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        <title>Kammergerichtsordnung Lindauer Entwurf.</title>
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            Geisteswissenschaften, Universität Graz</orgName>
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        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
          digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der Frühen
          Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <title>1497 :: Kammergerichtsordnung Lindauer Entwurf.</title> In: <editor corresp="marcrelator:edt">
            <forename>Heinz</forename>
            <surname>Gollwitzer</surname>, </editor>
          <series>Reichstage von Lindau, Worms und Freiburg 1496-1498. = Deutsche Reichstagsakten.
            Mittlere Reihe, Band 6.</series> (<publisher>Vandenhoeck &amp; Ruprecht</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Göttingen</pubPlace>
          <date when="1989">1989</date>) <biblScope from="310" to="323">310-323</biblScope>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
          Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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                  Römisches Reich</ref>
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      <div xml:id="T.1">
        <head>Kammergerichtsordnung 1497 Lindauer Entwurf</head>
        <div xml:id="NA.1">
          <head>[Art. 1] Verwesunge eins camerrichters und anzale der bysitzer betreffende.</head>

          <p>Nochdem des kgl. KG. ordenunge, zu <placeName>Worms</placeName> ußgangen, begrifft, das
            in sachen ff. betreffend nyemants, dan ein gf. oder frhr. zu verweser des <pb
              n="311" xml:id="S.311"/> camerrichters gesatzt werden sol, ist geratslaget, das gut und not
            sy, ufs mynst noch einen gf. oder frhr. an das KG. zu gf. <persName>Bernhart von
              Eberstein</persName> zu ordenen, damit zu ziten, so sich lybs, krankheit oder ander
            not sachen denselben camerrichter und gf. zu einer zit begeben möchten, desselben halben
            nit verhinderung oder mangel entsteen müge, wie bißhar etwan bescheen ist, das ouch fliß
            ankert, das die angezeigte zale der bysitzer fürderlich erfüllet werde, und wiewol die
            gemelt ordenunge anzeig tut uf sechzehen bysitzer, also das nit mer dan vier personen zu
            einer zit vom KG. erloupt werden sol. diewile aber dieselbe zale bißhar noch nye erfült,
            sonder nie mer dan dritzehen bysitzer oder zu etlichen ziten mynder hie gewest und aber
            durch die kgl. mt. und etlich ff. und stende des richs zu <placeName>Worms</placeName>
            darzu verordnet uf anbringen eines KG. hievor zugelassen worden, das durch acht bysitzer
            und den camerrichter urteil gesprochen werden mögen, ist geratslaget, das gut und not sy
            vergangener und künftiger urteilen halben und das es fürohin ouch also gehalten werden
            sol, declaracion ze tun und klare ordenung zu machen, wie harnach volgt, domit uß
            solicher ordenung nit ursach gegeben werde, in die urteilen inrede oder cavillacion ze
            tun.</p>

          <p> Item, das von vile und menge der sachen, die sich tägelich hufen und zufallen, zu
            fürderung der sachen gut und not were, das ein camerrichter uß den bysitzer ein der
            audienz entraten möcht, das zum mynsten vieren bevolhen, die by urteil und <term type="juridical">taxaciones expensarum</term> uf infallende rechtsatz entledigen
            mögen, nochmals öffenlich am KG. ußzusprechen, domit man zu andern ziten usserthalb der
            audienz zu entlichen urteilen deste fruchtbarlicher griffen müge.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2">
          <head>[Art. 2] Erkantnis der ladungen.</head>
          <p> Item, als die ordenung anzeigt, das <term
              type="juridical">citaciones</term> durch
            einen camerrichter erkant werden sollen, ist geratslaget, das zu fürderunge der partyen
            declariert und zugelassen werde, das zu ziten der vacanz oder sust ein camerrichter oder
            in sinem abwesen die bisitzer oder etlich uß inen durch einen kamerrichter darzu
            geordnet <term type="juridical">supplicaciones</term> annemen und ladung ußgeen lassen
            mögen.</p>

          <p> Item, nachdem die ordenung fürter begrifft, das die citacion durch gesworen boten oder
            offen notarien verkündet werden sollen, und aber in den verkündungen der ladunge und
            anderen gerichtzbriefen, so von unbekanten oder villicht untogenlichen notarien bescheen
            und in gericht fürbracht worden, sich täglich inrede fürnemen und irrung zu verlengerung
            der sachen begeben, ist, solichen verlengerungen, irrungen und <pb
              n="312"
              xml:id="S.312"/> costen zu begegenen, geratslaget, das gut und nütze sy, das hinfür
            nach einer genanten zit, so zu öffenung desselben statutz bestimpt würt, deheinen
            verkündungen oder insinuacionen, ladunge oder andern briefen, vom KG. ußgangen, gloube
            geben werden sol, dan die durch gesworen boten oder offen notarien, die durch ein KG.
            zuvor <term type="phrase">approbiert und zugelassen</term> worden, bescheen weren, die
            ouch ir hantschrift, namen und signete einem KG. verzeichenet geben und lassen, den ouch
            ein form und bericht, wie solich verkündungen gescheen und ufgeschrieben werden, gegeben
            werden solle.</p>

          <p> Item, als gewönlicher form in den ladungebryefen des KG. gesetzt würt ein anzale tage
            als uf den drissigisten tag etc. noch der verkündunge etc. und sich aber begipt, das
            etwan mer dan ein persone derselben sach verwandt, die nit an einem ort gesessen und
            eins tags nit mögen citirt werden, daruss dan <term type="phrase">zwivel und
              irrunge</term> entstat, so die verkündunge also geendert würt, ob dan der recht tag uf
            die ersten oder nochvolgende verkündunge sol gerechent werden, dasselbe zu fürkomen, ist
            geratslaget, das hinfüro in demselben vall ein gerümpter und benempter tag eins monats
            in den ladebriefen noch ermessung eins camerrichters, uf den die citierten alle komen
            mögen und sollen, bestimpt inen allen, wie sich gebürt, durch die originale briefe
            verkündigt, ouch allen glichförmig abeschrift davon durch ein geswornen boten oder
            notarien, der solich verkündung täte, underschriben und fürter das originale widerumb in
            gericht geantwortet werden soll.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3">
          <head>[Art. 3] Copien.</head>
          <p> Item, als in gerichtschriber eyde stät, das sie kein cop. von den ingelegten briefen
            und schriften den partyen geben sollen one urlop und erkantnuß eins gerichtz, ist,
            nochdem solich erkantnuß in jeder sach ze tun ein merglich verlengerung bringt,
            geratslaget, das solicher eyt gemessigt werde, also das der protonotarius one
            gerichtlich erkantnuß, sonder uf bescheit eins KG. aller inlege den partyen uf ir
            begeren abschrift geben müge, wie solichs gemeine recht ußwisen.</p>

          <p> Item, als etwan von den partien briefe, register, acta und ander schriften, daran inen
            groß und vil gelegen ist, in gericht geleget werden und zu besorgen, das solich briefe,
            acta und ander schriften in der cancely verloren oder verseret werden oder die partyen
            der vilicht an andern orten ouch nottürftig sin möchten, ist bedacht und geratslaget,
            das hinfüro die party, wider die solich inlege beschicht, solle und möge solich ingeleit
            briefe und schriften besichtigen und syn inrede, ob er die wider sichtbarlich
            argwonikeit oder gebrechen an sigeln, signeten oder schriften <pb
              n="313" xml:id="S.313"/> derselben briefen oder schriften hett, von stunde an desselben gerichtz fürwenden, es
            were dan das ein camerrichter uß ursachen lenger zit darzu gebe, und darnoch sollent die
            partyen ir briefe uf ir oder irs procurators begeren widergegeben werden, doch das davon
            allewegen gloupwürdig abschrift, die durch einen protonotarien oder leser collacioniert
            were, by den acten und cancelyen bliben.</p>
          <p> Item, nochdem bißher die procuratores täglich über die gerichtzacta in die cancelyen
            zu loufen und die zu besichtigen noch alter gewonheit und gebruche zugelossen worden
            sint, und aber zu besorgen, das darin groß geverlicheit mit verrufung oder verletzung
            der briefen oder siegeln gebern möcht, ist, solichs zu verhüten, geratslaget, das den
            procuratoren oder partyen fürohin über solich acta und briefe zu loufen und in ir hende
            komen zu lossen nit gestattet, sonder allein cop. davon inen uf begern und costen
            gegeben werden inmossen, als vor von den partyen begriffen ist.</p>

          <p> Item, nochdem eines kgl. fiscals und eins procurators privatorum pflicht nit wol
            byeinander besteen mögen, angesehen, das ein <term
              type="juridical">procurator
              privatorum</term> siner parten heimlicheit zu verswigen und aber ein fiscal etwan
            ampts halben solhs zu offenen und zu rechtvertigen schuldig ist, und sich ouch tägelich
            begipt, das ein fiscal oder sust ein procurator privatorum ist wider den anderen fiscal
            und den fiscum causas privatorum defendiert, so ist geratslaget, das hinfür die fiscale
            allein der fiscalischen hendeln ußwarten und nit ander Sachen annemen oder, obe sie ir
            sachen durch ander <term type="phrase">procuratores oder redner</term> handeln wolten,
            das ouch durch eigen procuratores oder redner, die allein derselben fiscalischen hendel
            ußwarten und deheinem anderen bevelhen solten.</p>

          <p> Item, nochdem sich tägelich begipt, das ein procurator des anderen procurators advocat
            sin wil und aber der <term type="phrase">redener oder procurator</term> und der
            advocaten ämpter unterscheidenlich sint, ouch die procurator von mengin der sachen wegen
            beyden ämptern nit wol vor sin mögen, ist geratslaget, das hinfür kein procurator sich
            advocaten amptz underfohen sol, wolt aber ein partye zu irem procurator ein advocaten
            bruchen, so solle sie einen uß den geswornen advocaten des KG. nemen, der sust kein
            procurator desselben KG. sy.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.4">
          <head>[Art. 4] Ordenunge der KG.-boten.</head>

          <p> Item, nochdem bitzhar der boten halb ouch manigerley clage gewest, ist geratslaget,
            das hinfür von den bysitzern uß den leyen ein botenmeister geordent werde, der alle
            boten, so mit ladung oder andern gerichtzbriefen sollent ußreyten, noch inhalt
            nochbeschribener ordenung abvertigen und ir abfertigung, wider inkunft und handelung,
            damit sie in <pb
              n="314" xml:id="S.314"/> allen dingen iren bevelhe und dienst mit fliß
            und getruwen nochkomen ufmerkens haben, ir verhandlung strofen und verfügen sol, das
            jedem sins soldes, was im lute der ordenung daruf begriffen gebürt, zu jedem monat
            entrichtet werde, das ouch alle citacion und ander gerichtzbriefe, so durch boten
            verkündet, nit den poten, sonder zuvor dem botenmeister behendiget werden sollen, die
            fürter durch die boten zu überschicken abvertigen sol, domit sie alle ryten und keiner
            vor dem andern vorteil haben möge.</p>
          <p> Item, alle die boten des KG. sollent sich geritten halten und selbs vercosten.</p>
          <p> Item, ein jeder, der sin citacion oder ander gerichtzbriefe durch ein geswornen boten
            wil verkünden lassen, sol dem botenmeister bitz an die statt der verkündung ye von zwölf
            mylen wegs ein gülden und darzu für die verkündung ein halben gülden geben, och der
            botenmeister noch überantwortung solichs geltz die ladung oder ander gerichtzbriefe in
            vier tagen abvertigen und der bot, dem die hinzufieren bevolhen würt, uf förderlichst
            verkünden.</p>
          <p> Item, ob ain bot auf aim rit mer dann ain <term type="phrase">citatz- oder
              gerichtsbrief</term> fürn und verkünden würde, soll jm doch für sein belonung von dem
            botenmaister nit mer meil dann so vil an die stat der verristen ladung ist, bezalt, doch
            von yeder parteyen, der brief er fürn würde, ganz botenlon genomen. aber das gelt, so im
            von insinuacion und verkündung aller ladung oder brief, er desselben rits gefuert und
            getan hett, gefellt, soll im alain beleiben und das gelt von andern deßmals gefuerten
            und verkündigten ladungen oder briefen soll dem botenmaister überantwort, durch in
            aigentlich aufgeschriben, in ain büchssen gelegt und der botenmaister solich gelt, so
            dermassen überlaufen würd, zuo außgang ains yeden monats under die boten gleich
            austailen un ainem als vil als dem andern davon geben, davon dann des botenmaisters
            schreiber zuo yeder fronvasten für sein aufschreiben, müe und belonung zwen güldin
            soellen gegeben werden.</p>

          <p> Item, die boten, so zuo dem kgl. KG. bestellt un aufgenomen werden, soellen globen un
            zuon hailigen schwern, dem camerrichter und urtailern gewärtig un gehorsam zuo sein, ir
              <term
              type="phrase">botschaft, citacion und ander gerichtzbrief</term>, so in von dem
            camerrichter, urtailern oder dem botenmaister zuo yeder zeit bevolhen oder übergeben
            werden, getreulich und mit fürdenlichem fleiß außzuorichten un den personen, an die
            soelich brif steen, in jr aigen person oder heußlich wonung oder sunst nach ordnung des
            rechten <pb
              n="315" xml:id="S.315"/> zuo antwurten und zuo verkünden soelicher
            überantwurtung tag un malstat. darauf zuo schreiben den protonotarien des glauplich
            relacion, auch sunst alles das zuo tuon un zuo handeln, das inen nach inhalt der ordnung
            gepürt, alles getreulich und ungefärlich.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.5">
          <head>[Art. 5] Sportule.</head>

          <p> Item, nochdem sportule angesehen der viscalischen und armer lüten sachen, darin bißhar
            kein sportule geben worden, so vil sint, so wenig ußtragen, das die gerichtzpersonen nit
            mögen belonet werden, ist geratslaget, das zu verhüten clage, die sich darumb tägelich
            erheben, erlich und gut were, das die abgestellt und nochgelassen würden, wo sie aber
            bliben solten, das dan einer <term
              type="phrase">declaracion oder bescheit</term> not sy
            wie <term type="juridical">in causis iniuriarum</term> und andern, do die cleger, so
            sachen selbs nit wissen an gelt zu würdigen, sportule taxiert und gevordert sollen
            werden, daruf dan geratslagt ist, das solich sportule am KG. noch größ und gelegenheit
            der personen und sachen zu messigen zugestehet und bevolhen werden möchten.</p>
          <p> Item, ist geratslaget, das hinfür in überantwortunge des lybells die partien oder
            procuratores lute der ordenunge sportule ußrichten und, wo sie das verhalten und nit
            tun, ir keyner gehört noch inen in der sachen zu procedieren gestatt werden, ouch die
            partyen oder procuratores ir sachen by iren eiden würdigen und achten sollen, damit sich
            nyemas beswerunge beclagen möge.</p>
          <p> Item, ob in eynicher sache, darin sich zu remitieren begeren und daruf gewisen,
            sportulas zu geben weren oder würden, sollent solich sportule inhalt der ordenunge ouch
            achtunge und würdigunge der sachen genomen und gegeben werden, diewile das gericht müge
            und erkantnuß darüber tun muß.</p>
          <p> Und als sich dick begibt, das der cleger zu verzuk der sachen in bezalung der sportule
            sumig ist und der antworter umb recht anruft, ist geratslagt, das alsdan von dem
            antworter, der also im rechten zu volfaren begert, damit er deshalben nit rechtloß
            bliben muß, die sportule genomen werden und derselbe alsdan im rechten wider den cläger
            als einen ungehorsamen fürfaren und der cleger dagegen nit gehört werden, er lege dan
            zuvor dem andern teil sin dargelegt sportule abe.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.6">
          <head>[Art. 6] <term type="juridical">Contumax in comparendo</term>.</head>

          <p> Item, als in der ordnung steet, das man auf anruefen des clagers in der ersten
            rechtfertigung oder appellacion sachen auf ungehorsam des <pb
              n="316" xml:id="S.316"/>
            antwurters auf die <term type="phrase">acht und aberacht</term> wider denselben, ob er
            woelle, procediern müg, und aber etlich bißher gemaint haben, das alsbald auf die ersten
            ladung derselb ungehorsam on ferrer beruefung in die acht un aberacht gesprochen werden
            soll, das aber durch ain gericht zuo schwär ermessen und darumb, so sich soelicher fal
            begeben hat, ist bißher gehalten, das der angezaigt ungehorsam umbzuosehen un zuo hoeren
            sich um soelich sein ungehorsam in acht un aberacht erkennen oder redlich ursach dawider
            fürzuowenden etc. mit neuer ladung berueft. und so er darauf auch auß belyben und
            ungehorsam gewest, all erst mit der acht und aberacht wider in procediert werden,
            darumb, so ist geratslaget, das soelichs fürohin auch dermessen ze helten befelh
            beschehe.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7">
          <head>[Art. 7] Der appellacion halb.</head>
          <p> Item, wen nit vor eynem richter, sonder vor einem notarien appellieret oder apostel
            begert und gegeben werden, ob solich appellacion, als wider formen des rechten bescheen,
            untogenlich erkennt und für gnugsam zugelassen werden sollen in ansehunge, was deshalben
            gemeyn recht versehen, wie ouch bißhar gemeyner bruch in etlichen landen, obgemelter moß
            zu appellieren und apostel zu bitten, gewest sy, ist bescheit not, obe es mit zulassung
            solicher appellacion by versehunge der rechten oder dem gebruch bliben sol und daruf
            geratslaget, soverre es hinfür den rechten gemeß gehalten werden sol, das alßdan solichs
            in das rich ußgeschriben und verkündet werde, damit sich die partien, ouch die notarien
            solicher ordenung der rechten wissen zu halten und obgemelten bruch abezustellen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8">
          <head>[Art. 8] Armelüte.</head>

          <p> Item, als denien, so arm sein und ir armuot behalten, vergebens soll gedient werden
            nach anzaigung der ordnung und zuo besorgen ist, das etwan dieselben sich soelicher
            freyhait zuovil vertroesten un andre hoeher und nieder stend muotwilliklich und
            unbillicherweiß in recht umbziehen und beschwären moechten, nachdem sy in nachmals die
            costen nit bezalen mügen, ist, soelicher muotwill damit zuofürkomen, geordnet, das ainem
            camerrichter macht und befelh gegeben werd, dieselben, so sich soelicher muotwill
            erfunden würd und sy die costen nit zuo bezalen hetten, mit andrer straf nach groeß und
            gelegenhait der personen und verhandlung ze strafen. <pb
              n="317" xml:id="S.317"/>
          </p>

          <p> Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurtailt execution der urtail,
            dessgleichen taxacion der expens in der ersten instantien ergangen, begert würdet,
            wiewol nach sag der rechten soelich <term
              type="phrase">taxacion und execucion</term>
            der vor ergangen instancien für die vordern richter gewisen werden soellen, so würd doch
            den parteyen vil muoe, neu costen und rechtfertigung darauf geen, und darumb geordnet,
            das soelich <term type="phrase">execucion und taxacion expensarum</term> der vordern
            instancien fürter am KG. beschehen soellen, das auch hinfüro super taxacionem
            exspensarum in den und allen andern fällen kain neue ladung gegeben oder genomen werden
            soll, alles zuo verbieten übrigs costen und muoe.</p>
          <p> Fürter, als in einem artikel der ordenunge angehende "item ein jeder sol sin underten
            in sin ordenlichen gerichten etc." nit fürsehen ist, wie ein bürger oder pure einen f.
            oder fürstmessigen zu recht bringen solle oder möge, ist erclerunge und bescheits not,
            obe es mit denselben bürgern oder puren als mit andern angezeigten personen oder wie es
            gehalten werden solle.</p>
          <p> Item, und als in der ordenunge fürsehen ist, wie einer gegen einen f. oder
            fürstmessigen rechtz bekomen müge mit anzeige eines zits, darin solichs rechtens
            verholfen werden solle, und aber doby nit fürsehen ist, so einer gegen eins f. oder
            fürstmessigen oder ander ordenlichen richter und oberkeyten undertan rechtz begert, zu
            was ziten im solichs rechtens verholfen werden selle, daruß sich dan am KG. tägeliche
            clage begeben von den lüten, nemlich das sie gegen iren widerteylen an den ordenlichen
            gerichten rechtz nit mögen bekomen, ist geratslaget, das in demselben vall ouch ein zit
            bestimpt, darin dieselben sachen angefangen und geendet werden.</p>
          <p> Item, so täglich wider ff., RSt. und ander oberkeit in clags wise einem gericht
            anbracht würt, das sie lüte unverschuldet, one recht und redelich ursach zum tode
            verurteylen und richten lossen haben sollen und durch die fründe recht wider dieselben
            begert, als dan in einer supplicacion hieby gelegt sich ouch begeben hat, ist bescheyds
            not, wie es in demselben am KG. gehalten werden solt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.9">
          <head>[Art. 9] Notarien.</head>

          <p> Und nachdem der offen notarien im reich vil sein un täglich auß instrumenten, so an
            das KG. komen, erfunden, das die leut in mancherley beschwärd, irung und schaden durch
            ir unwissenhait, unförmlichait un versambnuß bißher gefürt worden sein, so ist
            geratschlagt, das guot und not sey, das dagegen ain reformacion der notarien fürgenomen
            dardurch soelichs fürkomen werd.<pb
              n="318" xml:id="S.318"/>
          </p>
          <p> Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurteilt execucion oder vor urteil
            deßglichen taxacion der expens, in den ersten instancien ergangen, begert würt, wiewol
            noch sach der rechten solich taxacion und execucion der vor ergangen instancien für die
            vordern recht gewisen werden solten, so würde doch den partyen vil müge, nuwer costen
            und rechtvertigunge daruf geen, und darumb geratslaget, das solich execucion und
            taxacion expensarum der vordern instancyen fürter ans KG. bescheen sollen, das ouch
            hinfüro super taxacionem expensarum in den und allen andern vällen kein nuwe ladunge
            gegeben oder genomen werden sol, alles zu verhüten überigs costen und müge.</p>
          <p> Item, ist geratslaget, das hinfüro in den urteilen der expens alwegen gesetzt solle
            werden, das die partien, so in den costen erteylt ist, soliche costen der behaltenden
            partien in bestimpter zit an dem kgl. KG. ußrichten sol.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10">
          <head>[Art. 10] Ordenung, wie mit den termynen und fürbringen der sachen in gericht
            procediert werden solle.</head>
          <p> Item, nachdem die parteyen und ir procuratores sich bißher vil überflüssigkait in
            termin, inlag un andern fürbringen gebracht haben, dardurch dann die sachen verlengt
            werden un dest schwärlicher zuo end lafen mügen, ist zuo fürdrung der sachen un parteyen
            diß nachgeschriben ordnung fürgenomen, geratslaget un begriffen worden, der sich ain
            yeder procurator in volfuerung der sachen halten un gebrauchen soellen, bey ainer peen
            ains Reinischen guldins, so dick dawider beschähe, zuo bezalen, woelich peen fal fürter
            zuo hilf der armen, die zuo verkündung irer ladung un ander gerichtzbriefen den boten
            nit zuo lonen hetten, denselben boten nach ains gerichtsbeschaid außgeben werden
            soll.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11">
          <head>[Art. 11] Wie in der ersten instanz procediert werden soll.</head>
          <p> Anfenklich soll der cläger auf den ersten rechtag in der ladung bestimpt die außgangen
            ladung mit irer verkündung un sein clag in schriften un, sofere der cläger nit selbs
            sonder durch ainen anwalt erscheint, derselb anwalt seinen gewalt einlegen.</p>
          <p> Demnach soll dem antwurter, soferre er nit wolt oder hett dilatorias fürzuobringen,
            auf den nechsten gerichtztag darnach, so in die ordnung betreffen würdet, der clag zuo
            antwurten un den krieg zuo bevestigen un item zuo contestiern zil geben werden.</p>

          <p> Und so der krieg also von baiden tailen bevestigt un des durch die parteyen oder ir
            aine begert würde, soll alsbald beider seyt <term
              type="juridical">iuramentum
              calumnie</term> geschworen werden.<pb n="319" xml:id="S.319"/>
          </p>
          <p> Item, und so der antwurter die clag vernainte, soll dem clager fürter sein artikel und
            capitel bey soelichem jurament calumnie einzebringen aufs nechst gericht zil gegeben
            werden, doch ob der klager sein lybel, soferre es ein articuliert lybel wäre, alsbald an
            weiter dilacion repitirn woelt, solt er das zuo tuon macht haben.</p>
          <p> Darnach soll der antwurter auf soelich eingebracht artikel auch bey seinem aid
            calumnie zuo antwurten aufs nechst gericht zil haben oder ob er alsbald nach empfahung
            der artikel zuo antwurten zuogelassen werde, darnach soll dem cläger ain zeit nach
            ermessung ains gerichts sein artikel, sovil der vernaint worden wären, zuo beweisen
            bestimpt und nach verrückung desselben zeyts durch den cläger, sobald in die ordnung
            treffen würde, die sag und kuntschaft der gezeugen, ob die gefuert worden wären, öffnung
            und dem widertail, ob er woell wider dieselben oder all an der kuntschaft, so eingelegt
            worden wären, zuo reden, zil zuo bestimmen, in gericht angerueft und gebeten werden.</p>
          <p> Demnach soellen soelich kuntschaft der gezeugen geoeffnet und dem widertail dawider
            und all ander einbracht kuntschaft in artikel weiß ze reden auf den ersten oder andern
            gerichtstag zil geben werden, doch so moecht dieselb partey alsbald gemain einred
            dawider fürwenden.</p>
          <p> Darnach soll dem cläger wider die einred und artikel, so der gegntail wider die
            kuntschaft einbracht hett, zuo repleciern auch zeyt gegeben werden auf den nechsten oder
            andern gerichtstag, un soll ferrer auf soelich exceptional artikel gehandelt werden, wie
            von den dilatoriis hieniden begriffen ist.</p>
          <p> Ob aber der antwurter, so er sähe, das des clägers sache und intension fundiert wäre
            oder darvor oder gleich nach bevestigung des kriegs peremptorias fürzuwenden het, solt
            er dieselben, sovil er der hett, artikel weiß all ainer termin und zuo ainem mal
            fürwenden, es wäre dann, das soelichs, so er in soelicher exception fürzuotragen sich
            von neuem begeben hette oder all erst nachmals im zuo wissen worden wäre, das er dann
            also mit seinem ayd beteuren und behalten moecht. und so soelich excepcion eingelegt,
            soll alsdann dem gegentail dawider ze reden oder ze antwurten biß aufs nechst gericht
            zug gegeben werden.</p>

          <p> Und soverre soelich exception vom cläger vernaint, soll dem andern tail zeit nach
            ermessung des gerichts dieselben artikel, soferre sy pertinentes und von recht
            zuozelassen sein, zuo beweisen geben, und solt alsdann mit derselben beweisung gehalten
            und procediert werden, wie vor der haubtsach halb angezaigt ist.<pb
              n="320" xml:id="S.320"/>
          </p>
          <p> Wo aber der cläger soelich excepcional artikel mit antwurten nit vernainte und doch
            dawider replicierte, so solt dem antwurter zuo supliciern ad primam und darnach dem
            clager ad triplicandum auch ad primam zeit gegeben werden. darnach soll den parteyen
            durch das gericht ain terminus gesetzt werden ad producendum omnia un darnach ainer ad
            concludendum, es wäre dann, das ain gericht auß beweglichen ursachen anders
            beschiede.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.12">
          <head>[Art. 12] Termin in dilatoriis.</head>
          <p> Wo aber ain antwurter nach obgemelter einlegung der clag nit gleich antwurt geben
            woelt, sonder dilatorias exceptiones fürzuowenden hete, die solt er all auf die nechsten
            termin, so in die ordnung nach einlegung des libels betreffen würde, mit ainander
            geschriftlich und artikuliert fürbringen und darauf der cläger wider soelich excepcion
            auch ad primam, so die ordnung an in käme, repliciern.</p>
          <p> Und obe der cläger soelich excepcion vernainen würde, solten die, soferre sy
            pertinentes und zuolässlich wären, in ainer zeyt, so ain gericht darzuo bestimen soll,
            zuo beweisen zuogelassen. ob aber dieselben nit vernainen und doch mit der replicacion
            anfechten woelt, das solt er auch durch artikel tuon und dem andern tail dawider zuo
            reden ad primam zeyt geben, und so dieselben replik vernaint würden, demselben
            replicanten, die auch in ainer zeyt zuo probiern zuogelassen und mit soelicher
            probacion, wie oben bey der haubtsach außgedruckt würdet, gehalten werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.13">
          <head>[Art. 13] Wie in den appellacion sachen procediert werden sol.</head>
          <p> Auf den ersten rechtag, in der ladung bestimbt, soll durch den appellanten oder seinen
            procurator, ob der für in erschyne, der auch seinen gewalt alsdann darlegen soll,
            eingelegt werden anfenclich die ladung mit irer verkündung un libellus appellatorius in
            form und maß, als hernach steet, es wär dann, das der widerteil in kainer appellacion
            gesteen oder die anfechten woelt, alsdann soll der appellans vor allen dingen formalia
            seiner appellacion beweisen und rechtfertigen.</p>

          <p> Nachdem aber nit wol müglich, sonder schwer ist, solich formalia zu beweisen on die
            urtail und gerichtzacta der ersten instanz, so ist geordnet, das alsbald nach erkanntnuß
            der ladung, so die partey des begerte, conpulsoriales wider die richter der ersten
            instancien und alle andere, so solich urtail, acta und ander urkund, zu der sach
            dienend, hynder in hetten, erkannt werden, damit mangel halben derselben händeln und <pb
              n="321" xml:id="S.321"/> urkund die sach nit verhindert werden, es soellen auch solich
            conpulsoriales von anfang mit ainer peen als zehen mark golds, auch umb fürdrung und
            mynders costens willen außgeen. ob aber darüber die richter der ersten instancie oder
            andre solichen conpulsorial briefen ungehorsam oder seumig erscheinen würden, das
            alsdann wider denselben ungehorsamen verrer im rechten procediert un dem appellanten zu
            beweisung seiner appellacion weiter zeit geben werden.</p>
          <p> Item, wa der appellatus die fürgewendten appellacion in irer formalien nit anfechten
            woelt oder der appellans die bewisen und iustificiert hett, solt alsdann derselb
            appellans sein appellacion an ains libels statt, soverr von ainer bey urtail oder
            beschwärnuß appelliert worden wäre, repetiern un sein peticion müntlich oder schriftlich
            darauf tun: darumb so beger und bitt ich zu erkennen, das übel gehandelt und gesprochen
            und wol geappelliert sey.</p>
          <p> Item, darnach soll dem widertail biß zum nechsten gerichte zil gesetzt werden,
            derselben clag oder peticion zu antworten, und so solich clag vernaint und es not sein
            würde, den appellanten zeit, die zu beweisen, geben werden etc., wie dann vormals bey
            den sachen der ersten instanz geschriben ist.</p>
          <p> Deßgleichen, wo die klag durch excepcion angefochten würd, soll es mit den termyn
            darin auch gehalten werden, wie in sachen der ersten instanz angezaigt ist. wo aber von
            ainer end urtail appelliert ist, soll der appellans in der ersten termyn gemainer weiß
            sein clag tun, darin er beschliessen, begern un biten soll, zu erkennen, das übel
            geurtailt und wol appelliert sey. doch wa a sentencia absolutoria appelliert wer, moecht
            er darzu bitten, den widertail laut seiner clag der ersten instancien zu
            condemniern.</p>
          <p> Darnach soll dem widertaile frist biß zum nechsten gericht geben werden, der alsdann
            auch in gemainer weiß darauf antworten und begeren soll, zu erkennen, wol geurtailt und
            übel geappelliert etc. und also der krieg damit bevestiget, darauf auch iuramentum
            calumnie auf der parteyen oder ir ainer begern geschworn werden.</p>
          <p> Darnach soll den parteyen ad producendum omnia und ad concludendum tag gesetzt und
            soll solichs also gehalten werden in sachen, da die parteyen nichtz neus fürbringen
            wolten.</p>

          <p> Wo aber der appellans oder appellatus etwas weiters dann in der ersten instancien zu
            beweisen oder fürzubringen heten, solt er solichs schriftlich durch artikel in der
            ersten termyn, so in nach zulassung oder rechtvertigung der formalia die ordnung
            begreift, fürpringen.<pb
              n="322" xml:id="S.322"/>
          </p>
          <p> Nachmals soll dem andern tail tag wider solich artikel ze reden gesetzt und darauf
            verrer gehandelt werden, wie in sachen der ersten instancien auf die artikel ze handeln
            angezaigt ist, procediert werden.</p>
          <p> Ob aber der appellans nichtz neus oder anders, dann in der ersten instanz eingepracht
            were, und doch etwas desselbigen vor ein geprachten fürpringens zu beweisen hett, solt
            solichs, sovil recht were, in ainem zeit durch ain gericht, darzu gesetzt, beschehen und
            mit der probacion gehalten werden, wie oben in prima instancia ausgedruckt ist.</p>
          <p> Item, wo in ainicher sach ander einrede, dann vor bestimbt, einpracht würden, solt
            allweg die ordnung darin gehalten werden, wie fürsehen ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.14">
          <head>[Art. 14] Wie auf ungehorsam soll procediert werden.</head>

          <p> Item, wa ein partey, sy sey cläger oder antworter, aus ungehorsam nit erschin, soll
            und mag der cläger, nachdem das rufen nach herkommen und ordnung des gerichtz geschehen
            were, sobald die ordnung in betrifft, sein clag, inmassen als vorsteet, einbringen und
            soverr er die andern weg, die ine laut der <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drqedit-cgi/zeige?sigle=RKGO. 1495 Worms">ordnung
              zu Worms</ref> gemacht, vallen lassen und in der haubtsach volfaren wolt, solt im auf
            sein anrufen biß aufs nechst gericht zu articuliern frist gegeben werden, doch moecht er
            alsbald on weitern schub sein eingelegt libell, soverre das articuliert were, anstatt
            der artikel repittiern mit anclagung der ungehorsamigkait des widertails, es were dann,
            das ain gericht aus bewegenden ursachen nach gestalt und gelegenhait der angeclagten
            ungehorsam solichs zum nechsten gericht zu tun beschide, und alsbald darnach bitten,
            sich und dieselben artikel zu beweisen zuzelassen. und solt alsdann der richter auf
            solich anrufen zu solicher beweisung zeit un frist nach ermessung ains gerichts
            bestimmen und geben.</p>
          <p> Item, zu welicher zeit der ungehorsam nachmals erscheinen, es were nach ainer, mer
            oder allen termyn, so solt er, er were cläger oder antworter, in dem stand, wie er die
            sach und proceß findet, verrer ze handeln zugelassen und gehoert werden, doch zuvor dem
            gehorsamen tail allen costen und schaden, seiner ungehorsam halb erlitten, nach gerichtz
            messigung außrichten, und soll solichs in allen und yeden ungehorsam, es sey durch
            außbleiben oder wie sich die sunst in anfang, mittel oder ende der sach geben würde,
            allweg also gehalten werden.</p>

          <p> Item, und wenn ain appellans auf ungehorsame des andern tails handeln woelle, sol er
            auf die nechsten termyn, so die ordnung, nach den das ruefen nach ordnung des gerichts
            beschehen ist, vor allen dingen formalia seiner appellacion beweisen und rechtvertigen,
            darnach sein libell un clag tun, <pb
              n="323" xml:id="S.323"/> inmassen vor davon
            außgedrückt ist. deßgleichen soll auch der appellatus, so er in abwesen un ungehorsam
            des widertails procediern woelt, auch formalia appellacionis zu gründung der
            iurißdiction beybringen und aller erst darnach sein mainung und begerung fürbringen,
            darnach soll ym, nemlich dem appellanten oder appellato acta der ersten instanz oder
            alles anders, des er sich in der sach geprauchen wolt oder jm not were einzebringen, tag
            gesetzt werden, doch so er solichs alsbald on weitern zug einlegen und concludiern
            woelt, solt im die nit abgeschlagen werden, und soll solichs verstanden werden in den
            sachen, wo die partey nichts neus einpringen woelt. wo sie aber ychts neus einzulegen
            oder zu beweisen hett, sol es damit gehalten werden, wie vor davon angezaigt ist.</p>
          <p> Item, wiewol noch dem zit, dem appellanten durch den vordern richter oder von
            volfürunge siner appellacion ufgesetzt, der appellatus vor dem richter, für den
            appelliert ist, erschinen und uf die desercion derselben appellacion procedieren mag und
            gehört werden, so sol er doch, obe er in der sach derselben appellacion, die also
            verlegen und desert were, volfaren und die prosequieren oder sin behalten urteil zu
            bestetigen begeren wolt, nit gehört werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="Supplikation">
          <head>[Supplikation] Die suplicacion, davon obgemelt wirdt:</head>
          <p> Wolgeporner g. h., ich arme fraue bringe für, das bürger und rait zu
              <placeName>Northuyssen</placeName>
            <persName>Hermer Elyger</persName> verbrant und vom leben zu tode bracht, darumb das er
            sol falsch brieve geschriben und gemacht haben, wiewoil das lantroichtig ist und war,
            das er eyn luter leye waß und wider schriben noch lesen konde, und myn gedachten sone
            gewalt und unrecht getoin wider die gulden bullen, den 10jarigen fryden und die kgl.
            reformacion. des ich zusprach zu ine habe und ich ine der halben gff. und hh. zu malen
            kerunge zu toin vorschriben und erclagt, mir ganz unfruchtbar und mich arme frauen umb
            all myn guit bracht und so groß gewalt getoin, das ich lieber tusent gulden verliessen
            wolte, so ich die gehabt hette, dan solich groß gewalt dulden, und, nochdem sie, die
            gedachten von <placeName>Northuyssen</placeName> dem hl. rich un mittel underworfen
            sint, und keynen andern richter wyß dan das loblich KG., wider die gemelten bürger und
            raide <placeName>Northuyßen</placeName> zu erkennen und mir entlichs rechts
            verhelfen.</p>
          <p>
            <persName>Margareta Eylgern</persName> (Elygern)</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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