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        <title>Badische Hofgerichtsordnung 1509</title>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums digitaler
     Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit von Heino
     Speer</title>
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          <title>Badische Hofgerichtsordnung 1509</title>. In: <editor corresp="marcrelator:edt">
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          <series>Badische Rechtsgeschichte. I. Das ausgehende Mittelalter und die Rezeption des
      römischen Rechts unter Mitteilung der wichtigeren bisher ungedruckten Landesordnungen
      (Landrechte).</series> (<publisher>Carl Winter's Universitätsbuchhandlung</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Heidelberg</pubPlace>
          <date when="1906">1906</date>) <biblScope from="118" to="134">118-134</biblScope>
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        <p>Quelle: Rudolf Carlebach, Badische Rechtsgeschichte. I. Das ausgehende Mittelalter und die
     Rezeption des römischen Rechts unter Mitteilung der wichtigeren bisher ungedruckten
     Landesordnungen (Landrechte). Heidelberg 1906. S. 118 - 134. Transkription: Heino Speer Mai
     2013. Aktualisierung 13. Mai 2016<lb/>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
     Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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      <div xml:id="NA.0">
        <head>Badische Hofgerichtsordnung 1509</head>
        <pb facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n127/mode/1up" n="118" xml:id="S.118"/>
        <div xml:id="NA.Vorrede">
          <head>[Vorrede]</head>
          <p>Unser Cristofs, von Gottes gnaden margrave zu Baden und Hochberg, grave zu Spanheim, herr zu
      Rateln und zu Susemburg, <term>satzungen, ordnungen und statuten</term> unsers hofgerichts,
      die wir unsern <term>richtern und rethen</term> auch allen und jedem unsern amptleiten und
      herschaften auch allen andern, uns sonst von wegen unser furstlichen und hohen oberkait
      underworfen, und den spenen, so an demselben unserm hofgericht gerichtlich handlin werden,
       <term>bevelhen und gepieten</term> hinfur (bis auf unser oder unser erben <term>widerrufen
       und änderung</term>) zu halten, darauf zu urtheilen und der irs inhalts zu leben, die wir
      also ernewert und gesetzt haben anzaigende uf Sanct Martinus des heiligen bischofstag
      nechstkompt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.1">
          <head>[§ 1] [Zeit, Ort und Besetzung des Gerichts.]</head>
          <p> Erstlich so wollen wir, daß unser hofgericht hinfür eins jeden jars drei male, nämlichen
      das erst in der wochen nach dem sontag Quasimodogeniti, das ander in der wochen nach
      Bartholomei Apostoli, das drit in der wochen nach der hailigen Dreier Königtag allweg zu
      tagen, die wir in unserm usschreiben benennen, gehalten werden sollen.</p>

          <p> Dasselb unser hofgericht soll mit einem richter und rethen besetz werden in einer zale, daß
      mit dem richter under sieben personen nit seien, und gehalten werden an enden unsers
      fürstenthumbs, dahin wirs beschaiden werden.<pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n128/mode/1up" n="119" xml:id="S.119"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2">
          <head>[§ 2] Mit was form und wie die appellation geschehen soll.</head>
          <p> Item welcher sich von einer urtheil an unser hofgericht berufen will, der mag das thon nach
      eröffnung der urtheil in gegenwürtigkait des gerichts, zuvor und ehe das ufstet, <term>mit
       lebendiger stime</term> und sich gebrauchen in der wirdigkait der wort „Ich bin der
      urtail beschwert und beruf mich davon für mein gnedigen heren und seiner gnaden hofgericht und
      bitt und begere an euch, <term>stabhalter und urtelsprecher</term>, ir wollet mir diser meiner
      berufung <term>brief und urkundt</term> geben". Ob aber ainer hernach, so das gericht
      ufgestanden, an rat funde, daß er beschwerdt wer, so lassen wir zu, daß er sich in zehen tagen
      nach eröffnung der urtail oder von der zeit seines erfarens, so er die urtail vormals nit
      gehört oder gewußt hete, vor dem gericht oder richter, davon er appellieren würde, in
      schriften oder nach gewonlich herbrachter übung vor einem bekanten notarien und gezeugen
       <term>berufen und appellieren</term> mege; doch daß soll ich berufen geschehe in geschrift
      und darüber ufgericht werde ein <term>instrument</term>. Und wan die <term>appellation</term>
      jetztgemelter massen in schriften vor notarien und gezugen geschieht, so soll der appellant
      die innerhalb dreissig tagen (anzurechnen von dem tag beschehener appellation) dem stabhalter
      der gericht oder seinem verweser verkünden und von im begeren <term>appostelurkund und
       urtailbrief</term>. Des gleichen wa in abwesen des appellaten oder seines anwaldts
      appelliert, soll dem appellaten die gethon appellation, deren verkündung dem richter beschehen
      und wo derselb der appellation <term>deferirt</term> oder statt gethon hett, verkündet werden
      nach form des rechtens.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3">
          <head>[§ 3]</head>

          <p> Item in fellen, so die hernach von einer <term>vor- oder beiurtail</term> an den
      undergerichten zu appelliren zugelassen ist, soll dieselb appellation allweg geschehen
      schriftlich und nit mundtlich und mit inhaltung und sonderlicher meldung der ursach seiner
      beschwerden und mit begerung der <term>apposteln und verkundtsbriefe</term> vom richter, auch
      verkündungen dem richter und den widerpartheien, wie in nechsten articuln vormals begriffen
      ist. <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n129/mode/1up" n="120" xml:id="S.120"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.4">
          <head>[§ 4] Vom anbringen der appellation.</head>
          <p> Item ein jede appellation, so die in obgeschribner maß beschicht, soll von den appellanten
      oder seinem gewalthaber inerhalb dreissig tagen, als sie geschehen ist, anbracht und verkundt
      werden in unser cantzlei und daselbs ufgezaichtnet werden, uf welchen tag solchs anbrangen
      geschehen sei.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.5">
          <head>[§ 5] In was sachen die appellation zugelassen ist.</head>
          <p> Item es soll an unserm hofgericht kain appellation angenomen, noch rechtlich verhört
      werden, es sei dann daß die hauptsach darumb were zehn pfund penning oder darüber; und ob
      zwischen partheien der <term>sum und tax</term> halben spenen entstaun, soll sein zu dem aide
      des appellanten, wie er sein ansprach in dem ersten gerichtzwang achtet unnd taxiert. Doch so
      sollen in disem unsern gesatze nit begriffen sein <term>sachen und hindele</term>, die er oder
      stende zinß gulten antreffende, und mag derhalben an unser hofgericht wol appelliert werden
      unangesehen, ob es die sum erreicht. Aber von urtail, damit uns frefeln, busen nach lut unser
      landsordnung zuerkannt werden, soll nit mögen appelliert werden; doch was <term>abtrag, busen
       oder straven</term> herrürt userthalb freveln inhalt gemelter landsordnung, so uns zu- oder
      aberkannt würden, die nit den <term>leib, glieder oder peinlich strafen</term> inhaltend,
      davon mag wol appelliert werden, doch nit witer, dann fur unser hofgericht.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.6">
          <head>[§ 6]</head>

          <p> Wie wol nun unser mainung, wie obstat, nit ist, daß einich appellationsachen, da die
      hauptsum under zehen pfund ist, an unserm hofgericht gehordt werden sollen, so lassen wir doch
      zu, daß in allen sachen, da die hauptsach fünf pfund oder darüber ist, an uns appelliert
      werden möge nach <term>form und inhalt</term> diser unser ordnung und, wan solchs appellation
      beschehen und in unser cantzlei anpracht wurde, so sollen und wollen uf der appellanten
      ansuchen wir oder unser stathalter bestimpte appellation, so fünf pfund oder darüber und doch
      die zehen nit ergriffen megen, zu rechtlichem <term>entscheide und ustrag</term> bevelhen und
      conmittieren usserthalb unsers hofgerichts in die empter, dannen appellation beschehen wer;
      wollen doch <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n130/mode/1up" n="121" xml:id="S.121"/> gehapt haben,
      daß von solch unser commissarien spruch weiter nit appelliert.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7">
          <head>[§ 7]</head>
          <p> Item es soll an den undergerichten von keiner <term>vor- oder beiurtheil</term>, die die
      endurtheil nit uf ir tregt, oder der beschwerung durch die appellation, so von der endurthail
      beschicht, widerbracht werden mag, nach form des kaiserlichen rechten nit appelliert, noch an
      unserm hofgericht gehert und im selben falle die partheien wider an das undergericht gewisen
      und der appellant in costen verdampt werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8">
          <head>[§ 8]</head>
          <p> Wann auch von ainer beiurtheil an unsern undergerichten appelliert wurde, sover dann den
      unterrichter bedunckt, daß die <term>frevlich oder unnotturftigliche</term>, [so] mag er der
      appellation nit <term>deferiren oder stat geben</term>, sondern in der sachen volfaren, so
      lang und bis im von uns oder unserm hofgericht <term>inhibits- und verpotsbrief</term> zukomen
      —, doch so soll derselb underrichter, sover und ehe er der appellation nit stat geben
      will, uf beschehen begerung der appostel geben abschlegig, zu latin <term>refutationes</term>
      genant.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.9">
          <head>[§ 9] Vom gerichtshandel den undergerichten ufzuschreiben:</head>

          <p> Item es sollen von den undergerichten uf begeren der partheien eins oder baider theils in
      sachen, davon an unser hofgericht appelliert wurdt, urtheilbrief uf costen der partheien,
       <term>furtrege, clag, antwurt, wider- und nachreden</term>, auch ingelegt briefe oder
      schriften und gefürte kuntschaften, auch anzaige gethaner appellation, tagszeit und form und,
      wie vor inen beschehen und was darauf zu antwurt gefallen sei, [ufgeschrieben] und solich
      gerichthindel mit fleisig besicherung des gerichts under irem oder eins amptmans daselbst
      sigel den begerenden partheien uf iren zimlichen schreibercosten geben werden. Ob aber ein
      urtail gienge, da kain schreiber were, sollen zwei von demselbigen gericht an ir obergericht
      unverzogenlich, weil sie die furtreg noch in frischer gedechtnus haben, geschickt werden, da
      sie einen schreiber finden, daselbs die sachen in vorgerüter maß ufzuschreiben und zu
      fertigen, doch nit zu versiglin, es haben dan andere ir mitrichtere die zuvor auch gehert und
      zu gelassen. Denselben zwaien richteren <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n131/mode/1up" n="122" xml:id="S.122"/> soll dann der, der urtails-brief haben will, ir zimliches zu dem schreiber
      lon (der soll auch zimlich genommen und gehalten werden) ußrichten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10">
          <head>[§ 10]</head>
          <p> Wo auch das undergericht uf ansinnen des appellaten die gerichtsacta, vor inen ergangen, zu
      geben weigern oder <term>verzug und verbiegung</term> thon würde, darmit dan die appellation
      ir formalien halb und sonst der fürderlich gerechtfertigt und auch in der hauptsach procediert
      werden möge, so lassen wir umb fürderung willen der sach zu: sover die appellation innerhalb
      dreissig tagen, wie obsteet, in unser cantzlei anbracht ist, daß alsdann us unser cantzlei
      wider dasselbs undergericht <term>compulsoriales und zwangsbriefe</term> bei einer nemlichen
      pene zehen pfund pfening, uns zu straf von den ungehorsamen zu bezalen, geben werden mögen,
      unangesehen ob wol in der appellationsach noch kain gerichtstag gehalten were, mit beheltnis
      uf begarung der ungehorsamen unser weiter straf nach gepüre. Es sollen sich auch die
      undergericht zum hechsten fleissen, die gerichtshindele, vor inen ergangen, mit meldung der
      appellation, sover die vor inen beschehen were, mit lauter und volkumen begreifung der
      parteien furtreg, allen inbrachten briefen, verhörung der zeugen und ergangen reden recht zu
      verfassen, damit durch sollich mingel, als an unserm hofgericht oftmals zu schaden der
      partheien hievor begegnet ist, die sachen nit gelingert und die parthei zu kosten gebracht
      werde. Dann wa unser hofrichter des säumnis an undergerichten befindet, soll er den partheien,
      die des schaden leiden würden, von den undergerichten zur billichen kerung des costens und
      schadens verhelfen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11">
          <head>[§ 11] Von Vertagung an unser hofgericht.</head>

          <p> Item uf daß die sach gefürdert und hofrichter und rhete nit unnotturftiglich ufgehalten
      werden, so sollen hinfür all parteien, so an unser hofgericht vertagt werden, zu früwer
      tagzeit erscheinen, das ist nimlich zu somerszeiten zu sechs uren und zu windters zeiten zu
      siben uren, alsdan vor hofrichter und rethen zu erscheinen. Welche parthei aber uf dieselb
      zeit und stund nit gegenwurtig wer, so die nach dem register der tagsatzung beruft wurdet und
      irs usbleibens nit redlich ursach fürbrechte, die soll uns zu straf verfallen <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n132/mode/1up" n="123" xml:id="S.123"/> sein ein ort eins guldens und
      nichts destominder der ungehorsam gehalten werden, wie nachvolgt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.12">
          <head>[§ 12]</head>
          <p> Item die vertagungen an unser hofgericht sollen mit schlichten offnen tagzedeln wie bisher
      usgen und baiden parteien under augen, wo man die gehaben möge, oder in die gewonlich wonungen
      zugeschickt werden; doch in kaiserlichen oder küniglichen commissionsachen soll es auch, wie
      bisher, gehalten werden nach forme des rechtens.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.13">
          <head>[§ 13]</head>
          <p> Item in ansehung daß unser hofgericht haltung verzüglich und us fürgefallen gescheften
      etwan fürgeschoben werden möchte, damit dann die partheien fürderlichen ustrag erlangen, so
      sollen in allen appellationsachen nit mehr dann zwei vertagungen usgeen, deren die ander
       <term>peremptorie</term> sei und darin usgetruckt werden soll, es wer dann daß richter und
      rethe nach gestalt der sachen bedeucht, weiter vertagung usgen zu lassen; das soll mit dieser
      satzung unbenommen sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.14">
          <head>[§ 14]</head>
          <p> Item zu veroffnung der endurteile oder, die kraft einer urtheil haben, soll ein jede
      vertagung peremptorie beschen, baiden parteien under augen oder in ir gewonliche wonung, wie
      obstet, durch geschworen boten oder in ander <term>glaublich und bewerlich weiß</term>
      verkundt werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.15">
          <head>[§ 15] Wie uf ungehorsamkait vor unserm hofgericht procediert werden soll.</head>
          <p> Item die so der partheien für unser hofgericht werden vertagt und ainiche parthei
      ungehorsam were und rechtlich nit erschine, so soll als dann uf <term>erforderung und
       anrufen</term> des gehorsamen theils <term>fürgangen und procediert</term> werden nach des
      rechten und gestalt einer jeden ungehorsamei und gelegenhait der sach.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.16">
          <head>[§ 16]</head>

          <p> Item ob uf die erste tagsatzung einich parthei ungehorsam ausbleibe, also daß sie zu
      bestimpten tag und stund nit herscheinen were, sover dann desselb usbleibent theil (zu der
      andern tagsatzung in recht) <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n133/mode/1up" n="124" xml:id="S.124"/>
      nit erscheint redlich ursach und ehehafte seines usbleibens, so soll er schuldig sein, dem
      gegenthail zuvor und, ee weiter in der sachen volfaren werde, seinen <term>costen und
       schaden</term>, der ersten tagsatzung halb gelitten, nach messigung unser hofrichter und
      rethe <term>abzulegen und zu bekeren</term>.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.17">
          <head>[§ 17]</head>
          <p> Item wo ein appellant in ungehorsamei seines widertails zu procedieren zugelassen würdet,
      so soll er zuerst unser hofrichter und rethe usgegangener tagsatzung und daruf der formalien
      seiner gethan appellation underrichten und die beweislich darthon und darnach in den
       <term>beschwerungen und hauptsach</term> gehort werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.18">
          <head>[§ 18]</head>
          <p> Item ein jeder appellat mag aber, will er in endlichen ungehorsame seines widertheils
      procedieren, uf die <term>defertion der appellation</term>, dass die gefallen, und zur
      gründung des gerichtszwangs die formalien der appellation beibringen und daruf die behalten
      urtheil zu <term>confirmieren und befestigen</term> begeren.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.19">
          <head>[§ 19] Von gewalt zu recht.</head>
          <p> Item so ordnen und setzen wir: welcher einem andern sein gewalt, für ine an unserm
      hofgericht zu erscheinen, geben würdet, daß er in solchem gewalt uns oder unser hofgericht als
      richter, sich selbs, seinen widerparthei und auch den gewalthaber, jeglichen mit seinem namen,
      die sach, darumb taggesetzt ist, bestimmen soll mit versprechens, „was der gewalthaber
      von seinen wegen in recht thun und lassen werde, daß er das <term>stete und vest</term> halten
      und dem nachkomen wolle, wie recht seie", und daß solch gewalt von einem edelman under seinem
      oder eins andern glaubhaftigen edelman insigel oder in ander weise, die im recht glaubhaftig
      sein, und von einem bürgerman under eins raths, gerichts, prelaten, edelmans oder amptmans
      insigel oder auch in anderweise dem rechten gemeß usgangen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.20">
          <head>[§ 20]</head>

          <p> Item so einer seine gewalt vor unserm hofgericht übergeben will, so soll der richter den
      fragen, in welcher sach er gewalt geben wolle und so, das von ime zu erkunnen geben würdet, so
      soll der richter im lassen vorlesen die form des gewalts also lutendt: <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n134/mode/1up" n="125" xml:id="S.125"/> „Du gibst N. deinen
      vollen gewalt in der aller besten form, die sach im rechten zu handlin zu gewin, verlust und
      zu allem rechten und demselben nachzukumen, wie recht ist, auch den <term>aid für
       geverde</term> und einen jeden zimlichen eide, der vom richter ufgelegt würde, in dem falle
      zu schweren in obberüter sachen: das alles gelobst du an stabe ungeverlich".</p>
          <p> Und so das beschicht, soll von unserm hofgerichtschreiber solchs gewaltsgebung actis
      vermerkt werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.21">
          <head>[§ 21] Wie in der appellation sachen, so baide parteien erscheinen, soll procediert
      werden.</head>
          <p> Item sover die parteien erscheinen durch sich selbs oder ir anwelde, so soll der appellant
      anfenglich seiner gethon appellation formalien in recht beweisen, es wer dan daß der
      widertheil in seiner gethonen appellation gestindig oder die nit anfechten wolt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.22">
          <head>[§ 22]</head>
          <p> Item so das beschicht, würdet dann der appellation für tauglich herkennt oder vom
      widertheil nit angefochten, so sollen nach <term>herkumen und brauch</term> unsers hofgerichts
      die <term>appostel und urkundbrief</term> auch die gerichtsakten der ersten instantz, wo die
      gegeben weren, vor allen reden verlesen werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.23">
          <head>[§ 23]</head>

          <p> Item dann im falle, so von einer <term>vor- oder beiurthail</term> oder beschwerde
      appelliert ist, so soll der appellant seine appellation, wie die in schriften mit inserierung
      der ursachen der beschwerden versehen und verfaßt ist, anstat der klag widerumb anziehen und
      darauf begeren zu erkennen „daß übel gehandelt oder geurtailt und wol appelliert sei";
      wo aber von einer endurtail appelliert ist, so soll der appellant nach vorlesung der
      gerichtsacten, wo er die han möge, seine beschwerungen und clag <term>müntlich oder in
       schriften</term> fürbringen mit begeren zu erkenen „daß übel gesprochen und wol
      appelliert sei"; doch [wenn] von einer urtheil, damit der appellat ledig erkannt were,
      appelliert worden, mag der appellant begeren „zu urthailn laut seiner begerung in der
      ersten gerichts übung". <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n135/mode/1up" n="126" xml:id="S.126"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.24">
          <head>[§ 24]</head>
          <p> Item nachdem mag der appellat darauf sein <term>antwurt geben oder uszuge thun</term>.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.25">
          <head>[§ 25]</head>
          <p> Item dargegen mag der appellant replicieren und der appellat sein <term>duplic</term> und
      jeder teil darauf noch ein red und nit mehr thun, also daß allweg in einer jeden sach, dar
      über man urthail sprechen soll, es sei in <term>bei- oder endurtail</term>, zum selben mal nit
      über [drei] reden von jedem teil geschehen, darin die parteien inbringen sollen und mögen, was
      inen not ist —, es wer dan daß richter und reth us redlichen ursachen sollichs mit
      urthail zuliessen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.26">
          <head>[§ 26]</head>
          <p> Item begebe sich aber, daß einich parthei icht neuwers <term>fürbringen oder
       beweisen</term> wolt durch briefen, schriften oder in ander rechtmessig wege, das in der
      ersten instants nit fürbracht oder gnugsamlich bewiesen were, das soll nit abgeschlagen,
      sonder zugelassen und gehort werden; doch wo unsere hofrichter und rethe amptshalb bedeucht
      oder die widerparthei vermeinen wolt, daß es zu geverlicher verlengerung des kriegs geschehe,
      mögen dieselbe unser hofrichter und rethe derselben partheien ufflegen, sich des mit dem eid
      zu benemen. Doch ob einich partheie uf <term>punkten oder artickel</term> oder derselben
      starken widersein, darumb vormals in erster instans auch zeugen wie recht gefürt und geöffnet
      worden durch nuw und ander zeugen, so in der ersten instants und gerichtsübung nit gehordt
      weren, beweisung thun wolte, die sollen nit zugelassen oder gehert werden — es were
      dann, daß richter und rethen nach art und gestalt der sachen ein anders recht bedeucht. Und so
      die partheien obgemelter maßen ichts news zu beweisen oder fürzubringen zugelassen werden,
      soll es damithin gehalten werden, wie die in dem articul hernach von verherung der zeugen
      begriffen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.27">
          <head>[§ 27]</head>
          <p> Item so hinfür von einem oder beiden theilen der <term>eide für geverde</term>, zu latin
       <term>juramentum calumniae</term> genant, an unserm hofgericht, es sei in erster instantz
      alda hangend oder appellation sachen, gesonnen würde, sollen die partheien den schweren und,
      wo sich der cleger des weigert, so ist er seiner clag verlustig, widert sich aber der
      antwurter, so ist er dem cleger laut seiner clag verfallen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.28">
          <head>[§ 28]</head>
          <p> Und sindt diß die artickel, so der eid für geverde inhelt: <list>
              <item>a) Item daß er meine, ein gerecht sach [zu] han,</item>
              <item>b) Item daß er die warhait wolle sagen, darumb er gefragt werde, und die nit
        verleugknen,</item>
              <item>c) Item daß er sich kainer andern bewerung wolle gebrauchen, dann die er zu steur der
        warhait not acht,</item>
              <item>d) Item daß er dem richter oder ainicher ander person, der das die recht, zu nemen, nit
        zulassen, durch sich oder ander nichts geben oder verhaisen habe oder geben oder verhaisen
        wolle in der sach, daß die urthail für ine gange,</item>
              <item>e) Item daß er in diser sach kein schub zu verlengung des kriegs begeren wolle.</item>
            </list>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.29">
          <head>[§ 29]</head>
          <p> Item wann also die partheien ir fürbringen im recht, wie obstat, gethun und mit obgemelten
      dreien reden beschlossen haben, sover sie nichts newers zu beweisen haben oder darzu nit
      zugelassen werden, wo dann von einer <term>vor- oder bei-urthail</term> oder beschwernis
      appelliert ist, wurde dan gesprochen, „wolgehandlet oder geurthailt", so soll die
      hauptsach wider für den underrichter gewisen und daselbst in recht darauf vollfaren werden,
      [sofern aber über ein endurteil] gehandelt were, so soll die sach an unserm hofgericht
      beleiben und daselbs geendet werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.30">
          <head>[§ 30] Von verherung der zeugen und anbringung ander bewerung.</head>

          <p> Item so hinfür einicher partheien an unserm hofgericht es sei in erster instants oder
      appellation sachen durch zeugen bewerung zu thun zugelassen würdet, so soll dieselb parthei uf
      gesinen der widerpartheien die sach und meinungen seiner beweisung artickelsweise
       <term>mündtlich oder schriftlich</term> angeben, darus zuvor zu sehen, was er beweisen will.
      Beducht dann unserm hofrichter und rethen oder herfunde sich durch anfechtung des widertheils,
      daß sollich artickel <term>undeutlich und unfürtreglich</term> weren, so soll sollich
      beweisung zu beschwerung des anderin theils nit zugelassen werden. Beheltlich so die artickel
      nit verworfen werden, [so soll] dem widertheil sein fragstück, darauf, nach dem aber nach
      gebrauch unsers hofgerichts merentheils zu verherung der zeugen commissarien gegeben werden.
      Haben die <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n137/mode/1up" n="128" xml:id="S.128"/> partheien
      übergebung der artickel und fragstück vor hofrichter und rethen gegeneinander gesinnung, so
      mögen sie sollich <term>artickel und fragstück</term> dem commissarien übergeben mit beheltnus
      der <term>inrede der undienstlichkait</term> nach eröffnung der zeugen sage.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.31">
          <head>[§ 31]</head>
          <p> Die Zeugen, so für unser hofrichter oder gegeben commissarien gestelt werden, sollen nach
      geschrieben eid schweren:</p>
          <p> „Ir werden ewer traw geben und darauf schweren einen eid leiplich zu Got und den
      Hailigen, eine lautere volkomene warhait zu sagen mir dem richter oder commissarien, darzu
      geordnet, was kundt und wissen sei von den stucken in der sach, darumb dieser krieg ist, und
      darunder <term>kain warhait und falschheit</term> zu mischen und auch darin nit irren oder
      bewegen lassen <term>nutz, freuntschaft, gunst, neid, gab, forcht, oder einich ander
       sach</term>, wie die erdacht werden möchten, dan allein zusagen die warhait und dem rechten
      zu hilf."</p>
          <p> Und wan im also der eid mit erinnerung der schweren übelthat und hohen strafen des
      meineides vorsagt wurdt, also dan sollen sie ir trew geben und darauf ufgeben und mit den
      worten inen vorgesagt werden, wie sie ir trew geben haben, und mit worten beschieden sein, daß
      sie dem nachkumen und das <term>ware und stete halten</term> wollen <term>getreulich und
       ungeverlich</term>, also bitten sie zum Gott, zu helfen und das hailig evangelium.</p>
          <p> Es soll auch kainem zeugen diser eid one baider partheien bewilligen erlassen werden und
      daruf alle gezeugen insonderhait und alle ainer nach der andern in abwesen der partheien und
      ander zeugen und nit offentlich gehert werden, des gleichen der zeuge gefragt werden umb stand
      der sachen als statt, zeit und ursach seins wissens, wie sich nach gestalt der sach und was
      und wie dem verherer nach seiner beschaidenheit und vernunft im rechten dienstlich und
      notturftig bedeucht. Und damit die commissarien in verherung irer zeugnisse diser unser
      ordnung sich gemeß zu halten wissen, haben wir zu ende diser ordnung einen begriff thun setzen
      „form und maß der commission"; der gleich form sich ein jeder commissarius halten soll;
      und wo das nit geschehe, soll sein verhörung von unwerd sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.32">
          <head>[§ 32]</head>

          <p> Item es sollen zu fürung die zugen nit mehr dann ain <term>schub</term>
       (<term>dilation</term>) gegeben werden, es wer dann daß eehaft ursach und <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n138/mode/1up" n="129" xml:id="S.129"/> verhinderung in recht
      bestendig fürgebracht würde, daß richter und rathe billich gedücht, mer <term>schub</term> zu
      geben.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.33">
          <head>[§ 33]</head>
          <p> Item nach öffnung der zeugen sag, so solls beiden theilen darnach auf die artickel, darumb
      kundtschaft gefürt ist, oder dem starken widersein derselben articul weiter zeugschaft zu
      leiten außers nit zugelassen werden, es were dann, daß richter und rath nach art und gestalt
      einer sach ein anders rechts bedeuch.</p>
          <p> Und ob einicher theil nach <term>öffnung und verherung der gezeugniß</term> begerte [von]
      des andern theils kuntschaften <term>abschriften oder copeien</term>, damit er sein einred
       <term>schriftlich oder mündtlich</term> dester baß thon möge, so sollen im die uf sein costen
      gegeben werden.</p>
          <p> Es soll auch jedem theil nach <term>öffnung und verherung der gezeugniß</term> sein zu- und
      inred in die personen der zeugen und ersagt, wie recht, zuthun behalten sein; und in demselben
      zu- und inreden jede parthei nit mehr dann zwei reden thun, damit auch baide partheien in der
      sach befleissen sollen, es wer dann daß richter und rethe einich partheien halb not bedeucht
      inen weither zuzulassen; das doch one merglich ursacht und rechtlich herkantnuß nit geschehe,
      so soll er doch über die drit red zuthun nit zugelassen werden. Wan auch die zeugen im ersten
      gerichtgang nit <term>haimlich und einich</term>, sonder <term>offentlich oder
       samentlich</term> oder, daß sie allein glaubet geben und nit den eid darzu geschworen heten,
      verhört worden weren und sollichs daselbst von den partheien <term>geduldet und
       unangefochten</term> bleiben, so soll sollich anfechtung wider die verhöre egerürter ursachen
      halb an unserm hofgericht nit mehr statt haben.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.34">
          <head>[§ 34] So <term>schüb und tag</term> begert würdet.</head>

          <p> Item ob ainich parthei im rechten unserer hofgericht weither <term>tag und schub</term>
      begeren würde, es sei in der ersten instantz oder appellationsach, so mag ein hofgericht nach
      gestalt einer jeden sach, wie recht, sollichs erkennen; doch fürkomen lengung ursach, wo es
      richter und reth für not ansehe, daß dan dieselb parthei zuvor <term>globe und swere</term>,
      daß sie sollich schub und tag us irer notturft und [nit] zu lengerung der sach oder seiner
      gegenparthei mit geverdt und zutreiben begere. <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n139/mode/1up" n="130" xml:id="S.130"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.35">
          <head>[§ 35]</head>
          <p> Item zu fürderung der gerichtübung und die sachen des kriegs zu bekürtzen, sollen all und
      jede <term>schub und tag</term>, die nach <term>befestigung des kriegs</term> und vor
      endlichem beschlus und <term>rechtsatz</term> mit recht erkannt und zugelassen werden,
       <term>peremptorie und endtlich</term> sein, es würden dann <term>rechtlich und ehaft ursachen
       und verhinderung</term> fürbracht, die hofrichter und rethe bewegeten, weiter schub zu
      geben.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.36">
          <head>[§ 36] Von costen und scheden in appellation sachen.</head>
          <p> Item wan der appellierer seiner appellation vorm hofgericht verlustig würdet, so soll er
      dem widertheil, der vormals ein behalten urthail gehabt hete, sein <term>costen und
       schaden</term> ablegen; würde aber der appellierer sein appellation vorm hofgericht behalten,
      ist er seinem widertheil, [welche der] gehapt hot umb costen und schaden der appellation halb
      gelitten, nichts schuldig. Doch so ist richtern und rethen vorbehalten, nach gestalt einer
      jeden sach umb den costen mit gebürlicher vergleichung desselben insehens zu han.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.37">
          <head>[§ 37] Wie es der hofgerichtschreiber halten soll.</head>

          <p> Item der hofgerichtschreiber soll bei seinem geschwornen eid seinem ampt getrewlich vorsein
      mit ufschreiben, lesen und anderm, auch brief und anders, so in gericht brauch wurdet,
      getrewlich verwaren und die ratschlege der hofrichter und rethe one gehaiß derselben nit
      öffnen, auch kainer parthei wider die ander rathen und warnen umb kainerlei sach willen, darzu
      kain geschrift den partheien hinus geben on erlaubt deren, die es macht haben, und in der tax
      der briefe sich zimlich halten und niemand übernemen und in sonderhait bei seinem geschwornen
      eid einem jeden appellanten, so der urthelsbrif nimpt, an der gepürlichen tax solchs
      urtheilbriefs das gelt, so er in anbringung seiner appellation ingelegt (das ist nemlich ein
      gulden in sachen, da die hauptsach fünfzig gülden oder darunder, und, da die über fünfzig
      lauft, zwein gulden und nit darunder) widerumb abziehen und urtheilbrief bei obgemeltem eid
      darumb nit dester höher taxiren.<pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n140/mode/1up" n="131" xml:id="S.131"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.38">
          <head>[§ 38] Von fürsprechern und irem eid.</head>
          <p> Item ist geordnet, daß die partheien allweg bei unserm hofgericht finden drei oder vir
      geschworen geordnete fürsprechen, die, und so dick sich ein änderung oder ersatzung mit
      fürsprecher begibt, schweren sollen den nachvolgenden eid „daß er, der fürsprech, die
      parthei, deren er sich irer sach annempt zu handeln, mit gantzen und rechten trawen meinen und
      sollich sach im rechten nach seiner besten verstandtnuß seiner parthei zu gut fürbringen und
      handlin und darin kainerlei falsch noch unrecht wissentlich brauchen wolle oder
       <term>geverlich schub zu verlengerung der sach</term> suchen, das die parthei zu thun im nit
      underweiset; auch mit der parthei keinerlei <term>vorgedinge oder fürwort</term> machen, im
      von der sach, der er in rechten redner ist, zu haben oder zu warten; auch haimlichent und
      gehelf, so sie von den partheien empfangen [zur] underrichtung der sachen, von ine selbs
      mercken werden, seiner parthei zu schaden niemands offenbaren; und vor gericht erbarkeit
      gebrauchen darzu auch die partheien über den <term>soldt oder lone</term>, der ime nach
      unserer ordnung gepürt, mit merung oder anderm geding nit beschweren oder erhöhen wölle und,
      ob <term>solds oder lons halb</term> zwüschen ime und ainich parthei irung entstünde,
      desselben zu bescheiden bei beschaid unsers hofrichters oder, wem der hofrichter us den rethen
      das bewillich; daß er auch der angenomenen sach sich on redlich ursach nit entschlagen, sonder
      iren partheien bis zu end des rechten handlen wöllen."</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.39">
          <head>[§ 39]</head>
          <p> Item welcher fürsprech sich einer sach annempt <term>zu reden oder zuraten</term>, der soll
      in derselben sach dem widertheil <term>zu raten, zu reden oder ainichen beistand zu
       thun</term>, nit zugelassen werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.40">
          <head>[§ 40]</head>
          <p> Item es soll kain parthei mer dan einen der geschworen fürsprechen <term>ufnemen oder
       bestellen</term>, es wer dann daß die ein parthei einen frembden fürsprechen mit brächte. So
      mag die ander parthei der geschworenen fürsprechen, sovil ir geliebt, bestellen und
      annemen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.41">
          <head>[§ 41]</head>
          <p> Item es soll hinfür kain fürsprech einich parthei in ir sach rathen; <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n141/mode/1up" n="132" xml:id="S.132"/> dieselb, die ine umb rath
      suchet, wolle dann ine zu fürsprech in der sache brauchen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.42">
          <head>[§ 42]</head>
          <p> Item uf daß niemand armut halb rechtlos gelassen werden, so soll unser hofrichter, so je zu
      zeiten sein würdet, die sachen der armen, die ir armut mit irem eid, ob der gesonnen würdet,
      beschweren, den fürsprechen bevehlen, ine one sold zu reden; und welchen redner sollich sachen
      vom richter empfalhen werden, der soll bei entsetzung seines ampts <term>schuldig und
       pflichtlich</term> sein, die sachen one widerreden anzunemen. Doch ob sollicher armenlut
      sachen mer dann ein weren oder wurden, die soll der richter gleich under die redner
      teilen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.43">
          <head>[§ 43]</head>
          <p> Weither ist geordnet, ob imands in appellation sachen ein frembden redner mit im brechte,
      der soll vor unserm hofgericht zu reden zugelassen werden, doch also mit dem underschid: damit
      die geschwornen fursprechen demselben hofgericht nit vergebentz ufwarten bederfen, hette dan
      die parthei, so solch frembde fursprech brechte, dieselben zuvor und, ee sie an das ende, da
      unser hofgericht gehalten würdet, komen, bestellt, so soll [sie] zuvor und, eh sie in recht
      zugelassen würdet, den halben gesetzten fürsprechen-lone zu gemeinem gericht under geordnete
      fürsprechen bezalen; wa aber die parthei solchs fürsprechen zuvor und, ee sie an das ende, da
      unser hofgericht gehalten würdt, [käme,] nit bestelt und in erst daselbst angenomen, so soll
      die in recht nit zugelassen werden, sie hab dann zuvor bezalt und ußgericht den gesetzten
      fürsprechen-lon, nemlich fünf schilling, die dan fürter die geordneten in gemain under sich
      gleich theilen sollen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.44">
          <head>[§ 44]</head>

          <p> Item nachdem zu unserm hofgericht drei oder vier fürsprechen bestelt, die auch dem
      aufzuwarten bei irem geschwornen eid verbunden sind, uf daß sie dann solchs deßbaß gethon und
      einer vor dem andern destweniger vortheils, sonder all umb ir <term>wartung, müh und
       arbait</term> zimliche <term>nissung und belonung</term> haben mögen, so sollen dieselben
      geschwornen fürsprechen jeder des halb theil der fünf schilling pfening irer gemainen
      gesetzten belonung von allen sachen, die in unser hofgericht vertagt, darin sie zu fürsprechen
      gebraucht, legen in ein gemaine buch und den allweg zu usgang jedes hofgerichts <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n142/mode/1up" n="133" xml:id="S.133"/> daselb gelt under sich
      gemainlich und gleich theilen; und das ander halb theil des gesetzten lons oder, ob und was
      die partheien inen über den gesetzten lon weither geben, soll und mag ir jeder von den sachen,
      darin er geredet hett, für sichs selbs allein behalten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.45">
          <head>[§ 45]</head>
          <p> Item der fürsprechen lone soll sein von einer gemainen sach fünf schilling pfennig; aber
      sachen, da uf anzaige der redner unsern hofrichter bedeuch, daß ein fürsprech meren lone
      verdient hete, soll sich ein jeder fürsprech lassen begnügen des lons, wie ime der hofrichter
      über vorgemelt summe schepfet —, darmit nemandt übersetzt werde.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.46">
          <head>[§ 46] Form der comission, davon vorgemelt.</head>

          <p> Wir Cristof etc. entpieten N. unser gnad und thun dir kundt: Als von unser hofrichtern und
      rethen zwischen N. an einem und N. anders theils in der rechtverfertigung, damit sie vor
      unserm hofgericht in recht hangend und verfaßt sind, jüngst ein urtheil gangen ist, die lut
      abschaids, deshalb ußgangen, bemelten N. seinem <term>begeren und erpitten</term> nach
      zulasst, durch zeugen etwas bewerung zu thun, haben die gemelten unsere hofrichter und reth uf
      begeren und bewilligen der partheien dich zu commissarien verordnet und gegeben. Demnach
      bevehlen wir dir, mit ernst, daß du baide partheien und die zeugen, so dir von genantem benent
      werden, uf einen benanten tag für dich <term>mitierest</term> und heischest und in
      gegenwürtigkait der partheien oder irer anwelde oder, ob eine ungehorsam ußbleibt, die zeugen
      dir <term>geloben und schweren</term>, sie auch des one der partheien willen und gefallen nit
      erlassest, „uf die <term>articul und fragstuck</term>, so dir die partheien
      überantwurten und die du inen fürhalten würdest, kuntschaft der warhait zu sagen irs wissens"
      und, wann die zeugen also <term>gelopt und geschworen</term> haben oder das mit willen der
      partheien erlassen sind, also dann sie, die zeugen, und jeglichen besonder in abwesen baider
      partheien <term>articul und fragstuck</term>, die von den partheien überantwurt und übergeben,
      fragest und, was sie also sagen, dasselb eigentlich nach der lengde in ein schrift stellest
      und die zusampt diser commission, articul, fragstucken, und allem prozeß unserm hofrichter und
      rethen <term>verschlossen und versiglet</term> überantwurtest. Wolt oder würde sich aber imand
      kundtschaft zu sagen, sperren oder ungehorsam <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n143/mode/1up" n="134" xml:id="S.134"/> erzaigen, den zwing darzu mit gewonlichen penen des rechten. Des
      alles wollen wir uns zu dir verlassen zu urkund under unserm zurück ufgetrucktem secret,
      versigelt geben uf .....</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.Datum">
          <head>Datum</head>
          <p> Actum et datum montags nach sanct urseillentag ano C nono.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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