| Seite 123| Durch die väterliche lieb, welche ich zu meinen sunen hab
gehebt, hab angefangen aus klaynikait meiner vernunft mit vil wachen vnd nit
klaine arbeten ein klaine sum der gesatzt, ein kurtze vnd leichte, auch
nutzliche mit schlechten sitten zesamen brengen, das sie ueben so lang, byß
sie komen zu grossern dingen. Byn anruefende die gnad des hayligen gaystes,
das
| Seite 124| sie mich behelf vnd mache erfullen, on welchen kain anfang
ordenlich wirt gegrundt vnd mangelt des nutz vnd eer alles endes.
Es ist not einem jedlichen regirer vnd gubernator einer stat zwm mynsten
in im haben das recht, als die kunst der gesetz vnd die fursichtikait
der waffen, das er durch das gesetz zu zeit des [f]rides die poßhait der
menschen vertreib vnd durch die waffen zu zeit des vnfrids den
anfechtungen der feindt widderstee. Darumb ist zw sagen am ersten von
den gesetzen vnd darnach von den waffen.
| Seite 125|
Die gerechtikait ist ein steter vnd ewiger will zw gebend einen
jedlichen seine recht. Das recht nach dem Tullium ist ein kunsth oder
ein wissen des gerechten vnd gueten, nach welcher wir genandt werden
priester, das ist lerendt des heyligen gesetz. Fursichtikait des rechtes
ist der götlichen vnd menschlichen sachen kundtschaft, des gerechten vnd
vngerechten weyshait. Vnd wie wol die drei fur eines genummen werent,
doch ist eine drifeldickliche vnderschaid. Die gerechtikait ist ein
tugend sitlich, das recht verstregbarlich der tugend, hegung des
rechtens ist ein kunst des selbigen rechtens. Die gerechtikait ist vnder
den tugenden das obers gut, das
| Seite 126| recht ist myttel, hegung
des rechtes ist das niderst. Die gerechtikait gibt einen jedlichen das
sein ist, das recht vereindt, hegung des rechtes lernt, wie das
geschech. Aber die gerechtikait ist zwifeltickh, als naturlich vnd
gesatzlich. Die naturliche ist ein steter ewiger will, seine recht einem
yedem gebend. Vnd on die mag kainer besitzen das reich gotes. Aber die
gesatzlich gerechtikait ist das gesatz an ihm selbest, welcher oft
verwandelt wirt, an welche wider das volg noch die reich mugent
bleyben.
Das recht ist zwifeltich: wann eins ist das offen recht, das ander ist
ein besunders. Das offen ist, welchs erstlich gehört zw dem kaysertumb.
| Seite 127| Das besunder recht ist ein besunders recht, welches
gehort zw der nutzbarkait besunderer menschen. Vnd das selb besunder ist
drifeltickh, als das naturlich vnd das burgerlich recht, ein recht des
volks. Das naturlich recht ist, welchs von natur alle ding lert vnd hat
hat gelert. Wen das recht ist nit aigen des menschlichen geschlechtes
sunder auch alle tier, welche auf der erd vnd in den wassern vnd im luft
leben vnd gefutert werden. Darvon ist herkumen verfuegung des mannes vnd
der frawen, die wir nennen die ee. Darvon ist komen der kindere machung
vnd aufzieung. Wan wir sehen alle tier des rechtens gelert geacht
werden. Auch dar von ist herkumen des gelihen gelts vnd erlegten
widdergebung,
| Seite 128| der freuel seines nechsten vnd seinselbs
abtreibung vnd der gleichen. Aber das recht der leute [ist], mit welchem
alle menschen gleichlich brauchen. Wen es ist das selbig recht allem
menschlichen geschlecht vergunet. Wan von dem rechten von notturft der
menschen erhayschung sein erstanden streit, krieg vnd sein darnach
volget fengnusse, welche naturlichen rechten widderwertig. Wann von
naturlichem recht vom anfang sein alle kinder vnd menschen frey geborn
vnd waren in alle ding gemain vnd hetten ein freyhait, sie habent auch
vndereinander kein krieg gehabt. Auch aus dem rechten der leute sein
eingefuert naheth alle hendel, als kaufung verkaufung, verleihung
bestellung, verwechselung, erlegt guet, wechsel, geselschaft
| Seite 129| vnd ander vil hendel. Item aus dem rechte der leute sein erfunden der
stuel oder der geseeß benemung, bawung, verwandlung, der gelubd des
frids vnd der teg anstellung des vnfrids vnd der gleichen. Item das
burgerlich recht ist, welches ein jedliche statt ir selbs durch die
gotlichen vnd menschlichen wrsach hat gesetzt. Vnd wirt gnent ein
burgerliches recht als ein eygens recht einer statt. Vnd merckt, das
alle völker, welche der gesatzten vnd gewonheiten brauchen, eins teils
ires rechtens, eins tails des gemainen rechten aller menschen
geniessent. Aber die drei recht sein vnderschidlich, wan das naturlich
recht wirt bey allen menschen gleichlich gehalten, von dem eynigen gott
gesetzt, fest vnd vnverwechslich
| Seite 130| bleibt. Aber die andern
recht werden oft verendert mit widderwertiger gewonheit oder mit einem
andern bessern gesatz darnach gesprochen vnd eingefuert.
Von anfang der welt sein wening menschen gewesen durch das erdreich hin
vnd herender gestreut notturftig vnd elendlichen wonend in höllern des
erdreichs. Die selben haben nit bedurft der gesatzten, wan sie nit
beyeinander wonten, es belaidigt auch einer den andern nit. Darnach als
sie gemert sein wurden, haben sie in gemacht hutten vnd heuslen,
| Seite 131| darnach gassen vnd geslen, in welchen beyainand bliben.
Und dan sein erstanden zwischen in krieg vnd gezenck vnd
widderwertikait. Wen alsdan der weyser vnd der merer an der geburd, der
berufet das volgk vnd hat in gesagt: Ir secht, das durch die wais wir
hard beladen sein, was gefelt euch ... Vnd ist gemacht wurden ein
statut, welches sie darnach gehalten haben fur ein gesatzt. Zw jungst
mit geslen vnd die wonungen gemert macht vnd geweytert haben sie gemacht
ein statt, in welch meer gemert das volgk vnd miteinander vereint haben
sie gemacht vil stete; aber das volgk zw machen die gesatzt mocht nit zw
samen beruft werden. Haben sie erwelt aus inen die weysern vnd die
bessern vnd haben in geben wollen gewaldt ein gesatzt zwmachen, welches
sie
| Seite 132| habent verhaissen zw halten. Als die erwelt sein
wurden nach etlicher zeit vnd die leut einhellig nit mochten werden,
haben sie erwelt einen aus inen vnd haben dem geben vollen gewaldt, zw
machen alle gesatzt. Der selbige erwelte man, weyse, reich vnd guets
geschlechts vnd starck gewesen ist, welcher mit suesen reden hot an sich
zogen alles volgk vnd gewunen mechtikait vnd ist wurden ir aller her vnd
hot geregire(r)t, als er wolt. Und lauterlich ist kund, wie das volgk im
selbs zwm ersten statut vnd gesatzt hot gemacht, zwm andern einen
ratenden, zwm dritten aus fursten des volgks. Aber yetz beschicht
vngerochen dar widder, wan zwm ersten machen die fursten gesatzt, zwm
andern ratgeben, zwm dritten volgklich. Auch nit wellen die
| Seite 133| fursten auch nit die ratgeben, sunder alle ding nach gefallen, nit
fur recht, sunder entweder von lieb, von hass oder gunst.
Es ist wissend, das vnser recht, welches wir brauchen, aus geschribnem
oder nit aus geschribnem ist. Das geschriben recht ist das gesatzt, das
ist das gesatztlich recht, das gaystliche recht. Das recht der gesatzt
ist das ... gevolgklich gesatzt, senatus consultum, den wolgefallen der
fuerst. Das gesatzt ist ein heyligs setzung, gebitend ersame ding vnd
verbietend vnersame vnd widerwertige ding. Das gesatzt ist rechter
vernunft von der pillikait gezogen, gebietend ersame ding vnd verbietend
vnersame.
| Seite 134| Wann alle gesatzt eintweder sein gotlich oder
menschlich; die gotliche sein aus gott vnd der natur bestendig, aber die
menschliche sein aus sitten vnd aus gewonheiten. Aber das gesatz wirt
genant von dem wort 'lego, legis, legere' oder vom 'ligo, ligas,
ligare', wenn es bindt vnd streng alle menschen in aine monat nach
seiner setzung zw seiner behaltung.
Aber es sein gemachte gesatz, das aus furcht der selbigen die vnfrum
menschlich kechhait gestraft werde vnd sicher sei vnder den bösen der
gueten vnschuldikait;
| Seite 135| darumb sein gemacht die gesatz, das
den bösen aus furcht der pein die mechtikait zw schaden gezemth werde;
es sein gemacht gesatz, das sie schedlich begierd vnder der regel des
rechten geendt wirt, durch welche das menschliche geschlecht ersamlichen
lebe vnd den andern nit belaidige, seine recht einem jedlichen gebe,
vnderweyse. Das gesatz aber macht fier ding vnde versus:Das gesatz
verheng, straft, gepeut vnd verpeut.
Es wirt das gesatz ersam, gerecht, schlecht, möglich, notturftig,
| Seite 136| nutzlich vnd offenbar, nach der natur vnd gewonheit des
vaterlands, der stat vnd der zeit verziment, fur alle nutzparkeit der
burger geschriben.
Aber die gesatz werdent gemacht und gesetzt, wen sie gesprochen werden.
Bestetiget entweders mit den sitten der brauchenden bewerd. Also
herwidervmb sein vil abgetaner gesatz, wan sie den sitten der
brauchenden nit tawgten.
Wen die gesatz gesetzt sein, sint nit die zw wrteilen, sunder man wirt
mussen nach inen wrteilen.
| Seite 137|
Moyses ist gewesen der erst, der den Hebreyschen die gotliche gesatz ...
vnd die gericht hat gesetzt. Mercurius den Egiptern, Ligurius den
Lacedemoniern, Numa Pompilius den Römern hot gemacht die gesatz, Karolus
den Schwaben, Julius allen vnderworfen dem Romischen reich.
Die fursten vnser zeit mugen am ersten die gesatz machen, zwm andern die
radgeben, zwm dritten die gemainen leut.
| Seite 138|
Die burgerliche gesatz sein erfunden zwm ersten, wen die stett gesetzt
vnd die burgermaister geschepft sein wurden vnd die gesatz geschriben
werden haben angefangen. Wan das naturlich gesatz den hot angefangen zw
sein, wen got die natur aller dinger vnd das menschlich geschlecht zwm
ersten hot geschaffen. Aber die geschriben gesatz habend angefangen zw
Athenis, die nit geschriben in Lacedemonio.
Aber das nit geschriben recht ist der sitt vnd der gewonheit.
| Seite 139| Der sitt ist die lang gewonheit des vaterlands, von den
sitten der menschen allein gezogen.Die gewonheit ist das recht aus den
sitten gesetzt, welche fur ein gesatz wirt genommen, wen das gesatz
gebruch hot gehebt. Es wirt aber die gewonheit zw latein genandt
'consuetudo quasi communis suetudo' vnd ein brauch der menschen. Es ist
aber zwifeltige gewonheit, als ein gute vnd ein böse. Die guet ist,
welche von sitten aller brauchenden bewert wirt vnd die nutzlich ist vnd
wirt genent ein löbliche gewonheit. Aber die böß gewonheit ist die,
welche den sitten der brauchenden schadet vnd welche vnnutzlich ist. Die
erst wirt gehalten fuer ein gesatz, die ander nit; wan die ander, wie
lang die zeit hot gewert,
| Seite 140| sol sie albeg abgetilget vnd
abgetailt werden vnd fur nichte sal sie gehalten werden.
Die guet gewonheit hat drei tugent: zwm ersten wan sie nachvolget dem
gesatz, ... zwm andern wen sie legt das gesatz wen es zweyfelhaftig
wirt, zwm dritten wen sie straft das gesatz. Wen aber es gemain ist in
der gantzen welt, den so vberwind sie das gesatz. Wen sie aber ist ein
besondere, den so wirt sie allein gehalten an der statt, do die
gewonheit ist, von den andern nit, sunder so ein anders gesatz hernach
kumbt, wirt vberwunden vnd abgethan solche gewonheit.
| Seite 141|
Sintmal die freyheiten fur die gesatz gehabt werden, als geschriben ist
in decritis, ist zw sehen von den freyheiten. Vnd am ersten was do sei
ein freyheit, [zwm andern wan wirt genant ein freyheit], zwm dritten wie
vil sein gestalt der freyheiten zwm fierden wer muge machen freyheten,
zwm funften wie lang zeit were ein freyhet, zwm sechsten wie vil maß
werd aufgehebt ein freyheit. Von dem ersten, die freyhet ist ein hulf
wider das gemain recht gegeben, wan nit ist ayniche freyhet, nun sie
verheng etwas besunders. Es wirt genant ein freyhet als ein beraubend
das gemain gesatz. Auch werden gnand die
| Seite 142| freyheit gesatz
der besundern, von einen gemainen gesatz ausgenommen. Die gestalt der
freyheiten sein zwo, ayns ist gemain, das ander besunder. Das gemain,
ist welchs verligen wirt einer gemein ... Das besunder ist, das verlihen
wirt einer person, vnd das wirt ausgelescht mit der person, nur es werd
begriffen in der freyheit, das es sulle geen auf die erbe. Es mags aber
verleyhen vnser her Pabst vnd vnser her der Kayser die freyheit, wen die
sein vber das recht vnd werden mit den gesatzen nit verbunden. Aber es
weret ein freyheit so lang zeit, wie lang es verlihen ist. Aber auch
wirt aufgehebt zwm ersten die freyheit ... durch die
| Seite 143|
nachgeenden, ob in der nachgeenden meldung geschicht von der vorigen.
Item sie wirt aufgehebt durch die misbrauchung. Auch wirt sie aufgehebt
durch die willige ausgedruckte aufgebung. Item durch der oberen
widerrufung vnd durch geding.
Wie wol von den offen notarien vnd iren instrumenten in vnsern
burgerlichen grichten nit ist die gewonheit noch die sorg, doch so durch
andere gericht ich hab mut, von in ein wenig zw vermerken. Zwm ersten
was do sei ein instrument, zwm andern wie vil sein seine gestalt, zwm
dritten welchen bewisen sol werden der glaub.
| Seite 144| Von dem
ersten ein offen Instrument ist ein geschrift von einem offen notario
beschriben zw zeugnuß der sachen vor im angelegt. Es sein aber zwo
gstalt der instrument, als das offen vnd das besunder. Das offen
instrument ist, welches durch die hand des offen notarii ist geschriben
vnd mit seinem gewonlichen zeichen verzeichnet. Das besunder ist
zwifeltig, als ein glaubhaftigs vnd nit ein glaubhaftigs. Das
glaubhaftig ist, welchem angehenck ist ein glaubhaftigs zeichen, als ein
sigel eins fursten oder einer statt oder eines richters in sachen vor im
oder dem gericht gehandelt. Aber es ist ein glaubhaftigs instrument ein
besunder brief mit der hant geschriben
| Seite 145| habent die
vnderschreibung dreyer taugenlicher lebendiger, ob der zwen werden
sterben, so wird es kein glauben machen. Das nit glaubhaftig instrument
ist, welches mangelt eines sigils vnd der vnderschreibungen vnd dem
selbigen ist kain glaub zw beweisen. Aber dem offen instrument
gleicherweis dem glaubhaftigen besigelten instrument sol gentzlich glaub
bewisen werden, nur es werd beweisen solches instrument falsch zw
sein.
Aber es wirt entzogen dem instrument in vil massen. Zwm ersten die
abschabung, das ist wen die aigen namen der personen oder gueter oder
stett abgetilgt
| Seite 146| werden vnd geschriben werden andere namen.
Aber die abschabung der schlechten brief, sillaben vnd fuernamen oder
zwnamen schadet nit, auch ob ander geschriben werden oder vnderwegen
gelassen. Auch so schendt nit das laster der gramatica das instrument.
Zwm andern die erschneidung oder erscherung. Zwm dritten die verkerung
der hant. Zwm fierden ob widerwertige instrument von der selbigen sach
werdent eingelegt. Zwm funften ob das instrument ist ein transsumbt vnd
nit das haupt instrument oder originale. Zwm sechsten ob es nit in helt
alle tail, welche den instrument sollen inehalten werden, als: in dem
namen des hern amen; darnach sullen gnant werden die jar, indicion
pabstumb, die jar des reichs, des kayser.
| Seite 147|
Wan es gesagt ist von den freiheiten vnd instrumenten, wen aber die
sigil besterkend die freyheit vnd alle brief die instrument vnd darumb
ist von inen zw sehen. Zwm ersten was sei ein sigil, zwm andern wie vil
sein seine gestalt, zwm dritten wie in mug entzogen werden. Von dem
ersten ein sigil ist ein kuntpar zeichen in golt oder bley oder dem
wachß eingedruck sterken alles geschicht. Aber es sein zwifeltige sigil,
als glaubhaftige vnd nit glaubhaftige. Die glaubhaftige sigil sein der
fursten, der stett vnd richter in sachen vor inen oder in gerichte
geubten. Und die glaubhaftige sigil durch sich allein den briefen
angehengt oder aufgedruckt
| Seite 148| bestetigent alles geschicht.
Die nit warhaftige sigil sein sigil besunder personen vnd die selbigen
durch sich allein mugen niks ewiglich bestetigen. Des ein exempel, ob
einer [gibt] einem ein brief von schuld wegen oder andern beweglichen
guetern allein mit seinem sigil ... [vnd] von zwaien oder [dreyen]
frumen mannen in den brief geschriben sigil nit habend zw zeugnuß
genommen, wirt stet vnd vest, die weil die zewg leben sein ... auch so
der selbige schulder gestorben ist, geet zw den erben. Ob aber einer
gibt eynichen ein brief vber farende gueter mit
| Seite 149| zwayer
ersame mannen sigiln besigelt, wan er kein sigil hot voron, aber so
verbindt er sich stets zw halten, was in dem brief begriffen wirt, das
bleybt vest vnd geet zw den erben oder nachkomen. Ob aber einer gibt
eynichen ein brief vber ligender guter, den so wirt erfordert sein eyen
sigil, ob er das hot vnd des grunthern sigil vnd eins andern frumen
mannes zwm minsten. Ob er aber nit sigil hot eigen, den so wirt
erfordert des grunthern sigil vnd zwayr ersamen mannen zwm minsten,
vnder welcher sigiln sol er sich verbinden bey seiner treu, sich stet zw
halten
| Seite 150| alles, was oben in dem brief ist ausgedruckt vnd
den so wirt der brief haben vestikait. Ob aber einer eynichem versetzt
ein vnbeweglich guet allein in der hant des gruntherren vnd ob er in dem
buech des gruntherren ist eingemerkt wurden, so ist es des selbigen
rechtes, als wen es mit anhangenden sigiln bevestiget wer gewesen.
Es mag aber einem sigil benommen werden drifeltiglich. Zwm ersten ob des
vnderschreibung ist gentzlich abgetilgt. Zwm andern ob des sigil ist
verschniten
| Seite 151| oder mercklichen erbrochen. Zwm dritten ob des
zeichen des sigils ist vnerkant.
Eyn yedes recht, das wir brauchen, gehort eintweders zw den personen
oder zw den guetern oder zw den klagen. Wan aber ein klein ding ist das
recht der person zw erkennen, ob die personen nit wissend sint, von
welcher wrsach es gesetzt wirt ...
| Seite 152| Wan es sein zwifeltige
personen, als vnder fierzehen jarn vnd fierzehen jerig, impuberes vnd
puberes gnant. Die impuberes sein knaben vom tag irer gepuert byß zw dem
fierzehenden jar erfult vnd darvnder ... Die puberes aber sein
zwifeltig, als halbpuberes vnd volkomenpuberes. Das kint, impubes gnant,
ist vnder den jarn der beschaydenheit, welchs nit mag so groß
verschulden, das in dem leib oder dem teil des leibs soll gestraft
werden. Aber sein pfleger, ob der in der schuld wirt sein, der sol von
seinen guetern dem richter vnd dem verletzten genug thuen.
| Seite 153|
Ob aber nit, dan von den guetern des kindes, ob er von der missetat
vberwunden wurt, sol gnug thuen vnd bussen. Impubes mag kein widerwertig
ding thuen durch sich auch nit durch seiner pfleger, es schade im. Ob
aber eine rechtliche notturft wurd, den so mag er etwas verandern mit
seinem pfleger von wissen vnd willen der radgeben, so er gnad darzw
erlang hot.
Allen menschen sein entweders man oder frawen oder ermofrodite, (verstee
ains teils man, eins tails weib.) Die man wirkend vnd geberend.
| Seite 154| Die weible leident, sie entpfaen vnd geberen. Die
hermofrodite in irem geschlecht, in welchen sie mer taugent (oder
vermugent), nach dem wirt er geacht. Item der personen etliche sein
geborn, etliche werden geborn. Die gebornen aber etlich abortiui, (das
ist gestorbene in muterleib), etlich posthumi, (das sein) geborene nach
dem tode irer veter. Vnd also ein yeder mensch entweder sei ein man frey
oder ein leibeigner khnecht. Der frey aus freyem vater vnd muter geporn,
welche kint nachuolgend
| Seite 155| den mutern der purden halben, des
vaters der ern halben. Als ob der kunig nem ein pewrin, wurden sein sun
gnent konige. Ob aber ein kunigin nem ein pawrn, so wurden gnant ire sun
pawern. Ein leibeigner khnecht ist, welcher aus einer diern geborn wirt
oder kauft oder verkauft. Der freyen sein etlich frey geborn, etlich
frey gemacht. Die freyen von geburt sein die freyen, die man heyst
liberi. Die libertini sein die gemachten freyen, die liberi sein die
frey gesagten. Item der personen etlich sein ires rechtes, die andern
eins fremden.
| Seite 156| Ires rechtes sein die ledig gesagten von
veterlichem gewalt. Eins fremden rechtes sein die haussun, leibeigen
khnecht vnd diern. Der sun sein etlich eelich vnd naturlich ... die
andern vneelich, als die bankarten vnd bastarden. Item der kinder etlich
sein genugsams alters, etlich nit. Das genugsam alter (oder gesatzlich
alter) ist von zwentzigfunf jar vnd darob vnd die werden gnant gnug alt,
(das ist maiores.) Das nit gesetzlich alter ist vnder halb zwentzigfunf
jar, die werden gnant minores, (das
| Seite 157| ist vngenugsams
alters.) Der selbigen ze jungen sein etlich fierzehen jerig, die andern
darvnder. Der vnder fierzehen jerigen sein etlich nit redende kinder,
aber die andern nahet bey den fierzehen jarn, die andern fierzehen
jerige. Item der fierzehen jeriger sein etlich halb fierzehen jerig, die
andern volkomlich fierzehen jerig, die andern volkomlichst fierzehen
jerige. Die halb fierzehen jerige sein tochterle der zwelf jarn, die
knaben fierzehen jar. Die volkomen fierzehen jerige sein die frawen vnd
die man achtzehen jarn. Die aller volkomlichsten fierzehen jerige sein
man vnd weyber vber zwentzigfunf jar. In achtzehen jarn sein halb
fierzehen jerigen noch vnder der pfleg irer pfleger vnd mit iren
| Seite 158| gutern mugen sie niks geordnen oder geschicken. Nach den
achtzehen jarn sein sie volkomen fierzehen jerige oder puberes vnd den
so thuen sie, was sie wellen mit iren guetern vnd person. Wen die pfleg
ist den vollendt. Aber die narren vnd die tobsuchtigen sein alweg vnder
den jarn der beschaidenhait. Aber in einem kint, [wan] die boshait
erfult das alter, es wirt geschlagen mit den gerten vnd nit anders
gestraft werden. Wen es [ist] die kintheit von lugen vol vnd mit den
vnrechten vnd darumb wirt es vnder weilen gestraft.
| Seite 159| Aber
die nit fierzehen jerigen, so gestorben sein vater vnd muter an
geschefte, sein sie bald vnder pfleg der radgeben, welche mugent orden
die pfleg der kinder vnd vestigen mit der stat sigil.
In veterlichem gewalt sein alle vnser kinder, die fierzehen jerigen vnd
darvnder, die nit ledig sein gesagt, welche wir von gerechten een
gebern.
Die veter habent siben gewalt wider ir sun: Zwm ersten das
| Seite 160|
sie [sie] mugen verbinden. Zwm andern das sie mugent ire gueter die
narunglichen vnd kauflichen nach irem wol gefallen verandern, so die sun
wnwillig sein. Zwm dritten das die nit ledig gesagten sun, was die
gewynnen, das ist der vetere. Zwm firden das kainer sol sie behalten an
des vaters willen. Zwm funften das die sun nit sollen weder burglich
noch peinlich klagen wider den vater. Zwm sechsten das die veter mugen
ir sun in eins andern zwwunschung geben. Zwm sibenden das sie mugent ir
sun zw teylung der erbschaft nöten, wen sie wellen vnd nit herwidervmb,
den nur in sechs vellen: zwm ersten wen der vater die gueter seiner
kinder durch vntrewen vnd nit aus notturft wil verandern; zwm andern wen
der vater ist ein vnnutzlicher
| Seite 161| verzerer der gueter; zwm
dritten wen die erbgueter der vater nit redlich aufhebt oder zesammen
haldt, sonder verhengt zerstört zw werden; zwm fierden wen der vater
sein sun vnveterlich vnd hertglichen straft on wrsach vnd on schuld; zwm
funften wen er die sun vnd die töchter nach volkommen zeit der fierzehen
vnd zwelf jarn nit verhewret; zwm sechsten wen er in die notturft nit
gibt nach seinem vermugen vnd irer notturft.
Aber es wirt aufgehebt der veterliche gewalt in funferley maß. Zwm
ersten durch den tod des vaters on geschefte sterbende. Zwm andern male
durch veterliche
| Seite 162| ledigsagung. Zwm dritten wen der
naturlich vater gib seinen sun in ain zwwunschung. Zwm fierden wen der
sun seines rechtes sich gibt in zwwunschung oder in eine kintliche
annemung einem andern. Zwm funften wen dem sun oder dem vater die stat
ist ewiglich verpoten durch eine große missetat.
Die stat wirt in vil maß verboten. Underweilen auf eine zeit vmb
vngemach vnd vnzucht, vnd der verleurt nit wider das guet vnd nit die
eer, sunder allein den brauch seiner gueter in verschickung ein zeit.
Underweilen durch ein verleumbt, villeicht er ist mayneydig
| Seite 163| vnd ein vbelreder der eren einer statt oder das er sich verkauft hot
von galgen oder wan er ist ein nachlaufer ersamer frawen. Vnd der
verleurt nit wider das guet noch die statt, sunder allein die eer, also
das er wirt rechtlos vnd eerlos, das ist das er fuerbaß nymmer kombt zw
aynicher wirdikayt. Underweile wirt auch verboten die statt vmb ein
malefitz, als vmb ein todschlag, vnd der wirt sein guet verliern aber
nit die eer. Ob aber es wer gewesen ein klaine missetat, als ein klaine
diebstal, der verleurt die gueter. Aber vnderweil wirt aynichem
| Seite 164| verboten die statt ewigklich vmb eine grosse missetat oder
darvmb, das er gsunt hat wider den fursten oder gemainen nutz mit
verreterey oder mit obergebung oder trewbrechung, der wirt verlieren die
guetern, die eer vnd den leib vnd die freyheit. Wan wo er begriffen, so
hot er kaine zwflucht auch nit behaltung noch sicherhait. Vnd welcher in
halt wissentlich oder beschützt, der wirt mit gleicher pein gestraft.
Und ist zw merken, das alle die vmb ein veronleumbte missetat verwrtailt
werden zw tode, auch ob sie nachlassung der pen durch gnad wurden
behalten, doch die eer werden sie nymmer behalten, sunder also albeg als
des rechtens erfarn gnant.
| Seite 165|
Wan oben meldung geschehen ist von den gerechten hewreten, darvmb ist
yetz von den vorgeheyschen von der ee zw sagen. Und zwm ersten von den
vorgeheyschen, sponsalia gnant, wan die habend gewond die ee fuerkommen.
Was sein die sponsalia, wan sie gnant werden, wen sie gehandelt werdn,
in welchem alter, was sei der vorgeheysch wirkung, ob die verheyschen
bezwungen werden zw machen ein ee, in welchen vellen die sponsalia
aufgelost werden. Und zwm ersten sein die sponsalia der kunftigen ee
verheyschung. Und werden gnant von dem wort spondendo, das ist
verheyschen;
| Seite 166| es ist aber sitt das eeweib verheyschen, mit
gelübd annemen. Aber stipulatio ist ein verheyschung, so ein frag
vorgeend vnd antwurt nachuolgent ist, sag also: du verheischt mir das,
der ander spricht: ich verheysch. Aber die sponsalia zw kunftiger zeit
werden in funferley maß gemacht. Zwm ersten durch die wort darzw
geschickt: ich wirt dich nemen zw einem eeweib. Zwm andern mal wen die
ausdrucken den willen in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten durch gebung
der heftpfening, als eins fingerrings oder gelts oder ander gueter. Zwm
fierden durch eynige verheftung, als durch ansteckung des fingerrings.
Zwm funften durch den ayd. Es werden auch sponsalia gemacht zwischen den
sibenjerigen, aber zwischen den jungern sein
| Seite 167| nit sponsalia
vnd darvmb wirt nit ersteen aus in die offen ersamkayt. Vnd wirt
erfodert da, das ir yedes sey zw jung, nur oder were nahet dem alter vnd
die beschayt erfult das alter vnd allermayst, wen er versucht hett
leiblich vermischt zw werden. Die kraft der vorgeheysch ist, das die
einfuert die gerechtikait offner ersamkayt, die do verhindern ist die
ee. Auch werden genöt die versprochen zw machen die ee, ob sie sein alt
genug vnd haben geschworn, nur es wer ein ergers geforcht, wan den
werden sie slechtigk nit bezwungen. Verstee das, so es bleiben ist in
dem selbigen stant. Wan ob einer machte durch wort von gegenwertiger
zeit mit eyner andern, wirt er nit genöt. Ob aber der, welcher geschworn
hot zw
| Seite 168| vereinen, will eingeen in einen bewerten orden, so
wirt im geben ein rat, das er sie neme, aber vor leiblich vereynung
eingee in den orden. Ob sie aber bayde sein zw jung als vnder fierzehen
jar, doch elter dan siben jar, so mag ir kains nemen ein andern. Wen
aber das ein wer alt gnug vnd das ander zw jung, den so kommen wirt das
grosser, welches erkumbt zw gnugsamlichen alter, ist schuldig zw
erwarten des myndern. Vnd wenn das junger kommen ist zw gnugsam alter,
so wirt es die ee bewern oder verschlahen, nur die leibliche vermischung
wer entzwischen kommen. Ob aber das elter, so das junger nit erwartet
ist, durch wort von gegenwurtiger zeit mit einem andern hett gemacht, so
haft die ee, die albeg hot zerbrechen die sponsalia, die do sein
zwkunftiger zeit.
| Seite 169|
Es werden aber erlediget die sponsalia von kunftiger zeit von dreyzehen
wrsachen: Zwm ersten durch eingang eines gaystlichen bewerten ordens,
das do haft auch in den gehayssen von gegenwurtiger zeit. Zwm andern
durch entpfahung der hayligen weyhen, welchs hot statt in den gehayssen
in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten wan sie bayde einander laydig sagen.
Zwm fierden wen das ein hinweg geet in ein verres lant vor leiblicher
vermischung. Zwm funften wen einer velt in die aussetzigkayt oder in
eine andre grosse krankheit oder vnformikeyt des leibs; doch die
vnformikayt in der aussetzikayt nit auflöst die ee oder
| Seite 170|
den gehayssen von gegenwurtiger zeit, auch der gsunt ist schuldig dem
kranken die schuld zw raychen. Zwm sechsten ob herfuer kumbt ein
schwagerschaft oder freuntschaft. Zwm sibenden ob der vnverleumbt hot
verhindrung, als ein schwagerschaft herfuer (oder an tag) kummen sei
gewesen. Zwm achten wen das ein der zwayer hot vnkeusch triben leiblich.
Zwm newnden wen einer vnkeusch treibt gaystlich. Zwm zehenden wen
gemacht werden die andern gelubd von gegenwertiger zeit; durch die
andern vorgehayß von kunftiger zeit ... das verstee ob er die ander nit
leiblich erkent hot, wan den so ist es ein ee. Zwm aylften wen das
junger komend ist zw gnugsamen alter nit vil steet halten, das es gethan
hat. Zwm zwelften wem eins verhayssen hot nemen in einer bestymten
| Seite 171| zeit vnd ist nit gestanden durch in, das es nit hot
genommen in der selbigen zeit. Zwm dreyzehenden wen herfuer kommen ist
ein gaystliche freuntschaft, als eine gevaterschaft, oder eine
gesatzliche freuntschaft, also ist zwwunschung.
Bei der ee sein zwelf ding zw merken: Zwm ersten was sei die ee, zwm
andern von wannen sie gnant werden, zwm dritten von welchem es sei
aufgesetzt, zwm fierden wen sie sei aufgesetzt, zwm funften wo sie sei
aufgesetzt, zwm sechsten mit welchn worten sie sei aufgesetz, zwm
sibenden welche sei wrsach gewesen der aufsetzung, zwm achten in welchem
alter vnd wie sie gemacht werde, zwm newnden welche vnd wie vil sein ir
verhindern,
| Seite 172| zwm zehenden welche zwgelassen werden zw
verhindern ein ee, zwm aylften wie vil vnd welche sein gueter ee, zwm
zwelften welche mugen verklagen ein ee. Von dem ersten die ee ist des
mannes vnd des weibs eeliche zwsamen fugung, ein vnzertaylberliche des
lebens gewonheit haltend. Es wirt aber gnant matrimonium 'quasi matris
munium', als der muter ambt. Aber sie ist aufgesetzt wurden von got fur
der sund im paradiso. Aber sie ist eingesetzt worden mit den worten: Nun
kumbt das bayn aus meinen baynen vnd das flaysch aus meinem flaysch, vnd
das wirt der mensch verlassen vater vnd muter vnd wirt anhangen seiner
hausfrawen vnd werdend zway in ainem leib.
| Seite 173| Aber die wrsach
der aufsetzung der ee vor der sund ist gewesen entpfengnuß des kinds,
aber nach der sund die vermeidung der vnkeusch. Machen ein ee durch
willen der puberi (verstee des mannes in fierzehen jarn, des weibs in
zwelf jarn) der die zwsamen werden gefuegt, ... Sein die loblichkayt nit
von dem wesen der ee. Aber die wort sein notturftig der kirchen halben
in den, welche durch sich selber mugen reden. Und ob die wort von den
einander nemenden sein finster oder tunkel geredt, so wirt gelaufen zw
gemainer irer verstentnuß. Es sullen gemacht werden die ee offenlich nit
haymlich. Aber die ee wirt gemacht durch ein wort darzw geschickt, als
ich nym dich zw meinem weib oder ich nym dich zw meinem man.
| Seite 174|
Die verhinderung der ee, welche habend zw erbrechen vnd zw verhindern,
sein zwelf, welche gemerkt werden in diesen versen: Von der yeden sol
wir hie sehen. Vnd zwm ersten von der irrung. Bey dem ist das zewissen,
das fierfeltig ist die irrung, als der wil, der person, der condicion
vnd des gelucks. Die irrung der will ist, so gebruch hot der wil ir eins
der, die do handlen. Die irrung der person, also wen ich glaub mich zw
machen mit A, wirt mir gegeben B. Die irrung des stats, wen mier wirt
| Seite 175| gehayssen eyn freyn vnd wirt mir geben ein leibeigne
diern. Die drey wrsach verhindern vnd zerbrechen die ee, nur es werd mit
nachgeenden geschicht verwilliget, mit worten oder mit werken oder mit
leiblich vermischung. Die fierd wrsach, als des gelucks oder grösse ist,
wen ich glaub mich zw heureten mit ainer jungfrawen oder mit einer
reichen vnd handle mit einer erstärten oder armen. Und die fierd wrsach
erbricht nit die gemachten ee.
| Seite 176| Condicio, ob sie zymlich zw
gelegt sey wurden dem eelichen nemen, nur er sei schuldig, so ist es nit
ein ee, nur es werd dar von geschaiden durch seiner vater vnd muter
verwilligung von kegenwurtiger zeit hernach geuolgt oder durch leibliche
verfuegung. Aber die vnmugliche condicio (da gnant vnderschaid) ader
vnzymliche ader wider guet sitten darzw gelegt sol nit vor zwgelegte
gehabt werden. Das loblich gelubd zerbricht die ee, aber das schlecht
gelubd bricht nit, sunder es verhindert. Aber das loblich gelubd wirt
gnent durch entpfaung der heyligen weych oder durch bekennung
ausdrucklich gethan eynichem von den gaystlichen örden bewerten.
Cognacio, das ist die freuntschaft,
| Seite 177| ist drifeltig, als
gaystlich, leiblich, gesatzlich. Die gaystlich freuntschaft ... Die
leiblich freuntschaft ist ein zwgehörung koment aus der freuntschaft vom
blut oder schwagerschaft vom hewreten. Und die zerbricht die ee biß zw
der fierden sip. An der funften sip oder weyter wirt die ee zymlich
gemacht. Wen gnug ist, das einer der machenden vbergee den fierden sip,
wie wol der ander ist in der fierden oder nehene kommen. Die gesatzlich
freuntschaft durch die zwwunschung, ... die hot drey verbietung, ein
zeitliche, zwo ebig. Die zeitliche, das der leibliche bruder nit mag ...
mit der schwester die zwgewunscht ist, dieweil stet die zwwunschung, so
aber geendt ist,
| Seite 178| als durch die veterliche ledigsagung, so
wirt sie wol gemacht. Die ander ist ebig zwischen den zwwunschenden vnd
zwgewunschten vnd zwischen dem eeweib des zwwunsch[end]en vnd dem
zwgewunschten, auch so erledigt ist die zwwunschung. Die dritt ebig
zwischen dem zwwunschenden vnd eeweib des zwgewunschten. Die missetat,
als vnkeusch mit freunden, verhindert die ee, aber sie bricht sie nit.
Item arbet in den tot des eemans oder des eeweibs nit hernach geuolgt
die wirkung. Das selb ist in andern missetaten. Die leyblich
manschlachtung verhindert nit die ee. Die missetat hat nymmer zw
erbrechen die ee nur in dreyen vellen, als wan ein eebrecher gibt sein
trew der eebrecherin, dieweil lebt sein erste hausfraw,
| Seite 179|
zwm andern wen er von geschicht hot gehewret mit einer andern, die weil
die erst lebendig ist, zwm dritten wen der der ander arbet mit kraft zw
dem tod des andern ... Ungleiche der götlichen eer ist, ab ein kristen
hewret mit der judin oder heidin vnd die willig nit bekert werden zw
kristen glauben, den so wirt zerbrochen die ee. Aber anders ist es von
den glaubigen eeleuten, wen ir einer geet in die ketzerey, wan die der
glaubigen ist war vnd stet, aber der vnglaubigen ist war aber nit stet
vnd in dem vall wird aufgelöst die ee vnd doch der, welcher bliben ist
im glauben, mag nit hewreten mit einer andern, wan oft gleisnet der
ander tail der eeleuten die ketzerey, das geschiden wurd die ee.
| Seite 180| Und du solt wissen das die heyden, welche nach irem sitten
mit vil hausfrawen heureten vnd doch, ob sie all bekert werden zw dem
glauben, doch so wirt er haben die ersten hausfraw. Item hab gesagt vis,
ist freuel, welche aus irer natur hat zerbrechen die ee, wan sintemal
gehewret wirt mit dem eynigen willen, aber wo macht ist vnd freuel, da
ist kein will vnd darvmb nit ein ee. Desselb wrsach ist von dem
tobsuchtigen, der nit verwilligen mag, wen er arbet aus tobsuchtikait,
darvmb so mag er nit ein ee machen. Doch
| Seite 181| soltu
vnderschaiden zwischen gewalt vnd gewalt. Wan ob der gewalt vnd die
forcht ist ein solche, welcher (nit) fallen mag in einen steten man, er
sei alt genug oder jung, der welchem gewalt beschicht, ist nit ein ee,
nur er verwillige darnach stilliglich oder ausdrucklich. Aber ob nit ist
ein solcher gewalt oder freuel, welcher mag vallen in einen steten man,
der bricht nit die ee. Auch die heilig weyhung erbricht die ee, auch die
heylige weyhe verhindert, die mynder weich verhindert nit noch erbricht
die ee. Die verbindung, verstee von kegenwertiger zeit, wen er ist
verbunden einer hausfrawen, wen er hewret mit einer andern, so haft nit
[die] ee. Wen es ist zwifeltig das bant der vorgelubten,
| Seite 182|
eins durch wort von gegenwurtiger zeit, das ander durch wort von
zwkunftiger zeit. Das erst zerbricht die nachuolgende ee, aber das ander
bricht nit. Item die ersamkeyt, das ist ersamkeyt offner gerechtikait,
welche ist eine zwgehörung aus vorgehayssen her koment, zihent die sterk
von setzung der kirchen durch die ersamkeit vnd beschicht, wen einer
nymbt ein weib durch die wort von gegenwurtiger zeit, so die gestorben
auch so kein vermischung der leib hernach geuolgt, mag keine von dem
bluet der selbigen nemen merer zwm eeweib. Affinitas, das ist die
schwagerschaft, welche ist ein nechene der person aus leiblichem werch
herkomend aus vnkewscheit vnd eelichem
| Seite 183| werk mangelt aller
veterlichkait, die hot heut verbietend in dem ersten geschlecht allein.
Aber verzeiten war sie ausgestregt byß zw der fierden sip. Und ist zw
wissen, das die freunt vom blut des mannes sein nit affines den freunt
vom bluet des weibs oder herwidervmb, auch nit sunder der eynig eeman
ist ein schwager den freunden des bluets seines weibs vnd herwidervmb.
Wen mein vater vnd die andern meine geborne freunt mugen wol hewreten
mit den gebornen freunden meines weibs vnd herwidervmb. Abproch sal
haben allein der man von den gebornen seines weibs sip biß zw dem
fierden grad oder vnd salt verstan das von der schwagerschaft, welche
vorgeet der ee. Ob aber sie hernach volgt, so zerbricht sie nit die ee,
oder die gelubd von der gegenwertigen
| Seite 184| sunder von der
kunftigen zeit. Item die vnmuglichait leiblicher werk zw verbrengen
verhindert die ee. Du solt wissen, das die ebig kelte im man oder die
schneidung der menlicher gelider in man vnd in naturlichen artikeln vnd
vngesunt machberlich engung des freulichen (oder weiblichen) gelids vnd
ebigs malefitz (oder zauberey), ob die vorgeend der ee, so erbrechen sie
die ee, ob sie bewisen mugen werden. Aber an die vall oben vermerkt, mit
welchen wirt verhindert die ee vnd wirt erbrochen, sein noch etlich
andere, welche verhindern aber nit erbrechen die ee, als da ist die zeit
der feyertage vnd dem contract der ee wider das verbot der kirchen. Und
du salt wissen, das vmb
| Seite 185| kaine missetat der man mag
verlassen das weib noch das weib den man. Doch mugen besundert werden
des beyligens halben vmb gaystliche vnd leybliche vnkeusch, doch
bleybend die eeleut besundert. Aber die leybliche vnkeusch ist, wen
einer der eeleut bricht sein trew im eebrechen; die gaystlich vnkeusch
ist, wen eins der eeleut geet hin zw der ketzerey. Psalmista: Du wirst
verliren alle die, die vnkeusch weyben an dich, das ist welche weichen
von dem glauben. Und du solt merken, ob bayde eemenschen wellen
gaystlichen orden, den so wirt geschieden die ee, wan ytz sein sie der
welt gestorben. Ob aber einer der eemenschen an des andern willen geet
in einen gaystliche(n) orden, so mag der ander den widerruefen.
| Seite 186| Darvmb die ee ordenlich gemacht schaidt ni[h]t[s] nur der
eingang des gaystlichen orden vor leiblicher vermischung vnd darvmb, als
die leybliche ee wirt erledigt durch leyblichen tod, also die gaystliche
ee durch gaystlichen tod. Wen es ist ein zwifeltiger will der gemut,
einer gaystlich vnd der wirt erledigt durch gaystlichen tod, wen der
mensch stirbt der welt durch bekennung des ordens strengikait. Der ander
will ist leyblich, welcher geschicht durch zwsamenfuegung der zwaer
geschlecht des mannes vnd des weibs vnd der wirt erledigt durch den
leyblichen tod. Wan da ist die ee, solcher tod erledigt in. Underweilen
geschicht besunderung zu der wanung durch die aussetzikayt, das der
gesund nit werde vergift von dem sundersiech; doch ist der gsund teil
| Seite 187| schuldig dem vngesunden zw geben sein schuld, ob er
nit mag (anderst) das ander abweysen mit gueten worten. Auch durch
forcht des todes werden sie vnderweilen bayde gesundert, als wen dem
tobsüchtigen man oder von dem giftgebenden weib den tod dem man
zwrichtend ist. Auch mit dem sundigen man, als mit einem dieb ... doch
haymlich sald ein tail dem andern die schuld leyblicher werk raychen,
doch sol es von dem gstolen oder geraubten guetern nit leben.
Es sein dreu gueter der ee, das ist die treue oder der glaub,
| Seite 188| das sacrament vnd das kint. Der glaub, das kain eebruch
geschech. Das sacrament, das kain schiedung der ee geschech. Das kint,
durch [das] gemacht wirt die ee, welches durch die eeleut sol nit
vermyden werden. Ob gebrochen wurd die treu durch den eebroch des weybes
vnd wirt geschehen ein schidung, sie verleurt das hewret guet. Ob durch
den eebruch des mannes, der verleurt sein donacion, nur sie werden
versuent mit einander. Und ob ir yedes wurd sein ee brechen, den so
werden aufgehebt gleuch sund mit gleicher vergleichung vnd das ist warer
nach gaystlichen rechten. Aber nach den gesatzten ob das weib wirt
ergriffen in dem eebroch, so wirt sie in ainen sack gestossen vnd
ertrenck oder wirt lebendig vergraben. Ob aber geschicht schiedung
| Seite 189| der ee durch leybliche freuntschaft oder schwagerschaft
welche vnwissenlich der irrung haben zw der ee griffen, so wider erlangt
das weib ir hewretguet auch die ire heuretgueter vnd der man sein guet
von der ee oder sein donacion durch die ee, ob sie nit kinder haben. Ob
sie aber haben kinder, den so bleibt die eygenschaft des heuretguets vnd
der donacion bey inen, den kindern, aber der fruchtbrauch bey vater vnd
mueter. Und kaines der eeleut mag sunst ein anders nemen zw der ee. Ob
sie aber wissenlich haben zw der ee griffen, den der, welch das gewist
hot, verleurt alles, das er dem andern tail hot geben vnd dern ander,
welcher es nit gewist hot, behalt das zw seinen lebtagen, aber darnach
so wirt es geben der furstlichen schatzkamer, nur von gutat des frids
| Seite 190| wer es anders gesetzt, als das der man widerbreng sein
hewretguet, ob sie kinder beyeinander nit haben, ob sie aber kinder
beyeinander haben, den so wirt bleyben hewretguet vnd die donacion bey
inen. Und die selbigen kinder werden gnand eeliche kinder, wen warvmb
die vnwissenheyt erfult die ee. Und ist gnug, ob eeliche kinder sein. Ob
sie aber bayde haben gewust die freuntschaft, den auch so wirt der
vneelich vnd nichten erb er den vater vnd der mueter, aber das
hewretguet vnd vbergabung vaters vnd der muter wirt bald verfallen der
furstlichen schatzkamer nach gaystlichen rechten; aber nach den
gesatzten ist ein ander peen an die. Und merk, das dieweil die ee werend
ist, weder das hewretguet noch die donacion wirt
| Seite 191| mugen
verendert werden, nur eine rechtliche wrsach werden zwischen kommen.
Aber so sie aufgelöst ist, der noch bleybend man thut mit dem
hewretguet, was er wil vnd wirt behalten die donacion nit geergert zw
seinen leybtagen. Und herwidervmb von dem eeweib. Aber das ist gantz
war, ob sie kinder nit habend oder ob ein anders von gewonheit oder
geding gewrtailt wurd. Und ist zw wissen, das die ee so gros ist
gunstlich, das sie auch eelich macht dem sun oder ein kint, welches die
eeleut haben geboren vor der ee. Und das ist war, ob in zeit der
entpfengung ir jedes was ledig, sunst nit. Und sulche kinder werden
eelich gemacht durch die nachuolgenden ee, als die vneelichen kinder
durch vnsern hern den Babst oder den Kayser sie eelich gemacht werden.
| Seite 192|
Wen von den obgenanten irrungen verklagt wirt, die eelichen vnd vater
vnd muter sullen sein verklagen. Darvmb wirt abgetriben der, welcher
durch ein schnödes guet oder gewin verklagt ein ee. Auch ein abwesender
mag nit verklagt durch brief noch zeug sein. Und merk das zw weysen die
freuntschaft oder schwagerschaft zwgelassen werden vater vnd muter vnd
geborne freunt besser den ander, wan sie werden verwendt baß zw wissen
ir geschlecht dan ander leut. Aber nit von vater vnd muter die verklager
sein, sunder so das gemain wort aufbrengt die irrung, so mag der
| Seite 193| bischof erforschen vnd ob er die verhinderung war erfind,
mag er die ee schaiden. Zw jungst an gericht der kirchen mag ein
eemensch nit verlassen sein gemahel, auch ob die eltern (als vater vnd
muter) weren offenbaren. Und ob es verließ, sol bald gescheen
widergebung. Und merk das in eeliche sachen, so der krieg nit bestätigt
ist, wirt wider den vngehorsamen gehandelt mit aufnemung der zeugen vnd
zw den entlichen vrteil.
Die pfleg ist ein kraft oder ein gewalt in einem freyen menschen in zw
beschutzen, welch durch das alter sich nit mag beschutzen, aus
burgerlichen recht gegeben oder verheng.
| Seite 194| Aber ein pfleger
ist, welcher von burgerlichem recht hat den macht vnd den gewald zu
beschutzen einen freyen menschen, welcher durch das alter nit weis sich
zw beschutzen. Und wirt gnent tutor quasi tu[i]tor, das ist beschutzer,
wan er sal beschutzen den jungen waysen in allen sachen, gerichten vnd
enden.
Der gerhab ist, welcher die person des jungen allein ansicht mit zucht
vnd gueten sitten in vnderweysende. Doch mag einer vnd der selb sein
pfleger vnd gerhab, welchem beuolhen wirt der jungways mit gueter vnd
der person, vnd also wirt es gehalten in den steten.
| Seite 195|
Dreu geschlecht sein der pfleger als gescheftlich, gesatzlich vnd
gegeben. Die gescheftliche sein, welche von vater vnd von muter im
gescheft werden gegeben. Die gesatzlichen oder eelichen sein die, welche
der geborne freundschaft schuldig sein zw beschutzen. Die gegeben sein,
welche gegeben sein von dem radgeber oder dem pretor oder richter.
Es mag ein pfleger gesein ein iedlicher man, welcher ist vber
zwentzigfunf jar alt, ein trewer vnd fuersichtiger, er sey ein freunt
oder nit.
| Seite 196| Aber der pfleger gewalt ist, das die jungen
waysen kain handel oder kauf mugen machen an irer pfleger wissen vnd
willen vnd ob sie es haben gethan vnd ob sie es thuen wurden, so haft es
nit.
Die kindspfleg wirt geendt in acht maß, als in fierzehen jaren, eines
kindes annemung, dinstbarkait, in dem tode, auf ein zeit der gebung, in
argwan, in volstreckung, in verbietung einer statt. Wan alle pfleger
sein schuldig zw thun raytung vor der pfleg
| Seite 197| in beuolhen
oder entpfangen nur es werd anders durch brief der beuelung gesetzt vnd
erkant.
Eyn jedlicher frummer vnd ersamer man von gotlichen vnd menschlichen
rechten ist schuldig ein kindspfleg vnd gerhabschaft der jungen waysen
anzwnemen. Ich sprech von gotlichem rechte, wan das du dir wilt
geschehen, das thu auch den andern. Von menschlichem rechte, wen es ist
ein nachuolge allem rechte, das einer durch sich vmb vnvolkommenhait des
alters nit mag verbrengen, sol er anderswo her oder durch einen andern
erfullen.
| Seite 198|
Die pfleger vnd die gerhaben sein die, welche hie fur den selben
genommen werden, die werden nit mugen sich von der pfleg der waysenkind
entschuldigen, den nur aus den wrsachen. Zwm ersten durch die menige ...
mancherley kinder. Zwm andern vmb manchfaltikayt mancherlay besitzung in
mancherlay steten gelegen. Zwm dritten durch die krieg der fursten. Zwm
fierden durch die verwesung der gueter des fursten. Zwm funften durch
den dienst gemaines nutzes. Zwm sechsten durch die vbertrefflichen
armut. Zwm sibenden durch die vngesundliche krancheyt. Zwm achten vmb
das
| Seite 199| vnwissen der schrift. Zwm newnden durch die tödliche
feintschaft, die er hot wider den jungen waysen vnd tail des waysen. Zwm
zehenden durch das alter, wen er ist vber sibenzig jar. Zwn aylften wen
er ist minder zwentzig funf jaren. Zwm zwelften wen er ist ein ritter
yetz vbend die ritterschaft mit wirkungen. Zwm dreyzehenden wen er ist
ein artist mit wirkung lesend oder darvmb, das er ist ein artzt
practicirend die ertzney. Zwm fierzehenden wan er ist ein gaystlicher
ordensman oder munch; die weltigen priester mugen sich nit entschuldigen
von der pfleg noch der eeman dem eeweib gegeben fuer ein pfleger mag
sich nit entschuldigen.
| Seite 200|
Der pfleger wirt argwenig von acht wrsach wegen. Zwm ersten ob er die
pfleg vntreulich treg. Zwm andern ob er sein eygen gueter thorlich
verzert. Zwm dritten ob er den waysen die notturftikayt nit gibt. Zwm
fierden ob er sie, so das kein wrsach erhayschen ist, vbel handelt. Zwm
funften ob er die mit gueten sitten vnd leren nit vnderricht. Zwm
sechsten ob er durch sich selbs ist boser sitten. Zwm sibenden ob er ist
vbertrefflich arm. Zwm achten ob er ist ein tödlicher feint des tails
der waysen oder ir selbs der waysen.
| Seite 201|
Es mugend verklagen die argwenigen pfleger alle menschen, man vnd
weiber, freunt vnd ausser, nererin vnd offen hueren; vnd alle, welche
die ding vmb wrsach der gutikayt thuen, sollen verhort werden.
Die peen der argwenigen pfleger ist vnderweil der vnleumbt, vnderweil
die absetzung von dem ambt, vnderweile ein geltliche peen, vnderweil ein
leibliche peen.
| Seite 202|
Es mugent gesamelt werden vberal [funf] (dißer mynder) personen, welcher
handl von in angenommen vnd gemacht ist gelestert [vnd] wirt gemacht
vnnutz. Zwm ersten aus wrsach des alters, als ein kint vnder siben jarn,
ein fierzehen jeriger elter den das kind vnd nahet den fierzehen jarn.
Zwm andern von wegen des stands, als ein haussun vnd ein leibeigner
khnecht. Zwm dritten von wegen der krankheit als ein tobsuchtiger, [ein]
stum, ein (eygen) vnhoriger vnd die andern der gleich. Zwm fierden aus
wrsach der mißhandlung, als eine vnnutzlicher zerer des guts, eyn
ketzer, ein abtruniger, ayner der verhandelt
| Seite 203| ein missetat
der verletzten maiestet. Zwm funften von wegen des gesetzlichen rechtes,
als alle weyber, welche durch die gnad vnd gunst inen von gesetz
gegeben, mugen nit burge werden vor jemand, auch schuldnerin sich zw
setzen, noch ire gueter fuer ein anders in pfand geben, auch ob er were
ir vater oder muter, der sun oder die tochter, schwester oder bruder.
Doch mugen sie sich in irem namen verbinden, ob das die notturft kraist.
Die witibe nit kinder habend mugen mit irem leibe vnd guetern thuen was
sie mugen vnd wellen, ausgenommen die verpindung
| Seite 204| fuer
ander leut als yetz gesehen; wan sie mugen eingan in den gaystlichen
orden vnd mugent heureten, sie mugen auch huerweis treiben mit irem leib
vnd aus dem verliren sie nit ire gueter, sunder allein die eer. Sie
mugend ire gueter verkaufen, versetzen, vergeben, verschaffen in zeit
der notturft, wem sie wellen. Dasse[l]b ist auch in den jungfrawen nach
achtzehen jarn.
Die eefrau, die nit kaufmanschaft treyben, mugen nixs thuen durch sich,
auch nit mit irer person oder guetern, wen sie sein nit ires rechtes,
sunder vnder dem gewalt irer pfleger. Ob sie aber aynichen handel oder
kaufmanschaft
| Seite 205| machen, der wirt kainer vestikait. Aber die
selbigen eeweiber mugen machen allen zymlichen contract, wan in solchen
dingen werden sie gerayt fuer manne.
Die ee mag begert werden von dreyer ding. Zwm ersten von wegen geberung
des kindes, wann es ist das aller naturlichest ding im geberen sein
gleich, das mit eren vnd gerechtikait geschee in der ee. Zwm andern mal
von vermeydung wegen der sund, dann ein yede vleischliche begierd
ausserhalb der khanschaft ist tödlich. Zwm dritten mal durch mancherlay
werk, wan etliche werk sein des
| Seite 206| mannes, als in gewynnen
notturft des leben, die andern werk sein des eeweibs, in behaltend,
behuetend vnd weyslich ausgeben.
Ob eyner wil nemen ein eeweib, der sol vleissiklich zwm ersten von
gueten leuten forschen, ob sie sei von erbern vater vnd muter oder sey
wol von den eltern gefreund, eelich geborn, gnugsams alters, stark,
massig, arbetsam, tugentreich, schon vnd reich etc. Aber es ist vast
fleyslich zw merken, das ein gleicher im nemen sol sein gleichen. Ob ein
vnedler nymbt ein edle, so veracht die in, ob ein armer man eyn reiche
nymbt, so schilt sie in abwerfend den armen,
| Seite 207| ob ein alter
ein junge, so behalt sie im selden die trew.
Eyn jeder mensch regiert sich selbs aller best, wen er thut vnd wirkt
guete ding vnd fleucht die bösen thuend werk der gutikait, verlassend
die werk der grewlichkeyt, liebhabend die rechtikait vnd die warheyt,
vnd hast die lugen vnd die bosheit. Und das ist das wirklich leben. Aber
das leben anschawend gemuets ist, wen einer verschmecht die yrdisch ding
vnd liebhat dy hymelischen, nixs anders bedenk, wie er got erkent, im
erkennen liebhat, im liebhaben anhang, im anhangen ein gayst mit im werd
gemacht.
| Seite 208|
Von dem regiren des haus, bey dem soltu merken: was sey ein haus oder
wannen es gnant werde, aus welchen es gemacht sey vnd warvmb es gemacht
sey. Das haus ist ein besundrs gemayn nach der natur gesetzt, in omnem
diem, das ist in allen tag. Gnant a domo domas domare, das (do) ist
zemen. Wan ein yeder hausvater ist schuldig welche wanend in seinen haus
zw nöten zw flihen das vbel vnd thuend das gute, zw liebhaben gott vnd
die hymmelischen ding vnd zw verschmehen die irdischen. Aber das
volkommen hauß stet in fier dingen, als aus man vnd weib, kint vnd
knechten,
| Seite 209| in welchen es gesehen wirt in nachuolgunden
prozeß. Aber es ist das haus zw teglich aufhaltung der natur gemacht.
Der man sol sein weib vor allen dingen gote dienstberlich machen, mit
gueten sitten vnderrichten, raunnen vnd schwetzen verbieten, still
machen, schemig vnd tugentreich machen, auch die zierd des leibs
zymlichen halten, vmblaufen verbieten, die heymlich stet ir verbieten,
auch werklich machen, die mutikayt raten vnd hoffart widerraten, ob sie
sey fuersichtig, weyse vnd alt gnug, die geschäft des haus beuelen vnd
ir wol trawen; ob sie aber ein junge nerrin ist oder
| Seite 210|
frech, bitter were, sol er sie nit mit waffen, sunder mit gerten vnd
stecken slahen. Und zw allen andern dingen, welche zw dem hayl der selen
vnd des leybs zymlichkayt gehören, trewlich vnderweysen.
Der man wirt auch verbunden seiner hausfrawen, das er sie ersamlich
halt, die narrung nach seinen vermugen fuersech, die gegeben trew
vestiglich verhueten vnd an ir allein sein begnugig, er sol sie nit
arkwenig haben, sunder als ein gesellin halten, nit als ein diern ubl
halten.
| Seite 211|
Herwidervmb sol das weib irem man in allen zymlichen vnd ersamen dingen
gevolgig sein, die sorg des haus haben, werklich sein vnd die ding, die
in dem haus seyn hausgeret, fleyslich behüten, die speiskamern, kuchen,
keller eymsigklichen heymsuchen, das hausgesind weyslich vnd
subtiliklich anrichten, gutiglich strafen, nit übl halten, krieg, zengk,
fluech im haus geschehen stillen vnd veraynen, iren man lieb zw haben,
im nit fluchen, im nit vnrecht beweysen, mit im nit krigen, on seinen
willen kain contract verbrengen.
| Seite 212|
Von naturlichen rechten vater vnd muter vnd allermayst die veter sein
verbunden iren naturlichen vnd eelichen kindern, das sie haben die
grosten sorgfeltikayt vmb sie. Zwm ersten wan die kinder haben von in ir
wesen, darvmb sullen sie die inwesen behalten, das dem leben vast
notturftig wirt, Zwm andern von kindswesen mit linden speysen,
allermayst mit milch neren, vnd das sie verhalten werden von dem wein,
sie werden verhuet von zw vil waynen vnd verhueten von vngeuerlichen
vall, sunder mit gemessigter bewegung geregiert werden. Zwm dritten das
die kinder ire kindhait byß zw dem sibenden jar mit muterlicher [sprach]
vnderricht
| Seite 213| werd ... vnd von dem sibenden byß zw dem
zwelften die lateynische sprach vnd geschrift lern. Nach dem
fierzehenden jare den sullen sie sich schwer arbet vnderwinden, vnd ob
einer edel ist mit edele dingen, ob ein burger burgerliche ding vnd ob
pawern pawernart, ob sie hantwerger hantwerkisch sullen sie lernen. Zwm
fierden mit zuchtigen geberden sullen sie gelert werden. Zwm funften
sullen sie verhuet werden von der vnkeusch. Zwm sechsten sullen sie
vnderweist werden, das sie flihen böse geselschaft vnd nachuolgen der
gueten. Zwm sibenden sullen sie vnderweist werden von der hoflikeyt der
tischs. Zwm achten das sie vnnutzyliche spil flihend, das spilbret vnd
die wurfel meyden. Zwm newnden sein sie zw vnderrichten, wie sie klaider
sullen haben.
| Seite 214|
Herwidervmb sullen die kinder ir vater vnd muter vnderwurfen sein vnd in
dienen, fur sie arbayten vnd inen uolgen, nichsts on irer willen wirken
oder handeln, kain kauf thuen vnd die andern ding, die ich hie nit meld.
Aber die tochter sullen vnderricht werden aller mayst, das sie got
dienen vnd nit musig sein, nit schwetzerin, nit vmblaufend, nit
vnkeusch, nit vnschemig, nit vmbschwaefend, nit vngezuchtiget, sunder in
allen dingen gueter sitten.
| Seite 215|
Der hausvater sul sein hausgesind vnderweysen mit worten, mit werken vnd
ebenpild. Fierfeltiglich sein aber die khnecht, als naturlich khnecht,
gesatzlich, taglöner vnd gnedige. Die naturlichen khnecht sein, welche
in nichten im können versehen, wiewol sie sein von leib starck, doch
sein sie von gemut schwach vnd derselbigen khnecht sein billich herrn
vnd regirer, so in die kunst vnd vernunft geuenen. Die gesatzliche
khnecht sein die, welche im streyt gefangen wern oder welche sich
williglich vnd wissentlich verkaufend oder verkauft werden verhengen vmb
lon oder aus wrsach des nutzs,
| Seite 216| welche werden eygen khnecht
[gnant]. Die taglonerlichen khnecht sein, welche vmb ein bestymten lon
bestelt werden auf eine bestymte zeit, als ein halbs jar. Es sein auch
arbeter, welche allein auf ein tag werden bestelt oder auf ein stund von
nutz wegen des solds inen beschiden. Die khnecht von gnaden wegen sein,
die nit vmb beschiden lon , sunder auf gnad dienen. Wider die
naturlichen khnecht haben die herrn ein sulch recht, das sie durch die
sitten erfullen, welchs sie mit aygner person oder kraft verbrengen nit
wellen oder nit mugent.
| Seite 217| Wider die gesatzliche khnecht oder
die eygen haben die herrn ein sulch recht, das sie nymmer von inen on
iren willen hinweg zw geen vndersten sullen vnd albeg inen zw dienen
schuldig sein. Sunder ire herren sein schuldig, inen notturftige ding zw
versehen, ob sie das nit werden thun wurden, sie ledig werden. Und was
sie mit arbet zw samen bringen, das ist der herrn vnd irer erbe. In den
taglonerlichen khnechten haben die herrn sulch recht, das sie fuer der
zeit der bestellung von inen schaiden nit sullen, ob sie das theten, so
verliren sie den lon in dem verheyschen. Und keiner sul sie zw seinen
khnechten aufnemen noch halten. Und ob ayner die halten wurd
wissentlich, so sie begert werden, ob er die nit widergibt, so wirt er
geben
| Seite 218| dem richter die straf, durch welche sol er sie nöten
zw widergebung. Doch die herren sullen die nit wrlauben fuer der
gesatzten zeit, den nur aus merklichen vbertreten sie das werden
verschulden vnd nur den lon auf sulch zeit beschiden inen gentzlich
haben bezalt. Und ob der selbige khnecht seine klaider verspilen wirt
oder vertrink oder eynichermaß verendert, ist er nit schuldig die zw
erlosen, sunder der herre, aber der herr wirt sie widervmb haben vmb
sunst, wo er sie wirt finden. Aber die gnaden khnecht oder ersam des
herren mugen, wen es inen gefelt, wrlaubt werden, wen sie wellen, sunder
der herr soll sie erenlichen widerbelonen. Auch sulch khnecht mugen
erlaubnuß nemen, wen sie wellen, aber nit in zeit der notturftikayt ir
herrn
| Seite 219| verlassen, sunder in zeit des frids. Wirt innen
durch das zw geschriben groser glaub vnd ersamkeyt; wan ob sie ire herrn
in zeit der notturftikait verliessen, vielen sie in vnleumbt vnd gewynen
kain taglon.
Zw dem regiment eyner statt merk zwm ersten, was sei ein statt, wannen
sie gnant werd, warvmb sie gemacht sei, aus welchen dingen sie besteet,
wie vil vnd welche sein regirer in ainer statt. Von dem ersten ein statt
ist der hewser vnd gassen vilkait mit ligenden guetern vnd mit
besitzungen, zwm leben wol geordnet.
| Seite 220| Und wirt gnant ein
statt die aynikait der burger. Aber es ist gemacht ein statt nit allein
zw leben, sunder zw wol vnd fridlich leben. Aber es ist die statt
gemacht aus ackerleuten von der speis wegen; aus den hantwerkern durch
die klaider vnd andere notturftige ding; vnd aus kaufleuten bey dem
markt, das die ding, welche in ainer statt nit erfunden werden, von
andern enden hieher werden gefurt; item aus taglöner vnd gelerten vnd
wissenden, allermaist aus denen, die do gelert sein in weltlichen
rechten; aus muntzern, wechslern, rittern, raysigen, rednern,
fuerfechtern vnd regirern.
| Seite 221|
Die regirer ainer statt sein vier, als ain burgermaister, die ratgeben,
der richter vnd das volk. Bey dem soltu merken, das wie in zeit des
kriegs ein statt wirt durch waffen beschutzt, also in zeit des frids
durch gerechte gesatzen vnd gewonheiten, mit sitten der brauchenden
geregirt. Und das ein statt durch die gesatz wol geregirt werd, fier
ding werden erfordert: Zum ersten das die gesatz durch weyshait wol
werden erfunden; zum andern das durch burgerliche macht sie wol werden
verhuet; zum dritten das nach den gerechten gesatzen die hendel der
burger recht gewrtelt werden; zwm fierden das die ding, welche in den
gesatzen gegeben, werden ... gehalten.
| Seite 222| Wan wol erfinden
die gesatz zwe gehort den radgeben, wol zw verhueten gehort zw dem
burgermaister der radgeben, wol richten nach den gesatzen zw den
richtern, wol sie zu behalten gehort zw allen burgern. Hie soltu merken,
das dreu geschlecht sein der menschen in ainer statt: etlich werden
angenommen, etlich werden geliden, etlich werden veracht.
Der burgermaister oder regirer deiner statt sol erstlich in im haben
funf: als das er sei trew, weltweyß, schemig, barmhertzig vnd wol
vorbedacht. Aber es ist
| Seite 223| sein ambt, das er in das gemaine
guet vor allen dingen merke, die statt alle monat beschawe, ir
nutzbarkeit furdere, die mengel erfulle, die krigenden von etlichen
vorbestymten wrsachen zw dem rate lade, das volk in notturftikait
zwsammen beruef, in den haymlichen die gewrtelten offenlichen eröffne,
zw dem rat vnd zw dem gericht haus oft in der wochen (beseech vnd) gee,
vnd wen er aus redlicher wrsach nit mag dobey gesein, den so sol er
ainen andern an sein statt setzen, das sie statt nit verseumbt werd.
Aber dreu ding sein einen jeden gueten rad verhindern: eylung,
| Seite 224| der zorn vnd der haß. Darvmb sullen die richter in inen
haben andre dreu ding, fuedrend ein jeden gueten rad, als mit
vorbetrachtung ... vnd gleicher lieb zw allen menschen.
Eyn rad sol gescheen erstlichen von funf dingen: als mit renten ader
gulten, von der narung, von der behuetung, von dem frid vnd dem krieg
vnd von der gesatzsprechung mit zeitkait.
Wen es sullen zw einen rad erwelt werden (göttlich) weyse man,
| Seite 225| geburlich alter habende, got fuerchtend, die geytzikait
verschmehend, gaben nicht nachfolgend. Und ist irer ambt machen die
gesatz, die zweyfel auslegen, die finstere ding erklern, die
nutzbarlichen besteten vnd die vnnutzbarlichen abtilgen, gemains guet
fuedern, die hertikait des rechtens miltigen, mangel erfullen, den fried
vnd gemach betrubende strafen vnd widerreden, die krigischen hinweg
treyben, die krieg stillen, die sachen hörn, die wrtayl sprechen, die
gult einer statt wissen, mit den narung fuersehen, bey allem markt
fuersehen, die fuerlaufende strafen vnd das arbet der hantwerger wol vnd
gerechtiglich gescheen aufmerken vnd alle andre ding, welche guet vnd
nutzlich sein dem gemainen nutz.
| Seite 226|
Der richter sol an im haben acht ding, als ein volkomens alter, gotes
forcht, den gewalt zw richten, wissenhayt der gesatz, rechte weyshayt,
verhuetung der laster, guet sitten vnd liebhaber der gerechtikait.
In dem grichthaus sullen alle sachen aus gericht werden ausgenommen die
gescheft vnd von vngeschaften verlassen guetern
| Seite 227| vnd von
den appellacionen vnd klag von dem richter vnd setzung der pfleger, von
witiben vnd waysen, von vngerechter bawung der hewser vnd absetzunge der
ambleut der statt, von der stewr vnd von dere zal, von dem gewicht vnd
der maß, wan die ding in dem raden werden gewbt.
Wan in dem volk ist begriffen die macht, die huet vnd beschutzunge der
statt, darvmb die radgeben nichst newes noch schwers erfunden noch
setzen sullen in der statt on wissen vnd willen des volks. Sein schuldig
die radgeben in yeden jarn vor den eltern vnd bessern von dem
| Seite 228| volk raytung thuen von allen eingenommenen nutzungen der
statt.
Der fuerst vnd naturliche her aynichs lands soll aufs mynst an im haben
funfzehen tugende: Zwm ersten got albeg fuer allen dingen furchten vnd
liebhaben, im fleyslich dienen vnd seine gebot treulich halten; die
nutzbarkait ainer gemain fuertrachten; sein nachgewanten reichen vnd
erhöhen vnd trösten behelfen; den edlen in seinen land zw neren; die
burger vnd sein vndertan behelfen vnd gnediglich regiren; kunst der
geschrift in seinem reich haben; die weysen vnd die getrewen fuer
| Seite 229| andre eern; die gutikayt vnd gerechtikayt liebhaben;
kainen vnrecht thuen an personen oder guetern auch nit an seiner eer,
von seinen aygen guetern genugig sein, die fremden gueter nit nemen; die
zwschmaychler vnd zwtreger nit hören; beet vnd ayntrachtikayt vnd ware
freuntschaft seiner burgern bieten; inen wol trawen vnd von inen sich
machen behuten; allen loblichhayten seiner burger bey sein, vnd mit inen
frolich sein; (vnd) das nit krieg oder tewrung in seinem lande werde,
fleyslich verhueten; die klagen der armen erhörn vnd vber die mit kraft
wrteilen. Aus den dingen wirt er haben lob vnd eere vnd berayt dienst
von den menschen in gegenwurtiger vnd kunftiger zeit von got den ewigen
lon.
| Seite 230|
Aber der tirannen hat gerat den in allen dingen widerwertikayt: wan
warvmb er hot gott nit lieb noch furcht; er hast die diener gotes; sein
aygene nutzbarkayt sucht er; er verderb sein nechst vnd macht sie
demutig; die edlen in seinem land verheng er nit zwezwnemen; sein burger
vnd die vnderthan verdruckt er vnd vertritt sie; er acht nit der
weyshayt der geschrift; die weysen vnd die trewen vnert er vnd vertreibt
sie; frid vnd gerechtikayt hast er; er thut allen menschen vnrecht, ire
person tötend, die gueter vberlaufende, die erben beraubend, ir eeweiber
vnd töchter vnd freundin seiner burger besterend vnd betruebend fried
vnd aynhellikayt;
| Seite 231| die eerabschneyder vnd verreter der
menschen neert er vnd liebhat, er hast nit die boshaftigen menschen;
seinen burgern traut er nit, von den auswendigen thut er sich behuet zw
werden; die loblichhayt der burger verpeut er; krieg in seinem lande
macht er teglich; die klagen der armen acht er nit, die sach der waiben
vnd waysen nit eingeet zw im vnd nach seinem wolgefallen wrtelt er. Aus
den dingen erlangt er vnleumbt vnd vneer von der welt. haß von got, die
ewige pein, wan als spricht Aristoteles: Welcher eynen tyrannen töd, da
thut den gütern ein grossen dienstbarkait, als den gesehen wirt.
Und also volendt sich das erst buech.
| Seite 232|
An der obern statt ist gesagt wurden von den rechten der personen, nun
ist zw sagen von den rechten der gueter. Bey welchem ist zw merken, das
in ainer jdlichen statt vnd in ainer kristlichen statt dreu geslecht der
gueter zwm mynsten sein sullen, als die guter gots allein (vnd) gueter
ainer gemain allein vnd gueter besunderer menschen allein. Die gueter
gots allein sein alle heylige gaystliche gueter vnd denen angebunden.
| Seite 233| Die hayligen guter sein alle gueter durch den bischof
gesegnet vnd ordenlich geweicht, als sein heylige hewser, tempel gotes,
altar, klöster, kirchhof vnd der gleichen. Und alle andre gueter, die da
zw der gotlichen eer geweicht, als kelch, kreutz, monstrantzen, gezierd,
altartucher vnd ampeln, glocken, fanen, rauchfesser, mesbucher vnd
bucher der kirchen vnd andre gaystliche gueter. Und merk das die heuser
gotes vnd altaria in kainerlay maß mugen vera*endert werden, aber die
andern gueter der kirchen mugen in notturftikayt verkauft oder versetzt
werden, als durch erlosung der gefangen, durch schulden der kirchen vnd
durch die narung der armen menschen. Die gaystlichen gueter sein stet
der toten, das ist greber. Und merkt, das ain jedlicher mag im selbs in
andechtiger
| Seite 234| stat, das ist ein besunder grab, machen in
seinen grund, aber in fremden grund von erlaubnuß des herren des grunds
dasselb mag auch thun. Aus dem ob ainer hot ain aygen grab mit seinen
stain verzaychnet, in dasselb sol nymand seinen toden eintragen. Ob aber
etliche haben ain gemains grab, in das selbig eintregt ain jedlicher
sein toden, auch ob der ander nit will. Aber in ainen gemaynen freythof
mag ein jedlicher seinen toden eintragen vnd vergraben, wo er mag.
Dasselbig recht ist von den stenden der manne vnd der weyber in der
kirchen. Und die stett werden gnant gaystlich, wen die gelerten der
gesatz haben es gesetzt. Aber den hayligen angebunden gueter sein alle
hof der bischofen, der chorhern, der pfarrer vnd alle stift
| Seite 235| gueter. Und die ding alle sullen nit verandert werden. Aber die
gueter ainer gemain allein das sein: gerichtshewser, radheuser,
tanzheußer (vnd) roslauf, strassen, steig, weg, bruck, steg, scheff,
gang der fuerleut; auch sein der gemain alle stend ausserhalb der hewßer
der burger gesetzt, wo gemaine gueter verkauft werden vnd die zyns aus
den selben komend. Wan kain burger hot vor seinen haus nichts rechtsn
nur anderhalben schuch, darauf seine trauf vallen von seinem dache. Aber
es sein die stend der metzker, der pecken, der kramer, der kursner, der
rimer, ... der satler, der seckler, der glaser, der schmeerschneider vnd
der andern.
| Seite 236| Auch sein ayner gemayn die zins von allen
steten ausserhalb der hewßer, der hering vnd der huener, der keser, der
eysen kramer, der rackenverkaufer, vnd von allen sulchen peenfellen. Der
gemain sein auch die zins von allen gemainen hewsern der verkaufung, der
tucher (oder gewandschneider), wulmacher, leymatweber, der kuersner, der
schuester, der gewandschneider vnd der andern. Der gantzen gemain sein
alle zins von den turnen der statt, von grebern, von den gemessen
metzen, emern, von den feuchten vnd trucken metzen, auch von allen
gewichtentramen, daran die kaufmanschaft werden gewegen.
| Seite 237|
Aber die gueter besunderer menschen sein vil vnd mancherley; doch
etliche in von den naturlichen rechten werden gewunnen die herschaft,
etlich von burgerlichen rechten vnd in weltlichen.
Zum ersten wirt zw sagen vnd zw auslegen von den dingen, welche
naturlichem rechte gewunnen werden, darvmb das recht ist das elter dan
yeds recht, als oben ist geoffnet. Wan von naturlichem rechte werden vns
gewunnen leybliche gueter in vil massen ... Zwm ersten durch das vahen,
das ist durch vahung der wild
| Seite 238| vnd ander tier, wan alle
wilde tier, die in vnd auf erden, in wassern vnd luft geborn vnd genert
werden, wen wier sie fahen durch geiegt, durch fischung, durch voglung,
sein sie bald vnser, wan sie vor kains warn. Und was kains ist, das wirt
aus naturlicher vernunft gegeben dem, der das gefangen hot. Auch wan in
der ersten zeit waren alle tier allen menschen gemain vnd hot verzyembt
ainem yedem zw nemen, wo er hot gemugt vnd gewelt, und darvmb, wan
sulche tier in zeit irer freyheit sein sie kains vnd kainen nutzlich,
sunder allen menschen schedlich, darvmb mugen sie gefangen werden von
allen menschen. Und irret nit, ob eyner in seinem grunt oder in ainem
fremden ein vnvernunftigs vnd wilds tier
| Seite 239| facht. Doch mag
der here des grunts den wellenden jagen, fischen, oder voglen in seinem
grunt, ob ers vorsicht, verbieten das er nit eingee. Und ob er vber das
eingeet, wirt er im schuldig der klag des vnrechten, der diebstal. Und
was dw der ding fachst, biß dahin wirt es verstanden dein zw sein, so
lang es bleybt in deiner huet. Wens aber eingeet von deiner huet vnd in
sein naturliche [freyheit] sich nymbt, so hört es auf dein zw sein vnd
wirt widervmb dem, der es veruolgt. Aber die naturliche freyheit wirt es
verstanden zw nemen, wen es entweders dem gesicht entgangen ist oder
entflogen oder also sey in deinem angesicht, das vnmuglich sei der
veruolgung.
| Seite 240|
Die beyn natur ist wild. Alzo die beyn in deinem baum sein zwsamen
gesessen, ein mal du sie in dem beynkorb host beschlossen, sein nit meer
dein zw sein werden verstanden, dan die vogel, die in deinem baum inen
nest haben gemacht. Und darvmb ob ein ander die hot eyngeschlossen, so
wirt derselbigen ein herr. Und das honig, ob in deinen baum sie gemacht
haben, mag ein jedlicher dir vnwissend nemen. Ob du aber vorsichst ainen
eingeend in deinen grunt, so magstu in von allem rechte verbieten, das
er nit eingang, als oben gesagt ist. Aber der schwarm dar immen, ob sie
aus deinem beynkorb
| Seite 241| ist geflohen, so wirt es verstanden
byß dahin dein zw sein, so lang es in deinem angesicht ist vnd leicht
ist sein veruolgung, sunst wirt es eins andern, der es annymbt.
Die pfawen, die tauben, die falken, die sperber, die habich vnd ander
vogel, welche aus gewonheit ausflihen vnd widerkommen gewont sein, die
haben ein wilde natur, wan auch die beynen dasselb thun vnd daruon ist
wissen, die zw sein wild. Darvmb solch vögel das recht der beyn
gentzlich werden behalten.
| Seite 242|
Die hirschen vnd hinden, gaysen, bern vnd andre walttier, auch die wolf
vnd fuchs haben etlich also haymlich gewant, das sie in den wald vnd an
andern enden hingen vnd widerkomen gewant haben, doch aus welchem ir
wilde natur zw sein nymand leugnet; welche so lang dein sein, wie lang
sie zw dir widerkeren. Ob sie aber wider kummen aufhören, so aufhören
sie auch dein zw sein vnd werden des, der sie jagt. Aber des gemut wider
zw kommen verlassen sie, wen sie die gewonheyt wider zw kommen zwruck
legen.
| Seite 243|
Der hennen, der gens vnd der heuslichen tier nit zu sein eyner wilden
natur. Und darvmb, ob sie eynichermaß betruebt werden vnd wie wol sie
dein angesicht entflihen, welche doch an einem end werden sein, so
werden albeg verstanden dein zw sein. Und welcher in mut zw gewynnen die
tier aufhalten wirt, der begeet den diebstal, als in andern heymlich
gemachten tiern.
Zwm andern werden vns gewunnen die gueter durch [vahung] aus den
feinden, als wen wir frey menschen in dem krieg vahen, so werden sie
bald in vnser dinstbarkeyt
| Seite 244| gebrocht. Doch welche, ob sie
vnder dem gewald entgeen werden vnd zw den iren widerkert haben , werden
sie widerhaben den vorigen stand.
Zvm dritten die findung eins naturlichen schatzes von newem, als do sein
edel gestain, margariten, köstlich stain von den flüssen, aus dem meer
mit den wellen ausgetriben vnd an den gestaten erfunden oder in den
holen der perg von dem erdrich heraus getzogen. Welche all sein der
finder. Item es wirt vns gewunnen das guet durch findung eines
naturlichen verborgen schatz. Wan ein schatz, den einer in seinem grunt
hot gefunden, der wirt des aus naturlichen rechten, welcher in gefunden
hot. Ob eyner aber wirt
| Seite 245| finden in einem andern grunt so er
nit darzw sein hulf oder vngeuerlich, so wirt der halbteil des finders
vnd der ander halbteil des gruntherren. Ob aber mein dienstkhnecht (als
ein taglöner) ein schatz in meinem grunt wirt finden, der wirt gantz
mein vnd wirt nicht dem zw gehörend, nur was ich im mit guetem willen
wurd wellen geben. Ob aber einer ertz in den bergen oder telern wirt
finden vngefer oder an gegebner arbet darzw vnd vor andern leuten die
end het ausgraben, so wirt es gantz desselben, ob der grunt sein ist. Ob
aber nit, den dem herrn des grunts, was er mit seiner arbet hat
ausgehawen, wirt er geben ein tayl nach gewonheyt des lands.
| Seite 246|
Durch verlassung werden vns gewunnen gueter, als wen einer ein haus, ein
acker oder weingerten lest vngebaut vnd wil nit bawen noch acht sein nit
zw haben den welcher sich von den vnderwindt, so wirt bald des
annemenden (in zw bawen). Item durch willig auswerfung der gueter wirt
vns gewunnen das guet, als wen der kunig, fursten, die pretores oder
ratgeben sendbotschaft senden vnd die pfennige oder das gelt in
hinwegwerfen vnder das volk nit wissend, wie vil ir jedlicher werde
einnemen (oder entpfaen), dasselbig alzo verwurfen wirt bald verwendt in
seinen herrn, welcher das entpfangen oder gefunden hot.
| Seite 247|
Aber nit so es ist von vnwilliger hinwerfung der gueter, also wen einer
des meeres vngestumkait oder eins andern grosen flisenden wassers wrsach
halben zw ringern das schiff, sein gut vom schiff auswirft; wan die ding
bleiben der herren, welcher sie vor gewesen sein, wan es slecht ist die
selbigen guetern nit in dem gemut ausgewurfen gehat haben, das er nit
welte sie sein zw sein, sunder merer das der schaden des meeres mit hayl
des schiffs empfluech. Von der wrsach wegen, welche sulche gueter von
wellen des meeres vnd des wassers ausgewurfen oder auch in dem meer die
schiffleut in maynen zw gewunnen haben genommen, so begeet der ein
diebstal. Item von der verlarnen guetern ist, ob einer sein gut verwirft
von einem
| Seite 248| wagen oder schlitten oder von einem roß oder vom
rucken oder von der schiffung. Ob einer die findt vnd nit wirt wider
geben, der thut ein diebstal. Es werden uns gewunnen gueter durch die
geberung, als durch die unvernunftigen tier aus vnserm viech geborn
werden vnser vnd auch die vernunftigen, als die kinder von vnsern
leibaygen diern geborn sein vnser.
Es werden vns gewunnen gueter durch alluuionem, das ist der
| Seite 249| wasser zwnemung vnd haymlicher merung, wo was mit den flissenden
wassern deinem acker heymlich zwwirft, ist dein. Es ist auch alluuio ein
verborgene merung des wassers. Ob aber die kraft des wassers deinem
acker eynichen tayl entzihen wirt vnd dein grunt deines nachpern zw
wirft, ist offenbar der teyl dein bleyben. Ob aber ein lange zeit er ist
angehangen ... welche mit im gezogen die wurtzen hot in den grunt
gemacht, aus der zeit wirt gesehen der tayl dem grunt des nachpern sein
gewunnen.
Es werden vns gewunnen gueter durch zwwachsunge, als ein insel in dem
meer die gewachsen ist, dasselb ... fuegt, die wirt des
| Seite 250|
einnemenden (vnd bawenden). Wan sie wirt geglaubt keines andern vor sein
gewesen. Aber ein insel, welche in ainem flissenden wasser naturlich
geborn ist, das oft geschieht, ob es den halben tayl des fließ inhaltet,
der ist gemain der, welche von jedem tayl des wassers durch den bach
gueter haben durchmaß der weyten eins jedlichen grunts. Und ob es dem
andern tayl neher ist, irer ist (so vil) allein des, welcher von dem
tayl nahet dem bach ligende gueter besitzt. Und ob an einem tayl getaylt
wirt das wasser, darnach inner dem eynigen acker ein fremden in gestalt
einer inseln hot gemacht, so bleibt die insel dem, welch der acker
gewest ist. Und ob verlassen ist die wasserstat gentzlich, von dem
andern tayl hot angefangen zw fliessen, so ist die vorige wasserstat ist
ir, welche bey dem bach
| Seite 251| des ligenden guter besitzend, fuer
die maß der weyte eines jeden ackers. Aber die new wasserstatt anfacht
zw sein des rechtes, welchs das groß wasser ist. Und ob das eyniche zeit
zw der vorigen wasserstatt des groß wasser widerkommen ist, so hot
angefangen widervmb die new wasserstat ir zw sein, welche bey dem bach
ligende guter besitzen. Ob aber der gantz acker ist vergossen wurden vnd
die guß verendert nit das gesicht des grunts, ob darnach das wasser
wider hingeet, so ist gewiß den grunt des zw sein, welchs er vor ist
gewesen.
Es wirt auch vns gewunnen
| Seite 252| guet aus einer fremden materye,
als wen eyniche besundre gestalt gemacht were aus gut vnd der materye
eines andern, wirt gewonlich gefragt, welcher aus naturlicher vernunft
herre sei, eyntweder der es gemacht hot oder der, welcher der materye
herre ist gewesen: als ob einer aus einem fremden silber hot gemacht ein
vaß oder aus weinbern oder ölgewechs wein oder öl hiet gemacht oder
waitz oder aus fremden wein oder honig ein trang hot gemischt oder aus
fremden ertzneyungen ein pflaster hot gemacht oder ein pflaster oder aus
fremden wulle macht ein tuch oder aus fremdem tuch ein klaydt im macht
oder aus fremden tafeln oder bretern ein schiff oder ein almar, oder ein
stuble hot gebaut oder gezymmert. Zw der frag sagen etliche: Ob
| Seite 253| die gestalt zw grober materye, als der vorigen,
widerbracht mag werden, dieselb wirt geschen zw sein des herren, welcher
ein herr der materye ist gewesen. Ob aber es nit widerbracht mag werden,
denn so wirt der herre, welcher die gestalt eingefurt hot. Die andern
sprechen das die materye von wegen der wirdikait zwgeet der gestalt vnd
das machend sei der herre vnd nit der, welches die materye ist gewesen.
Die andern sprechen, das die gestalt, die weich der materye, darvmb das
die materye ist das wesen, die gestalt sulchs anhangen. Darwider ist
alles, das aus meinem gut gemacht wirt, ist mein, als hernach an vil
enden wirt offenbar. Zw der frag sprechen vorbehalten
| Seite 254|
bessere wrtel. Ob der machend hot kauft die fremden materye mit gueter
trew vnd hot glaubt, die zw sein des, von welchem er sie kauft hot vnd
also hot er eingefurt die gestalt, den so wirt es gantz begriffen sein.
Wan der boß glaub des verkaufenden mag nit schaden dem kaufenden mit
guetem glauben. Dasselbig ist, ob einer samlet weintrauben aus einem
garten, dener glaub hot [sein] zw sein vnd vnwissentlich (vervntrewen)
aus denen weintrauben hot gemacht wein, so wirt er gantz ingehalten
sein. Ob er aber den weingerten wisset nit sein zw sein vnd sammelt
weintrauben vnd macht wein, den verleurt er die form vnd die materye mit
den aufgeben vnd die scheden aus den dingen entstanden wirt er
widerlegen. Und wirt mit dem durch
| Seite 255| den freuel geschehen
von dem richter vnstraf nit entgeen. Ob aber sichtbarlichen beweisen
wirt, das die materye ist eines andern gewesen, als ein gart oder ein
weingert, aus dem gesammelt sein die weintrauben, den der machend
entweders sol bezalen die materye als die weinber oder nem ein geburlich
gelt fuer sein arbet vnd mue, ob ers nit thut, so gebürt wider in die
klag boß lists. Dasselb ist von den ölbaumen vnd von den ehren vnd allen
obgenanten dingen. Ob aber ein tayl aus seiner materye vnd ein tayl aus
fremder er macht ein gestalt vnwissentlich, glaubend mit guetem trawen
bayd tayl sein zw sein, so ist nit zw zweyfeln, den zw sein den herren,
welche die zwsammene ertzney gemacht hot, sintemal er nit allein sein
arbayt hot verlihen.
| Seite 256| ... Das ist war nach etlichen. Ich
sprich aber, das in der vorgeenden frag, das nyemand sol mit eines
andern nachtayl oder schaden reich werden.
Es werden vns gewunnen gueter durch verbung, als ob einer hot eingetunck
sein woll oder sein garn in mein purperische varb vnd hot aus denen
gemacht ein tuch. Da wirt gefragt, wes das tuech sei, obs sei des, des
die matery gewesen ist, oder wes gewesen sei die form. Zw dem sagen
etlich, wiewol die purperisch varb sey kostlicher dan die wol, wan es
ist ein zwgeend ding, darvmb weicht sie der materye (vnd zwgeet,) welche
(materye) ist das wesen.
| Seite 257| Aber ich sag: Ob er eingetunck
hot wissentlich, den so verleurt er die materye, ob vnwissentlich, so
wirt der herre der form im zalen das tuech, sunst verleur ich das gantz
durch die boß list, ja warlichen ist nit zw sein gerecht, das die
kostliche purperisch varb zwgee so gar einer schnöder materye, darvmb
ist das tuch des, welches ist die varbe.
Auch werden gewunnen gueter durch willige vermischung der gysbarlichen
leybe, als ob eynich williglichen ir wein zwsamen haben gossen vnd haben
aus denen gemacht ein wein, so ist es nit zweyfel, den das sein ein leyb
ir beyder wein. Dasselbig
| Seite 258| ist recht, ob aus mancherlay
materien ein gestalt [wirt], als ob aus wein vnd honig wirt ein trunck.
Es irrt auch nit, ob es im vngenerlichen vall die matery desselben
geschlechts oder mancherlay mit einander werden gegossen vnd von
einander nit mügen geschayden werden. Ob aber einer den leib gantz fuer
sich halten welt, dem gepurd ein klage auf das guet fur seinen teyl vnd
das ist zw schatzen aus dem spruch des richters.
Auch werden vns gewunnen durch vermischung truckner oder dürrer leib,
als ob etlich wirt sein wayzen des selbigen korns oder mancherlay korn
williglich
| Seite 259| zwsamen vermischen, ... aus vall die korn
vermischt sein wurden, so werden sie nit gesehen zw sein gemain, wan die
korn al jedlich werend in iren wesen vnd wert. Die ausrichtung ist zw
erkennen mit dem spruch des richters, auch ist nit mer aus den vallen
der waytz gemain sei, dan ein herd schaff oder viechs eins vermischt mit
eines andern viechs werden verstanden gemain zw sein.
| Seite 260|
Auch werden vns gewunnen gueter durch bawung der zymmer heuser vnd stet,
als ob einer in seinem grunt mit gutem glauben ein fremde materye hot
verbauet glaubend die sein zw sein, er wirt verstanden ein herr zw sein
es baus, wen warvmb alles, das gebauet wirt, zwgeet dem grunt vnd doch
der herre der materye wirt sie nit verlieren, nur so vil, das er die
materye nit annemen, auch nit von der zw begangen klagen mag ... Und das
geschicht darvmb,
| Seite 261| das die baw oder die zymmer nit erstort
werden. Wan einen jedlichen ist zymlich zw bawen, aber kainen
zerbrechen. Doch sol der herre des zymmers die materye allein
einfeltiglich bezalen. Ob er aber die materye mit bosem glauben oder
gewalt wissentlich het verbaut, den so sol er zalen zwifeltiglich vnd
gnugthuen dem richter fuer ein straf. Herwidervmb ob einer aus seiner
matery in eines andern grunt hot gebaut ein haus wissentlich, den so
wirt das haus des, welchs ist das ertrich. Und [der] herr der guter
[wirt die verlieren]. Ob er nit wisset sich in fremden ertrich zw bawen
vnd ob der herr des ertrichs begert das haus vnd dasselbig sein zw sein
vnd nit bezalt die materye noch den lon der arbet, derselb mag durch die
| Seite 262| einrede boses listes abtriben werden von dem haus, wen
der zymerend mit guetem glauben ist gewesen ein besitzer des haus.
Auch werden gewunnen die gueter durch die pflantzung, als ob ainer ein
fremde pflantzung in seinem ertrich wirt setzen, so wirt die sein vnd
herwidervmb. Und das ist war in bayden vällen, ob die pflantzung wirt
wirken wurtzen. Aber eemal es wurtzen bringt, so bleibt es des, welches
sie vor gewesen ist. Aber von der zeit, die pflantzung [wo] wurtzen hot
gemacht, wirt sein ein gescheft verwechselt, als ob deines nachpern paum
wirt [d]ein ertrich also trucken, das es in deinem grunt alle wurtzen
machen wurd, den selbigen baum
| Seite 263| sage[n] (vn)recht dein zw
sein. Wen die vernunft nit verheng, das der baum eines andern verstanden
wirt zw sein das des, in welches grunt er wurtzen hot gemacht. Darvmb
der paum bey den ortern deines grunts gelegen, ob die an den weg den
grunt etlich wurtzn haben ausgelassen, so wirt er gemain bayden.
Auch werden gewunnen gueter durch die seyung, wan aus welcher wrsach die
pflantzen, welche in deinem grunt wachsen vnd gefurt werden zwgeen dem
ertrich. Aus der selbigen wrsach auch die getrayd, die gesehet sein,
werden verstanden zwgeen dem ertrich. Und du sol merken als der, welcher
in einem fremden
| Seite 264| grunt hot gezymmert, ob von im begert
wurd das zymmer, der mag beschutzt werden durch einrede boses lists nach
den dingen, welche wie oben gesagt sei. Also mit hulf der selbigen
einrede mag er sicher sein, welcher den in einem fremden grunt hot
geseet seinen samen.
Es werden gewunnen gueter durch geschrift, also wen einer hot geschriben
ein buch mit gulden buchstaben in meinem perment, da wirt gefragt, wes
ist das buch, ob es des schreibers sei oder mein. Aber ich sprich, das
das buch sei mein, wan die geschrift zwgeet der perment, als die ding,
welche ertrich zwgeen
| Seite 265| in dem zymmerend vnd die ding, die
dorein gesetzt werden. Doch mag der schreiber sein kost begern, welche
er mit guetem glauben ausgeben hot, ob die im nit bezalt sein gewesen,
so wirt er mügen mich durch die einred boses listes abtreyben von dem
buech.
Auch werden gewunnen gueter durch das gemeld, als ob ainer in einer
fremden tafeln etwas wirt malen, wirt gefragt, wes die gemalte tafel
sey. Etlich maynen, die tafel zwgeen dem gemelde, den andern wirt
gesehen darwider. Aber ich sage, das die tafel sey des malers darvmb,
das villeicht die tafel ist ein schwach guet vnd klaines werts, aber das
gemeld köstlich vnd ein
| Seite 266| maysterlichs ding. Wen es wirt
gesehen ein gespott, das ein kostlich guet vnd ein maysterlichs (oder
ein werglichs) solt zwegeen der aller schnodesten tafeln. Und auch von
dem herren der tafel, welcher sie gemalt hat, begert sie vnd nit zalt
das lon der tafel, so wirt der maler mugen durch einred boses lists
hinweg gethan werden vnd herwidervmb. Und das ist war, ob der maler die
tafel mit guetem glauben besitzt; ob aber nit, wen sie wirt mugen die
klag der diebstal wider in gehabt werden.
Auch werden vns gewunnen gueter durch kaufung oder vbergebung, als ob
einer von einem nit herren, den er glaub herrn zw
| Seite 267| sein, in
guetem glauben hot gekauft einen grunt oder aus vbergebung aus einer
gerechten wrsach in guetem glauben ... hot gevallen aus naturlicher
wrsach die frucht, welche er daruon hot eingenommen, des zw sein,
welcher kauft hot vmb die bawung vnd sorg. Und darvmb (warlich) ob
darnach der warer herr herfuer kommen wirt vnd den grunt annymbt, wirt
er beheben. Von den fruchten von im verzert oder eingenommen mag er nit
klagen. Ob aber einer wissend einen fremden grunt wirt besitzen, dem ist
nit verlihen dasselbig recht. Und also mit grunt auch die frucht, die
verzert sein, widergeben wirt genöt.
Vns werden gewunnen gueter
| Seite 268| durch den fruchtbrauch des
grunds, das der, zw welchem der fruchtbrauch des grunts gehort, nit
anders wirt er gemacht ein herr der frucht, nur so vil er die hot
entpfangen. Und wiewol darvmb yetz zeytige frucht doch noch nit
eingenommen ist der fruch[t]genyesser gestorben, so gehorend die nit zw
seinem eben, sunder dem herrn der eygenschaft werden sie gentzlich
gewunnen. Dieselben nahet von dem bawman werden gesagt.
Es werden gewunnen vns gueter durch den fruchtbrauch des viechs. Und
merk hie, das sie frucht der tier, als der lemmer, kitz, kelber,
schweinle, rösle, der gleichen die milch, wulle vnd
| Seite 269|
schepper oder lück, welche ding alle von naturlichem rechte des
fruchtnyessers sein. Aber die geburd einer leybeygen diern ist nit in
dem fruchtgenyeß, so vil zw vollkomer eygenschaft gehört, darvmb gehort
er zw dem herren der eygenschaft. Wan es gesehen wirt ein vngehört ding,
ein menschen zw sein in einer frucht, sintemal der herre alle frucht von
wegen des menschen hot beschaffen. Und merk, ob einer des viechs
fruchtbrauch hot, in statt der gestorben haubter der fruchtbraucher aus
der frucht ein anders sol vndertreiben. Und in der weingerten vnd baum
gestorben statt der fruchtgenyesser ander weinreben vnd baum sol noch
setzen, auch der fruchtbraucher sol recht bawen vnd als ein gueter
hausvater sol
| Seite 270| er nyessen, sunst wirt er verlieren.
Auch werden vns gewunnen gueter durch gebung, als ob ein herr einem
freunt oder khnecht gibt ein guet, das ist von naturlichem rechten
desselbigen bald, welchem er das geben hot. Wan nichst ist als zymlich
der naturlichen billikayt, dem den willen eins herren, der do mag sein
guet in einen andern verwenden, stett gehabt werden. Und darvmb, welches
geschlechts sei ein leyblich guet, das mag geben werden von dem herrn
vnd eingegeben verendert werden.
| Seite 271|
Also werden vns gewunnen gueter durch hewretguet vnd vbergebung, als zw
welcher zeit ein guet ... eynicher andern gerechten wrsach ... werden
geben, on zweyfel werden sie verwendt in den, welchem sie gegeben sein
in dermas, aus welcher sie gegeben sein.
Auch werden vns gueter gewunnen aus naturlichem recht aus verkaufung,
also wen ayner wirt verkaufen sein guet einem andern vmb berayt gelt, so
wirt der kaufend nit ... herr des guets, nur wen er des lon gentzlich
hot bezalt oder in ander maß wirt genug thuen dem verkaufer, als mit
benuegung, mit verheysen eines benuegens oder pfant. Ob
| Seite 272|
aber der, welcher verkauft hat ein guet, eingibt ein guet eim kaufer
guets glaubens, sag ich, dasselb bald werden des kaufers. Und ob sunst
der gelter die gueter hette angenommen, als ich in gegenwertig was, so
werden die sein. Aus der selbigen wrsach, ob einer hat ein freye
verwesung der kaufmanschaft von seinem herrn im beuolhen, ob der selbig
verkauft vnd eingibt ein guet, so macht er das gut bald des einnemenden
aus vollem rechte. Auch vnderweyle wirt es verwendt dem herren des guets
aus eynigen willen on eingebung des selben, als ob ich dir hab gelihen
oder verlihen oder bey dir ein besunder guet hab erlegt vnd darnach
verkauf ich dir es oder vbergib dasselbig guet, den so wirt bald die
eygenschaft des guets dir gewunnen, als ob ich dir das selbig guet hett
eingegeben gehett.
| Seite 273| Des selben rechtes ist, ob ich dir
verkauf wein im keller oder getrayd im stadl vnd gib dir schlussel
darzw, so wirstu bald ein herr der selbigen wein vnd guter zw allem
deinem willen vnd nutzbarkeyt mit inen ze handeln. Und du salt merken
wen die verkauften guter werden eingeben, den furbaß ist aller schad der
selbigen gueter des kaufers. Und die ding sullen gnug sein von der
gewynnung der leyblichen gueter aus naturlichem recht gesagt.
Von den vnleyblichen guetern merk, das etliche gueter sein leyblich,
etliche onleyblich. Die leybliche sein, welche aus irer natur mugen
berurt werden,
| Seite 274| als ein mensch, ein klaydt, gold, silber,
ein grunt. Die vnleyblichen gueter sein, welche nit mugend berurt
werden, als die, welche aus lautrem rechten wesen, oder als ein
erbschaft, ein fruchtbrauch, ein wanung, ein pfleg, ein leibding vnd ein
ausrichtung vnd dergleich. Vnd irt nit, das in der erbschaft,
vnleybliche guter werden behabt. Wan auch die frucht, die aus dem grunt
werden genummen, leyblich seind. Auch gleicher weis das, welchs aus
eynicher verbindung vns schuldig wirt, ist auch leyblich oft, als ein
mensch, ein grunt, gelt. Aber dasselbig recht einzenemen frucht, das
recht der erbschaft, das recht geniessen, das recht zw brauchen, das
recht der verbindung ist vnleyblich. In derselbigen zal sein die recht
der
| Seite 275| pawern vnd der zymmerlichen gueter, [die auch]
dienstbarkayt werden gnant, dergleichen das recht der rend vnd der zynß.
Doch sein zwifeltige dinstbarkeyt, als personlich vnd gutlich, (verstee
aus ligenden gueter).
Die baurlichen recht seind der ligenden gueter, als steig, geeweg,
gemainer weg vnd wasserlaytung ... Steig (oder limes, gnant steig), ist
ein recht der besitzungen ... von der besitzung taylend. Iter ist ein
recht zw geen, zw reyten; zw treyben. Via ist ein recht zw wandeln, zw
fuern vnd gen acker farn.
| Seite 276| Aqueduct, verstee wasserlaytung,
ist ein recht des wasser durch einen fremden grund zw fuern. Du solt
merkn das via im engern tayl sol haben acht schuch, in dem weytern tayl
sechszehen. Iter sol haben vier schuch. Limes sol haben zwo schuch. Doch
so wirt die maß gelassen dem spruchmesser vnd der weyte des ertreichs.
Hie soltu merken das ein geender zw fues sol weichen von dem weg dem
reytenden, ein reytender dem wagen des wandelnden, ein laerer wagen
wandrend dem geladen, der geladen wagen von der hoech wandrend sol
weichen dem geladen aufgeenden wagen. Es seind noch andre recht der
ligenden bawern guetern, als das
| Seite 277| recht das wasser von dem
brun zw schepfen vnd das viech zw dem wasser ze treiben, das recht zw
wayden, das recht den balg zw fordern vnd das recht des sands vnd des
letten oder laymbs zu schneiden oder zw graben, das recht ertzlichen
stain zerbrechen vnd vil ander dergleich.
Die recht der zymmerlichen gueter sein die, das der nachper die burdene
seines nachpers nit leyde, einen tram, ein rafen oder holtz in sein wand
nit einlaß, das trauf in die zymmer in sein hofstat oder sein heymlich
gemach nit einlete, die fenster in sein hof nit mache, seinen nachpern
| Seite 278| liechtern nit schade, den mist fuer seins nachpern
haus nit werfe, durch des selbigen grunt nit gee, nit treybe, nit
wandel. Aber welcher etwas der ding wil haben, der sol das thuen mit bet
oder lon oder geding vnd brief vber das nemen, sunst sein sie kainer
vestikait, auch wie lange zeit die haben gewerent.
Von den fruchtbrauch sein zw merken vier ding: Zwm ersten was sey ein
fruchtbrauch, zwm andern in wem er bestee, zwm dritten wie er gesetzt
werde, zwm vierden wen er geendt werd. Der fruchtbrauch ist ein recht zw
nyessen oder zw brauchen fremde gueter vnd das hailsam bleyb das wesen
der gueter.
| Seite 279| Darvmb so ist der fruchtbrauch in einem leibe,
so der (selbige leib) wirt hingenommen, so ist notturftig das recht
(hingenommen sein oder) aufgehebt werden. Aber es hot vnderschied von
der aygenschaft, als von dem guet in welchem er ist, wan ob einer wirt
einem schaffen ein fruchtbrauch, den so hot der erb allein die blosen
eygenschaft vnd herwidervmb. Doch mag einer in einem gescheft
verschaffen einem den grunt, dem andern den fruchtbrauch, aber on
gescheft mag er das nit thuen vnd setzen, nur mit dingung vnd gelubd
annemung. Doch das nit gentzlich die aygenscheften vnnutzlich sein,
albeg so aufgehebt wirt der fruchtbrauch, geuallen hot in bestymten
massen den fruchtbrauch aufgelest vnd geendt vnd zw der aygenschaft
widerkert werde.
| Seite 280| Wan der fruchtbrauch wirt [nit] allein
gesetzt in einem grunt vnd in einem zymmer, warlich auch in den
leibaygen khnechten vnd diernen vnd in den arbetsamen thiern vnd in
allen guetern ausgenommen sie hofsteten vnd ausgenommen die ding, welche
mit brauch verzert werden. Wan die gueter wider von naturlichem rechten
noch von burgerlichem entpfaent den fruchtbrauch, in welcher zal seind
weyn, ol, getrayd, klaydt vnd gelt. Aber [das] (nit gehoren) die gueter
an die erben (so) widerkeren (sie) nymmer, haben gesetzt die senatores,
das der, welchem der brauch eines gelts ist geschaft, gnueg thue dem
erben mit gnuegthuung mit so vil gelts widervmb geben zw werden, ob er
stürbe oder ob im die statt wurd ewiglich verboten. Aber die andern
gueter, also ein ol,
| Seite 281| getraid, werden also eingeben, das
sie des werden, wem sie geben werden. Doch sullen die vorgenenten gueter
geschatzt werden, vnd ob der entpfaend stürbe oder von der statt
ewiglichen wurd geschickt, das ein g[n]uegsam be[g]nügung dem erben werd
gegeben vom souil gelt widergeben zw werden, wieuil gewesen ist das
gesatzt guet. Der fruchtbrauch der wirt gesetzt durch bete, durch lon,
durch dienstbarkeyt, durch gescheft, durch ausnemunge, entweders zw den
tagen seines lebens oder auf ein bestymte zeit. Es wirt geendt vnd
vollendt der fruchtbrauch durch den [tod] des fruchtnyesser, nit durch
den tod des herren der aygenschaft noch durch den tod seiner erben vnd
durch die ewige verbietung einer statt, durch bosen brauch, durch
verenderung, durch aufgeben,
| Seite 282| durch widerkaufung, durch
ergerung, durch brunst, durch ein erdbiben vnd durch eltyn. Aber wen
geend ist wurden der fruchtbraucht gentzlich; den so wirt widerkert gar
zw dem herren der eygenschaft vnd das vor vmb halb, dasselb wirt er mit
volkomen rechten haben mit besitzen das gar (oder gentzlich).
Aus allen den massen, in welchen der fruchtbrauch gesetzt wirt, in den
selbigen massen wirt der blosbrauch gesetzt vnd geendt. Doch hot der
blosbrauch mynder rechtens den der fruchtbrauch. Zum ersten wan der,
welcher den blosenbrauch des grunts hot, wirt nit weyter verstanden, nur
das er die kreuter, hew, stro, holtzer
| Seite 283| zw teglichem brauch
nyeß. Zum andern mal wan in dem grund bis heut wanen verzymbt also, das
er weder dem herrn des grunts schedlich sey, noch denen, durch welche
die pawer arbet geschech sey, verhindern. Zum dritten wen das recht,
welchs er hot, mag er keinen verkauffen, vbergeben, verpfenden,
verleyhen, noch mag verlihen werden, doch die ding alle mag thuen der
fruchtnyesser.
Ob einer den brauch des zymmers hot, so wirt er nit verstanden zw haben
eines rechtens, nur das er allein inwone vnd kainem verleich, aber auch
nit auf einen andern das recht verwenden mag, ja vorwar kaum ist
verlihen das,
| Seite 284| so er abwesend ist, einen gast in das haus
neme vnd der bey seiner hausfrau vnd seinen kindern da wone bis zw
seiner zwkunft. Is aber der, welcher gehort zum brauch eines khnechtes,
derselb allein fuer sich mag brauchen die arbet vnd den dienst eines
khnechtes; aber zw einem andern in keynerlay maß mag er sein recht
verwenden. Auch ist desselbigen rechtes von dem arbetenden viech. Ob
aber eynichen des viechs oder der schafbrauch verschafft ist wurden,
dasselbig wider von der milch noch von der wulle noch von den schafen
oder lemlen wirt nit brauchen, wen warvmb die sein in der frucht. Aber
er mag der khue vnd der roß genyessen oder brauchen zw tungen den acker.
Und ob eynichem allein die
| Seite 285| wonung wirt geschafft, wirt nit
gesehen der brauch noch der fruchtbrauch, sunder als nahet ein besunders
eygens recht. So mag der selbige einem andern frummen man die wonung
verleyhen on irer ergerung. Und das von den dienstbarkaiten vnd
fruchtbrauch vnd blosenbrauch vnd wonung gesagt sullen gnueg sein. Aber
von der erbschaft vnd verbindung wirt gehabt an seiner statt.
Aber aus burgerlichen rechten werden vns gewunnen die leyblichen vnd
vnleyblichen gueter in vil massen durch brauch vnd durch gewere, das ist
durch vsucapionem vnd prescripcionem, bey dem ist zw merken: Was
| Seite 286| sey usucapio, was do sey prescipcio, welche ir gestalt,
welche ir nutzbarkait, wie vil ding vnd welche das darzu erfordert
werden. Prescripcio ist ein besunder recht aus der zeit entpfaend die
vestikait vnd hot zw geschehen in ligenden guetern. Usucapio ist ein
gewynnen einer herrschaft durch stett werung einer besitzung in zeit von
dem gesatzt aufgesetzt vnd hot zw geschehen in beweglichen guetern. Die
gestalten der vsucapionis ist allein einzig ... Die gestalten aber
prescripcionis sind drei als: einer langen zeit, die andern einer
lengern, die dritt der allerlengsten zeit, von welchen darnach wirt
gehort. Die nutzbarkait vsucapionis vnd prescripcionis ist drifeltig,
| Seite 287| die erst wen die zeyten sein von den gesatzen gegeben,
das nit die herrschaften der gueter bleyben in vngewiß. Die ander wan ob
die zeiten nit weren gegeben, so mochte nymmer eynicher seiner gut
ruehlichen besitzen. Zum dritten wan ob die gueter mit guetem glauben
gekauft durch die zeit von gesatz gegeben einer in frid vnd rwe besitzt
vnd ob er darnach von eynichem angesprochen wirt, so wirt er nit
schuldig zw antworten vmb die selbigen gueter.
Die ding werden erfordert zw der waren prescripcion vnd vsucapion.
| Seite 288| Recta fides, das welchs mit guetem glauben, als ob einer
kauft etwas, das ist ein besunder beweglich guet oder ein vnbeweglichs,
iusto titulo, das ist vmb ein bestymt vnd ein grecht gelt vnd von dem,
welchen er glaubt zw sein herr des selbigen guets. Publice, das ist
offenbar, wan ob er in haymlikait kauft, dan so wirt gesehen das guet
sein argwenig. Vicioque carentem, das es nit sey diebstellig oder mit
gewalt geraubt, auch nit mit bosem glauben
| Seite 289| besessen, wan
das mag nymmer in brauchnutz gebraucht werden, darvmb das es von
gotlichen vnd menschlichem gesatz ist verboten. Wan welcher ein fremd
guet wirt verkaufen oder versetzen oder vbergeben einem andern
wissentlich, der begeet des ein diebstal. Aber das halt sich vnderweilen
anders, als gemerkt wirt. Wen welcher ein sulch guet mit sulchen
vnderschiden oder gedingen darzw gelegten stetiglich hot gehabt on allen
zwspruch ein zeit von dem gesatz gesetzt, der wirt furbaß das ewiglich
behaben vnd wirt kainen klagenden antwurten. Du solt merken das in vil
massen einer mag ein fremd guet in ein fremde verendern on laster: Zum
ersten ob das guet der erb dem gestorben gelihen oder verlihen oder bey
dem selbigen
| Seite 290| erlegt schetzend ist ein erblichs guet sein
zw seind in guetem glauben kaufende hot verkauft, ... ist nit zweyfel,
das der, welcher das angenommen hot, gerechtiglich im brauchnutz haben
mueg, wen das guet nit geet in das laster eines diebstals. Auch der erb
begeet nit ein diebstal, welcher es ... mit guetem glauben als sein guet
hot verendert. Wan das diebstal wirt begangen nur mit begird zw stelen.
Doch irrt der erb, welcher das also hot verendert. Darvmb ist schuldig
entweders ... den werd des guets dem rechten herrn wider zu geben vnd
der kaufend bey seinem kauf zu bleyben. Das selbig ist recht, wan ich
glaub mich erben zw sein, in den rechten warhayt so ich nit bin ein erb,
als wen ich glaub mir ein geschaft guet ze haben ...
| Seite 291| Und
eines ligenden guets, das ledig ist, besitzung durch abwesen oder
saumbnuß des rechten herrn oder [wan] on nacherbung ist gestorben, [nit]
mit gewalt vber kumbt. Wie wol einer mit bossem glauben besitzt, wan er
wais sich einen fremden grunt ingehebt haben, doch er einen andern mit
guetem glauben inne habenden hot eingeben, so wirt mugen dem selbigen
mit langer besitzung das guet gewunnen sein, wan wider diebstellige noch
mit gewalt ersessen hot ers eingenommen; wan es ist abgetilget etlicher
wrteil, die schetzend waren, eins ligenden guets diebstal zw geschehen.
Auch vnderweyle ein diebstellig guet oder mit gewalt besessen mag in
brauchnutz genommen werden (oder gebraucht), als ob es in gewalt des
herrn widerkert
| Seite 292| wirt, darvmb das es der ware herr hot
kauft oder ob ein schuldner ein fremds guet hot versetzt, wan den des
laster ist die reynigung vorgangen des selbigen guets brauchgewere. Was
aber ich kauf von einem schneider ein rock zw berayten im gegeben oder
ein tuch von dem scherer zw schern gegeben oder von eins herrn khnecht
gewerb im verlihen oder schuech von eines schuchmachers khnecht, nim ich
die nit in brauchgewere? Ich sprich ja: ob ich die (gueter) hab gekoft
mit guetem glauben die eingehend der genanten zw sein, welche mir die
verkauft haben, auch ob ich nit wird haben sie in zeit von dem gesatz
gesetzt. Wan es nit schadt dem kaufenden mit guetem glauben der böß
glaub des verkaufenden,
| Seite 293| ut ff. de diversis ... prescr. l.
... Sunder der verarg das im selb, als die den vntrewen menschen ire
gueter beuelhen; doch werden mugen die waren herrn von vntrewen
derselben erfordern oder begern. Item ich hab gesprochen iusto titulo,
als mit kaufung oder vbergebung oder nacherbung oder durch nachuolg oder
aus eynicher ander gerechten wrsach. Und ich hab gesagt vmb ein gerecht
gelt, wan ob vmb mynders das vmb ein gerecht gelt het gekauft, als vmb
zehen, das do wert ist zwentzig, so haft das nit, wen da zwischen kem
vntreu vnd arglist, welche nymants sullen hulflich sein. Und das er kauf
von einem, welchen er glaubt zw sein den herren ditz guets. Wen ob er
het gewist das guet nit sein zw sein oder gewesen zw sein, den so taug
der kauf nit.
| Seite 294| Ich sag das er das gehebt hot stetiglich in
eyniche vnderbrechung. Wan es geschicht vilfeltige vnderbrechung, als
naturliche vnd burgerliche, durch einer besambleten beruefung, durch
veraynung oder klag, durch ladung, durch verkundung, durch des gelts
bezalung, durch antwurt zw der klag, durch bekantnus der schuld, durch
der wuecher bezalung, durch besytzung des guets vnd die eynige eynlegung
des libells. Sie wirt auch vnderbrochen mit verleumbd peen, wirdikayt,
mechtikait, mit tobsucht, des widerteils verhindrung zw klagen. Auch hab
ich gesagt possessio, tempus, das ist das [der kaufer] besitzen das guet
so lange zeit, wie lang von dem gesatz ist gesprochen. Wan das gesatz
auslegt die zeit als ob einer besees
| Seite 295| ein lehen guet zehen
jar, so wirt er das furbas haben ruehiglich. Es ist aber das lehen
zwifeltig, als ein bawerlichs vnd ein ritterlichs. Item ob einer besees
ein guet von rechter eygenschaft dreißig jare, so wirt er furbas gewer
haben. Ich hab gesprochen res prescriptibilis, (verstee ein gewerberlich
guet). Hie soltu merken, das alle leybliche vnd vnleybliche gueter, die
recht vnd klagen mugen in gewer bracht werden. Aber die gueter einer
gemain, als orter vnd end der ertrich vnd
| Seite 296| gueter der
waysen vnd hewretgueter, eins haussuns gueter, haylige oder geweichte
gueter, gaystliche gueter, ein freyer mensch vnd ein fluchtiger khnecht
mugen nymmer in gewere brocht werden. Es ist aber limes (ein ort des
ligenden guets vnd) ein weyte des vnbauten ertrichs, (als eins rayns),
welchs tailt die besitzungen des ertreichs von einander. Fines (das sein
die end) sein stett oder örter, mit welchen die gelegenhayt vnd krayß
werden vnderschiden. Res pupille, das sein der waysen kinder vnder
vierzehen jarn. Die gueter des haussuns, das ist des nit ledig gesagt
ist von veterlichem gewalt. Heuretgueter, das ist ein gegebner grunt dem
eeweib fur ire hewretguet. Das heylig guet, das ist das gaystliche, sol
von kainem
| Seite 297| besessen werden, darvmb auch nit in gewere
bracht. Der frey mensch wirt nit in gewere bracht noch geaignet eynicher
maß oder von recht mag werden, wen warvmb die freyhait ist ein freyes
guet. Der fluchtig khnecht (kan auch nit in gewer bracht werden) von
seinem rechten herrn, wie lang zeit das ist bey eynem andern bleibt, mag
dennoch den sein rechter herr widerhaben.
Es ist auch ein ander geschlecht der gueter gewynnung von burgerlichem
rechten, das gnant wirt donacio, verstee vbergebung. Von welchem ist zw
sehen: was sei donacio, wieuil ire gestalt, durch was es also
| Seite 298| werd gnant, ob die eeleut mugen inen wechselberlich
vbergeben. Von dem ersten die donacio ist ein verleyhung geschehen einem
schlechtiglich aus lauter freywillikait oder durch die heureten oder
durch forcht des todes. Darvmb sein der donacion dreu gestalt: als ein
schlechte, durch die heuret vnd aus wrsach des todes. Die schlecht
donacion ist, welche vmb kain andre wrsach geschicht, sunder lauter vmb
sunst; die ander ist, welche durch die heuret gemacht zw werden zwischen
dem manne vnd seiner eewirtin geschicht; die dritte ist, welche
geschicht des angeenden (oder gegenwurtigen) oder kunftigen todes.
| Seite 299|
Die schlecht vnd frey donacion vbergeben mag nit freuelich widerrueft
werden. Aber die vbergebung aus wrsach des tods von sechs wrsachen wegen
mag widerrueft werden: Ob der vbergeber ist krank gewesen vnd wider
gesund wurden. Die ander ob es in gerawen hot. Die dritt ob der, dem
vbergeben ist, schaden vnd verterben dem vbergeber hot zwegefuegt (oder
wirt zwefugen). Die vierd ob der, dem vbergeben ist, vndankbar wirt. Die
funfte ob der, dem geben ist die gab, nit hot entpfangen. Die sechst ob
der vbergeber die vbergab nit hot eingeben dem, welchem
| Seite 300|
geschafft ist, noch den zum herrn der vbergab hot gemacht. Die
vbergebung, welche ist zwischen dem man vnd dem weib, so bestendig ist
die ee, mag nit widerrueft werden, nur in dreyen vellen, als
stilliglich, ausdrucklich vnd durch den tod; stilliglich wirt widerrueft
durch den eebroch mit der schidung; ausdrucklich wirt sie widerrueft
durch widerruefung oder durch vbergebung einer verenderten guets; durch
den tod, wen der, dem vbergeben ist, vor dem vbergeber stirbt. Die
vbergebung zwischen man vnd weyb, [wan] bestendig ist die ee, aus
welcher vbergebung der ein reycher der ander ermer [wirt], haft nit vor
recht, nur si werde
| Seite 301| bestetiget mit dem tod, auch ob
darzwischen kommen ist der ayd. Das ist, ob das weib vbergept ir
veterliche vnd muterliche gueter, aus welcher vbergebung sie in armut
kumbt, oder herwidervmb der man dem weybe, die vbergebung haft nit vor
recht vor dem tod des weibs, auch ob enzwyschen kombt der ayd. Das
selbige recht ist, ob das weib lest dem manne das hewretguet, wan die
zway sein von dem gesatz verboten.
Bey der dritten vbergebung, die gnant wirt dos, sein vil ding zw merken:
Was sey dos verstee das hewretguet, wie vil sein des gestalt, wen es sol
gegeben werden, ... wen aber das [heuretguet]
| Seite 302| widervmb
begert müge werden, aus welchen wrsachen das heuretguet gewunnen werd,
wen das hewretguet sei wider zw geben, ob der man schuldig sei das gantz
hewret[guet] wider zw geben, wer müg begern das hewretguet, ob das weib
müge aufgeben das hewretguet oder sich verzeygen des hewretguets, ob das
weib in eynicher maß müg verendern das heuretguet, ob das hewretguet
solle haylsam sein gelihen werde dem eeman oder ob sol ein sicherhayt
gegeben werden von im, ob der man hot gemacht kostung in die
hewretgueter, ob sie im sullen widergeben werden, ob das hewretguet
sulle vorgeen alle gelter.
| Seite 303|
Das hewretguet [ist] ein gebung oder vbergebung dem man geschehen von
dem tail des weibs durch die burden der ee zw aufenthalten. Die gestalt
dotis sein dreu, als prouecticia, aduenticia vnd estimata. Die
prouecticia dos ist ein gebung, welch gibt der vater der tochter oder
der äny seiner änkelin durch die hewret. Und das ist die aygen ee
derselbigen, mit welchem mag er thuen, was er will, die weil nit kinder
verhanden sein, nur es werd ein ander gedinge gesetzt, als ob verhanden
sein kinder, den sol die tochter haben den fruchtbrauch des hewretguets
vnd die eygenschaft sol bleyben bey dem kinde. Ob aber
| Seite 304| die
tochter on gescheft wirt sterben, den so ist der kinder die aygen
erbschaft vnd nit des vaters noch der müter noch eynichs freunds, von
dem das guet des vaters herkumen was. Und die kinder werden besitzen das
hewretguet mit vollem recht. Darvmb sol stillschweygen ein jedlicher
mensch, welcher sag, das on die kinder die aygen ee die muter sol
enthalten. Aduenticia dos ist, welche kumbt von der muter oder von den
andern verwanten freunden, vnd mit den mag er schlechtlich thuen, was er
wil, ob von wrsach wegen der ee nit ist geding wurden im gegeben Die
geschetzt dos ist der grunt oder genents gelt wie aufgebung.
| Seite 305|
Der man sol seinem weib das hewretguet ausrichten, wen sie ader ir vater
vnd muter das begeren, es sei vor den hewreten oder dornach, vnd wen das
ist in einer zeit das geschech, sol ir nit schaden brengen. So sie aber
ausgericht ist, so ist sie schuldig dasselbige auch zw thun irem manne.
Aber wie vil das weib vbergibt irem manne, so vil von gemainem rechte
sol er geben dem weibe vnd den drittayl mer, nur mit gedingen vnd
veraynigungen werden anders gesetzt.
Das hewretguet des weibs mag
| Seite 306| widerbegert [werden], wen der
man sein aygen guet misbraucht oder wen er ist ein vnnutzer verzerer der
gueter. Ob aber der man werde kommen zw der armut aus [un]gluck oder
groser krankheyt oder aus ander redlicher wrsach, den so gebuerd keinem
widerbegerung, wen die eegemahel alles vbel vnd guet sullen mit einander
leyden, wen nichst schayd sie wen der tod. Wen das hewretguet vnd die
vbergebung wirt drifeltiglich gewunnen dem man oder dem weib: Zum ersten
aus verayntem geding, zum andern aus gewonheyt, zum [dritten] aus der
sund des eebruchs. Aber prouecticia ist wider zu geben dem vater, so die
tochter on gescheft gestorben ist nit habend kinder, vnd das nach
| Seite 307| dem tod ires mannes. Aber die anfallend widergebung ist
widerzugeben der muter vnd den andern iren nechsten, von welchen sie
kommen ist, auch nach dem tod des mannes.
Der eeman ist schuldig zu thuen in widergebung des hewretguets was er
mag, doch also, das er nit armut leyde. Wan nach den gesatzen ist nit
von im zw nöten gar, was er hot, sunder der gueter messigung ist zw
haben, das er nit armut leyde. Aber das hewretguet widervmb zue begeren
mag ein jedlicher, welcher [gibt] das hewretguet, wen gesagt wirt in der
autentica: welcher nichst gibt, der entpfacht nichst - nur mit gedingen
vnd
| Seite 308| vereynung ein anders werd gesetzt.
Das weib mag aus keiner wrsach ir hewretguet aufgeben oder der verzeyhen
nur aus rechtlicher wrsach vnd mit rad vor dem erbherren. Vnd das ist
darvmb gesetzt, das nit sulchs freulichs geschlechts blödikayt zw
schaden irer bekert werde. Und ob vber das anders geschehen wurd, sol
das kainer vestikayt sein. Auch das weib zu kainem vall sol ir
hewretguet verendern, wen sie das aus leuterlichem recht besitzt; ob sie
das thet, so verlur sie das hewretguet. Es verzymbt das hewretguet zw
sein vnuerletzt on alle verendrung, vnd ob das hewretguet
| Seite 309|
mocht gelihen werden dem man, welchem getraut vnd beuolhen wirt der leib
des weibes, doch nicht verhindert sullen die eeman setzen burgen durch
forcht des todes, das nit die blodikayt des freulichen geschlechts irer
hewretgueter vervntreut werde. Das hewretguet mag widerbegert werden
nach gewonhayt vnd nach geding, wen an etlichen enden ist gewonhayt, das
als bald gesturben ist das weib vnd kinder nit verhanden sein, das
begert werde das heuretguet vnd das vbrige guet on das hewretguet,
apparauerna gnant. ... Aber an ... andern beweglichen guetern, welche
das weib nit hot zwbracht, werden nit wider begert, sunder sie bleyben
dem manne.
| Seite 310| Doch an andern steten werden gemacht geding,
das ir jedlichs der eegemahel vor stirbt, den so behalt er (dotem,) das
hewretguet, vnd apparauerna mit volkommen rechten, auch so (nit) kinder
verhanden sein ader nit. Und das wirt gnant ein freyes hewretguet. Auch
ist ein andre gewonheyt, ob eins der hewretleut ist gestorben, so behalt
das ander das hewretguet vnd die vbergabe durch sich auf sein lebetage
vnd mit der parauerna thuet er, was er will, vnd nach dem tode ir
bayder, ob leben sein die kind oder ir erben (verhanden), den so sein
das hewretguet vnd vbergab mit vollem recht. Ob aber nit sein kinder,
den so widerfellt das hewretguet zwe den nehern verwanten des weybes. Ob
aber die gueter der man
| Seite 311| vnd das weib miteinander haben
erarbet oder zwsammen gebracht, den so widerkert der halbtayl der guter
zw den nehern freunden des weibs vnd zw dem andern halbteil werden erben
die nehern freund des mannes.
Parauerna sein alle bewegliche gueter, welche das weib hot ausserhalbe
des hewretguets, als klaider, betgewand, klaineth etc. Vnd werden gnant
a para, das ist iuxta vnd verna, dos, als gueter neben dem hewretguet.
Aber es ist ein ander weg, der gesehen wirt der pesser zwyschen den
alle, ob das weib vor stirbt, den so behalt der man das hewretguet vnd
die vbergebunge zw seinen tagen nit ergerend
| Seite 312| noch
verendernd, auch so die kind leben oder nit. Aber mit dem heuretguet,
welchs er dem weib hot gegeben, schafft er was er will, wen es im ledig
ist, nur es sey anders mit gedingen oder veraynigung gesetzt. So aber er
gestorben ist, so widerkert die donacion zw dem vater oder muter des
weibs oder zw andern verwandten, von welchen es herkomen ist, ob sie
verhanden sein, ob sie nit verhanden sein, so werden sie ledig der
statt. Es ist ein andre gewonheyt, ob einer der eeleut, so nit sein
kinder verhanden, (aus welchen eins) stirbt on gescheft, den so behalt
das ander das heuretguet vnd die vbergebung mit den parauerna mit vollem
rechten. Und merk das alles recht, das hot das heuretguet, dasselb hot
die parauerna.
| Seite 313| Es ist zw wissen mangfeltige ausgebung sein
auf die heuretgueter, notturftige vnd nutzbarliche vnd willigliche. Die
ersten zway (darlegung oder) ausgebung sein die erben schuldig wider
zwegeben, aber die dritte (darlegung oder) ausgebung, ob eins aus vrsach
einer verzihung die het gethan, die wurd nit widergeben. Auch merk das
das weib wirt fuergesetzt im heuretguet allen vorigen vnd nachgeenden
geltern nit habende ausgedruckte pfandschaft in der vbergab durch die
heuret. Ja warlich, das weib in den parauernalibus wirt auch fuergesetzt
den geltern habende stil oder ausgedruckte pfandschaft, das ist ein
ligends guet.
| Seite 314|
Auch wirt vns gewunnen ein guet aus burgerlichem rechten durch gescheft
vnd von vnuerschafften verlassen. Und zum ersten ist zw sehen von dem
gescheft, was sey ein gescheft vnd wannen es genant sey, wie vil sein
sein gestalt, wie vil werden erfordert in machung des testaments, wie
kreftig werden die gescheft, wie vnd wie vil maß sie vnkreftig werden.
Und von dem ersten ein gescheft ist ein freyer wille vnd ein gerecht
wrtail des gesunden gemuets von dem, welchs einer
| Seite 315| nach
seinem tod geschehen will mit setzung der erben. Ich hab gesprochen ein
freyer will, wen ob einer wurd bezwungen, so taug nit das gescheft, auch
ob es bestetiget were mit dem ayde den nit wellen verkeren. Ich hab
gesagt eins gesunden gemuets, wie wol der krank ist an seinem leybe
vngesund, doch an der vernunft ist er gesunt. Ich hab gesagt mit
gerechtem wrtail, das ist mit rechter ordnung zw sein beweglichen vnd
vnbeweglichen gueter. Ich hab gesprochen, das einer nach seinem tode
geschehen wil, als von seinem gantzen veterlichen erbe, wen nyemand mag
in einen tayl verschaffen, vnd darvmb vor seinem tod mag nyemand im aus
eynichem gescheft ein recht annemen. Ich hab gesprochen mit setzung der
erben,
| Seite 316| wan die setzung der erben ist ein haubt vnd ein
grundfest des gantzen geschefts. Und ist ein setzung eins andern statt
an sein, wen die person des gestorben vnd der erben werden geacht eine.
Aber er wirt gnant ein testament als ein bezeugung des gemuets, das ist
des willens, doch nit ein jedliche, sunder allein die, welche verordnet
die erbschaftung. Vnd die ist wandelbar biß auch an das letzt seines
lebens, auch ob nit in verwandeln ein geding oder ein ayd ist
entzwyschen kommen. Wen zwo gestalt sein eins geschefts, die ein wirt
gnant nuncupatiua (das benenlich), das geschicht durch wort, die ander
in geschriften oder durch ein instrument. Aber es ist nit vnderschied,
ob es geschriben werde auf tafeln
| Seite 317| oder papier oder
pergamen, doch das es mit zewgen werd bezaychnet vnd mit sigillen
beuestiget.
In machung eins testaments werden notturftiglich erfordert newn ding
vnde versus. Quis, cui, quid, quantum, quot, qui, cur, quomodo, quando.
Und von allen ist durch ordnung zw sagen. Ein gescheft mag machen ein
jeder mensch ausgenommen funfzehen person, vnde versus:
| Seite 318|
Testari nequeunt inpubes, religiosus,
Filiifamilias, morte
dampnatus et obses
Prodigus aut stultus, dubius, servus, furiosus,
Crimine dampnatus cum muto, surdus et ille,
Qui majestatem
ledit, sic cecus et ipse.
Inpubes, das ist ... ein knab oder ein
meydl, wen sie noch nit haben den brauch irer vernunft, ... wan sie nit
erben haben, welchen sie im gescheft sollen setzen. Religiosus, das ist
ein jedliche regelperson, welcher gehorsam getan hot, wan er hot nixs
aygns. Wen er alles sein eygen guet hot geben, sintemal er sich gote hot
ergeben. Jedoch die aynsidel vnd die andern, welche furen ein aynig
leben, mugen verschaffen, wan sie verzeyung irer gueter nit haben
gethan. Und auch die
| Seite 319| weltlichen priester von den dingen,
welche sie von wegen irer person inne haben, vnd dergleichen von iren
gotsgaben oder pfrienden nit seelsorg tragend mugen wol gescheft machen.
Aber von den guetern der kirchen ligenden mugen nixs schaffen. Von den
beweglichen guetern mugen sie geben iren freunden vnd iren nechsten vnd
dienern, auch den armen vnd kranken leuten nach irer notturft. Der
haussun mag nit verschaffen von dem anfallenden oder erbgueter, wie wol
sulchs ir vater vnd muter zw geben. Des ist ein wrsach, wen ein gescheft
kombt aus freyen willen des verschaffenden, wen die sein in anderer leut
gewalt nit irem gewalt. Ob aber ein haussun vierzeenjeriger ein ritter
oder ein student ist wurden, des was im verhayschen ist von dem harnesch
| Seite 320| vnd von der lernung die ritterschaft, (das ist von dem
guet gewunnen im he[g]er), das ist gnant castrense peculium oder quasi
castrense, mugen sie gescheft thuen, wen in sulchen dingen sein sie
gleich dem hausuater. Doch mugen sie vbergebung machen, so das vater vnd
muter verwilligen, wan ein vbergebung vernymbt die matery eines handels,
wen sie mugen handln, wen das vater vnd muter verwilligen sein. Ich hab
gesprochen der verwrtailt zw dem tod auch durch ein jedlich malefitz mag
nit verschaffen. Wan welcher das leben durch ein malefitz verleurt, der
verleurt auch die schickung (oder verordenung von seinen guetern). Ich
hab gesprochen obses, welcher fuer ein geraubt ding wirt geben, mag nit
verschaffen, wan
| Seite 321| er in fremden gewalt hot nit zeugnuß
(oder verschaffung). Item prodigus das ist einer, der sein guet
vnnutzlich verzert, welchem die verwesung seiner gueter von dem richter
ist verboten ... Item ein narr, das [ist] vngesunds gemuets, mag nit
gescheft machen, wan er nit hot beschaydenhayt. Ein zweyfelhaftiger im
glauben oder ein ketzer mag nit gescheft machen, wan alle seine gueter
sein in den henden der fursten, welcher sie zw sein gnant werden.
| Seite 322| Ein tobsuchtiger mag nit gescheft machen, wan er mangelt
des gesunden gemuets vnd der vernunft. Wen er aber hot vnder stunden
macht sein vernunft, was den geschafft ist, wirt stet gehalten. Der
verwrtailt vmb ein vervnleumbtliche missetat mag nit verschaffen, wan er
ist vervnleumbt vnd nit tailhaftig des rechtens. Ein stumer, welcher nie
geredt hot, wan das gescheft wirt verbrocht mit der rede vnd darvmb, so
mag er nit verschaffen. Der vngehörend, als welcher nie gehort hot, mag
nit verschaffen, wan er nit ways, wie er von seinen guetern sol
verordnen. Item welcher begangen hot die missetat verletzter maiestet
oder
| Seite 323| welcher thut wider offen nutz, als ein treubrecher,
mag nit gescheft machen, wen ein sulcher velt in die peen seines leybes
vnd guetern. Ein blinder, als einer von natur, mag auch nit gescheft
machen on grosse loblichkait, wen er liderlich betrogen wirt. Jedoch
der, der beraubt ist seines gesichts, mag wol machen ein testament.
Wier mugen verschaffen allen menschen, den freyen, den khnechten, den
vierzehen jerigen, den vnder vierzehen jarn, den reychen, den armen, den
tobsüchtigen, den stummen, den vngehorenden, den weltlichen, den
gaystlichen. Und nit allein ... sunder
| Seite 324| auch der heyligen
steten, den klostern, den kirchen, doch ausgenommen die person, als
ketzern, abbruchigen, vnzymlichen samlungen, nit gefreyeten noch
bestatigten, banckarten, khnechten von den verklagten von eebruchs wegen
mit irem herrschaften vnd verwrtailten. Aber sie (mugenn) alle (die)
gnant werden (vnd) verdambt, die ketzer, die verboten, treubrecher,
verreter, dieb, schacher, felscher, morder. Und merk, das das gesatzt
gebeut etlichen personen geschafft zu werden, als ob es inen von natur
zw gehort, als sein all nachgewant, aufsteigend vnd absteygend. Freunden
vnd ausser nach dem willen wirt geschafft. Welche aber gnant werden
aufsteigend vnd absteygend von der seiten erben, auswendig, wirt gesehen
hernach an seiner statt.
| Seite 325|
Verschafft vnd geschafft mügen werden alle leybliche vnd vnleybliche
gueter, gegenwurtige vnd kunftige, zu einer bestymmten zeit oder
ewigklichen, vnderschidenlichen oder schlechtiglich, mit bestymter oder
vnbestymter grösse. Es mag geschafft werden ein ledigsagung der
schuldner, der gelter bezalung, der vbel gewunnen gueter widergebung.
Und nit allein die gueter sunder auch das gemacht oder werk mag
verschafft werden in der maß: Ich schaffe vnd gebeut, das meine erb ein
sulch guet einem sulchen vbergebe oder verkauf oder ich verbeut meinen
erben sulchs vnd sulchs guets verenderung bey einer peen oder ein
b[r]uech sulchem kloster oder sulcher kirchen
| Seite 326| zw geben.
Und vmb das wirt zw gewurfen die peen, das von forchts wegen der peen
gestanden werd dem willen, wan das gebot nit von der notturftikait wirt
gehalten. Dergleich mag der verschaffer dem trawen eynichs beuelhen alle
seine erbschaft, das er verordne [als] im beuilcht vnd trawet, vnd das
geschicht also: A du solt sein mein erbe vnd ich bitt dich, als du
belder magst anzunemen die erbschaft, den so soltu geben meinem sun N
aus meinem schlafweib geborn souil oder souil. Der verschaffer mag auch
seinem erben geben einen pfleger auf ein zeit des rechtens oder darüber
vnd das derselb rechnung thue von den im beuolhen gueter ... vnd gebeut
voraus, das
| Seite 327| man mache ein inventarium (das ist ein
beschreybung der gueter). Aber es ist ein inventari ein brief innehalten
alle ding vnd gueter, welche der verschaffer verlassen hot.
Aber die gueter mugen nit verschafft vnd geschafft werden, von welchen
nit ist gewerb oder kaufmanschaft, als sein heylige gueter vnd die in
der natur der gueter nit sein, dergleichen das leybtegliche recht vnd
ein guet, das verboten ist verendert zw werden bey einer peen, dergleich
vngetailte gueter vnd das recht zum guet.
| Seite 328|
Das verschafft ist eine besundere vbergebunge von den verstorbenen
verlassen, von den erben geantwurt zw werden. Ich sprich ein besundre zw
vnderschid einer vbergebung zwyschen den lebendigen vnd vbergebung aus
wrsach des tods. Von den verstorbenen verlassen, wan die weil der
verschaffer lebt, haft nit das verschafft guet. Von dem erben geantwurt
zw werden, wan so angenommen ist die erbschaft, so wirt bald der
geschafft, das ist der, welchem im gescheft etwas verschafft ist, so
bald sol er begern das verschafft guet von erben vnd nit durch sich
selbs annemem oder brauchen, anders er verviel vnder der klag des
verschafften. Ob aber
| Seite 329| der geschefteinnemer begert das
geschafft vnd der erb gib nit oder ob sturbe der, dem geschafft ist,
eedan der erb anneme die erbschaft, den so wirt das verschafft ist
vbergeen an den erben des, dem verschafft ist. Ob aber der, dem
geschafft ist, vorstirbt dieweil der verschaffer lebt, den so hort auf
das geschafft, [wan nit der], dem geschafft ist, hab im ein gemain oder
ein nachgesetzten.
Das gesatz beut den eelichen vnd naturlichen kind ein bestymte grose der
gueter geschafft zw werden, als vom naturlichem rechte inen schuldig
werden soll. In der maß: ob fier sein gewesen [oder minder], den dritten
tail aller erbschaft, ob aber funfe sein oder mer, den so werden sie
| Seite 330| haben den halben tail der gantzen veterlichen erbschaft;
das ander guet gantz staat ... Und nit vnbillich, wen er hot die
erarbet, ja warlich ob er sturbe vngeschafft, noch wurd sein sele haben
iren tail. Und merk das den semissem oder trientem die kinder sullen
vnder inen tailen, also das kainem vnrecht geschech. Und in den
verschafften dingen oder guetern sol die gewonheit der land gehalten
werden. Wan es sein in mancherlay reychen mancherlay gewonheit.
| Seite 331| Doch ist ein gewonheit, das der verschaffer gesunds
gemuets wie wol krank an seinem leybe von beweglichen gutern seinen
kindern nach seinem willen schafft, aber die ligenden gueter tailt er
gleichlich zwyschen im vnd seinem weibe vnd allen seinen kindern vnd ist
eine gute gewonheit. Es ist auch ein andre gewonheit, das er von allen
seinen guetern mag ordnen, als er wil, einem mer, dem ander mynder,
einem jens, dem andern das, doch also, das er die eeliche kinder nit sol
on wrsach enterben oder irer erbschafft berauben oder fuergeen. Ob aber
er hot vierzehenjerige sun, sol von ersamkait wegen dorbey sein ir
wille. Aber ist ein gewonheit, das einer von den guetern, die do kommen
von den anherrn oder
| Seite 332| von vater oder muter, so die kinder
vnwillig sein, sul nixs gescheftiglich verordnet werden. Aber von den
erbguetern oder anfallenden guetern ordnet er, was er will. Auch ist ein
andre bose gewonhait, [das der verschaffer] blöd an seinem leibe, wie
wol er gesunds gemuets sey, gueter vernunft vnd zeytiger betrachtung,
gescheft machen nit mag, das da ist wider alle gerechtikait, wan in den
gescheften gemacht zu werden wirt nit erfordert des leibs sunder des
gemuts gesunthayt vnd mechtikait der vernunft.
In den lobsamlichen testament sullen bey sein nach den gesatzen siben
zeugen, ersam
| Seite 333| manne, welche sich mit iren henden
vnderschreyben vnd ire sigill anhencken sullen. Aber in einem besundern
[ge]schlechten gescheft werden erfordert dreu zeuge; aber nach
gaystlichen rechten zwen oder dreu zeugen. Vnd in dem tail wirt entzogen
den kayserlichen rechten, wan zwen oder dreu zeugen sein gnugsam in
einem jedlichen gescheft. Ob aber da sein mer, ist desterbesser, ersamer
vnd offenbarer. Doch ist gnugsam vnderweyle in einem gescheft ein sigil,
des fursten oder einer statt, vmb sterkung eines geschefts. Und ob das
sigel der nachgewandten in einem geschaft mocht gehabt werden, wer zw
sein nutzlich vnd ersam. Ob aber nit,
| Seite 334| den so sein gnugsam
die sigil der auswendigen zw seiner kreftigung.
Eyn jeder mag sein zeug in einem geschefte ausgenommen die, welche
gescheft machen nit mügen, als oben steet, vnde versus: Testari non
possunt impubes etc., auch ausgenommen die weyber, welche durch
blodikait des geschlechts leichtiglich verkert werden vnd ausgenommen
die erben, welche das geschicht beruert vnd die taylen haben in den
verschafften guetern. Die, welchen geschafft ist, vnd die
glaubenscomissarij, das sein die volstrecker, mugen nit zeugen sein, wan
von recht werden sie gnant nachkommer.
| Seite 335|
Die gescheft geschehen, das nit krieg vnd zwytracht von den erbschaften
von dem toden verlassen nach dem tode des schaffers ersteend, welche als
emsigklich geschehen, ja warlich vnderweyle feyndschaften vnd
manschlacht aus den nachuolgen. Auch werden gemacht gescheft den
guetigen steten oder enden durch das hayl der selen, sie geschehen auch
den eeweiben durch die eeliche lieb, sie geschehen auch den kindern
durch die naturliche verbindungen vnd geschehen den nachuerwanten durch
des bluets veraynigung ... auch den dienern vmb ir dienst.
| Seite 336|
Die verschaffer oder eins geschefts macher, sy sein vätere oder mütere,
sullend ir erben, sy seyen jetz geborn vnd die geborn werden nach dem
tode ires vaters, gnant posthämi, ... jungfrawen oder enkelin, werden
ordenlichen gesetzt oder ordenlichen enterbt oder ordenlichen
fuergangen, sunst werden sie vnnutzlich geschafft.
Bey der materije der verschaffunge mus man vil ding wissen, als was do
sei erbschaft, wie vil ire tail, was sei ein erb, wie vil sein gestalt
oder vnderschit
| Seite 337| der erben, was sei setzen einen erben, was
sei enterben, was sei furgeen oder vbersehen, welche sullen gesetzt
werden vnd welche nit, warzw sie gesetzt werden, wie vil mas sie gesetzt
werden vnd wie, wie vil maß sie enterbt werden, was sei nachsetzunge,
wie vil ire gestalten vnd wie alle nachsetzungen sullen geschehen. Von
dem ersten die erbschaft ist ein nacherbung in alles recht, welchs
gehebt hat der gestorbene in zeit seines todes. Zwo sein gestalt, das
ist taylung der erbschaft, lobsamlich vnd schlechtlich. Der lobsamlichen
taylung geschicht von dem rechten in zwelf tayl. Die schlechte taylung
geschicht in wie gros tayl der verschaffer wil, gleicherweyß ob ein erb
gesetzt
| Seite 338| wirt, der wirt die gantzen erbschaft besytzen vnd
ob vil gesetzt werden nemlich, die werden all zw gleichen tayl die
erbschaft haben. Ob aber nemlichen vil werden gesetzt erben, den so
erlangt ein jedlicher den tayl im geschefft. Der erb ist eine vnd die
selbig person mit dem gestorben des eingangs halben des haus vnd der
erbschaft des gestorben. Vier sein aber gestalten oder vnderschayd der
erben als aufsteygent, absteygent, von den seyten vnd die aussern oder
die fremden. Die aufsteygenden sein vater, muter ... eine an, voran ...
Die absteygenden sein sun vnd [tochter], enkel vnd enkelin. Aber die zw
der seiten sein bruder, schwester, vetter, öhem, bas, muhem vnd ire
absteygenden. Die auswendige sein alle personen
| Seite 339| vnserm
gewalt nit vnderwurfen. Setzen einen erben nach seinem tod ist im machen
ein nachkommen, der sey gegenwurtig oder abwesend. Wan es wirt gnent
einen setzen in seinen guetern einen herrn setzen vnd machen. Und darvmb
nach dem tod, wan dieweil lebt der verschaffer, so ist kainer erb.
Enterben ist einen von seinen kindern nemlich aus wrsach von den
gesatzten bewert vertreiben ader abtreyben von der erbschaft, also
sprechend: Ich enterb meinen sun, wen er hot mir veintschaft des todes
durch trang eines giftes berayt. Fuergeen ist eynichen vnderwegen
lassen, das ist nit setzen noch enterben, sunder fuergeend vergessen.
| Seite 340| Es sullen gesetzt werden die erben notturftiglich die
aufsteygenden oder absteygenden. Aber die zw der seiten vnd ander ausser
werden gesetzt nach willen des verschaffers. Aber die, welche
verschaffen nit mugent, die selbigen auch nit mügen gesetzt werden, als
die ketzer vnd abtruningen etc.
Zwayerlay maß werden gesetzt erben, als mit gerehen worten vnd gebogen
oder vberzwerhen worten. Mit den gerehen worten als: Jeromius, mein sun,
sey mir erb. Mit eyngebogen worten als: Mathias, mein sun, setz ich mir
erben. Die erben werden gesetzt von einer bestymten zw einer bestymten
zeit, in ein bestymbt
| Seite 341| guet vnd von einer bestymten grösse.
Auch werden gesetzt mit einer muglichen vnderschaid, wan ein vnmugliche
vnderschayd in setzungen vnd gescheften, glaubensbeuelchnus vnd
freyheyten werden gehabt fuer nit geschehen.
Es werden enterben die sun von vierzehen wrsachen: Zum ersten ob er das
eelich weib seines vaters hot geschwecht. Zum andern ob er vnbillich
verhindert hot das gescheft seines vaters. Zum dritten ob er in
zymlichen sachen hot nit wellen bürg werden fur sein vater. Zum vierden
ob er sein vater vnbillich hat gefangen. Zum funften ob er von vnerber
gefengnuß den vater nit hot erledigt.
| Seite 342| Zum sechsten ob er
vnnutzlich verzert hot die veterlichen gueter. Zum sibenden ob er dem
vater notturftige ding nit hot geben. Zum achten ob er wider den vater
peinlich hot geclagt. Zum neunden ob er den vater on wrsach hot
geschulten. Zum zehenden ob er den vater hot gewundt. Zum aylften ob er
den vater hot geschlagen. Zum zwelften ob er hot (vermaynt vnd) gestelt
noch dem tode seines vaters. Zum dreyzehenden ob die sun entb[u]ern vnd
gaukler vnd freher werden. Zum vierzehenden ob sie werden dieb vnd
schacher.
Gleicherweis wirt enterbt ein tochter, wen sie entbuert oder
| Seite 343| vnedel wirt, das ist wen sie vor dem funfzehenden jar ein huer wirt.
Ob sie aber darnach, den so verleurt sie die eer, aber nit die
erbschaft. Ob sie nach dem achtzehenden jar nymbt einen eeman on willen
vater vnd muter, den so verleurt sie nit das guet noch die eer. Ob sie
aber nach dem zwelften jar on willen vater vnd muter nymbt einen man,
den so verleurt sie die veterlichen gueter vnd nit die eer. Und du solt
merken, das alles recht, welches haben die kinder, das ist die sun vnd
die tochter der ersten syp, das selbig recht haben die sun vnd die
tochter der ander syp, als die enkel vnd eneklin, wan alle die an statt
der veter vnd muter nacherben.
| Seite 344| Auch nit von newen rechten
ist eyniche vnderschayd zwyschen dem sun vnd der tochter in setzunge
eins erben oder nachkommung der erbschaften. Was aber, ob einer
schlechtiglich spricht: Ich verlaß alle meine gueter meiner tochter, ob
taug ein sulchs gescheft? Ich sprich nayn, wan weder von recht eines
geschefts noch von recht der setzung verlaß er. Ob aber einer sprech: A
setze ich mir zw einem erbe vnd verlaß dem alle meine gueter, den so
taug das gescheft, wen von recht der setzung werden gesehen die gueter
verlassen sein. Es wirt gefragt, einer hot gehebt vil weyber vnd aus
jedlicher kind geborn, wie wirt er die setzen? Ich sprich, in
veterlichen guetern alle die kinder gleichlich gesetzt werden, aber in
muterlichen guetern nacherb ein
| Seite 345| jedlicher der muter vnd
herwidervmb von dem eeweib, die gehat hot vil manne. Wan ob der man vnd
das weib die gueter miteynander erarbeit oder haben kauft von den
guetern, so werden bayde kinder gesetzt allein. Auch mag beuelhen der
schaffer dem glauben eins andern seins geschefts machung ... doch begere
ich, das dem ader dem das vor den andern werd geschafft.
... Die nachsetzunge ist die nachuolgende oder anderlich vnd
| Seite 346| vnderschiedlich setzung. Die setzunge helt inne in sich die
nachsetzunge. Des ein exempel: .N. meinen sun setz ich erben vnd ob er
nit erb wirt, wen warvmb er wirt fuerkommen mit dem tod oder wan er nit
will die erbschaft annemen, den sol erb sein .M. Es wirt aber gesprochen
ich nachsetz als ob er sprech vnder ader nach einen andern setz ich. Der
nachsetzung sein etlich vberzwerch, etlich gerehen. Die vberzwerch ist,
durch welche einer nymb die erbschaft, so ein ander entzwussen ist, als
also: .N. setz ich mir zw einem erben, aber ich bitt in durch
glaubenbeuelch, das er so bald angenommen ist, die erbschaft widergeb
dem .M., meinem sun. Die g[e]rehen nachsetzunge ist, durch welcher ainer
nymbt die erbschaft, so kain ander derzwyschen
| Seite 347| ist, als
also den .N. setze ich mir zw einem erben vnd ob er nit erb wirt, als ob
er vor angenommener erbschaft gestorben ist, den so sal sein der .M.
erb. Und die gerehen wirt geta(i)lt in vier gestalt. Wan es ist aine
gemaine, die ander waysenlich,die ander ebenbildlich, die ander ein
kurtzredeliche. Die gemain ist, welche einen jedlichen von dem volk oder
aus dem volk geschehen mag durch leugenberliche wort, als ein exempel:
.N. setz ich mir zw einem erben vnd ob er nit wurd erb, den so sol erb
sein der .M. Die waysenliche ist, welche geschicht durch bestetbarliche
wort von dem waysenlichen alter vnd nit von den vierzehenjerigen, als:
.N. meinen sun vnder vierzehen jarn setz ich mir ein erben vnd ob er in
waysenlichen alter
| Seite 348| wirt sterben, den so nachsetze ich im
.C., meinen sun oder meinen enkel. Die ebenbildlich nachsetzung
geschicht von jedem vater oder muter dem sun gesunds gemuets oder einem
tobsuchtigen oder gefangen gemuets wesenden in gewaltsamkayt vnd nit
wesenden, vierzehen jar alt oder mer. Doch ob der vnder vierzehen jaren
werd tobsuchtig, den so wirt im versehen durch die waysenliche
nachsetzunge als einen waysen, nit durch freysagung oder ledigsagung von
väterlichem gewalt, als einen tobsuchtigen, das es sey ee dem alter den
der blodikait geraten zw werden. Auch sol der verschaffer dem
tobsuchtigen etlich bestymte person nachsetzen. Wan ob der tobsuchtige
kinder hot, dieselben wirt er im zum ersten nachsetzen. Ob er nit kinder
| Seite 349| hot, den so wirt er im sein bruder nachsetzen. Ob er
weder kinder noch brueder hot, den so nachsetzt er, welche er will, als
.M. mein blödigen sun nachsetz ich mir zw einem erben vnd ob er stirbt,
ee er gesund wirt, den .M. sein sun wirt erb vnd ob er den sun nit hot,
den so sei .H. ... erb vnd ob er nit hot ein brueder, den so nachsetz
ich im .T. seinen vettern oder einen andern. Die nachsatzung kurtzredig
die ist, welche mit kurtzen worten vil begreyft, wie also: .N. vnd .M.,
mein sun, .B. vnd .M., mein tochter, setz ich mit zw erben vnd die
nachsetz ich aneinander, als wen geschicht vor den vierzehen jarn, das
die alle gestorben sein, den .A. vnd .B., mein brueder, nachsetz ich
inen.
| Seite 350| Doch haben vnderschayd die nachsetzungen all in dem,
wan die gemain beschicht von einem jedlichen verschaffer vnd beschicht
einen jedlichen, er sey erb oder auswendiger, aber die wayslich
geschicht von dem eynigen vater dem eynigen vnder vierzehenjerigen sun
vnder dem gewalt wesenden. Die ebenpildlich ... von jedem vater vnd
muter dem tobsuchtigen sun oder dem kranken seins gemuets. Aber die
kurtzredige begreyft in ir alle die nachsetzunge kurtzlich.
Ein knab nach vierzehen jarn, ein frau nach zwelf jarn in zeit sundes
gemuets, wiewol die sein krank leibs, doch mügen sie machen gescheft, ja
warlich ir
| Seite 351| vater vnd muter oder ir nachgewandten mugen
gescheft machen fuer sie, ob sie zw vil aynfeltig sein aus der
natur.
Die volstrecker sullen das gescheft iner ainen jar volstrecken, nur es
sey ein rechtliche wrsach, die das verhindere. Ob sie das nit thuen
wurden gemand von dem richter, ob die erben sein volstrecker, so
verliren sie die erbschaft, ob sie sein den geschafft ist, so verliren
sie die geschafften gueter, ob sie auswendig sein, sullen sie bezalen
alle scheden aus der saumbnus oder verzihung enstanden. ob aber die
volstrecker die geschafften gueter haben verzert, so werden sie die
widergeben vierfeltiglich vnd ob sie die widerzugeben
| Seite 352| nit
haben, so werden sie vervnleumbt oder sie werden gestossen ewiglich in
einen kerker. Ob aber die erben sich nit wellen von der volstreckung
vndersteen, noch die erbschaft vater vnd muter annemen, den so verzymbt
den comissarien vnd den geschafft ist oder der furstlichen schatzkamer
sich vndersteen also, das das gescheft des gestorben volbracht werde.
Vnd darvmb so souil vnd grossen nacherbungen kombt, das nit verterbe der
letzt will des schaffers.
Eyner wirt gnant vngeschefft gesturben in vier maß.
| Seite 353| Zum
ersten ob er gar kain testament hot gemacht, oder darvmb das er nit hot
geweld oder darvmb das er nit hot gemugt oder wan er mit dem tod
furkommen ist oder darvmb das er ein haussun oder tobsuchtig ist, wan
die, ob sie welten gescheft machen, mugen sie nit. Zum andern ob einer
nit von recht hot ein gescheft gemacht, wan er hot gemangelt der
loblichkayt vnd zal der zeugen vnd sigillen oder vnderschreybungen. Zum
dritten ob er von recht hot gemacht ein gescheft, das einer gemacht hot,
zerstört vnd vnkreftigt. Zerstört durch geberung eins kindes nach dem
todes eines vaters oder durch annemung (oder auch zwwunschung) eines
kindes, vnkreftiget (oder vernichtiget) durch verbietung einer statt es
sey durch des verschaffers
| Seite 354| oder durch klag eins vnguetigen
oder wider die tafeln oder wider die zerschneiden durch den pretor (zw
rom oder einen richter.) Zum vierten ob aus dem gescheft kain erb ist
gesetzt, welche setzunge ist ein grundvest aller gescheft. Bey dem saltu
merken das die erbschaften aller gescheft zum ersten an sein erben
gehoren. (Ob) aber [sein] erben (nit verhanden sein oder) geschetzt
werden, welche aus rechtlicher ee geborn werden vnd welche in dem gewalt
des sterbenden sein, als ein sun, ein tochter, ein enkel, ein enkelin,
eins enkels oder enkelin kind etz. Es irrt auch nit, ob die inen sein
naturliche oder zwgewunschte oder geelicht, wen alle die ir gerechtikait
... gewynnen vater vnd muter, des
| Seite 355| nacherbens halben doch
anders vnd anders.
So die ding vorgemerkt sein zw der matery der nachkommen der erbschaften
von vngeschafften verlassen aller kurtzlich ist muet haben zw kommen,
setz ich ein sulche vnderscheid: Der sterbend vngeschafft ist eintweders
ein priester oder ein ley. Ob er ist ein priester, eintweder er hot
gueter von wegen der kirchen gewunnen, in den erbt nymand, den nur die
kirch. Oder er hot gueter von wegen seiner person gewunnen, also aus
veterlichem erb oder freuntschaft oder aus einem hantwerk oder dienst
oder arb[e]t, in denen nacherben
| Seite 356| im seine geborne freund,
als er inen auch nacherb, vnd das soltu versteen von den weltlichen
priestern. Aber die klosterleut vnd alle gehorsam, die erben nit noch
inen wirt nit nach geerbt.
Ob ein vnverschafft sterbender ist ein lay, den so hot er eintweders
verlassen sun vnd tochter mit einander oder sun allein oder töchter
allein. Die all werden zw nacherbung der erbschaft des gestorben mit
glaichen taylen zwgelassen,
| Seite 357| wan sie sein in der selbigen
syp, wan in newen rechten ist kain vnderschid zwischen dem man vnd der
frawen der nacherbung halb der erbschaften. Von altem rechten dieweil
die man verhanden sein gewesen, haben die frawen kein recht gehebt in
väterlichen erbgueter. Ob aber der vnverschafft ho[t] verlassen einen
sun vnd aus dem andern sun enkel oder enkelin, so werden die miteinander
berueft vnd nit welcher ein syp neher ist, ausschleust den weytern, wan
es ist fast gerecht, das ein enkel oder enkelin an seines vaters statt
erben, auch aus gleicher wrsach, ob ein enkel vnd ein enkelin wer aus
dem sun vnd dem enkel, wrenkel oder wrenkelin, werden auch die
gleicherweyß berueft. Es verzymbt
| Seite 358| sich auch die enkel vnd
die enkelin vnd die wrenkel vnd wrenkelin an ires vaters vnd muters
statt erben. Es ist zymlich getailt werden die erbschaft nit in die
haupter sunder in die stangen. Ob ich verlasse einen sun lebentigen vnd
aus dem andern gesturben sun vil enkeln, die enkel all haben den halben
tail der erbschaft, den ir vater hett gehat. Und ob aus [m]einem sun ein
enkel ist, aber von dem andern sun zwen oder drey, den so wirt der ein
enkel nemen den halben tayl, aber die andern nit mer dan ir einer het
aufgehebt, als den halbenteil. Item ob ein sun oder enkel verhanden ist,
aus dem ander tail ein wrenkel oder wrwrenkel, noch sol die erbschaft
des gestorben getailt werden gleichlich vnder inen, wiewol sie seind
mancherlay syp vnderschiden, wen der nachkomend
| Seite 359| absteygend
erb vnd der forder alweg des vaters tayl werden haben. Item ob ein sun
verhanden ist vnd aus dem selbigen sun ein enkel oder ein wrenkel, den
die sun in guetern vaters vnd muter nacherb gantz ausgeschlossen all
weyter syppen, wan die weil der sun lebendig ist, so erben nit die
weytern syppen. Des selben rechtens ist, ob ein wrwrenkel oder enkelin
aus dem selbigen sun verhanden ist, wan der eher grad oder syp
ausschleust die nachgeenden. Und merk das sein erben (das ist alle sun)
die andern in der erbung der erbschaften vorgeen. Aber die narren,
kinder vnd tobsuchtigen, die werden bald in dem tode irer vater vnd
muter ir erben von recht vnd wirt nit erfordert die gewaltsamkait der
pfleger noch der wil des gerhaben,
| Seite 360| wan der mangel der
vernunft schat in nit. Aber die posthumi bald, als sie geborn werden,
sein sie erben, doch ob sie stym ausgelassen haben vnd meerwunder nit
sein vnd mugent nit wider enterbt werden noch fuergangen, wan sie haben
kain wrsach der vndankbarkait. Aber die kinder aus gerechter wrsach
enterbt haben nicht rechtens in der erbschaft irer väter vnd müter, wan
sie haben verschuldt, ja verwar sie nacherben nit dem äne durch die
väterliche sund. So aber ir vater gestorben ist, vallen sie wider in
gewalt ires änes, also zw jungst nacherben sie dem äne. Die ledig
gesagten kinder von väterlichem gewalt werden aus kainen rechten zw der
nacherbunge vaters vnd muter berueft,
| Seite 361| aus dem lassen sie
vnderwegen zw sein in dem gewalt vater vnd muter. Doch haben sie vom
pretor zwen vortail. Die erst wan die guter gegeben in der ledigsagung
mügen sie werfen zw den guetern irer mitkinder, ob sie wellen, vnd
darnach anfahen mit inen zunemen gleichen tail. Die ander gnad (oder
vortail) das sie, dieweil irer mitkinder [nit] (leben oder) verhanden
sein, das sie in ir vater vnd muter gueter erben darvmb, wan sie sein
kinder, wiewol ledig gesagt. Hie soltu merken: Es begibt sich, das einer
in zeit des todes nit ist ein erb, aber darnach wirt er gemacht sein
erb, als gleicherweis als ein gefangner von den feinden, so der vater
lebend ist, vnd durch das in dienstbarkait ist bracht, jetz sein sie
diener, die do nit haben ein
| Seite 362| tail [mit] freyen sunen. Aber
nach dem tod des vaters von der gefengnus erledigt vnd widerhaymkomen
wirt er den vorigen stand der freyhet haben vnd erbt in allen
erbschaften. Dasselb recht ist von den kinder in fremden landen
vmbschwayfend vnd darnach widerkomen, das macht das recht den posthumen.
Auch darwider geschicht, das wie wol einer ist in dem gesinde des
gestorben in zeit des todes, doch so wirt er nit sein erb nach seinem
tod, gleicherweis wen der vater geurtailt ist wurden zw dem tod vmb ein
missetat, auch darvmb hot der vater nit ein erben, wan sein gedechtnis
ist verwrtailt vnd vergessung jetz vnd ewiglich gegeben, vnd also wirt
nacherben die furstlich kamer demselben. Doch mag gesagt werden, ob der
| Seite 363| sun wirt aufhören erb zw sein, doch mag nit der sun
nit sein, wan die naturlichen recht nit aufheben das burgerlich recht
durch die missetat. Hie mag gefragt werden: Ob einer wirt haben vil
eeweyber vnd hot [mit] einer jedlichen kinder gehebt, wie erben die all
in der taylung? Ich sprich, in väterlichen guetern all gleichlich erben
sie, vnderweilen nit ist vnderschaid zwyschen inen vnd ma[n]cherlay der
syppen. Wan sie sein allesambt kinder vnd in der selben syp zw gehoren
sei einander. Ob aber der vater hiet getailt gehebt seine gueter mit den
ersten kindern, die er gehat hot mit der ersten seiner eefrawen, die
dieselben weiter in väterlichen gehabten guetern vnd kunftiglich
| Seite 364| werden inne haben sie nichts des rechtens, sunder die
gueter alle zwwachsen den andern sunen oder den ander kindern, vnd also
die ersten kinder in (den andern) guetern der ander kinder in nichten
nacherben auch nit herwidervmb, auch so die sterben on gescheft. Aber
wol beyder kinder gueter werden kommen oder vallen an die andern nehern
freund. Aber in den muterlichen guetern erb ein jedlicher seiner muter
gueter. Ob aber man vnd weib miteinander gueter haben derarb[e]t oder
gewunnen oder miteinander erkauft, in denen allein ir bayder kinder
erben, die andern alle gentzlich ausgeschlossen. Aber in guetern mit
einander zuebrocht oder durch hewretguet oder durch vbergeben zwekommen
sol geschehen, als oben gesagt
| Seite 365| ist von der vbergebung vnd
von dem hewretguet. Aber es mag gefragt werden, wen ir erben an einander
erben. Ich sprich, ob zwen brueder oder zwo schwestern haben miteinander
etlich vngetailte gueter, ja auch getailte, ob ir der ein vnverschafft
stirbt, den welcher do lebt, so er nit kinder wirt haben, wirt haben die
gueter mit volkommenem recht darvmb, das er ist dem der
allernech[s]t.
Ob einer on gescheft gesturben ist verlassen bruder oder schwester,
vater vnd muter im verwandt vnd hot auch verlassen brueder vnd schwester
aus dem vater allein, den so werden vorgesetzt die brueder vnd die
schwester
| Seite 366| aus dem selbigen vater vnd muter im verwandt den
andern brudern vnd schwestern aus dem vater allein in allen erbschaften
von dem gestorbenen verlassen, woher im auch die zuekommen oder gewunnen
wurden sein. Ob aber nit bruder vnd schuester verhanden sein aus dem
selbigen vater vnd muter, den in den väterlichen guetern vnd in allen
guetern von dem gestorben vater zwkommen, in den selben erben brueder
vnd schuester väterlich vnd muterlich. Oder aber der vnverschafft hot
verlassen ein bruder oder ein schuester, aus einen andern brueder vnd
schuester sun, enkel oder enkelin, die all erben das [in] gleichen
tailen. Wan es billich ist,
| Seite 367| das ir jeder an statt seines
vaters oder muter erb. Ob aber ein bruder were vnd aus dem selbigen
bruder ein sun oder enkel, den wirt fuergesetzt der bruder allen
absteygenden von in, das ist in der erbschaft, vnd ausschleust die
gentzlich, wan er ist dem gestorben der neher, ja dieweil er lebt, erben
alle die von in absteygen in nichten. Die weil die bruder vnd schuester
vnd absteygend von inen nit sein, den nach der gewonheit des lands der
vetter oder die pas, der öhem oder die mahem in allen verlassen guetern
[erben]. Aber so sie nit verhanden sein, den so erben die sun vnd enkel
vnd enkelin an stat irer vater vnd muter. Und du solt merken das nach
| Seite 368| dem kayserlichen rechten, wen noch sein brueder oder
schwester mitsamb dem vater oder muter des gestorben, den so werden zw
gelassen die in gleichen tailen zw der nachkommung der erbschaft des
gestorben, vnd billich, wan gentzlich sein sie in gleicher syp dem
gestorben, auch wan vielleicht die erbschaften des gestorben von vater
vnd muter des gestorben diesen vnd nit von andern an den gestorben sein
geuallen. Ja warlich ist es nit ein mitlautend ding dem rechten, das die
vettern, die pasen, die öhem vnd die mahmen die vater vnd muter des
gestorben in der erbschaft vorgeen oder ausschliessen, wan sie von den
guetern derselben an den gestorben sein kommen vnd wan sie sein die
weytern an der syp von dem gestorben den ir vater vnd muter.
| Seite 369|
Ob der vngeschafft gestorben verlast allein vater vnd muter oder sie
bayde mitsambt seinen brudern vnd schwestern, die all werden aus
gleichen tailen zw der nacherbung der erbschaft des gestorben ... Auch
den bruedern vnd schwestern vnd iren absteygenden nit wesenden, den so
wirt zwgelassen vater vnd muter, ausgeschlossen den änen vnd änyn vnd
alle ander aufsteygend, zw der erbschaft des gestorben suns, wan es ein
zymlich ding ist, so die absteygenden vnd von der seyten freund nit sein
die erbschaft zwtailt zw werden in haupter.
| Seite 370| Genera, das
ist vater vnd muter. Ob aber vater vnd muter nit verhanden sein, den so
werden zwgelassen die sun neher an der syp der aufsteygenden vaterliche
vnd muterliche, also das den väterlichen ein halber tail vnd den
muterlichen der ander halbtail gegeben wirt, wie wol vngleich sey ir
zal, wen sie eins sein in der selben syp. Sunst welcher dem gestorben
der neher ist, er sey väterlich oder müterlich, sol zwgelassen werden.
Aber es wirt gnant der neher, zwyschen welchem vnd dem gestorben ist
kainer dazwyschen.
Wen bruch ist das eelich kind der aufsteygenden vnd der absteygenden vnd
der von den seyten,
| Seite 371| den so erbt das weib dem
vnverschafften man in guetern durch in gewunnen des brauchs halben; aber
die aygenschaft gehort zw der furstlichen schatzkamer. Aber in guetern
durch man vnd weib gewunnen oder erarbet oder zwwegen bracht oder
gekauft, so kinder nit verhanden sein vnd gesturben ist der man on
gescheft, so verordnet das weib die gueter nach irem willen. So aber
kinder verhanden sein vnd das eelich weib, so erben die in gleichen
taylen. Wan die gewonheit inne helt, das das weib der gueter allein den
brauch sol haben, nit die aygenschaft, des nur gesehen wirt vast ein
vngehort ding, das kain erb von wegen des gestorben in den nur die
schatzkamer, welcher kain recht in den dingen
| Seite 372| wirt gesehen
haben darvmb das das weib mit irem manne die gueter mit grossen iren
arbeten miteinander haben gewunnen. Auch darvmb, wan der man vnd das
weib hetten die gueter vngetailt vnd die vngetailten gueter von einem
auf das ander vallen. Es ist billich, ob der man nit verlies recht
erben, das den das weib von dem halben tail der gueter ordnete, wie sie
welt, vnd des andern halbteils brauch zw iren tagen habe, das die
aygenschaft der gueter vnve[r]sert bleybe.
Wen das eeweib vnd alle andern erben gebruch haben, so erb der fiscus,
welcher ist der letzt
| Seite 373| erb aller gueter der gantzen welt.
Und darvmb hot der romis. kayser souil vnd so gros erbschaften vnd
nacherbungen zwgelassen, das die erbschaften der vnverschafften
versturben nit zw den henden ander leut kommen, ausser der lineen der
freuntschaft des bluts.
Wie wol aus der schwagerschaft entspringt eine besundre angehorung
kommend aus vermischung leyblicher werk des mannes vnd des weibs, doch
die schweger (gnant affines) in nichten nacherben dem gestorben an
gescheft, wan sie nit sein von dem bluet des vnverschafften. Wan alle
nacherbung ist aus angeborner freuntschaft ausgenommen
| Seite 374| die
vneelichen gebornen, als dan sein bankart, wie wol die sein von dem blut
des vnverschafften, auch vnderweilen irer sun, doch nach gewanhayt de[s]
vaterlands erben sie in nichten, nur sie werden eelich gemacht, so erben
sie dennoch dieweil die eelichen erben verhanden sein in nichten darvmb,
das sie fuer erben nit gehalden werden. Von der erbschaft aber der
vneelichen sun oder kinder nit naturlichen, das ist der zwegewunschten,
setz ich hie nichts, wan das ist [nit] von der gewonhait vnsers
lands.
Es ist oben gesehen von der zwgehorung
| Seite 375| aus angeborner
freundschaft, fuerbas ist zw sehen von der zwgehorung aus der
schwagerschaft. Bey dem soltu merken: Was sey cognacio, was grad ist,
was linea, was der baum werde formiret vnd zw jungst von den regeln,
durch welche die grad werden erkant. Die cognati sein die nechsten von
der muter absteygend, aber die agnati von dem vater. Doch ist heut kain
vnderschaid zwyschen in der nacherbung halb, als auch nit zwyschen den
mannen vnd den frawen. Darvmb dasselb recht, das do hot eins, hot auch
das ander. Gradus ist ein haltung die weytung der person, aus der wirt
... gnent gradus zw gleichnus der staffeln der laytern, an denen wir von
ainer staffel zw der andern aufsteygen vnd absteygen
| Seite 376| von
dem nehern zw dem nehern. Die linea ist ein samlung der personen von dem
selbigen stammen absteygende die grad (oder syp) der zwgehorenden vnd
die zalen vnderschaydend. Der baum der freuntschaft wirt also formirt.
Zum ersten vber die lere zell werden gesetzt die aufsteygenden, darnach
vnder den [die] absteygenden vnd von der seiten die seyten erben. Und du
solt merken ... ist ... bliben darvmb, das sie nit hot mugen haben an
eygen namen, aber die andern zellen nemen ein namen von der ... Wan wie
mag ich die zell nennen anders, dan welche wir sagen (oder nennen) den
sun oder die tochter des vaters oder ein bruder des bruders ....? Wan
aber dy warhayt wirt
| Seite 377| mer von dem sichtbarlichen glauben,
dan durch die orn dem gemut der menschen eingesteck, darvmb von wrsach
der kurtze sullen sie ein lere der volkommen syppen disem kegenwurtigen
buech einschreyben ich gewelt hab, das die lernenden mit sichtbarlichem
glauben lernen. Und das saltu merken das ein person zwgelegt einer
person durch des weibs zwfuegung albeg ein staffel zulegt. Darvmb zu
setzen zwyschen ir die weyte saltu nemen die maysterliche regel: Wie vil
sein person, zwyschen welchen gefragt wirt, gerayt entzwyschen eine
ausgenommen, so vil sein syppen vnder in. Darvmb ab du wilt wissen, wie
vil ... wrwran von dem vater, einen gerayt vnd auch die entzwys[ch]en
den so sein funf personen, soltu ausnemen
| Seite 378| einen, so werd
vier sypp. Also dasselbig sag ich von dem .P. zw wrwrenkel, wan es wirt
in der selbigen maß ... Ob du wilt wissen, wie vil rveret der wrwren .P.
vom wrwrenkel, so wirt du finden newn person, dem .P. gerayt vnd do
werden acht sypp. Und du solt wissen, wen der .P. hat nit sein gantze
raytung in dem paum, wan ein jedlicher hot zway .., fuer äne, acht
wräne, sechzehen wrwräne vnd also albegen zwifeltiglich aufsteygend,
darvmb wer es vnmuglich gwesen souil person gesetzt werden in dem
selbigen baum.
Die besitzung der gueter was die sey, wie vil sein erbschaften, warvmb
der kayser Augustus hot souil erben gemacht gehebt,
| Seite 379| wen
vnd wie sol begert werden die erbschaft der gueter. Zum ersten die
besytzung der gueter ist ein recht zw begern, nachzukomen, zu inhalten
das väterlich erbguet, ob stirbt der, welches gewesen ist. Sechs sein
sypp der erbunge in besytzungen der gueter. Zum ersten werden ir erben,
sie sein vierzehenjerig oder darvnder, vernunftig oder verkunnend,
kinder oder muters kinder vnd auch die posthumi, (als die geborn werden
nach dem tod ires vaters). Zum andern die eelichen, die zwgewunschten
vnd lediggesagten von dem gewalt ires vaters. Zum [dritten] die
aufsteygenden. Zum vierden die freund zw der seyten. Zum funften der man
dem weib wirt zwgelassen vnd herwidervmb.
| Seite 380| Zum sechsten
nacherbt die kayserlich schatzkamer. Der kayser Augustus hot zwgelassen
souil vnd so grosse erbschaften, das einer nit sturbe on nachkomen
kindern. ... Vater vnd muter, die naturlichen auch die zwgewunschten in
begert zw werden der gueter besytzung ein zeit des jars hot er geben,
den andern hundert tag hot gegeben der pretor. Und ob inner der zeit
eynicher der gueter besytzung wirt nit begern, so werden die selbigen
syppen den personen des selbigen grads zwwachsen sullen vnd ob nymand
wer derselben syp, darnach der gleichen gueter erbschafte aus dem
erblichen gebot wirt der pretor gelubd annemen, also ob der welcher
vorging aus der zal nit wer. Und die zeit hot der pretor darvmb besetzt,
das nit die klagung
| Seite 381| der gelter souil verzogen wurd vnd
auch, das einer nit leichtiglich in die besytzung der gueter zwgelassen
werd. Ob aber einer ... die verzuglichen zeit in der gueter besytzunge
im gesetzt nit erwart so lang, biß erfult werden, so werden bald
zwgelassen die andern nachkomen. Und du solt merken in welcher maß einer
begern sol die besytzung der gueter vor dem richter inner obgenannten
zeyten, der sal bald zwgelassen werden. Es auch mugen der pretor die
gueter besytzen vnd von denen ordnen, als im nutzlich gesehen wirt. Und
die ding gesagt von den nacherbungen der erbschaft, die aus gescheft vnd
vngeschafften kommen sullen gnug sein.
| Seite 382|
Von der taylung gemain gueter soltu merken, wie vil vnd welche gueter
gnant werden gemaine vnd taylberliche, zum andern welche gemain gueter
getaylt nit mugen werden, zum dritten welche gemain gueter taylen mugen.
Von dem ersten welche gueter gnant werden gemain ist auch drifeltiglich:
Zum ersten aus verschafftem, zum andern vom vnverschafften, zum dritten
von der geselschaft. Die gemainen gueter aus verschafften sein die, wen
vil menschen ein guet miteinander geschafft wirt. Die gemainen gueter
von vnverschafftem sein alle gueter, welche ainer on gescheft sterbend
seinen erben verlat. Die gueter in geselschaft gemain sein die, wen vil
| Seite 383| guter miteinander sie zusammenlegen vnd nemen werden
gleichen gewyn vnd schaden aus den selbigen. Und die, als ir gueter
durch haben zusammengelegt, also mugen sie durch sie selbs taylen, wen
sie wellen, nur ir ainer wurd sterben, den so erbt in der nechst freund
in der taylung. Die vntaylberlichen gemainen gueter sein schulden vnd
schuldbrief vnd waffen des vaters, grebnus vnd aygen khnecht. Die
gemainen gueter mugen taylen die personen vierzehen jar alt durch sich
villeicht oder mit wal aus verzeyung, nur von ersamkait oder merer
kuntschaft sie wellen zu in nemen die nechsten freund oder auswendik.
Die vnder vierzehen jarn aber haben kain recht zw taylen wider durch
sich noch durch die andern, nur die notturftikait
| Seite 384| das
erhaysche, als ob in ainer verhewret wurd. Ob aber eyniche personen
haben gemain guet, sein die vierzehenjerig, sein die andern vnder
vierzehen jarn, den so mugen die ratgeben die gueter an geuerd mit rat
der weysen hantwerker mit dem loß taylen vnd einem jedlichen der selben
taylbrief geben.
Was sei ein verenderung, welche gueter mugen verendert werden vnd welche
nit, von welchen wrsachen die gueter mugen verendert werden, welche peen
den verendernden freuelich vnd böslich (ader schalglich). Die
verenderung ist ein jedlich werk, durch das ein herrschaft des guets
verendert wirt,
| Seite 385| also is verkaufung, versetzung,
vbergebung, verwechslung, verschaffung. Aber es mugen alle gueter
verendert werden, ausgenommen die hernach geschriben. Alle gueter des
vnder vierzehenjerigen die sollen nit vnd mugen nit verendert werden,
nur da sey eine redliche wrsach. Aber es sein vierfeltige guter des
vnder vierzehenjerigen, ligende gueter, als erbschaft; varende gueter,
welche im behalten nit werden verzert, als gold vnd silber vnd sulche
geschirr; zum dritten bewegliche gueter, welche mit verlengung der zeit
nit verderben; zum vierden bewegliche gueter, [welche] in kurtze der
zeit verderben, als klayder, viech, fruchte. Item den kindlen ist
verboten verenderung der vaterlichen gueter on wissen vnd willen des
| Seite 386| vaters, wan sie haben in denen kain recht, dieweyl der
vater in leben ist. Auch mag der vater nit verendern die gueter der
kinder, welche inen von der muter oder von den nechsten freunden zw
kommen sein, wan er in denen kain recht hat der aygenschaft halben.
Gleicherweys mag der vater die nit verendern, welche die sun mit irem
vleis oder lernen oder dienst, mit ar[bei]t, mit einem hantwerk oder
vbung haben gewunnen. Item es ist verboten die verenderung eines
heuretbern oder styftlichen grunts nur es sei rechter wrsach. Es ist
aber ein heuretberlicher grunt dem eeweib zu heuretguet gegeben. Item es
ist verboten die aufgebung, verzeyung vnd verenderung des heuretguets.
Es wirt verboten die vbergebung
| Seite 387| zwyschen man vnd weib, von
welcher einer gereicht wirt vnd das ander arm wirt. Ob aber die
vbergebung gleichlich gemacht wurd, die blibe. Es ist verboten
verenderung eines guets, welchs der verschaffer im gescheft verboten hot
verandert zu werden. Aber es [ist] verboten verenderung eines krigyschen
guets wissentlich. Un[d] wirt gnent ein krigisch guet, von welches
herrschaft ein sache wirt gewbt zwyschen dem begerer der aygenschaft vnd
dem besytzer. Es ist verboten verenderung eines fremden guets on willen
des, welches ist. Item dem gelter ist verboten der pfand versetzung oder
verkaufung darvmb, das nyemant mag meer rechtens auf einen andern
bringen, den er hot. Wan der gelter hot nit seine recht das pfant
verkaufen vor
| Seite 388| der zeit vom gesatz gesetzt, nur es sei
etwas anders oder ein anders mit gedinge gesetzt. Es ist verboten
verenderung der gemain gueter, der offen gueter, der weg vnd der
strassen als oben. Aus vier wrsachen mugen sie nit verboten werden die
gueter verendert zw werden, als aus wrsach der notturft, aus wrsach des
gewyns, aus wrsach der nutzbarkait vnd aus wrsach der guetikait. Aber
die peen der geuarlichen vnd boslichen verendrenden ist vnderweil
vnleumbt, vnderweil absetzung von ainem ambt, in welchem .., vnderweyle
geschicht gantze widereinsetzung, vnderweyle ebige gefengnus.
| Seite 389|
Die beschutzungen vnd einreden vnd behelf sein von den rechten etlich zu
has, etlich zu gunst eingefurt. Dauon geschicht, das die person, fuer
welche oder von welcher wegen eingefuert sein, ... behelfen, das sie nit
schuldig sein den verbindungen der gueter, die sie gemacht haben, wiewol
ordenlichen gegeben wirt (oder geschriben), das zymlich ist zu uerzeyen
den dingen, die durch sich selbs eingefuert sein. Wan etliche sein der
beschutzung vnd behulf einer einrede, den mag nit verzigen werden vnd ob
verzigen wirt, so verhindert die verzeugnus nit, das d[e]ster mynder die
behelf der einrede
| Seite 390| darwider gesetzt mugen werden. Aber
etlich sein, in welchen verzigen mag werden vnd die gemacht verzeugnus
haft vnd die person, welche vor der verzeugnus durch die hilfen werden
behulfen, so gescheen ist, durch sie werden nit behulfen. Aber etliche
sein, welchen aus dem zw dem mag verzigen werden vnd aus welchem zu dem
nit. Darvmb von jeklichen zw sehen vnd zum ersten von denen, welchen nit
verzigen mag werden. Die Macedonisch hulf des obersten ratgeben gebuerd
dem haussun, welcher gelihen gelt genommen hot an willen des vaters vnd
nit allein gebuerd im, dieweil er ist in dem gewalt des vaters, sunder
auch, nachdem das er gewurden seines recht. Und geburd auch dem erben
des haussuns vnd seinen borgen. Die
| Seite 391| hulf, wen sie ist
eingefuert zw has den wuchrern, es mag nit verzigen werden. Die hulf der
widergebung geburd den zu jungen die gantze zeit des myndern alters vnd
auch so das geendt wirt in vier jarn aneinander, ob sie in dem myndern
betrogen sein wurden aus irer leichuertikait oder aus betrugnus ires
widersachers. Und dem behulf mag nit verzigen werden, wen aus dem mocht
betrogen werden der mynder, ob der jung sich verzigen. Die hulf, das
einer nit verurtailt werd nur souil er thun mag vnd nit darvber in
gehabten guetern, das er nit armut leid, geburd dem eeman, wen er
fuergenommen wirt von den kindern im rechten vnd geburd dem gesellen,
wen er beklagt wirt von seinen gesellen, vnd geburt dem vater, wen er
beklagt wirt von
| Seite 392| seinen sun oder tochter, so mag dem
behelf nit verzigen werden. Es ist ein besunder hulf, die do sagt, das
nit ein freyer mensch vmb fremdes gut verbunden werden, der hulf mag nit
verzigen werden, wan die verzeugnus were schedlich vnd widerwertig der
freyet. Die hulf oder die freyet des gerichts, welche geburt dem ausser
des gerichts, spricht, das der antwurter sol fuergenommen werden vnder
seinen richter, wan der klager nachuolgt dem gericht des antwurter vnd
nit der antwurter dem gericht des klagers, nur in etlichen vellen. Der
freyet des gerichts aus einem geding nit wirt verzigen, sunder zu dem,
das der antwurter muge anderswo dan in seinem gericht beklagt werden
macht, ob er verhaist zalung zu thuen, wo er sein wirt vnd begert wirt
von im, wan da
| Seite 393| ist er schuldig zalung zu thuen, wo er
fuergenommen wirt. Die hulf oder die freyheit des gerichts, welchs
geburt den priestern, spricht, das verzymbt ein priester von gemainen
rechten vnderwurfen sei dem weltlichen richter, doch mag er durch die
freyheit sich abfordern vnd sprechen, das er welt allein vor seinem
richter, als dem byschof, antwurten, der hulf von gaystlichen rechten
verzeigt er sich nit, wen warvmb sie ist eingefurt zu gunst der gantzen
priesterschaft vnd [nit] eins besundern priesters. Item die einred nit
gezelts gelts oder nit eingebens oder gegebens guts geburd vnderweylen
inner zwayen .., vnderweylen inner dreißig tagen, vnderweylen inner
ainem jar, vnderweylen inner dreu monaten. Wan nym war einer bekent, der
schulder, gestern sich
| Seite 394| gelt genummen zu haben gehebt,
welche er nit entpfangen hot gezelte, der mag darwider setzen die einred
nit gezelt gelts inner zwayen jarn von dem tag der beschehen bekantnus.
Aber der gelter, welcher bekent hot in hoffnung kunftiger zalung der
eingebung das heuretguet eingenommen haben sein schuld entpfangen von
dem schuldner, der hot die einred des nit gezelten gelts oder
heuretguets ... Die einred nit zu zusetzen ist inner einem jar nach
erledigter ee, vnd das ob die ee hot geweret [minder] dan zway jar; es
ist aber dazu zusetzen inner dreu monaten, ob die ee hot geweret merer
den zway jar aber mynder zehen jar. Und den vorgemelten einreden mag nit
verzigen werden vnd ob verzigen wirt, so verhindert die verzeigung nit,
sintemal inner den gnanten zeiten sie eingeredt muge werden.
| Seite 395| Jedoch die verzeugnus in dem ist dem antwurter nutzlich, wan ob die
verzeigung nit geschehen were, sol weysen der widersacher des
bekennenden, sich das gelt haben bezalt. Aber nachdem beschehen ist die
verzeygung, geburt sich dem bekennenden vnd dem verzeyenden weysen, das
gelt nit sein bezalt, vnd die verzeygung bekert die geburd der weyssung
auf den verzeigenden. Item das gesatz des roten vnd schwartzen codex
verbeut, das nit die burgen ader die gebieter der haymstewer geben
werden, sie verbeut auch ein burgen geben zw werden vmb das heuretguet
widergeben zu werden in zweyfel des heuretguets widerzugeben. Darvmb wie
wol etliche machen sulchen burgen verzeihen dem roten vnd dem schwartzen
titel codicis, das die burgen vnd dy
| Seite 396| gebieter oder
beuelher der heuretgueter geben werden. Doch taug nit die verzeyung, wan
geben zu werden ein sulchen burgen wirt verboten von dem gesatz, vnd das
beschicht wider das gesatz, sol nit gehalten werden fuer geschehen. So
aber das gesehen ist, sol er widerkommen zu dem fuergenommen ding.
Von den behelfen, aus welchen verzigen mag werden vnd welcher verzeyung
verhindert, das sie nit widergesetzt mug werden. Ist ein besundre hulf,
die gnant wirt: Noua constitucio im titel de pluribus reis debendis.
Welche constitucio spricht, das ob vil antwurter schuldig zu sein, das
ist vil schuldner - wan es
| Seite 397| wirt reus genent von dem guet,
das er sol - welche alle sein taugelich, das ist das sie mugen bezalen
vnd im bezalen haben die hulf der taylung, darvon mag ein jedlicher
sprechen, das er ... sich vmb seinen tail haft. Aber zu dem, das ir ein
jedlicher schuldig ist sametlich, sein zway ding notturftig, als das sie
verhayssen vnd sich verbinden sametlich vnd verzeygen der hulf, als der
newen constitucion de pluribus reis debendis. Aber die epistel kaysers
Adriani ist ein besunder gesatz, welchs hulf geburd vil burgen, die do
sagt, ob vil burgen sein taugenlich im bezalen, sulle ein jedlicher
beklagt werden vmb ein tayl in berurend, das ist vmb sein anzal. Aber zu
dem, das ein jedlicher schuldig sei, sol er verzeygen sich der freyet
sametlich
| Seite 398| vnd der epistel kaysers Adrianii. Es ist auch
ein besundre hulf der newen constitucion, das geburd den burgen, sagt,
ob der hauptsacher oder burg bayde sein gnugsam, sol vor beklagt werden
der haubtsacher, dan der burg. Aber zu dem, das der burg, wen der gelter
welle, mug beklagt werden, so wirt er sich verzeihen der hulf der newen
constitucion von den burgen. Du solt merken wen zwen oder mer
haubtsacher sich haubtsechtlich vnd sametlich verbinden, die vorgenanten
dreu verzeyungen sullen gesetzt werden in der mass, verzeyen sich des
capitels der newen constitucion vnd der hulf kaysers Adriani; wan ein
jedlicher stet fur den
| Seite 399| andern, wen er sich verbindt vber
den tayl in berurend. Die vnderschaid der vnschuld, das condicio
indebiti, spricht, ob eynicher vom anfang nit schuldiglich bezalt hot,
als darvmb wan er nit schuldig was zu bezalen, so mag er die schuld
widerbegeren, der condicion wirt verzygen. Die vnderschaid on wrsach,
verstee die condicion sine causa, spricht, ob eynicher vom anfang
verbunden on wrsach oder aus vngerechter wrsach nit schuldig sei,
derselben hulf mag verzigen weden, nur es wurd geschehen durch argen
list. Die einrede bos lists ist, ob einer spricht sich aus argen list,
das ist beschaidkait, eynichs eingefurt oder betrogen zu sein vnd
derselben einred vmb vergangen argenlist mag verzigen werden.
| Seite 400| Es ist auch ein hulf, die geburt den schulern. Wan die
schuler, welcher zu Ofen wanet, ist
vnderwurfen dem gemainen rechten des richters zw Ofen, darvmb das er wanung hot zu Ofen. Aber vmb die freyhait mag er sich abfordern vnd sagen,
das er welle vor seinem richter beklagt werden. Und mag sich der hulf
verzeygen. Auch ist ein ander hulf, die gnant wirt condicio incerti,
welchs stat halt, wen der gesetzt erb gebeten ist, erbschaft anzunemen
vnd ein bestymten tail der andern wider zu geben oder wen eynicher
gesetzt wirt ein erb vnd ob der wurd sterben on kinder, so ist im
nachgesetzt ein ander, wan welcher nachgesetzt ist, der hot recht in der
erbschaft darvmb, wen kommen ist die vnderschaid, so sol auf [in] kommen
die erbschaft. Und das sulche glaubensbeuelhung
| Seite 401| gnant
werde condicio incerti, wan es ist ungewyss, ob der nachgesetzt stirbt
on kinder. Und der vnderschaid mag sich der nachgesetzt verzeyen. Die
hulf des rechtes der pfantschaften, das ist die verbindungen, die geburd
dem eeweib in gutern ires mannes, wan alle guter sein stilliglich
verbunden dem eeweib vmb ir heuretguet. Der hulf mag sich das verzeyen,
so sich weib vnd man miteinander verheureten, ob aber zum ersten bekent
das weib, das der behelf ir geburd vnd wurd gesagt ausdrucklichen, was
darin begriffen wirt. Wan das weib sol vergewist werden von irem
rechten, wan es ist zymlich den weybern, nit wissen ire recht. Durch die
hulf vorgemelt im rechten der pfantschaft geburd auch dem gelter,
| Seite 402| ob seines schulders gueter sein im ausdrucklich oder
stilliglich verbunden. Und der hulf mag sich der gelter verzeyen. Die
hulf Vellegionii des obresten senatus consulti geburd den weybern
fuerstand thuenden, das ist sich verbinden fuer einem andern. Und sagt
die freyhait, ob das weib verborgt oder sich verbindt fuer einem andern,
das sie nit schuldig ist ordenlich. Und der hulf mag sich ein weib
verzeyen, ob sie vergewist wurd darvon. Und merk wen das weib annymbt
die pfleg ires suns vnd die än die pfleg ires enkels, sol sie sich
verzeyhen der andern hewret vnd der Vellegion senatus consulti.
| Seite 403|
Nun ist zu sehen von den dingen, von welchen zu etwa mug verzigen werden
vnd gegen etwa nit mag. Es ist ein besundere hulf der nit schuldigen,
welche geburd dem, welcher vnwissen ist kauft ein kranks viech oder
menschen oder tier vnwissentlich. Wan aus dem behelf mag klagt werden
wider den verkaufer, das er im widergeb das gelt vnd widernem das
verkauft guet. Und die widergeblich klag geburd inner sechs monaten. Es
ist auch ein ander behelf, gnant quanto minoris, die do sagt, also einer
kauft boß
| Seite 404| guet, das er nit west boß zw sein, der mag
klagen wider den verkaufenden, welcher gewest hot das guet zw sein boß,
begerend den tayl des gelts im widergegeben zu werden, das er nit het
geben gehebt, ob er gewist het, das gut schadenhaftig zu sein. Und die
hulf gebuerd inner ainem jar. Es ist auch ein ander hilf, als die
verzeygung bayder obgenanter, welcher der kaufer mag sich verzeyen, vnd
die verzeyung ist nutzlich dem verkaufer, ob der verkaufer des guts
kranckhayt oder laster hot gewist vnd das nachsetzt vnd den kaufer nit
virgewist, von wegen des argenlists von dem verkaufer begangen nit taug
die verzeyung der vorgenanten klag. Es ist auch ein andre behulf, das
einer nit berueft werde an feyertagen, welchem vnderweyle mag verzigen
werden vnderweylen
| Seite 405| nit. Wen ob die feyertag sint von wegen
des kornschnit oder weinlesen, so mag aus willen der krigenden der feyer
verzigen werden. Ob sie aber sein gefeyert in gotes ere, als die tage
der geburd christi, der ostern vnd die andern vnd die suntage, mag nit
verzigen werden. Wan warvmb aus geding ein besundern der götlichen ere
erbitung des namen gottes mag einer nit verzeyen. Und die gesagten ding
von den verzeyungen sol gnug sein.
Kurtzlich werden vns gewunnen durch siben personen: Zum ersten durch vns
selbs, zum andern durch vnser kinder, die nit ledig gesagt sein. Zum
dritten durch vnser khnecht. Zum vierden
| Seite 406| durch fremd
khnecht, welchen wir vnser gueter auf ir trew beuelhen. Zum funften in
welchem wir den fruchtbrauch haben. Zum sechsten durch die procuratores.
Zum sibenden durch mancherlay wrsach der gueter.
| Seite 407|
Nun ist verhanden nach der verhaysen ordnung in dem dritten buech zu
auslegen von den klagen. Wan aber die verbindungen sein als
vorberaytliche ding der klagen, darvmb ist am ersten zu sagen von den
selben. Was sey verbindung, wie vil ire gestalt,
| Seite 408| wie vil
mas gehandelt werde. Von dem ersten die verbindung ist ein band des
rechtes, aus welchem wir von notturftikayt wegen werden angestreng zu
etwas geben oder geschehen zu werden nach den rechten vnserer statt. Es
sein aber dreu gestalt der verbindung, als die naturliche, burgerliche
vnd sie bayd, als die naturlich vnd burgerlich miteinander. Die
naturlich verbindung ist, welche ein naturlich gleichhait in ir helt vnd
aus der allein verbindt sich man vnd weib aneinander, der vater dem sun,
der herr dem khnecht, der ways einem andern an gewaltsamkait seiner
pfleger. Vnd alle allein aus naturlicher
| Seite 409| verbindung
verbindend sein nit schuldig, wan die naturlich eynig verbindung ist
vnkreftig zw klagen allein. Aber die burgerliche verbindung ist,wen
einer mit loblichkait des rechtes ist angestreng etwas zu thuen oder zu
geben, aber die naturlich billikait last [nit] in halten. Als der ist
der bekent hot sich durch geschrift aus wrsach eines leyens gelt
eingenommen haben in hoffnung kunftiger zelung, welche er nit
entpfangen. Daruon wie wol nach dem rechten die verbindung loblichs
geschehen ist, doch die naturlich ... wil nit, das ainer schuldig sey zw
bezalen, das er nit entpfangen hot. Darvmb mag er inner zwayen jarn
derwider setzen die einred nit gezeltes geltes oder nit eingebens gelts.
Ob er inner zwayen jarn nit hot wider eingelegt die einrede, so wirt
| Seite 410| es sein schad, wan die naturlich vnd burgerlich billikait
wil alsdan, das einer im selbs verarge, das er nit gewesen im verzuge
nit begeren sein recht. Desselben rechtens ist, ob ich verkauf ein
erbschaft vnd gib brief dem kaufer vber die, eemal er mir das guet
bezalt. Darvmb soltu sehen, wan die naturliche verbindung durch sich vnd
die burgerlich durch sich ist vnkreftig zu klagen. Sunder die naturlich
vnd burgerlich verbindung miteinander ist, wen eine geschickte person zu
verbinden mit loblichkait des rechtes sich verbindt, sprechen wir die
selben schuldig zu sein, wan das [wil] die naturlich billikait vnd
burgerlichs rechtes lobsamkait vnd die ist kreftig zu klagen. Die
verbindungen der burgerlichen vnd naturlichen sein vier
| Seite 411|
gestalt: die eine ist aus dem handel, die ander aus dem nahet dem
handel, die ander aus dem malefitz, die ander aus nahet dem malefitz.
Der verbindungen, die aus einem handel geschehen, sein gleichlich vier
gestalt, wan entweders werden sie gehandelt von dem guet oder mit worten
oder mit briefen oder eynigem willen. Von welchen durch ordenunge ist zu
sagen. Die verbindung [von dem guet] wirt gemacht in vier massen, als
durch anleyung, [durch] entlehend, durch erlegt guet vnd durch gelihen
guet, als kuntbar wirt durch ordnung.
Von dem mutuo ist zu wissen: zum ersten was sei mutuum,
| Seite 412|
wannen es gnant werd mutuum, wie mutuum gemacht werd vnd welche sei die
natura mutui vnd welcher mug mutuirn, in welchen guetern bestee das
mutuum, welche klag entspringe aus dem handel mutui. Zum ersten mutuum
ist eins guts vmb das ander derselben natur vnd wielichkait gebung. Aber
es wirt gnant mutuum, das aus meinem guet wirt das dein. Es mag mutuirn
ein yeder, welcher ein handel machen mag. Durch mutuum wirt gemacht ein
verbindung mit gebung des entlehenden. Aber es wirt gemacht mutuum nit
aus eynigem geding, sunder auch entzwyschenkommung der gueter, also wen
ein bestymbt guet vmb ein vnbestymbts geben wirt, nit mynder noch mer
auch nit bessers, wan ob anders geschicht, den so wer
| Seite 413| es
ein wucher handel, wan es statt geschriben: mutuum dantes nichil inde
sperantes, (verstee den mutuum gebend nichts dauon hoffend). Die natur
mutui ist, das wie das guet gelihen wirt, das ein gleichs der selben
natur vnd guet widergeben sol werden. Mutuum besteet in sulchen guetern,
welche im gewicht, zal vnd maß sein , gleicherweis dem gold, silber,
er[z], gelt gezelt, getrayd, wein vnd öl. Du solt merken der welcher nit
schuld hot entpfangen von dem, welcher durch irrung hot bezalt, ist
wider schuldig vnd wirt geben dem bezalenden wider die schuld
entpfaenden die klag gnent condicticia accio darvmb, wan es erscheint
den mussen bezalen, als ob er hett entpfangen das mutuum. Darvmb ein
ways, ob im on des
| Seite 414| pflegers gewaltsamkait ein mitschuld
geben ist durch irrung, der ist nit schuldig aus der klag einer schuld
mer dan ausgebung eins leyens, (mutui gnant).
Aber vom comodato saltu merken: was sey comodatum vnd wannen werd es
gnant, wer mug comodiren vnd welchem, in welchen guetern es bestee,
welche sei die natur comodati, welche guter mugen comodirt werden,
welche vnderschaid sey zwyschen mutuum vnd comodatum, welche klagen
mugen ersteen aus dem handel comodati. Zum ersten comodatum ist eins
besundern guets zu einem besundern brauch ein dankbarlich machte
verleyung. ... Und ich hab gesprochen zu einem besundern brauch, das
vermerkt
| Seite 415| werd vnderschid zwyschen bethe oder precarium vnd
comodatum, wan wiewol precarium vns verlihen wirt, doch nit vmbsunst.
Ich hab gesagt gratuita, das ist dankbarlich oder vmbsunst gegeben oder
verlihen, wan ob enzwyschen kommen ist ein lon, den so wirt es gnent
locacio, (das ist ein hinleyung des guets,) nit comodacio, auch nit
herrschaft oder besytzunge des guets verwendt wirt, als geschicht im
mutuo. Aber es wirt gnant comodation als ein guet dem nutz eins
brauchenden gegeben oder verlihen. Es mag aber einer comodiren vnd im
comodirt werden alle die ding, welche ein contract machen mugen, als
gesehen ist oben. Das comodatum besteet in beweglichen guetern, als in
einem
| Seite 416| wagen, in einem pflueg vnd sich bewegenden ...
tiern, in einem menschen, roß, ochsen ... Es besteet auch in leyblichen
(die beruert mugen werden) vnd in vnleyblichen, als in dienstbarkait,
inwanung et cetera. Aber in den, welche mit brauch mugent verzert
werden, als gelt, klayder, getrayd, wein vnd ol mugen nit comodirt
werden, wan sie mugen nit widergeben werden vnd sulche, welche entlehnet
werden. Sunder darzu werd entlehnet gelt, das der reichen hoffart weyter
erzaygt werden oder auch die werk der gutikait ausgeubt werden. Auch
darzu werden gelihen den khnechten gelt, das sie von wegen der zelung an
statt des reichen darkommen. Die natur comodati ist, das das verlihen
guet gentzlich widergeben werd, wie es ist verlihen,
| Seite 417|
warlich nit von wegen eynicher schuld wirt mugen des entlehen
innegehalten werden. Wir mugen comodirn vnser gueter vnd auch fremde vns
beuolhen. Und die gueter alle sullen widergeben werden, als sie verlihen
sein wurden, ja warlich ob ein dieb oder rawber hot die klag comodati,
ob die gestolen oder verlarn gueter im gentzlich nit widergeben wurden.
Doch velt das in dreyen vellen, als ob der herre des guets mit dem
selben dieb oder rawber mit[lauf] oder ob der pretor in seinem gewalt
diebstal habend verbut oder das guet [verlihen] des, dem gelihen wirt,
were gewesen. Es [ist] drifeltige vnderschaid zwyschen dem mutuum vnd
comodatum. Zum ersten in dem mutuo wirt dasselb guet nit widergeben,
| Seite 418| sunder eins dem gleich, aber in comodato ist es darwider.
Item im mutuo aus welchem vngeuerlichem vall zukomb [wirt] albeg
widergebung erfordert. Aber im comodato der aller grösest vleis zu
behalten werden das guet verlihen wirt gesehen, das nit durch gewalt
oder durch darkomung eines grösern valles [der] gueter entleheter
gesehen wirt nit zu halten, nur aus seiner schuld der vall komme. Item
im mutuo wirt verwendt die herrschaft des guets, im comodato nit. Es
sein aber vngeuerlich vell, als brunst, schiffbrechung, schacherey,
anderer veint vberlaufung vnd val. Aber es erstend aus dem handel
comodati eine gerehen vnd widerwertige klag. Die gerehen wirt gegeben
dem leyenden vnd seinen erben wider
| Seite 419| den, welchem gelihen
ist vnd des selbigen erben; aber die widerwertige wirt gegeben widervmb.
Aber es kombt in die gerehen klag des geergerten gelihen guets
widergebung. Wan es wirt nit gesehen das [guet] wider gegeben, ob es
erger wider gegeben wirt vnd darvmb wirt gegeben das interesse. Ob aber
nit das guet wirt gegeben, den so geet er in den krieg wider den
vngehorsamen. Ob er aber nit vngehorsam ist gewesen, sunder die schuld
wrsacht, das ist veracht, wider zu geben das guet, den so sol geschatzt
werden das guet, wie vil es von der zeit der verharrung werd gewesen biß
zu der zeit des entlichen wrtails. Aber in dem gerichte gestrengs
rechtes wirt es geschatzt von zeit der verharrung biß zu der zeit des
besteten kriegs. Item es kumbt in die klag argelist vnd weyte schuld,
leychte vnd
| Seite 420| die allerleychtigist vnd das, wen es von wegen
des entpfaenden wirt gelihen, das do oft beschicht. Ob aber von wegen
des gebenden beschicht, das selten beschicht, den nit. Des ein exempel,
wen einer entlehenet seiner braut gezierd, das sie dester gezierder zu
im gefurt werde, ob die nit widergeben werden, den so wirt gegeben
argelist vnd weyte schult; ob ich leych eynichem mein roß, das er das in
meinem handel reyte. Ob aber von wegen yedes das leyen beschicht, als
wen wir einem ... freund schicken vnd du host entpfangen die sorg des
guets, aber ich hab dir gelihen silbergeschirr vnd andre notturftige
ding, ob die werden verlorn, so bistu mir schuldig von dem argelist von
der weyten schuld vnd leychten, aber nit von der allerleychtisten.
| Seite 421| Ein exempel von dem argelist, ob du, so deine gueter
vnuerletzt dir gelihen, host verlorn. Ein exempel von der weyten schuld,
als wen ich dir hab gelihen ein roß zu einem dorf vnd du host gefuert zu
einem streyte. Ein exempel von der leichten schuld, als die gelihen
gueter host in einer kisten verschlossen, aber den schlussel hostu
vngewislich von dir gelegt oder lassen ligen. In die sache ist kain
vngeuerlicher vall kommen, nur in vier vellen, als wo die schuld geet
vor dem val, als wen ich dir ein roß hab gelihen in ein statt vnd du
host es weyter geritten. Item aus der verharrung, als wen ich dir leye
ein roß auf ein tag vnd du behelst dos auf ein monet.
| Seite 422| Item
aus der statt, als ich hab dir gelihen ein roß in das feld vnd du host
es geritten aus dem land. Item aus dem brauch, als ich hab dir gelihen
ein roß zw reyten vnd du host es gebraucht in dem pflueg oder in dem
wagen. Item aus geding, wan ich hab gedingt mit dir, das du ausserhalb
der statt nit reytest, das du gar nit host gehalten, darvmb wirstu mir
schuldig von dem schaden. Wan die hendel entpfaen die gesatzt aus der
veraynung. Aber die widerwertige klag wirt genen von dem, welchem
gelihen ist, wider den leyden das die ausgebung gescheen in gelihen
guet, doch klaine ausgebung, als die gebung der speis, zu dem gehört,
welcher zu brauchen hot entpfangen. Item das einer wissentlich hot
gelihen
| Seite 423| schadhaftige oder zerbrochne oder zerstörte vas,
vmb die ist der wein vnd das öl erstort oder ausgerunnen. Oder darvmb,
wan er vnzeitlich widerrueft das gelihen, als ob du mir host gelihen ein
vas auf ein jar vnd host das widerruf auf ein monat.
Von erlegtem guet soltu merken: was sei erlegts guet oder depositum vnd
wannen her es gnant werd, wie es gehandelt werd, in welchen guetern es
bestee, welche sei die natur des erlegten guets, wen das erlegt mag
widerbegert werden vnd wie sei sein klage, welchem geben wirt die klag,
wider welchen ... schuldig sei, aus welchen wrsachen der, wider den
erlegt ist, werde vervnleumbt.
| Seite 424| Von dem ersten sag ich: das
erlegt guet ist, welches dem glauben eynichs zu behalten gegeben ist.
Wan es wirt gemacht verbindung aus dem erlegten guet. Doch erlegt inne
haltend ist albeg die besytzung vnd die eygenschaft. Aber das veelt in
zwayen vellen, das ist in stiller oder ausdruckter veraynigung.
Ausdrucklich wirt verwendt die herrschaft eines guets, als wen ich erleg
bey dir, was ist in der zal, im gewicht vnd in der maß vnd wirt mit dir
ains, das du mir eintweders dasselbig widergebest oder souil in dem
selbigen geschlecht. Stilliklich wirt verwendt die herrschaft eines
guets, als wen ich gueter erleg bey dir nit beschlossen vnd nit
verzaychnet, wan den so wurd ich gesehen die also bey
| Seite 425| dir
erlegt haben gehebt, das du die mügest brauchen vnd souil mir in dem
geschlecht widergeben. Aber es wirt gnent depositum quasi seorsum de
positum oder von dem rucken gelegt von dem wort deponendo, das erzaigt
werd das gantz erlegt beuolhen dem glauben zu behalten, das bey im
erlegt ist. Das erlegt ist in bewglichen guetern, welche in zal, gewicht
vnd maß besteend. Vnd in guetern sich bewegenden, als in tiern. Wan
zufelliklich ist es begriffen in vnbeweglichen guetern, wen erlegt wirt
ein vnbeweglich guet, als wen ein guet in ein sequester gelegt werd, das
ist besundert werd, (wen zwen tayl darvmb rechten vnd ein wrtayl darvmb
ist gangen fuer ein tail) vnd wirt gelegt in die hende des richters.
| Seite 426| Auch ist gewonlich das erlegt guet durch hantgeschrift
geschehen, wan wen das ist nun in [ab]gewonhait kommen. Aber die natur
des erlegten guets ist, das albeg das erlegt guet widergeben werd dem
erlegenden. Das vehelt in vier vellen. Zum ersten wen einer ein schwert
offenlich erlegt vnd tobsuchtiglich wider begert. Zum andern so der
erlegend ist gesand in das elend. Zum dritten wen der dieb erlegt vnd
widerbegert vnd die begerung des rechten herren mit der begerung des
diebs mitlauft. Das vierd wen ein dieb verstolen guet bey dem erlegt,
welches das vor ist gewesen. Das erlegt gut mag widerbegert vnd
widergenommen werden, wen der erlegend wil, auch ob mit gegebner treu
der erlegend
| Seite 427| het gehaysen gehebt nit wellen widerbegern
inner einem jar, wan der wil des menschen ist wandelbar. In
widerbegerung eines erlegten guets haben nit statt wider vergleichung
noch abzygung, ja auch nit durch kostung auch nit vmb schuld sol das
erlegt innen gehalten werden. Die klag des erlegten ist guts glaubens
vnd wol beleumbt so vil, als ob etwas vngleichs geschech in erlegtem
guet, der hinder den erlegt wirt, ja auch sein erben in seinem namen
verwrtailt werden vervnleumbt. Die klag wirt geben dem, welcher erlegt,
aber das vehelt in vier vellen obgemelt. Die klag wirt gegeben einem
jedlichen erlegenden, auch einem dieb oder einem rauber nicht
verhindrend sein missetat, wan es klagen die aus einem handel, aber von
wegen einer diebstal oder raubes mügen
| Seite 428| sie nit klagen, das
einer nit aus seiner vnfromkayt gewynne ein klag. Es wirt gegeben die
klag wider welchen erlegt ist oder seinen erben von bosemlist des
gestorben. Und du solt merken, das in die klag kumbt argerlist, ein
weyte schult vnd die allerleychtest. Argerlist wirt verwent, als ob
deine gueter vnverserlich sein bliben, hostu verlorn das erlegt guet.
Die weyt schult wirt verwent, als ob dein guet du in einem schrein host
gelegt aber die erlegten auf einer bank host lassen ligen. Die leycht
schuld ist, wen das erlegt guet du in ein kasten host gelegt, aber den
schlussel vngeuerlich host lassen ligen.
| Seite 429| Die
allerleychtest schuld ist, wen du das erlegt guet in einem kasten host
geschlossen, aber den kasten host offen gelassen. Item es kumbt in die
klag, ob du etwas vmb die behuetung host genommen. Ob du dich von dem
erlegten guet host begeben gehebt. Item es kumbt in die klag aler
geuerlicher val in geding, verharrung, schuld, brauch vnd statt
vorgeenden. In geding, wan der handel aus veraynung hot entpfangen sein
gesatz. Aus der schuld, als wen der, hinder den gelegt ist, hot das
erlegt guet verendert vnd darnach das widervmb gekauft vnd in erlegten
das wider gehabt hot, wie wol den das laster der verendrung durch die
widerkaufung abgewyscht wirt, doch der vngeuerlich val, ob der
geschicht, nit aufgehebt wirt. Darvmb welcher
| Seite 430| eins boeß,
der wirt albeg boeß verwendt. Aus der verharrung, als wen der, hinder
den erlegt ist, nit hot widergeben ... das erlegt guet ... ers schuldig
ist von dem [vn]vall. Doch sprechen etlich, das war zu sein, ob das guet
sunst nit wer verdurben gewesen wurden, sunst ist es ein anders. Die
andern sprechen, dem vnder dem erlegt ist vnd einen jedlichen schulder
schuldig sein aus verharrung, wan es genug ist, das das guet nit hot
mügen verderben bey dem klager. Item der behalter des guets, ob von
seinen wegen ist das guet erlegt wurden, so ist er schuldig von dem
vnvall. Aus dem brauch wirt einer schuldig, als wen ich dir gelihen hab
ein roß zu einem dorf zu reyten vnd du host es gefuert die ecker zw
bawen in dein pflüege.
| Seite 431| Aus der statt ist einer schuldig,
als ich hab dir gelihen das ein erlegts guet in einer statt zw brauchen
vnd du bist vergezogen vnd host mancherlay guet aus der feind anlauf
verlorn. Und merk das der verwrtailt aus der klag wirt vervnleumbt
gemacht. Wan vier klagen aus handel herkommend vnd vier aus missetat
vervnleumen. Aus den handel, als die verwrtailten des eins erlegten,
eins gewalts, einer pfleg vnd fuer ein gesellen. Aus den missetaten, als
der vnrechten, aus vnrechtem gewalt der rauber der gueter, einer
diebstal vnd arges lists. Unde Versus:
Judice dampnatos infames
reddit ubique
Quod vi diripitur injuria furti dolique
Accio
mandati, tutele depositique
Directo, sed pro socio communis utrique.
| Seite 432|
Von dem gelihnen: was sei gelihens (oder geltschuld, gnant creditum, was
es sei vnd) von wannen es gnant werde, wievil sein gestalt, warvmb es
gehandelt werde oder wie, warzu der gelter schuldig sei, von weswegen es
gelihen sey. Von dem ersten ist zu wissen, das alles gelihen gelt ist
ein guet, welches einer dem andern leyhet. Und wirt gnant von dem wort
credo, das ist getrau oder glaub. Aber zuo gestalt sein des gelihen, als
on pfand vnd mit pfand. Der leyher, welcher entpfangen hot ein pfand,
der wirt widervmb verbunden. Der leyher ist schuldig von dem selbigen
guet, welches er zu
| Seite 433| pfand hot genommen, wider gegeben zw
werden aus pfendlicher klag; wirt verwandelt aber die on willen des
schuldners oder sie aus seiner schuld wirt verlirn, nach schetzung des
schuldner wirt im bezalen. Wan aber das pfand von ir jedes wegen gegeben
wirt, als des schuldners, des merern halb im gelt wer gelihen wurden vnd
auch des leyhers, das dester mer sicher weren die gelihen gueter
desselbigen, darvmb so mag genugsam sein, das zu derselbigen behaltung
des verpfendt guet der leyher seinen hochsten vleis beweyse. Welchen
wirt er beweysen vnd treulichen geben vnd wirt aus einem vngeuerlichen
vall das guet verliren vnd ob er das wirt weysen, sagen in sicher von
widergebung des verpfendten guts zw sein vnd
| Seite 434| nichsts
dester mynder wirt er mugen sein schuld von dem schulder gentzlich
erfordern.
Wan aber meldung geschehen ist in verbindung des gelihen von einem
pfand, darvmb ist zu sehen von dem pfanden, bey dem soltu merken: was
sei ein pfand, wannen es gnent werde, wie eins pfands verbindung (oder
versetzung) gemacht werde vnd wie vilfeltig sei ein pfand, welches guet
müge verpfendt werden vnd welches nit, warzu gegeben werd das pfand,
warzu der entpfaer des pfands schuldig sei, wie lang das pfand behalten
sol werden. Von dem ersten das pfand ist ein verbunden guet für ein
schuld zw sicherhayt des leyhers. Es wirt aber gnant ein pfand
| Seite 435| ein beweglich guet einem andern verbunden, als mit pfand
vnd mund eingeben. Das pfand wirt gemacht zwayerlay maß, als
ausgedrucklich vnd stilliklich. Stilliklich, als die gueter des eemans
sein seinem weyb vmb das hewretguet stilliklich verbunden. Und die
gueter eines pflegers sein dem waysen gleicherweys stilliklich
verbunden. Und die gueter eins bestellers eins haus eingefuert vnd
eingetragen sein stilliklich vmb die zyns verbunden vnd seine gueter,
welche[r] mit dem fisco gehandelt, wirt sein dem fisco stilliklich
verbunden vnd die gueter des nit beruften khnechtes im rechten. Aber das
pfand wirt gemacht gemayniklich vnd besunderlich. Gemayniklich, als wen
ainer alle seine gueter zw pfand versetzt,
| Seite 436| in welchem vall
werden verstanden die gehabten vnd kunftiglich gehabte gueter.
Besunderlichen, als wen versetzt wirt ein acker, ein weingart, ein roß,
ein rock, ein mantel et cetera. Aber drifeltig ist ein pfand, eins ist
gedinglich oder fuernemlich im rechten, das ander pretoris, das ditt
gerichtlich. Das gedinglich pfand ist, welchs aus dem geschicht hot
entpfangen den namen. Das pretorisch pfand wirt gesetzt durch setzung in
besytzung. Das gerichtlich pfand ist, welchs durch das ortel des
richters behabt wirt. Es mugen zw pfand werden alle gueter, welche
verkauft mugen werden. Wen es mugen verbunden werden alle gueter,
| Seite 437| gegenwurtige vnd kunftige vnd die hangenden frücht, die
geburden der leybeygen diernen vnd die frucht der (schwein oder) tiere
vnd alle die, welche geborn werden vnd die leybliche vnd vnleybliche
gueter, die personlichen dienstbarkayten, die dienstbarkayten von
ligenden guetern, die fruchtbreuch vnd die bawernliche dienstbarkait.
Aber die recht der ligenden zymmerlichen gueter mugen nit verpfend
werden darvmb, das nit mit verkerung des brauchs der brauchenden die
zymmer erstört werden. Es mügen nit verpfend werden die hayligen gueter
(oder die geweichten), ein freyer mensch, nur in obgenanten vellen. Doch
ein freyer verwilligender mag gesetzt werden in obstagio, gnant zy
geysel, nit vmb gelt. sunder von gemachs wegen des frids vnd dergleichen
wrsach.
| Seite 438| Der geber eines pfands ist schuldig zw bezalen die
schuld, auch ob das pfand vertirbt on schuld.., nur es sei gedingt, das
die verlirung des pfands erlöse den schuldner. Der schuldner ist
schuldig zw bezalen die kostung im pfand von dem gelter mit guetem
glauben geschehen als die hauptschuld, nur sie weren vnmeslich. Sunder
das verpfendt guet einem andern nit sol verpfendt werden, anders er mag
verklagt werden aus der missetat stellionatus, (verstee ein vbergrosse
missetat wirt mugen verklagt werden), nur es sei ein sulchs guet, welchs
ir jedem genug ist. Ein schuldner, der wissend ist, das guet fremd zu
sein vnd hot on des selbigen herren willen versetzt dasselbige oder das
versetzt guet durch sich selbs verbunden hot
| Seite 439| verzert, ist
vnderwurfen der missetat stellionatus. Aber der gelter, so die gantze
schuld bezalt ist, wirt er schuldig das pfand wider zu geben. Ich hab
gesprochen gentzlich, wan fuer ein tayl der schuld wirt bleyben das
gantze pfand dem gelter vnd ist schuldig widerzugeben das pfand nit
anderswo verpfendt auch nit geergert. Item vnderweylen wirt gangen von
einem handel des pfands zu dem handel des kaufs vnd das ist gentzlich
wuechrich, als wen der gelter sagt dem schuldner, ob du nit wirst
erlosen das pfand an einem sulchen oder sulchen tag, den so sol es sein
als mein erkauft guet. Wan es wirt verwent ein vnzymlicher handel ein
jedlicher, in welchem die peen zugeworfen wirt, welche die rechte maß
der wuchere vbergeet. Als also: ich verbind mich dir mein
| Seite 440|
haus vmb zehen lb., welches wert ist zwanzig lb., mit sulchem geding, ob
ich das nit wider erlöse an sulchen tage, das es dein sey. Darvmb ist
das pfand zwyfeltig, als beweglich vnd vnbeweglich. Das beweglich ist
auch zwyfach, wan etlichs ist sich selbs bewegent, als alle essende
tier, welche behalten werden zu einem pfand bis in den dritten tag
völliglich. Aber das pfand sich selbs nit bewegent, sunder von einem
andern wirt bewegt, als wein, öl, getrayd et cetera, das sol vierzehen
tage behalten werden in pfand. Aber das vnbeweglich pfand sol sechs
wochen behalten werden, darnach mit guetem gewissen verkauft werden.
| Seite 441| Also sullen die pfand nit andern verbunden werden noch
vbergeben, sunder verkauft werden. Vnd darvmb, wan ob in der verkaufung
etwas bleibt vber das haubtguet, das sol geben werden dem, welches das
guet ist gewesen. Ob aber mangeln wirt, den so sol der gelter klagen zu
erfullung, [wan] also ist ausgenommen, sunst nit, wan ob einer ein boß
pfand von einem nymbt, so wirt der schad sein vnd wirt nit klagen zu der
erfullung. Und merk ob einer ein pfand williglich gibt oder bezwungen in
gericht, so sol noch albegen vor des verkaufung im durch den diener des
richters verkundt werden, ob ers wil widerlösen oder nit; ob er den nit
wil widererlösen, den so wirt es gerechtiglich vnd zymlich verkauft.
| Seite 442|
Wie wirt die verhaysung gemacht, wie vil klagen aus ir entspringen, in
wie vil massen geschech ein verhaysung, von zwayen oder von mer
verhaysungen, wie vil sein gestalt der verheysung oder der gelubd
annemen, welche gueter mugen angelubd werden, von den vnnutzlichen (oder
vnzymlichen) gelubdannemungen, warvmb sein gelubdannemungen, das ist
verhaysen erfunden vnd wan die verbindung wirt gehandelt in vil massen,
als in verhaysung, verborgung, geding vnd zulegung, vnd von denen allen
ist zu sehen in den nachgeenden handeln. Mit worten wirt gemacht ein
verbindung aus vorgeender frag vnd nachgeender antwort, als wen
| Seite 443| wir etwas gegeben oder geschehen vns annemen also
sprechende: Du verhayscht mir durch dein treu zugeben zehen guld, vnd
der ander spricht: ich verhayß durch mein trew; da wirt bald ein
verbindung. Aus der verhaysung entspringen (zwo verhaysungen, verstee)
zwo klagen, eine condicio certi, ob es gewysse ding innenhelt (oder
bestymbt), die ander condicio incerti, ob sie zweyfel innenhelt. Aber in
dreyen massen geschicht verhaysung: entweders lauterlich oder auf einen
tag oder mit einer vnderschaid. Lauter oder schlechtlich geschicht sie,
gleicherweyß: du gelobst mir zu geben funf guld, vnd der spricht: ich
verhayß ...
| Seite 444| $... so wirt das bald ein schuld, aber es mag
nit begert werden, eemal der gantze tag der verhaysung vergeet. Doch
vehelt das, ob der schuldner ist fluchtig oder seine guter vnzymliche
verzert oder verschuld die statt vnd ob geöffnet werden seine gueter.
Wan den alsbald mag er begern vnd bezeugen vnd verbiten. Dasselb ist, ob
er stirbt kainen erben verlassen. Aber wie, ob etliche andern vorige
schuldner begeren dir schulden in gericht? Ich sprech, welcher der erst
ist [im] verbot, der ist der eher in bezalung. Aber wider das ist gemain
regel: Welcher der eher ist in der zeit, der ist der eher im rechten.
| Seite 445| [Wir] antwurten, das das wirt gegeben der gewonhait
der land. Aber es ist gewonhait den Venedigern, das das gantz guet des
schuldners wirt getailt vnder die gelter einem yedem nach seinem tail im
geburend, das nit einer sein gantze schuld gewint vnd der ander nichst
hab. Vnd ist eine guete gewonhayt. Es beschicht verhaysung mit
vnderschaid oder gelubdannemung, gleicherweys: wan ob der wirt richter
oder ratgebe, den so gelobstu mir zu geben zehen guld, vnd der spricht:
ich glaube. Ob die vnderschaid wirt besteen, so wirt im schuldig der
gehays, ob nit, den nit. Aus der vnderschidlichen gelubdannemung allein
ist hoffnung der schuld. Ob aber ein anders beschehen were, so wirt
vernichtiget die hoffnung.
| Seite 446| Auch (saltu merken) in
verhaysungen sey wir gewont ... einverleubd werden, gleicherweis: du
verhaist mir zehen guld zu Rom zu geben? Und nit allein mag das guet
verhaysen werden, sunder auch das geschicht, gleicherweis: du verhayst
mir das zu machen? (vnd der andern spricht:) ich verhays. Wen aber zwen
oder mer einem verheysend miteinander vnd nit jedlicher durch sich selbs
vmb einich guet, den so werden alle sametlich schuldich vnd der
gehayßannemer mag die schuld von allen oder von der einem oder von
jedlichem welchem er will begere[n]. Und welcher der die schuld bezalte,
werden die ander alle ledig, es ... nichst distermynder der bezalend die
klag wider die, welche nit bezalt haben, vmb die tail sie beruerende.
| Seite 447| Das ist ware nach dem alten rechten. Aber newe recht
das will, das der gelter sol das gehays von allen begeren, ob sie
gegenwurtig sein oder ob sie leben. Und so einer, der nit sit genugsam
zu bezalen, so werden die vbrigen bezalen, ob einer were, so wirt er das
alles bezalen. Wen aber einer vilen schuldig oder verbunden ist, so wirt
er sametlich in allen schuldig, den so mag ein jedlicher das gantz
begern. Wen aber der selbigen einen von wissen der andern bezalte, so
wirt er von in allen erledigt. Ob aber einer verbunden wirt vilen
sunderlich vnd sagte einem jedlichen: ich verhays ewer zu geben oder
bezalen, das wirt nit ein verbindung, ja warlich ein andre vnd ein
andre, wan zum ersten einem, darnach einem andern.
| Seite 448| Wan
dreu sein gestalt vnd taylen der verhaysungen, als ein gerichtliche, ein
pretorische vnd ein gedingliche (oder veraynliche). Die gerichtliche
ist, welche durch wrtail eines richters gewrtailt wirt, gleicherweis ein
benüegung vom arglist, ein sicherhait von den fluchtigen khnechte nach
zu komen oder von dem gelt, das wert widerzugeben. Die pretorische
verhaysung fleust allein aus dem lautem ambt des pretorisch, gleichweis
des gedreuten schadens (vnd noch nit geschehen, verstee die klag damni
infecti) oder gescheft oder der klag edilicie oder die klag rem salvam
facere pupillo, (verstee das guet behalten machen dem waysen). Die
gedinglich ist, welche aus veraynung yedes tails wirt begriffen, welcher
sein sovil geschlechte,
| Seite 449| wievil sein gueter, von welchen
mag gehandelt werden. Alle gueter, welche der herschaft der menschen
vnderwurfen sein, mugen verhayssen werden, sie sein beweglich oder
vnbeweglich, gegenwurtige oder kunftige. Vil sein vnnutzliche
gelubdannemen aus dem, das vil sein gueter, welche in gelubdannemung vnd
verhaysung nit komen mugen. Gleicherweis die gueter, welche in natur der
gueter nit sein, als ein gestorbener mensch vnd welcher in natur der
gueter nit ist gewesen, als hippocenthaurus vnd ein ding, das in der
natur der gueter nit wirt, als chimera. Sunder nit wider sun noch mon
kommen in verhayssung, wan es vnmuglich ist sun vnd mon vns vnderworfen
werden. Item ein
| Seite 450| heyligs guet, ein gaystliches guet, ein
offens guet vnd ein guet, welches gewerb nit ist, vnd ein freyer mensch
mugen nit verhayssen werden nach schickung der menschen. Ein stum, ein
vngehorender mugen nit in gelubd angenommen werden, wan in der
gelubdannemung wirt erfordert frag vnd antwurt, welche die nit mugen
thuen. Auch der tobich mag nit verhayssen, wan er mag kain gewerb tragen
darvmb, das er nit verstat, was er wirkt. Auch nit der wayß on seins
pflegers gewaltsamkait, nur vmb die sunden des vaters oder einer gemain.
Zwyschen den abwesenden aber die verbindung der wort mag nit geschehen,
wen da wirt erfordert die rede. Auch die verbindung mag nit gemacht
werden von vnmuglicher vnderschaid wegen, als ob ich den
| Seite 451|
hymel wirt anruren, so verhayß ich dir zu geben. Item die verbindung ist
vnnutzlich, welche aus schnöder wrsach kumbt, als ob ich verhayß wellen
thuen ein todschlag oder ein diebstal. Wen es stat geschriben: in
schnoden gelubden soltu verwandlen die erkantnus vnd in schnoder
verhaysung erbrich die trew. Es ist ein vnnutzlich gelubdannemen, ob
einer den andern etwas geben oder gethan werden verhayst. Es ist ein
vnnutze verhaysung, welche geschicht durch forcht oder bosen list. Es
ist ein vnnutzliche gelubdannemung, ob einer zu dingen, zu welchen er
gefragt ist, nit antwurt oder ob du gelubd annymbst auf einen kunftigen
tag vnd der antwurt von gegenwurtiger zeit. Die gelubdannemung ist
vnnutzlich, ob du von dem gelubd annymbst,
| Seite 452| welcher deinen
rechten vnderwurfen oder herwidervmb als ein leybeygner khnecht oder ein
haussun, wan dein weib vnd dein sun werden verstanden die selben zu
sein. Nyemand ... gelubdannemen im selb nach seinem tode etwas oder
herwidervmb. Die gelubdannemungen sein erfunden darzu, das ein jedlicher
im gewyn, das im zu gehort. Und du solt merken ob einer genot wil sein
von einem gehayß ein peen, der sol dorzu setzen ein zeit derzwyschen,
wie also: du verhayst, nu du mir das geben werdest oder thuen, das du
verhayst, wirstu geben dem richter souil oder souil oder zwier
souil?
Von den borgen, [wan] dem gehayser oder dem schuldner
| Seite 453| wirt
nit getrawt, darvmb mus es sein, das er setzt borgen, darvmb ist zu
sagen von den burgen. Und zum ersten was sei ein borge, welcher müg
borge werden, fuer welchen er mug genommen werden, warzu er schuldig sei
der borgschaft vnd zu wem der, welchem er borg ist wurden, ob die
borgschaft gee auf die erben. Von dem ersten, der borge ist der, welcher
eins andern verbindung auf sein glauben aufnymbt. Hie soltu merken
wiewol der borge, der gebieter vnd der setzer nahet eins vnd dasselb
sein, doch sein sie vnderschidlich aus wrsach, wan der borge ist,
welcher durch verhaysung verbunden wirt, so der nichst destermynder
verbunden bleyben ist. Aber der gebieter (oder beuelher), welcher gebeut
dem gelter, das
| Seite 454| etwas ley auf in. Der setzer ist, welcher
sich schuldman fuer einen andern setzt. Und nach dem entspringen dreu
klag: eine ist aus borgschaft, die ander aus beuelich, die ander aus dem
gesetz. Es mugen borgen werden alle die, welche sich verbunden werden
mugen mit guetern, worten, briefen, ausgenommen die ritter, priester vnd
weyber, doch welche, ob sie borge werden, werden verbunden. Die
gaystlichen ordensleut mugen nit borg werden on gewalt irs abts, ein
korherr . Mag genommen werden ein burg fuer einen jedlichen menschen,
fuer einen waysen, vnnutzlichen guet verzerer, ein tobingen, auch feur
den, welcher durch sich selbs burge werden nit mag, als ein ways vnd
vnnutzlich guet verzerer. Und wiewol die weder naturlich noch
| Seite 455| burgerlich werden verbunden, doch ire borgen werden
schuldig kreftiglich. Es irt auch nit, das gesagt wirt, den borgen nit
muge vmb mer verbunden werden, dan der selbsacher sei verbunden. Wrsach,
wan die borgschaftlich verbindung vnd die zulauflich jetzen nichst merer
sol sein in der zulauflichen dan in der haubtsachlichen. Aber du salt
merken das wort mer, das wirt in vierlay maß genommen, im guet, wrsach,
zeit vnd statt. Und welcher das thuet, velt von der sachen, als offen
ist oben im titel de plus petendo. Der ways on gewalt der pfleger ist
schuldig von dem ere, das ist von den schulden seines vaters. Und ist
schuldig, ob er schaden hot gethan wider das gemain guet, von den zwayen
dingen allein wurd ir borge
| Seite 456| schuldig, nit von den andern,
wan der borge in einer hertern sache mag nit merer verbunden werden, dan
der haupsacher. Es ist aber zewissen das bey den alten hot der gelter
gewalt zu klagen wider welchen er wil, es sey wider den haupsacher oder
den borgen. Aber heut nit verzymbt zu hayschen von dem borgen, dieweil
der antwurter gegenwertig vnd gnugsam ist in bezalen garer oder eins
tails. Und ob der antwurter abwesend sein wurd, so wurd gegeben ein
bestymbte zeit als vierzehen tage, inner welchen mag der borg den
antwurter herbrengen zu im bald zu beklagen dem selben borgen zu hilf.
Und ob merer borgen werden, den so wirt i[r] jedlicher schuldig
sametlich, nur der klager williglichen
| Seite 457| taile seine klage
klagend wider einen jedlichen vmb ein tail, ein anders ob er erwelt
einen aus vilen, klagen wider in sametlich vnd nit haysche von den
andern. Das ist [wider] ein new recht, welches spricht, das die klage
sei zu tailen zwyschen i[n] darvmb, das sie alle sametlich schuldig
sein, nur es sei dem rechten aus geding verzigen, welcher klag zu
gesteen. Ob aber einer ausdrucklich klagt von dem haubtguet, dan so wirt
der borge von den wuchern nit gesehen verbunden zu werden, wan in merer
grosse dan klagt ist, sol er nit verbunden werden. Und merk ob der borg
sich verbindt schlechtiglich zu allen dingen, welche der antwurter
schuldig ist, verstee den haubtsacher, vnd den verzymbt von den wuchern
als er von den schulden
| Seite 458| schuldig ist, sintemal im geburt
die einrede von den wuchern nit zu bezalen nach gaystlichen rechten. Und
welche einreden die haubtsacher geburen, geburen auch dem borgen. Und
merk das der borge in vier vellen mag klagen wider den haubtsechlichen
schulder: Zum ersten ob er lange gestanden ist in der verbindung. Zum
andern ob der antwurter ist ein vnnutzer verzerer seiner gueter. Zum
dritten ob der borge veru[r]tailt ist dem gelter. Zum vierden ob das
(geklagt oder) gedingt ist vom anfang, als das er in erledige von der
borgschaft, wen er nit wil mer steen in der borgschaft. Aber der
antwurter mag nit klagen wider den borgen, nur im werde gegeben die klag
von dem gelter. Die vbergebung ist zu thuen vor der bezalung, wan
darnach mag nit vbergeben werden.
| Seite 459|
Von den gedingen oder pactis ist zum ersten zu sehen, was do sei pactum
oder geding, von wannen es genent werde, von tailung der geding, welchen
das geding nutz sei, wen die peen in den gedingen begangen, das ist
eingefallen wirt, von den gestalten der gedinge, von der vnderschaid
zwyschen pactum vnd promissionem, (verstee geding vnd verhayschungen).
Von dem ersten pactum als das geding ist ein wille zwayer oder merer in
eins vnd das selb einem von dem andern der fridenden zu geben etwas oder
zu thuen. Und merk fleyslich alle wort besunder der auslegung. Wan ich
hab gesagt das geding ist ein wille, wen aus dem willen
| Seite 460|
wirt es verbracht, als in kaufung vnd verkaufung vnd das wirt gesagt zu
vnderschaid der glubdannemung, in welcher nit allein der wille sunder
auch die wort notturftig sein, wan es hot zu geschehen durch frag vnd
antwurten. Wan es ist not, das in einem geding sein zwen oder mer die
verwilligen in dasselb zu geben oder zu thuen. Und ich sprich in dasselb
vnd nit in demselben, wan ob ich vnd du verwilligen, das Socrates sein
ein stain, das ist nit ein geding, wan solcher wille nit verbindt einen
dem andern vnd ist nit zu geben noch zu thuen. Ich hab auch gesprochen
dem andern von dem andern, wan ob wir verwilligen, das eur einer geb dem
Ticio vnd Ticius geb eur einem, ist nit geding, sintemal
| Seite 461|
dem andern nit annemen vnd dingen nyemant mag vnd darvmb, das eynicher
nit verbunden wirt nach regel des andern handel gelobend. Auch wirt
genent pactum von dem wort paccione, das ist von machung des frids oder
von dem frid vnd von dem werk (verstee zu latein a pace et actu). Wan
welche veraint werden aus mancherlay vnd widerwertigen der lieb bewegung
nach vil vnd mancherlay kriegen mithellend in einem syn werden gefurt
vnd werden gesagt fuer einen. Oder pactum wirt gnant a palmarum, das
[ist] zusammenschlaung der hende, wan die verwilligen vnd friden gegen
ander sein sie gewan zusammenfuegen aus sitten der alten ire hende,
welche so sie sich (vereinten oder) verbanden, die span der hend
einander gaben zum zaychen (des
| Seite 462| frids oder des) verhaysen
glaubens nit zerbrochen sold werden. Auch ist das wort pactum ein
gemainer nam zu allen dingen, die gehandelt werden aus wrsach einer
verbindung zu machen vnd zu leyden.
Der gedingen sein vil tailungen, von welchen ich die wirt beruren. Der
gedingen sein etliche nutzlich, die andern vnnutzlich. Die nutzlichen
pacta sein geding, welche von wegen der personen oder gueter nach
ordnung des rechtes geschehen, das ist das die personen, welche geding
machen, sein sulche, das sie sich verbinden mugen. Und das guet albeg
verhanden sei, ee das geschicht das geding, sei sulchs,
| Seite 463|
das nit sei verboten von recht verendert zu werden. Und das in
verbindung gehalden werde ordnung des rechtes, als oben gesagt ist von
den personen, guetern vnd verbindungen. Aber die vnnutzlichen geding
sein die, welche sein wider die gesatz, wider die constituciones vnd
wider die edict (oder verkundung) der pretor (zu rom) vnd zu vervntreu.
Ich hab gesagt wider die gesatz geding zu geschehen, wen ein ligend guet
ein zu jungen kind verendert wirt on erkantnus des richters oder wen
verendert wirt ein heuretguetlicher grunt. Wider die constituciones
geschicht, wen der redner dingt mit dem, dem er das wort thuet, von
einem tail des kriegs gehabt werden fuer sein lon. Wider das edict des
pretors geschicht, als oft geschicht ein
| Seite 464| geding, das einem
verzymbt diebstal zu thuen on peen. Zu vervntreuen (oder gevar)
geschicht ein geding in mancherlay massen. Wan es geschicht gevar von
einer person zu der andern oder von ainem guet zu anderm guet oder von
einem handel zu dem andern handel oder von dem handel zu dem selben
handel, von dem namen zu dem namen, von einem geschicht zu einem
geschicht. Von einer person zu der andern geschicht geverd, als ich
pfleger oder gerhaber, wan ich verboten etwas zw kaufen von den guetern
meins beuolhen waysen, dasselb kauf ich nit durch mich, sunder durch ein
zwyschengesetzte person, als durch mein weib oder mein sun oder durch
einen frembden, doch in meinem namen. Von einem guet zu dem andern
| Seite 465| geschicht gevar, also sintemal verboten ist zu leyhen gelt
meinen sunlen, ich leych nit gelt, aber ein guet gib ich im, das er das
verkauf vnd brauch das gelt. Aber von einem handel zu einem handel
beschicht geverd, also man vnd weib, dieweil die ee werend ist, sein
verboten einander zu vbergeben. Darvmb vbergeben sie nit, sunder aus
wrsach einer vbergebung verkaufen sie. Von einem handel zw dem selben
handel geschicht gewerd, als wen ich sulte leyen dem Titio vnd das weib
wolt burge werden fuer in, ich herwidervmb, das das weib nit wurd
beschutz auf der hulf Vellegionum consulto, ich leych gelt einer frawen
vnd ich nym den Titium zu einem burgen. Von dem namen zum namen
geschicht gevard, als ob einer
| Seite 466| verboten würd zu sein ein
potestat eins lands, er macht sich erwelt zu werden zu einem beschutzer
oder zu einem gewalthaber des lands, welchs dasselb ist, doch so der nam
verwandelt ist. Von geschicht zu geschicht ... vntreu, als ich hab
verkauft dir mein leybaygne diern in dem gedinge, das du sie nit setzest
in das gemain frauenhaus zu machen ein gewin ires leybes, aber doch
hostu sie nit gesetzt in das frawenhaus, aber in ein gasthaus, das sie
da diente, das selb ist der wirkung halben. Und nit allein in den
vorgemelten massen sunder auch mit andern vilen heymlichen
vervntreuungen geschehen geding vnd werden gemacht vnnutzlich. Wan ob
geding ist zwyschen dem gelter vnd dem schuldner, das
| Seite 467| den
schuldner verzymbt das pfand zu verkaufen, das taug nit. Und ist es
wrsach, das nit der schuldner berueft werde ze sunden, das ist zu
verlaugen die zalung. Das geding, in welchem einer gemayniklich an sich
nymbt die zweyfelhaftigen velle, taug nit. Das ist aber ein wrsach, das
einer nit gemayniklich vnd mit verdeckten worten .., das er besunderlich
nit wurde nemen. Merer das geding von dem heuretguet an weytern tag zu
widergeben taug nit. Und ist des ein wrsach, wan das schedlich ist dem
heuretguet vnd gemaynem nutz. Das geding beschehen, das nit der eeman
verwrtailt werde seinem eeweib vber das, das er nit thuen mocht, taug
nit. Ist wrsach, wan es ist wider guete sitten. Das geding beschehen
zwyschen den rittern vnd iren widersachern, das
| Seite 468| der ritter
müge sein procurator, taug nit aus der wrsach, wan es were widerwertig
offner nutzbarkayt darvmb, wen vnser ritter sullen wissen die waffen vnd
nit die gesatz von recht. Das geding, mit welchem nachgelassen wirt der
ausgedruckt gerichtsayd (genant calumnie juramentum), taug nit, wan es
der offnen gerechtikayt zugehör ist, das die krieg on allen argwan
fuersich geen. Das geding gemacht, das nit verhindert (oder geirrt)
sulchs geding widerrueft mug werden, taug nit, wan gerechte geding
sullen nymmer widerrueft werden.
Die ander tailung der gedinge, die geding etliche sein bloß, etliche
beklaydt.
| Seite 469| Die blosse geding sein, welche nit innen halten
die wrsach. Wan es ist kainer kreft eynichs guets eingebung on wrsach.
Auch werden gnant die blossen, welche nit beklaydt werden mit eynichem
der hernach geschribnen sechs massen. Und die blosse geding sein nit
kreftig zu verbinden oder zu meren, wiewol sie nutzlich sein zu
beschutzen. Wan das bloß geding ordenlich gebiert nit klag, sunder die
einrede. Aber die beklaydten geding sein kreftig vnd nutzlich zu
verbinden vnd zu klagen. Und wirt gnant das beklaydt gedinge in sechs
massen, als mit dem guet, worten, briefen, willen, anhangenden eins
handels vnd entzwyschenkommung des guets. Aber von den vier ersten
massen hab wir oben exempel, wo
| Seite 470| gesagt wirt, in welchen
massen gemacht wirt verbindung des guets. Aber von dem vierden, nemblich
[von] anhang [des] handel, des ein exempel, wie also ich hab dir
verkauft vnd in der verkaufung ist entzwyschenkommen ein geding, das ich
sol bleyben in dem haus byß zum jare. Das letzt durch sich geschehen nit
taugt, wan ... bloß, aber aus anhang ... des gedinges wegen beklaydt,
als einer verkaufung, in welcher es gesetzt ist, taugt. Von dem sechsten
aber, das ist des guets zwyschenkommung, ist ein exempel, als setz ich
hab dir verhaysen etwas zu geben vnd zu thuen, das du mir etwas gebest
oder thetest, als von stund an, als du mir wirst geben etwas, das ich
verhayschen hab, ist balde beklaydt wurden das geding von
| Seite 471|
meinet wegen. Und darvmb die entzwyschenkommung des, welchs ich dir
geben hab, bistu mir verbunden zu demselbigen mir zu geben, dastu mir
verhayschen host zu geben. Und du solt merken das in den vier ersten
massen nit wirt gesagt eygentlich das geding zu beklayden, wen das wirt
gesagt eigentlich beklaydt zu werden, welchs blos ist. Aber das geding,
welchs geschicht mit guetern, aus den worten ... entweyders mit willen,
von stund an alsbald seiner geburt herfuer geet [be]klaydt vnd wen es
das wesen angenommen, so ist es beklaydt. Aber das geding, welchs
beklaidt wirt mit anhang des handels oder entzwyschenkommung des guets,
ist zum ersten bloß, wiewol so die massen entzwyschenkommen sein, wirt
anfahn beklaydt.
| Seite 472|
Die dritt taylung ist, die andern geding besteen im geben, die andern im
thuen. Im geben, als ob ich dir verhaysen hab zu geben ein roß oder ein
ander guet. Im thuen, als ob ich geding hab dir zu machen ein haus mit
dir.
Die vierd tailung ist, wan etliche sein ausgedruckte geding, die andern
stille. Das ausgedruckte, als ob ich mit dir eins wurden byn etwas dir
zu geben oder zu machen. Das stille, als ob ich bestanden hab dein haus
vnd hab eingefurt meine gueter in das haus, so wurd ich gesehen
stilliklich gedingt haben gehebt, wan die eintragen vnd eingefurten
gueter sein dir verbunden fuer den
| Seite 473| zyns. Auch ist ein
still geding, als ob der gelter hot widergeben dem schuldner sein
hantschrift oder das instrument des schuldner, da wirt gesehen
stilliklichen im gemacht haben gehebt ein geding von nit begeren. Item
das still geding ist, als ob ich hab dreu schuldner, die mir schuldig
waren in funfzehen marken vnd es was ir jedlicher vnverschaydenlich
verbunden vnd ich hab genommen von in ainen funfe, also wirt ich gesehen
mich verzygen haben dem gantzen rechte vnd das geding stilliklich gthan
nit zu begeren von inen einem jedlichen nur funf.
Die funft tailung ist, wan die geding sein etliche finster, etliche
lauter. Die lauter sein, in welchen kain zweyfelung wirt gehalten, ob
die lobsamliche sein gemacht, sullen sie gehalten werden. Wan
| Seite 474| nichst ist, das mer dem menschen verzymbt den halten die
geding. Die finsteren aber sein, welche mugen haben zwyfeltige
verstentnus, als ob der verkaufer eins haus wirt sprechen die trauf als
sie sein des verkauften guets, also sein sie vnd der verkaufer versteet,
das ein dienstbarkayt des traufs ze nemen schuldig ist von dem
verkauften guet daruon zu sein; aber der kaufer versteet, das er sol dem
verkauften guet zu sein. Aber die finsterliche dinge sein auszulegen
wider den redenden, wan des gewalt dient das gesatz leuterer zu
schreiben.
Die sechst tailung ist, das die geding etliche sein sunstlich, die ander
geding nit. Das sunstlich geding ist, ... mit keinem gegeben mer vmb
sunst wen von wrsach der verheysung schuldig wirt nachgelassen.
| Seite 475| Das nit sunstlich geding ist ein vertragung, welche sol
vnd hot zu geschehen, so etwas gegeben oder innegehalten oder
verhayschen ist. Es sein nutz vnd werden geschickt die geding zu den
personen allein, zwyschen welchen sie geschehen sein, aber den andern
taugen sie ... nit. Doch so veelt das in den hernach geschriben vellen,
wan das geding dem haubtsacher als dem antwurter vom nit begern ist
nutzlich dem borgen, nur im veraynen sey anders gehandelt wurden oder
nur der borg sei borg gewesen in sein aygen guet, wan in den dreyen
vellen des antwurters geding ist nit nutzlich den borgen. Sunder
herwidervmb das geding des borgen ist nit nutzlich dem antwurter, wan
wiewol dem antwurter zugehört
| Seite 476| von dem borgen nit begert zu
werden, sintemal der antwurter wider den borgen nit sei zw haben zwgang,
nur der borg in sein guet wer borg wurden gewesen, wan den ist zu haben
der borg fuer den andern vnd das geding des antwurte[r]s ist nutz dem
borgen vnd das geding des borgen aufgenommen in sein eygen guet ist
nutzlich dem antwurter. Das geding des borgen ist nicht nutzlich dem
antwurter mit dem borgen, ob aber ausdrucklich gehandelt wirt, das es
nutz sei dem antwurter vnd den borgen, den so ist es inen nutz. Das
geding eines antwurters zu gelten ist dem andern nutzlich. Das geding
mit verkaufung oder vergebung ist nutzlich dem kaufer oder vbergeber,
wan er nachkumbt vnd erbt in dasselb guet. Das geding geschehen mit dem
| Seite 477| sun oder mit dem khnecht ist nutzlich dem vater oder
dem herren. Aber das geding eins procurators ist nutz vnd schadet dem
herrn nur in dreyen vellen, das ist, ob da ist ein besunder gewalt oder
ob er in sein guet gesetzt ist oder ob er hot freye vnd gemaine
verwesung der gueter. Aber das geding des pflegers oder gerhabers ist
nutz dem jungen waysen vnd schadet im auch, ob es geschicht mit guetem
glauben vnd nit in mut zu berauben.
Es wirt zu sehen auch, wen in den gedingen ein zugelegte peen begangen
wirt. Darvmb ist zu wissen, das die peen in den gedingen zugelegt
vnderweylen wirt begangen, vnderweylen nit. Wan ob die veraynung
| Seite 478| anfacht von der condicion oder vnderschaid, wie also: ob
ich den Titium nit wurd setzen, ob er lebt, so wirt zehen geben. Es wirt
begangen die peen, wen bestymbt, geding nit mag geben werden. Ob aber es
wirt anfahen von der vorgeenden gedingung, wie also: ich verhays zw
geben den Ticium, anderst wirt ich geben zehen in namen der peen. Den so
ist die vorgeend klag verbindelich, wan [durch] das beklaydt geding wirt
begangen die peen, aus welchem er hot mugen geben vnd hot es nit gethan.
Oder der vorigen geding nit [ist] verbundenlich vnd den so wirt begangen
die peen, nur darnach so der krieg bestetiget ist nur von dem, das in
geding gebracht ist.
| Seite 479|
Etliche geding sein vnd sein gewesen nach den gesatzen, etliche on das
gesatz vnd etliche wider das gesatz. Wen geschicht geding nach den
gesatzen, als ich verhays dir zu geben oder machen, noch dem das gesatz
verheist, den ob die peen ist verhaysen, so mag die begert werden oder
das guet zu dem andern der andern allein, nur es sei gesprochen das, so
die peen bezalt ist, stet sol gehalten werden das geding, wan der mag
jedes begert werden. Wen aber geschicht geding on die gesatz, als wen
aus geding etwas wirt verhaysen, welchs wider von dem gesatz
ausdrucklich begert wirt noch ausdrucklich verboten wirt, als wen ich
dir
| Seite 480| verhays ein fremdes werk vnd ob das nit gschicht, so
verhayß ich die peen oder ich geding dem andern geben zu werden vnd ob
das nit geben wirt, so gelob ich die peen. Und wiewol nit taugt die
haubtsache, wan ich ein fremd werk gewis verhaysen nit mag noch einen
andern dingen, doch so haft die verhaysung der peen. Aber vnderweylen
geschicht geding wider die gesatz, als wen etwas verhaysen wirt, das vom
gesatz verboten wirt, als ein hayligs guet, ein gaystlichs guet, ein
freyer mensch, den so taug nit ir jedes, weder das haubtsechlich noch
verhayschung der peen (nit geschehen). Wan das wider die gesatz
geschicht, sol fuer vngeschehen gehabt werden. Aber die peen wirt den
gedingen zugewurfen, eyntweders mit vnderschaid oder schlechtlich.
| Seite 481| Wen [mit] vnderschaid, als ich verhayß dir zu geben
Ticium, ob er lebt, den dieweyl besteet die condicion, so besteet die
peen, so aber weichend ist die condicion, weicht auch die peen. Ob
schlechtiglich, denn eyntweders das geding hot mügen erfult werden [vnd]
nit hot wellen, so wirt begangen die peen; ob er hot wellen vnd hot nit
gemüegt, wan villeicht Ticius ist gesturben oder fluchtig, den so steet
kain verbindung, darvmb auch nit begangen wirt die peen, nur sunderlich
sei von der peen zu bezalen ausgenommen. Auch wirt zuegeworfen die peen
der grosen oder der gestalt oder der geschicht. Ob der grös, als: ich
verhays dir zu geben zehen bey peen der zwyfaltigung, den die peen, wie
gros die ist, wirt gebracht zu einer rechtlichen maß der wucher
| Seite 482| des verhaysen haubtguets. Und das darvmb, wan aus grosse
des gelts ist gewon begangen zu werden der wucher, als offenbar ist in
dem leyen, in welchem allein wirt begangen der wucher vnd nit in andern
hendeln. Ob aber zuegewurfen wirt der gestalt, als ich verhays dir zu
geben ein roß oder ein ander gestalt bey peen zehen lb., die peen wirt
erhayscht gantz. Dasselb ist, ob die peen zuegeworfen wirt dem (geding
oder) werk, wie also: ich verhays dir zu machen ein sulch haus bey
sulcher (zugewurfen) peen [wan die peen] zugewurfen [der] gestalt vnd
werk, wie gros das haus wirt oder die peen wirt, so wirts gar erfordert.
| Seite 483|
Aber der gedingen sein zwo gestalt, etliche in das guet, etliche in die
person. In das guet sein, das ich das, welches ich gemaynicklichen ding,
nit begere. ... Aber in dem ersten brauch nit von dem, welches wirt das
geding, mag begert werden, nit von den erben des, noch der, welcher
gedingt, noch sein erben mügen das begeren. In dem andern als das
personlich geding zu den andern nit gehort auch nit zu dem erben. Ob
aber zu der person geding sei warlicher aus notturftikait dan aus dem
gemuet, ist zu schatzen. Wan oft ein person dem geding wirt
eingeschriben
| Seite 484| (oder vermerkt), nit das das geding
personlich sei, sunder das es erzaygt werde, sintemal das geding gemacht
ist.
Die tailung der gedingen als oben sein zwo, etliche sein nutzlich,
etliche vnnutzlich. Die nutzliche sein beklaydte geding vnd die sein zu
halten. Die vnnutzlichen geding sein vil: Zum ersten aus wrsach der
person, als ob dingt ein töbiger, welcher weder ausdrucklich noch
stilliglich mag setzen, aber auch nit ein ee machen, sunder auch sich
nit verbinden zu einem gaystlichen orden, wan er wais nit was er thuet.
Ob er aber hot erleuchte vnderbind, so ist es ein anders. Und dasselbig
| Seite 485| ist in einem jungen waysen, welcher nit ist habheftig
arglists, mag nit dingen on seiner pfleger gewaltsamkait. Dasselb ist in
einem vnnutzlichen guet verzerer, in einem vngehorenden vnd stummen ...
in dem man vnd in dem weib, welche ... nit mugen vbergeben. Dasselb ist
auch zwyschen dem vater vnd des suns, wan sie werden geacht fuer ein
person. Dasselb ist auch zwyschen dem herrn vnd leybeygen khnecht. Auch
sein vnnutzliche geding aus wrsach der gueter, als ob einer dingt
gueter, welche nit sein in der natur der gueter noch gewesen sein noch
werden vnd welche in gewerb nit kommen, auch nit haylige gueter noch
gaystliche, auch nit ein freyer mensch. Item das geding eines schneden
guets oder vnmuglichs von recht oder von geschicht kain
| Seite 486|
verbindung zuebringt. Es ist ein vnnutz geding in (besundern) guetern
die gaystlich sein zu geben oder zu verleyhen, in verboten guetern vnd
in guetern, welche sein wider der seel hayl. Und merk das alles geding,
welches nit sich naygt wider das hayl der seel auch nit zu schaden eines
andern, das ist albeg zw halten, wan nichst bessers gegen got vnd gegen
der welt dan das gerecht verhaysen behalten. Das geding vnd das
verhaysen sein nahet eins in allen dingen, aber vnderschidlich allein in
dem, wan das geding ist zwayer oder mer wille, in dasselb zu thuen oder
zu machen, aber die verhaysung ist ein gelubd annemung eins eynigen, nit
allein mit dem willen sunder auch mit rede. Item das geding geschicht in
... mancherlay massen geenden vor
| Seite 487| dem willen, die
verhaysung beschicht aus schlechter frag vnd antwort, als ... gesagt
ist.
Oben ist gehandelt von den gedingen in gemain, nun ist zu sehen in
sunderhait von den vertragungen, sein etliche geding. Darvmb sol wir
sehen, was sei vertragung (gnant transaccio) vnd wannen sie gnant werd,
welcher müg vertragen, in welchen dingen aufhort die vertragung, was sei
die kraft der vertragung. Von dem ersten transaccio ist von einem
zweyfelhaftigen ding vnd vngewissen krieg vnd noch nit vollendt nit
vmbsunstliche gedingung. Und ich sprich von einem ding, als von
kegenwurtiger vnd zuekunftiger zeit. Ich
| Seite 488| hab gesagt
zweyfelhaftige, als gerecht oder vngerecht. Ich hab gesagt von
vngewissem krieg, das ist ob der klager glaub sich haben ein gerechte
sache oder ein vngerechte. Ich hab gesprochen noch nit volendt, wan ob
(gericht) wer gewesen (oder) gewrtailt, so het nit mügen appellirt
werden noch von dem wrtail gezweyfelt; und ob dan geschech vertragung,
so wirt die nichtig. Wan ob der antwurter bekent sich schuldig zu sein
zehen lb. vnd vmb die sein verwrtailt vnd sagt dem klager: ob du wilt
funf lb., so wil dir sie geben von stund an, so ist dan die vertragung
nichtig sunder ausrichtung der klag. Ich hab gesprochen nit vmb
sunstliche, wan die vertragung, so nichst wirt geben oder gehaysen oder
innengehalten, nit fuergeet (oder taugt).
| Seite 489| Es wirt aber
gnant transaccio als von der klag recessio. Wan es mugen vertragen die
herrn der gueter oder der klagen pfleger vnd procuratores habend gemain
vnd besunder gewalt. Es mag vertragen werden in allen burgerlich vnd
peinlichen sachen. Aber in dem peinlichen mag entzwyschen kommen
vertragung in den dingen, welche (warlich) auflegen die peen des bluts,
aber doch aus dem einfelt der verklager in ein schnoden vnleumbt. Ober
der antwurter nit, wan wiewol einem jedlichen ... sein bluet erkaufen,
welchem die sund ist nach gelassen. Aber in peinlichen sachen, welche
die peen des bluets nit aufleget, mag vertragung nit beschehen sunder
eine sunstliche gedingung
| Seite 490| oder nachlassung. Doch das
vehelt in dem eebruch nach alten rechten. In autentico, das ist in dem
newen recht, das wirt gesehen gestraft vnd allermayst in dem eeman. Aber
warlicher ist, das nit vertragen wirt in dem eebruch (ich hab
gesprochen) vmb vngewissen krieg vnd zweyfelhaftigem dinge, sunder einer
dem andern wirt versuent vnd wirt nit gegangen zu vergiessung des
bluets. Ob aber geben ist gelt, vertragt der antwurter mit dem klager,
so ist die vertragung nichtig, wan der antwurter wirt gehabt fuer einen
bekanten. Aber des vehelt in missetat eines falschen. (Unde)
| Seite 491| Die ding sein war nach den gesatzen. Aber nach den gaystlichen
rechten kain missetat [auflegt] die peen des bluts. In den narungen wirt
nit vertragen on gewaltsamkait des richters. Item in fragungen, welche
in einem gescheft verjehen werden, wirt nit vertragen, nur angesehen vnd
erkant sein worden die wörter des geschefts. Item es aufhort die
vertragung in dem rechten der vnderwerfung. Die vnderwerfung ist ein
gaystliche sache vnd darvmb, so etwas geben oder verhaysen ist, mag nit
nachgelassen werden, wan die sol vmbsunst geschehen. Item
| Seite 492|
in gaystlichn sachen wirt nit vertragen, wan doch in denen mag geschehen
ein freuntliche veraynung, das gegeben werd ein gaystlichs vmb ein
gaystlichs, als geschicht in verwechselung (der pfruende) oder allein es
komme entzwyschen die gewaltsamkait des obern vmb gueten fried. Du solt
merken in kurtz das etliche ding sein, in welchen weder veraynung noch
schickung noch vertragung statt hot, als der man so er seine hausfrau
verlest vnd ein ander darvoer nymbt oder das er gehorsam thue in einem
kloster, dieweil er gueter habe, [oder] als ein vnderwurfner dieweil die
vnderwerfung gewerend ist, dem obern nit gehorsam beweyse. Die kraft der
vertragung ist, das alle instrument zu der sachen gehorend, vber welche
vertragen
| Seite 493| ist vnd was anders ist, das hilfe den parteyen
het mügen tragen, wirt leer vnd allen rechten aufhort. Und allein die
vertragung vest vnd ewige sterke behabe, nur der klager in der
vertragung were betrogen wurden, den so geburt im die einred böses
lists.
Vnd zum ersten der brief, was das sei, wie sie geschech, welche kraft
sulcher verbindung, welche klagen aus ir entspringen. Von dem ersten ist
verbindung der brief, wen einer durch sein brief mit glaubhaftigen
sigillen vnd genugsamen zeugen sich gesterkt bekent offenlich sullen,
was darin begriffen ist. Wen vor zeiten worden mit loblichkait
| Seite 494| ein geschrift die verbindungen, das noch in grosen sachen
geschicht durch glaubhaftige briefe oder durch offene instrument. Wan so
gros ist die kraft der verbindung, das der widersprochen nit mag werden,
nur in dreyen vellen, als im leyhen, gelihnen vnd (gegebnen oder) dem
heuretguet.
Aus willen wirt gehandelt die verbindung in funf massen, mit kaufung
verkaufung, verleyung besteung vnd verwechseln der gueter, mit
geselschaft vnd gewalt. Von welchen allen ist besunderlich zu sagen. Und
zum ersten von der kaufung: welcher mas vnd wie
| Seite 495| da
gehandelt wirt, von welchen guetern, [wie] die geschech, welche sei ire
natur, warzu schuldig sei der kaufer vnd warzu der verkaufer, wielang
das verkauft guet sulle geregiert werden. Es wirt gehandelt die
verkaufung bald, wen von dem lon gedingt wurden ist in der maynung, das
der lon bezalt werde vnd das verkauft guet eingeben werde, wiewol
vnderweylen der lon oder das gelt noch nit ist bezalt, noch der
heftpfennig geben, noch das guet verkauft ... Das saltu versteen von der
kaufung vnd verkaufung on geschrift. In denen aber, welche in geschrift
verbrocht werden, wirt nit vorgesetzt die kaufung oder verkaufung, denn
der brief der kaufung
| Seite 496| vnd verkaufung sei geschriben wurden
vnd verbrocht vnd verzeychnet mit den sigeln vnd den zeugen gesterkt vnd
den parteyen gegeben oder mit offner weysung bestetiget. Und wielang
eynichs der ding gebroch hot, so hot statt der rew. Und mag der kaufer
vnd verkaufer on peen dauon steen von dem handl, nur etwas merklichs,
als der halb tail des lons, des heftpfennings namen sein gegeben wurden.
Aber mit sulchen heftpfennigen gegeben, ob geschrift oder nit geschriben
wirt verbrocht die verkaufung, ob der kaufer verhindert den handl zu
erfullen, so verleurt er das er doran hot geben. Ob aber der verkaufer
verhindert, den zwyfeltigen, welchs der kaufer hot gegeben, widergeben
schuldig ist
| Seite 497| vnd ... das kainer der handlenden dem andern
zu dem interesse schuldig sei, wan in statt des interesse ist genugsam
die heftpfennigen verlierung oder ein zwyfeltige widergebung. Hie saltu
merken das nach gewonhayt vnser statt welcher sulcher handel der kaufung
vnd verkaufung hindersich geet, den nött der richter zu stethaldung bey
peen eines lb. lauflicher muntz darvmb, das der heftpfennig ist klain
vnd wenig hie wirt geben, als ein pfenig. Verkauft oder gekauft mag
werden alles das, das hot kaufmanschaft. Wan es sein etliche ding, die
in kaufmanschaft nit kommen, als ein heyligs guet, ein gaystlichs vnd
ein freyer mensch. Doch ein heyligs vnd ein gaystlichs guet geend in der
verkaufung mit dem gantzen guet (das
| Seite 498| verkauft wirt), wan
das gantz guet in nit gaystlichen dingen begriffen ist. Wan verkauft
werden sullen die vahel gueter in rechtem gewicht, in gerechter zal, in
gerechter maß vnd gerechtem lon. Welcher anders thuen wirt, der sol aus
der ordnung gestraft werden. Die verkaufung vnd kaufung beschicht
zwyschen den anwesenden vnd abwesenden, durch einen boten, durch brief
oder durch sendbrief, lauterlich oder mit vnderschaid, mit dem
heftpfennig oder on den heftpfennig. Gebung des heftpfennigs ist ein
zaychen eines gemachten kaufs, aber nit eines verbrochten, wan warvmb
die kaufung hot er nit verbrocht nur des bezelten gelts vnd gebung (des
gebens heftphennig) vnd des verkauften guets eingebung. Darumb hab ich
gesprochen des gelts, wen
| Seite 499| kain kauf mag gesein on gelt.
Ich hab gesprochen gewyslich, wan ob zwyschen etlichen were geredt, also
als wie vil .A. oder .B. das guet werden schetzen, so vil sei es kauft,
die kaufung ist vngewis, wen es mag beschehen, das ein sulcher das lon
nit erkante, wan villeicht welt er nit oder er storbe. Ich hab
gesprochen gezeltes gelts, wan ob ein grunt vmb ein grunt, ein gewis
guet vmb ein gewys guet (oder ein bestymbts), den so wurd es gnant ein
verwechselunge, nit ein kauf noch verkaufung. Ich hab gesprochen
lauterlich, das ist schlechtlich vnd gerehen on alle einrede. Ich hab
gesagt eyntweders mit vnderschayd, als ob dir mein roß hot gefallen nach
versuchung, den so sol es dein sein vmb zehen gulden. Ob nit, so ist
nit. Die natur eines kaufs, das das guet, welches verkauft wirt,
| Seite 500| sei einer besundern gestalt vnd das lon sei gewyß in
gezeltem gelt. Darumb einer besundern gestalt, wen ein anders nit mocht
erkant werden, welches guet were verkauft. Ich hab gesagt ein bestymbts
gelt, wan etlich haben also sich veraynt: das guet sei dir gekauft,
wievil das .N. wirt schetzen. Und ist vngewysser kauf, als oben. Auch
sol sein das gelt gezelt, wan im geben ein guet vmb ein guet, das wirt
ein wechsel oder ein vertauschung, ja welche eins andern besundern handl
ist. Ein ander ist natur eins kaufs, also ein kaufung volkomlichen ist
volbrocht, so ist bald der gewyn, der nutz vnd der schade zwgehörend dem
kauf. Wan es ist gerecht, das der welches ist der nutz, das des auch sei
der schade. Und die ding
| Seite 501| alle sein war, ob die verkaufung
geschicht schlechtlich, on geschrift, einer bestymten gestalt, also das
kain geding entzwyschen komme vnd das es sei ein guet, welches gekost,
gewicht, mass, zal vnd bewerung oder in cernicion nit bedurf vnd das der
verkaufer nit sei in der schuld, in verzug oder in bösem list. Und du
solt merken das der schad der offnung gehort zu dem verkaufer. Es ist
aber der gueter öffnung, wen alle gueter eyniches vmb schuld offenlich
weden verkauft oder durch sein malefitz. Ich hab gesagt slechtlich, wan
ob vnderschaid[lich] were die verkaufung, den so vor der zukunft der
vnderschaid aller schad zu[gehort] dem verkaufer. Item ich hab gesagt on
geschriften, wan ob die verkaufung geschee in geschriften, den so wurd
der schad des guts gehoren zu dem verkaufer,
| Seite 502| eemal die
geschrift wurd verbracht. Item ich hab gesprochen einer bestymten
gestalt, wan ob der kauf geschicht vnder einer enderung der gueter der
gestalten, den so wais nit der kaufend, was er hat kauft, vnd der schade
gehort zu dem verkaufer. Item ich hab gesprochen, das kain geding
entzwyschen komme, wan die geding brechen das gesatz. Item ich hab
gesprochen, das es sei ein guet, welches der kostung nit bedarf, als
wein, meth, wan vor der kostung zugehort der schade dem verkaufer. Also
auch mit der wegung, als gold vnd silber, pfeffer. Also auch mit
messung, als tuech, wepf vnd der gleich ... Also auch mit der zelung,
das alle muntz, gulden, groschen, pfennige, haller... Item ich hab
gesagt cernicion, der webung, der wulle ... seiden ... Item ich hab
gesprochen
| Seite 503| bewerung, als die roß, ochsen, meuler etc. Der
aller schaden gehört zu dem verkaufer vor irer bewerung. Ich hab
gesprochen aus schuld, wan ob der schade aus schuld des verkaufers
geschech, so were das sein schuld. Item ich hab gesprochen die
verweylung, wan ob der verkaufend vnzeitlichen das guet angibt, so wirt
ein schad sein. Ich hab gesprochen aus bösem list, welcher kainen so[ll]
hulflich sein, darvmb der schad des guets kumbt wider zu dem
böslistigen. Es werden aber gnant schaden der gueter brunstung,
schiffbrechung, velle, vervallung der hewser, gues, grosgues, vmbwerfung
der baume durch die wind, belaidung der tier, der tier tod, böserung,
erstörung. Ist schuldig der verkaufer
| Seite 504| ... frey, leer, vnd
ledig on alle verhindrung einzugeben. Wan ob das ... ansprechen wirt der
verkaufer , so ist schuldig der verkaufer dem kaufer sein interesse, das
ist zu dem schaden. Aber der kaufer ist schuldig das lon in gezeltem
gelt zu geben, ob er das nit thuen wirt bald so geschehen ist der kauf,
wirt er schuldig dem verkaufer sein interesse. In einer summen ist
zuwissen: ob ein einer vnder zwanzig jaren betrogen wirt in dem handel
einer kaufung oder verkaufung, vnderweyle haft nit der handel von recht,
vnderweyle haft er vom recht, aber er wirt zerbrochen aus
| Seite 505|
gemayner hulf, vnderweyle wirt klag zu betrigen im gelt, vnderweylen
wirt dem zu jungen zu hulf kommen vmb verdienung des guets. Darvmb ist
zu vnderschaiden, dan wen arglist gibt ein wrsach dem handel oder wen
ich listiglichen dich vnderricht hab, das du mir verkaufest die ding,
die du sunst nit wurdest verkaufen, do haft nit der handl. Ob aber
arglist velt in den handl als darvmb, wan du warest verkaufen werden,
aber durch ein bessere verkaufung vnd ich hab dich vnderricht, das du
mir verkaufest vmb ein mynder gelt, wen es sunst wert ist gewesen,
gewyslich der handl haft, aber es wirt klagt zu dem betrigen. Wo aber
nit gibt argerlist wrsach dem handl noch argerlist velt in den handl
[noch] hab ich dich in dem lon betrogen, wiewol du in dem guet bist
betrogen,
| Seite 506| in dem gelt so magstu zu nichte klagen, nur das
gelt vnder dem halben tail gerechts lons bestee. Wan den so behabt, das
gesagt wirt, das do einem jungern den zwanzig jar behulfen werde vmb die
zal des guets. Und die ding haben statt in den hendln guets glaubens.
Wan in den hendeln gestrengs rechtes, auch ob argerlist gibt wrsach dem
handl, ob er betrogen wirt wider den klagenden. Und du solt merken das
... die schaffenden sunder durch ein mitler haft der handel. Darvmb in
einem jedlichen handl wirt erhayscht gueter glauben, auch ob nit haft
der handl, dennoch wirt erhayscht gueter glauben. Auch saltu merken so
das guet verkauft ist vnd kauft, klagt albeg der kaufer von der kaufung,
welchs doch vehelt
| Seite 507| in etlichen vellen. Zum ersten ob der
kaufer vmb das verkauft guet angelangt nit hot verkundt dem verkaufer.
Zum andern ob er selbs bey dem ortail ist gewesen. Zum dritten ob durch
vnrecht wider in ist gesprochen wurden ein wrtail. Zum vierden ob er
vnzeytlichen etwas hot verkundt aber nache bey dem wrtail, ob er hot
mugen verkunden. Zum funften ob der kaufer hot ein hindergang than vnd
hot widerwertig wrtail gebrocht. Zum sechsten ob er aus seiner schuld
also die besytzung hot verlorn. Zum sibenden ob er das guet gehebt hot
fuer verlassen. Zum achten ob der kaufer sein gekauften khnecht hot frey
gesagt. Zum newnden ob er ein kaufte diern hot entert. Zum zehendn ob
der kaufer das gekauft guet an sich hot genommen in brauch.
| Seite 508| Zum aylften ob der [ver]kaufer abwesend ist gewesen, ist der kaufer
verwrtailt, hot nit appellirt. Und gemayniklich aus jedlicher maß [der
kaufer] das gekauft guet on verkundung des verkaufers hot verlorn, da
wirt der schade sein. Aber wielang sulle der verkaufer das verkauft guet
regiren, ist gesehen oben im titel von den geweren vnd brauchnemenden,
darvmb fuergee ich das alhie.
Was sei verwechselung, wie die gemacht werde, welche sei ire natur,
welche gueter mugen verwechselt werden, mit welchen ein kirch muge
verwechselt werden, welche klagen entsteen aus verwechslung. Von dem
ersten verwechslung
| Seite 509| ist eins guets vmb ein anders gebung.
Es wirt gemacht ein wechsel, wen zwyschen etlichen wirt veraynt, das ein
bestymbte gestalt geben werde fuer ein bestymbte. Wan ob ein bestymbte
geben wurde fuer ein vnbestymbte, so wer es ein vngenenter handl. Es
wirt aber also gehandelt: als ich gib, das du gebest. Aber es ist die
natur einer verwechslung, das nit allein aus geding, sunder der gueter
entzwyschenkommen werd gemacht, als in der kaufung, wo ein guet vnd ein
lon sullen sein, wen ein kaufung gehandelt wirt. Doch vnderweylen auch
on guet wirt gemacht ein kauf, als in dem vorgenanten gesatz 'Nec
empcio'. Aber es mugent verwechselt werden die gueter, die verkauft
mugen werden. Doch ist zu
| Seite 510| wissen, das etliche ding sein,
welche verkauft nit mugen werden, als die kirch. Wie aber geschicht das:
die kirchen, die sein vmb sunst zu verleyen, der handl aber der
verwechslung geschicht nit vmb sunst, sunder es wirt geben [guet] vmb
guet? Ich sprich, verwechslung in gaystlichen sachen geschicht nit aus
gedinge der parteyen, sunder gewaltsamkait des obern. Allein wan so vil,
das getragen wirt, in des obern freyen willen wirt bekert, welcher aus
seinem freyen willen von den gaystlichen guetern verwechslet zu werden
ordnet in beweglichen vnd vnbeweglichen guetern, wan die gueter sein nit
eygen der menschen, sunder des eynigen gotes. Darvmb so mag ein kirch
mit einer andern kirchen verwechselt werden. Auch die kirch mag mit dem
fuersten verwechslen.
| Seite 511| Auch mit einem besundern [mag]
verwechslen, doch wen die nutzbarkait der kirchen das erhaist. Doch mag
nit ein gaystliche person vmb ein weltliche verwechselt werden, auch nit
herwidervmb mag sie geben werden vmb ain layen. Wan welches dienet gote,
das ist gote geweicht, das sol fuerbas zu menschlichem brauch nit
verkert werd[en]. Es wirt gefragt, ob in den verwechselten guetern
gemacht werde ein kaufung vnd verkaufung. Ich sag nayn, wen die
verwechslung geschicht albeg mit dem entzwyschenkommen der gueter. Aber
die kaufung geschicht vnderweyle an guet. Du solt merken das aus eyniger
bedingung der verwechslung vmb kain guet hin vnd herwider nachgeuolgt
wirt nit erstan ein klage.
| Seite 512| Sunder aus eingebung des guets
oder aus geding wirt klag gegeben aus widerwertigem guet darnach
geuolgt; aber nit bald gebuert die klag, als wir gesagt haben im leyen.
Also sprechen wir auch in der geselschaft, in ainem pflegambt, in einem
hewretguet; da erstet klag aus dem handl, aber nit bald gebuert sie, nur
aus geselschaft oder pfleg zu jungst volendt oder die ee erledigt, ob
aber auf einen tail ist das guet nachgeuolgt, von dem andern nit. Vnd ob
das geding nit ist beklaydt, so erstet kain klag. Es ist zu wissen von
der verwechslung, das ich mein beweglich guet aus meinem aygen gewalt
mag verwechseln, wan ich desselbigen herr byn. Aber das vnbeweglich guet
mus man verwechseln von wissen vnd willen des grundherren, zu dem es
gehört.
| Seite 513|
Was sei ein hinleyung vnd ein besteung (zu latein gnent locacio vnd
conduccio), welcher werd gnant der (locator verstee der) hinleyer,
welcher (conductor verstee) der besteer, wie sie gemacht werden, welche
gueter mügen verlihen werden, welche klagen werden entspringen aus
locato vnd conducto, von welchen wrsachen muge der locator den inwoner
austreyben ... aus welchen wrsachen muge der conductor das haus
verlassen, so der locator vnwillig ist, von der zeit der locacion eines
guets, von der zeit der bezalung des zins oder lones von dem verlihen
guet. Darvmb zum ersten locacio ist ein verleyung einer person beschehen
zum brauch des guets vmb ein zyns oder gelt gezelt zu werden ...
| Seite 514| Gedinger (locator) wirt genent der, welcher ein guet vmb
ein bestymbten lon (oder bestymbt gelt) eynichem zu brauchen verleicht
(oder sein guet einem andern brauchen verhengt vmb veraynten lon), als
wen ich leich mein haus zu inwonen, so bin ich der locator, du der
conductor. Es wirt gehandelt locacio vnd conduccio in den massen, aus
welchen gemacht wirt kaufen vnd verkaufen, von welchen oben gesehen ist.
Vnd darvmb, wan in der obern rubrik sein gesagt von den willen, von den
guetern vnd von dem lon, die ding soltu versteen hie wider geefert.
Mögen verlihen werden alle ding, die verkauft mügen werden, wan die sein
gleich die verleyung vnd die verkaufung vnd die besteung, wen kainer der
hendl ist sunstlich vnd vmb sunst gegeben,
| Seite 515| wen alweg kombt
entzwyschen das gelt vnd der lon darvmb beschiden. Aber aus dem handl
werden geborn zwo klag, als die klag vmb verleyung, die klag aus der
besteung. Aus der klag aus dem verleyen kombt zum ersten der zins zue
bezalen, von dem gedingt ist. Zum andern des verlihen guets ergerung.
Zum dritten des verlihen guets vnerbere inwonung. In die klag aus
verleyung des verhaysen haltung, besserung des haus. Vnd mag geschehen
die verleyung auf ein zeit, als auf ein jar oder ewiglich oder auf ein
zeit des lebens des besteers. Vnd inner der zeit der besteung, so der
besteer stirbt, so nacherbt sein erbe. Aber von der zeit der bezalung
des zyns vnd lons sein vnderschaidlich.
| Seite 516| Die gesatz wellen,
das im anfang, wen (conduccio, das ist) die besteung ist beschehn, dan
so wirt bald schuldig der conductor von dem lon. Die ander recht wellen,
das im mittel, als gesagt wirt von dem sold, welchen gibt der
schatzkamrer. Die andern recht wellen, das am end, wen warvmb der lon
allermayst am end geben wirt. Doch schatz ich, die gewonhait vnd den
sitten des lands von den dingen sei zu halden vnd wie gedingt ist; aber
in etlichen landen wirt bezalt der gantze lon in vier zeiten des jars,
in etlichen in zwayen, in etlichen am end des jars wirt der zyns gantz
gegeben. Auch in etlichen enden der locator pfend durch sich selbs den
inwoner vmb den zyns des
| Seite 517| haus, in etlichen klag der vmb
den vor dem richter. Ein andre gewonhait, ob der verleyer besorgt den
inwoner, den so pfend er in durch sich selbs, ob aber nit, so mus er
klagen vmb den zyns. [Der locator] oder herre des haus mag sein inwoner
austreyben von funf vrsach wegen. Zum ersten ob der verleyer in der zeit
der verleyung hab gehebt zway heuser vnd in welchem er wonet ist
verdorben vom fewr vnd vom infall. Zum andern ob das haus verlihen
notturftig ist zu bessern durch eynichem vall, welcher von newen ist
kommen vnd in zeit der verleyung ist nit notturftig gewesen das haus.
Zum dritten ob der verleyer ist mit grosen schulden vnd geburden des
schatzkamrers von newen beschwert. Zum vierden ob der besteer vnerlich
lebt oder vnersamlichen
| Seite 518| in dem haus wonet. Zum funften wen
der inwoner in zwayen jarn nit bezalt hot; der fiscal mag [aber] bald
den inwoner austreyben, so nit bezalt ist der zyns. Vnd du solt merken
das in den ersten dreyen vellen der zyns abgezogen wirt fuer anzal der
zeit, in den andern nit. Herwidervmb der inwoner mag den herrn des haus
vnwilligen das haus verlassen. Zum ersten ob der herr des haus nit stet
halt dem besteer, das er im verhaysen hot. Zum andern ob notturftig ist
das haus zu bessern vnd nit bessert. Zum dritten ob von den anlangungen
vnd vnrechten seiner nachpern in nit beschutzt. Zum vierden ob das haus
bauvellig dreuet den vall. Zum funften ob es von brunst des fewers aus
des herrn schuld (verbrunnen vnd) verzert ist.
| Seite 519| Und du solt
merken ob der besteer nie ist eingangen in das haus oder ob er ist
eingangen vnd on wrsach ausgangen, den so mus noch den zins bezalen
gentzlich, nur des haus herr het sich von seinem haus vnderstanden vnd
ein andern darein gesetzt, den so ist er im in nichte schuldig der
selbige besteer. Es wirt gefragt, ob sei die locacion oder conduccion,
ob einer geben hot einem schneider ein tuech zu machen ein klayd oder
gold vnd silber dem goldschmid zu machen ein sigill oder fingerrink, so
kain gelt bald ist gesetzt wurden, aber darnach wirt er so vil geben,
souil gewont ist zu geben. Ich sag, das ist nit locacio noch conduccio
aygentlich, aber in dem namen
| Seite 520| mit worten wirt geben die
klag, als oben gefragt ist. Ob so die gueter verwechselt sein, werd
gemacht ein kauf, also wan gewont ist gefragt zu werden von der locacion
vnd conduccion: ob dir einer ein guet hot gegeben gebraucht zu werden
oder zu nyessen ... hot eingenommen, gleicherweis als ob einer ein
ochsen oder stier hot vnd sein nachper einen vnd hot in bayden gevallen,
das sie die ochsen miteinander essen liessen zehen tag, das sie ein
besunder werk machten vnd bey dem andern ist verdorben der ochs, da wirt
gefragt, ob das sei locacio oder conduccio. Ich sag, das der kains ist,
(aber ich sprich) das es ist ein besunder geschlecht nit locati, wen das
ist kain lon entzwyschenkommen, auch nit comodati (das ist leyen). Wan
es
| Seite 521| ist nit gratuiten (verstee vmbsunst), darvmb ist zu
klagen aus der klag, gnant ... scriptis verbis. Vnd ob der ochs ist
gestorben on schuld des dem gelihen ist, den so ist der schade des
leyenden, sunst nit. Item ob ainer hot eingegeben ein besunder ligent
guet zu nyessen, wielang er den zyns oder die rent im daruon wirt geben,
da wirt gefragt, ob es sey ein kauf oder verleyung oder besteung. Ich
sprich, das nit ist ein kauf noch verleyung noch entlenung, sunder es
ist ein ander handel, der gnant wirt emphiteosis, von welchem bald
hernach wirt gesagt. Es ist kain kauf, wan der annemer des ligenden
guets vnd des erb mugen das nit verendern, doch die herrschaft des guets
wirt nit verwendt in den annemenden als in den kaufen.
| Seite 522| Es
ist auch nit locacio, wan das verlihen guet mag nit verendert werden,
als hie geschicht. Es ist auch nit comodatum, wen es ist gesetzt vmb ein
zyns, aber comodatum wirt vmbsunst verlihen. Welcher aber vmb ein brauch
der klaider oder brauch des silbers vnd des viechs (als ochsen vnd
dergleich), etwas hot gegeben oder verhaysen, von dem ein sulche huet
wirt erhayscht, welche allervleisiglichst ein hausvater seinen guetern
beweist; die im hett bewysen vnd in eynichem vall das guet verloren hot,
zu widergeben in der maß schuldig ist.
Emphiteosis grekisch ist, ein besserung lateynisch, wan etwan
| Seite 523| vor zeiten nur vnfruchtbare gueter warden verlihen den
andern, das sie fruchtbar wurden, aber yetzund die fruchtbarn vnd
vnfruchtbarn werden verlihen aus pretorischem rechten. Vnd die wider das
recht soll geschehen durch geschrift vnd geschehen ewiglichen oder auf
ein zeit oder fuer ein person oder fuer vil. Die gult ist zu erfodern
von dem besytzenden, nit von dem verkaufenden oder von dem absteenden
(oder gesturben). Dye emphiteotisch guet durch den besteer mag verkauft
werden vnd von seinen erben vorbehalten das recht des gruntherrn, wan
emphiteota hot den brauch vnd die frucht des guets, aber der herre
allein die aygenschaft vnd den zyns. Wan der herr besitzt ephiteosim
burgerlich, das
| Seite 524| ist im mut, emphiteo[ta] besytz naturlich,
das ist mit dem leib. Vnd du solt merken das die besytzungen sulcher
ligender gueter in etlichen landen alle jar werden verneurt; in etlichen
zway jar oder dreu jar, in etlichen nymmer. Vnd ob einer den zyns zway
jar nit bezalt, so wirt er vertriben vnd verleurt sein gantz recht.
Dasselbig recht ist, ob die gueter verterben oder werden verendert oder
einer nit recht bawet.
Wie wirt ein geselschaft gemacht, von welchen guetern sie werde, wielang
sie bleibt, wen sie aufgelöst werde, welche klagen aus einer geselschaft
entspringen.
| Seite 525| Von dem ersten ein geselschaft ist zwayer
oder mer veraynung ersamlich gemacht zum gewin weyter vnd nutzgebrauch.
Es wirt aber gemacht die geselschaft zwyschen zwayen oder mer, welche
alle ir gueter oder ein tail irer gueter miteinander zusamen legen
gleichen gewyn oder schaden zu nemen werden. Doch soltu merken das oft
beschicht, das ein gesell nymbt zwen tail des gewyns vnd der ander den
dritten; vnd der gleich von dem schaden. Auch beschicht, das einer in
dem gewyn, aber in dem schaden kaine darvmb, das er sein leib vnd leben
im wegzyhen darlegt, aber der ander nit. Auch geschicht in der
geselschaft, das einer legt das gelt, aber der ander die arbet vnd die
mühe, vnd darvmb nemen sie gleichen gewyn. Vnd das billich, wan oft die
arbet ist köstlicher
| Seite 526| vnd nutzlicher den das gelt, als kund
ist in den weysen vnd gewbten kaufleuten. Die geselschaft geschicht in
allen dingen, welche verkauft vnd gekauft mugen werden, als im wein, öl,
korn vnd in allen kaufmanschaften. Aber es bleybt die geselschaft so
lang, wie lang in einem syn die gesellen werden bleyben. Aber die
geselschaft wirt aufgelöst, wen ainer sich verzeycht der geselschaft on
gevarde, gleicherweis ob einer weste im zuzekommen (oder begegnen) ein
grosen gewin vnd darvmb verzeycht er sich der geselschaft, das er es gar
... habe, so erfunden ist die warhait sulcher gevarde, so wirt er
schuldig zu gemainen den gantzen gewyn mit seinen gesellen. Zum andern
wirt geselschaft aufgelöst in dem tod des gesellen darvmb, wen einer
| Seite 527| ein geselschaft handelt, so erwelt er im ein bestymbte
person. Zum dritten in dem tod eins gesellen, auch mit dem willen irer
vil were gemacht, nur anders were in der geselschaft gedingt wurden. Zum
vierden ob ein sun ist in das gewerb gesetzt. Zum funften aus offnung
eines gesellen (in eines gesellen gueter), als wen alle seine gueter
verkauft werden, wan si[n]tmal an sein statt ein ander kombt, so wirt er
fuer ein gesturbner gehabt. Zum sechsten, ob durch offnung oder besunder
schulden die gueter des gesellen werden verkauft. Zum sibenden ob einer
aus den gesellen [durch] schulden gar vast beschwert steet von seinen
guetern. Der gesell mag fuernemen seinen gesellen (oder beklagen), ob er
etwas hot begangen oder was
| Seite 528| aus seiner schuld ist
beschehen, als aus trakhait oder saumnes. Doch [schuld] nit [zu]
allergrösten [vleis] ist zu schicken, sunder es ist genueg ein sulchen
vleis in allen guetern beweysen den gesellen, welchen er in seinen
guetern beweyse. Wan welcher ein gesellen ein wenig liebhabenden im
zuenymbt, der sol im selbs den schaden haben.
Was sei gewalt, in wievil massen er gehandelt werde, welcher gewalt
gehalten nit sull werden, das kainer sulle vbergeen die end seines
gewalts, wievil maß der gewalt aufgelöst wirt, von entpfaung des
gewalts, wievil sein gestalt des gewalts, durch welche wort gemacht
werde der gewalt.
| Seite 529| Von dem ersten der gewalt ist ein
vmbsunstlich ambt (oder ein dankbars) von den, welcher das hot
angenommen zu tragen vnd zu verbrengen. Der gewalt wirt gmacht in funf
massen. Zum ersten von wegen des gewaltentpfaenden, das ist des, welcher
entpfangen hot den gewalt. Zum andern von wegen des gewaltgebenden. Zum
dritten von wegen ir bayder, das ist des gebitenden, auch des, dem
beuolhen wirt. Zum vierden von wegen des andern allain. Zum funften des
beuelenden vnd von wegen des andern. Von wegen des dem beuolhen wirt
geschicht, gleicherweis ob einer dir gewalt gibt, das du dein gelt eer
in kaufung zwsamen setzest, dan du einem vergüntest oder herwidervmb.
Vnd aus dem beuelhich entspringt kain klage, wan es ist ein rath vnd nit
ein
| Seite 530| gebot ... wirt er verbunden. Wan ein jedlicher sol
durch sich erforschen, ob sulcher rath im gebüre oder nit vnd nach dem
thuen. Von wegen des gebenden allein geschicht ein beuelhich
gleicherweis, ob einer dir beuilhicht, das du seinen handl tragest, als
das du im einen grunt kaufest oder fuer in gegen dem gelter gelobest
seiner gueter aus seinem schaden. Von wegen ir bayder geschicht
beuelhich, das du kaufest oder auch leyhest mir vnd dir das oder das
[oder] gelobest fuer vns bayde. Von wegen des andern allein geschicht
beuelhich, als ob dir einer beuilhicht, das du im vnd .N. einen grunt
kaufest vnd fuer sie bayd gelobest.
| Seite 531| Der beuelhich, der ist
wider die gueten sitten, ist nit verbundenlich, auch ob er mit dem ayd
oder einer peen sei bestett, als ob einer dir beuilhicht, das du ein
diebstal oder ein todschlag oder ein vnrecht (begangest oder) einem
thuest. Aus dem beuelhich entspringt kain klage. Der welcher verstreckt
den beuelhich, sol nit vbertreten die end des gewalts, sunst wirt er nit
haben die klage wider den beuelhenden. Als ich bit dich, das du mir den
grund kaufest oder fuer mich gelobest vmb zwanzig vnd du kaufest oder
gelobest fuer dreysig. Aus dem wirstu nit mügen eyniche klage wider mich
haben, wan nit vmb mer dan vmb zwanzig zu kaufen vnd geloben hab ich
[nit] beuolhen. Der gewalt wirt aufgelöst recht gehandelt, ob er noch,
so die sach gantz ist, wirt widerrueft. Auch
| Seite 532| wirt der
aufgelost, ob so noch ganz ist der gewalt der tod des andern, das ist
des gewaltgebenden vnd des gewaltentpfaenden, entzwyschenkumbt
wissentlich. Ob aber so der gewaltgeber gestorben ist dir vnwissent
hostu verstreckt den gewalt, die vnwissenhait entschuldigt dich nit, das
du dennoch schuldig bist zu bezalen, das du kauft host oder das du
gelihen host. Wen von strengem rechten wirt kainer erledigt von den
schulden, nur er bezal denen, welchen er schuldig ist zu bezalen. Es
wirt gegeben dem gewalthaber die klag wider die erben des
gewaltgebenden. Das ist gleich dem, ob einer hot ein diener, welchem er
sein schuldner wider begert zu werden vnd die schuld von inen zenemen
hot beuolhen vnd ob vnwissentlich den schuldnern hot den von im
geschiden, derselb darnach begert
| Seite 533| vnd entpfecht die schuld
von den schuldnern, gewyslich werden nit erledigt die schuldner, wan sie
nit bezalt haben, welchem sie schuldig sein gewest zu bezalen. Doch wirt
geben den schuldnern die nutzbarlich klag wider den gelter, wen warvmb
er hot den schuldnern des dieners abzihung suld verkundt haben oder die
bezalung oder suld die bezalung der schuldner verboten haben gehebt.
Einen gewalt nit aufzunemen ist einen jedlichen frey, aber den
aufgenommen gewalt zu volbrengen oder zu erst, so beldest es geschehen
mag, zu verzeygen, das der gewaltgeber durch sich selbs oder durch einen
andern sein guet verzeychne. Wan ob also nit ist geschehen, so wirt
stathaben die klag, gnant mandati, wider den gewaltnemenden.
| Seite 534| Ein gewalt mag geschehen schlechtlich oder auf ein tag oder mit
vnderschid. Aber ein gewalt sol sein vmb sunst gemacht..; dan ob er vmb
einen lon gesetzt wirt, den so wirt es verstanden ein leyung oder ein
bestellung. Ob an lon einer entpfecht oder annymbt ein gewalt, den
geburt die klag mandati oder depositi gehandelt werden, (verstee des
gewalts oder eins erlegten guets). Darvmb ob einer hot geben einem
schneider klaider zu machen, so kain lon gesetzt oder verhayschen ist,
dem geburt die klag mandati. Aber es wirt gehandelt ein gewalt durch die
wort: Ich bitt, ich beuilch, ich rathe, ich gebeut.
| Seite 535|
soltu merken das einer verbunden wirt aus nahet einem handel in funf
massen. Zum ersten der tragend ein gewerb eines andern on gewalt,
gleicherweis wen einer eins habenden ein handel tregt on wissen des. Aus
dem ersteet die klag, die gnant wirt negociorum gestorum, vnd dem herren
des getragen guets geburt die gerehen klag wider den, welcher hot
getrogen. Aber die klag negociorum gestorum gebuert die handlung oder
klag contractlich, welche klagen von kainem handel geborn werden ist
offenbar, darvmb aus nahet einem handel. Aber der, welches
| Seite 536|
gewerb getragen ist nutzbarlich, auch vnwissend wirt schuldig dem zu
kostung vnd scheden, welcher das gewerb hot getragen; also herwidervmb,
welcher ein gewerb hot getragen, ist schuldig das er der verwesung
raytung thue dem herren, doch mit allemhochstem vleis geschehen zu sein
das gewerbe. Zum andern ein pfleger ist schuldig dem jungen waysen zu
der raytung der pflege. Doch soltu sagen derwider, das der ways schuldig
ist dem pfleger, ob er etwas ausgeben hot auf das guet des waysen oder
ob er fuer in schuldig ist wurden oder ob er sein guet seinem gelter
fuer in hot versetzt. Vnd so kain handl zwyschen in bayden ist
beschehen, darvmb ist ein jedlicher dem andern schuldig aus nahet einen
handl.
| Seite 537| Zum dritten ob zwyschen etlichen were gemains guet
on geselschaft, gleicherweis als ob inen miteinander ein guet were
verschafft oder vbergeben vnd ir einer dem andern nit achtete ... mit
dem gericht oder das einer allein die frucht aus dem guet einnem oder in
dasselbig guet notturftige kostung machte, die haben vndereinander
nichst gehandelt vnd die missetat aus dem malefitz ist hie nit
beschehen, darvmb aus nahet oder contract wirt gesehen zu sein.
Desselben rechtes von den, welcher dem erben familie herciscundo ist
verbunden. Zum vierden der erb in namen des verschaffers nit aygentlich
aus einem handl wirt verbunden, wan weder mit dem erben noch mit dem
gestorben eynichs gewerb der verschaffung mag getragen gehebt haben
gesagt werden,
| Seite 538| wan aber nit aus malefitz wirt verbunden,
darvmb sagen wirt ... aus nahet einem handl. Doch wen einer durch irrung
bezalt ein nit schuld, der wirt gesehen schuldig sein aus nahet einem
handl. Doch nit aus einem handel, sunder eher aus einem mishandl wirt er
schuldig. Wan welcher gelt in mut zu bezaln gibt, an dem gibt, das
gewerb erbrochen werde eher den gemacht. Vnd darvmb der, welcher
einnymbt, wirt dem schuldig, als ob er im das gelihen heb. Vnd darvmb
wirt er im schuldig aus der klag (gnant) condicticia.
Wan aus bezalung des, welchs man schuldig, wirt aufhebt alle schuld,
darvmb nach dem tractat von den verbindung nachuolgt
| Seite 539| von
der bezalung. Darvmb ist zu sehen .., was sei bezalung, wievil ire
gestalt, welcher bezalen müge vnd welchem. Von dem ersten die bezalung
ist des, welchen man schuldig ist, widergebung oder also: die bezalung
ist ein erledigung von den schulden. Es sein zwo gestalt der bezalung,
ein naturliche, die ... burgerlich. Die naturliche vnd ware beschicht
durch widergebung des, ... man schuldig ist. Die burgerlich bezalung
beschicht in viel massen, als durch acceptilacion (verstee ein
verbilliche zalung), durch verneuung, durch beuelhung einem andern,
durch vergleichung, durch nacherbung, durch verbindung, durch ordnung,
durch verkundung, durch entpfaung der frucht, durch geding vom nit
begeren. Zum ersten durch die ... bezalung
| Seite 540| der wörter
(gnant acceptilacio). Wan das gehandelt ist mit worten, das wirt
aufgelöst mit worten. Durch verneuung, das ist durch verborgschaft oder
vnderschaid oder wen durch einen andern weg die schuld aufgehebt werd.
Durch beuelhung oder darerbietung des ayds wirt aufgehebt die schuld,
als durch einen boten. Durch vergleichung, als wen ein anders wirt geben
fuer ein anders, als ich schuldig bin wein vnd gib dir korn. Durch
nacherbung, als wenn ein gelter nacherbt den schuldner oder herwidervmb.
Durch ein ander verbindung wirt aufgehebt die erst. Durch ordnung, als
wen ich ... dir schuldig bin, erleg bey einem.
| Seite 541| Durch die
verzeychung wirt aufgehebt die schuld (oder verbindung), als wen durch
meiner frucht einnemung von meinen guetern die schuld wirt genommen,
wirt aufgehebt die verbindung. Es sol vnd ist schuldig zu bezalen der
haubtsacher vnd sein erb... es mag zalen ein ausserer fuer einen
schuldner, auch vnwissenden dem schuldner vnd auch vnwilligen, vnd noch
dem wirt erlost. De[m ist zu] bezalen, welchem man schuldig ist, sunst
wirt der schuldner nit erledigt. Alle verbindungen, welche mit willen
werden gehandelt, die werden erledigt mit widerwertigen dingen, als .A.
kauft ein weingerten vom .B. vmb zehen gulden, so das guet nit nachuolgt
ist, noch eingegeben noch das gelt bezalt. Hot inen bayden geuallen, das
| Seite 542| sie steen von den kauf vnd also werden sie
gegeneinander erlediget. Dasselb ist des rechtens in allen hendeln,
welche mit willen werden gemacht, als verleyung vnd besteung.. Wan
nichst ist dem rechten naturlicher mer zymlicher, dan das in der maß
bezalt werde, in der ainer verbunden wirt, ob mit worten .., ob mit
guetern ... et cetera. Vnd die ding gnug sein von der verwilligung vnd
von bezalung.
Wan aber oben meldung geschehen ist von dem handl, darvmb ist yetz zu
sehen, was sei contractus, wievil sein gestalt. Ein contract ist
eygentlichen, wo williglich hin vnd herwidervmb
| Seite 543| erstat ein
verbindung, als in kaufung vnd verkaufung, verleyung vnd besteung. Wan
der verkaufer ist schuldig dem kaufenden zu geben das guet vnd der
kaufer ist schuldig dem verkaufer zum gelt zu bezalen. Der contract wirt
vneygentlich genent, wo allein von einem tail ersteet ein verbindung,
als kunt ist in gelihnem vnd erlegtem guet. Aber ein contract ist mer
vnaygentlich, wo von kainem tail ersteet die verbindung, sunder
erledigung, als kunt ist in einer vertragung, da geschicht einer
verbindung entzihung oder auflösung einer verbindung. Aber es sein drey
gestalt der contract. Etliche werden benant, als kaufung vnd verkaufung,
verleyung vnd besteung. Welche darvmb werden gesprochen benant,
| Seite 544| wan kain der vocabel (oder namen) dem andern ire bedeutung
geben mag. Wan emcio oder kaufung nit mag genent werden (oder gesagt
werden) locacio noch herwidervmb, vnd also von den andern hendeln. Die
andern hendel werden genent vmbenant, als ich gib - das [du] gibst, ich
thu - das [du] thuest, ich gib - das du machest, ich mach - das du
gibst. Von dem ersten ein exempel in vertauschung. Von dem andern ein
exempel in ainer verhayschung. Von dem dritten ein exempel in der
vbergebung. Von dem vierden ein exempel in der zymmerung. Vnd werden
genent vnbenant contract, wan ire namen sein also .., das sie auch allen
contracten mügen dargelihen werden. Darvmb ich gib, das du gebest, das
gelihen wirt der kaufung vnd verkaufung, wan der
| Seite 545| verkaufer
gibt das guet, der kaufer das gelt. Dergleich der verleyher verleycht
den brauch des guets vnd der besteer gibt den zyns et cetera. Die hendl
mer werden gesagt vnbenant geding vnd das darvmb, wan die geding mügen
dargeligen werden den benanten.. gedingen. Wen ein ding ist ein also
gemain nam, welcher allen hendeln wirt gelihen werden. Vnd du solt
merken das in der rubrica von der zal der person erzaygt ist, welche
mügen machen ein handel vnd welche nit. Darvmb das nit ist notturftig
dauon auszulegen.
Oben ist gesehen von der verbindung aus einem handel oder
| Seite 546|
nahet bey einem handel. Nun ist verhanden zu sagen von den verbindungen
aus malefitz oder nahet aus malefitz. Und zum ersten soltu merken das
die verbindungen alle aus malefitz eins grads sein, wan sie alle aus
boshaftigen dingen geborn werden, als aus diebstal, raub, vnrecht,
schaden etc. Von welchen allen durch ordnung ist zu sagen vnd zum ersten
von der diebstal.
Was sei diebstal vnd wannen die gnent, wievil sein geschlecht oder
gestalt des diebstelers, warvmb einer gnant werde ein dieb aus der
statt, wo diebstal nit gschicht, welche diebstal begangen wirt aus
brauchung eines fremden
| Seite 547| guets, das diebstal begangen wirt
aus gelihem dinge, mer das begangen wirt beuolhem dinge, das begangen
wirt aus gehays oder erlaubnus, das etliche schuldig werden einer
diebstal vnd werden gestraft vnd welche durch sich diebstal nit haben
gethan, das etliche diebstal haben begangen vnd aus wrsach einer
diebstal nit werden gestraft, in welchen gueter diebstal geschech,
welche klagen ensteen aus einer diebstal, welchem geburet die klag einer
diebstal, wider welchen die gebur, in welchen massen wirt geklagt wider
einen dieb, das einer seines guts ein diebstal mag thuen, welche sei ein
peen zw stelen. Von dem ersten ein diebstal ist ein vntreuliche
brauchung wider willen des (guts) herren eines frembden guets beweglichs
oder
| Seite 548| bleyblichs, welchs beschicht in mut zu gewynnen oder
von wegen eins guets oder einer besytzung. Ich hab gesagt contrectacio,
das ist ein hinthuung oder ein abnemung, es geschech von hinschickung,
hintreybung oder abnemung oder reytung, wan on die ding diebstal nicht
geschicht, wiewol der wille oder das wort oder geschrift entzwyschen
kombt, wan allein die betrachtung diebstal zu thuen macht nit diebstal,
auch nit das wort, nit die geschrift, nur etlichs geschichtes
hernachuolgung oder ein wrkund. Ich hab gesagt ein vntreuliche, wan ob
einer aus eynicher irrung gefuert sein guet schatzend ist vnd des
rechtens vnwissender in dem mut hinnymbt, der begeet nit den diebstal.
Es wirt gefragt, ob dem herrn des guets gezyme, sein gut durch gewalt
hintragen von einem
| Seite 549| jedlichen besytzer. Ich sage mit dem
gerichte, der ist nit schuldig der diebstal. Ich hab gesagt wider willen
des herrn, als ob er glaubt hab den herren das werden zugeben vnd ist
dabey ein gerechte wrsach zw glauben, villeicht darvmb das er ist ein
bruder oder geborner freund oder ein guter gesell, der wirt nit schuldig
aus wrsach einer diebstal. Ich hab gesagt fremdes guets, wen vmb des
guets, welches schlechtlich mein ist, thu ich kein diebstal. Ein anders
ist, ob ein ander das guet hot bey mir oder ob ein ander in meinem guet
recht hot, als ein gelter oder ein kaufer guetes glaubens, gewislich in
den dingen thue ich ein diebstal vnd bin schuldig aus klag einer
diebstal, aber doch ist das guet nit diebstellig. Ich hab gesprochen
beweglich,
| Seite 550| wen das vnbeweglich guet mag nit hingetragen
werden vmb seine vnbeweglikait. Und leyblichs, wan das vnleyblich mag
nit gegriffen noch vmbzogen werden. Ich hab gesagt in mut zu gewynnen,
als ob einer hot ein huern geraubt vnd verschweigt aus wrsach der
vnkeusch, der begeet nit ein diebstal, wen er nit mut hot die zu
behalten. Ich hab gesprochen von wegen eins guets, als wider
gerechtikait des ingehalten ... guets. Ich hab gesprochen von wegen der
besytzung, als durch gewalt oder heymlich besessen, die all sein
schuldig einer diebstal vnd sullen gestraft werden. Ich hab gesprochen
des brauchs, als zu schaden. Wan es mocht der gelter ein pfand brauchen
vnd zu tragen ein klaid ein kurtze
| Seite 551| zeit, das es die
schaden nit erstörten. Welches ist dasselbe von dem erlegten guet,
welches einer brauchen mocht on allen schaden vnd geverde. Es wirt aber
gnent furtum a furno nigro uel obscuro vel opaco darvmb, das es haymlich
vnd finsterlich vnd oft bey der nacht geschicht oder von dem
lateynischen wort fraude oder hintragen werden, welche ding in diebstal
albeg beschehen. Der diebstellen sein zwo gestalte, als ein offenbare
vnd nit offenbare. Die offenbare diebstal ist ein diebstal, an der der
dieb begriffen wirt, eemal er kumbt an sein beschidne statt. Das nit
offenbare ist ein diebstal, doran nit begriffen wirt der dieb, aber das
selb guet ist dieblich. Das offenbare ... wirt gnent in
| Seite 552|
vierlay maß: Zum ersten wen der dieb begriffen wirt mit dem gestolen
guet, er hab das in der hand oder auf dem rucken. Zum andern wen er
begriffen wirt an der stat, ..ein diebstal geschehen ist, als in meiner
kamer oder rosstal ... diebstal zu thuen vnd nit zu der thuer ausgangen
wirt begriffen. Dasselb ist auch in dem weinwachsen der trauben vnd
ölgarten der ölbaum oder baumgarten oder in einer wies hot diebstal
gethan vnd daselben begriffen ist wurden. Zum driten ist der dieb ein
offenbarer, wie lang er das verstolen guet inhelt vnd begriffen wirt an
einer offnen oder besunder statt, von dem herrn des guets oder von einem
andern, ee das er kombt an die statt, in welche er das verstolen guet
tragen vnd erlegen hot erwelt. Zum vierden ist ein
| Seite 553| offner
dieb, welcher wen er gejagt, an einer jdlicher stat das sein wirt vnd
die diebstal von im wirft, den so sol die diebstal im gelegt werden auf
sein hals vnd dem richter geantwurt werden. Auch saltu merken das einer
ist ein haymlicher dieb in vier massen, zum ersten in welches haus ein
diebstal gefunden ist, eyngenommen oder abgetragen oder verboten vnd nit
herfuer gezaigt (die erfunden diebstal). Conceptum ... wirt genant, wen
bey einem verstolen guet ist gesucht vnd nit erfunden, als zeugen
gegenwurtig waren, wiewol er das gut allein nit hot genommen. Die
abgetragen diebstal wirt gesagt, wen das verstolen guet ist einem
genommen vnd zuegelegt wurden, das es eher bey im gefunden werd den bey
dem diebe.
| Seite 554| Die verboten diebstal wirt genant, wen einer
verstolen guet suechen wellende bey einem andern, so zeugen gegenwurtig
sein, so wirt er nit verhengt zu suchen, sunder er verbeut. Nit herfuer
gezaigte diebstale ist, wen einer verstolen guet bey einem gesucht vnd
nit gefunden er fuerzaigen vnd gesehen zu werden versagt. Es ist
offenbar, das alle die, welche verstolen guet annemen, verschweygen,
behalten, kaufen, verkaufen, sein heymliche diebe. Wan diebstal nit
allein begangen wirt aus abnemung frembdes guets wider willen des
herren, ... gleicherweis ein gelter, ob der braucht verpfendt guet, oder
der, bey welchem das guet erlegt ist, oder der, welcher das guet zu
brauchen entpfangen hot vnd in ein andern brauch das verwendt
| Seite 555| hot, dan von welchs wegen es in ist verlihen. Gleicherweis
ob einer silberine vaß hot entlehnet, als ein freunt zu seinem brauch
geladen werden vnd er die lang zeit nit widergebend verkauft oder
versetzt oder vbergibt einem andern vnd verendert, der hot den diebstal
begangen. Das ist auch, ob einer ein roß aus wrsach zu spaciren in ein
stat hot gelihen oder vbergeben vnd in einen wagen oder in ein pflug hot
gesetzt oder das roß einem andern zu arbayten hot gelihen oder
vbergeben, der begeet ein diebstal. Wan die gestalt einer diebstal ist
von fremden guet geben oder ein fremd guet verkaufen, verbunden werden
oder hinleyen. Aus dem ob ein khnecht eines andern herrn wider willen
des herrn oder vnwyssend dem herrn ein roß oder ein ander guet hot
eynichem gelihen, der begeet ein
| Seite 556| diebstal, nur er wysse
den herren das verhengen werden vnd wider seinen willen [nit] zu sein.
Ob aber einer wirt geen in seines nachbern haus oder eines freunds vnd
nymbt das roß oder ein ander guet nit in muet zu stelen, glaubende das
zu sein von dem willen des, welches das guet ist, der begeet nit den
diebstal, wan der begeet nit diebstal nur in mut zu stelen. Wan der
wille vnderschaidet das malefiz. Welcher vom offen guet oder vom guet im
auf sein treu beuolhen etwas hinnymbt oder in seinen brauch bekert oder
einem andern vbergibt oder leicht, verkauft oder verbindt, der ist der
allerschnodest ... darvmb, das er sein treu bricht mit den im beuolhen.
Und herwidervmb ist der zu strafen mit zwifeltiger peen, als gesehen
wirt an seiner..,
| Seite 557| wan er thuet ein diebstal vnd bricht
sein treu. Item welche ein guet finden vnd nit widergeben erfordert vmb
das, sein der diebstal schuldig, wiewol sie diebstal nit haben gethan,
doch werden sie nit mit peen ener diebstal gestraft, sunder sie werden
bezwungen wider zu geben. Aber die richter einer diebstal des guets sein
schuldig, oder mitwissen oder verhengen diebstal zu geschehen oder
erlaubnus geben vnd welche die dieb nit vahent vnd vber sie nit richten
vnd welche die schuldigen vmb gelt hinlassen oder welche die dieb
verschweigen, wan alle die sein gesellen der diebe. Item es wern
schuldig aus klag einer diebstal alle die, welche die ... beherberigen
vnd welche diebstalen
| Seite 558| wissentlich behalten, welche
wissentlich kaufen oder verkaufen gestolen guet vnd welche mit einem
diebe in der diebstal haben ein tail, wan die thuenden vnd die
vergunnenden werden mit gleicher peen gestraft (vnd gepeyniget).
Underweile wirt der diebstal schuldig vnd wirt gestraft, welcher durch
sich selbs die diebstal nit hot gethan, als der, welcher rath, hulf vnd
stewer hot geben zu thuen ein diebstal. Der rath ... welcher rath setzt,
vnderricht oder antreybt einen zu stelen. Doch ist der ratende nit
schuldig der diebstal, nur die diebstal sei hernach geuolgt, wan ein
rath ist zu bayden tailen, wen der mensch mag nachuolgen einem rath oder
nit. Der thut hulf, welcher verleicht sein khnechte oder roß zu thuen
diebstal.
| Seite 559| Hilf thuet der, welcher berait wergzeuch zu
guetem dieblich zu nemen, als ob er ein laeter leycht zu steygen in die
fenster der hewser oder eysenwergzeuch berait zu durchgraben die heuser
oder zu brechen die mewr oder die thuern aufzwbrechen vnd welche
beraitend falsch schlussel die schreine auf zu thuen, das sie messer ...
oder horn zu bürschen vnd dergleichen. Die alle seind haymlich diebe vnd
sein schuldig. Vnd herwidervmb thuet einer ein diebstal, aber im geburt
nit die klag, einer diebstal wirt auch nit gestraft, als ob das eeweib
dem eeman, der haussun seinem vater, der khnecht seinem aygenherrn etwas
enzeucht vnd stilt, warlich sie thuen auch diebstal
| Seite 560| vnd
das guet veruelt in diebstalliche wrsach, doch so wirt nit geborn
zwyschen den aus dem die klag einer diebstal noch in das geschicht auch
nit in die peen des leybs vnd der gueter. Ob aber mit rath oder hulf
eines andern ein sulche diebstal ist geschehen, derselbig wirt schuldig
einer diebstal vnd wirt gestraft, wan on in were der diebstal nit
geschehen. Dergleichen auch die kinder vnd die schwachen von alters
wegen, die tobigen vnd naren naturlich werden nit gestraft am leibe vmb
diebstal, sintemal sie nit haben beschaidenhait der vernunft vnd wissen
nit was sie thuen. Ob aber ein haussun hot von ankommendem guet oder von
seinem aygen oder von seiner arbet vnd dienst, von denen sol er genug
thuen dem vater von der verbrochten diebstal vnd herwider
| Seite 561|
der vater dem sun, der herr seinem khnechte. Das eeweib irem manne, die
nit habend ist verwesung der gueter, sol irem man gnug thuen. Ob sie
aber ist ein (kauferin vnd verkauferin als ein) kaufmanyn, den so wirt
sie nit schuldig zu widergebung vnd gnugthuen den manne, wan also werden
sie zu gleichen dingen gewrtailt. Dasselb wirt auch gesagt von den
kinden vnd von abkomenden von iren kreften, ob sie etlichen thuen
schaden ... zu vergleichen ... oder wider zu keren, sullen sie nit
gestraft werden am leib oder in iren glidern. Aber es wirt entschuldigt
der dieb von der peen einer diebstal, ob er vmb die letzte notturft, als
hungers vnd kelde, stilt speis vnd klaider oder andere notturft in
klainer (oder weniger) grös, wan in der letzten not sein alle ding
gemain.
| Seite 562| Und ich sprich in klainer grös, als ein weintraub
,ein leycht guet, ein alten rock oder ein schwachen mantel, dergleich.
Und das ist die wrsach, wan ob er heut stele einen rock, morgen einen
mantel, nach morgen einen pelz oder ein kappen oder ein guets klaid, der
were zu strafen. Wan die letzt not ist, on welche der mensch leben nit
mag, als ist die narung vnd das beklaidung. Aber nit allein fremdes
guets einer thuet ein diebstal, ja auch seines aygens guets mag einer
thuen ein diebstal ... Es geschicht aber diebstal eygens guets in
beweglichem oder leyblich, als oben gesagt ist in der auslegung der
diebstal.
| Seite 563| Und ich sprich in beweglichem guet durch
haymliche vberlaufung oder vbergebung der schlos, der stette, der heuser
durch vntreu, als leuterer hernach wirt offenbar. Und du salt merken das
diebstal nit allein geschicht in guetern sunder auch in personen,
gleicherweis ob er in einen freyen menschen hot erzogen vnd den hot
verkauft, vbergeben oder kauft wyssentlich, der begeet ein diebstal vnd
wirt gestraft aus klage einer diebstal.
Aus diebstal werden geboren dreu klagen, als ein peynliche, ein
bürgerliche vnd ein vnderschidliche. Und von einer der klagen ... zu der
andern mag der klager nit kommen vnd ob der herre des
| Seite 564|
verstolen guets klagt wider den dieb vmb das gestolen guet, den so mügen
der scherer oder schneider oder schuester vmb das guet in beuolhen ledig
werden vnd herwidervmb. Die klag einer diebstal geburt zum ersten vnd
erstlichen dem herrn des guets vmb das gestolen guet. Zum andern so
geburt sich dem kaufer oder commissarii oder leyher oder behalter
erlegts guets guets glaubens. Wen warvmb der leut gerechtikait ist in
beuolhen vnversert zu bleyben vnd zu behalten. Die klag einer diebstal
geschicht wider den dieb, ob klagt wirt burgerlich, zu geltlicher peen,
ob aber peynlich, den zu der gesetztlichen peen; ob aus vnderschid (oder
condicion), den zu widergeben das gestolen guet. Darvmb so wirt in
dreyen massen klagt wider den dieb, als burgerlich,
| Seite 565|
gesatzlich vnd aus einer condicion. Die peen einer diebstal in
peynlicher oder gesatzlicher klag ist nit albegen ertötung, sunder
vnderweylen mit prugeln ausschlahen, schlahung mit gerten oder zu zen
brennen oder zu orn abschneiden oder bezeichnung an der stirn mit einem
gluenden eysen oder dergleichen nach freyem willen des richters vnd
grose der diebstal, (grose) vnd welichkait. Die peen offenbarer diebstal
in burgerlicher klag ist vierfeltig. Aber die peen haymlicher diebstal
zwyfeltig. Die peen der diebstal, welche zu der gewyssen, ist
schlechtlich. Doch ist schuldig der dieb in burgerlicher klag das
verstolen guet nach der gewissen schlechtlich wider zu geben mit den
fruchten
| Seite 566| daruon entpfangen vnd die hetten mugen entpfangen
werden vnd ob er dasselbig guet het erger gemacht, wirt er schuldig zu
erfüllung, ob er auch das guet het gebessert, so sol er nit begern ein
vergleichung. Ob das gestolen guet ist verdorben, so wirt er das
bezalen, als zu der zeit, in welcher es mer werd ist gewesen, wirt
geschatzt. So ist es frey dem herren des guets oder einem andern vmb das
gestolen guet zu klagen entweyders burgerlich oder peynlich oder mit
vnderschaid. Auch die diebstel nit allein in grosen guetern begangen
wirt sunder auch in den personen . Wan so haben die gestolen gueter
mancherlay peen, als oben gesagt ist. Und ist zu merken das nit allein
das, welches mit diebstal genommen ist, wirt vermerkt, sunder auch der
will vnd
| Seite 567| die boshait des stelenden, als ob einer stilt ein
sattel, vil lieber ob er gemügt het stele er das roß, vnd nach dem sol
er verwrtailt werden. Es sol auch vermerkt werden im stelen zeit vnd
stund, als die nacht vnd der tag vnd dergleich die statt, ob in einem
geweichten oder vngeweichten statt und das gestolen guet sei hailig oder
nit haylig. Es ist auch zu wissen, das diebstal mit eynigem gemut
begangen in willen zu stelen wirt gestraft, wiewol das werk nit hernach
uolgt. Und das nach den gegenwurfen vnd zaychen, als ob einer durchgrebt
ein haus, das er stele, wiewol der schade nit hernach uolgt oder das
werk, doch der böse wille wirt genommen fuer das werk in den zaychen.
Dasselb in den brennern, welche in hamlikait tragen
| Seite 568| das
feur vnd anzunden, vnd ergriffen werden gestraft. Dasselb auch in den
wellenden rauben vnd vberlaufern der gueter. Dasselb welcher ein
jungfrawen mit gewalt hot dernider wurfen wellend sie enteren. Dasselb
ist auch des rechtens, ob einer die thuer eynichs hauses eins frummen
mannes aufhengt, brend vnd besem anhengt, eschen, ein schwert oder ein
bluetigs schwert. Dasselb in vil andern dergleich. Und kurtzlichen wo du
finden wirst brauchung fremds guets [wider] den willen des herrn des
guets, da albeg verstast ein begangen diebstal, es geschech (oder nit)
aus der statt, aus dem brauch, aus dem gelihnen guet, aus dem gebot, aus
dem erlegten, aus dem beuolhen, aus dem kauften, aus dem verkauften etc.
Und ist zu wissen das die klage einer diebstal ist also vnleumbs
| Seite 569| voll, das wider die fursten noch der landspfleger des
lands noch eynicher richter mag machen fuer recht, das dem verdamten
oder verwrtailten aus klag einer diebstal nit nachuolge vnleumbt, wan
sie mugen die schuld vnd die peen dem verdamten vmb ein diebstal
nachlassen, den vnleumbden aus diebstal erwachsen nachlassen nit mugen
in eynicher maß. Es ist aber ein zwyfeltich vnleumbd, als in gaystlichen
vnd we[l]tlichen rechten vnd wirt gesagt die klage vervnleumbd als
volles vnleumbs. Item etliche der diebstel bleyben in gemainen namen,
etlich geent zu besundern namen, als ein diebstal eins geweichten guets,
das gnent wirt ein kircherbrechung, vnd ein diebstal offens guets wirt
gnent pecolatus; welche einen freyen menschen stölen,
| Seite 570|
werden gnant plagiary; die das viech hintreiben oder die hert, die sein
abigei, verstee viechrauber. Und merk das ein jedlich verstolen guet von
kainem mag angenommen werden, eemal es in des herrn gewalt widerkomme.
Zum letzten soltu merken als sein vil und mancherlay diebstel, also sein
mancherlay peen der diebstel. Aber etliche dieb werden gestraft am leib
allein, etlich in guetern allein, etlich an eren allein, etlich in den
dingen allen, als offenbart wirt ...
Was sei kirchbrechung, wievil maß es begangen werd, welche peen der sei.
| Seite 571| Kirchbrechung ist ein diebstal heyliger gueter.
Kirchbrechung wirt begangen drifeltiglich: wan eyntweders einer stilt
ein heylig guet von einem heyligen oder heylige gueter von einer
kirchen; oder er stilt ein heyligs nit von einem hayligen, als heylige
gueter von einem gemainen haus oder kammer; oder er stilt nit heyligs
von heyligen, als mesbucher, kertzen vnd dergleichen von einer kirchen,
dergleichen gueter der leyen geflöhnet oder zu behalten gegeben in einer
kirchen, als korn vnd andre gueter. Die peen der ding, die stelen
heylige gueter von hayligem, ist verbrennung. Dasselb ist auch von den
aufbrechern vnd freuelern der kirchen in mut zu stelen, wiewol diebstal
nit darnach volgt. Welche aber stelen nit haylige ding von hayligem, wie
gar
| Seite 572| fast klaine, ist die peen henkung. Es sprechen etliche
tirannen, das ein offner raub sei verhengt, er hab auch nit eyniche
peen, das ist wider die rubrik, welche sagt, ob einer sein gut eynichen
andern wurd leyen, der sol das mit aygen gewalt nit hinwegtragen von
dem, das auch vmb den mynsten raub ein rauber sol gestraft werden.
Was sei ein rauber, in welchen dingen geschech eyn raub, wie begangen
werd ein raub, wievil maß geschech ein raub, welche und wievil klagen
aus einem raub ersteen, welche peen der rauber. Von dem ersten ein
rauber wirt gnant ein boser dieb, wan
| Seite 573| er merer belaydigt
seinen nachsten, wen ein dieb darvmb, wan wider willen des herrn vnd
vnderweilen vnwissend ein frembd guet durch eygen gewalt offenlich vnd
on forcht raubt vnd hynnymbt, aber der dieb allein haymlich vnd mit
groser forcht stilt. Ex beschicht aber ein raub in guetern vnd in
personen. Doch aygentlich geschicht ein raub in guetern, aber raptus,
(das ist geraubter), in den personen vnd voraus in den jungfrawen. Die
missetat eines raubs wirt begangen in sechs maß, als offenlich,
besunderlich (oder heymlich), mit waffen oder on waffen, besunderlich
oder mit samlung, vnd nach dem sein mancherlay peen der rauber.
Offenlich geschicht der, wan einer durch aygen gewalt on samlung frembde
gueter hynnymbt vnd raubt, welche gueter,
| Seite 574| ob die sein
heylig oder von einer heyligen statt geraubt, den so geschicht ein
kirchebrechung. Besunderlich geschicht, wen einer haymlich raubt oder on
samlung vnd der hayst vispilio, verstee ein rauber mit gewalt oder ein
rauber. Ob geklagt wirt burgerlich vmb den raub, den der rauber mit
waffen vnd samlung wirt in vierfeltung gestraft, ob er hot; ob er aber
nit hot, so wirt er erhangen oder wirt gestraft in einer andern maß. Ob
aber klagt wirt peynlich, den so wirt er vmb den offen gewalt geschicht
in ein insel, vmb ein besunder (oder haymlich) freuel sol er von aller
schickung seiner guter vnd machung des geschefts ausgeschlossen werden.
| Seite 575| Aus einen raub ersteen dreu klagen, das ist ein
burgerliche, ein peynliche und ein vnderschidliche (gnant
condicionalis), als oben gesagt ist von der diebstal, wan es wer ein
gespotlich ding zu sein einer leychterer achtung, welcher mit aygen
gewalt raubt dan welcher haymlich stilt. Darvmb ist die klag nutzberlich
vnd kreftig, auch ob das allermynst guet geraubt wirt. Also auch die
klag eines raubs durch aygen gewalt gebuerd auch, ob einer aus bosem
list hot geraubt. Ob er aber aus irrung verfuert wirt oder vnwissend des
rechtens schatzend ist das guet sein zu sein vnd hot das in dem mut
geraubt, aus dem einem yeden herrn gezymbt, sein beweglich oder
vnbeweglich guet hinfuern von einem yeden vnzymlichen
| Seite 576|
besytzer, sulcher sol durch ein ortel des richters erledigt werden von
recht von der klag (gnant) vi bonorum raptorum, welcher nit schuldig ist
aus der klag einer diebstal, der in der maß raubt (oder hynnymbt).
Sunder das nit die allerschnödisten rauber vnstreflich üben ir boshait,
ist gesetzt ein gesatz, das nit verzym eynichem mit gewalt rauben ein
beweglich guet oder sich bewegen[d], wievil er dasselbig guet sein zu
sein schatzt vnd ob einer wider wirt thuen, der wirt der herrschaft
seines guets mangeln, sunder auch das frembd geraubt guet oder seinen
wert sol in zwyfalt genöt werden wider zu geben. Welchs wir nit allein
in beweglichen guetern gehalten schatzen, sunder auch in den (herbringen
oder) bleybungen vnd
| Seite 577| welche bestymbte vnbewegliche gueter
sein, gebieten wir zu behalten. Und das darvmb geschicht, das aus der
peen die menschen von allen raub abbroch haben. Wan der raub ist also
widerwertig dem rechte, das ob einer sein guet einem andern leycht oder
erlegen wirt oder verleycht oder zu pfand gibt, das er dasselb mit aygen
gewalt von dem hynnemen nit mag noch sol in aynicher maß oder in
aynicher ander maß ...
macht die rubrik erstlich zway ding: Zum ersten erzaigt sie, in welchem
ding der begangen wirt, zum andern setzt sie die peen der rauber.
| Seite 578| Der rauber eygentlich wirt gnant der jungfrawen vnd der
raub geschicht zwyfeltiglich. In einer maß wen die tochter (eins tayls)
von dem hause ires vaters gezogen vnd ausgefurt wirt, eyntweders der
eygen gewalt wirt iren vater vnd muter oder der tochter bewysen. In der
andern maß wen die tochter in dem hause oder ausserhalb des vaters hause
entert vnd entbleumbt, es sei mit irem willen oder on willen es
geschech, von einem aussern oder von einem innern die vnkeusch geschech,
wie erstörung begangen wirt. Es beschicht auch raub der verheureten vnd
der klosterfrawen vnd der diernen vnd der huern vnd auch der tochterlen
vnder zwelf jarn. Du solt merken hie das die vnkeusch halt sich gegen
einem jedlichen
| Seite 579| vnkeuschen werk, als das geschlecht zu
seiner gestalt. Wan die vnkeusch hot vnder ir vil gestalt, welcher eine
albeg ist schwerer dan die ander, darvmb so wirt einer ein schwererer
peen leyden. Welcher gestalten sein: formacio, das ist vnkeusch,
eebruch, enterung, raub, vnkeusch freunds mit eyner freundin vnd wider
die natur. Von den penen aller der wirt besunderlich gehabt in dem
nachuolgenden buech. ...vnd sein gantzes guet der geraubten wirt gegeben
zu vergleichen der freuel ir gescheen vnd aus dem [verleurt] sie nit ir
eer, wan ir wille vnd verwilligung ist nie darbey gewesen. Und mit der
selbigen hauptlichen peen werden gestraft al sein gesellen vnd mitgeend.
| Seite 580| Und merk das eine geraubte frau nit sol erwelen die
geselschaft des raubers vor der zeit von dem gesatz gegeben, wan sie
wurd der erbschaft veterlichs erbs beraubt, ob sie vor zeit von gesatz
gesetzt wurd einen man nemen. Ob aber einer von meinem hause wurd
erstörn meine tochter oder mein geborne freunde in meinem hause oder ob
er sie fürte ausser dem hause, sie sey willig oder vnwillig, sol der
gestraft (oder beraubt) an seinem haubte, vmb das er sein treu an seinem
waren herrn hot gebrochen. Ob aber mein diener wirt entern mein diern in
meinem haus, den sol er sie nemen zu einem eeweibe oder von der statt
funf jar verboten werden vnd das geschicht
| Seite 581| darvmb, wan er
hot das gantze haus gevnert.
Von den raubern, was sei ein rauber (gnant predo), wannen er gnant wirt,
welche ... peen. Predo aygentlich wirt genent, welcher die laufer vnd
boten die weg geenden an offen strassen haymlich vnd auf legung ire
gueter beraubt. Und wirt vnderweylen gnant ein soldner zu sein ein
rauber, welcher in aygen seinen solden nit steet benugig, sunder die
andern beraubt. Auch wirt gnant der rauber ein richter, welcher sein
vnderthanen vnschuldig straf abernöt. Auch wirt gnant der rauber ein
tirann, welcher von seinen vndertanen vngelt vnd hayschung vngewontlich
abernöt.
| Seite 582| Die peen der ersten zwayer rauber ist henken,
aber der letzten zwayer ist die peen der gantzen widergebung.
Was sei ein brenner, wievil maß er wirt, welche peen der selbigen. Ein
brenner ist der, welcher fremde heuser oder samen im felde oder korn
oder getrayd oder baum williglich mit zuegelegtem feur anzundt aus rach
oder aus haß. Es beschicht aber ein brand vierfeltiglich, eyntweders
williklich oder ongevar, offenlich oder haymlich. Welcher williklich aus
argem list mit zuegelegtem feur anzundt, der wirt mit dem feur verbrant.
| Seite 583| Ob aber vngevarlich von dem haus eines andern durch
saumnus ist ein feuer aufgangen, aus welchem dem nachbern sein scheden
geschehen, die, welchen vnwilliglichen das geschehen ist, sullen
burgerlich vnd gnediglichen gewrtailt werden vnd meslich gestraft. Doch
dem richter sein sie schuldig albeg in einem lb., ob das feur vber das
dach ist erwachsen. Dasselb recht ist von den brennern vnd frevelern vnd
aufbrechern der kirchen nach den gesatzen das sie verbrent werden, nach
den gaystlichen rechten gebant vnd nymand mag sie erledigen den der
Babst. Offenlich beschicht ein brunst, wen einer durch eygen gewalt oder
mit besamlung verbrent die gueter der andern, als die mechtigen tirannen
thun. Hay[m]lich, wen einer on
| Seite 584| samlung anzündt oder
verbrent der andern gueter oder besytzungen, auch on wrsach.
Vnd wan ein klains oder nichst entzwyschen ist vnder diebstal, raub vnd
wucher des gesatzts halben der widergebung, darvmb sein fuerbas wenig zu
sagen von dem wucher, wiewol von vnserm gericht nit ist. Und zum ersten
was sei wucher, von welchem es gnant werde, in welchem handel beschech
der wucher oder in welchen vellen verhengt werde ein wucher, wie die
wuchrer oder ire erben genott werden zu widergebung des wuchers. Von dem
ersten ist ein wucher was dozue geet dem haubtguet aus böser maynung
vorgeend [oder] geding.
| Seite 585| Ich hab gesprochen dem haubtguet
zu vermerken den contract mutuum (verstee den handel), in welchem allein
[begangen] wirt der wucher. Wan aus verlihen guet, ob etwas geben wirt
oder genomen, ist nit wucher sunder ein gewerb, welches dem verlihen
guet zugeet. Es ist ein zwyfeltige vnderschaid zwyschen mutuum vnd
locatum, (verstee dem gelihen vnd verlihen), wan im verlihen gut wirt
nit verwendt die herrschaft, aber im leyen wirt sie verwendt. Auch wen
der schad des verlihen guts gehort zu dem verleyer, aber der schad des
leyens gehort zu dem schuldner vnd darvmb zymlich der lon von dem
verlihen gut wirt gefodert vnd genommen, aber nit von dem wucher. Ich
hab gesprochen aus böser maynung vorgeend, wen in hoffnung vnd aus
erwartung des gewyns
| Seite 586| wirt begangen der wucher, sintmal aus
wrsach zu verwandeln in den dingen erstlichen wirt gesetzt. Ob aber aus
liebe vnd lust gescheh ein leyen, den so wirt es nit genant ein wucher,
wiewol nachuoliklich etwas hoffnet vmb ein widerlegung. Wan villeicht
naturlich der schuldner ist schuldig dem leyhenden zu einer widerlegung
oder zu einem dienst zu thuen. Auch hab ich gesprochen on geding, wen
warvmb ob vmbsunst vnd freylich der schuldner gibt etwas dem leyher,
allermayst nach bezalter schuld, das fuert nit ein den wucher, wan kaine
verbindung dem annemenden ein vermagligung der schuld eintregt, die nit
aus erforderter begerung geet. Usura wirt gnant quasi usus eris, id est
pecunie. (Ein wucher
| Seite 587| wirt gnant als ein brauch des gelts),
wan in namen des gelts wirt begriffen alles, das die menschen haben.
Darvmb der wucher wirt allein begangen in dem handel eines leyens, von
welchem hie nachuoliklich gehandelt wirt. Aber das leyen wirt allein
gehandelt in den guetern, welche besteen in zal, gewicht vnd maß, von
welchen oben gesagt ist. Doch auch wirt es begangen in andern guetern
dan in nu gesagten. Als ob ich dir leych gelt vnd du gehayst mir zu
geben ein roß oder dergleichen, das wirt geschetzt ein wucher. Doch in
siben vellen nach gaystlichen rechten werden zymlich begert die wucher.
Zum ersten wen eynem leyen ein gaystliche pfriend geben wirt vnd ob der
selbige ley vbel in helt, den so mag die kirch oder
| Seite 588|
gaystliche person das in pfand nemen, wirt auch nit rayten die frucht in
das haubtguet, das aufs mynst in der maß das gaystliche guet von der
hand des layens wider erlöst werde. Der ander vall, wen der borge hot
bezalt die schuld vnd die wucher am haubtguet, wan er hot geschworn,
denn so fordert der borg zymlich von dem schuldner die wucher, die er
fuer in hot bezalt. Aber kainer ist schuldig zu bezalen die wucher, nur
welcher geschworn hot die zu geben, wan es ist besser wucher zu geben
dan den ayd ze brechen. Der dritt vall, wen begert wirt der gaystliche
wucher, das ist die peen von gaystlichem recht gesetzt, welche zymlich
mag begert werden vber das haubtguet. Der vierde vall, wen begert wirt
der wucher nit als ein wucher, sunder als ein interesse,
| Seite 589|
das ist an stat des schadens zu vermeiden nit des gewyns zu nemen. Wan
der schuldner thut verzug in bezalen, von welchem schaden kommen vnd
s[ch]ulch schaden werden gnant interesse vnd nit wucher, als kuntbar ist
in den hendeln guets glaubens, in welchen albeg die scheden zugelegt
werden vnd werden zymlich genommen. Der funfte vall ist in sache einer
verleyung eins guets, in welcher zymlich wirt etwas genommen vber das
haubtguet, das ist vber die herrschaft des guets, das ist der lon,
welcher nachgeet dem verlihen guet. Der sechste vall ist von wegen der
vngewishait. Der sibende vall ist, wen besytzung der gueter von dem
heyligen vnd gemainen guet vmb gezelt gelt zu pfand gesetzt sein, den so
werden die frucht nit gerayt
| Seite 590| in das haubtguet, wan das
hewretguet wirt darzu gesetzt, das die burden der ee ... aufenthalten
werden. Vnd darvmb wen [fur] das heuretberlich gelt das guet wirt
verbunden, den als aus erbern gewyn des gelts die burden der ee werden
aufenthalten (oder geliden), also auch aus den fruchten des ligenden
guets, welche an statt des lons nacherben. Es sullen gezwungen werden
die offnen wuchrer vnd auch ire erben zu widergebung der wuchrer nach
gaystlichem recht, wan sie werden gebant vnd der fronleichnam Cristi
wirt in nit gegeben werden vnd in dem freythof werden sie nit begraben.
Nach den gesatzen werden sie genot widerzugeben, wan ob sie nit
widergeben werden, das sie sullen, so wirt inen nit widergeben, das man
in schuldig ist zu geben.
| Seite 591| Auch werden vervnleumbt vor
recht vnd von erberkait, werden sie begraben in die wegschayd.
Oben ist gesehen im titel von missetat der wucher, mit welchem der
gelter dem schuldner aufhebt seine gueter offenlich. Das ist da zu sagen
von der missetat des falschen, wo der felscher haymlich nymbt die fremde
gueter. Darvmb ist zu sehen, was sei ein falsch oder falschayt, wievil
maß falsch begangen werde vnd wie die falschayt gestraft sol werden. Die
falschayt ist ein verwandlung der warhayt vnd das die falschayt vnd
falschmacher sich vleyssen verkern die ding, welche
| Seite 592| war
sein vnd also die falschen ding den waren gleich werden gesehen. Ein
falsch ist alles das, welches wider die warhayt ist, wan das falsch vnd
das ware werden wider einander gesetzt. Das falsch wirt in vierlay maß
begangen, als in geschrift, sage, geschicht vnd brauch. In geschrift
wirt begangen, ob mit abtilgung des waren wirt geschriben das falsch
oder in schreiben zu gegenwurtigen abwesend als gegenwurtig. Oder in
schreiben, das etwas sei beschehen oder gemacht von einem gantzen rath,
welchs doch allein geschicht von einem tayle. Item vber ein gelinirten
brief zu legend oder eine abschrift anders schreybend dan sei in dem
haubtbrief. Item ein falsch sigel machend (gnant adulterinum sigillum).
Vnd du salt merken das etlich
| Seite 593| briefe werden gnant falsch,
etlich falsch gemacht. Vnd die falschen brief werden gnant, welche durch
fuergeben des falschen vnd vnderdruckung des waren erlangt werden. Die
falschen brief sein, welche auch ob sie eyniche gleichnus der waren
brief vermainen, doch so inhalten sie nichst der warhayt, auch nit ein
warer sigel oder ein ware geschrift, als auch der ein falscher pfleger
wirt gnant, welcher nit pfleger ist, als auch ein geschrift wirt gnant
falsch, das nit ordenlich gemacht ist. Aber die gefelschten brief werden
gnant, welche auch ob sie etwas der falschayt haben, als ein wares
sigel, doch ist etwas darin verkert von dem anfang der warhayt, als die
aygen namen der menschen vnd der stet oder etwas dergleich ist
abgetilget vnd ander namen sein da geschriben.
| Seite 594| Darvmb der
brief wirt genant falsch gemacht, ob er gewesen ist bezaychnet mit einem
fremden sigel oder gezaychnet, doch ob einer, welcher den hot
bezaychnet, het gehebt ein eygen sigil oder zeychen. Aber ich sprich ein
falsch wirt begangen durch einen richter, welcher wider die gesatz vnd
recht falsch spricht. Item durch einen zeugen, der wissenlichen falsch
besteet vnd das ware vnderdruckt. Item durch den (aduocaten, verstee
den) vorsprechen, der falsch constitution anzeucht. Item welcher leugt
dem fursten oder dem richter etwas wider das recht erlangende.... Auch
falsch begeet der lugenhaftige erlanger, welcher gentzlich sol mangeln
der erlangten ding. Item welche die richter oder zeugen oder die
aduocaten mit bet, lon verkeren.
| Seite 595| Aber mit dem werk begeet
einer falsch, welcher die ware munz felscht $vnd falsche tucher beraet
vnd die kaufmanschaft felscht. Item der redner, welcher
| Seite 596|
die haymliche ding der sach offnet dem widersacher ... oder die
instrument verrat. Im brauch wirt begangen falsch, wen einer falsch
brief braucht wissentlich. Doch wirt er entschuldigt von dem falsch, ob
vnwissentlich er die gebraucht het vnd das wirt mügen weysen, wan falsch
wirt nit begangen on argen list. Item welcher sich ausgibt fuer ein
ritter vnd sich darfuer nent vnd vnzymliche zaychen gebraucht hot, der
wirt gestraft als ein felscher. Item ein vngeweyhter, welcher verwest
das ambt eines geweyhten vnd ein gescharne kron tregt, so er doch nit
geweyht ist vnd als ein priester ein gotsgab hot. Item der begeet
falsch, welcher ein
| Seite 597| pfleg oder gerhabschaft geendt, die
nit widergibt, sunder sich vndersteend verwest. Die felscher werden
gnant, welche mit dem mund guete ding reden vnd mit dem hertzen... Du
solt merken das etlich werden gnant falsch, etlich felscher. Die falsch
werden gnant die richter, zeugen, aduocaten, rathgeben vnd dergleich,
von welchen oben gesagt ist. Die felscher sein die, welche ware muntz
... sigel .., von welchen oben gesagt ist. Die peen des falschen nach
den gesatzen vnderweylen ist
| Seite 598| absetzung, vnderweylen
hinschickung in ein insel, vnderweylen öffnung aller seiner gueter,
vnderweylen verfallung in die schatzkammer des fürsten, vnderweylen
verbietung des lands, vnderweylen der tod oder die letzt pein, von
welchen hernach wirt gesagt in der rubrik von den penen. Die peen des
falschen nach gaystlichen rechten ist manigfeltig nach manigkfaltikayt
der falschayt. Wie aber die instrument von der falschayt werden gnant
argwenig (ist gesehen) oben in der rubrik (im titel) von der entziung
der instrument.
Ist ... gesagt wurden von der missetat des falschen, wan aber
| Seite 599| die loswerfung vnd warsagung inen falschlich annemen
vorsagen kunftige ding vnd von den gescheenden dingen, welche allein
gott zugehört, erzaygen sich zu sein weyssagen, wen sie doch nit sein,
darvmb wirt hie gesetzt die rubrik de sortilegiis et diunatoribus
(verstee wie yetz am mittel oben gesagt ist). Darvmb ist zu sehen, was
sei sors, was diuinacio, wie vil ire gestalt, welche warsagung verboten
ist, welche verhengt, mit welcher peen gestraft werden die sortilegi vnd
diuinatores. Von dem ersten sors, als hie genommen wirt, ist ein kunst
von gotlicher warsagung vnd voran zu sagen kunftige ding. Die sortilegi
werden gnent, $welche der
| Seite 600| geschrift oder der gluck
ansehung kunftige ding vorsagen. Hie soltu merken si[n]tmal das vil
(sortes oder) loß sein, doch verzymbt zu brauchen allein zwo, das ist
der loßtaylung in zeytlichen dingen vnd villeicht aus gotlicher
offenbarung in gaystlichen dingen, als in der erwelung des heyligen
zwelfboten Mathie geschehen ist vnd in etlichen dergleichen. Diuinacio
ist der vorerkennung kunftiger ding, welche divinacio eygentlich albeg
in vbel wirt aufgenommen, als die propheceii in gueten. Vil gestalten
sein der diuinacion, welche gezelt werden XXVI q.III, von welchen ich
hie wenig wirt sagen. Ein jedliche diuinacion, in welcher maß die
geschicht oder wie sie genent wirt, ist verboten
| Seite 601| vnd
verdambt darvmb, das die menschlich natur annymbt irselbs, welchs ist
ein eygen ding der gothayt. Sors ist fuer sich selbs nichst, sunder das
ding, welchs ir nachuolgt, wirt bös gewrtailt. In kurz ist zu wissen,
das alle warsagung, welche geschicht durch die teufel oder durch die
gestirn, von kunftigen geschichten ist verboten. Ob aber von kunftigen
dingen, welche herrueren aus wrsachen der natur, als aus bewegnus der
sun vnd mon vnd der planeten vnd der stern oder aus einpressungen des
lufts, die ist verhengt, vnd das einer vorsage truckne oder regen,
vnfruchtbarkayt oder fruchtbarkait etc. Ja warlichen die arzte mügen
sagen kunftige ding, als den tod oder gesunthayt oder krankhayt.
| Seite 602| Hie soltu merken das das gericht gluends eysen vnd sydens
wassers vnd des kampfs nach gaystlichen rechten ist verboten vmb zway
ding. Zum ersten wen da wirt got versucht. Zum andern wen da wirt von
haymlichen dingen gewrtailt, welchs des eynigen gots eygenschaft ist.
Aber nach den gesatzen die vnd ander vil ding werden verhengt, das die
vneynikaiten entschaiden werden vnd frid vnd anhelliglich gesetzt werde.
Die peen sortilegorum vnd diuinatorum durch die teufel ist verbrenung
... mit dem fewr vnd mit iren buchern.
Bey dem artikel soltu merken: was sey homicidium (verstee ein
manschlacht), wannen sie
| Seite 603| gnant werde, wie vil massen sie
begangen werde, welche manschlechten sein on peen, welche mit der peen,
durch welche geschech ein klag vmb ein manschlacht, welche sei die peen
der manschlechtigen. Von dem ersten ein manschlacht ist ein todung des
menschens von einem menschen beschehen oder von einem wilden tier,
welche geschecht in dreyen (dingen oder menschen), als in einem freyen
menschen, in einem leybeygen khnecht vnd in den tiern. Vnd von denen
allen ist zu sagen nach ordnung. Aber es wirt gnant homicidium quasi
hominis cedium, id est perempcio, als wen ein mensch leyblich wirt
getödt. Aber homicidium wirt begangen zwyfeltiglich, mit dem wort vnd
werk. Mit dem wort wirt es begangen
| Seite 604| in dreu maß, als mit
gebot, rat vnd beschutzung. Mit gebot, als mit vngerechtem, als wen
einer nit hot gewalt zu wrtailen. Mit rat, als mit einem bösen rat, wen
das geschicht hernach uolgt, sunst nit. Mit beschutzung, als wen ein
aduocat oder fuersprech beschutzt den antwurter in peynlicher sache vnd
der verklager gebruch hat, wirt er schuldig zu der talion. Aber mit dem
werk wirt begangen ein manschlacht in vier massen, als aus gerechtikait,
notturftikait, val vnd will. Aus gerechtikait wirt begangen ein
manschlacht, wen ein richter mit gerechtem gericht den verwrtailten
töten lost als von dem diener des rechtes, nit aus haß der person, nit
von lieb wegen des gewyns noch aus bet noch aus lon noch wollust
auszugießen
| Seite 605| das menschlich bluet, sunder aus gehorsam vnd
liebe der gerechtikait vnd das mit schmerzen seines herzen vnd mit rew.
Aber aus vnvermeydenlicher notturftikait wirt nit begangen ein
manschlacht, als wen einer tödt einen dieb oder einen schacher sich
anlaufenden vnd mit gewalt in töten wellenden, nit aus neid oder argem
list ,sunder das er sich vnd seine gueter erledig vnd beschutze von der
verlirung, wan anderst hot er dem tode nit mügen entgeen. Ob aber die
notturft vnvermeydlich ist gewesen, oder darvmb das er hot mügen on
schaden entgeen oder darvmb das er hot mügen den veynd von im flihenden
im nacheylend het getödt, dan so wirt er schuldig der manschlacht vnd
wirt gestraft als ein manschlechtig. Aus einem val beschicht es
zwyfeltiglich (vnd wirt begangen)
| Seite 606| eyntweders einer gibt
arbayt einem zymlichen ding, gleicherweis wen einer sau oder ander
vnvernunftige tier treibt von dem samen in seinen acker oder wen er
schöcht die vögel von seinem stadel vnd schaut vmb sich vnd nymant
sehend wirft mit einer schlingen einen stain an die statt, wo nyemant
was gewonet die menschen wonen; und einer vngeuarlich in den wurf des
stains laufend wirt geschlagen vnd also stirbt er. In den vnd
dergleichen vellen ist vnschuldig, welcher aus wrsach den tod hot
gethan. Wen aber vnzymlichem dinge arbet wirt geben, auch nit wirt
bewysen fleis, welcher sol bewysen werden, was aus dem nachuolge, dem
böses thuenden verargt wirt. Des ein exempel: ein schutz, welcher sich
uobt in der kunst zu schiessen
| Seite 607| an einer statt darzu
beschayden, ob da einer vngeuarlich hindurch geend wirt geschlagen oder
geschossen, so wirt der schutz kain wrsach haben. Sunder herwidervmb er
wirt schuldig der schuld, ob er schuß vnd belaydigt an einer statt dazu
nit beschyden. Dasselb ist, ob ein schnaeter der holzer in einen bohom
die abgeworfen hölzer ein mensch todt, ob er vor hot geruft vor dem vall
des baums oder nastes vnd der mensch fuergeend hot sich nit besorgt zu
verhueten, so ist der schnaeter oder holzhawer ausser aller schult, auch
der schnaeter, ob er weyt von dem wege hot gehauen holz vnd wiewol er
nit geruft hot, wan an der stat was kainen auswendigen der weg da zu
wandeln. Dasselb ist, ob ein arzt einen wirt schneiden vnd vorlest sein
haylung (oder versorgung) vnd derselb durch
| Seite 608| das ist
gestorben, der wirt der schuld schuldig. Vnd ob ein vngelerter arzt die
versorgung eynichs menschen an sich genommen hot vnd den böslich ...
geerzneyet vnd derselb ist durch das gestorben, der wirt auch schuldig
der schuld. Item ob ein rostauscher ansehend die vngestumykait der roß
hot nit mugen behalten oder durch krankhayt nit mag vnd vmb das wirt
einer beschedigt, der wirt an dem tod schuldig. Aus willen beschicht ein
manschlacht in zwayen massen, entweder aus fuersatz oder gehelung. Ob
das geschicht aus fuersatz in vil massen: Zum ersten durch die gueter
hingetragen zu werden vnde aufgehebt, als thuen die schacher, die
kreftigen rauber vnd rauber vnd dergleichen; vnd
| Seite 609| ob einer
töd vater vnd muter, bruder vnd schvester oder ander sein geborne
freund, das er inen in iren guetern vnd in herrschaft nacherbe. $item ob
einer tödt einen von kaufmanschaft wegen; oder ob einer ertödt einen
durch böse verwartung (oder anschlege) on wrsach vnd on absagung vnd on
offenbare veyndschaft: die ding alle werden manschlachten vnd schacherey
genant, das sein mort vnd die alle sammet haben nit freyung, das ist
kein sichere statt irer flucht. Aber der todlichen vorwartungen sein
etlich guet, etlich böse. Die gueten sein,
| Seite 610| wen einer setzt
behutsamkait den bösen, das er sie vach; aber die bösen vorwartungen
sein herwidervmb. Aus gehung vnd on bedenken geschicht manschlacht aus
zorn vnd tobung, aus scheltwort vnd zenk vnd dergleichen vnd die, ob sie
nit gefangen werden mit einem wrkunde der zaychen, das ist handhaftig,
die vereylung haben, das ist die flucht, wo
| Seite 611| gehabt wirt
die statt der zuflucht. Item ein manschlacht wirt begangen, welcher
haymlich mit wort, rat vnd werk oder auch offenlich zuricht ein tods
kindlein in muterleybe. Vnd das darvmb, wen nit ist vnderschid, welcher
ein kindlein (in muterleyb) todt oder einen alten (gebornen) oder einen
der geborn sol werden, hot ein vernunftige seel. Auch ein tods kindlein
wirt gemacht durch kreuter, wurzen oder trang. Offenbarlich wirt ein
tods kindlein (genant abortivum) durch schleg, durch fuestretung, durch
sprung, durch val. Sunder auch welcher haymlich arbet in den tod eines
andern mit gyft, hulf vnd rat.
| Seite 612| Wirt aber nit geschehen, ob
einer dich schlecht vnd fleucht, sul ich den nit denselben von stund an
nacheylen vnd schlahen? Ich sprich nayn, wen das nit geschech zu
abtreybung oder beschirmung, sunder zu einem rach vnd rechnung, welche
gehoren allein zu dem richter. Wan darvmb ist die rechtlich kraft vnd
| Seite 613| sicherhayt offens rechtes in das mittel gesetzt, das
kainer im selbs getruve nemen die rechnung. Wan es spricht der herre:
Las mir den rach vnd ich wirt widergeben. Darvmb sein die richter
gesetzt, das sie sein mitler zwyschen den krigenden parteyen. Darvmb
wirt gefragt, ob allen gezyme gewalt mit gewalt vertreyben. Ich sprich
ja vnd das ist gemain den pfaffen vnd den layen, das vnrecht der gueter
vnd der personen abreyben vnd beschützen vnd widervmb schlahen. Aber es
wirt vnderschiden, wan (aygner) gewalt beschicht einer person oder den
guetern. Ob der person, so ist der gewalt abzutreyben, eemal er
geschicht. Wan auch den veyntlich vorwartenden gezymbt zu töten. Ob aber
einer den geschehen gewalt abtreybt, so wirt
| Seite 614| eher verwent,
das aus wrsach einer sich zu beschutzen gethan habe, den aus wrsach zu
rechen, als offenbar ist in den tabernern (oder trinkern). Vnd das ist
war, ob der schlaher hot wellen widervmb schlahen. Sunst ob nit, [nit].
Ob aber ein vnrecht gethan wirt in guetern, den ist zymlich das gethan
vnrecht vertreyben vnd die geschehen zu werden abtreyben, als geschicht
in belegungen der stet, der schlos vnd der heuser. Das aber gesagt wirt
gewalt mit gewalt vertreyben gezymbt, ist also zu versteen, das es
geschech in mut zu beschutzen vnd nit zu rechen von stund an. Das
beschutzung beschech mit messigung vnverschulter sicherhait vnd nit mit
vbergeung auch nit aus bedenken oder fuersatz.
| Seite 615|
Zv jungst ist zu merken, das etliche manschlachtung sein vnd beschehen
on alle gaystliche vnd gesatzliche peen, also sein die manschlacht,
welche geschehen aus gerachtikait von dem, welcher hot gewalt zu
wrtailn. Item vnvermeydenliche notturft. Item aus val oder gegebner
wrsach eins zymlichen dings. Item aus willen nit in mut zu rechen sunder
sich zu beschutzen, als zu töten einen gewaltigen rauber, ein rauber
oder dieb. Wan es verzymbt zu töten die dieb vnd dergleichen, ob sie nit
mügen gefangen werden. Auch verzymbt zu töten die veynd im gerechtem
krieg. Aber
| Seite 616| du solt merken das funf ding werden erfordert
zu dem gerechten kriege: Zum ersten die weltliche person, welcher
verzyme zu krigen. Zum andern die gueter, von welcher beschutzung man
krigen mus ... sunder auch vmb das vnrecht vnd aus lieb der gerachtikait
sullen wir krigen vnd streyten. Zum dritten aus wrsach der notturftikayt
... das durch den krieg frid werd gewunnen. Zum vierden aus ... rechter
maynung gentzlich ... vnd nit durch haß, nit durch gaytzikait oder durch
rach, sunder allein durch gerachtikait. Zum funften wirt erfodert der
gewalt der kirchen, ob gestritten wirt vmb den glauben oder den fursten
des lands, ob gestritten wirt umb beschutzung des vaterlands.
| Seite 617| Item es verzymbt zu töten den veynd haymlich vorwartend
einer person on wrsach. Vnd gewalt mit gewalt vertreybenden in der maß,
wie oben gesagt ist, anders verzymbt nit zu töten. Aber etlich todschleg
werden gestraft nach gaystlichen rechten allein, als in den torniren vnd
kempfen vnd haymliche zurichtung der frucht in muterleyb totung, in vil
haymlicher zurichtung
| Seite 618| des todes eines andern, ob das
geschicht mit ... rat, hulf vnd willen. Vnd ob einer schlecht ein
schwangere frawen also, das das kind beschedigt werde in muterleyb, der
wirt gestraft nach den gesatzen vnd gaystlichen rechten. Item in
veruolgung der bösen fluchtigen. Item welcher nit entzwyschenkombt
totung zu geschehen, so er mag verhindern. Aber etliche manschlachtung
wirt gestraft nach gesatzen vnd gaystlichen rechten, also ob einer tödt
einen priester oder ob einer sich selbs oder on recht oder aus
vnvermeydenlicher notturft oder in einem val, so nit bewysen wirt vleis,
welcher sol bewysen werden, mit willen, ob das geschicht aus fuersatz
oder aus vbereylen.
| Seite 619|
Zum ersten mag klagen das eeweib vmb den tod ires mannes oder
herwidervmb. Zum andern klagen die sun vmb den tod vater vnd muter. Zum
dritten ob kainer der sun da ist, den so sol klagen der nechst geborner
freund derselben sun. Zum vierden ob kein nachgeborner freund da ist,
den so sol der richter im rechten klagen an stat des elenden menschen.
Wie aber ob einer vil erschlecht oder ob vil einen ertödten?
| Seite 620| Ob zwen bayd einander ertödten? Ob ein vnredens kind oder ein junger
ways einen ertodt? Ob der sun sein vater oder muter aus zorn oder aus
zenk ertödt oder herwidervmb? Welcher nit ... ein vnredens kind, sonder
er legts fuer oder lest verterben vor hunger? Ob ein tobsuchtiger, ein
moninger, ein nar oder vnsynniger oder ein thor naturlich ertödt einen?
Ob ein priester ein layen oder herwidervmb? Ob einer sich selbs tödt?
| Seite 621| Vnd von den penen aller manschlachtigen vnd von der
verletzung der glider wirt gesehen hernach an seiner statt.
| Seite 622|
Oben ist gesagt von der missetaten vnd vbergeungen, wen aber aus den
vnrecht komen vnd emsigliche scheden gescheen, darvmb nachuolgt ... die
rubrik von den vnrechten mit schaden bescheen. Darvmb ist zu sehen am
ersten, was sei ein vnrecht, in wievil massen werde gnant ein vnrecht,
welchem werde gegeben die klag der vnrecht, wider welche die gegeben
werde, in wie vil sie gegeben werde, wie sei die klag der vnrecht vnd
welche peen der vnrecht, darnach wirt gesagt von dem vnrechten mit
schaden gegeben. Von dem ersten ein vnrecht ist eynichen mit maynung,
wort
| Seite 623| oder werk belaidigen on wrsach. Gemainklich ist ein
vnrecht alles das, welchs nit mit recht geschicht. Aber besunderlich
wirt gnant vnrecht ein böshayt wider das recht, was do ist bös. Vnd ist
iniuria gnant ein vnrechtikayt, als manglend des rechtens. Auch wirt
gnant iniuria (oder vnrecht) alles fluechen von dem zank gnant (vnd
verschmahung). Auch ein vnrecht ist ein gotscheldung oder verfluchung
oder ein scheltwort. Es mugen vnrechten thun alle die, welche vnrecht
nit leyden mugen, ausgenommen die töbigen vnd naturliche naren vnd
kinder noch vnder vierzehen jarn, welchen vnrecht mag geschehen, aber
die mugen nit den andern vnrecht thun, wen sie manglen der vernunft.
| Seite 624| Vnrecht beschicht in dreyerlay maß mit worten, brifen vnd
mit werken. Mit worten beschicht es [mit] schelde, fluchen, mit schweren
gotschelde, vervnleumbtung. Mit brifen geschicht es, wen zu
vervnleumbtung eines andern einer ein karten oder brif oder ein libell
vervnleumbt macht, schreibt, ein geticht macht, sagt, singt, von welchem
nach den gesatzen mag geklagt werden peynlich zu peen des haubts wider
den, welcher sie macht vnd wider den, welcher vyndt den brief vnd kainem
geoffnet hot das gefunden vnd nit erbrochen oder verbrent hot. Auch mag
darvmb klagt werden burgerlich zu einer geltlichen peen.
| Seite 625|
Mit dem werk geschicht vnrecht, als aus schlahen mit feusten, mit
stecken, mit prügeln, mit messern, waffen vnd andern belaydlichen
dingen. Die klag der vnrecht wirt gegeben dem geliden das vnrecht. Aber
es leydt einer das vnrecht in im selbs, in seinem sun, in seiner
eefrawenn, in seinem leybeygen khnecht vnd in einem freyen vnd in allem
seinem hausgesinde. Auch in vater vnd muter lebentigen vnd gesturben.
Vnd nach mancherlay vnrechten werden mancherlay klagen vnd peen. Ich hab
gesprochen in im selbs, als wen einer geschulten oder geschlagen wirt.
In dem haussun noch nit ledig gesagten von väterlichem gewalt, wan der
lediggesagte ist seines rechtes vnd mag durch sich klagen von dem
vnrechten im geschehen. In seiner eewirtin, wan der
| Seite 626| man
ist ein haubt seines weybes, ein aduokat oder vorsprech vnd ein
beschutzer des vnd nit herwidervmb, nur nach dem tode des mannes. [Dan]
das weib mag klagen vmb das vnrecht ir an im geschehen, in irem manne,
in iren sunen vnd khnechten vnd diernen. Ich hab gesagt in der tochter
auch verheuret, noch nit zugelegt dem manne, dan ir breutigam wol mochte
fuer sie klagen. Vmb einen eygnen khnecht, wan der ist in dem gewalt
seines herren, nit in seinem aygnen gewalt. Vnd in dem khnecht dem
freyen vnd dem fremden, wan die an dem tag mit guetem glauben haben
gedient.
| Seite 627| Vnd in meinem gantzen hausgesind, welchs ist in
meinem brot, wen einer aber were außerhalb des hauses vnd lebete in
seinen eygen brote, den so mag er klagen durch sichselbs. Item in
lebentigen vnd gestorben vater vnd muter, wan ob einer dem gestorben
leychnam vater vnd muter eynichs ein vnrecht thut oder irem gueten
leumbt entzuge, so mag der erb klagen wider den.
| Seite 628| Die klag
der vnrecht [wirt geben nit] allein wider den, welcher geschlagen hot,
sunder auch wider den, der das mit argem list hot gethan oder geschafft,
das einer [wirt] geschlagen.
| Seite 629| Aber du salt merken das alle
vorgenante vnrechten sein dieselben, sie haben auch nit die selbigen
peen, wen eine ist herter vnd gröser den die ander nach mancherley der
personen vnd ersamkayt der wirdikait. Wan es were vnersam, das
dieselbige schatzung der vnrecht were einem wirdigern vnd bessern an der
person als von der mitten oder niderer person. Darvmb aus billikait der
person wechst vnd wirt verwandelt die schatzung des vnrechten vnd
desselbigen peen.
| Seite 630| Wan vmb ein grösser vnrecht ein grossere
peen wirt geben, vmb ein ringere ein mynder. Das groß vnrecht wirt
geschatzt in den sachen. In geschicht (oder werk), als ob einer mit
prugeln vnd stecken oder fausten geschlagen vnd schwerlich verletzt
wirt. In der person, als ob ein
| Seite 631| richter, ein ratgebe, ein
burgermaister von einer leychuertigen person beschwert wirt oder vater,
muter von iren sunen, die priester von den leyen, die burger von den
auswendigen pawern. An der statt, als ob vnrecht geschicht einem in dem
gericht oder rathaus, in dem gericht oder einer geweychten statt. Auch
vnderweylen an steten einer wunden macht ein hertes vnrecht. Item in
einer kurtz ist zu halden: das von einem yedem
| Seite 632| vnrecht mag
einer klagen burgerlich oder peynlich vnd ob burgerlich klagt wirt, so
beschehen ist die schatzung, als gesagt ist, wirt aufgelegt ein
geltliche peen. Ob aber peynlich klagt wirt, den aus ambt des richters
wirt gesetzt ein ausserordenlich gesetzlich klag. Aber wirt geben die
klag der vnrecht so vil ... der, welcher das vnrecht geliden hot, die
bey seinem ayd schatzen wirt. Doch ob der geliden das vnrecht vberginge
die maß .., den so mag vnd sol der richter die schetzen. Wan nach der
wirdikayt vnd des lebens ersamkait wachst vnd wirt gemyndert die
schetzung des vnrechten. Aber die klag ist ... vol vnleumbs, als oben
gesagt ist von der diebstal...
| Seite 633|
Jetz nachuolgt von dem schaden aus vnrecht gegeben, bey dem soltu
merken: was do sei ein schade, in welchen dingen der geschech, wie
gesetzt wede die klage von dem schaden, welchem gebuert die klage,
welche vnd wievil klagen aus dem schaden ersteen, zum letzten von der
peen des schadens. Von dem ersten ein schade ist ein mynderung oder ein
gewynnung eins väterlichen erbs. Ein schad beschicht den freyen menschen
vnd den khnechten vnd beschicht schad den gezemten vnd wilden
zwyfuesigen vnd vierfuesigen tiern. Auch beschicht schad in den pflanzen
vnd
| Seite 634| kreutern vnd in guetern manglent der seel, als im wein
vnd öl vnd korn vnd in allen guetern geseelten vnd vngeseelten. Die klag
von dem schaden aus vnrecht gegeben wirt gesetzt, wen einer einen
menschen oder ein frembds vnvernunftigs tier tödt mit vnrecht oder
belaydigt oder letzt oder ein guet manglent der seel erstört. Die klag
von dem schaden gebueret dem herren der gueter vnd dem wuchrer vnd dem
besytzer mit guetem glauben. Dreu klagen entspringen aus dem schaden mit
vnrecht gegeben, als die gerehen, die nutzbarlich, wider das geschicht.
Die gerehen klage gebuert dem
| Seite 635| geliden, gleicherweys ob
einer meinem leychnam einen schaden hot gethan. Die nutzbarlich klag
wirt gegeben, als ob einer einem fremden menschen oder viech hot
eyngeschlossen also, das es vom hunger stürbe, oder das er ein arbetsams
tier hot mued gemacht oder getriben, das es erbrech, oder hot gearbet
souil, das es sich erfiel, oder ob einer einen frembden khnecht von
einer bruck oder von einem gestat in ein groß wasser hot gedrungen..,
also das er ertrenke, oder ob einer wrsach eines schaden hiet gegeben,
als ob einer het seinem khnecht geraten, das er auf einen baum oder mawr
stige oder in einen brun abstyge vnd der aus dem velt vnd stirbt oder in
einem tayl seines leybs wirt beschedigt, die klag wirt gegeben in
eynfalt.
| Seite 638| Aber die klag wider das geschicht wirt gegeben,
als ob einer nit in seinem leyb, nit im fremden verletzt wirt, sunder in
einer andern maß, als ob einer aus barmhertzikait bewegt ein gefangen
fremden khnecht erledigt, das er flühe, der wirt schuldig in das
(geschicht oder) werk. Vnd du solt merken wiewol die nutzbarlich klage
in eynfalt geben wirt, doch geschicht nit die schetzung so gros des
eynfalts, sunder auch werden gerayt alle auswendich vnd inwendige
nutzbarkait, gegenwertigen vnd die kunftigen dem leychnam anhangend,
gleycherweis als einer eines andern khue ertödt oder ein saw, do
geschicht schetzung nit allein der khue oder der saw,
| Seite 639|
sunder auch werden gerayt die kelbel vnd die schweyndel aus denen
kommend. Auch werden gerayt alle ding, welche ein gut kostlicher machen,
als in einem roß, ob es ist ein zelder oder ein laufer [oder] aber ein
wolzihends viech, dergleichen von den wolzyhenden ... Die ding alle
werden gerayt, wan sie machen das gut kostlicher.
| Seite 640| Ob aber
ein fremde khue oder ein ander tier wyssentlich hot in seinem hause
behalten vber tag vnd nacht, der begeet in dem ein diebstal, er hab der
tier frucht gebraucht oder nit, oder allein er hab austriben
| Seite 641| oder hab es dem richter geantwurt.
Die peen des schadens ist manigfeltig. Wan ob einer tödt einen freyen
menschen, der sol getödt werden, als in dem alten gesatz geboten ist:
hals vmb hals, augen vmb augen, zan vmb ein zan etc. Wan ein freyer
leychnam hot kain schatzung des gelts, vnde versus: Nun ist der leyb nit
vael, darvmb mag er mit kainem gelt bezalt werden. Doch in newem gesatz
ist mildlicher vnd gnediglicher die peen fuer einen freyen menschen wirt
die totung geurtailt: wan ob in dem geschicht ein manschlachtiger nit
ergriffen wirt vnd wil
| Seite 642| die sund buessen vnd rewen vor gott
vnd der welt nach allem seinen vermugen, den so sol man ein tag suchen
mit dem seinem widertail vmb fride vnd gnad im zu erlangen. Vnd ob der
widertail kainen tag der vereynung wil annemen, noch die peen vber
sulche belaidigung gesetzt wil annemen, sunder vngehorsamlich
verschmecht, den so nymbt der richter das gesatzt an sich vnd vnder
zwayer frummer oder dreyer man zeugnus erbeut sich dem verletzten zu
geben. Ob der das nit aufnymbt, den so sol der richter das gelt oder den
abtrag in seinen brauch wenden vnd sprechen den belaydiger oder verserer
von der sund ledig vnd erledigt mit seiner bueß vor angenommen. Vnd
geschicht darvmb, wen es ist ein sunder nit
| Seite 643| so groß, ob er
gerewet wirt von seinen sunden vnd wil buesen vnd bessern, got nymbt in
in seine gnaden vnd all sein sund werden im nachgelassen vnd vergeben.
Ob aber einer williklich ein leybeygen khnecht eynichs ertöten wirt, der
sol verurtailt werden dem herren des khnechts in so vil, wie vil er wert
ist gewesen in der zeit, in welcher er ist ertödt gewesen. Ob aber einer
ein vnvernunftig tier eines andern williglichen tödt, der wirt das
bezalen dem herren, in wie vil es wert ist gewesen in dem monat, aber es
werden nit gerayt die nutzbarkayten, aus den leyben hetten mügen kommen.
Ob aber einer hot gethan einen schaden in fruchtbarn baumen mit
ausgraben, abhauen oder in den pflanzen vnd kreutern mit ausgraben,
auszyhen oder ausreyten, der wirt die bezalen aus
| Seite 644|
schetzung der nachper. Ob aber einer thut ein schaden in vngeseelten
guetern, als wein, öl etc., ob er in denen hette gemyschet etwas, das
die naturlich guete derselben wurd erstort, der wirt die zalen in
schatzung frummer man, nach dem sie mer wert sein gewesen in demselbigen
monat. Ob ein fuerman laufend mit ersten redern oder mit einen karren
einen menschen oder tier wirt töten, der wirt schuldig.., wievil mer ...
in dem jare. Aber was ist es, ob aus einem paar ochsen, roß oder meuler
einen ertödt hot? Ich sprich, nit allein schetzung des ertöten
geschicht, sunder sovil weyter (oder mer) das wirt gerayt, wievil mynder
lons oder gelts yetz sein gewesen (vnd sein werden), welche vbrig sein
vnd darvmb, wan die gewonliche arbet
| Seite 645| verbrengen nit mugen,
dan sie vor verbracht haben. Doch ob einer einen beysenden ... ver[w]unt
in seinen fodern tail oder auch ertödt, der wirt in nichte schuldig, wan
er hot das gethan in beschutzung. Ob aber er in flihenden nachlaufend
verletzt, so wirt er schuldig von dem schaden. Vnd merk das ein schade
nit allein geschicht in den leyben, aber auch in den taylen vnd glidern
der leybe, als in wunden, erlemen, ausstechung der augen, abschneydung
der orn oder nasen oder der munds, ausbrechung der zen, der hend oder
der fues abhauung,
| Seite 646| auch der bayn vnd der schenkel brechung
vnd auch, ob die glider sein erschniten oder erknust oder in eynicher
massen erbrochen vnd geergert. Auch soltu merken das ein schade nit
allein beschicht mit dem werk, sunder auch aus argem list, gleicherweis
ob einer zugericht geet den schaden zu
| Seite 647| werden, wiewol er
den durch sich nit hot gethan. Auch geschicht ein schad aus schuld,
gleicherweis ob einer ein grube oder cistern grebt an einer offnen stat,
wo gewont ist die menschen vnd das viech zu geen vnd wandln ob eynichs
tier velt in die grube oder cister vnd stirbt oder wirt verletzt, so ist
er schuldig zu bezalen. Auch ob einer seinen leyb verletzt oder seine
glider belaydigt, so wirt er gestraft von gegeben schaden, gleicherweis
als ob einer im selber einen finger abhackt so sol desselben anderer
finger abhackt werden oder er sol in erlösen von dem richter aufs beste
so er mag.
Ist oben gesehen, was rechtens sei, ob einer thut ein schaden
| Seite 648| einem freyen menschen oder einem fremden khnecht oder
einem tier oder vngeseelten dingen. Nun ist zu sehen, ob ein haussun
oder dein khnecht oder dein viech thut einem andern schaden. Zum ersten
mit welchem sol geschehen die klag von sulchem schaden, welche werden
sulch gesetz klagen, wie (gericht oder) geurtaylt werde von denen. Ob
dein haussun oder dein khnecht dir ein schedlichs ding wirt thuen, so
wirt zwyschen ewer kain klag. Ob aber dein khnecht eynichem schaden hot
gethan, als ein diebstal oder ein raub oder schaden gegeben oder ein
vnrecht bewisen, so wirt mit dir ein klag, wielang dein khnecht ist in
deinem gewalt. Wan du host freyen gewalt, den vorbesteten krieg gedulden
oder fuer den schaden zu geben vnd ob du in wirst geben,
| Seite 649|
den so wirstu von sulcher klag erledigt. Wen es were vngerecht, die
boshayt der khnecht vber ire leychnam iren herren schedlich zu sein. Es
sein aber die schedlichen klagen von dem pretoren gesetzt. Ob du host
geben deinen khnecht fuer den schaden, den so beschicht die klage mit
im. Vnd ob er den schaden nit hot zu widerlegen, den so wirt geurtailt
von dem als sitt ist. Ob der haussun oder haustochter eynichem ein
schaden thut, geben zu werden fuer den schadn nit mag von dem vater
gegeben zu werden, wan aus sulcher gebung vnd irer leybkestigung vater
vnd muter die wurden mer gepeynigt, dan die sun vnd allermayst in den
töchtern durch die scham. Doch so mugen die vierzehenjerigen haussun vmb
ire sund durch sich selbs verklagt werden vnd die scheden von irem
gewunnen gut widerlegen.
| Seite 650| Die unvernunftigen tier, ob die
aus irer vnfuer oder tierlicher wildikait ein schaden thun, ist
darkommen die schedlich klag. Ob sulche tier dem schaden geben werden,
so sein sie nutz irem herrn zu seiner erledigung, als ob ein schlagendes
roß mit der versen einen schlecht oder mit den zenen hot byssen oder ein
stossender ochs gewont hat einen menschen zu verletzen. Aber die ding
haben stat in den haymlichen vnd heuslichen tiern. Aber in den wilden
tiern nit gezemten weychen sie, wen die sein greuliche tier von natur,
auch mugen sulche tier nit vnrecht thun, wan sie manglen der vernunft,
vnd ob sie schaden thun. So wirt doch anders gehandelt oder klagt mit
den wilden tiern vnd anders mit den haymlichen. Wan ob haymliche tier
einen
| Seite 651| schaden thun, so wirt ir herr schuldig in
eynfaltung, ob ein wild, den in zwyfaltung. Vnd das darvmb, wan die
wilden tier, als wolf, beer, schwein, lewen vnd sau, beysende hund,
affen etc. die vngezemten sein verboten da zu halten, wo das volk ...
ist. Vnd darvmb, ob wider das geschehen wirt vnd das beschedigt, wirt im
bezalt in zwyfalt oder nach dem richter billich wirt gesehen, in sovil
sol ir herr verurtailt werden.
Bey dem titel saltu merken, das in funf massen einer aus nahet malefitz
wirt verbunden. Zum ersten ob einer hiet ein krieg wider einen, aus
welchem
| Seite 652| derselb zu viel verletzt wirt, ist gewyß, das er
vbel gethan hat, doch hot er das nit gethan aus einem malefitz noch aus
einem handl, darvmb wirt er verbunden aus nahet einem malefitz vnd wirt
leyden ein peen von der verletzung, sovil gerecht vnd billich dem
richter gesehen wirt. Zum andern ob aus eines haus ausgeworfen oder
ausgegossen wirt, das einem andern schadet, der wirt verbunden aus nahet
einem malefitz, wan der wirt oft aus eines andern schaden [wirt]
schuldig, als der khnecht vnd seiner kind. In dem val die peen der
zwyfalt, so grosser schad geschehen ist, ist die klag gesetzt. Zum
dritten wirt einer verbunden aus nahet einem malefitz, welcher an dem
tayl, dar durch gangen wirt von dem volk vnd gemayner weg gewont ist
| Seite 653| zu sein, etwas gesetzt oder ausgehenkt hot, das do mag
eynichem schaden. In dem val ist die peen der eynfalt gesetzt. Aber vmb
einen freyen menschen aus sulchem val erto*edt, ist ein peen drißig lb.
gesetzt, wan eines freyen leybs ist kain schatzung. Ob aber ein freyer
mensch aus der verletzung wirt [nit] sterben, den sovil dem richter vmb
das ding gesehen wirt billich, sulche peen dem verseerten wirt bezalen
vnd mit den lonen dem arzt gegeben vnd andre ausgebungen, welche in der
haylung geschehen sein vnd auch der gewyn vnd arbet, welcher der
belaydigt hot gemangelt oder mangeln wirt. Ob er vnnütz wurden ist, wirt
schatzen der richter, das doch hart ist zu schatzen. Aber von dem
ertödten khnecht sol geschehen schatzung, wievil der in der zeit
| Seite 654| wert ist gewesen, darin er ist erto*edt wurden. Zum
vierden ob ein haussun besunderlich von seinem vater hot gewonet, den
was aus dem haus ausgeworfen, ausgegossen, gelegt vnd aufgehenkt ist
worden, aus welchem schaden kommen, do geschicht kain klag wider den
vater, sunder mit den sun, durch welchen sulch scheden herkommen, der
wirt bezalen die peen von seinem gewonnen guet. Zum funften ob der
schiffuerer oder fuergesetzter eines gasthaus oder ein stalhueter
eyntweders von bosem list oder diebstal in dem schiff oder gasthaus oder
in dem stall beschehen wirt beschuldigt, d as selb aus nahet eins
malefitz werden gesehen schuldig zu sein, wiewol aus ir kainem das
malefitz sein geschehen, sunder allein aus denen, welchen arbet
| Seite 655| oder vleis bey dem schiff, wirtshaus oder stall sein
beuolhen, doch wan wider aus einem handel auch nit malefitz wider die
ein klag sei gesetzt. Doch wan etlicher maß sie schuldig sein an der
schuld, vmb das sie die arbet boser menschen haben gebraucht in
regirung, schenken, in behuten, aus nahet malefitz sullen sein werden
gesehen, doch welches ist zu sagen, ob ein herre beuilcht seinen gewalt
oder seine gewerb einem andern, was schadens durch den beschehen ist,
wirt der herre schuldig zu bezalen, wiewol durch in kain malefitz
beschehen ist. Des ein exempel, des schiffs fu*erer beuilcht einem das
schiff, der gastgeb sein gasthaus, ein wirt sein stallung, ob in denen
ein schade oder diebstal wirt geschehen, derselbig ist schuldig, wiewol
durch die nichsts wbels
| Seite 656| ist beschehen, doch aus dem sein
sie schuldig der schuld, das sie ire werk bo*esen dienern haben
beuolhen. Aber in den vellen gebu*erd dem erben die klag wider das
geschicht, das ist dem leydenden das vnrecht wirt geben die klag. Wider
den erben, das ist den thuenden das vnrecht, wirt kain klag gegeben.
Wan stetiglich ein vberwundner in einer missetat wirt verboten, darvmb
wirt hie gesetzt die rubrik von der verbietung. Bey dem saltu merken:
was sei verbietung, wievil ire gestalten, wer mu*ege verbi[e]ten vnd den
verboten anzaygen oder verkunden, durch welche wort einer verboten wirt,
wie einer komme von den
| Seite 657| verbi[e]tungen, was zu thuen sei
von den guetern der verboten, von den behaltern vnd gunstigern der
verboten. Von dem ersten die verbitung in weltlichen rechten ist das
selbig, welchs ist verbannung in gaystlichen rechten oder der ban. Der
verbitung sein drey gestalt, eine ist ewig, die ander ist zeytlich, die
dritt ist der kaine. Verbieten vnd einen verboten verkunden mag der
richter habend gewalt vnd bann von dem obern im gegeben. Aber es wirt
verbiten der richter durch die wort. Der richter steet auf in dem
richthaus vnd spricht ausdrucklich: Ich verkunde .A. oder .B. in die
verbitung durch des to*edt vnd verbeut in allen seinen freunden vnd
erlaube in allen seinen veynden, vnd ob einer den vber das wirt
| Seite 658| aufhalten, das sol er thun auf sein recht. Aber es wirt
verboten einer durch vngehorsam, wen er verklagt wirt vmb ein
manschlacht, wunden oder einer andern missetat vnd drey malen geladen
nit wil vor dem gericht erscheinen, den so wirt er verboten. Von der
verbietung mag einer kommen also in zwayerlay massen. Zum ersten ob er
nach der verbietung zum gericht kombt nit bezwungen vnd on alle geding
mit dem richter geschehen vnd schwert sich die ladung oder beruefung zu
dem gericht nit haben gewist gehebt vnd gehort die verbietung nit
geno*et sich dem gericht geantwurt haben gehebt vnd wellen gesteen dem
gericht vmb ein yedliche sache den klagern werden antwurten. Den der
| Seite 659| richter in von der verbietung erledigt vnd drey tage
derselbige vor dem gericht erscheynet, vnd den von im als von einem nit
verboten wirt gericht vnd geurtailt. Zum andern mag einer kommen aus der
verbietung in der massen: Ob einer belaydigt hot mit eynicher jeden
belaydung oder verletzung vnd wil williglichen buessen vnd wil das
gesatz der peen fuerhalten vnd die peen im aufgelegt leyden vor got vnd
der welt nach allem seinem vermu*ogen, es sei in seinen guetern oder in
der person, gegen gott vnd dem verserten gnug thuen, vnd ob das der
klager freuelich widerspricht, das so sol nemen der richter das gesetzt
recht vnd dem verserten klager darbieten mit gnugsamen zeugen zwen oder
drey, ob der das verschmecht aufzu*enemen, den so bekert der
| Seite 660| richter das recht in sein breuche vnd verbeut den belaydigten durch
die vngehorsam vnd freuelikait. Vnd ob er darnach ergriffen wirt, so
wirt im abgehawen die hand oder er wirt dem richter bezalen XXX lb.. Ob
aber der verboten ist fluchtig, den so sol der richter von allen seinen
gueter nemen XXX lb. fuer sein bueß vnd nit mer. Aber die andern gueter
sullen bleyben in dem gewalt seiner kinder vnd weybs, doch also, das sie
daruon den geltern bezalen. Ob er aber wider weyb noch kinder verlassen
hot, den so werden die vorgemelten gueter zu andern seinen erben oder
nachkommen verwendt. Ob aber der verboten ist elend vnd hot kain
nachkomen, den so sullen die gueter zu den handn der ratgeben mit gueten
gewissen genommen werden, welche gueter
| Seite 661| vnversert vnd nit
gemyndert ein ganz jar behalten werden, vnd ob darnach wider erben noch
gelter werden erscheinen, den der halbtail sol fuer das hayl seiner seel
gegeben werden vnd der ander halbtail der nutzbarkayt einer gemain
angelegt werden. Ob einer verklagt wirt, das er einen verboten
beherbirgt hot oder in seinem haus den behalten, der sol sich mit seinem
eynigen ayd raynigen (oder dorvon nemen) vnd sei frey. Ob aber ein
verbotner in einem haus oder wonung eynichs ergriffen wirt, den so sol
von dem wie gesehen wirt gericht werden. Der den behaltend ist, wirt dem
richter geben zehen lb. oder hand sol im abgeschlagen werden. Merk ein
verbotner in einer statt vmb eyniche myssetat mag nit verboten werden in
einer andern vmb die selbige sunde nach
| Seite 662| gemaynem rechte.
Aber nach recht der fursten in iren landen ein verbotner in einem land
mag verboten werden in einem andern byß an den Kayser. Welchen aber der
Kayser verbeut, der ist verboten in allen landen seinem kaysertum
vnderwurfen; doch die verbietung von gemainen rechten geet nit zu den
aussern des gerichts vnderwerfung oder des richters, welcher zum ersten
einen verbeut. Wan es ist ein ... schwere peen, wan es muß der verboten
in sulchem gericht lassen weyb vnd kind vnd alle freund vnd alle seine
gueter.
Wye einer sich sol raynigen von einer missetat im verargt
| Seite 663|
oder widerwurfen. Ist oben gesagt wurden von den verklagungen vnd
beschuldigungen, den missetaten, gehörenden, von der verhaysen vnd
gedingten dingen. Wan aber in den dingen wirt zu der raynigung oft
kommen, darvmb wirt hie vnderwurfen von den raynigungen aller
vorgenanten. Bey dem soltu merken: was sei die raynigung, wievil ire
gestalt vnd durch was geschech ein reynigung, von zwyfeltiger form der
raynigung, welche zal der die gerayniget sullen werden, welche peen des
gebrechenden in der raynigung. Von dem ersten die raynigung ist von der
widerwurfen missetat oder beschuldigung sein vnschuld erzaygung. Der
raynigung gestalten sein zwo, als ein gaystliche vnd ein gemaine (oder
weltliche). Die gaystliche ja die gesatzlich
| Seite 664| ist, welche
die gaystliche recht oder gesatz haben aufgesetzt. Vnd sie beschicht
durch ein ayd, durch die zeugen, durch die treu vnd ist von dem rechten
verhengt. Aber die gemain raynigung ist, welche das gemain volk im selbs
durch sich selbs williglich hot gesetzt vnd erfunden. Vnd die beschicht
durch den kampf, durch das gluende eysen, durch sydens wasser, welche
ist von den geystlichen rechten verboten vnd von recht durch dreu ding:
wen es geschicht gar oft durch neyd, zum andernmal wen da wirt got
versucht, das nit geschehen sol, so das bezeugen ist das heylige
ewangeli, zum dritten wan oft werden die vnschuldigen verwrtailt. Vnd du
solt merken das die raynigung zwyfeltig ist von der missetat, etliche
geet nit zu der
| Seite 665| verbitung, als dan ist die raynigung vmb
verhayssen, schulden vnd vmb geding. Die raynigung von einer missetat
nach lentlichem recht ist ein sulche: Ob ein verklagter von einer
diebstal oder raub oder schacherey oder manschlacht oder aus eynichem
andern malefitz, das da hot ein person zu beruren oder die eere, ob der
geladen vnd berueft wirt kommen zu dem gericht nit bezwungen, wil sein
vnschuld erzaygen vnd mit im vil rayniger nit mag gehaben, wen man wayß
nit, wen oder wo die geschehen ding zu sein gesagt werden, den so
raynigt [sich] der mit seinem aynigen ayd vnd wirt ledig von dem richter
vnd von dem klager. Ob aber der klager wil den verklagten [mit]
selbssyben frummer man zeugnus vberwinden, den so rayniget sich der
verklagte
| Seite 666| eins guten namens, nach dem gesatz der statt ist
gesetzt. Ob er aber das nit thuen mag vnd boes leumbden ist gewesen, so
wirt er selbssyben vberwunden. Ob er aber ergriffen ist wurden
sichberlich mit handvester tat oder gevangen in der flucht des
verbrachten vbels vnd gnöt zum gerichte gefuert, den so wirt von im als
gerecht ist gericht. Item ob einer einen beschuldigt vmb ein todschlag
vnd er den mit abtreyben gewalt mit gewalt sagte sich gethan zu haben in
notwere vnd das weyst nachdem das gesatz vnd frid der statt
| Seite 667| ist gesetzt vnd mit andern vier frummer manne handen mit dem [in]
gericht aufgehebt schweren, so wirt er ledig vom richter vnd vom klager.
Der verklagte durch den verwunten vmb die wunden vnschuldig raynigt sich
mit seinem ayd vnd zwayer frummer man henden mit im ihn gericht
schwerend vnd aufgehebt, wirt er ledig vom richter vnd vom klager. Du
solt merken das vnder dem namen wlnus wirt hie begriffen vnd
eingeschlossen alle belaydung vnd verletzung des leybes, welche geet zu
der verbietung, es sein hende oder der fues oder der finger abhauung
oder erstorung der ander gelider, vnd das die ding aus val beschehen nit
aus dem streyt. Ob aber aus dem streyt vnd bösem vnd freuelem fuersatz
wirt gesagt einer verwundt haben gehebt,
| Seite 668| hend vnd fues
abgehawen, die nasen vnd orn abgeschniten, derselb mit funf im gleichen
frummer man sich raynigt mit seinem ayd vnd wirt ledig. Doch soltu
merken das alle (belaydigung des) bluets ausgiessung mit waffen geet zu
der bietung. Ein verklagter vmb scheltwort durch böse vnd verbotne wort,
welche er einem hot zugeredt, raynigt sich mit sein selbs aynigen ayd
vnd wirt ledig. Der verklagte oder beschuldigte vmb ein enterung einer
jungfrawen, ob er zu geburlicher zeit
| Seite 669| vnd ordenlich
berueft nit ist gewesen, der sol sich raynigen mit seinem aynigen ayd
vnd wirt ledig. Ein beschuldigter von freuel eingangen in eins andern
haus, welchs genant ein haymsuch, wirt sich raynigen mit sein selbs
aynigem ayd vnd wirt ledig. Ein beschuldigter, der einen verboten hot
beherberigt, hot gespeist oder genert, sol sich mit seinem aynigen ayd
raynigen vnd wirt ledig. Item ob verstolen guet bey aynichem ergriffen
wirt vnd der sagt, sich das guet in offnem markt bey liechtem tag
gekauft zu haben, aber er wais nit von welchem, ob das der richter [nit]
will glauben, den so wirt er sich mit sein selbs ayd raynigen
| Seite 670| vnd wirt ledig. Dasselb recht ist von verstolen guet bey
einem andern erlegt. Ob einer geladen vmb ein jedliche sache zum gericht
vnd aus redlicher wrsach in verhindrend kommen nit mag, der sol sich
raynigen mit seinem besundern boten vnd wirt ledig. ... ob einer
angelangt wirt vmb schulden vnd die schulden sein vnder drißig lb., den
$so sol er sich raynigen mit seinem ayd vnd wirt ledig. Ein angelangter
von gehaysen oder gedingen, der wirt sich raynigen on falschen list mit
seinem eynigen ayd vnd wirt ledig. Die zal der reynigungen vmb einen
gestorbnen sein funf, vmb die wunden oder ein anders verletzts
| Seite 671| gelid sullen sein dreu oder vmb ein schlahung oder ein
andre verletzung oder scheltwort einer allein. Die peen des bruch
habenden in seiner raynigung ist ein sulche, wie ist die peen des
gebruch habenden klagers in seiner verklagung. In einer sum ist zu
merken, das von allem haymlichen malefitz, von welchem einer guets
glaubens vnd genugsamer verklagt wirt, von dem mag er sich raynigen, nur
er werd in den malefitz ergriffen oder ob er bruch hat in der raynigung
vnd ob er berueft zum gericht nit erscheint oder geflohen ist vnd
darnach gefangner zu dem gericht gefurt, wan den so wirt geho*ert die
zeugnus des klagers vnd ob er ist mit handhaftiger that ,.. zwayer
zeugen vberwunden wirt.
| Seite 672|
Ist gewys, der verklagte ob er sich entschuldigen nit mag,velt in die
peen; darvmb hie nachuolgt von den penen. Vnd ist zu merken: was sey ein
peen, wievil sein gestalt der penen, welcher die peen auflegen mu*ege
vnd welchen die penen angelegt werden vnd ... wie groß sie bewysen werd,
welche peen sullen angelegt werden, welche weychen der peen, welche
entschuldigen von der peen, welche beschwern die peen, welche ringern,
welche ding sein zu vermerken in anlegung der penen, zum letzten werden
gesetzt die fragen nutzberlich zw der materien.
| Seite 673| Von dem
ersten die peen der sunden ist ein schuldige straf vnd kestigung. Die
penen nach den gesatzen sein vil: Etliche in die person, etlich in das
guet; etliche aus vngehorsam, etliche aus der su*end. Die peen yn das
guet sein zwo, ... das guet, als das beweglich vnd vnbeweglich. Die peen
in die person sein vil, wan vil sein der peynigung geschlecht, vahung,
kesteyung, der gayslung, schlahung der steck, abschneydung der orn, der
nasen, ausstechung der augen, brennung durch die zen, der hend vnd der
fues abhauung,
| Seite 674| enthauptung, henkung, im sack ertrenkung,
verbrennung, verschickung, lebentige vergrabung etc. Die peen aus einer
sund sein auch vier: das ellend, eynschreybung, verbietung vnd
verschickung. Die peen aus vngehorsam sein vier: die erst lassung in
besytzung ein vnbeweglichen guets begeren, die ander ist eins
beweglichen guets eingebung, die dritt ist ein billiche inhaltung, [die
viert] welche schuldig ist dem richter vmb die verschmeung vnd
vngehorsam
| Seite 675| dem gericht geschehen, wan er nit erscheint. Es
sein noch vil andre peen aus der sund on die, wan wievil sein der sund,
so vil der peen, wan es hat ... die sund ein besundre peen. Es sein auch
andre vil peen, welche gesetzt werden in der rubrik von der verbindung
aus dem handel oder nahet aus dem handel vnd in den verbindungen aus dem
malefitz oder nahet aus dem malefitz, von welchem darvmb ist
besunderlich zu sagen. Aber die peen anzulegen haben alle richter, die
glaubhaftig sein in irem gericht, wider ire vnderthan nach welichkait
vnd gro*esse der schuld. Wan nichst taugt ein gerichtzwang, welche die
| Seite 676| strafung der bo*esen nit hot. Vnd merk wiewol
manigfaltig sein richter, als ordenlich, erlangt von der oberkait,
nachgesetzt, wilkuert richter vnd regirer der stett, doch hot kainer zu
richten oder vrtelen die peen des bluts, nur welchem beuolhen ist der
gewalt von dem obern, welcher hot gewalt das zu thuen. Werden angelegt
die peen den personen vnd guetern. Den personen werden aufgelegt
schlechtiglich vnd gerehenlich. Aber den guetern aus neyd der personen,
wan die gueter mugen nit sunden, sunder die, welche die besytzen. Darvmb
vmb missetaten sol einer allein gestraft werden in der person. Aber
layder vil verkeren die ordnung, die schuldigen die personlichen peen
nachlassen vnd hynnemen ire gueter
| Seite 677| vnd also beschedigen
sie die vnschuldigen, welche zu der nacherbung irer gueter nach den
gesatzen vnd von recht gehören. Die peen werden angelegt vmb vngehorsam.
Sunder vmb die sund werden sie angelegt oder genommen die peen gesetzt
von recht gentzlich, wan von inen mag nit geappellirt werden. Die peen
von dem richter aufgesetzt werden genommen in einem tayl,wan auf gnaden,
ja auch warlich mag von denen geappell[ir]t werden, ob der richter zu
vil aberno*et hett gehabt. Die peen, welche mer geforcht wirt, sol dem
angelegt werden, sy sey personlich oder geltlich. Vnd ob die sundenden
gelt nit haben zu bezalen vnd gnad der nachlassung bey dem verletzten
oder belaydigten nit mugen erlangen, den nach dem gebot des obresten
richters ein hals
| Seite 678| vmb den hals, ein glid vmb das ander
gelid werden bezaln. Aber vmb die bues des richters sol einer in kein
maß, wider in dem leyb noch in den guetern, belaydigt werden. Die
erfordert peen von wegen der vngehorsamen oder von wegen der sund, die
zugehoren dem richter. Aber die peen eins schadens vnd der vnrechten
zugeho*eren den, welchen die scheden vnd vnrechte sein bewysen oder
gethan. Ob aber einer würd thuen wider das recht einer statt, die peen
zugeho*eren ... einer gemain. Aber die peen bedingliche zugehoren den
wylkürten richtern oder den, welch die selben wylkürten richter
zugesprochen haben. Es ist aber ein bedingliche peen, welche von willen
der krigenden
| Seite 679| die wylkürten richter auflegen den parteyen.
Vnd die mügen auch gentzlich erfordert vnd genommen oder nachgelassen
werden. Von der peynlichen peen entschuldigt das alter, die lediglich
frevel ... nötung, gerechte vnwyssenhayt, gerechte wrsach, die letzt
notturft, tobhayt, trunkenhayt. Aber der penen beschwerung vnd ringerung
mag ein jedlicher richter durch sich schatzen aus dem tayl, maß, statt,
person, alter vnd wirdikayt. In den personen angelegt zu werden oder
gebuest sein vil ding zu vermerken, als sein das alter, die zeit, statt,
die person, wrsach, gewonhayt, welichkayt, grösse, wirdikayt,
manichfaltikayt. Die person, das ist die condicion der person, ob wirdig
oder
| Seite 680| vnwirdig, schlecht oder edel, reich oder arm. Das
alter, als das kindlich oder das altlich. Wrsach, das ist schuld, wan es
möcht der richter von dem sundenden abernöten zehen lb., sintmal er im
kaum in sehzig dn. schuldig ist. Aus der schuld, durch welche die
schwere der penen sol von den ratgeben gemesigt werden nach welichkayt
der schuld. wan es sein die buessen gesetzt durch rue vnd frid machung
ein stand der gueten vnd strafung der bosen vnd nit durch anders. Die
zeit, ob sie haylig oder nit. Die statt, ob sie geweycht ist oder ein
gericht oder rathaus. Die gewonhayt, als andere gericht des vaterlands
vnd der ratgeben der statt. Auch die welichkait der sund, wen anders
wirt gestraft ein
| Seite 681| offner freuel den ein haymlicher, anders
mit waffen dan on waffen, anders welche geschehen wider der fuersten
oder wider die mechtigen einer statt, dan welcher tut wider die
mittelmessigen oder nydersten oder schlechtisten pueben. Die vielkait
der sundenden wirt mer gestraft oder anders, dan ob einer verschuldt,
als kundbar ist in auflaufen.
Es wirt gefragt, ob ein personliche peen müg verwandelt werden in ein
geltliche peen. Ich sag, nayn nach allen rechten, wan ein jedlicher sol
nach seinem verdienen vnd verschulden gestraft werden. Aber die
verwandlung geschicht aus geytikayt der fuersten vnd richter, als
| Seite 682| emsiglichen beschicht. Aber herwidervmb beschicht
verwandlung der geltlichen peen in eine personliche peen, wen der
verschuldend ist also arm vnd vnvermügend, das er nit hot zu bezalen die
geltliche peen. Vnd das darvmb geschicht, das nit der verschuldend
gentzlich ... entgee. Doch ist kainer also arm, er hab zu thuen ein
straf in guetern oder in der person. Es wirt gefragt, ob ein peynliche
peen müge verwandelt werden in andre peynliche peen? Ich sprich ja, doch
aus wrsachen, als aus wrsach der notturftikayt, gleicherweys als ob
einer sol erhengt werden vnd das ist forcht in der ausfuerung, das er
von seinen freunden erledigt werde dan von der peen, mag er enthaubtet
werden. Auch aus wrsach der ersamkait, als ob er ist von ersamen vater
vnd muter
| Seite 683| oder freundschaft vnd hot verschuldt die peen
offner verhenkung, den so mag in haymlich in einem sack ertrenken. Es
wirt gefragt, ob die bezalte peen bestee noch das wrtail von den
wylkürten richtern (verwandelt oder) gesprochen? Ich verstee, nit, dan
allein aus forcht der peen wirt gestanden dem spruch. Es wirt gefragt,
ob einer mug gestraft werden vmb die sund eines andern? Ich sprich, das
in personlicher sache nit, wan der sun tregt nit die boshayt seines
vaters, gibt zeugnus die geschrift, die götliche. Aber in die zeitliche
peen, in guetern, wirt verhengt vnd gestraft einer vor den andern, als
der sun fuer den vater, ein leybeygen khnecht fuer seinen herrn. Es wirt
gefragt, ob einer on schuld sol gestraft werden? Ich sage, das
vnderweylen geschicht,
| Seite 684| das einer gestraft wirt ... aber
... on wrsach, als einer vnder den guet ist erlegt wurden wirt gestraft,
wen er das erlegt guet aus seiner saumnus .., wen der kain schuld hot in
verlirung des erlegten guets, doch darvmb wan er nit beweysen hot
vleisliche huetung, so wirt er schuldig zu der bezalung. Es wirt
gefragt, ob die richter mügen von recht nemen die bues von iren
vndertanen? Ich sage, ob sie haben gehebt ein rechte maynung vnd die
strafungen zymlich nach gesetzlichen gewonhayten des lands sullen sie
nemen, doch das die recht maß gehalten werde, mugen sie die behalten,
wiewol sie den schadn vbertreffen, wan sie die emend nit fuer das
interesse nemen, sunder das sie gepeynigt werden von der sund. Ja ein
sulche
| Seite 685| emend [sein] nit nachzulassen, sunder ee
angestrengt vnd verboten zu werden vnd beweysen . Es wirt gefragt, ob
einer vmb ein sund zwo oder mer peen zu leyden? Ich sage ja, als kuntbar
ist in verwundenden in einem kirchhof oder in einer kirchen vnd in
dergleichen, wo der richter nymbt sein peen vmb das [su]nd, der verletzt
die andern fuer die belaydigung vnd die kirch die dritten fuer die
vbertretung in der geweichten stat. Vnd herwidervmb das vmb vil sund nit
genug ist ein peen, Vnd du solt merken das des richters rechte maynung
in penen vnd strafungen genommen zu werden sol sein der missetat
verbietung vnd des
| Seite 686| frids aynhellikayt gebietung. Wan es
spricht sant Augustein, das der richter, es sey in strafen oder nit
wyssend die strafungen nemend, ... thut, als allein der bösen menschen
gestraft werde ire durftikait vnd der fried vnd nutzbarkait gemert
werde.
| Seite 687|
Das buech der obgeschriben gesatzen halt in sich dreu tail welcher
erster tail sagt von dem rechten der personen, der ander von dem rechten
der gueter, aber der dritt von dem rechten der klagen. Welcher aller
vorgemelter erkennung wirt einer mugen haben durch das register oder
tafelen on mittel nachuolgend: