Die Originalurkunde dieses Gesetzes ist uns nicht erhalten. Für die
vorliegende Edition sind drei Kopien benützt, die sich in KN. H 7471 (= A)
und H 1163 (= B) sowie in RA. L. Nr. 273, fol. 51 ff. (= C) befinden. Keine
der drei Kopien scheint eine Abschrift der anderen zu sein, sondern
sämtliche scheinen auf andere Vorlagen zurückzugehen. Während wir bezüglich
der Hs. C durch ihren Fundort (Rettenberger Urbar von 1544) genau
unterrichtet sind, wann sie geschrieben wurde, fehlen uns für die beiden
anderen derartige Nachrichten. Doch dürfte Hs. A die ältere sein, wie
sprachliche Eigentümlichkeiten des Textes und die Schriftart des
Abschreibers zu erkennen geben. Bei der folgenden Edition sind nur die
wichtigeren Varianten kenntlich gemacht, insbesondere soweit sie für die
obige Darstellung von Belang sind.
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Wir Cristof von gottes gnaden, bischove zu Augsburg, embieten dem vesten
unserm phleger zu Röttenperg, rats und getreuen lieben Endressen von
Hochenegk zu Vylsegk, Jörgen Strauben und Hansen Nachtrueb unserm landamann
und landschreiber, auch allen unsern richtern, gerichten, underthanen und
zugehörigen unser und unsers stifts phleg und tigens Röttenberg unsern grues
zuvor: dieweil wir jetzo bei unserm bischoflichen regiment auch hievor bei
unsern vorfarn gesechen und erlernt, daß in den vier gerichten gemelter
unser phleg und tigens, nämlich zu Röttenperg, Sonthoven, Oberßdorf und
Wertach in rechtlichen processen manicherlai missprauch und unordnung
gemeinem rechten widerwertig, auch denjenen, so der ende in gerechtigkaiten
und spruch auszefueren gedrungen werden, zu geverlichem verzug,
verhinderung, daß ir rechtlich anvordrung gar langsam und mit merklichem
unnotdurftigem costen erlangen muessen und dardurch etwan unsers stifts
underthanen mit fremden außlendischen gerichten umgetriben und in schaden,
gefuert werden, bisher gepraucht und in uebung gewest zudem daß dieselbig
gericht inen selbs in vil weg widerwertig und nit gleich process des rechten
gehalten sein: damit dann solliches alles furkomen zu pesserm stand und
ordnung gepracht und meniglichem seines rechtens zum furderlichisten und mit
zimlichem costen verhelfen, dergleich die rechtsprecher mit unnotdurftiger
mue und versaumnus irer arbeit nit beladen werden, so haben wir samt unsern
räthen auf verhöre und fleissigen bedacht euers zugesanten anzaigens und
ratschlag ein gemeine gerichtsordnung, damit, wie wir achten, niemands
beschwert, besonder die gerechtigkait hoch gefurdert und meniglichem darzue
verhelfen werde, verfassen und aufrichten lassen, euch hiemit ernstlich
bevelchend, ir wolt, sovil ain ieden dieselbig ordnung beruert, darob sein
und verschaffen, auch ir, des stifts underthan, dasselbig gehorsamlich
annemen, damit sollicher ordnung in gemelten vier gerichten bis auf unser
oder unserer nachkomen endrung oder widerruefen, die wir uns hierin
vorbehalten, gestracks nachgegangen, gelöpt und dawider in kainen weg gethan
noch niemands beschwert werde, bei vermeidung unser ungnad und straf, das
wellen wir uns also zu euch genzlich verlassen und darzue in gnaden erkennen
und laut gedachte gerichtsordnung von wort zu worten also:
Zum ersten soll alweg und in jedem gericht auf montag, am ersten zu
Oberßdorf, am andern zu Sonthoven, am dritten zu Wertach und am vierten zu
Röttemperg, und sunst nit dann sovers die notdurft eraischt, gerichtztag
gehalten werden, doch wo es gesten oder andern nach gelegenhait der sachen,
so not thun, möcht man inen mit gunst der herrschaft hiezwischen recht
ergeen lassen.
Item es soll keiner dann wellicher die gerichtzstat in einem tag nit ergan
mag, fur ein gast zugelassen werden.
Item ein jeder, so ausserhalb der herrschaft oder dem gerichtzwang gesessen,
ist schuldig dem gerichtzeinsessen, so das an in begert wirdet, rechtliche
vertrostung ze thun und dieselbigen, wa ers vermag, mit ainem andern
gerichtzverwandten, wa nit, mit anlobung an gerichtzstab um gemein und
burgerlich hendl zu erstaten, daran der ander tail benuegig sein soll.
Item dieweil ein gast sich in seinen rechthandlungen der gemainen gerichtztag
benuegen last, so soll er auch wie ein andrer gerichtzeinsass mit den
sportulen gehalten werden; es soll auch ain jeder rechtsprecher als wie ain
anderer sportulen zu geben schuldig sein, ime werden dann dieselbigen oder
etwas daran guetlich nachgelassen.
Und so also ain parthei mit dem fursprechen angedingt furgestanden, ist si
dem landschreiber, ir furgetragen sachen zu beschreiben, brief zu lesen
etc., funfzechen phening, den rechtsprechern zwu mas wein, was er gült, und
dem gerichtzknecht alein der clager, das gericht zu samlen, sechs phening zu
bezalen schuldig und welche parthei jedes rechtags brief ergangner handlung
nimt, sollen die funfzechen phenning, gegen landschreiber deselben tags
ausgeben, am briefgelt hienach abgezogen werden.
Item sodann die rechtsprecher zu Rottenperg, so gar vern zusamen komen
muessen und inen eins tails uf ain tag wider haimzukomen nit müglich,
deshalb die sach ein merklichen costen erhaischt, ist inen also von jeder
parthei, so rechtlich handlt, oder ob sich die partheien vor rechthandlung
guetlich vertriegen, dannocht vom clager, dieweil das gericht auf sein
begeren zusamenkomen, die sportulen und namlich für zwen tail vier maß wein
zu ervordern zu geben.
Item so ist fur ze pieten den gerichtzknechten dermassen verordnet, namlich
zu Oberßdorf im flecken zwen phenning, ausserhalb des fleckens in der pharr
sechs phening, in Vischiner pharr, Langenwangen, Teuffenpach und Winckl acht
phenning, in Burger pharr zechen phening, aber ausserhalb Vischiner pharr,
was in das gericht gehört, zwelf phenning.
Dann zu Sonthoven im markt zwen phenning, ausserhalb in der pharr sechs
phenning, gen Altstetten, Beulemperg, Seyfriedsperg, Hochenweyler und
Hindenlang zechen phenning.
Aber zu Wertach im flecken zwen phening, ausserhalb in der pharr drei
phening, gen Mitlberg, Haslach, Faistenowit, Owy, Kressen und Hag sechs
phenning, in Schweinbach, Guggenmoß, unser frauen zu den Rainen,
Schwartzenperg und Bachtal acht phening und in Kempter wald zechen
pfenning.
Dann zu Röttenberg im flecken zwen phenning, ausserhalb in der pharr sechs
phenning, geen Steffans Röttenperg, Wangeretz, Tall, Mospach, Ried,
Ottackers, Maislstain, Rottach und dergleichen ein gros, aber gen Durrach,
Kembten und was darunder auch jenhalb der Iler und in der Weitnau gelegen
ist, von der meil funfzechen phening ungevarlich.
Item so dann also rechttag gehalten und furgepoten ist, sollen die partheien,
clager und antwurter, zu rechter tagzeit erscheinen; dann welcher one eehaft
not daran samig, der soll der gehorsamen seiner widerparthei den
gerichtzkosten, ime desselben tags aufgeloffen, jedoch daß im fur sein
zerung und saumselin des tags nit mer dann funf schilling haller taxiert
werden, nach erkanntnus der rechtsprecher verfallen und vordem er weiter zu
recht zugelassen wurdet, zu bezalen schuldig sein.
Es sollen auch die rechtsprecher uber zwu ur zu warten nit verbunden
werden.
Item so dann die partheien vorstand und der antwurter gethane clag zu
verantwurten zug begert, so soll um erbschaft, gelegne gueter, eer
betreffend und dergleichen sachen sechs wochen und drei tag, aber sunst um
gemain sachen bis auf negsten rechttag, dann um bekanntlich schuld,
verthedingt gelt und lidlon kein zug erkennt werden, es wer dann, wo eehaft
ursachen in diesen fällen vor augen, soll den rechtsprechern hierin ze
messigen bevolchen sein.
Item zu jedem gericht sollen vierzechen rechtsprecher verordnet werden und
den partheien allein fursprechen und hierzue von dem gericht kain rat mer
erlaupt werden, es soll auch ain jeder fursprech, in der sach er geredt hat,
nit urtl geben, sonder in urtailen von dem gericht abtreten.
Item es soll kain kundschaft mit urtl zugelassen werden, es sei dann durch
den clager sein clag lauter und verstendlich eingepracht, auch durch den
antwurter mit ja oder nain verantwurt und der krieg pevestigt; es soll und
mag auch ein jede parthei fur gezeugen, wen er will, er sei dem ander tail
gefreundt oder nit, furstellen, bedarf dieselbigen, vor dem er si furstellt,
nit benennen, jedoch soll dem widertail allweg in ir personen und sag nach
eroffnung derselben sein einred vorbehalten sein.
Item ain jeder gezeug, er sei ain richter oder ander, soll vor seiner sag ein
gelerten aide in sachen, darum er furgestellt und gefragt wurdet, ain
warhait ze sagen etc. schweren, er wurde dann des von baiden teilen guetlich
erlassen, und dieselbigen gezeugen sollen all und allain von geschwornem
landschreiber in abwesen der partheien, auch der anderen gezeugen, und one
ir underred heimlich verhört, ir sagen beschriben und hienach offenlich vor
gericht in beisein der gezeugen und auf ir bekennen, eroffnet und verlesen,
darvon dann dem landschreiber von jeder sag aufzeschreiben sechs phening
gegeben werden.
Item, welche parthei der endurtl der hauptsach verlustig, ist dem
gerichtzaman funf schilling haller fur unrecht, oder wo sich die partheien
vor endurtl guetlich vertriegen, jede dem gerichtsaman funfzehen phening zu
bezalen schuldig.
Item ain jeder rechtsprecher, der sich den partheien oder der ainen one
wissen der andern so nach gefreundt erkennt, das er nit zu inen heuraten,
soll er das uf den aide anzeigen, und in derselben sach ze urtailen nit
sizen, im würde dann das von baiden tailen guetlich zugelassen.
Item so ein parthei die andern zu dem aid rechtet und denselben von der
andern parthei je haben will, soll dieselbig die aidpuessen wie von alter
her bezalen.
Dann der appellacion halben soll es laut bischof Fridrichs gegeben ordnung
und bischof Heinrichs jungster endrung der dreissig schilling halben
gehalten werden, dann die aus merklicher beweglicher notturft im ganzen
stift furgenomen und nit ze endern sein.
Item es sollen auch nach lands gelegenhait in allen vier gerichten die recht
von Petri und Pauli bis auf Michaelis ufgehapt und beschlossen sein und
niemand on der herrschaft sonder erlauben und schaffen rechtag gehalten
werden.
Item so dann einer solchs nit erwarten möcht und von der herrschaft ime also
ein gastrecht oder schadengericht zu halten erlangte, soll derselbig zuvor
hinder den gerichtzaman vier und zwainzig gros legen, darvon dann doch alein
zu Rötemperg dem landschreiber die sach zu beschreiben zwen gros, dem
gerichtzknecht das gericht zu samlen vier gros gegeben und das ubrig gelt
under die rechtsprecher, nachdem ein jeder verr alher zu geen hat, vertailt
werden; aber in den andern dreien gerichten were die rechtbegerend parthei
allein dem landschreiber, nachdem und er umb ain ainigen handel uber land
reiten und zeren mueß, vier gros, dem gerichtzaman und dem gerichtsknecht
jedem zwelf phening und den rechtsprechern acht mas wein zu geben old zu
bezalen schuldig.
Item dieweil nach landspruch die nechsten freund der gelegen guet, so die
fail, fur ander zu gepürlichem kauf vähig sein und darin je zu zeiten gefar
und vortail gepraucht würd, so ist deshalb gemacht, das ain jeder, der also
ein gelegen guet anfallen oder an sich ze bringen vermaint, vor herrschaft
oder gericht ein gelerten aide schweren soll, das er dasselbig guet aus
redlicher notturftiger ursach allain im selbs und den seinen zu behalten,
one eehaft not kainem andern übergeben, auch deshalb kain gefar brauchen
noch unredlichen genies daran emphachen wöll.
Item dieweil in verphendungen und vergantungen in den vier gerichten
ungeleich breuch gewesen, so ist deshalb geordnet, das so die gericht offen,
ein jeder durch den gerichtzknecht in schein und mit worten verphendt werden
mag, und so also der verphendt in die phandung bewilligt, so soll dieselbig
vierzechen tag ansteen bleiben, darnach phand auf clagers beger geholt und
vom schuldner von varender hab, soverr die vorhanden, wo nit, von ligenden
guetern, doch allweg des dritten phennings mer, dann die hauptsum ist,
gegeben werden; so dann dieselbigen phand nit essend, sollen die in das
gericht getragen, ob si aber essend, von minder costens wegen im stall
stehen bleiben, doch zuvor mit dem schuldner geredt, das er auf höchste
straf der herrschaft dieselbigen nit verendere, und nichtzdestminder mag ein
zaichen davon aus irem har geschnitten und scheinsweis in das gericht
getragen, hiebei dem schuldner zu der gant und hinruefung dieser phand auf
morgens verkündt, er kom alsdann und lös die phand oder nit,
nichtzdestminder zu rechter tagzeit umb haubtguet und zimlich scheden nach
gantrecht hingerueft und failgepoten, und ob der schuldherr an denselben
phanden umb hauptguet und scheden nit habhaft noch benuegig, so so sollen
mer phand geholt und aber damit nach gantrecht gehandlt werden; dieselbigen
hingerueften phand, so si varend, sollen si hinder dem gerichtzaman neun
tag, so si aber ligend guet, vier wochen und drei tag dem schuldner ze lösen
vorhehalten und in stiller gwer liegen, und so dann der schuldner die phant
nochmals nit löste und den schuldherrn unclagtbar machte, so soll und mag
hienach der gerichtzaman auf schuldherrn weiter ersuchen vier oder sechs
rechtsprecher nach gestalt der sach ze im ervordren, die essenden phand
holen, oder so si vor gericht ligen, darüber recht ergeen, dem schuldherrn
haimsprechen, ime deshalb gantbrief und darbei zu handhaben, wie recht ist,
erkennen lassen.
Item umb verbrieft schulden mag laut der brief, doch allweg nach rechtlicher
ordnung gehandlt werden.
Dann umb lidlon, verschiden und verthedingt gelt soll der schuldner
vorbemelter massen essende, varende oder ligende phand von stund an geben,
dieselben in das gericht getriben und hiemit die gant verkündt, auch also
umb hauptguet und zimlich scheden hingerueft werden, doch sollen dieselbigen
essend oder varende phand dem schuldner von ainem mittag zu dem andern oder
die ligenden neun tag zu lösen steen und hienach aber, wie vorstat, mit dem
haimsprechen gehandelt werden.
Item es soll auch dem gerichtzaman sechs phenning pfand zu erlauben und dem
gerichtzknecht von ainem jeden actum, wie vorstehet, von dem fürbieten
gelonet werden.
Item welcher auf ain ergangen bei- oder endurtl nach ordnung rechtens
derselben zechen tag, ob er die zu guet haben oder darvon appellieren wölle,
bedacht nimt, soll im der bedacht nit zugelassen werden, er schwere dann
einen aid zu got und den heiligen, das er solchen bedacht nit mit gevarden
oder zu verzug der sachen und der widerparthei zu nachtail, besonder allein
seiner notturft halben begere.
Item ist es billich, ob ainer etwas in schrift einlegen wurde, das es gehört,
auch dem gegentail, so er das begert, davon abschrift und darzu nach
erkanntnus der richter bedacht gegeben werde, aber der erbschaften halben,
dieweil dieselbigen fäll weitleufig, auch zum teil zweiflig sein, derhalben
darin jetzo nit gewiß ordnung gegeben werden mag, wo dann solch sachen, die
etwas merklichs beruerend, fürfallen, so mügen die richter alle
gerichtzubung vor inen rechtlich einbracht in schrift verschlossen in unser
canzlei schicken, soll inen durch unser rate darauf ratschlag und bericht,
wie si urtailen sollen, mitgetailt werden.
Item landaman soll verfuegen, das die frävelgericht besonder im gericht zu
Röttemperg zum fürderlichsten und mit münsten costen gehalten werden.
Item welcher ains rechtens verlustig und gesprochner urtail nit geleben und
der in zimlicher zeit volg thun wölt, der soll durch ain phleger der urtail
statt zu thun mit gepoten bei ainer geldpen oder tätlicher handhabung nach
gestalt und notturft der sachen auf anruefen der widerparthei gehalten und
die urtailen exequiert werden.
Item solche gerichtzordnung söllen und mögen allwegen durch uns und unser
nachkomen, wie zu jeder zeit die notturft erhaischt und uns gevallen würdet,
geendert oder gar abgethon werden.
Dess haben wir zu urkund unser secret an dieses libell hengen lassen in unser
statt Düllingen auf mitwochen nach sant Endreas tag apostoli im
funfzechenhundertisten und achtzechenden jars.