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[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Vorrede]
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Eberhard grave zuͦ Wirtemberg und zuͦ Mumpeligart etc. der
elter: Dem ersamen wol gelerten unserm vogt zuͦ
Stuͦtgarten und lieben getrúwen doctor Martin
Nútteln: Unsern gruͦs zuͦvor, ersamer wolgelerter
lieber getrúwer. Nachdem wir vil und mengerlai mangels und gebrechens in
unser statt Stuͦtgarten vorhanden sin durch taͤglich eroͤgen
erfarent, habent wir in willen und mainung, die in etwas wege fúrzekommen,
etlich artickel begrifen laßen, die wir úch hiemit zuͦschickent, mit
befelhe die gemaind mit der glogken und sust zuͦ versameln, und inen
soͤlich artickel ordnungen und satzungen, die als wir hoffent uns unsern
erben und nachkommen, gemainer statt Stuͦtgarten und aller erberkeit
daselbs zuͦ guͦtem nutze und frommen erschienen werdent, ze verkúnden
und gepieten ze halten, ouch darob und daran ze sinde, damit die strengklich
gehalten und niemandem ichtzit darinn nachgelaßen noch úbersehen werde. Das
ist unser ernstlich mainung. Wir woͤllent uns ouch des zuͦ úch
genzlich versehen und daran verlaßen. Datum Urach uf zinstag vor Sanct Martins tag des hailigen bischofs anno etc.
LXXXXIIͦ.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Vorrede]
Durch merung des communs diser unser statt Stuͦtgarten, das in kurzen
ziten gar merklich gewachsen ist, merent sich ouch irrungen und spene
zwúschent inen taͤglich, und werdent dardurch vogt und richtere gar in
vil muͤ arbait und versomnús irer geschaͤft gefuͤrt, und moͤgent
doch dennocht soͤlich irrungen und spene in zweien gerichtstagen bisher
der wochen gehalten rechtlich nit gehoͤrt noch entscheiden werden. Darumb
und damit die, so rechts nottúrftig werdent, und ire sachen fúrderlicher
moͤgent usgericht und dem gerichte sin laste etwas gemindert werden, so
schaffen wir dise nachvolgend ordnungen ze pruͤwchen.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 1]
Zuͦm ersten, das der gerichtszwange und die sachen, darumb rechtlich
erkentnús gescheen sol, getailt werden soͤllent, also das vor ainem vogte
und ganzen gerichte soͤllent berechtet werden alle pinlich strauflich und
fraͤvelich hendel und darzuͦ alle burgerlich sachen, erbe, aigen,
koͤufe und anders úber X lb. hlr. beruͤrend.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 1]
Was aber X lb. hlr. beruͤrt, und darunter bis uf X ß hlr., dieselben
usgeschloßen, das sol von aim vogt und vier richtern, von im dem vogt und
aim gerichte darzuͦ erwoͤlt, verhoͤrt und wie sich gepúrt
entschaiden werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 1]
| Seite 538| Was aber
antrifft X ß hlr. oder minder, und vom vogt guͤtlich nit hingelegt wirt,
das soͤllent die púttel hoͤren und rechtlich nach raut des vogts oder
der richter, wa si sich ainer sache fúr sich selbs nit versteend,
entschaiden, damit niemanden unrecht geschee.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 2]
Des glich soͤllent vor inen den pútteln gerechtvertiget werden alle
hendel, die sich begebent zwúschent lichtvertigen personen als huͦren und
buͦben; die soͤllent si nach irem besten versteen und ouch nach raute
entschaiden und den selben lúten ouch fraͤvel und straufen den hendeln
gemaͤß erkennen und uflegen, damit das gericht mit soͤlichen
schnoͤden schandlichen sachen nit beladen werde.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 3]
Item umb des willen das die gerichte iren rechten und ordentlichen gange
gewinnent und die ungehorsamen ir strauf habent und die so rechts
bedoͤrfend gefúrdert werdent, so haben wir geordnet und gesezt wider die
ungehorsamen und zum ersten wider den claͤger:
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 3]
Wann der claͤger rechts begerend fúrpieten laßen hat uf dem huse nit
erschint, so der vogt und die richtere versamelt nidersitzent, und der
antwúrter als der gehorsam gegenwuͤrtig ist, so sol der selb claͤgere
zuͦ pene geben VIII dn. Were aber der cleͣgere zum andern gerichte
aber der gestalt wie vor gelut hat sumig und ungehorsam, so sol er zu pene
geben XVI dn. und zum dritten gerichte, wa er alsdenn aber ungehorsam were,
XXIITI dn. und darzuͦ allwegen siner widerpartie versompnús, ouch erber
zerung und schaͤden, nach erkantnuͦs vogts und gerichts, die gestalt
und gelegenhait der sachen froͤmbder und haimscher ermessen soͤllent,
usrichten. Belibe aber ainer gar us und kem nit, weder im anfange des
rechten, so vogt und gerichte nidersitzent, noch darnach, ee das gerichte uf
den selben tage ufstúnde, so sol er zuͦ pene geben den ersten tag II ß,
den andern tag V ß und den dritten tag X ß hlr. und sinem widertaile ablegen
zerunge und schaͤden wie obstet. Und nit desterminder sol dem gehorsamen
taile sin recht ergeen und volzogen werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 3]
So aber der cleͣger gehorsamplich erschint und der antwúrter nit
gegenwuͤrtig ist, so vogt und gerichte nidersitzend, so sol der antwúrter
den ersten tag geben zuͦ pene I ß, den andern II ß, und den dritten III ß
hlr. Belibe aber der antwúrter gar us und keme nit, die wile das gerichte
dennocht seß, so sol er geben die
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hievorgeschriben großen pene wie der cleger, nemlich den ersten tag II ß,
den andern V ß und den dritten X ß hlr., und sinem widertaile somnús zerung
und schaͤden ablegen wie obstet, dem ouch alsdenn als dem gehorsamen nit
desterminder, unangesehen des antwúrters usbliben und ungehorsami, sin recht
ergeen und volstreckt werden sol.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 4]
Zuͦ dem sol ain vogt allwegen macht und gewalt haben in sachen, die nit
bait haben moͤgent oder darinn muͦtwill oder sonder geverde gemerkt
wirt, zum ersten zum andern und zum dritten gerichte, bi ainem frevel
clainem und großem und, ob es in not oder nútze bedúchte, bi dem aide,
zuͦm rechten zuͦ gebieten.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 5]
Item welichem, er sie cleͣger oder antwúrter, zuͦsteet etwas redlich
ursachen, darumb er vor gericht wie obstet nit erschinen mag, der sol die
erschainen vor vogt und gericht, und so ferr die von den selben fúr
genuͦgsam geachtet und geurtailt wirt, so soll er alsdenn umb das selb
sin usbliben kain pene geben.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 8]
Item wann man fúrohin zuͦ Stuͦtgarten gericht halten will, so sol der
amptman am aubent davor allen und ieden richtern mornends des gerichts ze
warten die stattknechte, wie bisher der bruwch gewesen ist, sagen oder
gepieten, und denn mornends ain morgen zwei maͧle zͦ gericht lúten
laßen. Und sol das erst zaichen gelút werden bi ainer stunde vor der zit, in
der der amptman nidersitzen und richten will, und sol zum ersten ain lang
zaichen gelút und mit dem letsten zaichen verzogen werden, so lang das nach
gemainer achtnug vom ersten zaichen bis zum andern ain ieder richter
ufsteen, sich antuͦn und meß hoͤren moͤg. Und nach verschinung
soͤlicher zit sol man das ander und letst zaichen und das ouch ain
guͦte wile lúten. Und wann das verlút wirt, so sol ufgesezt werden ain
fiertail ainer sandstunde, und ee das gar uslouft, sol der amptman sich
schicken nider zuͦ gerichte ze sitzen, und welicher richter alsdenn nit
in der gerichtstuben erschint, vor und ee das viertail der sandstunde
usgelofen ist, der sol, er hab denn sonder erloubung oder werde durch eehaft
noút, von vogt und gerichte fúr genuͦgsam erkennt, entschuldigt, II ß
hlr. unablaͤßlich zuͦ pene geben, und so er gar usblipt oder one
erloubung vom gerichte abgeit, V ß hlr. Aber wenn der amptman bi gehorsami
laßt gebieten, so sol aids verpflicht verstanden werden und obgemelt
geltpene davon nit entschuldigen noch dafúr gnuͦg sin.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 10]
Item abzestricken muͦtwillig umbtriben, so gar oft geschicht von denen,
die vil lieber rechtent und zuͦm win geend dann ire schulden bezalent,
und ouch zuͦ etwas straufe denen, die umb
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ungegrúndter ursachen willen die lút mit recht understeend anzefechten und
umbzetriben, so sol fúrohin ain ieder der zuͦ Stuͦtgarten rechten
will, er sie cleͣger oder antwúrter, im anfang und ingang des rechten,
vor und ee ichtzit von sinen wegen geredt wirt, in das gericht legen nemlich
vor dem ganzen gerichte III ß und vor dem undern gerichte II ß, und welicher
die sache mit recht erobert, der mag sin ingelegt gelt widernemmen, welicher
aber verlustig wirt, der sol das gelt von im ingelegt verloren haben.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 11]
Item ain ieder, er sie cleͣger oder antwúrter, mag im selbs zuͦ recht
reden oder ain fúrsprechen mit im bringen, wen er will. Woͤlte er aber
ain fúrsprechen us dem ring haben, der sol im ouch zuͦgelaßen werden,
doch allain, und kainer von gericht an sin raut, usgenommen sachen libe
leben und die ere beruͤrend, darinn mag ain fúrsprech des gerichts ainen
siner mitgesellen an den raut siner partie nemen. Doch ist unser mainung,
das die partien, die vor dem undern gericht rechten werdent, inen selbs
reden und die sachen uf das kúrzest fúrtragen soͤllen als ferr das sin
moͤge, damit die sachen zuͦm kúrzisten usgericht werden moͤgent. Ob
aber iemands sin sach nit fúrtragen kúnde, dem sol ain fúrsprech vergúndt
und gegeben werden.
Fúro die wil ain ieder arbaiter sins lons wirdig ist und der, so die maisten
arbait tuͦt, billich den maisten lone sol emphahen, so soͤllent die
richtere belonet werden wie hernach volget:
Item die zwoͤlf richter soͤllent haben die XL lb. hlr., so das ampt
inen bisher gegeben hat, darumb soͤllent si inen in iren anligenden
sachen wie bisher rauten und die schúbe und wisungen von inen one witere
belonung annemen.
Den richtern gefelt I gulden von ainer ieden appellation, und I gulden von
ainer ieden appellation von undergang, die nit abgetriben wirt.
Item ouch soͤllent inen gedihen und werden die X ß hlr., die da gefallent
von ainem ieden großen frevel, und die V ß hlr., die da gefallent von ainem
clain frevel, so die statt vormals ingenommen, und von ainer ieden
appellation vom ampt ain gulden und ain
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von ainer ieden urtail, die vom undergange geappelliert und vom gericht
creftig erkennt wirt, und darzuͦ die III ß gerichtgelts, mitsampt den
penen der ungehorsamen.
Item ouch soͤllent die zwoͤlf richter in gemain haben, was fúrohin von
der statt insigel gefallen wirdet, úber ain zimlichs, so den siglern umb ir
arbait muͤ und wachs zuͦvor davon werden soͤll.
Item also der statt insigel bisher under den richtern umbgegangen und oft
ainem worden ist, der nit hat kúnden schriben noch lesen, und nuͤ
soͤlichs in kúnftig zit schaden geperen moͤcht, ordnen und woͤllen
wir das soͤlichs fúrohin nit mer gescheen, sonder der statt insigel in
ainer guͦten behaltnús bewarnet, und der wochen nit mer denn etlich
taͤge damit besigelt werden soͤlle durch die, so von vogt und gerichte
darzuͦ beschaiden werdent, die ouch an statt in namen und von wegen vogts
und gerichts besiglen soͤllent. Darumb ouch fúrohin alle besiglungen, die
da gescheen soͤllent mit der statt insigel, uf vogt und gerichte und nit
uf sonder genant personen gestelt soͤllent werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 95]
Item die sigler soͤllent fúrohin in namen vogts und gerichts neͣmen
von aim ieden ufgedruckten insigel I ß, von ainem anhangenden VIII dn., und
von ainem ieden urtailbriefe, der von inen oder von den undergengern usgeit,
II ß, und von niemanden ainichen briefe emphahen oder anneͣmen, er gebe
denn das sigelgelt damit.
Item die sigler soͤllent fúrohin ain flißig ufmerken haben uf die, so
iren wibern und kindern unnottúrftiklich oder umb úppigs oder unnottúrftigs
vertuͤns willen mit gulten zinsen versetzen oder in andere wege
beschwerent oder sust verkoufent vertuwschent oder vermerzlent, also, wa si
bedunkt muͤtwillig oder unnottúrftig handlung die zuͦ schaden dienen
mag inen iren wibern oder kindern, da soͤllent si hinder vogt und
gerichte und one iren sondern befelhe nit siglen, sonder das anbringen und
nach irem beschaid handeln.
Das alle brief besonder ligende guͤter beruͤrend vom statschriber
geschriben und mit der statt insigel besigelt werden und sust von unwirden
sin soͤllent.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 96]
Item bisher sind vil boͤuser sachen gescheen durch etlich, die unsern
statschriber diser unser statt und der statt insigel geflohen und bi andern
schribern geschriben, ouch ander denn der statt sigler zuͦ besigeln
gepetten habent, und in sonder so hand etlich ire guͤtere under diser
unser statt insigel haft gemacht und die darnach aber fúr ledig unverkúmmert
verschriben und die selben
| Seite 537| briefe
etwan bi andern schribern gemacht, ouch mit andern insigeln dann mit der
statt insigel besigelt, und erber lút damit beschalkt und betrogen.
Soͤlichs als ain unertraͤglich boushait falsch und betrug fúrzekommen
und abzestricken, setzen ordnen und woͤllent wir, das fúrohin alle briefe
und besonder ligende guͤtere mit versatzung oder sust in ainichen wege
beruͤrend, soͤllent bi unserm statschriber diser unser statt gemacht
und mit der statt insigel besigelt werden. Der statt sigler soͤllent ouch
nichtzit siglen dann das vom statschriber usgeit. So muͤssent die
aubentúrer, so mit obgemeltem betruge und falsche umbgeend, den schriber und
die siglere, die der ding acht haben soͤllent, entsitzen. Und welicher
brief nach verkúndung diser unser ordnung und willes anders usgeen wirt, der
sol von unwirden sin und daruf nichtzit gericht geurtailt noch gehalten und
der úberfarer diser unser ordnung und gepots darzuͦ wie sich gepúrt
gestrauft und im die strauf nit nachgelaßen werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 97]
Item bisher sind vil guͤtere, in zwingen und bennen diser unser statt
Stuͦtgarten gelegen, uns und gemainer statt nit zuͦ clainem nachtaile
und schaden, mit zinsen und gúlten, der gar vil gegeben werdent lúten
usserhalb unser herrschaft gesessen, fúr stúren schatzungen und ander
beschwerungen verschriben, hart beschwert und beladen worden, und wúrdent
fúro noch mer und witer beschwert, wa hierinne nit fúrsehunge geschee.
Soͤlichs fúrzekommen und abzestricken, setzen ordnen und woͤllen wir,
das fúrohin zins und gúlten in unser statt Stuͦtgarten fúr stúren
schatzungen und ander beschwerden nit soͤllent verkouft noch ainicher
briefe darumb gemacht noch versigelt werden. Wir woͤllent ouch hie zuͦ
Stuͦtgarten zinse und gúlten der gestalt nit mer verkoufen noch geben
laßen. Dann soͤltent die fúrus also wie bisher verkouft werden, so
keͣm es bald darzuͦ, das nieman kain aigen oder zinsfrie guͦte hie
zuͦ Stuͦtgarten fúnde, und das sich ouch der guͤter vor beschwerden
der zins nieman betragen moͤcht, dardurch si zuͦ großem unbuwe kommen
und egerden werden moͤchtent.
Item die vier richter geordnet zuͦm vogt, die clain hendel rechtlich
uszerichten, hand taile mit den andern richtern an allen obgemelten stucken,
und soͤllent allweg vor und nach mittag wenn si beruͤft werdent zuͦ
rechter zit helfen handeln. Darumb soͤllent si vier in sonderhait zuͦ
lone haben nemen und emphahen die vierzig
| Seite 537| pfund
hlr. von uns herruͤrend, die bisher aim gericht worden sind, gepúrt ir
iedem jars X lb. hlr., und darzuͦ von aim ieden clain frevel den si
erkennen werdent V ß, die vormals der statt in iren seckel gedient hand, und
das gerichtgelt mitsampt dem, so us ungehorsami und versomnús vor inen
gefallen wirdet. Und hiemit werdent mer und baß belonet die, so die merern
arbait habent. Und soͤlichs geschicht ouch billich, dann in kains
vernúnftigen gemuͤt wirt erfunden, das der geschickt und der ungeschickt,
der flißig und der unflißig, und der der vil muͤ und arbait hat und der
wenig arbaitend mit glichem lone belonet und besúldet werden
soͤllent.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 99]
Item nachdem bisher vil unendlichs lichtvertigs folks von allen landen in
dise unser statt gezogen und kommen ist, und nuͤ das selb uns und
gemainer statt vil nachtails und beswerd bracht hat in vil weg unnout zuͦ
erzelen, hand wir gedaucht das selb durch gepúrliche mittel fúrzekommen, und
darumb geordnet und gesetzt, das fúrohin kain person in diser unser
staͦtt Stuͦtgarten zuͦ burger soͤlle ufgenommen werden, si hab
denn irs manrechten guͦt briefe und sigel. Die soͤllent behalten
werden in der statt behaltnus uf das, ob ainer hernach wider hinus ziehen
woͤlt, das man wissen moͤge, was er mit im herin braucht habe, und in
ouch nach dem selben und nach dem er sich sither gehalten hat, mit ainem
manrechten, ob er des begeren wúrde, wider wisse abzevertigen.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 99]
Es soll ouch zuͦm andern darumb gescheen, das man wissen moͤge,
waurfúr ain ieder ze halten und waurzuͦ er nútz und ze bruwchen sie.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 100]
Item welicher fúrohin in unser statt Stuͦtgarten zuͦ ainem burger
ufgenommen wirt, der sol globen und ain aide sweren zuͦ Gott und sinen
hailigen, uns und unsern erben truw und holde ze sinde und diser unser statt
nutze und frommen ze schaffen und schaden ze warnen und ze wenden nach sinem
besten vermoͤgen, und darzuͦ uns und unsern amptlúten und der oberkait
diser unser statt und iren gepotten und verbotten gehorsam und gewertig ze
sinde, und nit von hinnen zu ziehen noch sich diser unser statt zuͦ
empfroͤmbden, er habe denn das burgerrecht zuͦvor unsern amptman und
der statt rechnern abkúndt und der statt ain gulden zuͦ abzuge bezalt,
und mengklich dem er ze tuͦnd ist entricht oder in benuͤgig gemacht,
und ob er mit iemanden under den stabe diser unser statt
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Stuͦtgarten gehoͤrig ze tuͦnde hette, warumb das were, soͤlichs
daselbs mit recht uszerichten und bi dem selben rechten ze pliben, er
woͤlte sich dann davon beruͤfen, das mag und sol er tuͦn lut und
innhalt der ordnung von uns gemacht usgeschriben und verkúndt, alles
getrúwlich und ungevaͤrlich.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 101]
Item welicher also zuͦ ainem burger ufgenommen wirt, der sol der benanten
unser statt umb das burgrecht von stunden an one verzuge vor und ee er
insitzt geben zwen gulden, und das burgrecht, wann er darnach wider
hinwegziehen will, mit ainem guldin, den er ouch bar bezalen sol, ufgeben
wie obstet. Doch moͤgent vogt und gerichte im annaͤmen und abzuge ains
burgers zuͦ ziten us redlichen vernúnftigen ursachen dispensieren und
minder denn obstaut oder gar nichtzit nemen. Welicher ouch fúrohin von
Stuͦtgarten ziehen will, der sol der statt geben zuͦ abzuge ain
gulden, unangesehen ob er das burgrecht ererpt oder erkouft habe und ob er
vor diser unser ordnung und satzung ain burger daselbs gewesen were, das sol
in davor ouch nit schirmen.
Wir woͤllent und gepietent ouch bi pen ains pfunds funf schilling hlr.,
unser statt Stuͦtgarten unablaͤßlicb zuͦ bezalen, das ain ieder
sinen knecht, der die nachgeschriben glúpt vormals nit getan hat, in den
nechsten acht tagen, nachdem er in gedingt hat, unserm amptman oder in sinem
abwesen aim burgermaister antwúrte, der gestalte das er dem selben in unserm
namen globe bi handgegeben truͤwen an ains geswornen aids statt, uns und
unser statt Stuͦtgarten, als lang er daselbs wonen werde, frommen und
nutze ze schaffen und schaden ze warnen und ze wenden, und unsern und unser
amptlúten und der oberkait diser unser statt gepotten und verbotten gehorsam
und gewertig ze sinde, und von hinnen nit ze ziehen, er hab denn mengklich
dem er gelten soͤlle entricht, und ob er ain stubenmaister oder
stubenknecht wúrde und ichtzit frevelichs ruͦgbars oder straufbars sehen
oder hoͤren wúrde, das selb unserm amptman vor sinem abschide endeckt und
fúrbracht, und ob er mit iemanden ichtzit ze tuͦnde úberkeͣme oder
iemands
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das selb vor dem stabe zuͦ Stuͦtgarten mit recht ze lútern und
uszerichten und dabi ze beliben, er woͤlle sich dann davon beruͤfen,
das sol er tuͦn lut der ordnung von uns gemacht, und der selben
leben.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 102]
Item witer habent wir geordnet und gesezt, woͤlicher hie zuͦ
Stuͦtgarten gesessen lút ufhoͤlt huset hofet oder herberget, die den
burgeraide obgeschriben nit getan hand, der selb sol von ieder persone, die
er also enthalten hat, geben I lb. V ß hlr. diser unser statt zuͦ pene;
denn es wonend vil lúte hie zuͦ Stuͦtgarten, die uns und der selben
unser statt weder gelopt noch geschworn hand, darus, wa es nit fúrkommen
wúrde, moͤchte vil unrauts erwachsen. Es ist ouch ain ursach, das gepott
und verbott, so zuͦ ziten von unsern und der benanten unser statt wegen
gescheent, verachtet werdent, das uns und obgemelter unser statt nit
traͤglich noch ze dulden ist.
Herumb so verschaffen und woͤllent wir, das unser vogt zuͦ
Stuͦtgarten alle menschen daselbs wonend, der halb man nit ain claur
gruntlich wissen hat, das si ire manrecht und uns wie obstet gelopt und
geschworn habent, rechtvertigen und allen mangel, der deshalb an inen
erfunden wirdet, erstatten und erfollen solle, wie sich lut der ordnung
gepúrt.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 103]
Item als ainem ieden amptman zuͦsteet sinen undertanen, die von iren
gloͤubigen, das ist von denen die inen umb schulden getrúwt geloupt und
gebaitet hand, angefochten genoͤt oder geschediget werden woͤllent,
mit guͤtlicher taͤding fúrstande und ufenthaltunge ze tuͦnde, und
witer zuge und zile zuͦ erlangen, also gepúrt sich ouch den undertanen,
den taͤdingen vom amptman gemacht ze leben und nachzekommen und die
guͤtlich zu volstrecken. So aber dasselb von vil undertanen oft verachtet
und nit gehalten wirdet und dasselb ouch nit mag erlitten werden, so habent
wir geordnet und gesezt: welicher sich fúrohin ain amptman und gericht
samentlich oder sonderlich ichtzit betaͤdingen laßt und der taͤding
nit lept und gnuͦg tuͤt, der sol darumb mit fanknus nach gestalt der
sache gestrauft werden und schuldig sin sinem gloͤubigen die underpfande
im haft volgen ze laßen und ze rumen, glicher wise als ob er die nach diser
unser statt Stuͦtgarten recht herkommen und gewonhait erlangt und ervolgt
hette. Ob aber der gloͤubig umb sine schulde kain underpfande hette, so
sol der schuldner der die taͤding nit helt im geben vergangne pfande, die
er triben und tragen, und
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siner schulde wol bekommen moͤg, und sol witer kains pfendens
ufruͤfens vertaͤdingens verkúndens noch usbietens bedoͤrfen noch
nout sin kaineswegs, damit die gloͤubigen muͦtwilligs umbtribens und
ufzugs úberhaben werdent, doch hierinn unserm amptman sin taͤding
schilling vorbehalten. Und die wile us der noͧtturft soͤlich
taͤdingen fúr vergessen in ain buͦch geschriben werden muͤssent, so
sol unser amptman dasselb inschriben tuͦn und darumb von iedem taile zwen
pfenning nemen.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 105]
Item bisher ist gewonhait und der bruwche zuͦ Stuͦtgarten gewesen,
wann uf iemands guͦte clagen und verbotte gescheen sind, so ist anfangs
und vor allen menschen der erst verbieter und darnach der ander und also fúr
und fúr ainer nach dem andern usgericht worden, als wit das guͦt hat
moͤgen raichen und dienen, und hand die andern, die vilicht mit besserer
gerechtigkait us unwissenhait soͤlichs verbietens des guͦts
hernachkommen und bi den letsten gewesen sind, ganz muͤssen mangeln und
galt usgeen. So aber das selb ganz unglich und der vernunft und billichait
nit gemeͣß ist, so ist von uns geordnet und gesezt, wann fúrohin ain
soͤlicher unfale uf iemanden oder iemands guͦte felt, das man daruf
clagen oder verbieten laßen wirt, das denn von unserm amptman daselbs alle
cleͣger und verbieter aigentlich ufgeschriben und zuͦ letst, wann zwen
monat vom anfang der verbietung verschinent, iedem gegeben werden soͤlle
nach anzale siner schulde, als wit das guͦte raichen mag, unangesehen das
ainer der erst der ander der mittel oder der letst verbieter ist gewesen,
doch uns unsern erben und nachkommen unser oberkait hierinn vorbehalten. Und
ob iemands sonder gerechtigkait zuͦ soͤlichem guͦte hette us
verschribungen oder sust als von schulden wegen, dar umb underpfand haft
werent, ouch umb huszinse lidlone geurtailt und ander der glich gefriet
sachen, dem sol hiedurch sins rechten nichtzit benommen sin noch werden, und
sol ieder claͤger oder verbieter dem amptman geben zwen dn. sich
inezeschriben.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 106]
Item taͤglich wirt erfunden, das vil unnútzer lichtvertiger lút,
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selb und ire kindere in verderben richtent, erber lút anstoussent, umb das
ir betriegent, und darnach ustraͤttent und vermainent denn wider
inzekommen, wann si woͤllent. So nuͦ soͤlichs nit mag noch sol
gelitten werden, und ouch unser mainung und will ist, das der burger aide
obgeschriben nit allain binden soͤlle die, so fúro zuͦ Stuͦtgarten
burgere und soͤlichen aide schweren werdent, sonder ouch die, so vormals
daselbs burgere gewesen und noch sind, und denn der selb aide under andern
innhelt, das nieman sich diser statt empfroͤmbden noch von hinnen ziehen
soͤlle, er habe denn sine schuldner entricht oder benuͤgig gemacht, so
ordnen setzen und woͤllent wir, welicher hinfúr der gestalt ustritt one
gunden und erlouben der oberkait, der sol wider sin aide getan, sin manrecht
verwúrkt und sin burgerrecht verloren haben, und wa er ergriffen wirt,
angenommen und darumb an sinem libe oder guͦte, wie sich nach gestalt der
sachen gepúrt, gestrauft werden. Welicher aber von ungehorsami wegen
ustritt, der sol in die alten sweren strauf gefallen sin und ouch sin ere
und manrecht verwúrkt und das burgerrecht verloren haben, und darumb mit im
fúrgenommen und gehandelt werden, als sich nach unserm willen und
verschaffen wirt gepúren.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 107]
Item ouch ist oft und dick erfunden und offentlich an den tag kommen, das
etlich ire guͤtere fúr zinsfri ledig unverkúmert aigen verschriben
habent, die doch davor andern zinsbar und haft gewesen sind. Wann aber
soͤlich boushait betruge und falsche ouch nit mag noch sol gestattet
werden, so ist von uns dawider gesezt und geordnet: welicher hinfúr in
soͤlicher boushait erfunden wirdet, der sol erlous und umb sin manrecht
kommen sin, und darumb an sinem libe oder leben, wie sich nach gestalt siner
handlung gepúrt, gestrauft werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 108]
Item welicher ain ligend guͦte verkouft, borgs uf zile zuͦ bezalen,
dem sol, wie es vormals ouch gewesen und von alter herkommen ist, das selb
guͦte umb sin bekanntlich koufsumme und schulde vor mengklichem, vor
soͤlichem koufe uf dem selben guͦte nichtzit noch ainich gerechtigkait
daran oder darzuͦ habend, nach diser unser statt Stuͦtgarten bruwch
und herkommen haft sin, alle
| Seite 548| die wile
im des selben koufgelts ichtzit unvergolten ussteet. Und ob soͤlichs im
koufe nit beredt were, dennocht sol es lut diser unser satzung gehalten
werden. Were oder wúrde aber in ainichem koufe luter abgeredt und
beschlossen, das das verkouft guͦte umb die koufsumme nit soͤlte haft
sin, so sol das selb gedinge, so sust nichtzit dawider ist, in creften
beliben, angesehen das sich ain ieder sins rechten begeben und verzihen mag,
und das ouch dem, der ain ding williklich und on nout tuͦt, nit unrecht
geschicht.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 109]
Item welicher umb iemanden ichtzit borgs kouft ligends oder farends, der sol
dem verkoͤufer uf sin begere ain benuͤgen umb die kaufsumme tuͦn,
es werde bedingt oder nit bedingt, usgenommen so der verkoͤufer sich des
williklich verziht oder das nachlaßt.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 111]
Item welicher hie zuͦ Stuͦtgarten ain huse bestet, gar oder ains tails
oder ichtzit darinn als laden oder anders, der sol zuͦ halbem jare halben
zins ze geben verfallen und schuldig sin den zuͦ bezalen, sin husherre
woͤlle im denn den mit guͦtem willen lenger ansteen laßen. Was ouch
iemands in ain huse oder laden etc. von im bestanden bringt, das alles
gemainlich und sonderlich nichtzit usgenommen sol dem husherren umb sin
huszinse vor menigklichem haft sin. Er mag ouch das alles umb sin huszinse
darinn behalten, und ob iemands ichtzit us sinem huszinse teͣte verendern
one wissen und willen des husherren, der sins huszinses dennocht nit
entricht were, der sol schinbarlich darumb gestrauft werden nach erkantnus
vogts und gerichts.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 113]
Item fúro habent wir gesezt und geordnet, welicher hie zuͦ Stuͦtgarten
sin schuldner nit hab zuͦ bezalen mit gelt oder pfanden oder sine kind
oder sin wib laß nach brot geen, das der selb nit solle zum win geen weder
firtag noch werktage, usgenommen hochzitlich schenkinen siner nechsten
frúnde. Wirt er aber bi dem win ergriffen, so sol er von stunden an in
fenknus gelegt und allain mit wasser und brote uf benuͤgen des amptmans
darinn gespiset
| Seite 549| werden.
Und heruf gebieten wir allen stattknechten pútteln winziehern und andern
gemainlich und sonderlich, bi gelúpten und aiden uns und zuͦ iren
diensten getan, ain flissig ufsehen uf die ding ze haben, und wa si ain
soͤlichen bi dem win oder bi spilen, darzuͤ er ouch verwandt sie,
findent oder erfarent gewesen sin, den obgemelter massen anzenemen und in
gefangknus ze legen. Und wirt der amptman von ains soͤlichen wegen, der
nit zuͦ bezalen hat, von sinem gloubigen, das ist von dem dem er gelten
sol, ingeruͤft in in fengknus ze legen, so sol der amptman das selb
tuͦn uf des gloubigen costen, der dem gefangen schuldner zimlich liferung
sol geben nach beschaid des amptmans, doch dem amptman vorbehalten macht und
gewalte, ain schuldner us vernúnftigen redlichen ursachen hievor ze
fristen.
Item bi obgemelter pene sol nieman unerloupt der oberkait nachts ainich kind
frowen oder mans geschlecht nach brot schicken oder geen laßen, und ob ain
frow die kain man hat ire kind frowen oder mans personen nachts nach brout
schickte oder geen ließ unerloupt, die sol obgemelter pene gemeß ouch
gestrauft werden.
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art. 117]
Item sich erfindet in taͤglicher gerichtsuͤbung, das vil zanks und
rechtvertigung erwechst us den vertraͤgen und dem úberkomen, so die
personen, die us witwenstaute wider in die ee kumment, tuͦnd mit iren
kinden an statt der tailung, so si nach diser unser statt recht herkomen und
gewonhait mit inen tuͦn soͤltent, und entsteet soͤlicher zank
gewonlich us dem, das soͤlich vertrage nit gescheent vor gericht. So nu
unsere gemuͤts und willes ist soͤlich irrungen und rechtvertigungen
abzestricken und fúrzekomen, so setzent und gebent wir diser unser statt
Stuͦtgarten fúr ain gesetze und stattrecht, das ain ieder mensch
baiderlai geschlechts, in dem gerichtszwang der selben unser statt ietzo und
hienach gesessen, der fúrohin us dem witwenstaute wider in die ee komen und
sich mit sinen kinden an statt obgemelter tailung vertragen oder setzen
will, das der selb soͤlichen vertrage úberkomen oder satzung tuͦn
soͤlle vor vogt und gericht, der gestalt, das si erkennent soͤlichen
vertrage úberkomen oder satzunge den kinden zuͦ den selben ziten nútz und
besser sin denn tailung, und welicher vertrage úberkomen oder satzung also
geschicht, der das oder die sol darnach allwegen
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wirden und kreften sin und beliben und durch kúnftig sachen zuͦ- oder
anfelle, die ainichem taile, es were den kinden oder iren eltern, nachtaile
geperen oder bringen moͤchtent, nit zerrút noch aberkennt werden. Wa aber
ainicher vertrage úberkomen oder satzung usserhalb der forme diser unser
satzung gemacht wirt, der sol fúr unwirdig und craftlous erkennt und
gehalten werden.
Item wiewol natúrlich und ouch billich ist, das die kindere von iren eltern
versehen und begabt werdent ieglichs nach dem es sich frúntlich oder
unfrúntlich gehorsamlich oder ungehorsamlich erberlich oder unerberlich hat
gehalten, nochdenn fúrzekomen und abzestricken vil zanks und rechtvertigung,
so zuͦ ziten erwechst us dem, das ain kind fúr das ander angesehen und
begaubt wirt von vatter oder muͦter in witwenstaute ainhendig und
unabgetailt guͦte habend, so setzen wir diser unser statt Stuͦtgarten
fúr ain ordnung und stattrecht: Wann fúrohin ain vatter oder múter in
witwenstaute sich haltend und ainhendig unabgetailt guͦte habend ain sin
kind witer oder richlicher denn das ander begauben oder sich umb das sin
zuͦ ainem kinde fúr das ander verpflichten will pfrúndners wise oder
sunst, das soͤlichs gescheen soͤlle vor vogt und gericht, und so es
von den selben die das wesen der kinder und der eltern, ouch gestalt der
sachen, aigentlich und wol erlernen und ermessen soͤllent, durch ir
erkantnus zuͦgelaussen und bestetigt wirt, so sol es fúr wirdig und
creftig gehalten und fúrter nit aberkennt werden. Geschee aber fúrohin in
disem fale ainich gabe oder verpflicht usserhalb der forme diser unser
ordnung und satzung, so sol die von unwirden sin und fúr unkreftig und
untougenlich geurtailt und gehalten werden.
Item wiewol gnuͦg schwer ist ain richter sin, so ist es doch
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erlich ampt, darzuͦ ouch die e[r]bersten und vernúnftigsten lúte geprucht
und darumb ouch billich gewirdet und geeret werdent. So nun ain alter bruch
gewesen ist, welicher zuͦ ainem richter erwelt und genomen worden ist,
das der selb dem vogt und dem gericht hat ain costlich mal muͤssen geben,
und nuͦ der selb bruch ain zit still gestanden ist, so laussen wir zuͦ
und ist unser will und mainung, welicher fúrohin zuͦ ainem richter zuͦ
Stuͦtgarten erwoͤlt und angenomen wirt, der vormals kain richter
gewesen ist, das der selb für das obgemelt maul der statt geben soͤlle uf
ir stuben ain silberin becher vier gulden wert, der alda zuͦ eren dem
selben richter und den sinen ouch gemeiner statt allweg soͤll beliben und
gebrucht und in kain andern nutze bewendt werden. Welicher aber von núwem in
den raut kompt, der sol geben zwen guldin, und kompt er us dem raut in das
gericht, sol er aber zwen guldin geben, darumb ouch silbergeschirre gekouft
und wie obstet gebrucht und gehalten werden sol. Und nit dester minder
moͤgent die richter und die vom raut, wann ainer erstmals in gericht oder
raut kompt, bi ainander essen und dem núwen richter oder raute sin mal
schenken.
Item durch dise ordnungen und satzungen woͤllent wir andern loblichen
gewonhaiten brúchen ordnungen und satzungen bis her zuͦ Stuͦtgarten
gehalten disen obgemelten unsern ordnungen und satzungen nit widerwertig
nichtzit enzogen noch abgenomen und uns unser oberkait in allen Sachen
vorbehalten haben.
Item die wil diser statt Stuͦtgarten der groͤssest schade von fúwr
zuͦsteen mag und man soͤlichen schaden ze verhuͤten und fúrzekomen
allergeflissest sin sol, so haben wir dise nachgeschriben ordnungen und
satzungen gemacht, durch der vlissig haltung wir hoffent obgemelten schaden
ze verhuͤten und ze fúrkomen.
Item wenn man sturm anschlecht fuwers oder ander sachen halb, so soͤllent
CXX mann, in sonderhait darzuͦ geordnet, mit harnasch und werinen wol
erzuͤgt, an den merkt ilends loufen und leben dem beschaid des houptmans
der inen allda zuͦkommen wirdet.
Item nieman sol in sinem huse oberhalb des fúwrs haben weder holz raif
risach reben spen noch strow, sonder allain unden im huse under dem fúr, und
ouch nit merer noch anders denn im vom vogt und gericht erlopt wirt.
| Seite 552| Item
alle kemmit soͤllent gefegt gesúbert gemacht und gehalten werden der
gestalt das kain schad davon entsteen moͤg, dann wa ain kemmit wirt
erfunden also das es fegens oder ander sachen halb sorg uf im hat, da
muͦß der huswirt des selben huses zuͦ pen unablaͤsigklich der statt
geben drúw pfund fúnf schilling 5 heller als dick es also erfunden wirt.
Item es sol nieman unerloupt in sinem huse, es sie mezger gremper oder wer
er woͤll, weder schmelzen buwchen noch ander sachen bruchen, darzuͦ
man grosse fúr bruwchen und haben muͦß. Dann welicher das tuͦt oder in
woͤliches huse das geschicht tags oder nachts, es geschee durch in sin
wib kinder eehalten oder huslúte, der muͦß unablaͤssiglich der statt
zuͦ strauf und pene geben drúw pfund fúnf schilling heller, als oft und
dick das erfunden wirdet, und ob schad dardurch enstund, so wirt er witer
gestraft nach gestalt des handels und schades und erkantnus vogts und
gerichts.
Item wenn fúr usgeit, so soll menigklich, der nit sondern beschaid und
bevelh hat, dem fúr zuͦloffen und helfen wasser tragen loͤschen und
tuͦn was er beschaiden wirt nach sinem besten vermoͤgen, als ob es sin
aigen ding were, bi gelúpten und aiden, und sol sich darinn noch daran
nieman sins libs vermúglicb sumen noch understeen uszetragen us sinem huse,
das fúr were denn in sinem huse ufgangen oder in dem vierden oder fúnften
huse nechst bi im, und soͤllent die winzieher zuͦm aller ersten
laiteren und fúrhauken zuͦtragen und darnach witer wie sich gepúrt helfen
getrúwlich arbaiten.
Item man sol wissen, wenn man sturm anschlecht, das menigklich damit bi
sinem aide gemant ist. Darumb sol ain ieder, als lieb im sin ere libe und
leben sie, die sturm nit verachten, dann von wiem es verachtet wirt, dem
wirt ain straufe im sinen kinden und frúnden unlittenlich und ze schwer
engegen kumen, davor wisse sich menigklich ze huͤten.
Item wann man brunst halb sturm anschlecht, so soͤllent alle keltern
geoffnet werden, bittenen und zúber zuͦ der notturft darus ze nemen.
Item welicher ain kelter hat, der sol fúrohin allwegen haben ain gerústen
karren und daruf ain laitfaß, das wasser halte und
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sie, uf das, wenn fúwr usgang, das man das alles gerúst und versehen finde
wie obstet. Und hat er selb ain roß, so soll er damit one alles verziehen
dem fúr zuͦfaren; hat er aber kain roß, so sol er fúrdern, das es von
ainem andern der ain roß habe nechst bi im fúrderlich geschee. Und in
welches kelter es nit also erfunden wirdet, der muͦß unablaͤssiglicb
zuͦ pene und straufe geben druw pfund und fúnf schilling heller, als dick
der mangel erfunden wirt.
Item welicher das erst faß mit wasser zuͦm fúwr bringt, er hab ain kelter
oder nit, dem will die statt geben ain pfund, dem andern fúnfzehen
schilling, dem dritten zehen schilling und dem vierden fúnf schilling
heller, und welicher ain laitfaß fuͤrt, das nit sin, sonder in ainer
kelter genomen ist, der sol sin lone halb geben dem, des faß er gefúrt
hat.
Item alle becken schmid schriner und ander so mit fúr umbgeend und ieder in
sonderhait soͤllent ire fúr versorgen nach beschaid der fúwrschower oder
der den es bevolhen wirt, und soͤllent es dennocht bi dem selben nit
pliben laussen, sonder den allerhoͤchsten vlis ankeren ire fúr ze
versehen zuͦ bewaren und zuͦ versorgen tag und nacht mit kemiten und
sunst in alle andere nottúrftig wege, damit inen selbs und andern kain
schade geschee. Si soͤllent ouch die ding selbs versehen und nit an ire
eehalten laussen kains wegs, alles bi pen drier pfund fúnf schilling heller
der statt gehoͤrig. Und ob schade geschee, so sol es bi der strafe nit
beliben sonder ain ieder, von dem schad entsteet, witer gestraft werden nach
gestalt des handels und schades und erkantnus vogts und gerichts.
Item ain ieder wirt sol allwegen so er gest hat selb wachen und hievor
beliben bis alle gest an ir rúwe kument, oder sol zum minsten sin husfrow
oder ain geschworner eehalt, dem er getruwen mag, den gesten also uswarten
und mit dem hoͤchsten flis sorg und acht haben, das alle fúr und liecht
versorgt usgeloͤscht und versehen werdent.
Item es soͤllent ouch alle wirt und sust mengklick darob und daran sin,
das mit brinnenden liechtern one laternen in schúren stelle oder andere
orte, da der wandel sorglich ist, nit gegangen gewebert noch gewandelt werde
kains wegs, bi pene ains pfunds fúnf schilling hlr., der statt als oft es
anders erfunden wirdet unablaͤßlich zuͦ bezalen,
| Seite 554| und
soͤllent alle richtere alle vom raute underkoͤufer winzieher púttel
waͤchter und alle der statt geschwornen bi aids verpflicht ruͤgen und
von mengklichem uf ir und ir iedes ervordern ingelaßen werden one alles
widersprechen, und ob sich ieman widern wúrde, dem sol man huse stall oder
schúren, darinn man denn das liecht sicht, ufstoussen und in darzuͦ als
ain úberfarer gelúpt und aide wie sich gepúrt straufen, und ob durch
verachtung dises gepots schad entstuͤnd, so soͤllent die veraͤchter
dises gepots nit mit obgemelter summ, sonder nach erkantnus vogts und
gerichts gestrauft werden.
Item alle eehalten soͤllent hohen fliß und sorg haben úber fuͤr und
liecht, die getrúwlich zuͦ bewaren und zuͦ versorgen, dann durch
weliches verwarlousen schade entsteen wirt, der wirt gestrauft an libe und
guͦte, und welicher hinfúr eehalten dinget ain oder mer, der sol im oder
inen dise satzung fúrhalten; welicher das nit tuͦt, der muß erstatten,
was dardurch versumpt wirt.
Fúro woͤllent und gebietent wir allen und jeglichen unsern undertanen
zuͦ Stuͦtgarten bi iren gelúpten und aiden, wa ufruͦren haͤder
oder zenk entsteen werdent, die selben getrúwlichen ze friden und
niderzetrucken und die partien zuͦ recht anzenemen und friden globen ze
laßen und inen in soͤlich gelúpte ze geben, sich umb soͤlich hendel
one verzuge zuͦ unserm amptman ze stellen und im die ze offnen. Und ob
sich iemands widern wúrde zuͦ recht ze globen, so sol man den selben
zuͦ gehorsami dringen und noͤten mit straichen und wie man mag, damit
er globe wie sich gepúre. Darzuͦ sol der selb, der sich widert friden und
zuͦ recht ze globen, als ain ungehorsamer von unserm amptman mit recht
oder sust wie sich nach gestalt der sach gepúrt gestrauft werden, der
gestalt und so schinbarlich das es andern ain exempel sie sich davor ze
huͤten. Doch woͤllent wir hiemit niemanden binden, sich in
soͤlichen hendeln in gefaͤrlichait sins libs oder lebens ze geben,
alles ungeverlich.
Also und in der gestalt gebietent wir ouch allen und ieglichen bi iren
gelúpten und aiden, wa unsern amptlúten gericht raute andern geschwornen und
stattknechten von iemanden in dem,
| Seite 555| das inen
und ir iedem von unsern oder gemainer statt wegen ze tuͦnde gepúrt,
widerstande geschúhe mit worten oder werken, den selben unervordert und
ervordert zuͦzeloufen, si getrúwlich ze retten und ze schirmen und getrúw
hilf und bistande ze tunde, damit die selben widerwertigen und ungehorsamen
gehandhapt gedempt nidergetruckt und gestrauft werdent, denn unsers willes
und gemúts ist die boͤusen und ungehorsamen ze straufen der gestalt, das
die guͦten vor inen in eren und wirden gruͦnen und beliben
moͤgent.
Fúro habent wir gesezt und geordnet, wenn und wie oft fúrohin den wingarten
ainich schad zuͦsteet, durch den der win an gelt ufschlahen mag, so oft
soͤllent alle die, die win ze schenken usruͤfen laßen habent, die
usgeruͤften wine ganz usschenken umb das gelt, darumb die ufgetan und
ufgeruͤft worden sient, und sol der selben win kainer zuͦgeschlagen in
andere faß getan noch sust verendert, sonder mengklichem uf nachvolgend
mainung davon gegeben werden, bis nichtzit mer im faß ist, bi pene und
strauf die vogt und gericht nach gestalt der sache und geverde erkennen
soͤllent.
Item witer habent wir geordnet und gesezt, wenn es sich also begit, das
soͤlicher schade wie ietzo gelut hat den winreben zuͦsteet, so
soͤllent die winschenken und ander die durch sich selb oder ire eehaltent
win usmessent, niemanden mer wins geben denn so vil sie achten moͤgent er
denselben tag zuͦ sinem huspruwche nottuͤrftig sie und nit mer. Es sol
ouch alsdenn und in disem fale kain mensch mer wins fassen holen noch holen
laßen, denn es [!] uf den selben tag zuͦ sinem huspruwch bedarf
ungeverlich. Und so oft dises gepot úberfaren wirt, so oft sol der, der den
win faßt holet oder holen laßt, von ieglicher maͧße úber und wider dises
gepotte geholet und empfangen zuͦ pene und straufe geben X ß hlr.
unablaͤßlich. Und die straufe des winschenken sol steen zuͦ erkantnus
vogts und gerichts.
Mer ordnen woͤllen und setzen wir, das nieman weder holze pfaͤle
frúchten brout schmalz húnr aier visch noch ichtzit anders, nichtzit
usgenommen, das her gen Stuͦtgarten zuͦ merkt gefuͤrt oder
| Seite 556| getragen
wirt, vor diser statt in iren zwingen und bennen koufen soͤlle, sonder
sol mengklich alle ding ganz frie ber uf den merkt zuͦ failem koufe
kommen laßen, bi pene III lb. V ß hlr., die ain ieder so oft und dick er das
úberfert sol geben, aber uf dem meͣrkt mag ain ieder (die fúrkoͤufere
usgenommen) koufen was im noͧt ist wie sich gepúrt, ouch ungeverlich.
Wir woͤllent und setzent ouch, das fúrohin der wochen nit mer denn an den
zweien wochenmerkten, nemlich am zinstag und am sambstag alleweg vor mittag,
zuͦ Stuͦtgarten pfande ufgeruͤft soͤllent werden, und zwen
richtere, die schriben und lesen kúndent, von vogt und gericht darzuͦ
geordnet, sich an den selben zweien tagen am merkt finden laßen und uf ains
ieden, der des an ir ain begert, ufruͤfen, nemlich wem warumb was und wie
vil ufgeruͤft werde, merken und acht haben und das aigentlich mit sampt
dem tag daruf es geschicht in ain registerlin verzaichnen, damit si baid und
ir ieder umb das ufruͤfen, daruf er gemerkt hat, úber kurz und úber lang
zit wisse ain lutere claure kuntschaft ze geben. Darumb sol ain ieder der
ufruͤfen laßt, dem richter der ufmerkt geben II dn., die mit anderm
schaden uf das ufgeruͤft guͦte moͤgent geschlagen werden, vil
irrungen, die sich sust mit dem ufruͤfen usserhalb diser ordnung begeben
moͤchten, abzestricken und fúrzekommen.