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        <title>Die Summa legum brevis levis et utilis des sogenannten Doctor Raymundus von
                    Wiener-Neustadt</title>
        <author corresp="marcrelator:aut">
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            <forename>Raymundus</forename>
            <surname>von Wiener-Neustadt</surname>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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          <author corresp="marcrelator:aut">
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              <forename>Raymundus</forename>
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              <forename>Alexander</forename>
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          <title>Die Summa legum brevis levis et utilis des sogenannten Doctor Raymundus
                        von Wiener-Neustadt</title>. (<publisher>Böhlau</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Weimar</pubPlace>
          <date when="1926">1926</date>) </bibl>
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      <editorialDecl>
        <p>Druckausgabe: Gál, Alexander [Hrsg.], Die Summa legum brevis levis et utilis des
                    sogenannten Doctor Raymundus von Wiener-Neustadt / ; 731 S. : Weimar
                    (1926).<lb/> Elektronische Edition des deutschen Textes 2011/2013 durch Heino
                    Speer auf Grund der Transkription innerhalb des Teilprojekts A 7 des SFB 226 [=
                    Wissensorganisierende und wissensvermittelnde Literatur im Mittelalter —
                    Würzburg-Eichstätt] durch Bettina Brendel, Regina Frisch, Stephan Moser.<lb/>
                    Letzte Aktualisierung 13.05.2016</p>
      </editorialDecl>
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      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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        <language ident="de">Deutsch</language>
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                            1500</date>
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        <head>Die Summa legum brevis levis et utilis des sogenannten Doctor Raymundus von
                    Wiener-Neustadt</head>
        <div xml:id="NA.1">
          <head>[Summa legum brevis et levis atque utilis]</head>
          <p>
            <pb
              n="123"/> Durch die väterliche lieb, welche ich zu meinen sunen hab
                        gehebt, hab angefangen aus klaynikait meiner vernunft mit vil wachen vnd nit
                        klaine arbeten ein klaine sum der gesatzt, ein kurtze vnd leichte, auch
                        nutzliche mit schlechten sitten zesamen brengen, das sie ueben so lang, byß
                        sie komen zu grossern dingen. Byn anruefende die gnad des hayligen gaystes,
                        das <pb n="124"/> sie mich behelf vnd mache erfullen, on welchen kain anfang
                        ordenlich wirt gegrundt vnd mangelt des nutz vnd eer alles endes.</p>
          <div xml:id="NA.1.1">
            <head>Cap. I. Zum ersten von den regirer vnd gubernator der stat.</head>

            <p> Es ist not einem jedlichen regirer vnd gubernator einer stat zwm mynsten
                            in im haben das recht, als die kunst der gesetz vnd die fursichtikait
                            der waffen, das er durch das gesetz zu zeit des [f]rides die poßhait der
                            menschen vertreib vnd durch die waffen zu zeit des vnfrids den
                            anfechtungen der feindt widderstee. Darumb ist zw sagen am ersten von
                            den gesetzen vnd darnach von den waffen. <pb n="125"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.2">
            <head>Cap. II. Von der gerechtikait vnd den rechten.</head>

            <p> Die gerechtikait ist ein steter vnd ewiger will zw gebend einen
                            jedlichen seine recht. Das recht nach dem Tullium ist ein kunsth oder
                            ein wissen des gerechten vnd gueten, nach welcher wir genandt werden
                            priester, das ist lerendt des heyligen gesetz. Fursichtikait des rechtes
                            ist der götlichen vnd menschlichen sachen kundtschaft, des gerechten vnd
                            vngerechten weyshait. Vnd wie wol die drei fur eines genummen werent,
                            doch ist eine drifeldickliche vnderschaid. Die gerechtikait ist ein
                            tugend sitlich, das recht verstregbarlich der tugend, hegung des
                            rechtens ist ein kunst des selbigen rechtens. Die gerechtikait ist vnder
                            den tugenden das obers gut, das <pb n="126"/> recht ist myttel, hegung
                            des rechtes ist das niderst. Die gerechtikait gibt einen jedlichen das
                            sein ist, das recht vereindt, hegung des rechtes lernt, wie das
                            geschech. Aber die gerechtikait ist zwifeltickh, als naturlich vnd
                            gesatzlich. Die naturliche ist ein steter ewiger will, seine recht einem
                            yedem gebend. Vnd on die mag kainer besitzen das reich gotes. Aber die
                            gesatzlich gerechtikait ist das gesatz an ihm selbest, welcher oft
                            verwandelt wirt, an welche wider das volg noch die reich mugent
                            bleyben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.3">
            <head>Cap. III. Die teylung des rechtes.</head>

            <p> Das recht ist zwifeltich: wann eins ist das offen recht, das ander ist
                            ein besunders. Das offen ist, welchs erstlich gehört zw dem kaysertumb.
                                <pb
                n="127"/> Das besunder recht ist ein besunders recht, welches
                            gehort zw der nutzbarkait besunderer menschen. Vnd das selb besunder ist
                            drifeltickh, als das naturlich vnd das burgerlich recht, ein recht des
                            volks. Das naturlich recht ist, welchs von natur alle ding lert vnd hat
                            hat gelert. Wen das recht ist nit aigen des menschlichen geschlechtes
                            sunder auch alle tier, welche auf der erd vnd in den wassern vnd im luft
                            leben vnd gefutert werden. Darvon ist herkumen verfuegung des mannes vnd
                            der frawen, die wir nennen die ee. Darvon ist komen der kindere machung
                            vnd aufzieung. Wan wir sehen alle tier des rechtens gelert geacht
                            werden. Auch dar von ist herkumen des gelihen gelts vnd erlegten
                            widdergebung, <pb
                n="128"/> der freuel seines nechsten vnd seinselbs
                            abtreibung vnd der gleichen. Aber das recht der leute [ist], mit welchem
                            alle menschen gleichlich brauchen. Wen es ist das selbig recht allem
                            menschlichen geschlecht vergunet. Wan von dem rechten von notturft der
                            menschen erhayschung sein erstanden streit, krieg vnd sein darnach
                            volget fengnusse, welche naturlichen rechten widderwertig. Wann von
                            naturlichem recht vom anfang sein alle kinder vnd menschen frey geborn
                            vnd waren in alle ding gemain vnd hetten ein freyhait, sie habent auch
                            vndereinander kein krieg gehabt. Auch aus dem rechten der leute sein
                            eingefuert naheth alle hendel, als kaufung verkaufung, verleihung
                            bestellung, verwechselung, erlegt guet, wechsel, geselschaft <pb
                n="129"/> vnd ander vil hendel. Item aus dem rechte der leute sein erfunden der
                            stuel oder der geseeß benemung, bawung, verwandlung, der gelubd des
                            frids vnd der teg anstellung des vnfrids vnd der gleichen. Item das
                            burgerlich recht ist, welches ein jedliche statt ir selbs durch die
                            gotlichen vnd menschlichen wrsach hat gesetzt. Vnd wirt gnent ein
                            burgerliches recht als ein eygens recht einer statt. Vnd merckt, das
                            alle völker, welche der gesatzten vnd gewonheiten brauchen, eins teils
                            ires rechtens, eins tails des gemainen rechten aller menschen
                            geniessent. Aber die drei recht sein vnderschidlich, wan das naturlich
                            recht wirt bey allen menschen gleichlich gehalten, von dem eynigen gott
                            gesetzt, fest vnd vnverwechslich <pb n="130"/> bleibt. Aber die andern
                            recht werden oft verendert mit widderwertiger gewonheit oder mit einem
                            andern bessern gesatz darnach gesprochen vnd eingefuert.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.4">
            <head>Cap. IV. Vom wrsprung des rechtes.</head>

            <p> Von anfang der welt sein wening menschen gewesen durch das erdreich hin
                            vnd herender gestreut notturftig vnd elendlichen wonend in höllern des
                            erdreichs. Die selben haben nit bedurft der gesatzten, wan sie nit
                            beyeinander wonten, es belaidigt auch einer den andern nit. Darnach als
                            sie gemert sein wurden, haben sie in gemacht hutten vnd heuslen, <pb
                n="131"/> darnach gassen vnd geslen, in welchen beyainand bliben.
                            Und dan sein erstanden zwischen in krieg vnd gezenck vnd
                            widderwertikait. Wen alsdan der weyser vnd der merer an der geburd, der
                            berufet das volgk vnd hat in gesagt: Ir secht, das durch die wais wir
                            hard beladen sein, was gefelt euch ... Vnd ist gemacht wurden ein
                            statut, welches sie darnach gehalten haben fur ein gesatzt. Zw jungst
                            mit geslen vnd die wonungen gemert macht vnd geweytert haben sie gemacht
                            ein statt, in welch meer gemert das volgk vnd miteinander vereint haben
                            sie gemacht vil stete; aber das volgk zw machen die gesatzt mocht nit zw
                            samen beruft werden. Haben sie erwelt aus inen die weysern vnd die
                            bessern vnd haben in geben wollen gewaldt ein gesatzt zwmachen, welches
                            sie <pb
                n="132"/> habent verhaissen zw halten. Als die erwelt sein
                            wurden nach etlicher zeit vnd die leut einhellig nit mochten werden,
                            haben sie erwelt einen aus inen vnd haben dem geben vollen gewaldt, zw
                            machen alle gesatzt. Der selbige erwelte man, weyse, reich vnd guets
                            geschlechts vnd starck gewesen ist, welcher mit suesen reden hot an sich
                            zogen alles volgk vnd gewunen mechtikait vnd ist wurden ir aller her vnd
                            hot geregire(r)t, als er wolt. Und lauterlich ist kund, wie das volgk im
                            selbs zwm ersten statut vnd gesatzt hot gemacht, zwm andern einen
                            ratenden, zwm dritten aus fursten des volgks. Aber yetz beschicht
                            vngerochen dar widder, wan zwm ersten machen die fursten gesatzt, zwm
                            andern ratgeben, zwm dritten volgklich. Auch nit wellen die <pb n="133"/> fursten auch nit die ratgeben, sunder alle ding nach gefallen, nit
                            fur recht, sunder entweder von lieb, von hass oder gunst.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.5">
            <head>Cap. V. Von taylung des rechtes.</head>

            <p> Es ist wissend, das vnser recht, welches wir brauchen, aus geschribnem
                            oder nit aus geschribnem ist. Das geschriben recht ist das gesatzt, das
                            ist das gesatztlich recht, das gaystliche recht. Das recht der gesatzt
                            ist das ... gevolgklich gesatzt, senatus consultum, den wolgefallen der
                            fuerst. Das gesatzt ist ein heyligs setzung, gebitend ersame ding vnd
                            verbietend vnersame vnd widerwertige ding. Das gesatzt ist rechter
                            vernunft von der pillikait gezogen, gebietend ersame ding vnd verbietend
                            vnersame. <pb n="134"/> Wann alle gesatzt eintweder sein gotlich oder
                            menschlich; die gotliche sein aus gott vnd der natur bestendig, aber die
                            menschliche sein aus sitten vnd aus gewonheiten. Aber das gesatz wirt
                            genant von dem wort 'lego, legis, legere' oder vom 'ligo, ligas,
                            ligare', wenn es bindt vnd streng alle menschen in aine monat nach
                            seiner setzung zw seiner behaltung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.6">
            <head>Cap. VI. Warumb die gesatz sein erfunden.</head>

            <p> Aber es sein gemachte gesatz, das aus furcht der selbigen die vnfrum
                            menschlich kechhait gestraft werde vnd sicher sei vnder den bösen der
                            gueten vnschuldikait; <pb n="135"/> darumb sein gemacht die gesatz, das
                            den bösen aus furcht der pein die mechtikait zw schaden gezemth werde;
                            es sein gemacht gesatz, das sie schedlich begierd vnder der regel des
                            rechten geendt wirt, durch welche das menschliche geschlecht ersamlichen
                            lebe vnd den andern nit belaidige, seine recht einem jedlichen gebe,
                            vnderweyse. Das gesatz aber macht fier ding vnde versus:Das gesatz
                            verheng, straft, gepeut vnd verpeut.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.7">
            <head>Cap. VII. Wie das gesatz sey.</head>
            <p> Es wirt das gesatz ersam, gerecht, schlecht, möglich, notturftig, <pb n="136"/> nutzlich vnd offenbar, nach der natur vnd gewonheit des
                            vaterlands, der stat vnd der zeit verziment, fur alle nutzparkeit der
                            burger geschriben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.8">
            <head>Cap. VIII. Wen die gesatz gemacht werden.</head>
            <p> Aber die gesatz werdent gemacht und gesetzt, wen sie gesprochen werden.
                            Bestetiget entweders mit den sitten der brauchenden bewerd. Also
                            herwidervmb sein vil abgetaner gesatz, wan sie den sitten der
                            brauchenden nit tawgten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.9">
            <head>Cap. IX. Wen nach dem gesatz gericht sol werden.</head>

            <p> Wen die gesatz gesetzt sein, sint nit die zw wrteilen, sunder man wirt
                            mussen nach inen wrteilen. <pb n="137"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.10">
            <head>Cap. X. Wer hot am ersten die gesatz gemacht.</head>
            <p> Moyses ist gewesen der erst, der den Hebreyschen die gotliche gesatz ...
                            vnd die gericht hat gesetzt. Mercurius den Egiptern, Ligurius den
                            Lacedemoniern, Numa Pompilius den Römern hot gemacht die gesatz, Karolus
                            den Schwaben, Julius allen vnderworfen dem Romischen reich.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.11">
            <head>Cap. XI. Welche mugen machen die gesatz bey vnser zeit.</head>

            <p> Die fursten vnser zeit mugen am ersten die gesatz machen, zwm andern die
                            radgeben, zwm dritten die gemainen leut. <pb n="138"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.12">
            <head>Cap. XII. Wen sein erfunden die burgerlich recht.</head>
            <p> Die burgerliche gesatz sein erfunden zwm ersten, wen die stett gesetzt
                            vnd die burgermaister geschepft sein wurden vnd die gesatz geschriben
                            werden haben angefangen. Wan das naturlich gesatz den hot angefangen zw
                            sein, wen got die natur aller dinger vnd das menschlich geschlecht zwm
                            ersten hot geschaffen. Aber die geschriben gesatz habend angefangen zw
                            Athenis, die nit geschriben in Lacedemonio.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.13">
            <head>Cap. XIII. Was sey das [nit] geschriben recht.</head>
            <p> Aber das nit geschriben recht ist der sitt vnd der gewonheit. <pb
                n="139"/> Der sitt ist die lang gewonheit des vaterlands, von den
                            sitten der menschen allein gezogen.Die gewonheit ist das recht aus den
                            sitten gesetzt, welche fur ein gesatz wirt genommen, wen das gesatz
                            gebruch hot gehebt. Es wirt aber die gewonheit zw latein genandt
                            'consuetudo quasi communis suetudo' vnd ein brauch der menschen. Es ist
                            aber zwifeltige gewonheit, als ein gute vnd ein böse. Die guet ist,
                            welche von sitten aller brauchenden bewert wirt vnd die nutzlich ist vnd
                            wirt genent ein löbliche gewonheit. Aber die böß gewonheit ist die,
                            welche den sitten der brauchenden schadet vnd welche vnnutzlich ist. Die
                            erst wirt gehalten fuer ein gesatz, die ander nit; wan die ander, wie
                            lang die zeit hot gewert, <pb n="140"/> sol sie albeg abgetilget vnd
                            abgetailt werden vnd fur nichte sal sie gehalten werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.14">
            <head>Cap. XIV. Von den kreften oder tugenden gueter gewonheit.</head>

            <p> Die guet gewonheit hat drei tugent: zwm ersten wan sie nachvolget dem
                            gesatz, ... zwm andern wen sie legt das gesatz wen es zweyfelhaftig
                            wirt, zwm dritten wen sie straft das gesatz. Wen aber es gemain ist in
                            der gantzen welt, den so vberwind sie das gesatz. Wen sie aber ist ein
                            besondere, den so wirt sie allein gehalten an der statt, do die
                            gewonheit ist, von den andern nit, sunder so ein anders gesatz hernach
                            kumbt, wirt vberwunden vnd abgethan solche gewonheit.<pb n="141"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.15">
            <head>Cap. XV. Von den geschriben freyheiten.</head>

            <p> Sintmal die freyheiten fur die gesatz gehabt werden, als geschriben ist
                            in decritis, ist zw sehen von den freyheiten. Vnd am ersten was do sei
                            ein freyheit, [zwm andern wan wirt genant ein freyheit], zwm dritten wie
                            vil sein gestalt der freyheiten zwm fierden wer muge machen freyheten,
                            zwm funften wie lang zeit were ein freyhet, zwm sechsten wie vil maß
                            werd aufgehebt ein freyheit. Von dem ersten, die freyhet ist ein hulf
                            wider das gemain recht gegeben, wan nit ist ayniche freyhet, nun sie
                            verheng etwas besunders. Es wirt genant ein freyhet als ein beraubend
                            das gemain gesatz. Auch werden gnand die <pb
                n="142"/> freyheit gesatz
                            der besundern, von einen gemainen gesatz ausgenommen. Die gestalt der
                            freyheiten sein zwo, ayns ist gemain, das ander besunder. Das gemain,
                            ist welchs verligen wirt einer gemein ... Das besunder ist, das verlihen
                            wirt einer person, vnd das wirt ausgelescht mit der person, nur es werd
                            begriffen in der freyheit, das es sulle geen auf die erbe. Es mags aber
                            verleyhen vnser her Pabst vnd vnser her der Kayser die freyheit, wen die
                            sein vber das recht vnd werden mit den gesatzen nit verbunden. Aber es
                            weret ein freyheit so lang zeit, wie lang es verlihen ist. Aber auch
                            wirt aufgehebt zwm ersten die freyheit ... durch die <pb n="143"/>
                            nachgeenden, ob in der nachgeenden meldung geschicht von der vorigen.
                            Item sie wirt aufgehebt durch die misbrauchung. Auch wirt sie aufgehebt
                            durch die willige ausgedruckte aufgebung. Item durch der oberen
                            widerrufung vnd durch geding.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.16">
            <head>Cap. XVI. Von den offen instrumenten.</head>

            <p> Wie wol von den offen notarien vnd iren instrumenten in vnsern
                            burgerlichen grichten nit ist die gewonheit noch die sorg, doch so durch
                            andere gericht ich hab mut, von in ein wenig zw vermerken. Zwm ersten
                            was do sei ein instrument, zwm andern wie vil sein seine gestalt, zwm
                            dritten welchen bewisen sol werden der glaub. <pb
                n="144"/> Von dem
                            ersten ein offen Instrument ist ein geschrift von einem offen notario
                            beschriben zw zeugnuß der sachen vor im angelegt. Es sein aber zwo
                            gstalt der instrument, als das offen vnd das besunder. Das offen
                            instrument ist, welches durch die hand des offen notarii ist geschriben
                            vnd mit seinem gewonlichen zeichen verzeichnet. Das besunder ist
                            zwifeltig, als ein glaubhaftigs vnd nit ein glaubhaftigs. Das
                            glaubhaftig ist, welchem angehenck ist ein glaubhaftigs zeichen, als ein
                            sigel eins fursten oder einer statt oder eines richters in sachen vor im
                            oder dem gericht gehandelt. Aber es ist ein glaubhaftigs instrument ein
                            besunder brief mit der hant geschriben <pb n="145"/> habent die
                            vnderschreibung dreyer taugenlicher lebendiger, ob der zwen werden
                            sterben, so wird es kein glauben machen. Das nit glaubhaftig instrument
                            ist, welches mangelt eines sigils vnd der vnderschreibungen vnd dem
                            selbigen ist kain glaub zw beweisen. Aber dem offen instrument
                            gleicherweis dem glaubhaftigen besigelten instrument sol gentzlich glaub
                            bewisen werden, nur es werd beweisen solches instrument falsch zw
                            sein.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.17">
            <head>Cap. XVII. Welcher masz werd entzogen den instrumenten.</head>

            <p> Aber es wirt entzogen dem instrument in vil massen. Zwm ersten die
                            abschabung, das ist wen die aigen namen der personen oder gueter oder
                            stett abgetilgt <pb
                n="146"/> werden vnd geschriben werden andere namen.
                            Aber die abschabung der schlechten brief, sillaben vnd fuernamen oder
                            zwnamen schadet nit, auch ob ander geschriben werden oder vnderwegen
                            gelassen. Auch so schendt nit das laster der gramatica das instrument.
                            Zwm andern die erschneidung oder erscherung. Zwm dritten die verkerung
                            der hant. Zwm fierden ob widerwertige instrument von der selbigen sach
                            werdent eingelegt. Zwm funften ob das instrument ist ein transsumbt vnd
                            nit das haupt instrument oder originale. Zwm sechsten ob es nit in helt
                            alle tail, welche den instrument sollen inehalten werden, als: in dem
                            namen des hern amen; darnach sullen gnant werden die jar, indicion
                            pabstumb, die jar des reichs, des kayser. <pb n="147"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.18">
            <head>Cap. XVIII. Von der kraft der sigil.</head>

            <p> Wan es gesagt ist von den freiheiten vnd instrumenten, wen aber die
                            sigil besterkend die freyheit vnd alle brief die instrument vnd darumb
                            ist von inen zw sehen. Zwm ersten was sei ein sigil, zwm andern wie vil
                            sein seine gestalt, zwm dritten wie in mug entzogen werden. Von dem
                            ersten ein sigil ist ein kuntpar zeichen in golt oder bley oder dem
                            wachß eingedruck sterken alles geschicht. Aber es sein zwifeltige sigil,
                            als glaubhaftige vnd nit glaubhaftige. Die glaubhaftige sigil sein der
                            fursten, der stett vnd richter in sachen vor inen oder in gerichte
                            geubten. Und die glaubhaftige sigil durch sich allein den briefen
                            angehengt oder aufgedruckt <pb
                n="148"/> bestetigent alles geschicht.
                            Die nit warhaftige sigil sein sigil besunder personen vnd die selbigen
                            durch sich allein mugen niks ewiglich bestetigen. Des ein exempel, ob
                            einer [gibt] einem ein brief von schuld wegen oder andern beweglichen
                            guetern allein mit seinem sigil ... [vnd] von zwaien oder [dreyen]
                            frumen mannen in den brief geschriben sigil nit habend zw zeugnuß
                            genommen, wirt stet vnd vest, die weil die zewg leben sein ... auch so
                            der selbige schulder gestorben ist, geet zw den erben. Ob aber einer
                            gibt eynichen ein brief vber farende gueter mit <pb
                n="149"/> zwayer
                            ersame mannen sigiln besigelt, wan er kein sigil hot voron, aber so
                            verbindt er sich stets zw halten, was in dem brief begriffen wirt, das
                            bleybt vest vnd geet zw den erben oder nachkomen. Ob aber einer gibt
                            eynichen ein brief vber ligender guter, den so wirt erfordert sein eyen
                            sigil, ob er das hot vnd des grunthern sigil vnd eins andern frumen
                            mannes zwm minsten. Ob er aber nit sigil hot eigen, den so wirt
                            erfordert des grunthern sigil vnd zwayr ersamen mannen zwm minsten,
                            vnder welcher sigiln sol er sich verbinden bey seiner treu, sich stet zw
                            halten <pb n="150"/> alles, was oben in dem brief ist ausgedruckt vnd
                            den so wirt der brief haben vestikait. Ob aber einer eynichem versetzt
                            ein vnbeweglich guet allein in der hant des gruntherren vnd ob er in dem
                            buech des gruntherren ist eingemerkt wurden, so ist es des selbigen
                            rechtes, als wen es mit anhangenden sigiln bevestiget wer gewesen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.19">
            <head>Cap. XIX. Welcher masz werd entzogen den sigeln.</head>

            <p> Es mag aber einem sigil benommen werden drifeltiglich. Zwm ersten ob des
                            vnderschreibung ist gentzlich abgetilgt. Zwm andern ob des sigil ist
                            verschniten <pb n="151"/> oder mercklichen erbrochen. Zwm dritten ob des
                            zeichen des sigils ist vnerkant.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.20">
            <head>Cap. XX. Das recht der personen vnd der gueter vnd der klagen.</head>

            <p> Eyn yedes recht, das wir brauchen, gehort eintweders zw den personen
                            oder zw den guetern oder zw den klagen. Wan aber ein klein ding ist das
                            recht der person zw erkennen, ob die personen nit wissend sint, von
                            welcher wrsach es gesetzt wirt ... <pb
                n="152"/> Wan es sein zwifeltige
                            personen, als vnder fierzehen jarn vnd fierzehen jerig, impuberes vnd
                            puberes gnant. Die impuberes sein knaben vom tag irer gepuert byß zw dem
                            fierzehenden jar erfult vnd darvnder ... Die puberes aber sein
                            zwifeltig, als halbpuberes vnd volkomenpuberes. Das kint, impubes gnant,
                            ist vnder den jarn der beschaydenheit, welchs nit mag so groß
                            verschulden, das in dem leib oder dem teil des leibs soll gestraft
                            werden. Aber sein pfleger, ob der in der schuld wirt sein, der sol von
                            seinen guetern dem richter vnd dem verletzten genug thuen. <pb n="153"/>
                            Ob aber nit, dan von den guetern des kindes, ob er von der missetat
                            vberwunden wurt, sol gnug thuen vnd bussen. Impubes mag kein widerwertig
                            ding thuen durch sich auch nit durch seiner pfleger, es schade im. Ob
                            aber eine rechtliche notturft wurd, den so mag er etwas verandern mit
                            seinem pfleger von wissen vnd willen der radgeben, so er gnad darzw
                            erlang hot.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.21">
            <head>Cap. XXI. Das gemein wesen oder stat der menschen.</head>

            <p> Allen menschen sein entweders man oder frawen oder ermofrodite, (verstee
                            ains teils man, eins tails weib.) Die man wirkend vnd geberend. <pb
                n="154"/> Die weible leident, sie entpfaen vnd geberen. Die
                            hermofrodite in irem geschlecht, in welchen sie mer taugent (oder
                            vermugent), nach dem wirt er geacht. Item der personen etliche sein
                            geborn, etliche werden geborn. Die gebornen aber etlich abortiui, (das
                            ist gestorbene in muterleib), etlich posthumi, (das sein) geborene nach
                            dem tode irer veter. Vnd also ein yeder mensch entweder sei ein man frey
                            oder ein leibeigner khnecht. Der frey aus freyem vater vnd muter geporn,
                            welche kint nachuolgend <pb
                n="155"/> den mutern der purden halben, des
                            vaters der ern halben. Als ob der kunig nem ein pewrin, wurden sein sun
                            gnent konige. Ob aber ein kunigin nem ein pawrn, so wurden gnant ire sun
                            pawern. Ein leibeigner khnecht ist, welcher aus einer diern geborn wirt
                            oder kauft oder verkauft. Der freyen sein etlich frey geborn, etlich
                            frey gemacht. Die freyen von geburt sein die freyen, die man heyst
                            liberi. Die libertini sein die gemachten freyen, die liberi sein die
                            frey gesagten. Item der personen etlich sein ires rechtes, die andern
                            eins fremden. <pb
                n="156"/> Ires rechtes sein die ledig gesagten von
                            veterlichem gewalt. Eins fremden rechtes sein die haussun, leibeigen
                            khnecht vnd diern. Der sun sein etlich eelich vnd naturlich ... die
                            andern vneelich, als die bankarten vnd bastarden. Item der kinder etlich
                            sein genugsams alters, etlich nit. Das genugsam alter (oder gesatzlich
                            alter) ist von zwentzigfunf jar vnd darob vnd die werden gnant gnug alt,
                            (das ist maiores.) Das nit gesetzlich alter ist vnder halb zwentzigfunf
                            jar, die werden gnant minores, (das <pb
                n="157"/> ist vngenugsams
                            alters.) Der selbigen ze jungen sein etlich fierzehen jerig, die andern
                            darvnder. Der vnder fierzehen jerigen sein etlich nit redende kinder,
                            aber die andern nahet bey den fierzehen jarn, die andern fierzehen
                            jerige. Item der fierzehen jeriger sein etlich halb fierzehen jerig, die
                            andern volkomlich fierzehen jerig, die andern volkomlichst fierzehen
                            jerige. Die halb fierzehen jerige sein tochterle der zwelf jarn, die
                            knaben fierzehen jar. Die volkomen fierzehen jerige sein die frawen vnd
                            die man achtzehen jarn. Die aller volkomlichsten fierzehen jerige sein
                            man vnd weyber vber zwentzigfunf jar. In achtzehen jarn sein halb
                            fierzehen jerigen noch vnder der pfleg irer pfleger vnd mit iren <pb
                n="158"/> gutern mugen sie niks geordnen oder geschicken. Nach den
                            achtzehen jarn sein sie volkomen fierzehen jerige oder puberes vnd den
                            so thuen sie, was sie wellen mit iren guetern vnd person. Wen die pfleg
                            ist den vollendt. Aber die narren vnd die tobsuchtigen sein alweg vnder
                            den jarn der beschaidenhait. Aber in einem kint, [wan] die boshait
                            erfult das alter, es wirt geschlagen mit den gerten vnd nit anders
                            gestraft werden. Wen es [ist] die kintheit von lugen vol vnd mit den
                            vnrechten vnd darumb wirt es vnder weilen gestraft. <pb n="159"/> Aber
                            die nit fierzehen jerigen, so gestorben sein vater vnd muter an
                            geschefte, sein sie bald vnder pfleg der radgeben, welche mugent orden
                            die pfleg der kinder vnd vestigen mit der stat sigil.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.22">
            <head>Cap. XXII. Von dem veterlichem gewalt.</head>
            <p> In veterlichem gewalt sein alle vnser kinder, die fierzehen jerigen vnd
                            darvnder, die nit ledig sein gesagt, welche wir von gerechten een
                            gebern.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.23">
            <head>Cap. XXIII. Der gewalt des vaters wider die sun.</head>
            <p> Die veter habent siben gewalt wider ir sun: Zwm ersten das <pb
                n="160"/>
                            sie [sie] mugen verbinden. Zwm andern das sie mugent ire gueter die
                            narunglichen vnd kauflichen nach irem wol gefallen verandern, so die sun
                            wnwillig sein. Zwm dritten das die nit ledig gesagten sun, was die
                            gewynnen, das ist der vetere. Zwm firden das kainer sol sie behalten an
                            des vaters willen. Zwm funften das die sun nit sollen weder burglich
                            noch peinlich klagen wider den vater. Zwm sechsten das die veter mugen
                            ir sun in eins andern zwwunschung geben. Zwm sibenden das sie mugent ir
                            sun zw teylung der erbschaft nöten, wen sie wellen vnd nit herwidervmb,
                            den nur in sechs vellen: zwm ersten wen der vater die gueter seiner
                            kinder durch vntrewen vnd nit aus notturft wil verandern; zwm andern wen
                            der vater ist ein vnnutzlicher <pb n="161"/> verzerer der gueter; zwm
                            dritten wen die erbgueter der vater nit redlich aufhebt oder zesammen
                            haldt, sonder verhengt zerstört zw werden; zwm fierden wen der vater
                            sein sun vnveterlich vnd hertglichen straft on wrsach vnd on schuld; zwm
                            funften wen er die sun vnd die töchter nach volkommen zeit der fierzehen
                            vnd zwelf jarn nit verhewret; zwm sechsten wen er in die notturft nit
                            gibt nach seinem vermugen vnd irer notturft.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.24">
            <head>Cap. XXIV. Wie aufgehebt werde der veterliche gewalt.</head>

            <p> Aber es wirt aufgehebt der veterliche gewalt in funferley maß. Zwm
                            ersten durch den tod des vaters on geschefte sterbende. Zwm andern male
                            durch veterliche <pb n="162"/> ledigsagung. Zwm dritten wen der
                            naturlich vater gib seinen sun in ain zwwunschung. Zwm fierden wen der
                            sun seines rechtes sich gibt in zwwunschung oder in eine kintliche
                            annemung einem andern. Zwm funften wen dem sun oder dem vater die stat
                            ist ewiglich verpoten durch eine große missetat.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.25">
            <head>Cap. XXV. Wie vil masz ein statt verboten werd.</head>

            <p> Die stat wirt in vil maß verboten. Underweilen auf eine zeit vmb
                            vngemach vnd vnzucht, vnd der verleurt nit wider das guet vnd nit die
                            eer, sunder allein den brauch seiner gueter in verschickung ein zeit.
                            Underweilen durch ein verleumbt, villeicht er ist mayneydig <pb
                n="163"/> vnd ein vbelreder der eren einer statt oder das er sich verkauft hot
                            von galgen oder wan er ist ein nachlaufer ersamer frawen. Vnd der
                            verleurt nit wider das guet noch die statt, sunder allein die eer, also
                            das er wirt rechtlos vnd eerlos, das ist das er fuerbaß nymmer kombt zw
                            aynicher wirdikayt. Underweile wirt auch verboten die statt vmb ein
                            malefitz, als vmb ein todschlag, vnd der wirt sein guet verliern aber
                            nit die eer. Ob aber es wer gewesen ein klaine missetat, als ein klaine
                            diebstal, der verleurt die gueter. Aber vnderweil wirt aynichem <pb
                n="164"/> verboten die statt ewigklich vmb eine grosse missetat oder
                            darvmb, das er gsunt hat wider den fursten oder gemainen nutz mit
                            verreterey oder mit obergebung oder trewbrechung, der wirt verlieren die
                            guetern, die eer vnd den leib vnd die freyheit. Wan wo er begriffen, so
                            hot er kaine zwflucht auch nit behaltung noch sicherhait. Vnd welcher in
                            halt wissentlich oder beschützt, der wirt mit gleicher pein gestraft.
                            Und ist zw merken, das alle die vmb ein veronleumbte missetat verwrtailt
                            werden zw tode, auch ob sie nachlassung der pen durch gnad wurden
                            behalten, doch die eer werden sie nymmer behalten, sunder also albeg als
                            des rechtens erfarn gnant. <pb n="165"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.26">
            <head>Cap. XXVI. Von dem verheyschen der ee vnd den hewreten.</head>

            <p> Wan oben meldung geschehen ist von den gerechten hewreten, darvmb ist
                            yetz von den vorgeheyschen von der ee zw sagen. Und zwm ersten von den
                            vorgeheyschen, sponsalia gnant, wan die habend gewond die ee fuerkommen.
                            Was sein die sponsalia, wan sie gnant werden, wen sie gehandelt werdn,
                            in welchem alter, was sei der vorgeheysch wirkung, ob die verheyschen
                            bezwungen werden zw machen ein ee, in welchen vellen die sponsalia
                            aufgelost werden. Und zwm ersten sein die sponsalia der kunftigen ee
                            verheyschung. Und werden gnant von dem wort spondendo, das ist
                            verheyschen; <pb
                n="166"/> es ist aber sitt das eeweib verheyschen, mit
                            gelübd annemen. Aber stipulatio ist ein verheyschung, so ein frag
                            vorgeend vnd antwurt nachuolgent ist, sag also: du verheischt mir das,
                            der ander spricht: ich verheysch. Aber die sponsalia zw kunftiger zeit
                            werden in funferley maß gemacht. Zwm ersten durch die wort darzw
                            geschickt: ich wirt dich nemen zw einem eeweib. Zwm andern mal wen die
                            ausdrucken den willen in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten durch gebung
                            der heftpfening, als eins fingerrings oder gelts oder ander gueter. Zwm
                            fierden durch eynige verheftung, als durch ansteckung des fingerrings.
                            Zwm funften durch den ayd. Es werden auch sponsalia gemacht zwischen den
                            sibenjerigen, aber zwischen den jungern sein <pb
                n="167"/> nit sponsalia
                            vnd darvmb wirt nit ersteen aus in die offen ersamkayt. Vnd wirt
                            erfodert da, das ir yedes sey zw jung, nur oder were nahet dem alter vnd
                            die beschayt erfult das alter vnd allermayst, wen er versucht hett
                            leiblich vermischt zw werden. Die kraft der vorgeheysch ist, das die
                            einfuert die gerechtikait offner ersamkayt, die do verhindern ist die
                            ee. Auch werden genöt die versprochen zw machen die ee, ob sie sein alt
                            genug vnd haben geschworn, nur es wer ein ergers geforcht, wan den
                            werden sie slechtigk nit bezwungen. Verstee das, so es bleiben ist in
                            dem selbigen stant. Wan ob einer machte durch wort von gegenwertiger
                            zeit mit eyner andern, wirt er nit genöt. Ob aber der, welcher geschworn
                            hot zw <pb
                n="168"/> vereinen, will eingeen in einen bewerten orden, so
                            wirt im geben ein rat, das er sie neme, aber vor leiblich vereynung
                            eingee in den orden. Ob sie aber bayde sein zw jung als vnder fierzehen
                            jar, doch elter dan siben jar, so mag ir kains nemen ein andern. Wen
                            aber das ein wer alt gnug vnd das ander zw jung, den so kommen wirt das
                            grosser, welches erkumbt zw gnugsamlichen alter, ist schuldig zw
                            erwarten des myndern. Vnd wenn das junger kommen ist zw gnugsam alter,
                            so wirt es die ee bewern oder verschlahen, nur die leibliche vermischung
                            wer entzwischen kommen. Ob aber das elter, so das junger nit erwartet
                            ist, durch wort von gegenwurtiger zeit mit einem andern hett gemacht, so
                            haft die ee, die albeg hot zerbrechen die sponsalia, die do sein
                            zwkunftiger zeit.<pb n="169"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.27">
            <head>Cap. XXVII. Die sponsalia zukunftiger zeit werden erlediget von
                            dreyzehen wrsachen wegen.</head>

            <p> Es werden aber erlediget die sponsalia von kunftiger zeit von dreyzehen
                            wrsachen: Zwm ersten durch eingang eines gaystlichen bewerten ordens,
                            das do haft auch in den gehayssen von gegenwurtiger zeit. Zwm andern
                            durch entpfahung der hayligen weyhen, welchs hot statt in den gehayssen
                            in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten wan sie bayde einander laydig sagen.
                            Zwm fierden wen das ein hinweg geet in ein verres lant vor leiblicher
                            vermischung. Zwm funften wen einer velt in die aussetzigkayt oder in
                            eine andre grosse krankheit oder vnformikeyt des leibs; doch die
                            vnformikayt in der aussetzikayt nit auflöst die ee oder <pb
                n="170"/>
                            den gehayssen von gegenwurtiger zeit, auch der gsunt ist schuldig dem
                            kranken die schuld zw raychen. Zwm sechsten ob herfuer kumbt ein
                            schwagerschaft oder freuntschaft. Zwm sibenden ob der vnverleumbt hot
                            verhindrung, als ein schwagerschaft herfuer (oder an tag) kummen sei
                            gewesen. Zwm achten wen das ein der zwayer hot vnkeusch triben leiblich.
                            Zwm newnden wen einer vnkeusch treibt gaystlich. Zwm zehenden wen
                            gemacht werden die andern gelubd von gegenwertiger zeit; durch die
                            andern vorgehayß von kunftiger zeit ... das verstee ob er die ander nit
                            leiblich erkent hot, wan den so ist es ein ee. Zwm aylften wen das
                            junger komend ist zw gnugsamen alter nit vil steet halten, das es gethan
                            hat. Zwm zwelften wem eins verhayssen hot nemen in einer bestymten <pb n="171"/> zeit vnd ist nit gestanden durch in, das es nit hot
                            genommen in der selbigen zeit. Zwm dreyzehenden wen herfuer kommen ist
                            ein gaystliche freuntschaft, als eine gevaterschaft, oder eine
                            gesatzliche freuntschaft, also ist zwwunschung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.28">
            <head>Cap. XXVIII. Von der ee.</head>

            <p> Bei der ee sein zwelf ding zw merken: Zwm ersten was sei die ee, zwm
                            andern von wannen sie gnant werden, zwm dritten von welchem es sei
                            aufgesetzt, zwm fierden wen sie sei aufgesetzt, zwm funften wo sie sei
                            aufgesetzt, zwm sechsten mit welchn worten sie sei aufgesetz, zwm
                            sibenden welche sei wrsach gewesen der aufsetzung, zwm achten in welchem
                            alter vnd wie sie gemacht werde, zwm newnden welche vnd wie vil sein ir
                            verhindern, <pb
                n="172"/> zwm zehenden welche zwgelassen werden zw
                            verhindern ein ee, zwm aylften wie vil vnd welche sein gueter ee, zwm
                            zwelften welche mugen verklagen ein ee. Von dem ersten die ee ist des
                            mannes vnd des weibs eeliche zwsamen fugung, ein vnzertaylberliche des
                            lebens gewonheit haltend. Es wirt aber gnant matrimonium 'quasi matris
                            munium', als der muter ambt. Aber sie ist aufgesetzt wurden von got fur
                            der sund im paradiso. Aber sie ist eingesetzt worden mit den worten: Nun
                            kumbt das bayn aus meinen baynen vnd das flaysch aus meinem flaysch, vnd
                            das wirt der mensch verlassen vater vnd muter vnd wirt anhangen seiner
                            hausfrawen vnd werdend zway in ainem leib. <pb
                n="173"/> Aber die wrsach
                            der aufsetzung der ee vor der sund ist gewesen entpfengnuß des kinds,
                            aber nach der sund die vermeidung der vnkeusch. Machen ein ee durch
                            willen der puberi (verstee des mannes in fierzehen jarn, des weibs in
                            zwelf jarn) der die zwsamen werden gefuegt, ... Sein die loblichkayt nit
                            von dem wesen der ee. Aber die wort sein notturftig der kirchen halben
                            in den, welche durch sich selber mugen reden. Und ob die wort von den
                            einander nemenden sein finster oder tunkel geredt, so wirt gelaufen zw
                            gemainer irer verstentnuß. Es sullen gemacht werden die ee offenlich nit
                            haymlich. Aber die ee wirt gemacht durch ein wort darzw geschickt, als
                            ich nym dich zw meinem weib oder ich nym dich zw meinem man. <pb n="174"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.29">
            <head>Cap. XXIX. DIE Verhinderung der ee.</head>

            <p> Die verhinderung der ee, welche habend zw erbrechen vnd zw verhindern,
                            sein zwelf, welche gemerkt werden in diesen versen: Von der yeden sol
                            wir hie sehen. Vnd zwm ersten von der irrung. Bey dem ist das zewissen,
                            das fierfeltig ist die irrung, als der wil, der person, der condicion
                            vnd des gelucks. Die irrung der will ist, so gebruch hot der wil ir eins
                            der, die do handlen. Die irrung der person, also wen ich glaub mich zw
                            machen mit A, wirt mir gegeben B. Die irrung des stats, wen mier wirt
                                <pb
                n="175"/> gehayssen eyn freyn vnd wirt mir geben ein leibeigne
                            diern. Die drey wrsach verhindern vnd zerbrechen die ee, nur es werd mit
                            nachgeenden geschicht verwilliget, mit worten oder mit werken oder mit
                            leiblich vermischung. Die fierd wrsach, als des gelucks oder grösse ist,
                            wen ich glaub mich zw heureten mit ainer jungfrawen oder mit einer
                            reichen vnd handle mit einer erstärten oder armen. Und die fierd wrsach
                            erbricht nit die gemachten ee.<pb
                n="176"/> Condicio, ob sie zymlich zw
                            gelegt sey wurden dem eelichen nemen, nur er sei schuldig, so ist es nit
                            ein ee, nur es werd dar von geschaiden durch seiner vater vnd muter
                            verwilligung von kegenwurtiger zeit hernach geuolgt oder durch leibliche
                            verfuegung. Aber die vnmugliche condicio (da gnant vnderschaid) ader
                            vnzymliche ader wider guet sitten darzw gelegt sol nit vor zwgelegte
                            gehabt werden. Das loblich gelubd zerbricht die ee, aber das schlecht
                            gelubd bricht nit, sunder es verhindert. Aber das loblich gelubd wirt
                            gnent durch entpfaung der heyligen weych oder durch bekennung
                            ausdrucklich gethan eynichem von den gaystlichen örden bewerten.
                            Cognacio, das ist die freuntschaft, <pb
                n="177"/> ist drifeltig, als
                            gaystlich, leiblich, gesatzlich. Die gaystlich freuntschaft ... Die
                            leiblich freuntschaft ist ein zwgehörung koment aus der freuntschaft vom
                            blut oder schwagerschaft vom hewreten. Und die zerbricht die ee biß zw
                            der fierden sip. An der funften sip oder weyter wirt die ee zymlich
                            gemacht. Wen gnug ist, das einer der machenden vbergee den fierden sip,
                            wie wol der ander ist in der fierden oder nehene kommen. Die gesatzlich
                            freuntschaft durch die zwwunschung, ... die hot drey verbietung, ein
                            zeitliche, zwo ebig. Die zeitliche, das der leibliche bruder nit mag ...
                            mit der schwester die zwgewunscht ist, dieweil stet die zwwunschung, so
                            aber geendt ist, <pb
                n="178"/> als durch die veterliche ledigsagung, so
                            wirt sie wol gemacht. Die ander ist ebig zwischen den zwwunschenden vnd
                            zwgewunschten vnd zwischen dem eeweib des zwwunsch[end]en vnd dem
                            zwgewunschten, auch so erledigt ist die zwwunschung. Die dritt ebig
                            zwischen dem zwwunschenden vnd eeweib des zwgewunschten. Die missetat,
                            als vnkeusch mit freunden, verhindert die ee, aber sie bricht sie nit.
                            Item arbet in den tot des eemans oder des eeweibs nit hernach geuolgt
                            die wirkung. Das selb ist in andern missetaten. Die leyblich
                            manschlachtung verhindert nit die ee. Die missetat hat nymmer zw
                            erbrechen die ee nur in dreyen vellen, als wan ein eebrecher gibt sein
                            trew der eebrecherin, dieweil lebt sein erste hausfraw, <pb
                n="179"/>
                            zwm andern wen er von geschicht hot gehewret mit einer andern, die weil
                            die erst lebendig ist, zwm dritten wen der der ander arbet mit kraft zw
                            dem tod des andern ... Ungleiche der götlichen eer ist, ab ein kristen
                            hewret mit der judin oder heidin vnd die willig nit bekert werden zw
                            kristen glauben, den so wirt zerbrochen die ee. Aber anders ist es von
                            den glaubigen eeleuten, wen ir einer geet in die ketzerey, wan die der
                            glaubigen ist war vnd stet, aber der vnglaubigen ist war aber nit stet
                            vnd in dem vall wird aufgelöst die ee vnd doch der, welcher bliben ist
                            im glauben, mag nit hewreten mit einer andern, wan oft gleisnet der
                            ander tail der eeleuten die ketzerey, das geschiden wurd die ee. <pb
                n="180"/> Und du solt wissen das die heyden, welche nach irem sitten
                            mit vil hausfrawen heureten vnd doch, ob sie all bekert werden zw dem
                            glauben, doch so wirt er haben die ersten hausfraw. Item hab gesagt vis,
                            ist freuel, welche aus irer natur hat zerbrechen die ee, wan sintemal
                            gehewret wirt mit dem eynigen willen, aber wo macht ist vnd freuel, da
                            ist kein will vnd darvmb nit ein ee. Desselb wrsach ist von dem
                            tobsuchtigen, der nit verwilligen mag, wen er arbet aus tobsuchtikait,
                            darvmb so mag er nit ein ee machen. Doch <pb
                n="181"/> soltu
                            vnderschaiden zwischen gewalt vnd gewalt. Wan ob der gewalt vnd die
                            forcht ist ein solche, welcher (nit) fallen mag in einen steten man, er
                            sei alt genug oder jung, der welchem gewalt beschicht, ist nit ein ee,
                            nur er verwillige darnach stilliglich oder ausdrucklich. Aber ob nit ist
                            ein solcher gewalt oder freuel, welcher mag vallen in einen steten man,
                            der bricht nit die ee. Auch die heilig weyhung erbricht die ee, auch die
                            heylige weyhe verhindert, die mynder weich verhindert nit noch erbricht
                            die ee. Die verbindung, verstee von kegenwertiger zeit, wen er ist
                            verbunden einer hausfrawen, wen er hewret mit einer andern, so haft nit
                            [die] ee. Wen es ist zwifeltig das bant der vorgelubten, <pb
                n="182"/>
                            eins durch wort von gegenwurtiger zeit, das ander durch wort von
                            zwkunftiger zeit. Das erst zerbricht die nachuolgende ee, aber das ander
                            bricht nit. Item die ersamkeyt, das ist ersamkeyt offner gerechtikait,
                            welche ist eine zwgehörung aus vorgehayssen her koment, zihent die sterk
                            von setzung der kirchen durch die ersamkeit vnd beschicht, wen einer
                            nymbt ein weib durch die wort von gegenwurtiger zeit, so die gestorben
                            auch so kein vermischung der leib hernach geuolgt, mag keine von dem
                            bluet der selbigen nemen merer zwm eeweib. Affinitas, das ist die
                            schwagerschaft, welche ist ein nechene der person aus leiblichem werch
                            herkomend aus vnkewscheit vnd eelichem <pb
                n="183"/> werk mangelt aller
                            veterlichkait, die hot heut verbietend in dem ersten geschlecht allein.
                            Aber verzeiten war sie ausgestregt byß zw der fierden sip. Und ist zw
                            wissen, das die freunt vom blut des mannes sein nit affines den freunt
                            vom bluet des weibs oder herwidervmb, auch nit sunder der eynig eeman
                            ist ein schwager den freunden des bluets seines weibs vnd herwidervmb.
                            Wen mein vater vnd die andern meine geborne freunt mugen wol hewreten
                            mit den gebornen freunden meines weibs vnd herwidervmb. Abproch sal
                            haben allein der man von den gebornen seines weibs sip biß zw dem
                            fierden grad oder vnd salt verstan das von der schwagerschaft, welche
                            vorgeet der ee. Ob aber sie hernach volgt, so zerbricht sie nit die ee,
                            oder die gelubd von der gegenwertigen <pb
                n="184"/> sunder von der
                            kunftigen zeit. Item die vnmuglichait leiblicher werk zw verbrengen
                            verhindert die ee. Du solt wissen, das die ebig kelte im man oder die
                            schneidung der menlicher gelider in man vnd in naturlichen artikeln vnd
                            vngesunt machberlich engung des freulichen (oder weiblichen) gelids vnd
                            ebigs malefitz (oder zauberey), ob die vorgeend der ee, so erbrechen sie
                            die ee, ob sie bewisen mugen werden. Aber an die vall oben vermerkt, mit
                            welchen wirt verhindert die ee vnd wirt erbrochen, sein noch etlich
                            andere, welche verhindern aber nit erbrechen die ee, als da ist die zeit
                            der feyertage vnd dem contract der ee wider das verbot der kirchen. Und
                            du salt wissen, das vmb <pb
                n="185"/> kaine missetat der man mag
                            verlassen das weib noch das weib den man. Doch mugen besundert werden
                            des beyligens halben vmb gaystliche vnd leybliche vnkeusch, doch
                            bleybend die eeleut besundert. Aber die leybliche vnkeusch ist, wen
                            einer der eeleut bricht sein trew im eebrechen; die gaystlich vnkeusch
                            ist, wen eins der eeleut geet hin zw der ketzerey. Psalmista: Du wirst
                            verliren alle die, die vnkeusch weyben an dich, das ist welche weichen
                            von dem glauben. Und du solt merken, ob bayde eemenschen wellen
                            gaystlichen orden, den so wirt geschieden die ee, wan ytz sein sie der
                            welt gestorben. Ob aber einer der eemenschen an des andern willen geet
                            in einen gaystliche(n) orden, so mag der ander den widerruefen. <pb
                n="186"/> Darvmb die ee ordenlich gemacht schaidt ni[h]t[s] nur der
                            eingang des gaystlichen orden vor leiblicher vermischung vnd darvmb, als
                            die leybliche ee wirt erledigt durch leyblichen tod, also die gaystliche
                            ee durch gaystlichen tod. Wen es ist ein zwifeltiger will der gemut,
                            einer gaystlich vnd der wirt erledigt durch gaystlichen tod, wen der
                            mensch stirbt der welt durch bekennung des ordens strengikait. Der ander
                            will ist leyblich, welcher geschicht durch zwsamenfuegung der zwaer
                            geschlecht des mannes vnd des weibs vnd der wirt erledigt durch den
                            leyblichen tod. Wan da ist die ee, solcher tod erledigt in. Underweilen
                            geschicht besunderung zu der wanung durch die aussetzikayt, das der
                            gesund nit werde vergift von dem sundersiech; doch ist der gsund teil
                                <pb n="187"/> schuldig dem vngesunden zw geben sein schuld, ob er
                            nit mag (anderst) das ander abweysen mit gueten worten. Auch durch
                            forcht des todes werden sie vnderweilen bayde gesundert, als wen dem
                            tobsüchtigen man oder von dem giftgebenden weib den tod dem man
                            zwrichtend ist. Auch mit dem sundigen man, als mit einem dieb ... doch
                            haymlich sald ein tail dem andern die schuld leyblicher werk raychen,
                            doch sol es von dem gstolen oder geraubten guetern nit leben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.30">
            <head>Cap. XXX. Von den guetern der ee.</head>
            <p> Es sein dreu gueter der ee, das ist die treue oder der glaub, <pb
                n="188"/> das sacrament vnd das kint. Der glaub, das kain eebruch
                            geschech. Das sacrament, das kain schiedung der ee geschech. Das kint,
                            durch [das] gemacht wirt die ee, welches durch die eeleut sol nit
                            vermyden werden. Ob gebrochen wurd die treu durch den eebroch des weybes
                            vnd wirt geschehen ein schidung, sie verleurt das hewret guet. Ob durch
                            den eebruch des mannes, der verleurt sein donacion, nur sie werden
                            versuent mit einander. Und ob ir yedes wurd sein ee brechen, den so
                            werden aufgehebt gleuch sund mit gleicher vergleichung vnd das ist warer
                            nach gaystlichen rechten. Aber nach den gesatzten ob das weib wirt
                            ergriffen in dem eebroch, so wirt sie in ainen sack gestossen vnd
                            ertrenck oder wirt lebendig vergraben. Ob aber geschicht schiedung <pb
                n="189"/> der ee durch leybliche freuntschaft oder schwagerschaft
                            welche vnwissenlich der irrung haben zw der ee griffen, so wider erlangt
                            das weib ir hewretguet auch die ire heuretgueter vnd der man sein guet
                            von der ee oder sein donacion durch die ee, ob sie nit kinder haben. Ob
                            sie aber haben kinder, den so bleibt die eygenschaft des heuretguets vnd
                            der donacion bey inen, den kindern, aber der fruchtbrauch bey vater vnd
                            mueter. Und kaines der eeleut mag sunst ein anders nemen zw der ee. Ob
                            sie aber wissenlich haben zw der ee griffen, den der, welch das gewist
                            hot, verleurt alles, das er dem andern tail hot geben vnd dern ander,
                            welcher es nit gewist hot, behalt das zw seinen lebtagen, aber darnach
                            so wirt es geben der furstlichen schatzkamer, nur von gutat des frids
                                <pb
                n="190"/> wer es anders gesetzt, als das der man widerbreng sein
                            hewretguet, ob sie kinder beyeinander nit haben, ob sie aber kinder
                            beyeinander haben, den so wirt bleyben hewretguet vnd die donacion bey
                            inen. Und die selbigen kinder werden gnand eeliche kinder, wen warvmb
                            die vnwissenheyt erfult die ee. Und ist gnug, ob eeliche kinder sein. Ob
                            sie aber bayde haben gewust die freuntschaft, den auch so wirt der
                            vneelich vnd nichten erb er den vater vnd der mueter, aber das
                            hewretguet vnd vbergabung vaters vnd der muter wirt bald verfallen der
                            furstlichen schatzkamer nach gaystlichen rechten; aber nach den
                            gesatzten ist ein ander peen an die. Und merk, das dieweil die ee werend
                            ist, weder das hewretguet noch die donacion wirt <pb
                n="191"/> mugen
                            verendert werden, nur eine rechtliche wrsach werden zwischen kommen.
                            Aber so sie aufgelöst ist, der noch bleybend man thut mit dem
                            hewretguet, was er wil vnd wirt behalten die donacion nit geergert zw
                            seinen leybtagen. Und herwidervmb von dem eeweib. Aber das ist gantz
                            war, ob sie kinder nit habend oder ob ein anders von gewonheit oder
                            geding gewrtailt wurd. Und ist zw wissen, das die ee so gros ist
                            gunstlich, das sie auch eelich macht dem sun oder ein kint, welches die
                            eeleut haben geboren vor der ee. Und das ist war, ob in zeit der
                            entpfengung ir jedes was ledig, sunst nit. Und sulche kinder werden
                            eelich gemacht durch die nachuolgenden ee, als die vneelichen kinder
                            durch vnsern hern den Babst oder den Kayser sie eelich gemacht werden.
                                <pb n="192"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.31">
            <head>Cap. XXXI. Von verklagung der ee.</head>

            <p> Wen von den obgenanten irrungen verklagt wirt, die eelichen vnd vater
                            vnd muter sullen sein verklagen. Darvmb wirt abgetriben der, welcher
                            durch ein schnödes guet oder gewin verklagt ein ee. Auch ein abwesender
                            mag nit verklagt durch brief noch zeug sein. Und merk das zw weysen die
                            freuntschaft oder schwagerschaft zwgelassen werden vater vnd muter vnd
                            geborne freunt besser den ander, wan sie werden verwendt baß zw wissen
                            ir geschlecht dan ander leut. Aber nit von vater vnd muter die verklager
                            sein, sunder so das gemain wort aufbrengt die irrung, so mag der <pb n="193"/> bischof erforschen vnd ob er die verhinderung war erfind,
                            mag er die ee schaiden. Zw jungst an gericht der kirchen mag ein
                            eemensch nit verlassen sein gemahel, auch ob die eltern (als vater vnd
                            muter) weren offenbaren. Und ob es verließ, sol bald gescheen
                            widergebung. Und merk das in eeliche sachen, so der krieg nit bestätigt
                            ist, wirt wider den vngehorsamen gehandelt mit aufnemung der zeugen vnd
                            zw den entlichen vrteil.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.32">
            <head>Cap. XXXII. Von der kinds pfleg.</head>

            <p> Die pfleg ist ein kraft oder ein gewalt in einem freyen menschen in zw
                            beschutzen, welch durch das alter sich nit mag beschutzen, aus
                            burgerlichen recht gegeben oder verheng. <pb n="194"/> Aber ein pfleger
                            ist, welcher von burgerlichem recht hat den macht vnd den gewald zu
                            beschutzen einen freyen menschen, welcher durch das alter nit weis sich
                            zw beschutzen. Und wirt gnent tutor quasi tu[i]tor, das ist beschutzer,
                            wan er sal beschutzen den jungen waysen in allen sachen, gerichten vnd
                            enden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.33">
            <head>Cap. XXXIII. Von dem gerhaber.</head>

            <p> Der gerhab ist, welcher die person des jungen allein ansicht mit zucht
                            vnd gueten sitten in vnderweysende. Doch mag einer vnd der selb sein
                            pfleger vnd gerhab, welchem beuolhen wirt der jungways mit gueter vnd
                            der person, vnd also wirt es gehalten in den steten. <pb n="195"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.34">
            <head>Cap. XXXIV. Von den geschlechten der pfleger.</head>
            <p> Dreu geschlecht sein der pfleger als gescheftlich, gesatzlich vnd
                            gegeben. Die gescheftliche sein, welche von vater vnd von muter im
                            gescheft werden gegeben. Die gesatzlichen oder eelichen sein die, welche
                            der geborne freundschaft schuldig sein zw beschutzen. Die gegeben sein,
                            welche gegeben sein von dem radgeber oder dem pretor oder richter.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.35">
            <head>Cap. XXXV. Wer mag ein pfleger sein.</head>

            <p> Es mag ein pfleger gesein ein iedlicher man, welcher ist vber
                            zwentzigfunf jar alt, ein trewer vnd fuersichtiger, er sey ein freunt
                            oder nit. <pb n="196"/> Aber der pfleger gewalt ist, das die jungen
                            waysen kain handel oder kauf mugen machen an irer pfleger wissen vnd
                            willen vnd ob sie es haben gethan vnd ob sie es thuen wurden, so haft es
                            nit.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.36">
            <head>Cap. XXXVI. Wie vilmasz die kindspfleg wirt geendt.</head>

            <p> Die kindspfleg wirt geendt in acht maß, als in fierzehen jaren, eines
                            kindes annemung, dinstbarkait, in dem tode, auf ein zeit der gebung, in
                            argwan, in volstreckung, in verbietung einer statt. Wan alle pfleger
                            sein schuldig zw thun raytung vor der pfleg <pb n="197"/> in beuolhen
                            oder entpfangen nur es werd anders durch brief der beuelung gesetzt vnd
                            erkant.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.37">
            <head>Cap. XXXVII. Wer mag sein ein pfleger.</head>

            <p> Eyn jedlicher frummer vnd ersamer man von gotlichen vnd menschlichen
                            rechten ist schuldig ein kindspfleg vnd gerhabschaft der jungen waysen
                            anzwnemen. Ich sprech von gotlichem rechte, wan das du dir wilt
                            geschehen, das thu auch den andern. Von menschlichem rechte, wen es ist
                            ein nachuolge allem rechte, das einer durch sich vmb vnvolkommenhait des
                            alters nit mag verbrengen, sol er anderswo her oder durch einen andern
                            erfullen. <pb n="198"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.38">
            <head>Cap. XXXVIII. Wie geschicht die entschuldigung einer pfleg.</head>

            <p> Die pfleger vnd die gerhaben sein die, welche hie fur den selben
                            genommen werden, die werden nit mugen sich von der pfleg der waysenkind
                            entschuldigen, den nur aus den wrsachen. Zwm ersten durch die menige ...
                            mancherley kinder. Zwm andern vmb manchfaltikayt mancherlay besitzung in
                            mancherlay steten gelegen. Zwm dritten durch die krieg der fursten. Zwm
                            fierden durch die verwesung der gueter des fursten. Zwm funften durch
                            den dienst gemaines nutzes. Zwm sechsten durch die vbertrefflichen
                            armut. Zwm sibenden durch die vngesundliche krancheyt. Zwm achten vmb
                            das <pb
                n="199"/> vnwissen der schrift. Zwm newnden durch die tödliche
                            feintschaft, die er hot wider den jungen waysen vnd tail des waysen. Zwm
                            zehenden durch das alter, wen er ist vber sibenzig jar. Zwn aylften wen
                            er ist minder zwentzig funf jaren. Zwm zwelften wen er ist ein ritter
                            yetz vbend die ritterschaft mit wirkungen. Zwm dreyzehenden wen er ist
                            ein artist mit wirkung lesend oder darvmb, das er ist ein artzt
                            practicirend die ertzney. Zwm fierzehenden wan er ist ein gaystlicher
                            ordensman oder munch; die weltigen priester mugen sich nit entschuldigen
                            von der pfleg noch der eeman dem eeweib gegeben fuer ein pfleger mag
                            sich nit entschuldigen. <pb n="200"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.39">
            <head>Cap. XXXIX. Von den argwenigen pflegern vnd wrsachen.</head>

            <p> Der pfleger wirt argwenig von acht wrsach wegen. Zwm ersten ob er die
                            pfleg vntreulich treg. Zwm andern ob er sein eygen gueter thorlich
                            verzert. Zwm dritten ob er den waysen die notturftikayt nit gibt. Zwm
                            fierden ob er sie, so das kein wrsach erhayschen ist, vbel handelt. Zwm
                            funften ob er die mit gueten sitten vnd leren nit vnderricht. Zwm
                            sechsten ob er durch sich selbs ist boser sitten. Zwm sibenden ob er ist
                            vbertrefflich arm. Zwm achten ob er ist ein tödlicher feint des tails
                            der waysen oder ir selbs der waysen. <pb n="201"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.40">
            <head>Cap. XL. Welche mugen verklagen die pfleger.</head>
            <p> Es mugend verklagen die argwenigen pfleger alle menschen, man vnd
                            weiber, freunt vnd ausser, nererin vnd offen hueren; vnd alle, welche
                            die ding vmb wrsach der gutikayt thuen, sollen verhort werden. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.41">
            <head>Cap. XLI. Von der peen der argweniger pfleger.</head>

            <p> Die peen der argwenigen pfleger ist vnderweil der vnleumbt, vnderweil
                            die absetzung von dem ambt, vnderweile ein geltliche peen, vnderweil ein
                            leibliche peen. <pb n="202"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.42">
            <head>Cap. XLII. Der gelestert handel.</head>

            <p> Es mugent gesamelt werden vberal [funf] (dißer mynder) personen, welcher
                            handl von in angenommen vnd gemacht ist gelestert [vnd] wirt gemacht
                            vnnutz. Zwm ersten aus wrsach des alters, als ein kint vnder siben jarn,
                            ein fierzehen jeriger elter den das kind vnd nahet den fierzehen jarn.
                            Zwm andern von wegen des stands, als ein haussun vnd ein leibeigner
                            khnecht. Zwm dritten von wegen der krankheit als ein tobsuchtiger, [ein]
                            stum, ein (eygen) vnhoriger vnd die andern der gleich. Zwm fierden aus
                            wrsach der mißhandlung, als eine vnnutzlicher zerer des guts, eyn
                            ketzer, ein abtruniger, ayner der verhandelt <pb n="203"/> ein missetat
                            der verletzten maiestet. Zwm funften von wegen des gesetzlichen rechtes,
                            als alle weyber, welche durch die gnad vnd gunst inen von gesetz
                            gegeben, mugen nit burge werden vor jemand, auch schuldnerin sich zw
                            setzen, noch ire gueter fuer ein anders in pfand geben, auch ob er were
                            ir vater oder muter, der sun oder die tochter, schwester oder bruder.
                            Doch mugen sie sich in irem namen verbinden, ob das die notturft kraist.
                        </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.43">
            <head>Cap. XLIII. Von dem rechte der witiben vnd der jungfrawen.</head>

            <p> Die witibe nit kinder habend mugen mit irem leibe vnd guetern thuen was
                            sie mugen vnd wellen, ausgenommen die verpindung <pb n="204"/> fuer
                            ander leut als yetz gesehen; wan sie mugen eingan in den gaystlichen
                            orden vnd mugent heureten, sie mugen auch huerweis treiben mit irem leib
                            vnd aus dem verliren sie nit ire gueter, sunder allein die eer. Sie
                            mugend ire gueter verkaufen, versetzen, vergeben, verschaffen in zeit
                            der notturft, wem sie wellen. Dasse[l]b ist auch in den jungfrawen nach
                            achtzehen jarn. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.44">
            <head>Cap. XLIV. Das eeweib on den man mag nixs thuen.</head>

            <p> Die eefrau, die nit kaufmanschaft treyben, mugen nixs thuen durch sich,
                            auch nit mit irer person oder guetern, wen sie sein nit ires rechtes,
                            sunder vnder dem gewalt irer pfleger. Ob sie aber aynichen handel oder
                            kaufmanschaft <pb n="205"/> machen, der wirt kainer vestikait. Aber die
                            selbigen eeweiber mugen machen allen zymlichen contract, wan in solchen
                            dingen werden sie gerayt fuer manne. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.45">
            <head>Cap. XLV. Durch was wirt die ee gemacht.</head>

            <p> Die ee mag begert werden von dreyer ding. Zwm ersten von wegen geberung
                            des kindes, wann es ist das aller naturlichest ding im geberen sein
                            gleich, das mit eren vnd gerechtikait geschee in der ee. Zwm andern mal
                            von vermeydung wegen der sund, dann ein yede vleischliche begierd
                            ausserhalb der khanschaft ist tödlich. Zwm dritten mal durch mancherlay
                            werk, wan etliche werk sein des <pb n="206"/> mannes, als in gewynnen
                            notturft des leben, die andern werk sein des eeweibs, in behaltend,
                            behuetend vnd weyslich ausgeben. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.46">
            <head>Cap. XLVI. Die rat von dem man der ein weib wil nemen.</head>

            <p> Ob eyner wil nemen ein eeweib, der sol vleissiklich zwm ersten von
                            gueten leuten forschen, ob sie sei von erbern vater vnd muter oder sey
                            wol von den eltern gefreund, eelich geborn, gnugsams alters, stark,
                            massig, arbetsam, tugentreich, schon vnd reich etc. Aber es ist vast
                            fleyslich zw merken, das ein gleicher im nemen sol sein gleichen. Ob ein
                            vnedler nymbt ein edle, so veracht die in, ob ein armer man eyn reiche
                            nymbt, so schilt sie in abwerfend den armen, <pb n="207"/> ob ein alter
                            ein junge, so behalt sie im selden die trew. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.47">
            <head>Cap. XLVII. Wie der mensch sich selbs regiren soll.</head>

            <p> Eyn jeder mensch regiert sich selbs aller best, wen er thut vnd wirkt
                            guete ding vnd fleucht die bösen thuend werk der gutikait, verlassend
                            die werk der grewlichkeyt, liebhabend die rechtikait vnd die warheyt,
                            vnd hast die lugen vnd die bosheit. Und das ist das wirklich leben. Aber
                            das leben anschawend gemuets ist, wen einer verschmecht die yrdisch ding
                            vnd liebhat dy hymelischen, nixs anders bedenk, wie er got erkent, im
                            erkennen liebhat, im liebhaben anhang, im anhangen ein gayst mit im werd
                            gemacht. <pb n="208"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.48">
            <head>Cap. XLVIII. Von der regirung des haus.</head>

            <p> Von dem regiren des haus, bey dem soltu merken: was sey ein haus oder
                            wannen es gnant werde, aus welchen es gemacht sey vnd warvmb es gemacht
                            sey. Das haus ist ein besundrs gemayn nach der natur gesetzt, in omnem
                            diem, das ist in allen tag. Gnant a domo domas domare, das (do) ist
                            zemen. Wan ein yeder hausvater ist schuldig welche wanend in seinen haus
                            zw nöten zw flihen das vbel vnd thuend das gute, zw liebhaben gott vnd
                            die hymmelischen ding vnd zw verschmehen die irdischen. Aber das
                            volkommen hauß stet in fier dingen, als aus man vnd weib, kint vnd
                            knechten, <pb n="209"/> in welchen es gesehen wirt in nachuolgunden
                            prozeß. Aber es ist das haus zw teglich aufhaltung der natur gemacht.
                        </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.49">
            <head>Cap. XLIX. Von der regirung des eeweibs.</head>

            <p> Der man sol sein weib vor allen dingen gote dienstberlich machen, mit
                            gueten sitten vnderrichten, raunnen vnd schwetzen verbieten, still
                            machen, schemig vnd tugentreich machen, auch die zierd des leibs
                            zymlichen halten, vmblaufen verbieten, die heymlich stet ir verbieten,
                            auch werklich machen, die mutikayt raten vnd hoffart widerraten, ob sie
                            sey fuersichtig, weyse vnd alt gnug, die geschäft des haus beuelen vnd
                            ir wol trawen; ob sie aber ein junge nerrin ist oder <pb n="210"/>
                            frech, bitter were, sol er sie nit mit waffen, sunder mit gerten vnd
                            stecken slahen. Und zw allen andern dingen, welche zw dem hayl der selen
                            vnd des leybs zymlichkayt gehören, trewlich vnderweysen. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.50">
            <head>Cap. L. Der man zw dem weib.</head>

            <p> Der man wirt auch verbunden seiner hausfrawen, das er sie ersamlich
                            halt, die narrung nach seinen vermugen fuersech, die gegeben trew
                            vestiglich verhueten vnd an ir allein sein begnugig, er sol sie nit
                            arkwenig haben, sunder als ein gesellin halten, nit als ein diern ubl
                            halten. <pb n="211"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.51">
            <head>Cap. LI. Das weib zw dem man.</head>

            <p> Herwidervmb sol das weib irem man in allen zymlichen vnd ersamen dingen
                            gevolgig sein, die sorg des haus haben, werklich sein vnd die ding, die
                            in dem haus seyn hausgeret, fleyslich behüten, die speiskamern, kuchen,
                            keller eymsigklichen heymsuchen, das hausgesind weyslich vnd
                            subtiliklich anrichten, gutiglich strafen, nit übl halten, krieg, zengk,
                            fluech im haus geschehen stillen vnd veraynen, iren man lieb zw haben,
                            im nit fluchen, im nit vnrecht beweysen, mit im nit krigen, on seinen
                            willen kain contract verbrengen. <pb n="212"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.52">
            <head>Cap. LII. Wie vater vnd muter zw iren kindern.</head>

            <p> Von naturlichen rechten vater vnd muter vnd allermayst die veter sein
                            verbunden iren naturlichen vnd eelichen kindern, das sie haben die
                            grosten sorgfeltikayt vmb sie. Zwm ersten wan die kinder haben von in ir
                            wesen, darvmb sullen sie die inwesen behalten, das dem leben vast
                            notturftig wirt, Zwm andern von kindswesen mit linden speysen,
                            allermayst mit milch neren, vnd das sie verhalten werden von dem wein,
                            sie werden verhuet von zw vil waynen vnd verhueten von vngeuerlichen
                            vall, sunder mit gemessigter bewegung geregiert werden. Zwm dritten das
                            die kinder ire kindhait byß zw dem sibenden jar mit muterlicher [sprach]
                            vnderricht <pb
                n="213"/> werd ... vnd von dem sibenden byß zw dem
                            zwelften die lateynische sprach vnd geschrift lern. Nach dem
                            fierzehenden jare den sullen sie sich schwer arbet vnderwinden, vnd ob
                            einer edel ist mit edele dingen, ob ein burger burgerliche ding vnd ob
                            pawern pawernart, ob sie hantwerger hantwerkisch sullen sie lernen. Zwm
                            fierden mit zuchtigen geberden sullen sie gelert werden. Zwm funften
                            sullen sie verhuet werden von der vnkeusch. Zwm sechsten sullen sie
                            vnderweist werden, das sie flihen böse geselschaft vnd nachuolgen der
                            gueten. Zwm sibenden sullen sie vnderweist werden von der hoflikeyt der
                            tischs. Zwm achten das sie vnnutzyliche spil flihend, das spilbret vnd
                            die wurfel meyden. Zwm newnden sein sie zw vnderrichten, wie sie klaider
                            sullen haben. <pb n="214"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.53">
            <head>Cap. LIII. Die sun wie gegen vater vnd muter.</head>

            <p> Herwidervmb sullen die kinder ir vater vnd muter vnderwurfen sein vnd in
                            dienen, fur sie arbayten vnd inen uolgen, nichsts on irer willen wirken
                            oder handeln, kain kauf thuen vnd die andern ding, die ich hie nit meld.
                            Aber die tochter sullen vnderricht werden aller mayst, das sie got
                            dienen vnd nit musig sein, nit schwetzerin, nit vmblaufend, nit
                            vnkeusch, nit vnschemig, nit vmbschwaefend, nit vngezuchtiget, sunder in
                            allen dingen gueter sitten. <pb n="215"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.54">
            <head>Cap. LIV. Wie der hausvater. </head>

            <p> Der hausvater sul sein hausgesind vnderweysen mit worten, mit werken vnd
                            ebenpild. Fierfeltiglich sein aber die khnecht, als naturlich khnecht,
                            gesatzlich, taglöner vnd gnedige. Die naturlichen khnecht sein, welche
                            in nichten im können versehen, wiewol sie sein von leib starck, doch
                            sein sie von gemut schwach vnd derselbigen khnecht sein billich herrn
                            vnd regirer, so in die kunst vnd vernunft geuenen. Die gesatzliche
                            khnecht sein die, welche im streyt gefangen wern oder welche sich
                            williglich vnd wissentlich verkaufend oder verkauft werden verhengen vmb
                            lon oder aus wrsach des nutzs, <pb
                n="216"/> welche werden eygen khnecht
                            [gnant]. Die taglonerlichen khnecht sein, welche vmb ein bestymten lon
                            bestelt werden auf eine bestymte zeit, als ein halbs jar. Es sein auch
                            arbeter, welche allein auf ein tag werden bestelt oder auf ein stund von
                            nutz wegen des solds inen beschiden. Die khnecht von gnaden wegen sein,
                            die nit vmb beschiden lon , sunder auf gnad dienen. Wider die
                            naturlichen khnecht haben die herrn ein sulch recht, das sie durch die
                            sitten erfullen, welchs sie mit aygner person oder kraft verbrengen nit
                            wellen oder nit mugent. <pb
                n="217"/> Wider die gesatzliche khnecht oder
                            die eygen haben die herrn ein sulch recht, das sie nymmer von inen on
                            iren willen hinweg zw geen vndersten sullen vnd albeg inen zw dienen
                            schuldig sein. Sunder ire herren sein schuldig, inen notturftige ding zw
                            versehen, ob sie das nit werden thun wurden, sie ledig werden. Und was
                            sie mit arbet zw samen bringen, das ist der herrn vnd irer erbe. In den
                            taglonerlichen khnechten haben die herrn sulch recht, das sie fuer der
                            zeit der bestellung von inen schaiden nit sullen, ob sie das theten, so
                            verliren sie den lon in dem verheyschen. Und keiner sul sie zw seinen
                            khnechten aufnemen noch halten. Und ob ayner die halten wurd
                            wissentlich, so sie begert werden, ob er die nit widergibt, so wirt er
                            geben <pb
                n="218"/> dem richter die straf, durch welche sol er sie nöten
                            zw widergebung. Doch die herren sullen die nit wrlauben fuer der
                            gesatzten zeit, den nur aus merklichen vbertreten sie das werden
                            verschulden vnd nur den lon auf sulch zeit beschiden inen gentzlich
                            haben bezalt. Und ob der selbige khnecht seine klaider verspilen wirt
                            oder vertrink oder eynichermaß verendert, ist er nit schuldig die zw
                            erlosen, sunder der herre, aber der herr wirt sie widervmb haben vmb
                            sunst, wo er sie wirt finden. Aber die gnaden khnecht oder ersam des
                            herren mugen, wen es inen gefelt, wrlaubt werden, wen sie wellen, sunder
                            der herr soll sie erenlichen widerbelonen. Auch sulch khnecht mugen
                            erlaubnuß nemen, wen sie wellen, aber nit in zeit der notturftikayt ir
                            herrn <pb n="219"/> verlassen, sunder in zeit des frids. Wirt innen
                            durch das zw geschriben groser glaub vnd ersamkeyt; wan ob sie ire herrn
                            in zeit der notturftikait verliessen, vielen sie in vnleumbt vnd gewynen
                            kain taglon. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.55">
            <head>Cap. LV. Von dem regiment eyner statt.</head>

            <p> Zw dem regiment eyner statt merk zwm ersten, was sei ein statt, wannen
                            sie gnant werd, warvmb sie gemacht sei, aus welchen dingen sie besteet,
                            wie vil vnd welche sein regirer in ainer statt. Von dem ersten ein statt
                            ist der hewser vnd gassen vilkait mit ligenden guetern vnd mit
                            besitzungen, zwm leben wol geordnet. <pb
                n="220"/> Und wirt gnant ein
                            statt die aynikait der burger. Aber es ist gemacht ein statt nit allein
                            zw leben, sunder zw wol vnd fridlich leben. Aber es ist die statt
                            gemacht aus ackerleuten von der speis wegen; aus den hantwerkern durch
                            die klaider vnd andere notturftige ding; vnd aus kaufleuten bey dem
                            markt, das die ding, welche in ainer statt nit erfunden werden, von
                            andern enden hieher werden gefurt; item aus taglöner vnd gelerten vnd
                            wissenden, allermaist aus denen, die do gelert sein in weltlichen
                            rechten; aus muntzern, wechslern, rittern, raysigen, rednern,
                            fuerfechtern vnd regirern. <pb n="221"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.56">
            <head>Cap. LVI. Von den regirern der stett vnd irem ambt.</head>

            <p> Die regirer ainer statt sein vier, als ain burgermaister, die ratgeben,
                            der richter vnd das volk. Bey dem soltu merken, das wie in zeit des
                            kriegs ein statt wirt durch waffen beschutzt, also in zeit des frids
                            durch gerechte gesatzen vnd gewonheiten, mit sitten der brauchenden
                            geregirt. Und das ein statt durch die gesatz wol geregirt werd, fier
                            ding werden erfordert: Zum ersten das die gesatz durch weyshait wol
                            werden erfunden; zum andern das durch burgerliche macht sie wol werden
                            verhuet; zum dritten das nach den gerechten gesatzen die hendel der
                            burger recht gewrtelt werden; zwm fierden das die ding, welche in den
                            gesatzen gegeben, werden ... gehalten. <pb n="222"/> Wan wol erfinden
                            die gesatz zwe gehort den radgeben, wol zw verhueten gehort zw dem
                            burgermaister der radgeben, wol richten nach den gesatzen zw den
                            richtern, wol sie zu behalten gehort zw allen burgern. Hie soltu merken,
                            das dreu geschlecht sein der menschen in ainer statt: etlich werden
                            angenommen, etlich werden geliden, etlich werden veracht. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.57">
            <head>Cap. LVII. Von dem regirer einer statt.</head>

            <p> Der burgermaister oder regirer deiner statt sol erstlich in im haben
                            funf: als das er sei trew, weltweyß, schemig, barmhertzig vnd wol
                            vorbedacht. Aber es ist <pb n="223"/> sein ambt, das er in das gemaine
                            guet vor allen dingen merke, die statt alle monat beschawe, ir
                            nutzbarkeit furdere, die mengel erfulle, die krigenden von etlichen
                            vorbestymten wrsachen zw dem rate lade, das volk in notturftikait
                            zwsammen beruef, in den haymlichen die gewrtelten offenlichen eröffne,
                            zw dem rat vnd zw dem gericht haus oft in der wochen (beseech vnd) gee,
                            vnd wen er aus redlicher wrsach nit mag dobey gesein, den so sol er
                            ainen andern an sein statt setzen, das sie statt nit verseumbt werd.
                        </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.58">
            <head>Cap. LVIII. Die ding die verhindern sein einen rad.</head>
            <p> Aber dreu ding sein einen jeden gueten rad verhindern: eylung, <pb n="224"/> der zorn vnd der haß. Darvmb sullen die richter in inen
                            haben andre dreu ding, fuedrend ein jeden gueten rad, als mit
                            vorbetrachtung ... vnd gleicher lieb zw allen menschen. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.59">
            <head>Cap. LIX. Von welchen dingen ist rat zw haben.</head>
            <p> Eyn rad sol gescheen erstlichen von funf dingen: als mit renten ader
                            gulten, von der narung, von der behuetung, von dem frid vnd dem krieg
                            vnd von der gesatzsprechung mit zeitkait. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.60">
            <head>Cap. LX. Von der erwelung des rads.</head>
            <p> Wen es sullen zw einen rad erwelt werden (göttlich) weyse man, <pb
                n="225"/> geburlich alter habende, got fuerchtend, die geytzikait
                            verschmehend, gaben nicht nachfolgend. Und ist irer ambt machen die
                            gesatz, die zweyfel auslegen, die finstere ding erklern, die
                            nutzbarlichen besteten vnd die vnnutzbarlichen abtilgen, gemains guet
                            fuedern, die hertikait des rechtens miltigen, mangel erfullen, den fried
                            vnd gemach betrubende strafen vnd widerreden, die krigischen hinweg
                            treyben, die krieg stillen, die sachen hörn, die wrtayl sprechen, die
                            gult einer statt wissen, mit den narung fuersehen, bey allem markt
                            fuersehen, die fuerlaufende strafen vnd das arbet der hantwerger wol vnd
                            gerechtiglich gescheen aufmerken vnd alle andre ding, welche guet vnd
                            nutzlich sein dem gemainen nutz. <pb n="226"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.61">
            <head>Cap. LXI. Von dem regiment des richters.</head>
            <p> Der richter sol an im haben acht ding, als ein volkomens alter, gotes
                            forcht, den gewalt zw richten, wissenhayt der gesatz, rechte weyshayt,
                            verhuetung der laster, guet sitten vnd liebhaber der gerechtikait. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.62">
            <head>Cap. LXII. Was im richthaus. </head>

            <p> In dem grichthaus sullen alle sachen aus gericht werden ausgenommen die
                            gescheft vnd von vngeschaften verlassen guetern <pb n="227"/> vnd von
                            den appellacionen vnd klag von dem richter vnd setzung der pfleger, von
                            witiben vnd waysen, von vngerechter bawung der hewser vnd absetzunge der
                            ambleut der statt, von der stewr vnd von dere zal, von dem gewicht vnd
                            der maß, wan die ding in dem raden werden gewbt. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.63">
            <head>Cap. LXIII. Was thuen die radgeben. </head>

            <p> Wan in dem volk ist begriffen die macht, die huet vnd beschutzunge der
                            statt, darvmb die radgeben nichst newes noch schwers erfunden noch
                            setzen sullen in der statt on wissen vnd willen des volks. Sein schuldig
                            die radgeben in yeden jarn vor den eltern vnd bessern von dem <pb n="228"/> volk raytung thuen von allen eingenommenen nutzungen der
                            statt. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.64">
            <head>Cap. LXIV. Was der fuerst sall thuen.</head>

            <p> Der fuerst vnd naturliche her aynichs lands soll aufs mynst an im haben
                            funfzehen tugende: Zwm ersten got albeg fuer allen dingen furchten vnd
                            liebhaben, im fleyslich dienen vnd seine gebot treulich halten; die
                            nutzbarkait ainer gemain fuertrachten; sein nachgewanten reichen vnd
                            erhöhen vnd trösten behelfen; den edlen in seinen land zw neren; die
                            burger vnd sein vndertan behelfen vnd gnediglich regiren; kunst der
                            geschrift in seinem reich haben; die weysen vnd die getrewen fuer <pb
                n="229"/> andre eern; die gutikayt vnd gerechtikayt liebhaben;
                            kainen vnrecht thuen an personen oder guetern auch nit an seiner eer,
                            von seinen aygen guetern genugig sein, die fremden gueter nit nemen; die
                            zwschmaychler vnd zwtreger nit hören; beet vnd ayntrachtikayt vnd ware
                            freuntschaft seiner burgern bieten; inen wol trawen vnd von inen sich
                            machen behuten; allen loblichhayten seiner burger bey sein, vnd mit inen
                            frolich sein; (vnd) das nit krieg oder tewrung in seinem lande werde,
                            fleyslich verhueten; die klagen der armen erhörn vnd vber die mit kraft
                            wrteilen. Aus den dingen wirt er haben lob vnd eere vnd berayt dienst
                            von den menschen in gegenwurtiger vnd kunftiger zeit von got den ewigen
                            lon. <pb n="230"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.65">
            <head>Cap. LXV. Von dem tirannen (vnd wueterich.)</head>

            <p> Aber der tirannen hat gerat den in allen dingen widerwertikayt: wan
                            warvmb er hot gott nit lieb noch furcht; er hast die diener gotes; sein
                            aygene nutzbarkayt sucht er; er verderb sein nechst vnd macht sie
                            demutig; die edlen in seinem land verheng er nit zwezwnemen; sein burger
                            vnd die vnderthan verdruckt er vnd vertritt sie; er acht nit der
                            weyshayt der geschrift; die weysen vnd die trewen vnert er vnd vertreibt
                            sie; frid vnd gerechtikayt hast er; er thut allen menschen vnrecht, ire
                            person tötend, die gueter vberlaufende, die erben beraubend, ir eeweiber
                            vnd töchter vnd freundin seiner burger besterend vnd betruebend fried
                            vnd aynhellikayt; <pb n="231"/> die eerabschneyder vnd verreter der
                            menschen neert er vnd liebhat, er hast nit die boshaftigen menschen;
                            seinen burgern traut er nit, von den auswendigen thut er sich behuet zw
                            werden; die loblichhayt der burger verpeut er; krieg in seinem lande
                            macht er teglich; die klagen der armen acht er nit, die sach der waiben
                            vnd waysen nit eingeet zw im vnd nach seinem wolgefallen wrtelt er. Aus
                            den dingen erlangt er vnleumbt vnd vneer von der welt. haß von got, die
                            ewige pein, wan als spricht Aristoteles: Welcher eynen tyrannen töd, da
                            thut den gütern ein grossen dienstbarkait, als den gesehen wirt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.1.65.Schluss">
            <p>Und also volendt sich das erst buech. <pb n="232"/>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.2">
          <head>Das ander buech von dem rechten der guetern.</head>
          <div xml:id="NA.2.1">
            <head>Cap. I.</head>

            <p> An der obern statt ist gesagt wurden von den rechten der personen, nun
                            ist zw sagen von den rechten der gueter. Bey welchem ist zw merken, das
                            in ainer jdlichen statt vnd in ainer kristlichen statt dreu geslecht der
                            gueter zwm mynsten sein sullen, als die guter gots allein (vnd) gueter
                            ainer gemain allein vnd gueter besunderer menschen allein. Die gueter
                            gots allein sein alle heylige gaystliche gueter vnd denen angebunden.
                                <pb
                n="233"/> Die hayligen guter sein alle gueter durch den bischof
                            gesegnet vnd ordenlich geweicht, als sein heylige hewser, tempel gotes,
                            altar, klöster, kirchhof vnd der gleichen. Und alle andre gueter, die da
                            zw der gotlichen eer geweicht, als kelch, kreutz, monstrantzen, gezierd,
                            altartucher vnd ampeln, glocken, fanen, rauchfesser, mesbucher vnd
                            bucher der kirchen vnd andre gaystliche gueter. Und merk das die heuser
                            gotes vnd altaria in kainerlay maß mugen vera*endert werden, aber die
                            andern gueter der kirchen mugen in notturftikayt verkauft oder versetzt
                            werden, als durch erlosung der gefangen, durch schulden der kirchen vnd
                            durch die narung der armen menschen. Die gaystlichen gueter sein stet
                            der toten, das ist greber. Und merkt, das ain jedlicher mag im selbs in
                            andechtiger <pb
                n="234"/> stat, das ist ein besunder grab, machen in
                            seinen grund, aber in fremden grund von erlaubnuß des herren des grunds
                            dasselb mag auch thun. Aus dem ob ainer hot ain aygen grab mit seinen
                            stain verzaychnet, in dasselb sol nymand seinen toden eintragen. Ob aber
                            etliche haben ain gemains grab, in das selbig eintregt ain jedlicher
                            sein toden, auch ob der ander nit will. Aber in ainen gemaynen freythof
                            mag ein jedlicher seinen toden eintragen vnd vergraben, wo er mag.
                            Dasselbig recht ist von den stenden der manne vnd der weyber in der
                            kirchen. Und die stett werden gnant gaystlich, wen die gelerten der
                            gesatz haben es gesetzt. Aber den hayligen angebunden gueter sein alle
                            hof der bischofen, der chorhern, der pfarrer vnd alle stift <pb
                n="235"/> gueter. Und die ding alle sullen nit verandert werden. Aber die
                            gueter ainer gemain allein das sein: gerichtshewser, radheuser,
                            tanzheußer (vnd) roslauf, strassen, steig, weg, bruck, steg, scheff,
                            gang der fuerleut; auch sein der gemain alle stend ausserhalb der hewßer
                            der burger gesetzt, wo gemaine gueter verkauft werden vnd die zyns aus
                            den selben komend. Wan kain burger hot vor seinen haus nichts rechtsn
                            nur anderhalben schuch, darauf seine trauf vallen von seinem dache. Aber
                            es sein die stend der metzker, der pecken, der kramer, der kursner, der
                            rimer, ... der satler, der seckler, der glaser, der schmeerschneider vnd
                            der andern. <pb
                n="236"/> Auch sein ayner gemayn die zins von allen
                            steten ausserhalb der hewßer, der hering vnd der huener, der keser, der
                            eysen kramer, der rackenverkaufer, vnd von allen sulchen peenfellen. Der
                            gemain sein auch die zins von allen gemainen hewsern der verkaufung, der
                            tucher (oder gewandschneider), wulmacher, leymatweber, der kuersner, der
                            schuester, der gewandschneider vnd der andern. Der gantzen gemain sein
                            alle zins von den turnen der statt, von grebern, von den gemessen
                            metzen, emern, von den feuchten vnd trucken metzen, auch von allen
                            gewichtentramen, daran die kaufmanschaft werden gewegen. <pb n="237"/>
                            Aber die gueter besunderer menschen sein vil vnd mancherley; doch
                            etliche in von den naturlichen rechten werden gewunnen die herschaft,
                            etlich von burgerlichen rechten vnd in weltlichen. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.2">
            <head>Cap. II. Welche ding werden gewunen von naturlichem rechte.</head>

            <p> Zum ersten wirt zw sagen vnd zw auslegen von den dingen, welche
                            naturlichem rechte gewunnen werden, darvmb das recht ist das elter dan
                            yeds recht, als oben ist geoffnet. Wan von naturlichem rechte werden vns
                            gewunnen leybliche gueter in vil massen ... Zwm ersten durch das vahen,
                            das ist durch vahung der wild <pb
                n="238"/> vnd ander tier, wan alle
                            wilde tier, die in vnd auf erden, in wassern vnd luft geborn vnd genert
                            werden, wen wier sie fahen durch geiegt, durch fischung, durch voglung,
                            sein sie bald vnser, wan sie vor kains warn. Und was kains ist, das wirt
                            aus naturlicher vernunft gegeben dem, der das gefangen hot. Auch wan in
                            der ersten zeit waren alle tier allen menschen gemain vnd hot verzyembt
                            ainem yedem zw nemen, wo er hot gemugt vnd gewelt, und darvmb, wan
                            sulche tier in zeit irer freyheit sein sie kains vnd kainen nutzlich,
                            sunder allen menschen schedlich, darvmb mugen sie gefangen werden von
                            allen menschen. Und irret nit, ob eyner in seinem grunt oder in ainem
                            fremden ein vnvernunftigs vnd wilds tier <pb
                n="239"/> facht. Doch mag
                            der here des grunts den wellenden jagen, fischen, oder voglen in seinem
                            grunt, ob ers vorsicht, verbieten das er nit eingee. Und ob er vber das
                            eingeet, wirt er im schuldig der klag des vnrechten, der diebstal. Und
                            was dw der ding fachst, biß dahin wirt es verstanden dein zw sein, so
                            lang es bleybt in deiner huet. Wens aber eingeet von deiner huet vnd in
                            sein naturliche [freyheit] sich nymbt, so hört es auf dein zw sein vnd
                            wirt widervmb dem, der es veruolgt. Aber die naturliche freyheit wirt es
                            verstanden zw nemen, wen es entweders dem gesicht entgangen ist oder
                            entflogen oder also sey in deinem angesicht, das vnmuglich sei der
                            veruolgung. <pb n="240"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.3">
            <head>Cap. III. Von der natur vnd dem rechten der beynen.</head>

            <p> Die beyn natur ist wild. Alzo die beyn in deinem baum sein zwsamen
                            gesessen, ein mal du sie in dem beynkorb host beschlossen, sein nit meer
                            dein zw sein werden verstanden, dan die vogel, die in deinem baum inen
                            nest haben gemacht. Und darvmb ob ein ander die hot eyngeschlossen, so
                            wirt derselbigen ein herr. Und das honig, ob in deinen baum sie gemacht
                            haben, mag ein jedlicher dir vnwissend nemen. Ob du aber vorsichst ainen
                            eingeend in deinen grunt, so magstu in von allem rechte verbieten, das
                            er nit eingang, als oben gesagt ist. Aber der schwarm dar immen, ob sie
                            aus deinem beynkorb <pb n="241"/> ist geflohen, so wirt es verstanden
                            byß dahin dein zw sein, so lang es in deinem angesicht ist vnd leicht
                            ist sein veruolgung, sunst wirt es eins andern, der es annymbt. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.4">
            <head>Cap. IV. Von den ausflihenden voglen.</head>

            <p> Die pfawen, die tauben, die falken, die sperber, die habich vnd ander
                            vogel, welche aus gewonheit ausflihen vnd widerkommen gewont sein, die
                            haben ein wilde natur, wan auch die beynen dasselb thun vnd daruon ist
                            wissen, die zw sein wild. Darvmb solch vögel das recht der beyn
                            gentzlich werden behalten. <pb n="242"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.5">
            <head>Cap. V. Von den widerkomenden tieren.</head>

            <p> Die hirschen vnd hinden, gaysen, bern vnd andre walttier, auch die wolf
                            vnd fuchs haben etlich also haymlich gewant, das sie in den wald vnd an
                            andern enden hingen vnd widerkomen gewant haben, doch aus welchem ir
                            wilde natur zw sein nymand leugnet; welche so lang dein sein, wie lang
                            sie zw dir widerkeren. Ob sie aber wider kummen aufhören, so aufhören
                            sie auch dein zw sein vnd werden des, der sie jagt. Aber des gemut wider
                            zw kommen verlassen sie, wen sie die gewonheyt wider zw kommen zwruck
                            legen. <pb n="243"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.6">
            <head>Cap. VI. Von den hausuogeln. </head>
            <p> Der hennen, der gens vnd der heuslichen tier nit zu sein eyner wilden
                            natur. Und darvmb, ob sie eynichermaß betruebt werden vnd wie wol sie
                            dein angesicht entflihen, welche doch an einem end werden sein, so
                            werden albeg verstanden dein zw sein. Und welcher in mut zw gewynnen die
                            tier aufhalten wirt, der begeet den diebstal, als in andern heymlich
                            gemachten tiern. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.7">
            <head>Cap. VII. Die gueter werden vns gewunnen durch vahung (der
                            feinden.)</head>

            <p> Zwm andern werden vns gewunnen die gueter durch [vahung] aus den
                            feinden, als wen wir frey menschen in dem krieg vahen, so werden sie
                            bald in vnser dinstbarkeyt <pb n="244"/> gebrocht. Doch welche, ob sie
                            vnder dem gewald entgeen werden vnd zw den iren widerkert haben , werden
                            sie widerhaben den vorigen stand. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.8">
            <head>Cap. VIII. Durch findung. </head>

            <p> Zvm dritten die findung eins naturlichen schatzes von newem, als do sein
                            edel gestain, margariten, köstlich stain von den flüssen, aus dem meer
                            mit den wellen ausgetriben vnd an den gestaten erfunden oder in den
                            holen der perg von dem erdrich heraus getzogen. Welche all sein der
                            finder. Item es wirt vns gewunnen das guet durch findung eines
                            naturlichen verborgen schatz. Wan ein schatz, den einer in seinem grunt
                            hot gefunden, der wirt des aus naturlichen rechten, welcher in gefunden
                            hot. Ob eyner aber wirt <pb
                n="245"/> finden in einem andern grunt so er
                            nit darzw sein hulf oder vngeuerlich, so wirt der halbteil des finders
                            vnd der ander halbteil des gruntherren. Ob aber mein dienstkhnecht (als
                            ein taglöner) ein schatz in meinem grunt wirt finden, der wirt gantz
                            mein vnd wirt nicht dem zw gehörend, nur was ich im mit guetem willen
                            wurd wellen geben. Ob aber einer ertz in den bergen oder telern wirt
                            finden vngefer oder an gegebner arbet darzw vnd vor andern leuten die
                            end het ausgraben, so wirt es gantz desselben, ob der grunt sein ist. Ob
                            aber nit, den dem herrn des grunts, was er mit seiner arbet hat
                            ausgehawen, wirt er geben ein tayl nach gewonheyt des lands. <pb n="246"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.9">
            <head>Cap. IX. Die gewinnung durch verlassung (oder verwegung.)</head>

            <p> Durch verlassung werden vns gewunnen gueter, als wen einer ein haus, ein
                            acker oder weingerten lest vngebaut vnd wil nit bawen noch acht sein nit
                            zw haben den welcher sich von den vnderwindt, so wirt bald des
                            annemenden (in zw bawen). Item durch willig auswerfung der gueter wirt
                            vns gewunnen das guet, als wen der kunig, fursten, die pretores oder
                            ratgeben sendbotschaft senden vnd die pfennige oder das gelt in
                            hinwegwerfen vnder das volk nit wissend, wie vil ir jedlicher werde
                            einnemen (oder entpfaen), dasselbig alzo verwurfen wirt bald verwendt in
                            seinen herrn, welcher das entpfangen oder gefunden hot. <pb
                n="247"/>
                            Aber nit so es ist von vnwilliger hinwerfung der gueter, also wen einer
                            des meeres vngestumkait oder eins andern grosen flisenden wassers wrsach
                            halben zw ringern das schiff, sein gut vom schiff auswirft; wan die ding
                            bleiben der herren, welcher sie vor gewesen sein, wan es slecht ist die
                            selbigen guetern nit in dem gemut ausgewurfen gehat haben, das er nit
                            welte sie sein zw sein, sunder merer das der schaden des meeres mit hayl
                            des schiffs empfluech. Von der wrsach wegen, welche sulche gueter von
                            wellen des meeres vnd des wassers ausgewurfen oder auch in dem meer die
                            schiffleut in maynen zw gewunnen haben genommen, so begeet der ein
                            diebstal. Item von der verlarnen guetern ist, ob einer sein gut verwirft
                            von einem <pb n="248"/> wagen oder schlitten oder von einem roß oder vom
                            rucken oder von der schiffung. Ob einer die findt vnd nit wirt wider
                            geben, der thut ein diebstal. Es werden uns gewunnen gueter durch die
                            geberung, als durch die unvernunftigen tier aus vnserm viech geborn
                            werden vnser vnd auch die vernunftigen, als die kinder von vnsern
                            leibaygen diern geborn sein vnser. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.10">
            <head>Cap. X. Durch die zwwachsunge (haymliche des flissenden
                            wassers.)</head>
            <p> Es werden vns gewunnen gueter durch alluuionem, das ist der <pb n="249"/> wasser zwnemung vnd haymlicher merung, wo was mit den flissenden
                            wassern deinem acker heymlich zwwirft, ist dein. Es ist auch alluuio ein
                            verborgene merung des wassers. Ob aber die kraft des wassers deinem
                            acker eynichen tayl entzihen wirt vnd dein grunt deines nachpern zw
                            wirft, ist offenbar der teyl dein bleyben. Ob aber ein lange zeit er ist
                            angehangen ... welche mit im gezogen die wurtzen hot in den grunt
                            gemacht, aus der zeit wirt gesehen der tayl dem grunt des nachpern sein
                            gewunnen. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.11">
            <head>Cap. XI. Durch zwwachsunge. </head>

            <p> Es werden vns gewunnen gueter durch zwwachsunge, als ein insel in dem
                            meer die gewachsen ist, dasselb ... fuegt, die wirt des <pb
                n="250"/>
                            einnemenden (vnd bawenden). Wan sie wirt geglaubt keines andern vor sein
                            gewesen. Aber ein insel, welche in ainem flissenden wasser naturlich
                            geborn ist, das oft geschieht, ob es den halben tayl des fließ inhaltet,
                            der ist gemain der, welche von jedem tayl des wassers durch den bach
                            gueter haben durchmaß der weyten eins jedlichen grunts. Und ob es dem
                            andern tayl neher ist, irer ist (so vil) allein des, welcher von dem
                            tayl nahet dem bach ligende gueter besitzt. Und ob an einem tayl getaylt
                            wirt das wasser, darnach inner dem eynigen acker ein fremden in gestalt
                            einer inseln hot gemacht, so bleibt die insel dem, welch der acker
                            gewest ist. Und ob verlassen ist die wasserstat gentzlich, von dem
                            andern tayl hot angefangen zw fliessen, so ist die vorige wasserstat ist
                            ir, welche bey dem bach <pb n="251"/> des ligenden guter besitzend, fuer
                            die maß der weyte eines jeden ackers. Aber die new wasserstatt anfacht
                            zw sein des rechtes, welchs das groß wasser ist. Und ob das eyniche zeit
                            zw der vorigen wasserstatt des groß wasser widerkommen ist, so hot
                            angefangen widervmb die new wasserstat ir zw sein, welche bey dem bach
                            ligende guter besitzen. Ob aber der gantz acker ist vergossen wurden vnd
                            die guß verendert nit das gesicht des grunts, ob darnach das wasser
                            wider hingeet, so ist gewiß den grunt des zw sein, welchs er vor ist
                            gewesen. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.12">
            <head>Cap. XII. Durch geberung. </head>
            <p> Es wirt auch vns gewunnen <pb
                n="252"/> guet aus einer fremden materye,
                            als wen eyniche besundre gestalt gemacht were aus gut vnd der materye
                            eines andern, wirt gewonlich gefragt, welcher aus naturlicher vernunft
                            herre sei, eyntweder der es gemacht hot oder der, welcher der materye
                            herre ist gewesen: als ob einer aus einem fremden silber hot gemacht ein
                            vaß oder aus weinbern oder ölgewechs wein oder öl hiet gemacht oder
                            waitz oder aus fremden wein oder honig ein trang hot gemischt oder aus
                            fremden ertzneyungen ein pflaster hot gemacht oder ein pflaster oder aus
                            fremden wulle macht ein tuch oder aus fremdem tuch ein klaydt im macht
                            oder aus fremden tafeln oder bretern ein schiff oder ein almar, oder ein
                            stuble hot gebaut oder gezymmert. Zw der frag sagen etliche: Ob <pb
                n="253"/> die gestalt zw grober materye, als der vorigen,
                            widerbracht mag werden, dieselb wirt geschen zw sein des herren, welcher
                            ein herr der materye ist gewesen. Ob aber es nit widerbracht mag werden,
                            denn so wirt der herre, welcher die gestalt eingefurt hot. Die andern
                            sprechen das die materye von wegen der wirdikait zwgeet der gestalt vnd
                            das machend sei der herre vnd nit der, welches die materye ist gewesen.
                            Die andern sprechen, das die gestalt, die weich der materye, darvmb das
                            die materye ist das wesen, die gestalt sulchs anhangen. Darwider ist
                            alles, das aus meinem gut gemacht wirt, ist mein, als hernach an vil
                            enden wirt offenbar. Zw der frag sprechen vorbehalten <pb
                n="254"/>
                            bessere wrtel. Ob der machend hot kauft die fremden materye mit gueter
                            trew vnd hot glaubt, die zw sein des, von welchem er sie kauft hot vnd
                            also hot er eingefurt die gestalt, den so wirt es gantz begriffen sein.
                            Wan der boß glaub des verkaufenden mag nit schaden dem kaufenden mit
                            guetem glauben. Dasselbig ist, ob einer samlet weintrauben aus einem
                            garten, dener glaub hot [sein] zw sein vnd vnwissentlich (vervntrewen)
                            aus denen weintrauben hot gemacht wein, so wirt er gantz ingehalten
                            sein. Ob er aber den weingerten wisset nit sein zw sein vnd sammelt
                            weintrauben vnd macht wein, den verleurt er die form vnd die materye mit
                            den aufgeben vnd die scheden aus den dingen entstanden wirt er
                            widerlegen. Und wirt mit dem durch <pb
                n="255"/> den freuel geschehen
                            von dem richter vnstraf nit entgeen. Ob aber sichtbarlichen beweisen
                            wirt, das die materye ist eines andern gewesen, als ein gart oder ein
                            weingert, aus dem gesammelt sein die weintrauben, den der machend
                            entweders sol bezalen die materye als die weinber oder nem ein geburlich
                            gelt fuer sein arbet vnd mue, ob ers nit thut, so gebürt wider in die
                            klag boß lists. Dasselb ist von den ölbaumen vnd von den ehren vnd allen
                            obgenanten dingen. Ob aber ein tayl aus seiner materye vnd ein tayl aus
                            fremder er macht ein gestalt vnwissentlich, glaubend mit guetem trawen
                            bayd tayl sein zw sein, so ist nit zw zweyfeln, den zw sein den herren,
                            welche die zwsammene ertzney gemacht hot, sintemal er nit allein sein
                            arbayt hot verlihen. <pb n="256"/> ... Das ist war nach etlichen. Ich
                            sprich aber, das in der vorgeenden frag, das nyemand sol mit eines
                            andern nachtayl oder schaden reich werden. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.13">
            <head>Cap. XIII. Durch die verbung (oder eintunkung.)</head>

            <p> Es werden vns gewunnen gueter durch verbung, als ob einer hot eingetunck
                            sein woll oder sein garn in mein purperische varb vnd hot aus denen
                            gemacht ein tuch. Da wirt gefragt, wes das tuech sei, obs sei des, des
                            die matery gewesen ist, oder wes gewesen sei die form. Zw dem sagen
                            etlich, wiewol die purperisch varb sey kostlicher dan die wol, wan es
                            ist ein zwgeend ding, darvmb weicht sie der materye (vnd zwgeet,) welche
                            (materye) ist das wesen. <pb n="257"/> Aber ich sag: Ob er eingetunck
                            hot wissentlich, den so verleurt er die materye, ob vnwissentlich, so
                            wirt der herre der form im zalen das tuech, sunst verleur ich das gantz
                            durch die boß list, ja warlichen ist nit zw sein gerecht, das die
                            kostliche purperisch varb zwgee so gar einer schnöder materye, darvmb
                            ist das tuch des, welches ist die varbe.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.14">
            <head>Cap. XIV. Durch zwsamme fuegung der fliessenden ding.</head>

            <p> Auch werden gewunnen gueter durch willige vermischung der gysbarlichen
                            leybe, als ob eynich williglichen ir wein zwsamen haben gossen vnd haben
                            aus denen gemacht ein wein, so ist es nit zweyfel, den das sein ein leyb
                            ir beyder wein. Dasselbig <pb n="258"/> ist recht, ob aus mancherlay
                            materien ein gestalt [wirt], als ob aus wein vnd honig wirt ein trunck.
                            Es irrt auch nit, ob es im vngenerlichen vall die matery desselben
                            geschlechts oder mancherlay mit einander werden gegossen vnd von
                            einander nit mügen geschayden werden. Ob aber einer den leib gantz fuer
                            sich halten welt, dem gepurd ein klage auf das guet fur seinen teyl vnd
                            das ist zw schatzen aus dem spruch des richters. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.15">
            <head>Cap. XV. Die zwsamme fuegung trukner ding.</head>

            <p> Auch werden vns gewunnen durch vermischung truckner oder dürrer leib,
                            als ob etlich wirt sein wayzen des selbigen korns oder mancherlay korn
                            williglich <pb
                n="259"/> zwsamen vermischen, ... aus vall die korn
                            vermischt sein wurden, so werden sie nit gesehen zw sein gemain, wan die
                            korn al jedlich werend in iren wesen vnd wert. Die ausrichtung ist zw
                            erkennen mit dem spruch des richters, auch ist nit mer aus den vallen
                            der waytz gemain sei, dan ein herd schaff oder viechs eins vermischt mit
                            eines andern viechs werden verstanden gemain zw sein.<pb n="260"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.16">
            <head>Cap. XVI. Durch die zymmerung. </head>

            <p> Auch werden vns gewunnen gueter durch bawung der zymmer heuser vnd stet,
                            als ob einer in seinem grunt mit gutem glauben ein fremde materye hot
                            verbauet glaubend die sein zw sein, er wirt verstanden ein herr zw sein
                            es baus, wen warvmb alles, das gebauet wirt, zwgeet dem grunt vnd doch
                            der herre der materye wirt sie nit verlieren, nur so vil, das er die
                            materye nit annemen, auch nit von der zw begangen klagen mag ... Und das
                            geschicht darvmb, <pb
                n="261"/> das die baw oder die zymmer nit erstort
                            werden. Wan einen jedlichen ist zymlich zw bawen, aber kainen
                            zerbrechen. Doch sol der herre des zymmers die materye allein
                            einfeltiglich bezalen. Ob er aber die materye mit bosem glauben oder
                            gewalt wissentlich het verbaut, den so sol er zalen zwifeltiglich vnd
                            gnugthuen dem richter fuer ein straf. Herwidervmb ob einer aus seiner
                            matery in eines andern grunt hot gebaut ein haus wissentlich, den so
                            wirt das haus des, welchs ist das ertrich. Und [der] herr der guter
                            [wirt die verlieren]. Ob er nit wisset sich in fremden ertrich zw bawen
                            vnd ob der herr des ertrichs begert das haus vnd dasselbig sein zw sein
                            vnd nit bezalt die materye noch den lon der arbet, derselb mag durch die
                                <pb n="262"/> einrede boses listes abtriben werden von dem haus, wen
                            der zymerend mit guetem glauben ist gewesen ein besitzer des haus.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.17">
            <head>Cap. XVII. Durch die pflantzung.</head>

            <p> Auch werden gewunnen die gueter durch die pflantzung, als ob ainer ein
                            fremde pflantzung in seinem ertrich wirt setzen, so wirt die sein vnd
                            herwidervmb. Und das ist war in bayden vällen, ob die pflantzung wirt
                            wirken wurtzen. Aber eemal es wurtzen bringt, so bleibt es des, welches
                            sie vor gewesen ist. Aber von der zeit, die pflantzung [wo] wurtzen hot
                            gemacht, wirt sein ein gescheft verwechselt, als ob deines nachpern paum
                            wirt [d]ein ertrich also trucken, das es in deinem grunt alle wurtzen
                            machen wurd, den selbigen baum <pb n="263"/> sage[n] (vn)recht dein zw
                            sein. Wen die vernunft nit verheng, das der baum eines andern verstanden
                            wirt zw sein das des, in welches grunt er wurtzen hot gemacht. Darvmb
                            der paum bey den ortern deines grunts gelegen, ob die an den weg den
                            grunt etlich wurtzn haben ausgelassen, so wirt er gemain bayden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.18">
            <head>Cap. XVIII. Durch die seyung. </head>

            <p> Auch werden gewunnen gueter durch die seyung, wan aus welcher wrsach die
                            pflantzen, welche in deinem grunt wachsen vnd gefurt werden zwgeen dem
                            ertrich. Aus der selbigen wrsach auch die getrayd, die gesehet sein,
                            werden verstanden zwgeen dem ertrich. Und du sol merken als der, welcher
                            in einem fremden <pb n="264"/> grunt hot gezymmert, ob von im begert
                            wurd das zymmer, der mag beschutzt werden durch einrede boses lists nach
                            den dingen, welche wie oben gesagt sei. Also mit hulf der selbigen
                            einrede mag er sicher sein, welcher den in einem fremden grunt hot
                            geseet seinen samen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.19">
            <head>Cap. XIX. Durch geschrift. </head>

            <p> Es werden gewunnen gueter durch geschrift, also wen einer hot geschriben
                            ein buch mit gulden buchstaben in meinem perment, da wirt gefragt, wes
                            ist das buch, ob es des schreibers sei oder mein. Aber ich sprich, das
                            das buch sei mein, wan die geschrift zwgeet der perment, als die ding,
                            welche ertrich zwgeen <pb n="265"/> in dem zymmerend vnd die ding, die
                            dorein gesetzt werden. Doch mag der schreiber sein kost begern, welche
                            er mit guetem glauben ausgeben hot, ob die im nit bezalt sein gewesen,
                            so wirt er mügen mich durch die einred boses listes abtreyben von dem
                            buech.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.20">
            <head>Cap. XX. Durch das gemeld. </head>

            <p> Auch werden gewunnen gueter durch das gemeld, als ob ainer in einer
                            fremden tafeln etwas wirt malen, wirt gefragt, wes die gemalte tafel
                            sey. Etlich maynen, die tafel zwgeen dem gemelde, den andern wirt
                            gesehen darwider. Aber ich sage, das die tafel sey des malers darvmb,
                            das villeicht die tafel ist ein schwach guet vnd klaines werts, aber das
                            gemeld köstlich vnd ein <pb n="266"/> maysterlichs ding. Wen es wirt
                            gesehen ein gespott, das ein kostlich guet vnd ein maysterlichs (oder
                            ein werglichs) solt zwegeen der aller schnodesten tafeln. Und auch von
                            dem herren der tafel, welcher sie gemalt hat, begert sie vnd nit zalt
                            das lon der tafel, so wirt der maler mugen durch einred boses lists
                            hinweg gethan werden vnd herwidervmb. Und das ist war, ob der maler die
                            tafel mit guetem glauben besitzt; ob aber nit, wen sie wirt mugen die
                            klag der diebstal wider in gehabt werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.21">
            <head>Cap. XXI. Durch kaufung. </head>

            <p> Auch werden vns gewunnen gueter durch kaufung oder vbergebung, als ob
                            einer von einem nit herren, den er glaub herrn zw <pb n="267"/> sein, in
                            guetem glauben hot gekauft einen grunt oder aus vbergebung aus einer
                            gerechten wrsach in guetem glauben ... hot gevallen aus naturlicher
                            wrsach die frucht, welche er daruon hot eingenommen, des zw sein,
                            welcher kauft hot vmb die bawung vnd sorg. Und darvmb (warlich) ob
                            darnach der warer herr herfuer kommen wirt vnd den grunt annymbt, wirt
                            er beheben. Von den fruchten von im verzert oder eingenommen mag er nit
                            klagen. Ob aber einer wissend einen fremden grunt wirt besitzen, dem ist
                            nit verlihen dasselbig recht. Und also mit grunt auch die frucht, die
                            verzert sein, widergeben wirt genöt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.22">
            <head>Cap. XXII. Durch den fruchtbrauch eines grundes.</head>
            <p> Vns werden gewunnen gueter <pb n="268"/> durch den fruchtbrauch des
                            grunds, das der, zw welchem der fruchtbrauch des grunts gehort, nit
                            anders wirt er gemacht ein herr der frucht, nur so vil er die hot
                            entpfangen. Und wiewol darvmb yetz zeytige frucht doch noch nit
                            eingenommen ist der fruch[t]genyesser gestorben, so gehorend die nit zw
                            seinem eben, sunder dem herrn der eygenschaft werden sie gentzlich
                            gewunnen. Dieselben nahet von dem bawman werden gesagt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.23">
            <head>Cap. XXIII. Durch den fruchtbrauch des viechs.</head>

            <p> Es werden gewunnen vns gueter durch den fruchtbrauch des viechs. Und
                            merk hie, das sie frucht der tier, als der lemmer, kitz, kelber,
                            schweinle, rösle, der gleichen die milch, wulle vnd <pb
                n="269"/>
                            schepper oder lück, welche ding alle von naturlichem rechte des
                            fruchtnyessers sein. Aber die geburd einer leybeygen diern ist nit in
                            dem fruchtgenyeß, so vil zw vollkomer eygenschaft gehört, darvmb gehort
                            er zw dem herren der eygenschaft. Wan es gesehen wirt ein vngehört ding,
                            ein menschen zw sein in einer frucht, sintemal der herre alle frucht von
                            wegen des menschen hot beschaffen. Und merk, ob einer des viechs
                            fruchtbrauch hot, in statt der gestorben haubter der fruchtbraucher aus
                            der frucht ein anders sol vndertreiben. Und in der weingerten vnd baum
                            gestorben statt der fruchtgenyesser ander weinreben vnd baum sol noch
                            setzen, auch der fruchtbraucher sol recht bawen vnd als ein gueter
                            hausvater sol <pb n="270"/> er nyessen, sunst wirt er verlieren.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.24">
            <head>Cap. XXIV. Durch gebung. </head>

            <p> Auch werden vns gewunnen gueter durch gebung, als ob ein herr einem
                            freunt oder khnecht gibt ein guet, das ist von naturlichem rechten
                            desselbigen bald, welchem er das geben hot. Wan nichst ist als zymlich
                            der naturlichen billikayt, dem den willen eins herren, der do mag sein
                            guet in einen andern verwenden, stett gehabt werden. Und darvmb, welches
                            geschlechts sei ein leyblich guet, das mag geben werden von dem herrn
                            vnd eingegeben verendert werden. <pb n="271"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.25">
            <head>Cap. XXV. Durch hewretguet. </head>
            <p> Also werden vns gewunnen gueter durch hewretguet vnd vbergebung, als zw
                            welcher zeit ein guet ... eynicher andern gerechten wrsach ... werden
                            geben, on zweyfel werden sie verwendt in den, welchem sie gegeben sein
                            in dermas, aus welcher sie gegeben sein.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.26">
            <head>Cap. XXVI. Aus verkaufung. </head>

            <p> Auch werden vns gueter gewunnen aus naturlichem recht aus verkaufung,
                            also wen ayner wirt verkaufen sein guet einem andern vmb berayt gelt, so
                            wirt der kaufend nit ... herr des guets, nur wen er des lon gentzlich
                            hot bezalt oder in ander maß wirt genug thuen dem verkaufer, als mit
                            benuegung, mit verheysen eines benuegens oder pfant. Ob <pb
                n="272"/>
                            aber der, welcher verkauft hat ein guet, eingibt ein guet eim kaufer
                            guets glaubens, sag ich, dasselb bald werden des kaufers. Und ob sunst
                            der gelter die gueter hette angenommen, als ich in gegenwertig was, so
                            werden die sein. Aus der selbigen wrsach, ob einer hat ein freye
                            verwesung der kaufmanschaft von seinem herrn im beuolhen, ob der selbig
                            verkauft vnd eingibt ein guet, so macht er das gut bald des einnemenden
                            aus vollem rechte. Auch vnderweyle wirt es verwendt dem herren des guets
                            aus eynigen willen on eingebung des selben, als ob ich dir hab gelihen
                            oder verlihen oder bey dir ein besunder guet hab erlegt vnd darnach
                            verkauf ich dir es oder vbergib dasselbig guet, den so wirt bald die
                            eygenschaft des guets dir gewunnen, als ob ich dir das selbig guet hett
                            eingegeben gehett. <pb n="273"/> Des selben rechtes ist, ob ich dir
                            verkauf wein im keller oder getrayd im stadl vnd gib dir schlussel
                            darzw, so wirstu bald ein herr der selbigen wein vnd guter zw allem
                            deinem willen vnd nutzbarkeyt mit inen ze handeln. Und du salt merken
                            wen die verkauften guter werden eingeben, den furbaß ist aller schad der
                            selbigen gueter des kaufers. Und die ding sullen gnug sein von der
                            gewynnung der leyblichen gueter aus naturlichem recht gesagt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.27">
            <head>Cap. XXVII. Die vnleyblichen gueter.</head>

            <p> Von den vnleyblichen guetern merk, das etliche gueter sein leyblich,
                            etliche onleyblich. Die leybliche sein, welche aus irer natur mugen
                            berurt werden, <pb
                n="274"/> als ein mensch, ein klaydt, gold, silber,
                            ein grunt. Die vnleyblichen gueter sein, welche nit mugend berurt
                            werden, als die, welche aus lautrem rechten wesen, oder als ein
                            erbschaft, ein fruchtbrauch, ein wanung, ein pfleg, ein leibding vnd ein
                            ausrichtung vnd dergleich. Vnd irt nit, das in der erbschaft,
                            vnleybliche guter werden behabt. Wan auch die frucht, die aus dem grunt
                            werden genummen, leyblich seind. Auch gleicher weis das, welchs aus
                            eynicher verbindung vns schuldig wirt, ist auch leyblich oft, als ein
                            mensch, ein grunt, gelt. Aber dasselbig recht einzenemen frucht, das
                            recht der erbschaft, das recht geniessen, das recht zw brauchen, das
                            recht der verbindung ist vnleyblich. In derselbigen zal sein die recht
                            der <pb n="275"/> pawern vnd der zymmerlichen gueter, [die auch]
                            dienstbarkayt werden gnant, dergleichen das recht der rend vnd der zynß.
                            Doch sein zwifeltige dinstbarkeyt, als personlich vnd gutlich, (verstee
                            aus ligenden gueter).</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.28">
            <head>Cap. XXVIII. Die dinstbarkeit der ligenden gueter.</head>

            <p> Die baurlichen recht seind der ligenden gueter, als steig, geeweg,
                            gemainer weg vnd wasserlaytung ... Steig (oder limes, gnant steig), ist
                            ein recht der besitzungen ... von der besitzung taylend. Iter ist ein
                            recht zw geen, zw reyten; zw treyben. Via ist ein recht zw wandeln, zw
                            fuern vnd gen acker farn. <pb
                n="276"/> Aqueduct, verstee wasserlaytung,
                            ist ein recht des wasser durch einen fremden grund zw fuern. Du solt
                            merkn das via im engern tayl sol haben acht schuch, in dem weytern tayl
                            sechszehen. Iter sol haben vier schuch. Limes sol haben zwo schuch. Doch
                            so wirt die maß gelassen dem spruchmesser vnd der weyte des ertreichs.
                            Hie soltu merken das ein geender zw fues sol weichen von dem weg dem
                            reytenden, ein reytender dem wagen des wandelnden, ein laerer wagen
                            wandrend dem geladen, der geladen wagen von der hoech wandrend sol
                            weichen dem geladen aufgeenden wagen. Es seind noch andre recht der
                            ligenden bawern guetern, als das <pb n="277"/> recht das wasser von dem
                            brun zw schepfen vnd das viech zw dem wasser ze treiben, das recht zw
                            wayden, das recht den balg zw fordern vnd das recht des sands vnd des
                            letten oder laymbs zu schneiden oder zw graben, das recht ertzlichen
                            stain zerbrechen vnd vil ander dergleich.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.29">
            <head>Cap. XXIX. Dienstbarkait zymmerlicher ligender gueter.</head>

            <p> Die recht der zymmerlichen gueter sein die, das der nachper die burdene
                            seines nachpers nit leyde, einen tram, ein rafen oder holtz in sein wand
                            nit einlaß, das trauf in die zymmer in sein hofstat oder sein heymlich
                            gemach nit einlete, die fenster in sein hof nit mache, seinen nachpern
                                <pb n="278"/> liechtern nit schade, den mist fuer seins nachpern
                            haus nit werfe, durch des selbigen grunt nit gee, nit treybe, nit
                            wandel. Aber welcher etwas der ding wil haben, der sol das thuen mit bet
                            oder lon oder geding vnd brief vber das nemen, sunst sein sie kainer
                            vestikait, auch wie lange zeit die haben gewerent.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.30">
            <head>Cap. XXX. Von dem fruchtbrauch. </head>

            <p> Von den fruchtbrauch sein zw merken vier ding: Zwm ersten was sey ein
                            fruchtbrauch, zwm andern in wem er bestee, zwm dritten wie er gesetzt
                            werde, zwm vierden wen er geendt werd. Der fruchtbrauch ist ein recht zw
                            nyessen oder zw brauchen fremde gueter vnd das hailsam bleyb das wesen
                            der gueter. <pb
                n="279"/> Darvmb so ist der fruchtbrauch in einem leibe,
                            so der (selbige leib) wirt hingenommen, so ist notturftig das recht
                            (hingenommen sein oder) aufgehebt werden. Aber es hot vnderschied von
                            der aygenschaft, als von dem guet in welchem er ist, wan ob einer wirt
                            einem schaffen ein fruchtbrauch, den so hot der erb allein die blosen
                            eygenschaft vnd herwidervmb. Doch mag einer in einem gescheft
                            verschaffen einem den grunt, dem andern den fruchtbrauch, aber on
                            gescheft mag er das nit thuen vnd setzen, nur mit dingung vnd gelubd
                            annemung. Doch das nit gentzlich die aygenscheften vnnutzlich sein,
                            albeg so aufgehebt wirt der fruchtbrauch, geuallen hot in bestymten
                            massen den fruchtbrauch aufgelest vnd geendt vnd zw der aygenschaft
                            widerkert werde. <pb
                n="280"/> Wan der fruchtbrauch wirt [nit] allein
                            gesetzt in einem grunt vnd in einem zymmer, warlich auch in den
                            leibaygen khnechten vnd diernen vnd in den arbetsamen thiern vnd in
                            allen guetern ausgenommen sie hofsteten vnd ausgenommen die ding, welche
                            mit brauch verzert werden. Wan die gueter wider von naturlichem rechten
                            noch von burgerlichem entpfaent den fruchtbrauch, in welcher zal seind
                            weyn, ol, getrayd, klaydt vnd gelt. Aber [das] (nit gehoren) die gueter
                            an die erben (so) widerkeren (sie) nymmer, haben gesetzt die senatores,
                            das der, welchem der brauch eines gelts ist geschaft, gnueg thue dem
                            erben mit gnuegthuung mit so vil gelts widervmb geben zw werden, ob er
                            stürbe oder ob im die statt wurd ewiglich verboten. Aber die andern
                            gueter, also ein ol, <pb
                n="281"/> getraid, werden also eingeben, das
                            sie des werden, wem sie geben werden. Doch sullen die vorgenenten gueter
                            geschatzt werden, vnd ob der entpfaend stürbe oder von der statt
                            ewiglichen wurd geschickt, das ein g[n]uegsam be[g]nügung dem erben werd
                            gegeben vom souil gelt widergeben zw werden, wieuil gewesen ist das
                            gesatzt guet. Der fruchtbrauch der wirt gesetzt durch bete, durch lon,
                            durch dienstbarkeyt, durch gescheft, durch ausnemunge, entweders zw den
                            tagen seines lebens oder auf ein bestymte zeit. Es wirt geendt vnd
                            vollendt der fruchtbrauch durch den [tod] des fruchtnyesser, nit durch
                            den tod des herren der aygenschaft noch durch den tod seiner erben vnd
                            durch die ewige verbietung einer statt, durch bosen brauch, durch
                            verenderung, durch aufgeben, <pb n="282"/> durch widerkaufung, durch
                            ergerung, durch brunst, durch ein erdbiben vnd durch eltyn. Aber wen
                            geend ist wurden der fruchtbraucht gentzlich; den so wirt widerkert gar
                            zw dem herren der eygenschaft vnd das vor vmb halb, dasselb wirt er mit
                            volkomen rechten haben mit besitzen das gar (oder gentzlich).</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.31">
            <head>Cap. XXXI. Von dem blosen brauch.</head>

            <p> Aus allen den massen, in welchen der fruchtbrauch gesetzt wirt, in den
                            selbigen massen wirt der blosbrauch gesetzt vnd geendt. Doch hot der
                            blosbrauch mynder rechtens den der fruchtbrauch. Zum ersten wan der,
                            welcher den blosenbrauch des grunts hot, wirt nit weyter verstanden, nur
                            das er die kreuter, hew, stro, holtzer <pb n="283"/> zw teglichem brauch
                            nyeß. Zum andern mal wan in dem grund bis heut wanen verzymbt also, das
                            er weder dem herrn des grunts schedlich sey, noch denen, durch welche
                            die pawer arbet geschech sey, verhindern. Zum dritten wen das recht,
                            welchs er hot, mag er keinen verkauffen, vbergeben, verpfenden,
                            verleyhen, noch mag verlihen werden, doch die ding alle mag thuen der
                            fruchtnyesser.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.32">
            <head>Cap. XXXII. Von dem brauch der zymmer.</head>

            <p> Ob einer den brauch des zymmers hot, so wirt er nit verstanden zw haben
                            eines rechtens, nur das er allein inwone vnd kainem verleich, aber auch
                            nit auf einen andern das recht verwenden mag, ja vorwar kaum ist
                            verlihen das, <pb
                n="284"/> so er abwesend ist, einen gast in das haus
                            neme vnd der bey seiner hausfrau vnd seinen kindern da wone bis zw
                            seiner zwkunft. Is aber der, welcher gehort zum brauch eines khnechtes,
                            derselb allein fuer sich mag brauchen die arbet vnd den dienst eines
                            khnechtes; aber zw einem andern in keynerlay maß mag er sein recht
                            verwenden. Auch ist desselbigen rechtes von dem arbetenden viech. Ob
                            aber eynichen des viechs oder der schafbrauch verschafft ist wurden,
                            dasselbig wider von der milch noch von der wulle noch von den schafen
                            oder lemlen wirt nit brauchen, wen warvmb die sein in der frucht. Aber
                            er mag der khue vnd der roß genyessen oder brauchen zw tungen den acker.
                            Und ob eynichem allein die <pb n="285"/> wonung wirt geschafft, wirt nit
                            gesehen der brauch noch der fruchtbrauch, sunder als nahet ein besunders
                            eygens recht. So mag der selbige einem andern frummen man die wonung
                            verleyhen on irer ergerung. Und das von den dienstbarkaiten vnd
                            fruchtbrauch vnd blosenbrauch vnd wonung gesagt sullen gnueg sein. Aber
                            von der erbschaft vnd verbindung wirt gehabt an seiner statt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.33">
            <head>Cap. XXXIII. Von nemung des brauchs (oder ein ersitzung).</head>

            <p> Aber aus burgerlichen rechten werden vns gewunnen die leyblichen vnd
                            vnleyblichen gueter in vil massen durch brauch vnd durch gewere, das ist
                            durch vsucapionem vnd prescripcionem, bey dem ist zw merken: Was <pb
                n="286"/> sey usucapio, was do sey prescipcio, welche ir gestalt,
                            welche ir nutzbarkait, wie vil ding vnd welche das darzu erfordert
                            werden. Prescripcio ist ein besunder recht aus der zeit entpfaend die
                            vestikait vnd hot zw geschehen in ligenden guetern. Usucapio ist ein
                            gewynnen einer herrschaft durch stett werung einer besitzung in zeit von
                            dem gesatzt aufgesetzt vnd hot zw geschehen in beweglichen guetern. Die
                            gestalten der vsucapionis ist allein einzig ... Die gestalten aber
                            prescripcionis sind drei als: einer langen zeit, die andern einer
                            lengern, die dritt der allerlengsten zeit, von welchen darnach wirt
                            gehort. Die nutzbarkait vsucapionis vnd prescripcionis ist drifeltig,
                                <pb n="287"/> die erst wen die zeyten sein von den gesatzen gegeben,
                            das nit die herrschaften der gueter bleyben in vngewiß. Die ander wan ob
                            die zeiten nit weren gegeben, so mochte nymmer eynicher seiner gut
                            ruehlichen besitzen. Zum dritten wan ob die gueter mit guetem glauben
                            gekauft durch die zeit von gesatz gegeben einer in frid vnd rwe besitzt
                            vnd ob er darnach von eynichem angesprochen wirt, so wirt er nit
                            schuldig zw antworten vmb die selbigen gueter.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.34">
            <head>Cap. XXXIV. Von der gewere. </head>
            <p> Die ding werden erfordert zw der waren prescripcion vnd vsucapion. <pb
                n="288"/> Recta fides, das welchs mit guetem glauben, als ob einer
                            kauft etwas, das ist ein besunder beweglich guet oder ein vnbeweglichs,
                            iusto titulo, das ist vmb ein bestymt vnd ein grecht gelt vnd von dem,
                            welchen er glaubt zw sein herr des selbigen guets. Publice, das ist
                            offenbar, wan ob er in haymlikait kauft, dan so wirt gesehen das guet
                            sein argwenig. Vicioque carentem, das es nit sey diebstellig oder mit
                            gewalt geraubt, auch nit mit bosem glauben <pb
                n="289"/> besessen, wan
                            das mag nymmer in brauchnutz gebraucht werden, darvmb das es von
                            gotlichen vnd menschlichem gesatz ist verboten. Wan welcher ein fremd
                            guet wirt verkaufen oder versetzen oder vbergeben einem andern
                            wissentlich, der begeet des ein diebstal. Aber das halt sich vnderweilen
                            anders, als gemerkt wirt. Wen welcher ein sulch guet mit sulchen
                            vnderschiden oder gedingen darzw gelegten stetiglich hot gehabt on allen
                            zwspruch ein zeit von dem gesatz gesetzt, der wirt furbaß das ewiglich
                            behaben vnd wirt kainen klagenden antwurten. Du solt merken das in vil
                            massen einer mag ein fremd guet in ein fremde verendern on laster: Zum
                            ersten ob das guet der erb dem gestorben gelihen oder verlihen oder bey
                            dem selbigen <pb
                n="290"/> erlegt schetzend ist ein erblichs guet sein
                            zw seind in guetem glauben kaufende hot verkauft, ... ist nit zweyfel,
                            das der, welcher das angenommen hot, gerechtiglich im brauchnutz haben
                            mueg, wen das guet nit geet in das laster eines diebstals. Auch der erb
                            begeet nit ein diebstal, welcher es ... mit guetem glauben als sein guet
                            hot verendert. Wan das diebstal wirt begangen nur mit begird zw stelen.
                            Doch irrt der erb, welcher das also hot verendert. Darvmb ist schuldig
                            entweders ... den werd des guets dem rechten herrn wider zu geben vnd
                            der kaufend bey seinem kauf zu bleyben. Das selbig ist recht, wan ich
                            glaub mich erben zw sein, in den rechten warhayt so ich nit bin ein erb,
                            als wen ich glaub mir ein geschaft guet ze haben ... <pb
                n="291"/> Und
                            eines ligenden guets, das ledig ist, besitzung durch abwesen oder
                            saumbnuß des rechten herrn oder [wan] on nacherbung ist gestorben, [nit]
                            mit gewalt vber kumbt. Wie wol einer mit bossem glauben besitzt, wan er
                            wais sich einen fremden grunt ingehebt haben, doch er einen andern mit
                            guetem glauben inne habenden hot eingeben, so wirt mugen dem selbigen
                            mit langer besitzung das guet gewunnen sein, wan wider diebstellige noch
                            mit gewalt ersessen hot ers eingenommen; wan es ist abgetilget etlicher
                            wrteil, die schetzend waren, eins ligenden guets diebstal zw geschehen.
                            Auch vnderweyle ein diebstellig guet oder mit gewalt besessen mag in
                            brauchnutz genommen werden (oder gebraucht), als ob es in gewalt des
                            herrn widerkert <pb
                n="292"/> wirt, darvmb das es der ware herr hot
                            kauft oder ob ein schuldner ein fremds guet hot versetzt, wan den des
                            laster ist die reynigung vorgangen des selbigen guets brauchgewere. Was
                            aber ich kauf von einem schneider ein rock zw berayten im gegeben oder
                            ein tuch von dem scherer zw schern gegeben oder von eins herrn khnecht
                            gewerb im verlihen oder schuech von eines schuchmachers khnecht, nim ich
                            die nit in brauchgewere? Ich sprich ja: ob ich die (gueter) hab gekoft
                            mit guetem glauben die eingehend der genanten zw sein, welche mir die
                            verkauft haben, auch ob ich nit wird haben sie in zeit von dem gesatz
                            gesetzt. Wan es nit schadt dem kaufenden mit guetem glauben der böß
                            glaub des verkaufenden, <pb
                n="293"/> ut ff. de diversis ... prescr. l.
                            ... Sunder der verarg das im selb, als die den vntrewen menschen ire
                            gueter beuelhen; doch werden mugen die waren herrn von vntrewen
                            derselben erfordern oder begern. Item ich hab gesprochen iusto titulo,
                            als mit kaufung oder vbergebung oder nacherbung oder durch nachuolg oder
                            aus eynicher ander gerechten wrsach. Und ich hab gesagt vmb ein gerecht
                            gelt, wan ob vmb mynders das vmb ein gerecht gelt het gekauft, als vmb
                            zehen, das do wert ist zwentzig, so haft das nit, wen da zwischen kem
                            vntreu vnd arglist, welche nymants sullen hulflich sein. Und das er kauf
                            von einem, welchen er glaubt zw sein den herren ditz guets. Wen ob er
                            het gewist das guet nit sein zw sein oder gewesen zw sein, den so taug
                            der kauf nit. <pb
                n="294"/> Ich sag das er das gehebt hot stetiglich in
                            eyniche vnderbrechung. Wan es geschicht vilfeltige vnderbrechung, als
                            naturliche vnd burgerliche, durch einer besambleten beruefung, durch
                            veraynung oder klag, durch ladung, durch verkundung, durch des gelts
                            bezalung, durch antwurt zw der klag, durch bekantnus der schuld, durch
                            der wuecher bezalung, durch besytzung des guets vnd die eynige eynlegung
                            des libells. Sie wirt auch vnderbrochen mit verleumbd peen, wirdikayt,
                            mechtikait, mit tobsucht, des widerteils verhindrung zw klagen. Auch hab
                            ich gesagt possessio, tempus, das ist das [der kaufer] besitzen das guet
                            so lange zeit, wie lang von dem gesatz ist gesprochen. Wan das gesatz
                            auslegt die zeit als ob einer besees <pb
                n="295"/> ein lehen guet zehen
                            jar, so wirt er das furbas haben ruehiglich. Es ist aber das lehen
                            zwifeltig, als ein bawerlichs vnd ein ritterlichs. Item ob einer besees
                            ein guet von rechter eygenschaft dreißig jare, so wirt er furbas gewer
                            haben. Ich hab gesprochen res prescriptibilis, (verstee ein gewerberlich
                            guet). Hie soltu merken, das alle leybliche vnd vnleybliche gueter, die
                            recht vnd klagen mugen in gewer bracht werden. Aber die gueter einer
                            gemain, als orter vnd end der ertrich vnd <pb
                n="296"/> gueter der
                            waysen vnd hewretgueter, eins haussuns gueter, haylige oder geweichte
                            gueter, gaystliche gueter, ein freyer mensch vnd ein fluchtiger khnecht
                            mugen nymmer in gewere brocht werden. Es ist aber limes (ein ort des
                            ligenden guets vnd) ein weyte des vnbauten ertrichs, (als eins rayns),
                            welchs tailt die besitzungen des ertreichs von einander. Fines (das sein
                            die end) sein stett oder örter, mit welchen die gelegenhayt vnd krayß
                            werden vnderschiden. Res pupille, das sein der waysen kinder vnder
                            vierzehen jarn. Die gueter des haussuns, das ist des nit ledig gesagt
                            ist von veterlichem gewalt. Heuretgueter, das ist ein gegebner grunt dem
                            eeweib fur ire hewretguet. Das heylig guet, das ist das gaystliche, sol
                            von kainem <pb n="297"/> besessen werden, darvmb auch nit in gewere
                            bracht. Der frey mensch wirt nit in gewere bracht noch geaignet eynicher
                            maß oder von recht mag werden, wen warvmb die freyhait ist ein freyes
                            guet. Der fluchtig khnecht (kan auch nit in gewer bracht werden) von
                            seinem rechten herrn, wie lang zeit das ist bey eynem andern bleibt, mag
                            dennoch den sein rechter herr widerhaben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.35">
            <head>Cap. XXXV. Die gewynnung der vergebung.</head>

            <p> Es ist auch ein ander geschlecht der gueter gewynnung von burgerlichem
                            rechten, das gnant wirt donacio, verstee vbergebung. Von welchem ist zw
                            sehen: was sei donacio, wieuil ire gestalt, durch was es also <pb
                n="298"/> werd gnant, ob die eeleut mugen inen wechselberlich
                            vbergeben. Von dem ersten die donacio ist ein verleyhung geschehen einem
                            schlechtiglich aus lauter freywillikait oder durch die heureten oder
                            durch forcht des todes. Darvmb sein der donacion dreu gestalt: als ein
                            schlechte, durch die heuret vnd aus wrsach des todes. Die schlecht
                            donacion ist, welche vmb kain andre wrsach geschicht, sunder lauter vmb
                            sunst; die ander ist, welche durch die heuret gemacht zw werden zwischen
                            dem manne vnd seiner eewirtin geschicht; die dritte ist, welche
                            geschicht des angeenden (oder gegenwurtigen) oder kunftigen todes.<pb n="299"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.36">
            <head>Cap. XXXVI. Die donacion aus wrsach des tods mag widerrueft
                            werden.</head>

            <p> Die schlecht vnd frey donacion vbergeben mag nit freuelich widerrueft
                            werden. Aber die vbergebung aus wrsach des tods von sechs wrsachen wegen
                            mag widerrueft werden: Ob der vbergeber ist krank gewesen vnd wider
                            gesund wurden. Die ander ob es in gerawen hot. Die dritt ob der, dem
                            vbergeben ist, schaden vnd verterben dem vbergeber hot zwegefuegt (oder
                            wirt zwefugen). Die vierd ob der, dem vbergeben ist, vndankbar wirt. Die
                            funfte ob der, dem geben ist die gab, nit hot entpfangen. Die sechst ob
                            der vbergeber die vbergab nit hot eingeben dem, welchem <pb
                n="300"/>
                            geschafft ist, noch den zum herrn der vbergab hot gemacht. Die
                            vbergebung, welche ist zwischen dem man vnd dem weib, so bestendig ist
                            die ee, mag nit widerrueft werden, nur in dreyen vellen, als
                            stilliglich, ausdrucklich vnd durch den tod; stilliglich wirt widerrueft
                            durch den eebroch mit der schidung; ausdrucklich wirt sie widerrueft
                            durch widerruefung oder durch vbergebung einer verenderten guets; durch
                            den tod, wen der, dem vbergeben ist, vor dem vbergeber stirbt. Die
                            vbergebung zwischen man vnd weyb, [wan] bestendig ist die ee, aus
                            welcher vbergebung der ein reycher der ander ermer [wirt], haft nit vor
                            recht, nur si werde <pb n="301"/> bestetiget mit dem tod, auch ob
                            darzwischen kommen ist der ayd. Das ist, ob das weib vbergept ir
                            veterliche vnd muterliche gueter, aus welcher vbergebung sie in armut
                            kumbt, oder herwidervmb der man dem weybe, die vbergebung haft nit vor
                            recht vor dem tod des weibs, auch ob enzwyschen kombt der ayd. Das
                            selbige recht ist, ob das weib lest dem manne das hewretguet, wan die
                            zway sein von dem gesatz verboten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.37">
            <head>Cap. XXXVII. Von dem hewretguet und (von) des gestalten.</head>

            <p> Bey der dritten vbergebung, die gnant wirt dos, sein vil ding zw merken:
                            Was sey dos verstee das hewretguet, wie vil sein des gestalt, wen es sol
                            gegeben werden, ... wen aber das [heuretguet] <pb
                n="302"/> widervmb
                            begert müge werden, aus welchen wrsachen das heuretguet gewunnen werd,
                            wen das hewretguet sei wider zw geben, ob der man schuldig sei das gantz
                            hewret[guet] wider zw geben, wer müg begern das hewretguet, ob das weib
                            müge aufgeben das hewretguet oder sich verzeygen des hewretguets, ob das
                            weib in eynicher maß müg verendern das heuretguet, ob das hewretguet
                            solle haylsam sein gelihen werde dem eeman oder ob sol ein sicherhayt
                            gegeben werden von im, ob der man hot gemacht kostung in die
                            hewretgueter, ob sie im sullen widergeben werden, ob das hewretguet
                            sulle vorgeen alle gelter. <pb n="303"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.38">
            <head>Cap. XXXVIII. Was sey dos verstee das hewretguet.</head>

            <p> Das hewretguet [ist] ein gebung oder vbergebung dem man geschehen von
                            dem tail des weibs durch die burden der ee zw aufenthalten. Die gestalt
                            dotis sein dreu, als prouecticia, aduenticia vnd estimata. Die
                            prouecticia dos ist ein gebung, welch gibt der vater der tochter oder
                            der äny seiner änkelin durch die hewret. Und das ist die aygen ee
                            derselbigen, mit welchem mag er thuen, was er will, die weil nit kinder
                            verhanden sein, nur es werd ein ander gedinge gesetzt, als ob verhanden
                            sein kinder, den sol die tochter haben den fruchtbrauch des hewretguets
                            vnd die eygenschaft sol bleyben bey dem kinde. Ob aber <pb
                n="304"/> die
                            tochter on gescheft wirt sterben, den so ist der kinder die aygen
                            erbschaft vnd nit des vaters noch der müter noch eynichs freunds, von
                            dem das guet des vaters herkumen was. Und die kinder werden besitzen das
                            hewretguet mit vollem recht. Darvmb sol stillschweygen ein jedlicher
                            mensch, welcher sag, das on die kinder die aygen ee die muter sol
                            enthalten. Aduenticia dos ist, welche kumbt von der muter oder von den
                            andern verwanten freunden, vnd mit den mag er schlechtlich thuen, was er
                            wil, ob von wrsach wegen der ee nit ist geding wurden im gegeben Die
                            geschetzt dos ist der grunt oder genents gelt wie aufgebung. <pb n="305"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.39">
            <head>Cap. XXXIX. Wen das hewretguet sol ausgericht werden.</head>
            <p> Der man sol seinem weib das hewretguet ausrichten, wen sie ader ir vater
                            vnd muter das begeren, es sei vor den hewreten oder dornach, vnd wen das
                            ist in einer zeit das geschech, sol ir nit schaden brengen. So sie aber
                            ausgericht ist, so ist sie schuldig dasselbige auch zw thun irem manne.
                            Aber wie vil das weib vbergibt irem manne, so vil von gemainem rechte
                            sol er geben dem weibe vnd den drittayl mer, nur mit gedingen vnd
                            veraynigungen werden anders gesetzt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.40">
            <head>Cap. XL. Das hewretguet mag wider begert werden.</head>
            <p> Das hewretguet des weibs mag <pb
                n="306"/> widerbegert [werden], wen der
                            man sein aygen guet misbraucht oder wen er ist ein vnnutzer verzerer der
                            gueter. Ob aber der man werde kommen zw der armut aus [un]gluck oder
                            groser krankheyt oder aus ander redlicher wrsach, den so gebuerd keinem
                            widerbegerung, wen die eegemahel alles vbel vnd guet sullen mit einander
                            leyden, wen nichst schayd sie wen der tod. Wen das hewretguet vnd die
                            vbergebung wirt drifeltiglich gewunnen dem man oder dem weib: Zum ersten
                            aus verayntem geding, zum andern aus gewonheyt, zum [dritten] aus der
                            sund des eebruchs. Aber prouecticia ist wider zu geben dem vater, so die
                            tochter on gescheft gestorben ist nit habend kinder, vnd das nach <pb n="307"/> dem tod ires mannes. Aber die anfallend widergebung ist
                            widerzugeben der muter vnd den andern iren nechsten, von welchen sie
                            kommen ist, auch nach dem tod des mannes.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.41">
            <head>Cap. XLI. Von widergebung des hewretguets.</head>

            <p> Der eeman ist schuldig zu thuen in widergebung des hewretguets was er
                            mag, doch also, das er nit armut leyde. Wan nach den gesatzen ist nit
                            von im zw nöten gar, was er hot, sunder der gueter messigung ist zw
                            haben, das er nit armut leyde. Aber das hewretguet widervmb zue begeren
                            mag ein jedlicher, welcher [gibt] das hewretguet, wen gesagt wirt in der
                            autentica: welcher nichst gibt, der entpfacht nichst - nur mit gedingen
                            vnd <pb n="308"/> vereynung ein anders werd gesetzt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.42">
            <head>Cap. XLII. Von der gewishayt. </head>

            <p> Das weib mag aus keiner wrsach ir hewretguet aufgeben oder der verzeyhen
                            nur aus rechtlicher wrsach vnd mit rad vor dem erbherren. Vnd das ist
                            darvmb gesetzt, das nit sulchs freulichs geschlechts blödikayt zw
                            schaden irer bekert werde. Und ob vber das anders geschehen wurd, sol
                            das kainer vestikayt sein. Auch das weib zu kainem vall sol ir
                            hewretguet verendern, wen sie das aus leuterlichem recht besitzt; ob sie
                            das thet, so verlur sie das hewretguet. Es verzymbt das hewretguet zw
                            sein vnuerletzt on alle verendrung, vnd ob das hewretguet <pb
                n="309"/>
                            mocht gelihen werden dem man, welchem getraut vnd beuolhen wirt der leib
                            des weibes, doch nicht verhindert sullen die eeman setzen burgen durch
                            forcht des todes, das nit die blodikayt des freulichen geschlechts irer
                            hewretgueter vervntreut werde. Das hewretguet mag widerbegert werden
                            nach gewonhayt vnd nach geding, wen an etlichen enden ist gewonhayt, das
                            als bald gesturben ist das weib vnd kinder nit verhanden sein, das
                            begert werde das heuretguet vnd das vbrige guet on das hewretguet,
                            apparauerna gnant. ... Aber an ... andern beweglichen guetern, welche
                            das weib nit hot zwbracht, werden nit wider begert, sunder sie bleyben
                            dem manne. <pb
                n="310"/> Doch an andern steten werden gemacht geding,
                            das ir jedlichs der eegemahel vor stirbt, den so behalt er (dotem,) das
                            hewretguet, vnd apparauerna mit volkommen rechten, auch so (nit) kinder
                            verhanden sein ader nit. Und das wirt gnant ein freyes hewretguet. Auch
                            ist ein andre gewonheyt, ob eins der hewretleut ist gestorben, so behalt
                            das ander das hewretguet vnd die vbergabe durch sich auf sein lebetage
                            vnd mit der parauerna thuet er, was er will, vnd nach dem tode ir
                            bayder, ob leben sein die kind oder ir erben (verhanden), den so sein
                            das hewretguet vnd vbergab mit vollem recht. Ob aber nit sein kinder,
                            den so widerfellt das hewretguet zwe den nehern verwanten des weybes. Ob
                            aber die gueter der man <pb n="311"/> vnd das weib miteinander haben
                            erarbet oder zwsammen gebracht, den so widerkert der halbtayl der guter
                            zw den nehern freunden des weibs vnd zw dem andern halbteil werden erben
                            die nehern freund des mannes.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.43">
            <head>Cap. XLIII. Von der parauerna. </head>

            <p> Parauerna sein alle bewegliche gueter, welche das weib hot ausserhalbe
                            des hewretguets, als klaider, betgewand, klaineth etc. Vnd werden gnant
                            a para, das ist iuxta vnd verna, dos, als gueter neben dem hewretguet.
                            Aber es ist ein ander weg, der gesehen wirt der pesser zwyschen den
                            alle, ob das weib vor stirbt, den so behalt der man das hewretguet vnd
                            die vbergebunge zw seinen tagen nit ergerend <pb
                n="312"/> noch
                            verendernd, auch so die kind leben oder nit. Aber mit dem heuretguet,
                            welchs er dem weib hot gegeben, schafft er was er will, wen es im ledig
                            ist, nur es sey anders mit gedingen oder veraynigung gesetzt. So aber er
                            gestorben ist, so widerkert die donacion zw dem vater oder muter des
                            weibs oder zw andern verwandten, von welchen es herkomen ist, ob sie
                            verhanden sein, ob sie nit verhanden sein, so werden sie ledig der
                            statt. Es ist ein andre gewonheyt, ob einer der eeleut, so nit sein
                            kinder verhanden, (aus welchen eins) stirbt on gescheft, den so behalt
                            das ander das heuretguet vnd die vbergebung mit den parauerna mit vollem
                            rechten. Und merk das alles recht, das hot das heuretguet, dasselb hot
                            die parauerna. <pb
                n="313"/> Es ist zw wissen mangfeltige ausgebung sein
                            auf die heuretgueter, notturftige vnd nutzbarliche vnd willigliche. Die
                            ersten zway (darlegung oder) ausgebung sein die erben schuldig wider
                            zwegeben, aber die dritte (darlegung oder) ausgebung, ob eins aus vrsach
                            einer verzihung die het gethan, die wurd nit widergeben. Auch merk das
                            das weib wirt fuergesetzt im heuretguet allen vorigen vnd nachgeenden
                            geltern nit habende ausgedruckte pfandschaft in der vbergab durch die
                            heuret. Ja warlich, das weib in den parauernalibus wirt auch fuergesetzt
                            den geltern habende stil oder ausgedruckte pfandschaft, das ist ein
                            ligends guet. <pb n="314"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.44">
            <head>Cap. XLIV. Durch das gescheft wirt gewunnen.</head>

            <p> Auch wirt vns gewunnen ein guet aus burgerlichem rechten durch gescheft
                            vnd von vnuerschafften verlassen. Und zum ersten ist zw sehen von dem
                            gescheft, was sey ein gescheft vnd wannen es genant sey, wie vil sein
                            sein gestalt, wie vil werden erfordert in machung des testaments, wie
                            kreftig werden die gescheft, wie vnd wie vil maß sie vnkreftig werden.
                            Und von dem ersten ein gescheft ist ein freyer wille vnd ein gerecht
                            wrtail des gesunden gemuets von dem, welchs einer <pb
                n="315"/> nach
                            seinem tod geschehen will mit setzung der erben. Ich hab gesprochen ein
                            freyer will, wen ob einer wurd bezwungen, so taug nit das gescheft, auch
                            ob es bestetiget were mit dem ayde den nit wellen verkeren. Ich hab
                            gesagt eins gesunden gemuets, wie wol der krank ist an seinem leybe
                            vngesund, doch an der vernunft ist er gesunt. Ich hab gesagt mit
                            gerechtem wrtail, das ist mit rechter ordnung zw sein beweglichen vnd
                            vnbeweglichen gueter. Ich hab gesprochen, das einer nach seinem tode
                            geschehen wil, als von seinem gantzen veterlichen erbe, wen nyemand mag
                            in einen tayl verschaffen, vnd darvmb vor seinem tod mag nyemand im aus
                            eynichem gescheft ein recht annemen. Ich hab gesprochen mit setzung der
                            erben, <pb
                n="316"/> wan die setzung der erben ist ein haubt vnd ein
                            grundfest des gantzen geschefts. Und ist ein setzung eins andern statt
                            an sein, wen die person des gestorben vnd der erben werden geacht eine.
                            Aber er wirt gnant ein testament als ein bezeugung des gemuets, das ist
                            des willens, doch nit ein jedliche, sunder allein die, welche verordnet
                            die erbschaftung. Vnd die ist wandelbar biß auch an das letzt seines
                            lebens, auch ob nit in verwandeln ein geding oder ein ayd ist
                            entzwyschen kommen. Wen zwo gestalt sein eins geschefts, die ein wirt
                            gnant nuncupatiua (das benenlich), das geschicht durch wort, die ander
                            in geschriften oder durch ein instrument. Aber es ist nit vnderschied,
                            ob es geschriben werde auf tafeln <pb n="317"/> oder papier oder
                            pergamen, doch das es mit zewgen werd bezaychnet vnd mit sigillen
                            beuestiget.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.4.45">
            <head>Cap. XLV. Welche ding werden erfordert zu machen ein testament.</head>

            <p> In machung eins testaments werden notturftiglich erfordert newn ding
                            vnde versus. Quis, cui, quid, quantum, quot, qui, cur, quomodo, quando.
                            Und von allen ist durch ordnung zw sagen. Ein gescheft mag machen ein
                            jeder mensch ausgenommen funfzehen person, vnde versus: <pb n="318"/>

              <lb/>Testari nequeunt inpubes, religiosus, <lb/> Filiifamilias, morte
                            dampnatus et obses <lb/> Prodigus aut stultus, dubius, servus, furiosus,
                            <lb/> Crimine dampnatus cum muto, surdus et ille, <lb/> Qui majestatem
                            ledit, sic cecus et ipse.<lb/> Inpubes, das ist ... ein knab oder ein
                            meydl, wen sie noch nit haben den brauch irer vernunft, ... wan sie nit
                            erben haben, welchen sie im gescheft sollen setzen. Religiosus, das ist
                            ein jedliche regelperson, welcher gehorsam getan hot, wan er hot nixs
                            aygns. Wen er alles sein eygen guet hot geben, sintemal er sich gote hot
                            ergeben. Jedoch die aynsidel vnd die andern, welche furen ein aynig
                            leben, mugen verschaffen, wan sie verzeyung irer gueter nit haben
                            gethan. Und auch die <pb
                n="319"/> weltlichen priester von den dingen,
                            welche sie von wegen irer person inne haben, vnd dergleichen von iren
                            gotsgaben oder pfrienden nit seelsorg tragend mugen wol gescheft machen.
                            Aber von den guetern der kirchen ligenden mugen nixs schaffen. Von den
                            beweglichen guetern mugen sie geben iren freunden vnd iren nechsten vnd
                            dienern, auch den armen vnd kranken leuten nach irer notturft. Der
                            haussun mag nit verschaffen von dem anfallenden oder erbgueter, wie wol
                            sulchs ir vater vnd muter zw geben. Des ist ein wrsach, wen ein gescheft
                            kombt aus freyen willen des verschaffenden, wen die sein in anderer leut
                            gewalt nit irem gewalt. Ob aber ein haussun vierzeenjeriger ein ritter
                            oder ein student ist wurden, des was im verhayschen ist von dem harnesch
                                <pb
                n="320"/> vnd von der lernung die ritterschaft, (das ist von dem
                            guet gewunnen im he[g]er), das ist gnant castrense peculium oder quasi
                            castrense, mugen sie gescheft thuen, wen in sulchen dingen sein sie
                            gleich dem hausuater. Doch mugen sie vbergebung machen, so das vater vnd
                            muter verwilligen, wan ein vbergebung vernymbt die matery eines handels,
                            wen sie mugen handln, wen das vater vnd muter verwilligen sein. Ich hab
                            gesprochen der verwrtailt zw dem tod auch durch ein jedlich malefitz mag
                            nit verschaffen. Wan welcher das leben durch ein malefitz verleurt, der
                            verleurt auch die schickung (oder verordenung von seinen guetern). Ich
                            hab gesprochen obses, welcher fuer ein geraubt ding wirt geben, mag nit
                            verschaffen, wan <pb
                n="321"/> er in fremden gewalt hot nit zeugnuß
                            (oder verschaffung). Item prodigus das ist einer, der sein guet
                            vnnutzlich verzert, welchem die verwesung seiner gueter von dem richter
                            ist verboten ... Item ein narr, das [ist] vngesunds gemuets, mag nit
                            gescheft machen, wan er nit hot beschaydenhayt. Ein zweyfelhaftiger im
                            glauben oder ein ketzer mag nit gescheft machen, wan alle seine gueter
                            sein in den henden der fursten, welcher sie zw sein gnant werden. <pb
                n="322"/> Ein tobsuchtiger mag nit gescheft machen, wan er mangelt
                            des gesunden gemuets vnd der vernunft. Wen er aber hot vnder stunden
                            macht sein vernunft, was den geschafft ist, wirt stet gehalten. Der
                            verwrtailt vmb ein vervnleumbtliche missetat mag nit verschaffen, wan er
                            ist vervnleumbt vnd nit tailhaftig des rechtens. Ein stumer, welcher nie
                            geredt hot, wan das gescheft wirt verbrocht mit der rede vnd darvmb, so
                            mag er nit verschaffen. Der vngehörend, als welcher nie gehort hot, mag
                            nit verschaffen, wan er nit ways, wie er von seinen guetern sol
                            verordnen. Item welcher begangen hot die missetat verletzter maiestet
                            oder <pb n="323"/> welcher thut wider offen nutz, als ein treubrecher,
                            mag nit gescheft machen, wen ein sulcher velt in die peen seines leybes
                            vnd guetern. Ein blinder, als einer von natur, mag auch nit gescheft
                            machen on grosse loblichkait, wen er liderlich betrogen wirt. Jedoch
                            der, der beraubt ist seines gesichts, mag wol machen ein testament.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.46">
            <head>Cap. XLVI. Welchen mag geschafft werden vnd verschafft.</head>

            <p> Wier mugen verschaffen allen menschen, den freyen, den khnechten, den
                            vierzehen jerigen, den vnder vierzehen jarn, den reychen, den armen, den
                            tobsüchtigen, den stummen, den vngehorenden, den weltlichen, den
                            gaystlichen. Und nit allein ... sunder <pb
                n="324"/> auch der heyligen
                            steten, den klostern, den kirchen, doch ausgenommen die person, als
                            ketzern, abbruchigen, vnzymlichen samlungen, nit gefreyeten noch
                            bestatigten, banckarten, khnechten von den verklagten von eebruchs wegen
                            mit irem herrschaften vnd verwrtailten. Aber sie (mugenn) alle (die)
                            gnant werden (vnd) verdambt, die ketzer, die verboten, treubrecher,
                            verreter, dieb, schacher, felscher, morder. Und merk, das das gesatzt
                            gebeut etlichen personen geschafft zu werden, als ob es inen von natur
                            zw gehort, als sein all nachgewant, aufsteigend vnd absteygend. Freunden
                            vnd ausser nach dem willen wirt geschafft. Welche aber gnant werden
                            aufsteigend vnd absteygend von der seiten erben, auswendig, wirt gesehen
                            hernach an seiner statt. <pb n="325"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.47">
            <head>Cap. XLVII. Welche gueter mugen verschafft werden.</head>

            <p> Verschafft vnd geschafft mügen werden alle leybliche vnd vnleybliche
                            gueter, gegenwurtige vnd kunftige, zu einer bestymmten zeit oder
                            ewigklichen, vnderschidenlichen oder schlechtiglich, mit bestymter oder
                            vnbestymter grösse. Es mag geschafft werden ein ledigsagung der
                            schuldner, der gelter bezalung, der vbel gewunnen gueter widergebung.
                            Und nit allein die gueter sunder auch das gemacht oder werk mag
                            verschafft werden in der maß: Ich schaffe vnd gebeut, das meine erb ein
                            sulch guet einem sulchen vbergebe oder verkauf oder ich verbeut meinen
                            erben sulchs vnd sulchs guets verenderung bey einer peen oder ein
                            b[r]uech sulchem kloster oder sulcher kirchen <pb
                n="326"/> zw geben.
                            Und vmb das wirt zw gewurfen die peen, das von forchts wegen der peen
                            gestanden werd dem willen, wan das gebot nit von der notturftikait wirt
                            gehalten. Dergleich mag der verschaffer dem trawen eynichs beuelhen alle
                            seine erbschaft, das er verordne [als] im beuilcht vnd trawet, vnd das
                            geschicht also: A du solt sein mein erbe vnd ich bitt dich, als du
                            belder magst anzunemen die erbschaft, den so soltu geben meinem sun N
                            aus meinem schlafweib geborn souil oder souil. Der verschaffer mag auch
                            seinem erben geben einen pfleger auf ein zeit des rechtens oder darüber
                            vnd das derselb rechnung thue von den im beuolhen gueter ... vnd gebeut
                            voraus, das <pb n="327"/> man mache ein inventarium (das ist ein
                            beschreybung der gueter). Aber es ist ein inventari ein brief innehalten
                            alle ding vnd gueter, welche der verschaffer verlassen hot.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.48">
            <head>Cap. XLVIII. Welche gueter nit mugen verschafft werden.</head>

            <p> Aber die gueter mugen nit verschafft vnd geschafft werden, von welchen
                            nit ist gewerb oder kaufmanschaft, als sein heylige gueter vnd die in
                            der natur der gueter nit sein, dergleichen das leybtegliche recht vnd
                            ein guet, das verboten ist verendert zw werden bey einer peen, dergleich
                            vngetailte gueter vnd das recht zum guet. <pb n="328"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.49">
            <head>Cap. XLIX. Was do sey ein verschafft guet.</head>

            <p> Das verschafft ist eine besundere vbergebunge von den verstorbenen
                            verlassen, von den erben geantwurt zw werden. Ich sprich ein besundre zw
                            vnderschid einer vbergebung zwyschen den lebendigen vnd vbergebung aus
                            wrsach des tods. Von den verstorbenen verlassen, wan die weil der
                            verschaffer lebt, haft nit das verschafft guet. Von dem erben geantwurt
                            zw werden, wan so angenommen ist die erbschaft, so wirt bald der
                            geschafft, das ist der, welchem im gescheft etwas verschafft ist, so
                            bald sol er begern das verschafft guet von erben vnd nit durch sich
                            selbs annemem oder brauchen, anders er verviel vnder der klag des
                            verschafften. Ob aber <pb n="329"/> der geschefteinnemer begert das
                            geschafft vnd der erb gib nit oder ob sturbe der, dem geschafft ist,
                            eedan der erb anneme die erbschaft, den so wirt das verschafft ist
                            vbergeen an den erben des, dem verschafft ist. Ob aber der, dem
                            geschafft ist, vorstirbt dieweil der verschaffer lebt, den so hort auf
                            das geschafft, [wan nit der], dem geschafft ist, hab im ein gemain oder
                            ein nachgesetzten.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.50">
            <head>Cap. L. Wie vil mug verschafft werden.</head>

            <p> Das gesatz beut den eelichen vnd naturlichen kind ein bestymte grose der
                            gueter geschafft zw werden, als vom naturlichem rechte inen schuldig
                            werden soll. In der maß: ob fier sein gewesen [oder minder], den dritten
                            tail aller erbschaft, ob aber funfe sein oder mer, den so werden sie <pb
                n="330"/> haben den halben tail der gantzen veterlichen erbschaft;
                            das ander guet gantz staat ... Und nit vnbillich, wen er hot die
                            erarbet, ja warlich ob er sturbe vngeschafft, noch wurd sein sele haben
                            iren tail. Und merk das den semissem oder trientem die kinder sullen
                            vnder inen tailen, also das kainem vnrecht geschech. Und in den
                            verschafften dingen oder guetern sol die gewonheit der land gehalten
                            werden. Wan es sein in mancherlay reychen mancherlay gewonheit. <pb
                n="331"/> Doch ist ein gewonheit, das der verschaffer gesunds
                            gemuets wie wol krank an seinem leybe von beweglichen gutern seinen
                            kindern nach seinem willen schafft, aber die ligenden gueter tailt er
                            gleichlich zwyschen im vnd seinem weibe vnd allen seinen kindern vnd ist
                            eine gute gewonheit. Es ist auch ein andre gewonheit, das er von allen
                            seinen guetern mag ordnen, als er wil, einem mer, dem ander mynder,
                            einem jens, dem andern das, doch also, das er die eeliche kinder nit sol
                            on wrsach enterben oder irer erbschafft berauben oder fuergeen. Ob aber
                            er hot vierzehenjerige sun, sol von ersamkait wegen dorbey sein ir
                            wille. Aber ist ein gewonheit, das einer von den guetern, die do kommen
                            von den anherrn oder <pb n="332"/> von vater oder muter, so die kinder
                            vnwillig sein, sul nixs gescheftiglich verordnet werden. Aber von den
                            erbguetern oder anfallenden guetern ordnet er, was er will. Auch ist ein
                            andre bose gewonhait, [das der verschaffer] blöd an seinem leibe, wie
                            wol er gesunds gemuets sey, gueter vernunft vnd zeytiger betrachtung,
                            gescheft machen nit mag, das da ist wider alle gerechtikait, wan in den
                            gescheften gemacht zu werden wirt nit erfordert des leibs sunder des
                            gemuts gesunthayt vnd mechtikait der vernunft.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.51">
            <head>Cap. LI. Von dem lobsamlichen gescheft.</head>

            <p> In den lobsamlichen testament sullen bey sein nach den gesatzen siben
                            zeugen, ersam <pb
                n="333"/> manne, welche sich mit iren henden
                            vnderschreyben vnd ire sigill anhencken sullen. Aber in einem besundern
                            [ge]schlechten gescheft werden erfordert dreu zeuge; aber nach
                            gaystlichen rechten zwen oder dreu zeugen. Vnd in dem tail wirt entzogen
                            den kayserlichen rechten, wan zwen oder dreu zeugen sein gnugsam in
                            einem jedlichen gescheft. Ob aber da sein mer, ist desterbesser, ersamer
                            vnd offenbarer. Doch ist gnugsam vnderweyle in einem gescheft ein sigil,
                            des fursten oder einer statt, vmb sterkung eines geschefts. Und ob das
                            sigel der nachgewandten in einem geschaft mocht gehabt werden, wer zw
                            sein nutzlich vnd ersam. Ob aber nit, <pb n="334"/> den so sein gnugsam
                            die sigil der auswendigen zw seiner kreftigung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.52">
            <head>Cap. LII. Von den zeugen der gescheften.</head>

            <p> Eyn jeder mag sein zeug in einem geschefte ausgenommen die, welche
                            gescheft machen nit mügen, als oben steet, vnde versus: Testari non
                            possunt impubes etc., auch ausgenommen die weyber, welche durch
                            blodikait des geschlechts leichtiglich verkert werden vnd ausgenommen
                            die erben, welche das geschicht beruert vnd die taylen haben in den
                            verschafften guetern. Die, welchen geschafft ist, vnd die
                            glaubenscomissarij, das sein die volstrecker, mugen nit zeugen sein, wan
                            von recht werden sie gnant nachkommer. <pb n="335"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.53">
            <head>Cap. LIII. Warumb werden gemacht gescheft.</head>

            <p> Die gescheft geschehen, das nit krieg vnd zwytracht von den erbschaften
                            von dem toden verlassen nach dem tode des schaffers ersteend, welche als
                            emsigklich geschehen, ja warlich vnderweyle feyndschaften vnd
                            manschlacht aus den nachuolgen. Auch werden gemacht gescheft den
                            guetigen steten oder enden durch das hayl der selen, sie geschehen auch
                            den eeweiben durch die eeliche lieb, sie geschehen auch den kindern
                            durch die naturliche verbindungen vnd geschehen den nachuerwanten durch
                            des bluets veraynigung ... auch den dienern vmb ir dienst. <pb n="336"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.54">
            <head>Cap. LIV. Von setzunge der erben.</head>
            <p> Die verschaffer oder eins geschefts macher, sy sein vätere oder mütere,
                            sullend ir erben, sy seyen jetz geborn vnd die geborn werden nach dem
                            tode ires vaters, gnant posthämi, ... jungfrawen oder enkelin, werden
                            ordenlichen gesetzt oder ordenlichen enterbt oder ordenlichen
                            fuergangen, sunst werden sie vnnutzlich geschafft.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.55">
            <head>Cap. LV. Von den erben vnd erbschaften.</head>

            <p> Bey der materije der verschaffunge mus man vil ding wissen, als was do
                            sei erbschaft, wie vil ire tail, was sei ein erb, wie vil sein gestalt
                            oder vnderschit <pb
                n="337"/> der erben, was sei setzen einen erben, was
                            sei enterben, was sei furgeen oder vbersehen, welche sullen gesetzt
                            werden vnd welche nit, warzw sie gesetzt werden, wie vil mas sie gesetzt
                            werden vnd wie, wie vil maß sie enterbt werden, was sei nachsetzunge,
                            wie vil ire gestalten vnd wie alle nachsetzungen sullen geschehen. Von
                            dem ersten die erbschaft ist ein nacherbung in alles recht, welchs
                            gehebt hat der gestorbene in zeit seines todes. Zwo sein gestalt, das
                            ist taylung der erbschaft, lobsamlich vnd schlechtlich. Der lobsamlichen
                            taylung geschicht von dem rechten in zwelf tayl. Die schlechte taylung
                            geschicht in wie gros tayl der verschaffer wil, gleicherweyß ob ein erb
                            gesetzt <pb
                n="338"/> wirt, der wirt die gantzen erbschaft besytzen vnd
                            ob vil gesetzt werden nemlich, die werden all zw gleichen tayl die
                            erbschaft haben. Ob aber nemlichen vil werden gesetzt erben, den so
                            erlangt ein jedlicher den tayl im geschefft. Der erb ist eine vnd die
                            selbig person mit dem gestorben des eingangs halben des haus vnd der
                            erbschaft des gestorben. Vier sein aber gestalten oder vnderschayd der
                            erben als aufsteygent, absteygent, von den seyten vnd die aussern oder
                            die fremden. Die aufsteygenden sein vater, muter ... eine an, voran ...
                            Die absteygenden sein sun vnd [tochter], enkel vnd enkelin. Aber die zw
                            der seiten sein bruder, schwester, vetter, öhem, bas, muhem vnd ire
                            absteygenden. Die auswendige sein alle personen <pb
                n="339"/> vnserm
                            gewalt nit vnderwurfen. Setzen einen erben nach seinem tod ist im machen
                            ein nachkommen, der sey gegenwurtig oder abwesend. Wan es wirt gnent
                            einen setzen in seinen guetern einen herrn setzen vnd machen. Und darvmb
                            nach dem tod, wan dieweil lebt der verschaffer, so ist kainer erb.
                            Enterben ist einen von seinen kindern nemlich aus wrsach von den
                            gesatzten bewert vertreiben ader abtreyben von der erbschaft, also
                            sprechend: Ich enterb meinen sun, wen er hot mir veintschaft des todes
                            durch trang eines giftes berayt. Fuergeen ist eynichen vnderwegen
                            lassen, das ist nit setzen noch enterben, sunder fuergeend vergessen.
                                <pb n="340"/> Es sullen gesetzt werden die erben notturftiglich die
                            aufsteygenden oder absteygenden. Aber die zw der seiten vnd ander ausser
                            werden gesetzt nach willen des verschaffers. Aber die, welche
                            verschaffen nit mugent, die selbigen auch nit mügen gesetzt werden, als
                            die ketzer vnd abtruningen etc.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.56">
            <head>Cap. LVI. Die masz der setzunge.</head>

            <p> Zwayerlay maß werden gesetzt erben, als mit gerehen worten vnd gebogen
                            oder vberzwerhen worten. Mit den gerehen worten als: Jeromius, mein sun,
                            sey mir erb. Mit eyngebogen worten als: Mathias, mein sun, setz ich mir
                            erben. Die erben werden gesetzt von einer bestymten zw einer bestymten
                            zeit, in ein bestymbt <pb n="341"/> guet vnd von einer bestymten grösse.
                            Auch werden gesetzt mit einer muglichen vnderschaid, wan ein vnmugliche
                            vnderschayd in setzungen vnd gescheften, glaubensbeuelchnus vnd
                            freyheyten werden gehabt fuer nit geschehen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.57">
            <head>Cap. LVII. Enterbung der sun. </head>

            <p> Es werden enterben die sun von vierzehen wrsachen: Zum ersten ob er das
                            eelich weib seines vaters hot geschwecht. Zum andern ob er vnbillich
                            verhindert hot das gescheft seines vaters. Zum dritten ob er in
                            zymlichen sachen hot nit wellen bürg werden fur sein vater. Zum vierden
                            ob er sein vater vnbillich hat gefangen. Zum funften ob er von vnerber
                            gefengnuß den vater nit hot erledigt. <pb n="342"/> Zum sechsten ob er
                            vnnutzlich verzert hot die veterlichen gueter. Zum sibenden ob er dem
                            vater notturftige ding nit hot geben. Zum achten ob er wider den vater
                            peinlich hot geclagt. Zum neunden ob er den vater on wrsach hot
                            geschulten. Zum zehenden ob er den vater hot gewundt. Zum aylften ob er
                            den vater hot geschlagen. Zum zwelften ob er hot (vermaynt vnd) gestelt
                            noch dem tode seines vaters. Zum dreyzehenden ob die sun entb[u]ern vnd
                            gaukler vnd freher werden. Zum vierzehenden ob sie werden dieb vnd
                            schacher.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.58">
            <head>Cap. LVIII. Die enterbung der töchter.</head>
            <p> Gleicherweis wirt enterbt ein tochter, wen sie entbuert oder <pb
                n="343"/> vnedel wirt, das ist wen sie vor dem funfzehenden jar ein huer wirt.
                            Ob sie aber darnach, den so verleurt sie die eer, aber nit die
                            erbschaft. Ob sie nach dem achtzehenden jar nymbt einen eeman on willen
                            vater vnd muter, den so verleurt sie nit das guet noch die eer. Ob sie
                            aber nach dem zwelften jar on willen vater vnd muter nymbt einen man,
                            den so verleurt sie die veterlichen gueter vnd nit die eer. Und du solt
                            merken, das alles recht, welches haben die kinder, das ist die sun vnd
                            die tochter der ersten syp, das selbig recht haben die sun vnd die
                            tochter der ander syp, als die enkel vnd eneklin, wan alle die an statt
                            der veter vnd muter nacherben. <pb
                n="344"/> Auch nit von newen rechten
                            ist eyniche vnderschayd zwyschen dem sun vnd der tochter in setzunge
                            eins erben oder nachkommung der erbschaften. Was aber, ob einer
                            schlechtiglich spricht: Ich verlaß alle meine gueter meiner tochter, ob
                            taug ein sulchs gescheft? Ich sprich nayn, wan weder von recht eines
                            geschefts noch von recht der setzung verlaß er. Ob aber einer sprech: A
                            setze ich mir zw einem erbe vnd verlaß dem alle meine gueter, den so
                            taug das gescheft, wen von recht der setzung werden gesehen die gueter
                            verlassen sein. Es wirt gefragt, einer hot gehebt vil weyber vnd aus
                            jedlicher kind geborn, wie wirt er die setzen? Ich sprich, in
                            veterlichen guetern alle die kinder gleichlich gesetzt werden, aber in
                            muterlichen guetern nacherb ein <pb n="345"/> jedlicher der muter vnd
                            herwidervmb von dem eeweib, die gehat hot vil manne. Wan ob der man vnd
                            das weib die gueter miteynander erarbeit oder haben kauft von den
                            guetern, so werden bayde kinder gesetzt allein. Auch mag beuelhen der
                            schaffer dem glauben eins andern seins geschefts machung ... doch begere
                            ich, das dem ader dem das vor den andern werd geschafft.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.59">
            <head>Cap. LIX. Die nachsetzunge.</head>
            <p> ... Die nachsetzunge ist die nachuolgende oder anderlich vnd <pb
                n="346"/> vnderschiedlich setzung. Die setzunge helt inne in sich die
                            nachsetzunge. Des ein exempel: .N. meinen sun setz ich erben vnd ob er
                            nit erb wirt, wen warvmb er wirt fuerkommen mit dem tod oder wan er nit
                            will die erbschaft annemen, den sol erb sein .M. Es wirt aber gesprochen
                            ich nachsetz als ob er sprech vnder ader nach einen andern setz ich. Der
                            nachsetzung sein etlich vberzwerch, etlich gerehen. Die vberzwerch ist,
                            durch welche einer nymb die erbschaft, so ein ander entzwussen ist, als
                            also: .N. setz ich mir zw einem erben, aber ich bitt in durch
                            glaubenbeuelch, das er so bald angenommen ist, die erbschaft widergeb
                            dem .M., meinem sun. Die g[e]rehen nachsetzunge ist, durch welcher ainer
                            nymbt die erbschaft, so kain ander derzwyschen <pb
                n="347"/> ist, als
                            also den .N. setze ich mir zw einem erben vnd ob er nit erb wirt, als ob
                            er vor angenommener erbschaft gestorben ist, den so sal sein der .M.
                            erb. Und die gerehen wirt geta(i)lt in vier gestalt. Wan es ist aine
                            gemaine, die ander waysenlich,die ander ebenbildlich, die ander ein
                            kurtzredeliche. Die gemain ist, welche einen jedlichen von dem volk oder
                            aus dem volk geschehen mag durch leugenberliche wort, als ein exempel:
                            .N. setz ich mir zw einem erben vnd ob er nit wurd erb, den so sol erb
                            sein der .M. Die waysenliche ist, welche geschicht durch bestetbarliche
                            wort von dem waysenlichen alter vnd nit von den vierzehenjerigen, als:
                            .N. meinen sun vnder vierzehen jarn setz ich mir ein erben vnd ob er in
                            waysenlichen alter <pb
                n="348"/> wirt sterben, den so nachsetze ich im
                            .C., meinen sun oder meinen enkel. Die ebenbildlich nachsetzung
                            geschicht von jedem vater oder muter dem sun gesunds gemuets oder einem
                            tobsuchtigen oder gefangen gemuets wesenden in gewaltsamkayt vnd nit
                            wesenden, vierzehen jar alt oder mer. Doch ob der vnder vierzehen jaren
                            werd tobsuchtig, den so wirt im versehen durch die waysenliche
                            nachsetzunge als einen waysen, nit durch freysagung oder ledigsagung von
                            väterlichem gewalt, als einen tobsuchtigen, das es sey ee dem alter den
                            der blodikait geraten zw werden. Auch sol der verschaffer dem
                            tobsuchtigen etlich bestymte person nachsetzen. Wan ob der tobsuchtige
                            kinder hot, dieselben wirt er im zum ersten nachsetzen. Ob er nit kinder
                                <pb
                n="349"/> hot, den so wirt er im sein bruder nachsetzen. Ob er
                            weder kinder noch brueder hot, den so nachsetzt er, welche er will, als
                            .M. mein blödigen sun nachsetz ich mir zw einem erben vnd ob er stirbt,
                            ee er gesund wirt, den .M. sein sun wirt erb vnd ob er den sun nit hot,
                            den so sei .H. ... erb vnd ob er nit hot ein brueder, den so nachsetz
                            ich im .T. seinen vettern oder einen andern. Die nachsatzung kurtzredig
                            die ist, welche mit kurtzen worten vil begreyft, wie also: .N. vnd .M.,
                            mein sun, .B. vnd .M., mein tochter, setz ich mit zw erben vnd die
                            nachsetz ich aneinander, als wen geschicht vor den vierzehen jarn, das
                            die alle gestorben sein, den .A. vnd .B., mein brueder, nachsetz ich
                            inen. <pb n="350"/> Doch haben vnderschayd die nachsetzungen all in dem,
                            wan die gemain beschicht von einem jedlichen verschaffer vnd beschicht
                            einen jedlichen, er sey erb oder auswendiger, aber die wayslich
                            geschicht von dem eynigen vater dem eynigen vnder vierzehenjerigen sun
                            vnder dem gewalt wesenden. Die ebenpildlich ... von jedem vater vnd
                            muter dem tobsuchtigen sun oder dem kranken seins gemuets. Aber die
                            kurtzredige begreyft in ir alle die nachsetzunge kurtzlich.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.60">
            <head>Cap. LX. Wie mag einer verschaffen.</head>

            <p> Ein knab nach vierzehen jarn, ein frau nach zwelf jarn in zeit sundes
                            gemuets, wiewol die sein krank leibs, doch mügen sie machen gescheft, ja
                            warlich ir <pb n="351"/> vater vnd muter oder ir nachgewandten mugen
                            gescheft machen fuer sie, ob sie zw vil aynfeltig sein aus der
                            natur.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.61">
            <head>Cap. LXI. Volstreckunge eins geschefts.</head>

            <p> Die volstrecker sullen das gescheft iner ainen jar volstrecken, nur es
                            sey ein rechtliche wrsach, die das verhindere. Ob sie das nit thuen
                            wurden gemand von dem richter, ob die erben sein volstrecker, so
                            verliren sie die erbschaft, ob sie sein den geschafft ist, so verliren
                            sie die geschafften gueter, ob sie auswendig sein, sullen sie bezalen
                            alle scheden aus der saumbnus oder verzihung enstanden. ob aber die
                            volstrecker die geschafften gueter haben verzert, so werden sie die
                            widergeben vierfeltiglich vnd ob sie die widerzugeben <pb n="352"/> nit
                            haben, so werden sie vervnleumbt oder sie werden gestossen ewiglich in
                            einen kerker. Ob aber die erben sich nit wellen von der volstreckung
                            vndersteen, noch die erbschaft vater vnd muter annemen, den so verzymbt
                            den comissarien vnd den geschafft ist oder der furstlichen schatzkamer
                            sich vndersteen also, das das gescheft des gestorben volbracht werde.
                            Vnd darvmb so souil vnd grossen nacherbungen kombt, das nit verterbe der
                            letzt will des schaffers.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.62">
            <head>Cap. LXII. Wie vil masz wirt einer genant vngeschefft
                            gesturben.</head>
            <p> Eyner wirt gnant vngeschefft gesturben in vier maß. <pb
                n="353"/> Zum
                            ersten ob er gar kain testament hot gemacht, oder darvmb das er nit hot
                            geweld oder darvmb das er nit hot gemugt oder wan er mit dem tod
                            furkommen ist oder darvmb das er ein haussun oder tobsuchtig ist, wan
                            die, ob sie welten gescheft machen, mugen sie nit. Zum andern ob einer
                            nit von recht hot ein gescheft gemacht, wan er hot gemangelt der
                            loblichkayt vnd zal der zeugen vnd sigillen oder vnderschreybungen. Zum
                            dritten ob er von recht hot gemacht ein gescheft, das einer gemacht hot,
                            zerstört vnd vnkreftigt. Zerstört durch geberung eins kindes nach dem
                            todes eines vaters oder durch annemung (oder auch zwwunschung) eines
                            kindes, vnkreftiget (oder vernichtiget) durch verbietung einer statt es
                            sey durch des verschaffers <pb
                n="354"/> oder durch klag eins vnguetigen
                            oder wider die tafeln oder wider die zerschneiden durch den pretor (zw
                            rom oder einen richter.) Zum vierten ob aus dem gescheft kain erb ist
                            gesetzt, welche setzunge ist ein grundvest aller gescheft. Bey dem saltu
                            merken das die erbschaften aller gescheft zum ersten an sein erben
                            gehoren. (Ob) aber [sein] erben (nit verhanden sein oder) geschetzt
                            werden, welche aus rechtlicher ee geborn werden vnd welche in dem gewalt
                            des sterbenden sein, als ein sun, ein tochter, ein enkel, ein enkelin,
                            eins enkels oder enkelin kind etz. Es irrt auch nit, ob die inen sein
                            naturliche oder zwgewunschte oder geelicht, wen alle die ir gerechtikait
                            ... gewynnen vater vnd muter, des <pb n="355"/> nacherbens halben doch
                            anders vnd anders.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.63">
            <head>Cap. LXIII. Von dem rechten der erbschaft von dem
                            vnverschafften.</head>

            <p> So die ding vorgemerkt sein zw der matery der nachkommen der erbschaften
                            von vngeschafften verlassen aller kurtzlich ist muet haben zw kommen,
                            setz ich ein sulche vnderscheid: Der sterbend vngeschafft ist eintweders
                            ein priester oder ein ley. Ob er ist ein priester, eintweder er hot
                            gueter von wegen der kirchen gewunnen, in den erbt nymand, den nur die
                            kirch. Oder er hot gueter von wegen seiner person gewunnen, also aus
                            veterlichem erb oder freuntschaft oder aus einem hantwerk oder dienst
                            oder arb[e]t, in denen nacherben <pb n="356"/> im seine geborne freund,
                            als er inen auch nacherb, vnd das soltu versteen von den weltlichen
                            priestern. Aber die klosterleut vnd alle gehorsam, die erben nit noch
                            inen wirt nit nach geerbt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.64">
            <head>Cap. LXIV. Von der nacherbung der absteygenden freund.</head>

            <p> Ob ein vnverschafft sterbender ist ein lay, den so hot er eintweders
                            verlassen sun vnd tochter mit einander oder sun allein oder töchter
                            allein. Die all werden zw nacherbung der erbschaft des gestorben mit
                            glaichen taylen zwgelassen, <pb
                n="357"/> wan sie sein in der selbigen
                            syp, wan in newen rechten ist kain vnderschid zwischen dem man vnd der
                            frawen der nacherbung halb der erbschaften. Von altem rechten dieweil
                            die man verhanden sein gewesen, haben die frawen kein recht gehebt in
                            väterlichen erbgueter. Ob aber der vnverschafft ho[t] verlassen einen
                            sun vnd aus dem andern sun enkel oder enkelin, so werden die miteinander
                            berueft vnd nit welcher ein syp neher ist, ausschleust den weytern, wan
                            es ist fast gerecht, das ein enkel oder enkelin an seines vaters statt
                            erben, auch aus gleicher wrsach, ob ein enkel vnd ein enkelin wer aus
                            dem sun vnd dem enkel, wrenkel oder wrenkelin, werden auch die
                            gleicherweyß berueft. Es verzymbt <pb
                n="358"/> sich auch die enkel vnd
                            die enkelin vnd die wrenkel vnd wrenkelin an ires vaters vnd muters
                            statt erben. Es ist zymlich getailt werden die erbschaft nit in die
                            haupter sunder in die stangen. Ob ich verlasse einen sun lebentigen vnd
                            aus dem andern gesturben sun vil enkeln, die enkel all haben den halben
                            tail der erbschaft, den ir vater hett gehat. Und ob aus [m]einem sun ein
                            enkel ist, aber von dem andern sun zwen oder drey, den so wirt der ein
                            enkel nemen den halben tayl, aber die andern nit mer dan ir einer het
                            aufgehebt, als den halbenteil. Item ob ein sun oder enkel verhanden ist,
                            aus dem ander tail ein wrenkel oder wrwrenkel, noch sol die erbschaft
                            des gestorben getailt werden gleichlich vnder inen, wiewol sie seind
                            mancherlay syp vnderschiden, wen der nachkomend <pb
                n="359"/> absteygend
                            erb vnd der forder alweg des vaters tayl werden haben. Item ob ein sun
                            verhanden ist vnd aus dem selbigen sun ein enkel oder ein wrenkel, den
                            die sun in guetern vaters vnd muter nacherb gantz ausgeschlossen all
                            weyter syppen, wan die weil der sun lebendig ist, so erben nit die
                            weytern syppen. Des selben rechtens ist, ob ein wrwrenkel oder enkelin
                            aus dem selbigen sun verhanden ist, wan der eher grad oder syp
                            ausschleust die nachgeenden. Und merk das sein erben (das ist alle sun)
                            die andern in der erbung der erbschaften vorgeen. Aber die narren,
                            kinder vnd tobsuchtigen, die werden bald in dem tode irer vater vnd
                            muter ir erben von recht vnd wirt nit erfordert die gewaltsamkait der
                            pfleger noch der wil des gerhaben, <pb
                n="360"/> wan der mangel der
                            vernunft schat in nit. Aber die posthumi bald, als sie geborn werden,
                            sein sie erben, doch ob sie stym ausgelassen haben vnd meerwunder nit
                            sein vnd mugent nit wider enterbt werden noch fuergangen, wan sie haben
                            kain wrsach der vndankbarkait. Aber die kinder aus gerechter wrsach
                            enterbt haben nicht rechtens in der erbschaft irer väter vnd müter, wan
                            sie haben verschuldt, ja verwar sie nacherben nit dem äne durch die
                            väterliche sund. So aber ir vater gestorben ist, vallen sie wider in
                            gewalt ires änes, also zw jungst nacherben sie dem äne. Die ledig
                            gesagten kinder von väterlichem gewalt werden aus kainen rechten zw der
                            nacherbunge vaters vnd muter berueft, <pb
                n="361"/> aus dem lassen sie
                            vnderwegen zw sein in dem gewalt vater vnd muter. Doch haben sie vom
                            pretor zwen vortail. Die erst wan die guter gegeben in der ledigsagung
                            mügen sie werfen zw den guetern irer mitkinder, ob sie wellen, vnd
                            darnach anfahen mit inen zunemen gleichen tail. Die ander gnad (oder
                            vortail) das sie, dieweil irer mitkinder [nit] (leben oder) verhanden
                            sein, das sie in ir vater vnd muter gueter erben darvmb, wan sie sein
                            kinder, wiewol ledig gesagt. Hie soltu merken: Es begibt sich, das einer
                            in zeit des todes nit ist ein erb, aber darnach wirt er gemacht sein
                            erb, als gleicherweis als ein gefangner von den feinden, so der vater
                            lebend ist, vnd durch das in dienstbarkait ist bracht, jetz sein sie
                            diener, die do nit haben ein <pb
                n="362"/> tail [mit] freyen sunen. Aber
                            nach dem tod des vaters von der gefengnus erledigt vnd widerhaymkomen
                            wirt er den vorigen stand der freyhet haben vnd erbt in allen
                            erbschaften. Dasselb recht ist von den kinder in fremden landen
                            vmbschwayfend vnd darnach widerkomen, das macht das recht den posthumen.
                            Auch darwider geschicht, das wie wol einer ist in dem gesinde des
                            gestorben in zeit des todes, doch so wirt er nit sein erb nach seinem
                            tod, gleicherweis wen der vater geurtailt ist wurden zw dem tod vmb ein
                            missetat, auch darvmb hot der vater nit ein erben, wan sein gedechtnis
                            ist verwrtailt vnd vergessung jetz vnd ewiglich gegeben, vnd also wirt
                            nacherben die furstlich kamer demselben. Doch mag gesagt werden, ob der
                                <pb
                n="363"/> sun wirt aufhören erb zw sein, doch mag nit der sun
                            nit sein, wan die naturlichen recht nit aufheben das burgerlich recht
                            durch die missetat. Hie mag gefragt werden: Ob einer wirt haben vil
                            eeweyber vnd hot [mit] einer jedlichen kinder gehebt, wie erben die all
                            in der taylung? Ich sprich, in väterlichen guetern all gleichlich erben
                            sie, vnderweilen nit ist vnderschaid zwyschen inen vnd ma[n]cherlay der
                            syppen. Wan sie sein allesambt kinder vnd in der selben syp zw gehoren
                            sei einander. Ob aber der vater hiet getailt gehebt seine gueter mit den
                            ersten kindern, die er gehat hot mit der ersten seiner eefrawen, die
                            dieselben weiter in väterlichen gehabten guetern vnd kunftiglich <pb
                n="364"/> werden inne haben sie nichts des rechtens, sunder die
                            gueter alle zwwachsen den andern sunen oder den ander kindern, vnd also
                            die ersten kinder in (den andern) guetern der ander kinder in nichten
                            nacherben auch nit herwidervmb, auch so die sterben on gescheft. Aber
                            wol beyder kinder gueter werden kommen oder vallen an die andern nehern
                            freund. Aber in den muterlichen guetern erb ein jedlicher seiner muter
                            gueter. Ob aber man vnd weib miteinander gueter haben derarb[e]t oder
                            gewunnen oder miteinander erkauft, in denen allein ir bayder kinder
                            erben, die andern alle gentzlich ausgeschlossen. Aber in guetern mit
                            einander zuebrocht oder durch hewretguet oder durch vbergeben zwekommen
                            sol geschehen, als oben gesagt <pb n="365"/> ist von der vbergebung vnd
                            von dem hewretguet. Aber es mag gefragt werden, wen ir erben an einander
                            erben. Ich sprich, ob zwen brueder oder zwo schwestern haben miteinander
                            etlich vngetailte gueter, ja auch getailte, ob ir der ein vnverschafft
                            stirbt, den welcher do lebt, so er nit kinder wirt haben, wirt haben die
                            gueter mit volkommenem recht darvmb, das er ist dem der
                            allernech[s]t.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.65">
            <head>Cap. LXV. Die erbschaft der freund von der seyten.</head>

            <p> Ob einer on gescheft gesturben ist verlassen bruder oder schwester,
                            vater vnd muter im verwandt vnd hot auch verlassen brueder vnd schwester
                            aus dem vater allein, den so werden vorgesetzt die brueder vnd die
                            schwester <pb
                n="366"/> aus dem selbigen vater vnd muter im verwandt den
                            andern brudern vnd schwestern aus dem vater allein in allen erbschaften
                            von dem gestorbenen verlassen, woher im auch die zuekommen oder gewunnen
                            wurden sein. Ob aber nit bruder vnd schuester verhanden sein aus dem
                            selbigen vater vnd muter, den in den väterlichen guetern vnd in allen
                            guetern von dem gestorben vater zwkommen, in den selben erben brueder
                            vnd schuester väterlich vnd muterlich. Oder aber der vnverschafft hot
                            verlassen ein bruder oder ein schuester, aus einen andern brueder vnd
                            schuester sun, enkel oder enkelin, die all erben das [in] gleichen
                            tailen. Wan es billich ist, <pb
                n="367"/> das ir jeder an statt seines
                            vaters oder muter erb. Ob aber ein bruder were vnd aus dem selbigen
                            bruder ein sun oder enkel, den wirt fuergesetzt der bruder allen
                            absteygenden von in, das ist in der erbschaft, vnd ausschleust die
                            gentzlich, wan er ist dem gestorben der neher, ja dieweil er lebt, erben
                            alle die von in absteygen in nichten. Die weil die bruder vnd schuester
                            vnd absteygend von inen nit sein, den nach der gewonheit des lands der
                            vetter oder die pas, der öhem oder die mahem in allen verlassen guetern
                            [erben]. Aber so sie nit verhanden sein, den so erben die sun vnd enkel
                            vnd enkelin an stat irer vater vnd muter. Und du solt merken das nach
                                <pb
                n="368"/> dem kayserlichen rechten, wen noch sein brueder oder
                            schwester mitsamb dem vater oder muter des gestorben, den so werden zw
                            gelassen die in gleichen tailen zw der nachkommung der erbschaft des
                            gestorben, vnd billich, wan gentzlich sein sie in gleicher syp dem
                            gestorben, auch wan vielleicht die erbschaften des gestorben von vater
                            vnd muter des gestorben diesen vnd nit von andern an den gestorben sein
                            geuallen. Ja warlich ist es nit ein mitlautend ding dem rechten, das die
                            vettern, die pasen, die öhem vnd die mahmen die vater vnd muter des
                            gestorben in der erbschaft vorgeen oder ausschliessen, wan sie von den
                            guetern derselben an den gestorben sein kommen vnd wan sie sein die
                            weytern an der syp von dem gestorben den ir vater vnd muter. <pb n="369"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.66">
            <head>Cap. LXVI. Von der erbschaft der aufsteygenden freund.</head>

            <p> Ob der vngeschafft gestorben verlast allein vater vnd muter oder sie
                            bayde mitsambt seinen brudern vnd schwestern, die all werden aus
                            gleichen tailen zw der nacherbung der erbschaft des gestorben ... Auch
                            den bruedern vnd schwestern vnd iren absteygenden nit wesenden, den so
                            wirt zwgelassen vater vnd muter, ausgeschlossen den änen vnd änyn vnd
                            alle ander aufsteygend, zw der erbschaft des gestorben suns, wan es ein
                            zymlich ding ist, so die absteygenden vnd von der seyten freund nit sein
                            die erbschaft zwtailt zw werden in haupter. <pb n="370"/> Genera, das
                            ist vater vnd muter. Ob aber vater vnd muter nit verhanden sein, den so
                            werden zwgelassen die sun neher an der syp der aufsteygenden vaterliche
                            vnd muterliche, also das den väterlichen ein halber tail vnd den
                            muterlichen der ander halbtail gegeben wirt, wie wol vngleich sey ir
                            zal, wen sie eins sein in der selben syp. Sunst welcher dem gestorben
                            der neher ist, er sey väterlich oder müterlich, sol zwgelassen werden.
                            Aber es wirt gnant der neher, zwyschen welchem vnd dem gestorben ist
                            kainer dazwyschen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.67">
            <head>Cap. LXVII. Von der erbschaft der eeweiber.</head>

            <p> Wen bruch ist das eelich kind der aufsteygenden vnd der absteygenden vnd
                            der von den seyten, <pb
                n="371"/> den so erbt das weib dem
                            vnverschafften man in guetern durch in gewunnen des brauchs halben; aber
                            die aygenschaft gehort zw der furstlichen schatzkamer. Aber in guetern
                            durch man vnd weib gewunnen oder erarbet oder zwwegen bracht oder
                            gekauft, so kinder nit verhanden sein vnd gesturben ist der man on
                            gescheft, so verordnet das weib die gueter nach irem willen. So aber
                            kinder verhanden sein vnd das eelich weib, so erben die in gleichen
                            taylen. Wan die gewonheit inne helt, das das weib der gueter allein den
                            brauch sol haben, nit die aygenschaft, des nur gesehen wirt vast ein
                            vngehort ding, das kain erb von wegen des gestorben in den nur die
                            schatzkamer, welcher kain recht in den dingen <pb n="372"/> wirt gesehen
                            haben darvmb das das weib mit irem manne die gueter mit grossen iren
                            arbeten miteinander haben gewunnen. Auch darvmb, wan der man vnd das
                            weib hetten die gueter vngetailt vnd die vngetailten gueter von einem
                            auf das ander vallen. Es ist billich, ob der man nit verlies recht
                            erben, das den das weib von dem halben tail der gueter ordnete, wie sie
                            welt, vnd des andern halbteils brauch zw iren tagen habe, das die
                            aygenschaft der gueter vnve[r]sert bleybe.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.68">
            <head>Cap. LXVIII. Wen erbe die furstlichen schatzkamer (fiscus
                            gnant.)</head>

            <p> Wen das eeweib vnd alle andern erben gebruch haben, so erb der fiscus,
                            welcher ist der letzt <pb n="373"/> erb aller gueter der gantzen welt.
                            Und darvmb hot der romis. kayser souil vnd so gros erbschaften vnd
                            nacherbungen zwgelassen, das die erbschaften der vnverschafften
                            versturben nit zw den henden ander leut kommen, ausser der lineen der
                            freuntschaft des bluts.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.69">
            <head>Cap. LXIX. Von der schwagerschaft (affinitas gnant.)</head>

            <p> Wie wol aus der schwagerschaft entspringt eine besundre angehorung
                            kommend aus vermischung leyblicher werk des mannes vnd des weibs, doch
                            die schweger (gnant affines) in nichten nacherben dem gestorben an
                            gescheft, wan sie nit sein von dem bluet des vnverschafften. Wan alle
                            nacherbung ist aus angeborner freuntschaft ausgenommen <pb n="374"/> die
                            vneelichen gebornen, als dan sein bankart, wie wol die sein von dem blut
                            des vnverschafften, auch vnderweilen irer sun, doch nach gewanhayt de[s]
                            vaterlands erben sie in nichten, nur sie werden eelich gemacht, so erben
                            sie dennoch dieweil die eelichen erben verhanden sein in nichten darvmb,
                            das sie fuer erben nit gehalden werden. Von der erbschaft aber der
                            vneelichen sun oder kinder nit naturlichen, das ist der zwegewunschten,
                            setz ich hie nichts, wan das ist [nit] von der gewonhait vnsers
                            lands.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.70">
            <head>Cap. LXX. Die angeherung der schwagerschaft (affinitas gnant.)</head>
            <p> Es ist oben gesehen von der zwgehorung <pb
                n="375"/> aus angeborner
                            freundschaft, fuerbas ist zw sehen von der zwgehorung aus der
                            schwagerschaft. Bey dem soltu merken: Was sey cognacio, was grad ist,
                            was linea, was der baum werde formiret vnd zw jungst von den regeln,
                            durch welche die grad werden erkant. Die cognati sein die nechsten von
                            der muter absteygend, aber die agnati von dem vater. Doch ist heut kain
                            vnderschaid zwyschen in der nacherbung halb, als auch nit zwyschen den
                            mannen vnd den frawen. Darvmb dasselb recht, das do hot eins, hot auch
                            das ander. Gradus ist ein haltung die weytung der person, aus der wirt
                            ... gnent gradus zw gleichnus der staffeln der laytern, an denen wir von
                            ainer staffel zw der andern aufsteygen vnd absteygen <pb
                n="376"/> von
                            dem nehern zw dem nehern. Die linea ist ein samlung der personen von dem
                            selbigen stammen absteygende die grad (oder syp) der zwgehorenden vnd
                            die zalen vnderschaydend. Der baum der freuntschaft wirt also formirt.
                            Zum ersten vber die lere zell werden gesetzt die aufsteygenden, darnach
                            vnder den [die] absteygenden vnd von der seiten die seyten erben. Und du
                            solt merken ... ist ... bliben darvmb, das sie nit hot mugen haben an
                            eygen namen, aber die andern zellen nemen ein namen von der ... Wan wie
                            mag ich die zell nennen anders, dan welche wir sagen (oder nennen) den
                            sun oder die tochter des vaters oder ein bruder des bruders ....? Wan
                            aber dy warhayt wirt <pb
                n="377"/> mer von dem sichtbarlichen glauben,
                            dan durch die orn dem gemut der menschen eingesteck, darvmb von wrsach
                            der kurtze sullen sie ein lere der volkommen syppen disem kegenwurtigen
                            buech einschreyben ich gewelt hab, das die lernenden mit sichtbarlichem
                            glauben lernen. Und das saltu merken das ein person zwgelegt einer
                            person durch des weibs zwfuegung albeg ein staffel zulegt. Darvmb zu
                            setzen zwyschen ir die weyte saltu nemen die maysterliche regel: Wie vil
                            sein person, zwyschen welchen gefragt wirt, gerayt entzwyschen eine
                            ausgenommen, so vil sein syppen vnder in. Darvmb ab du wilt wissen, wie
                            vil ... wrwran von dem vater, einen gerayt vnd auch die entzwys[ch]en
                            den so sein funf personen, soltu ausnemen <pb n="378"/> einen, so werd
                            vier sypp. Also dasselbig sag ich von dem .P. zw wrwrenkel, wan es wirt
                            in der selbigen maß ... Ob du wilt wissen, wie vil rveret der wrwren .P.
                            vom wrwrenkel, so wirt du finden newn person, dem .P. gerayt vnd do
                            werden acht sypp. Und du solt wissen, wen der .P. hat nit sein gantze
                            raytung in dem paum, wan ein jedlicher hot zway .., fuer äne, acht
                            wräne, sechzehen wrwräne vnd also albegen zwifeltiglich aufsteygend,
                            darvmb wer es vnmuglich gwesen souil person gesetzt werden in dem
                            selbigen baum.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.71">
            <head>Cap. LXXI. Von der besitzung der gueter.</head>

            <p> Die besitzung der gueter was die sey, wie vil sein erbschaften, warvmb
                            der kayser Augustus hot souil erben gemacht gehebt, <pb
                n="379"/> wen
                            vnd wie sol begert werden die erbschaft der gueter. Zum ersten die
                            besytzung der gueter ist ein recht zw begern, nachzukomen, zu inhalten
                            das väterlich erbguet, ob stirbt der, welches gewesen ist. Sechs sein
                            sypp der erbunge in besytzungen der gueter. Zum ersten werden ir erben,
                            sie sein vierzehenjerig oder darvnder, vernunftig oder verkunnend,
                            kinder oder muters kinder vnd auch die posthumi, (als die geborn werden
                            nach dem tod ires vaters). Zum andern die eelichen, die zwgewunschten
                            vnd lediggesagten von dem gewalt ires vaters. Zum [dritten] die
                            aufsteygenden. Zum vierden die freund zw der seyten. Zum funften der man
                            dem weib wirt zwgelassen vnd herwidervmb. <pb
                n="380"/> Zum sechsten
                            nacherbt die kayserlich schatzkamer. Der kayser Augustus hot zwgelassen
                            souil vnd so grosse erbschaften, das einer nit sturbe on nachkomen
                            kindern. ... Vater vnd muter, die naturlichen auch die zwgewunschten in
                            begert zw werden der gueter besytzung ein zeit des jars hot er geben,
                            den andern hundert tag hot gegeben der pretor. Und ob inner der zeit
                            eynicher der gueter besytzung wirt nit begern, so werden die selbigen
                            syppen den personen des selbigen grads zwwachsen sullen vnd ob nymand
                            wer derselben syp, darnach der gleichen gueter erbschafte aus dem
                            erblichen gebot wirt der pretor gelubd annemen, also ob der welcher
                            vorging aus der zal nit wer. Und die zeit hot der pretor darvmb besetzt,
                            das nit die klagung <pb
                n="381"/> der gelter souil verzogen wurd vnd
                            auch, das einer nit leichtiglich in die besytzung der gueter zwgelassen
                            werd. Ob aber einer ... die verzuglichen zeit in der gueter besytzunge
                            im gesetzt nit erwart so lang, biß erfult werden, so werden bald
                            zwgelassen die andern nachkomen. Und du solt merken in welcher maß einer
                            begern sol die besytzung der gueter vor dem richter inner obgenannten
                            zeyten, der sal bald zwgelassen werden. Es auch mugen der pretor die
                            gueter besytzen vnd von denen ordnen, als im nutzlich gesehen wirt. Und
                            die ding gesagt von den nacherbungen der erbschaft, die aus gescheft vnd
                            vngeschafften kommen sullen gnug sein. <pb n="382"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.72">
            <head>Cap. LXXII. Die taylung der gemain gueter.</head>

            <p> Von der taylung gemain gueter soltu merken, wie vil vnd welche gueter
                            gnant werden gemaine vnd taylberliche, zum andern welche gemain gueter
                            getaylt nit mugen werden, zum dritten welche gemain gueter taylen mugen.
                            Von dem ersten welche gueter gnant werden gemain ist auch drifeltiglich:
                            Zum ersten aus verschafftem, zum andern vom vnverschafften, zum dritten
                            von der geselschaft. Die gemainen gueter aus verschafften sein die, wen
                            vil menschen ein guet miteinander geschafft wirt. Die gemainen gueter
                            von vnverschafftem sein alle gueter, welche ainer on gescheft sterbend
                            seinen erben verlat. Die gueter in geselschaft gemain sein die, wen vil
                                <pb
                n="383"/> guter miteinander sie zusammenlegen vnd nemen werden
                            gleichen gewyn vnd schaden aus den selbigen. Und die, als ir gueter
                            durch haben zusammengelegt, also mugen sie durch sie selbs taylen, wen
                            sie wellen, nur ir ainer wurd sterben, den so erbt in der nechst freund
                            in der taylung. Die vntaylberlichen gemainen gueter sein schulden vnd
                            schuldbrief vnd waffen des vaters, grebnus vnd aygen khnecht. Die
                            gemainen gueter mugen taylen die personen vierzehen jar alt durch sich
                            villeicht oder mit wal aus verzeyung, nur von ersamkait oder merer
                            kuntschaft sie wellen zu in nemen die nechsten freund oder auswendik.
                            Die vnder vierzehen jarn aber haben kain recht zw taylen wider durch
                            sich noch durch die andern, nur die notturftikait <pb n="384"/> das
                            erhaysche, als ob in ainer verhewret wurd. Ob aber eyniche personen
                            haben gemain guet, sein die vierzehenjerig, sein die andern vnder
                            vierzehen jarn, den so mugen die ratgeben die gueter an geuerd mit rat
                            der weysen hantwerker mit dem loß taylen vnd einem jedlichen der selben
                            taylbrief geben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.73">
            <head>Cap. LXXIII. Verenderung der gueter.</head>

            <p> Was sei ein verenderung, welche gueter mugen verendert werden vnd welche
                            nit, von welchen wrsachen die gueter mugen verendert werden, welche peen
                            den verendernden freuelich vnd böslich (ader schalglich). Die
                            verenderung ist ein jedlich werk, durch das ein herrschaft des guets
                            verendert wirt, <pb
                n="385"/> also is verkaufung, versetzung,
                            vbergebung, verwechslung, verschaffung. Aber es mugen alle gueter
                            verendert werden, ausgenommen die hernach geschriben. Alle gueter des
                            vnder vierzehenjerigen die sollen nit vnd mugen nit verendert werden,
                            nur da sey eine redliche wrsach. Aber es sein vierfeltige guter des
                            vnder vierzehenjerigen, ligende gueter, als erbschaft; varende gueter,
                            welche im behalten nit werden verzert, als gold vnd silber vnd sulche
                            geschirr; zum dritten bewegliche gueter, welche mit verlengung der zeit
                            nit verderben; zum vierden bewegliche gueter, [welche] in kurtze der
                            zeit verderben, als klayder, viech, fruchte. Item den kindlen ist
                            verboten verenderung der vaterlichen gueter on wissen vnd willen des <pb
                n="386"/> vaters, wan sie haben in denen kain recht, dieweyl der
                            vater in leben ist. Auch mag der vater nit verendern die gueter der
                            kinder, welche inen von der muter oder von den nechsten freunden zw
                            kommen sein, wan er in denen kain recht hat der aygenschaft halben.
                            Gleicherweys mag der vater die nit verendern, welche die sun mit irem
                            vleis oder lernen oder dienst, mit ar[bei]t, mit einem hantwerk oder
                            vbung haben gewunnen. Item es ist verboten die verenderung eines
                            heuretbern oder styftlichen grunts nur es sei rechter wrsach. Es ist
                            aber ein heuretberlicher grunt dem eeweib zu heuretguet gegeben. Item es
                            ist verboten die aufgebung, verzeyung vnd verenderung des heuretguets.
                            Es wirt verboten die vbergebung <pb
                n="387"/> zwyschen man vnd weib, von
                            welcher einer gereicht wirt vnd das ander arm wirt. Ob aber die
                            vbergebung gleichlich gemacht wurd, die blibe. Es ist verboten
                            verenderung eines guets, welchs der verschaffer im gescheft verboten hot
                            verandert zu werden. Aber es [ist] verboten verenderung eines krigyschen
                            guets wissentlich. Un[d] wirt gnent ein krigisch guet, von welches
                            herrschaft ein sache wirt gewbt zwyschen dem begerer der aygenschaft vnd
                            dem besytzer. Es ist verboten verenderung eines fremden guets on willen
                            des, welches ist. Item dem gelter ist verboten der pfand versetzung oder
                            verkaufung darvmb, das nyemant mag meer rechtens auf einen andern
                            bringen, den er hot. Wan der gelter hot nit seine recht das pfant
                            verkaufen vor <pb
                n="388"/> der zeit vom gesatz gesetzt, nur es sei
                            etwas anders oder ein anders mit gedinge gesetzt. Es ist verboten
                            verenderung der gemain gueter, der offen gueter, der weg vnd der
                            strassen als oben. Aus vier wrsachen mugen sie nit verboten werden die
                            gueter verendert zw werden, als aus wrsach der notturft, aus wrsach des
                            gewyns, aus wrsach der nutzbarkait vnd aus wrsach der guetikait. Aber
                            die peen der geuarlichen vnd boslichen verendrenden ist vnderweil
                            vnleumbt, vnderweil absetzung von ainem ambt, in welchem .., vnderweyle
                            geschicht gantze widereinsetzung, vnderweyle ebige gefengnus. <pb n="389"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.74">
            <head>Cap. LXXIV. Von den einreden oder auszugen vnd des rechtes
                            behelfungen.</head>

            <p> Die beschutzungen vnd einreden vnd behelf sein von den rechten etlich zu
                            has, etlich zu gunst eingefurt. Dauon geschicht, das die person, fuer
                            welche oder von welcher wegen eingefuert sein, ... behelfen, das sie nit
                            schuldig sein den verbindungen der gueter, die sie gemacht haben, wiewol
                            ordenlichen gegeben wirt (oder geschriben), das zymlich ist zu uerzeyen
                            den dingen, die durch sich selbs eingefuert sein. Wan etliche sein der
                            beschutzung vnd behulf einer einrede, den mag nit verzigen werden vnd ob
                            verzigen wirt, so verhindert die verzeugnus nit, das d[e]ster mynder die
                            behelf der einrede <pb
                n="390"/> darwider gesetzt mugen werden. Aber
                            etlich sein, in welchen verzigen mag werden vnd die gemacht verzeugnus
                            haft vnd die person, welche vor der verzeugnus durch die hilfen werden
                            behulfen, so gescheen ist, durch sie werden nit behulfen. Aber etliche
                            sein, welchen aus dem zw dem mag verzigen werden vnd aus welchem zu dem
                            nit. Darvmb von jeklichen zw sehen vnd zum ersten von denen, welchen nit
                            verzigen mag werden. Die Macedonisch hulf des obersten ratgeben gebuerd
                            dem haussun, welcher gelihen gelt genommen hot an willen des vaters vnd
                            nit allein gebuerd im, dieweil er ist in dem gewalt des vaters, sunder
                            auch, nachdem das er gewurden seines recht. Und geburd auch dem erben
                            des haussuns vnd seinen borgen. Die <pb
                n="391"/> hulf, wen sie ist
                            eingefuert zw has den wuchrern, es mag nit verzigen werden. Die hulf der
                            widergebung geburd den zu jungen die gantze zeit des myndern alters vnd
                            auch so das geendt wirt in vier jarn aneinander, ob sie in dem myndern
                            betrogen sein wurden aus irer leichuertikait oder aus betrugnus ires
                            widersachers. Und dem behulf mag nit verzigen werden, wen aus dem mocht
                            betrogen werden der mynder, ob der jung sich verzigen. Die hulf, das
                            einer nit verurtailt werd nur souil er thun mag vnd nit darvber in
                            gehabten guetern, das er nit armut leid, geburd dem eeman, wen er
                            fuergenommen wirt von den kindern im rechten vnd geburd dem gesellen,
                            wen er beklagt wirt von seinen gesellen, vnd geburt dem vater, wen er
                            beklagt wirt von <pb
                n="392"/> seinen sun oder tochter, so mag dem
                            behelf nit verzigen werden. Es ist ein besunder hulf, die do sagt, das
                            nit ein freyer mensch vmb fremdes gut verbunden werden, der hulf mag nit
                            verzigen werden, wan die verzeugnus were schedlich vnd widerwertig der
                            freyet. Die hulf oder die freyet des gerichts, welche geburt dem ausser
                            des gerichts, spricht, das der antwurter sol fuergenommen werden vnder
                            seinen richter, wan der klager nachuolgt dem gericht des antwurter vnd
                            nit der antwurter dem gericht des klagers, nur in etlichen vellen. Der
                            freyet des gerichts aus einem geding nit wirt verzigen, sunder zu dem,
                            das der antwurter muge anderswo dan in seinem gericht beklagt werden
                            macht, ob er verhaist zalung zu thuen, wo er sein wirt vnd begert wirt
                            von im, wan da <pb
                n="393"/> ist er schuldig zalung zu thuen, wo er
                            fuergenommen wirt. Die hulf oder die freyheit des gerichts, welchs
                            geburt den priestern, spricht, das verzymbt ein priester von gemainen
                            rechten vnderwurfen sei dem weltlichen richter, doch mag er durch die
                            freyheit sich abfordern vnd sprechen, das er welt allein vor seinem
                            richter, als dem byschof, antwurten, der hulf von gaystlichen rechten
                            verzeigt er sich nit, wen warvmb sie ist eingefurt zu gunst der gantzen
                            priesterschaft vnd [nit] eins besundern priesters. Item die einred nit
                            gezelts gelts oder nit eingebens oder gegebens guts geburd vnderweylen
                            inner zwayen .., vnderweylen inner dreißig tagen, vnderweylen inner
                            ainem jar, vnderweylen inner dreu monaten. Wan nym war einer bekent, der
                            schulder, gestern sich <pb
                n="394"/> gelt genummen zu haben gehebt,
                            welche er nit entpfangen hot gezelte, der mag darwider setzen die einred
                            nit gezelt gelts inner zwayen jarn von dem tag der beschehen bekantnus.
                            Aber der gelter, welcher bekent hot in hoffnung kunftiger zalung der
                            eingebung das heuretguet eingenommen haben sein schuld entpfangen von
                            dem schuldner, der hot die einred des nit gezelten gelts oder
                            heuretguets ... Die einred nit zu zusetzen ist inner einem jar nach
                            erledigter ee, vnd das ob die ee hot geweret [minder] dan zway jar; es
                            ist aber dazu zusetzen inner dreu monaten, ob die ee hot geweret merer
                            den zway jar aber mynder zehen jar. Und den vorgemelten einreden mag nit
                            verzigen werden vnd ob verzigen wirt, so verhindert die verzeigung nit,
                            sintemal inner den gnanten zeiten sie eingeredt muge werden. <pb
                n="395"/> Jedoch die verzeugnus in dem ist dem antwurter nutzlich, wan ob die
                            verzeigung nit geschehen were, sol weysen der widersacher des
                            bekennenden, sich das gelt haben bezalt. Aber nachdem beschehen ist die
                            verzeygung, geburt sich dem bekennenden vnd dem verzeyenden weysen, das
                            gelt nit sein bezalt, vnd die verzeygung bekert die geburd der weyssung
                            auf den verzeigenden. Item das gesatz des roten vnd schwartzen codex
                            verbeut, das nit die burgen ader die gebieter der haymstewer geben
                            werden, sie verbeut auch ein burgen geben zw werden vmb das heuretguet
                            widergeben zu werden in zweyfel des heuretguets widerzugeben. Darvmb wie
                            wol etliche machen sulchen burgen verzeihen dem roten vnd dem schwartzen
                            titel codicis, das die burgen vnd dy <pb n="396"/> gebieter oder
                            beuelher der heuretgueter geben werden. Doch taug nit die verzeyung, wan
                            geben zu werden ein sulchen burgen wirt verboten von dem gesatz, vnd das
                            beschicht wider das gesatz, sol nit gehalten werden fuer geschehen. So
                            aber das gesehen ist, sol er widerkommen zu dem fuergenommen ding.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.75">
            <head>Cap. LXXV.</head>

            <p> Von den behelfen, aus welchen verzigen mag werden vnd welcher verzeyung
                            verhindert, das sie nit widergesetzt mug werden. Ist ein besundre hulf,
                            die gnant wirt: Noua constitucio im titel de pluribus reis debendis.
                            Welche constitucio spricht, das ob vil antwurter schuldig zu sein, das
                            ist vil schuldner - wan es <pb
                n="397"/> wirt reus genent von dem guet,
                            das er sol - welche alle sein taugelich, das ist das sie mugen bezalen
                            vnd im bezalen haben die hulf der taylung, darvon mag ein jedlicher
                            sprechen, das er ... sich vmb seinen tail haft. Aber zu dem, das ir ein
                            jedlicher schuldig ist sametlich, sein zway ding notturftig, als das sie
                            verhayssen vnd sich verbinden sametlich vnd verzeygen der hulf, als der
                            newen constitucion de pluribus reis debendis. Aber die epistel kaysers
                            Adriani ist ein besunder gesatz, welchs hulf geburd vil burgen, die do
                            sagt, ob vil burgen sein taugenlich im bezalen, sulle ein jedlicher
                            beklagt werden vmb ein tayl in berurend, das ist vmb sein anzal. Aber zu
                            dem, das ein jedlicher schuldig sei, sol er verzeygen sich der freyet
                            sametlich <pb
                n="398"/> vnd der epistel kaysers Adrianii. Es ist auch
                            ein besundre hulf der newen constitucion, das geburd den burgen, sagt,
                            ob der hauptsacher oder burg bayde sein gnugsam, sol vor beklagt werden
                            der haubtsacher, dan der burg. Aber zu dem, das der burg, wen der gelter
                            welle, mug beklagt werden, so wirt er sich verzeihen der hulf der newen
                            constitucion von den burgen. Du solt merken wen zwen oder mer
                            haubtsacher sich haubtsechtlich vnd sametlich verbinden, die vorgenanten
                            dreu verzeyungen sullen gesetzt werden in der mass, verzeyen sich des
                            capitels der newen constitucion vnd der hulf kaysers Adriani; wan ein
                            jedlicher stet fur den <pb
                n="399"/> andern, wen er sich verbindt vber
                            den tayl in berurend. Die vnderschaid der vnschuld, das condicio
                            indebiti, spricht, ob eynicher vom anfang nit schuldiglich bezalt hot,
                            als darvmb wan er nit schuldig was zu bezalen, so mag er die schuld
                            widerbegeren, der condicion wirt verzygen. Die vnderschaid on wrsach,
                            verstee die condicion sine causa, spricht, ob eynicher vom anfang
                            verbunden on wrsach oder aus vngerechter wrsach nit schuldig sei,
                            derselben hulf mag verzigen weden, nur es wurd geschehen durch argen
                            list. Die einrede bos lists ist, ob einer spricht sich aus argen list,
                            das ist beschaidkait, eynichs eingefurt oder betrogen zu sein vnd
                            derselben einred vmb vergangen argenlist mag verzigen werden. <pb
                n="400"/> Es ist auch ein hulf, die geburt den schulern. Wan die
                            schuler, welcher zu <name
                type="place">Ofen</name> wanet, ist
                            vnderwurfen dem gemainen rechten des richters zw <name
                type="place">Ofen</name>, darvmb das er wanung hot zu <name
                type="place">Ofen</name>. Aber vmb die freyhait mag er sich abfordern vnd sagen,
                            das er welle vor seinem richter beklagt werden. Und mag sich der hulf
                            verzeygen. Auch ist ein ander hulf, die gnant wirt condicio incerti,
                            welchs stat halt, wen der gesetzt erb gebeten ist, erbschaft anzunemen
                            vnd ein bestymten tail der andern wider zu geben oder wen eynicher
                            gesetzt wirt ein erb vnd ob der wurd sterben on kinder, so ist im
                            nachgesetzt ein ander, wan welcher nachgesetzt ist, der hot recht in der
                            erbschaft darvmb, wen kommen ist die vnderschaid, so sol auf [in] kommen
                            die erbschaft. Und das sulche glaubensbeuelhung <pb
                n="401"/> gnant
                            werde condicio incerti, wan es ist ungewyss, ob der nachgesetzt stirbt
                            on kinder. Und der vnderschaid mag sich der nachgesetzt verzeyen. Die
                            hulf des rechtes der pfantschaften, das ist die verbindungen, die geburd
                            dem eeweib in gutern ires mannes, wan alle guter sein stilliglich
                            verbunden dem eeweib vmb ir heuretguet. Der hulf mag sich das verzeyen,
                            so sich weib vnd man miteinander verheureten, ob aber zum ersten bekent
                            das weib, das der behelf ir geburd vnd wurd gesagt ausdrucklichen, was
                            darin begriffen wirt. Wan das weib sol vergewist werden von irem
                            rechten, wan es ist zymlich den weybern, nit wissen ire recht. Durch die
                            hulf vorgemelt im rechten der pfantschaft geburd auch dem gelter, <pb
                n="402"/> ob seines schulders gueter sein im ausdrucklich oder
                            stilliglich verbunden. Und der hulf mag sich der gelter verzeyen. Die
                            hulf Vellegionii des obresten senatus consulti geburd den weybern
                            fuerstand thuenden, das ist sich verbinden fuer einem andern. Und sagt
                            die freyhait, ob das weib verborgt oder sich verbindt fuer einem andern,
                            das sie nit schuldig ist ordenlich. Und der hulf mag sich ein weib
                            verzeyen, ob sie vergewist wurd darvon. Und merk wen das weib annymbt
                            die pfleg ires suns vnd die än die pfleg ires enkels, sol sie sich
                            verzeyhen der andern hewret vnd der Vellegion senatus consulti. <pb n="403"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.76">
            <head>Cap. LXXVI. Welchen dingen muege verzigen werden gegen einem ding vnd
                            gegen dem ding nit.</head>

            <p> Nun ist zu sehen von den dingen, von welchen zu etwa mug verzigen werden
                            vnd gegen etwa nit mag. Es ist ein besundere hulf der nit schuldigen,
                            welche geburd dem, welcher vnwissen ist kauft ein kranks viech oder
                            menschen oder tier vnwissentlich. Wan aus dem behelf mag klagt werden
                            wider den verkaufer, das er im widergeb das gelt vnd widernem das
                            verkauft guet. Und die widergeblich klag geburd inner sechs monaten. Es
                            ist auch ein ander behelf, gnant quanto minoris, die do sagt, also einer
                            kauft boß <pb
                n="404"/> guet, das er nit west boß zw sein, der mag
                            klagen wider den verkaufenden, welcher gewest hot das guet zw sein boß,
                            begerend den tayl des gelts im widergegeben zu werden, das er nit het
                            geben gehebt, ob er gewist het, das gut schadenhaftig zu sein. Und die
                            hulf gebuerd inner ainem jar. Es ist auch ein ander hilf, als die
                            verzeygung bayder obgenanter, welcher der kaufer mag sich verzeyen, vnd
                            die verzeyung ist nutzlich dem verkaufer, ob der verkaufer des guts
                            kranckhayt oder laster hot gewist vnd das nachsetzt vnd den kaufer nit
                            virgewist, von wegen des argenlists von dem verkaufer begangen nit taug
                            die verzeyung der vorgenanten klag. Es ist auch ein andre behulf, das
                            einer nit berueft werde an feyertagen, welchem vnderweyle mag verzigen
                            werden vnderweylen <pb n="405"/> nit. Wen ob die feyertag sint von wegen
                            des kornschnit oder weinlesen, so mag aus willen der krigenden der feyer
                            verzigen werden. Ob sie aber sein gefeyert in gotes ere, als die tage
                            der geburd christi, der ostern vnd die andern vnd die suntage, mag nit
                            verzigen werden. Wan warvmb aus geding ein besundern der götlichen ere
                            erbitung des namen gottes mag einer nit verzeyen. Und die gesagten ding
                            von den verzeyungen sol gnug sein.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.2.77">
            <head>Cap. LXXVII. Recapitulacio.</head>

            <p> Kurtzlich werden vns gewunnen durch siben personen: Zum ersten durch vns
                            selbs, zum andern durch vnser kinder, die nit ledig gesagt sein. Zum
                            dritten durch vnser khnecht. Zum vierden <pb
                n="406"/> durch fremd
                            khnecht, welchen wir vnser gueter auf ir trew beuelhen. Zum funften in
                            welchem wir den fruchtbrauch haben. Zum sechsten durch die procuratores.
                            Zum sibenden durch mancherlay wrsach der gueter. <pb n="407"/>
            </p>
          </div>
        </div>
        <div xml:id="NA.3">
          <head>Hie anvacht das dritt buech von den klagen in den rechten.</head>
          <div xml:id="NA.3.1">
            <head>Cap. I.</head>

            <p> Nun ist verhanden nach der verhaysen ordnung in dem dritten buech zu
                            auslegen von den klagen. Wan aber die verbindungen sein als
                            vorberaytliche ding der klagen, darvmb ist am ersten zu sagen von den
                            selben. Was sey verbindung, wie vil ire gestalt, <pb
                n="408"/> wie vil
                            mas gehandelt werde. Von dem ersten die verbindung ist ein band des
                            rechtes, aus welchem wir von notturftikayt wegen werden angestreng zu
                            etwas geben oder geschehen zu werden nach den rechten vnserer statt. Es
                            sein aber dreu gestalt der verbindung, als die naturliche, burgerliche
                            vnd sie bayd, als die naturlich vnd burgerlich miteinander. Die
                            naturlich verbindung ist, welche ein naturlich gleichhait in ir helt vnd
                            aus der allein verbindt sich man vnd weib aneinander, der vater dem sun,
                            der herr dem khnecht, der ways einem andern an gewaltsamkait seiner
                            pfleger. Vnd alle allein aus naturlicher <pb
                n="409"/> verbindung
                            verbindend sein nit schuldig, wan die naturlich eynig verbindung ist
                            vnkreftig zw klagen allein. Aber die burgerliche verbindung ist,wen
                            einer mit loblichkait des rechtes ist angestreng etwas zu thuen oder zu
                            geben, aber die naturlich billikait last [nit] in halten. Als der ist
                            der bekent hot sich durch geschrift aus wrsach eines leyens gelt
                            eingenommen haben in hoffnung kunftiger zelung, welche er nit
                            entpfangen. Daruon wie wol nach dem rechten die verbindung loblichs
                            geschehen ist, doch die naturlich ... wil nit, das ainer schuldig sey zw
                            bezalen, das er nit entpfangen hot. Darvmb mag er inner zwayen jarn
                            derwider setzen die einred nit gezeltes geltes oder nit eingebens gelts.
                            Ob er inner zwayen jarn nit hot wider eingelegt die einrede, so wirt <pb
                n="410"/> es sein schad, wan die naturlich vnd burgerlich billikait
                            wil alsdan, das einer im selbs verarge, das er nit gewesen im verzuge
                            nit begeren sein recht. Desselben rechtens ist, ob ich verkauf ein
                            erbschaft vnd gib brief dem kaufer vber die, eemal er mir das guet
                            bezalt. Darvmb soltu sehen, wan die naturliche verbindung durch sich vnd
                            die burgerlich durch sich ist vnkreftig zu klagen. Sunder die naturlich
                            vnd burgerlich verbindung miteinander ist, wen eine geschickte person zu
                            verbinden mit loblichkait des rechtes sich verbindt, sprechen wir die
                            selben schuldig zu sein, wan das [wil] die naturlich billikait vnd
                            burgerlichs rechtes lobsamkait vnd die ist kreftig zu klagen. Die
                            verbindungen der burgerlichen vnd naturlichen sein vier <pb n="411"/>
                            gestalt: die eine ist aus dem handel, die ander aus dem nahet dem
                            handel, die ander aus dem malefitz, die ander aus nahet dem malefitz.
                            Der verbindungen, die aus einem handel geschehen, sein gleichlich vier
                            gestalt, wan entweders werden sie gehandelt von dem guet oder mit worten
                            oder mit briefen oder eynigem willen. Von welchen durch ordenunge ist zu
                            sagen. Die verbindung [von dem guet] wirt gemacht in vier massen, als
                            durch anleyung, [durch] entlehend, durch erlegt guet vnd durch gelihen
                            guet, als kuntbar wirt durch ordnung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.2">
            <head>Cap. II. Von dem mutuo. </head>
            <p> Von dem mutuo ist zu wissen: zum ersten was sei mutuum, <pb
                n="412"/>
                            wannen es gnant werd mutuum, wie mutuum gemacht werd vnd welche sei die
                            natura mutui vnd welcher mug mutuirn, in welchen guetern bestee das
                            mutuum, welche klag entspringe aus dem handel mutui. Zum ersten mutuum
                            ist eins guts vmb das ander derselben natur vnd wielichkait gebung. Aber
                            es wirt gnant mutuum, das aus meinem guet wirt das dein. Es mag mutuirn
                            ein yeder, welcher ein handel machen mag. Durch mutuum wirt gemacht ein
                            verbindung mit gebung des entlehenden. Aber es wirt gemacht mutuum nit
                            aus eynigem geding, sunder auch entzwyschenkommung der gueter, also wen
                            ein bestymbt guet vmb ein vnbestymbts geben wirt, nit mynder noch mer
                            auch nit bessers, wan ob anders geschicht, den so wer <pb
                n="413"/> es
                            ein wucher handel, wan es statt geschriben: mutuum dantes nichil inde
                            sperantes, (verstee den mutuum gebend nichts dauon hoffend). Die natur
                            mutui ist, das wie das guet gelihen wirt, das ein gleichs der selben
                            natur vnd guet widergeben sol werden. Mutuum besteet in sulchen guetern,
                            welche im gewicht, zal vnd maß sein , gleicherweis dem gold, silber,
                            er[z], gelt gezelt, getrayd, wein vnd öl. Du solt merken der welcher nit
                            schuld hot entpfangen von dem, welcher durch irrung hot bezalt, ist
                            wider schuldig vnd wirt geben dem bezalenden wider die schuld
                            entpfaenden die klag gnent condicticia accio darvmb, wan es erscheint
                            den mussen bezalen, als ob er hett entpfangen das mutuum. Darvmb ein
                            ways, ob im on des <pb n="414"/> pflegers gewaltsamkait ein mitschuld
                            geben ist durch irrung, der ist nit schuldig aus der klag einer schuld
                            mer dan ausgebung eins leyens, (mutui gnant).</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.3">
            <head>Cap. III. Vom comodato.</head>

            <p> Aber vom comodato saltu merken: was sey comodatum vnd wannen werd es
                            gnant, wer mug comodiren vnd welchem, in welchen guetern es bestee,
                            welche sei die natur comodati, welche guter mugen comodirt werden,
                            welche vnderschaid sey zwyschen mutuum vnd comodatum, welche klagen
                            mugen ersteen aus dem handel comodati. Zum ersten comodatum ist eins
                            besundern guets zu einem besundern brauch ein dankbarlich machte
                            verleyung. ... Und ich hab gesprochen zu einem besundern brauch, das
                            vermerkt <pb
                n="415"/> werd vnderschid zwyschen bethe oder precarium vnd
                            comodatum, wan wiewol precarium vns verlihen wirt, doch nit vmbsunst.
                            Ich hab gesagt gratuita, das ist dankbarlich oder vmbsunst gegeben oder
                            verlihen, wan ob enzwyschen kommen ist ein lon, den so wirt es gnent
                            locacio, (das ist ein hinleyung des guets,) nit comodacio, auch nit
                            herrschaft oder besytzunge des guets verwendt wirt, als geschicht im
                            mutuo. Aber es wirt gnant comodation als ein guet dem nutz eins
                            brauchenden gegeben oder verlihen. Es mag aber einer comodiren vnd im
                            comodirt werden alle die ding, welche ein contract machen mugen, als
                            gesehen ist oben. Das comodatum besteet in beweglichen guetern, als in
                            einem <pb
                n="416"/> wagen, in einem pflueg vnd sich bewegenden ...
                            tiern, in einem menschen, roß, ochsen ... Es besteet auch in leyblichen
                            (die beruert mugen werden) vnd in vnleyblichen, als in dienstbarkait,
                            inwanung et cetera. Aber in den, welche mit brauch mugent verzert
                            werden, als gelt, klayder, getrayd, wein vnd ol mugen nit comodirt
                            werden, wan sie mugen nit widergeben werden vnd sulche, welche entlehnet
                            werden. Sunder darzu werd entlehnet gelt, das der reichen hoffart weyter
                            erzaygt werden oder auch die werk der gutikait ausgeubt werden. Auch
                            darzu werden gelihen den khnechten gelt, das sie von wegen der zelung an
                            statt des reichen darkommen. Die natur comodati ist, das das verlihen
                            guet gentzlich widergeben werd, wie es ist verlihen, <pb
                n="417"/>
                            warlich nit von wegen eynicher schuld wirt mugen des entlehen
                            innegehalten werden. Wir mugen comodirn vnser gueter vnd auch fremde vns
                            beuolhen. Und die gueter alle sullen widergeben werden, als sie verlihen
                            sein wurden, ja warlich ob ein dieb oder rawber hot die klag comodati,
                            ob die gestolen oder verlarn gueter im gentzlich nit widergeben wurden.
                            Doch velt das in dreyen vellen, als ob der herre des guets mit dem
                            selben dieb oder rawber mit[lauf] oder ob der pretor in seinem gewalt
                            diebstal habend verbut oder das guet [verlihen] des, dem gelihen wirt,
                            were gewesen. Es [ist] drifeltige vnderschaid zwyschen dem mutuum vnd
                            comodatum. Zum ersten in dem mutuo wirt dasselb guet nit widergeben, <pb
                n="418"/> sunder eins dem gleich, aber in comodato ist es darwider.
                            Item im mutuo aus welchem vngeuerlichem vall zukomb [wirt] albeg
                            widergebung erfordert. Aber im comodato der aller grösest vleis zu
                            behalten werden das guet verlihen wirt gesehen, das nit durch gewalt
                            oder durch darkomung eines grösern valles [der] gueter entleheter
                            gesehen wirt nit zu halten, nur aus seiner schuld der vall komme. Item
                            im mutuo wirt verwendt die herrschaft des guets, im comodato nit. Es
                            sein aber vngeuerlich vell, als brunst, schiffbrechung, schacherey,
                            anderer veint vberlaufung vnd val. Aber es erstend aus dem handel
                            comodati eine gerehen vnd widerwertige klag. Die gerehen wirt gegeben
                            dem leyenden vnd seinen erben wider <pb
                n="419"/> den, welchem gelihen
                            ist vnd des selbigen erben; aber die widerwertige wirt gegeben widervmb.
                            Aber es kombt in die gerehen klag des geergerten gelihen guets
                            widergebung. Wan es wirt nit gesehen das [guet] wider gegeben, ob es
                            erger wider gegeben wirt vnd darvmb wirt gegeben das interesse. Ob aber
                            nit das guet wirt gegeben, den so geet er in den krieg wider den
                            vngehorsamen. Ob er aber nit vngehorsam ist gewesen, sunder die schuld
                            wrsacht, das ist veracht, wider zu geben das guet, den so sol geschatzt
                            werden das guet, wie vil es von der zeit der verharrung werd gewesen biß
                            zu der zeit des entlichen wrtails. Aber in dem gerichte gestrengs
                            rechtes wirt es geschatzt von zeit der verharrung biß zu der zeit des
                            besteten kriegs. Item es kumbt in die klag argelist vnd weyte schuld,
                            leychte vnd <pb
                n="420"/> die allerleychtigist vnd das, wen es von wegen
                            des entpfaenden wirt gelihen, das do oft beschicht. Ob aber von wegen
                            des gebenden beschicht, das selten beschicht, den nit. Des ein exempel,
                            wen einer entlehenet seiner braut gezierd, das sie dester gezierder zu
                            im gefurt werde, ob die nit widergeben werden, den so wirt gegeben
                            argelist vnd weyte schult; ob ich leych eynichem mein roß, das er das in
                            meinem handel reyte. Ob aber von wegen yedes das leyen beschicht, als
                            wen wir einem ... freund schicken vnd du host entpfangen die sorg des
                            guets, aber ich hab dir gelihen silbergeschirr vnd andre notturftige
                            ding, ob die werden verlorn, so bistu mir schuldig von dem argelist von
                            der weyten schuld vnd leychten, aber nit von der allerleychtisten. <pb
                n="421"/> Ein exempel von dem argelist, ob du, so deine gueter
                            vnuerletzt dir gelihen, host verlorn. Ein exempel von der weyten schuld,
                            als wen ich dir hab gelihen ein roß zu einem dorf vnd du host gefuert zu
                            einem streyte. Ein exempel von der leichten schuld, als die gelihen
                            gueter host in einer kisten verschlossen, aber den schlussel hostu
                            vngewislich von dir gelegt oder lassen ligen. In die sache ist kain
                            vngeuerlicher vall kommen, nur in vier vellen, als wo die schuld geet
                            vor dem val, als wen ich dir ein roß hab gelihen in ein statt vnd du
                            host es weyter geritten. Item aus der verharrung, als wen ich dir leye
                            ein roß auf ein tag vnd du behelst dos auf ein monet. <pb
                n="422"/> Item
                            aus der statt, als ich hab dir gelihen ein roß in das feld vnd du host
                            es geritten aus dem land. Item aus dem brauch, als ich hab dir gelihen
                            ein roß zw reyten vnd du host es gebraucht in dem pflueg oder in dem
                            wagen. Item aus geding, wan ich hab gedingt mit dir, das du ausserhalb
                            der statt nit reytest, das du gar nit host gehalten, darvmb wirstu mir
                            schuldig von dem schaden. Wan die hendel entpfaen die gesatzt aus der
                            veraynung. Aber die widerwertige klag wirt genen von dem, welchem
                            gelihen ist, wider den leyden das die ausgebung gescheen in gelihen
                            guet, doch klaine ausgebung, als die gebung der speis, zu dem gehört,
                            welcher zu brauchen hot entpfangen. Item das einer wissentlich hot
                            gelihen <pb n="423"/> schadhaftige oder zerbrochne oder zerstörte vas,
                            vmb die ist der wein vnd das öl erstort oder ausgerunnen. Oder darvmb,
                            wan er vnzeitlich widerrueft das gelihen, als ob du mir host gelihen ein
                            vas auf ein jar vnd host das widerruf auf ein monat.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.4">
            <head>Cap. IV. Von erlegtem guet.</head>

            <p> Von erlegtem guet soltu merken: was sei erlegts guet oder depositum vnd
                            wannen her es gnant werd, wie es gehandelt werd, in welchen guetern es
                            bestee, welche sei die natur des erlegten guets, wen das erlegt mag
                            widerbegert werden vnd wie sei sein klage, welchem geben wirt die klag,
                            wider welchen ... schuldig sei, aus welchen wrsachen der, wider den
                            erlegt ist, werde vervnleumbt. <pb
                n="424"/> Von dem ersten sag ich: das
                            erlegt guet ist, welches dem glauben eynichs zu behalten gegeben ist.
                            Wan es wirt gemacht verbindung aus dem erlegten guet. Doch erlegt inne
                            haltend ist albeg die besytzung vnd die eygenschaft. Aber das veelt in
                            zwayen vellen, das ist in stiller oder ausdruckter veraynigung.
                            Ausdrucklich wirt verwendt die herrschaft eines guets, als wen ich erleg
                            bey dir, was ist in der zal, im gewicht vnd in der maß vnd wirt mit dir
                            ains, das du mir eintweders dasselbig widergebest oder souil in dem
                            selbigen geschlecht. Stilliklich wirt verwendt die herrschaft eines
                            guets, als wen ich gueter erleg bey dir nit beschlossen vnd nit
                            verzaychnet, wan den so wurd ich gesehen die also bey <pb
                n="425"/> dir
                            erlegt haben gehebt, das du die mügest brauchen vnd souil mir in dem
                            geschlecht widergeben. Aber es wirt gnent depositum quasi seorsum de
                            positum oder von dem rucken gelegt von dem wort deponendo, das erzaigt
                            werd das gantz erlegt beuolhen dem glauben zu behalten, das bey im
                            erlegt ist. Das erlegt ist in bewglichen guetern, welche in zal, gewicht
                            vnd maß besteend. Vnd in guetern sich bewegenden, als in tiern. Wan
                            zufelliklich ist es begriffen in vnbeweglichen guetern, wen erlegt wirt
                            ein vnbeweglich guet, als wen ein guet in ein sequester gelegt werd, das
                            ist besundert werd, (wen zwen tayl darvmb rechten vnd ein wrtayl darvmb
                            ist gangen fuer ein tail) vnd wirt gelegt in die hende des richters. <pb
                n="426"/> Auch ist gewonlich das erlegt guet durch hantgeschrift
                            geschehen, wan wen das ist nun in [ab]gewonhait kommen. Aber die natur
                            des erlegten guets ist, das albeg das erlegt guet widergeben werd dem
                            erlegenden. Das vehelt in vier vellen. Zum ersten wen einer ein schwert
                            offenlich erlegt vnd tobsuchtiglich wider begert. Zum andern so der
                            erlegend ist gesand in das elend. Zum dritten wen der dieb erlegt vnd
                            widerbegert vnd die begerung des rechten herren mit der begerung des
                            diebs mitlauft. Das vierd wen ein dieb verstolen guet bey dem erlegt,
                            welches das vor ist gewesen. Das erlegt gut mag widerbegert vnd
                            widergenommen werden, wen der erlegend wil, auch ob mit gegebner treu
                            der erlegend <pb
                n="427"/> het gehaysen gehebt nit wellen widerbegern
                            inner einem jar, wan der wil des menschen ist wandelbar. In
                            widerbegerung eines erlegten guets haben nit statt wider vergleichung
                            noch abzygung, ja auch nit durch kostung auch nit vmb schuld sol das
                            erlegt innen gehalten werden. Die klag des erlegten ist guts glaubens
                            vnd wol beleumbt so vil, als ob etwas vngleichs geschech in erlegtem
                            guet, der hinder den erlegt wirt, ja auch sein erben in seinem namen
                            verwrtailt werden vervnleumbt. Die klag wirt geben dem, welcher erlegt,
                            aber das vehelt in vier vellen obgemelt. Die klag wirt gegeben einem
                            jedlichen erlegenden, auch einem dieb oder einem rauber nicht
                            verhindrend sein missetat, wan es klagen die aus einem handel, aber von
                            wegen einer diebstal oder raubes mügen <pb
                n="428"/> sie nit klagen, das
                            einer nit aus seiner vnfromkayt gewynne ein klag. Es wirt gegeben die
                            klag wider welchen erlegt ist oder seinen erben von bosemlist des
                            gestorben. Und du solt merken, das in die klag kumbt argerlist, ein
                            weyte schult vnd die allerleychtest. Argerlist wirt verwent, als ob
                            deine gueter vnverserlich sein bliben, hostu verlorn das erlegt guet.
                            Die weyt schult wirt verwent, als ob dein guet du in einem schrein host
                            gelegt aber die erlegten auf einer bank host lassen ligen. Die leycht
                            schuld ist, wen das erlegt guet du in ein kasten host gelegt, aber den
                            schlussel vngeuerlich host lassen ligen. <pb
                n="429"/> Die
                            allerleychtest schuld ist, wen du das erlegt guet in einem kasten host
                            geschlossen, aber den kasten host offen gelassen. Item es kumbt in die
                            klag, ob du etwas vmb die behuetung host genommen. Ob du dich von dem
                            erlegten guet host begeben gehebt. Item es kumbt in die klag aler
                            geuerlicher val in geding, verharrung, schuld, brauch vnd statt
                            vorgeenden. In geding, wan der handel aus veraynung hot entpfangen sein
                            gesatz. Aus der schuld, als wen der, hinder den gelegt ist, hot das
                            erlegt guet verendert vnd darnach das widervmb gekauft vnd in erlegten
                            das wider gehabt hot, wie wol den das laster der verendrung durch die
                            widerkaufung abgewyscht wirt, doch der vngeuerlich val, ob der
                            geschicht, nit aufgehebt wirt. Darvmb welcher <pb
                n="430"/> eins boeß,
                            der wirt albeg boeß verwendt. Aus der verharrung, als wen der, hinder
                            den erlegt ist, nit hot widergeben ... das erlegt guet ... ers schuldig
                            ist von dem [vn]vall. Doch sprechen etlich, das war zu sein, ob das guet
                            sunst nit wer verdurben gewesen wurden, sunst ist es ein anders. Die
                            andern sprechen, dem vnder dem erlegt ist vnd einen jedlichen schulder
                            schuldig sein aus verharrung, wan es genug ist, das das guet nit hot
                            mügen verderben bey dem klager. Item der behalter des guets, ob von
                            seinen wegen ist das guet erlegt wurden, so ist er schuldig von dem
                            vnvall. Aus dem brauch wirt einer schuldig, als wen ich dir gelihen hab
                            ein roß zu einem dorf zu reyten vnd du host es gefuert die ecker zw
                            bawen in dein pflüege. <pb n="431"/> Aus der statt ist einer schuldig,
                            als ich hab dir gelihen das ein erlegts guet in einer statt zw brauchen
                            vnd du bist vergezogen vnd host mancherlay guet aus der feind anlauf
                            verlorn. Und merk das der verwrtailt aus der klag wirt vervnleumbt
                            gemacht. Wan vier klagen aus handel herkommend vnd vier aus missetat
                            vervnleumen. Aus den handel, als die verwrtailten des eins erlegten,
                            eins gewalts, einer pfleg vnd fuer ein gesellen. Aus den missetaten, als
                            der vnrechten, aus vnrechtem gewalt der rauber der gueter, einer
                            diebstal vnd arges lists. Unde Versus:<lb/> Judice dampnatos infames
                            reddit ubique <lb/> Quod vi diripitur injuria furti dolique <lb/> Accio
                            mandati, tutele depositique <lb/> Directo, sed pro socio communis utrique.<lb/>
              <pb n="432"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.5">
            <head>Cap. V. Von dem gelter vnd gelihnen oder geltschuld.</head>

            <p> Von dem gelihnen: was sei gelihens (oder geltschuld, gnant creditum, was
                            es sei vnd) von wannen es gnant werde, wievil sein gestalt, warvmb es
                            gehandelt werde oder wie, warzu der gelter schuldig sei, von weswegen es
                            gelihen sey. Von dem ersten ist zu wissen, das alles gelihen gelt ist
                            ein guet, welches einer dem andern leyhet. Und wirt gnant von dem wort
                            credo, das ist getrau oder glaub. Aber zuo gestalt sein des gelihen, als
                            on pfand vnd mit pfand. Der leyher, welcher entpfangen hot ein pfand,
                            der wirt widervmb verbunden. Der leyher ist schuldig von dem selbigen
                            guet, welches er zu <pb
                n="433"/> pfand hot genommen, wider gegeben zw
                            werden aus pfendlicher klag; wirt verwandelt aber die on willen des
                            schuldners oder sie aus seiner schuld wirt verlirn, nach schetzung des
                            schuldner wirt im bezalen. Wan aber das pfand von ir jedes wegen gegeben
                            wirt, als des schuldners, des merern halb im gelt wer gelihen wurden vnd
                            auch des leyhers, das dester mer sicher weren die gelihen gueter
                            desselbigen, darvmb so mag genugsam sein, das zu derselbigen behaltung
                            des verpfendt guet der leyher seinen hochsten vleis beweyse. Welchen
                            wirt er beweysen vnd treulichen geben vnd wirt aus einem vngeuerlichen
                            vall das guet verliren vnd ob er das wirt weysen, sagen in sicher von
                            widergebung des verpfendten guts zw sein vnd <pb n="434"/> nichsts
                            dester mynder wirt er mugen sein schuld von dem schulder gentzlich
                            erfordern. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.6">
            <head>Cap. VI. Von den pfanden.</head>

            <p> Wan aber meldung geschehen ist in verbindung des gelihen von einem
                            pfand, darvmb ist zu sehen von dem pfanden, bey dem soltu merken: was
                            sei ein pfand, wannen es gnent werde, wie eins pfands verbindung (oder
                            versetzung) gemacht werde vnd wie vilfeltig sei ein pfand, welches guet
                            müge verpfendt werden vnd welches nit, warzu gegeben werd das pfand,
                            warzu der entpfaer des pfands schuldig sei, wie lang das pfand behalten
                            sol werden. Von dem ersten das pfand ist ein verbunden guet für ein
                            schuld zw sicherhayt des leyhers. Es wirt aber gnant ein pfand <pb
                n="435"/> ein beweglich guet einem andern verbunden, als mit pfand
                            vnd mund eingeben. Das pfand wirt gemacht zwayerlay maß, als
                            ausgedrucklich vnd stilliklich. Stilliklich, als die gueter des eemans
                            sein seinem weyb vmb das hewretguet stilliklich verbunden. Und die
                            gueter eines pflegers sein dem waysen gleicherweys stilliklich
                            verbunden. Und die gueter eins bestellers eins haus eingefuert vnd
                            eingetragen sein stilliklich vmb die zyns verbunden vnd seine gueter,
                            welche[r] mit dem fisco gehandelt, wirt sein dem fisco stilliklich
                            verbunden vnd die gueter des nit beruften khnechtes im rechten. Aber das
                            pfand wirt gemacht gemayniklich vnd besunderlich. Gemayniklich, als wen
                            ainer alle seine gueter zw pfand versetzt, <pb
                n="436"/> in welchem vall
                            werden verstanden die gehabten vnd kunftiglich gehabte gueter.
                            Besunderlichen, als wen versetzt wirt ein acker, ein weingart, ein roß,
                            ein rock, ein mantel et cetera. Aber drifeltig ist ein pfand, eins ist
                            gedinglich oder fuernemlich im rechten, das ander pretoris, das ditt
                            gerichtlich. Das gedinglich pfand ist, welchs aus dem geschicht hot
                            entpfangen den namen. Das pretorisch pfand wirt gesetzt durch setzung in
                            besytzung. Das gerichtlich pfand ist, welchs durch das ortel des
                            richters behabt wirt. Es mugen zw pfand werden alle gueter, welche
                            verkauft mugen werden. Wen es mugen verbunden werden alle gueter, <pb
                n="437"/> gegenwurtige vnd kunftige vnd die hangenden frücht, die
                            geburden der leybeygen diernen vnd die frucht der (schwein oder) tiere
                            vnd alle die, welche geborn werden vnd die leybliche vnd vnleybliche
                            gueter, die personlichen dienstbarkayten, die dienstbarkayten von
                            ligenden guetern, die fruchtbreuch vnd die bawernliche dienstbarkait.
                            Aber die recht der ligenden zymmerlichen gueter mugen nit verpfend
                            werden darvmb, das nit mit verkerung des brauchs der brauchenden die
                            zymmer erstört werden. Es mügen nit verpfend werden die hayligen gueter
                            (oder die geweichten), ein freyer mensch, nur in obgenanten vellen. Doch
                            ein freyer verwilligender mag gesetzt werden in obstagio, gnant zy
                            geysel, nit vmb gelt. sunder von gemachs wegen des frids vnd dergleichen
                            wrsach. <pb
                n="438"/> Der geber eines pfands ist schuldig zw bezalen die
                            schuld, auch ob das pfand vertirbt on schuld.., nur es sei gedingt, das
                            die verlirung des pfands erlöse den schuldner. Der schuldner ist
                            schuldig zw bezalen die kostung im pfand von dem gelter mit guetem
                            glauben geschehen als die hauptschuld, nur sie weren vnmeslich. Sunder
                            das verpfendt guet einem andern nit sol verpfendt werden, anders er mag
                            verklagt werden aus der missetat stellionatus, (verstee ein vbergrosse
                            missetat wirt mugen verklagt werden), nur es sei ein sulchs guet, welchs
                            ir jedem genug ist. Ein schuldner, der wissend ist, das guet fremd zu
                            sein vnd hot on des selbigen herren willen versetzt dasselbige oder das
                            versetzt guet durch sich selbs verbunden hot <pb
                n="439"/> verzert, ist
                            vnderwurfen der missetat stellionatus. Aber der gelter, so die gantze
                            schuld bezalt ist, wirt er schuldig das pfand wider zu geben. Ich hab
                            gesprochen gentzlich, wan fuer ein tayl der schuld wirt bleyben das
                            gantze pfand dem gelter vnd ist schuldig widerzugeben das pfand nit
                            anderswo verpfendt auch nit geergert. Item vnderweylen wirt gangen von
                            einem handel des pfands zu dem handel des kaufs vnd das ist gentzlich
                            wuechrich, als wen der gelter sagt dem schuldner, ob du nit wirst
                            erlosen das pfand an einem sulchen oder sulchen tag, den so sol es sein
                            als mein erkauft guet. Wan es wirt verwent ein vnzymlicher handel ein
                            jedlicher, in welchem die peen zugeworfen wirt, welche die rechte maß
                            der wuchere vbergeet. Als also: ich verbind mich dir mein <pb
                n="440"/>
                            haus vmb zehen lb., welches wert ist zwanzig lb., mit sulchem geding, ob
                            ich das nit wider erlöse an sulchen tage, das es dein sey. Darvmb ist
                            das pfand zwyfeltig, als beweglich vnd vnbeweglich. Das beweglich ist
                            auch zwyfach, wan etlichs ist sich selbs bewegent, als alle essende
                            tier, welche behalten werden zu einem pfand bis in den dritten tag
                            völliglich. Aber das pfand sich selbs nit bewegent, sunder von einem
                            andern wirt bewegt, als wein, öl, getrayd et cetera, das sol vierzehen
                            tage behalten werden in pfand. Aber das vnbeweglich pfand sol sechs
                            wochen behalten werden, darnach mit guetem gewissen verkauft werden. <pb
                n="441"/> Also sullen die pfand nit andern verbunden werden noch
                            vbergeben, sunder verkauft werden. Vnd darvmb, wan ob in der verkaufung
                            etwas bleibt vber das haubtguet, das sol geben werden dem, welches das
                            guet ist gewesen. Ob aber mangeln wirt, den so sol der gelter klagen zu
                            erfullung, [wan] also ist ausgenommen, sunst nit, wan ob einer ein boß
                            pfand von einem nymbt, so wirt der schad sein vnd wirt nit klagen zu der
                            erfullung. Und merk ob einer ein pfand williglich gibt oder bezwungen in
                            gericht, so sol noch albegen vor des verkaufung im durch den diener des
                            richters verkundt werden, ob ers wil widerlösen oder nit; ob er den nit
                            wil widererlösen, den so wirt es gerechtiglich vnd zymlich verkauft. <pb n="442"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.7">
            <head>Cap. VII. Von den gehaysen.</head>

            <p> Wie wirt die verhaysung gemacht, wie vil klagen aus ir entspringen, in
                            wie vil massen geschech ein verhaysung, von zwayen oder von mer
                            verhaysungen, wie vil sein gestalt der verheysung oder der gelubd
                            annemen, welche gueter mugen angelubd werden, von den vnnutzlichen (oder
                            vnzymlichen) gelubdannemungen, warvmb sein gelubdannemungen, das ist
                            verhaysen erfunden vnd wan die verbindung wirt gehandelt in vil massen,
                            als in verhaysung, verborgung, geding vnd zulegung, vnd von denen allen
                            ist zu sehen in den nachgeenden handeln. Mit worten wirt gemacht ein
                            verbindung aus vorgeender frag vnd nachgeender antwort, als wen <pb
                n="443"/> wir etwas gegeben oder geschehen vns annemen also
                            sprechende: Du verhayscht mir durch dein treu zugeben zehen guld, vnd
                            der ander spricht: ich verhayß durch mein trew; da wirt bald ein
                            verbindung. Aus der verhaysung entspringen (zwo verhaysungen, verstee)
                            zwo klagen, eine condicio certi, ob es gewysse ding innenhelt (oder
                            bestymbt), die ander condicio incerti, ob sie zweyfel innenhelt. Aber in
                            dreyen massen geschicht verhaysung: entweders lauterlich oder auf einen
                            tag oder mit einer vnderschaid. Lauter oder schlechtlich geschicht sie,
                            gleicherweyß: du gelobst mir zu geben funf guld, vnd der spricht: ich
                            verhayß ... <pb
                n="444"/> $... so wirt das bald ein schuld, aber es mag
                            nit begert werden, eemal der gantze tag der verhaysung vergeet. Doch
                            vehelt das, ob der schuldner ist fluchtig oder seine guter vnzymliche
                            verzert oder verschuld die statt vnd ob geöffnet werden seine gueter.
                            Wan den alsbald mag er begern vnd bezeugen vnd verbiten. Dasselb ist, ob
                            er stirbt kainen erben verlassen. Aber wie, ob etliche andern vorige
                            schuldner begeren dir schulden in gericht? Ich sprech, welcher der erst
                            ist [im] verbot, der ist der eher in bezalung. Aber wider das ist gemain
                            regel: Welcher der eher ist in der zeit, der ist der eher im rechten.
                                <pb
                n="445"/> [Wir] antwurten, das das wirt gegeben der gewonhait
                            der land. Aber es ist gewonhait den Venedigern, das das gantz guet des
                            schuldners wirt getailt vnder die gelter einem yedem nach seinem tail im
                            geburend, das nit einer sein gantze schuld gewint vnd der ander nichst
                            hab. Vnd ist eine guete gewonhayt. Es beschicht verhaysung mit
                            vnderschaid oder gelubdannemung, gleicherweys: wan ob der wirt richter
                            oder ratgebe, den so gelobstu mir zu geben zehen guld, vnd der spricht:
                            ich glaube. Ob die vnderschaid wirt besteen, so wirt im schuldig der
                            gehays, ob nit, den nit. Aus der vnderschidlichen gelubdannemung allein
                            ist hoffnung der schuld. Ob aber ein anders beschehen were, so wirt
                            vernichtiget die hoffnung. <pb
                n="446"/> Auch (saltu merken) in
                            verhaysungen sey wir gewont ... einverleubd werden, gleicherweis: du
                            verhaist mir zehen guld zu Rom zu geben? Und nit allein mag das guet
                            verhaysen werden, sunder auch das geschicht, gleicherweis: du verhayst
                            mir das zu machen? (vnd der andern spricht:) ich verhays. Wen aber zwen
                            oder mer einem verheysend miteinander vnd nit jedlicher durch sich selbs
                            vmb einich guet, den so werden alle sametlich schuldich vnd der
                            gehayßannemer mag die schuld von allen oder von der einem oder von
                            jedlichem welchem er will begere[n]. Und welcher der die schuld bezalte,
                            werden die ander alle ledig, es ... nichst distermynder der bezalend die
                            klag wider die, welche nit bezalt haben, vmb die tail sie beruerende.
                                <pb
                n="447"/> Das ist ware nach dem alten rechten. Aber newe recht
                            das will, das der gelter sol das gehays von allen begeren, ob sie
                            gegenwurtig sein oder ob sie leben. Und so einer, der nit sit genugsam
                            zu bezalen, so werden die vbrigen bezalen, ob einer were, so wirt er das
                            alles bezalen. Wen aber einer vilen schuldig oder verbunden ist, so wirt
                            er sametlich in allen schuldig, den so mag ein jedlicher das gantz
                            begern. Wen aber der selbigen einen von wissen der andern bezalte, so
                            wirt er von in allen erledigt. Ob aber einer verbunden wirt vilen
                            sunderlich vnd sagte einem jedlichen: ich verhays ewer zu geben oder
                            bezalen, das wirt nit ein verbindung, ja warlich ein andre vnd ein
                            andre, wan zum ersten einem, darnach einem andern. <pb
                n="448"/> Wan
                            dreu sein gestalt vnd taylen der verhaysungen, als ein gerichtliche, ein
                            pretorische vnd ein gedingliche (oder veraynliche). Die gerichtliche
                            ist, welche durch wrtail eines richters gewrtailt wirt, gleicherweis ein
                            benüegung vom arglist, ein sicherhait von den fluchtigen khnechte nach
                            zu komen oder von dem gelt, das wert widerzugeben. Die pretorische
                            verhaysung fleust allein aus dem lautem ambt des pretorisch, gleichweis
                            des gedreuten schadens (vnd noch nit geschehen, verstee die klag damni
                            infecti) oder gescheft oder der klag edilicie oder die klag rem salvam
                            facere pupillo, (verstee das guet behalten machen dem waysen). Die
                            gedinglich ist, welche aus veraynung yedes tails wirt begriffen, welcher
                            sein sovil geschlechte, <pb
                n="449"/> wievil sein gueter, von welchen
                            mag gehandelt werden. Alle gueter, welche der herschaft der menschen
                            vnderwurfen sein, mugen verhayssen werden, sie sein beweglich oder
                            vnbeweglich, gegenwurtige oder kunftige. Vil sein vnnutzliche
                            gelubdannemen aus dem, das vil sein gueter, welche in gelubdannemung vnd
                            verhaysung nit komen mugen. Gleicherweis die gueter, welche in natur der
                            gueter nit sein, als ein gestorbener mensch vnd welcher in natur der
                            gueter nit ist gewesen, als hippocenthaurus vnd ein ding, das in der
                            natur der gueter nit wirt, als chimera. Sunder nit wider sun noch mon
                            kommen in verhayssung, wan es vnmuglich ist sun vnd mon vns vnderworfen
                            werden. Item ein <pb
                n="450"/> heyligs guet, ein gaystliches guet, ein
                            offens guet vnd ein guet, welches gewerb nit ist, vnd ein freyer mensch
                            mugen nit verhayssen werden nach schickung der menschen. Ein stum, ein
                            vngehorender mugen nit in gelubd angenommen werden, wan in der
                            gelubdannemung wirt erfordert frag vnd antwurt, welche die nit mugen
                            thuen. Auch der tobich mag nit verhayssen, wan er mag kain gewerb tragen
                            darvmb, das er nit verstat, was er wirkt. Auch nit der wayß on seins
                            pflegers gewaltsamkait, nur vmb die sunden des vaters oder einer gemain.
                            Zwyschen den abwesenden aber die verbindung der wort mag nit geschehen,
                            wen da wirt erfordert die rede. Auch die verbindung mag nit gemacht
                            werden von vnmuglicher vnderschaid wegen, als ob ich den <pb
                n="451"/>
                            hymel wirt anruren, so verhayß ich dir zu geben. Item die verbindung ist
                            vnnutzlich, welche aus schnöder wrsach kumbt, als ob ich verhayß wellen
                            thuen ein todschlag oder ein diebstal. Wen es stat geschriben: in
                            schnoden gelubden soltu verwandlen die erkantnus vnd in schnoder
                            verhaysung erbrich die trew. Es ist ein vnnutzlich gelubdannemen, ob
                            einer den andern etwas geben oder gethan werden verhayst. Es ist ein
                            vnnutze verhaysung, welche geschicht durch forcht oder bosen list. Es
                            ist ein vnnutzliche gelubdannemung, ob einer zu dingen, zu welchen er
                            gefragt ist, nit antwurt oder ob du gelubd annymbst auf einen kunftigen
                            tag vnd der antwurt von gegenwurtiger zeit. Die gelubdannemung ist
                            vnnutzlich, ob du von dem gelubd annymbst, <pb n="452"/> welcher deinen
                            rechten vnderwurfen oder herwidervmb als ein leybeygner khnecht oder ein
                            haussun, wan dein weib vnd dein sun werden verstanden die selben zu
                            sein. Nyemand ... gelubdannemen im selb nach seinem tode etwas oder
                            herwidervmb. Die gelubdannemungen sein erfunden darzu, das ein jedlicher
                            im gewyn, das im zu gehort. Und du solt merken ob einer genot wil sein
                            von einem gehayß ein peen, der sol dorzu setzen ein zeit derzwyschen,
                            wie also: du verhayst, nu du mir das geben werdest oder thuen, das du
                            verhayst, wirstu geben dem richter souil oder souil oder zwier
                            souil?</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.8">
            <head>Cap. VIII. Von den bürgen.</head>
            <p> Von den borgen, [wan] dem gehayser oder dem schuldner <pb
                n="453"/> wirt
                            nit getrawt, darvmb mus es sein, das er setzt borgen, darvmb ist zu
                            sagen von den burgen. Und zum ersten was sei ein borge, welcher müg
                            borge werden, fuer welchen er mug genommen werden, warzu er schuldig sei
                            der borgschaft vnd zu wem der, welchem er borg ist wurden, ob die
                            borgschaft gee auf die erben. Von dem ersten, der borge ist der, welcher
                            eins andern verbindung auf sein glauben aufnymbt. Hie soltu merken
                            wiewol der borge, der gebieter vnd der setzer nahet eins vnd dasselb
                            sein, doch sein sie vnderschidlich aus wrsach, wan der borge ist,
                            welcher durch verhaysung verbunden wirt, so der nichst destermynder
                            verbunden bleyben ist. Aber der gebieter (oder beuelher), welcher gebeut
                            dem gelter, das <pb
                n="454"/> etwas ley auf in. Der setzer ist, welcher
                            sich schuldman fuer einen andern setzt. Und nach dem entspringen dreu
                            klag: eine ist aus borgschaft, die ander aus beuelich, die ander aus dem
                            gesetz. Es mugen borgen werden alle die, welche sich verbunden werden
                            mugen mit guetern, worten, briefen, ausgenommen die ritter, priester vnd
                            weyber, doch welche, ob sie borge werden, werden verbunden. Die
                            gaystlichen ordensleut mugen nit borg werden on gewalt irs abts, ein
                            korherr . Mag genommen werden ein burg fuer einen jedlichen menschen,
                            fuer einen waysen, vnnutzlichen guet verzerer, ein tobingen, auch feur
                            den, welcher durch sich selbs burge werden nit mag, als ein ways vnd
                            vnnutzlich guet verzerer. Und wiewol die weder naturlich noch <pb
                n="455"/> burgerlich werden verbunden, doch ire borgen werden
                            schuldig kreftiglich. Es irt auch nit, das gesagt wirt, den borgen nit
                            muge vmb mer verbunden werden, dan der selbsacher sei verbunden. Wrsach,
                            wan die borgschaftlich verbindung vnd die zulauflich jetzen nichst merer
                            sol sein in der zulauflichen dan in der haubtsachlichen. Aber du salt
                            merken das wort mer, das wirt in vierlay maß genommen, im guet, wrsach,
                            zeit vnd statt. Und welcher das thuet, velt von der sachen, als offen
                            ist oben im titel de plus petendo. Der ways on gewalt der pfleger ist
                            schuldig von dem ere, das ist von den schulden seines vaters. Und ist
                            schuldig, ob er schaden hot gethan wider das gemain guet, von den zwayen
                            dingen allein wurd ir borge <pb
                n="456"/> schuldig, nit von den andern,
                            wan der borge in einer hertern sache mag nit merer verbunden werden, dan
                            der haupsacher. Es ist aber zewissen das bey den alten hot der gelter
                            gewalt zu klagen wider welchen er wil, es sey wider den haupsacher oder
                            den borgen. Aber heut nit verzymbt zu hayschen von dem borgen, dieweil
                            der antwurter gegenwertig vnd gnugsam ist in bezalen garer oder eins
                            tails. Und ob der antwurter abwesend sein wurd, so wurd gegeben ein
                            bestymbte zeit als vierzehen tage, inner welchen mag der borg den
                            antwurter herbrengen zu im bald zu beklagen dem selben borgen zu hilf.
                            Und ob merer borgen werden, den so wirt i[r] jedlicher schuldig
                            sametlich, nur der klager williglichen <pb
                n="457"/> taile seine klage
                            klagend wider einen jedlichen vmb ein tail, ein anders ob er erwelt
                            einen aus vilen, klagen wider in sametlich vnd nit haysche von den
                            andern. Das ist [wider] ein new recht, welches spricht, das die klage
                            sei zu tailen zwyschen i[n] darvmb, das sie alle sametlich schuldig
                            sein, nur es sei dem rechten aus geding verzigen, welcher klag zu
                            gesteen. Ob aber einer ausdrucklich klagt von dem haubtguet, dan so wirt
                            der borge von den wuchern nit gesehen verbunden zu werden, wan in merer
                            grosse dan klagt ist, sol er nit verbunden werden. Und merk ob der borg
                            sich verbindt schlechtiglich zu allen dingen, welche der antwurter
                            schuldig ist, verstee den haubtsacher, vnd den verzymbt von den wuchern
                            als er von den schulden <pb
                n="458"/> schuldig ist, sintemal im geburt
                            die einrede von den wuchern nit zu bezalen nach gaystlichen rechten. Und
                            welche einreden die haubtsacher geburen, geburen auch dem borgen. Und
                            merk das der borge in vier vellen mag klagen wider den haubtsechlichen
                            schulder: Zum ersten ob er lange gestanden ist in der verbindung. Zum
                            andern ob der antwurter ist ein vnnutzer verzerer seiner gueter. Zum
                            dritten ob der borge veru[r]tailt ist dem gelter. Zum vierden ob das
                            (geklagt oder) gedingt ist vom anfang, als das er in erledige von der
                            borgschaft, wen er nit wil mer steen in der borgschaft. Aber der
                            antwurter mag nit klagen wider den borgen, nur im werde gegeben die klag
                            von dem gelter. Die vbergebung ist zu thuen vor der bezalung, wan
                            darnach mag nit vbergeben werden. <pb n="459"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.9">
            <head>Cap. IX. Von den gedingen.</head>

            <p> Von den gedingen oder pactis ist zum ersten zu sehen, was do sei pactum
                            oder geding, von wannen es genent werde, von tailung der geding, welchen
                            das geding nutz sei, wen die peen in den gedingen begangen, das ist
                            eingefallen wirt, von den gestalten der gedinge, von der vnderschaid
                            zwyschen pactum vnd promissionem, (verstee geding vnd verhayschungen).
                            Von dem ersten pactum als das geding ist ein wille zwayer oder merer in
                            eins vnd das selb einem von dem andern der fridenden zu geben etwas oder
                            zu thuen. Und merk fleyslich alle wort besunder der auslegung. Wan ich
                            hab gesagt das geding ist ein wille, wen aus dem willen <pb
                n="460"/>
                            wirt es verbracht, als in kaufung vnd verkaufung vnd das wirt gesagt zu
                            vnderschaid der glubdannemung, in welcher nit allein der wille sunder
                            auch die wort notturftig sein, wan es hot zu geschehen durch frag vnd
                            antwurten. Wan es ist not, das in einem geding sein zwen oder mer die
                            verwilligen in dasselb zu geben oder zu thuen. Und ich sprich in dasselb
                            vnd nit in demselben, wan ob ich vnd du verwilligen, das Socrates sein
                            ein stain, das ist nit ein geding, wan solcher wille nit verbindt einen
                            dem andern vnd ist nit zu geben noch zu thuen. Ich hab auch gesprochen
                            dem andern von dem andern, wan ob wir verwilligen, das eur einer geb dem
                            Ticio vnd Ticius geb eur einem, ist nit geding, sintemal <pb
                n="461"/>
                            dem andern nit annemen vnd dingen nyemant mag vnd darvmb, das eynicher
                            nit verbunden wirt nach regel des andern handel gelobend. Auch wirt
                            genent pactum von dem wort paccione, das ist von machung des frids oder
                            von dem frid vnd von dem werk (verstee zu latein a pace et actu). Wan
                            welche veraint werden aus mancherlay vnd widerwertigen der lieb bewegung
                            nach vil vnd mancherlay kriegen mithellend in einem syn werden gefurt
                            vnd werden gesagt fuer einen. Oder pactum wirt gnant a palmarum, das
                            [ist] zusammenschlaung der hende, wan die verwilligen vnd friden gegen
                            ander sein sie gewan zusammenfuegen aus sitten der alten ire hende,
                            welche so sie sich (vereinten oder) verbanden, die span der hend
                            einander gaben zum zaychen (des <pb n="462"/> frids oder des) verhaysen
                            glaubens nit zerbrochen sold werden. Auch ist das wort pactum ein
                            gemainer nam zu allen dingen, die gehandelt werden aus wrsach einer
                            verbindung zu machen vnd zu leyden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.10">
            <head>Cap. X. Die tailung der gedingen.</head>

            <p> Der gedingen sein vil tailungen, von welchen ich die wirt beruren. Der
                            gedingen sein etliche nutzlich, die andern vnnutzlich. Die nutzlichen
                            pacta sein geding, welche von wegen der personen oder gueter nach
                            ordnung des rechtes geschehen, das ist das die personen, welche geding
                            machen, sein sulche, das sie sich verbinden mugen. Und das guet albeg
                            verhanden sei, ee das geschicht das geding, sei sulchs, <pb
                n="463"/>
                            das nit sei verboten von recht verendert zu werden. Und das in
                            verbindung gehalden werde ordnung des rechtes, als oben gesagt ist von
                            den personen, guetern vnd verbindungen. Aber die vnnutzlichen geding
                            sein die, welche sein wider die gesatz, wider die constituciones vnd
                            wider die edict (oder verkundung) der pretor (zu rom) vnd zu vervntreu.
                            Ich hab gesagt wider die gesatz geding zu geschehen, wen ein ligend guet
                            ein zu jungen kind verendert wirt on erkantnus des richters oder wen
                            verendert wirt ein heuretguetlicher grunt. Wider die constituciones
                            geschicht, wen der redner dingt mit dem, dem er das wort thuet, von
                            einem tail des kriegs gehabt werden fuer sein lon. Wider das edict des
                            pretors geschicht, als oft geschicht ein <pb
                n="464"/> geding, das einem
                            verzymbt diebstal zu thuen on peen. Zu vervntreuen (oder gevar)
                            geschicht ein geding in mancherlay massen. Wan es geschicht gevar von
                            einer person zu der andern oder von ainem guet zu anderm guet oder von
                            einem handel zu dem andern handel oder von dem handel zu dem selben
                            handel, von dem namen zu dem namen, von einem geschicht zu einem
                            geschicht. Von einer person zu der andern geschicht geverd, als ich
                            pfleger oder gerhaber, wan ich verboten etwas zw kaufen von den guetern
                            meins beuolhen waysen, dasselb kauf ich nit durch mich, sunder durch ein
                            zwyschengesetzte person, als durch mein weib oder mein sun oder durch
                            einen frembden, doch in meinem namen. Von einem guet zu dem andern <pb
                n="465"/> geschicht gevar, also sintemal verboten ist zu leyhen gelt
                            meinen sunlen, ich leych nit gelt, aber ein guet gib ich im, das er das
                            verkauf vnd brauch das gelt. Aber von einem handel zu einem handel
                            beschicht geverd, also man vnd weib, dieweil die ee werend ist, sein
                            verboten einander zu vbergeben. Darvmb vbergeben sie nit, sunder aus
                            wrsach einer vbergebung verkaufen sie. Von einem handel zw dem selben
                            handel geschicht gewerd, als wen ich sulte leyen dem Titio vnd das weib
                            wolt burge werden fuer in, ich herwidervmb, das das weib nit wurd
                            beschutz auf der hulf Vellegionum consulto, ich leych gelt einer frawen
                            vnd ich nym den Titium zu einem burgen. Von dem namen zum namen
                            geschicht gevard, als ob einer <pb
                n="466"/> verboten würd zu sein ein
                            potestat eins lands, er macht sich erwelt zu werden zu einem beschutzer
                            oder zu einem gewalthaber des lands, welchs dasselb ist, doch so der nam
                            verwandelt ist. Von geschicht zu geschicht ... vntreu, als ich hab
                            verkauft dir mein leybaygne diern in dem gedinge, das du sie nit setzest
                            in das gemain frauenhaus zu machen ein gewin ires leybes, aber doch
                            hostu sie nit gesetzt in das frawenhaus, aber in ein gasthaus, das sie
                            da diente, das selb ist der wirkung halben. Und nit allein in den
                            vorgemelten massen sunder auch mit andern vilen heymlichen
                            vervntreuungen geschehen geding vnd werden gemacht vnnutzlich. Wan ob
                            geding ist zwyschen dem gelter vnd dem schuldner, das <pb
                n="467"/> den
                            schuldner verzymbt das pfand zu verkaufen, das taug nit. Und ist es
                            wrsach, das nit der schuldner berueft werde ze sunden, das ist zu
                            verlaugen die zalung. Das geding, in welchem einer gemayniklich an sich
                            nymbt die zweyfelhaftigen velle, taug nit. Das ist aber ein wrsach, das
                            einer nit gemayniklich vnd mit verdeckten worten .., das er besunderlich
                            nit wurde nemen. Merer das geding von dem heuretguet an weytern tag zu
                            widergeben taug nit. Und ist des ein wrsach, wan das schedlich ist dem
                            heuretguet vnd gemaynem nutz. Das geding beschehen, das nit der eeman
                            verwrtailt werde seinem eeweib vber das, das er nit thuen mocht, taug
                            nit. Ist wrsach, wan es ist wider guete sitten. Das geding beschehen
                            zwyschen den rittern vnd iren widersachern, das <pb n="468"/> der ritter
                            müge sein procurator, taug nit aus der wrsach, wan es were widerwertig
                            offner nutzbarkayt darvmb, wen vnser ritter sullen wissen die waffen vnd
                            nit die gesatz von recht. Das geding, mit welchem nachgelassen wirt der
                            ausgedruckt gerichtsayd (genant calumnie juramentum), taug nit, wan es
                            der offnen gerechtikayt zugehör ist, das die krieg on allen argwan
                            fuersich geen. Das geding gemacht, das nit verhindert (oder geirrt)
                            sulchs geding widerrueft mug werden, taug nit, wan gerechte geding
                            sullen nymmer widerrueft werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.11">
            <head>Cap. XI. Die ander tailung der gedingen.</head>

            <p> Die ander tailung der gedinge, die geding etliche sein bloß, etliche
                            beklaydt. <pb
                n="469"/> Die blosse geding sein, welche nit innen halten
                            die wrsach. Wan es ist kainer kreft eynichs guets eingebung on wrsach.
                            Auch werden gnant die blossen, welche nit beklaydt werden mit eynichem
                            der hernach geschribnen sechs massen. Und die blosse geding sein nit
                            kreftig zu verbinden oder zu meren, wiewol sie nutzlich sein zu
                            beschutzen. Wan das bloß geding ordenlich gebiert nit klag, sunder die
                            einrede. Aber die beklaydten geding sein kreftig vnd nutzlich zu
                            verbinden vnd zu klagen. Und wirt gnant das beklaydt gedinge in sechs
                            massen, als mit dem guet, worten, briefen, willen, anhangenden eins
                            handels vnd entzwyschenkommung des guets. Aber von den vier ersten
                            massen hab wir oben exempel, wo <pb
                n="470"/> gesagt wirt, in welchen
                            massen gemacht wirt verbindung des guets. Aber von dem vierden, nemblich
                            [von] anhang [des] handel, des ein exempel, wie also ich hab dir
                            verkauft vnd in der verkaufung ist entzwyschenkommen ein geding, das ich
                            sol bleyben in dem haus byß zum jare. Das letzt durch sich geschehen nit
                            taugt, wan ... bloß, aber aus anhang ... des gedinges wegen beklaydt,
                            als einer verkaufung, in welcher es gesetzt ist, taugt. Von dem sechsten
                            aber, das ist des guets zwyschenkommung, ist ein exempel, als setz ich
                            hab dir verhaysen etwas zu geben vnd zu thuen, das du mir etwas gebest
                            oder thetest, als von stund an, als du mir wirst geben etwas, das ich
                            verhayschen hab, ist balde beklaydt wurden das geding von <pb
                n="471"/>
                            meinet wegen. Und darvmb die entzwyschenkommung des, welchs ich dir
                            geben hab, bistu mir verbunden zu demselbigen mir zu geben, dastu mir
                            verhayschen host zu geben. Und du solt merken das in den vier ersten
                            massen nit wirt gesagt eygentlich das geding zu beklayden, wen das wirt
                            gesagt eigentlich beklaydt zu werden, welchs blos ist. Aber das geding,
                            welchs geschicht mit guetern, aus den worten ... entweyders mit willen,
                            von stund an alsbald seiner geburt herfuer geet [be]klaydt vnd wen es
                            das wesen angenommen, so ist es beklaydt. Aber das geding, welchs
                            beklaidt wirt mit anhang des handels oder entzwyschenkommung des guets,
                            ist zum ersten bloß, wiewol so die massen entzwyschenkommen sein, wirt
                            anfahn beklaydt. <pb n="472"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.12">
            <head>Cap. XII. Die dritte tailung der geding.</head>
            <p> Die dritt taylung ist, die andern geding besteen im geben, die andern im
                            thuen. Im geben, als ob ich dir verhaysen hab zu geben ein roß oder ein
                            ander guet. Im thuen, als ob ich geding hab dir zu machen ein haus mit
                            dir. </p>

            <p> Die vierd tailung ist, wan etliche sein ausgedruckte geding, die andern
                            stille. Das ausgedruckte, als ob ich mit dir eins wurden byn etwas dir
                            zu geben oder zu machen. Das stille, als ob ich bestanden hab dein haus
                            vnd hab eingefurt meine gueter in das haus, so wurd ich gesehen
                            stilliklich gedingt haben gehebt, wan die eintragen vnd eingefurten
                            gueter sein dir verbunden fuer den <pb n="473"/> zyns. Auch ist ein
                            still geding, als ob der gelter hot widergeben dem schuldner sein
                            hantschrift oder das instrument des schuldner, da wirt gesehen
                            stilliklichen im gemacht haben gehebt ein geding von nit begeren. Item
                            das still geding ist, als ob ich hab dreu schuldner, die mir schuldig
                            waren in funfzehen marken vnd es was ir jedlicher vnverschaydenlich
                            verbunden vnd ich hab genommen von in ainen funfe, also wirt ich gesehen
                            mich verzygen haben dem gantzen rechte vnd das geding stilliklich gthan
                            nit zu begeren von inen einem jedlichen nur funf.</p>

            <p> Die funft tailung ist, wan die geding sein etliche finster, etliche
                            lauter. Die lauter sein, in welchen kain zweyfelung wirt gehalten, ob
                            die lobsamliche sein gemacht, sullen sie gehalten werden. Wan <pb n="474"/> nichst ist, das mer dem menschen verzymbt den halten die
                            geding. Die finsteren aber sein, welche mugen haben zwyfeltige
                            verstentnus, als ob der verkaufer eins haus wirt sprechen die trauf als
                            sie sein des verkauften guets, also sein sie vnd der verkaufer versteet,
                            das ein dienstbarkayt des traufs ze nemen schuldig ist von dem
                            verkauften guet daruon zu sein; aber der kaufer versteet, das er sol dem
                            verkauften guet zu sein. Aber die finsterliche dinge sein auszulegen
                            wider den redenden, wan des gewalt dient das gesatz leuterer zu
                            schreiben.</p>

            <p> Die sechst tailung ist, das die geding etliche sein sunstlich, die ander
                            geding nit. Das sunstlich geding ist, ... mit keinem gegeben mer vmb
                            sunst wen von wrsach der verheysung schuldig wirt nachgelassen. <pb
                n="475"/> Das nit sunstlich geding ist ein vertragung, welche sol
                            vnd hot zu geschehen, so etwas gegeben oder innegehalten oder
                            verhayschen ist. Es sein nutz vnd werden geschickt die geding zu den
                            personen allein, zwyschen welchen sie geschehen sein, aber den andern
                            taugen sie ... nit. Doch so veelt das in den hernach geschriben vellen,
                            wan das geding dem haubtsacher als dem antwurter vom nit begern ist
                            nutzlich dem borgen, nur im veraynen sey anders gehandelt wurden oder
                            nur der borg sei borg gewesen in sein aygen guet, wan in den dreyen
                            vellen des antwurters geding ist nit nutzlich den borgen. Sunder
                            herwidervmb das geding des borgen ist nit nutzlich dem antwurter, wan
                            wiewol dem antwurter zugehört <pb
                n="476"/> von dem borgen nit begert zu
                            werden, sintemal der antwurter wider den borgen nit sei zw haben zwgang,
                            nur der borg in sein guet wer borg wurden gewesen, wan den ist zu haben
                            der borg fuer den andern vnd das geding des antwurte[r]s ist nutz dem
                            borgen vnd das geding des borgen aufgenommen in sein eygen guet ist
                            nutzlich dem antwurter. Das geding des borgen ist nicht nutzlich dem
                            antwurter mit dem borgen, ob aber ausdrucklich gehandelt wirt, das es
                            nutz sei dem antwurter vnd den borgen, den so ist es inen nutz. Das
                            geding eines antwurters zu gelten ist dem andern nutzlich. Das geding
                            mit verkaufung oder vergebung ist nutzlich dem kaufer oder vbergeber,
                            wan er nachkumbt vnd erbt in dasselb guet. Das geding geschehen mit dem
                                <pb n="477"/> sun oder mit dem khnecht ist nutzlich dem vater oder
                            dem herren. Aber das geding eins procurators ist nutz vnd schadet dem
                            herrn nur in dreyen vellen, das ist, ob da ist ein besunder gewalt oder
                            ob er in sein guet gesetzt ist oder ob er hot freye vnd gemaine
                            verwesung der gueter. Aber das geding des pflegers oder gerhabers ist
                            nutz dem jungen waysen vnd schadet im auch, ob es geschicht mit guetem
                            glauben vnd nit in mut zu berauben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.13">
            <head>Cap. XIII. Die peen von den gedingen.</head>

            <p> Es wirt zu sehen auch, wen in den gedingen ein zugelegte peen begangen
                            wirt. Darvmb ist zu wissen, das die peen in den gedingen zugelegt
                            vnderweylen wirt begangen, vnderweylen nit. Wan ob die veraynung <pb
                n="478"/> anfacht von der condicion oder vnderschaid, wie also: ob
                            ich den Titium nit wurd setzen, ob er lebt, so wirt zehen geben. Es wirt
                            begangen die peen, wen bestymbt, geding nit mag geben werden. Ob aber es
                            wirt anfahen von der vorgeenden gedingung, wie also: ich verhays zw
                            geben den Ticium, anderst wirt ich geben zehen in namen der peen. Den so
                            ist die vorgeend klag verbindelich, wan [durch] das beklaydt geding wirt
                            begangen die peen, aus welchem er hot mugen geben vnd hot es nit gethan.
                            Oder der vorigen geding nit [ist] verbundenlich vnd den so wirt begangen
                            die peen, nur darnach so der krieg bestetiget ist nur von dem, das in
                            geding gebracht ist. <pb n="479"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.14">
            <head>Cap. XIV. Ein andre tailung der gedingen.</head>

            <p> Etliche geding sein vnd sein gewesen nach den gesatzen, etliche on das
                            gesatz vnd etliche wider das gesatz. Wen geschicht geding nach den
                            gesatzen, als ich verhays dir zu geben oder machen, noch dem das gesatz
                            verheist, den ob die peen ist verhaysen, so mag die begert werden oder
                            das guet zu dem andern der andern allein, nur es sei gesprochen das, so
                            die peen bezalt ist, stet sol gehalten werden das geding, wan der mag
                            jedes begert werden. Wen aber geschicht geding on die gesatz, als wen
                            aus geding etwas wirt verhaysen, welchs wider von dem gesatz
                            ausdrucklich begert wirt noch ausdrucklich verboten wirt, als wen ich
                            dir <pb
                n="480"/> verhays ein fremdes werk vnd ob das nit gschicht, so
                            verhayß ich die peen oder ich geding dem andern geben zu werden vnd ob
                            das nit geben wirt, so gelob ich die peen. Und wiewol nit taugt die
                            haubtsache, wan ich ein fremd werk gewis verhaysen nit mag noch einen
                            andern dingen, doch so haft die verhaysung der peen. Aber vnderweylen
                            geschicht geding wider die gesatz, als wen etwas verhaysen wirt, das vom
                            gesatz verboten wirt, als ein hayligs guet, ein gaystlichs guet, ein
                            freyer mensch, den so taug nit ir jedes, weder das haubtsechlich noch
                            verhayschung der peen (nit geschehen). Wan das wider die gesatz
                            geschicht, sol fuer vngeschehen gehabt werden. Aber die peen wirt den
                            gedingen zugewurfen, eyntweders mit vnderschaid oder schlechtlich. <pb
                n="481"/> Wen [mit] vnderschaid, als ich verhayß dir zu geben
                            Ticium, ob er lebt, den dieweyl besteet die condicion, so besteet die
                            peen, so aber weichend ist die condicion, weicht auch die peen. Ob
                            schlechtiglich, denn eyntweders das geding hot mügen erfult werden [vnd]
                            nit hot wellen, so wirt begangen die peen; ob er hot wellen vnd hot nit
                            gemüegt, wan villeicht Ticius ist gesturben oder fluchtig, den so steet
                            kain verbindung, darvmb auch nit begangen wirt die peen, nur sunderlich
                            sei von der peen zu bezalen ausgenommen. Auch wirt zuegeworfen die peen
                            der grosen oder der gestalt oder der geschicht. Ob der grös, als: ich
                            verhays dir zu geben zehen bey peen der zwyfaltigung, den die peen, wie
                            gros die ist, wirt gebracht zu einer rechtlichen maß der wucher <pb
                n="482"/> des verhaysen haubtguets. Und das darvmb, wan aus grosse
                            des gelts ist gewon begangen zu werden der wucher, als offenbar ist in
                            dem leyen, in welchem allein wirt begangen der wucher vnd nit in andern
                            hendeln. Ob aber zuegewurfen wirt der gestalt, als ich verhays dir zu
                            geben ein roß oder ein ander gestalt bey peen zehen lb., die peen wirt
                            erhayscht gantz. Dasselb ist, ob die peen zuegeworfen wirt dem (geding
                            oder) werk, wie also: ich verhays dir zu machen ein sulch haus bey
                            sulcher (zugewurfen) peen [wan die peen] zugewurfen [der] gestalt vnd
                            werk, wie gros das haus wirt oder die peen wirt, so wirts gar erfordert.
                                <pb n="483"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.15">
            <head>Cap. XV. Die gestalten der gedinge.</head>

            <p> Aber der gedingen sein zwo gestalt, etliche in das guet, etliche in die
                            person. In das guet sein, das ich das, welches ich gemaynicklichen ding,
                            nit begere. ... Aber in dem ersten brauch nit von dem, welches wirt das
                            geding, mag begert werden, nit von den erben des, noch der, welcher
                            gedingt, noch sein erben mügen das begeren. In dem andern als das
                            personlich geding zu den andern nit gehort auch nit zu dem erben. Ob
                            aber zu der person geding sei warlicher aus notturftikait dan aus dem
                            gemuet, ist zu schatzen. Wan oft ein person dem geding wirt
                            eingeschriben <pb n="484"/> (oder vermerkt), nit das das geding
                            personlich sei, sunder das es erzaygt werde, sintemal das geding gemacht
                            ist. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.16">
            <head>Cap. XVI. Von den vnnutzlichen gedingen.</head>

            <p> Die tailung der gedingen als oben sein zwo, etliche sein nutzlich,
                            etliche vnnutzlich. Die nutzliche sein beklaydte geding vnd die sein zu
                            halten. Die vnnutzlichen geding sein vil: Zum ersten aus wrsach der
                            person, als ob dingt ein töbiger, welcher weder ausdrucklich noch
                            stilliglich mag setzen, aber auch nit ein ee machen, sunder auch sich
                            nit verbinden zu einem gaystlichen orden, wan er wais nit was er thuet.
                            Ob er aber hot erleuchte vnderbind, so ist es ein anders. Und dasselbig
                                <pb
                n="485"/> ist in einem jungen waysen, welcher nit ist habheftig
                            arglists, mag nit dingen on seiner pfleger gewaltsamkait. Dasselb ist in
                            einem vnnutzlichen guet verzerer, in einem vngehorenden vnd stummen ...
                            in dem man vnd in dem weib, welche ... nit mugen vbergeben. Dasselb ist
                            auch zwyschen dem vater vnd des suns, wan sie werden geacht fuer ein
                            person. Dasselb ist auch zwyschen dem herrn vnd leybeygen khnecht. Auch
                            sein vnnutzliche geding aus wrsach der gueter, als ob einer dingt
                            gueter, welche nit sein in der natur der gueter noch gewesen sein noch
                            werden vnd welche in gewerb nit kommen, auch nit haylige gueter noch
                            gaystliche, auch nit ein freyer mensch. Item das geding eines schneden
                            guets oder vnmuglichs von recht oder von geschicht kain <pb
                n="486"/>
                            verbindung zuebringt. Es ist ein vnnutz geding in (besundern) guetern
                            die gaystlich sein zu geben oder zu verleyhen, in verboten guetern vnd
                            in guetern, welche sein wider der seel hayl. Und merk das alles geding,
                            welches nit sich naygt wider das hayl der seel auch nit zu schaden eines
                            andern, das ist albeg zw halten, wan nichst bessers gegen got vnd gegen
                            der welt dan das gerecht verhaysen behalten. Das geding vnd das
                            verhaysen sein nahet eins in allen dingen, aber vnderschidlich allein in
                            dem, wan das geding ist zwayer oder mer wille, in dasselb zu thuen oder
                            zu machen, aber die verhaysung ist ein gelubd annemung eins eynigen, nit
                            allein mit dem willen sunder auch mit rede. Item das geding geschicht in
                            ... mancherlay massen geenden vor <pb n="487"/> dem willen, die
                            verhaysung beschicht aus schlechter frag vnd antwort, als ... gesagt
                            ist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.17">
            <head>Cap. XVII. Von der vertragung.</head>

            <p> Oben ist gehandelt von den gedingen in gemain, nun ist zu sehen in
                            sunderhait von den vertragungen, sein etliche geding. Darvmb sol wir
                            sehen, was sei vertragung (gnant transaccio) vnd wannen sie gnant werd,
                            welcher müg vertragen, in welchen dingen aufhort die vertragung, was sei
                            die kraft der vertragung. Von dem ersten transaccio ist von einem
                            zweyfelhaftigen ding vnd vngewissen krieg vnd noch nit vollendt nit
                            vmbsunstliche gedingung. Und ich sprich von einem ding, als von
                            kegenwurtiger vnd zuekunftiger zeit. Ich <pb
                n="488"/> hab gesagt
                            zweyfelhaftige, als gerecht oder vngerecht. Ich hab gesagt von
                            vngewissem krieg, das ist ob der klager glaub sich haben ein gerechte
                            sache oder ein vngerechte. Ich hab gesprochen noch nit volendt, wan ob
                            (gericht) wer gewesen (oder) gewrtailt, so het nit mügen appellirt
                            werden noch von dem wrtail gezweyfelt; und ob dan geschech vertragung,
                            so wirt die nichtig. Wan ob der antwurter bekent sich schuldig zu sein
                            zehen lb. vnd vmb die sein verwrtailt vnd sagt dem klager: ob du wilt
                            funf lb., so wil dir sie geben von stund an, so ist dan die vertragung
                            nichtig sunder ausrichtung der klag. Ich hab gesprochen nit vmb
                            sunstliche, wan die vertragung, so nichst wirt geben oder gehaysen oder
                            innengehalten, nit fuergeet (oder taugt). <pb
                n="489"/> Es wirt aber
                            gnant transaccio als von der klag recessio. Wan es mugen vertragen die
                            herrn der gueter oder der klagen pfleger vnd procuratores habend gemain
                            vnd besunder gewalt. Es mag vertragen werden in allen burgerlich vnd
                            peinlichen sachen. Aber in dem peinlichen mag entzwyschen kommen
                            vertragung in den dingen, welche (warlich) auflegen die peen des bluts,
                            aber doch aus dem einfelt der verklager in ein schnoden vnleumbt. Ober
                            der antwurter nit, wan wiewol einem jedlichen ... sein bluet erkaufen,
                            welchem die sund ist nach gelassen. Aber in peinlichen sachen, welche
                            die peen des bluets nit aufleget, mag vertragung nit beschehen sunder
                            eine sunstliche gedingung <pb
                n="490"/> oder nachlassung. Doch das
                            vehelt in dem eebruch nach alten rechten. In autentico, das ist in dem
                            newen recht, das wirt gesehen gestraft vnd allermayst in dem eeman. Aber
                            warlicher ist, das nit vertragen wirt in dem eebruch (ich hab
                            gesprochen) vmb vngewissen krieg vnd zweyfelhaftigem dinge, sunder einer
                            dem andern wirt versuent vnd wirt nit gegangen zu vergiessung des
                            bluets. Ob aber geben ist gelt, vertragt der antwurter mit dem klager,
                            so ist die vertragung nichtig, wan der antwurter wirt gehabt fuer einen
                            bekanten. Aber des vehelt in missetat eines falschen. (Unde) <pb
                n="491"/> Die ding sein war nach den gesatzen. Aber nach den gaystlichen
                            rechten kain missetat [auflegt] die peen des bluts. In den narungen wirt
                            nit vertragen on gewaltsamkait des richters. Item in fragungen, welche
                            in einem gescheft verjehen werden, wirt nit vertragen, nur angesehen vnd
                            erkant sein worden die wörter des geschefts. Item es aufhort die
                            vertragung in dem rechten der vnderwerfung. Die vnderwerfung ist ein
                            gaystliche sache vnd darvmb, so etwas geben oder verhaysen ist, mag nit
                            nachgelassen werden, wan die sol vmbsunst geschehen. Item <pb
                n="492"/>
                            in gaystlichn sachen wirt nit vertragen, wan doch in denen mag geschehen
                            ein freuntliche veraynung, das gegeben werd ein gaystlichs vmb ein
                            gaystlichs, als geschicht in verwechselung (der pfruende) oder allein es
                            komme entzwyschen die gewaltsamkait des obern vmb gueten fried. Du solt
                            merken in kurtz das etliche ding sein, in welchen weder veraynung noch
                            schickung noch vertragung statt hot, als der man so er seine hausfrau
                            verlest vnd ein ander darvoer nymbt oder das er gehorsam thue in einem
                            kloster, dieweil er gueter habe, [oder] als ein vnderwurfner dieweil die
                            vnderwerfung gewerend ist, dem obern nit gehorsam beweyse. Die kraft der
                            vertragung ist, das alle instrument zu der sachen gehorend, vber welche
                            vertragen <pb n="493"/> ist vnd was anders ist, das hilfe den parteyen
                            het mügen tragen, wirt leer vnd allen rechten aufhort. Und allein die
                            vertragung vest vnd ewige sterke behabe, nur der klager in der
                            vertragung were betrogen wurden, den so geburt im die einred böses
                            lists.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.18">
            <head>Cap. XVIII. Von der verbindung der brief.</head>

            <p> Vnd zum ersten der brief, was das sei, wie sie geschech, welche kraft
                            sulcher verbindung, welche klagen aus ir entspringen. Von dem ersten ist
                            verbindung der brief, wen einer durch sein brief mit glaubhaftigen
                            sigillen vnd genugsamen zeugen sich gesterkt bekent offenlich sullen,
                            was darin begriffen ist. Wen vor zeiten worden mit loblichkait <pb n="494"/> ein geschrift die verbindungen, das noch in grosen sachen
                            geschicht durch glaubhaftige briefe oder durch offene instrument. Wan so
                            gros ist die kraft der verbindung, das der widersprochen nit mag werden,
                            nur in dreyen vellen, als im leyhen, gelihnen vnd (gegebnen oder) dem
                            heuretguet.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.19">
            <head>Cap. XIX. Die verbindung durch den willen.</head>

            <p> Aus willen wirt gehandelt die verbindung in funf massen, mit kaufung
                            verkaufung, verleyung besteung vnd verwechseln der gueter, mit
                            geselschaft vnd gewalt. Von welchen allen ist besunderlich zu sagen. Und
                            zum ersten von der kaufung: welcher mas vnd wie <pb
                n="495"/> da
                            gehandelt wirt, von welchen guetern, [wie] die geschech, welche sei ire
                            natur, warzu schuldig sei der kaufer vnd warzu der verkaufer, wielang
                            das verkauft guet sulle geregiert werden. Es wirt gehandelt die
                            verkaufung bald, wen von dem lon gedingt wurden ist in der maynung, das
                            der lon bezalt werde vnd das verkauft guet eingeben werde, wiewol
                            vnderweylen der lon oder das gelt noch nit ist bezalt, noch der
                            heftpfennig geben, noch das guet verkauft ... Das saltu versteen von der
                            kaufung vnd verkaufung on geschrift. In denen aber, welche in geschrift
                            verbrocht werden, wirt nit vorgesetzt die kaufung oder verkaufung, denn
                            der brief der kaufung <pb
                n="496"/> vnd verkaufung sei geschriben wurden
                            vnd verbrocht vnd verzeychnet mit den sigeln vnd den zeugen gesterkt vnd
                            den parteyen gegeben oder mit offner weysung bestetiget. Und wielang
                            eynichs der ding gebroch hot, so hot statt der rew. Und mag der kaufer
                            vnd verkaufer on peen dauon steen von dem handl, nur etwas merklichs,
                            als der halb tail des lons, des heftpfennings namen sein gegeben wurden.
                            Aber mit sulchen heftpfennigen gegeben, ob geschrift oder nit geschriben
                            wirt verbrocht die verkaufung, ob der kaufer verhindert den handl zu
                            erfullen, so verleurt er das er doran hot geben. Ob aber der verkaufer
                            verhindert, den zwyfeltigen, welchs der kaufer hot gegeben, widergeben
                            schuldig ist <pb
                n="497"/> vnd ... das kainer der handlenden dem andern
                            zu dem interesse schuldig sei, wan in statt des interesse ist genugsam
                            die heftpfennigen verlierung oder ein zwyfeltige widergebung. Hie saltu
                            merken das nach gewonhayt vnser statt welcher sulcher handel der kaufung
                            vnd verkaufung hindersich geet, den nött der richter zu stethaldung bey
                            peen eines lb. lauflicher muntz darvmb, das der heftpfennig ist klain
                            vnd wenig hie wirt geben, als ein pfenig. Verkauft oder gekauft mag
                            werden alles das, das hot kaufmanschaft. Wan es sein etliche ding, die
                            in kaufmanschaft nit kommen, als ein heyligs guet, ein gaystlichs vnd
                            ein freyer mensch. Doch ein heyligs vnd ein gaystlichs guet geend in der
                            verkaufung mit dem gantzen guet (das <pb
                n="498"/> verkauft wirt), wan
                            das gantz guet in nit gaystlichen dingen begriffen ist. Wan verkauft
                            werden sullen die vahel gueter in rechtem gewicht, in gerechter zal, in
                            gerechter maß vnd gerechtem lon. Welcher anders thuen wirt, der sol aus
                            der ordnung gestraft werden. Die verkaufung vnd kaufung beschicht
                            zwyschen den anwesenden vnd abwesenden, durch einen boten, durch brief
                            oder durch sendbrief, lauterlich oder mit vnderschaid, mit dem
                            heftpfennig oder on den heftpfennig. Gebung des heftpfennigs ist ein
                            zaychen eines gemachten kaufs, aber nit eines verbrochten, wan warvmb
                            die kaufung hot er nit verbrocht nur des bezelten gelts vnd gebung (des
                            gebens heftphennig) vnd des verkauften guets eingebung. Darumb hab ich
                            gesprochen des gelts, wen <pb
                n="499"/> kain kauf mag gesein on gelt.
                            Ich hab gesprochen gewyslich, wan ob zwyschen etlichen were geredt, also
                            als wie vil .A. oder .B. das guet werden schetzen, so vil sei es kauft,
                            die kaufung ist vngewis, wen es mag beschehen, das ein sulcher das lon
                            nit erkante, wan villeicht welt er nit oder er storbe. Ich hab
                            gesprochen gezeltes gelts, wan ob ein grunt vmb ein grunt, ein gewis
                            guet vmb ein gewys guet (oder ein bestymbts), den so wurd es gnant ein
                            verwechselunge, nit ein kauf noch verkaufung. Ich hab gesprochen
                            lauterlich, das ist schlechtlich vnd gerehen on alle einrede. Ich hab
                            gesagt eyntweders mit vnderschayd, als ob dir mein roß hot gefallen nach
                            versuchung, den so sol es dein sein vmb zehen gulden. Ob nit, so ist
                            nit. Die natur eines kaufs, das das guet, welches verkauft wirt, <pb
                n="500"/> sei einer besundern gestalt vnd das lon sei gewyß in
                            gezeltem gelt. Darumb einer besundern gestalt, wen ein anders nit mocht
                            erkant werden, welches guet were verkauft. Ich hab gesagt ein bestymbts
                            gelt, wan etlich haben also sich veraynt: das guet sei dir gekauft,
                            wievil das .N. wirt schetzen. Und ist vngewysser kauf, als oben. Auch
                            sol sein das gelt gezelt, wan im geben ein guet vmb ein guet, das wirt
                            ein wechsel oder ein vertauschung, ja welche eins andern besundern handl
                            ist. Ein ander ist natur eins kaufs, also ein kaufung volkomlichen ist
                            volbrocht, so ist bald der gewyn, der nutz vnd der schade zwgehörend dem
                            kauf. Wan es ist gerecht, das der welches ist der nutz, das des auch sei
                            der schade. Und die ding <pb
                n="501"/> alle sein war, ob die verkaufung
                            geschicht schlechtlich, on geschrift, einer bestymten gestalt, also das
                            kain geding entzwyschen komme vnd das es sei ein guet, welches gekost,
                            gewicht, mass, zal vnd bewerung oder in cernicion nit bedurf vnd das der
                            verkaufer nit sei in der schuld, in verzug oder in bösem list. Und du
                            solt merken das der schad der offnung gehort zu dem verkaufer. Es ist
                            aber der gueter öffnung, wen alle gueter eyniches vmb schuld offenlich
                            weden verkauft oder durch sein malefitz. Ich hab gesagt slechtlich, wan
                            ob vnderschaid[lich] were die verkaufung, den so vor der zukunft der
                            vnderschaid aller schad zu[gehort] dem verkaufer. Item ich hab gesagt on
                            geschriften, wan ob die verkaufung geschee in geschriften, den so wurd
                            der schad des guts gehoren zu dem verkaufer, <pb
                n="502"/> eemal die
                            geschrift wurd verbracht. Item ich hab gesprochen einer bestymten
                            gestalt, wan ob der kauf geschicht vnder einer enderung der gueter der
                            gestalten, den so wais nit der kaufend, was er hat kauft, vnd der schade
                            gehort zu dem verkaufer. Item ich hab gesprochen, das kain geding
                            entzwyschen komme, wan die geding brechen das gesatz. Item ich hab
                            gesprochen, das es sei ein guet, welches der kostung nit bedarf, als
                            wein, meth, wan vor der kostung zugehort der schade dem verkaufer. Also
                            auch mit der wegung, als gold vnd silber, pfeffer. Also auch mit
                            messung, als tuech, wepf vnd der gleich ... Also auch mit der zelung,
                            das alle muntz, gulden, groschen, pfennige, haller... Item ich hab
                            gesagt cernicion, der webung, der wulle ... seiden ... Item ich hab
                            gesprochen <pb
                n="503"/> bewerung, als die roß, ochsen, meuler etc. Der
                            aller schaden gehört zu dem verkaufer vor irer bewerung. Ich hab
                            gesprochen aus schuld, wan ob der schade aus schuld des verkaufers
                            geschech, so were das sein schuld. Item ich hab gesprochen die
                            verweylung, wan ob der verkaufend vnzeitlichen das guet angibt, so wirt
                            ein schad sein. Ich hab gesprochen aus bösem list, welcher kainen so[ll]
                            hulflich sein, darvmb der schad des guets kumbt wider zu dem
                            böslistigen. Es werden aber gnant schaden der gueter brunstung,
                            schiffbrechung, velle, vervallung der hewser, gues, grosgues, vmbwerfung
                            der baume durch die wind, belaidung der tier, der tier tod, böserung,
                            erstörung. Ist schuldig der verkaufer <pb
                n="504"/> ... frey, leer, vnd
                            ledig on alle verhindrung einzugeben. Wan ob das ... ansprechen wirt der
                            verkaufer , so ist schuldig der verkaufer dem kaufer sein interesse, das
                            ist zu dem schaden. Aber der kaufer ist schuldig das lon in gezeltem
                            gelt zu geben, ob er das nit thuen wirt bald so geschehen ist der kauf,
                            wirt er schuldig dem verkaufer sein interesse. In einer summen ist
                            zuwissen: ob ein einer vnder zwanzig jaren betrogen wirt in dem handel
                            einer kaufung oder verkaufung, vnderweyle haft nit der handel von recht,
                            vnderweyle haft er vom recht, aber er wirt zerbrochen aus <pb
                n="505"/>
                            gemayner hulf, vnderweyle wirt klag zu betrigen im gelt, vnderweylen
                            wirt dem zu jungen zu hulf kommen vmb verdienung des guets. Darvmb ist
                            zu vnderschaiden, dan wen arglist gibt ein wrsach dem handel oder wen
                            ich listiglichen dich vnderricht hab, das du mir verkaufest die ding,
                            die du sunst nit wurdest verkaufen, do haft nit der handl. Ob aber
                            arglist velt in den handl als darvmb, wan du warest verkaufen werden,
                            aber durch ein bessere verkaufung vnd ich hab dich vnderricht, das du
                            mir verkaufest vmb ein mynder gelt, wen es sunst wert ist gewesen,
                            gewyslich der handl haft, aber es wirt klagt zu dem betrigen. Wo aber
                            nit gibt argerlist wrsach dem handl noch argerlist velt in den handl
                            [noch] hab ich dich in dem lon betrogen, wiewol du in dem guet bist
                            betrogen, <pb
                n="506"/> in dem gelt so magstu zu nichte klagen, nur das
                            gelt vnder dem halben tail gerechts lons bestee. Wan den so behabt, das
                            gesagt wirt, das do einem jungern den zwanzig jar behulfen werde vmb die
                            zal des guets. Und die ding haben statt in den hendln guets glaubens.
                            Wan in den hendeln gestrengs rechtes, auch ob argerlist gibt wrsach dem
                            handl, ob er betrogen wirt wider den klagenden. Und du solt merken das
                            ... die schaffenden sunder durch ein mitler haft der handel. Darvmb in
                            einem jedlichen handl wirt erhayscht gueter glauben, auch ob nit haft
                            der handl, dennoch wirt erhayscht gueter glauben. Auch saltu merken so
                            das guet verkauft ist vnd kauft, klagt albeg der kaufer von der kaufung,
                            welchs doch vehelt <pb
                n="507"/> in etlichen vellen. Zum ersten ob der
                            kaufer vmb das verkauft guet angelangt nit hot verkundt dem verkaufer.
                            Zum andern ob er selbs bey dem ortail ist gewesen. Zum dritten ob durch
                            vnrecht wider in ist gesprochen wurden ein wrtail. Zum vierden ob er
                            vnzeytlichen etwas hot verkundt aber nache bey dem wrtail, ob er hot
                            mugen verkunden. Zum funften ob der kaufer hot ein hindergang than vnd
                            hot widerwertig wrtail gebrocht. Zum sechsten ob er aus seiner schuld
                            also die besytzung hot verlorn. Zum sibenden ob er das guet gehebt hot
                            fuer verlassen. Zum achten ob der kaufer sein gekauften khnecht hot frey
                            gesagt. Zum newnden ob er ein kaufte diern hot entert. Zum zehendn ob
                            der kaufer das gekauft guet an sich hot genommen in brauch. <pb n="508"/> Zum aylften ob der [ver]kaufer abwesend ist gewesen, ist der kaufer
                            verwrtailt, hot nit appellirt. Und gemayniklich aus jedlicher maß [der
                            kaufer] das gekauft guet on verkundung des verkaufers hot verlorn, da
                            wirt der schade sein. Aber wielang sulle der verkaufer das verkauft guet
                            regiren, ist gesehen oben im titel von den geweren vnd brauchnemenden,
                            darvmb fuergee ich das alhie.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.20">
            <head>Cap. XX. Von verwechselunge der gueter.</head>

            <p> Was sei verwechselung, wie die gemacht werde, welche sei ire natur,
                            welche gueter mugen verwechselt werden, mit welchen ein kirch muge
                            verwechselt werden, welche klagen entsteen aus verwechslung. Von dem
                            ersten verwechslung <pb
                n="509"/> ist eins guets vmb ein anders gebung.
                            Es wirt gemacht ein wechsel, wen zwyschen etlichen wirt veraynt, das ein
                            bestymbte gestalt geben werde fuer ein bestymbte. Wan ob ein bestymbte
                            geben wurde fuer ein vnbestymbte, so wer es ein vngenenter handl. Es
                            wirt aber also gehandelt: als ich gib, das du gebest. Aber es ist die
                            natur einer verwechslung, das nit allein aus geding, sunder der gueter
                            entzwyschenkommen werd gemacht, als in der kaufung, wo ein guet vnd ein
                            lon sullen sein, wen ein kaufung gehandelt wirt. Doch vnderweylen auch
                            on guet wirt gemacht ein kauf, als in dem vorgenanten gesatz 'Nec
                            empcio'. Aber es mugent verwechselt werden die gueter, die verkauft
                            mugen werden. Doch ist zu <pb
                n="510"/> wissen, das etliche ding sein,
                            welche verkauft nit mugen werden, als die kirch. Wie aber geschicht das:
                            die kirchen, die sein vmb sunst zu verleyen, der handl aber der
                            verwechslung geschicht nit vmb sunst, sunder es wirt geben [guet] vmb
                            guet? Ich sprich, verwechslung in gaystlichen sachen geschicht nit aus
                            gedinge der parteyen, sunder gewaltsamkait des obern. Allein wan so vil,
                            das getragen wirt, in des obern freyen willen wirt bekert, welcher aus
                            seinem freyen willen von den gaystlichen guetern verwechslet zu werden
                            ordnet in beweglichen vnd vnbeweglichen guetern, wan die gueter sein nit
                            eygen der menschen, sunder des eynigen gotes. Darvmb so mag ein kirch
                            mit einer andern kirchen verwechselt werden. Auch die kirch mag mit dem
                            fuersten verwechslen. <pb
                n="511"/> Auch mit einem besundern [mag]
                            verwechslen, doch wen die nutzbarkait der kirchen das erhaist. Doch mag
                            nit ein gaystliche person vmb ein weltliche verwechselt werden, auch nit
                            herwidervmb mag sie geben werden vmb ain layen. Wan welches dienet gote,
                            das ist gote geweicht, das sol fuerbas zu menschlichem brauch nit
                            verkert werd[en]. Es wirt gefragt, ob in den verwechselten guetern
                            gemacht werde ein kaufung vnd verkaufung. Ich sag nayn, wen die
                            verwechslung geschicht albeg mit dem entzwyschenkommen der gueter. Aber
                            die kaufung geschicht vnderweyle an guet. Du solt merken das aus eyniger
                            bedingung der verwechslung vmb kain guet hin vnd herwider nachgeuolgt
                            wirt nit erstan ein klage. <pb
                n="512"/> Sunder aus eingebung des guets
                            oder aus geding wirt klag gegeben aus widerwertigem guet darnach
                            geuolgt; aber nit bald gebuert die klag, als wir gesagt haben im leyen.
                            Also sprechen wir auch in der geselschaft, in ainem pflegambt, in einem
                            hewretguet; da erstet klag aus dem handl, aber nit bald gebuert sie, nur
                            aus geselschaft oder pfleg zu jungst volendt oder die ee erledigt, ob
                            aber auf einen tail ist das guet nachgeuolgt, von dem andern nit. Vnd ob
                            das geding nit ist beklaydt, so erstet kain klag. Es ist zu wissen von
                            der verwechslung, das ich mein beweglich guet aus meinem aygen gewalt
                            mag verwechseln, wan ich desselbigen herr byn. Aber das vnbeweglich guet
                            mus man verwechseln von wissen vnd willen des grundherren, zu dem es
                            gehört. <pb n="513"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.21">
            <head>Cap. XXI. Von der verleyung vnd besteung. </head>

            <p> Was sei ein hinleyung vnd ein besteung (zu latein gnent locacio vnd
                            conduccio), welcher werd gnant der (locator verstee der) hinleyer,
                            welcher (conductor verstee) der besteer, wie sie gemacht werden, welche
                            gueter mügen verlihen werden, welche klagen werden entspringen aus
                            locato vnd conducto, von welchen wrsachen muge der locator den inwoner
                            austreyben ... aus welchen wrsachen muge der conductor das haus
                            verlassen, so der locator vnwillig ist, von der zeit der locacion eines
                            guets, von der zeit der bezalung des zins oder lones von dem verlihen
                            guet. Darvmb zum ersten locacio ist ein verleyung einer person beschehen
                            zum brauch des guets vmb ein zyns oder gelt gezelt zu werden ... <pb
                n="514"/> Gedinger (locator) wirt genent der, welcher ein guet vmb
                            ein bestymbten lon (oder bestymbt gelt) eynichem zu brauchen verleicht
                            (oder sein guet einem andern brauchen verhengt vmb veraynten lon), als
                            wen ich leich mein haus zu inwonen, so bin ich der locator, du der
                            conductor. Es wirt gehandelt locacio vnd conduccio in den massen, aus
                            welchen gemacht wirt kaufen vnd verkaufen, von welchen oben gesehen ist.
                            Vnd darvmb, wan in der obern rubrik sein gesagt von den willen, von den
                            guetern vnd von dem lon, die ding soltu versteen hie wider geefert.
                            Mögen verlihen werden alle ding, die verkauft mügen werden, wan die sein
                            gleich die verleyung vnd die verkaufung vnd die besteung, wen kainer der
                            hendl ist sunstlich vnd vmb sunst gegeben, <pb
                n="515"/> wen alweg kombt
                            entzwyschen das gelt vnd der lon darvmb beschiden. Aber aus dem handl
                            werden geborn zwo klag, als die klag vmb verleyung, die klag aus der
                            besteung. Aus der klag aus dem verleyen kombt zum ersten der zins zue
                            bezalen, von dem gedingt ist. Zum andern des verlihen guets ergerung.
                            Zum dritten des verlihen guets vnerbere inwonung. In die klag aus
                            verleyung des verhaysen haltung, besserung des haus. Vnd mag geschehen
                            die verleyung auf ein zeit, als auf ein jar oder ewiglich oder auf ein
                            zeit des lebens des besteers. Vnd inner der zeit der besteung, so der
                            besteer stirbt, so nacherbt sein erbe. Aber von der zeit der bezalung
                            des zyns vnd lons sein vnderschaidlich. <pb
                n="516"/> Die gesatz wellen,
                            das im anfang, wen (conduccio, das ist) die besteung ist beschehn, dan
                            so wirt bald schuldig der conductor von dem lon. Die ander recht wellen,
                            das im mittel, als gesagt wirt von dem sold, welchen gibt der
                            schatzkamrer. Die andern recht wellen, das am end, wen warvmb der lon
                            allermayst am end geben wirt. Doch schatz ich, die gewonhait vnd den
                            sitten des lands von den dingen sei zu halden vnd wie gedingt ist; aber
                            in etlichen landen wirt bezalt der gantze lon in vier zeiten des jars,
                            in etlichen in zwayen, in etlichen am end des jars wirt der zyns gantz
                            gegeben. Auch in etlichen enden der locator pfend durch sich selbs den
                            inwoner vmb den zyns des <pb
                n="517"/> haus, in etlichen klag der vmb
                            den vor dem richter. Ein andre gewonhait, ob der verleyer besorgt den
                            inwoner, den so pfend er in durch sich selbs, ob aber nit, so mus er
                            klagen vmb den zyns. [Der locator] oder herre des haus mag sein inwoner
                            austreyben von funf vrsach wegen. Zum ersten ob der verleyer in der zeit
                            der verleyung hab gehebt zway heuser vnd in welchem er wonet ist
                            verdorben vom fewr vnd vom infall. Zum andern ob das haus verlihen
                            notturftig ist zu bessern durch eynichem vall, welcher von newen ist
                            kommen vnd in zeit der verleyung ist nit notturftig gewesen das haus.
                            Zum dritten ob der verleyer ist mit grosen schulden vnd geburden des
                            schatzkamrers von newen beschwert. Zum vierden ob der besteer vnerlich
                            lebt oder vnersamlichen <pb
                n="518"/> in dem haus wonet. Zum funften wen
                            der inwoner in zwayen jarn nit bezalt hot; der fiscal mag [aber] bald
                            den inwoner austreyben, so nit bezalt ist der zyns. Vnd du solt merken
                            das in den ersten dreyen vellen der zyns abgezogen wirt fuer anzal der
                            zeit, in den andern nit. Herwidervmb der inwoner mag den herrn des haus
                            vnwilligen das haus verlassen. Zum ersten ob der herr des haus nit stet
                            halt dem besteer, das er im verhaysen hot. Zum andern ob notturftig ist
                            das haus zu bessern vnd nit bessert. Zum dritten ob von den anlangungen
                            vnd vnrechten seiner nachpern in nit beschutzt. Zum vierden ob das haus
                            bauvellig dreuet den vall. Zum funften ob es von brunst des fewers aus
                            des herrn schuld (verbrunnen vnd) verzert ist. <pb
                n="519"/> Und du solt
                            merken ob der besteer nie ist eingangen in das haus oder ob er ist
                            eingangen vnd on wrsach ausgangen, den so mus noch den zins bezalen
                            gentzlich, nur des haus herr het sich von seinem haus vnderstanden vnd
                            ein andern darein gesetzt, den so ist er im in nichte schuldig der
                            selbige besteer. Es wirt gefragt, ob sei die locacion oder conduccion,
                            ob einer geben hot einem schneider ein tuech zu machen ein klayd oder
                            gold vnd silber dem goldschmid zu machen ein sigill oder fingerrink, so
                            kain gelt bald ist gesetzt wurden, aber darnach wirt er so vil geben,
                            souil gewont ist zu geben. Ich sag, das ist nit locacio noch conduccio
                            aygentlich, aber in dem namen <pb
                n="520"/> mit worten wirt geben die
                            klag, als oben gefragt ist. Ob so die gueter verwechselt sein, werd
                            gemacht ein kauf, also wan gewont ist gefragt zu werden von der locacion
                            vnd conduccion: ob dir einer ein guet hot gegeben gebraucht zu werden
                            oder zu nyessen ... hot eingenommen, gleicherweis als ob einer ein
                            ochsen oder stier hot vnd sein nachper einen vnd hot in bayden gevallen,
                            das sie die ochsen miteinander essen liessen zehen tag, das sie ein
                            besunder werk machten vnd bey dem andern ist verdorben der ochs, da wirt
                            gefragt, ob das sei locacio oder conduccio. Ich sag, das der kains ist,
                            (aber ich sprich) das es ist ein besunder geschlecht nit locati, wen das
                            ist kain lon entzwyschenkommen, auch nit comodati (das ist leyen). Wan
                            es <pb
                n="521"/> ist nit gratuiten (verstee vmbsunst), darvmb ist zu
                            klagen aus der klag, gnant ... scriptis verbis. Vnd ob der ochs ist
                            gestorben on schuld des dem gelihen ist, den so ist der schade des
                            leyenden, sunst nit. Item ob ainer hot eingegeben ein besunder ligent
                            guet zu nyessen, wielang er den zyns oder die rent im daruon wirt geben,
                            da wirt gefragt, ob es sey ein kauf oder verleyung oder besteung. Ich
                            sprich, das nit ist ein kauf noch verleyung noch entlenung, sunder es
                            ist ein ander handel, der gnant wirt emphiteosis, von welchem bald
                            hernach wirt gesagt. Es ist kain kauf, wan der annemer des ligenden
                            guets vnd des erb mugen das nit verendern, doch die herrschaft des guets
                            wirt nit verwendt in den annemenden als in den kaufen. <pb n="522"/> Es
                            ist auch nit locacio, wan das verlihen guet mag nit verendert werden,
                            als hie geschicht. Es ist auch nit comodatum, wen es ist gesetzt vmb ein
                            zyns, aber comodatum wirt vmbsunst verlihen. Welcher aber vmb ein brauch
                            der klaider oder brauch des silbers vnd des viechs (als ochsen vnd
                            dergleich), etwas hot gegeben oder verhaysen, von dem ein sulche huet
                            wirt erhayscht, welche allervleisiglichst ein hausvater seinen guetern
                            beweist; die im hett bewysen vnd in eynichem vall das guet verloren hot,
                            zu widergeben in der maß schuldig ist.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.22">
            <head>Cap. XXII. Von dem erblehen gnant emphiteosi vnd seinem
                            rechten.</head>
            <p> Emphiteosis grekisch ist, ein besserung lateynisch, wan etwan <pb
                n="523"/> vor zeiten nur vnfruchtbare gueter warden verlihen den
                            andern, das sie fruchtbar wurden, aber yetzund die fruchtbarn vnd
                            vnfruchtbarn werden verlihen aus pretorischem rechten. Vnd die wider das
                            recht soll geschehen durch geschrift vnd geschehen ewiglichen oder auf
                            ein zeit oder fuer ein person oder fuer vil. Die gult ist zu erfodern
                            von dem besytzenden, nit von dem verkaufenden oder von dem absteenden
                            (oder gesturben). Dye emphiteotisch guet durch den besteer mag verkauft
                            werden vnd von seinen erben vorbehalten das recht des gruntherrn, wan
                            emphiteota hot den brauch vnd die frucht des guets, aber der herre
                            allein die aygenschaft vnd den zyns. Wan der herr besitzt ephiteosim
                            burgerlich, das <pb n="524"/> ist im mut, emphiteo[ta] besytz naturlich,
                            das ist mit dem leib. Vnd du solt merken das die besytzungen sulcher
                            ligender gueter in etlichen landen alle jar werden verneurt; in etlichen
                            zway jar oder dreu jar, in etlichen nymmer. Vnd ob einer den zyns zway
                            jar nit bezalt, so wirt er vertriben vnd verleurt sein gantz recht.
                            Dasselbig recht ist, ob die gueter verterben oder werden verendert oder
                            einer nit recht bawet. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.23">
            <head>Cap. XXIII. VON DER GESELSCHAFT. </head>

            <p> Wie wirt ein geselschaft gemacht, von welchen guetern sie werde, wielang
                            sie bleibt, wen sie aufgelöst werde, welche klagen aus einer geselschaft
                            entspringen. <pb
                n="525"/> Von dem ersten ein geselschaft ist zwayer
                            oder mer veraynung ersamlich gemacht zum gewin weyter vnd nutzgebrauch.
                            Es wirt aber gemacht die geselschaft zwyschen zwayen oder mer, welche
                            alle ir gueter oder ein tail irer gueter miteinander zusamen legen
                            gleichen gewyn oder schaden zu nemen werden. Doch soltu merken das oft
                            beschicht, das ein gesell nymbt zwen tail des gewyns vnd der ander den
                            dritten; vnd der gleich von dem schaden. Auch beschicht, das einer in
                            dem gewyn, aber in dem schaden kaine darvmb, das er sein leib vnd leben
                            im wegzyhen darlegt, aber der ander nit. Auch geschicht in der
                            geselschaft, das einer legt das gelt, aber der ander die arbet vnd die
                            mühe, vnd darvmb nemen sie gleichen gewyn. Vnd das billich, wan oft die
                            arbet ist köstlicher <pb
                n="526"/> vnd nutzlicher den das gelt, als kund
                            ist in den weysen vnd gewbten kaufleuten. Die geselschaft geschicht in
                            allen dingen, welche verkauft vnd gekauft mugen werden, als im wein, öl,
                            korn vnd in allen kaufmanschaften. Aber es bleybt die geselschaft so
                            lang, wie lang in einem syn die gesellen werden bleyben. Aber die
                            geselschaft wirt aufgelöst, wen ainer sich verzeycht der geselschaft on
                            gevarde, gleicherweis ob einer weste im zuzekommen (oder begegnen) ein
                            grosen gewin vnd darvmb verzeycht er sich der geselschaft, das er es gar
                            ... habe, so erfunden ist die warhait sulcher gevarde, so wirt er
                            schuldig zu gemainen den gantzen gewyn mit seinen gesellen. Zum andern
                            wirt geselschaft aufgelöst in dem tod des gesellen darvmb, wen einer <pb
                n="527"/> ein geselschaft handelt, so erwelt er im ein bestymbte
                            person. Zum dritten in dem tod eins gesellen, auch mit dem willen irer
                            vil were gemacht, nur anders were in der geselschaft gedingt wurden. Zum
                            vierden ob ein sun ist in das gewerb gesetzt. Zum funften aus offnung
                            eines gesellen (in eines gesellen gueter), als wen alle seine gueter
                            verkauft werden, wan si[n]tmal an sein statt ein ander kombt, so wirt er
                            fuer ein gesturbner gehabt. Zum sechsten, ob durch offnung oder besunder
                            schulden die gueter des gesellen werden verkauft. Zum sibenden ob einer
                            aus den gesellen [durch] schulden gar vast beschwert steet von seinen
                            guetern. Der gesell mag fuernemen seinen gesellen (oder beklagen), ob er
                            etwas hot begangen oder was <pb n="528"/> aus seiner schuld ist
                            beschehen, als aus trakhait oder saumnes. Doch [schuld] nit [zu]
                            allergrösten [vleis] ist zu schicken, sunder es ist genueg ein sulchen
                            vleis in allen guetern beweysen den gesellen, welchen er in seinen
                            guetern beweyse. Wan welcher ein gesellen ein wenig liebhabenden im
                            zuenymbt, der sol im selbs den schaden haben. </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.24">
            <head>Cap. XXIV. Von dem gewalt oder beuelhich.</head>

            <p> Was sei gewalt, in wievil massen er gehandelt werde, welcher gewalt
                            gehalten nit sull werden, das kainer sulle vbergeen die end seines
                            gewalts, wievil maß der gewalt aufgelöst wirt, von entpfaung des
                            gewalts, wievil sein gestalt des gewalts, durch welche wort gemacht
                            werde der gewalt. <pb
                n="529"/> Von dem ersten der gewalt ist ein
                            vmbsunstlich ambt (oder ein dankbars) von den, welcher das hot
                            angenommen zu tragen vnd zu verbrengen. Der gewalt wirt gmacht in funf
                            massen. Zum ersten von wegen des gewaltentpfaenden, das ist des, welcher
                            entpfangen hot den gewalt. Zum andern von wegen des gewaltgebenden. Zum
                            dritten von wegen ir bayder, das ist des gebitenden, auch des, dem
                            beuolhen wirt. Zum vierden von wegen des andern allain. Zum funften des
                            beuelenden vnd von wegen des andern. Von wegen des dem beuolhen wirt
                            geschicht, gleicherweis ob einer dir gewalt gibt, das du dein gelt eer
                            in kaufung zwsamen setzest, dan du einem vergüntest oder herwidervmb.
                            Vnd aus dem beuelhich entspringt kain klage, wan es ist ein rath vnd nit
                            ein <pb
                n="530"/> gebot ... wirt er verbunden. Wan ein jedlicher sol
                            durch sich erforschen, ob sulcher rath im gebüre oder nit vnd nach dem
                            thuen. Von wegen des gebenden allein geschicht ein beuelhich
                            gleicherweis, ob einer dir beuilhicht, das du seinen handl tragest, als
                            das du im einen grunt kaufest oder fuer in gegen dem gelter gelobest
                            seiner gueter aus seinem schaden. Von wegen ir bayder geschicht
                            beuelhich, das du kaufest oder auch leyhest mir vnd dir das oder das
                            [oder] gelobest fuer vns bayde. Von wegen des andern allein geschicht
                            beuelhich, als ob dir einer beuilhicht, das du im vnd .N. einen grunt
                            kaufest vnd fuer sie bayd gelobest. <pb
                n="531"/> Der beuelhich, der ist
                            wider die gueten sitten, ist nit verbundenlich, auch ob er mit dem ayd
                            oder einer peen sei bestett, als ob einer dir beuilhicht, das du ein
                            diebstal oder ein todschlag oder ein vnrecht (begangest oder) einem
                            thuest. Aus dem beuelhich entspringt kain klage. Der welcher verstreckt
                            den beuelhich, sol nit vbertreten die end des gewalts, sunst wirt er nit
                            haben die klage wider den beuelhenden. Als ich bit dich, das du mir den
                            grund kaufest oder fuer mich gelobest vmb zwanzig vnd du kaufest oder
                            gelobest fuer dreysig. Aus dem wirstu nit mügen eyniche klage wider mich
                            haben, wan nit vmb mer dan vmb zwanzig zu kaufen vnd geloben hab ich
                            [nit] beuolhen. Der gewalt wirt aufgelöst recht gehandelt, ob er noch,
                            so die sach gantz ist, wirt widerrueft. Auch <pb
                n="532"/> wirt der
                            aufgelost, ob so noch ganz ist der gewalt der tod des andern, das ist
                            des gewaltgebenden vnd des gewaltentpfaenden, entzwyschenkumbt
                            wissentlich. Ob aber so der gewaltgeber gestorben ist dir vnwissent
                            hostu verstreckt den gewalt, die vnwissenhait entschuldigt dich nit, das
                            du dennoch schuldig bist zu bezalen, das du kauft host oder das du
                            gelihen host. Wen von strengem rechten wirt kainer erledigt von den
                            schulden, nur er bezal denen, welchen er schuldig ist zu bezalen. Es
                            wirt gegeben dem gewalthaber die klag wider die erben des
                            gewaltgebenden. Das ist gleich dem, ob einer hot ein diener, welchem er
                            sein schuldner wider begert zu werden vnd die schuld von inen zenemen
                            hot beuolhen vnd ob vnwissentlich den schuldnern hot den von im
                            geschiden, derselb darnach begert <pb
                n="533"/> vnd entpfecht die schuld
                            von den schuldnern, gewyslich werden nit erledigt die schuldner, wan sie
                            nit bezalt haben, welchem sie schuldig sein gewest zu bezalen. Doch wirt
                            geben den schuldnern die nutzbarlich klag wider den gelter, wen warvmb
                            er hot den schuldnern des dieners abzihung suld verkundt haben oder die
                            bezalung oder suld die bezalung der schuldner verboten haben gehebt.
                            Einen gewalt nit aufzunemen ist einen jedlichen frey, aber den
                            aufgenommen gewalt zu volbrengen oder zu erst, so beldest es geschehen
                            mag, zu verzeygen, das der gewaltgeber durch sich selbs oder durch einen
                            andern sein guet verzeychne. Wan ob also nit ist geschehen, so wirt
                            stathaben die klag, gnant mandati, wider den gewaltnemenden. <pb
                n="534"/> Ein gewalt mag geschehen schlechtlich oder auf ein tag oder mit
                            vnderschid. Aber ein gewalt sol sein vmb sunst gemacht..; dan ob er vmb
                            einen lon gesetzt wirt, den so wirt es verstanden ein leyung oder ein
                            bestellung. Ob an lon einer entpfecht oder annymbt ein gewalt, den
                            geburt die klag mandati oder depositi gehandelt werden, (verstee des
                            gewalts oder eins erlegten guets). Darvmb ob einer hot geben einem
                            schneider klaider zu machen, so kain lon gesetzt oder verhayschen ist,
                            dem geburt die klag mandati. Aber es wirt gehandelt ein gewalt durch die
                            wort: Ich bitt, ich beuilch, ich rathe, ich gebeut. <pb n="535"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.25">
            <head>Cap. XXV. Von den verbindungen nahet aus einem handl</head>

            <p> soltu merken das einer verbunden wirt aus nahet einem handel in funf
                            massen. Zum ersten der tragend ein gewerb eines andern on gewalt,
                            gleicherweis wen einer eins habenden ein handel tregt on wissen des. Aus
                            dem ersteet die klag, die gnant wirt negociorum gestorum, vnd dem herren
                            des getragen guets geburt die gerehen klag wider den, welcher hot
                            getrogen. Aber die klag negociorum gestorum gebuert die handlung oder
                            klag contractlich, welche klagen von kainem handel geborn werden ist
                            offenbar, darvmb aus nahet einem handel. Aber der, welches <pb
                n="536"/>
                            gewerb getragen ist nutzbarlich, auch vnwissend wirt schuldig dem zu
                            kostung vnd scheden, welcher das gewerb hot getragen; also herwidervmb,
                            welcher ein gewerb hot getragen, ist schuldig das er der verwesung
                            raytung thue dem herren, doch mit allemhochstem vleis geschehen zu sein
                            das gewerbe. Zum andern ein pfleger ist schuldig dem jungen waysen zu
                            der raytung der pflege. Doch soltu sagen derwider, das der ways schuldig
                            ist dem pfleger, ob er etwas ausgeben hot auf das guet des waysen oder
                            ob er fuer in schuldig ist wurden oder ob er sein guet seinem gelter
                            fuer in hot versetzt. Vnd so kain handl zwyschen in bayden ist
                            beschehen, darvmb ist ein jedlicher dem andern schuldig aus nahet einen
                            handl. <pb
                n="537"/> Zum dritten ob zwyschen etlichen were gemains guet
                            on geselschaft, gleicherweis als ob inen miteinander ein guet were
                            verschafft oder vbergeben vnd ir einer dem andern nit achtete ... mit
                            dem gericht oder das einer allein die frucht aus dem guet einnem oder in
                            dasselbig guet notturftige kostung machte, die haben vndereinander
                            nichst gehandelt vnd die missetat aus dem malefitz ist hie nit
                            beschehen, darvmb aus nahet oder contract wirt gesehen zu sein.
                            Desselben rechtes von den, welcher dem erben familie herciscundo ist
                            verbunden. Zum vierden der erb in namen des verschaffers nit aygentlich
                            aus einem handl wirt verbunden, wan weder mit dem erben noch mit dem
                            gestorben eynichs gewerb der verschaffung mag getragen gehebt haben
                            gesagt werden, <pb n="538"/> wan aber nit aus malefitz wirt verbunden,
                            darvmb sagen wirt ... aus nahet einem handl. Doch wen einer durch irrung
                            bezalt ein nit schuld, der wirt gesehen schuldig sein aus nahet einem
                            handl. Doch nit aus einem handel, sunder eher aus einem mishandl wirt er
                            schuldig. Wan welcher gelt in mut zu bezaln gibt, an dem gibt, das
                            gewerb erbrochen werde eher den gemacht. Vnd darvmb der, welcher
                            einnymbt, wirt dem schuldig, als ob er im das gelihen heb. Vnd darvmb
                            wirt er im schuldig aus der klag (gnant) condicticia.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.26">
            <head>Cap. XXVI. Von den bezalungen.</head>

            <p> Wan aus bezalung des, welchs man schuldig, wirt aufhebt alle schuld,
                            darvmb nach dem tractat von den verbindung nachuolgt <pb
                n="539"/> von
                            der bezalung. Darvmb ist zu sehen .., was sei bezalung, wievil ire
                            gestalt, welcher bezalen müge vnd welchem. Von dem ersten die bezalung
                            ist des, welchen man schuldig ist, widergebung oder also: die bezalung
                            ist ein erledigung von den schulden. Es sein zwo gestalt der bezalung,
                            ein naturliche, die ... burgerlich. Die naturliche vnd ware beschicht
                            durch widergebung des, ... man schuldig ist. Die burgerlich bezalung
                            beschicht in viel massen, als durch acceptilacion (verstee ein
                            verbilliche zalung), durch verneuung, durch beuelhung einem andern,
                            durch vergleichung, durch nacherbung, durch verbindung, durch ordnung,
                            durch verkundung, durch entpfaung der frucht, durch geding vom nit
                            begeren. Zum ersten durch die ... bezalung <pb
                n="540"/> der wörter
                            (gnant acceptilacio). Wan das gehandelt ist mit worten, das wirt
                            aufgelöst mit worten. Durch verneuung, das ist durch verborgschaft oder
                            vnderschaid oder wen durch einen andern weg die schuld aufgehebt werd.
                            Durch beuelhung oder darerbietung des ayds wirt aufgehebt die schuld,
                            als durch einen boten. Durch vergleichung, als wen ein anders wirt geben
                            fuer ein anders, als ich schuldig bin wein vnd gib dir korn. Durch
                            nacherbung, als wenn ein gelter nacherbt den schuldner oder herwidervmb.
                            Durch ein ander verbindung wirt aufgehebt die erst. Durch ordnung, als
                            wen ich ... dir schuldig bin, erleg bey einem. <pb
                n="541"/> Durch die
                            verzeychung wirt aufgehebt die schuld (oder verbindung), als wen durch
                            meiner frucht einnemung von meinen guetern die schuld wirt genommen,
                            wirt aufgehebt die verbindung. Es sol vnd ist schuldig zu bezalen der
                            haubtsacher vnd sein erb... es mag zalen ein ausserer fuer einen
                            schuldner, auch vnwissenden dem schuldner vnd auch vnwilligen, vnd noch
                            dem wirt erlost. De[m ist zu] bezalen, welchem man schuldig ist, sunst
                            wirt der schuldner nit erledigt. Alle verbindungen, welche mit willen
                            werden gehandelt, die werden erledigt mit widerwertigen dingen, als .A.
                            kauft ein weingerten vom .B. vmb zehen gulden, so das guet nit nachuolgt
                            ist, noch eingegeben noch das gelt bezalt. Hot inen bayden geuallen, das
                                <pb n="542"/> sie steen von den kauf vnd also werden sie
                            gegeneinander erlediget. Dasselb ist des rechtens in allen hendeln,
                            welche mit willen werden gemacht, als verleyung vnd besteung.. Wan
                            nichst ist dem rechten naturlicher mer zymlicher, dan das in der maß
                            bezalt werde, in der ainer verbunden wirt, ob mit worten .., ob mit
                            guetern ... et cetera. Vnd die ding gnug sein von der verwilligung vnd
                            von bezalung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.27">
            <head>Cap. XXVII. Von dem contract verstee einem handel.</head>

            <p> Wan aber oben meldung geschehen ist von dem handl, darvmb ist yetz zu
                            sehen, was sei contractus, wievil sein gestalt. Ein contract ist
                            eygentlichen, wo williglich hin vnd herwidervmb <pb
                n="543"/> erstat ein
                            verbindung, als in kaufung vnd verkaufung, verleyung vnd besteung. Wan
                            der verkaufer ist schuldig dem kaufenden zu geben das guet vnd der
                            kaufer ist schuldig dem verkaufer zum gelt zu bezalen. Der contract wirt
                            vneygentlich genent, wo allein von einem tail ersteet ein verbindung,
                            als kunt ist in gelihnem vnd erlegtem guet. Aber ein contract ist mer
                            vnaygentlich, wo von kainem tail ersteet die verbindung, sunder
                            erledigung, als kunt ist in einer vertragung, da geschicht einer
                            verbindung entzihung oder auflösung einer verbindung. Aber es sein drey
                            gestalt der contract. Etliche werden benant, als kaufung vnd verkaufung,
                            verleyung vnd besteung. Welche darvmb werden gesprochen benant, <pb
                n="544"/> wan kain der vocabel (oder namen) dem andern ire bedeutung
                            geben mag. Wan emcio oder kaufung nit mag genent werden (oder gesagt
                            werden) locacio noch herwidervmb, vnd also von den andern hendeln. Die
                            andern hendel werden genent vmbenant, als ich gib - das [du] gibst, ich
                            thu - das [du] thuest, ich gib - das du machest, ich mach - das du
                            gibst. Von dem ersten ein exempel in vertauschung. Von dem andern ein
                            exempel in ainer verhayschung. Von dem dritten ein exempel in der
                            vbergebung. Von dem vierden ein exempel in der zymmerung. Vnd werden
                            genent vnbenant contract, wan ire namen sein also .., das sie auch allen
                            contracten mügen dargelihen werden. Darvmb ich gib, das du gebest, das
                            gelihen wirt der kaufung vnd verkaufung, wan der <pb n="545"/> verkaufer
                            gibt das guet, der kaufer das gelt. Dergleich der verleyher verleycht
                            den brauch des guets vnd der besteer gibt den zyns et cetera. Die hendl
                            mer werden gesagt vnbenant geding vnd das darvmb, wan die geding mügen
                            dargeligen werden den benanten.. gedingen. Wen ein ding ist ein also
                            gemain nam, welcher allen hendeln wirt gelihen werden. Vnd du solt
                            merken das in der rubrica von der zal der person erzaygt ist, welche
                            mügen machen ein handel vnd welche nit. Darvmb das nit ist notturftig
                            dauon auszulegen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.28">
            <head>Cap. XXVIII. Von den verbindungen.</head>
            <p> Oben ist gesehen von der verbindung aus einem handel oder <pb n="546"/>
                            nahet bey einem handel. Nun ist verhanden zu sagen von den verbindungen
                            aus malefitz oder nahet aus malefitz. Und zum ersten soltu merken das
                            die verbindungen alle aus malefitz eins grads sein, wan sie alle aus
                            boshaftigen dingen geborn werden, als aus diebstal, raub, vnrecht,
                            schaden etc. Von welchen allen durch ordnung ist zu sagen vnd zum ersten
                            von der diebstal.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.29">
            <head>Cap. XXIX.</head>

            <p> Was sei diebstal vnd wannen die gnent, wievil sein geschlecht oder
                            gestalt des diebstelers, warvmb einer gnant werde ein dieb aus der
                            statt, wo diebstal nit gschicht, welche diebstal begangen wirt aus
                            brauchung eines fremden <pb
                n="547"/> guets, das diebstal begangen wirt
                            aus gelihem dinge, mer das begangen wirt beuolhem dinge, das begangen
                            wirt aus gehays oder erlaubnus, das etliche schuldig werden einer
                            diebstal vnd werden gestraft vnd welche durch sich diebstal nit haben
                            gethan, das etliche diebstal haben begangen vnd aus wrsach einer
                            diebstal nit werden gestraft, in welchen gueter diebstal geschech,
                            welche klagen ensteen aus einer diebstal, welchem geburet die klag einer
                            diebstal, wider welchen die gebur, in welchen massen wirt geklagt wider
                            einen dieb, das einer seines guts ein diebstal mag thuen, welche sei ein
                            peen zw stelen. Von dem ersten ein diebstal ist ein vntreuliche
                            brauchung wider willen des (guts) herren eines frembden guets beweglichs
                            oder <pb
                n="548"/> bleyblichs, welchs beschicht in mut zu gewynnen oder
                            von wegen eins guets oder einer besytzung. Ich hab gesagt contrectacio,
                            das ist ein hinthuung oder ein abnemung, es geschech von hinschickung,
                            hintreybung oder abnemung oder reytung, wan on die ding diebstal nicht
                            geschicht, wiewol der wille oder das wort oder geschrift entzwyschen
                            kombt, wan allein die betrachtung diebstal zu thuen macht nit diebstal,
                            auch nit das wort, nit die geschrift, nur etlichs geschichtes
                            hernachuolgung oder ein wrkund. Ich hab gesagt ein vntreuliche, wan ob
                            einer aus eynicher irrung gefuert sein guet schatzend ist vnd des
                            rechtens vnwissender in dem mut hinnymbt, der begeet nit den diebstal.
                            Es wirt gefragt, ob dem herrn des guets gezyme, sein gut durch gewalt
                            hintragen von einem <pb
                n="549"/> jedlichen besytzer. Ich sage mit dem
                            gerichte, der ist nit schuldig der diebstal. Ich hab gesagt wider willen
                            des herrn, als ob er glaubt hab den herren das werden zugeben vnd ist
                            dabey ein gerechte wrsach zw glauben, villeicht darvmb das er ist ein
                            bruder oder geborner freund oder ein guter gesell, der wirt nit schuldig
                            aus wrsach einer diebstal. Ich hab gesagt fremdes guets, wen vmb des
                            guets, welches schlechtlich mein ist, thu ich kein diebstal. Ein anders
                            ist, ob ein ander das guet hot bey mir oder ob ein ander in meinem guet
                            recht hot, als ein gelter oder ein kaufer guetes glaubens, gewislich in
                            den dingen thue ich ein diebstal vnd bin schuldig aus klag einer
                            diebstal, aber doch ist das guet nit diebstellig. Ich hab gesprochen
                            beweglich, <pb
                n="550"/> wen das vnbeweglich guet mag nit hingetragen
                            werden vmb seine vnbeweglikait. Und leyblichs, wan das vnleyblich mag
                            nit gegriffen noch vmbzogen werden. Ich hab gesagt in mut zu gewynnen,
                            als ob einer hot ein huern geraubt vnd verschweigt aus wrsach der
                            vnkeusch, der begeet nit ein diebstal, wen er nit mut hot die zu
                            behalten. Ich hab gesprochen von wegen eins guets, als wider
                            gerechtikait des ingehalten ... guets. Ich hab gesprochen von wegen der
                            besytzung, als durch gewalt oder heymlich besessen, die all sein
                            schuldig einer diebstal vnd sullen gestraft werden. Ich hab gesprochen
                            des brauchs, als zu schaden. Wan es mocht der gelter ein pfand brauchen
                            vnd zu tragen ein klaid ein kurtze <pb
                n="551"/> zeit, das es die
                            schaden nit erstörten. Welches ist dasselbe von dem erlegten guet,
                            welches einer brauchen mocht on allen schaden vnd geverde. Es wirt aber
                            gnent furtum a furno nigro uel obscuro vel opaco darvmb, das es haymlich
                            vnd finsterlich vnd oft bey der nacht geschicht oder von dem
                            lateynischen wort fraude oder hintragen werden, welche ding in diebstal
                            albeg beschehen. Der diebstellen sein zwo gestalte, als ein offenbare
                            vnd nit offenbare. Die offenbare diebstal ist ein diebstal, an der der
                            dieb begriffen wirt, eemal er kumbt an sein beschidne statt. Das nit
                            offenbare ist ein diebstal, doran nit begriffen wirt der dieb, aber das
                            selb guet ist dieblich. Das offenbare ... wirt gnent in <pb
                n="552"/>
                            vierlay maß: Zum ersten wen der dieb begriffen wirt mit dem gestolen
                            guet, er hab das in der hand oder auf dem rucken. Zum andern wen er
                            begriffen wirt an der stat, ..ein diebstal geschehen ist, als in meiner
                            kamer oder rosstal ... diebstal zu thuen vnd nit zu der thuer ausgangen
                            wirt begriffen. Dasselb ist auch in dem weinwachsen der trauben vnd
                            ölgarten der ölbaum oder baumgarten oder in einer wies hot diebstal
                            gethan vnd daselben begriffen ist wurden. Zum driten ist der dieb ein
                            offenbarer, wie lang er das verstolen guet inhelt vnd begriffen wirt an
                            einer offnen oder besunder statt, von dem herrn des guets oder von einem
                            andern, ee das er kombt an die statt, in welche er das verstolen guet
                            tragen vnd erlegen hot erwelt. Zum vierden ist ein <pb
                n="553"/> offner
                            dieb, welcher wen er gejagt, an einer jdlicher stat das sein wirt vnd
                            die diebstal von im wirft, den so sol die diebstal im gelegt werden auf
                            sein hals vnd dem richter geantwurt werden. Auch saltu merken das einer
                            ist ein haymlicher dieb in vier massen, zum ersten in welches haus ein
                            diebstal gefunden ist, eyngenommen oder abgetragen oder verboten vnd nit
                            herfuer gezaigt (die erfunden diebstal). Conceptum ... wirt genant, wen
                            bey einem verstolen guet ist gesucht vnd nit erfunden, als zeugen
                            gegenwurtig waren, wiewol er das gut allein nit hot genommen. Die
                            abgetragen diebstal wirt gesagt, wen das verstolen guet ist einem
                            genommen vnd zuegelegt wurden, das es eher bey im gefunden werd den bey
                            dem diebe. <pb
                n="554"/> Die verboten diebstal wirt genant, wen einer
                            verstolen guet suechen wellende bey einem andern, so zeugen gegenwurtig
                            sein, so wirt er nit verhengt zu suchen, sunder er verbeut. Nit herfuer
                            gezaigte diebstale ist, wen einer verstolen guet bey einem gesucht vnd
                            nit gefunden er fuerzaigen vnd gesehen zu werden versagt. Es ist
                            offenbar, das alle die, welche verstolen guet annemen, verschweygen,
                            behalten, kaufen, verkaufen, sein heymliche diebe. Wan diebstal nit
                            allein begangen wirt aus abnemung frembdes guets wider willen des
                            herren, ... gleicherweis ein gelter, ob der braucht verpfendt guet, oder
                            der, bey welchem das guet erlegt ist, oder der, welcher das guet zu
                            brauchen entpfangen hot vnd in ein andern brauch das verwendt <pb
                n="555"/> hot, dan von welchs wegen es in ist verlihen. Gleicherweis
                            ob einer silberine vaß hot entlehnet, als ein freunt zu seinem brauch
                            geladen werden vnd er die lang zeit nit widergebend verkauft oder
                            versetzt oder vbergibt einem andern vnd verendert, der hot den diebstal
                            begangen. Das ist auch, ob einer ein roß aus wrsach zu spaciren in ein
                            stat hot gelihen oder vbergeben vnd in einen wagen oder in ein pflug hot
                            gesetzt oder das roß einem andern zu arbayten hot gelihen oder
                            vbergeben, der begeet ein diebstal. Wan die gestalt einer diebstal ist
                            von fremden guet geben oder ein fremd guet verkaufen, verbunden werden
                            oder hinleyen. Aus dem ob ein khnecht eines andern herrn wider willen
                            des herrn oder vnwyssend dem herrn ein roß oder ein ander guet hot
                            eynichem gelihen, der begeet ein <pb
                n="556"/> diebstal, nur er wysse
                            den herren das verhengen werden vnd wider seinen willen [nit] zu sein.
                            Ob aber einer wirt geen in seines nachbern haus oder eines freunds vnd
                            nymbt das roß oder ein ander guet nit in muet zu stelen, glaubende das
                            zu sein von dem willen des, welches das guet ist, der begeet nit den
                            diebstal, wan der begeet nit diebstal nur in mut zu stelen. Wan der
                            wille vnderschaidet das malefiz. Welcher vom offen guet oder vom guet im
                            auf sein treu beuolhen etwas hinnymbt oder in seinen brauch bekert oder
                            einem andern vbergibt oder leicht, verkauft oder verbindt, der ist der
                            allerschnodest ... darvmb, das er sein treu bricht mit den im beuolhen.
                            Und herwidervmb ist der zu strafen mit zwifeltiger peen, als gesehen
                            wirt an seiner.., <pb
                n="557"/> wan er thuet ein diebstal vnd bricht
                            sein treu. Item welche ein guet finden vnd nit widergeben erfordert vmb
                            das, sein der diebstal schuldig, wiewol sie diebstal nit haben gethan,
                            doch werden sie nit mit peen ener diebstal gestraft, sunder sie werden
                            bezwungen wider zu geben. Aber die richter einer diebstal des guets sein
                            schuldig, oder mitwissen oder verhengen diebstal zu geschehen oder
                            erlaubnus geben vnd welche die dieb nit vahent vnd vber sie nit richten
                            vnd welche die schuldigen vmb gelt hinlassen oder welche die dieb
                            verschweigen, wan alle die sein gesellen der diebe. Item es wern
                            schuldig aus klag einer diebstal alle die, welche die ... beherberigen
                            vnd welche diebstalen <pb
                n="558"/> wissentlich behalten, welche
                            wissentlich kaufen oder verkaufen gestolen guet vnd welche mit einem
                            diebe in der diebstal haben ein tail, wan die thuenden vnd die
                            vergunnenden werden mit gleicher peen gestraft (vnd gepeyniget).
                            Underweile wirt der diebstal schuldig vnd wirt gestraft, welcher durch
                            sich selbs die diebstal nit hot gethan, als der, welcher rath, hulf vnd
                            stewer hot geben zu thuen ein diebstal. Der rath ... welcher rath setzt,
                            vnderricht oder antreybt einen zu stelen. Doch ist der ratende nit
                            schuldig der diebstal, nur die diebstal sei hernach geuolgt, wan ein
                            rath ist zu bayden tailen, wen der mensch mag nachuolgen einem rath oder
                            nit. Der thut hulf, welcher verleicht sein khnechte oder roß zu thuen
                            diebstal. <pb
                n="559"/> Hilf thuet der, welcher berait wergzeuch zu
                            guetem dieblich zu nemen, als ob er ein laeter leycht zu steygen in die
                            fenster der hewser oder eysenwergzeuch berait zu durchgraben die heuser
                            oder zu brechen die mewr oder die thuern aufzwbrechen vnd welche
                            beraitend falsch schlussel die schreine auf zu thuen, das sie messer ...
                            oder horn zu bürschen vnd dergleichen. Die alle seind haymlich diebe vnd
                            sein schuldig. Vnd herwidervmb thuet einer ein diebstal, aber im geburt
                            nit die klag, einer diebstal wirt auch nit gestraft, als ob das eeweib
                            dem eeman, der haussun seinem vater, der khnecht seinem aygenherrn etwas
                            enzeucht vnd stilt, warlich sie thuen auch diebstal <pb
                n="560"/> vnd
                            das guet veruelt in diebstalliche wrsach, doch so wirt nit geborn
                            zwyschen den aus dem die klag einer diebstal noch in das geschicht auch
                            nit in die peen des leybs vnd der gueter. Ob aber mit rath oder hulf
                            eines andern ein sulche diebstal ist geschehen, derselbig wirt schuldig
                            einer diebstal vnd wirt gestraft, wan on in were der diebstal nit
                            geschehen. Dergleichen auch die kinder vnd die schwachen von alters
                            wegen, die tobigen vnd naren naturlich werden nit gestraft am leibe vmb
                            diebstal, sintemal sie nit haben beschaidenhait der vernunft vnd wissen
                            nit was sie thuen. Ob aber ein haussun hot von ankommendem guet oder von
                            seinem aygen oder von seiner arbet vnd dienst, von denen sol er genug
                            thuen dem vater von der verbrochten diebstal vnd herwider <pb
                n="561"/>
                            der vater dem sun, der herr seinem khnechte. Das eeweib irem manne, die
                            nit habend ist verwesung der gueter, sol irem man gnug thuen. Ob sie
                            aber ist ein (kauferin vnd verkauferin als ein) kaufmanyn, den so wirt
                            sie nit schuldig zu widergebung vnd gnugthuen den manne, wan also werden
                            sie zu gleichen dingen gewrtailt. Dasselb wirt auch gesagt von den
                            kinden vnd von abkomenden von iren kreften, ob sie etlichen thuen
                            schaden ... zu vergleichen ... oder wider zu keren, sullen sie nit
                            gestraft werden am leib oder in iren glidern. Aber es wirt entschuldigt
                            der dieb von der peen einer diebstal, ob er vmb die letzte notturft, als
                            hungers vnd kelde, stilt speis vnd klaider oder andere notturft in
                            klainer (oder weniger) grös, wan in der letzten not sein alle ding
                            gemain. <pb
                n="562"/> Und ich sprich in klainer grös, als ein weintraub
                            ,ein leycht guet, ein alten rock oder ein schwachen mantel, dergleich.
                            Und das ist die wrsach, wan ob er heut stele einen rock, morgen einen
                            mantel, nach morgen einen pelz oder ein kappen oder ein guets klaid, der
                            were zu strafen. Wan die letzt not ist, on welche der mensch leben nit
                            mag, als ist die narung vnd das beklaidung. Aber nit allein fremdes
                            guets einer thuet ein diebstal, ja auch seines aygens guets mag einer
                            thuen ein diebstal ... Es geschicht aber diebstal eygens guets in
                            beweglichem oder leyblich, als oben gesagt ist in der auslegung der
                            diebstal. <pb n="563"/> Und ich sprich in beweglichem guet durch
                            haymliche vberlaufung oder vbergebung der schlos, der stette, der heuser
                            durch vntreu, als leuterer hernach wirt offenbar. Und du salt merken das
                            diebstal nit allein geschicht in guetern sunder auch in personen,
                            gleicherweis ob er in einen freyen menschen hot erzogen vnd den hot
                            verkauft, vbergeben oder kauft wyssentlich, der begeet ein diebstal vnd
                            wirt gestraft aus klage einer diebstal.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.30">
            <head>Cap. XXX. Von den klagen einer diebstal.</head>

            <p> Aus diebstal werden geboren dreu klagen, als ein peynliche, ein
                            bürgerliche vnd ein vnderschidliche. Und von einer der klagen ... zu der
                            andern mag der klager nit kommen vnd ob der herre des <pb
                n="564"/>
                            verstolen guets klagt wider den dieb vmb das gestolen guet, den so mügen
                            der scherer oder schneider oder schuester vmb das guet in beuolhen ledig
                            werden vnd herwidervmb. Die klag einer diebstal geburt zum ersten vnd
                            erstlichen dem herrn des guets vmb das gestolen guet. Zum andern so
                            geburt sich dem kaufer oder commissarii oder leyher oder behalter
                            erlegts guets guets glaubens. Wen warvmb der leut gerechtikait ist in
                            beuolhen vnversert zu bleyben vnd zu behalten. Die klag einer diebstal
                            geschicht wider den dieb, ob klagt wirt burgerlich, zu geltlicher peen,
                            ob aber peynlich, den zu der gesetztlichen peen; ob aus vnderschid (oder
                            condicion), den zu widergeben das gestolen guet. Darvmb so wirt in
                            dreyen massen klagt wider den dieb, als burgerlich, <pb
                n="565"/>
                            gesatzlich vnd aus einer condicion. Die peen einer diebstal in
                            peynlicher oder gesatzlicher klag ist nit albegen ertötung, sunder
                            vnderweylen mit prugeln ausschlahen, schlahung mit gerten oder zu zen
                            brennen oder zu orn abschneiden oder bezeichnung an der stirn mit einem
                            gluenden eysen oder dergleichen nach freyem willen des richters vnd
                            grose der diebstal, (grose) vnd welichkait. Die peen offenbarer diebstal
                            in burgerlicher klag ist vierfeltig. Aber die peen haymlicher diebstal
                            zwyfeltig. Die peen der diebstal, welche zu der gewyssen, ist
                            schlechtlich. Doch ist schuldig der dieb in burgerlicher klag das
                            verstolen guet nach der gewissen schlechtlich wider zu geben mit den
                            fruchten <pb
                n="566"/> daruon entpfangen vnd die hetten mugen entpfangen
                            werden vnd ob er dasselbig guet het erger gemacht, wirt er schuldig zu
                            erfüllung, ob er auch das guet het gebessert, so sol er nit begern ein
                            vergleichung. Ob das gestolen guet ist verdorben, so wirt er das
                            bezalen, als zu der zeit, in welcher es mer werd ist gewesen, wirt
                            geschatzt. So ist es frey dem herren des guets oder einem andern vmb das
                            gestolen guet zu klagen entweyders burgerlich oder peynlich oder mit
                            vnderschaid. Auch die diebstel nit allein in grosen guetern begangen
                            wirt sunder auch in den personen . Wan so haben die gestolen gueter
                            mancherlay peen, als oben gesagt ist. Und ist zu merken das nit allein
                            das, welches mit diebstal genommen ist, wirt vermerkt, sunder auch der
                            will vnd <pb
                n="567"/> die boshait des stelenden, als ob einer stilt ein
                            sattel, vil lieber ob er gemügt het stele er das roß, vnd nach dem sol
                            er verwrtailt werden. Es sol auch vermerkt werden im stelen zeit vnd
                            stund, als die nacht vnd der tag vnd dergleich die statt, ob in einem
                            geweichten oder vngeweichten statt und das gestolen guet sei hailig oder
                            nit haylig. Es ist auch zu wissen, das diebstal mit eynigem gemut
                            begangen in willen zu stelen wirt gestraft, wiewol das werk nit hernach
                            uolgt. Und das nach den gegenwurfen vnd zaychen, als ob einer durchgrebt
                            ein haus, das er stele, wiewol der schade nit hernach uolgt oder das
                            werk, doch der böse wille wirt genommen fuer das werk in den zaychen.
                            Dasselb in den brennern, welche in hamlikait tragen <pb
                n="568"/> das
                            feur vnd anzunden, vnd ergriffen werden gestraft. Dasselb auch in den
                            wellenden rauben vnd vberlaufern der gueter. Dasselb welcher ein
                            jungfrawen mit gewalt hot dernider wurfen wellend sie enteren. Dasselb
                            ist auch des rechtens, ob einer die thuer eynichs hauses eins frummen
                            mannes aufhengt, brend vnd besem anhengt, eschen, ein schwert oder ein
                            bluetigs schwert. Dasselb in vil andern dergleich. Und kurtzlichen wo du
                            finden wirst brauchung fremds guets [wider] den willen des herrn des
                            guets, da albeg verstast ein begangen diebstal, es geschech (oder nit)
                            aus der statt, aus dem brauch, aus dem gelihnen guet, aus dem gebot, aus
                            dem erlegten, aus dem beuolhen, aus dem kauften, aus dem verkauften etc.
                            Und ist zu wissen das die klage einer diebstal ist also vnleumbs <pb
                n="569"/> voll, das wider die fursten noch der landspfleger des
                            lands noch eynicher richter mag machen fuer recht, das dem verdamten
                            oder verwrtailten aus klag einer diebstal nit nachuolge vnleumbt, wan
                            sie mugen die schuld vnd die peen dem verdamten vmb ein diebstal
                            nachlassen, den vnleumbden aus diebstal erwachsen nachlassen nit mugen
                            in eynicher maß. Es ist aber ein zwyfeltich vnleumbd, als in gaystlichen
                            vnd we[l]tlichen rechten vnd wirt gesagt die klage vervnleumbd als
                            volles vnleumbs. Item etliche der diebstel bleyben in gemainen namen,
                            etlich geent zu besundern namen, als ein diebstal eins geweichten guets,
                            das gnent wirt ein kircherbrechung, vnd ein diebstal offens guets wirt
                            gnent pecolatus; welche einen freyen menschen stölen, <pb n="570"/>
                            werden gnant plagiary; die das viech hintreiben oder die hert, die sein
                            abigei, verstee viechrauber. Und merk das ein jedlich verstolen guet von
                            kainem mag angenommen werden, eemal es in des herrn gewalt widerkomme.
                            Zum letzten soltu merken als sein vil und mancherlay diebstel, also sein
                            mancherlay peen der diebstel. Aber etliche dieb werden gestraft am leib
                            allein, etlich in guetern allein, etlich an eren allein, etlich in den
                            dingen allen, als offenbart wirt ...</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.31">
            <head>Cap. XXXI. Von den kirchbrechlern.</head>

            <p> Was sei kirchbrechung, wievil maß es begangen werd, welche peen der sei.
                                <pb
                n="571"/> Kirchbrechung ist ein diebstal heyliger gueter.
                            Kirchbrechung wirt begangen drifeltiglich: wan eyntweders einer stilt
                            ein heylig guet von einem heyligen oder heylige gueter von einer
                            kirchen; oder er stilt ein heyligs nit von einem hayligen, als heylige
                            gueter von einem gemainen haus oder kammer; oder er stilt nit heyligs
                            von heyligen, als mesbucher, kertzen vnd dergleichen von einer kirchen,
                            dergleichen gueter der leyen geflöhnet oder zu behalten gegeben in einer
                            kirchen, als korn vnd andre gueter. Die peen der ding, die stelen
                            heylige gueter von hayligem, ist verbrennung. Dasselb ist auch von den
                            aufbrechern vnd freuelern der kirchen in mut zu stelen, wiewol diebstal
                            nit darnach volgt. Welche aber stelen nit haylige ding von hayligem, wie
                            gar <pb n="572"/> fast klaine, ist die peen henkung. Es sprechen etliche
                            tirannen, das ein offner raub sei verhengt, er hab auch nit eyniche
                            peen, das ist wider die rubrik, welche sagt, ob einer sein gut eynichen
                            andern wurd leyen, der sol das mit aygen gewalt nit hinwegtragen von
                            dem, das auch vmb den mynsten raub ein rauber sol gestraft werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.32">
            <head>Cap. XXXII. Von den raubern.</head>

            <p> Was sei ein rauber, in welchen dingen geschech eyn raub, wie begangen
                            werd ein raub, wievil maß geschech ein raub, welche und wievil klagen
                            aus einem raub ersteen, welche peen der rauber. Von dem ersten ein
                            rauber wirt gnant ein boser dieb, wan <pb
                n="573"/> er merer belaydigt
                            seinen nachsten, wen ein dieb darvmb, wan wider willen des herrn vnd
                            vnderweilen vnwissend ein frembd guet durch eygen gewalt offenlich vnd
                            on forcht raubt vnd hynnymbt, aber der dieb allein haymlich vnd mit
                            groser forcht stilt. Ex beschicht aber ein raub in guetern vnd in
                            personen. Doch aygentlich geschicht ein raub in guetern, aber raptus,
                            (das ist geraubter), in den personen vnd voraus in den jungfrawen. Die
                            missetat eines raubs wirt begangen in sechs maß, als offenlich,
                            besunderlich (oder heymlich), mit waffen oder on waffen, besunderlich
                            oder mit samlung, vnd nach dem sein mancherlay peen der rauber.
                            Offenlich geschicht der, wan einer durch aygen gewalt on samlung frembde
                            gueter hynnymbt vnd raubt, welche gueter, <pb
                n="574"/> ob die sein
                            heylig oder von einer heyligen statt geraubt, den so geschicht ein
                            kirchebrechung. Besunderlich geschicht, wen einer haymlich raubt oder on
                            samlung vnd der hayst vispilio, verstee ein rauber mit gewalt oder ein
                            rauber. Ob geklagt wirt burgerlich vmb den raub, den der rauber mit
                            waffen vnd samlung wirt in vierfeltung gestraft, ob er hot; ob er aber
                            nit hot, so wirt er erhangen oder wirt gestraft in einer andern maß. Ob
                            aber klagt wirt peynlich, den so wirt er vmb den offen gewalt geschicht
                            in ein insel, vmb ein besunder (oder haymlich) freuel sol er von aller
                            schickung seiner guter vnd machung des geschefts ausgeschlossen werden.
                                <pb
                n="575"/> Aus einen raub ersteen dreu klagen, das ist ein
                            burgerliche, ein peynliche und ein vnderschidliche (gnant
                            condicionalis), als oben gesagt ist von der diebstal, wan es wer ein
                            gespotlich ding zu sein einer leychterer achtung, welcher mit aygen
                            gewalt raubt dan welcher haymlich stilt. Darvmb ist die klag nutzberlich
                            vnd kreftig, auch ob das allermynst guet geraubt wirt. Also auch die
                            klag eines raubs durch aygen gewalt gebuerd auch, ob einer aus bosem
                            list hot geraubt. Ob er aber aus irrung verfuert wirt oder vnwissend des
                            rechtens schatzend ist das guet sein zu sein vnd hot das in dem mut
                            geraubt, aus dem einem yeden herrn gezymbt, sein beweglich oder
                            vnbeweglich guet hinfuern von einem yeden vnzymlichen <pb
                n="576"/>
                            besytzer, sulcher sol durch ein ortel des richters erledigt werden von
                            recht von der klag (gnant) vi bonorum raptorum, welcher nit schuldig ist
                            aus der klag einer diebstal, der in der maß raubt (oder hynnymbt).
                            Sunder das nit die allerschnödisten rauber vnstreflich üben ir boshait,
                            ist gesetzt ein gesatz, das nit verzym eynichem mit gewalt rauben ein
                            beweglich guet oder sich bewegen[d], wievil er dasselbig guet sein zu
                            sein schatzt vnd ob einer wider wirt thuen, der wirt der herrschaft
                            seines guets mangeln, sunder auch das frembd geraubt guet oder seinen
                            wert sol in zwyfalt genöt werden wider zu geben. Welchs wir nit allein
                            in beweglichen guetern gehalten schatzen, sunder auch in den (herbringen
                            oder) bleybungen vnd <pb n="577"/> welche bestymbte vnbewegliche gueter
                            sein, gebieten wir zu behalten. Und das darvmb geschicht, das aus der
                            peen die menschen von allen raub abbroch haben. Wan der raub ist also
                            widerwertig dem rechte, das ob einer sein guet einem andern leycht oder
                            erlegen wirt oder verleycht oder zu pfand gibt, das er dasselb mit aygen
                            gewalt von dem hynnemen nit mag noch sol in aynicher maß oder in
                            aynicher ander maß ...</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.33">
            <head>Cap. XXXIII. Von dem raub der jungfrauen</head>

            <p> macht die rubrik erstlich zway ding: Zum ersten erzaigt sie, in welchem
                            ding der begangen wirt, zum andern setzt sie die peen der rauber. <pb
                n="578"/> Der rauber eygentlich wirt gnant der jungfrawen vnd der
                            raub geschicht zwyfeltiglich. In einer maß wen die tochter (eins tayls)
                            von dem hause ires vaters gezogen vnd ausgefurt wirt, eyntweders der
                            eygen gewalt wirt iren vater vnd muter oder der tochter bewysen. In der
                            andern maß wen die tochter in dem hause oder ausserhalb des vaters hause
                            entert vnd entbleumbt, es sei mit irem willen oder on willen es
                            geschech, von einem aussern oder von einem innern die vnkeusch geschech,
                            wie erstörung begangen wirt. Es beschicht auch raub der verheureten vnd
                            der klosterfrawen vnd der diernen vnd der huern vnd auch der tochterlen
                            vnder zwelf jarn. Du solt merken hie das die vnkeusch halt sich gegen
                            einem jedlichen <pb
                n="579"/> vnkeuschen werk, als das geschlecht zu
                            seiner gestalt. Wan die vnkeusch hot vnder ir vil gestalt, welcher eine
                            albeg ist schwerer dan die ander, darvmb so wirt einer ein schwererer
                            peen leyden. Welcher gestalten sein: formacio, das ist vnkeusch,
                            eebruch, enterung, raub, vnkeusch freunds mit eyner freundin vnd wider
                            die natur. Von den penen aller der wirt besunderlich gehabt in dem
                            nachuolgenden buech. ...vnd sein gantzes guet der geraubten wirt gegeben
                            zu vergleichen der freuel ir gescheen vnd aus dem [verleurt] sie nit ir
                            eer, wan ir wille vnd verwilligung ist nie darbey gewesen. Und mit der
                            selbigen hauptlichen peen werden gestraft al sein gesellen vnd mitgeend.
                                <pb
                n="580"/> Und merk das eine geraubte frau nit sol erwelen die
                            geselschaft des raubers vor der zeit von dem gesatz gegeben, wan sie
                            wurd der erbschaft veterlichs erbs beraubt, ob sie vor zeit von gesatz
                            gesetzt wurd einen man nemen. Ob aber einer von meinem hause wurd
                            erstörn meine tochter oder mein geborne freunde in meinem hause oder ob
                            er sie fürte ausser dem hause, sie sey willig oder vnwillig, sol der
                            gestraft (oder beraubt) an seinem haubte, vmb das er sein treu an seinem
                            waren herrn hot gebrochen. Ob aber mein diener wirt entern mein diern in
                            meinem haus, den sol er sie nemen zu einem eeweibe oder von der statt
                            funf jar verboten werden vnd das geschicht <pb n="581"/> darvmb, wan er
                            hot das gantze haus gevnert.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.34">
            <head>Cap. XXXIV. Von den raubern.</head>

            <p> Von den raubern, was sei ein rauber (gnant predo), wannen er gnant wirt,
                            welche ... peen. Predo aygentlich wirt genent, welcher die laufer vnd
                            boten die weg geenden an offen strassen haymlich vnd auf legung ire
                            gueter beraubt. Und wirt vnderweylen gnant ein soldner zu sein ein
                            rauber, welcher in aygen seinen solden nit steet benugig, sunder die
                            andern beraubt. Auch wirt gnant der rauber ein richter, welcher sein
                            vnderthanen vnschuldig straf abernöt. Auch wirt gnant der rauber ein
                            tirann, welcher von seinen vndertanen vngelt vnd hayschung vngewontlich
                            abernöt. <pb n="582"/> Die peen der ersten zwayer rauber ist henken,
                            aber der letzten zwayer ist die peen der gantzen widergebung.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.35">
            <head>Cap. XXXV. Von den brennern.</head>

            <p> Was sei ein brenner, wievil maß er wirt, welche peen der selbigen. Ein
                            brenner ist der, welcher fremde heuser oder samen im felde oder korn
                            oder getrayd oder baum williglich mit zuegelegtem feur anzundt aus rach
                            oder aus haß. Es beschicht aber ein brand vierfeltiglich, eyntweders
                            williklich oder ongevar, offenlich oder haymlich. Welcher williklich aus
                            argem list mit zuegelegtem feur anzundt, der wirt mit dem feur verbrant.
                                <pb
                n="583"/> Ob aber vngevarlich von dem haus eines andern durch
                            saumnus ist ein feuer aufgangen, aus welchem dem nachbern sein scheden
                            geschehen, die, welchen vnwilliglichen das geschehen ist, sullen
                            burgerlich vnd gnediglichen gewrtailt werden vnd meslich gestraft. Doch
                            dem richter sein sie schuldig albeg in einem lb., ob das feur vber das
                            dach ist erwachsen. Dasselb recht ist von den brennern vnd frevelern vnd
                            aufbrechern der kirchen nach den gesatzen das sie verbrent werden, nach
                            den gaystlichen rechten gebant vnd nymand mag sie erledigen den der
                            Babst. Offenlich beschicht ein brunst, wen einer durch eygen gewalt oder
                            mit besamlung verbrent die gueter der andern, als die mechtigen tirannen
                            thun. Hay[m]lich, wen einer on <pb n="584"/> samlung anzündt oder
                            verbrent der andern gueter oder besytzungen, auch on wrsach.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.36">
            <head>Cap. XXXVI. Von dem wucher.</head>

            <p> Vnd wan ein klains oder nichst entzwyschen ist vnder diebstal, raub vnd
                            wucher des gesatzts halben der widergebung, darvmb sein fuerbas wenig zu
                            sagen von dem wucher, wiewol von vnserm gericht nit ist. Und zum ersten
                            was sei wucher, von welchem es gnant werde, in welchem handel beschech
                            der wucher oder in welchen vellen verhengt werde ein wucher, wie die
                            wuchrer oder ire erben genott werden zu widergebung des wuchers. Von dem
                            ersten ist ein wucher was dozue geet dem haubtguet aus böser maynung
                            vorgeend [oder] geding. <pb
                n="585"/> Ich hab gesprochen dem haubtguet
                            zu vermerken den contract mutuum (verstee den handel), in welchem allein
                            [begangen] wirt der wucher. Wan aus verlihen guet, ob etwas geben wirt
                            oder genomen, ist nit wucher sunder ein gewerb, welches dem verlihen
                            guet zugeet. Es ist ein zwyfeltige vnderschaid zwyschen mutuum vnd
                            locatum, (verstee dem gelihen vnd verlihen), wan im verlihen gut wirt
                            nit verwendt die herrschaft, aber im leyen wirt sie verwendt. Auch wen
                            der schad des verlihen guts gehort zu dem verleyer, aber der schad des
                            leyens gehort zu dem schuldner vnd darvmb zymlich der lon von dem
                            verlihen gut wirt gefodert vnd genommen, aber nit von dem wucher. Ich
                            hab gesprochen aus böser maynung vorgeend, wen in hoffnung vnd aus
                            erwartung des gewyns <pb
                n="586"/> wirt begangen der wucher, sintmal aus
                            wrsach zu verwandeln in den dingen erstlichen wirt gesetzt. Ob aber aus
                            liebe vnd lust gescheh ein leyen, den so wirt es nit genant ein wucher,
                            wiewol nachuoliklich etwas hoffnet vmb ein widerlegung. Wan villeicht
                            naturlich der schuldner ist schuldig dem leyhenden zu einer widerlegung
                            oder zu einem dienst zu thuen. Auch hab ich gesprochen on geding, wen
                            warvmb ob vmbsunst vnd freylich der schuldner gibt etwas dem leyher,
                            allermayst nach bezalter schuld, das fuert nit ein den wucher, wan kaine
                            verbindung dem annemenden ein vermagligung der schuld eintregt, die nit
                            aus erforderter begerung geet. Usura wirt gnant quasi usus eris, id est
                            pecunie. (Ein wucher <pb
                n="587"/> wirt gnant als ein brauch des gelts),
                            wan in namen des gelts wirt begriffen alles, das die menschen haben.
                            Darvmb der wucher wirt allein begangen in dem handel eines leyens, von
                            welchem hie nachuoliklich gehandelt wirt. Aber das leyen wirt allein
                            gehandelt in den guetern, welche besteen in zal, gewicht vnd maß, von
                            welchen oben gesagt ist. Doch auch wirt es begangen in andern guetern
                            dan in nu gesagten. Als ob ich dir leych gelt vnd du gehayst mir zu
                            geben ein roß oder dergleichen, das wirt geschetzt ein wucher. Doch in
                            siben vellen nach gaystlichen rechten werden zymlich begert die wucher.
                            Zum ersten wen eynem leyen ein gaystliche pfriend geben wirt vnd ob der
                            selbige ley vbel in helt, den so mag die kirch oder <pb
                n="588"/>
                            gaystliche person das in pfand nemen, wirt auch nit rayten die frucht in
                            das haubtguet, das aufs mynst in der maß das gaystliche guet von der
                            hand des layens wider erlöst werde. Der ander vall, wen der borge hot
                            bezalt die schuld vnd die wucher am haubtguet, wan er hot geschworn,
                            denn so fordert der borg zymlich von dem schuldner die wucher, die er
                            fuer in hot bezalt. Aber kainer ist schuldig zu bezalen die wucher, nur
                            welcher geschworn hot die zu geben, wan es ist besser wucher zu geben
                            dan den ayd ze brechen. Der dritt vall, wen begert wirt der gaystliche
                            wucher, das ist die peen von gaystlichem recht gesetzt, welche zymlich
                            mag begert werden vber das haubtguet. Der vierde vall, wen begert wirt
                            der wucher nit als ein wucher, sunder als ein interesse, <pb
                n="589"/>
                            das ist an stat des schadens zu vermeiden nit des gewyns zu nemen. Wan
                            der schuldner thut verzug in bezalen, von welchem schaden kommen vnd
                            s[ch]ulch schaden werden gnant interesse vnd nit wucher, als kuntbar ist
                            in den hendeln guets glaubens, in welchen albeg die scheden zugelegt
                            werden vnd werden zymlich genommen. Der funfte vall ist in sache einer
                            verleyung eins guets, in welcher zymlich wirt etwas genommen vber das
                            haubtguet, das ist vber die herrschaft des guets, das ist der lon,
                            welcher nachgeet dem verlihen guet. Der sechste vall ist von wegen der
                            vngewishait. Der sibende vall ist, wen besytzung der gueter von dem
                            heyligen vnd gemainen guet vmb gezelt gelt zu pfand gesetzt sein, den so
                            werden die frucht nit gerayt <pb
                n="590"/> in das haubtguet, wan das
                            hewretguet wirt darzu gesetzt, das die burden der ee ... aufenthalten
                            werden. Vnd darvmb wen [fur] das heuretberlich gelt das guet wirt
                            verbunden, den als aus erbern gewyn des gelts die burden der ee werden
                            aufenthalten (oder geliden), also auch aus den fruchten des ligenden
                            guets, welche an statt des lons nacherben. Es sullen gezwungen werden
                            die offnen wuchrer vnd auch ire erben zu widergebung der wuchrer nach
                            gaystlichem recht, wan sie werden gebant vnd der fronleichnam Cristi
                            wirt in nit gegeben werden vnd in dem freythof werden sie nit begraben.
                            Nach den gesatzen werden sie genot widerzugeben, wan ob sie nit
                            widergeben werden, das sie sullen, so wirt inen nit widergeben, das man
                            in schuldig ist zu geben. <pb n="591"/> Auch werden vervnleumbt vor
                            recht vnd von erberkait, werden sie begraben in die wegschayd.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.37">
            <head>Cap. XXXVII. Von der missetat des falschen. </head>

            <p> Oben ist gesehen im titel von missetat der wucher, mit welchem der
                            gelter dem schuldner aufhebt seine gueter offenlich. Das ist da zu sagen
                            von der missetat des falschen, wo der felscher haymlich nymbt die fremde
                            gueter. Darvmb ist zu sehen, was sei ein falsch oder falschayt, wievil
                            maß falsch begangen werde vnd wie die falschayt gestraft sol werden. Die
                            falschayt ist ein verwandlung der warhayt vnd das die falschayt vnd
                            falschmacher sich vleyssen verkern die ding, welche <pb
                n="592"/> war
                            sein vnd also die falschen ding den waren gleich werden gesehen. Ein
                            falsch ist alles das, welches wider die warhayt ist, wan das falsch vnd
                            das ware werden wider einander gesetzt. Das falsch wirt in vierlay maß
                            begangen, als in geschrift, sage, geschicht vnd brauch. In geschrift
                            wirt begangen, ob mit abtilgung des waren wirt geschriben das falsch
                            oder in schreiben zu gegenwurtigen abwesend als gegenwurtig. Oder in
                            schreiben, das etwas sei beschehen oder gemacht von einem gantzen rath,
                            welchs doch allein geschicht von einem tayle. Item vber ein gelinirten
                            brief zu legend oder eine abschrift anders schreybend dan sei in dem
                            haubtbrief. Item ein falsch sigel machend (gnant adulterinum sigillum).
                            Vnd du salt merken das etlich <pb
                n="593"/> briefe werden gnant falsch,
                            etlich falsch gemacht. Vnd die falschen brief werden gnant, welche durch
                            fuergeben des falschen vnd vnderdruckung des waren erlangt werden. Die
                            falschen brief sein, welche auch ob sie eyniche gleichnus der waren
                            brief vermainen, doch so inhalten sie nichst der warhayt, auch nit ein
                            warer sigel oder ein ware geschrift, als auch der ein falscher pfleger
                            wirt gnant, welcher nit pfleger ist, als auch ein geschrift wirt gnant
                            falsch, das nit ordenlich gemacht ist. Aber die gefelschten brief werden
                            gnant, welche auch ob sie etwas der falschayt haben, als ein wares
                            sigel, doch ist etwas darin verkert von dem anfang der warhayt, als die
                            aygen namen der menschen vnd der stet oder etwas dergleich ist
                            abgetilget vnd ander namen sein da geschriben. <pb
                n="594"/> Darvmb der
                            brief wirt genant falsch gemacht, ob er gewesen ist bezaychnet mit einem
                            fremden sigel oder gezaychnet, doch ob einer, welcher den hot
                            bezaychnet, het gehebt ein eygen sigil oder zeychen. Aber ich sprich ein
                            falsch wirt begangen durch einen richter, welcher wider die gesatz vnd
                            recht falsch spricht. Item durch einen zeugen, der wissenlichen falsch
                            besteet vnd das ware vnderdruckt. Item durch den (aduocaten, verstee
                            den) vorsprechen, der falsch constitution anzeucht. Item welcher leugt
                            dem fursten oder dem richter etwas wider das recht erlangende.... Auch
                            falsch begeet der lugenhaftige erlanger, welcher gentzlich sol mangeln
                            der erlangten ding. Item welche die richter oder zeugen oder die
                            aduocaten mit bet, lon verkeren. <pb
                n="595"/> Aber mit dem werk begeet
                            einer falsch, welcher die ware munz felscht $vnd falsche tucher beraet
                            vnd die kaufmanschaft felscht. Item der redner, welcher <pb
                n="596"/>
                            die haymliche ding der sach offnet dem widersacher ... oder die
                            instrument verrat. Im brauch wirt begangen falsch, wen einer falsch
                            brief braucht wissentlich. Doch wirt er entschuldigt von dem falsch, ob
                            vnwissentlich er die gebraucht het vnd das wirt mügen weysen, wan falsch
                            wirt nit begangen on argen list. Item welcher sich ausgibt fuer ein
                            ritter vnd sich darfuer nent vnd vnzymliche zaychen gebraucht hot, der
                            wirt gestraft als ein felscher. Item ein vngeweyhter, welcher verwest
                            das ambt eines geweyhten vnd ein gescharne kron tregt, so er doch nit
                            geweyht ist vnd als ein priester ein gotsgab hot. Item der begeet
                            falsch, welcher ein <pb
                n="597"/> pfleg oder gerhabschaft geendt, die
                            nit widergibt, sunder sich vndersteend verwest. Die felscher werden
                            gnant, welche mit dem mund guete ding reden vnd mit dem hertzen... Du
                            solt merken das etlich werden gnant falsch, etlich felscher. Die falsch
                            werden gnant die richter, zeugen, aduocaten, rathgeben vnd dergleich,
                            von welchen oben gesagt ist. Die felscher sein die, welche ware muntz
                            ... sigel .., von welchen oben gesagt ist. Die peen des falschen nach
                            den gesatzen vnderweylen ist <pb n="598"/> absetzung, vnderweylen
                            hinschickung in ein insel, vnderweylen öffnung aller seiner gueter,
                            vnderweylen verfallung in die schatzkammer des fürsten, vnderweylen
                            verbietung des lands, vnderweylen der tod oder die letzt pein, von
                            welchen hernach wirt gesagt in der rubrik von den penen. Die peen des
                            falschen nach gaystlichen rechten ist manigfeltig nach manigkfaltikayt
                            der falschayt. Wie aber die instrument von der falschayt werden gnant
                            argwenig (ist gesehen) oben in der rubrik (im titel) von der entziung
                            der instrument.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.38">
            <head>Cap. XXXVIII. Von den loswerfenden vnd warsagenden.</head>
            <p> Ist ... gesagt wurden von der missetat des falschen, wan aber <pb
                n="599"/> die loswerfung vnd warsagung inen falschlich annemen
                            vorsagen kunftige ding vnd von den gescheenden dingen, welche allein
                            gott zugehört, erzaygen sich zu sein weyssagen, wen sie doch nit sein,
                            darvmb wirt hie gesetzt die rubrik de sortilegiis et diunatoribus
                            (verstee wie yetz am mittel oben gesagt ist). Darvmb ist zu sehen, was
                            sei sors, was diuinacio, wie vil ire gestalt, welche warsagung verboten
                            ist, welche verhengt, mit welcher peen gestraft werden die sortilegi vnd
                            diuinatores. Von dem ersten sors, als hie genommen wirt, ist ein kunst
                            von gotlicher warsagung vnd voran zu sagen kunftige ding. Die sortilegi
                            werden gnent, $welche der <pb
                n="600"/> geschrift oder der gluck
                            ansehung kunftige ding vorsagen. Hie soltu merken si[n]tmal das vil
                            (sortes oder) loß sein, doch verzymbt zu brauchen allein zwo, das ist
                            der loßtaylung in zeytlichen dingen vnd villeicht aus gotlicher
                            offenbarung in gaystlichen dingen, als in der erwelung des heyligen
                            zwelfboten Mathie geschehen ist vnd in etlichen dergleichen. Diuinacio
                            ist der vorerkennung kunftiger ding, welche divinacio eygentlich albeg
                            in vbel wirt aufgenommen, als die propheceii in gueten. Vil gestalten
                            sein der diuinacion, welche gezelt werden XXVI q.III, von welchen ich
                            hie wenig wirt sagen. Ein jedliche diuinacion, in welcher maß die
                            geschicht oder wie sie genent wirt, ist verboten <pb
                n="601"/> vnd
                            verdambt darvmb, das die menschlich natur annymbt irselbs, welchs ist
                            ein eygen ding der gothayt. Sors ist fuer sich selbs nichst, sunder das
                            ding, welchs ir nachuolgt, wirt bös gewrtailt. In kurz ist zu wissen,
                            das alle warsagung, welche geschicht durch die teufel oder durch die
                            gestirn, von kunftigen geschichten ist verboten. Ob aber von kunftigen
                            dingen, welche herrueren aus wrsachen der natur, als aus bewegnus der
                            sun vnd mon vnd der planeten vnd der stern oder aus einpressungen des
                            lufts, die ist verhengt, vnd das einer vorsage truckne oder regen,
                            vnfruchtbarkayt oder fruchtbarkait etc. Ja warlichen die arzte mügen
                            sagen kunftige ding, als den tod oder gesunthayt oder krankhayt. <pb n="602"/> Hie soltu merken das das gericht gluends eysen vnd sydens
                            wassers vnd des kampfs nach gaystlichen rechten ist verboten vmb zway
                            ding. Zum ersten wen da wirt got versucht. Zum andern wen da wirt von
                            haymlichen dingen gewrtailt, welchs des eynigen gots eygenschaft ist.
                            Aber nach den gesatzen die vnd ander vil ding werden verhengt, das die
                            vneynikaiten entschaiden werden vnd frid vnd anhelliglich gesetzt werde.
                            Die peen sortilegorum vnd diuinatorum durch die teufel ist verbrenung
                            ... mit dem fewr vnd mit iren buchern.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.39">
            <head>Cap. XXXIX. Vom manschlacht.</head>

            <p> Bey dem artikel soltu merken: was sey homicidium (verstee ein
                            manschlacht), wannen sie <pb
                n="603"/> gnant werde, wie vil massen sie
                            begangen werde, welche manschlechten sein on peen, welche mit der peen,
                            durch welche geschech ein klag vmb ein manschlacht, welche sei die peen
                            der manschlechtigen. Von dem ersten ein manschlacht ist ein todung des
                            menschens von einem menschen beschehen oder von einem wilden tier,
                            welche geschecht in dreyen (dingen oder menschen), als in einem freyen
                            menschen, in einem leybeygen khnecht vnd in den tiern. Vnd von denen
                            allen ist zu sagen nach ordnung. Aber es wirt gnant homicidium quasi
                            hominis cedium, id est perempcio, als wen ein mensch leyblich wirt
                            getödt. Aber homicidium wirt begangen zwyfeltiglich, mit dem wort vnd
                            werk. Mit dem wort wirt es begangen <pb
                n="604"/> in dreu maß, als mit
                            gebot, rat vnd beschutzung. Mit gebot, als mit vngerechtem, als wen
                            einer nit hot gewalt zu wrtailen. Mit rat, als mit einem bösen rat, wen
                            das geschicht hernach uolgt, sunst nit. Mit beschutzung, als wen ein
                            aduocat oder fuersprech beschutzt den antwurter in peynlicher sache vnd
                            der verklager gebruch hat, wirt er schuldig zu der talion. Aber mit dem
                            werk wirt begangen ein manschlacht in vier massen, als aus gerechtikait,
                            notturftikait, val vnd will. Aus gerechtikait wirt begangen ein
                            manschlacht, wen ein richter mit gerechtem gericht den verwrtailten
                            töten lost als von dem diener des rechtes, nit aus haß der person, nit
                            von lieb wegen des gewyns noch aus bet noch aus lon noch wollust
                            auszugießen <pb
                n="605"/> das menschlich bluet, sunder aus gehorsam vnd
                            liebe der gerechtikait vnd das mit schmerzen seines herzen vnd mit rew.
                            Aber aus vnvermeydenlicher notturftikait wirt nit begangen ein
                            manschlacht, als wen einer tödt einen dieb oder einen schacher sich
                            anlaufenden vnd mit gewalt in töten wellenden, nit aus neid oder argem
                            list ,sunder das er sich vnd seine gueter erledig vnd beschutze von der
                            verlirung, wan anderst hot er dem tode nit mügen entgeen. Ob aber die
                            notturft vnvermeydlich ist gewesen, oder darvmb das er hot mügen on
                            schaden entgeen oder darvmb das er hot mügen den veynd von im flihenden
                            im nacheylend het getödt, dan so wirt er schuldig der manschlacht vnd
                            wirt gestraft als ein manschlechtig. Aus einem val beschicht es
                            zwyfeltiglich (vnd wirt begangen) <pb
                n="606"/> eyntweders einer gibt
                            arbayt einem zymlichen ding, gleicherweis wen einer sau oder ander
                            vnvernunftige tier treibt von dem samen in seinen acker oder wen er
                            schöcht die vögel von seinem stadel vnd schaut vmb sich vnd nymant
                            sehend wirft mit einer schlingen einen stain an die statt, wo nyemant
                            was gewonet die menschen wonen; und einer vngeuarlich in den wurf des
                            stains laufend wirt geschlagen vnd also stirbt er. In den vnd
                            dergleichen vellen ist vnschuldig, welcher aus wrsach den tod hot
                            gethan. Wen aber vnzymlichem dinge arbet wirt geben, auch nit wirt
                            bewysen fleis, welcher sol bewysen werden, was aus dem nachuolge, dem
                            böses thuenden verargt wirt. Des ein exempel: ein schutz, welcher sich
                            uobt in der kunst zu schiessen <pb
                n="607"/> an einer statt darzu
                            beschayden, ob da einer vngeuarlich hindurch geend wirt geschlagen oder
                            geschossen, so wirt der schutz kain wrsach haben. Sunder herwidervmb er
                            wirt schuldig der schuld, ob er schuß vnd belaydigt an einer statt dazu
                            nit beschyden. Dasselb ist, ob ein schnaeter der holzer in einen bohom
                            die abgeworfen hölzer ein mensch todt, ob er vor hot geruft vor dem vall
                            des baums oder nastes vnd der mensch fuergeend hot sich nit besorgt zu
                            verhueten, so ist der schnaeter oder holzhawer ausser aller schult, auch
                            der schnaeter, ob er weyt von dem wege hot gehauen holz vnd wiewol er
                            nit geruft hot, wan an der stat was kainen auswendigen der weg da zu
                            wandeln. Dasselb ist, ob ein arzt einen wirt schneiden vnd vorlest sein
                            haylung (oder versorgung) vnd derselb durch <pb
                n="608"/> das ist
                            gestorben, der wirt der schuld schuldig. Vnd ob ein vngelerter arzt die
                            versorgung eynichs menschen an sich genommen hot vnd den böslich ...
                            geerzneyet vnd derselb ist durch das gestorben, der wirt auch schuldig
                            der schuld. Item ob ein rostauscher ansehend die vngestumykait der roß
                            hot nit mugen behalten oder durch krankhayt nit mag vnd vmb das wirt
                            einer beschedigt, der wirt an dem tod schuldig. Aus willen beschicht ein
                            manschlacht in zwayen massen, entweder aus fuersatz oder gehelung. Ob
                            das geschicht aus fuersatz in vil massen: Zum ersten durch die gueter
                            hingetragen zu werden vnde aufgehebt, als thuen die schacher, die
                            kreftigen rauber vnd rauber vnd dergleichen; vnd <pb
                n="609"/> ob einer
                            töd vater vnd muter, bruder vnd schvester oder ander sein geborne
                            freund, das er inen in iren guetern vnd in herrschaft nacherbe. $item ob
                            einer tödt einen von kaufmanschaft wegen; oder ob einer ertödt einen
                            durch böse verwartung (oder anschlege) on wrsach vnd on absagung vnd on
                            offenbare veyndschaft: die ding alle werden manschlachten vnd schacherey
                            genant, das sein mort vnd die alle sammet haben nit freyung, das ist
                            kein sichere statt irer flucht. Aber der todlichen vorwartungen sein
                            etlich guet, etlich böse. Die gueten sein, <pb
                n="610"/> wen einer setzt
                            behutsamkait den bösen, das er sie vach; aber die bösen vorwartungen
                            sein herwidervmb. Aus gehung vnd on bedenken geschicht manschlacht aus
                            zorn vnd tobung, aus scheltwort vnd zenk vnd dergleichen vnd die, ob sie
                            nit gefangen werden mit einem wrkunde der zaychen, das ist handhaftig,
                            die vereylung haben, das ist die flucht, wo <pb
                n="611"/> gehabt wirt
                            die statt der zuflucht. Item ein manschlacht wirt begangen, welcher
                            haymlich mit wort, rat vnd werk oder auch offenlich zuricht ein tods
                            kindlein in muterleybe. Vnd das darvmb, wen nit ist vnderschid, welcher
                            ein kindlein (in muterleyb) todt oder einen alten (gebornen) oder einen
                            der geborn sol werden, hot ein vernunftige seel. Auch ein tods kindlein
                            wirt gemacht durch kreuter, wurzen oder trang. Offenbarlich wirt ein
                            tods kindlein (genant abortivum) durch schleg, durch fuestretung, durch
                            sprung, durch val. Sunder auch welcher haymlich arbet in den tod eines
                            andern mit gyft, hulf vnd rat. <pb
                n="612"/> Wirt aber nit geschehen, ob
                            einer dich schlecht vnd fleucht, sul ich den nit denselben von stund an
                            nacheylen vnd schlahen? Ich sprich nayn, wen das nit geschech zu
                            abtreybung oder beschirmung, sunder zu einem rach vnd rechnung, welche
                            gehoren allein zu dem richter. Wan darvmb ist die rechtlich kraft vnd
                                <pb
                n="613"/> sicherhayt offens rechtes in das mittel gesetzt, das
                            kainer im selbs getruve nemen die rechnung. Wan es spricht der herre:
                            Las mir den rach vnd ich wirt widergeben. Darvmb sein die richter
                            gesetzt, das sie sein mitler zwyschen den krigenden parteyen. Darvmb
                            wirt gefragt, ob allen gezyme gewalt mit gewalt vertreyben. Ich sprich
                            ja vnd das ist gemain den pfaffen vnd den layen, das vnrecht der gueter
                            vnd der personen abreyben vnd beschützen vnd widervmb schlahen. Aber es
                            wirt vnderschiden, wan (aygner) gewalt beschicht einer person oder den
                            guetern. Ob der person, so ist der gewalt abzutreyben, eemal er
                            geschicht. Wan auch den veyntlich vorwartenden gezymbt zu töten. Ob aber
                            einer den geschehen gewalt abtreybt, so wirt <pb
                n="614"/> eher verwent,
                            das aus wrsach einer sich zu beschutzen gethan habe, den aus wrsach zu
                            rechen, als offenbar ist in den tabernern (oder trinkern). Vnd das ist
                            war, ob der schlaher hot wellen widervmb schlahen. Sunst ob nit, [nit].
                            Ob aber ein vnrecht gethan wirt in guetern, den ist zymlich das gethan
                            vnrecht vertreyben vnd die geschehen zu werden abtreyben, als geschicht
                            in belegungen der stet, der schlos vnd der heuser. Das aber gesagt wirt
                            gewalt mit gewalt vertreyben gezymbt, ist also zu versteen, das es
                            geschech in mut zu beschutzen vnd nit zu rechen von stund an. Das
                            beschutzung beschech mit messigung vnverschulter sicherhait vnd nit mit
                            vbergeung auch nit aus bedenken oder fuersatz. <pb n="615"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.40">
            <head>Cap. XL. Von der peen der manschlachtung.</head>

            <p> Zv jungst ist zu merken, das etliche manschlachtung sein vnd beschehen
                            on alle gaystliche vnd gesatzliche peen, also sein die manschlacht,
                            welche geschehen aus gerachtikait von dem, welcher hot gewalt zu
                            wrtailn. Item vnvermeydenliche notturft. Item aus val oder gegebner
                            wrsach eins zymlichen dings. Item aus willen nit in mut zu rechen sunder
                            sich zu beschutzen, als zu töten einen gewaltigen rauber, ein rauber
                            oder dieb. Wan es verzymbt zu töten die dieb vnd dergleichen, ob sie nit
                            mügen gefangen werden. Auch verzymbt zu töten die veynd im gerechtem
                            krieg. Aber <pb
                n="616"/> du solt merken das funf ding werden erfordert
                            zu dem gerechten kriege: Zum ersten die weltliche person, welcher
                            verzyme zu krigen. Zum andern die gueter, von welcher beschutzung man
                            krigen mus ... sunder auch vmb das vnrecht vnd aus lieb der gerachtikait
                            sullen wir krigen vnd streyten. Zum dritten aus wrsach der notturftikayt
                            ... das durch den krieg frid werd gewunnen. Zum vierden aus ... rechter
                            maynung gentzlich ... vnd nit durch haß, nit durch gaytzikait oder durch
                            rach, sunder allein durch gerachtikait. Zum funften wirt erfodert der
                            gewalt der kirchen, ob gestritten wirt vmb den glauben oder den fursten
                            des lands, ob gestritten wirt umb beschutzung des vaterlands. <pb
                n="617"/> Item es verzymbt zu töten den veynd haymlich vorwartend
                            einer person on wrsach. Vnd gewalt mit gewalt vertreybenden in der maß,
                            wie oben gesagt ist, anders verzymbt nit zu töten. Aber etlich todschleg
                            werden gestraft nach gaystlichen rechten allein, als in den torniren vnd
                            kempfen vnd haymliche zurichtung der frucht in muterleyb totung, in vil
                            haymlicher zurichtung <pb
                n="618"/> des todes eines andern, ob das
                            geschicht mit ... rat, hulf vnd willen. Vnd ob einer schlecht ein
                            schwangere frawen also, das das kind beschedigt werde in muterleyb, der
                            wirt gestraft nach den gesatzen vnd gaystlichen rechten. Item in
                            veruolgung der bösen fluchtigen. Item welcher nit entzwyschenkombt
                            totung zu geschehen, so er mag verhindern. Aber etliche manschlachtung
                            wirt gestraft nach gesatzen vnd gaystlichen rechten, also ob einer tödt
                            einen priester oder ob einer sich selbs oder on recht oder aus
                            vnvermeydenlicher notturft oder in einem val, so nit bewysen wirt vleis,
                            welcher sol bewysen werden, mit willen, ob das geschicht aus fuersatz
                            oder aus vbereylen. <pb n="619"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.41">
            <head>Cap. XLI. Wer klagen muge vmb ein todschlag. </head>

            <p> Zum ersten mag klagen das eeweib vmb den tod ires mannes oder
                            herwidervmb. Zum andern klagen die sun vmb den tod vater vnd muter. Zum
                            dritten ob kainer der sun da ist, den so sol klagen der nechst geborner
                            freund derselben sun. Zum vierden ob kein nachgeborner freund da ist,
                            den so sol der richter im rechten klagen an stat des elenden menschen.
                            Wie aber ob einer vil erschlecht oder ob vil einen ertödten? <pb
                n="620"/> Ob zwen bayd einander ertödten? Ob ein vnredens kind oder ein junger
                            ways einen ertodt? Ob der sun sein vater oder muter aus zorn oder aus
                            zenk ertödt oder herwidervmb? Welcher nit ... ein vnredens kind, sonder
                            er legts fuer oder lest verterben vor hunger? Ob ein tobsuchtiger, ein
                            moninger, ein nar oder vnsynniger oder ein thor naturlich ertödt einen?
                            Ob ein priester ein layen oder herwidervmb? Ob einer sich selbs tödt?
                                <pb
                n="621"/> Vnd von den penen aller manschlachtigen vnd von der
                            verletzung der glider wirt gesehen hernach an seiner statt. <pb n="622"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.42">
            <head>Cap. XLII. Von den vnrechten mit schaden gegeben.</head>

            <p> Oben ist gesagt von der missetaten vnd vbergeungen, wen aber aus den
                            vnrecht komen vnd emsigliche scheden gescheen, darvmb nachuolgt ... die
                            rubrik von den vnrechten mit schaden bescheen. Darvmb ist zu sehen am
                            ersten, was sei ein vnrecht, in wievil massen werde gnant ein vnrecht,
                            welchem werde gegeben die klag der vnrecht, wider welche die gegeben
                            werde, in wie vil sie gegeben werde, wie sei die klag der vnrecht vnd
                            welche peen der vnrecht, darnach wirt gesagt von dem vnrechten mit
                            schaden gegeben. Von dem ersten ein vnrecht ist eynichen mit maynung,
                            wort <pb
                n="623"/> oder werk belaidigen on wrsach. Gemainklich ist ein
                            vnrecht alles das, welchs nit mit recht geschicht. Aber besunderlich
                            wirt gnant vnrecht ein böshayt wider das recht, was do ist bös. Vnd ist
                            iniuria gnant ein vnrechtikayt, als manglend des rechtens. Auch wirt
                            gnant iniuria (oder vnrecht) alles fluechen von dem zank gnant (vnd
                            verschmahung). Auch ein vnrecht ist ein gotscheldung oder verfluchung
                            oder ein scheltwort. Es mugen vnrechten thun alle die, welche vnrecht
                            nit leyden mugen, ausgenommen die töbigen vnd naturliche naren vnd
                            kinder noch vnder vierzehen jarn, welchen vnrecht mag geschehen, aber
                            die mugen nit den andern vnrecht thun, wen sie manglen der vernunft. <pb
                n="624"/> Vnrecht beschicht in dreyerlay maß mit worten, brifen vnd
                            mit werken. Mit worten beschicht es [mit] schelde, fluchen, mit schweren
                            gotschelde, vervnleumbtung. Mit brifen geschicht es, wen zu
                            vervnleumbtung eines andern einer ein karten oder brif oder ein libell
                            vervnleumbt macht, schreibt, ein geticht macht, sagt, singt, von welchem
                            nach den gesatzen mag geklagt werden peynlich zu peen des haubts wider
                            den, welcher sie macht vnd wider den, welcher vyndt den brief vnd kainem
                            geoffnet hot das gefunden vnd nit erbrochen oder verbrent hot. Auch mag
                            darvmb klagt werden burgerlich zu einer geltlichen peen. <pb
                n="625"/>
                            Mit dem werk geschicht vnrecht, als aus schlahen mit feusten, mit
                            stecken, mit prügeln, mit messern, waffen vnd andern belaydlichen
                            dingen. Die klag der vnrecht wirt gegeben dem geliden das vnrecht. Aber
                            es leydt einer das vnrecht in im selbs, in seinem sun, in seiner
                            eefrawenn, in seinem leybeygen khnecht vnd in einem freyen vnd in allem
                            seinem hausgesinde. Auch in vater vnd muter lebentigen vnd gesturben.
                            Vnd nach mancherlay vnrechten werden mancherlay klagen vnd peen. Ich hab
                            gesprochen in im selbs, als wen einer geschulten oder geschlagen wirt.
                            In dem haussun noch nit ledig gesagten von väterlichem gewalt, wan der
                            lediggesagte ist seines rechtes vnd mag durch sich klagen von dem
                            vnrechten im geschehen. In seiner eewirtin, wan der <pb
                n="626"/> man
                            ist ein haubt seines weybes, ein aduokat oder vorsprech vnd ein
                            beschutzer des vnd nit herwidervmb, nur nach dem tode des mannes. [Dan]
                            das weib mag klagen vmb das vnrecht ir an im geschehen, in irem manne,
                            in iren sunen vnd khnechten vnd diernen. Ich hab gesagt in der tochter
                            auch verheuret, noch nit zugelegt dem manne, dan ir breutigam wol mochte
                            fuer sie klagen. Vmb einen eygnen khnecht, wan der ist in dem gewalt
                            seines herren, nit in seinem aygnen gewalt. Vnd in dem khnecht dem
                            freyen vnd dem fremden, wan die an dem tag mit guetem glauben haben
                            gedient. <pb
                n="627"/> Vnd in meinem gantzen hausgesind, welchs ist in
                            meinem brot, wen einer aber were außerhalb des hauses vnd lebete in
                            seinen eygen brote, den so mag er klagen durch sichselbs. Item in
                            lebentigen vnd gestorben vater vnd muter, wan ob einer dem gestorben
                            leychnam vater vnd muter eynichs ein vnrecht thut oder irem gueten
                            leumbt entzuge, so mag der erb klagen wider den. <pb
                n="628"/> Die klag
                            der vnrecht [wirt geben nit] allein wider den, welcher geschlagen hot,
                            sunder auch wider den, der das mit argem list hot gethan oder geschafft,
                            das einer [wirt] geschlagen. <pb
                n="629"/> Aber du salt merken das alle
                            vorgenante vnrechten sein dieselben, sie haben auch nit die selbigen
                            peen, wen eine ist herter vnd gröser den die ander nach mancherley der
                            personen vnd ersamkayt der wirdikait. Wan es were vnersam, das
                            dieselbige schatzung der vnrecht were einem wirdigern vnd bessern an der
                            person als von der mitten oder niderer person. Darvmb aus billikait der
                            person wechst vnd wirt verwandelt die schatzung des vnrechten vnd
                            desselbigen peen. <pb
                n="630"/> Wan vmb ein grösser vnrecht ein grossere
                            peen wirt geben, vmb ein ringere ein mynder. Das groß vnrecht wirt
                            geschatzt in den sachen. In geschicht (oder werk), als ob einer mit
                            prugeln vnd stecken oder fausten geschlagen vnd schwerlich verletzt
                            wirt. In der person, als ob ein <pb
                n="631"/> richter, ein ratgebe, ein
                            burgermaister von einer leychuertigen person beschwert wirt oder vater,
                            muter von iren sunen, die priester von den leyen, die burger von den
                            auswendigen pawern. An der statt, als ob vnrecht geschicht einem in dem
                            gericht oder rathaus, in dem gericht oder einer geweychten statt. Auch
                            vnderweylen an steten einer wunden macht ein hertes vnrecht. Item in
                            einer kurtz ist zu halden: das von einem yedem <pb
                n="632"/> vnrecht mag
                            einer klagen burgerlich oder peynlich vnd ob burgerlich klagt wirt, so
                            beschehen ist die schatzung, als gesagt ist, wirt aufgelegt ein
                            geltliche peen. Ob aber peynlich klagt wirt, den aus ambt des richters
                            wirt gesetzt ein ausserordenlich gesetzlich klag. Aber wirt geben die
                            klag der vnrecht so vil ... der, welcher das vnrecht geliden hot, die
                            bey seinem ayd schatzen wirt. Doch ob der geliden das vnrecht vberginge
                            die maß .., den so mag vnd sol der richter die schetzen. Wan nach der
                            wirdikayt vnd des lebens ersamkait wachst vnd wirt gemyndert die
                            schetzung des vnrechten. Aber die klag ist ... vol vnleumbs, als oben
                            gesagt ist von der diebstal... <pb n="633"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.43">
            <head>Cap. XLIII. Von dem schaden aus vnrecht gegeben.</head>

            <p> Jetz nachuolgt von dem schaden aus vnrecht gegeben, bey dem soltu
                            merken: was do sei ein schade, in welchen dingen der geschech, wie
                            gesetzt wede die klage von dem schaden, welchem gebuert die klage,
                            welche vnd wievil klagen aus dem schaden ersteen, zum letzten von der
                            peen des schadens. Von dem ersten ein schade ist ein mynderung oder ein
                            gewynnung eins väterlichen erbs. Ein schad beschicht den freyen menschen
                            vnd den khnechten vnd beschicht schad den gezemten vnd wilden
                            zwyfuesigen vnd vierfuesigen tiern. Auch beschicht schad in den pflanzen
                            vnd <pb
                n="634"/> kreutern vnd in guetern manglent der seel, als im wein
                            vnd öl vnd korn vnd in allen guetern geseelten vnd vngeseelten. Die klag
                            von dem schaden aus vnrecht gegeben wirt gesetzt, wen einer einen
                            menschen oder ein frembds vnvernunftigs tier tödt mit vnrecht oder
                            belaydigt oder letzt oder ein guet manglent der seel erstört. Die klag
                            von dem schaden gebueret dem herren der gueter vnd dem wuchrer vnd dem
                            besytzer mit guetem glauben. Dreu klagen entspringen aus dem schaden mit
                            vnrecht gegeben, als die gerehen, die nutzbarlich, wider das geschicht.
                            Die gerehen klage gebuert dem <pb
                n="635"/> geliden, gleicherweys ob
                            einer meinem leychnam einen schaden hot gethan. Die nutzbarlich klag
                            wirt gegeben, als ob einer einem fremden menschen oder viech hot
                            eyngeschlossen also, das es vom hunger stürbe, oder das er ein arbetsams
                            tier hot mued gemacht oder getriben, das es erbrech, oder hot gearbet
                            souil, das es sich erfiel, oder ob einer einen frembden khnecht von
                            einer bruck oder von einem gestat in ein groß wasser hot gedrungen..,
                            also das er ertrenke, oder ob einer wrsach eines schaden hiet gegeben,
                            als ob einer het seinem khnecht geraten, das er auf einen baum oder mawr
                            stige oder in einen brun abstyge vnd der aus dem velt vnd stirbt oder in
                            einem tayl seines leybs wirt beschedigt, die klag wirt gegeben in
                            eynfalt. <pb
                n="638"/> Aber die klag wider das geschicht wirt gegeben,
                            als ob einer nit in seinem leyb, nit im fremden verletzt wirt, sunder in
                            einer andern maß, als ob einer aus barmhertzikait bewegt ein gefangen
                            fremden khnecht erledigt, das er flühe, der wirt schuldig in das
                            (geschicht oder) werk. Vnd du solt merken wiewol die nutzbarlich klage
                            in eynfalt geben wirt, doch geschicht nit die schetzung so gros des
                            eynfalts, sunder auch werden gerayt alle auswendich vnd inwendige
                            nutzbarkait, gegenwertigen vnd die kunftigen dem leychnam anhangend,
                            gleycherweis als einer eines andern khue ertödt oder ein saw, do
                            geschicht schetzung nit allein der khue oder der saw, <pb
                n="639"/>
                            sunder auch werden gerayt die kelbel vnd die schweyndel aus denen
                            kommend. Auch werden gerayt alle ding, welche ein gut kostlicher machen,
                            als in einem roß, ob es ist ein zelder oder ein laufer [oder] aber ein
                            wolzihends viech, dergleichen von den wolzyhenden ... Die ding alle
                            werden gerayt, wan sie machen das gut kostlicher. <pb
                n="640"/> Ob aber
                            ein fremde khue oder ein ander tier wyssentlich hot in seinem hause
                            behalten vber tag vnd nacht, der begeet in dem ein diebstal, er hab der
                            tier frucht gebraucht oder nit, oder allein er hab austriben <pb n="641"/> oder hab es dem richter geantwurt.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.44">
            <head>Cap. XLIV. Von den penen des schadens.</head>

            <p> Die peen des schadens ist manigfeltig. Wan ob einer tödt einen freyen
                            menschen, der sol getödt werden, als in dem alten gesatz geboten ist:
                            hals vmb hals, augen vmb augen, zan vmb ein zan etc. Wan ein freyer
                            leychnam hot kain schatzung des gelts, vnde versus: Nun ist der leyb nit
                            vael, darvmb mag er mit kainem gelt bezalt werden. Doch in newem gesatz
                            ist mildlicher vnd gnediglicher die peen fuer einen freyen menschen wirt
                            die totung geurtailt: wan ob in dem geschicht ein manschlachtiger nit
                            ergriffen wirt vnd wil <pb
                n="642"/> die sund buessen vnd rewen vor gott
                            vnd der welt nach allem seinen vermugen, den so sol man ein tag suchen
                            mit dem seinem widertail vmb fride vnd gnad im zu erlangen. Vnd ob der
                            widertail kainen tag der vereynung wil annemen, noch die peen vber
                            sulche belaidigung gesetzt wil annemen, sunder vngehorsamlich
                            verschmecht, den so nymbt der richter das gesatzt an sich vnd vnder
                            zwayer frummer oder dreyer man zeugnus erbeut sich dem verletzten zu
                            geben. Ob der das nit aufnymbt, den so sol der richter das gelt oder den
                            abtrag in seinen brauch wenden vnd sprechen den belaydiger oder verserer
                            von der sund ledig vnd erledigt mit seiner bueß vor angenommen. Vnd
                            geschicht darvmb, wen es ist ein sunder nit <pb
                n="643"/> so groß, ob er
                            gerewet wirt von seinen sunden vnd wil buesen vnd bessern, got nymbt in
                            in seine gnaden vnd all sein sund werden im nachgelassen vnd vergeben.
                            Ob aber einer williklich ein leybeygen khnecht eynichs ertöten wirt, der
                            sol verurtailt werden dem herren des khnechts in so vil, wie vil er wert
                            ist gewesen in der zeit, in welcher er ist ertödt gewesen. Ob aber einer
                            ein vnvernunftig tier eines andern williglichen tödt, der wirt das
                            bezalen dem herren, in wie vil es wert ist gewesen in dem monat, aber es
                            werden nit gerayt die nutzbarkayten, aus den leyben hetten mügen kommen.
                            Ob aber einer hot gethan einen schaden in fruchtbarn baumen mit
                            ausgraben, abhauen oder in den pflanzen vnd kreutern mit ausgraben,
                            auszyhen oder ausreyten, der wirt die bezalen aus <pb
                n="644"/>
                            schetzung der nachper. Ob aber einer thut ein schaden in vngeseelten
                            guetern, als wein, öl etc., ob er in denen hette gemyschet etwas, das
                            die naturlich guete derselben wurd erstort, der wirt die zalen in
                            schatzung frummer man, nach dem sie mer wert sein gewesen in demselbigen
                            monat. Ob ein fuerman laufend mit ersten redern oder mit einen karren
                            einen menschen oder tier wirt töten, der wirt schuldig.., wievil mer ...
                            in dem jare. Aber was ist es, ob aus einem paar ochsen, roß oder meuler
                            einen ertödt hot? Ich sprich, nit allein schetzung des ertöten
                            geschicht, sunder sovil weyter (oder mer) das wirt gerayt, wievil mynder
                            lons oder gelts yetz sein gewesen (vnd sein werden), welche vbrig sein
                            vnd darvmb, wan die gewonliche arbet <pb
                n="645"/> verbrengen nit mugen,
                            dan sie vor verbracht haben. Doch ob einer einen beysenden ... ver[w]unt
                            in seinen fodern tail oder auch ertödt, der wirt in nichte schuldig, wan
                            er hot das gethan in beschutzung. Ob aber er in flihenden nachlaufend
                            verletzt, so wirt er schuldig von dem schaden. Vnd merk das ein schade
                            nit allein geschicht in den leyben, aber auch in den taylen vnd glidern
                            der leybe, als in wunden, erlemen, ausstechung der augen, abschneydung
                            der orn oder nasen oder der munds, ausbrechung der zen, der hend oder
                            der fues abhauung, <pb
                n="646"/> auch der bayn vnd der schenkel brechung
                            vnd auch, ob die glider sein erschniten oder erknust oder in eynicher
                            massen erbrochen vnd geergert. Auch soltu merken das ein schade nit
                            allein beschicht mit dem werk, sunder auch aus argem list, gleicherweis
                            ob einer zugericht geet den schaden zu <pb n="647"/> werden, wiewol er
                            den durch sich nit hot gethan. Auch geschicht ein schad aus schuld,
                            gleicherweis ob einer ein grube oder cistern grebt an einer offnen stat,
                            wo gewont ist die menschen vnd das viech zu geen vnd wandln ob eynichs
                            tier velt in die grube oder cister vnd stirbt oder wirt verletzt, so ist
                            er schuldig zu bezalen. Auch ob einer seinen leyb verletzt oder seine
                            glider belaydigt, so wirt er gestraft von gegeben schaden, gleicherweis
                            als ob einer im selber einen finger abhackt so sol desselben anderer
                            finger abhackt werden oder er sol in erlösen von dem richter aufs beste
                            so er mag.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.45">
            <head>Cap. XLV. Von dem schaden von den deinen andern gegeben.</head>
            <p> Ist oben gesehen, was rechtens sei, ob einer thut ein schaden <pb
                n="648"/> einem freyen menschen oder einem fremden khnecht oder
                            einem tier oder vngeseelten dingen. Nun ist zu sehen, ob ein haussun
                            oder dein khnecht oder dein viech thut einem andern schaden. Zum ersten
                            mit welchem sol geschehen die klag von sulchem schaden, welche werden
                            sulch gesetz klagen, wie (gericht oder) geurtaylt werde von denen. Ob
                            dein haussun oder dein khnecht dir ein schedlichs ding wirt thuen, so
                            wirt zwyschen ewer kain klag. Ob aber dein khnecht eynichem schaden hot
                            gethan, als ein diebstal oder ein raub oder schaden gegeben oder ein
                            vnrecht bewisen, so wirt mit dir ein klag, wielang dein khnecht ist in
                            deinem gewalt. Wan du host freyen gewalt, den vorbesteten krieg gedulden
                            oder fuer den schaden zu geben vnd ob du in wirst geben, <pb
                n="649"/>
                            den so wirstu von sulcher klag erledigt. Wen es were vngerecht, die
                            boshayt der khnecht vber ire leychnam iren herren schedlich zu sein. Es
                            sein aber die schedlichen klagen von dem pretoren gesetzt. Ob du host
                            geben deinen khnecht fuer den schaden, den so beschicht die klage mit
                            im. Vnd ob er den schaden nit hot zu widerlegen, den so wirt geurtailt
                            von dem als sitt ist. Ob der haussun oder haustochter eynichem ein
                            schaden thut, geben zu werden fuer den schadn nit mag von dem vater
                            gegeben zu werden, wan aus sulcher gebung vnd irer leybkestigung vater
                            vnd muter die wurden mer gepeynigt, dan die sun vnd allermayst in den
                            töchtern durch die scham. Doch so mugen die vierzehenjerigen haussun vmb
                            ire sund durch sich selbs verklagt werden vnd die scheden von irem
                            gewunnen gut widerlegen. <pb
                n="650"/> Die unvernunftigen tier, ob die
                            aus irer vnfuer oder tierlicher wildikait ein schaden thun, ist
                            darkommen die schedlich klag. Ob sulche tier dem schaden geben werden,
                            so sein sie nutz irem herrn zu seiner erledigung, als ob ein schlagendes
                            roß mit der versen einen schlecht oder mit den zenen hot byssen oder ein
                            stossender ochs gewont hat einen menschen zu verletzen. Aber die ding
                            haben stat in den haymlichen vnd heuslichen tiern. Aber in den wilden
                            tiern nit gezemten weychen sie, wen die sein greuliche tier von natur,
                            auch mugen sulche tier nit vnrecht thun, wan sie manglen der vernunft,
                            vnd ob sie schaden thun. So wirt doch anders gehandelt oder klagt mit
                            den wilden tiern vnd anders mit den haymlichen. Wan ob haymliche tier
                            einen <pb n="651"/> schaden thun, so wirt ir herr schuldig in
                            eynfaltung, ob ein wild, den in zwyfaltung. Vnd das darvmb, wan die
                            wilden tier, als wolf, beer, schwein, lewen vnd sau, beysende hund,
                            affen etc. die vngezemten sein verboten da zu halten, wo das volk ...
                            ist. Vnd darvmb, ob wider das geschehen wirt vnd das beschedigt, wirt im
                            bezalt in zwyfalt oder nach dem richter billich wirt gesehen, in sovil
                            sol ir herr verurtailt werden.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.46">
            <head>Cap. XLVI. Von den verbindungen (als aus einem malefytz).</head>

            <p> Bey dem titel saltu merken, das in funf massen einer aus nahet malefitz
                            wirt verbunden. Zum ersten ob einer hiet ein krieg wider einen, aus
                            welchem <pb
                n="652"/> derselb zu viel verletzt wirt, ist gewyß, das er
                            vbel gethan hat, doch hot er das nit gethan aus einem malefitz noch aus
                            einem handl, darvmb wirt er verbunden aus nahet einem malefitz vnd wirt
                            leyden ein peen von der verletzung, sovil gerecht vnd billich dem
                            richter gesehen wirt. Zum andern ob aus eines haus ausgeworfen oder
                            ausgegossen wirt, das einem andern schadet, der wirt verbunden aus nahet
                            einem malefitz, wan der wirt oft aus eines andern schaden [wirt]
                            schuldig, als der khnecht vnd seiner kind. In dem val die peen der
                            zwyfalt, so grosser schad geschehen ist, ist die klag gesetzt. Zum
                            dritten wirt einer verbunden aus nahet einem malefitz, welcher an dem
                            tayl, dar durch gangen wirt von dem volk vnd gemayner weg gewont ist <pb
                n="653"/> zu sein, etwas gesetzt oder ausgehenkt hot, das do mag
                            eynichem schaden. In dem val ist die peen der eynfalt gesetzt. Aber vmb
                            einen freyen menschen aus sulchem val erto*edt, ist ein peen drißig lb.
                            gesetzt, wan eines freyen leybs ist kain schatzung. Ob aber ein freyer
                            mensch aus der verletzung wirt [nit] sterben, den sovil dem richter vmb
                            das ding gesehen wirt billich, sulche peen dem verseerten wirt bezalen
                            vnd mit den lonen dem arzt gegeben vnd andre ausgebungen, welche in der
                            haylung geschehen sein vnd auch der gewyn vnd arbet, welcher der
                            belaydigt hot gemangelt oder mangeln wirt. Ob er vnnütz wurden ist, wirt
                            schatzen der richter, das doch hart ist zu schatzen. Aber von dem
                            ertödten khnecht sol geschehen schatzung, wievil der in der zeit <pb
                n="654"/> wert ist gewesen, darin er ist erto*edt wurden. Zum
                            vierden ob ein haussun besunderlich von seinem vater hot gewonet, den
                            was aus dem haus ausgeworfen, ausgegossen, gelegt vnd aufgehenkt ist
                            worden, aus welchem schaden kommen, do geschicht kain klag wider den
                            vater, sunder mit den sun, durch welchen sulch scheden herkommen, der
                            wirt bezalen die peen von seinem gewonnen guet. Zum funften ob der
                            schiffuerer oder fuergesetzter eines gasthaus oder ein stalhueter
                            eyntweders von bosem list oder diebstal in dem schiff oder gasthaus oder
                            in dem stall beschehen wirt beschuldigt, d as selb aus nahet eins
                            malefitz werden gesehen schuldig zu sein, wiewol aus ir kainem das
                            malefitz sein geschehen, sunder allein aus denen, welchen arbet <pb
                n="655"/> oder vleis bey dem schiff, wirtshaus oder stall sein
                            beuolhen, doch wan wider aus einem handel auch nit malefitz wider die
                            ein klag sei gesetzt. Doch wan etlicher maß sie schuldig sein an der
                            schuld, vmb das sie die arbet boser menschen haben gebraucht in
                            regirung, schenken, in behuten, aus nahet malefitz sullen sein werden
                            gesehen, doch welches ist zu sagen, ob ein herre beuilcht seinen gewalt
                            oder seine gewerb einem andern, was schadens durch den beschehen ist,
                            wirt der herre schuldig zu bezalen, wiewol durch in kain malefitz
                            beschehen ist. Des ein exempel, des schiffs fu*erer beuilcht einem das
                            schiff, der gastgeb sein gasthaus, ein wirt sein stallung, ob in denen
                            ein schade oder diebstal wirt geschehen, derselbig ist schuldig, wiewol
                            durch die nichsts wbels <pb n="656"/> ist beschehen, doch aus dem sein
                            sie schuldig der schuld, das sie ire werk bo*esen dienern haben
                            beuolhen. Aber in den vellen gebu*erd dem erben die klag wider das
                            geschicht, das ist dem leydenden das vnrecht wirt geben die klag. Wider
                            den erben, das ist den thuenden das vnrecht, wirt kain klag gegeben.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.47">
            <head>Cap. XLVII. Von der verbietung einer stat oder lands.</head>

            <p> Wan stetiglich ein vberwundner in einer missetat wirt verboten, darvmb
                            wirt hie gesetzt die rubrik von der verbietung. Bey dem saltu merken:
                            was sei verbietung, wievil ire gestalten, wer mu*ege verbi[e]ten vnd den
                            verboten anzaygen oder verkunden, durch welche wort einer verboten wirt,
                            wie einer komme von den <pb
                n="657"/> verbi[e]tungen, was zu thuen sei
                            von den guetern der verboten, von den behaltern vnd gunstigern der
                            verboten. Von dem ersten die verbitung in weltlichen rechten ist das
                            selbig, welchs ist verbannung in gaystlichen rechten oder der ban. Der
                            verbitung sein drey gestalt, eine ist ewig, die ander ist zeytlich, die
                            dritt ist der kaine. Verbieten vnd einen verboten verkunden mag der
                            richter habend gewalt vnd bann von dem obern im gegeben. Aber es wirt
                            verbiten der richter durch die wort. Der richter steet auf in dem
                            richthaus vnd spricht ausdrucklich: Ich verkunde .A. oder .B. in die
                            verbitung durch des to*edt vnd verbeut in allen seinen freunden vnd
                            erlaube in allen seinen veynden, vnd ob einer den vber das wirt <pb
                n="658"/> aufhalten, das sol er thun auf sein recht. Aber es wirt
                            verboten einer durch vngehorsam, wen er verklagt wirt vmb ein
                            manschlacht, wunden oder einer andern missetat vnd drey malen geladen
                            nit wil vor dem gericht erscheinen, den so wirt er verboten. Von der
                            verbietung mag einer kommen also in zwayerlay massen. Zum ersten ob er
                            nach der verbietung zum gericht kombt nit bezwungen vnd on alle geding
                            mit dem richter geschehen vnd schwert sich die ladung oder beruefung zu
                            dem gericht nit haben gewist gehebt vnd gehort die verbietung nit
                            geno*et sich dem gericht geantwurt haben gehebt vnd wellen gesteen dem
                            gericht vmb ein yedliche sache den klagern werden antwurten. Den der <pb
                n="659"/> richter in von der verbietung erledigt vnd drey tage
                            derselbige vor dem gericht erscheynet, vnd den von im als von einem nit
                            verboten wirt gericht vnd geurtailt. Zum andern mag einer kommen aus der
                            verbietung in der massen: Ob einer belaydigt hot mit eynicher jeden
                            belaydung oder verletzung vnd wil williglichen buessen vnd wil das
                            gesatz der peen fuerhalten vnd die peen im aufgelegt leyden vor got vnd
                            der welt nach allem seinem vermu*ogen, es sei in seinen guetern oder in
                            der person, gegen gott vnd dem verserten gnug thuen, vnd ob das der
                            klager freuelich widerspricht, das so sol nemen der richter das gesetzt
                            recht vnd dem verserten klager darbieten mit gnugsamen zeugen zwen oder
                            drey, ob der das verschmecht aufzu*enemen, den so bekert der <pb
                n="660"/> richter das recht in sein breuche vnd verbeut den belaydigten durch
                            die vngehorsam vnd freuelikait. Vnd ob er darnach ergriffen wirt, so
                            wirt im abgehawen die hand oder er wirt dem richter bezalen XXX lb.. Ob
                            aber der verboten ist fluchtig, den so sol der richter von allen seinen
                            gueter nemen XXX lb. fuer sein bueß vnd nit mer. Aber die andern gueter
                            sullen bleyben in dem gewalt seiner kinder vnd weybs, doch also, das sie
                            daruon den geltern bezalen. Ob er aber wider weyb noch kinder verlassen
                            hot, den so werden die vorgemelten gueter zu andern seinen erben oder
                            nachkommen verwendt. Ob aber der verboten ist elend vnd hot kain
                            nachkomen, den so sullen die gueter zu den handn der ratgeben mit gueten
                            gewissen genommen werden, welche gueter <pb
                n="661"/> vnversert vnd nit
                            gemyndert ein ganz jar behalten werden, vnd ob darnach wider erben noch
                            gelter werden erscheinen, den der halbtail sol fuer das hayl seiner seel
                            gegeben werden vnd der ander halbtail der nutzbarkayt einer gemain
                            angelegt werden. Ob einer verklagt wirt, das er einen verboten
                            beherbirgt hot oder in seinem haus den behalten, der sol sich mit seinem
                            eynigen ayd raynigen (oder dorvon nemen) vnd sei frey. Ob aber ein
                            verbotner in einem haus oder wonung eynichs ergriffen wirt, den so sol
                            von dem wie gesehen wirt gericht werden. Der den behaltend ist, wirt dem
                            richter geben zehen lb. oder hand sol im abgeschlagen werden. Merk ein
                            verbotner in einer statt vmb eyniche myssetat mag nit verboten werden in
                            einer andern vmb die selbige sunde nach <pb n="662"/> gemaynem rechte.
                            Aber nach recht der fursten in iren landen ein verbotner in einem land
                            mag verboten werden in einem andern byß an den Kayser. Welchen aber der
                            Kayser verbeut, der ist verboten in allen landen seinem kaysertum
                            vnderwurfen; doch die verbietung von gemainen rechten geet nit zu den
                            aussern des gerichts vnderwerfung oder des richters, welcher zum ersten
                            einen verbeut. Wan es ist ein ... schwere peen, wan es muß der verboten
                            in sulchem gericht lassen weyb vnd kind vnd alle freund vnd alle seine
                            gueter.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.48">
            <head>Cap. XLVIII. Raynigung von einer missetat.</head>
            <p> Wye einer sich sol raynigen von einer missetat im verargt <pb
                n="663"/>
                            oder widerwurfen. Ist oben gesagt wurden von den verklagungen vnd
                            beschuldigungen, den missetaten, gehörenden, von der verhaysen vnd
                            gedingten dingen. Wan aber in den dingen wirt zu der raynigung oft
                            kommen, darvmb wirt hie vnderwurfen von den raynigungen aller
                            vorgenanten. Bey dem soltu merken: was sei die raynigung, wievil ire
                            gestalt vnd durch was geschech ein reynigung, von zwyfeltiger form der
                            raynigung, welche zal der die gerayniget sullen werden, welche peen des
                            gebrechenden in der raynigung. Von dem ersten die raynigung ist von der
                            widerwurfen missetat oder beschuldigung sein vnschuld erzaygung. Der
                            raynigung gestalten sein zwo, als ein gaystliche vnd ein gemaine (oder
                            weltliche). Die gaystliche ja die gesatzlich <pb
                n="664"/> ist, welche
                            die gaystliche recht oder gesatz haben aufgesetzt. Vnd sie beschicht
                            durch ein ayd, durch die zeugen, durch die treu vnd ist von dem rechten
                            verhengt. Aber die gemain raynigung ist, welche das gemain volk im selbs
                            durch sich selbs williglich hot gesetzt vnd erfunden. Vnd die beschicht
                            durch den kampf, durch das gluende eysen, durch sydens wasser, welche
                            ist von den geystlichen rechten verboten vnd von recht durch dreu ding:
                            wen es geschicht gar oft durch neyd, zum andernmal wen da wirt got
                            versucht, das nit geschehen sol, so das bezeugen ist das heylige
                            ewangeli, zum dritten wan oft werden die vnschuldigen verwrtailt. Vnd du
                            solt merken das die raynigung zwyfeltig ist von der missetat, etliche
                            geet nit zu der <pb
                n="665"/> verbitung, als dan ist die raynigung vmb
                            verhayssen, schulden vnd vmb geding. Die raynigung von einer missetat
                            nach lentlichem recht ist ein sulche: Ob ein verklagter von einer
                            diebstal oder raub oder schacherey oder manschlacht oder aus eynichem
                            andern malefitz, das da hot ein person zu beruren oder die eere, ob der
                            geladen vnd berueft wirt kommen zu dem gericht nit bezwungen, wil sein
                            vnschuld erzaygen vnd mit im vil rayniger nit mag gehaben, wen man wayß
                            nit, wen oder wo die geschehen ding zu sein gesagt werden, den so
                            raynigt [sich] der mit seinem aynigen ayd vnd wirt ledig von dem richter
                            vnd von dem klager. Ob aber der klager wil den verklagten [mit]
                            selbssyben frummer man zeugnus vberwinden, den so rayniget sich der
                            verklagte <pb
                n="666"/> eins guten namens, nach dem gesatz der statt ist
                            gesetzt. Ob er aber das nit thuen mag vnd boes leumbden ist gewesen, so
                            wirt er selbssyben vberwunden. Ob er aber ergriffen ist wurden
                            sichberlich mit handvester tat oder gevangen in der flucht des
                            verbrachten vbels vnd gnöt zum gerichte gefuert, den so wirt von im als
                            gerecht ist gericht. Item ob einer einen beschuldigt vmb ein todschlag
                            vnd er den mit abtreyben gewalt mit gewalt sagte sich gethan zu haben in
                            notwere vnd das weyst nachdem das gesatz vnd frid der statt <pb
                n="667"/> ist gesetzt vnd mit andern vier frummer manne handen mit dem [in]
                            gericht aufgehebt schweren, so wirt er ledig vom richter vnd vom klager.
                            Der verklagte durch den verwunten vmb die wunden vnschuldig raynigt sich
                            mit seinem ayd vnd zwayer frummer man henden mit im ihn gericht
                            schwerend vnd aufgehebt, wirt er ledig vom richter vnd vom klager. Du
                            solt merken das vnder dem namen wlnus wirt hie begriffen vnd
                            eingeschlossen alle belaydung vnd verletzung des leybes, welche geet zu
                            der verbietung, es sein hende oder der fues oder der finger abhauung
                            oder erstorung der ander gelider, vnd das die ding aus val beschehen nit
                            aus dem streyt. Ob aber aus dem streyt vnd bösem vnd freuelem fuersatz
                            wirt gesagt einer verwundt haben gehebt, <pb
                n="668"/> hend vnd fues
                            abgehawen, die nasen vnd orn abgeschniten, derselb mit funf im gleichen
                            frummer man sich raynigt mit seinem ayd vnd wirt ledig. Doch soltu
                            merken das alle (belaydigung des) bluets ausgiessung mit waffen geet zu
                            der bietung. Ein verklagter vmb scheltwort durch böse vnd verbotne wort,
                            welche er einem hot zugeredt, raynigt sich mit sein selbs aynigen ayd
                            vnd wirt ledig. Der verklagte oder beschuldigte vmb ein enterung einer
                            jungfrawen, ob er zu geburlicher zeit <pb
                n="669"/> vnd ordenlich
                            berueft nit ist gewesen, der sol sich raynigen mit seinem aynigen ayd
                            vnd wirt ledig. Ein beschuldigter von freuel eingangen in eins andern
                            haus, welchs genant ein haymsuch, wirt sich raynigen mit sein selbs
                            aynigem ayd vnd wirt ledig. Ein beschuldigter, der einen verboten hot
                            beherberigt, hot gespeist oder genert, sol sich mit seinem aynigen ayd
                            raynigen vnd wirt ledig. Item ob verstolen guet bey aynichem ergriffen
                            wirt vnd der sagt, sich das guet in offnem markt bey liechtem tag
                            gekauft zu haben, aber er wais nit von welchem, ob das der richter [nit]
                            will glauben, den so wirt er sich mit sein selbs ayd raynigen <pb
                n="670"/> vnd wirt ledig. Dasselb recht ist von verstolen guet bey
                            einem andern erlegt. Ob einer geladen vmb ein jedliche sache zum gericht
                            vnd aus redlicher wrsach in verhindrend kommen nit mag, der sol sich
                            raynigen mit seinem besundern boten vnd wirt ledig. ... ob einer
                            angelangt wirt vmb schulden vnd die schulden sein vnder drißig lb., den
                            $so sol er sich raynigen mit seinem ayd vnd wirt ledig. Ein angelangter
                            von gehaysen oder gedingen, der wirt sich raynigen on falschen list mit
                            seinem eynigen ayd vnd wirt ledig. Die zal der reynigungen vmb einen
                            gestorbnen sein funf, vmb die wunden oder ein anders verletzts <pb
                n="671"/> gelid sullen sein dreu oder vmb ein schlahung oder ein
                            andre verletzung oder scheltwort einer allein. Die peen des bruch
                            habenden in seiner raynigung ist ein sulche, wie ist die peen des
                            gebruch habenden klagers in seiner verklagung. In einer sum ist zu
                            merken, das von allem haymlichen malefitz, von welchem einer guets
                            glaubens vnd genugsamer verklagt wirt, von dem mag er sich raynigen, nur
                            er werd in den malefitz ergriffen oder ob er bruch hat in der raynigung
                            vnd ob er berueft zum gericht nit erscheint oder geflohen ist vnd
                            darnach gefangner zu dem gericht gefurt, wan den so wirt geho*ert die
                            zeugnus des klagers vnd ob er ist mit handhaftiger that ,.. zwayer
                            zeugen vberwunden wirt. <pb n="672"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.49">
            <head>Cap. XLIX. Von den penen.</head>

            <p> Ist gewys, der verklagte ob er sich entschuldigen nit mag,velt in die
                            peen; darvmb hie nachuolgt von den penen. Vnd ist zu merken: was sey ein
                            peen, wievil sein gestalt der penen, welcher die peen auflegen mu*ege
                            vnd welchen die penen angelegt werden vnd ... wie groß sie bewysen werd,
                            welche peen sullen angelegt werden, welche weychen der peen, welche
                            entschuldigen von der peen, welche beschwern die peen, welche ringern,
                            welche ding sein zu vermerken in anlegung der penen, zum letzten werden
                            gesetzt die fragen nutzberlich zw der materien. <pb
                n="673"/> Von dem
                            ersten die peen der sunden ist ein schuldige straf vnd kestigung. Die
                            penen nach den gesatzen sein vil: Etliche in die person, etlich in das
                            guet; etliche aus vngehorsam, etliche aus der su*end. Die peen yn das
                            guet sein zwo, ... das guet, als das beweglich vnd vnbeweglich. Die peen
                            in die person sein vil, wan vil sein der peynigung geschlecht, vahung,
                            kesteyung, der gayslung, schlahung der steck, abschneydung der orn, der
                            nasen, ausstechung der augen, brennung durch die zen, der hend vnd der
                            fues abhauung, <pb
                n="674"/> enthauptung, henkung, im sack ertrenkung,
                            verbrennung, verschickung, lebentige vergrabung etc. Die peen aus einer
                            sund sein auch vier: das ellend, eynschreybung, verbietung vnd
                            verschickung. Die peen aus vngehorsam sein vier: die erst lassung in
                            besytzung ein vnbeweglichen guets begeren, die ander ist eins
                            beweglichen guets eingebung, die dritt ist ein billiche inhaltung, [die
                            viert] welche schuldig ist dem richter vmb die verschmeung vnd
                            vngehorsam <pb
                n="675"/> dem gericht geschehen, wan er nit erscheint. Es
                            sein noch vil andre peen aus der sund on die, wan wievil sein der sund,
                            so vil der peen, wan es hat ... die sund ein besundre peen. Es sein auch
                            andre vil peen, welche gesetzt werden in der rubrik von der verbindung
                            aus dem handel oder nahet aus dem handel vnd in den verbindungen aus dem
                            malefitz oder nahet aus dem malefitz, von welchem darvmb ist
                            besunderlich zu sagen. Aber die peen anzulegen haben alle richter, die
                            glaubhaftig sein in irem gericht, wider ire vnderthan nach welichkait
                            vnd gro*esse der schuld. Wan nichst taugt ein gerichtzwang, welche die
                                <pb
                n="676"/> strafung der bo*esen nit hot. Vnd merk wiewol
                            manigfaltig sein richter, als ordenlich, erlangt von der oberkait,
                            nachgesetzt, wilkuert richter vnd regirer der stett, doch hot kainer zu
                            richten oder vrtelen die peen des bluts, nur welchem beuolhen ist der
                            gewalt von dem obern, welcher hot gewalt das zu thuen. Werden angelegt
                            die peen den personen vnd guetern. Den personen werden aufgelegt
                            schlechtiglich vnd gerehenlich. Aber den guetern aus neyd der personen,
                            wan die gueter mugen nit sunden, sunder die, welche die besytzen. Darvmb
                            vmb missetaten sol einer allein gestraft werden in der person. Aber
                            layder vil verkeren die ordnung, die schuldigen die personlichen peen
                            nachlassen vnd hynnemen ire gueter <pb
                n="677"/> vnd also beschedigen
                            sie die vnschuldigen, welche zu der nacherbung irer gueter nach den
                            gesatzen vnd von recht gehören. Die peen werden angelegt vmb vngehorsam.
                            Sunder vmb die sund werden sie angelegt oder genommen die peen gesetzt
                            von recht gentzlich, wan von inen mag nit geappellirt werden. Die peen
                            von dem richter aufgesetzt werden genommen in einem tayl,wan auf gnaden,
                            ja auch warlich mag von denen geappell[ir]t werden, ob der richter zu
                            vil aberno*et hett gehabt. Die peen, welche mer geforcht wirt, sol dem
                            angelegt werden, sy sey personlich oder geltlich. Vnd ob die sundenden
                            gelt nit haben zu bezalen vnd gnad der nachlassung bey dem verletzten
                            oder belaydigten nit mugen erlangen, den nach dem gebot des obresten
                            richters ein hals <pb
                n="678"/> vmb den hals, ein glid vmb das ander
                            gelid werden bezaln. Aber vmb die bues des richters sol einer in kein
                            maß, wider in dem leyb noch in den guetern, belaydigt werden. Die
                            erfordert peen von wegen der vngehorsamen oder von wegen der sund, die
                            zugehoren dem richter. Aber die peen eins schadens vnd der vnrechten
                            zugeho*eren den, welchen die scheden vnd vnrechte sein bewysen oder
                            gethan. Ob aber einer würd thuen wider das recht einer statt, die peen
                            zugeho*eren ... einer gemain. Aber die peen bedingliche zugehoren den
                            wylkürten richtern oder den, welch die selben wylkürten richter
                            zugesprochen haben. Es ist aber ein bedingliche peen, welche von willen
                            der krigenden <pb
                n="679"/> die wylkürten richter auflegen den parteyen.
                            Vnd die mügen auch gentzlich erfordert vnd genommen oder nachgelassen
                            werden. Von der peynlichen peen entschuldigt das alter, die lediglich
                            frevel ... nötung, gerechte vnwyssenhayt, gerechte wrsach, die letzt
                            notturft, tobhayt, trunkenhayt. Aber der penen beschwerung vnd ringerung
                            mag ein jedlicher richter durch sich schatzen aus dem tayl, maß, statt,
                            person, alter vnd wirdikayt. In den personen angelegt zu werden oder
                            gebuest sein vil ding zu vermerken, als sein das alter, die zeit, statt,
                            die person, wrsach, gewonhayt, welichkayt, grösse, wirdikayt,
                            manichfaltikayt. Die person, das ist die condicion der person, ob wirdig
                            oder <pb
                n="680"/> vnwirdig, schlecht oder edel, reich oder arm. Das
                            alter, als das kindlich oder das altlich. Wrsach, das ist schuld, wan es
                            möcht der richter von dem sundenden abernöten zehen lb., sintmal er im
                            kaum in sehzig dn. schuldig ist. Aus der schuld, durch welche die
                            schwere der penen sol von den ratgeben gemesigt werden nach welichkayt
                            der schuld. wan es sein die buessen gesetzt durch rue vnd frid machung
                            ein stand der gueten vnd strafung der bosen vnd nit durch anders. Die
                            zeit, ob sie haylig oder nit. Die statt, ob sie geweycht ist oder ein
                            gericht oder rathaus. Die gewonhayt, als andere gericht des vaterlands
                            vnd der ratgeben der statt. Auch die welichkait der sund, wen anders
                            wirt gestraft ein <pb n="681"/> offner freuel den ein haymlicher, anders
                            mit waffen dan on waffen, anders welche geschehen wider der fuersten
                            oder wider die mechtigen einer statt, dan welcher tut wider die
                            mittelmessigen oder nydersten oder schlechtisten pueben. Die vielkait
                            der sundenden wirt mer gestraft oder anders, dan ob einer verschuldt,
                            als kundbar ist in auflaufen.</p>
          </div>
          <div xml:id="NA.3.50">
            <head>Cap. L. Die verwandlung der penen.</head>

            <p> Es wirt gefragt, ob ein personliche peen müg verwandelt werden in ein
                            geltliche peen. Ich sag, nayn nach allen rechten, wan ein jedlicher sol
                            nach seinem verdienen vnd verschulden gestraft werden. Aber die
                            verwandlung geschicht aus geytikayt der fuersten vnd richter, als <pb
                n="682"/> emsiglichen beschicht. Aber herwidervmb beschicht
                            verwandlung der geltlichen peen in eine personliche peen, wen der
                            verschuldend ist also arm vnd vnvermügend, das er nit hot zu bezalen die
                            geltliche peen. Vnd das darvmb geschicht, das nit der verschuldend
                            gentzlich ... entgee. Doch ist kainer also arm, er hab zu thuen ein
                            straf in guetern oder in der person. Es wirt gefragt, ob ein peynliche
                            peen müge verwandelt werden in andre peynliche peen? Ich sprich ja, doch
                            aus wrsachen, als aus wrsach der notturftikayt, gleicherweys als ob
                            einer sol erhengt werden vnd das ist forcht in der ausfuerung, das er
                            von seinen freunden erledigt werde dan von der peen, mag er enthaubtet
                            werden. Auch aus wrsach der ersamkait, als ob er ist von ersamen vater
                            vnd muter <pb
                n="683"/> oder freundschaft vnd hot verschuldt die peen
                            offner verhenkung, den so mag in haymlich in einem sack ertrenken. Es
                            wirt gefragt, ob die bezalte peen bestee noch das wrtail von den
                            wylkürten richtern (verwandelt oder) gesprochen? Ich verstee, nit, dan
                            allein aus forcht der peen wirt gestanden dem spruch. Es wirt gefragt,
                            ob einer mug gestraft werden vmb die sund eines andern? Ich sprich, das
                            in personlicher sache nit, wan der sun tregt nit die boshayt seines
                            vaters, gibt zeugnus die geschrift, die götliche. Aber in die zeitliche
                            peen, in guetern, wirt verhengt vnd gestraft einer vor den andern, als
                            der sun fuer den vater, ein leybeygen khnecht fuer seinen herrn. Es wirt
                            gefragt, ob einer on schuld sol gestraft werden? Ich sage, das
                            vnderweylen geschicht, <pb
                n="684"/> das einer gestraft wirt ... aber
                            ... on wrsach, als einer vnder den guet ist erlegt wurden wirt gestraft,
                            wen er das erlegt guet aus seiner saumnus .., wen der kain schuld hot in
                            verlirung des erlegten guets, doch darvmb wan er nit beweysen hot
                            vleisliche huetung, so wirt er schuldig zu der bezalung. Es wirt
                            gefragt, ob die richter mügen von recht nemen die bues von iren
                            vndertanen? Ich sage, ob sie haben gehebt ein rechte maynung vnd die
                            strafungen zymlich nach gesetzlichen gewonhayten des lands sullen sie
                            nemen, doch das die recht maß gehalten werde, mugen sie die behalten,
                            wiewol sie den schadn vbertreffen, wan sie die emend nit fuer das
                            interesse nemen, sunder das sie gepeynigt werden von der sund. Ja ein
                            sulche <pb
                n="685"/> emend [sein] nit nachzulassen, sunder ee
                            angestrengt vnd verboten zu werden vnd beweysen . Es wirt gefragt, ob
                            einer vmb ein sund zwo oder mer peen zu leyden? Ich sage ja, als kuntbar
                            ist in verwundenden in einem kirchhof oder in einer kirchen vnd in
                            dergleichen, wo der richter nymbt sein peen vmb das [su]nd, der verletzt
                            die andern fuer die belaydigung vnd die kirch die dritten fuer die
                            vbertretung in der geweichten stat. Vnd herwidervmb das vmb vil sund nit
                            genug ist ein peen, Vnd du solt merken das des richters rechte maynung
                            in penen vnd strafungen genommen zu werden sol sein der missetat
                            verbietung vnd des <pb
                n="686"/> frids aynhellikayt gebietung. Wan es
                            spricht sant Augustein, das der richter, es sey in strafen oder nit
                            wyssend die strafungen nemend, ... thut, als allein der bösen menschen
                            gestraft werde ire durftikait vnd der fried vnd nutzbarkait gemert
                            werde. <pb n="687"/>
            </p>
          </div>
          <div xml:id="Tabula">
            <head>Tabula.</head>
            <p> Das buech der obgeschriben gesatzen halt in sich dreu tail welcher
                            erster tail sagt von dem rechten der personen, der ander von dem rechten
                            der gueter, aber der dritt von dem rechten der klagen. Welcher aller
                            vorgemelter erkennung wirt einer mugen haben durch das register oder
                            tafelen on mittel nachuolgend:</p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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