Nochdem des kgl. KG. ordenunge, zu Worms ußgangen, begrifft, das
in sachen ff. betreffend nyemants, dan ein gf. oder frhr. zu verweser des
| Seite 311| camerrichters gesatzt werden sol, ist geratslaget, das gut und not
sy, ufs mynst noch einen gf. oder frhr. an das KG. zu gf. Bernhart von
Eberstein zu ordenen, damit zu ziten, so sich lybs, krankheit oder ander
not sachen denselben camerrichter und gf. zu einer zit begeben möchten, desselben halben
nit verhinderung oder mangel entsteen müge, wie bißhar etwan bescheen ist, das ouch fliß
ankert, das die angezeigte zale der bysitzer fürderlich erfüllet werde, und wiewol die
gemelt ordenunge anzeig tut uf sechzehen bysitzer, also das nit mer dan vier personen zu
einer zit vom KG. erloupt werden sol. diewile aber dieselbe zale bißhar noch nye erfült,
sonder nie mer dan dritzehen bysitzer oder zu etlichen ziten mynder hie gewest und aber
durch die kgl. mt. und etlich ff. und stende des richs zu Worms
darzu verordnet uf anbringen eines KG. hievor zugelassen worden, das durch acht bysitzer
und den camerrichter urteil gesprochen werden mögen, ist geratslaget, das gut und not sy
vergangener und künftiger urteilen halben und das es fürohin ouch also gehalten werden
sol, declaracion ze tun und klare ordenung zu machen, wie harnach volgt, domit uß
solicher ordenung nit ursach gegeben werde, in die urteilen inrede oder cavillacion ze
tun.
Item, das von vile und menge der sachen, die sich tägelich hufen und zufallen, zu
fürderung der sachen gut und not were, das ein camerrichter uß den bysitzer ein der
audienz entraten möcht, das zum mynsten vieren bevolhen, die by urteil und taxaciones expensarum uf infallende rechtsatz entledigen
mögen, nochmals öffenlich am KG. ußzusprechen, domit man zu andern ziten usserthalb der
audienz zu entlichen urteilen deste fruchtbarlicher griffen müge.
Item, als die ordenung anzeigt, das citaciones durch
einen camerrichter erkant werden sollen, ist geratslaget, das zu fürderunge der partyen
declariert und zugelassen werde, das zu ziten der vacanz oder sust ein camerrichter oder
in sinem abwesen die bisitzer oder etlich uß inen durch einen kamerrichter darzu
geordnet supplicaciones annemen und ladung ußgeen lassen
mögen.
Item, nachdem die ordenung fürter begrifft, das die citacion durch gesworen boten oder
offen notarien verkündet werden sollen, und aber in den verkündungen der ladunge und
anderen gerichtzbriefen, so von unbekanten oder villicht untogenlichen notarien bescheen
und in gericht fürbracht worden, sich täglich inrede fürnemen und irrung zu verlengerung
der sachen begeben, ist, solichen verlengerungen, irrungen und
| Seite 312| costen zu begegenen, geratslaget, das gut und nütze sy, das hinfür
nach einer genanten zit, so zu öffenung desselben statutz bestimpt würt, deheinen
verkündungen oder insinuacionen, ladunge oder andern briefen, vom KG. ußgangen, gloube
geben werden sol, dan die durch gesworen boten oder offen notarien, die durch ein KG.
zuvor approbiert und zugelassen worden, bescheen weren, die
ouch ir hantschrift, namen und signete einem KG. verzeichenet geben und lassen, den ouch
ein form und bericht, wie solich verkündungen gescheen und ufgeschrieben werden, gegeben
werden solle.
Item, als gewönlicher form in den ladungebryefen des KG. gesetzt würt ein anzale tage
als uf den drissigisten tag etc. noch der verkündunge etc. und sich aber begipt, das
etwan mer dan ein persone derselben sach verwandt, die nit an einem ort gesessen und
eins tags nit mögen citirt werden, daruss dan zwivel und
irrunge entstat, so die verkündunge also geendert würt, ob dan der recht tag uf
die ersten oder nochvolgende verkündunge sol gerechent werden, dasselbe zu fürkomen, ist
geratslaget, das hinfüro in demselben vall ein gerümpter und benempter tag eins monats
in den ladebriefen noch ermessung eins camerrichters, uf den die citierten alle komen
mögen und sollen, bestimpt inen allen, wie sich gebürt, durch die originale briefe
verkündigt, ouch allen glichförmig abeschrift davon durch ein geswornen boten oder
notarien, der solich verkündung täte, underschriben und fürter das originale widerumb in
gericht geantwortet werden soll.
Item, als in gerichtschriber eyde stät, das sie kein cop. von den ingelegten briefen
und schriften den partyen geben sollen one urlop und erkantnuß eins gerichtz, ist,
nochdem solich erkantnuß in jeder sach ze tun ein merglich verlengerung bringt,
geratslaget, das solicher eyt gemessigt werde, also das der protonotarius one
gerichtlich erkantnuß, sonder uf bescheit eins KG. aller inlege den partyen uf ir
begeren abschrift geben müge, wie solichs gemeine recht ußwisen.
Item, als etwan von den partien briefe, register, acta und ander schriften, daran inen
groß und vil gelegen ist, in gericht geleget werden und zu besorgen, das solich briefe,
acta und ander schriften in der cancely verloren oder verseret werden oder die partyen
der vilicht an andern orten ouch nottürftig sin möchten, ist bedacht und geratslaget,
das hinfüro die party, wider die solich inlege beschicht, solle und möge solich ingeleit
briefe und schriften besichtigen und syn inrede, ob er die wider sichtbarlich
argwonikeit oder gebrechen an sigeln, signeten oder schriften
| Seite 313| derselben briefen oder schriften hett, von stunde an desselben gerichtz fürwenden, es
were dan das ein camerrichter uß ursachen lenger zit darzu gebe, und darnoch sollent die
partyen ir briefe uf ir oder irs procurators begeren widergegeben werden, doch das davon
allewegen gloupwürdig abschrift, die durch einen protonotarien oder leser collacioniert
were, by den acten und cancelyen bliben.
Item, nochdem bißher die procuratores täglich über die gerichtzacta in die cancelyen
zu loufen und die zu besichtigen noch alter gewonheit und gebruche zugelossen worden
sint, und aber zu besorgen, das darin groß geverlicheit mit verrufung oder verletzung
der briefen oder siegeln gebern möcht, ist, solichs zu verhüten, geratslaget, das den
procuratoren oder partyen fürohin über solich acta und briefe zu loufen und in ir hende
komen zu lossen nit gestattet, sonder allein cop. davon inen uf begern und costen
gegeben werden inmossen, als vor von den partyen begriffen ist.
Item, nochdem eines kgl. fiscals und eins procurators privatorum pflicht nit wol
byeinander besteen mögen, angesehen, das ein procurator
privatorum siner parten heimlicheit zu verswigen und aber ein fiscal etwan
ampts halben solhs zu offenen und zu rechtvertigen schuldig ist, und sich ouch tägelich
begipt, das ein fiscal oder sust ein procurator privatorum ist wider den anderen fiscal
und den fiscum causas privatorum defendiert, so ist geratslaget, das hinfür die fiscale
allein der fiscalischen hendeln ußwarten und nit ander Sachen annemen oder, obe sie ir
sachen durch ander procuratores oder redner handeln wolten,
das ouch durch eigen procuratores oder redner, die allein derselben fiscalischen hendel
ußwarten und deheinem anderen bevelhen solten.
Item, nochdem sich tägelich begipt, das ein procurator des anderen procurators advocat
sin wil und aber der redener oder procurator und der
advocaten ämpter unterscheidenlich sint, ouch die procurator von mengin der sachen wegen
beyden ämptern nit wol vor sin mögen, ist geratslaget, das hinfür kein procurator sich
advocaten amptz underfohen sol, wolt aber ein partye zu irem procurator ein advocaten
bruchen, so solle sie einen uß den geswornen advocaten des KG. nemen, der sust kein
procurator desselben KG. sy.
Item, nochdem bitzhar der boten halb ouch manigerley clage gewest, ist geratslaget,
das hinfür von den bysitzern uß den leyen ein botenmeister geordent werde, der alle
boten, so mit ladung oder andern gerichtzbriefen sollent ußreyten, noch inhalt
nochbeschribener ordenung abvertigen und ir abfertigung, wider inkunft und handelung,
damit sie in
| Seite 314| allen dingen iren bevelhe und dienst mit fliß
und getruwen nochkomen ufmerkens haben, ir verhandlung strofen und verfügen sol, das
jedem sins soldes, was im lute der ordenung daruf begriffen gebürt, zu jedem monat
entrichtet werde, das ouch alle citacion und ander gerichtzbriefe, so durch boten
verkündet, nit den poten, sonder zuvor dem botenmeister behendiget werden sollen, die
fürter durch die boten zu überschicken abvertigen sol, domit sie alle ryten und keiner
vor dem andern vorteil haben möge.
Item, alle die boten des KG. sollent sich geritten halten und selbs vercosten.
Item, ein jeder, der sin citacion oder ander gerichtzbriefe durch ein geswornen boten
wil verkünden lassen, sol dem botenmeister bitz an die statt der verkündung ye von zwölf
mylen wegs ein gülden und darzu für die verkündung ein halben gülden geben, och der
botenmeister noch überantwortung solichs geltz die ladung oder ander gerichtzbriefe in
vier tagen abvertigen und der bot, dem die hinzufieren bevolhen würt, uf förderlichst
verkünden.
Item, ob ain bot auf aim rit mer dann ain citatz- oder
gerichtsbrief fürn und verkünden würde, soll jm doch für sein belonung von dem
botenmaister nit mer meil dann so vil an die stat der verristen ladung ist, bezalt, doch
von yeder parteyen, der brief er fürn würde, ganz botenlon genomen. aber das gelt, so im
von insinuacion und verkündung aller ladung oder brief, er desselben rits gefuert und
getan hett, gefellt, soll im alain beleiben und das gelt von andern deßmals gefuerten
und verkündigten ladungen oder briefen soll dem botenmaister überantwort, durch in
aigentlich aufgeschriben, in ain büchssen gelegt und der botenmaister solich gelt, so
dermassen überlaufen würd, zuo außgang ains yeden monats under die boten gleich
austailen un ainem als vil als dem andern davon geben, davon dann des botenmaisters
schreiber zuo yeder fronvasten für sein aufschreiben, müe und belonung zwen güldin
soellen gegeben werden.
Item, die boten, so zuo dem kgl. KG. bestellt un aufgenomen werden, soellen globen un
zuon hailigen schwern, dem camerrichter und urtailern gewärtig un gehorsam zuo sein, ir
botschaft, citacion und ander gerichtzbrief, so in von dem
camerrichter, urtailern oder dem botenmaister zuo yeder zeit bevolhen oder übergeben
werden, getreulich und mit fürdenlichem fleiß außzuorichten un den personen, an die
soelich brif steen, in jr aigen person oder heußlich wonung oder sunst nach ordnung des
rechten
| Seite 315| zuo antwurten und zuo verkünden soelicher
überantwurtung tag un malstat. darauf zuo schreiben den protonotarien des glauplich
relacion, auch sunst alles das zuo tuon un zuo handeln, das inen nach inhalt der ordnung
gepürt, alles getreulich und ungefärlich.
Item, nochdem sportule angesehen der viscalischen und armer lüten sachen, darin bißhar
kein sportule geben worden, so vil sint, so wenig ußtragen, das die gerichtzpersonen nit
mögen belonet werden, ist geratslaget, das zu verhüten clage, die sich darumb tägelich
erheben, erlich und gut were, das die abgestellt und nochgelassen würden, wo sie aber
bliben solten, das dan einer declaracion oder bescheit not sy
wie in causis iniuriarum und andern, do die cleger, so
sachen selbs nit wissen an gelt zu würdigen, sportule taxiert und gevordert sollen
werden, daruf dan geratslagt ist, das solich sportule am KG. noch größ und gelegenheit
der personen und sachen zu messigen zugestehet und bevolhen werden möchten.
Item, ist geratslaget, das hinfür in überantwortunge des lybells die partien oder
procuratores lute der ordenunge sportule ußrichten und, wo sie das verhalten und nit
tun, ir keyner gehört noch inen in der sachen zu procedieren gestatt werden, ouch die
partyen oder procuratores ir sachen by iren eiden würdigen und achten sollen, damit sich
nyemas beswerunge beclagen möge.
Item, ob in eynicher sache, darin sich zu remitieren begeren und daruf gewisen,
sportulas zu geben weren oder würden, sollent solich sportule inhalt der ordenunge ouch
achtunge und würdigunge der sachen genomen und gegeben werden, diewile das gericht müge
und erkantnuß darüber tun muß.
Und als sich dick begibt, das der cleger zu verzuk der sachen in bezalung der sportule
sumig ist und der antworter umb recht anruft, ist geratslagt, das alsdan von dem
antworter, der also im rechten zu volfaren begert, damit er deshalben nit rechtloß
bliben muß, die sportule genomen werden und derselbe alsdan im rechten wider den cläger
als einen ungehorsamen fürfaren und der cleger dagegen nit gehört werden, er lege dan
zuvor dem andern teil sin dargelegt sportule abe.
Item, als in der ordnung steet, das man auf anruefen des clagers in der ersten
rechtfertigung oder appellacion sachen auf ungehorsam des
| Seite 316|
antwurters auf die acht und aberacht wider denselben, ob er
woelle, procediern müg, und aber etlich bißher gemaint haben, das alsbald auf die ersten
ladung derselb ungehorsam on ferrer beruefung in die acht un aberacht gesprochen werden
soll, das aber durch ain gericht zuo schwär ermessen und darumb, so sich soelicher fal
begeben hat, ist bißher gehalten, das der angezaigt ungehorsam umbzuosehen un zuo hoeren
sich um soelich sein ungehorsam in acht un aberacht erkennen oder redlich ursach dawider
fürzuowenden etc. mit neuer ladung berueft. und so er darauf auch auß belyben und
ungehorsam gewest, all erst mit der acht und aberacht wider in procediert werden,
darumb, so ist geratslaget, das soelichs fürohin auch dermessen ze helten befelh
beschehe.
Item, wen nit vor eynem richter, sonder vor einem notarien appellieret oder apostel
begert und gegeben werden, ob solich appellacion, als wider formen des rechten bescheen,
untogenlich erkennt und für gnugsam zugelassen werden sollen in ansehunge, was deshalben
gemeyn recht versehen, wie ouch bißhar gemeyner bruch in etlichen landen, obgemelter moß
zu appellieren und apostel zu bitten, gewest sy, ist bescheit not, obe es mit zulassung
solicher appellacion by versehunge der rechten oder dem gebruch bliben sol und daruf
geratslaget, soverre es hinfür den rechten gemeß gehalten werden sol, das alßdan solichs
in das rich ußgeschriben und verkündet werde, damit sich die partien, ouch die notarien
solicher ordenung der rechten wissen zu halten und obgemelten bruch abezustellen.
Item, als denien, so arm sein und ir armuot behalten, vergebens soll gedient werden
nach anzaigung der ordnung und zuo besorgen ist, das etwan dieselben sich soelicher
freyhait zuovil vertroesten un andre hoeher und nieder stend muotwilliklich und
unbillicherweiß in recht umbziehen und beschwären moechten, nachdem sy in nachmals die
costen nit bezalen mügen, ist, soelicher muotwill damit zuofürkomen, geordnet, das ainem
camerrichter macht und befelh gegeben werd, dieselben, so sich soelicher muotwill
erfunden würd und sy die costen nit zuo bezalen hetten, mit andrer straf nach groeß und
gelegenhait der personen und verhandlung ze strafen.
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Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurtailt execution der urtail,
dessgleichen taxacion der expens in der ersten instantien ergangen, begert würdet,
wiewol nach sag der rechten soelich taxacion und execucion
der vor ergangen instancien für die vordern richter gewisen werden soellen, so würd doch
den parteyen vil muoe, neu costen und rechtfertigung darauf geen, und darumb geordnet,
das soelich execucion und taxacion expensarum der vordern
instancien fürter am KG. beschehen soellen, das auch hinfüro super taxacionem
exspensarum in den und allen andern fällen kain neue ladung gegeben oder genomen werden
soll, alles zuo verbieten übrigs costen und muoe.
Fürter, als in einem artikel der ordenunge angehende "item ein jeder sol sin underten
in sin ordenlichen gerichten etc." nit fürsehen ist, wie ein bürger oder pure einen f.
oder fürstmessigen zu recht bringen solle oder möge, ist erclerunge und bescheits not,
obe es mit denselben bürgern oder puren als mit andern angezeigten personen oder wie es
gehalten werden solle.
Item, und als in der ordenunge fürsehen ist, wie einer gegen einen f. oder
fürstmessigen rechtz bekomen müge mit anzeige eines zits, darin solichs rechtens
verholfen werden solle, und aber doby nit fürsehen ist, so einer gegen eins f. oder
fürstmessigen oder ander ordenlichen richter und oberkeyten undertan rechtz begert, zu
was ziten im solichs rechtens verholfen werden selle, daruß sich dan am KG. tägeliche
clage begeben von den lüten, nemlich das sie gegen iren widerteylen an den ordenlichen
gerichten rechtz nit mögen bekomen, ist geratslaget, das in demselben vall ouch ein zit
bestimpt, darin dieselben sachen angefangen und geendet werden.
Item, so täglich wider ff., RSt. und ander oberkeit in clags wise einem gericht
anbracht würt, das sie lüte unverschuldet, one recht und redelich ursach zum tode
verurteylen und richten lossen haben sollen und durch die fründe recht wider dieselben
begert, als dan in einer supplicacion hieby gelegt sich ouch begeben hat, ist bescheyds
not, wie es in demselben am KG. gehalten werden solt.
Und nachdem der offen notarien im reich vil sein un täglich auß instrumenten, so an
das KG. komen, erfunden, das die leut in mancherley beschwärd, irung und schaden durch
ir unwissenhait, unförmlichait un versambnuß bißher gefürt worden sein, so ist
geratschlagt, das guot und not sey, das dagegen ain reformacion der notarien fürgenomen
dardurch soelichs fürkomen werd.
| Seite 318|
Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurteilt execucion oder vor urteil
deßglichen taxacion der expens, in den ersten instancien ergangen, begert würt, wiewol
noch sach der rechten solich taxacion und execucion der vor ergangen instancien für die
vordern recht gewisen werden solten, so würde doch den partyen vil müge, nuwer costen
und rechtvertigunge daruf geen, und darumb geratslaget, das solich execucion und
taxacion expensarum der vordern instancyen fürter ans KG. bescheen sollen, das ouch
hinfüro super taxacionem expensarum in den und allen andern vällen kein nuwe ladunge
gegeben oder genomen werden sol, alles zu verhüten überigs costen und müge.
Item, ist geratslaget, das hinfüro in den urteilen der expens alwegen gesetzt solle
werden, das die partien, so in den costen erteylt ist, soliche costen der behaltenden
partien in bestimpter zit an dem kgl. KG. ußrichten sol.
Item, nachdem die parteyen und ir procuratores sich bißher vil überflüssigkait in
termin, inlag un andern fürbringen gebracht haben, dardurch dann die sachen verlengt
werden un dest schwärlicher zuo end lafen mügen, ist zuo fürdrung der sachen un parteyen
diß nachgeschriben ordnung fürgenomen, geratslaget un begriffen worden, der sich ain
yeder procurator in volfuerung der sachen halten un gebrauchen soellen, bey ainer peen
ains Reinischen guldins, so dick dawider beschähe, zuo bezalen, woelich peen fal fürter
zuo hilf der armen, die zuo verkündung irer ladung un ander gerichtzbriefen den boten
nit zuo lonen hetten, denselben boten nach ains gerichtsbeschaid außgeben werden
soll.
Anfenklich soll der cläger auf den ersten rechtag in der ladung bestimpt die außgangen
ladung mit irer verkündung un sein clag in schriften un, sofere der cläger nit selbs
sonder durch ainen anwalt erscheint, derselb anwalt seinen gewalt einlegen.
Demnach soll dem antwurter, soferre er nit wolt oder hett dilatorias fürzuobringen,
auf den nechsten gerichtztag darnach, so in die ordnung betreffen würdet, der clag zuo
antwurten un den krieg zuo bevestigen un item zuo contestiern zil geben werden.
Und so der krieg also von baiden tailen bevestigt un des durch die parteyen oder ir
aine begert würde, soll alsbald beider seyt iuramentum
calumnie geschworen werden.
| Seite 319|
Item, und so der antwurter die clag vernainte, soll dem clager fürter sein artikel und
capitel bey soelichem jurament calumnie einzebringen aufs nechst gericht zil gegeben
werden, doch ob der klager sein lybel, soferre es ein articuliert lybel wäre, alsbald an
weiter dilacion repitirn woelt, solt er das zuo tuon macht haben.
Darnach soll der antwurter auf soelich eingebracht artikel auch bey seinem aid
calumnie zuo antwurten aufs nechst gericht zil haben oder ob er alsbald nach empfahung
der artikel zuo antwurten zuogelassen werde, darnach soll dem cläger ain zeit nach
ermessung ains gerichts sein artikel, sovil der vernaint worden wären, zuo beweisen
bestimpt und nach verrückung desselben zeyts durch den cläger, sobald in die ordnung
treffen würde, die sag und kuntschaft der gezeugen, ob die gefuert worden wären, öffnung
und dem widertail, ob er woell wider dieselben oder all an der kuntschaft, so eingelegt
worden wären, zuo reden, zil zuo bestimmen, in gericht angerueft und gebeten werden.
Demnach soellen soelich kuntschaft der gezeugen geoeffnet und dem widertail dawider
und all ander einbracht kuntschaft in artikel weiß ze reden auf den ersten oder andern
gerichtstag zil geben werden, doch so moecht dieselb partey alsbald gemain einred
dawider fürwenden.
Darnach soll dem cläger wider die einred und artikel, so der gegntail wider die
kuntschaft einbracht hett, zuo repleciern auch zeyt gegeben werden auf den nechsten oder
andern gerichtstag, un soll ferrer auf soelich exceptional artikel gehandelt werden, wie
von den dilatoriis hieniden begriffen ist.
Ob aber der antwurter, so er sähe, das des clägers sache und intension fundiert wäre
oder darvor oder gleich nach bevestigung des kriegs peremptorias fürzuwenden het, solt
er dieselben, sovil er der hett, artikel weiß all ainer termin und zuo ainem mal
fürwenden, es wäre dann, das soelichs, so er in soelicher exception fürzuotragen sich
von neuem begeben hette oder all erst nachmals im zuo wissen worden wäre, das er dann
also mit seinem ayd beteuren und behalten moecht. und so soelich excepcion eingelegt,
soll alsdann dem gegentail dawider ze reden oder ze antwurten biß aufs nechst gericht
zug gegeben werden.
Und soverre soelich exception vom cläger vernaint, soll dem andern tail zeit nach
ermessung des gerichts dieselben artikel, soferre sy pertinentes und von recht
zuozelassen sein, zuo beweisen geben, und solt alsdann mit derselben beweisung gehalten
und procediert werden, wie vor der haubtsach halb angezaigt ist.
| Seite 320|
Wo aber der cläger soelich excepcional artikel mit antwurten nit vernainte und doch
dawider replicierte, so solt dem antwurter zuo supliciern ad primam und darnach dem
clager ad triplicandum auch ad primam zeit gegeben werden. darnach soll den parteyen
durch das gericht ain terminus gesetzt werden ad producendum omnia un darnach ainer ad
concludendum, es wäre dann, das ain gericht auß beweglichen ursachen anders
beschiede.
Wo aber ain antwurter nach obgemelter einlegung der clag nit gleich antwurt geben
woelt, sonder dilatorias exceptiones fürzuowenden hete, die solt er all auf die nechsten
termin, so in die ordnung nach einlegung des libels betreffen würde, mit ainander
geschriftlich und artikuliert fürbringen und darauf der cläger wider soelich excepcion
auch ad primam, so die ordnung an in käme, repliciern.
Und obe der cläger soelich excepcion vernainen würde, solten die, soferre sy
pertinentes und zuolässlich wären, in ainer zeyt, so ain gericht darzuo bestimen soll,
zuo beweisen zuogelassen. ob aber dieselben nit vernainen und doch mit der replicacion
anfechten woelt, das solt er auch durch artikel tuon und dem andern tail dawider zuo
reden ad primam zeyt geben, und so dieselben replik vernaint würden, demselben
replicanten, die auch in ainer zeyt zuo probiern zuogelassen und mit soelicher
probacion, wie oben bey der haubtsach außgedruckt würdet, gehalten werden.
Auf den ersten rechtag, in der ladung bestimbt, soll durch den appellanten oder seinen
procurator, ob der für in erschyne, der auch seinen gewalt alsdann darlegen soll,
eingelegt werden anfenclich die ladung mit irer verkündung un libellus appellatorius in
form und maß, als hernach steet, es wär dann, das der widerteil in kainer appellacion
gesteen oder die anfechten woelt, alsdann soll der appellans vor allen dingen formalia
seiner appellacion beweisen und rechtfertigen.
Nachdem aber nit wol müglich, sonder schwer ist, solich formalia zu beweisen on die
urtail und gerichtzacta der ersten instanz, so ist geordnet, das alsbald nach erkanntnuß
der ladung, so die partey des begerte, conpulsoriales wider die richter der ersten
instancien und alle andere, so solich urtail, acta und ander urkund, zu der sach
dienend, hynder in hetten, erkannt werden, damit mangel halben derselben händeln und
| Seite 321| urkund die sach nit verhindert werden, es soellen auch solich
conpulsoriales von anfang mit ainer peen als zehen mark golds, auch umb fürdrung und
mynders costens willen außgeen. ob aber darüber die richter der ersten instancie oder
andre solichen conpulsorial briefen ungehorsam oder seumig erscheinen würden, das
alsdann wider denselben ungehorsamen verrer im rechten procediert un dem appellanten zu
beweisung seiner appellacion weiter zeit geben werden.
Item, wa der appellatus die fürgewendten appellacion in irer formalien nit anfechten
woelt oder der appellans die bewisen und iustificiert hett, solt alsdann derselb
appellans sein appellacion an ains libels statt, soverr von ainer bey urtail oder
beschwärnuß appelliert worden wäre, repetiern un sein peticion müntlich oder schriftlich
darauf tun: darumb so beger und bitt ich zu erkennen, das übel gehandelt und gesprochen
und wol geappelliert sey.
Item, darnach soll dem widertail biß zum nechsten gerichte zil gesetzt werden,
derselben clag oder peticion zu antworten, und so solich clag vernaint und es not sein
würde, den appellanten zeit, die zu beweisen, geben werden etc., wie dann vormals bey
den sachen der ersten instanz geschriben ist.
Deßgleichen, wo die klag durch excepcion angefochten würd, soll es mit den termyn
darin auch gehalten werden, wie in sachen der ersten instanz angezaigt ist. wo aber von
ainer end urtail appelliert ist, soll der appellans in der ersten termyn gemainer weiß
sein clag tun, darin er beschliessen, begern un biten soll, zu erkennen, das übel
geurtailt und wol appelliert sey. doch wa a sentencia absolutoria appelliert wer, moecht
er darzu bitten, den widertail laut seiner clag der ersten instancien zu
condemniern.
Darnach soll dem widertaile frist biß zum nechsten gericht geben werden, der alsdann
auch in gemainer weiß darauf antworten und begeren soll, zu erkennen, wol geurtailt und
übel geappelliert etc. und also der krieg damit bevestiget, darauf auch iuramentum
calumnie auf der parteyen oder ir ainer begern geschworn werden.
Darnach soll den parteyen ad producendum omnia und ad concludendum tag gesetzt und
soll solichs also gehalten werden in sachen, da die parteyen nichtz neus fürbringen
wolten.
Wo aber der appellans oder appellatus etwas weiters dann in der ersten instancien zu
beweisen oder fürzubringen heten, solt er solichs schriftlich durch artikel in der
ersten termyn, so in nach zulassung oder rechtvertigung der formalia die ordnung
begreift, fürpringen.
| Seite 322|
Nachmals soll dem andern tail tag wider solich artikel ze reden gesetzt und darauf
verrer gehandelt werden, wie in sachen der ersten instancien auf die artikel ze handeln
angezaigt ist, procediert werden.
Ob aber der appellans nichtz neus oder anders, dann in der ersten instanz eingepracht
were, und doch etwas desselbigen vor ein geprachten fürpringens zu beweisen hett, solt
solichs, sovil recht were, in ainem zeit durch ain gericht, darzu gesetzt, beschehen und
mit der probacion gehalten werden, wie oben in prima instancia ausgedruckt ist.
Item, wo in ainicher sach ander einrede, dann vor bestimbt, einpracht würden, solt
allweg die ordnung darin gehalten werden, wie fürsehen ist.
Item, wa ein partey, sy sey cläger oder antworter, aus ungehorsam nit erschin, soll
und mag der cläger, nachdem das rufen nach herkommen und ordnung des gerichtz geschehen
were, sobald die ordnung in betrifft, sein clag, inmassen als vorsteet, einbringen und
soverr er die andern weg, die ine laut der ordnung
zu Worms gemacht, vallen lassen und in der haubtsach volfaren wolt, solt im auf
sein anrufen biß aufs nechst gericht zu articuliern frist gegeben werden, doch moecht er
alsbald on weitern schub sein eingelegt libell, soverre das articuliert were, anstatt
der artikel repittiern mit anclagung der ungehorsamigkait des widertails, es were dann,
das ain gericht aus bewegenden ursachen nach gestalt und gelegenhait der angeclagten
ungehorsam solichs zum nechsten gericht zu tun beschide, und alsbald darnach bitten,
sich und dieselben artikel zu beweisen zuzelassen. und solt alsdann der richter auf
solich anrufen zu solicher beweisung zeit un frist nach ermessung ains gerichts
bestimmen und geben.
Item, zu welicher zeit der ungehorsam nachmals erscheinen, es were nach ainer, mer
oder allen termyn, so solt er, er were cläger oder antworter, in dem stand, wie er die
sach und proceß findet, verrer ze handeln zugelassen und gehoert werden, doch zuvor dem
gehorsamen tail allen costen und schaden, seiner ungehorsam halb erlitten, nach gerichtz
messigung außrichten, und soll solichs in allen und yeden ungehorsam, es sey durch
außbleiben oder wie sich die sunst in anfang, mittel oder ende der sach geben würde,
allweg also gehalten werden.
Item, und wenn ain appellans auf ungehorsame des andern tails handeln woelle, sol er
auf die nechsten termyn, so die ordnung, nach den das ruefen nach ordnung des gerichts
beschehen ist, vor allen dingen formalia seiner appellacion beweisen und rechtvertigen,
darnach sein libell un clag tun,
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außgedrückt ist. deßgleichen soll auch der appellatus, so er in abwesen un ungehorsam
des widertails procediern woelt, auch formalia appellacionis zu gründung der
iurißdiction beybringen und aller erst darnach sein mainung und begerung fürbringen,
darnach soll ym, nemlich dem appellanten oder appellato acta der ersten instanz oder
alles anders, des er sich in der sach geprauchen wolt oder jm not were einzebringen, tag
gesetzt werden, doch so er solichs alsbald on weitern zug einlegen und concludiern
woelt, solt im die nit abgeschlagen werden, und soll solichs verstanden werden in den
sachen, wo die partey nichts neus einpringen woelt. wo sie aber ychts neus einzulegen
oder zu beweisen hett, sol es damit gehalten werden, wie vor davon angezaigt ist.
Item, wiewol noch dem zit, dem appellanten durch den vordern richter oder von
volfürunge siner appellacion ufgesetzt, der appellatus vor dem richter, für den
appelliert ist, erschinen und uf die desercion derselben appellacion procedieren mag und
gehört werden, so sol er doch, obe er in der sach derselben appellacion, die also
verlegen und desert were, volfaren und die prosequieren oder sin behalten urteil zu
bestetigen begeren wolt, nit gehört werden.
Wolgeporner g. h., ich arme fraue bringe für, das bürger und rait zu
NorthuyssenHermer Elyger verbrant und vom leben zu tode bracht, darumb das er
sol falsch brieve geschriben und gemacht haben, wiewoil das lantroichtig ist und war,
das er eyn luter leye waß und wider schriben noch lesen konde, und myn gedachten sone
gewalt und unrecht getoin wider die gulden bullen, den 10jarigen fryden und die kgl.
reformacion. des ich zusprach zu ine habe und ich ine der halben gff. und hh. zu malen
kerunge zu toin vorschriben und erclagt, mir ganz unfruchtbar und mich arme frauen umb
all myn guit bracht und so groß gewalt getoin, das ich lieber tusent gulden verliessen
wolte, so ich die gehabt hette, dan solich groß gewalt dulden, und, nochdem sie, die
gedachten von Northuyssen dem hl. rich un mittel underworfen
sint, und keynen andern richter wyß dan das loblich KG., wider die gemelten bürger und
raide Northuyßen zu erkennen und mir entlichs rechts
verhelfen.