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Wir Friderich, von gottes genaden Romischer kaiser, zu allen zeiten merer des
reichs in Hungern, Dalmatien, Croatien etc. konig, herzog zu
| Seite 29| Oesterreich, zu Steyer, zu Kaernten zu Crain, bekennen für uns unser erben
und nachkomen: als etlich zeit zwischen unsern lantrichtern zu Wolckenstain im
Ennstall ains, und den burgern und leuten daselbs im Ennstall so in dasselb
unser lantgericht gehorn des andern tail, von der fall und wandlein auch
beschwoͤrung wegen merklich zwietracht und irrung gewest, darumb si dann in
aufruer gegen einander und für uns in verhör kommen sein, das wir angesehen und
betracht haben, wo solch irrung und zwitracht nicht nidergelegt wurt und verrer
geuebt und erwachsen solt, das dar aus landen und leuten schwaͤrer unratt
aufersteen möcht, und haben dardurch und von sondern gnaden zuͤ underdruckung
solcher aufruer und zwitracht in dem bemelten unserm lantgericht, wie es furan
von ainem jeden lantrichter daselbs im Ennstall mit den fællen und waͤndlain
gegen den leuten so in dasselb unser lantgericht gehoͤrn soll gehalten werden,
ain ordnung gemacht und gesetzt.
Von erst so man das pantheding und recht besizt, das man den nachrichter in dem
bemelten unserm lantgericht im Ennstall auf den aid fragen soll, ob er den
tailen und andern so zu dem rechtn gevordert sein gepotten hab, zu dem rechtn
und panthaͤding ze komen, und das ehr das mit iren anfgereckten aid in der
schrann weisen soll.
Item welcher im lantgericht daselbs im Ennstall gesessen, dem potten zu dem
rechten und pantheding frævenlich ungehorsam were, der soll dem bemelten unserm
lantrichter zwen und sibenzig phenning darumben zu peen verfallen sein. doch mag
sich ain jeder durch seinen potten bereden, ob in ehehaft not daran
verhindert.
Item wann des hauss halben zu Wolckhenstain etwas notturftig wære, als von dem
veint, feur oder andern sachen wegen, so soll ein jeder, in der nachent daselbs
gesessen, bei tag oder nacht zum hauß trachten, dem rettung und beistant thun
und solches helfen zu underkomen.
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Item welcher in dem bemelten unsern lantgerichte gerechtigkait urbar, dienst und
ander zuegehrunge ablaugnet oder entzüe, der ist dem gericht v libra und
vj ß denar verfallen.
Item welcher dem bemelten lantrichter oder desselben unsers lantrichters
ambtleuten und diener, phantung ze thun, wæren oder dar innen mit worten oder
mit werken widersæssig sein wuͤrde, der ist demselben unserm lantrichter v libra
und lx denar verfallen.
Item welcher demselben unserm lantrichter sein gerechtigkait zu rechter zeit nit
geben wolt, der ist ein halb libra denar verfallen.
Item welcher die marchstain oder sein zeun ubersezen, hocher rugken oder
uberpauen ließ ôn wissen und willen der herrschaft, der ist v libra lx denar
verfallen.
Item von geltschuld wegen soll man kain ôn clag aufhalten, es wurde dan
furbracht, das der bemelt unser lantrichter darinn saumig gewesen wære. wer aber
darwider thæt, dem soll man darumb aus dem lantgericht urlaub geben.
Item wenn di nachpaurn ain frid an ainander haben mit zeun, graben oder in ander
weg, und so ainer von gewitter oder andern sachen wegen ee denn der ander
gevechsnet hiet, derselb soll dem andern den fridt besteen lassen und nit offnen
auf xiiij tag, damit der ander auch gevechsnen muge und soll die etz nit
ausleihen dem andern zu schaden. welcher aber dawider thæt, der ist demselben
unsern lantrichter v libra lx denar verfallen.
Item wo ein viech dem andern zu schaden gieng, das soll man einthuen unbeschedigt
und soll der schaden des dritten tag darnach beschaut werden mit leuten so von
der herrschaft und iren ambtleuten darzue geordnet werden. und wo der fridt
bewart gewesen war, wes das viech ist, der soll den schaden bezallen und
demselben unserm lantgericht v libra denar verfallen sein.
Item wer von den dienstleuten wissentlich kauft: schmalz, kaaß, vleisch, haar und
ander solch haußnotturft, und woll wisste, das die dienstleut solches nit gewalt
hieten zu verkaufen; so sollen der kaufer und verkaufer leib und guet verfallen
sein und mit inen, als sich geburt, gehandelt werden.
Item ob icht leut kæmen dasselb unser lantgericht zu beschedigen, wer das gewar
wurde, der soll das zu geschrai bringen, damit solcher beschediger als sich
geburt gestrafft wurde, darzue die nachperschaft schuldig ist zu helfen. und wer
dar innen ungehorsam befunden wurde, der waͤr leib und guet verfallen.
Item es soll keiner geverlich keinen aussern oder fremdling langer dann uber
nacht behalten, sich wolt dann ain auslender im selben unsern lantgericht
niderlassen; solches soll man als dann inner dreien tagen der herrschaft
verkunden. wer aber dawider thet, der wer der herrschaft darumb leib und guet
verfallen.
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Item welcher die march oder rainstain verkörte oder ausgrueb, den sol man an die
stat, da der marchstain gestanden ist, mit dem haubt unz an die gurtl eingraben
und die fuess auskern. desgleichen wer ain marchpaumb abschlecht, den soll man
mit dem hals auf den stock zwicken.
Item welche zeun oder einfeng zu nachent sezen oder uberrainen, die sein darumb v
libra lx denar verfallen, darzue den gethan schaden ablegen.
Item wer dem andern wissentlich zu nahent etzet, so man das viech begreift, das
ist damit verfallen.
Item wer dem andern fræventlich fuͤrwart, den soll man darumb an leib und guet
straffen.
Item wer dem andern sein holz abschlecht ân urlaub, der ist dem das holz ist als
oft für einen stamb v libra lx denar verfallen.
Item wer wildprath oder genistpaumb zu nachent schlecht, der ist darumb v libra
lx denar verfallen.
Item es soll auch kain waidman dem andern in seinem bstant und gjaid geen oder er
ist dem selben den dienst und demselben unserm lantgericht lxxij denar
verfallen.
Item umb geltschuld soll man dem clager inner vierzehen tagen ein benuegen
thuen.
Item die mullner in dem lantgericht halten und fueren mit metzen und
stuppstaͤfflein nach wissen der nachperschaft ungeverlich; welcher das nit
thæte, den soll man darumb an leib und guet straffen, man soll auch mulln
jærlichen besichten.
Item es soll ein jeder waag und maasz halten wie von alter ist herkomen. wer das
nicht thaͤte, der ist v libra und lx denar verfallen.
Item ain jeder in demselben unserm lantgericht gesessen, soll von den weinen so
er an dem zaphen ausschenkt unsern ungeltern so je zu zeiten von uns darzue
gesezt werden oder wer unsern ungelt in demselben unserm lantgericht von unsern
wegen einnimbt, den ungelt reichen und geben. wer das nicht thæt, der ist
demselben unserm ungelter den wein so er schenkt und dem obgemelten unserm
lantrichter xx ungrisch gulden zu peen verfallen.
Item welche ir schwein zu rechter zeit nit ringlent, die sein darumb lxxij denar
verfallen.
Item wer ainem an seinem hauß und venster lost, den soll man straffen als darzue
gehoͤrt.
Item wo einer in sein hausz gejagt wurde, so er under den dachtrophen kumbt, so
soll im sein widertail nit nachkumen bei v libra und lx denar.
Item wo sich ein aufruer in einem hauß begibt, wer dann ein fridt rueft von
gerichtswegen, was der dem gericht punt darauf sezt, die sollen kraft haben und
der fridt gehalten werden. wer das verbricht, der ist den punt vellig.
Item wer unzucht und aufruer macht, der soll gestrafft werden, namblich von ainem
schuß mit einem armbst v libra lx denar.
| Item von einem schlag mit einem spieß |
v libra lx denar
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| Item mit einem knütl idem |
libra lx denar |
Item von einem stainwurf Doch soll man sich dar innen halten
nach gnaden. |
v libra lx denar |
| Item von ainem maulschlag |
v libra lx denar |
| Item mit zugethaner hant |
lxxij denar |
| Item von ainem messer zucken |
xxiiij denar |
| Item von ainem schwert zucken |
xxiiij denar |
| Item von verpottnen worten |
lxxij denar |
| Item von allerlei geschlechten fræveln |
lxxij denar |
| Item von einer pluetrunst, macht davon zu peen |
i libra denar |
Item von der malefiz und ander grober unzucht wegen soll di straff beschehen nach
gelegenheit der sachen mit erkantnuß des rechten, wie hernach begriffen ist.
Von erst was sachen sein, darumb ainer den todt oder ander leibstraff verschuldt
hat, wirdet der thæter darumb von jemant so der sachen zu than hat anclagt umb
di leibstraff oder aber umb kerung und abtrag, darumb soll unser lantrichter dem
clager recht lassen ergeen als von alter herkomen ist und wo di that zu dem
beclagten mann darbracht wirdet, soll es mit dem wandl das demselben unserm
lantrichter zuegehoͤrt gehalten werden als es von alt her damit gehalten ist
worden. wo aber ainer begriffen wirdet der den tod verdint(?) oder ander
leibstraff verschuldet hat und von niemants darumben angesprochen wirdet, den
soll derselb unser lantrichter von ambtswegen am leib nach gelegenhait seiner
verhandlung, es sei mit dem todt oder mit ander leibstraff, mit dem rechten und
nit an dem guet, straffen und soll umb solch peen und straff mit recht erkennen
lassen. unt so ainer mit dem todt gestrafft wirdet, soll es mit seinem gelassen
guet gehalten werden als von alter herkummen ist. wo aber ainer nach gelegenhait
seiner verhandlungen umb guet gestrafft wirdt, dem soll dabei gesagt werden, das
ehr furan solche mißhandlung meide. wirdt er dann in mißhandlung verrer
begriffen, so soll er alsdann am leib und nit an guet gestrafft werden, als di
raiszjeger, von den bisher alle jar wandl genamen werden, dardurch si dann in
irer ubltath und miszhandlungen beliben sein.
Item was phening, vall und wandl so voran nit gemelt sein, darumben sich unser
lantrichter mit dem gewandleten man an den gewondlichen wandlsteten nit verainen
mag, das soll zu Irning in der lantschranne mit recht
außtragen werden, dar inn in derselb unser lantrichter kain irrung thun soll. zu
solchen rechten dann derselb unser lantrichter zwoͤn von
Rottenmann, zween von
Schladming und von Aussee,
auch die trefflichsten ambtleut, und eltisten auch vernunftigisten aus der
paurschaft in demselben unserm lantgericht gen Irdning
ervordern soll. dieselben die sollen demselben unsern lantrichter umb all vaͤll
und wandl erkennen, und was si umb jede ubelthat und mishandlung zu wandlen und
vall erkennen, das
| Seite 33| soll derselb unser lantrichter und nit mer nemen, von den so demselben unserm
lantgericht sein vellig worden, das wandl inner xiiij tag nachst darnach koment
demselben unserm lantrichter ausrichten und geben. thuet er des nicht, so mag
unser lantrichter nach den vierzehen tagen sich seines guets mit wissen der
nachperschaft so vill underwinden als das wandl bringt. lost er dann dasselb
sein guet mit dem wandl inner vierzehen tag nit, so soll unser lantrichter das
phant darnach in negstem landsrahten offentlich austailen und verkaufen dem so
am maisten darumb geben will; und so das phant hocher verkauft wirdt dann das
wandl bringt, soll er dem gewandlten man di ubermasz hinaus geben. und sollen
die so am rechten sizen unserm lantrichter an unser stat all schweren, ainem
jeden, dem armen als dem reichen, ain gleichs und rechts recht zu sprechen und
niemant dar innen uberhelfen weder von muet, gab, freuntschaft, neid noch hasz
wegen. was aber demselben unserm lantrichter in dem bemelten unserm lantgericht
ausserhalb peen und wandl zuesteet als von dem, so das sein recht treiben und
ander sachen und das von ime emphahen müessen, damit soll gehalten werden als
von alter herkomen ist und soll er dar inn wider alts herkomen niemant hocher
dringen noch beschwrn. wo aber derselb unser lantrichter und die partei in
den obgemelten articln oder sonst von des alten herkomen wegen in irrung und
zwitracht sein, darumb sollen die beisizer zu Irning
erkennen und daselbst austragen werden was das alt herkomen ist. und was auf das
recht und beisizer zu Irning geen will, soll auf die
gerichtsleut daselbs im Ennstall gemainklich geschlagen und von inen bezalt
werden. doch soll es darinnen also gehalten werden, das ainer wider den andern
in solcher irrung nit beschwrt werde. und verpieten darauf allen leuten so
in dasselb unser lantgericht gehrn, das si furan kain besamblung haben
sollen weder mit weer noch ân weer, si werden dann in sonderhait von unserm
lantrichter darzue aufervordert. wurden si aber daruber ainicherlei besamblung
haben, darumb soll ein jedlicher so in solch besamblung ist uns als herrn und
landsfuersten hundert phunt phennig unablaͤssig verfallen sein. und soll dise
unser ordnung und sazung all jar ains zu Irning, ains zu
Aich und ains zu sand
Lorentzen in demselben unserm lantgericht derzeit ains werden
geruckt und verlesen und diser unser brief, so wir unserm lantrichter zu
Wolckhenstain erlegt haben, bei unsern getreuen N.
dem richter und rat zum Rattenmann erlegt werden, di dann
in behaltnuszweisz inner haben, und als oft es den leuten in demselben unserm
lantgericht not beschiecht, hren lassen und widerumben zu irn handen von
unsern wegen nemen sollen. doch behalten wir uns unsern erben und nachkomen in
obberuerter unser ordnung und sazung bevor, die zu mern und zu mindern zu
verændern und genzlich abzethun und zu
| Seite 34| widerrufen wie uns das gefellt ungeverlich. mit urkunt des brives geben zu
Graz am sonntag vor liechtmesse im vierzehen hundert acht und sibenzigistem,
unsers kaisertumbs in sechs und zwainzigisten und des romischen im acht und
dreiszigisten und des hungrischen im neunzehenden jaren.
(Commissio domini
imperatoris in consilio).