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Unser Cristofs, von Gottes gnaden margrave zu Baden und Hochberg, grave zu Spanheim, herr zu
Rateln und zu Susemburg, satzungen, ordnungen und statuten unsers hofgerichts,
die wir unsern richtern und rethen auch allen und jedem unsern amptleiten und
herschaften auch allen andern, uns sonst von wegen unser furstlichen und hohen oberkait
underworfen, und den spenen, so an demselben unserm hofgericht gerichtlich handlin werden,
bevelhen und gepieten hinfur (bis auf unser oder unser erben widerrufen
und änderung) zu halten, darauf zu urtheilen und der irs inhalts zu leben, die wir
also ernewert und gesetzt haben anzaigende uf Sanct Martinus des heiligen bischofstag
nechstkompt.
Erstlich so wollen wir, daß unser hofgericht hinfür eins jeden jars drei male, nämlichen
das erst in der wochen nach dem sontag Quasimodogeniti, das ander in der wochen nach
Bartholomei Apostoli, das drit in der wochen nach der hailigen Dreier Königtag allweg zu
tagen, die wir in unserm usschreiben benennen, gehalten werden sollen.
Dasselb unser hofgericht soll mit einem richter und rethen besetz werden in einer zale, daß
mit dem richter under sieben personen nit seien, und gehalten werden an enden unsers
fürstenthumbs, dahin wirs beschaiden werden.
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Item welcher sich von einer urtheil an unser hofgericht berufen will, der mag das thon nach
eröffnung der urtheil in gegenwürtigkait des gerichts, zuvor und ehe das ufstet, mit
lebendiger stime und sich gebrauchen in der wirdigkait der wort „Ich bin der
urtail beschwert und beruf mich davon für mein gnedigen heren und seiner gnaden hofgericht und
bitt und begere an euch, stabhalter und urtelsprecher, ir wollet mir diser meiner
berufung brief und urkundt geben". Ob aber ainer hernach, so das gericht
ufgestanden, an rat funde, daß er beschwerdt wer, so lassen wir zu, daß er sich in zehen tagen
nach eröffnung der urtail oder von der zeit seines erfarens, so er die urtail vormals nit
gehört oder gewußt hete, vor dem gericht oder richter, davon er appellieren würde, in
schriften oder nach gewonlich herbrachter übung vor einem bekanten notarien und gezeugen
berufen und appellieren mege; doch daß soll ich berufen geschehe in geschrift
und darüber ufgericht werde ein instrument. Und wan die appellation
jetztgemelter massen in schriften vor notarien und gezugen geschieht, so soll der appellant
die innerhalb dreissig tagen (anzurechnen von dem tag beschehener appellation) dem stabhalter
der gericht oder seinem verweser verkünden und von im begeren appostelurkund und
urtailbrief. Des gleichen wa in abwesen des appellaten oder seines anwaldts
appelliert, soll dem appellaten die gethon appellation, deren verkündung dem richter beschehen
und wo derselb der appellation deferirt oder statt gethon hett, verkündet werden
nach form des rechtens.
Item in fellen, so die hernach von einer vor- oder beiurtail an den
undergerichten zu appelliren zugelassen ist, soll dieselb appellation allweg geschehen
schriftlich und nit mundtlich und mit inhaltung und sonderlicher meldung der ursach seiner
beschwerden und mit begerung der apposteln und verkundtsbriefe vom richter, auch
verkündungen dem richter und den widerpartheien, wie in nechsten articuln vormals begriffen
ist.
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Item ein jede appellation, so die in obgeschribner maß beschicht, soll von den appellanten
oder seinem gewalthaber inerhalb dreissig tagen, als sie geschehen ist, anbracht und verkundt
werden in unser cantzlei und daselbs ufgezaichtnet werden, uf welchen tag solchs anbrangen
geschehen sei.
Item es soll an unserm hofgericht kain appellation angenomen, noch rechtlich verhört
werden, es sei dann daß die hauptsach darumb were zehn pfund penning oder darüber; und ob
zwischen partheien der sum und tax halben spenen entstaun, soll sein zu dem aide
des appellanten, wie er sein ansprach in dem ersten gerichtzwang achtet unnd taxiert. Doch so
sollen in disem unsern gesatze nit begriffen sein sachen und hindele, die er oder
stende zinß gulten antreffende, und mag derhalben an unser hofgericht wol appelliert werden
unangesehen, ob es die sum erreicht. Aber von urtail, damit uns frefeln, busen nach lut unser
landsordnung zuerkannt werden, soll nit mögen appelliert werden; doch was abtrag, busen
oder straven herrürt userthalb freveln inhalt gemelter landsordnung, so uns zu- oder
aberkannt würden, die nit den leib, glieder oder peinlich strafen inhaltend,
davon mag wol appelliert werden, doch nit witer, dann fur unser hofgericht.
Wie wol nun unser mainung, wie obstat, nit ist, daß einich appellationsachen, da die
hauptsum under zehen pfund ist, an unserm hofgericht gehordt werden sollen, so lassen wir doch
zu, daß in allen sachen, da die hauptsach fünf pfund oder darüber ist, an uns appelliert
werden möge nach form und inhalt diser unser ordnung und, wan solchs appellation
beschehen und in unser cantzlei anpracht wurde, so sollen und wollen uf der appellanten
ansuchen wir oder unser stathalter bestimpte appellation, so fünf pfund oder darüber und doch
die zehen nit ergriffen megen, zu rechtlichem entscheide und ustrag bevelhen und
conmittieren usserthalb unsers hofgerichts in die empter, dannen appellation beschehen wer;
wollen doch
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daß von solch unser commissarien spruch weiter nit appelliert.
Item es soll an den undergerichten von keiner vor- oder beiurtheil, die die
endurtheil nit uf ir tregt, oder der beschwerung durch die appellation, so von der endurthail
beschicht, widerbracht werden mag, nach form des kaiserlichen rechten nit appelliert, noch an
unserm hofgericht gehert und im selben falle die partheien wider an das undergericht gewisen
und der appellant in costen verdampt werden.
Wann auch von ainer beiurtheil an unsern undergerichten appelliert wurde, sover dann den
unterrichter bedunckt, daß die frevlich oder unnotturftigliche, [so] mag er der
appellation nit deferiren oder stat geben, sondern in der sachen volfaren, so
lang und bis im von uns oder unserm hofgericht inhibits- und verpotsbrief zukomen
—, doch so soll derselb underrichter, sover und ehe er der appellation nit stat geben
will, uf beschehen begerung der appostel geben abschlegig, zu latin refutationes
genant.
Item es sollen von den undergerichten uf begeren der partheien eins oder baider theils in
sachen, davon an unser hofgericht appelliert wurdt, urtheilbrief uf costen der partheien,
furtrege, clag, antwurt, wider- und nachreden, auch ingelegt briefe oder
schriften und gefürte kuntschaften, auch anzaige gethaner appellation, tagszeit und form und,
wie vor inen beschehen und was darauf zu antwurt gefallen sei, [ufgeschrieben] und solich
gerichthindel mit fleisig besicherung des gerichts under irem oder eins amptmans daselbst
sigel den begerenden partheien uf iren zimlichen schreibercosten geben werden. Ob aber ein
urtail gienge, da kain schreiber were, sollen zwei von demselbigen gericht an ir obergericht
unverzogenlich, weil sie die furtreg noch in frischer gedechtnus haben, geschickt werden, da
sie einen schreiber finden, daselbs die sachen in vorgerüter maß ufzuschreiben und zu
fertigen, doch nit zu versiglin, es haben dan andere ir mitrichtere die zuvor auch gehert und
zu gelassen. Denselben zwaien richteren
| Seite 122| soll dann der, der urtails-brief haben will, ir zimliches zu dem schreiber
lon (der soll auch zimlich genommen und gehalten werden) ußrichten.
Wo auch das undergericht uf ansinnen des appellaten die gerichtsacta, vor inen ergangen, zu
geben weigern oder verzug und verbiegung thon würde, darmit dan die appellation
ir formalien halb und sonst der fürderlich gerechtfertigt und auch in der hauptsach procediert
werden möge, so lassen wir umb fürderung willen der sach zu: sover die appellation innerhalb
dreissig tagen, wie obsteet, in unser cantzlei anbracht ist, daß alsdann us unser cantzlei
wider dasselbs undergericht compulsoriales und zwangsbriefe bei einer nemlichen
pene zehen pfund pfening, uns zu straf von den ungehorsamen zu bezalen, geben werden mögen,
unangesehen ob wol in der appellationsach noch kain gerichtstag gehalten were, mit beheltnis
uf begarung der ungehorsamen unser weiter straf nach gepüre. Es sollen sich auch die
undergericht zum hechsten fleissen, die gerichtshindele, vor inen ergangen, mit meldung der
appellation, sover die vor inen beschehen were, mit lauter und volkumen begreifung der
parteien furtreg, allen inbrachten briefen, verhörung der zeugen und ergangen reden recht zu
verfassen, damit durch sollich mingel, als an unserm hofgericht oftmals zu schaden der
partheien hievor begegnet ist, die sachen nit gelingert und die parthei zu kosten gebracht
werde. Dann wa unser hofrichter des säumnis an undergerichten befindet, soll er den partheien,
die des schaden leiden würden, von den undergerichten zur billichen kerung des costens und
schadens verhelfen.
Item uf daß die sach gefürdert und hofrichter und rhete nit unnotturftiglich ufgehalten
werden, so sollen hinfür all parteien, so an unser hofgericht vertagt werden, zu früwer
tagzeit erscheinen, das ist nimlich zu somerszeiten zu sechs uren und zu windters zeiten zu
siben uren, alsdan vor hofrichter und rethen zu erscheinen. Welche parthei aber uf dieselb
zeit und stund nit gegenwurtig wer, so die nach dem register der tagsatzung beruft wurdet und
irs usbleibens nit redlich ursach fürbrechte, die soll uns zu straf verfallen
| Seite 123| sein ein ort eins guldens und
nichts destominder der ungehorsam gehalten werden, wie nachvolgt.
Item die vertagungen an unser hofgericht sollen mit schlichten offnen tagzedeln wie bisher
usgen und baiden parteien under augen, wo man die gehaben möge, oder in die gewonlich wonungen
zugeschickt werden; doch in kaiserlichen oder küniglichen commissionsachen soll es auch, wie
bisher, gehalten werden nach forme des rechtens.
Item in ansehung daß unser hofgericht haltung verzüglich und us fürgefallen gescheften
etwan fürgeschoben werden möchte, damit dann die partheien fürderlichen ustrag erlangen, so
sollen in allen appellationsachen nit mehr dann zwei vertagungen usgeen, deren die ander
peremptorie sei und darin usgetruckt werden soll, es wer dann daß richter und
rethe nach gestalt der sachen bedeucht, weiter vertagung usgen zu lassen; das soll mit dieser
satzung unbenommen sein.
Item zu veroffnung der endurteile oder, die kraft einer urtheil haben, soll ein jede
vertagung peremptorie beschen, baiden parteien under augen oder in ir gewonliche wonung, wie
obstet, durch geschworen boten oder in ander glaublich und bewerlich weiß
verkundt werden.
Item die so der partheien für unser hofgericht werden vertagt und ainiche parthei
ungehorsam were und rechtlich nit erschine, so soll als dann uf erforderung und
anrufen des gehorsamen theils fürgangen und procediert werden nach des
rechten und gestalt einer jeden ungehorsamei und gelegenhait der sach.
Item ob uf die erste tagsatzung einich parthei ungehorsam ausbleibe, also daß sie zu
bestimpten tag und stund nit herscheinen were, sover dann desselb usbleibent theil (zu der
andern tagsatzung in recht)
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nit erscheint redlich ursach und ehehafte seines usbleibens, so soll er schuldig sein, dem
gegenthail zuvor und, ee weiter in der sachen volfaren werde, seinen costen und
schaden, der ersten tagsatzung halb gelitten, nach messigung unser hofrichter und
rethe abzulegen und zu bekeren.
Item wo ein appellant in ungehorsamei seines widertails zu procedieren zugelassen würdet,
so soll er zuerst unser hofrichter und rethe usgegangener tagsatzung und daruf der formalien
seiner gethan appellation underrichten und die beweislich darthon und darnach in den
beschwerungen und hauptsach gehort werden.
Item ein jeder appellat mag aber, will er in endlichen ungehorsame seines widertheils
procedieren, uf die defertion der appellation, dass die gefallen, und zur
gründung des gerichtszwangs die formalien der appellation beibringen und daruf die behalten
urtheil zu confirmieren und befestigen begeren.
Item so ordnen und setzen wir: welcher einem andern sein gewalt, für ine an unserm
hofgericht zu erscheinen, geben würdet, daß er in solchem gewalt uns oder unser hofgericht als
richter, sich selbs, seinen widerparthei und auch den gewalthaber, jeglichen mit seinem namen,
die sach, darumb taggesetzt ist, bestimmen soll mit versprechens, „was der gewalthaber
von seinen wegen in recht thun und lassen werde, daß er das stete und vest halten
und dem nachkomen wolle, wie recht seie", und daß solch gewalt von einem edelman under seinem
oder eins andern glaubhaftigen edelman insigel oder in ander weise, die im recht glaubhaftig
sein, und von einem bürgerman under eins raths, gerichts, prelaten, edelmans oder amptmans
insigel oder auch in anderweise dem rechten gemeß usgangen.
Item so einer seine gewalt vor unserm hofgericht übergeben will, so soll der richter den
fragen, in welcher sach er gewalt geben wolle und so, das von ime zu erkunnen geben würdet, so
soll der richter im lassen vorlesen die form des gewalts also lutendt:
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vollen gewalt in der aller besten form, die sach im rechten zu handlin zu gewin, verlust und
zu allem rechten und demselben nachzukumen, wie recht ist, auch den aid für
geverde und einen jeden zimlichen eide, der vom richter ufgelegt würde, in dem falle
zu schweren in obberüter sachen: das alles gelobst du an stabe ungeverlich".
Und so das beschicht, soll von unserm hofgerichtschreiber solchs gewaltsgebung actis
vermerkt werden.
Item sover die parteien erscheinen durch sich selbs oder ir anwelde, so soll der appellant
anfenglich seiner gethon appellation formalien in recht beweisen, es wer dan daß der
widertheil in seiner gethonen appellation gestindig oder die nit anfechten wolt.
Item so das beschicht, würdet dann der appellation für tauglich herkennt oder vom
widertheil nit angefochten, so sollen nach herkumen und brauch unsers hofgerichts
die appostel und urkundbrief auch die gerichtsakten der ersten instantz, wo die
gegeben weren, vor allen reden verlesen werden.
Item dann im falle, so von einer vor- oder beiurthail oder beschwerde
appelliert ist, so soll der appellant seine appellation, wie die in schriften mit inserierung
der ursachen der beschwerden versehen und verfaßt ist, anstat der klag widerumb anziehen und
darauf begeren zu erkennen „daß übel gehandelt oder geurtailt und wol appelliert sei";
wo aber von einer endurtail appelliert ist, so soll der appellant nach vorlesung der
gerichtsacten, wo er die han möge, seine beschwerungen und clag müntlich oder in
schriften fürbringen mit begeren zu erkenen „daß übel gesprochen und wol
appelliert sei"; doch [wenn] von einer urtheil, damit der appellat ledig erkannt were,
appelliert worden, mag der appellant begeren „zu urthailn laut seiner begerung in der
ersten gerichts übung".
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Item nachdem mag der appellat darauf sein antwurt geben oder uszuge thun.
Item dargegen mag der appellant replicieren und der appellat sein duplic und
jeder teil darauf noch ein red und nit mehr thun, also daß allweg in einer jeden sach, dar
über man urthail sprechen soll, es sei in bei- oder endurtail, zum selben mal nit
über [drei] reden von jedem teil geschehen, darin die parteien inbringen sollen und mögen, was
inen not ist —, es wer dan daß richter und reth us redlichen ursachen sollichs mit
urthail zuliessen.
Item begebe sich aber, daß einich parthei icht neuwers fürbringen oder
beweisen wolt durch briefen, schriften oder in ander rechtmessig wege, das in der
ersten instants nit fürbracht oder gnugsamlich bewiesen were, das soll nit abgeschlagen,
sonder zugelassen und gehort werden; doch wo unsere hofrichter und rethe amptshalb bedeucht
oder die widerparthei vermeinen wolt, daß es zu geverlicher verlengerung des kriegs geschehe,
mögen dieselbe unser hofrichter und rethe derselben partheien ufflegen, sich des mit dem eid
zu benemen. Doch ob einich partheie uf punkten oder artickel oder derselben
starken widersein, darumb vormals in erster instans auch zeugen wie recht gefürt und geöffnet
worden durch nuw und ander zeugen, so in der ersten instants und gerichtsübung nit gehordt
weren, beweisung thun wolte, die sollen nit zugelassen oder gehert werden — es were
dann, daß richter und rethen nach art und gestalt der sachen ein anders recht bedeucht. Und so
die partheien obgemelter maßen ichts news zu beweisen oder fürzubringen zugelassen werden,
soll es damithin gehalten werden, wie die in dem articul hernach von verherung der zeugen
begriffen.
Item so hinfür von einem oder beiden theilen der eide für geverde, zu latin
juramentum calumniae genant, an unserm hofgericht, es sei in erster instantz
alda hangend oder appellation sachen, gesonnen würde, sollen die partheien den schweren und,
wo sich der cleger des weigert, so ist er seiner clag verlustig, widert sich aber der
antwurter, so ist er dem cleger laut seiner clag verfallen.
Und sindt diß die artickel, so der eid für geverde inhelt:
- a) Item daß er meine, ein gerecht sach [zu] han,
- b) Item daß er die warhait wolle sagen, darumb er gefragt werde, und die nit
verleugknen,
- c) Item daß er sich kainer andern bewerung wolle gebrauchen, dann die er zu steur der
warhait not acht,
- d) Item daß er dem richter oder ainicher ander person, der das die recht, zu nemen, nit
zulassen, durch sich oder ander nichts geben oder verhaisen habe oder geben oder verhaisen
wolle in der sach, daß die urthail für ine gange,
- e) Item daß er in diser sach kein schub zu verlengung des kriegs begeren wolle.
Item wann also die partheien ir fürbringen im recht, wie obstat, gethun und mit obgemelten
dreien reden beschlossen haben, sover sie nichts newers zu beweisen haben oder darzu nit
zugelassen werden, wo dann von einer vor- oder bei-urthail oder beschwernis
appelliert ist, wurde dan gesprochen, „wolgehandlet oder geurthailt", so soll die
hauptsach wider für den underrichter gewisen und daselbst in recht darauf vollfaren werden,
[sofern aber über ein endurteil] gehandelt were, so soll die sach an unserm hofgericht
beleiben und daselbs geendet werden.
Item so hinfür einicher partheien an unserm hofgericht es sei in erster instants oder
appellation sachen durch zeugen bewerung zu thun zugelassen würdet, so soll dieselb parthei uf
gesinen der widerpartheien die sach und meinungen seiner beweisung artickelsweise
mündtlich oder schriftlich angeben, darus zuvor zu sehen, was er beweisen will.
Beducht dann unserm hofrichter und rethen oder herfunde sich durch anfechtung des widertheils,
daß sollich artickel undeutlich und unfürtreglich weren, so soll sollich
beweisung zu beschwerung des anderin theils nit zugelassen werden. Beheltlich so die artickel
nit verworfen werden, [so soll] dem widertheil sein fragstück, darauf, nach dem aber nach
gebrauch unsers hofgerichts merentheils zu verherung der zeugen commissarien gegeben werden.
Haben die
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übergebung der artickel und fragstück vor hofrichter und rethen gegeneinander gesinnung, so
mögen sie sollich artickel und fragstück dem commissarien übergeben mit beheltnus
der inrede der undienstlichkait nach eröffnung der zeugen sage.
Die Zeugen, so für unser hofrichter oder gegeben commissarien gestelt werden, sollen nach
geschrieben eid schweren:
„Ir werden ewer traw geben und darauf schweren einen eid leiplich zu Got und den
Hailigen, eine lautere volkomene warhait zu sagen mir dem richter oder commissarien, darzu
geordnet, was kundt und wissen sei von den stucken in der sach, darumb dieser krieg ist, und
darunder kain warhait und falschheit zu mischen und auch darin nit irren oder
bewegen lassen nutz, freuntschaft, gunst, neid, gab, forcht, oder einich ander
sach, wie die erdacht werden möchten, dan allein zusagen die warhait und dem rechten
zu hilf."
Und wan im also der eid mit erinnerung der schweren übelthat und hohen strafen des
meineides vorsagt wurdt, also dan sollen sie ir trew geben und darauf ufgeben und mit den
worten inen vorgesagt werden, wie sie ir trew geben haben, und mit worten beschieden sein, daß
sie dem nachkumen und das ware und stete halten wollen getreulich und
ungeverlich, also bitten sie zum Gott, zu helfen und das hailig evangelium.
Es soll auch kainem zeugen diser eid one baider partheien bewilligen erlassen werden und
daruf alle gezeugen insonderhait und alle ainer nach der andern in abwesen der partheien und
ander zeugen und nit offentlich gehert werden, des gleichen der zeuge gefragt werden umb stand
der sachen als statt, zeit und ursach seins wissens, wie sich nach gestalt der sach und was
und wie dem verherer nach seiner beschaidenheit und vernunft im rechten dienstlich und
notturftig bedeucht. Und damit die commissarien in verherung irer zeugnisse diser unser
ordnung sich gemeß zu halten wissen, haben wir zu ende diser ordnung einen begriff thun setzen
„form und maß der commission"; der gleich form sich ein jeder commissarius halten soll;
und wo das nit geschehe, soll sein verhörung von unwerd sein.
Item es sollen zu fürung die zugen nit mehr dann ain schub
(dilation) gegeben werden, es wer dann daß eehaft ursach und
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bestendig fürgebracht würde, daß richter und rathe billich gedücht, mer schub zu
geben.
Item nach öffnung der zeugen sag, so solls beiden theilen darnach auf die artickel, darumb
kundtschaft gefürt ist, oder dem starken widersein derselben articul weiter zeugschaft zu
leiten außers nit zugelassen werden, es were dann, daß richter und rath nach art und gestalt
einer sach ein anders rechts bedeuch.
Und ob einicher theil nach öffnung und verherung der gezeugniß begerte [von]
des andern theils kuntschaften abschriften oder copeien, damit er sein einred
schriftlich oder mündtlich dester baß thon möge, so sollen im die uf sein costen
gegeben werden.
Es soll auch jedem theil nach öffnung und verherung der gezeugniß sein zu- und
inred in die personen der zeugen und ersagt, wie recht, zuthun behalten sein; und in demselben
zu- und inreden jede parthei nit mehr dann zwei reden thun, damit auch baide partheien in der
sach befleissen sollen, es wer dann daß richter und rethe einich partheien halb not bedeucht
inen weither zuzulassen; das doch one merglich ursacht und rechtlich herkantnuß nit geschehe,
so soll er doch über die drit red zuthun nit zugelassen werden. Wan auch die zeugen im ersten
gerichtgang nit haimlich und einich, sonder offentlich oder
samentlich oder, daß sie allein glaubet geben und nit den eid darzu geschworen heten,
verhört worden weren und sollichs daselbst von den partheien geduldet und
unangefochten bleiben, so soll sollich anfechtung wider die verhöre egerürter ursachen
halb an unserm hofgericht nit mehr statt haben.
Item ob ainich parthei im rechten unserer hofgericht weither tag und schub
begeren würde, es sei in der ersten instantz oder appellationsach, so mag ein hofgericht nach
gestalt einer jeden sach, wie recht, sollichs erkennen; doch fürkomen lengung ursach, wo es
richter und reth für not ansehe, daß dan dieselb parthei zuvor globe und swere,
daß sie sollich schub und tag us irer notturft und [nit] zu lengerung der sach oder seiner
gegenparthei mit geverdt und zutreiben begere.
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Item zu fürderung der gerichtübung und die sachen des kriegs zu bekürtzen, sollen all und
jede schub und tag, die nach befestigung des kriegs und vor
endlichem beschlus und rechtsatz mit recht erkannt und zugelassen werden,
peremptorie und endtlich sein, es würden dann rechtlich und ehaft ursachen
und verhinderung fürbracht, die hofrichter und rethe bewegeten, weiter schub zu
geben.
Item wan der appellierer seiner appellation vorm hofgericht verlustig würdet, so soll er
dem widertheil, der vormals ein behalten urthail gehabt hete, sein costen und
schaden ablegen; würde aber der appellierer sein appellation vorm hofgericht behalten,
ist er seinem widertheil, [welche der] gehapt hot umb costen und schaden der appellation halb
gelitten, nichts schuldig. Doch so ist richtern und rethen vorbehalten, nach gestalt einer
jeden sach umb den costen mit gebürlicher vergleichung desselben insehens zu han.
Item der hofgerichtschreiber soll bei seinem geschwornen eid seinem ampt getrewlich vorsein
mit ufschreiben, lesen und anderm, auch brief und anders, so in gericht brauch wurdet,
getrewlich verwaren und die ratschlege der hofrichter und rethe one gehaiß derselben nit
öffnen, auch kainer parthei wider die ander rathen und warnen umb kainerlei sach willen, darzu
kain geschrift den partheien hinus geben on erlaubt deren, die es macht haben, und in der tax
der briefe sich zimlich halten und niemand übernemen und in sonderhait bei seinem geschwornen
eid einem jeden appellanten, so der urthelsbrif nimpt, an der gepürlichen tax solchs
urtheilbriefs das gelt, so er in anbringung seiner appellation ingelegt (das ist nemlich ein
gulden in sachen, da die hauptsach fünfzig gülden oder darunder, und, da die über fünfzig
lauft, zwein gulden und nit darunder) widerumb abziehen und urtheilbrief bei obgemeltem eid
darumb nit dester höher taxiren.
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Item ist geordnet, daß die partheien allweg bei unserm hofgericht finden drei oder vir
geschworen geordnete fürsprechen, die, und so dick sich ein änderung oder ersatzung mit
fürsprecher begibt, schweren sollen den nachvolgenden eid „daß er, der fürsprech, die
parthei, deren er sich irer sach annempt zu handeln, mit gantzen und rechten trawen meinen und
sollich sach im rechten nach seiner besten verstandtnuß seiner parthei zu gut fürbringen und
handlin und darin kainerlei falsch noch unrecht wissentlich brauchen wolle oder
geverlich schub zu verlengerung der sach suchen, das die parthei zu thun im nit
underweiset; auch mit der parthei keinerlei vorgedinge oder fürwort machen, im
von der sach, der er in rechten redner ist, zu haben oder zu warten; auch haimlichent und
gehelf, so sie von den partheien empfangen [zur] underrichtung der sachen, von ine selbs
mercken werden, seiner parthei zu schaden niemands offenbaren; und vor gericht erbarkeit
gebrauchen darzu auch die partheien über den soldt oder lone, der ime nach
unserer ordnung gepürt, mit merung oder anderm geding nit beschweren oder erhöhen wölle und,
ob solds oder lons halb zwüschen ime und ainich parthei irung entstünde,
desselben zu bescheiden bei beschaid unsers hofrichters oder, wem der hofrichter us den rethen
das bewillich; daß er auch der angenomenen sach sich on redlich ursach nit entschlagen, sonder
iren partheien bis zu end des rechten handlen wöllen."
Item welcher fürsprech sich einer sach annempt zu reden oder zuraten, der soll
in derselben sach dem widertheil zu raten, zu reden oder ainichen beistand zu
thun, nit zugelassen werden.
Item es soll kain parthei mer dan einen der geschworen fürsprechen ufnemen oder
bestellen, es wer dann daß die ein parthei einen frembden fürsprechen mit brächte. So
mag die ander parthei der geschworenen fürsprechen, sovil ir geliebt, bestellen und
annemen.
Item es soll hinfür kain fürsprech einich parthei in ir sach rathen;
| Seite 132| dieselb, die ine umb rath
suchet, wolle dann ine zu fürsprech in der sache brauchen.
Item uf daß niemand armut halb rechtlos gelassen werden, so soll unser hofrichter, so je zu
zeiten sein würdet, die sachen der armen, die ir armut mit irem eid, ob der gesonnen würdet,
beschweren, den fürsprechen bevehlen, ine one sold zu reden; und welchen redner sollich sachen
vom richter empfalhen werden, der soll bei entsetzung seines ampts schuldig und
pflichtlich sein, die sachen one widerreden anzunemen. Doch ob sollicher armenlut
sachen mer dann ein weren oder wurden, die soll der richter gleich under die redner
teilen.
Weither ist geordnet, ob imands in appellation sachen ein frembden redner mit im brechte,
der soll vor unserm hofgericht zu reden zugelassen werden, doch also mit dem underschid: damit
die geschwornen fursprechen demselben hofgericht nit vergebentz ufwarten bederfen, hette dan
die parthei, so solch frembde fursprech brechte, dieselben zuvor und, ee sie an das ende, da
unser hofgericht gehalten würdet, komen, bestellt, so soll [sie] zuvor und, eh sie in recht
zugelassen würdet, den halben gesetzten fürsprechen-lone zu gemeinem gericht under geordnete
fürsprechen bezalen; wa aber die parthei solchs fürsprechen zuvor und, ee sie an das ende, da
unser hofgericht gehalten würdt, [käme,] nit bestelt und in erst daselbst angenomen, so soll
die in recht nit zugelassen werden, sie hab dann zuvor bezalt und ußgericht den gesetzten
fürsprechen-lon, nemlich fünf schilling, die dan fürter die geordneten in gemain under sich
gleich theilen sollen.
Item nachdem zu unserm hofgericht drei oder vier fürsprechen bestelt, die auch dem
aufzuwarten bei irem geschwornen eid verbunden sind, uf daß sie dann solchs deßbaß gethon und
einer vor dem andern destweniger vortheils, sonder all umb ir wartung, müh und
arbait zimliche nissung und belonung haben mögen, so sollen dieselben
geschwornen fürsprechen jeder des halb theil der fünf schilling pfening irer gemainen
gesetzten belonung von allen sachen, die in unser hofgericht vertagt, darin sie zu fürsprechen
gebraucht, legen in ein gemaine buch und den allweg zu usgang jedes hofgerichts
| Seite 133| daselb gelt under sich
gemainlich und gleich theilen; und das ander halb theil des gesetzten lons oder, ob und was
die partheien inen über den gesetzten lon weither geben, soll und mag ir jeder von den sachen,
darin er geredet hett, für sichs selbs allein behalten.
Item der fürsprechen lone soll sein von einer gemainen sach fünf schilling pfennig; aber
sachen, da uf anzaige der redner unsern hofrichter bedeuch, daß ein fürsprech meren lone
verdient hete, soll sich ein jeder fürsprech lassen begnügen des lons, wie ime der hofrichter
über vorgemelt summe schepfet —, darmit nemandt übersetzt werde.
Wir Cristof etc. entpieten N. unser gnad und thun dir kundt: Als von unser hofrichtern und
rethen zwischen N. an einem und N. anders theils in der rechtverfertigung, damit sie vor
unserm hofgericht in recht hangend und verfaßt sind, jüngst ein urtheil gangen ist, die lut
abschaids, deshalb ußgangen, bemelten N. seinem begeren und erpitten nach
zulasst, durch zeugen etwas bewerung zu thun, haben die gemelten unsere hofrichter und reth uf
begeren und bewilligen der partheien dich zu commissarien verordnet und gegeben. Demnach
bevehlen wir dir, mit ernst, daß du baide partheien und die zeugen, so dir von genantem benent
werden, uf einen benanten tag für dich mitierest und heischest und in
gegenwürtigkait der partheien oder irer anwelde oder, ob eine ungehorsam ußbleibt, die zeugen
dir geloben und schweren, sie auch des one der partheien willen und gefallen nit
erlassest, „uf die articul und fragstuck, so dir die partheien
überantwurten und die du inen fürhalten würdest, kuntschaft der warhait zu sagen irs wissens"
und, wann die zeugen also gelopt und geschworen haben oder das mit willen der
partheien erlassen sind, also dann sie, die zeugen, und jeglichen besonder in abwesen baider
partheien articul und fragstuck, die von den partheien überantwurt und übergeben,
fragest und, was sie also sagen, dasselb eigentlich nach der lengde in ein schrift stellest
und die zusampt diser commission, articul, fragstucken, und allem prozeß unserm hofrichter und
rethen verschlossen und versiglet überantwurtest. Wolt oder würde sich aber imand
kundtschaft zu sagen, sperren oder ungehorsam
| Seite 134| erzaigen, den zwing darzu mit gewonlichen penen des rechten. Des
alles wollen wir uns zu dir verlassen zu urkund under unserm zurück ufgetrucktem secret,
versigelt geben uf .....
Actum et datum montags nach sanct urseillentag ano C nono.