurde, wie solchs genennt sey, uf
                gemainer unser Stat Pflaster, wo das ist, auch und in Sonderhait nit zum Tantzhaus
                und ander dergleichen Ort, da teglich Webrung wider und fürtter gee, werf oder
                schütte oder solchs tun lasse bey Pen, ydes Tags, so lang das ligt oder gelegen ist,
                vier Groschen unser Stat Pfendter unnachleßlich zu bezalen. Dergleichen sol auch
                kain In- noch Außwoner kain Rad noch anders uf unser Stat Pflaster fegen bey Pen, 15
                Pfennig dem Pfendter von ydem Rad zu bezalen. [<hi rend="it">Ende der gesamten
                  Reformation</hi>] </p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
<?xml-model href="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd/SCHEMA.RNG" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="https://gams.uni-graz.at/o:repat.odd/SCHEMA.RNG" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
