Ferdinand
Bischoff,
(Hg.)
Das ist der lanndlauf von Steyr der gewondlichen recht, die man täglichen
wanndelt. In: Steiermärkisches Landrecht des Mittelalters. (
Graz
1875) 75-175
Transkribiert wurde der reine Text aus der Ausgabe von Bischoff. Auf die Übertragung der inhaltlich wertvollen Anmerkungen wurde
verzichtet, um einen leicht lesbaren Text herzustellen. Im Interesse der Volltextrecherche
über Suchmaschinen wurden Vokale mit übergeschriebenem Circumflex ohne das diakritische
Zeichen transkribiert, vor allem, da Bischoff die unterschiedlich verwendeten
diakritischen Vokale auch um der besseren Lesbarkeit willen vereinheitlicht hat (Bischoff S. 67).
Wan ainer fürpot gesambt hat vmb ain gwalt und zeucht er den gwalt enen selber, der den
gwalt than hat, so muess der fürpot sagen, das der clager vm den gwalt an den antwurter
zeucht. Vergäss der clager des, das er im das fürpot nit schrib, das er den gwalt an den
antwurter zug, so mocht der clager den antwurter nicht geaidingen.
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Wer also nicht lat vmb gwalt, so muess der clager hinz dem antwurter bewären, vnd der
clager ist selbdritt. Die muessen iedlicher ainen aydt schwören vnd nach dem aydt sein
gewissen sagen. Empfelt der dreyer ainer, so mag der clager nit verrer ziechen vnd ist der
antwurter entbrosten.
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Wann der antwurter engegen ist, so zeucht der clager wol an im selb vmb ain gwalt. Ist er
nit entgegen, so mag er in nit geaydingen, es sag dann sein fürpot, so aydigt er in wol,
er sei entgegen oder nicht.
Wann ainer clagt sein driten tag in hofftäding vnd ist der antwurter entgegen, so muess
der clager den zeugbrief haissen lössen, der im des andern hoftaidings gegeben ist, das
der antwurter hört, was man hinz im spricht. vnd antwurt der antwurter doch nuer als sein
fürpot fordert, vnd muess der clager alle tag zeugbrief nemen.
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Wann der clager dem antwurter ain gelt anbehabt mit recht, so geit der richter dem clager
prüef oder poten, die dem clager benennent, auf wew der clager weist, des in des gerichts
pot gewaltig macht. So das ist, das der clager pfand hat, so muess der clager dieselben
pfand für gericht tragen vnd muess fragen, wie er mit dem pfand farn soll. Was dem clager
dann ertailt wird, da muess der clager aber des gerichts brief vber nemen vnd muess der
prüef sagen, was ime des tages ertailt wurd. Dieselben prüef die haissen prüef, die man
geit vber die gueter, die für gericht getragen seindt.
Wann ainer fragt vmb ain gemain vrtail, was nun dem ertailt wird, da niembt er auch des
gerichts prüef vmb; dieselben prüef haissen prüef, die man vber gemain vrtail geitt.
Vierlay. Die ersten prüef haissen fürpotbrief, die andern brüef haissen zeugbrüef, die
dritten haissen
| Seite 81| prüef vber furgetragene gueter, die vierten
haissen prüef vber gemain vrtail. Die vierlai prüef geit die schrann zu Grätz von dem
hofftäding.
Darzue gehören auch ander prüef, geschäftbrief, spruchbrief, vrtailbrüef von landvolckh.
Wer die brüef recht fertigen kann, vnd wol in nimbt vnd recht versteet, der füegt wol der
schrann da zu Grätz; wann sy geit die prüef vnd hat ieder brüef sein sonder recht.
Wann ainer ainem andern ain vrtail für das recht traid, so muess der dy vrtail fürtraid
des andern prüef haben, der die vrtail bei im gesambt hat, vnd muess der prüef sagen, das
der man dy vrtail fürtrag mit vollem gewaldt in allem dem rechten, sam ener selbs da wär.
Ist die vrtail ienem geuallen, der
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verlorn, des ist er vnentgolten, der dy vrtail enem für hat getragen, wiewol der prüef
sagt, er ste zu uerlust vnd zu gewin; es get alles auf enen, der ir gedingt hat zu schaden
oder zu frum.
Was ainer dem andern nimbt an recht, das zeucht der clager wol an den antwurter selbs
dritt. Empfellt der dreier ainer, so ist der antwurter emprosten. Vordert der clager den
antwurter nit mit dem fürpott mit recht, so mag er in nicht aidingen.
Wann ainer den andern anspricht vmb ain gelub, vnd das der clager hinz dem antwurter
bewärn will, so mag vmb die gelub niemant zeug sein, denn die dabei gewessen sein.
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Wess sich der man vermisst zu bereden, das muessen die zeugen sagen, als es der vorsprech
dargelegt hat. Sagens ains worts minder, so sind sy des nicht gestandten.
Wer ain vrtail gedingt, all die weil sich dy vrtail nicht verganngen hat zu verlust oder
zu gewin, so mag der man, der dy vrtail gedingt, kainer andern gedingen vnd ledig
sein.
Wer auf ain weissung tädingt, da soll der clager albeg weisen lassen; wann der antwurter
begert der weissung vnd nicht der klager. Davon muess der clager weissen.
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Nimbt ain mensch ain schaden, den im ain ander mensch widerkehren soll, ist es ain
iudenschaden, den er genomen hat, so muess er bewären, der denselben schaden genomen hat,
mit ainem iuden vnd mit ainem kristen, ob man sein sonst nicht gelauben will.
Nimbt ainer schaden mit laissten oder mit zehrung oder wie der schad genannt ist, das
nicht iudenschaden ist, das bewärt ain kristen hinz dem andern mit zwain khristen.
Wittiben vnd khinder hinder zwelf iahrn, vnd narren, wie alt die sünd, vnd pfaffen vnd
all geistlich leuth, es sein frauen oder man, der soll ain iegklichs ainen steurer haben
vor dem gericht zu seinem vorsprechen, es clag oder antwurt.
Was ainem menschen anerstirbt, ez sei aigen oder lehen, perkchrecht oder varund gut, das
schol der mensch, dem ez anerstarben ist, nachsprechen ynner iars vrist, oder ez verieret
sich.
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Ez schullen alle wittiben aysch haben nach irs manns tod vmb wew mans anspricht. Hat si
aber selben icht gelobt pey des mannes lebentigem leib, oder hat si hernach icht gelubt,
vmb wew si gelobt hat selben, da mag si nicht aysch vmb haben.
Wer sich fürbots ausreden wil vnd gicht, im sey nicht fürgeboten, der schol dez ainen aid
schweren, daz im daz fürbot ze haws vnd ze hof nicht komen sey.
Ez sullen all vrtail, vmb welleich sach man dingt, in achtagen werden furgelegt; in
virczechen tagen schol mans verantwurten. Dingt man ir aber aus dem land, so schol mans in
| Seite 95| virczechen tagen furlegen, in sechs wochen verantwurten.
Spricht ain man den andern an vmb ain erb vnd enprist der antwurter dem chlager mit
recht, der antwurter mag dem chlager nicht zugesprechen vmb den schaden, den der antwurter
genomen hat mit zerung.
Wann man ruft vor der schrann, das nymant stewr auf dez andern schaden, wer aftendez
aufhabt oder dirtailt vngefragt, der schol dem richter püzzen vnd ainem seinen schaden
ablegen.
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Wer ainem zewgen pewt, da er mit bewären wil, den chan nymant vertreiben, an allein mit
ainem anlangen vertreibt man dem chlager seinen zewgen vnd stelt der antwurter seinen
zewgen dar, oder er zewcht ez an in selber.
Nimpt ain mensch ain vorsprechen vnd sawmpt der vorsprech das mensch, ez nympt im mit
recht ainen andern. Waz der erst vorsprech vertaidingt hat, das mag der lest herwider
nicht pringen.
Ez mus ain jgleich mensch antwurten auf den dritten tag; so soll der antwurter fragen, ob
man in pilleich weisen sull in daz erb. Daz muz man tun; damit lengt man die täg.
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Wann ainer chlait dacz Grecz den ersten tag, so nympt er sein fürbot vnd ain zewgbrief,
die sullen geleich sagen, vnd ladet ainen zeuerantwurten vber virczechen tag; so hat der
antwurter zeit genug vber vir wochen, ob er wil.
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Wann der chlager seinen andern tag chlait, so pitet er newr gerichts, als sein zewgbrief
sait; also tut er auch auf den dritten tag. Sagent die zewgbrief nicht geleich, so hat der
chlager sein teg verlorn; der antwurter ist darumb nicht gar ledig.
Ez let der vorsprech den ersten tag mit worten für dez chlager recht; wie die ligent, so
wirt dem chlager sein furbot vnd sein zewgbrief ertailt vnd gegeben. Aftendez den andern
tag vnd den dritten pit der chlager newr gerichts, als sein zewgbrief sagent, vnd muz doch
zu allen tagen zewgbrief nemen.
Ez haissent all lewt waisen, wie alt sew sind, die nicht vater vnd muter habent; darumb
mugen sew nicht weiser gehaben, sie wären dann hinder zwelf iarn.
Wann man vrtail dingt, die schol man schreiben aus payder vorsprechen mund. Helnt die
nicht geleich, so sol der richter, da der vrtail vor gedingt ist, drey oder fünf zu der
vrtail schaffen, die dez tags vor gericht gewesen sind. Wem die merer volig gicht von den
funffen, also sol man die vrtail schreibn.
| Seite 104|
Wann ain man sein teg envollen bewärt mit briefen oder mit lewten, vnd ist der antwurter
nicht enkegen, so geit der richter dem chlagen brief oder poten, daz der antwurter
| Seite 106| weren sol; ist aber der antwurter enkegen, so gert er wol
weisung oder er dingt ainer vrtail.
Wann ain man ain aigen oder ain lehen verantwurt, mag der antwurter bewären, das ers jar
vnd tag ynne hab gehabt vnuersprochen, so verantwurt es der antwurter nyndert dann im
lanttayding, an der dienstherrn aigen, daz mag nicht in das lanttaiding, ob der chlager im
jare im land gewesen ist.
Ez ist selten ain mensch ez reit oder get aus aim land in das ander. Wolt der chlager
darumb sprechen, er wär ausserthalb dez lannds gewesen, ez muzz der chlager bewärn, daz er
in der zeit in das land nye chomen sei.
| Seite 107|
Wann man ainer vrtail dingt, die schol man schreiben fur den tag, vnd man ir gedingt hat,
vnd sullen payd vorsprechen den tag nennen vnd auch nemen. Man möchtz auch dez tags wol
tun, ob ez des chlager vnd dez antwurter wil war. Ist aber der ain vorsprech ain gast, daz
er pey der schrann nicht gesessen ist, so schol man die vrtail dez tags schreiben; wann
der gast leg vnpylleich da und zeret darauf.
| Seite 108|
Ain junkchfraw verczeicht sich irs erbtails mit recht nyndert alswo dann, wann si chumpt
zu irm aigen prot; sey möcht der vater nötten oder der pruder, wez er wolt, dieweil si ir
gewaltig sind. Recht also ist vmb ainen chnaben, dieweil er sein selbs vngewaltig ist; in
möcht vater vnd muter nötten, wez sew wolten, dieweil er junkch vnd chrankch ist.
Wann ain mensch dem andern zuspricht vmb wew daz ist, hat sich daz verieret in des
| Seite 109| antwurter gewalt, so verantwurt ers im lanttayding, an der
dinstherrn aigen; das mag nicht in das lanttaiding.
Wann ainer dem andern enprist mit recht, so mag der antwurter dem chlager nicht
zusprechen desselben tags, noch der chlager dem antwurter, er mus in ee mit furbot
laden.
Spricht ain mensch das ander an vmb ain anerstorbens erb, ez sey purkchrecht lehen oder
aygen, vnd spricht der antwurter, ich han das erb ynne gehabt, ist ez ain aigen dreissig
jar vnd ain tag, ist ez ain lehen zwelf jar vnd ain tag, ist ez ain purkchrecht ain jar
vnd ain tag, spricht der antwurter, ich hab daz erb ynne gehabt, als dauor geschriben stet
vnd wil das bewären mit guter gewissen als recht ist; so spricht der chlager, ich waz
dannoch zu der
| Seite 110| zeit zu meinen tegen nicht chomen, daz ich
recht gesuchen mocht, das wil ich bewären als recht ist; oder der chlager spricht, ich hab
gut brief vber daz erb, nach welhem erib er spricht vnder den drein, vnd haisset die brief
lesen die sind gut genug; so spricht der antwurter, dez chlagers brief wären gut genug,
hiet er sew zu rechter zeit furgetragen; so spricht der chlager, ich pin meiner brief
vngewaltig gewesen, daz wil ich bewären; daz hilft dem chlager als nicht. Do er ain chind
waz, da solten in sein frewnd oder sein nachtpawrn für gericht haben gefürt vnd solten den
antwurter geladen haben mit furbot, vnd solten dem chind ain vorsprechen geuodert haben:
so hiet das chind darnach gesprochen mit recht, so mocht der antwurter nicht bewären, daz
er ez vnuersprochen hiet ynne gehabt. Hat dem chlager sein brief ymant vor gehabt, da
sprech dem zu, der im sein brief vor hab gehabt; dez ist der antwurter gar vnengolten. Mag
der antwurter bewärn, daz er die güter hab ynnegehabt vnuersprochen, als vor geschriben
stet, dez genewst er an seinen rechten, ob die weil der chlager im land ist gewesen.
| Seite 111|
Spricht ain man den andern an vnd enprist der antwurter dem chlager vnd spricht der
| Seite 112|> chlager zu dem andern mal vmb die ersten recht, da der
antwurter ee vmb enprosten ist, so spricht der antwurter, ich pin vmb die chlag ee mit
recht enprosten, daz wil ich bewären: so spricht der chlager, dez pin ich an lawgen; er
ist mir ee mit recht enprosten, vnd hat mich der taiding begeben, vnd hat mich von erst
haissen chlagen; daz wil ich bewärn. Das mag nicht gesein. Mag der antwurter bewärn, daz
er ee mit recht enprosten ist, der genewst dez an seinen rechten.
Wann ainem ain fürpot chumpt von aim dienstherrn, wann daz furbot zwelf wochen alt
wirdet, an dem tag (so) schol der mit recht antwurten, dem daz fürbot chomen ist; wann
dann der dritte tag ist. Er mag auch wol antwurten, wann daz furbot sechs wochen alt ist,
ob er wil antwurten. Chumpt er aber nicht auf den dritten tag, so ertailt man daz gut in
vron gewalt dem herrn, da ez von ze lehen ist; so sol ez der antwurter losen aus
vrongewalt als recht ist.
| Seite 114|
Wann man chriegt vmb veld oder vmb holz, ist sein fünf tagwerch oder min, so sagent wol
pawrn darumb mit recht; ist sein aber mer, so müzzen edel lewt darumb sagen. Ist ez lehen,
so sagent lehenmessig darumb.
Ez mag dhainis dinstherrn aigenman sagen vmb ain aigen vom lant, ob ez von dem herczogen
ze lehen ist, da sullen dez herczogen
| Seite 115| lantlewt vmb sagen. Vnd
vmb allez das, das vonn fursten ze lehen ist, ez sey pischof abt oder abtessynn, da sullen
die der fursten vmb sagen.
Ain inwert aigen, daz zu ains dinstherren herschaft gehört, daz mag seiner aigen man
ainer dem andern wol geben, daz sew dez herren hant nicht bedurffen, der ez da chawft vnd
der ez da hin geit, die in der herschaft siczent. Chawft daz aigen ain man, der zu dem
land gehort, der muzz ez emphachen von dem dinstherren.
| Seite 117|
Spricht ains herrn aigen man ainer den andern an, ez mus der antwurter bewären, daz er
daz aigen hab gehabt dreissig jar vnd ain tag vnuersprochcn. Ist ez aber ain lantman, der
ain soleich aigen verantwurten sol, der bewärt, daz er ez zwelf jar vnd ain tag
vnuersprochen hab gehabt.
Ain jsleich dinstherr der soleich aigen hat, der richt wol darumb; aber vmb ain aigen vom
lant mag nymant gerichten, denn der herczog oder der hawbtman von dem land.
| Seite 118|
Ez sullen alle phant verseczt werden mit herren hant, oder mit richter oder mit
pergmaister hant. Man sol auch alle chawfte lehen machen mit der herren hant. Man sol alle
aigen machen mit der erben hant, oder ez hat nicht chraft.
| Seite 119|
Vnd stirbt ain mensch an erben, waz da verlehents guts let, daz wirt dem herrn ledig, da
ez von ze lehen ist; hat ez aigen oder varund gut, daz geuelt auf seinen rechten herren,
wer der ist.
| Seite 120|
Wer ain mul mit getraid dint, der wert wol mit getraid, daz im ze mawt wirt auf der mul
an geuerd also, daz der mullner gut getrayd vnd pözz in ayn mautschrein schut vnd geit daz
seinem herrn. Wolt der mullner daz pest sunder schüten vnd wolt seinem herrn mit dem posen
weren, daz wär nicht recht. Also ist vmb pergrecht. Wer ain weingarten dint, der schol
seinem herren den vorlas geben; er schol in nicht aus den tresten weren, vnd schol den
most nicht in ain smekchnts assech giessen, vnd schol den most gen hof antwurten also
süssen, so er aller schirist mag. Er sol auch seinen herren weren aus dem weingarten, den
er im dint; wurd ez aber in dem weingart nicht, so mus er alswo chawfen.
| Seite 121|
Ez gewert ain ysleich man auf sand Gorgen tag mit gutem wein seinen pergmaister. Richtet
er aber nicht auf sand Gorgen tag, spricht im der herr zu in achtagen, so chumpt der pawr
vmb sechczig phennig, den andern tag aber vmb sechczig phennig, den dritten tag auch vmb
sechczig; das ist sechs Schilling. So mag das jar nymmer darauf gen. Als vil wandel get
auf ain pergphennig, oder auf ain perghelbling, vnd zu denselben tegen in allen den
rechten, sam auf den wein.
Ez sol ain jsleich man vmb sein perkchrecht phennten oder vmb sein wanndel auf den
pergen,
| Seite 122| nach dem pergtaiding; vber sechs wochen habent sich
die recht alle vergangen.
Hat ain man ain marichfuter auf ains andern manns gut vnd ist daz aigen chrankch, daz es
die nucz nicht getragen mag an geuer, hengt der her ain zins, so schol auch ener hengen
ain marichfuter; let der herr halben zins, er sol halbs marichfuter lassen; let er min
oder mer, das sol ener auch tun.
| Seite 123|
Wann ain edelman den andern anspricht vmb ain gut, daz von aim dinstherren ze lehen ist,
so seczt der dinstherr wol ain an sein stat; der richter muz aber selb an dem dritten tag
siczen vmb sein aigen.
Chawft ain edel man ain aygen von ainem dinstherrn, daz ain ander edel man von im ze
lehen hat, daz mag nicht sein. Ez leicht ain edelman nur zu seinem leben.
Spricht ain dinstherr ainen an vmb daz gut, das von im ze lehen ist, so geit der
dinstherr seinem verlehenten man wol teg auf sein aigen in dem land, an welhes ort er wil
oder mag; er mag im in ain ander land nicht teg geben oder tegen auf ain aigen.
| Seite 125|
Hat ain edel man ain marichfuter auf ains andern mannes gut, vnd wirt daz aigen öd vnd
wirt hinach gestift, vnd wolt der man daz futer gar vodern, daz im die weil versessen ist,
daz mag nicht gesein. All die weil daz aigen dem rechten herren zins nicht geben mag, so
mag auch ener sein marichfuter nicht geuodern mit recht.
Darumb haist man inwert aygen, wann ez aus der herschaft verseczt oder verchawft wird, so
müssen ez ausserlewt emphahen; dez bedurffen dez herren aigen lewt nicht, die in der
herschaft siczent.
Wann ain man ain gut verseczt an herren hant, so sol der herr enem empieten, daz er ez
los in sechs wochen. Geschäch dez nicht, so zewcht ez der herr in sein gewalt an nucz vnd
an gwer.
Ez habent oft die herren aigen gut, da ir richter vber ain schedleichen menschen die fünf
| Seite 127| hörent vnd der den pan hat nur die zwen Dennoch mugen die
richter, die die funf hörnt nicht gerichten vber menschen plut.
Ez nympt nyemant ain phunt vnd ain phennig für ain totslag, er habe dann den pan. Der
phennig, den man geit zu dem pfunt, der haist der plutig phennig. Ob er den nicht mit
recht nympt, der mag auch nicht mit recht richten vber menschenplut.
| Seite 128|
| Seite 129|
Wann ain pawr ainem herren entrinnet, waz er guts fürt treibt oder trait, wer ims nympt
auf ainer strassen, die weil er fluchtig ist, des ist ez. Chumpt der pawr vnd daz gut in
ain stat oder in ain dorf, vnd chumpt der herr hinnach, dez der hold vnd daz gut ist, der
bestetigt seinen holden vnd das gut.
Wer purgel wirt vnd stirbt der man, dem er gelobt hat, er sol sein chind wern, der purgel
gewesen ist. Stirbt aber der purgel, seine chind sind nyemant nichts schuldig.
Wann ain man purgel seczt, so hat man an in nichts ze vodern, er hab dann zu dem purgel
| Seite 130| gelobt. Sterbent die purgel, so geuelt ez auf den man
hinwider.
Werdent lewt purgl vnuerschaidenleich vnd vodert man daz gelt alles an ainen, der gert
seinen tail, ez ge dann dem andern ab; so muz er ez alles geben.
Hat ain man ain lehen zwelf jar vnd ain tag vnuersprochen in nucz vnd in gwer, ain
| Seite 132| aigen dreissig jar vnd ain tag in nucz vnd in gwer; hat ain man
ain purkchrecht oder ain pawr erb jar vnd tag in nucz vnd in gwer, der dreyerlai erb
ysleichs als lang in nucz vnd in gwer als da geschriben stet, wer daz bewären mag auf die
gwer, der genewst dez an seinen rechten, ob en die darnach chlagen, die weil ynner lands
gewesen sind. Sind sew aber ausser lands gewesen, wie lang daz ist, so mugen sew wol mit
recht darnach sprechen.
Wann man chlait vmb weingarten, vor wem man chlait, wann man vrtail dingt, so sol man
aller vrtail, die man vmb weingart dingt, fur dez herczogen cheller dingen.
Wer seinem vater, seiner muter, seinen geschwistreten, sein chinden ain purkrecht
aufgeit, der bedarf dez richters hant nicht, ob sew in ainer stat siczent.
Wann ain mensch ain rug phenig geit ainem richter vnd melt seine recht auf aim erb, daz
schol zehant vorsprechen nemen vnd chlagen als recht ist, oder ez hilft der rugphenig vnd
die meldung nichts nicht.
| Seite 137|
| Seite 138|
Wen man bechlait, er hat mir daz genomen oder getan an recht, dacz richtent all richter
vnd herren hincz den irn. Man mag ez wol auch an in selb cziechen vmb ain anrecht.
| Seite 139|
Der leitchawf trinkcht, oder die pey gescheft sind, wann die lewt sterben wellen ee, wann
daz man zu geding chumpt, da man in mit ermanen schol, die sagent all pey vron recht.
Der ain zewgen pewt oder an ainen selben zewcht, der hat zeit genug an dem dritten tag,
daz er den zewgen pewt oder an in selben zewcht; die ersten zwen teg sol er newr gerichts
piten vnd sol horn, wie man im antwort. Das ist also, ob der antwurter an dem tag oder an
dem andern nicht antwurten wil.
Ez mag nyemant zewg sein, der tail an dem gut hat, da er zewg vmb sein sol, vnd die mit
emphangen habent, oder dem man myet gelobt hat, oder wer sein recht nicht wol behüt hat,
die mugen alle nicht zewgen gesein. Wil man sein in nicht gelawben, ez muz ir jsleicher
sunderleich ain ayd sweren, daz er nicht tail an dem gut hab vnd chain myet nicht gegeben
sey noch gelobt.
Ez gilt ain chind für seinen vater oder fur sein muter nicht, ez besicz dann ir erb; von
sein selbs erarbeitem gut ist ez nyemant nichts schuldig ze geben.
Ain leitkeb oder ain gastgeb, seczt man dem phant in ainer stat oder in ainem markcht,
die mugen wol nemen; seczent ins aber hantwercher,
| Seite 143| sneyder
schuster weber, wie die hantwercher genant sind, die mugen nicht tewrer geseczen, denn fur
daz lon, das sew verdient habent.
Ain gut daz ze fürczicht getailt wirdet, daz mag ain mensch geben, wem ez wil, ez sey
seinen geschwistreyden lieb oder laid. Dauon sol der eltist lehen tragen vnd sol den
jüngisten geswistreten ygleichem seinen tail raichen von allem gut an geuer; si schullen
auch nicht vinger zaigen; si schullen auf allem irm gut schaden vnd frum miteinander
tragen; so mag ez den herren nicht ledig werden.
Wann ayne chlait, si sey notzogt, die sol dez ersten für gericht, let si ez vbernechtig
| Seite 145| werden, ob si vngefangen ist, so sol man ir nicht richten,
ir sey dann daz gericht so verer, daz sis ains tags nicht erlangen mag, oder ob sey ehaft
not irret; daz sol si war machen als recht ist.
Wer ainem richter ain mawt hinfurt, chumpt er aus seinem gericht, er ist im nichts
schuldig; begreift er in aber in seinem gericht, er
| Seite 146| hat das
verlorn, daz er fürt. Also ist vmb panholcz vmb gehait wisen. Begreift man jn aber nicht
in panholcz vnd in gehaiten wisen, so mag man in nicht gephennden.
Pewt man ainen menschen fur, den ain ander mensch verantwurten wil, die müzzen payd fur
gericht, vnd mus der mensch fragen, ob er enen mit recht verantwurt. Wirt ez im ertailt,
so verantwurt er in mit recht.
Wer nicht ze gelten hat, wann man im ain geld anbehabt, der muz des ain ayd sweren, waz
er guts gewinet, oder wie in sein got berat, daz er mit dem dritten phennig gelt; mit den
zwain sol er sich neren.
Wann man ain sach bewären sol mit ayden, wann mans zewcht an ain richter oder an seinen
fronpoten, so mag mans afftendez nicht vercziechen, si gelten oder nicht. Dauon sol man
sew sparen auf daz lest, vncz daz man nymmer zewgen hat.
Ain jsleich schedleich man, vmb welherlay posshait er geuangen stet vor gericht, der hat
drey sprach vnd nicht mer, ob er in panten in der schrann stet.
| Seite 149|
Wann man ain witiben bechlait vor ainem rechten vmb gült, vnd nympt die witib ain man, so
mag der richter nymmer hincz ir gerichten vmb varund gut; ez sol ir man richten. Ez mus
aber ir man richten auf die ersten teg.
Widerpewt ain man dem anderm seim leib vnd seim gut, vnd widervert dem man icht an seinem
leib oder guet, dem da widerpoten ist, vnd wirdet ener hinnach gefangen, der da widerpoten
hat, vnd mag der man, dem der schad wideruarn ist, bewärn, daz im der schad von im
widerfarn ist, oder von im genomen hab, so mus der geuangen leiden.
Wil der man das leibgeding hingeben, der ez da ynne hat, so sol ers den rechten erben
anuailen. So sullen gemein lewt, das piderlewt sind, daz leibgeding schäczen; wie ez die
schäczent nach irn trewn, so sol man dem, der
| Seite 153| das leibgeding
ynne hat, daz drittail geben; die zway tail pleibent den erben.
Wer auf ain vreiung chumpt in veintschaft vmb erber sach, der hat pilleich vreiung; tut
er aber scheden ab der vreiung, so hat er nicht vreiung.
| Seite 154|
Ee daz geswistrayd miteinander tailent, waz ir ains scheden nympt, daz muzzen die andern
mit im tragen. Gewint ir ains icht, daz mus ez mit den andern tailen.
| Seite 155|
Ez sol ain ysleich man auf sand Gorgen tag sein pey dem perkchtaiding, oder ainer an
seiner stat, vnd sol horn, ob in yemant ichts zeich. Man gepewt nyemant fur im
perkchtaiding.
Ain richter mag hincz ainem andern richter wol bewärn in aim andern gericht, da er nicht
richter ist. In dem gericht, da er richter ist, mag er hincz nyemant bewären.
Wer mit recht in furban chumpt vnd darynne stet sechs wochen vnd ain tag, den pringt man
mit recht ains tags in die echt; man mus aber bewären, daz er ee mit recht in den furban
chomen ist vnd darynn gestanden ist sechs wochen vnd mer.
Wer mit recht in die echt chumpt vnd sich derselb echter bericht mit seinen veinden vnd
mit dem gericht, der mus drei stund fur gericht vnd mus in der schrann sein ee daz der
richter siczt, vnd getor nicht auschomen, vncz daz der richter aufstet, vnd mus seinn leib
vnd sein gut die drey teg ze recht gepieten. Chumpt dann nymant, der hincz im spricht, so
sol im der richter ain landfrid gepieten.
| Seite 157|
| Seite 158|
Slachent zwen oder drey ainen ze tod oder wie vil ir ist vnd werdent darumb flüchtig,
zewcht sich den todslag ainer an vnd enpewtet hinwider, da der todslag geschechen ist, dem
richter, er hab den todslag getan, die poten sullen pider lewt sein. So sol der richter
den poten nicht gelawben; si sullen zwen ayd sweren in der schrann, daz sich der den
todslag angeczogen hab. Wann daz geschicht, choment die andern, die pey dem todslag
gewesen sind vngetwungenleich vnd an purgel fur gericht, si mugen sich wol ausgereden mit
recht; lassent sew aber hincz in chlagen, daz sew an die echt choment, so mag sich chainer
bereden.
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In welhem gericht man ainen in furban oder in die echt pringt, in dem gericht mus man in
auch in die echt pringen. Man mus in auch in dem gericht aus der echt lassen, ob er huld
gewinet.
Ez mag chain echter, oder ainer der in furban ist, nyndert müzzig werden, dann in der
| Seite 161| schrann, da er in die echt oder in furban chomen ist, ob er
halt der veint huld gewint vnd dez gerichts.
Wann man ain verstolens gut aneuengt vnd daz bestetigen wil, daz sol geschechen vor
gericht. So sol man in paiden vorsprechen geben,
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bestetigen wil vnd der es verantwurt. So sol man den fragen, dem das gut verstoln ist, wie
lang daz sei, daz im das gut verstoln sey. Vnd sol auch den fragen, der das gut
verantwurt, wie lang dez sey, das er daz gut gechawft hat. Daz sullen alles die
vorsprechen fragen, daz sich ain mensch nicht svndt mit bestätigen. Doch ist gewonhait in
dem land, daz ainer bestetigt selb dritter, oder ainer mit drein ayden.
Wann ain dewp die hanthaft auf dem hals hat, so bedarf man der zewgen nicht, die dem diep
die er nement; wann die hanthaft, die im auf dem hals leit, benympt im die er.
Werdet ain gut verstoln oder gestrasrawbt vnd werdent. die dewp flüchtig, wer den dewpen
nacheilt, nympt er in die dewf in dem land, da die dewpt gestoln oder gestrasrawbt habnt,
so
| Seite 163| ist das gut, daz die dewp gestoln habnt, daz drittail der,
die den dewpen nachgeeylt habnt, vnd die zway tail dez, der ez vorlorn hat. Nympt man ins
aber in aim andern lant, so sind die zway tail der, die den dewpen nachgeeylt habnt, vnd
das drittail ens. der ez verlorn hat.
Wann man ain dewp bestetigt, ist das ros oder rinder, das perhaftes viech ist, so sol man
dem richter geben ye von dem hawp zwayer minner funfczig phenig. Ist ez aber nicht
perhafts viech, so geit man vir vnd zwainczig von dem hawp. Ist ez gesnitens gewand, daz
die lewt an tragent, so geit man ye von dem pusen czwelf phening. Ist ez aber ander gut,
daz nicht gewant oder viech ist, daz sullen zwen piderman schäczen; wie ez die schäczent,
so ist der zechnt phening dez richter.
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Rennent die strasrawber piderlewt an, wer die sind, vnd wellent in ir gut nemen, vnd
erbernt sich die erbern lewt vnd vachent die strasrawber vnd pringent sew fur gericht, man
tots mit recht. Also ist vmb dewp; fliechent die vnd wellent steln, begreift mans an der
flucht oder mit wer, man richt vber sew. Strasrawber vnd dewp hilft das nicht, daz sew
sprechent, man hab in der hant nicht begriffen; das habent in piderlewt erbert mit
not.
Also ist vmb rerawb, da man nympt, wann ez print, oder da man toten lewten abczewcht oder
tragunden weyben, oder all siech lewt, die sich nicht erwern mugen; daz haissent allez
rerawb.
Wirt ain edelman gefangen vmb poshait, der nicht hanthaft hat, dem mus man sein er
benemen mit zwain, die sein genos sind. Aftendes
| Seite 165| sait yderman
wol, er sey sein genozz oder nicht, der ot sein er hat.
Wem man zuspricht vmb ain diepisch gut, daz er chawft hat, ob im ain richter zuspricht,
gicht ener, ich wil meinen gescholen stellen, wer sich ains geschubens vermist, ist der
geschub ynner lands, so sol er in in virczechn tagen stellen an geuer; ist er aber aus dem
land, so sol er in in sechs wochen stellen, ob er in erlangen mag, an geuer.
Wer mail an seinem leib hat. vmb deuf oder die dewf vergolten habnt oder vmb dewf
entrinent, die haben all hanthaft, da bedarf man wenig zewgen vber. Wer soleich hanthaft
hat, ob er vor ainer schrann stet vnd wil sich ausreden, ob in ymant icht zeicht, der mag
sich nicht ausgereden; wann er ist gepunden mit der ersten hanthaft.
Man schol all dewf schäczen, da man lewt mit begreift; daz haizzt hanthaft. Ist die dewf
gros, so get ez dem menschen an sein leben ; ist sie aber chlain, so get si dem menschen
an sein leib ain tail. Daz schol man allez schäczen,
| Seite 167| e daz
man zewgen lait. So wais man wol, das zwen zewgen gehörnt auf die handhaft. Dhain dewp hat
nyndert freiung.
Wer ain schedleichen menschen vecht vmb poshait vnd den let an dez richter willen, oder
der hincz aim schedleichen menschen richt, oder waz ain man richt, daz ander nymant
richten schol, denn der richter, die habent sich all dez gerichts vnderwunden. Ez mag
nymant den lewten gerichten vber ir er oder vber ir leben, denn der richter.
Wirt ain mensch geantwurt aim richter, der den pan nicht hat, mit aim diepischen gut, vnd
ist die dieff so chlain, daz der mensch sein leben damit nicht verwarcht hat, daz man im
ain or sol absneyden, oder durch die zend prennen, oder pey der schrayat anslachen, daz
muz alls
| Seite 168| geschechen vor pey dem richter, der den pan hat.
Wann man ain menschen vberwinden wil vmb erber sach oder vmb vnerber, vnd wann der mensch
gepunden vor der schrann stet, der mag chainer gedingen: ez mus den zewgen horn. Ez mag
chain gepundens mensch gedingen.
Vmb welh sach man die lewt tötten wil, vmb erber oder vmb vnerber, wie ez der vorsprech
da let, die schuld, die der mensch getan hat, also schullen ez die zewgen sagen. Sagencz
ains worts myn, so sind sie nicht gestanden.
| Seite 169| Vmb wew man die
lewt anspricht, die halt vngefangen sind, daz man hincz in bewärn wil, vmb weleich sach
daz ist, daz müzzen die zewgen sagen, als ez der vorsprech dargelegt hat; valent sew an
ainem wort, so sind sew nicht gestanden.
Wer ain todslag tut, oder den man ains todslags zeicht, chumpt ez darczu, daz sew sich
ausreden sullen, sie müzzen sich bereden in dem gericht vnd in der schrann, da der todslag
geschechen ist.
Wann ainer ain anzünd vnd wirt er gefangen, so sol man im ain prant auf den hals pinden
oder auf den rük, der aus demselben fewr genomen ist; daz ist die recht hanthaft.
Alls ain mensch in dem pan ist sechs wochen vnd ain tag, so sol in der weltleich richter
zu echt tun; vnd wer auch in der echt ist sechs wochen vnd ain tag, so sol man in aber zu
pan
| Seite 171| tun. Daz recht saczt sand Siluester vnd der chunig.
Wann ain weip erst man nympt, gewint si chind vor irr rechten zeit, man mag daz chind
bechrenkchen an seinen rechten. Gewint ain fraw kind nach irs manns tod nach irr rechten
zeit, man mag ez auch wol beschelten, wann ez zu spat chomen ist. Die zwayer hannde chind,
der die rechtvertigen wil, sind sie degen chind, so sol man ir zal raitten zum mynnisten
aine vnd virczig wochen; die ain wochen ist zu gnad darczue geseczt; der mayd chind an
eine virczig wochen. Daz gericht schol vor den phaffen geschechen. Vnd mag man die chind
vberchomen, daz si ze spat oder ze frü sind, si erbent in vater oder in muter gut nicht;
ez erbent ye die nachsten erben.
Der prukken zol oder wazzer zol hinfürt mit wissen, der sol in virualt gelten. Ist daz
nymant da ist, so sol ain man dreystund ruffen
| Seite 172| nach dem
zolner, so er aller lawtist mag, vnd ist nymant da, so far fur sich. Vnd chumpt er
hinwider vnd vodert der zolner seinen zol, er sol im geben mit enem. Vnd schuldigt er in,
er hab im seinen zol verfurt, so sol er im swern, daz er im dreystund geruft hab; er sols
nicht erczewgen. Man nympt an maniger stat zol, da nicht lewt gesessen sind.
Dez ersten: Wann ain Christen stirbt, so sulen desselben erben in meins herren land ze
Österreich in der schul der juden ze Wien, zu der Newnstat, ze Chrems haissen ruffen, ob
er chainem juden gelten sull, daz der jud fur chom oder meld die geltschuld. Ez sol auch
der jud in demselben jar, vnd der Christen stirbt, melden die geltschuld chundleich. Tut
daz der jud, dez geneust er; tut dez der jud nicht, so sol der christen furbaz ledig sein
von den juden seiner geltschuld.
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Ez sol chain jud chaines herren holden leichen auf ir erb, wie das genant ist, oder ez
sey dann mit dez herren oder mit dez amptman willen; sunst hat er daran nicht; wann er
sol in nicht höcher leichen nur auf schreinphant. Man sol auch zu ainem lechen ainen
oder zwen piderman nemen zu geczewgen aus demselben dorf, die dem aygen gesworn habnt;
ob ain amptman lawgnen wolt, so schullen dennoch die juden nach der zwayer man
chuntschaft gericht werden.
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Ob ain jud leicht ainem holden an dez herren vnd seines amptmans wissen, so sol der jud
darfür ander nymant aufhaben, wenn nur den alain, dem er sein gelt gelichen hat; vnd
soll auch den herren ee ze red seczen. Ob er im recht vercziechen wolt, so mag er den
ainen wol aufhaben, aber sunst nicht.
Auch daz chain amptman sich selb noch seins herren gut verseczen mag an seins herren
willen chainem juden; leicht aber ain jud darauf, ez hat chain chraft nicht vnd ist im
nichts schuldig noch gepunden.
Auch cziechent die juden herfur etleich alt brief, die lang zeit nie gemelt noch
geczaigt sind, die etleich sagent vber erb, daz seit ist verchummert vnd verchawft, oder
leicht an den sechsten gestorben ist. Derselben brief habent die juden nicht recht ze
geniessen, noch nyemant damit zeschaden.
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So der herren holden ir erb verseczent den juden an der herren wissen, so geit ain
judenrichter seinen brief darvber vnd bestet die mit seinem insigel, daz herr noch
amptlewt darumb nichts wissen, daz furbas chain chraft haben sol.
Ob ain jud ain christen czeicht vmb geltschuld, daz im der christen gelten sull vnd der
jud nicht brief darumb hat oder purgel, vnd der christen lawgent dez gelts, so sol der
jud ain recht suchen vnd nemen vor dez christen herren oder vor seinem amptman.