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        <title>Baden Landesordnung.</title>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertoriums
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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          <title>1495 :: Baden Landesordnung.</title>
          <date when="1495-09-21">1495 September 21.</date> In: <editor corresp="marcrelator:edt">
            <forename>Rudolf</forename>
            <surname>Carlebach</surname>, </editor>
          <series>Badische Rechtsgeschichte. I. Das ausgehende Mittelalter und die
                        Rezeption des römischen Rechts ...</series> (<publisher>Carl Winter's
                        Universitätsbuchhandlung</publisher>
          <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Heidelberg</pubPlace>
          <date when="1906">1906</date>) <biblScope from="94" to="118">94-118.</biblScope>
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      <editorialDecl>
        <p>Quelle: Rudolf Carlebach, Badische Rechtsgeschichte. I. Das ausgehende
                    Mittelalter und die Rezeption des römischen Rechts unter Mitteilung der
                    wichtigeren bisher ungedruckten Landesordnungen (Landrechte). Heidelberg 1906.
                    S. 94 - 118.</p>
        <p>Transkription: Heino Speer Mai 2013. Letzte Überprüfung: 29. Januar 2020.</p>
        <p>
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        </p>
        <p>
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        </p>
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        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
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          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
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          <p>Datums Taxonomie</p>
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        <head>Baden: Landesordnung vom 21. September 1495</head>
        <pb facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n102" n="93"/>
        <div xml:id="Vorrede">
          <head>[Vorrede]</head>
          <p>Wir <persName>Christof</persName>, von gottes gnaden marggrave zu Baden etc.
                        und grave zu Sponheim, haben zu lob dem Allmechtigen auch uns, unser erben,
                        unserm fürstenthumb und den unsern zu gut und, übelthat zu vermeiden, diese
                        nachgeschrieben stück und ordnung ufgesezt, die wir wöllen, auch haissen und
                        gebieten, hinfür bis uf unser oder unserer erben änderung oder widerrüfen
                        von allen den unsern unverbrochenlich und streng gehalten und durch unsere
                        amptleute ernstlich gehandthabt zuwerden, alles bei iren pflichten und eiden
                        auch bei vermeidung unserer schweren straf und ungnadt und darzu verliesung
                        der penen, her in begriffen. Und umb daß solche unsere Ordnung dess
                        bestendlicher sei, bleiben und gehalten werden, auch die jhenen, so dawider
                        theten, mit der unwissenhait sich nit entschuldigen mögen, so wöllen wir
                        auch, daß die hinfür durch einen jeden unsern amptmann den unsern seines
                        ampts im jar einest, wan sie das am bequemlichsten bedunkt, vorgelesen und
                        erinnert werde.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.1">
          <head>§ 1. Huldung; von wem und welcher maßen die geschehen soll.</head>

          <p>Erstlich ordnen und wöllen wir, daß alle inwoner unsres fürstenthumbs der
                        marggravenschaft Baden in stetten und dörfern, sie seient edel oder unedel,
                        auch alle, die zu unsern stellen und dörfern uß- und einreuten wöllent iren
                        pfennig zu zeren, die über vierzehen jare alt sindt, gar niemandt
                        ausgescheiden, uns und unsern erben huldung thun sollent: nemlich unsere
                        burgere, leibangehörige und hintersessene, wie unsers fürstenthums herkomen
                        und gewonhait ist; und die edlen <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n103/mode/1up" n="94" xml:id="S.94"/> und uß- und inreitenden, die uf
                        die meinung: "daß sie alle, dieweil sie in dem gemelten unserem fürstenthumb
                        wonent, uns, unsern erben und unserm fürstenthumb getrew und holt sein,
                        unsern nutz und frommen fördern, schaden warnen auch umb alle sachen, die
                        sich in zeit irer wonunge und wesens zu unserm fürstenthum gegen uns,
                        unseren erben und den unsern begeben, wie sie sein würden, darumb sie rechts
                        notturftig zu sein meinen, wölten recht vor uns oder unseren erben oder
                        unsern hofmeister und rähten (die wir ungeverlich darzu verordnen) oder,
                        wohin wir des sunst weisen, und niedert anders wo fordern, geben und nemen
                        und, was an der ende einem recht erkanth würdet, dem stracks und ufrecht
                        nachkomen wollent, alles getravlich und ungeverlich."</p>
          <p>Item es sollent auch alle inwonere unsers fürstenthums niemandt außgescheiden
                        bei iren eiden und verpflichte Ire gobröte knecht in acht tagen, den
                        nechsten, nach dem sie zu iren dienst komen sindt, unsern amptleuten, jeder
                        an dem ende, da er wonhaft ist, fürbringen und erzeigen; und dieselben
                        knechte [sollen] unsern amptleuten an unser stat auch thun globen, wie
                        obstet. Welcher das nit thete und über achttag hielt knecht, die er in
                        obgeschriebener maß unsern amptleuten zu globen nit fürgebracht oder
                        angezeigt hete, soll zu pene verfallen sein und geben ein pfundt pfening, so
                        oft das geschehe.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.2">
          <head>§ 2. Globen und schweren leibaigen leute.</head>

          <p>Fürter ordnen und wollen wir, daß hinfür ein jeder unser burger und
                        hinderseße seine söne, wan sie in irem alter zwischen dreizehen und
                        vierzehen jaren sindt, irem amptmann, unter den ein jeder gehört, bringen
                        und mit ine schaffen soll, an unser stat dem amptman gewonliche huldung
                        zuthundt, nemlich: "unser und unsern erben getrew und holdt zusindt, unser
                        frommen und bestes allzeit zu werben und zu fürdern, unsern schaden zu
                        warnen, auch ir leib und gut uns nit zu empfremden oder sich zu verändern
                        one unser wissen, willen und erlaubung, darzu unsern geboten und verboten
                        gehorsam zu sindt und zuthundt, alles, das getrewe underthonen und leibaigen
                        leute irer herrschaft schuldig und gebunden sindt, alles getrewlich und
                        ungeverlich". Doch so geben und lassen wir hierinn zu, wan die unsern sich
                        under einander verheiraten wollen, daß sie sollichs one unsere erlaubung
                        nach alter gewonhait unsers fürstenthumbs wol <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n104/mode/1up" n="95" xml:id="S.95"/> thun mögen, es were dann, daß
                        solches von uns oder unsern erben eins oder mehr personen insunderheit
                        verboten würde —, als wir uns auch das zuthundt umb des besten willen
                        vorbehalten. Ob aber ainer oder mehr der unseren, die ein oder mehr sune
                        hetten, so hinlessig weren und dis unser gebot und ordnunge verachten,
                        dadurch dieselben ire süne, einer oder mehr, uns empfrembt würden, der oder
                        die sollen darumb von uns oder unsern erben an irem gut gestraft und doch
                        umb der gehorsamen erben willen nit über den dritten theil ine abgenommen
                        werden. Verusserten sich aber die sone one wissen und willen irer vatere
                        oder mutere und fügten sich nit wider heim vor ußgang des vierzehend jars
                        irs alters ungeverlich und theten uns in egemelter maß [nit] huldung, der
                        oder dieselben sollen damit ir erbe verwirkt han, das auch uns verfallen
                        sein und one gnadt genomen und uns zugestellt werden solle. Deßgleichen und
                        in aller gestalt sollen auch ire erbfelle verwürkt han die, so ire kindere,
                        süne oder döchter, uß unserm fürstenthumb one unser wissen und gönnung
                        verheiraten und die sich selbs hinuß in die ehe verandern — und darzu
                        unserer fernern ungnad warten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.3">
          <head>§ 3. Wer kinde geistlich machen will.</head>

          <p>Item weliche der unsern, es seient knaben oder döchter, von dem Allmechtigen
                        die gnadt empfahen, daß sie geschicktlichkait, willen und begürde haben,
                        sich zu geistlichem state und leben zu keren, weliche dan in clöstere kommen
                        wolten, die oder deren eltern oder freunde mögen und sollen sich fügen zu
                        uns oder unserm landthofmeister und sollichs anbringen. Deren jedem soll dan
                        sein amptmann oder ein anderer von uns werden zugegeben, mit ime sich fürter
                        zu dem obern oder oberin desselben convents, in den dieselb person komen
                        wölt, zu fügen und nach sein und seiner freundt gelegenhait seiner erbfelle
                        halben helfen überkomen, zum leidlichsten auch, zuvor und ehe denn die
                        person in das closter kompt, von denselben obern mit seinem convent und umb
                        alle erbfälle ein genzlichen schriftlichen verzicht nemen uf die forme, als
                        hernach begrüfen steet, damit künftig irrung [nit] fürkomen und nachmals
                        derselben person mit erben von demselben convent deßhalb nit weiter
                        angezogen werde. Und ist dis die forme des verzichts: "Wir äbtissin und der
                        convent gemeinlich des closters N. des X. ordens N. bistumbs <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n105/mode/1up" n="96"
              xml:id="S.96"/> bekenen und thun
                        kunth offenbar mit disem brief: Also uns der X zu N seiner tochter, die wir
                        dem Almechtigen zu lobe auch umb mehrung und uffhaltung willen göttlichs
                        diensts und von irer fleißigen bete wegen in das obgemelt unser closter zu
                        unser mitsamment schwestern haben uffgenomen, zu irer underhaltung und
                        laibsnarung, damit wir sie one beschwerung unsers closters desbas gehalten
                        mögen, geben oder zugeben zugesagt hat R reinische gulden, der wir auch
                        ußgericht oder verwist sindt, daran uns von unser nachkommen und gotshauß
                        wegen wol benuzet, — daß wir da uf sollichs mit einhelligem rathe zu unserm
                        versamelten capitel beschlossen, für uns, alle unsere nachkomen und gotshauß
                        und sonderlich für die egenant N. unser mit-convent-schwester und von iren
                        wegen freien willens verziegen haben. Und verziegen auch also wissentlich
                        und unwiderrieflich mit disem brieve uf alles ir väterlich, müterlich,
                        brüderlich, schwesterlich und alle andere erbe, wie oder von wem die
                        herkomen und ir oder von iren wegen uns, oder unserm gotshauß vor oder nach
                        dem, als sie profeß gethon bette, zusteen möchten —, gar nichts außgenommen
                        —, also daß weder sie, noch wir, unsere nachkommen oder gotshauß von ir oder
                        unsers gotshauß wegen darnach oder deßhalb nimer mehe kein anspruch oder
                        forderung haben oder fürnemen noch uns darzu oder daran einicher
                        gerechtigkeit vermessen; sonder mit der obgemelten sum R. guldin von iren
                        wegen nun und zu ewigen zeiten genzlich außgewiessen und vergnügt sein und
                        bleiben sollen und wollen. Wir globen und versprechen auch bei unserm orden
                        und guten trewen in craft dises briefs für uns und die obgenant schwester N
                        und alle unsere nachkomen und gotshauß, wider disen obgeschriben unsern
                        freiwilligen verzicht nimermehr zu sein, zureden oder zuthundt, noch
                        schaffen zu gescheen in keinen weg, auch uns dawider nit zu gebrauchen oder
                        zu behelfen einicher unsers ordens oder anderer exemptionen, freiheiten oder
                        rechte, wie oder von wem die gesein oder herrüren möchten, gar nichts
                        ausgenomen; dan wir uns des alles auch begeben haben wollen und sonderlich
                        des rechts "gemeiner verzeihung widersprechende". Und ob were, daß die
                        obgenant schwester N, ehedan sie profeß tete, todes abginge oder vor irer
                        professe bei uns in unserm closter nit bleiben und wieder hinaus komen oder
                        wir sie bei uns nit mehr haben wolten, so sollen wir und unsere nachkommen
                        pflichtig sein, ir oder iren erben die obgeschrieben <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n106/mode/1up" n="97" xml:id="S.97"/> R. gulden wider zu
                        geben und mit ir one einicherlei zurede hinaus volgen zu lassen; doch sollen
                        also dan daran für jedes jar, sovil sie dar in unserm closter gewest were,
                        abgerechnet und inbehalten werden N gulden für das lerngelt, wie es dan
                        bisher gegen andere auch behalten worden ist, alles one alle geverde. Und
                        des zu warem urkundt haben wir obgenante äbtissin und convent unser abtei-
                        und conventsinsigele offentlich gehangen an diesen brieve, der geben ist uff
                        ..." In der obgeschrieben forme mutatis mutandis mag und soll man von abt
                        und convent eins munchs-closters auch verzicht nemen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.4">
          <head>§ 4. Wer ein sune hat, der priesterlich stat an sich nemen wolt.</head>
          <p>Wolt aber ainer an sich nemen weltlichen priesterlich state, der soll es thun
                        mit unserm oder unserer erben wissen und ledigsagung seiner verpflichte der
                        leibaigenschaft, das wir auch keinem abschlagen sollen, es hete dan sundere
                        ursachen, darumb es unser oder der unsern halb nit zuthundt were. Und
                        welchem es also von uns gegönnt würdet, dem soll wie andern kinden oder
                        erben sein theil erbfalls gedeihen und werden. Doch also, dieweil dieselben
                        iren eltern, geschwisterigen oder freunden mit der handt nichts helfen
                        arbaiten oder ichts gewinen sunder alzeit kostung uff sie geth, sie zu
                        schulen oder sonst zu halten, mer, dan uff andere kinde, daß dan ein jeder
                        den halben theil seiner erblichen ligenden gütere seinen nechsten erben
                        wider verfangen und nach seinem tode zu finden gewiß machen und mit dem
                        überigen handeln und thun mögen —, wo er anders das den rechten erben nit
                        wider werden lassen wölte — nach seinem willen und gevallen. Doch ob solcher
                        priester einer zeitlichen narung halb so nottürftig würde, daß man billich
                        sein achten möchte, daß er seiner erblichen gütere zu hinbringung seines
                        lebens bedörflich were, so soll er macht han, solche verfangne gütere zu
                        nießen nach recht und gewonheit der verfangenschaft unsers
                        fürstenthumbs.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.5">
          <head>§ 5. Kindskinde, wie die erben sollent.</head>

          <p>Nach dem auch aus gesetzten und natürlichen rechten klarlich würdet
                        herfunden, daß kindes-kindt durch absterben irer <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n107/mode/1up" n="98" xml:id="S.98"/> vater und muter irs erbfalls nit
                        beraubt, noch also leibs und guts zwivaltigen verlust leiden sollent, darumb
                        us guter vorbetrachtung und mit treffenlichem rathe setzen und ordnen wir,
                        daß zu dem heiligen jarstag, zu latin Circumcisio Domini genant, so man von
                        der geburt Christi Jesu unsers lieben hern zelen würdet vierzehenhundert
                        neintzig und sechs jare, nach dato dieser unser ordnung nächstkommende
                        anzufahen und fürter zu ewigen zeiten in unserem fürstenthumb, gerichten und
                        gebieten in der schlecht abstigenden linien an väterlichem und müterlichem
                        erbe die eelichen kinds-kinder an ir vater und muter stat mit derselben irer
                        vater oder muter eelichen geschwisterigen gleich erben sollent und mögent
                        das anherlich und anfrewlich erbe. In massen und soll, sovil ir vater und
                        muter, wo die noch in leben, des zu erben empfenglich weren, was aber hievor
                        zufalle komen were, oder hie zwischen dem angezeigten nechst künftigen
                        heiligen newen jarstag zufalle komen würde, das soll in diser unser ordnung
                        nit begriffen sein, sunder damit gehalten werden, wie es vor diser unser
                        ordnung in dergleichen sachen gehalten und an jedem ende gewonhait und recht
                        gewesen ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.6">
          <head>§ 6. Nieman den andern enterben.</head>

          <p>Wir setzen und wollen auch, daß hinfür niemandt der unsern seine rechten
                        nechsten und natürlichen erben, die unser und hinder uns seßhaft sindt,
                        geverlich enterben solle, weder mit verschaffen oder vergeben des seinen,
                        noch in andere wege one sundere unsere erlaubung. Doch ob jemandt us
                        redlichen ursachen etwas seines willens setzen oder ordnen welt, das mag er
                        ihre mit dem dritteil seines guts und nit darüber, auch anders niemandt dan
                        den unsern. Doch daß es geschee mit wissen seines amptmans und vor gericht,
                        und daß nach seinem tode zum wenigsten die übrigen zwei theil bleiben und
                        werden seinen rechten nechsten und natürlichen erben. Und was über oder
                        wider dis unser ordnung anders oder weiters gegeben, verschafft oder gesetzt
                        würdet, das soll weder craft noch macht han, sunder von unwert und niemandt
                        daran habent sein. Und als bisher die unsern haben gepflogen etlicher
                        gemechde, also wan ein person, man oder frawe, nach abgang ires eegemahls
                        sich wider in die heilige ehe verändert, daß man das die kinder, so sie mit
                        irem ersten egemahl gehapt und die sie mit dem nachgenden überkomen, <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n108/mode/1up" n="99" xml:id="S.99"/> zu gleichen
                        erben gemacht hat, damit zu vil malen den ersten oder ältern kinden
                        merklicher abbruch und nachteil erwachsen ist, sollich und dergleichen
                        gemechde stellen wir auch abe und wollen, daß die hinfür von den unsern
                        gantz nichts mer fürgenomen oder gemacht [werden], es werde dan von uns
                        jemandt sonderlich gegondt und zugelassen, — bei strafe leibs und guts.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.7">
          <head>§ 7. Waisen bevögten.</head>

          <p>Item es solle auch hinfür ein jeder unser amptman mit gutem ernst haben
                        fleißig achtung und uffsehen der witwen und waisen, die nach seinem vermögen
                        getreuwlich zu schirmen und zu handthaben und die kinder und waisen, die das
                        ir selber nit verwalten könen, mit rath und hilf der gericht an jedem ende
                        zum fürderlichsten zu bevogten, zu verpflegern und zu verfürmündern durch
                        die, so ine und die richtere nach jeder gelegenhait daran die togenlichsten
                        auch den kinden die nutzlichsten bedunken und fromm und uffrecht seient.
                        Also daß dieselben vogt, pflegere oder formündere, deren in jeder sach zum
                        wenigsten zwei seien, der kinde, den sie zu vogt pfleger oder fürmündern
                        gesetzt werden, und des iren (das auch zu zwen zeddel aigentlich
                        verzeichnet, der die pflegere einen und das gericht den anderen haben
                        sollen) sich undernemen und sie mit rathe irer nechstgesipten freunde
                        ordenen, jeder zudem, darzu sie bedunkt es am allergeschicktest sei, auch
                        irer gütere, habe und verfangenschaft, sovil und wo sie die haben, es sei
                        ligends oder farends, getrewlich fürzusten, zu verteidigen und zu
                        handthaben, damit inen die nit empfrembt, abgengig oder beschwert, sunder
                        sovil möglich zu nutz angestelt werden und komen, sie [die waisen] damit
                        desbaß mögen uffgeziehen [werden]. Als auch [daß] alle die jhenen, so also
                        zu vögten, pflegern unnd formündern der waisen gesetzt werden, unsern
                        amptleuten an unser statt mit trawen an rechter aide statt globen sollen,
                        sich solcher pflege und fürmundschaft allein zu gut den waisen, den sie
                        gesetzt werden, in obgeschriebner masse nach irem besten versteen getrewlich
                        zu gebrauchen und zu handeln, darin iren aigen nutz noch vorteil nit zu
                        suchen oder zu meinen und umb solliche ire handlungen jerlich vor unsern
                        amptleuten und dem gerichte an jedem ende alweg uf den tag oder zu der zeit,
                        so man andre statt- oder dorfrechnungen höret, auch erbare rechnung <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n109/mode/1up" n="100" xml:id="S.100"/> zuthundt
                        und in dem allem sich zu halten, als sie am jüngsten tag dem Allmechtigen
                        darumb wollendt antwurten —, da mit wir auch eines jeden gewissen beladen
                        haben wollen. Es sollen auch alle diejhenen, so also zu vogten oder pflegern
                        gesetzt werden, dieselben ire vogtkinder, wan sie in irem alter sindt,
                        zwischen zwölf und vierzehen jaren, für unsere amptleute bringen, an unserer
                        statt inen in obgeschriebener masse auch huldung zu thundt und für sich
                        selbs, sovil inen möglich ist, auch verhüten, damit uns solliche kinder und
                        das ir nit empfrembdet oder verandert werden. Ob aber einichs derselben
                        kinde wider der pflegere willen sich uns oder unsern erben empfrembdet, das
                        soll damit, wie vorbegriffen ist, sein theil erbs gegen uns auch verwirkt
                        han. Es sollen auch die, als obsteet, zu vogt, pflegere oder vormündere
                        gesetzt werden, irer pfleg und vormünderschaft nit absteen auch den kinden
                        des iren zu iren handen nichts geben oder volgen lassen, sie werden dann von
                        unsern amptleuten des erlassen und gehaissen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.8">
          <head>§ 8. Kirchen antreffen und pflegere.</head>
          <p>a) Ferner ordenen und wollen wir, wann und so oft sich künftlich gebüren und
                        not sein würdet, kirchen- oder heiligen-pflegere zu setzen, des auch ein
                        jeder unser amptmann bei seiner verpflichte fleissig ufmerken haben, so
                        sollen unsere amptleute mit rathe der gerichte an jedem ende darzu auch
                        nemen und setzen, die fromm, erbar und verstendig seien und den man des
                        getrewen möge.</p>

          <p>b) Dieselben, die also zu kirchen- oder heiligenpflegere fürgenomen werden,
                        [sollen] unsern amptleuten mit handt gebenden trewen an geschworner aide
                        statt globen, daß sie der kirchen und heiligen zinß, rente und güter
                        getrawlich und mit gutem fleiß inbringen und verwaren und des on redlich
                        ursachen oder erlaubung unserer amptleute von einem jar oder ziele zum
                        andern nichts anstehn lassen, deßgleichen das jhen, so sich von der kirchen
                        und hailigen wegen zu beluchtung und anderer teglicher notturftig brauchung
                        gebüret uszugeben, auch alweg zum nützlichsten, wolfeilsten und gelegensten
                        bestellen und umb das alles thun wollendt erbare rechnung und bezalung —,
                        die dan ein jeder unser amptman jerlich an einem jeden ende seines ampts in
                        beisein eines pfarrers und etlicher richtere von inen hören und empfahn und
                        alle jar, so er von unsern <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n110/mode/1up" n="101" xml:id="S.101"/> wegen seines ampts halb rechnung
                        zuthundt beschrieben würdet, in schriften mitbringen und zu unser cantzlei
                        überantworten soll zusampt einer eigentlichen verzeichnus, was ein jede
                        kirche und heiliger in barschaft vorhands und was und wievil sie in schulden
                        ußstendig haben.</p>
          <p>c) Und was dan an jedem ende vorgends ist und die pfleger jerlich an rechnung
                        schuldig bliben, das sollen die pflegere hinfür nit mer als bis her geschehn
                        ist, zu iren handen haben, sunder alweg nach beschluß der rechnung das alles
                        in barem gelt auch überantworten, das dan fürter durch die pfarere und
                        pflegere samenthaft in gegenwertigkeit unsers amptmanns an jedem ende zu
                        anderm der kirchen oder heiligen gelt, schatze oder briefen gelegt werden
                        soll in ein behaltnus mit zweien schlossen, zu der einem der pfarer einen
                        schlüssel und zum andern die pflegere auch einen haben sollen, also daß ir
                        keiner allein darzu oder darüber komen möge oder gelassen werde und also die
                        pfarere auch wissen haben mögen, wie mit der kirchen und hailigen gut
                        gehandelt werde.</p>
          <p>d) Und als biß her an vil enden die pflegere der kirchen und hailigen gelt in
                        irer eignen nutz bewendt und noch nit wider bezalt han mögen, da soll durch
                        einen jeden unseren amptmann in seinem ampt fürderliche und eigentliche
                        beurkundung geschehen, wer dieselben und wievil ein jeder also schuldig sei,
                        und solliche schuld denen, die sie schuldig sindt, zu zimlichen leidlichen
                        zielen nach eins jeden gelegenhait und vermögen getheilt und zerlegt und dan
                        durch die hailigen pflegere, so jetzt sindt und künftiglich gemacht, zu
                        sollichen gesatzten zielen one lenger uffhalten inbracht, verzeichnet und zu
                        anderm der kirchen und hailigen gelt, als obsteet, auch behalten und verwart
                        werden. Were es aber daß die schuldner zu den gesetzten zielen an bezalung
                        seumig würden, das sollen alle male die pflegere bringen an ire amptleute,
                        die inen dan von einem jeden auch zu fürderlicher bezalung beholfen sein
                        sollen; und was man also den kirchen oder hailigen schuldig und wie einem
                        jeden sein schuldig zu bezalen zerlegt ist, das sollen die pflegere alle jar
                        auch eigentlich und underscheidenlich in ir rechnungen zeichnen.</p>

          <p>e) Es sollen auch die pflegere bei iren eiden und schwerer strafe leibs und
                        guts von solchem der kirchen und hailigen gelt weder wenig noch vil
                        verussern, hinleihen, anlegen, noch verwenden in einichen wege one sundere
                        erlaubung und schriftlich zulassen unser oder an unser statt unseres
                        landthofmeisters. Sunder wann die pflegere gut oder noth bedruckt oder an
                        sie gesucht <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n111/mode/1up" n="102" xml:id="S.102"/> würdet, ichts desselben gelts umb zinse oder sonst hinzuleihen oder in
                        andere wege den kirchen oder hailigen zu nutz anzulegen, das mögen und
                        sollen sie alle mal bringen an unsere amptleute, die es dan fürter an uns
                        oder unsern landthofmeister langen lassen sollen. Was und wivil dan wir oder
                        unser hofmeister also hinzuleihen oder anzulegen mit schriftlicher urkundt
                        willigen, das mögen die pflegere thun; doch sollen sie es fürter handeln mit
                        rathe unserer amptleute, damit den hailigen oder kirchen sollichs mit
                        nottürftigen verschreibungen und guten gewissen underpfanden versichert und
                        belegt werden dermaß, daß sie irs hinleihens unverlustig sein mögen.</p>
          <p>f) Deßgleichen sollen auch weder unsere amptleute noch die pflegere bei iren
                        eiden und strafe leibs und guts von der kirchen oder heiligen gelt in ir
                        selbs nütze oder gebrauche gar nichts entlehenen, behalten, brauchen oder
                        verwenden, noch den pfarern solliches zu thundt gestatten —, one sondere
                        unsere oder unsers landthofmeisters erlaubung.</p>
          <p>g) Darzu sollen die kirchen oder hailigen pflegere keinen bawe oder anders,
                        das etwas costen möcht, fürnemen zu machen und sonderlich an fensters,
                        tofeln und anderm dergleichen usserthalb unserm fürstenthumb nichts
                        verdingen oder bestellen one unser oder unsers landthofmeisters wissen, rate
                        und bescheidt; welcher aber herüber für sich selbs ichts bauwen oder machen
                        liesse, dem soll es zu seiner rechnung nit gerechnet oder abgezogen
                        werden.</p>
          <p>h) Und ob etliche pflegere zu irem abstandt den kirchen oder hailigen ichts
                        an rechnung schuldig blieben, das inen under den leuten noch usstünde,
                        dasselb, wie viel des were, sollen dieselben abgestanden pflegere selbs
                        inbringen und den nuw gesetzten pflegeren überantworten —, alles zum
                        fürderlichsten.</p>
          <p>i) Deßgleichen und in aller gestalt, wie von der kirchen und hailigen gut
                        oben geschrieben und gesetzt ist, wollen und bevelhen wir, daß es mit
                        unserer stette und dörfer renten, nutzungen und gefällen hinfürter auch
                        gehandelt, gerechnet und gehalten werde.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.9">
          <head>§ 9. Es soll nieman kein ligent gut versetzen.</head>

          <p>Weiter ordenen wir und verbieten, daß hinfür dheiner der unsern seine
                        ligenden güter beschweren solle, weder mit entlehenen, versetzen oder in
                        andere wege, umb wenig noch viel, er hab dan des unser, oder an unser statt
                        unsers landthofmeisters schriftlich und <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n112/mode/1up" n="103" xml:id="S.103"/> besigelte gönung. Wo es aber
                        darüber von einichen one solche erlaubung geschehe, so soll doch das von
                        unwert und niemandt, er sei frembt oder haimisch, geistlich oder weltlich,
                        daran habent oder gewert, sunder dieselben beschwerten oder versetzten
                        gütere uns und unsern erben one mittel zu strafe ledig verfallen sein. Doch
                        lassen wir zu, daß ein nachbar gegen den andern, die beidt uns zustendig
                        sindt, zu seiner notturft seiner gütere verkaufen, versetzen oder daruff
                        leihen möge, doch zimlich, und daß es uffrecht und redlich zugange und
                        geschee vor unsern amptleuten und den gerichten, wie sich gebürt.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.10">
          <head>§ 10. Zeren und spilen antreffen.</head>
          <p>Wir bevelen auch allen unsern amptleuten ernstlich, fleissig achte und
                        ufsehens zu haben, damit die unsern des iren mit zeren, spielen, buhlerei,
                        durch müssiggehn oder in andere wege üppiglich oder unnotturftiglich nit
                        abkomen; sonder wo sie geware würden etlich, die des oder zu andern bösen
                        sachen geneigt und in übung weren, mit denen sollen sie gütlich reden,
                        solches abzustellen, und, wo gütlich rede nit verfahen wölt, dann gegen
                        denselben den ernst mit gebürlicher straf der thürme und sonst auch fürkeren
                        und zeigen dermaß, daß andere darob besserung und sich des zuverhüten
                        exempel nemen mögen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.11">
          <head>§ 11. Gotts lesterer antreffen.</head>
          <p>Sonderlich so wollen wir, daß alle gotslesterer, die bei Gotts oder seiner
                        lieben Heiligen namen, glidern, oder sonst schwüren oder in andere wege Got
                        unserm schöpfer unehre theten, auch alle, die zu der unehe sitzen, und darzu
                        alle diejhenen, die dieselben leute wissentlich hausten, ufhielten oder
                        zusamen trieben, und alle, die einander zutrincken, von unsern amptleuten
                        hartiglich gestraft und in unsern stetten, dörfern oder landt gar nit
                        gedultet werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.12">
          <head>§ 12. [Vom Spielen.]</head>

          <p>Item alle spiele sollen hinfür allen den unsern in und usserhalb unsers
                        fürstenthumbs gentzlich verboten sein bei den penen und strafen, vormals von
                        uns daruff gesetzt und hernach begriffen. Doch <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n113/mode/1up" n="104" xml:id="S.104"/> lassen wir zu, daß die unsern im
                        brette oder uf der karten umb kurzweile willen ein spiel umb einen pfening
                        unverboten und nit höher mit einander spielen mögen, — doch daß es damit
                        auch zimlich gehalten werde.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.13">
          <head>§ 13. Von junckfrawen schwechen.</head>
          <p>Item welcher ein junckfraw schwechet oder ir iren magdthum nimpt, der soll,
                        sovern er sie nit eelichen kan oder will, ir für iren magdthum geben
                        dreissig gulden; doch behalten wir uns und unsern erben [vor], das zu meren
                        und zu mindern nach dem, [was] uns zu jedem male nach gelegenheit der
                        personen und sach zimlich und billich bedüncken würdet.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.14">
          <head>§ 14. Von offentlichem eebruch und leut ufheben, so sie bei einander
                        erfunden werden.</head>
          <p>Welcher der unsern hinfür an offentlichem eebruch schuldthaft erfunden
                        würdet, der soll uns zu strafe unableßlich verfallen sein, und durch unsere
                        amptleute von ime inbracht und verrechnet werden zehen pfundt pfening, so
                        oft das geschicht. Und als bisher an etlichen enden unsers fürstenthumbs ein
                        gewonhait gewest ist, so man etlich personen ledig oder eeleute bei einander
                        argwänig funden oder gewist, daß man die ufgehoben und verdruncken hat,
                        sollich gewonheit thund wir abe und wöllen, daß hinfür in sollicher gestalt
                        niemandt mehr uffgehoben, sunder dieselben leute, so sie bei einander funden
                        oder verkuntschaftet, unsern amptleuten angezeigt und fürbracht werden; die
                        sollen dan amptshalb mit denselben reden und handeln, was not ist und sich
                        gebüret.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.15">
          <head>§ 15. Wie es gehalten werden solle mit der priesterschaft.</head>

          <p>Deßgleichen wollen wir, so die priestere hinfür etwas handeln, das unleidlich
                        und strafbar were, daß solliches von unseren amptleuten in unser cantzlei
                        anbracht, denen dan fürter bei den bischofen und sonst darunder gehandelt
                        werden —, den priestern zu strafe und uns und den unsern zu abtrag und
                        kostens und schadens widerkerung, sovil und was nach gestalt einer jeden
                        mißhandlung not sein würdet. <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n114/mode/1up" n="105" xml:id="S.105"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.16">
          <head>§ 16. Von gütern, meim gnedigen herrn zusten.</head>
          <p>Item wir setzen und gebieten auch, ob were, daß jemandt inhette oder bei
                        andern wüsste oder herfüre icht, das uns zustände und uns nit verbedet,
                        verzinset oder verdienstet würde, daß ein jeder der unsern bei seiner
                        verpflichte sollichs zu den jargerichten melden und unsern amptleuten
                        fürbringen solle.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.17">
          <head>§ 17. Wie man es halten solle von meins gnedigen herren gütern.</head>

          <p>Item wir wöllen auch hinfür nit mehr gehabt haben, daß die bawgütere, hof,
                        mülen und ander gütere, so uns zustendig und verliehen sein, versetzt,
                        verkauft, beschwert, geteilt oder zu einichen andern wege verändert werden
                        one unser oder an unserer statt unsers landthofmeisters wissen und erlaubung
                        bei verlierung eins jeden lehenung und bestendnis. Und wo nit
                        verschreibungen über solche gütere werent, die sollen in unser canzlei
                        verzeichnet gegeben und verschreibungen darüber begert, die inen auch
                        gefertigt werden sollen; sunst soll auch one solche vertigung und
                        verschreibung us unser cantzlei niemandt habendt sein. In sonderheit so
                        ordnen wir auch, wan hinfür die unsern irer gütere, es seient häusser, höfe,
                        acker, matten, weingarten oder anders, nichts usgenomen, die uns zinsbar
                        sindt, verkaufen, hingeben oder in einichen andern Wege verandern wöllen,
                        daß, ehe dan sollich kaufe, gift oder veranderung beschlossen werde,
                        beidertheil, nemlich der, des das gut ist, und der, dem ers zustellen will,
                        mit einander für unsere amptleute komen, denselben das anbringen und ire
                        namen, das gut und die aufstößere anzeigen und inzeichenen lassen sollen, uf
                        daß uns dadurch unsere zinse nit verschlagen oder gemindert werden und
                        unsere amptleute, bei wem sie einen jeden zins fordern und einbringen
                        sollen, auch wissens haben mögen. Deßgleichen soll auch ein jeder, dem in
                        erbsweise zustunden einich gütere, die uns zinsbar, in dem nechsten monat,
                        nachdem ime die angefallen weren, für unsere amptleute komen, sich und die
                        gütere in obgeschriebener masse auch inzeichenen zulassen. Welicher aber
                        solicher vorgemelten unserer zinsbaren gütere, sie weren in kaufs-, gift-,
                        erbs- oder anderweis an ine komen, in hette über einen monat und sich und
                        die gütere in obgeschriebner maße unsern amptleuten nit erzeiget und <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n115/mode/1up" n="106" xml:id="S.106"/>
                        inzeichnen liesse, der soll uns oder unsern erben, so oft es geschee, ein
                        pfundt pfenning zu straf verfalen sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.18">
          <head>§ 18. Wie man es halten solle mit den bawen.</head>
          <p>Item wir ordnen und wöllen, bevelhen auch allen unsern amptleuten, des
                        ernstlich uffsehen zu haben, daß alle gebawe in stetten und dörfern, es
                        seient kirchen, mauren, scheuern, huser und anders, nichts usgenommen,
                        hinfür in gutem bawe, besserung und eren unzergenglich behalten und
                        gehandthabt werden; doch so soll kein bawe, der etwas costen möcht, zur were
                        oder andern dingen dienende, angeschlagen, verdiengt oder gemacht werden one
                        unser oder unsers landhofmeisters rathe und wissen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.19">
          <head>§ 19. Bawen undermüren.</head>
          <p>Item welich der unsern hinfür bawet in stetten oder dörfern und denselben
                        bawe nit zum wenigsten kniees hoch von der erden uff undervert und
                        undermauret, dadurch die schwellen im grunde ehe zeit verfuln müssen, dass
                        dem von unsern amptleuten drei pfundt pfening zu strafe abgenommen und uns
                        verrechent werden sollen und nichts deßminder daran gehalten werden solle,
                        den baw zu underfüren als obstet. Darzu sollen auch alle, die es zu thun
                        vermögen, daran gehalten werden, ire heusere und Scheuren mit ziegeln zu
                        decken.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.20">
          <head>§ 20. Die bewe und feüvers besehendt.</head>

          <p>Deß gleichen sollen auch alle alt und newe bewe mit kaminen, schornsteinen
                        und sunst fürsehen und gemacht werden fewers halben zum wenigsten sorglich
                        oder schedlich. Und nemlich so sollent hinfür an jedem ende von den richtern
                        werden geordnet etlich, die jars zum wenigsten zwei mol sollen umbgehn von
                        hauß zu hauß und scheuern zu scheuten und da beschauwen, ob jemandt sein
                        hauß oder scheuren bawfellig werden ließe oder sunst nit versorget für das
                        feuwer, als not were. Und, wo oder wie sie solches funden, so sollen sie
                        denen, der dieselben häusere oder scheuren sindt, gebieten bei pene drei
                        pfundt pfening, sollichs zu bawen und zu fürsehen, wie sie das nottürft
                        bedünckt. Welche aber dasselb, so ine von den gemelten <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n116/mode/1up" n="107" xml:id="S.107"/> schauwern geboten
                        were, nit bawen oder machen ließen, ehe dan die schawer wider umb giengen,
                        die bawe in vorgemelter maße zu besehen, — also daß sie sollichs zum andern
                        umbgang one unserer amptleute gönung noch ungebawen funden, dieselben sollen
                        die schawer unsern amptleuten anbringen, die fürter die obbestimpt pene
                        unableßlich einbringen sollen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.21">
          <head>§ 21. Landtweren und graben zu halten.</head>
          <p>Sunderlich so sollen auch unsere amptleute ernstlich darob sein, damit alle
                        graben, zune, wasserflüsse, scheren, hege, schlege und anders, zur were und
                        befriedung unsers fürstenthumbs geordnet und dienende, durch die jhenen, den
                        solichs zu thun gebüret, zu nottürftigen zeiten besehen, gegraben, gerümpt,
                        gebessert und in bawe und wesen unzergenglich gehandthabt werden, daß auch
                        alle die unsern mit irem harnasch, gezelten, reißwagen, geweren und anderm
                        zum krieg, desgleichen an jedem ende mit leitern, hacken, eimern und ander
                        gereitschaft zu feuvers nöten alweg in steter rüstung und also bestelt und
                        geordnet seient, wan sich etwas begebe, daß ein jeder mit dem, das ime
                        ufgelegt und bevolhen ist, gerüst sei, und uf wen er ein uffsehen haben, und
                        was er thun solle, wissens habe, sich des zu halten.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.22">
          <head>§ 22. Wachten, porten und anders antreffen.</head>

          <p>Zu dem allem wollen wir, daß unsere amptleute auch sollen fleissig uffsehen
                        haben und fürsehen, damit alle wachten an porten, uf den mauren und sunst
                        tags und nachts nach gelegenheit der laufe zu jeder zeit mit fromen knechten
                        wol bestellet und emsiglich mit rechter ordnung und munterlich gewachet und
                        gehütet, daß auch alle porten, scherren und grendele zu rechter und
                        geburlicher zeit uf- und zugeschlossen, die schlüssel an jedem ende nachts
                        zu iren handen geantwort und nachts niemandt ine- oder usgelassen werden —,
                        das mit irem wissen und gehaiß, auch nit dan zur not und mit guter fürsorge.
                        Also wan man jemandt inlassen will, daß ein jeder amptmann selbs dabei sei,
                        oder ob er dabei selbs nit gesein könte, zum wenigsten zu den portnern darzu
                        ordne drei oder vier von den nechst gesessenen der porten oder andern mit
                        iren geweren und, so die ußerport uffgeschlossen, daß dan die inner nit
                        geöffnet werde, die <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n117/mode/1up" n="108" xml:id="S.108"/> ußer sei dan vor wider zugethan;
                        und deßgleichen hinwider, so man jemandt ußlassen solle, dass dan die usser
                        port nit geöffnet, die inner sei dan vor wider zu etc., wie obstet. Und als
                        uns bißher zu mehrmale unsere landtgräben, were, hege, schlege und
                        landtweren uffgehawen, zerbrochen und wege und stege dardurch gemacht sindt,
                        da ordenen wir auch: von welichem, er sei frembd oder heimisch, sollichs
                        fürbas mehe geschehn, oder dass je ainer nit mer, dan dadurch, wandelte und
                        nit suchte und brücht die rechten landtstrasen, dass uns der, so oft es
                        geschicht, allemal zehen pfundt pfening unableßlich zu straf verfallen sein
                        und darzu zu unserm gefallen steen soll an seinem leibe, ine darumb auch
                        zustrafen, so lang wir wöllen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.23">
          <head>§ 23. So man sturm leut, was jeder verbunden.</head>

          <p>Wie oft und ernstlich auch wir und unser landthofmeister von unsern wegen
                        bißher, so feindtschaft zugevallen ist, und auch sonst in unsere ampt haben
                        thun schreiben, verkunden und bevelhen [lassen], daß die unseren sorgsam und
                        fürsichtig sein und daß man die argwönigen müssiggenger und die, so
                        ungewönliche wege oder straßen bruchten, annemen und rechtvertigen solt, so
                        haben wir doch funden, daß es bißher liederlich behalten worden; darumb so
                        ist aber unser meinung und bevelch, wir gebieten auch allen den unseren
                        ernstlich und bei schwerer strafe leibs und guts, daß hinfurter ein jeder,
                        so er höret stürmen, eilends zulaufen und mit nacheilen, retten und geschrei
                        machen, wo und wie sich das in stetten, dörfern oder uf dem lande begibt,
                        gehorsam sein solle. Auch ob jemandt frembder leute zu roß oder fuß in
                        unserm lande ungewonliche wege brauchendt oder sonst reitendte oder haltende
                        gewar würde oder jemandt in unserm lande in stetten, dörfern, wirtshäusern
                        oder uf dem veldt den andern schlüge oder sonst unfüget, daß man die alle
                        understandte zu beifangen oder geschrei zumachen, daß sie zu handen bracht
                        und gerechtvertigt werden. Deßgleichen, wo fremde argwönige müssiggenger in
                        den wirtsheusern oder sunst lenger dan übernacht liegen wolten, daß die nit
                        geherbergt oder uffgehalten, sunder, so sie lenger ligen wirden, durch die
                        wirte unsern amptleuten angezeigt und durch sie ir wesen und gelegenheit
                        herkundet werden. Und wellichs, die ine also anbracht, herfunden wurden, daß
                        sie nit mit rechten sachen umbgiengen, derselben sollen unsere amptleute
                        keinen wider ledig <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n118/mode/1up" n="109" xml:id="S.109"/> lassen oder vertagen one unser
                        oder unsers landthofmeisters sündern bevelh. Wellichen auch der unseren
                        unsere amptleute in den obberürten stücken ungehorsam finden, den sollen sie
                        annemen in unser strafe leibs und guts, gleicherweiß, als ob er in
                        obgeschriebner masse selbs mißhandelt hete.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.24">
          <head>§ 24. Landtstrassen und gastherberigen antreffen.</head>
          <p>Item alle unsere amptleute sollen bei iren verpflichten fleißig achtung haben
                        und darob sein, damit die landstraßen zu allen zeiten in ziemlicher,
                        notdurftiger besserung und handthabung gehalten werden dermasse, daß die
                        landtfarer und wagenleut und andere, die sollich straßen bruchen, darob nit
                        clag oder scheuung haben, dadurch uns an unsern zöllen schade oder gebruch
                        entsteen möcht, und daß auch allen den jhenen, so die straßen bruchen, in
                        den herberigen geschee guter rathe und handtlung umb zimlichen pfening, wie
                        gewonlich und landtleufig ist.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.25">
          <head>§ 25. Niemandt sich zusamen verbinden.</head>
          <p>Item die unsern sollen auch bei iren verpflichten und bei schwerer strafe
                        leibs und guts kein büntnus, einung oder gesellschaft zusamen verschreiben,
                        verpflichten oder verbinden, die in einichem wege wider uns, unsere erben
                        oder die unsern weren oder sein möchten; deßgleichen sollen auch die
                        handwerckleute kein zunft haben, machen oder halten auch bei obgemelter
                        strafe.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.26">
          <head>§ 26. Gewerbe, kremereien antreffen.</head>

          <p>Item in allen unsern dörfern auch in allen dörfern in unserm fürstenthum
                        gelegen sollen hinfür alle gewerbe, kremereien, metzeln, badtstuben und
                        ander dergleichen dinge, die den stetten zustendt, gentzlich abgestelt und
                        gar nit mer geübt oder gebraucht werden, usgenomen
                            <placeName>Obernbühel</placeName>, <placeName>Rastatten</placeName>,
                            <placeName>Graben</placeName> und <placeName>Stein</placeName>, die für
                        merkte geachtet sindt, und desgleichen etlich andere dörfere, den wir irer
                        gelegenhait und nottürftiger ursachen halb etlich der oben gezeigten stücke
                        sonderlich auch zugelassen handt oder hinfür zugelassen werden, welliche des
                        unsere besigelte brieve haben. Doch so geben wir zu, daß die wirte oder
                        andere in den dörfern, so sichs zu zeiten begibt, <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n119/mode/1up" n="110" xml:id="S.110"/> von den wagenleuten mögen saltz
                        absetzen, doch auch also, daß dasselbig saltz in den dörfern recht
                        ußgemessen, auch uns unser gewonlicher zolle von solchem abgesetzten saltz
                        gefalle und in den nechsten achttagen, nachdem als das saltz abgesetzt ist,
                        geantwort werde —, us jedem dorfe an den zolle, under den daselb dorf
                        amptsweis gehöret und sovil gebüret. Ob aber jemandt darin seimig erfunden
                        würde, der soll, so oft es geschee, uns darumb zu strafe drei pfundt pfening
                        unableßlich verfaln sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.27">
          <head>§ 27. Uslendig gericht zu gebrauchen.</head>
          <p>Item wir wollen, daß hinfür dheiner der unsern den andern mit frembden
                        gerichten, geistlichen noch weltlichen, fürnemen solle, - die sachen werdent
                        dan alweg zuvor von uns oder unserm hofmeister und unsern gelerten reeten
                        verhöret und nach sollicher verhörung, ob man darin nit entscheidtung findet
                        oder zuthun hat, fürter gewiest oder zugelassen, ferner recht oder
                        entscheidung darumb zu suchen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.28">
          <head>§ 28. Hochzeiten, kindeheben und anders.</head>

          <p>Item als die unsern bisher großmerkliche und unzimliche costungen und
                        beschwerungen ufgetrieben und gepflegen haben — (inen selbs zu schaden und
                        wider gemeinen nutz) — langende mit hochzeiten, brautlaufen,
                        kindbetschencken und anderm, das man nennet zu liebe und zu leidt, das alles
                        thundt wir abe und wöllen, daß hinfür dheiner unser bürger, inwoner oder
                        hindersesse, der ime selbs, seinem son, tochter oder freundt hochzeit halten
                        will, über fünfzig personen beide us seinen gesipten freinden und ungesipten
                        zu seiner hochzeit nit laden oder haben, auch über fünf zimlicher gemeiner
                        essen daruf nit geben solle, alles bei unserer schweren strafe und daran
                        verließung zehen pfundt pfening. Sunst sollen alle frawen- und
                        kintbetschenck und ander dergleichen dinge, wie die bisher bei den unsern in
                        übung gewest und genant sein mögen, und sunderlich das, als bisher an
                        etlichen enden gewonhait gewest ist, daß ein vater seinem jung geborenen
                        kinde mit seinen freunden und nachgeburen nachvolgung gethan hat zu der
                        taufe, hinfür gentzlich abgestelt und vermieden bleiben — bei pene dreißig
                        schilling, die ein jeder, es sei frawe oder man, so dise obgeschrieben
                        unsere ordnungen verbreche, so oft das geschee, <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n120/mode/1up" n="111" xml:id="S.111"/> uns verfallen sei; als auch alle
                        unsere amptleute bei irer verpflichte des fleißig ufmerken haben und diese
                        unsere ordnung strenglich handthaben sollen. Doch ob ein gevater, freindin
                        oder nachbarin die ander in irem kintbet besehen wölte, das stellen wir nit
                        abe, und mögen das wol thun. Item es soll auch hiefür niemandt der unsern,
                        es sei man, frawe, jungfrawe oder knab zu dheiner hochzeit oder brautlaufe
                        mer schencken dan zween schilling pfennig oder sovil werts — bei pene eins
                        pfundt pfening; usgenomen, die ainander sipschaft oder magdschaft im driten
                        gradt verwandt sindt, desgleichen die uslendigen mögen schencken, doch
                        zimlich, was oder wievil einem jeden geliebt. Deßgleichen und bei
                        jetzgemelter pene eins pfundt pfenings soll auch hinfür niemandt der unsern,
                        der dem andern ein kindt us tauf hebt und gevater würdet, über zwen
                        schilling pfening auch nit geben oder schencken.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.29">
          <head>§ 29. Wie man es mit den zehenden halten solle zu verleihen.</head>

          <p>Als dan bißher in verleihungen und bestendnissen der zehenden vilerlei
                        unzimlicher abentheur und behendigkait gebraucht und gehandelt worden, davon
                        zu zeiten uns und den unsern merklich schade entstanden ist, dieselben zu
                        fürkomen haben wir geordnet und setzen, daß hinfür keiner der unsern
                        einichen zehenden besteen oder annemen soll, es geschee dan mit wissen und
                        in gegenwärtigkeit seins amptmans. Derselb soll dan zuvor und, ehe er den
                        zehenden besteen lasset, zu ime nemen etlich erbar personen (an dem ende, da
                        der zehendt gefelt, gesessen) und auch sonst von nachbern und anstössern,
                        die ime der ding verstendig beduncken, und in beisein eins zehendt hern oder
                        seins anwalts, ob ine geliebt dabei zu sindt, denselben zehenden schetzen
                        und achten lassen, was und wievil er des jars nach zimlicher büllicher
                        achtung ungeverlich thun und ertragen, damit den zehendt hern ir zehendt
                        genüglich bezalt und den bestendern ir cost und arbait zimlicher maße auch
                        vergolten werden möge. Und wan dan ein zehendt mit sollicher weiße geachtet
                        und geschetzt ist, so mag ein gantze gemeindt am selben ende, ob sie wöllen,
                        den umb sollich geacht summa gelts oder fruchten annemen und für sich selbs
                        behalten doch mit zimlicher genugsamer versicherung des jhenen, darumb der
                        zehendt bestanden würdet, den zehend herren oder iren schaffnern zu seiner
                        zeit anzurichten, wie sich gebüret. Ob aber <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n121/mode/1up" n="112" xml:id="S.112"/> eine gemeinde nit zu willen
                        were, den zehenden in gemelter masse zu besteen, als dan und nit ehe mag den
                        in solicher gestalt ein jeder für sich selbs allein oder mit andern uf
                        genugsame versicherung und bürgschaft, den zehendt hern deßhalb zu gescheen,
                        wol besteen und annemen. Wo aber nach solicher in obgerürter maße getanen
                        schatzungen jemandt were, der mutwillen brauchen und den zehenden höher, dan
                        er anfangs geachtet were, steigen wölt, so soll ein amptmann von stund an
                        den andern seines ampts angehörigen bei schwerer unser strafe und ungnadt
                        ernstlich verbieten, desselben bürge oder gewere zu werden, und auch nit
                        gestatten, daß jemandt für ine in einigen wege haften oder verbunden werde
                        oder ichts des seinen insetzte. Und darzu nichts deßminder: wo derselb, so
                        uf jetz gemelter mainung den zehenden höher gesteigt und bestanden hette, an
                        sollich bestandnus verlustig [gehen] und sich gegen den zehendt herrn
                        beclagen [würde], was ime dan daran von gnaden oder us gutem willen uf sein
                        bitt verlusts halb nachgelassen würde, sovil soll er auch uns zu strafe
                        zugeben verfallen und schuldig sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.30">
          <head>§ 30. Stationierer antreffen.</head>

          <p>Nachdem auch durch menge der stationierer unsere armenleute bisher merglich
                        beschwert worden sein und das jhen, da mit die gottesheusere und kirchen in
                        unserm fürstenthum in buwe und besserung gehalten werden sollen, hinuß
                        komen, so ist unser meinung und wöllen: daß hinfür allein den nachgemelten,
                        nemlich des Heiligen Geists, unser Lieben Frawen im dhumstift zu
                            <placeName>Speier</placeName>, unsern Gottes kirchen Sant Anthonien,
                        Sant Veltins, Sanct Bernharts, Sanct Erharts, Sanct Anstets, Sanct
                        Humprechts und Sanct Kurins botschaft, doch allein in den kirchen station
                        zuhalten, deßgleichen den vier bettelörden, wie von alter her zu heischen
                        und zu sameln vergönnet, und sonst kein botschaft oder stationierer, die nit
                        brieve von unserm herren und freundt, dem bischof von
                            <placeName>Speier</placeName>, haben, weder in kirchen noch userthalb zu
                        haischen oder zu sameln zugelassen werden. Doch ob an einichs kirchen mit
                        des benanten unsers herrns und freunds von <placeName>Speier</placeName>
                        ufrechten, versigelten brieven gesamelt wurde, das sol man auch zulassen,
                        doch allein in den kirchen; aber userthalb der kirchen von haus zu haus zu
                        geen und zu sammeln soll weder den obgemelten noch keinen andern botschaften
                        gestattet werden, sie haben <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n122/mode/1up" n="113" xml:id="S.113"/> dan des von uns oder unseren
                        landthofmeister schriftliche versigelte gönung zu zeigen. Ob aber einich
                        botschaft oder stationierer so vermessen sein und aigens willens one unserer
                        amptleute wissen von haus zu haus zu geen und zu sammeln understeen wölt,
                        das mag man auch geschehen lassen; doch so er ausgesamelt hat, soll man
                        alles, das ime worden ist, nemen und geben an bawe und notturft der kirchen
                        an dem ende, da es besamelt were. Ob und so wir auch jemandt von haus zu
                        haus zu sameln gönnen und des unsere brieve geben würdet, nicht deßminder
                        soll ein jeder unser amptman einem jeden an jedem ende jemandt zuordenen
                        mitzugeen und zuzusehen, damit es recht zugange.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.31">
          <head>§ 31. Vom verkaufen [von renten aus den gütern].</head>
          <p>Item wir wollen nit gehabt han, daß die unseren hinfür borgs einichen
                        ungemessen kaufe, es sei umb früchten, weine oder anders, ufnement, oder
                        sich ir gütere freunden oder nachbarn verschreiben, verpflichten oder
                        haften, noch einichen fremden oder uslendischen gerichten sich oder das ir
                        underwürfig machendt, es geschee dan mit wissen und herlaubung unserer
                        amptleute. Wellich aber darüber kaufet, sich verpflichtet oder jemandt mit
                        ime in bürgschaftweise oder sonst haft machet mehr oder weiter, dan er zu
                        bezalen oder zulösen vermocht, den behalten wir uns darumb zu strafen nach
                        unserm wolgefallenn.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.32">
          <head>§ 32. Verkaufen borgs.</head>

          <p>Item die unsern sollen sich hinfür auch verhüten, daß<lb/> a) dheiner umb
                        borgs verkaufe oder kaufe theurer dan umb bar gelt —,<lb/> b) von einem
                        armen kaufe früchten oder anderes und ime dasselb darnach uf ziele wider und
                        theurer gebe, dann ers umb bar gelt von ime gekauft hette und —<lb/> c) daß
                        auch niemandt dem andern seine früchten oder weine, die noch uf dem velde
                        stunden, abkaufe oder ablehene umb minder, dan sie, so sie einbracht, gelten
                        würden, — alles bei strafe leibs und guts, die ein jeder, der mit sollichen
                        oder dergleichen unzimlichen kaufen umbginge, von dem man des gewar würde,
                        von uns schwerlich warten sein soll.<pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n123/mode/1up" n="114" xml:id="S.114"/>
          </p>
        </div>
        <div xml:id="NA.33">
          <head>§ 33. Weinordnungen.</head>

          <p>Item als dan bißher zu den weinen gebraucht sindt und noch teglichs und, je
                        lenger, mer geübt werden vil unziemlicher und dem menschen schedlicher
                        gemechde, deßgleichen ordnen wir auch, daß hinfürter dheiner, der wein zu
                        verkaufen hat oder mit weinen werben und handeln will, sollichen weine mit
                        einichen dingen, die dem menschen oder der nature des menschen wider oder
                        schedlich sein mögen, machen oder artzeneien, sonder einen jeden wein
                        bleiben lassen solle, wie er an ime selbs und gewachsen ist. Doch lassen wir
                        zu, so es not, zu bereutung eins fasses (nach dem dasselb groß oder klein)
                        ein ringlin schwebels der, so es damit zimlich gehalten würdt, den wein
                        frisch machen und dem menschen auch nit schädlich ist, zu brauchen. Dar zu
                        wöllen und setzen wir auch, daß niemandt einichen wein mit einer anderlei
                        weins undermischen, sonder einen jeden wein, es sei Elsesser, Ortnauwer,
                        Brißgauwer, Reinwein, Landtwein oder ander wein unvermischet und für sich
                        selbs bleiben lassen solle, wie er gewachsen und an im selbs ist.
                        Deßgleichen sollen auch kein gesenfte oder sunst gemacht wein under die
                        obgeschrieben wein gemüschet werden. Und umb daß diese unsere ordnung
                        deßbestendiger sein möge, so sollen alle küfere, maister und knechte an
                        jedem ende unsern amptleuten mit traüwen an rechter geschworner aide statt
                        globen "daß sie dheinen der unsern noch die maistere inen selbs oder die
                        knechte den meistern dheinerlei weins, den man verkaufen oder zum zapfen
                        schencken will, mit einicherlei, das dem menschen oder der nature des
                        menschen schedlich sein möge, oder anders dann mit einem zimlichen ringe,
                        als obsteet, machen oder artzeneien, auch dheinen wein durch den andern
                        ziehen oder gethan werden schaffen wollendt, es sei dan gefürwerten wein
                        durch gefürwerten, getrebet durch getrebet, ein schlicht Elsesser durch den
                        andern Elsesser, ein Ortnauwer durch ein Ortnawer, ein Reinwein durch ein
                        Reinwein, ein Brißgauwer durch ein Brißgauwer und ein Landtwein durch ein
                        Landtwein, also daß nit gemüschet oder gezogen werden Elsesser und Brißgawer
                        durch einander oder Mortnauwer und Landtwein durcheinander oder deßgleichen"
                        —, alles bei verpflichte und strafe leibs und guts, die die weinleute auch
                        küfer und knechte, die in einichen stucke brauchig erfunden würden, darumb
                        wartendt sein sollen. Und als jetzundt newlich auch funden und nu in übung
                        ist, daß man <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n124/mode/1up" n="115" xml:id="S.115"/> den wein im herbst mit ringen
                        machet, daß er für und für süß bleibet, denselben süssen wein soll man auch
                        unvermüschet halten und sunder verkaufen, bei verpflicht und strafe, wie
                        obsteet. Es sollen auch bei vermeidung vorgemelter strafe alle diejenen, die
                        mit weinen werben und handeln, sich verhüten, durch sich selbs oder die iren
                        ein statt oder ort vor dem andern zu fördern oder zu hündern, also daß man
                        wider die landtfarer und weinkäufer nit soll sagen: "bleib hie, du mußt dort
                        oder da sovil zolles geben oder mehr, dan hie" und deßgleichen —; als dan
                        solliche reden bißher gebraucht sein mögen, — alles ungeverlich.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.34">
          <head>§ 34. [Vom Wollkaufen.]</head>
          <p>Item wir ordenen auch, daß alle schafwolle, die in unserer marggraveschaft
                        vom fremden und heimischen gekauft oder verkauft wurdt, es sei in stetten
                        oder dörfern, an unsere offen gemeinen fronvogten gefüret, alda gewogen und
                        verzollet werden solle, wie sich gebürte — bei pene fünf pfundt
                        pfenning.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.35">
          <head>§ 35. [Vom Zoll.]</head>
          <p>Item wellicher, er sei fremdt oder heimisch, mit seiner ware oder
                        kaufmanschatz, wellicherlei das sei, oder mit früchten, wein, vihe, wollen
                        oder anderm, das zolbar ist, gar nichts usgenommen, uns unsere zolle verfärt
                        oder sein ungelt nit recht geit, verhelt oder verschlecht —, der soll uns
                        leib und gut verfaln sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.36">
          <head>§ 36. [Von Freveln, Unrechten und Einungen.]</head>

          <p>Item als wir in vergangen jaren zu straf mutwillens, frevels, auch anderer
                        mißhandtlung und, übelthate zuverhüten, der freveln in unserm fürstenthum
                        ein schatzung und Ordnung gemacht und doch nachmals an sollicher satzung us
                        mitleidlichait mit unsern armen und umb, daß wir furter von den
                        schuldthaften umb nachlassung daran nachlaufens und anfechtens vertragen
                        sein wollen, etwas milterung und ringerung gethan haben —, bei demselben
                        lassen wir es nochmals bleiben und setzen und ordenen, daß die freveln
                        hinfür in unserer marggraveschaft von fremden und heimischen, so sie
                        verschuldet, <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n125/mode/1up" n="116" xml:id="S.116"/> durch unsere amptleute inbracht
                        und uns verrechnet werden sollen, in massen wie hernach steet:<lb/> a)
                        Erstlich ordenen wir, wellicher den andern wundet, schlegt oder sticht mit
                        messern, degen, kolben, stecken oder andern geweren oder waffen, daß er
                        wundt und blutrünstig wurdet, der soll uns zu freveln geben und verfaln sein
                        drei pfundt pfenning.<lb/> b) Item wellicher den andern schlegt mit
                        truckenen streichen und ime kein gliede lemet, der soll geben zu frevel ein
                        pfundt pfenning; und ob oder sowol einer den andern mit einer faust oder
                        sonst schlüge oder stieße, das ime die nase oder der mundt blutet und ine
                        doch nit wundet, der soll auch geben ein pfundt pfenning.<lb/> c)
                        Deßgleichen soll auch geben ein pfundt pfenning zu frevel ein jeder, der
                        über den andern zücket oder nach ime sticht oder schlegt und feelet.<lb/> d)
                        Item wellicher nach dem andern würfet, es sei, womit es wolle, trifft der
                        und macht blutrünstig, so ist er zu frevel verfallen drei pfundt pfenning;
                        mechte er aber nit blutrünstig und trifft, so gibt er ein pfundt pfenning;
                        feelet er aber, so git er auch zu frevel drei pfundt pfenning.<lb/> e) Item
                        für ein groß unrecht soll man geben fünfzehen schilling pfenning.<lb/> f)
                        Item für ein klein unrecht soll man geben fünf schilling pfenning.<lb/> g)
                        Item für ein liegeinung soll man geben drei schilling pfenning.<lb/> h) Item
                        für ein spieleinung soll man geben fünf schilling pfenning, und der wirdt,
                        in des hauß gespielet würdet, zehen schilling pfenning, so oft das
                        fürkomt.<lb/> i) Item ob die spielere etwan einen wirdt vertrosten, ine us
                        schaden zu heben und ers daruf verhenget, derselb wirdt soll, so oft das
                        fürbracht würdet, zu einung geben ein pfundt pfenning.</p>
          <p>Wir haben auch fürgenomen, hinfürter an den obbestimpten freveln, unrechten
                        und einungen gar nichts mer nachzulassen, darnach sich ein jeder, der darin
                        schuldthaft und fellig würdet, richten mag, uns und unsern landthofmeister
                        deßhalb nachlaufens zu vertragen.</p>

          <p>Were es aber, daß jemandt in obgeschriebner mase frevel fellig würde und doch
                        den zu geben am gut nit vermöcht, der oder <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n126/mode/1up" n="117" xml:id="S.117"/> dieselben sollen von unsern
                        amptleuten dafür am leibe und nemlich für jedes pfund pfenning achttage in
                        thurn oder käfig und mit wasser und brot gestraft werden, es were dan, daß
                        einicher solliche verschuldte freveln zu zimlichen zielen zu bezalen zu
                        verbürgen hette oder uns die mit seiner arbait, die er könte und der unsere
                        amptleute von unsern wegen bedörflich weren, abverdienen wölle, das mögen
                        unsere amptleute von denselben uf gnugsame Versorgung auch annemen.</p>
        </div>
        <div xml:id="NA.37">
          <head>§ 37. [Wälder, Wild und Fische.]</head>
          <p>Item wellicher uns in unsern welden oder an unserm wiltprecht (wellicherlei
                        das sei) oder in unsern weiern, vischwassern oder andern unsern gütern
                        schaden thut oder zufügt, bei tag oder nacht, und in wellicherlei wege oder
                        weise das geschieht, den behalten wir uns vor, darumb zu strafen an leib und
                        gut nach unserm willen und wolgefallen.</p>

          <p>Wir behalten auch uns und unsern erben vor, dise obgeschrieben ordnung, stück
                        und artickele, alle oder einstheils, zu mindern, zu meren und zu ändern, wie
                        und wan uns das kunftiglich zu willen, nutz und nottürftig bedünken würdet.
                        Und als etwan bei leben weilant des hochgebornen fürsten, unsers lieben
                        anhern <persName>marggraven Jacobs</persName>, seliger gedechtnis,
                        usgegangen und in alle ampt unserer marggraveschaft geschickt worden
                        ordnungen, die bißher us hinlessigkait nit gehandthapt und an etlichen enden
                        gar verlegen sein, da wollen und bevelhen wir auch, daß dieselben alten
                        ordnungen wider fürhandt genommen und in wellichen punckten die zerrückt
                        worden weren, daß die, sovil sie dieser obgeschrieben unserer ordnungen nit
                        wider und an jedem ende nach seiner gelegenhait dienlich und nutzlich seien,
                        durch unsere amptleute wider ufgericht, gehandthabt und den nachgevolgt
                        werde, wie sich zu guter policei und gemeinem nutze, auch zu handthabung
                        unserer oberkait und uns und den unsern zu gutem gebüret und not ist. Und in
                        wellichen unsern ampten dieselben alten ordnungen nit mehr sindt, das sollen
                        unsere amptleute verkünden in unser canzlei zu <placeName>Baden</placeName>,
                        us der einem jeden deren abschrift fürderlich verfolgen und zugeschickt
                        werden solle, darnach wissen zu handeln und sich zu halten, alles
                        getrewlich, ufrechtlich und one geverde. <pb
              facs="https://archive.org/details/bub_gb_eFIPAAAAYAAJ/page/n127/mode/1up" n="118" xml:id="S.118"/>
          </p>

          <p>Actum et datum uf montag nach des heiligen Creutztags Exaltationis anno
                        domini m. cccc° l xxxx v <hi rend="sup">to</hi>.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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