Entwurf einer Brandenburgischen Kammergerichtsordnung (nach 1516)
In:
Friedrich
Holtze,
(Hg.)
Geschichte des Kammergerichts in Brandenburg-Preußen I
(Berlin
1890)
221-244
Quelle: Friedrich Holtze, Geschichte des Kammergerichts in Brandenburg-Preußen I
(Berlin 1890) 221-244 (aus: Acten des Geh. Staatsarchivs R. 9 X. 1a).
Transkription Heino Speer 2010
Wir Joachim von gots gnaden marggrave zu Branndenburg, des heiligen
romischen reichs ertzcamerer unnd churfurst, zu Stettin, Pomern, der
cassuben unnd wenden hertzog, burggrave zu Norenberg unnd furst zu
Rugen; thun kuntig offentlich vor jdermeniglich; nachdem wir in
gnedge betrachtung genohmen unser furstenthumb lannde unnd lewt
nutz, ere unnd gedeyen zu furdern, unnd in sunnderheit aus
furstlicher mildigkeit, damit wir denselben unnsern unnderthanen
hochlichen geneigt, inen gericht unnd recht auffzurichten unnd
gnediglich mitzuteylen gesynnet. habenn wir got dem almechtigen zu
lob mit notdurfftiger zeitlicher verbetrachttung, eynmuttigen
trefflichen rath unnser prelaten unnd verwilligung graven, hern,
ritterschaft, mannen und stette unnsers churfurstenthumbs zu
Branndenburg, zu erhaltung frydes und eynigkeit und kunfftige
kriegesche sachen zu kurtzen, sich auch nymant verhinderung, ubriges
kostens [CCMarch.-Faksimile] muhe unnd unbilichs darlegens zu
beclagen unnd zu
| Seite 222| beschweren, ein camergericht uber alle
unnser furstenthumb, lannde unnd lewte geordent, gesetzt unnd
uffgericht, ordnen, setzen unnd wollen, das sich alle unnser
furstenthumb, lannde unnd einwohner demselben gehorssamlich unnd
getrewlich sollen haltten.
Doch sollen unnser prelaten vor sich selbs und die iren, so von
alters vor unns zu sthehn nicht schuldig gewest, hiemit nicht
begriffen sein, unnd uff daß solich unnser camergericht statlichen
unnd notdurfftlich mit verstendigen unnd thugentsamen personen an
richter unnd beysitzern versehen wollenn.
Und ordenen wir, das daßelbig mit zwelff personen als beysitzernn,
der wir vier aus unsern retten darzu verordenen, zwen von wegen
unnser prelaten, graven unnd hern, vier aus der ritterschafft,
nemlich einer aus der Alten, der ander aus der Mittell, der dritt
aus der Newenmarck unnd der vierd aus der Pregnitz, unnd zwen von
den stetten wegen gegeben unnd erweld werden sollen.
Unnd so wir durch unser selbs personen berurt unnser camergericht
als der landesfurst unnd richtter nicht besitzen werden, wollen wir
zu yederzeit einen aus den zwelff beysitzern unnsers gefallens zu
richtter an unnser statt ordnen unnd setzenn.
Dieselben verordenten des gerichts wollen wir zu yederzeit mit iren
knechtten und pferdenn an dem orte, wue unnd wie lannge unnser
camergericht gehaltten wirt, aus besundernn gnaden mit futter unnd
mahll versorgen lassen.
Was auch von sportelen unnd andernn nutz dem gericht gefelt
außerhalb sigell unnd gerichtsbrieffgelt, unnser cantzley zustendig,
sollen sie unntter sich zu geleichen teyll nach antzall der person
zu teylen habenn.
[ähnlich schon: Sächsische
Oberhofgerichtsordnung 1488 Art. 2] Wir wollen, ordenen
und setzen auch, das dieselbenn, so im gericht sitzen werden, des
gerichts getrewlich unnd fleyßig auffwarten, also das sie yedes
partes sachen eigenntlich vernemen, versteen unnd fleyßiglich
betrachtenn, damit einem jglichenn recht geschee.
[ähnlich schon: Sächsische
Oberhofgerichtsordnung 1488 Art. 3] Das auch die person,
so in solichem gericht sitzen, die unns hievorn mit raths pflichten
nicht verwandt sein, darzu vereydet werden, inmassen, wie hier
nachvolget, welche aber unns hievorn
| Seite 223| mit raths pflichten verwant, sollen bey
denselbenn pflichten unns geloben unnd zusagen, den inhalt des
begriffenn eydes trewlich und vestiglichen zu haltten.
[ähnlich schon: Sächsische
Oberhofgerichtsordnung 1488 Art. 4] Ich N. schwere, als
mein gnedigster herr churfurst zue Branndemburg etc. mich an seiner
churfurstlichen gnaden camergericht am rechten zu sitzen verordent
hatt, das ich daselbst zu recht nach alle meinem besten verstentnus
des gleichst unnd billich sprechen, thun unnd handellen will, unnd
das nicht lassen umb lieb, neydt, gabe, freuntschafft noch keinerley
sachen willen, auch kein gabe oder nutz darumb vonn parthien nemen
oder warttende sein will, mich auch in allen sachen zwischen meins
gnedigen hern underthanen unnd andern, die vor das gericht komen
oder komen mochten, dieweill ich dem gericht als ein glid desselben
verwant bin, ausserhalb der sune zu rathen oder zu schreiben,
entthalttenn, getrewlich und one gewerde. Als mir got helff unnd
alle seine lieb heiligenn.
[ähnlich schon: Sächsische
Oberhofgerichtsordnung 1488 Art. 7] Es soll auch der
Doctor einer, so im gericht sitzen werdenn, allewege neben dem
schreiber, der im gericht schreibt, sein unnd fleyßig auffsehen
haben, damit der schreiber recht schreibe, also das niemands durch
den schreiber verkurzt werde, und einen tag umb den andernn
derselben doctor einer darzu verordent werdenn.
So dann zuweylen mit einander vil sachen teglich furfallen, soll der
camerrichter aus sitzendem gericht zwo personen, einen doctor und
einen anderenn beysitzer sunderlich allein zu sein verordenen unnd
dennselben bevehlen, die beyurteyll, rechtliche bescheid, taxation
und wirderung der expens, uff einfallende rechtssetz uff der andernn
verpessern unnd bewilligen zu machen unnd zu begreiffen, nochmals
offentlich im camergericht außzusprechenn, damit man zu anderenn
zeytten ausserhalb der gericht zu entlichen urteylen dester
furderlicher greyffen unnd dieselben ausrichten muge.
Zwischen den vier gerichtszeitten soll ein doctor des gerichts
stetts zu Berlin oder Coln wesentlich seyn, dasselbst sammpt dem
gerichtsschreiber alle gerichtshendell bey sich haben, die acta unnd
sachen darinnen uff nechsten rechttag zu urtheylen sein wurde, zu
uberlesen, puncta zu signiren und furder den camerrichter und
| Seite 224| beysitzernn derselben anzeigung thun
soll, wes sich nachfolgende der camerrichter und beysitzer nach
uberlesung der acta und articulen entsliessen, das soll zu recht
gesprochen unnd geoffent, sunst auch mitler zeit durch obgemeltten
verordenten doctor und gerichtsschreiber alle acta ordentlich
registriret und geordent, den parthien uff ire ansuchen darvon
copeyen, citaciones, inhibitiones, commissiones unnd andere
notdurfftige gerichtsbrieff gegeben werden.
Es sollen auch alle gerichtsbrieff, die aus unnsernn camergericht
außgehen, mit unnserm gewonlichen sigill oder secret durch unsern
cantzler oder darzu verordenten secretarien versigelt, versecretirt
und verfertigt werden, unnd was von sigell unnd gerichtsbrieffen
gefelt, soll der gerichtsschreiber einzunehmen haben und unserm
cantzler, oder wem es derselbe zu emphahenn bevelhen wirt,
uberantworttenn, und sollen alle gerichtsbrieffe, commission,
inhibition, urteyll unnd executoriales in und ausserhalb des
gerichts, in unnsern nahmen ausgeen und gegeben werden.
Item die gericht sollen viermall im iar als zu jglicher
quatuortemper zeit gehaltten werden: nemlich drey zu Colnn im
churfurstlichen sloß an der Sprew, oder wo wir zu yeder zeit
wesentlich unsern hoff haltten werden, eins [CCMarch.-Faksimile] uff
Luciae, das andere auf Invocavit oder Reminiscere, das dritt uff
Michaelis und das viertt auff Trinitatis im sloß zu Tangermundt an
der Elb, unnd sollen angezeigte camerrichter und beysitzer unnter
acht tagen nicht am gericht sitzen, es were dann, das solichs der
parthien halben nicht notdurfftig, so lang außzuwarten,
vorfiell.
Were es auch sache, das der beysitzer einer oder mehr aus leibs
ehaffter not, on die sie unwiddersprechlich zu itzlicher
gerichtszeit komen sollen, zum gericht zu erscheinen verhindert und
also aussenbleiben wurden, alßdann sollen die andern beysitzer, doch
das derselben under achten dozumal nicht sein, sampt dem richter
solich gericht besitzen, rechtlich bescheid und urteyll nach
gelegenheit geben und außgehen lassen, und so derselbigen beysitzer,
die außgebliebenn, leibsverhinderung sich in keine besserung woltte
schicken, so soll ein anderer an des stat, in welchen standt der
mangell, durch prelaten, graven, ritterschafft oder stette zu unsern
camergericht gegeben und verordent werden.
| Seite 225|
Es sollen auch die hulffbriev in unsern nahmen außgehen, unnd wue
ein amptman, dem die hulff zu thun aus diesem unseren camergericht
bevolhen, mit der hulff, der wegen er ersucht, uber vier wochen
verziehen wurde, soll derselbig unns dreißig gulden reinisch zu pene
verfallen und soll nicht desterweniger dannoch die hulff on fernner
verzug zu thun schuldig sein, bey vermeidung schwerer unnserer
straff, doch das er die hulff nicht hoher, dann ihm bevolhen,
erstrecken, oder weiniger thun soll. Und so der amptmann, dem die
hulff bevolhen, die execution thun will, soll er zuvorn viertzehen
tag den beclagten und erlangten zu der wirderung derselben gutter
citiren und furdern lassen und zur zeit der execution ime furder
kein weitter einrede gestatten.
Und damit einem ydermann zur slewniger furderung seins rechtten moge
geholffen werden, wollen wir etliche gemein und generales
commissarios in unsernn landenn verordenenn und setzen, der parthien
zewgen zu verhoren, nemlich zum Berlin
einen aus den beysitzern des gerichts, einen zu Branndemburg, einen zu Stendall, einen zu Prenntzlow,
zu Franckfurt, zu Witstock und zum Soldin, der
yglicher einen legalen verstendigen notarien bei sich haben soll,
der zewgen außsage fleißig zue examiniren und auffschreiben zu
lassen und solich der gezeuge aussage verslossen unnd versigelt in
unnser camergericht uff kost der parthien uberantwortten, unnd soll
dem commissario von jglichen zewgen zu verhoren zwen merckisch
grosschen gegeben werden, darvon er dem notario seinen lohnn
beschaffen soll.
Auch soll itzlich gezewg, der unnser underthan, bei pene zehen
gulden reinisch in unnser camer zu geben, sich on redlich gnugsam
ursach gezeugnus zu geben nicht weigern, unnd dannach nach gegebener
pene, wie sich zu recht geburt, zeugnus zu geben schuldig sein, unnd
ob er solich pene wurde verachtten, soll volgends nach vermogen der
recht zu gezeugnus gedrungen werdenn.
[ähnlich schon: Sächsische
Oberhofgerichtsordnung 1488 Art. 43] Wir wollen auch von
wegen unserer camergutter und ander nutzung gegen unsern underthanen
vor diesem unsern camergericht, des rechten wartten und verfolgen
und zu solichen gerichtshanndell zu yder zeit richter und beysitzer
irer pflicht und eyde, damit sie unns verwant sein, verlassen und
nicht weitter.
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Es sollen auch vier procuratores oder redner, die verstendig,
geschickt, geubt und in unsernn furstenthumb gesessenn zu dem
gericht angenommen und vereydet werden, des getrewlich unnd fleißig
den partenn zu gutt uff zimlich belonung auffzuwartten, unnd soll
niemants zu procuriren oder zu reden vor dem gericht zugelassen
werden; es wolt dann einer in seiner selbs sachen reden oder
vermoche ymants, der es ime aus freuntschafft und aus keiner gabe
umbsunst thue und sollichs bey seinen schlechtenn eydt unauffgeracht
aussagen wurde, den soll es hiemit unverbotten unnd zugelassen
sein.
Unnd sollen die parth dem redner oder procuratori ye von einem
termyn, darinnen er sein ampt mit rechtlichenn furtrag oder product
gebraucht, einen ort eins reinischen gulden, wo er aber allein den
termyn respiciret, das widerteyll anhort, dilation, copeyen oder
citation bitt, vier merckische groschen geben, und sollen sich die
redner und procuratores umb sunderlichen solt oder gabe zu advocirn
oder advocaten zu seyn enthaltenn.
Es sollen auch dieselben procuratores yder nicht mehr dann einen
advocaten, ob sein principall denselben habenn will, in seiner
sachen gebrauchen, auch keinen zettell, darauß sie reden, haben,
dann allein ein kurtze verzeichent gedechtnus der sachen, so er
notdurfftig sein wirt.
Ich N. glob unnd schwere meinem gnedigsten herrn Joachim churfursten und marggraven zu Brandemburg etc.
und seiner churfurstlichen gnaden camerrichter unnd beysitzern, die
stat seiner churfurstlichen gnaden zu demselben gericht, gewerttig
unnd gehorsam zu sein, ire ordnung, geschefft unnd gebott zu
haltten, die parthein und sachen so ich anneme oder mir bevolhen
werden, mit gantzen und rechten trewen maynen, ire gerechtigkeit
nach meinem besten fleiß und verstentnus furbrengen, rathen und
hanndeln, darinnen wissentlich keinen falsch unrecht oder geverlich
verlengerung brauchen noch zu suchenn unnd des die parthein zu thun
und zu suchenn nicht untterweisen, mit den partheien keinerley
vorwort oder vergeding umb einigen teyll wenig oder vyll an der
sachen zu haben, haben oder gewartten, die heimlichen rede unnd
behelff meiner parthein
| Seite 227| zu schaden niemant zu effen, das
gericht und gerichtspersonen allezeit eren unnd furdern, auch vor
innen erberkeit gebrauchen, die lesterung bei pene unnd ermessigung
des gerichts vermeiden, die partheien mit unzimlichen belonungen
nicht besweren sunder an [CCMarch.-Faksimile] dem, wie der zu jderzeit durch den
richtter gesatzt oder sunst geordent wirdt, mich begnugen lassen,
der sachen darzu ich angenomen oder mir bevolhen werden, mich on
redlich ursachen und des rechtens erlawbung nicht entschlagen,
sunder bis zu ende des rechtens außwartten, unnd sunst alles annders
zu haltten, thun und lassenn, das sich von rechtes oder gewonheit
wegen, geburt, getrewlich und ungeverlich, als mir got helff unnd
alle seine lieb heiligen.
Nachdem auch vyll armer lewt sein, die ir gerechtigkeit zu erhaltten
oder zu erlangen unvormoglich sein, und damit dem armen als dem
reichen, so viel jtzlicher recht hat zu bekomen und sich niemand
verdrukkung beclagen darff, wollen wir, das der verordent procurator
fisci aller armen lewt sachen, die sie in unnserm cammergericht
rechtlich zu furdern und zu verhandelln habenn, so ferne dieselben
armen cleger oder beclagtten mit iren eydt erhaltten, das sie nicht
uber funfftzig gulden wert haben, auch ihres vermogens nicht sey,
vonn irem guth die sachen zu verlegen, annemen und seinen eydt, den
genannter procurator uber vorigen eydt, sunderlich hir zu diesem
ampt, wie hir nachfolget, schweren, mit fleiß handelnn unnd
rechtlich zur entschafft verfhuren soll, darumb wir ime auch seinen
soldt dester statlicher geben unnd vergnugen lassen wollen.
Unnd wiewoll kein advocat in sachen zu recht reden oder procurirn
soll laut dieser ordnung, so mag unnd soll doch der armen lewt
advocat, wo es ire notdurfft erfordert, in der armen sachen allein
und sunst nicht, schreiben unnd reden.
Ich N. schwere, daß ich vor diesem camergericht allein dem parth,
der nach meinem verstendnus und glawbenn ein gegruntte rechtsache
habe, helffen, rathen unnd patrocinirn will, auch will ich von
keinem armen, den ich lawts der furstlichen ordnung zu
| Seite 228| raten und zu reden schuldig, kein solt
noch gabe furdern noch nemen, sundernn an dem sold, so mir mein
gnedigster herr verordent, begnugig sein und denselbigen armenn nach
meinem verstentnus getrewlich fursteen unnd raten und der
furstlichen ordnung allenthalben geleben, getrewlich unnd on
geverde, als mir gott helff unnd alle liebe heiligen.
Es sollen auch zwen verstendige und beglaubte offenbare schreiber
inne und zu diesem gericht durch unns oder unnsern cantzler aus
unnser cantzley verordent unnd gesatzt werden unnd sunderlich darzu
schweren, getrewlich unnd ungeverlich zu schreiben unnd zu handelnn,
damit das ires ampts halb niemants verkurtzt werde.
Dieselben gerichtsschreiber sollen alles einbringen der parth unnd
was die part zu recht setzen wollenn, aygentlich, fleyßig und
getrewlich uffschreibenn.
Es sollen auch zwen geschworne botten, den [CCMarch.-Faksimile] mann
vonn der meyl wegs, wan sie ladesbrive tragen, sechß merckische
pfennyg geben soll, die ladesbrive dem beclagten in sein handt oder
behawsung zu antwurtten, oder in der stat, do das gericht gehaltten
wirt, drey merckische pfennyg, und so der beclagte vor dem gericht
durch einen geschwornen botten geheischet wirt, soll man ime zwen
pfennyg geben, doch also, das allezeit der bott, der mit ladung
gesant wirt, ob, wo, wan und wie er denn beclagten geladen und die
citation geantwurt hab oder nicht, dem gerichtsschreiber bey die
acta zu verzeichen, das aussage unnd bey seinem aidt referire, dem
als geschwornenn gerichtsbotten darumb gelawbt werden soll.
Wurd aber derselb gesworn bott uberweiset unnd befunden, das er
falsche bericht unnd relation dem gerichtsschreiber thun wurde, der
soll darumb nach vermoge der recht als ein meineyder in ansehung
seiner uberttretung gestrafft unnd gerechtfertigt werden.
Nachdem zuweylen notturfft erfordert, das die procuratores copeyen
etlicher acta, brieve unnd anderer furbringen begeren unnd haben
mussen, dieselben soll der camerrichter denn gerichtsschreibern
| Seite 228| uff ire bitlich ansuchen und costung zu
geben bevelhen, wo auch die procuratores oder partheien copeyen zu
nemen und derhalb uncosten zu leyden nicht gesynnet, sunder allein
den camerrichter ansuchen wurden zu vergunstigen, inen etwas, so sie
zu wissen notturfftig weren, lesen zu lassen, das soll inen der
camerrichter, sofern er solichs notturfftig zu gescheen vermerckt,
zulassen und gestatten, doch allezeit einenn aus dem gericht neben
dem schreiber darbey verordnen, der ding uffsehens zu haben,
ferlickeit furzukomenn und damit die acta nicht verruckt
werdenn.
Es soll vor diesem gericht ein jgliches part, wie oben außgesatzt,
in seinen sachen nicht mehr dann einen redner oder procuratorem
haben aus den vier verordenten, unnd, ob er will, darneben nur einen
advocaten geprauchen, und dieweill der procuratoren und advocaten
empter underschidlich und die procuratores von manigfelttigkeit der
sachen wegen beiden emptern nicht woll vorsein mogen, so soll kein
advocat sich procuratorampts unnd herwiderumb kein procurator
advocatenampts unnterfahenn zu gebrauchen, und sollen die
procuratores die partheien nicht underweisen oder mit wortten
bedringen, kein advocaten anzunemen.
Wir ordnen, setzen und wollen auch, das alle unnsere graven,
freyenherrn, ritter und edelleut, die den ampten und andern unsernn
hoff- und lantgerichten nicht underworffen oder die uff sunderlichs
schrifft unser cantzley [CCMarch.-Faksimile] sitzen, auch alle rethe unnser
stette unnd richtter, die keinem ampt zugeslagen sein, mogen fur
dieses unnser camergericht geladen und doselbst gerechtferttigt
werden, es sollen aber die andern edellewt, burger oder paurn verhin
vor iren amptman oder gerichten in den ampten oder gerichten sie
gesessen, oder vor demjenigen, dem sie underworffen, geheischen
werden und vor diesem unserm camergericht zu steen nicht vorpflicht
sein, es were dann, das von inen rechtens geweigert oder ymands
unzimlich verzogen wurde. Wo auch einich parth sein sachen vor den
amptleutten, do nicht geordent gericht sein, in verzug oder
verlengerung befleißiget, sollen die amtlewt dieselbige sache vor
dieses unnser camergericht in recht zu entscheiden weisen, und so
ymand einen, der dem
| Seite 230| camergericht onmittel nicht
untterworffen, furladen unnd heischen lassen wolt, der soll zuvorn
dem camergerichtsschreiber zu den heiligen erhaltten oder gnuglich
beweisen, das ime durch den amptman oder richter, unnder dem
derselbig, den er furzuladen gemeint, gesessen, rechts geweigert
oder geverlich verzogen, so aber derselbig meyneydig befundenn, der
soll an seinem leib swerlich gestrafft werden.
Ich N. schwere, das ich vor diesem camergericht allein dem part, der
nach meinem verstentnus und glawben ein gegruntte rechtssache habe,
helffen, raten unnd patrociniren will, auch will ich von keinem
parth keinen andern solt noch gabe furdern noch nemen, dann der mir
von camerrichter und seinen beysitzern zu geben gesatzt und
verordent wirt, getrewlich und on geverde, als mir got helff unnd
alle lieb heiligen.
Dieweill dann umb ungehorsambs, ubertrettung unnd anderer sachen
willen, etliche dem gericht unnd unns zuweylen sunderlich busfellig
und straffwirdig werden, darumb man zu einforderung der buß unnd
andern sachen fisci einen gemeinen procuratorem fiscalem zu hantfest
unnsers camergerichts haben muß und verordent wirt, soll derselbig
von unns gehaltten und versoldet werden und zu solichen ampt und
gericht volgenden eydt schweren.
Ich N. gelob und schwere, nachdem mein gnedigster herr churfurst zu
Brandemburg etc. mich verordent und bestalt, in seiner
churfurstlichen gnaden camergericht alle ire und desselben gerichts
fiscal sachen rechtlich zu furdern und zu handelln, das ich alle
unnd jtzliche sache seiner churfurstlichen gn. fiscum und irer
underthanen deshalb belangend, so mir rechtlich zu handeln, bevolhen
werden, uff die besoldung, wie ich dann sunst von seinen
churfurstlichen gnaden angenohmen, getrewlich mit allem fleis nach
meinem hochsten verstentnus, furbringenn, darinnen rathen und
handelnn und zu furderlicher entschafft unnd rechtlichen außtrage
[CCMarch.-Faksimile]
nach aller notturfft verfhuren, getrewlich unnd ungeverlich, als mir
got helff und alle seine liebe heiligenn.
| Seite 231|
Item, damit die sachen nicht uberhawffet unnd ordentlichen vor
gericht nach einander mogenn furgetragen, auch die partheien
uncostens verschonet werden, so sollen der citationes unnd ladung
nicht zu vyll uff einen tag, sunder zu verandertten rechttagen und
zu fruer oder rechter tagzeit vor gericht zu erscheinen gegeben und
die partheien zu verhore irer sachen durch einen gerichtsbotten
ordentlich vor sitzendes gericht gefordert werdenn.
Es soll auch keiner unnser underthan den anndernn, der zu recht
gesessen, kumern oder uffhalten, er hab in dann zuvorn vor seinen
ordentlichen richter beclagt unnd sie ime rechtens und hulff
geweigert oder domit unbillicher weiß verzogen.
Wurden auch sachen, darumb einer an disses camergericht geladen,
furfallen, dardurch der beclagtt widerumb zu dem cleger zu sprechen
hett, also ob die widerclage dieser sachen anhengig oder daraus
fluße oder in ander weyß die sachen betreffen wurde; alsdann soll
unnd mag der cleger widerumb vor dissem camergericht dermasse, wie
das außgesatzt, geladen und gerechtferttiget werden, und also
widerklage und reconvention in dissen fellen stathabenn.
Es sollen richtter und beysitzer eher sie sich uber der parteyn
gesetze des rechten vereyniget, guten fleiß ankeren, die parthein in
der gute zue entscheiden, wo das aber nicht stat haben wirt, was
recht ist ergeen und gescheen lassen.
Als wir auch in unnsern landen und furstenthum der vilfelttigen
recht unordnung und mangel befunden, wollen und setzen wir, daß
hiefur in unserm camergericht, furstenthumb, landen und gebieten
gemeine kayserliche recht gehaltten und darnach gesprochen werden
soll.
Zu merken, das son unnd tochter kint mit irer vater und mutter
bruder und schwester zu dem erb ires großvater oder großmutter an
irer elternn stat unverhindert sollen gestat und zugelassen werden,
nach lawt gemeiner geschriebener recht, unangesehen das sechsische
recht und die gewonheit, so bißher in den landen darwieder
gehaltten, die auch kayserliche mayestat mit den stenden des reichs
als der miltigkeit, recht und billigkeit widerwerttig unnd ungemeß
abgethan und vernichttiget, soll in seinen wirden bleyben und von
ydermeniglich in unsern landen gehaltten, das erb also wie obsteet
| Seite 232| gegeben und genomen werden; doch so die
außlendischen und anstosser unnserer lannde unnsern underthanen und
verwantten soliche erbschichttigung im obgemelttem falle nicht
gebenn noch pflegen werden, sollen die unsern widerumb denselben
dermaß das erb zu geben nich schuldig sein, noch geben lassen.
Es sollen auch ein itzliche partey vor
| Seite S. 11|[CCMarch.-Faksimile] dem
rechten uff einen rechtstag nicht mehr dann drey setze thun und
domit besliessen, es were dann, das richtter und beysitzer uff
anregen erkennen wurden, furder zu setzen nott zu sein, und wollen,
das unser camerrichter so vill moglich, unnottorfftige gesetze und
furbringen, sunderlich in geringen und kleinen sachen abgeschneide
und den parteyn unkosten verhute.
Es sollen vor dissem gericht ein jtzlich part in seinen sachen wie
obsteet nicht mehr dann einen procuratorem und einen advocaten
haben, darumb soll kein parth alle advocaten oder procuratores in
unsern furstenthum, auch nicht den meisten teyll bey pene funfftig
gulden unser camer verfallen zu sein versprechen oder bestellen,
doch mit vorbehalt, die pena nach gelegenheit der sachen zu myndern
oder zu mehren.
Wurde sich auch der beclagt oder sein redner durch vyll schutzrede
oder exception der antwort zu schutzen unttersteen, so sollen
dieselbigen schutzrede oder exception alle uff einen termyn
furbracht werdenn.
Es sollen die advocaten oder redner vor diesem gericht in irem
furbringen keine lateinische wort oder allegat uffzuschreiben
furtragen, ausgenomen gemeine wort der rechte nach gewonlicher
ubung, die nicht verbotten, sundern wen in der sachen besloßen und
concludirt ist, so mogen die part rechtliche untterrichttung oder
juris informationes mit nottorfftigen allegaten in iren schrifften
in gericht legen.
Es sollen auch keine redner, advocat oder anndere unsern richtern
oder beysitzern honlich, unbeschedentliche oder schmeliche wort
furbringen, sie oder die parth damit zu belestigen, bey unnser
ernstlichen straff.
| Seite 233|
Item sobald das parth furkomet unnd der cleger sein clag gesagt, und
die sache hundert gulden oder uber hundert gulden betrifft, soll er
von yglicher clag einen reinischen gulden geben in das gericht fur
die sportulen, wo aber die sache untter hundert gulden doch
funfftzig gulden oder uber funffzig gulden betrifft, soll man ein
ort eines reinischen gulden in das gericht geben, was aber unter
funffzig guldenn antrifft, soll man vier merkische groschen gebenn.
So dann der antworter erscheinet und wider die clag sein antwort
oder exception vorbringt, soll er, wo die sache uber hundert gulden
betrifft, auch eine reinische gulden und wie es minder betrifft,
immassen wie der cleger nach anzall fur die sportulas geben.
Item von einer citation soll man drey merkische groschenn geben.
Item von einer immission, wue die sach uber hundert gulden betrifft,
soll man einen ort eins gulden geben, wo sie aber [CCMarch.-Faksimile] hundert
oder mynder anlangt, soll man vier merkisch groschen geben.
Item von einer inhibition soll ein halber guldenn ins gericht
gegeben werden.
Es sollen beyde parth cleger und antworter von einem untterendlichen
urteylll einen ort eins gulden, von einen entlichen urteyll einen
halben gulden, und wan sich der krieg geendet, soll der gewynhafftig
teyll sunderlich zwen gulden in das gericht geben, wo aber die sach
uber vierhundert gulden anlangt, so soll der gewynhafftig teyll
allewege von hundert gulden einen gulden geben und damit sollen die
parth des hulffgelds entledigt sein.
Were es auch, das die sach im grunde nicht gelt oder gutt anlangt
sunder frevell, und also actio injuriarum were, soll dennoch wie
obberurt von jtzlichem teyll im anfangk des kriegs ein reinisch
gulden zu sportulen ubergeantwort werden.
Unnd ob ein parth seiner gerichts hendell aus dem gericht ein
copeyen haben wolt, soll er dem gerichtsschreiber vonn einem plate
uff beyden seyten ungefehrlich funfftzig zeylenn gesatzt einen
| Seite 234| merkischen groschen zu loen geben, was
aber auff ein halb blat auch etwas weniger oder mehr geschrieben,
davon vier pfennigk zu geben.
Will auch ein parth das urteyll oder sententz in schrifften untter
dem sigll aus dem gericht haben, darvor soll er einen ort eins
gulden geben und bezalen.
Solich abgeschrieben gelt, so dem gericht zukomet, soll der
camerrichter an dem end, do er praesidiret und camergericht heldet,
fleißig unnd getrewlich einnehmen und denen beysitzern zu yder
quatember verreichen und was verhanden uberantworten, under sich wie
obenn vermelt gleich zu teylen.
Wird ein man vor diesem unnsern gericht zu schaffen haben, der
seiner armut halben seine sach nicht verfhuren mag, so derselbig
sein armut beweist oder zu den heyligen erteweret, so sollen ime
alle proceß auch redener und advocate umbsunst gott zu eren und umb
der gerechtigkeit willen, gegeben unnd verordent werden, den wir
auch darzu verordenn.
Welcher im rechte verlustig erkant wirt, und er das, so der
widerteyll uff ime erlangt, nicht zu bezalen vermocht; so soll
derselbig mit seinen eidt erhalten, das er seinem glawbiger unnd
cleger zu schaden und nachteill von seinen guttern vor und in dem
hangenden krieg nichts verbracht noch entwandt hat, wo ihm auch
besser geluck zusteen unnd andere mehr guttere bekomen wurde, darvon
dem cleger so ferne sich die gutter erstrecken, bezalung zu thun,
und soll darauff auch seiner hab und gutter, die er zeit des [CCMarch.-Faksimile]
rechtspruchs habend ist, entweichen unnd also bevorn cessionem
thun.
So auch ymand umb unrecht von injurien oder gewalt beschuldigt unnd
der cleger in derselben sachen fellig wurde, so soll derselbig
cleger dem beclagten solichs nach erkentnus camerrichter und
beysitzer, gelegenheit der sachen und person angesehn abetragen und
verbussen.
Wo einer dem andern mit eingriffen an seinen guttern oder sunst
gewalt thut, der soll nach gelegenheit seiner geubten gewalt zu
unser und der recht straff gefallen sein und dem, dem er gewalt
| Seite 235| gethan, vonstund wider das sein
restituiren, einsetzen unnd habhafft machen und darbei ungeirret bis
zu rechtlichen außtrag bleiben lassenn. War aber zuvorn das gut
zenckig und kein teyll desselben in geruehsamer wehr gesessen, soll
sich jtzlichs parth des guts, so es unbeweglich ist, zu gebrauchen
enthalten, und wo es beweglich, soll soliche habe an einem
unpartheyschen und gelegenen ort sequestrirt werden bis zu außtrag
der sachen.
Es sollen camerrichter unnd beysitzer das gericht sommerzeit umb
sechs hora vormittag anheben unnd sitzen bis zu newnen, darnach bis
zu zwolffen horen ruhen und von zwolff horen bis auff vier hore uff
den abent halten, ausgeschlossen das gericht, so man an den vaßtagen
und im wyntter pflegt zu halten, alsdann soll man das gericht umb
syben hore anheben und die andern stunden bis zu zehn vormittag und
nachmittag wider umb eins bis auf funff hora halten.
Sich mogen auch die beisitzer, so der sachen vil zu verhoren sein,
teylen, also das etzlich sitzen und die andern sich dieweyl
rechtspruche vereinigen, doch also, das camerrichter und beisitzer
alle in solichem urteyl samptlich oder der mehre teyll beschliessen,
auch sich nicht in dem zu ubereylen.
Item die erst ladung soll entlich und peremtorie einen rechttag fur
drey termyn darinnen zu setzen, auch mit eingeleibter oder
beygesandter clag außgeen unnd dem beclagten sechs wochen zuvorn
ungeferlich personlich oder in sein behausung zukomen.
Es sollen aber richter und beysitzer getreven fleiß furwenden, die
parth uff den ersten gerichtstag zu entscheiden, es wurde dhan aus
swerde unnd notdurfft der sachen ferner erstreckung betorffen.
Wo der arme man, dem vermittelst seins gethanen eids, das er den
krieg unnd sein rechtsfurderung nicht von seinen gutte zu verlegen
hab, unnd derhalb einen advocat, auch notdurfftig gerichtsbrieve
unnd urteill umbsunst gegeben werden, seiner sachen recht und etwas
gewynen wurd, so sollen camerrichter und beysitzer, was er alsodann
davon thun und geben soll, zu erkennen haben, davon fhur darauff
begangene und gehabte muhe belohnung zu thun nach anzeigung und
bescheid des gerichts.
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Demselben armen man soll auch uff sein bitlich ersuchen durch
camerrichter [CCMarch.-Faksimile] und beysitzer ein redner oder
procurator von denen, die vor dem gericht gemeinlichen zu rathen und
zu reden pflegen, zuordnen und geben, auch so es die notdurfft
erfordert gebitten, dem armen man zu reden, zu rathen und beistendig
zu sein. Wo aber solichs der procurator zu thun abschlahn und
verachten wurde, so sollen sie macht haben, demselbenn furder mehr
vor diesem unnsern camergericht in sachen die hiefur angehoben
werden, zu reden und zu procuriren, zu verbieten.
Damit auch die parth durch ihre advocaten und redner nicht
beschweret, so sollen sich die parth mit dem advocaten und rednern
nicht vertragen, sunder soll allewege uff zimliche erkentnus
camerrichters unnd beysitzer steen, die inen auch uff zimlichen
termyn nach gelegenheit der sachen iren sold verordnen sollen, auch
darinn eins itzlichen industrien, ubung, verstentnus und gehabte
muhe insunderheit betrachten unnd demnach den soldt zu verordnen
ermessen.
Wurd auch ein advocat oder procurator befunden, der umb gabe oder
geschenck willen, die er vom widerteyll seins parts genohmen hette
oder gelobt, annehmen unnd derhalb seinem parth zu schaden rathen
oder nach seinen besten verstentnus moglichen fleiß nicht thun,
alsdann soll derselb procurator oder advocat one alle gnad ernstlich
nach der scherff gestrafft werden.
Wo auch richter und beysitzer zu zeyt wurden vermercken, daß jemandt
aus den advocaten oder rednern ungegrundte sachenn annehmen, damit
sie die parth in beschwerheit, gezengk unnd unkosten furten, das sie
mit inen fleißiglich reden unnd handlen, auch gutt einsehn haben,
dadurch es von inen bey vermeidung unser ungnad und sweren straff
verblieb.
Wurde aber vor den hoffgerichten, stattgerichten, amptlewten oder
andern unnsern nidern gerichten durch yemants der unnsern vonn einer
beyurteyll, interlocutoria genant, zu appeliren beschwerlich
geursacht, solich appellation soll vonn stundt an oder innwendig
zehen tagen an unnser camergericht gescheen unnd vonn derselben zeit
an zue dem nechsten camergericht die appellation mit vermeinlichen
irer beschwerung gerechtfertigt, beschlossen unnd
| Seite 237| darauff rechtlich erkant werden.
Deßgleich soll es, wo vonn entlichem urteyll, diffinitiva genant, an
unnser camergericht von nidern gerichten appelliret wirt, gehalten
werden, außgenohmen, das vonn zeit der gethanen appellation zu dem
nechsten camergericht darnach dasselbig appellation auch mit recht
verfhuret, gerechtfertigt, darinnen von beiden parthen beschlossen
unnd zum andern nechsten gericht darnach die sententz darauff
gesprochen werden soll.
Ob ymandt von solichen nidergerichten an unser camergericht
appelliren oder sich beruffen unnd seiner appellation verlustig
wurd, unnd so die sach funffzig oder under funffzig gulden wirdig,
soll er zwen gulden in unnser camer verfallen sein, unnd so die sach
uber funffzig gulden wirdig ist, so soll er darnach allweg auff
hundert bis auff tawsent gulden, als hoch die sach gewirdert, vonn
dem hundert vier reinisch gulden in unnser gericht zue raichen
verpflicht sein. Wo die sache sich uber tausent erstreckt, sol sie
nicht hoher, dhann also vill sich von thausent gulden geburt,
verbuest werden. Doch daruber soll der richter unnd beysitzer
ermessen, ob der appelant temere oder frivole appelliret hat,
alsdann soll die straff dermaßen gemehret werden, dadurch anndere
sich vor mutwilligem appelliren unnd ungegrundtem kriege zu huten
verursacht werden.
Unnd auff das der arm mann durch des reichenn geverliche außflucht
auch nicht verzogen werde oder widerumb, so soll auff solichs der
richter unnd beysitzer fleißig achtung haben, unnd so sie von
einichem teyll geverlichen verzug fynnden, sollen sie one weigerung
der parth abschneiden; unnd ob derselb teyll, der den verzug sucht,
sagen wolt, er thett es nicht geverlich, sonndern aus seiner
notdurfft, so mag unnd soll der richter demselbigen parth den eid
des geverdes, im rechten juramentum malicie genant, ufflegen, unnd
so der teyll nicht schweren wolt, soll ime der verzugk nicht
zugelassen werden. Deßgeleichen mogen auch richter und beysitzer,
wen sie das not oder von einigem parth fursetziglichs verzugs
furgenohmen beduncket, den eyde de malitia genant den parthen
ufflegen.
| Seite 238|
Es sollen auch ein itzlich parth, cleger oder antworter oder ire
volmechtige anweld den eyde des geverdes, juramentum calumnie
genant, durch sich selbst oder in irer principall seel zu thun
schuldig sein.
So yemandt vor unnserm camergericht gefordert nicht erscheinen
sunder ungehorsam sein unnd der cleger sein clage furwenden auch des
beclagten ungehorsam anzeigen unnd beschuldigen, auch ime kost unnd
zerung zuzuteylen bitten wurde; oder aber auch, wo der cleger
ungehorsam aussenblieben unnd der beclagte, die clag anzuhoren,
furkomen, auch des clegers ungehorsam schuldigenn unnd sich von der
ladung unnd instantz zu absolviren, auch sein widerteyll in
gerichtskost und zerung ime zu condemniren bitten; soll uff
itzliches gehorsam erscheinen und bitt der, so nicht erscheinet,
ungehorsam unnd dem gehorsam teyll kost und zerung desselben
gewarten rechttags zu legenn erkant unnd sunderlich der beclagt von
der ladung und furheischung also ab instantia judicii ledig erkant
unnd absolviret werden, unnd der cleger ferner sein clag zu
vollfhuren nicht zugelassen, er hab dhann soliche erkanten und
gemessigten kosten dem antworter bezalet. Desgleichen soll der
ungehorsam [CCMarch.-Faksimile] beclagte vor zugelassener seiner
antwort dem cleger und also furder ein jglicher ungehorsam uff des
richters erkentnus vor weitter rechtlicher zulassung zu thun
schuldig sein. Wurde aber nachfolgend der cleger abermals ungehorsam
und nach geschehner ladung uff den angesetzten gerichtstag
aussenbleiben, alsdann soll nach gelegenheit der sach des beclagten
rechtliche nottdurfft und, wo es richter unnd beysitzer von notten
achten, sein entschuldigung oder purgation gehort werden, domit er
also nicht allein von der instantz, besonnder auch von der gantzen
anfurderung entpunden unnd absolviret, auch dem ungehorsamen cleger
ein ewigs schweigen oder perpetuum silentium mit rechtlicher straff
und pena der mutwilligen cleger, auch mit erstattung expensarum und
costens, dem beclagten zu erstatten, uffgelegt werde.
Were es aber sach, das der beclagte uff den ernanten gerichtstag und
termyn ungehorsam aussenblieben, und der cleger seine
| Seite 239| clage erzelen unnd des beclagten
ungehorsam anziehe und beschuldigen wurde, so dann soliche clag
dingklich, im rechten realis genant, unnd also hawß, hoff, ecker,
wysen oder ander gutter, welche der beclagte in seinen gewehren und
besitz hette, belangte, und der beclagte eehafft seins
aussenbleybens durch die personen im rechten nachgelassen gnugsam
nicht entreden und bis auff sein eigen personlich erscheinen
entschuldigen liesse, so soltenn camerrichter und beysitzer durch
ihr erkentnus, darzu dhann der ungehorsam nicht dorffte geladen
werden, das derselbig cleger in die gewehre soliches guts oder dings
zu beschutzung und on nutzung in zu haben, welchs er in sein clag
unnd anspruche genomen, zu setzen were, erkennen und decerniren,
auch dem amptman in oder neben des pflege solich gutt oder dingk
gelegen schrifftlichen bevelh thun, obbestymter massen den kleger in
die gewehre und besitz zu bringen unnd zu setzen, unnd alsdann den
beclagten unnd ungehorsamen uff desselben ersten expens und zcerung
uff das nechst kamergericht sechs wochen zuvor widerumb entlich unnd
peremtorie citiren unnd heischen lassen. Wurde dhann der beclagte
uff solichen termyn zu recht erscheinen unnd sein eehaffte nott oder
ursach seins ungehorsamen aussenblibens gnugsam erweisen oder
rechtlich wie sich geburt erhalten, oder dem cleger sein expens unnd
gerichtskosten mit verheischung unnd versicherung, des rechtens in
der sache vor dem ordentlichen richter außzuwarten und zu gesteen,
erstatten unnd vergenugen, so soll der beclagt unnd nicht ehr zu
seiner antwort und rechtlicher gegenwehre zugelassen werden.
So aber der beclagte abermals ungehorsam unnd sein ehafft gnugsam
nicht erhalten noch beweysen wurde, unnd der kleger durch briefflich
oder personlich gezewgkniß oder so er der keyns hett, vermittels
rechtlicher weyße ertewren unnd beweyßen wurde, dartzu dan der
beclagte [CCMarch.-Faksimile] nicht forder dorffte geladen werden,
das im solich hawß oder dingk, so er in seyner clage bestimbt,
zustunde unnd sein gut were, dann solttenn camerrichter und
beysitzer ime dasselbig hawß oder dingk durch ire erkenntnus zu
eygen unnd sampt den expensen, uncosten, schaden unnd abgangk, so
der kleger derwegen gethann unnd erlyden nach geburlicher ermeßigung
zuerkennen, unnd der beclagt der possession unnd nutzung benomen
sein, allein das
| Seite 240| ime auß sundern genaden nachmals biß
uff das nechst volgend gericht stillgestannden werden soll, ob er
nochmals sein ungehorsam entnehmen unnd purgiren auch expenß,
costen, schaden unnd abgangk dem kleger erstatten unnd versicherung
zum rechten mit pfanden, burgen oder, wu er der keyne hett, mit
seynem eide thun und pflegen wolde, wu aber solichs wie jtzt
vermeldt vom beclagten uff solich das camergericht hernachmals wurde
verbleyben unnd nicht gescheen, alsdann solte dem kleger solich
dingk unnd gutt als sein eigen mit sampt expens und costen zuerkennt
und der beclagte hinfurder umb die proprietet und eigenthum zu
klagen oder zu sprechen nicht zugelassen werden.
Wu aber die klage durch den kleger angestelt personnlich, im rechten
personalis genannt, unnd also der kleger dem beclagten umb schuld
gelobt oder ander thun unnd handell, so er mit oder wider in gethan
oder gehanndelt, beschuldigte, unnd der kleger soliche sein klage
ertzelen unnd des beclagten ungehorsam antziehen unnd beschuldigen
wurde, so sollen camerrichter unnd beysitzer durch ir erkenntnus,
das derselbig kleger in die gewehre etlicher beweglicher gutter des
beclagten, oder wo sie genugsam nicht vorhanden, unbeweglicher
gutter nach wirdrung unnd antzall der angesteltten klage unnd nicht
weitter also das der kleger die bewahren solte, zu setzen were,
erkennen und decerniren, auch unserm amptman, in oder neben des
pflege soliche gutter des beclagten befunden unnd gelegen,
schrifftlich bevehlen, das er den kleger jtzt benannter weyß in die
gewehre bringen und setzen solte, es were dann, das der beclagte
sein ehaft entschuldigen unnd biß auff sein personlich erscheynen
wie angezeigt entreden worde lassen, alsdan solle ime der kleger uff
des beclagten expens widerum zum nechsten camergericht sechs wochen
zuvor citiren unnd peremptorie laden lassen, so dann der beclagte
abermals ungehorsam und sein eehaft so im zugefallen uff weiß und
forme wie oben nicht erweißen noch erhalden wurd, sodan der kleger
briefflich oder personlich gezeugknus oder, wu er des keins hette,
durch rechtliche weye ertewren wurde, darzu dann der beclagte soll
gefordert werden, das ime der beclagte dasjenig, so er in seiner
anclag erhalten schuldig, alsdann, der beclagte erschein oder nicht,
sollen camerrichter und beysitzer, das ime dasselbig, als
| Seite 241| vyll durch den cleger beweist oder
erhaltten, der beclagte schuldig sey, und ime auch die recht und
leibliche gewehre unnd besitzung solicher gutter, die er wie berurt
bewart hette, zuerkennen unnd die nutzung von denselben gutern
mitler zeytt dem cleger gefolgen. Wo dhann der beclagt zum dritten
camergericht nicht komen unnd dem cleger vor allen dingen sein
schaden, kost und expens nach rechtlicher ermessigung erstatten unnd
gnugsamen vorstant und caution, dem rechte zu volgen, thun noch
pflegen wurde, so solte auff dasselbige camergericht dem cleger
durch camerrichter und beysitzer solich empfangen, vor seine
zuerkante schulde und zuspruche gegeben und eigenthumb zu clagen
nicht zugelassen werden.
Unnd ob sichs begeb, das jemandts sich einicherley beschwerung vonn
unserm camergerichts zu beclagen vermeint, wu wir alsdann in eigener
person solich gericht nicht besitzen oder mit sambt den beysitzern
urteyll sprechen werden, alsdann soll dem beschwerten teyll
supplication weiß zugelassen werden, alle seine vermeinte
beschwerung in einen satz zu bringen unnd zu stellen, dagegen seine
wiederteyll alle seine schutzwehr und notdurfft widerumb in einen
satz zu bringen vergent, und das also jglich teyll mit einem satz
beschliessen, dieselben uns geantwort und ubergeben werden sollen.
Was wir alsdan durch unns oder unnser darzu sunderliche verordentte
commissarien uff solich ir einbringen und acta zue recht sprechen
werden, dabei soll es ungeweygert unnd entlich bleyben, unnd soll
solich supplication in zehen tagen den nechsten nach ergangner
urteyll gescheen unnd nicht ferrner zugelassen werden, und nach
ubergebener supplication sol der supplicant seinen satz in vier
wochen die negsten darnach anstellen und einlegen. Darwider sein
gegenteyll auch seine notdurfft, wie oben angezeigt, in vier wochen
furbringen soll, domit der krig nicht in unentlicheit gezogen
werde.
So ein entlich urteyl und rechtspruch ergangen und versprochen ist,
alsdann soll der antworter so er dem cleger etwas zu
| Seite 242| thun, zu bezalen oder volgen zu lassen
verurteylt unnd condemnirt ist, uff des clegers ansynnen unnd bitte
geburliche execution unnd dem rechtspruch sein verfolgung gescheen,
und wo die clag dingklich oder hablich ist, im rechten realis
genant, unnd also dasselbig dingk oder hab dem cleger zuerkant ist,
sollen camerrichter und beysitzer dem cleger die volg in denselben
dingk zuerkennen, auch dem amptman, richter oder rath, in des
amptgerichtszwangk oder darneben solich dingk gelegen ist, bevelhen,
das er den cleger desselbigen dings gewehren unnd im also in die
leiplichen unnd naturlichen gewehre unnd besitzung bringen solle, so
aber die clag personlich ist, im rechten personalis genant, und also
dem kleger etlich schuld oder ime durch den antworter etwas zu thun
oder zu bezalen, zuerkant, sollen camerrichter unnd beysitzer dem
cleger die volg und execution auch in demselben gericht zuerkennen
und dem amptman, richter oder rath, in des amptgerichtszwangk oder
darneben der antworter gesessen, bevelhen, das er dem cleger also
viell fharender hab unnd, so der nict verhandenn, also vill der
ligende grunde, so hoch sich dieselbige zuerkante schuldt erstreckt,
in sein gewehre unnd besitzung antwqorten solle. Dieselbige fharende
hab oder liegende grundt der cleger uff das nachvolgend gerichte
drey tag nach einander und also ye des tags einmahel uffbieten soll,
darzu dann der antworter uff des clegers ansuchen geheischen und
gefordert soll werden, so dann der antworter soliche zuerkante
schuld dem kleger nicht bezalen und also dieselbig fharende hab oder
lygende grundt nicht befreigen wurde, alsoden sollenn camerrichter
und beysitzer dem kleger soliche fharende hab oder liggend grundt
fur seine zuerkante schuldt geben und zueigen, dieselben zu
verkewffen oder zu verpfenden umb sein erlangtes recht macht haben,
den beclagten hinnach weysen oder die ubermaß hiraus zu geben nach
des guts gelegenheit, uff das wider recht und billigkeit nyemandt
beschwert; was aber lehenguter grundt unnd boden belangt, soll es
nach billigkeit mit verwilligung des lehenhern gehalten werden.
Wan einer uber den andern durch rechtliche erkentnus pfandtreich,
oder ime zu pfanden von gerichtswegen erlawbt wirt, der mag
| Seite 243| so hoch ungeverlich, als sich sein
zuerkante schuldt erstreckt, pfanden; soll aber die pfandt in die
nechsten stadt treyben oder bringenn, sie daselbst drey marckt tag
in der wochen aus bevelh des richters feyhl und auffbieten lassen
und demjennen, der am meisten darumb geben will, wu sie mitlerzeit
vom beklagten oder erstanden, nach billigkeit nicht entlediget
werdenHoltze, verkawffen oder nach wirderung, wie es am
hochsten gelden und so er es habenn will, selber anzunehmen
zugelassen werden soll und sich seiner zuerkanten schuld auch der
gerichtskost, wie dieselb durch recht erkant und gemeßigt, davon
bezalen, was aber ubrig dem, der gepfandt ist, widergeben. Ob aber
der pfender einsmale sovill sein schuldt begreifft zu pfanden nicht
funde, mag er zum andern und mehrmals weitter pfanden und mit der
pfandung wie obsteet gebaren.
Ob sich auch eins graven, herrn, ritters, eddelmans oder burgers
underthan oder pawrsman von seiner herschafft gewalts oder unrechts
vor unserm camergericht beclagen wurd, des wir aus kurfurstlicher
obrigkeit nymant zu weigern wissen, unnd derselb befunden, das er
seine clag mutwilliglich one redlichen grundt und ursachen angestalt
unnd also seinen herrn zue muhe unnd unbillichenn kosten gebracht,
er auch der sache durch recht verlustig, soll derselbig mutwillig
cleger in ansehung seins mutwillens durch camerrichter und beysitzer
erkentnus, wie hoch derselbig mutwilliger cleger von seinem herrn zu
straffen sey, hingeweyset unnd zugestalt werden.
Wir wollen auch, das alle constitution und gewonheit der landt, in
den erbfellen ausgenohmen den artickell in kayserlicher majestat und
des reichs ordnung ausgedruckt und publicirt, in iren wirden bleyben
und mit dieser unnser gerichtsordnung nicht aufgehoben sein soll,
die sie vonn alter loblicher gewonheyt in ubung hergebracht und
gebraucht haben. Derhalben ist unnser ernstlich meynung, das slich
unnser gerichtsordnung von idermeniglichen eigentlich bewart und
unubergreifflich gehalten werde, uff das wir ubertretter derselben
zu straffen nicht verursacht, die wir auch selbs so vill unns
geburlich haltten, auch fleißig schutzenn und hanthaben wollen.
| Seite 244|
Zu urkunt mit unnserm kurfurstlichen sigel versiglt und gebenn zu
Kollenn an der Sprew.
Fußnoten
⇭Holtze [Anm. von Holtze: "Es soll
offenbar heißen: 'wu sie mitlerzeit vom beklagten nicht
erstanden oder nach billigkeit nicht entledigt werden
u.s.w.'"