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        <title>Kammergerichtsordnung</title>
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            <forename>Karl</forename>
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            <surname>Speer</surname>: </persName>
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                        Geisteswissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
          <country>Austria</country>
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                        Commons BY-NC 4.0</licence>
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        <date when="2025">2025</date>
        <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Graz</pubPlace>
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      </publicationStmt>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/repat">Repertorium.at - Archiv des Repertorium
                    digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der
                    Frühen Neuzeit von Heino Speer</title>
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            <forename>Heino</forename>
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            <forename>Johanna</forename>
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            <surname>Schaaf</surname>
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          <title>1471 :: Kammergerichtsordnung.</title> (<author corresp="marcrelator:aut">
            <persName ref="https://d-nb.info/gnd/118535773">
              <forename>Friedrich III.</forename>
              <surname>Kaiser</surname>
            </persName>
          </author>) <pubPlace corresp="marcrelator:pup">Frankfurt am Main</pubPlace>
          <date when="1471-10-24">1471, Okt. 24.</date> In: <editor corresp="marcrelator:edt">
            <persName ref="http://d-nb.info/gnd/116984376">
              <forename>Karl</forename>
              <surname>Zeumer,</surname>
            </persName>
          </editor>

          <series>Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in
                        Mittelalter und Neuzeit 2. Aufl.</series> (<pubPlace corresp="marcrelator:pup">Tübingen</pubPlace>
          <date when="1913">1913</date>) <biblScope from="270" unit="page">270.</biblScope>
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    <encodingDesc>
      <editorialDecl>

        <p>Quelle: Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in
                    Mittelalter und Neuzeit / bearb. von Karl Zeumer. - 2., verm. Aufl. - Tübingen
                    (1913) <ref
            target="270">S. 270 ff.</ref> nach den Drucken in: <ref target="https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?db=dig&amp;darstellung=v&amp;index=buecher&amp;term=RAbsch.+I&amp;seite=g249">NS. d. RA. I, S. 249 ff.</ref> vgl. auch den älteren Druck bei Lünig,
                    Reichsarchiv IV (1720), 272 ff.</p>
      </editorialDecl>
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      <projectDesc>
        <p>Teil von <ref target="info:fedora/context:repat" type="context">repat</ref>
        </p>
        <p>Das Projekt archiviert die digitalen Quellen zur österreichischen und deutschen
                    Rechtsgeschichte in der Frühen Neuzeit, die Heino Speer seit 2007 gesammelt
                    hat.</p>
      </projectDesc>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
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      <langUsage>
        <language ident="de">Deutsch</language>
        <language ident="la">Latein</language>
      </langUsage>
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        <keywords>
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            <item>
              <term>
                <ref target="info:fedora/context:repat.quellen" type="context">Quellen</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
              <term type="territorium">
                <ref target="info:fedora/context:repat.reich" type="context">Heiliges Römisches Reich</ref>
              </term>
            </item>
            <item>
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                <date type="dcterms:temporal" when="1471">1471</date>
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    <front/>
    <body>
      <div xml:id="Vorrede">
        <head>[Vorrede]</head>
        <p>Wir <name
            type="person">Friedrich von Gots gnaden Romischer keiser</name> zu
                    allen zyten merer des reichs, zu Hungarn, Dalmatien, Croacien etc. könig, herzog
                    zu Oestereich und zu Steyr etc. <term
            type="phrase">sezen und ordenen</term>,
                    daß hinfür unser cammergericht besizen sollen ein cammerrichter mit einer
                    zimlichen zahl <term
            type="phrase">erbaren, redelichen, beysizenden
                        urteilern</term>, die verbunden seyn sollen, unsers cammergerichts
                    stetiglichs, wo wir zu zeiten im reich sein, oder cammergericht zu halten
                    befehlen, zu gewarten, oder das merer aus yn, und auf daß aller argwohn
                    vermieten werde, sollen dieselbigen, und wer hinfür zu <term type="phrase">cammerrichtern und urteilern</term> aufgenommen werden, diesen hernach
                    geschrieben eidt thun.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.1">
        <head>[§ 1] Der eyd des richters und beysizenden urteilern.</head>
        <p> Ich N. globe und swere, daß ich nach allen minen besten verstentniß und sinnen
                    recht urteilen und recht sprechen will, in sachen, so vor mir in dem
                    kammergericht gehandelt und fürgenommen werden, u. das nicht laßen umb vorcht,
                    gunst, lieb, gab oder versprechniß eincher gab oder anders; mein urteil auch zu
                    sprechende geverlich nicht verhalten oder verziehen, auch mit keiner partei, die
                    vor dem gerichte zu schaffen hat, einche fürrede haben, noch keiner parteyen
                    wider die andern hülf oder beystandt tun, noch ichtz von yne nemen oder in iren
                    sachen rathen, sunder alles geverde.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.2">
        <head>[§ 2] Gerichtschreibers eydt.</head>
        <p> Ich N. globe und swere, daß ich alle gerichthändel, vor mir in gericht gehandelt
                    und fürbracht, getrewlich und eigentlich aufschreiben will, und register, briefe
                    und urkund, so im gericht fürbracht und gelegt werden, bey dem gericht
                    getreulich halten, und keiner partei oder yemants von ihren wegen übergeben,
                    öfenen, leßen, hören oder abschrifft davon werden lassen, es würde denn zu
                    gescheen von richtern und urteilern erleubet.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.3">
        <head>[§ 3]</head>
        <p> Item, es soll kein <term
            type="phrase">fürsprech oder procurator</term>, das
                    wort in dem rechten zu thun, zugelaßen werden, es sey denn [daß er] zuvor von
                    unsern wegen zugelaßen, aufgenommen, und diesen hernach geschriben eidt gethan
                    habe. Deßgleichen soll auch nymants <term
            type="phrase">advocat seyn oder
                        advociren</term>, er seyn dann zuvor durch uns, oder wem wir das befehlen,
                    zu sollichem amt aufgenommen, auf daß <term
            type="phrase">redelich und gelerte
                        advocaten</term>, die den partein wißen zu rathen, aufgenommen werden, und
                    eher er zu solchem amt aufgenommen würdet, sol er <term type="phrase">globen und
                        sweren</term> den eyd, als hierunter von den advocaten geschriben ist.</p>
        <p> Es soll auch kein partei über einen geswornen <term
            type="phrase">advocaten oder
                        procurator</term> in einer sachen <term
            type="phrase">aufnemen oder
                        bestellen</term>, auf daß die ander partei auch möge <term
            type="phrase">advocaten und fürsprecher</term> bekommen, und daß darinnen kein
                    gefehrlichkeit gebraucht werden möge, soll kein <term
            type="phrase">advocat oder
                        procurator</term> eincher partei in ihrer sache raten, dieselbige partey,
                    die yn umb rath ersucht, wolle dann den <term
            type="phrase">advocaten oder
                        procurator</term> in den sachen zu <term type="phrase">advocaten oder zu
                        procurator</term> aufnemen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.4">
        <head>[§ 4] Der procurator-eydt.</head>
        <p> Ich N. <term
            type="phrase">globe und schwere</term>, daß ich den partein, der
                    sachen zu handlen als ich mich annymme, in denselben sachen mit ganzen und
                    rechten treuen meinen, und die <pb
            facs="https://archive.org/details/quellensammlungz01zeumuoft/page/271/mode/1up" n="271"
            xml:id="S.271"/> sachen in rechten nach mein besten verstentniß, der partein zu gut, <term
            type="phrase">fürbringen und handeln</term>, auch darinnen wißentlich
                    keinerley <term
            type="phrase">falsch und unrecht</term> gebrauchen, daß ich mit
                    derselben meiner parthien keinerley <term
            type="phrase">fürgedinge oder
                        fürwort</term> machen, darumb ich ein teil von der sachen, darumb die
                    parthie in recht steht, wartend sey, auch heimligkeit und behelf, so ich von
                    derselben parthey vernemen oder nach unterrichtung der sach von mir selbs
                    vermercken würde, der partheyen zu schaden wissentlich nymands offenbaren, darzu
                    auch die partein über den sold und lone, der mir im anfange des rechtens
                    versprochen were, nit <term
            type="phrase">meren oder gedingen, beschweren oder
                        erhöern</term> will; und oder <term
            type="phrase">des solds und des lohns
                        halben</term>, zwischen den partheien und mir <term
            type="phrase">irrung
                        oder spenne</term> entstünde, des will ich bleiben bey dem <term type="phrase">cammerrichter und urteilern</term>, oder wem der cammerrichter
                    das aus den urteilern bevelen würde, und wie sie mich darum entscheiden, wil ich
                    es darbey bleiben laßen und gnügig seyn, auch der sachen so ich angenommen hab,
                    on redelich ursach und des richters erleubunge mich nicht entslahen, sundern der
                    parthien zu gut getruwlich biß zu endunge des rechtens handeln, in diesen allen
                    geverde und argelist genzlich außgescheiden.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.5">
        <head>[§ 5] Der advocaten eydt.</head>
        <p> Ich N. <term
            type="phrase">globe und schwere</term>, daß ich in den sachen,
                    durch mich angenommen, dem rechten nach getreulich <term
            type="phrase">rathen
                        und handeln</term>, keinen <term
            type="phrase">falsch oder geverde</term>
                    darinen gebrauchen will, und die <term
            type="phrase">heimligkeit und gestalt der
                        sachen</term> meiner parthei zuwider mit geferde nymand offenbaren, auch mit
                    der partei sunder gedinge umb ein teil der heubtsumm zu haben nit <term
            type="phrase">machen oder annemen</term>, sunder mich <term
            type="phrase">zimlichs und redelichs</term> soldes benügen, und ob zwischen der parthei
                    und mir deßhalb irrung entstünde, nach erkentniß des <term type="phrase">cammerrichters und der beysizer</term>, die er zu ime nemen würdet,
                    entscheiden und auch dabey ungewiddert bleiben laßen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.6">
        <head>[§ 6]</head>

        <p> Item, auf daß armuts halben nymands rechtloß gelaßen werde, so soll der cammer
                    richter, so zu zeiten sein wird, die sachen der armen, die yr armut mit ihren
                    eyden, ob der gesonnen würde, erweisten, den <term type="phrase">advocaten oder
                        procuratorn</term> entpfehlen, darinne zu raten und zum besten in recht
                    fürzubringen.</p>
        <p> Und welchem <term
            type="phrase">advocaten oder procuratorn</term> solch sachen
                    von dem cammerrichter entpholen würde, sol <term
            type="phrase">schuldig und
                        pflichtig</term> sein, bei pene entsezung seins amts, die on wiederrede, wie
                    vorgemelt, anzunemen, doch so soll der cammerrichter, ob der sachen mer denn
                    eine würden, die gleich unter die <term type="phrase">advocaten und
                        procuratores</term> teilen, alles ungeverlich.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.7">
        <head>[§ 7]</head>
        <p> Ob auch ein <term type="phrase">fürst, grav, herre oder commun</term> ander
                        <term
            type="phrase">advocaten oder fürsprecher</term>, dann obgemelt, im
                    rechten <term type="phrase">zu rathen oder zu reden</term> nehmen wolten, oder
                    ob ymants im selbst sein wort im rechten thun wolt, solten sie macht haben, doch
                    auf eyde von denselben zu thun, so sich durch recht gebüren würde.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.8">
        <head>[§ 8] Was gerichtz boten sein, sollen diesen eid tun, und was sie also <term type="phrase">uf den eyd sagen und furbringen</term>, dem soll gestanden
                    werden.</head>
        <p> Ich N. globe und schwere, daß ich alle <term
            type="phrase">ladung, urteil,
                        proceß und gebotsbriefe</term>, so mir bevolhen werden, getreulich <term
            type="phrase">verkunden und überantworten</term> will, wohin mir das zu thun
                    bevolhen und sich geburen würdet, und des getreuliche relation zu yder zeit
                    thun, wo, wann und wem ich solchs thun soll, und darinn kein geverlichkeit
                    gebrauchen, noch um ymants willen laßen, auch nicht anders <term type="phrase">fürbringen noch referiren</term>, dann wie sich die dingk begeben haben,
                    sunder alles geverde.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.9">
        <head>[§ 9]</head>

        <p> Es sollen auch die bothen sich um ihren lohn von yder meyl zimlichen vernügen
                    laßen; würd aber darum zwischen yn und den parteien irrung, wie sie denn unser
                        <term
            type="phrase">cammerrichter und urteilere</term>, oder wem unser
                    cammerrichter das auß yn bevelhen <pb
            facs="https://archive.org/details/quellensammlungz01zeumuoft/page/272/mode/1up" n="272"
            xml:id="S.272"/> würde, darumb <term type="phrase">sezen und entscheiden</term>, dabey sollen
                    es beyde partheyen bleiben laßen und dem nachkommen.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.10">
        <head>[§ 10]</head>

        <p> Und daß sich ein jeder in sachen, so hinfüre in unserm cammergericht gehandelt
                    werden, zu halten wiße, <term
            type="phrase">sezen und ordenen wir</term>, so der
                    cläger auf den gesezten rechttagk nicht erschiene, auch kein ehehafft seiner
                    verhinderung, der zu recht gnug were, beybringen laßen würd, wann denn solch
                    sein <term
            type="phrase">außenblibunge und contumacia</term> beschicht, ehe der
                    antworter auf die clage geantwort und <term type="juridical">litem
                        contestiret</term> hette, so solt der antwerter von solchem gericht auf
                    daßelbig mahl entledigt werden und die gerichtskosten, so darauf gegangen weren,
                    erlangt haben.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.11">
        <head>[§ 11]</head>
        <p> Ob aber der antworter begerte, sich von der <term
            type="phrase">clage und
                        ansprach</term>, in der citation bestimt, oder von des clegers teil in recht
                    fürbracht mit recht zu entledigen, und <term
            type="phrase">sein unschult und
                        gerechtigkeit</term> fürbringen wolt und sich erbeut, solichs in recht zu
                    volfürn, so solt er in solchem erbieten also <term
            type="phrase">gehört und
                        zugelaßen werden</term>, und auf sein <term type="phrase">fürbringen und
                        kuntschafft</term> mit entlicher urteil gescheen, was recht were.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.12">
        <head>[§ 12]</head>
        <p> Ob aber der cleger, nachdem der antwerter auf sein clage geantwort und <term
            type="juridical">litem contestiret</term> hette, ungehorsam würde, so solt
                    der antwerter auf sein begeren von der clag, darinn er geladen wer, entledigt
                    werden und seinen gerichtzkosten behabt haben, es wer dann, daß der <term
            type="phrase">richter und die urteiler</term> auß dem <term
            type="phrase">fürbringen und gerichtzhandel</term> als kundschafften und anders den weg
                    abnemen möchten, was ynen in solchen <term type="phrase">zu erkennen und zu
                        urteilen</term> wer, dem solten sie alßo nachkommen, und um gerichtzkosten
                    gescheen, was sich in recht gebürt.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.13">
        <head>[§ 13]</head>
        <p> Würde aber der antwerter vor oder nach seiner antwort ungehorsam, so sollen
                        <term
            type="phrase">richter und urteiler</term> auf des clegers anruffen in
                    der sachen mit der verhörung alles fürbringens volnfaren und darauß biß zu
                    entlichen urteilen und andern <term type="phrase">processen und
                        executorial</term> procediren und dem cleger, so er das entlich urteil
                    behabt hette, den ungehorsamen angeclagten in gerichtzkosten urteilen; so aber
                    das urteil für den antwerter gesprochen würde, so solt umb gerichtzkosten auch
                    gescheen, alß sich in recht gepürt.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.14">
        <head>[§ 14]</head>

        <p> Und auf daß verlengerunge, die die parthei, so geappellirt hat, biß her durch
                    den schein ihrer appellation oft gesucht haben, hinfür vermiden werden; so <term
            type="phrase">orden und sezen</term> wir, daß die parthei, wider die also
                    appellirt wurde, die dann <term
            type="juridical">pars appellata</term> heißet,
                    nu fürter nicht schuldig sey, das jare auswarten, das dann den, die appelliren,
                    zu volfürunge derselben ihrer appellation im rechten zugeben ist, sundern sie
                    mögen nach verlaufen sechs monaten von der zeit der appellation vor unserm
                    gericht erscheinen, instrument solcher appellation und der verkündigung
                    fürbringen, darauf ladung erlangen und die <term type="juridical">appellation
                        prosequiren</term>.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.15">
        <head>[§ 15]</head>
        <p> Auf daß auch durch vermischung der reden die sachen nicht verhindert noch den
                        <term
            type="phrase">richter und urteilern</term> unverständig gemacht
                    werden, so wollen wir, daß, so ein sach in dem gericht fürgewand wird, daß kein
                    ander sach, dieweil die partheien gegen einander durch sich oder ire anwelde
                    reden, fürgenommen werden, biß die sach nach notdurft <term type="phrase">verhört und zu recht gesatzt</term> oder auf den stand bracht wer, das
                    recht alsdann erfordert.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.16">
        <head>[§ 16]</head>
        <p> Es were dann, daß einicher parthein ein zeit zu bedencken gegönnet würde, also
                    daß man do zwischen en ein andere sache verhören möcht, oder daß eincher
                    parthien beybrengung zu geteilet würde, als denn solt man ein ander sache
                    verhören, wie obgemelt ist. Wer sich auch dawider sezt und anders hilt, der solt
                    unserm fiscal mit zehen gulden an unser statt zu bezahlen verfallen sein, und
                    doch nit anders, wie obgemelt, verhöret werden. </p>
      </div>
      <div xml:id="NA.17">
        <head>[§ 17]</head>
        <p> Item, alß im anfang gemeldet ist, unser cammergericht mit <term type="phrase">cammerrichter und urteilern</term> besezt werden soll, die desselbigen
                    gerichts zu warten verpunden sein sollen, auch eyde darüber thun, wie obgemelt
                    ist.</p>
      </div>
      <div xml:id="NA.18">
        <head>[§ 18]</head>
        <p> Auf daß dann wir dester trefflicher person daran zu setzen gehaben mögen, <pb
            facs="https://archive.org/details/quellensammlungz01zeumuoft/page/273/mode/1up" n="273"
            xml:id="S.273"/> die auch darum, als billig ist, yren sold haben sollen, so sezen wir, daß ein
                    yder cleger, in anfange des rechtens, von ydem hundert gulden, alß hoch sich
                    sein ansprach trifft, zween gülden geben soll, das dann unser vorfarn, Röm.
                        <term
            type="phrase">keißer und könige</term>, <term
            type="juridical">sportulas</term> genannt haben, davon dem <term
            type="phrase">richter und
                        den urteilern</term> iren sold zu bezalen und aus zurichten, doch also, ob
                    ein sach sich ob tausend gülden haben würde, so sollt von dem übrigen biß auf
                    zwey tausend gülden, ye von hundert gülden, ein gülden gegeben werden. So aber
                    die summ über zwey tausend gulden treffe, von dem übrigen ye von hundert gülden
                    ein halber gülden bezahlet werden, und solich geld, <term type="juridical">sportulae</term> gericht genannt, soll die parthey, die in die costen nach
                    der entlichen urteil geteilet wirdet, der behaltenden partey widergeben und
                    ausrichten.</p>
      </div>
      <div xml:id="Promulgatio">
        <head>[Promulgatio]</head>
        <p> Geben und öfentlich verkündigt zu Wien, auf den <date when="1471-10-24">24. tagk
                        des monats octobris, nach Cristi geburde vierzehenhundert und in dem ein und
                        siebenzigsten</date>, unser reich, des Römischen im zwey und drißigsten, des
                    keiserthums im zwenzigsten, und des Hungerischen im dreyzehenden jaren.</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
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