In dem namen der heyligen unzerteylten driveltikayt, amen, haben wir, die burgermaister und
beyd rädtt, new und alt, des heyligen reychs stat zu Heylpronn, betracht und war genommen, das
in den stätten, communen und oberkaytten unter den menschen nichtzit nutzers und loblichers
erfunden mag werden dann handthabung gemains nutz, rechtlicher ordnung, fryds und ainekaytt
und nichtzit zerstorlichers, dann wo sollicher mangell gelaßen wurdt, darzu auch der
menigN.337.2 der gerichtzshendell, so täglich ye mer erwachsend, mit notturftiger hylff zu
begegnen und damit fryd, recht und ainigkaytt in unser stat und gepieth dester steyffer und statlicher furter gehalten, die
unschuld und gehorsame beschyrmett und die ubeltattigen und ungehorsamen nach yrm verdienen
gebessert und gestrafft werden, auch yedermann die billickaytt und
das recht gedyhen und wyderfarn mag und damit auch unser stat
gesatzs, fryhaytten, statrecht, gebrauch und alt gewontheytten, durch unser voreltern lange
zeytt hin herpracht und von kayßern und konigen confirmiert und
bestettigt, allerlay irtung (!), zwyfel, ungleych verstandt zu furkommen, in ainem
buch beschryben und in gedachtnuß an den tag gebracht und allermanglichem geoffenbart werde,
so haben wir zuvor dem almechtigen got, seiner werde muͦtter, der hymelkonigin Marien,
allem hymelschlichen here zu breyß, er, lob und pracht umb gemains
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wolfart und notturft willen, darauff dann unser fursorg stett, auch allen unsern burgern,
einwonern unser stat und gepietten, auch auswendigen und frembden,
und sonderlich, so vor uns oder unserm statgericht zu rechten oder sonst zu handlen haben, zu
guͦtt und furdrung mit hohem fleys, zeyttiger betrachtung und hylff der rechtgelerten
crafft gemains geschryben kayserlichen rechten, zulassung kayßerlicher und koniglicher
fryheydtt, damit wir begabt, auch gwalts unserer oberkayt und regiments, jus magistratus im rechten zu latein gnannt, dise nachvolgend reformation und ordnung furgenommen und unser statrecht, gesazt ordnungen, statuten, pollicyen, alt herkommen und guͦtt gewonheytten
der gemainen kayserlichen rechten, so vil sich das nach unser stat Heylpronn gelegenheytten, herkommen und leuffen hat erlyden mogen, nachfolgender
weyß in ain buͦch oder volumen beschreyben und zusamenbringen laßen. Und wollen auch, das
nun furohin sollich reformation, ordnung und statuten allen unsern
burgern, burgerin und einwonern diser stat, auch in allen unsern
gepietten und oberkayten und von allermenglichen haymischen und frembden, so vor uns oder in unser gerichten zu
rechtfertigen und zu handeln haben, es sye in oder ausserhalb rechtens, volzogen und gehalten
werden sollen, was aber fur handel wern, die hievor durch gerichtlich ubung oder ausserhalb
rechtens erwunden, gestylt, geendet, vertragen oder angenommen
weren, in yrem stand und weßen also geendet und hingelegt belyben
sollen, ob es schon nit lautt diser unser reformation ergangen were; desglychen wollen mir den
ihenen, so yetzund in rechtvertigung und hangenden rechten gegen ainander steend, hiemit auch
nichzit gegeben noch benommen haben; was aber hinfuro nach offenbarung diser unser ordnung und reformation
gehandelt und angenommen soll werden, das alls soll geschehen laut
diser unser ordnung reformation satzung und gesetzen, wie nach
geschryben stat, doch vorbehaltlich, ob yetzund oder hernach uber kurtz
oder lang in der bemelten unser ordnung, reformation oder
satzungen etwas geprechen, irtung (!) unglycher verstand oder tuncklinN.338.1 einfielle und begebe, die selbgen zu
erfullen, zu bessern, zu ercleren, auch zu endren, zu ernüwern, zu meren, zu mindern oder
genzlich abzuthon und anders zu machen, alles nach gelegenheytt der leuff der zeyt und uns
oder unsern nachkommen hiemit in allweg vorbehalten haben on all geverdt. Amen.
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So die eltern yr kinder verheyratten oder sonst personen, were sy wern, hie zu Heylpronn
und unsern gepietten in eelichen stand tretten, vermehelten und zusammen kommen und zwischen
innen genuͦgsam verschrybung, heyratbrieff, pact und geding,
dotalia instrumenta genant, aufgericht und
gemacht sind, darbey soll es also on verer eintrag belyben, es were dan sach, das
solliche gemacht und heyrats beredung so ungemeß und unleydenlich were, so soll die tax und
messigung, wie von alter here, zu uns, dem radt, als ordenlicher oberkayt steen. Ob
aber alain ain heyratt zwyschen eeluten durch erber leutt abgered und
beslossen und were doch sollich berednuß nit mit notturftiger verschrybung begryffen
noch aufgericht, wo dann sollicher heyratt, abred oder berednuß
der maßen ergangen sein durch erber redlich leutt mit lebendiger stym und
kundtschaft zu recht gnug bewysen mag werden, soll es abermals dabey belyben on
widerred, doch abermals uns, wie oblaut, die messigung in allweg vorbehalten. Wo aber nit
verschryben heyratt oder dero beredung durch ware kundtschaft bewyssen oder darbracht mag
werden, so sollen dieselbigen personen, so also in eelichen standt getretten, nach unserer
stat recht in eelichen stand zusammenkommen seyn, bey ainander zu sytzen und zu wonen
verstanden und dann nachvolgender weyß gehalten werden und also.
So zway eegemacht nunmer in eelichen stand dermassen on verschrybungen
und beredungen zusammen kommen, zu kyrchen und strassen
gangen und sy die eelich deck beslagen hatt und get dan
derselbigen personen aine, welche die ist, in jarsfrist on eelich leyberben von ir beyder
leyb geporn mit tode abe, so soll dann die uberlebendig person den halben teyll aller
zubrachten und syderN.339.1 ererbten hab und
guetter, liegend und farends, nichzt ausgenommen, von stund an nach dem dryssigsten wyderumb hinder sich an die abgestorben frundtschaft fallen
[lassen] und der ander halb teyll an farender hab soll der uberlebendigen person aygentlich
belyben; was aber lygender gutter, jarlicher gulten, verunderpfand schulden weren, soll sy
alain yrn beysitz und usufructum haben und nach yrm absterben
hinder sich an der vorgestorben person nechst erben, so ye zu zytten sein werden, wyderumb
fallen.
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Wo aber derselbgen person aine erst nach ausgang des jars von der andern on eelich
leybserben von yr beyder leyb geporn mit tod abgieng, so soll dann die selbig uberlebend
person die gestorben person an aller farenden hab auch gewonnen und errungen guttern erben,
die yr aygentlich belyben sollen, und by den ligenden guttern, gultbrieffen und verpfandten
schulden, die von der abgangen person dar oder herzu bracht sind oder von yrer zubrachten
heyrats oder ererbten barschaft erkaufft weren worden, yr leben lang ain beysitz und usufructum haben und ruwigklichen belyben sytzen on
allermenglichs verhindern; dieselbigen ligenden gutter und gultbrieff und verpfandt schulden
sollen dann nach der überlebendigen persone tod wyder hindersich an der ersten abgestorben
person nachsten erben, so zu der selbigen zeyt in leben sein werden, fallen. Es soll auch die
uberlebendig persone in disem und volgentem fall der selbigen gutter noch gulten kains weder versetzen noch verkauffen, es erscheinte dann zuvor solliche
eehaft und nott, die von uns, dem radt, oder unserm statgericht fur gnügsam erkennt mocht
werden in fallen, wie dann die recht zugeben und vermugen, sunder zu wyderfall laßen
onverendert ligen auch die in guͦtten ern und baw halten, desglychen die gulten, was
abglest wurdt, mit kundtschaft wyderumb anlegen, auch umb die verpfandten schulden, die sy
empfieng, burgschaft und erstattung thon, damit sy, so es zum fall
kompt, wyderumb erfunden wurde. Und wo also widerfallige guetter und die zu wyderfall ligend,
wie oblaut, verhanden sind, so sollen die inhaber der wyderfalligen guetter und die, so des
wyderfalls derzeytt vermeinent wartig zu sein, fur gericht zu der stat buch kommen,
dieselbigen wyderfalligen guetter einschryben und verzeichnen laßen, damit nach tod und abgang der persone die rechten erben, so zu derselben zyt im
leben sein werden, des wyderfalls wyssen zu gewartten; doch so soll sollich einschreyben
niemantzs an seinem rechten kain schaden noch verletzung gepern.
Was zway eelich gemacht durch yr geschicklicheyt, fleys und
arbeytt mit gsampter hand in stender ee mit ainander gewonnen und erungen betten, es
were ligends oder farends, und yr ains sturb also on eelich
leyberben von yr beyder lyb geporn von dem andern ab, solche erungne und
gewonne guetter, so vere sonst kain ander gmacht oder
gschrifft verhanden, sollen nach unser stat alt herkomen der uberlebendigen person
aygentlich sein und belyben, die mag darmit thon und laßen nach yrm wyllen und gefallen. Were
aber sach, das under zwayen eelutten ains vorm andren mit
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vergieng und verließ die gestorben der lebendigen eeliche kinder von yr beyder leyb geborn
hynder yr, es were ains oder mere, so sol und mag die uberlebendig person by kindern und
guͦtt als ain recht und woltunde person, diewyll sy im wyttib stand belybt, ruwigklichen
sytzen, die kinder erberlich und zimlich ernern, aufzyhen zu
zucht, lerung, handtwercken oder andrem, darzu sy geschickt irs stands, anhalten und, so sy
zu yrn tagen kommen, in geistlichen oder weltlichen stand mit
seinem gepurenden angehorigen teyll oder porcion von der
abgestorben person verlassen hab und guetter oder, wo es des nit enhette (!), sonst nach
gelegenheyt der guetter und radt der freund zimlich ausstewern, darzu furdern und seins
vermogens nit hindern und, wo irtung hierin entstiend und einfiell, soll die erclerung und messigung abermals in allweg bey uns, dem rat, als der
oberkait steen. Ob sich aber die selbig uberlebendig person wyderumb verheyratten oder in
gaystlich oder weltlich stand verendern wolt, das zu yrm fryen
wyllen steet, so vere dann die abgestorben person so statlich geweßen und etwas hab oder
guetter, darvon die kinder enthalten mochten werden, hinder yr verlaßen hett, so mag die
uberlebendig person, doch mit unser bewylligung, zugeben und
erkentnis, zyhen und nemen yr zupracht und ererbte guetter
und was von yr linien herkompt, darzu zimliche klayder, klainet,
geschmuck, gebend und was ongvarlich zu yrm leyb gehordt und darzu von der
abgestorben person verlassen hab und guetter zu er und gunst
eelichs stands, so vere der kinder uber zway seind, ainen glychen kindsteyll, wo ir aber zway
und darunder, ainen dryttall nemmen und zyhen und damit hindan sein, doch den kinden, so es
zum fall kompt an der uberlebendigen person, es sy uber kurtz oder
lang, an irer erblichen gerechtkayt und zugang in allweg onvorgryffen und onnachtylig; und alles anders, so die gestorben person verlaßen,
soll den kindern oder yren verordnetten formundern zugestelt werden on wyderred und soll
darnach bey ains radts erkantnuß sten, ob die kind bey vatter oder mutter belyben oder durch
die formunder sonst versehen sollen werden oder nit. Und ob ain sollich person in der andern
ee mit seinem nachnehmenden eegemahl noch kinder uberkem, also das stieffkinder vorhanden
weren, soll es auch der weyß ghalten werden wie oblaut, damit kain kind siner vatterlichen
oder muetterlichen hylff, narung, zucht, aussturung und erbs entwerdt sonder in allweg seiner
erblichen gerechtkayt gewartig und, so es zu yedem fall kompt, seinen zugang haben meg. Und
so also die uberlebendig
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wyderumb, wie obstet, in die andren ee tritt, so soll sy dem selbigen yrm andern eegemahel
nit mer zu vermachen macht haben, dann so vil und ain kindsteyll der ersten ee erraycht, und
was daruber were, so sol es von unwurden sein und aberkant werden, damit die kinder erster ee
yrs legittima und naturlichen anteyls von rechten zugehorende nit
entsetzet werden. Doch ob ain person nach absterben yrs eelichen gemahels, die sich wyderumb,
wie oblaut, zu verendern wyllens, mit den verlaßen kinden in obgemeltem fall alle hab und
guetter, die yrn und der abgestorben, durch den banck hinweg glych abteylen wolt, da anders
zimliche hab und guetter verhanden sind, soll zu unserer erkantnuß steen, und wo sollichs
durch uns zugelassen, so mag sich dann die selbig vertaylt person mit seinem teyll, der im
aygentlich zusten soll, in die ander ee onverhindert der kinder erster ee wyderumb
verheyratten und denselben seinen teyll dem andern gemahell gar oder zum
teyll
vermachen, gyfften oder verschaffen; doch was onverschafft und unvermacht belyb oder der ander eegemahel aber zuvor mit tod
vergieng (also das sich der fall begeb, das sollich hab und guett fry wyderumb zu der
bemelten person kemen), den kindern daran an yrem erlichen (!) zugang onbenommen; was auch ye
zu zeytten zimlicher rychtung und verträg, so durch erber leutt,
wie offt byßhere zwyschen den partheyen beschehen, hierinnen aufgericht werden, so vere sy
sonst stand im rechten tragen, wollen wir auch nit wyder sein doch wollen wir uns in disen
fallen unser oberkaytt, die zu deklariern, messigen und zu erclarn, in allweg vorbehalten
haben. Ob aber ain eegemacht vor dem andern absturb und verließ kinder hinder ime und sein
guͦtzs nichtzit oder so wenig, das die kinder nit mochten fuglich damit enthalten werden,
so mag ain radt, so vere es im gefallig ist, derselbgen uberlebendigen person kind und
guͦtt bey ainander laßen; danN.342.1) nemmen
billicher die kinder in dem fall anders dann yr eltern alß vatter und mutter altvatter und
altmutter neren und zyhen sollen; doch ob etwas hab und gutlin verhanden, es were wievill es wolt, wellen wir dannoch
formunder darzu verordnen, die ain getrüw aufmercken darzu haben sollen on geverd. So aber
die uberlebendig person arm geweßen und der abgestorben nichzit zugebracht hat, soll sy in
disem fall in allweg, doch mit obgemeltem underschid, so wie der kinder zwen oder darunder
sind, von der abgestorben person verlaßen hab und guettern
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kindsteyll zesampt kleyder, klainett, geschmuck, gebend und was
ungevarlich zu yrm leyb gehordt zyhen und nemmen. Es sollen auch
zu volstreckung sollicher abtaylungen, wie oblaut, auch hernach in andern erbfallen, die
personen, so inheber der guetter sind, glawblich alles, das in die taylung gehördt, erfür
legen und anzaygen bey truw und glawben und ganz nichzit hieher
geherende verhalten und, wa die wyderteyll sollichs begerten und nit erlaßen wolten oder uns
not sein geduchte oder erkant wurde, darumben zu got und den heylgen schweren sollen; und ist
das der ayd nach gemainen rechten. Die form des aydes: Ich N. schwere, das ich alle und yede
hab und guetter, ligends und farends, gesuchts und ungesuchts,
ob und under erd, nichzitt ausgenommen, in gemain teylung
gehorig, getruwlich furbracht und anzaygt und geverlich nichzit verhalten oder verschwygen
hab; und ob ich noch etwas mer erfunde oder bedechte, das auch zu teylen sich gepürte, wyll
ich auch melden und schaffen getaylt werden getruwlich und on alle geverd, als mir got helff
und die heyligen. Wir wollen ordnen und setzen in austeurung der
kinder, ob emans ain kind velliger dan das ander aussteuerte, das man dan, in ansechung und
ain kind gegen seinen eltern verdienter dann das ander ist, vom rechten thon mag, so soll
doch sollichs zimlich geschechen und kain geverdt gebracht, damit, wan es zum fall kompt, das
die andern auch umb so vil oder zum wenigsten yrs legitima verglychen mogen werden; es sollen
auch die selbigen kinder, so also, wie oblaut, mer empfangen, so es zu erben kompt, so vere
sy anders erben wollen, antweders einwerffen oder byß zu der andern verglychung styllsten;
dan wo sollichs mit der unmaß gescheche, soll die messigung in allweg zu uns, dem radt, als
der oberkayt sten. Wir wollen auch, das nemands, were der were, die hab und guetter, darauff
er seinen gemahell verwydembt, predia dotalia gnannt, oder
seine kinder vatterlichs oder mutterliche erbs oder ainer andern erblichen gerechtkayt
verwysen hett, on der egemahell oder der kinder oder derselben formunder oder anderer frundt,
die ein interesse habend, wyssen und bewilligung nit zu
verkauffen, zu versetzen noch in andren weg zu verendern macht haben sollen; und were das
thet, soll kain craft haben, es were dann sach, das ainer die selbgen mit so statlichen
guettern, als die vorigen geweßen, wyderumb hersetzte und sollichs durch uns oder unser stat
gericht oder unser geschworen feldbeseher, so ye zu zeytten darzu verordnett werden, fur
gnugsam erkant werde. Were es dann sach, das eeleutt kind
| Seite 344| mit
ainander hetten und gieng dann der lebendigen eegmacht ains tods ab, welches das were, und
sturbe dann der selbgen kinder ains oder mer, die eygen gu*ett verlassen, so sollen die
selbgen lebendigen person, es sey vatter oder mutter, mitsampt den andern lebendigen kindern,
den geschwistrigitten, das oder die gestorben kinder nach satzung gemainer kayserlicher recht
mit ainander zu gleychen teyln erben, es were dann, das in heyrats brieffen, testamenten und
ander geschefften anders hierinnen geordnett were; doch wa sich strytt hierinnen begeben,
soll zu unser erklerung oder erkantnuß sten. Und damit der eeliche stand als ain sacrament
der cristenlich kyrchen nit onloblich sonder mit erlichem und bestandigem eingang und anfang
gezyrdt werde, so orden und setzen wir hemit, das nemands alhie zu Heylpronn, weder frembds
noch haymischs, kainer sein kind oder frundt on wyssen seiner eltern oder formunder verkuppeln, hingeben noch verendren soll; und were das thet und
uberfure, den wyll der radt darumben straffen nach seiner ubertrettung. Were aber umb das
ander werben oder nach im zu den ern stellen welt, der soll es aufrecht mit glimpf und und
[sic] redlich an der selbigen kinder eltern als an vatter und mutter oder, ob es deren nit
hett, sonst an sein nechsten frundt oder formynder langen laßen und also mit erbern zuchten
werben; und wer darwyder geverlichayt, lust oder behendigkeyt
suͦchte oder brauchte, den wollen wir darumben nach gelegenheyt der sach straffen. Wir
orden und satzen auch, wo zway eegemacht mit besampter handt
schulden machen, sy syen verbriefft oder sonst redlich schulden,
und get der selbigen personen aine mit tod ab oder die glaubiger wollen sonst in yr beyder
leben nit lenger styl sten noch der bezalung geratten oder wurdt innen nach unser stat recht
zu gesloßen oder sonst gepfendt, so sollen an die selbigen schulden anfangs geben werden
alle barschaft und farende hab, als vere die geraychen mogen,
ausgenommen beyder eegmacht zimliche klayder, kleinet und gebend,
was also ungeverlich zu yrm leyb gehordt (dero messigung zu unser oder unsers statgerichts
erkentnuß sten soll), und darnach gewonne und erungne guetter, die
sy bey ainander gewonnen haben; und wo dann daran bruch wurde, das die schulden nit bezalt
mochten werden, so soll man dann greyffen zu irn ligenden guettern, die dann von beyden
personen herkommen sind, und von ainem teyll als vil als von dem andren, und was dann der
selbgen guetter uberlybtenN.344.1, die sollen alsdann yedem
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zum fall ligen ongeverlich, es were dann durch heyrats brieff, testament
und ander rechtlich verschrybungen anders versechen, darbey, so vere die schuldner
bezalt, man es auch belyben mag lassen ongeverlich, doch uns unser oberkaytt hierin in allweg
vorbehalten. Zu auffenthalt dem eelichen wesen auch allerlay unordenlich keuff, so zu zytten
hinder dem wein unbedachtlich und on vorradt
N.345.1 beschehen, die selbgen zu furkommen, orden und setzen wir aus
bewegenden ursachen, das von kainem egmacht der weyß furohin ligende guͦtter kaufft oder
verkaufft sollen werden, dann mit des andren seines eegemahels wyssen und
wyllen; wo sich aber ain eegemahell auß ungegrundten ursachen dar wyder satzte und
spenig wurden, wie dann wir sy darumben entscheyden, dar bey soll er (!) belyben: wo aber
ainer sich seiner hausfrau zu machtigen unterstiend und sich daruber die fraw den kauff zu
halten sperte und nit haben welt, den wollen mir umb sein verklaynung und
selbs verachtung und spott nach gelegenheyt darumben straffen; darnach wyß sich ain
yeder zu richten.
Nach dem die kayserlichen recht von dryerlay formundschaft meldung thund, etlich legyttim, die nachgesypten und angebornen, die ander testamentarii, die zu testamenten und letsten
wyllen gesatzt werden, die dritten dattivi, als die von
der oberkaytt gegeben werdend, und wiewoll die zwuͦ ersten formundschaften in unser stat
byßhere nit in sonder genger ubung noch brauch geweßen, noch
dannoch, wo ain hawsvatter seinen kindern in ainem testament oder letsten
wyllen taugenlich personen zu formundern ernante oder verordnette, wo sy dann uns
nachvolgens anzaygt und durch uns geschickt und nutz angesehen und also von uns confirmiert
wurden, ließen mirs auch belyben.
Zum andern, nachdem ain yeder vatter nach satzung kayserlicher rechten von wegen vätterlicher gewaltsam, zu latin patria
potestas genannt, seiner naturlichen und eelichen kinder, es sye sone oder dochtern, muetterlicher und anderer geerbter hab und guetter die verwaltung und administration in und ausserhalb rechtens hatt (doch die
selbgen den kind zu nachteyll nit zu verendern), dieweyll dann der vatter zu sollicher
verwaltung dapfers stands, herkommens, vernunft und wesens halben geschickt were, mogen wir in
seiner kinder vormunder woll belyben laßen, es were dann sach, das der
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nachst frundschaft durch gruntlich einred wyderfachten und ander formunder oder im imands zu
formundern zuzugeben an uns begerten und deßhalben irtung und
unainigkayt hierin zwyschen den frunden enstiend, soll zu unserer erkantnuß und erclarung sten. Am drytten werdend die formunder
oder pfleger, die weyll die kinder sone unter 14 jaren und dochterlin under 12 jaren
sind, tutores genempt, darnach hinauß byß zu 25 jarn curatores; und wo die jungen pflegkinder in irtung und unainkayt mit yrn formundern kommen und villicht in rechtvertigung mit in
sten muesten, wellen wir inen auf yr oder yr freundtschaft ansuchen ainen oder mer vogt zum
rechten, als lang die rechtvertigung werett, zuordnen, und erfend sich als dann, das der oder
die formunder den kinden nit nutz oder arckwenig weren, so stet in unser macht, die selbigen
laßen zu ruͦwen und ander zu setzen, des wir uns in allen fellen vorbehalten haben wellen.
Am vierden wo kinder in unser stat sind, die formunder notturftig weren, sollen der selbgen
kinder nachst frundt fur uns in unsern radt kommen und denselbgen formunder begeren, mogen
auch dar bey etlich personen zu formundern anzaygen, wellen wir inen die selbigen oder ander
gelegen personen zu formundern bestatten (!) und confirmiren. Die selbgen, so also zu
formundern angnommen werdend, sollen die nachvolgenden drey ding zu thon schuldig sein. Am
ersten, das die formunder die kinder, denen sie also gesatzt, die formunderschafft nach unserm
befelch und erkantnuß mit allem fleis annemen und versehen. Am
andern, das sy glawbwirdig inventarien machen, der kinder hab und guetter aygentlich zu
beschryben, auch rechnung, wie nachvolgend, zu thon etc. Am drytten der formunder pflicht, wie
nachvolgt, zu thon; die pflicht der formunder, so von unß verordnet und ain yeder formunder
thon soll: Ain formunder soll an ayds stat globen, das er der jungen seiner pflegkinder
person, hab und guetter getruwlich versehe und bewarn nach seinem verstand, yrn nutz und frommen furdern und schaden verhuetten, die ligenden guetter zu
schaden den kindern nit vergen laßen sonder in zimlichem weßen behalten, derer kinder leyb, hab und guetter in und ausserhalb rechtens auf yr der kinder
kosten und schaden zu versen, verantworten und beschyrmen, wo das nott sein wurdt, der kind
hab und guetter getruwlich laßen beschryben und inventiern und zu
gepirlichen zytten und sonderlich, wan er des von der oberkaytt oder sonst ervordert wurdt,
rechnung, red und antwurt darumben geben und sonst, was ainem
formunder herin zu thon
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gepurdt, handlen, alles ungevarlich. Wir haben auch herauff etlich unser radtfrundt sollich
rechnung von den formundern zu empfahen verordnett, die auch darzu globt und zu den heylgen
geschworn haben, sollich rechnung ordenlich zu nemen lautt der recess in ainem sondern buch
der formunderschaft begryffen, das wir hierumben verordnett haben etc. Formunderschaft,
dieweyll sy nach satzung der recht den priestern verboten, lassens wir auch darbey belyben;
und wiewoll frawsbylder, so vere sy sich yr fryheyt im rechten, ad
Velleyanum genant, verzygen, mochten auch formunderschaft tragen, aber diewyll es byß
her der brauch in unser stat nit geweßen, lassends wir auch darby beruͦwen, doch wollen wir
den frowen, die nach absterben yrer eelichen hawßwirtt zu wyttib stand als wolthond recht
personen by hab und guͦtt mogen belyben sytzen, wie oben im ersten buch lautet, hiemit
nichzit benommen haben. Curatores und pfleger soll man und mag man
auch vom rechten geben und verordnen unsynnigen, hawptkrancken, dawben,
stummen, unvernunftigen und denen, die yr guett unnutzlich und
yppigklich
verthond, verspylen, verbrassen, verschlemmen oder verschwenden und
der administration (der verwaltung) yr guetter nach nutz nit vorsein kunden, ob sy schon uber
25 jar alt sind. Wir wollen auch ordnen und setzen, welcher also von uns zu formunder, pfleger tutor oder curator oder vogt
zum rechten erwelt, geordnet und gesezt wurdt, der solle sollich
formunderschaft und pfleg oder vogtey tugentlichN.347.1 annemmen und sich mit nichten wydern oder
sperren, es were dann sach, das er so treffenlich ursachen hette und die selbigen vor
uns anzaygte und wir erkennen mochten, das die selbgen ursachen so statlich weren, das er
sollicher formunderschaft zu erlaßen were, so solt er entschuldig sein, sonst nit. Und so sich
nun die formunderschaft durch alter oder durch verenderung der jungen in eelichen stand oder
sonst endett, sollen die formunder alßdann volkommen erber wyderrechnung thon und sollen die
jungen die formunder mit sampt yrn eelichen gemaheln, ob sy der hetten, oder were sy der
formunderschaft zu erlassen hat, erberlich und nach notturft quittieren.
Ursach entschuldigung der formunderschaft: So sind auch etlich ursachen, die ainen von der
burdin der formunderschaft entschuldigen und entheben mogen;
anfangs die offne ampter haben als administratores fisci oder
sonst hoch gewält; am andern die umb gemains nutz wyllen in krieg oder ander geschefften
reipublice außgesandt sind; am drytten der da für sich selber mit
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jungen, deren formunder er sein solt, händl hat, darumben er in rechtvertigung sten muͦß;
am vierden armutt; am fünften wirige kranckheyt; am sechten (!) all unwyssend, ainfeltig und unvernunftig personen; am sybenden wo hawpt findschaft
zwyschen den jungen und dem, der der formunder sein solt, were; am achtenden so ainer uber die
sybenzig jar alt ist; zum newnden die doctores, die artzett, magistri, rethorici,
schultmaister (!) und der glychen personen, die der kunst und lerung yr facultatem abzulegen
schuldig sind; zum zehenden wa ainer ain verschwender und verthoner
oder sonst suspect und argkwenig were, mag davon thon werden; und
sonst was ursachen einfyelen oder erschynen, dardurch wir erkennen mochten, das die personen
untaugenlich zu formunder zu setzen weren; doch soll sollichs alles zu unserer erkantnus und erclerung sten.
Welcher burger, einwoner oder ain ander, der unser stat recht, oberkaytt und ordneng (!)
underworffen, ain testament, codicill oder ain ordnung seins letsten
wyllens machen wyll, der soll das nachvolgender weyß thon. Anfangs dieweyll die recht
vermutten, das kain actus oder handl glawbwirdig sein mog, dann
der vor seiner ordenlichen oberkaytt vollendet und volstreckt
wurdt, demnach so ordnen und sezen wir, das ain yeder sein testament,
codicill oder letsten wyllen vor uns in unserm radt als der oberkaytt oder vor unserm
statgericht offen machen und verfast in schryfft einlegen mit begere in zu verlessen und, so
er verleßen wurdt, so soll er oder ain yeder offen sagen und
bekennen, das sollichs sein letster wyll sein, mit begere im den aufzurichten,
namlich glawblich schein und briefflich urkundt darumben in
gewonlicher form, doch auf ains yeden selbs costen, under unser stat secret insigell zu
geben, das wir dann, so vere es ordenlich geschicht, der warheyt zu guͦtt zu thon urbyttig
sein werden, mag auch darzu unsers radts und gerichts geschwurn notari umb underschrybung
auch ervordern und bytten, die es dann also yrs ampts halben zu
thon auch schuldig sein sollen, des auch schultheys und die richter, so yeder zeytt an unserm
statgericht sytzen werden, in der gleychen geschefften und
gemachten auch thon werden, doch dem gericht an seiner alten gerechtkayt (!) und
herkommen in allweg onvergryffen, welches vor allen dingen auch darglegt werden soll. Und
solliche testament, codicill, geschafft und letst wyllen vor uns
als der oberkaytt oder
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statgericht, wie oblaut, gemacht bedorffen kainer verenN.349.1 solemnitett noch gezeugen auch kainer andren publication noch insinuation, ist auch nit nott ymands anderm darzu zu verkunden. Am
andern wo aber emands sein testament, codicill, geschafft und letsten
wyllen vor uns alls der oberkaytt oder unserm statgericht aufzurichten ungelegen, so
mag er das vor glawbwirdigen notarien und stathafften gezeugen, wie dan sollichs die
kayserlichen recht vermogen und der brauch byßhere im heylgen reych geweßen und noch ist,
thon, aufrichten und vollenden. Und wer also ain testament und letsten wyllen zu machen fuernympt, der soll das thon vor
ainem notary und syben zeugen; wo er aber kain notarien gehaben mocht, soll er allweg fur die
person des notarien zwuͦ ander personen nemmen. Und were dan weltN.349.2, das sein testament becreftigt und stand im rechten hab, der soll ainen oder
mer erben darinnen benennen, instituirn und ordnen; dann testament
on satzung ains oder merer gemainer erben im rechten kain crafft hat, dieweyll institutio heredis, satzung des erben,
ain fundament und ain wesenlich hawptstuck ains testaments ist. Aber in codicillen, darinnen
man alain legatten und sonderlich ding verschafft, ist nit von notten satzung ains gemainen
erben sonder alain austeylung der legatten und zu becrafftigung der codicill ist genug an
fünff zeugen nach auswysung der recht. Doch wollen und setzen wir, das die testament, ordnungen oder letsten wyllen, do ain vatter seinen kinden
allein on einzyhung frembder personen oder da ainich person zu auffenthaltung unserer stat an
yrn gebauwen, muren, graben, thurnen, brucken, weg, steg oder dem
gemainen nutz unserer stat fisco (in die rechenstuben genannt) etwas verschaffte, deßgleychen
an gotzgaben, armen oder gaistlichen leutten, ellendherbergen, spyttallen und der glychen,
(ad pias causas genannt) etwas gebe, sazte
oder vermachte, die sollen crafft und macht haben, ob schon nit mer dann zwen oder
drey zeugen darby wern, wie dann das recht solchs zugybt; sonst sollen obgemelte wesenliche
formen des testaments gehalten werden. Es soll auch ain yedes testament
oder letster wyll zu ainem mall onunderlaßlich und nit zu getaylter zeytt oder
underschayden tagen gemacht werden. Deßgleychen mogen auch die ubergaben von tods wegen vor uns als der oberkaytt oder unserm statgericht oder vor
notari und dreyen oder vier zeugen gemacht werden.
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Ain testament oder letster wyll, darinnen der kinder ains oder
mer nit bedacht sonder ubersehen, furgangen oder on ursach enterbt
weren, istN.350.1
von nichten und oncrefftig, ob schon glych die andren kinde,
gemayner nutz, kyrchen, spyttal oder der glychen erben gesazt weren; darumben von notten ist,
das der vatter sein kinder alle zu erben setze oder aus nachvolgenden ursachen enterben und
furgen moge. Am andern ist ain testament untaugenlich, da kain erb innen gesatzt, benempt und instituiert ist. Am drytten ist das testament untaugenlich,
darinnen kinder in das, so nit in weßen ist, eingesezt weren worden. Am vierden ist das
testament nichtig per nativitatem posthumi, so nach absterben
des testators sein nachglaßen wyttfrow ain kind oder mer (die sy von dem selbgen yrm eemann
empfangen) gepere, dar von doch der mann nit wyssens gehapt, auch des im testament nit
gedacht hette; sollich testament crafftlos ist; dann deßhalben von nötten ist, das der
testator seine nachgebornen kinde auch zu erben mach und setze. Am funfften als nach den
kayserlichen satzungen nichzig fryers ist dann ordnung und geschafft des
letsten wyllens, daran man niemands, dem des vom rechten nit verbotten und zu thon
macht hat, verhindern soll, dann auch ain yeder, dieweyll er lebt und brauchung seiner
vernunfft hatt, er sey gesundts oder krancks leybs, woll ordnen mag, und were ainen sollichen
daran verhindert, hette sein erbliche gerechtkaytt, ob im die sunst ausserhalb testaments ab
intestato zustiend, verfallen; also herwyderumb, wo iemans zu testament
und letsten wyllen zu machen gezwungen oder durch trawungN.350.2 dahin gebracht wurdt sollich testament und letsten wyllen auß traw, forcht oder gezwangknuß zu machen, ist nichtig und von unwyrdin. Am sechsten wo in ainem testament den kindern mynder dann
yr gepurender teyll, legittima genannt, gesatzt wurde, die
selbgen kinder mogen clagen wider das testament umb erstattung yrs legittima oder gepurenden
teyls; und ist der gepurd (!) N.350.3 teyll, legittima vom
rechten genannt, der: wann der kinder sind viere oder darunder, so ist yr legittima von der
gestorben aller verlaßen hab und gutter der dryttall, sind aber der kinder uber viere, ist
legittima der halb teyll aller verlaßen hab und gutter, der in von natur zugehorett und kains
wegs entsetzt mogen werden, es seye durch testament,
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ubergab, gemacht oder was tittell es were. Am sybenden der im den tod selber thuͦtt, des
testament ist ab und von unwyrden.
Nach gemainen kayserlichen rechten sind vil velle, darinnen aus ursachen die eelichen und
leyblichen kinder mogen yrer vatterlichen und muetterlichen erbfalle durch testament und geschafft
entsetzt und enterbt worden, doch das sollich enterbung und
ursach, warumben es gescheche, in testament oder geschafft namlich
bestympt werde und die so offenbare sye, das auch nach abgange der eltern solliche bestympte
ursachen durch des abgegangen gemachte erben auf die selbigen enterbten kinder, ob sy der in
abred sein werden, bewysen mogen werden. Anfangs so die kinde frevel handt oder gwalt an yr
eltern legen. Am andern so die kinder schwere unersame schmach und unrechte und freveliche wortt und iniury an yr eltern legen oder gegen innen
furnemen. Am drytten so die kinder yr eltern vor gericht oder der oberkeytt umb peinlich
sachen beschuldigen und anclagen, es were dann sach, das sy
schwere verhandlung oder schmechung wyder den romischen kayser, konig oder ainen gemainen
radt diser stat oder ganz gemaind, nutz und weßen diser stat, crimen
lese maiestatis oder ketzerey, sedition, aufgeleff
antreff, furgenommen hetten. Am vierden so die kinder mit gyfft oder in ander weys das leben
yr eltern zu verderben understend. Am funften so ain kind sein stieffmutter, seines lyplichen
vatters eeliche hausfrau, sich zu vermyschen oder zu beschlaffen verstanden hette. Am
sechsten so die sone sich nit wollen verpflichten noch burg werden fur yr eltern, so die in
unzimlicher gefancknuß begryffen sind, wiewoll diser fall die dochtern nit berürt, alain die
sone. Am sybenden so die kinder verhindern yre eltern gepurlich testament
oder geschafft zu machen; und so die eltern yr testament und geschafft thuͦn, so
mogen sy die selbgen kinder diser ursach halben in sollichen yrn geschafften enterben. Am
achtenden wo ain kind das ubell wyder die natur begangen hette, mag enterbt werden. Am
newnden, wo ain dochter ain unrain, leuchtvertig, unkuschs leben und
weßen gieng und sonder, so der vatter sy zu eelichem stand, ee und sy 25 jar alt
worden, bestatten hat wollen. Am zehnden so die kinder vatter und mutter notturftige narung und artzney mitzutaylen versagen, wegern und
versaumen und wann dieselbigen kinder durch ander frembd leutt yrn eltern sollich
narung, artzney und notturft mitzutaylen rechtlich ersucht
| Seite 352| werden
und es verachten und die frembden helffen inN.352.1, so sollen
dieselben frembden personen an stat der ungetruwen kindern die selbigen eltern erben, denen
auch sollicher erbfall vervolgen soll. Am aylften wa vatter und mutter cristen weren und die
kinder ketzer weren oder in ketzerey vielen.
Wan ainer ain dunckel oder unverstandig testament gemacht hett oder nachvolgend ain
unverstand darein fiell an ainem oder mer ortten, das mag der selbig testator vor zwayen
erbern gezeugen darnach bessern und erclaren, aber gar ab mag ers
on die solemnitett darzu geherend, wie nachvolgt, nit thon.
Ain yetlich testament, letster wyll, geschafft oder gemacht
soll und mag geenndert und wyderruffen werden mit der
bescheydenheyt, als es gemacht ist. So mag auch ain testament durch ain anders nachvolgend,
das auch ordenlich und wie recht ist gmacht, wyderrufft werden. Wir wollen auch setzen und
ordnen, das ain yeder testator oder testatorin mag sein testament und letsten wyllen, ob er schon das selbig vor uns als der
oberkaytt publiciert, ereffnet und insinuiert hett, wan in
verlust, wyderueffen on verhinderung und einred manigklichs.
Ainer jeden person under 14 jarn alt ist verbotten testament zu machen, codicillirn noch
ubergab von tod halben zu thon, auch mit verwilligung der formunder. Am andern ain son oder dochter, die noch in yrs vatters hauß und under der
vatterlichen gwalt noch sind, filii vel filie familias gnannt,
sollen nit testament machen, es were dann sach, das die person doctor
oder rytter were; die mochten testament oder geschafft machen von denen guettern, die
ain doctor mit seiner kunst oder ain rytter in strytten oder kriegshendl gewonnen hett. Am
drytten welche on underlaß unsynnig und nit lucida intervalla
hett oder ain verschwender des seinen, dem verwaltung seiner guetter verbotten were, auch
ainer gantzen stommen oder dawben, denen sind im rechten testament zu machen verbotten. Am
vierden leutt, die verurtylt sind zu tod oder sonst umb schwere hawpt mißhandlung geurteylt
als pro famoso aut capitali crimine als ketzerey, crimen lese maiestatis und derglychen, auch der selbigen
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ketzer und ubeltetter enthalter und ubertrager. Am funften
offenbar wuchrer megen nit testament machen, es sy dann, das sy den wuͦcher wyder geben und restituiern oder gnuͦsame (!) burgschaft thund, das
er wyderlegt werde. Wir wollen auch ordnen und setzen, das furohin in
unser stat, oberkaytten und gebietten kain mynderjariger, auch ober 14 jaren, diewill
er oder sy noch verformundert und verpflegt sind, es sy mit tutoribus
oder curatoribus, sollen sy nit macht haben, fur sich selber on
wyssen, wyllen, beysein und decrett yr formunder und pfleger kain testament, geschafft, gemacht, donation noch derglychen aufzurichten macht haben, es
were dann, das yr ains an der frembdenN.353.1 etwas zimlich an ain gotzgab zu trost seiner sell etwas verordnett
hette, das wolten wir auch nit verhindern. Dan wo es sonst furter geschehen wurde, soll
sollich testament, letst wyllen, donation, es sye von tod wegen
oder under den lebendigen, ganz tod ab, yetelN.353.2 und von unwurden
sein und darauff nichzit erkannt werden. Wir wollen, ordnen und setzen, das ain yeder, der in
ainem testament zu erben gemacht oder gesatzt oder sonst on testament der natturlich oder
nachst erb ab intestato were, ist der selbig gegenwertig, so
soll er haben vier monat, ist er aber abwesig oder auß lendischs,
der soll ain jar haben sich zu bedencken, ob er das gsatzt erb annemmen oder sich des
entslahen well; und ob mer dan ain erb gesatzt were und ainer aus den gesatzten erben sich
offenlich oder stylschwigende des gesatzten erbfalls entsliege
und das nit anneme in obbestympter zeytt, so felt des selbigen teyll den andren zu merung
irer satzung. Wir wollen auch und ordnen, welcher also zu ainem erben gesatzt oder sonst on
testament der nachst naturlich erb ab intestato ist und sich des erbfalls underzeucht und zu
handen nempt und nit machte ain inventarium, als sich gepürdt, der ist und wurdt pflichtig,
alle und yede des gestorben schulden zu bezalen; so sy aber aller des gestorben verlassen hab
und guetter in annemung der erbschaft ain inventarium und
beschrybung machen, so sind sy nit mer schuldig zu thon noch bezaln, dann so vil des
gestorben hab und guetter im erbfall sich erstrecken mogen. Es soll auch ain ydes
inventarium, das anders stat im rechten haben soll, gemacht werden durch ainen notarium in
gegenwirtikayt dryer zeugen zum wenigsten. Wir wollen, setzen und ordnen auch, das der oder
die in geschafften und letsten wyllen zu erben benannt sind oder wo sellwarter und
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executores darinnen gesazt und benempt weren worden, zu dero gwalt sollich zu thon zustiend,
sollen in ainem jar nach abgang des geschafftmachers oder
testators das selbig geschafft ausrichten und volstrecken,
und so sy in sollichem lessig oder sumig weren, sind es gesatzt
erben, sollen sy des erbs oder satzung verfallen und beraubt sein und alsdann die
volstreckung oder ausrichtung des selbgen testaments oder letsten wyllens an uns, den radt,
als die oberkaytt anwachsen und der gmachten erben teyll zum dritten teyll unser stat fisco
in die rechenstuben und die andren zwen teyll den rechten natturlichen und nachsten erben
haimgefallen sein; wo aber der mangell der volstreckung an den selwartern erfunden wurde, die
sollen darumben an yrm aygen gutt nach unser erkantnuß und yrer ubertrettung darumben
unnachleßlich gestrafft werden.
So nit testament, geschafft, gemacht und letst wyllen oder ubergaben, wie oblautt, verhanden
sind, so kommen von gemainen kayserlichen rechten, auch diser unser stat satzung, die
natturlichen oder gesypten erben, die vom plutt der gebürdt oder freuntschafft der gestorben
person verwandt, und der sind dryerlay: ettlich in abstygender linien, etlich in aufstygender
linien, etlich in der beiseytsgesypten, zwerch oder neben seytten oder linien gnannt.
Die erbschaft in abstygender linien würdt erlernett aus den vier nachvolgenden regeln der
rechten. Anfangs so der abgestorben in abstygender linien in leben verlast kinder, kindskinder
(enckel gnannt), urenckel und also furauß zu rechnen, ist dann der selbigen ain person alain,
es sye kind oder kindskind (enckel gnannt) oder urenckell oder furauß zu rechnen, so weyt es
ymmer sein mag, so ist das selbige ain ayniger erb und schlüst auß alle die ihenen, so in der
aufstygenden oder beiseytzsgesypten linien dem abgestorben gesypt oder verwandt sind. Am
andern verlast aber der abgestorben mer personen in abstygender linien, sind die dann alle im
ersten und glychen grad, als kinder, so soll der erbfall glych in die hawpter, das ist als vil
personen als vil thayll, under sy, es syen sone, dochter, die unverzygen (?) sind, abgetaylt
werden on allen underschyd. Am drytten sind aber der selbgen verlaßen erben in abstygender
linien etlich im ersten grad, als kinder, etlich in weytterm grad, als kindskinder (enckel
gnannt), oder noch verer hinab, die selbigen kindskinder, yr syen wenig oder vil, sollen
zugelaßen werden an stat yrs vatter oder mutter mit den rechten kindern des ersten grads in
stirpes zu erben an yrer anherren oder anfrawen verlaßen hab und guͦttern, so vil yr vatter
oder muͦtter hetten mogen erben, so sy noch in leben weren, und also fur und furuß in
abstygender linien zu rechnen, also das allweg, so erben in abstygender linien in unglychem
grad gelaßenN.356.3 werden, als kind und kindskinder (gnannt
enckel) und urenckel, sollen die kindskind und urenckel und also fur auß zu rechnen an yr
vatter
| Seite 357| und
muͦtter stat in stirpes (in stammen) erben, das ist zu versten, yr syen wenig oder vil,
eins wytern grads für ain person zu rechnen und zu nemen, so vil und nit mer irn vatter oder
muͦtter, so die in leben weren, zu zeytten erbfalls gepurdt hette. Am vierden so aber der
abgestorben in abstygender linien nit erben im ersten grad, als kinder, verlast sonder alain
in weytterm grad, als kindskinder oder urenckell etc., die selbgen erben das anherlich und
anfrowlich, das uranherlich oder uranfrowlich hab und guetter glych in die stammen (in
styrpes) zu teyllen, sy syen in glychem oder weytterm grad, und stend an die stat yrs vattern
oder muͦttern zu erben in stammen oder zu erben ainen stamteyll, yr syen wenig oder
vil.
Die erbschafft in aufstygender linien wurdt erlernett auß den nachvolgenden sechs regeln.
Anfangs und zum ersten: verlast die abgestorben person yr vatter und muͦtter beyde
samentlich oder yr ains alain in leben und kain geschwisterygt, als brueder oder schwestern
auß beyden eltern (das ist die von vatter und muͦtter der abgestorbenN.357.1 gesypt sind), oder auch der selbgen abgestorben geschwystert von
beyden eltern kinderN.357.2, so erben die selbgen
vatter und mutter beyde oder das ain, welches in leben were, yr eeliche kinder und schliessend
auß alle andere, die weytter in aufstygender linien gesypt, als sind anhern, anfrawen und fur
auf zu rechnen, und ist ain gewysse regell in disem fall, das das neher im grad in der
aufstygenden linien das weytter ausschlist, als namlich vatter und mutter auschliessend anher
und anfraw und also furauß; so auch die erbung beschicht in aufstigender linien nach vatter
und mutter, also das anher, anfrow oder furauf erben, so erben die von vätterlicher linien,
als anher oder anfrow vom vatter, und die von muetterlicher linien, als anher oder anfrow von
der muͦtter, sollicher maß, das die auf des vatters sytten nemen das halb und die auf der
muͦtter seytten das ander halbteyll, unangesehen, ob auf ainer sytten nit mer dann ain
person, als wer ain anher vom vatter in leben und auf der andern sytten zwen, als anher und
anfrow von der muͦtter, die beyde nemen nit mer dann ain teyll und der anher vom vatter das
ander halbteyll. Am andern oder die ander regell: verlast aber das abgestorbenN.357.3 vatter und muͦtter, beyde oder yr ains alain,
und zu den selbigen auch
| Seite 358| sein,
des abgestorben, bruedere und schwistere oder brueder oder swester kinder, welche brueder oder
swester dem abgestorben von beyden eltern, von vatter und mutter, gesypt sind, so erben die
selbgen vatter und muͦtter, bruder und schwester beydenthalben oder der selbgen abgestorben
brueder oder schwester kind beydenthalben den abgestorbenen, yrn sone, bruder oder swestern
oder vetternN.358.1, alle samentlich in die haupter zu
teylen, so vil personen, so vil teyl, ausgenommen das brueder und swesterkind anstat yr vätter
oder muͦtter in dem falle im stamteyll erben, das ist so vil und nit mer, dann was yr
vatter oder muͦtter, so sy noch in leben wern, erben. Am drytten: verlast aber das
abgestorben vatter, muͦtter oder yr ains und brueder und schwester oder der selben kindere,
die ainthalben im gesypt sind, so werdend die selbigen brueder oder swestere ainhalb gesypt
oder yr kinder zu erbung des abgestorben mit vatter und muͦtter nit zugelaßen. Am vierden:
verlast aber das abgestorben nit vatter oder muͦtter sonder weytter in aufstygender linien
anher, anfraw und fur auß zu rechnen, sind dann nit in leben des abgestorben brueder oder
schwester oder deren kinder, so erben die selbgen anhern oder anfraw furauß den abgestorben
und schliessend auß all andre in der zwerch oder beseyts gesypten linien. Am funften: so aber
zu den selbgen anhern, anfrow oder ander in aufstygender linien auch in leben sind des
abgestorben brueder oder schwester, die von beyden eltern im gesypt, oder der selbgen kind, so
sollen nach der mer bewartenN.358.2 und gemainern oppinion und
maynung der rechtgelerten die selben brueder oder swester beydenthalben gesypt oder yre kind
(doch die selbgen bruder oder swester kinde nit anders dann in styrpes, in stamteyll, an stat
yr vatter oder muͦtter, als ob die noch in leben weren) mit den bemelten anhern oder
anfrowen oder andren weytteren in aufstygender linien den gestorbenen zu erben zugelaßen
werden; sind aber die brueder, swester oder yre kinder dem abgestorben alain ainthalb gesypt,
so schliessend die in schlechter aufstygender linien die selbigen ganz auß und werden mit
innen zu erben nit zugelaßen. Am sechsten: ist eben zu mercken, als vor gemelt ist, das des
abgestorben vatter, muͦtter, anhere oder anfrow etc. in aufstygender linien sampt den
bruedern oder schwestern beydenthalben dem abgestorben gesypt oder derselben kind zu erben
samentlich zugelaßen werden, sol an den selbigen
| Seite 359| brueder
oder schwester kindern erwindenN.359.1 und aufhorn und sich nit
erstrecken in der erbung diß fals auf brüder oder schwester kindskinder (enckel gnannt)N.359.2 oder in weyterm grad in
absteygender linien, sonder die in aufstygender linien den selben brüder oder schwester kinds
kindern vorgeen in der erbschaft.
Die erbschaft in der neben, beseytzgesypten oder zwerchlinien wurdt erlernet aus den
nachvolgenden acht regeln. Anfangs und zum ersten ist die regell: so das abgestorben verlast
alain bruͦder oder swestern, sind sy dann ime von beyden eltern, als von vatter und
muͦtter, gesypt, so erben sy nach anzale der personen, das ist: so vil personen, so vil
teyll. Am andern: verlast er aber brueder oder schwestern beydenthalben gesypt und darzu
bruͦders oder swesters beydenthalb gesypter kindere, so erben die selbigen kind mit des
abgestorben brueder oder schwestern in stamteyll, das ist: so vil und nit mer als yr vatter
oder muͦtter, so die noch in leben weren, hetten mogen erben. Am drytten: verlast er aber
nit brueder oder swestern beydenthalben sonder seins abgestorben bruͦders oder swester, so
im beydenthalben gesypt sind geweßen, kinder, die werden zu erben zugelaßen vor brueder oder
schwester ime ainthalben gesypt; und so in disem fall also der abgestorben nit verlast brueder
oder swestern von beyden seytten sonder kinder von zwayen oder noch merern bruedern oder
swestern, so ime von beyden seytten verwandt geweßen sind, das nach der gemainer und bewerter
maynung und oppinion der rechtgelerten sollich erbung under den selbigen bruedern oder
schwester kindern geschicht in stamteyl, das ist, das yedes geschwisterygts verlaßen kind, der
sye vil oder wenig, neme so vil und nit mer, dann sein vatter oder muͦter, so die in leben
weren, erben mochten. Am vierden: verlast aber der abgestorben in leben brueder oder swestern
ainthalben im verwant und darzu kinder von brueder und schwester, so im von beyden seytten
verwant gewest sind, so erben die selbigen kinder vor bruͦder und schwestern einthalben
verwandt. Am fünften: verlast aber der gestorben nit hinder im in leben brueder oder
schwestern beydenthalben verwandt oder dero kinder, sonder alain brueder oder schwestern
ainthalben (das ist von vatter oder von muͦtter), sind die selbigen alle von ainer seytten,
so erben sy glych alle hab und guetter, nach anzall der personen zu teylen; sind aber etlich
dem gestorben vom vatter, etlich von der muͦtter
| Seite 360|
gewandt, so erben die, so vom vatter gewant sind, alle, guetter, so von des abgestorbens
vatters linien in aufstigender linien herkommen, und die, so von der muͦtter halben gewandt
sind, erben die guetter, so von der muͦtter in aufstygender linien herkommen, und in den
guettern, so von vatter und muͦtter samenthaftig oder anderswo herriern, erben sy glych
nach anzall der personen; sind aber zu brueder und swester ainthalben auch in leben kinder, so
des abgestorben brueder oder swester ainthalben verlaßen haben, so erben die selbgen brueder
oder swester kind in stamteyll (zu versten, wie obstet) mit irer vatter oder mutter bruͦder
oder swestern, aber zu versten, wie yetz darvor begryffen mit underschydung der guetter von
yeder linien herkommen. Am sechsten: so der abgestorben nit verlast brueder oder swester
sonder brueder oder swester kind, dero vatter oder muͦtter beyden oder ainthalben gewant
geweßen sind, so schliessend sy allweg auß der abgestorben vatter oder muͦtter
geschwystert, das ist die vetter und basenN.360.1, oder andere furauß in der zwerch linien ime gesypt geweßt, unangesehen das
die selbigen, yrs vatter geschwisterigt, und die brueder und swester kind in glychem grad dem
abgestorbern verwandt geweßen sind. Am sybenden: verlast das abgestorben nit brueder oder
swestern, auch nit der selbigen kinder von vatter und muetter verwandt, sonder der selbgen
kindskindt (enyckel, nepotes oder niptes gnannt)N.360.2, die selbigen enckel werden zu erben zugelassen mit brueder oder
swestern oder der selbigen kindern ainthalben verwandt doch in styrpes (in die stammen), wie
oblautt, und, wa die ainthalben verwandt, auch getaylt, also das etlich yrer eltern halb von
der muͦtter, etlich vom vatter gesypt sind, so erben sy alle, wie oblaut, in styrpes (in
die stamteyll), doch mit underschyd der guetter wie vor im fünften artickel oder regell oben
gemelt ist. Am achten und letsten ist ain gemaine regell und satzung furauß in der
beiseyzgesypten oder zwerchlinien: wann der abgestorben nit verlast brueder oder swester oder
brueder oder swester kinder, welche dann darnach in der beseyzgesypten oder zwerchlinien die
nachstgesypten sind, die schliessend auß die in weytterm grad sind; und welche alßdann in
glychem grad sind, die erben glych in die haupter nach anzall der personen, sy syen von vatter
oder muͦtter halben gesypt, das ist danmals und furauß ausserhalben obbestimpter felle,
auch von welcher linien die guetter herriern, kain underschyd
| Seite 361| mee,
sonder, welche im grad vorgeend, schlyssend die andren auß; welche glych sind, erben
glych.
Arbor consanguinitatis, der bom der sypt oder frundschaft, als in der hochgelert doctor
Johannes Andree beschrybt, sol hie inseriert seinN.361.1. Und damit
man dester baß in erkantnuß der obgmelten erbschaften kommen mog, so wollen mir hiemit den bom
von der sybschaft oder frundschaft erclaren und anzaygen, darab ain yeder vernemen mag, in
welcher linien und graden, wie vere und nachN.361.2 die
personen, von dero wegen sich yederzyt der strytt haltet, ain ander verwandt und gefrundt
sind; und zu bericht ist anfangs zu wissen, das sypschaft ist ain zugehorung oder ain band der
personen von ainem gemainen stammen kommender aus dem geplu*ett oder leyplicher gepurdt
entstanden, also das sypschaft wurdt im rechten gnannt des gepluets oder gepurdt ainickayt. Am
andern ist zu vermercken, das die linea ist ain versamlung der personen von ainem gemainen
stammen kommender, die da inhaltet die grad und staffeln und der selbigen zalen underschyd
machend; und sind, wie oblaut, dryerlay linien: die erst ist der abstygenden oder nachkommen,
die ander der aufstygenden oder vorfarend, die drytt der neben, zwerch oder beisytzgesypten.
Nun ist die linien noch zwayerley: die (!) rechtN.361.3 als der
aufstigenden und abgenden; der besytz oder zwerch linien ist auch zwayerlay: glych und
ongelych; die gleych ist, wann ain person als vere von dem gemainen stamm ist als die ander,
die unglych, wann aine verer ist von dem gemainen stam dann die ander. Am drytten ist zu
mercken, das der grad ist ain gemerckt, dardurch zu erkennen ist, wie vere die personen in
gesypp, fruntschaft oder magschaft ainander verwandt oder von ainander geschyden sind, wie
dann sollichs alles in der figur des boms clarlich anzaygt wurdt. Am vierden den bom der
syppschaft oder frundtschaft zu machen sollen wir am ersten bedencken und ansechen die zellen
und ring der aufstygenden und vorfarenden, zum andern der abstygenden und nachkommen, zum
drytten der neben, zwerch oder beseytsgesypten; die alle sind in yr rechenschaft anzuheben von
der ledigen, ungenanten, abgestorbnen zell, von der die andern zellen yrn namen haben, hinauf
als sein vatter,
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als sein son und beseytzs als sein geschwisterigytt. Und ist zu mercken, das die aufstygenden
und abgonden zellen getailt sind mitten herab und zu der rechten seytten geschryben sind die
namen der mann, als vater, anhere etc., und zu der lincken seytten die namen der frawen, als
muͦtter, anfrau etc., yr yetlichs mit seinen vorfarnden etc. Nun aufzusteygen so stet
zunächst ob der selbgen unbenanten ledigen abgestorben zell die zell, darinnen beschryben stat
vatter, mutter, und hat oben ainen rotten und unden ainen schwartzen puncten; nachst darob ist
die zell anher und anfrow, die oben hat 2 rott und unden 2 schwartzen puncten; auf N.362.1 der selbigen ist die zell des uranhern und uranfrawen und hat oben
dry rott und unden dry schwartzen puncten; in der obristen zell stett ururanhere oder ururani
und die ururanfraw oder ururan und hat oben vier rott und unden vyer schwartz puncten. Nun ab
zu gen under der ledigen unbenanten zell stet in der nachsten zell oder ring darunder sun,
dochter und het oben ain rotten und unden ain schwartzen puncten, darunder in der anderen zell
stet kindsson, kinddochter (als kindskind oder enckel) und hat oben zwen rott und unden zwen
schwartz puncten; darunder in der drytten zell stett enickels son oder dochter oder urenckel,
hat oben dry rott und unden dry schwartz puncten; in der vierden zell stet des urenckels
sonN.362.2 oder dochter, ururenckel gnannt, und hat oben vier rott und
unden vier schwartz puncten. Die zwuͦ linien, aufstigende und abgende, abzurichten, ee und
mir kommen zu der beseytzsgesypten, ist zu vernemen, das der puncten zall bedeutt die zall und
weyttin der grad und staffeln der sypschaft aller andern zell und personen des boms gegen der
unbenempten zell und die oberen rotten puncten bedeuttend die rechnung und gemerck des
gaistlichen rechtens und dienen zu erlernen, welche sypschaft eelich vermehelung zulast oder
verhindert; dann alle die ainander gesypt sind in dem vierden grad oder näher, die mogend on
bapstliche dispensation oder des selbgen gewalts mit ainander nit vermehelt werden. Aber die
underen schwartzen puncten zaygend an die rechnung weltlichs rechten und dienet zu erkantniß
der nahin und verninN.362.3, nach der die erbfäll zeyttlichs
guͦts zu oder abgesprochen werden. Aus dem volgt, das in der yetzbeschryben rechten linien,
der
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aufstygenden und abgenden, die grad beyder rechten, gaistlicher und weltlicher, sich
verglychend, also das allweg ain person der andern ain person zulegt. Und damit die selbgen
grad aygentlichen erkent werde, sol man mercken etlich regeln. Die erst regell in der
aufsteygenden und abgendenN.363.1: wievil der selbgen personen uberall
sind, ausgenommen alain aine, zum anfang und als zum zyll, so vil grad sind zwyschen inen;
exemplum: wie vil grad der ururanher von der ledigen ungnannten zell gescheyden sey? hinauf zu
rechnen, so vinden wir, das der personen zwyschen innen und sy beyde darzu funf sind; so laßen
wir die aine fallen und ungezelt, dannocht sind vier grad; deßglychen hinab zu rechnen von der
ledigen unbenanten zell byß an den understen des encklins kinds son, ururenckel gnant, finden
mir funf personen; da soll die ain ungezelt sein, so belybend vier grad. Wollen wir dann
rechnen von dem obristen ururanheren byß an den understen des ururenkel, so finden mir uber
alle mit der ledigen ungnanten zelle newn personen und sind acht grad. So aber wir kommen zu
denen, die ainander beseytzsgesypt sind, so berechnen mir in dem figurierten bome umb kurzung
wyllen alain die ain seytten als ain baner, dann glycher weyß würdt die ander seytten in yr
rechenschaft auch erkant; so stet nachst an der seytten der ledigen zell die zelle des
bruͦders oder swester, darunder zu nachst stet des brueders son oder dochter, —N.363.2
(enckel gnannt), darnach des encklins kind, urenckel, und zu letscht des encklins kindskind,
ururenckelN.363.3. Der bruder ist gegen der ledigen zell im ersten grad
nach gaistlichen rechten und im andren nach weltlichen rechten, des bruͦders son im andren
nach gaistlichen und im drytten nach weltlichen rechten, sein enckel im drytten des
gaistlichen und im vierden des weltlichen rechten, sein urenckel im vierden des gaistlichen
und im funften des weltlichen rechten. Darnach nemen wir fur uns den stamen des anhern, von
dem kompt des vatters brueder oder swester, das ist der vetter und die baßN.363.4; von denselben kompt des vatters bruders oder swester kind, das ist
des vetters oder baßen son und dochter; darnach der selbigen kinder (enckel genannt) und zu
letscht dero urenckel. Der vetterN.363.5 ist gegen der ledigen zell im
andern
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des vettern son auch im andern grad, (des vetters sons kind auch im andern grad nach
gaistlichen rechten, aber nach weltlichen rechten ist des vetters sons kind im drytten und des
urenckel im vierden)N.364.1 der vetter im drytten, des vetters son im vierden,
sein sonN.364.2 im funften und des
enckelN.364.3 im sechsten grad; und
also sollen beyde rott und schwartzen punctierungen zu ordenlicher zall der grad nach beyden
rechten im bam verzaychnet sein. Also mogen wir den uranheren stammen setzen, deßglychen zum
letsten den ururanhern, und herab, wie oblaut, zelen nach den puncten rot und schwartz, wie
dann im bom verzaychnet sein sollen zu underschyd gaistlichs und weltlichs rechten. Nun sind
zu mercken die regeln, aus denen wir erkennen mogen die grad der selbgen, die also beseytzs
ainander gesypt sind in gleycher lini; zum ersten nach gaistlichen rechten: die erst regell
der beseytz gesypten, die doch in glycher linien sind: wievil und was grad ainer von dem
oberen stammen ist, so vil grad sind die selbgen von ain ander; exemplum: wann wir setzen den
obristen ururanhern als ain gmainen stamen der ledigen ungenanten abgestorben zell und des
ururanhern ururenckelN.364.4, die selbig ledig
zell und das gmelt ururenckel sind zwerch in glycher linien und yr yetlicher ist von dem
gemainen stammen im vierden grad, darumben sind sy gegen ainander auch im vierden grad. Aber
nach weltlichen rechten ist ain andere regel, also in den beseytzs gesypten, die in glycher
linien gegen ainander sind, wievil und was grad einer von dem obern gemainen stammen ist,
zwyfeltig so vil sind die selbigen von ainander; deßhalben sehen wir von der obgeschryben zall
der puncten, das die lebendig ungenante zell und des ururanhern ururenckel sind im achten grad
von ain ander. Und geschicht der underschyd auß der ursach: dann das gaistlich recht rechnet
die grad in erkennung, welich sypschaft verhinderung eelicher vermehelung bring, aber das
weltlich recht umb des wyllen, das wir wyssen, welchem ain erbfall billicher zusten; wann aber
ain ee wirdt, so gehörend zwuͦ personen darzu, also nach gaistlichen rechten machend
zwuͦ personen ain grad aber zum erbfall ist ain person genuͦgsam, darumben
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macht in weltlichen rechten in den beseyzs gesypten ein yetlich person ain grad.
Nun furbaß zu erfinden die grad der beseytzs gesippten, die in unglycher lini sind, ist das
die ander regell und erstens nach gaistlichen rechten. Die ander regell ist die: under denen,
die in besytzs gesyppter und in unglycher lini sind, wie vil grad die vererN.365.1 person von dem gemeinen stammen ist, so vil grad sind die selben personen
von ain ander. Exemplum: wann wir setzen den oberisten ururanhern als ain gemain [stammen] der
ledigen ungenanten abgestorben zell und des uranhern vatters son, die in unglycher lini sind,
so erfinden mir, das die selbig ledig zell als die verer von dem gemainen stam vier grad ist;
darumben so sind sy gegen ainander auch im vierden grad und des glychen alß abher byß zu der
glychen linien die selben all im vierden grad sind; aber nach weltlichem rechten ist ain andre
regell; also under den beseytzs gesypten, die in unglycher linien sind, wie vil der selbigen
personen uberall sind, ausgenommen den stammen, so vil grad sind die selbgen personen von
ainander; also ist die ledig ungenant zell von dem obristen stammen vier grad, von des
uranhernN.365.2 vatter funf grad, von des
selbgen son oder kind sechs grad, von des selbgen kind kind (enckel gnannt) syben grad und von
des selbgen urenckel acht grad; also macht yede person ain sondern grad. Deßhalben mecht die
ledig zell mit kainer person des bambs sich eelich vermeheln, dann sy alle mit yr im vierden
grad oder neher sind. Amen.