1497 :: Materialien zu der mutmaßlich am 13. Februar 1498 ergangenen
Hofordnung König Maximilians I.
Thomas
Fellner, (Hg.) In: Die österreichische
Zentralverwaltung I. Abtheilung. 2. Band: Aktenstücke 1491-1681
(Wien
1907)
6-16
Wir Maximilian von gottes gnaden römischer kunig, zu allen zeiten merer des
reichs, zu Hungern Dalmacien Croacien etc. kunig, erzherzog zu Osterreich,
herzog zu Burgundi zu Brabannt zu Gheldern etc., grave zu Flanndern zu Tirol
etc. bekennen öffenlich mit disem brieve und tun kunt allermeniclich : nachdem
wir nach schickung got des allmechtigen zu romischer kuniclicher wirdickeit und
regirung des heiligen reichs komen und zu einem haupt der cristenheit das heilig
reiche und dieselb cristenheit als künftiger römischer kaiser zu beschirmen
verordent, wil uns aus schuldigen pflichten, damit wir demselben reiche
verbunden seien, zimen und gepiiren vor allen dingen zu bedenken, daz wir das
heilig reiche auch die glider und undertan desselben bei frid recht und
ainickeit behalten und si vor den unglaubigen
und nemlich den Turcken als Cristi und unsers heiligen glaubens veind und andern
frömbden nacionen, so uns, dem heiligen reiche und gemeiner deutscher nacion
teglichs obligen und widerwertickeit zu erzaigen understeen, beschirmen, daz wir
auch also nach unserm höchsten vermögen mit darstreckung unsers leibs und guts
bisher treulichen getan. Und damit aber solichs hinfür dest stattlicher
be[s]chehen und den hendeln und sachen, so vorgeschriben steen, auch mit
regirung unsere löblichen hauses Osterreich und anderer unserer fürstenthumben
und landen, so an die berürten Türgken und anderer unserer und des heiligen
reichs und deutscher nacion widerwertigen greniczen, desgleichen unsers und des
heiligen reichs auch unsers heiligen vater pabsts punt und anderer kunig und
fürsten handlungen, so iczo uns swerlichen obligen, ausgewarten und der entladen
werden mögen; so haben wir uns auch dem heiligen reiche gemeiner cristenheit
deutscher nacion und denselben unsern fürstenthumben und landen zu aufenthalt
trost und gutem ein hofeordenung zu machen und aufzurichten fürgenomen, auch
alle ander unser regiment, die wir bisher ausserhalb unsers hofs gehabt, darnach
schicken und verordnen, das si hilflich und schicklich zu solicher unserer
hofordenung und regiment sein und die irrsal wie oben gemeldet ist, daz den
partheien, so bisher manig tausent von den regirungen hin und herwider gezogen
seien und inen selbst und zuvor an uns grose cost müe spot und unlust gemacht
haben, vermiten bleiben; machen fürnemen und richten auch solich unser
hofordenung auf wissentlich in craft dis briefs und wellen, daz furter unser
hofrete iren rate und handel, was dann zu einer jeden zeit von dem heiligen
reiche und deutscher nacion desgleichen den gemelten unsern erblichen
fürstenthumben und landen kunfticlichen zufallen wirdet, handeln sollen
inmassen, wie hernach geschriben steet.
Die Numerierung der Textbestandteile stammt nicht von Fellner, der die Teile II -
IV als Fußnoten abgedruckt hat.
[Editorische Vorbemerkung Th. Fellners.]
| Seite 6| Im Wiener Staatsarchive erliegen drei
Fassungen einer Hofordnung Maximilians I., die eine mit dem Datum vom 13.
Dezember 1497, unterfertigt und mit Einschnitten für die Siegelschnur versehen,
wohl auch vorübergehend in Geltung (A), eine durch belanglose Zusätze erweiterte
Abschrift von A, welche später von anderer Hand nach C korrigiert wurde (B), und
ein mit 1497 datierter Entwurf ohne Beglaubigung und Besiegelung (C), auf dessen
Grundlage möglicherweise am Tage der Erlassung der Hof- und Schatzkammerordnung
auch eine Hofordnung ergangen ist, eine Annahme, die durch den Wortlaut des in
Nr. 3 mitgeteilten Intimats ("wir haben ... unsern hof, hofrat und canzlei
reformirt und darzu ein schatzcamer zu Ynnsbrugg und ain kamer an unsern hof
gesetzt") bekräftigt wird (Seeliger, Erzkanzler
und Reichskanzleien (1889) 5, 79, A. 1, 192, 193). Die Hofordnung oder
Hofratsordnung selbst ist trotz der gegenteiligen Behauptung Ulmanns (Maximilian
I. 1, 825 Anm.) nicht erhalten. Dem nachfolgenden Drucke wird der Wortlaut von A
zugrunde gelegt, die Abweichungen von B und C anmerkungsweise mitgeteilt. Nach C
ist die Hofordnung gedruckt von Seeliger, Erzkanzler und Reichskanzleien 193 ff.
Wir Maximilian von gottes gnaden römischer kunig, zu allen zeiten merer des
reichs, zu Hungern Dalmacien Croacien etc. kunig, erzherzog zu Osterreich,
herzog zu Burgundi zu Brabannt zu Gheldern etc., grave zu Flanndern zu Tirol
etc. bekennen öffenlich mit disem brieve und tun kunt allermeniclich : nachdem
wir nach schickung got des allmechtigen zu romischer kuniclicher wirdickeit und
regirung des heiligen reichs komen und zu einem haupt der cristenheit das heilig
reiche und dieselb cristenheit als künftiger römischer kaiser zu beschirmen
verordent, wil uns aus schuldigen pflichten, damit wir demselben reiche
verbunden seien, zimen und gepiiren vor allen dingen zu bedenken, daz wir das
heilig reiche auch die glider und undertan desselben bei frid recht und
ainickeit behalten
| Seite 7| und si vor den unglaubigen
und nemlich den Turcken als Cristi und unsers heiligen glaubens veind und andern
frömbden nacionen, so uns, dem heiligen reiche und gemeiner deutscher nacion
teglichs obligen und widerwertickeit zu erzaigen understeen, beschirmen, daz wir
auch also nach unserm höchsten vermögen mit darstreckung unsers leibs und guts
bisher treulichen getan. Und damit aber solichs hinfür dest stattlicher
be[s]chehen und den hendeln und sachen, so vorgeschriben steen, auch mit
regirung unsere löblichen hauses Osterreich und anderer unserer fürstenthumben
und landen, so an die berürten Türgken und anderer unserer und des heiligen
reichs und deutscher nacion widerwertigen greniczen, desgleichen unsers und des
heiligen reichs auch unsers heiligen vater pabsts punt und anderer kunig und
fürsten handlungen, so iczo uns swerlichen obligen, ausgewarten und der entladen
werden mögen; so haben wir uns auch dem heiligen reiche gemeiner cristenheit
deutscher nacion und denselben unsern fürstenthumben und landen zu aufenthalt
trost und gutem ein hofeordenung zu machen und aufzurichten fürgenomen, auch
alle ander unser regiment, die wir bisher ausserhalb unsers hofs gehabt, darnach
schicken und verordnen, das si hilflich und schicklich zu solicher unserer
hofordenung und regiment sein und die irrsal wie oben gemeldet ist, daz den
partheien, so bisher manig tausent von den regirungen hin und herwider gezogen
seien und inen selbst und zuvor an uns grose cost müe spot und unlust gemacht
haben, vermiten bleiben; machen fürnemen und richten auch solich unser
hofordenung auf wissentlich in craft dis briefs und wellen, daz furter unser
hofrete iren rate und handel, was dann zu einer jeden zeit von dem heiligen
reiche und deutscher nacion desgleichen den gemelten unsern erblichen
fürstenthumben und landen kunfticlichen zufallen wirdet, handeln sollen
inmassen, wie hernach geschriben steet.
Zum ersten so verordnen wir hiemit unser hofrete, so jczo ungeverlich bei uns
seien und die wir bisher in unsern eignen gescheften gepraucht haben, zu unsern
obristen regenten, also das si alle und jeglich hendel sachen und gescheften, so
künfticlich von dem heiligen reiche deutscher nacion gemainer cristenheit oder
unsern erblichen fürstenthumben und landen herfliessen, desgleichen auch was
unsern kuniclichen hofe und desselben verwandten betreffen wirdet ganz nichts
ausgenommen hören, die eigentlichen und [nach]
| Seite 8| allen notdurften und fleis erwegen und ermessen und darauf dieselben hendel
und sachen nach irem maisten rate durch unser gewönlich hofsinsigel titel und
secret, inmassen wir bisher gepraucht haben, verfertigen mögen; doch was gros
und swere hendel seien, sollen si zuvor uns anbringen, unsern besluss und willen
darauf zu empfahen, des wir inen dann hiemit unser ganz volkomen gewalt und
macht geben.
Zum andern sollen die oberürten unser hofrete, wann das die notdurft ervordert,
alle tag, nemlich morgens umb siben ur bis auf neun ur und nach mittemtag von
zwelif bis auf vier uren im rate sein und sitzen und einhelliclich über solich
hendel, was dann zu einer jeden zeit zufallen wirdet als obstet, ratslagen und
bei inen noch zwen secretari, einer der solich hendel liset und der ander der
die ratsläg darauf schreibt, sein, die dann darüber solich brief mit wissen des
canzlers und in seinem abwesen des obristen secretarien machen und verfertigen,
und soll allezeit dem mererm ratslag gevolgt werden; des sol der hofmeister die
hendel zu beraten fürlegen und dann darauf der marschalh umbfragen und wo einer
nicht da ist, sol der ander denselben vertreten.
Item so ordnen wir auch hiemit einen canzler oder obristen secretarien mit namen
... der auch oberürtermassen im rate sitzen und alle ratsleg hören, und wann der
rate vormittag zu einer halben ur und nachmittag zu einer ganzen ur volendet
ist, sol er von dem secretarien, so die ratsleg aufgeschriben hat, dieselben
ratsleg übernemen und die widerumb offenbaren und überlesen und selbst
umbfragen, ob das der merer ratslag und opini der rete, die der marschalh oder
sein verweser vor umbgefragt haben, seien; und wo die also gerecht aufgeschriben
seien, soll der canzler oder obrister secretari die andern zwen secretari die
brief darüber also fertigen lassen. Und so die geschriben sind, sol der canzler
oder obrister secretari die widerumb in den nechsten rate, so gehalten wirdet,
bringen und die lesen lassen; wo die also den ratslegen gleich gefertigt seien,
sol unser oheim und churfurst herzog Friderich zu Sachsen
| Seite 9| in unserm namen, desgleichen der canzler oder in
seinem abwesen der obrist secretari mit seinem hantzaichen und namen zaichen und
doch keinen brief verhantzaichnen, er sei dann im rate angeschaffen.
Item man sol auch allezeit sigeln im rate, wann solichs die notdurft ervordern
wirdet, und der secretari so aufschreibt sol sigeler und der leser zustecher
sein.
Item man sol auch den partheien, so also abgefertigt sollen werden, iren beschaid
und antwurt wan des not ist, doch gewönlich im rate vormittag durch — — — geben;
und nachmittag sol man ir supplicationen oder si verhören und ir abfertigung
beraten und besliessen.
Item ferrer so verordnen wir unser sigel und secret, das man in den oberürten
hendeln und sachen im rate geprauchen soll und damit gehalten und versehen
werden, wie dann des ein artickel, so hernach geschriben stet, clerlicher
ausweiset.
Item wir seczen und ordnen auch, daz die obgemelten unser hofrete der canzler
oder obrist und die andern zwen secretarien globen und sweren, das ir keiner von
niemand, wer der sei oder in was gestalt solichs beschehen möchte, kein miet
oder gab von gelt gold oder geltzwert nemen, desgleichen von keinem andern kunig
fürsten herren oder stetten sold oder dinstgelt haben; es soll auch keiner under
den reten canzler und secretarien von dem andern was derselbig dann geraten hat
niemand sagen oder offenbaren, sonder solichs und all hendel bis in seinen tod,
inmassen solichs des rats aid lauter inneheltet, versweigen; auch kainer dheiner
partheien zu lieb noch zu neid oder laid nicht raten, sonder raten, was ine dann
des sein gewissen lernet und er gegen got verantwurten wil.
Item was gros hendel not sind an uns zu bringen, sol allweg unser oheim
herzog Friderich zu Sachsen unser hofmaister
| Seite 10| hofmarschalh canzler oder ir verwalter oder der
obrist secretari und sunst einer von den andern reten, welher dann die sach am
passten verstet, an uns bringen und darnach, wie wir dieselb sachen besliessen,
widerumb in rate anbringen.
Item es sollen auch alle supplicacionen an ein nodelsnur gehenkt und allweg durch
den canzler oder obristen secretarien die eltisten am ersten ausgericht
werden.
Item wir seczen ordnen und wellen auch, das niemand von den obgemelten unsern
reten canzler secretarien canzlschreibern officieren am hof und anderm unserm
hofgesind, wie die genennt oder gehaissen seien, kainen ausgenomen noch
hindangesezt, kainer procurei bei uns nit mer zu üben oder zu treiben
understeen, sonder sollen das alles wie oben stet in rat bringen und daselbst
nach laut der vorgemelten unser ordenung darinne handeln lassen, als uns dann
solichs die obgemelten unser rete canzler secretari officier und hofgesind
darumb globt und gesworn haben.
Item ferrer so ordnen wir ein grosse truhen mit vil kestlin, die sol genennt
werden die ratstruhen, und sol in das erst kestel gelegt werden die
supplicacionen an einer snur.
Item das eilft sol haben ein slössel, wol vermacht. Darein sol man legen das
sigel und secret verspert, und denselben slüssel sol haben der canzler oder
obrist secretari. Und der gros kasten, darinne die cleinen kestlin steen, sol
haben vier gutte slösser, das eins nicht sei als das ander; zu denselben slossen
sol haben der genannt herzog Friderich zu Sachsen einen
slüssel an unserer statt, der hofmeister den andern und der hofmarschalh den
dritten und der canzler oder obrister secretari den vierten slüssel zum
sigeltrûhelin; und sol solh truhen nit geoffent werden dann in gegenwürtickeit
der merer teil der rete.
Item es sol sich auch kainer aus den obgeschriben unsern reten canzler oder
secretarien des rats in vorberürter massen alle tag nit müssigen. oder den
versaumen oder daraus bleiben, er habe dann zuvor von den obgemelten erlaubnüs
oder müg den krankheit halben seines leibs nit besuchen oder er werde in
sonderheit durch uns ervordert.
| Seite 12|
Dem allem nach so gepieten wir euch obgemelten unsern hofreten canzler obristen
und andern unsern secretarien und
| Seite 13|
canzlschreibern so iczo durch uns geseczt seien oder kunfticlich werden aus
unserm wolbedachtem aigen gemüet und wellen, das ir bei
| Seite 14| den pflichten glübden und eiden damit ir all und
euer jeder besonder uns verwandt seit und vermeidung unser ungnad und strafe
| Seite 15| solich obestimbt unser ordenung und saczung
in allen und jeden iren worten clauseln puncten artickeln innehaltungen
meinungen und
| Seite 16| begreifungen stet vest und
unzerprochen halten und dawider nit tun noch jemand zu tun gestatten, sondern
das alles, so obgeschriben stet, des wir euch hiemit sondern gewalt und macht
geben, vesticlich volziehen und hanthaben. Daran tut ir unser ernstlich mainung.
Des zu warem urkund haben wir dies unser ordenung bevelh und mainung dises
briefs mit unser hand bezaichent und underschriben und mit unserm anhangundem
insigel versigelt, der geben ist an mittichen sant Lucien und Otilien tag nach
Cristi gepurd vierzehenhundert und im sibenundneunzigisten, unser reiche des
römischen im zweliften und des hungerischen im achtenden jaren.
Maximilian. Ad mandatum domini regis proprium C.
Sturtzel canzler.
Zum ersten so verordnen wir unser zween ratssecretarien mit namen
Mathisen Wurm und Niclasen
Ziegler; dieselben zween ratssecretarien sollen
| Seite 12| teglichen oder wann der hofmarschalh in rate
ansagen last all und jeglich hendel, es seien missifen supplicacionen oder
ander gescheften, in rate bringen und alleweg die eltist hendel, es seien
supplicationen oder anders, die nach der nodelsnur nach laut derselben
ordenung seien, handeln; und sol Niclas Ziegler
secretari derselben hendel alle lesen und geverlichen darinne
nichts auslassen noch verhalten; und Mathis Wurm der
ander secretari die ratsleg mit getreuem fleis hören und allezeit der merer
teil ratslag auf dieselben supplicacionen und hendel aufschreiben und
darinne geverlichen auch nichts auslassen noch verhalten; was aber ratslag
weren, darauf man dann den partheien müntlich antwurt geben muß, oder sunst
hendel, so uns antreffen und darauf nit brief zu fertigen notdurftig weren
oder sein würden; so sol derselb secretari solich ratsleg in ein puch
eigentlich und mit fleis aufschreiben und zuvor den handel in solichem
aufschreiben eigentlich anzaigen, auch den tag und die personen der rete so
dabei gewesen seien benennen; was aber schriftlich antwort seien oder sunst
im rate brief angeschaffen würden, dieselben sollen si beid secretarien mit
einander copiren nach laut der ratsleg und stilum der canzlei, und inen die
andern canzleisecretarien und schreiber des verhelfen, sunst würde inen der
müe allein zuvil werden und die furter unserm canzler oder obristen
secretarien zaigen, damit er die gegen dem ratslag also übersehe. Und so er
die dem ratslag und stilum der canzlei gleich und gerecht findet, sol er
dieselben copeien unterschreiben. Und darnach sollen er oder die zween
secretarien oder ir einer dieselben copeien den canzlschreibern, die inen
dann hierinne gehorsam sein sollen, zu ingrossieren und zu schreiben geben;
und wann die ingrossiert und durch si collacionirt seien, sollen si
dieselben brief den gemelten zweien secretarien zu stund und die copeien dem
registratori, der je zu zeiten sein wirdet, uberantwurten; dieselben zween
secretarien sollen solich ingrossiert brief auch genugsamlich corrigiren und
überlesen und die fürter in rate mitsambt den ratslegen, so oberürtermassen
auf supplicacionen oder ander hendel geschriben worden seien, bringen, die
ferrer daselbst gegen dem ratslag in rate überlesen und darnach wie obenstet
versigeln lassen — alles nach innehalt der ordenung darüber gemacht; wo aber
einicher brief nach laut der ratslag oder sunst nit förmlich gemacht were,
sol man den von stund im rate anders corrigiren und machen und widerumb wie
vorstet in rate hören lassen.
Item es sollen auch dieselben zween secretarien des rats zu aller zeit wie
obenstet getreulichen fleissigen und dem auszuwarten, auch die brief und
hendel so teglichs fiirfallen treulichen auszurichten und zu verfertigen
verpflicht sein.
Item dieselben unser zwen secretarien sollen auch haben ein truhen mit viel
ledlin. Darein sollen si legen alle hendel, so im rate beslossen werden; und
verordnen, das dieselben hendel allweg in die laden darein die gehören
gelegt und dermassen versehen werden, damit si die, so man ir notdurftig
ist, allweg wissen fürzunemen; und sol sunst niemand über solich truhen oder
laden geen dann der canzler oder obrist und die zween secretarien, und der
obrist secretari einen und die andern zween secretari auch einen slüssel
haben; und dieselb truhen sol mit einem slos wol versorgt sein.
Item die berürten zween secretari sol der, so im rate aufschreibt, sigler und
der ander zustecher der brief sein, so man die also im rate versigelt.
| Seite 13|
Item die gemelten zween secretari sollen uns auch globen und sweren, das ir
keiner vor niemand, wer der sei oder in was gestalt solichs beschehen möcht,
kein miet oder gab von gelt oder gold oder gelzwert umb procurei nit nemen;
es sol auch ir keiner von den reten was ir einer geraten hat niemand aus-
oder offenbaren, sonder solichs und alle hendel bis in seinen tod
versweigen— als das der rats- und canzleieid lauter inneheltet.
Item es sollen auch dieselben zween secretari keiner procurei, es sei bei
unser kgl. Mt. oder im rate, bei demselben irem eide
nicht üben noch des zu tun understeen, sonder das alles treulich im rate
anbringen und darin wie obgemelt ist raten und handeln lassen.
Item es sollen auch dieselben zween secretari ausserhalb rats des canzlers
oder den obristen secretarien wissen und willen keinerlei brief von niemands
wegen anschaffen, er sei inen dann zuvor im rate oder durch den obristen
secretarien zu fertigen oder zu schreiben angeschaffen.
Item was hendel uns das heilig reiche oder unsere erbliche lande berüren,
sollen der canzler der obrist und die zween unser secretarien vor allen
andern unsern sachen und handeln getreulichen fertigen.
Item es sollen auch dieselben zween secretarien on sonder wissen und willen
unsers canzlers oder obristen secretarien zu unsere kgl. Mt. nicht geen noch bei uns procuriren, sonder dem genannten
canzler oder obristen secretarien in dem und allen sachen und hendeln, so
uns berüret, gehorsam und gewertig seien.
Item am ersten ein puech von den fürstenthumben und landen Osterreich Steyr
Kernndten Crain Isterreich Karst und Friaul, darein sollen geregistrirt
werden all und jeglich hendel, so in dieselben land ausgeen und die
notdurftig sind zu registriren, es seien bekennen instructionen beslossen
oder offen missifen und gescheft.
Item darnach sol er aber halten ein puech von den landen Tyrol Ellsas Sungkew
Prisgew und was land weilent erzherzog Sigmund zu
Osterreich der kgl. Mt. ubergeben hat,
darein auch also bekennen instructionen beslossen oder offen missifen
geregistrirt werden sollen.
Item ferrer sol er aber halten ein puech von dem heiligen reiche, darein alle
brief so not seien, von allem bekennen, instruction, beslossen oder offen
missifen registriert sollen werden.
Item weiter sol er aber halten ein puech von allen handeln gen Rom Ytalien
und allen andern künigreichen fürstenthumben und communen, so ausserhalb des
heiligen reichs und deutscher nacion seien, darein alle brief so not seien,
von allem bekennen, instructionen, beslossen oder offen missiven registrirt
sollen werden.
Item fürter sol er auch halten ein puech, darein alle gescheftbrieve, si
seien offen oder beslossen, so an den obristen schazmeister, die rechencamer
oder ander officiers und ambtleut ausgen, registrirt sollen werden.
| Seite 14|
Item derselb registrator sol haben neben ime einen geschickten schreiber, der
ime wo des not tuet helfen sol die oberürten hendel zu registriren und die
puecher zu halten. Wann si aber beid oder ir einer nicht zu registriren
haben, sollen si sunst in der canzlei wie ander helfen ingrossiren und
schreiben.
Item wann ein secretari oder canzlschreiber einen brief, es sei bekennen,
instruction oder ander missifen oder gescheftbrief, ingrossirt und
geschriben und der canzler darauf registranda geschriben hat, so sol derselb
secretari oder canzlschreiber, so denselben brief geschriben hat, dem
registrator bei seinem eid solh copei überantwurten und übergeben, damit er
die zu registriren wisse.
Item der registrator sol auch solich copeien allezeit on widerred bei seinem
eid annemen und die mitsambt dem canzlschreiber, so ime zugeordent ist, von
stund an registriren in das puech, darein dann solhs als obstet gehört; und
wann dieselben also registrirt sind, so sol er gen zu dem secretari, der
dann alle brief überlist und corrigiert; und weliche er dann registrirt hat,
so sol er was beslossen brief seien inwendig, was aber pergamenen brief sind
auswendig registrata darzu machen und seinen namen auf die pergamenen brief
schreiben; und wann solichs beschehen ist, so sol er dieselben registratur
von stund an mit seinem zugeordenten canzlschreiber gegen dem original
überlesen und darnach die püecher mitsambt den copeien und brieven fur den
canzler bringen und ime die registratur anzaigen; so der canzler die gesehen
hat, so sol er die brief zu ime nemen und den zweien oder einem
ratssecretarien die antwurten, die fürter in rate zum sigel zu bringen; wann
aber ein brief im rate verendert würde, so sollen die zween ratssecretarien
dem registrator solichs anzaigen, damit er das in den püechern auch wisse zu
verendern; und wann er die verenderung getan hat, so sol er dem canzler
dasselb abermals wie vorstet anzeigen.
Item was copeien der registrator also geregistrirt hat, sol er von stund an
aufheben und in die laden, der er zu jedem land die vorgemeldet seien eine
haben sol, legen und die wol verwaren und in jedem halbem jar dieselben auf-
und zusamenpinden und die dem canzler antwuerten, der die fürter in ein
gewelb tuen und wo das der kgl. Mt. gefellig ist
schicken sol.
Item was aber ander copeien, die nit not seien zu registriren sonder sunst zu
behalten seien, die sollen die secretarien und canzlschreiber, sopald si die
brief davon ingrossiert und geschriben haben, dem bemelten registrator von
stund an uberantwurten; der sol die auch in ein jede laden des lands, da
derselb brief gelaut hat, legen und zu jedem halben jar dieselben auf- und
zusamengepunden und dem canzler geantwort werden, der die fürter auch in ein
gewelb tuen und ferrer, wo das der kgl. Mt. gevellig
ist, schicken sol; ob auch in denselben brieven einich verenderung im rate
beschech, so sollen die zwen ratesecretarien solichs dem registrator auch
anzaigen, damit er die copeien gegen derselben verenderung wisse zu
corrigiren und darnach solichs bei seinem eid dem canzler anzaigen.
| Seite 15|
Item der gedacht registrator sol alle jare zu sant Michaels tag anfahen und
die püecher der registratur, so dasselb jar ausgegangen seien, widerumb von
neuem anfahen in neu register zu schreiben, damit das dieselben allezeit auf
weihennechten clar geschriben und berait seien, dardurch der kgl. Mt. die zu weihennechten überantwurt werden durch den
canzler, damit sein kgl. Mt. bericht empfahen mag, was
dasselb jar gehandelt sei, dann die andern püecher der registratur sol der
canzler behalten, damit, ob icht not würde, davon underricht zu nemen wisse;
wann aber über ein jar darnach komet, sol er allezeit mit wissen der kgl.
Mt. dieselben püecher in ein gewelb, wo sein kgl.
Mt. das gevellig ist, schicken.
So verordnen wir hiemit — — — canzlschreiber mit namen — — —; dieselben
canzlschreiber sollen in der canzlei stets sein und darein, nemlich in dem
sommer des morgens umb sechs und im winter ungeverlich umb siben ur komen
und darinne treulichen warten; und was inen der canzler oder obrist
desgleichen die zween unser ratesecretarien zu einer jeden zeit zu schreiben
geben, sollen si das mit gutem fleis fertigen, dieselben ire brief nach der
copei eigentlich collacioniren und überlesen, und so das beschehen ist,
dieselb copeien zu stund dem registrator überantwurten und furter solich
brief, so die also geschriben und collacionirt werden, es haben inen die der
genannt unser canzler oder obrister oder ander zween secretarien zu
schreiben bevolhen oder ir einer aus inen denselben zweien secretarien zu
iren handen übergeben.
Item der so also registrator ist, wo er nit zu registriren hat, sol dannoch
wie ander canzlschreiber zu ingrossiern und zu schreiben in der canzlei
schuldig sein.
Item si sollen auch keinen brief von keiner copei ingrossiren oder schreiben
noch von niemand ichts annemen zu schreiben, es werde inen dann durch den
canzler oder obristen secretarien oder den zweien secretarien mit desselben
canzlers oder obristen secretarien zaichen zu schreiben bevolhen.
Item si sollen auch die copeien nit verlegen noch die jemand, wer der oder
die weren, lesen lassen, sonder dieselben, so die ingrossiert werden, zu
stund dem registratori überantworten, auch dieselben und alle ander unser
und der canzlei hendel und heimlicheit bis in den tod versweigen und
niemands offenbaren, alles bei iren eiden so si darumb tuen sollen.
Item das auch dieselben canzlschreiber samentlich und ir jeder besonder dem
canzler oder obristen secretarien in allen hendeln und sachen dieselb
canzlei berürende und in ander wege getreu gehorsam und gewertig sein sollen
und treulich als obstet warten und schreiben; dann welher oder weliche des
nit teten, soll der canzler oder obrist secretari macht und gewalt haben den
oder dieselben mit verwilligung unserer obgenannten rete abzusetzen.
| Seite 16|
Item es sollen auch dieselben canzlschreiber mit einander stets in gueter und
fruentlicher gesellschaft sein und bleiben und mit einander geselliglich
leben und in keinen weg mit einander kriegen oder einich aufruer machen.
Dann welicher das verspreche, soll von stund durch unsen hofmarschalh, wie
sich gepürt, gestraft werden.
Item es sol auch ein jeder canzlschreiber die copei, so ime oberürtermassen
zu schreiben gegeben wirdet, von stund schreiben, und damit auf keinen
andern waigern noch verziehen, auch in keinen weg nichts daran oder davon
tuen noch setzen.
Item es sol auch hinfür kein canzlschreiber von niemand noch von kainem brief
kein tringgelt nit vordern noch heischen; was aber ein jeder gern und
williclich gibt, sol dem taxator, der je zu zeiten ist, geantwurt, der auch
das bei seinem eid fleissiclich aufschreiben sol und darnach durch unser
rate oder den canzler oder obristen secretarien ausgeteilt werden.
Item si sollen auch niemand on wissen und willen unsers canzlers oder
obristen secretarien oder der zweier ratssecretarien kein copei von den
brieven nit geben. Wo auch einich tringgelt von solichen copeien gefiel, sol
auch dem taxator gegeben und obgeschribnermassen ausgeteilt werden.
Item si sollen auch niemand in die canzleistuben zu zeiten so si schreiben
nicht einlassen, noch si zu inen hinein vordern; sonder welicher mit einem
frembden zu handeln oder zu reden hette, der mag zu ime hinaus für die thür
geen. Darzu sollen si, so si morgens oder nachts essen, alle ire brief und
copeien eigentlich aufheben und wegtuen, damit niemand die lese.
Item es sol auch ir keiner on wissen und willen ires canzlers oder obristen
secretarien nit gen hofe noch in rate geen, noch einicherlei sonders bei uns
procuriren oder sollicitiren in dheinen weg.
Item es sol auch ir kainer kein notel oder copeien on wissen und willen oder
heissen des canzlers oder obristen secretarien oder der zweier
ratssecretarien nicht machen.