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        <title>Statuten von Heilbronn. — Angefangen 1513 Jan. 6 :: Transkription Speer 2010</title>
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        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums digitaler
     Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit von Heino
     Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Heino</forename>
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          <title>Statuten von Heilbronn. — Angefangen 1513 Jan. 6.</title> In: <editor corresp="marcrelator:edt">
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              <forename>Moritz</forename>
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          <series>Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. - Stuttgart. Band III 1501 - 1524. = Württembergische
      Geschichtsquellen ; 19</series> (<pubPlace corresp="marcrelator:pup">Stuttgart</pubPlace>
          <date when="1916">1916</date>) <publisher/>
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      <editorialDecl>
        <p>Quelle: Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. - Stuttgart. Band III 1501 - 1524 / bearb. von
     Moriz von Rauch (1916). (= Württembergische Geschichtsquellen ; 19) III 337ff.</p>
      </editorialDecl>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
     Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
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              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.heilbronn" type="context">Heilbronn
         (Reichsstadt)</ref>
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      <div xml:id="NA.0">
        <head>Statuten von Heilbronn. — Angefangen 1513 Jan. 6 :: Transkription Speer 2010</head>
        <div xml:id="NA.Vorbemerkung">

          <p> Hlbr. K. 7. Statuten I, 1, geschrieben und ohne Zweifel auch verfasst von Syndikus Johann
      Grienbach (Korrekturen von späterer Hand sind nicht berücksichtigt). — Auf den Grienbach'schen
      Statuten fussen der 2., 3., 4., 5. und 6. Teil der gedruckten Heilbronner Statuten von 1541
      (Exemplare u. a. im Hlbr. Stadtarchiv), während andere Bestandteile der gedruckten Statuten
      den von Grienbach gesammelten Ratsverordnungen (s. II, Nr. 1087) entnommen sind. — Nach einem
      archivalischen Vermerk von 1783 bei den Grienbach'schen Statuten wären diese 1521 von Karl V.
      bestätigt worden, allerdings bestätigte Karl V. am 15. Febr. 1521 der Stadt ihr „alt Herkommen
      und gut Gewohnheit" (vgl. Nr. 2612 a und b), aber so lautet der Ausdruck auch in der
      Bestätigung von Heilbronns Rechten etc. durch König Maximilian <note
              n="N.337.1">Aus dem
       Regest in II, Nr. 1701, ist dies nicht ersichtlich.</note>; eine ausdrückliche Bestätigung
      der von Grienbach aufgesetzten Statuten ist nicht erfolgt. Die 1541 gedruckten Statuten
      bestätigte Karl V. am <date when="1541-06-20">20. Juni 1541</date> in Regensburg. </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.Titel">
          <head>Der statt zu Heylpronn recht, statutten, gewonhytten und altherkommen in schryfft verfaßt
      etc. Sanctus Spiritus assit nobis gratia. Incepta trium regum anno etc. 13.</head>
          <p/>
        </div>
        <div xml:id="NA.Praeambel">
          <head>[Präambel] Die vorred in das buch.</head>

          <p>In dem namen der heyligen unzerteylten driveltikayt, amen, haben wir, die burgermaister und
      beyd rädtt, new und alt, des heyligen reychs stat zu Heylpronn, betracht und war genommen, das
      in den stätten, communen und oberkaytten unter den menschen nichtzit nutzers und loblichers
      erfunden mag werden dann handthabung gemains nutz, rechtlicher ordnung, fryds und ainekaytt
      und nichtzit zerstorlichers, dann wo sollicher mangell gelaßen wurdt, darzu auch der
       menig<note
              n="N.337.2">Menge (in der Vorrede zu dem gedruckten Statutenbuch von 1541 irrig:
       Meinung)</note> der gerichtzshendell, so täglich ye mer erwachsend, mit notturftiger hylff zu
      begegnen und damit <term
              type="phrase">fryd, recht und ainigkaytt</term> in unser <term
              type="phrase">stat und gepieth</term> dester steyffer und statlicher furter gehalten, die
      unschuld und gehorsame beschyrmett und die ubeltattigen und ungehorsamen nach yrm verdienen
       <term
              type="phrase">gebessert und gestrafft</term> werden, auch yedermann die billickaytt und
      das recht <term
              type="phrase">gedyhen und wyderfarn</term> mag und damit auch unser stat
      gesatzs, fryhaytten, statrecht, gebrauch und alt gewontheytten, durch unser voreltern lange
      zeytt hin herpracht und von kayßern und konigen <term
              type="phrase">confirmiert und
       bestettigt</term>, allerlay irtung (!), zwyfel, ungleych verstandt zu furkommen, in ainem
      buch beschryben und in gedachtnuß an den tag gebracht und allermanglichem geoffenbart werde,
      so haben wir zuvor dem almechtigen got, seiner werde muͦtter, der hymelkonigin Marien,
      allem hymelschlichen here zu breyß, er, lob und pracht umb gemains <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/337/mode/1up" n="338"
              xml:id="S.338"/> nutzs,
      wolfart und notturft willen, darauff dann unser fursorg stett, auch allen unsern burgern,
      einwonern unser stat und gepietten, auch <term
              type="phrase">auswendigen und frembden</term>,
      und sonderlich, so vor uns oder unserm statgericht zu rechten oder sonst zu handlen haben, zu
      guͦtt und furdrung mit hohem fleys, zeyttiger betrachtung und hylff der rechtgelerten
      crafft gemains geschryben kayserlichen rechten, zulassung kayßerlicher und koniglicher
      fryheydtt, damit wir begabt, auch gwalts unserer oberkayt und regiments, <term
              type="juridical">jus magistratus</term> im rechten zu latein gnannt, dise nachvolgend <term
              type="phrase">reformation und ordnung</term> furgenommen und unser <term
              type="phrase">statrecht, gesazt ordnungen, statuten, pollicyen, alt herkommen und guͦtt gewonheytten
       der gemainen kayserlichen rechten</term>, so vil sich das nach unser stat Heylpronn <term
              type="phrase">gelegenheytten, herkommen und leuffen</term> hat erlyden mogen, nachfolgender
      weyß in ain buͦch oder volumen beschreyben und zusamenbringen laßen. Und wollen auch, das
      nun furohin sollich <term
              type="phrase">reformation, ordnung und statuten</term> allen unsern
       <term
              type="phrase">burgern, burgerin und einwonern</term> diser stat, auch in allen unsern
       <term
              type="phrase">gepietten und oberkayten</term> und von allermenglichen <term
              type="phrase">haymischen und frembden</term>, so vor uns oder in unser gerichten zu
      rechtfertigen und zu handeln haben, es sye in oder ausserhalb rechtens, volzogen und gehalten
      werden sollen, was aber fur handel wern, die hievor durch gerichtlich ubung oder ausserhalb
      rechtens <term
              type="phrase">erwunden, gestylt, geendet, vertragen oder angenommen</term>
      weren, in yrem stand und weßen also <term
              type="phrase">geendet und hingelegt</term> belyben
      sollen, ob es schon nit lautt diser unser reformation ergangen were; desglychen wollen mir den
      ihenen, so yetzund in rechtvertigung und hangenden rechten gegen ainander steend, hiemit auch
      nichzit gegeben noch benommen haben; was aber hinfuro nach offenbarung diser unser <term type="phrase">ordnung und reformation</term>
            <term
              type="phrase">gehandelt und angenommen</term> soll werden, das alls soll geschehen laut
      diser unser <term
              type="phrase">ordnung reformation satzung und gesetzen</term>, wie nach
      geschryben stat, doch vorbehaltlich, ob yetzund oder hernach <term
              type="phrase">uber kurtz
       oder lang</term> in der bemelten unser <term
              type="phrase">ordnung, reformation oder
       satzungen</term> etwas geprechen, irtung (!) unglycher verstand oder tuncklin<note
              n="N.338.1">Dunkelheit (1541: dunckely).</note> einfielle und begebe, die selbgen zu
      erfullen, zu bessern, zu ercleren, auch zu endren, zu ernüwern, zu meren, zu mindern oder
      genzlich abzuthon und anders zu machen, alles nach gelegenheytt der leuff der zeyt und uns
      oder unsern nachkommen hiemit in allweg vorbehalten haben on all geverdt. Amen.<pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/339/mode/1up" n="339" xml:id="S.339"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="Buch.1">
          <head>[Buch I] Das erst buͦch von verheyratten, vermeheln und beywonung eelichs Stands.<note n="339.1"
                xml:id="S.339.1">Vgl. Heilbronner Statutenbuch von 1541, <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 16 r">S. 16ff.</ref>
            </note>
          </head>
          <div xml:id="Buch.1.1">
            <head>[Buch I 1]</head>

            <p>So die eltern yr kinder verheyratten oder sonst personen, were sy wern, hie zu Heylpronn
       und unsern gepietten in eelichen stand tretten, vermehelten und zusammen kommen und zwischen
       innen genuͦgsam <term
                type="phrase">verschrybung, heyratbrieff, pact und geding</term>,
        <term
                type="juridical">dotalia instrumenta</term> genant, <term
                type="phrase">aufgericht und
        gemacht</term> sind, darbey soll es also on verer eintrag belyben, es were dan sach, das
       solliche <term
                type="phrase">gemacht und heyrats beredung</term> so <term
                type="phrase">ungemeß und unleydenlich</term> were, so soll die <term
                type="phrase">tax und
        messigung</term>, wie von alter here, zu uns, dem radt, als ordenlicher oberkayt steen. Ob
       aber alain ain heyratt zwyschen eeluten durch erber leutt <term
                type="phrase">abgered und
        beslossen</term> und were doch sollich berednuß nit mit notturftiger verschrybung begryffen
       noch aufgericht, wo dann sollicher <term
                type="phrase">heyratt, abred oder berednuß</term>
       der maßen ergangen sein durch erber redlich leutt <term type="phrase">mit lebendiger stym und
        kundtschaft</term> zu recht gnug bewysen mag werden, soll es abermals dabey belyben on
       widerred, doch abermals uns, wie oblaut, die messigung in allweg vorbehalten. Wo aber nit
       verschryben heyratt oder dero beredung durch ware kundtschaft bewyssen oder darbracht mag
       werden, so sollen dieselbigen personen, so also in eelichen standt getretten, nach unserer
       stat recht in eelichen stand zusammenkommen seyn, bey ainander zu sytzen und zu wonen
       verstanden und dann nachvolgender weyß gehalten werden und also.</p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.1.2">
            <head>[Buch I 2] Statrecht.</head>
            <p>So zway eegemacht nunmer in eelichen stand dermassen on <term
                type="phrase">verschrybungen
        und beredungen</term> zusammen kommen, <term
                type="phrase">zu kyrchen und strassen
        gangen</term> und sy <term
                type="phrase">die eelich deck beslagen</term> hatt und get dan
       derselbigen personen aine, welche die ist, in jarsfrist on eelich leyberben von ir beyder
       leyb geporn mit tode abe, so soll dann die uberlebendig person den halben teyll aller
       zubrachten und syder<note
                n="N.339.1">Seither.</note> ererbten <term
                type="phrase">hab und
        guetter</term>, liegend und farends, nichzt ausgenommen, von stund an <term
                type="juridical">nach dem dryssigsten</term> wyderumb hinder sich an die abgestorben frundtschaft fallen
       [lassen] und der ander halb teyll an farender hab soll der uberlebendigen person aygentlich
       belyben; was aber lygender gutter, jarlicher gulten, verunderpfand schulden weren, soll sy
       alain yrn <term
                type="phrase">beysitz und usufructum</term> haben und nach yrm absterben
       hinder sich an der vorgestorben person nechst erben, so ye zu zytten sein werden, wyderumb
        fallen.<pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/340/mode/1up" n="340" xml:id="S.340"/>
            </p>

            <p> Wo aber derselbgen person aine erst nach ausgang des jars von der andern on eelich
       leybserben von yr beyder leyb geporn mit tod abgieng, so soll dann die selbig uberlebend
       person die gestorben person an aller farenden hab auch gewonnen und errungen guttern erben,
       die yr aygentlich belyben sollen, und by den ligenden guttern, gultbrieffen und verpfandten
       schulden, die von der abgangen person dar oder herzu bracht sind oder von yrer zubrachten
       heyrats oder ererbten barschaft erkaufft weren worden, yr leben lang ain <term
                type="juridical">beysitz und usufructum</term> haben und ruwigklichen belyben sytzen on
       allermenglichs verhindern; dieselbigen ligenden gutter und gultbrieff und verpfandt schulden
       sollen dann nach der überlebendigen persone tod wyder hindersich an der ersten abgestorben
       person nachsten erben, so zu der selbigen zeyt in leben sein werden, fallen. Es soll auch die
       uberlebendig persone in disem und volgentem fall der selbigen gutter noch gulten kains <term
                type="phrase">weder versetzen noch verkauffen</term>, es erscheinte dann zuvor solliche
       eehaft und nott, die von uns, dem radt, oder unserm statgericht fur gnügsam erkennt mocht
       werden in fallen, wie dann die recht zugeben und vermugen, sunder zu wyderfall laßen
       onverendert ligen auch die in guͦtten ern und baw halten, desglychen die gulten, was
       abglest wurdt, mit kundtschaft wyderumb anlegen, auch umb die verpfandten schulden, die sy
       empfieng, <term
                type="phrase">burgschaft und erstattung</term> thon, damit sy, so es zum fall
       kompt, wyderumb erfunden wurde. Und wo also widerfallige guetter und die zu wyderfall ligend,
       wie oblaut, verhanden sind, so sollen die inhaber der wyderfalligen guetter und die, so des
       wyderfalls derzeytt vermeinent wartig zu sein, fur gericht zu der stat buch kommen,
       dieselbigen wyderfalligen guetter einschryben und verzeichnen laßen, damit nach <term
                type="phrase">tod und abgang</term> der persone die rechten erben, so zu derselben zyt im
       leben sein werden, des wyderfalls wyssen zu gewartten; doch so soll sollich einschreyben
       niemantzs an seinem rechten <term
                type="phrase">kain schaden noch verletzung</term> gepern.
       Was zway eelich gemacht durch yr <term
                type="phrase">geschicklicheyt, fleys und
        arbeytt</term> mit gsampter hand in stender ee mit ainander gewonnen und erungen betten, es
       were <term
                type="phrase">ligends oder farends</term>, und yr ains sturb also on eelich
       leyberben von yr beyder lyb geporn von dem andern ab, solche <term
                type="phrase">erungne und
        gewonne guetter</term>, so vere sonst kain ander <term
                type="phrase">gmacht oder
        gschrifft</term> verhanden, sollen nach unser stat alt herkomen der uberlebendigen person
       aygentlich sein und belyben, die mag darmit thon und laßen nach yrm wyllen und gefallen. Were
       aber sach, das under zwayen eelutten ains vorm andren mit <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/341/mode/1up" n="341"
                xml:id="S.341"/> tod
       vergieng und verließ die gestorben der lebendigen eeliche kinder von yr beyder leyb geborn
       hynder yr, es were ains oder mere, so sol und mag die uberlebendig person by kindern und
       guͦtt als ain recht und woltunde person, diewyll sy im wyttib stand belybt, ruwigklichen
       sytzen, die kinder <term
                type="phrase">erberlich und zimlich</term> ernern, aufzyhen zu
       zucht, lerung, handtwercken oder andrem, darzu sy geschickt irs stands, anhalten und, so sy
       zu yrn tagen kommen, in <term
                type="phrase">geistlichen oder weltlichen stand</term> mit
       seinem gepurenden angehorigen <term
                type="phrase">teyll oder porcion</term> von der
       abgestorben person verlassen hab und guetter oder, wo es des nit enhette (!), sonst nach
       gelegenheyt der guetter und radt der freund zimlich ausstewern, darzu furdern und seins
       vermogens nit hindern und, wo irtung hierin entstiend und einfiell, soll die <term
                type="phrase">erclerung und messigung</term> abermals in allweg bey uns, dem rat, als der
       oberkait steen. Ob sich aber die selbig uberlebendig person wyderumb verheyratten oder in
        <term
                type="phrase">gaystlich oder weltlich stand</term> verendern wolt, das zu yrm fryen
       wyllen steet, so vere dann die abgestorben person so statlich geweßen und etwas hab oder
       guetter, darvon die kinder enthalten mochten werden, hinder yr verlaßen hett, so mag die
       uberlebendig person, doch mit unser <term
                type="phrase">bewylligung, zugeben und
        erkentnis</term>, zyhen und nemen yr <term
                type="phrase">zupracht und ererbte guetter</term>
       und was von yr linien herkompt, darzu zimliche <term
                type="phrase">klayder, klainet,
        geschmuck, gebend</term> und was ongvarlich zu yrm leyb gehordt und darzu von der
       abgestorben person verlassen hab und guetter <term
                type="phrase">zu er und gunst</term>
       eelichs stands, so vere der kinder uber zway seind, ainen glychen kindsteyll, wo ir aber zway
       und darunder, ainen dryttall nemmen und zyhen und damit hindan sein, doch den kinden, so es
       zum fall kompt an der uberlebendigen person, es sy <term
                type="phrase">uber kurtz oder
        lang</term>, an irer erblichen gerechtkayt und zugang in allweg <term
                type="phrase">onvorgryffen und onnachtylig</term>; und alles anders, so die gestorben person verlaßen,
       soll den kindern oder yren verordnetten formundern zugestelt werden on wyderred und soll
       darnach bey ains radts erkantnuß sten, ob die kind bey vatter oder mutter belyben oder durch
       die formunder sonst versehen sollen werden oder nit. Und ob ain sollich person in der andern
       ee mit seinem nachnehmenden eegemahl noch kinder uberkem, also das stieffkinder vorhanden
       weren, soll es auch der weyß ghalten werden wie oblaut, damit kain kind siner vatterlichen
       oder muetterlichen hylff, narung, zucht, aussturung und erbs entwerdt sonder in allweg seiner
       erblichen gerechtkayt gewartig und, so es zu yedem fall kompt, seinen zugang haben meg. Und
       so also die uberlebendig <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/342/mode/1up" n="342"
                xml:id="S.342"/> person
       wyderumb, wie obstet, in die andren ee tritt, so soll sy dem selbigen yrm andern eegemahel
       nit mer zu vermachen macht haben, dann so vil und ain kindsteyll der ersten ee erraycht, und
       was daruber were, so sol es von unwurden sein und aberkant werden, damit die kinder erster ee
       yrs <term
                type="phrase">legittima und naturlichen anteyls</term> von rechten zugehorende nit
       entsetzet werden. Doch ob ain person nach absterben yrs eelichen gemahels, die sich wyderumb,
       wie oblaut, zu verendern wyllens, mit den verlaßen kinden in obgemeltem fall alle hab und
       guetter, die yrn und der abgestorben, durch den banck hinweg glych abteylen wolt, da anders
       zimliche hab und guetter verhanden sind, soll zu unserer erkantnuß steen, und wo sollichs
       durch uns zugelassen, so mag sich dann die selbig vertaylt person mit seinem teyll, der im
       aygentlich zusten soll, in die ander ee onverhindert der kinder erster ee wyderumb
       verheyratten und denselben seinen teyll dem andern gemahell <term type="phrase">gar oder zum
        teyll</term>
              <term type="phrase">vermachen, gyfften oder verschaffen</term>; doch was <term
                type="phrase">onverschafft und unvermacht</term> belyb oder der ander eegemahel aber zuvor mit tod
       vergieng (also das sich der fall begeb, das sollich hab und guett fry wyderumb zu der
       bemelten person kemen), den kindern daran an yrem erlichen (!) zugang onbenommen; was auch ye
       zu zeytten zimlicher <term
                type="phrase">rychtung und verträg</term>, so durch erber leutt,
       wie offt byßhere zwyschen den partheyen beschehen, hierinnen aufgericht werden, so vere sy
       sonst stand im rechten tragen, wollen wir auch nit wyder sein doch wollen wir uns in disen
       fallen unser oberkaytt, die zu deklariern, messigen und zu erclarn, in allweg vorbehalten
       haben. Ob aber ain eegemacht vor dem andern absturb und verließ kinder hinder ime und sein
       guͦtzs nichtzit oder so wenig, das die kinder nit mochten fuglich damit enthalten werden,
       so mag ain radt, so vere es im gefallig ist, derselbgen uberlebendigen person kind und
       guͦtt bey ainander laßen; dan<note
                n="N.342.1">Das Folgende ist nicht klar.</note>) nemmen
       billicher die kinder in dem fall anders dann yr eltern alß vatter und mutter altvatter und
       altmutter <term
                type="phrase">neren und zyhen</term> sollen; doch ob etwas <term
                type="phrase">hab und gutlin</term> verhanden, es were wievill es wolt, wellen wir dannoch
       formunder darzu verordnen, die ain getrüw aufmercken darzu haben sollen on geverd. So aber
       die uberlebendig person arm geweßen und der abgestorben nichzit zugebracht hat, soll sy in
       disem fall in allweg, doch mit obgemeltem underschid, so wie der kinder zwen oder darunder
       sind, von der abgestorben person verlaßen hab und guettern <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/343/mode/1up" n="343"
                xml:id="S.343"/> ainen
       kindsteyll zesampt <term
                type="phrase">kleyder, klainett, geschmuck, gebend</term> und was
       ungevarlich zu yrm leyb gehordt <term
                type="phrase">zyhen und nemmen</term>. Es sollen auch
       zu volstreckung sollicher abtaylungen, wie oblaut, auch hernach in andern erbfallen, die
       personen, so inheber der guetter sind, glawblich alles, das in die taylung gehördt, erfür
       legen und anzaygen bey <term
                type="phrase">truw und glawben</term> und ganz nichzit hieher
       geherende verhalten und, wa die wyderteyll sollichs begerten und nit erlaßen wolten oder uns
       not sein geduchte oder erkant wurde, darumben zu got und den heylgen schweren sollen; und ist
       das der ayd nach gemainen rechten. Die form des aydes: Ich N. schwere, das ich alle und yede
       hab und guetter, ligends und farends, <term
                type="phrase">gesuchts und ungesuchts</term>,
        <term
                type="phrase">ob und under erd</term>, nichzitt ausgenommen, in gemain teylung
       gehorig, getruwlich furbracht und anzaygt und geverlich nichzit verhalten oder verschwygen
       hab; und ob ich noch etwas mer erfunde oder bedechte, das auch zu teylen sich gepürte, wyll
       ich auch melden und schaffen getaylt werden getruwlich und on alle geverd, als mir got helff
       und die heyligen. Wir <term
                type="phrase">wollen ordnen und setzen</term> in austeurung der
       kinder, ob emans ain kind velliger dan das ander aussteuerte, das man dan, in ansechung und
       ain kind gegen seinen eltern verdienter dann das ander ist, vom rechten thon mag, so soll
       doch sollichs zimlich geschechen und kain geverdt gebracht, damit, wan es zum fall kompt, das
       die andern auch umb so vil oder zum wenigsten yrs legitima verglychen mogen werden; es sollen
       auch die selbigen kinder, so also, wie oblaut, mer empfangen, so es zu erben kompt, so vere
       sy anders erben wollen, antweders einwerffen oder byß zu der andern verglychung styllsten;
       dan wo sollichs mit der unmaß gescheche, soll die messigung in allweg zu uns, dem radt, als
       der oberkayt sten. Wir wollen auch, das nemands, were der were, die hab und guetter, darauff
       er seinen gemahell verwydembt, <term
                type="juridical">predia dotalia</term> gnannt, oder
       seine kinder vatterlichs oder mutterliche erbs oder ainer andern erblichen gerechtkayt
       verwysen hett, on der egemahell oder der kinder oder derselben formunder oder anderer frundt,
       die ein interesse habend, <term
                type="phrase">wyssen und bewilligung</term> nit zu
       verkauffen, zu versetzen noch in andren weg zu verendern macht haben sollen; und were das
       thet, soll kain craft haben, es were dann sach, das ainer die selbgen mit so statlichen
       guettern, als die vorigen geweßen, wyderumb hersetzte und sollichs durch uns oder unser stat
       gericht oder unser geschworen feldbeseher, so ye zu zeytten darzu verordnett werden, fur
       gnugsam erkant werde. Were es dann sach, das eeleutt kind <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/344/mode/1up" n="344"
                xml:id="S.344"/> mit
       ainander hetten und gieng dann der lebendigen eegmacht ains tods ab, welches das were, und
       sturbe dann der selbgen kinder ains oder mer, die eygen gu*ett verlassen, so sollen die
       selbgen lebendigen person, es sey vatter oder mutter, mitsampt den andern lebendigen kindern,
       den geschwistrigitten, das oder die gestorben kinder nach satzung gemainer kayserlicher recht
       mit ainander zu gleychen teyln erben, es were dann, das in heyrats brieffen, testamenten und
       ander geschefften anders hierinnen geordnett were; doch wa sich strytt hierinnen begeben,
       soll zu unser erklerung oder erkantnuß sten. Und damit der eeliche stand als ain sacrament
       der cristenlich kyrchen nit onloblich sonder mit erlichem und bestandigem eingang und anfang
       gezyrdt werde, so orden und setzen wir hemit, das nemands alhie zu Heylpronn, weder frembds
       noch haymischs, kainer sein kind oder frundt on wyssen seiner eltern oder formunder <term
                type="phrase">verkuppeln, hingeben noch verendren</term> soll; und were das thet und
       uberfure, den wyll der radt darumben straffen nach seiner ubertrettung. Were aber umb das
       ander werben oder nach im zu den ern stellen welt, der soll es aufrecht mit glimpf und und
       [sic] redlich an der selbigen kinder eltern als an vatter und mutter oder, ob es deren nit
       hett, sonst an sein nechsten frundt oder formynder langen laßen und also mit erbern zuchten
       werben; und wer darwyder <term
                type="phrase">geverlichayt, lust oder behendigkeyt</term>
       suͦchte oder brauchte, den wollen wir darumben nach gelegenheyt der sach straffen. Wir
        <term
                type="phrase">orden und satzen</term> auch, wo zway eegemacht mit besampter handt
       schulden machen, sy syen <term
                type="phrase">verbriefft oder sonst redlich schulden</term>,
       und get der selbigen personen aine mit tod ab oder die glaubiger wollen sonst in yr beyder
       leben nit lenger styl sten noch der bezalung geratten oder wurdt innen nach unser stat recht
       zu gesloßen oder sonst gepfendt, so sollen an die selbigen schulden anfangs geben werden
        <term
                type="phrase">alle barschaft und farende hab</term>, als vere die geraychen mogen,
       ausgenommen beyder eegmacht zimliche <term
                type="phrase">klayder, kleinet und gebend</term>,
       was also ungeverlich zu yrm leyb gehordt (dero messigung zu unser oder unsers statgerichts
       erkentnuß sten soll), und darnach <term
                type="phrase">gewonne und erungne guetter</term>, die
       sy bey ainander gewonnen haben; und wo dann daran bruch wurde, das die schulden nit bezalt
       mochten werden, so soll man dann greyffen zu irn ligenden guettern, die dann von beyden
       personen herkommen sind, und von ainem teyll als vil als von dem andren, und was dann der
       selbgen guetter uberlybten<note
                n="N.344.1">Übrig blieben.</note>, die sollen alsdann yedem
        <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/345/mode/1up" n="345"
                xml:id="S.345"/> teyll
       zum fall ligen ongeverlich, es were dann durch <term
                type="phrase">heyrats brieff, testament
        und ander rechtlich verschrybungen</term> anders versechen, darbey, so vere die schuldner
       bezalt, man es auch belyben mag lassen ongeverlich, doch uns unser oberkaytt hierin in allweg
       vorbehalten. Zu auffenthalt dem eelichen wesen auch allerlay unordenlich keuff, so zu zytten
       hinder dem wein <term type="phrase">unbedachtlich und on vorradt</term>
              <note
                n="N.345.1">Vorberatung.</note> beschehen, die selbgen zu furkommen, orden und setzen wir aus
       bewegenden ursachen, das von kainem egmacht der weyß furohin ligende guͦtter kaufft oder
       verkaufft sollen werden, dann mit des andren seines eegemahels <term
                type="phrase">wyssen und
        wyllen</term>; wo sich aber ain eegemahell auß ungegrundten ursachen dar wyder satzte und
       spenig wurden, wie dann wir sy darumben entscheyden, dar bey soll er (!) belyben: wo aber
       ainer sich seiner hausfrau zu machtigen unterstiend und sich daruber die fraw den kauff zu
       halten sperte und nit haben welt, den wollen mir umb sein <term type="phrase">verklaynung und
        selbs verachtung und spott</term> nach gelegenheyt darumben straffen; darnach wyß sich ain
       yeder zu richten.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="Buch.2">
          <head>[Buch II] Das ander buͦch von formundschaft.<note
                n="N.345.2">Vgl. Heilbronner
       Statutenbuch von 1541. <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 13 r">S.
      13ff.</ref>
            </note>
          </head>
          <p> Nach dem die kayserlichen recht von dryerlay formundschaft meldung thund, etlich <term
              type="juridical">legyttim</term>, die nachgesypten und angebornen, die ander <term
              type="juridical">testamentarii</term>, die zu <term
              type="phrase">testamenten und letsten
       wyllen</term> gesatzt werden, die dritten <term
              type="juridical">dattivi</term>, als die von
      der oberkaytt gegeben werdend, und wiewoll die zwuͦ ersten formundschaften in unser stat
      byßhere nit in sonder genger <term
              type="phrase">ubung noch brauch</term> geweßen, noch
      dannoch, wo ain hawsvatter seinen kindern in ainem <term type="phrase">testament oder letsten
       wyllen</term> taugenlich personen zu formundern ernante oder verordnette, wo sy dann uns
      nachvolgens anzaygt und durch uns geschickt und nutz angesehen und also von uns confirmiert
      wurden, ließen mirs auch belyben.</p>
          <p> Zum andern, nachdem ain yeder vatter nach satzung kayserlicher rechten von wegen <term
              type="juridical">vätterlicher gewaltsam</term>, zu latin <term
              type="juridical">patria
       potestas</term> genannt, seiner naturlichen und eelichen kinder, es sye <term
              type="phrase">sone oder dochtern</term>, muetterlicher und anderer geerbter hab und guetter die <term
              type="phrase">verwaltung und administration</term> in und ausserhalb rechtens hatt (doch die
      selbgen den kind zu nachteyll nit zu verendern), dieweyll dann der vatter zu sollicher
      verwaltung dapfers stands, herkommens, vernunft und wesens halben geschickt were, mogen wir in
      seiner kinder vormunder woll belyben laßen, es were dann sach, das der <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/346/mode/1up" n="346"
              xml:id="S.346"/> kinder
      nachst frundschaft durch gruntlich einred wyderfachten und ander formunder oder im imands zu
      formundern zuzugeben an uns begerten und deßhalben <term
              type="phrase">irtung und
       unainigkayt</term> hierin zwyschen den frunden enstiend, soll zu unserer <term
              type="phrase">erkantnuß und erclarung</term> sten. Am drytten werdend die <term
              type="phrase">formunder
       oder pfleger</term>, die weyll die kinder sone unter 14 jaren und dochterlin under 12 jaren
      sind, <term
              type="juridical">tutores</term> genempt, darnach hinauß byß zu 25 jarn <term
              type="juridical">curatores</term>; und wo die jungen pflegkinder in <term
              type="phrase">irtung und unainkayt</term> mit yrn formundern kommen und villicht in rechtvertigung mit in
      sten muesten, wellen wir inen auf yr oder yr freundtschaft ansuchen ainen oder mer vogt zum
      rechten, als lang die rechtvertigung werett, zuordnen, und erfend sich als dann, das der oder
      die formunder den kinden nit nutz oder arckwenig weren, so stet in unser macht, die selbigen
      laßen zu ruͦwen und ander zu setzen, des wir uns in allen fellen vorbehalten haben wellen.
      Am vierden wo kinder in unser stat sind, die formunder notturftig weren, sollen der selbgen
      kinder nachst frundt fur uns in unsern radt kommen und denselbgen formunder begeren, mogen
      auch dar bey etlich personen zu formundern anzaygen, wellen wir inen die selbigen oder ander
      gelegen personen zu formundern bestatten (!) und confirmiren. Die selbgen, so also zu
      formundern angnommen werdend, sollen die nachvolgenden drey ding zu thon schuldig sein. Am
      ersten, das die formunder die kinder, denen sie also gesatzt, die formunderschafft nach unserm
      befelch und erkantnuß mit allem fleis <term
              type="phrase">annemen und versehen</term>. Am
      andern, das sy glawbwirdig inventarien machen, der kinder hab und guetter aygentlich zu
      beschryben, auch rechnung, wie nachvolgend, zu thon etc. Am drytten der formunder pflicht, wie
      nachvolgt, zu thon; die pflicht der formunder, so von unß verordnet und ain yeder formunder
      thon soll: Ain formunder soll an ayds stat globen, das er der jungen seiner pflegkinder
      person, hab und guetter getruwlich versehe und bewarn nach seinem verstand, yrn <term
              type="phrase">nutz und frommen</term> furdern und schaden verhuetten, die ligenden guetter zu
      schaden den kindern nit vergen laßen sonder in zimlichem weßen behalten, derer kinder <term
              type="phrase">leyb, hab und guetter</term> in und ausserhalb rechtens auf yr der kinder
      kosten und schaden zu versen, verantworten und beschyrmen, wo das nott sein wurdt, der kind
      hab und guetter getruwlich laßen <term
              type="phrase">beschryben und inventiern</term> und zu
      gepirlichen zytten und sonderlich, wan er des von der oberkaytt oder sonst ervordert wurdt,
       <term
              type="phrase">rechnung, red und antwurt</term> darumben geben und sonst, was ainem
      formunder herin zu thon <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/347/mode/1up" n="347"
              xml:id="S.347"/>
      gepurdt, handlen, alles ungevarlich. Wir haben auch herauff etlich unser radtfrundt sollich
      rechnung von den formundern zu empfahen verordnett, die auch darzu globt und zu den heylgen
      geschworn haben, sollich rechnung ordenlich zu nemen lautt der recess in ainem sondern buch
      der formunderschaft begryffen, das wir hierumben verordnett haben etc. Formunderschaft,
      dieweyll sy nach satzung der recht den priestern verboten, lassens wir auch darbey belyben;
      und wiewoll frawsbylder, so vere sy sich yr fryheyt im rechten, <term
              type="juridical">ad
       Velleyanum</term> genant, verzygen, mochten auch formunderschaft tragen, aber diewyll es byß
      her der brauch in unser stat nit geweßen, lassends wir auch darby beruͦwen, doch wollen wir
      den frowen, die nach absterben yrer eelichen hawßwirtt zu wyttib stand als wolthond recht
      personen by hab und guͦtt mogen belyben sytzen, wie oben im ersten buch lautet, hiemit
      nichzit benommen haben. <term
              type="phrase">Curatores und pfleger</term> soll man und mag man
      auch vom rechten geben und verordnen <term
              type="phrase">unsynnigen, hawptkrancken, dawben,
       stummen, unvernunftigen</term> und denen, die yr guett <term type="phrase">unnutzlich und
       yppigklich</term>
            <term
              type="phrase">verthond, verspylen, verbrassen, verschlemmen oder verschwenden</term> und
      der administration (der verwaltung) yr guetter nach nutz nit vorsein kunden, ob sy schon uber
      25 jar alt sind. Wir wollen auch ordnen und setzen, welcher also von uns zu <term type="phrase">formunder, pfleger tutor oder curator oder vogt</term>
            <term type="phrase">zum rechten erwelt, geordnet und gesezt</term> wurdt, der solle sollich
       <term
              type="phrase">formunderschaft und pfleg oder vogtey</term> tugentlich<note
              n="N.347.1">1541: eigentlich.</note> annemmen und sich mit nichten <term type="phrase">wydern oder
       sperren</term>, es were dann sach, das er so treffenlich ursachen hette und die selbigen vor
      uns anzaygte und wir erkennen mochten, das die selbgen ursachen so statlich weren, das er
      sollicher formunderschaft zu erlaßen were, so solt er entschuldig sein, sonst nit. Und so sich
      nun die formunderschaft durch alter oder durch verenderung der jungen in eelichen stand oder
      sonst endett, sollen die formunder alßdann volkommen erber wyderrechnung thon und sollen die
      jungen die formunder mit sampt yrn eelichen gemaheln, ob sy der hetten, oder were sy der
      formunderschaft zu erlassen hat, erberlich und nach notturft quittieren.</p>

          <p>Ursach entschuldigung der formunderschaft: So sind auch etlich ursachen, die ainen von der
      burdin der formunderschaft <term
              type="phrase">entschuldigen und entheben</term> mogen;
      anfangs die offne ampter haben als <term
              type="juridical">administratores fisci</term> oder
      sonst hoch gewält; am andern die umb gemains nutz wyllen in krieg oder ander geschefften
      reipublice außgesandt sind; am drytten der da für sich selber mit <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/348/mode/1up" n="348"
              xml:id="S.348"/> den
      jungen, deren formunder er sein solt, händl hat, darumben er in rechtvertigung sten muͦß;
      am vierden armutt; am fünften wirige kranckheyt; am sechten (!) all <term
              type="phrase">unwyssend, ainfeltig und unvernunftig</term> personen; am sybenden wo hawpt findschaft
      zwyschen den jungen und dem, der der formunder sein solt, were; am achtenden so ainer uber die
      sybenzig jar alt ist; zum newnden die doctores, die artzett, magistri, rethorici,
      schultmaister (!) und der glychen personen, die der kunst und lerung yr facultatem abzulegen
      schuldig sind; zum zehenden wa ainer ain <term
              type="phrase">verschwender und verthoner</term>
      oder sonst <term
              type="phrase">suspect und argkwenig</term> were, mag davon thon werden; und
      sonst was ursachen einfyelen oder erschynen, dardurch wir erkennen mochten, das die personen
      untaugenlich zu formunder zu setzen weren; doch soll sollichs alles zu unserer <term type="phrase">erkantnus und erclerung</term> sten.</p>
        </div>
        <div xml:id="Buch.3">
          <head>[Buch III] Das drytt buͦch von <term type="phrase">ordnung und satzung</term>
            <term type="phrase">testament und letsten wyllen</term>.<note n="348.1"
                place="foot">Vgl.
       Heilbronner Statutenbuch von 1541, <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 32 r">S.
        32ff.</ref>
            </note>
          </head>
          <div xml:id="Buch.3.1">
            <head>[Buch III 1]</head>

            <p> Welcher burger, einwoner oder ain ander, der unser stat recht, oberkaytt und ordneng (!)
       underworffen, ain <term
                type="phrase">testament, codicill oder ain ordnung seins letsten
        wyllens</term> machen wyll, der soll das nachvolgender weyß thon. Anfangs dieweyll die recht
       vermutten, das kain <term
                type="phrase">actus oder handl</term> glawbwirdig sein mog, dann
       der vor seiner ordenlichen oberkaytt <term
                type="phrase">vollendet und volstreckt</term>
       wurdt, demnach so ordnen und sezen wir, das ain yeder sein <term
                type="phrase">testament,
        codicill oder letsten wyllen</term> vor uns in unserm radt als der oberkaytt oder vor unserm
       statgericht offen machen und verfast in schryfft einlegen mit begere in zu verlessen und, so
       er verleßen wurdt, so soll er oder ain yeder <term
                type="phrase">offen sagen und
        bekennen</term>, das sollichs sein letster wyll sein, mit begere im den aufzurichten,
       namlich <term
                type="phrase">glawblich schein und briefflich urkundt</term> darumben in
       gewonlicher form, doch auf ains yeden selbs costen, under unser stat secret insigell zu
       geben, das wir dann, so vere es ordenlich geschicht, der warheyt zu guͦtt zu thon urbyttig
       sein werden, mag auch darzu unsers radts und gerichts geschwurn notari umb underschrybung
       auch <term
                type="phrase">ervordern und bytten</term>, die es dann also yrs ampts halben zu
       thon auch schuldig sein sollen, des auch schultheys und die richter, so yeder zeytt an unserm
       statgericht sytzen werden, in der gleychen <term
                type="phrase">geschefften und
        gemachten</term> auch thon werden, doch dem gericht an seiner alten gerechtkayt (!) und
       herkommen in allweg onvergryffen, welches vor allen dingen auch darglegt werden soll. Und
       solliche <term
                type="phrase">testament, codicill, geschafft und letst wyllen</term> vor uns
       als der oberkaytt oder <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/349/mode/1up" n="349"
                xml:id="S.349"/> unserm
       statgericht, wie oblaut, gemacht bedorffen kainer veren<note
                n="N.349.1">Ferneren,
        weiterem.</note> solemnitett noch gezeugen auch kainer andren <term
                type="phrase">publication noch insinuation</term>, ist auch nit nott ymands anderm darzu zu verkunden. Am
       andern wo aber emands sein <term
                type="phrase">testament, codicill, geschafft und letsten
        wyllen</term> vor uns alls der oberkaytt oder unserm statgericht aufzurichten ungelegen, so
       mag er das vor glawbwirdigen notarien und stathafften gezeugen, wie dan sollichs die
       kayserlichen recht vermogen und der brauch byßhere im heylgen reych geweßen und noch ist,
       thon, <term
                type="phrase">aufrichten und vollenden</term>. Und wer also ain <term
                type="phrase">testament und letsten wyllen</term> zu machen fuernympt, der soll das thon vor
       ainem notary und syben zeugen; wo er aber kain notarien gehaben mocht, soll er allweg fur die
       person des notarien zwuͦ ander personen nemmen. Und were dan welt<note
                n="N.349.2">Wollte.</note>, das sein testament becreftigt und stand im rechten hab, der soll ainen oder
       mer erben darinnen <term
                type="phrase">benennen, instituirn und ordnen</term>; dann testament
       on satzung ains oder merer gemainer erben im rechten kain crafft hat, dieweyll <term
                type="juridical">institutio heredis</term>, <term
                type="juridical">satzung des erben</term>,
       ain fundament und ain wesenlich hawptstuck ains testaments ist. Aber in codicillen, darinnen
       man alain legatten und sonderlich ding verschafft, ist nit von notten satzung ains gemainen
       erben sonder alain austeylung der legatten und zu becrafftigung der codicill ist genug an
       fünff zeugen nach auswysung der recht. Doch wollen und setzen wir, das die <term
                type="phrase">testament, ordnungen oder letsten wyllen</term>, do ain vatter seinen kinden
       allein on einzyhung frembder personen oder da ainich person zu auffenthaltung unserer stat an
       yrn <term
                type="phrase">gebauwen, muren, graben, thurnen, brucken, weg, steg</term> oder dem
       gemainen nutz unserer stat fisco (in die rechenstuben genannt) etwas verschaffte, deßgleychen
       an gotzgaben, armen oder gaistlichen leutten, ellendherbergen, spyttallen und der glychen,
        (<term
                type="juridical">ad pias causas</term> genannt) etwas <term
                type="phrase">gebe, sazte
        oder vermachte</term>, die sollen crafft und macht haben, ob schon nit mer dann zwen oder
       drey zeugen darby wern, wie dann das recht solchs zugybt; sonst sollen obgemelte wesenliche
       formen des testaments gehalten werden. Es soll auch ain yedes <term
                type="phrase">testament
        oder letster wyll</term> zu ainem mall onunderlaßlich und nit zu getaylter zeytt oder
       underschayden tagen gemacht werden. Deßgleychen mogen auch die <term
                type="juridical">ubergaben von tods wegen</term> vor uns als der oberkaytt oder unserm statgericht oder vor
       notari und dreyen oder vier zeugen gemacht werden.<pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/350/mode/1up" n="350" xml:id="S.350"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.3.2">
            <head>[Buch III 2] bVon untaugenlichen testamenten, geschafften und letsten wyllen.</head>
            <p> Ain <term
                type="phrase">testament oder letster wyll</term>, darinnen der kinder ains oder
       mer nit bedacht sonder <term
                type="phrase">ubersehen, furgangen oder on ursach enterbt</term>
       weren, ist<note n="N.350.1">Wohl aus Missverständnis ausgestrichen.</note>
              <term
                type="phrase">von nichten und oncrefftig</term>, ob schon glych die andren kinde,
       gemayner nutz, kyrchen, spyttal oder der glychen erben gesazt weren; darumben von notten ist,
       das der vatter sein kinder alle zu erben setze oder aus nachvolgenden ursachen enterben und
       furgen moge. Am andern ist ain testament untaugenlich, da kain erb innen <term
                type="phrase">gesatzt, benempt und instituiert</term> ist. Am drytten ist das testament untaugenlich,
       darinnen kinder in das, so nit in weßen ist, eingesezt weren worden. Am vierden ist das
       testament <term
                type="juridical">nichtig per nativitatem posthumi</term>, so nach absterben
       des testators sein nachglaßen wyttfrow ain kind oder mer (die sy von dem selbgen yrm eemann
       empfangen) gepere, dar von doch der mann nit wyssens gehapt, auch des im testament nit
       gedacht hette; sollich testament crafftlos ist; dann deßhalben von nötten ist, das der
       testator seine nachgebornen kinde auch zu erben mach und setze. Am funfften als nach den
       kayserlichen satzungen nichzig fryers ist dann <term
                type="phrase">ordnung und geschafft des
        letsten wyllens</term>, daran man niemands, dem des vom rechten nit verbotten und zu thon
       macht hat, verhindern soll, dann auch ain yeder, dieweyll er lebt und brauchung seiner
       vernunfft hatt, er sey gesundts oder krancks leybs, woll ordnen mag, und were ainen sollichen
       daran verhindert, hette sein erbliche gerechtkaytt, ob im die sunst ausserhalb testaments ab
       intestato zustiend, verfallen; also herwyderumb, wo iemans zu <term
                type="phrase">testament
        und letsten wyllen</term> zu machen gezwungen oder durch trawung<note
                n="N.350.2">Drohung.</note> dahin gebracht wurdt sollich testament und letsten wyllen auß <term
                type="phrase">traw, forcht oder gezwangknuß</term> zu machen, ist <term
                type="phrase">nichtig und von unwyrdin</term>. Am sechsten wo in ainem testament den kindern mynder dann
       yr gepurender teyll, <term
                type="juridical">legittima</term> genannt, gesatzt wurde, die
       selbgen kinder mogen clagen wider das testament umb erstattung yrs legittima oder gepurenden
       teyls; und ist der gepurd (!) <note
                n="N.350.3">Der gebührende.</note> teyll, legittima vom
       rechten genannt, der: wann der kinder sind viere oder darunder, so ist yr legittima von der
       gestorben aller verlaßen hab und gutter der dryttall, sind aber der kinder uber viere, ist
       legittima der halb teyll aller verlaßen hab und gutter, der in von natur zugehorett und kains
       wegs entsetzt mogen werden, es seye durch testament, <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/351/mode/1up" n="351"
                xml:id="S.351"/>
       ubergab, gemacht oder was tittell es were. Am sybenden der im den tod selber thuͦtt, des
       testament ist <term type="phrase">ab und von unwyrden</term>.</p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.3.3">
            <head>[Buch III 3] Ursachen, darumben vatter und muͦtter yr kinder enterben mogen.</head>

            <p> Nach gemainen kayserlichen rechten sind vil velle, darinnen aus ursachen die eelichen und
       leyblichen kinder mogen yrer vatterlichen und muetterlichen erbfalle durch <term type="phrase">testament und geschafft</term>
              <term
                type="phrase">entsetzt und enterbt</term> worden, doch das sollich enterbung und
       ursach, warumben es gescheche, in <term
                type="phrase">testament oder geschafft</term> namlich
       bestympt werde und die so offenbare sye, das auch nach abgange der eltern solliche bestympte
       ursachen durch des abgegangen gemachte erben auf die selbigen enterbten kinder, ob sy der in
       abred sein werden, bewysen mogen werden. Anfangs so die kinde frevel handt oder gwalt an yr
       eltern legen. Am andern so die kinder schwere unersame schmach und <term
                type="phrase">unrechte und freveliche wortt und iniury</term> an yr eltern legen oder gegen innen
       furnemen. Am drytten so die kinder yr eltern vor gericht oder der oberkeytt umb peinlich
       sachen <term
                type="phrase">beschuldigen und anclagen</term>, es were dann sach, das sy
       schwere verhandlung oder schmechung wyder den romischen kayser, konig oder ainen gemainen
       radt diser stat oder ganz gemaind, nutz und weßen diser stat, <term
                type="juridical">crimen
        lese maiestatis</term> oder <term
                type="juridical">ketzerey, sedition, aufgeleff</term>
       antreff, furgenommen hetten. Am vierden so die kinder mit gyfft oder in ander weys das leben
       yr eltern zu verderben understend. Am funften so ain kind sein stieffmutter, seines lyplichen
       vatters eeliche hausfrau, sich zu vermyschen oder zu beschlaffen verstanden hette. Am
       sechsten so die sone sich nit wollen verpflichten noch burg werden fur yr eltern, so die in
       unzimlicher gefancknuß begryffen sind, wiewoll diser fall die dochtern nit berürt, alain die
       sone. Am sybenden so die kinder verhindern yre eltern gepurlich <term
                type="phrase">testament
        oder geschafft</term> zu machen; und so die eltern yr testament und geschafft thuͦn, so
       mogen sy die selbgen kinder diser ursach halben in sollichen yrn geschafften enterben. Am
       achtenden wo ain kind das ubell wyder die natur begangen hette, mag enterbt werden. Am
       newnden, wo ain dochter ain <term
                type="phrase">unrain, leuchtvertig, unkuschs leben und
        weßen</term> gieng und sonder, so der vatter sy zu eelichem stand, ee und sy 25 jar alt
       worden, bestatten hat wollen. Am zehnden so die kinder vatter und mutter notturftige <term
                type="phrase">narung und artzney</term> mitzutaylen <term
                type="phrase">versagen, wegern und
        versaumen</term> und wann dieselbigen kinder durch ander frembd leutt yrn eltern sollich
        <term
                type="phrase">narung, artzney und notturft</term> mitzutaylen rechtlich ersucht <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/352/mode/1up" n="352"
                xml:id="S.352"/> werden
       und es verachten und die frembden helffen in<note n="N.352.1">Ihnen.</note>, so sollen
       dieselben frembden personen an stat der ungetruwen kindern die selbigen eltern erben, denen
       auch sollicher erbfall vervolgen soll. Am aylften wa vatter und mutter cristen weren und die
       kinder ketzer weren oder in ketzerey vielen. </p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.3.4">
            <head>[Buch III 4] Von dunckel testamenten.</head>

            <p> Wan ainer ain dunckel oder unverstandig testament gemacht hett oder nachvolgend ain
       unverstand darein fiell an ainem oder mer ortten, das mag der selbig testator vor zwayen
       erbern gezeugen darnach <term type="phrase">bessern und erclaren</term>, aber gar ab mag ers
       on die solemnitett darzu geherend, wie nachvolgt, nit thon.</p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.3.5">
            <head>[Buch III 5] Wie und wann testament mogen wyderrufft werden.</head>
            <p> Ain yetlich <term
                type="phrase">testament, letster wyll, geschafft oder gemacht</term>
       soll und mag <term
                type="phrase">geenndert und wyderruffen</term> werden mit der
       bescheydenheyt, als es gemacht ist. So mag auch ain testament durch ain anders nachvolgend,
       das auch ordenlich und wie recht ist gmacht, wyderrufft werden. Wir wollen auch setzen und
       ordnen, das ain yeder <term
                type="phrase">testator oder testatorin</term> mag sein <term
                type="phrase">testament und letsten wyllen</term>, ob er schon das selbig vor uns als der
       oberkaytt <term type="phrase">publiciert, ereffnet und insinuiert</term> hett, wan in
       verlust, wyderueffen on verhinderung und einred manigklichs.</p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.3.6">
            <head>[Buch III 6] Welche person nit mogen testament machen.</head>

            <p> Ainer jeden person under 14 jarn alt ist verbotten testament zu machen, codicillirn noch
       ubergab von tod halben zu thon, auch mit verwilligung der formunder. Am andern ain <term
                type="phrase">son oder dochter</term>, die noch in yrs vatters hauß und under der
       vatterlichen gwalt noch sind, <term
                type="juridical">filii vel filie familias</term> gnannt,
       sollen nit testament machen, es were dann sach, das die person <term
                type="phrase">doctor
        oder rytter</term> were; die mochten testament oder geschafft machen von denen guettern, die
       ain doctor mit seiner kunst oder ain rytter in strytten oder kriegshendl gewonnen hett. Am
       drytten welche on underlaß unsynnig und nit <term
                type="juridical">lucida intervalla</term>
       hett oder ain verschwender des seinen, dem verwaltung seiner guetter verbotten were, auch
       ainer gantzen stommen oder dawben, denen sind im rechten testament zu machen verbotten. Am
       vierden leutt, die verurtylt sind zu tod oder sonst umb schwere hawpt mißhandlung geurteylt
       als <term
                type="juridical">pro famoso aut capitali crimine</term> als ketzerey, <term
                type="juridical">crimen lese maiestatis</term> und derglychen, auch der selbigen <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/353/mode/1up" n="353" xml:id="S.353"/>
              <term
                type="phrase">ketzer und ubeltetter enthalter und ubertrager</term>. Am funften
       offenbar wuchrer megen nit testament machen, es sy dann, das sy den wuͦcher <term
                type="phrase">wyder geben und restituiern</term> oder gnuͦsame (!) burgschaft thund, das
       er wyderlegt werde. Wir wollen auch ordnen und setzen, das furohin <term
                type="phrase">in
        unser stat, oberkaytten und gebietten</term> kain mynderjariger, auch ober 14 jaren, diewill
       er oder sy noch verformundert und verpflegt sind, es sy <term
                type="phrase">mit tutoribus
        oder curatoribus</term>, sollen sy nit macht haben, fur sich selber <term
                type="phrase">on
        wyssen, wyllen, beysein und decrett yr formunder und pfleger</term> kain <term
                type="phrase">testament, geschafft, gemacht, donation noch derglychen</term> aufzurichten macht haben, es
       were dann, das yr ains an der frembden<note
                n="N.353.1">Unverständlich (1541
        weggelassen).</note> etwas zimlich an ain gotzgab zu trost seiner sell etwas verordnett
       hette, das wolten wir auch nit verhindern. Dan wo es sonst furter geschehen wurde, soll
       sollich <term
                type="phrase">testament, letst wyllen, donation</term>, es sye von tod wegen
       oder under den lebendigen, ganz tod ab, yetel<note
                n="N.353.2">Eitel.</note> und von unwurden
       sein und darauff nichzit erkannt werden. Wir wollen, ordnen und setzen, das ain yeder, der in
       ainem testament zu erben gemacht oder gesatzt oder sonst on testament der natturlich oder
       nachst <term
                type="juridical">erb ab intestato</term> were, ist der selbig gegenwertig, so
       soll er haben vier monat, ist er aber <term
                type="phrase">abwesig oder auß lendischs</term>,
       der soll ain jar haben sich zu bedencken, ob er das gsatzt erb annemmen oder sich des
       entslahen well; und ob mer dan ain erb gesatzt were und ainer aus den gesatzten erben sich
        <term
                type="phrase">offenlich oder stylschwigende</term> des gesatzten erbfalls entsliege
       und das nit anneme in obbestympter zeytt, so felt des selbigen teyll den andren zu merung
       irer satzung. Wir wollen auch und ordnen, welcher also zu ainem erben gesatzt oder sonst on
       testament der nachst naturlich erb ab intestato ist und sich des erbfalls underzeucht und zu
       handen nempt und nit machte ain inventarium, als sich gepürdt, der ist und wurdt pflichtig,
       alle und yede des gestorben schulden zu bezalen; so sy aber aller des gestorben verlassen hab
       und guetter in annemung der erbschaft ain <term
                type="juridical">inventarium und
        beschrybung</term> machen, so sind sy nit mer schuldig zu thon noch bezaln, dann so vil des
       gestorben hab und guetter im erbfall sich erstrecken mogen. Es soll auch ain ydes
       inventarium, das anders stat im rechten haben soll, gemacht werden durch ainen notarium in
       gegenwirtikayt dryer zeugen zum wenigsten. Wir wollen, setzen und ordnen auch, das der oder
       die in geschafften und letsten wyllen zu erben benannt sind oder wo sellwarter und <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/354/mode/1up" n="354"
                xml:id="S.354"/>
       executores darinnen gesazt und benempt weren worden, zu dero gwalt sollich zu thon zustiend,
       sollen in ainem jar nach abgang des <term
                type="phrase">geschafftmachers oder
        testators</term> das selbig geschafft <term
                type="phrase">ausrichten und volstrecken</term>,
       und so sy in sollichem <term type="phrase">lessig oder sumig</term> weren, sind es gesatzt
       erben, sollen sy des erbs oder satzung verfallen und beraubt sein und alsdann die
       volstreckung oder ausrichtung des selbgen testaments oder letsten wyllens an uns, den radt,
       als die oberkaytt anwachsen und der gmachten erben teyll zum dritten teyll unser stat fisco
       in die rechenstuben und die andren zwen teyll den rechten natturlichen und nachsten erben
       haimgefallen sein; wo aber der mangell der volstreckung an den selwartern erfunden wurde, die
       sollen darumben an yrm aygen gutt nach unser erkantnuß und yrer ubertrettung darumben
       unnachleßlich gestrafft werden.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="Buch.4">
          <head>[Buch IV] Das vierd buch von ubergaben under den lebendigen, <term
              type="phrase">inter
       vivos</term> gnannt<note
                n="N.354.1">Vgl. Heilbronner Statutenbuch von 1541, <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 28 r ">S. 28ff.</ref>
            </note>
          </head>
          <div xml:id="Buch4.1">
            <head>[Buch IV 1]</head>

            <p> Wir setzen und ordnen: welches, das an seinem alter 25 jar und darob hat oder sonst
       eelichs oder anders stands halben fur sich selber mündig ist, dem andern bey lebendigem leyb
       etwas, es sey <term
                type="phrase">wenig oder vil</term>, <term
                type="phrase">farends oder
        ligends</term>, sein guͦtt gar oder zum teyll ubergeben wyll, das soll geschechen vor
       unserm schultheyßen und statgericht, wie von alter herkommen; es soll auch dem gericht sein
       gerechtekayt, wie von alter geweßen, auch darlegen und soll solliche gufftung<note
                n="N.354.2">Geben (vgl. Mit-Gift).</note> und gab von aygner hab und guetter, und nit vom
       wyderfalligen oder die andern verhafft sind, beschechen. Es mag auch ain eegemacht dem andern
       (wo nit kinder weren oder, wo kinder verhanden weren, ausgesteuwert und yrs <term
                type="juridical">legyttima</term> gnugsamlich entricht oder mit in abgeteylt hetten) yr fry
       aigen hab und guͦtt, wie von alter herkommen, vor gericht ubergeben, doch das yr yedes
       zuvor sein truw geb und zu got und seinen heylgen schwere, das solliche <term
                type="phrase">ubergab und gufftung</term> von fryen guttem wyllen beschehe, also das yr kains das ander
       darzu weder <term
                type="phrase">gezwungen noch gedrungen</term> hab; und so sollichs
       geschicht, so mogen sy einander offen vor gericht mit hand und halm ubergabung und gyfftung
       thon, die alßdann nach unser stat recht also fur krefftig erkant und gehalten werden soll.
       Und auf das geverd, arglyst und betrug in den ubergaben verhuett und vermitten belyb, kunftig
       zanck und hader zu furkommen, so setzen und ordnen wir, das den (!) nachstgesypten erben und
       zum wenigsten die angebornen frundt, die, wa das gemacht nit were, erben sein und interesse
        <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/355/mode/1up" n="355" xml:id="S.355"/> haben
       mochten, sy syen gaistlich oder weltlich, frembd oder haymischs, darzu beru*effen, citiert,
       verkundet und ervordert werden, zu sehen und hern sollich ubergab zu geschechen, oder aber
       redlich ursach zu sagen, warumben es nit geschehen soll; und die selbgen erschynen alsdann
       oder nit, soll nichzit dester minder geschechen und gehandlet werden, was billich und recht
       sein wurdt. Wo aber die nachsten erben oder frundt fu*egklich nit anzukommen weren, so soll
       solliche verkundung, citacion und ladung an alle, die des zu thon oder interesse haben, in
       gewonlicher form an unser pfarkyrchen aufgeslagen werden und in dry oder vier nachster
       gericht verkundet werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="Buch.4.2">
            <head>[Buch IV 2] Ursachen, umb dero wyllen die ubergaben wyderriefft und vom rechten
       abgetryben mogen werden.</head>
            <p> Anfangs so die person, der sollich ubergab beschechen were, frevell hand an legte an die
       person, die sy begabt hette. Am andern so die begabt person die gebend mit schmechlichen,
       schentlichen worten ubergebe oder antaschte, die man nent atroces iniurias, oder mit
       schadlichen waffen anfier, gwaltigklich uberyll, uber sy zuckte, jagte oder fienge oder sy
       gefancklich hielte. Am drytten wann die begabt person die (!) gebend mercklichen schaden
       durch zugryffe an seinem guͦtt, narung oder ere zufuegte. Am vierden wan die begabt person
       der gebenden understiende sorgkfeltikayt seins lebens zuzuwenden, ob schon sollichs nit mit
       den wercken sein furgang gewonne, als mit vergifften, verratten und derglychen felle, da
       ainer seins lebens in sorg sten mueste oder mochte. Am funften mog ain ubergab wyderriefft
       werden von der nachgepornen kinder wegen, wie woll sollich ubergab in disem fall fur sich
       selber gefallen, tod und ab ist; ob schon die uber gab an gotzgaben beschehen were, so ist sy
       ab und von unwirde. Am sechsten so es were ain ubergab von tods wegen, mag sy allweg glych
       wie ain yeder ander letster wyll wyderruefft werden. Am sybenden so ainer person etwas mit
       furworten und geding gegeben wurdt, wo sy dem nit nachkompt und das angeding erfult, ist die
       ubergab gefallen und nichzit. Am achten wa ain ubergab, gemacht oder satzung unmessig oder
       uber die maß were und den kindern, so verhanden, schadlich, also das ain vatter den meren
       teyll seiner gutter wolt hin geben, vermachen oder setzen und den kinden nit yrn gepurenden
       anteyl, legittima gnannt, laßen, die sind ganz unbindig und craftloß.</p>
            <p> Die ubergaben von tods wegen ist an nott<note
                n="N.355.1">Ohne Not, unnötig.</note> hie
       vil zu <pb
                facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/356/mode/1up" n="356" xml:id="S.356"/>
       schryben, dann sy die natur der letsten wyllen an innen haben und tragen.</p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="Buch.5">
          <head>[Buch V] Hernach volgt das funft buͦch von den naturlichen und nachgesypten<note
              n="N.356.1">Nahe Gesippten.</note> oder verwandten erbschafften on testament und letsten
      wyllen, ab intestato gnannt.<note
                n="N.356.2">Vgl. Heilbronner Statutenbuch von 1541, <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 39 r">S. 39ff.</ref>
            </note>
          </head>
          <p>So nit testament, geschafft, gemacht und letst wyllen oder ubergaben, wie oblautt, verhanden
      sind, so kommen von gemainen kayserlichen rechten, auch diser unser stat satzung, die
      natturlichen oder gesypten erben, die vom plutt der gebürdt oder freuntschafft der gestorben
      person verwandt, und der sind dryerlay: ettlich in abstygender linien, etlich in aufstygender
      linien, etlich in der beiseytsgesypten, zwerch oder neben seytten oder linien gnannt.</p>

          <p> Die erbschaft in abstygender linien würdt erlernett aus den vier nachvolgenden regeln der
      rechten. Anfangs so der abgestorben in abstygender linien in leben verlast kinder, kindskinder
      (enckel gnannt), urenckel und also furauß zu rechnen, ist dann der selbigen ain person alain,
      es sye kind oder kindskind (enckel gnannt) oder urenckell oder furauß zu rechnen, so weyt es
      ymmer sein mag, so ist das selbige ain ayniger erb und schlüst auß alle die ihenen, so in der
      aufstygenden oder beiseytzsgesypten linien dem abgestorben gesypt oder verwandt sind. Am
      andern verlast aber der abgestorben mer personen in abstygender linien, sind die dann alle im
      ersten und glychen grad, als kinder, so soll der erbfall glych in die hawpter, das ist als vil
      personen als vil thayll, under sy, es syen sone, dochter, die unverzygen (?) sind, abgetaylt
      werden on allen underschyd. Am drytten sind aber der selbgen verlaßen erben in abstygender
      linien etlich im ersten grad, als kinder, etlich in weytterm grad, als kindskinder (enckel
      gnannt), oder noch verer hinab, die selbigen kindskinder, yr syen wenig oder vil, sollen
      zugelaßen werden an stat yrs vatter oder mutter mit den rechten kindern des ersten grads in
      stirpes zu erben an yrer anherren oder anfrawen verlaßen hab und guͦttern, so vil yr vatter
      oder muͦtter hetten mogen erben, so sy noch in leben weren, und also fur und furuß in
      abstygender linien zu rechnen, also das allweg, so erben in abstygender linien in unglychem
      grad gelaßen<note
              n="N.356.3">Hinterlassen.</note> werden, als kind und kindskinder (gnannt
      enckel) und urenckel, sollen die kindskind und urenckel und also fur auß zu rechnen an yr
      vatter <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/357/mode/1up" n="357" xml:id="S.357"/> und
      muͦtter stat in stirpes (in stammen) erben, das ist zu versten, yr syen wenig oder vil,
      eins wytern grads für ain person zu rechnen und zu nemen, so vil und nit mer irn vatter oder
      muͦtter, so die in leben weren, zu zeytten erbfalls gepurdt hette. Am vierden so aber der
      abgestorben in abstygender linien nit erben im ersten grad, als kinder, verlast sonder alain
      in weytterm grad, als kindskinder oder urenckell etc., die selbgen erben das anherlich und
      anfrowlich, das uranherlich oder uranfrowlich hab und guetter glych in die stammen (in
      styrpes) zu teyllen, sy syen in glychem oder weytterm grad, und stend an die stat yrs vattern
      oder muͦttern zu erben in stammen oder zu erben ainen stamteyll, yr syen wenig oder
      vil.</p>

          <p> Die erbschafft in aufstygender linien wurdt erlernett auß den nachvolgenden sechs regeln.
      Anfangs und zum ersten: verlast die abgestorben person yr vatter und muͦtter beyde
      samentlich oder yr ains alain in leben und kain geschwisterygt, als brueder oder schwestern
      auß beyden eltern (das ist die von vatter und muͦtter der abgestorben<note
              n="N.357.1">Der
       abgestorbenen Person.</note> gesypt sind), oder auch der selbgen abgestorben geschwystert von
      beyden eltern kinder<note
              n="N.357.2"> Also Neffen oder Nichten.</note>, so erben die selbgen
      vatter und mutter beyde oder das ain, welches in leben were, yr eeliche kinder und schliessend
      auß alle andere, die weytter in aufstygender linien gesypt, als sind anhern, anfrawen und fur
      auf zu rechnen, und ist ain gewysse regell in disem fall, das das neher im grad in der
      aufstygenden linien das weytter ausschlist, als namlich vatter und mutter auschliessend anher
      und anfraw und also furauß; so auch die erbung beschicht in aufstigender linien nach vatter
      und mutter, also das anher, anfrow oder furauf erben, so erben die von vätterlicher linien,
      als anher oder anfrow vom vatter, und die von muetterlicher linien, als anher oder anfrow von
      der muͦtter, sollicher maß, das die auf des vatters sytten nemen das halb und die auf der
      muͦtter seytten das ander halbteyll, unangesehen, ob auf ainer sytten nit mer dann ain
      person, als wer ain anher vom vatter in leben und auf der andern sytten zwen, als anher und
      anfrow von der muͦtter, die beyde nemen nit mer dann ain teyll und der anher vom vatter das
      ander halbteyll. Am andern oder die ander regell: verlast aber das abgestorben<note
              n="N.357.3">Die abgestorbene Person.</note> vatter und muͦtter, beyde oder yr ains alain,
      und zu den selbigen auch <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/358/mode/1up" n="358"
              xml:id="S.358"/> sein,
      des abgestorben, bruedere und schwistere oder brueder oder swester kinder, welche brueder oder
      swester dem abgestorben von beyden eltern, von vatter und mutter, gesypt sind, so erben die
      selbgen vatter und muͦtter, bruder und schwester beydenthalben oder der selbgen abgestorben
      brueder oder schwester kind beydenthalben den abgestorbenen, yrn sone, bruder oder swestern
      oder vettern<note
              n="N.358.1">Eigentlich: Oheim.</note>, alle samentlich in die haupter zu
      teylen, so vil personen, so vil teyl, ausgenommen das brueder und swesterkind anstat yr vätter
      oder muͦtter in dem falle im stamteyll erben, das ist so vil und nit mer, dann was yr
      vatter oder muͦtter, so sy noch in leben wern, erben. Am drytten: verlast aber das
      abgestorben vatter, muͦtter oder yr ains und brueder und schwester oder der selben kindere,
      die ainthalben im gesypt sind, so werdend die selbigen brueder oder swestere ainhalb gesypt
      oder yr kinder zu erbung des abgestorben mit vatter und muͦtter nit zugelaßen. Am vierden:
      verlast aber das abgestorben nit vatter oder muͦtter sonder weytter in aufstygender linien
      anher, anfraw und fur auß zu rechnen, sind dann nit in leben des abgestorben brueder oder
      schwester oder deren kinder, so erben die selbgen anhern oder anfraw furauß den abgestorben
      und schliessend auß all andre in der zwerch oder beseyts gesypten linien. Am funften: so aber
      zu den selbgen anhern, anfrow oder ander in aufstygender linien auch in leben sind des
      abgestorben brueder oder schwester, die von beyden eltern im gesypt, oder der selbgen kind, so
      sollen nach der mer bewarten<note
              n="N.358.2">Bewährten.</note> und gemainern oppinion und
      maynung der rechtgelerten die selben brueder oder swester beydenthalben gesypt oder yre kind
      (doch die selbgen bruder oder swester kinde nit anders dann in styrpes, in stamteyll, an stat
      yr vatter oder muͦtter, als ob die noch in leben weren) mit den bemelten anhern oder
      anfrowen oder andren weytteren in aufstygender linien den gestorbenen zu erben zugelaßen
      werden; sind aber die brueder, swester oder yre kinder dem abgestorben alain ainthalb gesypt,
      so schliessend die in schlechter aufstygender linien die selbigen ganz auß und werden mit
      innen zu erben nit zugelaßen. Am sechsten: ist eben zu mercken, als vor gemelt ist, das des
      abgestorben vatter, muͦtter, anhere oder anfrow etc. in aufstygender linien sampt den
      bruedern oder schwestern beydenthalben dem abgestorben gesypt oder derselben kind zu erben
      samentlich zugelaßen werden, sol an den selbigen <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/359/mode/1up" n="359"
              xml:id="S.359"/> brueder
      oder schwester kindern erwinden<note
              n="N.359.1">= Aufhören.</note> und aufhorn und sich nit
      erstrecken in der erbung diß fals auf brüder oder schwester kindskinder (enckel gnannt)<note n="N.359.2">Grossneffen und -nichten (Enkel von Geschwistern).</note> oder in weyterm grad in
      absteygender linien, sonder die in aufstygender linien den selben brüder oder schwester kinds
      kindern vorgeen in der erbschaft.</p>

          <p> Die erbschaft in der neben, beseytzgesypten oder zwerchlinien wurdt erlernet aus den
      nachvolgenden acht regeln. Anfangs und zum ersten ist die regell: so das abgestorben verlast
      alain bruͦder oder swestern, sind sy dann ime von beyden eltern, als von vatter und
      muͦtter, gesypt, so erben sy nach anzale der personen, das ist: so vil personen, so vil
      teyll. Am andern: verlast er aber brueder oder schwestern beydenthalben gesypt und darzu
      bruͦders oder swesters beydenthalb gesypter kindere, so erben die selbigen kind mit des
      abgestorben brueder oder schwestern in stamteyll, das ist: so vil und nit mer als yr vatter
      oder muͦtter, so die noch in leben weren, hetten mogen erben. Am drytten: verlast er aber
      nit brueder oder swestern beydenthalben sonder seins abgestorben bruͦders oder swester, so
      im beydenthalben gesypt sind geweßen, kinder, die werden zu erben zugelaßen vor brueder oder
      schwester ime ainthalben gesypt; und so in disem fall also der abgestorben nit verlast brueder
      oder swestern von beyden seytten sonder kinder von zwayen oder noch merern bruedern oder
      swestern, so ime von beyden seytten verwandt geweßen sind, das nach der gemainer und bewerter
      maynung und oppinion der rechtgelerten sollich erbung under den selbigen bruedern oder
      schwester kindern geschicht in stamteyl, das ist, das yedes geschwisterygts verlaßen kind, der
      sye vil oder wenig, neme so vil und nit mer, dann sein vatter oder muͦter, so die in leben
      weren, erben mochten. Am vierden: verlast aber der abgestorben in leben brueder oder swestern
      ainthalben im verwant und darzu kinder von brueder und schwester, so im von beyden seytten
      verwant gewest sind, so erben die selbigen kinder vor bruͦder und schwestern einthalben
      verwandt. Am fünften: verlast aber der gestorben nit hinder im in leben brueder oder
      schwestern beydenthalben verwandt oder dero kinder, sonder alain brueder oder schwestern
      ainthalben (das ist von vatter oder von muͦtter), sind die selbigen alle von ainer seytten,
      so erben sy glych alle hab und guetter, nach anzall der personen zu teylen; sind aber etlich
      dem gestorben vom vatter, etlich von der muͦtter <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/360/mode/1up" n="360"
              xml:id="S.360"/>
      gewandt, so erben die, so vom vatter gewant sind, alle, guetter, so von des abgestorbens
      vatters linien in aufstigender linien herkommen, und die, so von der muͦtter halben gewandt
      sind, erben die guetter, so von der muͦtter in aufstygender linien herkommen, und in den
      guettern, so von vatter und muͦtter samenthaftig oder anderswo herriern, erben sy glych
      nach anzall der personen; sind aber zu brueder und swester ainthalben auch in leben kinder, so
      des abgestorben brueder oder swester ainthalben verlaßen haben, so erben die selbgen brueder
      oder swester kind in stamteyll (zu versten, wie obstet) mit irer vatter oder mutter bruͦder
      oder swestern, aber zu versten, wie yetz darvor begryffen mit underschydung der guetter von
      yeder linien herkommen. Am sechsten: so der abgestorben nit verlast brueder oder swester
      sonder brueder oder swester kind, dero vatter oder muͦtter beyden oder ainthalben gewant
      geweßen sind, so schliessend sy allweg auß der abgestorben vatter oder muͦtter
      geschwystert, das ist die vetter und basen<note
              n="N.360.1">Eigentlich: Oheime und
       Tanten.</note>, oder andere furauß in der zwerch linien ime gesypt geweßt, unangesehen das
      die selbigen, yrs vatter geschwisterigt, und die brueder und swester kind in glychem grad dem
      abgestorbern verwandt geweßen sind. Am sybenden: verlast das abgestorben nit brueder oder
      swestern, auch nit der selbigen kinder von vatter und muetter verwandt, sonder der selbgen
      kindskindt (enyckel, nepotes oder niptes gnannt)<note
              n="N.360.2">Enkel von
       Geschwistern.</note>, die selbigen enckel werden zu erben zugelassen mit brueder oder
      swestern oder der selbigen kindern ainthalben verwandt doch in styrpes (in die stammen), wie
      oblautt, und, wa die ainthalben verwandt, auch getaylt, also das etlich yrer eltern halb von
      der muͦtter, etlich vom vatter gesypt sind, so erben sy alle, wie oblaut, in styrpes (in
      die stamteyll), doch mit underschyd der guetter wie vor im fünften artickel oder regell oben
      gemelt ist. Am achten und letsten ist ain gemaine regell und satzung furauß in der
      beiseyzgesypten oder zwerchlinien: wann der abgestorben nit verlast brueder oder swester oder
      brueder oder swester kinder, welche dann darnach in der beseyzgesypten oder zwerchlinien die
      nachstgesypten sind, die schliessend auß die in weytterm grad sind; und welche alßdann in
      glychem grad sind, die erben glych in die haupter nach anzall der personen, sy syen von vatter
      oder muͦtter halben gesypt, das ist danmals und furauß ausserhalben obbestimpter felle,
      auch von welcher linien die guetter herriern, kain underschyd <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/361/mode/1up" n="361" xml:id="S.361"/> mee,
      sonder, welche im grad vorgeend, schlyssend die andren auß; welche glych sind, erben
      glych.</p>

          <p> Arbor consanguinitatis, der bom der sypt oder frundschaft, als in der hochgelert doctor
      Johannes Andree beschrybt, sol hie inseriert sein<note
                n="N.361.1">Im <ref
              target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 43 v">Heilbronner Statutenbuch von 1541 ist S. 43</ref>
       „der Baum der Blutsippschaft" abgebildet, doch nur nach weltlichem Recht.</note>. Und damit
      man dester baß in erkantnuß der obgmelten erbschaften kommen mog, so wollen mir hiemit den bom
      von der sybschaft oder frundschaft erclaren und anzaygen, darab ain yeder vernemen mag, in
      welcher linien und graden, wie vere und nach<note
              n="N.361.2">Fern und nah.</note> die
      personen, von dero wegen sich yederzyt der strytt haltet, ain ander verwandt und gefrundt
      sind; und zu bericht ist anfangs zu wissen, das sypschaft ist ain zugehorung oder ain band der
      personen von ainem gemainen stammen kommender aus dem geplu*ett oder leyplicher gepurdt
      entstanden, also das sypschaft wurdt im rechten gnannt des gepluets oder gepurdt ainickayt. Am
      andern ist zu vermercken, das die linea ist ain versamlung der personen von ainem gemainen
      stammen kommender, die da inhaltet die grad und staffeln und der selbigen zalen underschyd
      machend; und sind, wie oblaut, dryerlay linien: die erst ist der abstygenden oder nachkommen,
      die ander der aufstygenden oder vorfarend, die drytt der neben, zwerch oder beisytzgesypten.
      Nun ist die linien noch zwayerley: die (!) recht<note
              n="N.361.3">Im Statutenbuch von 1541
       heisst es: nach zweyerleyen der recht, was einen ganz anderen Sinn gibt.</note> als der
      aufstigenden und abgenden; der besytz oder zwerch linien ist auch zwayerlay: glych und
      ongelych; die gleych ist, wann ain person als vere von dem gemainen stamm ist als die ander,
      die unglych, wann aine verer ist von dem gemainen stam dann die ander. Am drytten ist zu
      mercken, das der grad ist ain gemerckt, dardurch zu erkennen ist, wie vere die personen in
      gesypp, fruntschaft oder magschaft ainander verwandt oder von ainander geschyden sind, wie
      dann sollichs alles in der figur des boms clarlich anzaygt wurdt. Am vierden den bom der
      syppschaft oder frundtschaft zu machen sollen wir am ersten bedencken und ansechen die zellen
      und ring der aufstygenden und vorfarenden, zum andern der abstygenden und nachkommen, zum
      drytten der neben, zwerch oder beseytsgesypten; die alle sind in yr rechenschaft anzuheben von
      der ledigen, ungenanten, abgestorbnen zell, von der die andern zellen yrn namen haben, hinauf
      als sein vatter, <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/362/mode/1up" n="362"
              xml:id="S.362"/> hinab
      als sein son und beseytzs als sein geschwisterigytt. Und ist zu mercken, das die aufstygenden
      und abgonden zellen getailt sind mitten herab und zu der rechten seytten geschryben sind die
      namen der mann, als vater, anhere etc., und zu der lincken seytten die namen der frawen, als
      muͦtter, anfrau etc., yr yetlichs mit seinen vorfarnden etc. Nun aufzusteygen so stet
      zunächst ob der selbgen unbenanten ledigen abgestorben zell die zell, darinnen beschryben stat
      vatter, mutter, und hat oben ainen rotten und unden ainen schwartzen puncten; nachst darob ist
      die zell anher und anfrow, die oben hat 2 rott und unden 2 schwartzen puncten; auf <note
              n="N.362.1">Über.</note> der selbigen ist die zell des uranhern und uranfrawen und hat oben
      dry rott und unden dry schwartzen puncten; in der obristen zell stett ururanhere oder ururani
      und die ururanfraw oder ururan und hat oben vier rott und unden vyer schwartz puncten. Nun ab
      zu gen under der ledigen unbenanten zell stet in der nachsten zell oder ring darunder sun,
      dochter und het oben ain rotten und unden ain schwartzen puncten, darunder in der anderen zell
      stet kindsson, kinddochter (als kindskind oder enckel) und hat oben zwen rott und unden zwen
      schwartz puncten; darunder in der drytten zell stett enickels son oder dochter oder urenckel,
      hat oben dry rott und unden dry schwartz puncten; in der vierden zell stet des urenckels
       son<note
              n="N.362.2">Korrigiert aus: des nifftels oder enckels kinds son; das Wort kinds
       blieb aus Versehen stehen.</note> oder dochter, ururenckel gnannt, und hat oben vier rott und
      unden vier schwartz puncten. Die zwuͦ linien, aufstigende und abgende, abzurichten, ee und
      mir kommen zu der beseytzsgesypten, ist zu vernemen, das der puncten zall bedeutt die zall und
      weyttin der grad und staffeln der sypschaft aller andern zell und personen des boms gegen der
      unbenempten zell und die oberen rotten puncten bedeuttend die rechnung und gemerck des
      gaistlichen rechtens und dienen zu erlernen, welche sypschaft eelich vermehelung zulast oder
      verhindert; dann alle die ainander gesypt sind in dem vierden grad oder näher, die mogend on
      bapstliche dispensation oder des selbgen gewalts mit ainander nit vermehelt werden. Aber die
      underen schwartzen puncten zaygend an die rechnung weltlichs rechten und dienet zu erkantniß
      der nahin und vernin<note
              n="N.362.3">Nähe und Ferne.</note>, nach der die erbfäll zeyttlichs
      guͦts zu oder abgesprochen werden. Aus dem volgt, das in der yetzbeschryben rechten linien,
      der <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/363/mode/1up" n="363"
              xml:id="S.363"/>
      aufstygenden und abgenden, die grad beyder rechten, gaistlicher und weltlicher, sich
      verglychend, also das allweg ain person der andern ain person zulegt. Und damit die selbgen
      grad aygentlichen erkent werde, sol man mercken etlich regeln. Die erst regell in der
      aufsteygenden und abgenden<note
              n="N.363.1">Linie.</note>: wievil der selbgen personen uberall
      sind, ausgenommen alain aine, zum anfang und als zum zyll, so vil grad sind zwyschen inen;
      exemplum: wie vil grad der ururanher von der ledigen ungnannten zell gescheyden sey? hinauf zu
      rechnen, so vinden wir, das der personen zwyschen innen und sy beyde darzu funf sind; so laßen
      wir die aine fallen und ungezelt, dannocht sind vier grad; deßglychen hinab zu rechnen von der
      ledigen unbenanten zell byß an den understen des encklins kinds son, ururenckel gnant, finden
      mir funf personen; da soll die ain ungezelt sein, so belybend vier grad. Wollen wir dann
      rechnen von dem obristen ururanheren byß an den understen des ururenkel, so finden mir uber
      alle mit der ledigen ungnanten zelle newn personen und sind acht grad. So aber wir kommen zu
      denen, die ainander beseytzsgesypt sind, so berechnen mir in dem figurierten bome umb kurzung
      wyllen alain die ain seytten als ain baner, dann glycher weyß würdt die ander seytten in yr
      rechenschaft auch erkant; so stet nachst an der seytten der ledigen zell die zelle des
      bruͦders oder swester, darunder zu nachst stet des brueders son oder dochter, —<note
              n="N.363.2">Hier ist ausgelassen: darnach des Bruders Sohnssohn oder Tochterssohn.</note>
      (enckel gnannt), darnach des encklins kind, urenckel, und zu letscht des encklins kindskind,
       ururenckel<note
                n="N.363.3">Zu ergänzen ist immer: des Bruders; das letztgenannte Glied ist
       übrigens nicht mehr auf dem Baum des <ref
              target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=HeilbronnStat.+1541&amp;fs=Bl. 43 v">Statutenbuchs von 1541</ref>.</note>. Der bruder ist gegen der ledigen zell im ersten grad
      nach gaistlichen rechten und im andren nach weltlichen rechten, des bruͦders son im andren
      nach gaistlichen und im drytten nach weltlichen rechten, sein enckel im drytten des
      gaistlichen und im vierden des weltlichen rechten, sein urenckel im vierden des gaistlichen
      und im funften des weltlichen rechten. Darnach nemen wir fur uns den stamen des anhern, von
      dem kompt des vatters brueder oder swester, das ist der vetter und die baß<note
              n="N.363.4">Oheim und Tante.</note>; von denselben kompt des vatters bruders oder swester kind, das ist
      des vetters oder baßen son und dochter; darnach der selbigen kinder (enckel genannt) und zu
      letscht dero urenckel. Der vetter<note
              n="N.363.5">Oheim.</note> ist gegen der ledigen zell im
      andern <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/364/mode/1up" n="364"
              xml:id="S.364"/> grad,
      des vettern son auch im andern grad, (des vetters sons kind auch im andern grad nach
      gaistlichen rechten, aber nach weltlichen rechten ist des vetters sons kind im drytten und des
      urenckel im vierden)<note
              n="N.364.1">Das Eingeklammerte sollte heissen: des vetters sons kind
       im dritten und des [d.h. des Vetters = Oheims] urenckel im vierten nach geistlichen rechten;
       aber nach weltlichen rechten ist</note> der vetter im drytten, des vetters son im vierden,
      sein son<note
              n="N.364.2">Also des Vetters (= Oheims) Enkel.</note> im funften und des
       enckel<note
              n="N.364.3">Also des Vetters (= Oheims) Urenkel.</note> im sechsten grad; und
      also sollen beyde rott und schwartzen punctierungen zu ordenlicher zall der grad nach beyden
      rechten im bam verzaychnet sein. Also mogen wir den uranheren stammen setzen, deßglychen zum
      letsten den ururanhern, und herab, wie oblaut, zelen nach den puncten rot und schwartz, wie
      dann im bom verzaychnet sein sollen zu underschyd gaistlichs und weltlichs rechten. Nun sind
      zu mercken die regeln, aus denen wir erkennen mogen die grad der selbgen, die also beseytzs
      ainander gesypt sind in gleycher lini; zum ersten nach gaistlichen rechten: die erst regell
      der beseytz gesypten, die doch in glycher linien sind: wievil und was grad ainer von dem
      oberen stammen ist, so vil grad sind die selbgen von ain ander; exemplum: wann wir setzen den
      obristen ururanhern als ain gmainen stamen der ledigen ungenanten abgestorben zell und des
      ururanhern ururenckel<note
              n="N.364.4">Es heisst unrichtig: Urenkel.</note>, die selbig ledig
      zell und das gmelt ururenckel sind zwerch in glycher linien und yr yetlicher ist von dem
      gemainen stammen im vierden grad, darumben sind sy gegen ainander auch im vierden grad. Aber
      nach weltlichen rechten ist ain andere regel, also in den beseytzs gesypten, die in glycher
      linien gegen ainander sind, wievil und was grad einer von dem obern gemainen stammen ist,
      zwyfeltig so vil sind die selbigen von ainander; deßhalben sehen wir von der obgeschryben zall
      der puncten, das die lebendig ungenante zell und des ururanhern ururenckel sind im achten grad
      von ain ander. Und geschicht der underschyd auß der ursach: dann das gaistlich recht rechnet
      die grad in erkennung, welich sypschaft verhinderung eelicher vermehelung bring, aber das
      weltlich recht umb des wyllen, das wir wyssen, welchem ain erbfall billicher zusten; wann aber
      ain ee wirdt, so gehörend zwuͦ personen darzu, also nach gaistlichen rechten machend
      zwuͦ personen ain grad aber zum erbfall ist ain person genuͦgsam, darumben <pb
              facs="https://archive.org/details/UrkundenbuchDerStadtHeilbronn3/page/365/mode/1up" n="365" xml:id="S.365"/> so
      macht in weltlichen rechten in den beseyzs gesypten ein yetlich person ain grad.</p>

          <p> Nun furbaß zu erfinden die grad der beseytzs gesippten, die in unglycher lini sind, ist das
      die ander regell und erstens nach gaistlichen rechten. Die ander regell ist die: under denen,
      die in besytzs gesyppter und in unglycher lini sind, wie vil grad die verer<note
              n="N.365.1">Die fernere</note> person von dem gemeinen stammen ist, so vil grad sind die selben personen
      von ain ander. Exemplum: wann wir setzen den oberisten ururanhern als ain gemain [stammen] der
      ledigen ungenanten abgestorben zell und des uranhern vatters son, die in unglycher lini sind,
      so erfinden mir, das die selbig ledig zell als die verer von dem gemainen stam vier grad ist;
      darumben so sind sy gegen ainander auch im vierden grad und des glychen alß abher byß zu der
      glychen linien die selben all im vierden grad sind; aber nach weltlichem rechten ist ain andre
      regell; also under den beseytzs gesypten, die in unglycher linien sind, wie vil der selbigen
      personen uberall sind, ausgenommen den stammen, so vil grad sind die selbgen personen von
      ainander; also ist die ledig ungenant zell von dem obristen stammen vier grad, von des
       uranhern<note n="N.365.2">Sollte heissen: ururanhern.</note> vatter funf grad, von des
      selbgen son oder kind sechs grad, von des selbgen kind kind (enckel gnannt) syben grad und von
      des selbgen urenckel acht grad; also macht yede person ain sondern grad. Deßhalben mecht die
      ledig zell mit kainer person des bambs sich eelich vermeheln, dann sy alle mit yr im vierden
      grad oder neher sind. Amen.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
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