1376 :: Das Pettauer Stadtrecht. In:
Ferdinand
Bischoff
(Hg.) (Hrsg.), Aus dem Jahrgange 1886 der Sitzungsberichte der phil.-hist.
Classe der kais. Akademie der Wissenschaften (CXIII. Bd., II. Hft. S. 695) besonders
abgedruckt.
Heino
Speer:
Digitale Version (2014)
und Revision (2022)
Quelle: Ferdinand
Bischoff, Das
Pettauer Stadtrecht vom Jahre 1376 [= Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der
kais. Akademie der Wissenschaften (CXIII. Bd., II. Hft. S. 695. 1886)]
Erfassung
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Heino Speer 2014/2021
| Seite 695| In den
Reihen der bisher veröffentlichten steiermärkischen Rechtsquellen tritt recht auffallend
der Mangel eines umfangreicheren Stadtrechtes aus dem Mittelalter hervor. Es sind zwar
schon zahlreiche Privilegien steiermärkischer Städte (am besten in den Geschichtsblättern
von Zahn) bekannt geworden, aus denen zu ersehen ist, dass die Städte
in Steiermark, wie anderswo, Handels- und Gewerberechte, Jahr- und Wochenmärkte, Meilen-
und Niederlagsrechte, Mauth- und Zollrechte und Freiheiten, in der Regel auch ihre
selbstgewählten Richter und Räthe hatten, aus denen aber nichts oder doch nur sehr wenig
zu ersehen ist von der Art und Weise der Ausübung dieser Rechte, von den Einrichtungen,
welche zu diesem Behufe bestanden, vom Finanz- und Polizeiwesen der Städte, und am
allerwenigsten von dem in den steiermärkischen Städten geltenden Privat- Straf- und
Processrechte. Andere Quellen, aus denen genauere Nachrichten über diese Gegenstände zu
schöpfen wären, wurden bis jetzt nicht veröffentlicht, man müsste denn das (von H. M.
Schuster herausgegebene) Wiener Weichbildbuch, die Handfeste Herzog Albrechts vom Jahre 13403.1 oder das Stadtrecht von Wiener-Neustadt zu den steiermärkischen Stadtrechtsquellen zählen,
wozu aber jede Berechtigung zu fehlen scheint. Der Umstand, dass Judenburg eine jetzt im
steiermärkischen Landesarchiv befindliche Abschrift des Wiener Weichbildbuches und der
Handfeste Herzog Albrechts vom
| Seite 696| Jahre 1340
für Wien besass,4.1 worin anstatt des Namens Wien
der Name Judenburg gesetzt wurde, deutet darauf hin, dass einstens die Absicht bestanden
haben mag, oder versucht wurde, das Wiener Rechtsbuch in Judenburg einzuführen und
anzuwenden, berechtigt aber durchaus nicht zur Behauptung, dieses Rechtsbuch habe in
Judenburg verbindliche Kraft erlangt. Dazu wäre doch wohl ein landesfürstliches
Privilegium, eine Bewidmung oder eine darauf bezügliche Willkür der Bürgerschaft oder
mindestens unzweifelhafte Zeugnisse der wirklichen Anwendung des Rechtsbuches nothwendig.
Aber von all diesem ist nirgends eine Spur zu finden, die doch kaum ganz verloren gegangen
wäre, da von Judenburg verhältnissmässig viele Urkunden, Protokolle und auch ein
reichhaltiges, vom Stadtschreiber Georg Lorber im Jahre 1498
vollendetes Copialbuch erhalten sind. Die äussere Beschaffenheit der erwähnten, nun schon
fünfhundert Jahre alten Papierhandschrift des Wiener Rechtsbuches spricht nicht
für häufigen Gebrauch derselben. Keinesfalls wurde sie vor dem Jahre 1381 gebraucht, da
dieses Jahr als das der Ausfertigung der Albrechtinischen Handfeste am Schlusse der
Handschrift angegeben ist; aber auch für die Vermuthung dieses spätmittelalterlichen
Gebrauchs des Rechtsbuches oder der Handfeste fand sich nirgends ein Stützpunkt. — Diese
in der Judenburger Handschrift dem Wiener Stadtrechtsbuche nachfolgende Albrechtinische
Handfeste hat da die merkwürdige Ueberschrift: Hie hebt sich an die hant- fest
der purger zu 'prugk' in der stat 1327 'judenburg'.
Sandhaas4.2 bemerkt hiezu: "Ob man aus
dieser Ueberschrift den Schluss ziehen darf, dass Bruck bereits im Jahre 1327 eine
Handfeste erhielt, welche mit der im Jahre 1340 der Stadt Wien ertheilten übereinstimmt
und welche dann in unserer Handschrift auf Judenburg umschrieben wurde, das ist eine
Frage, welche, so interessant sie ist, an dieser Stelle nicht
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untersucht werden kann.' Diese Frage muss entschieden verneint werden. So wenig als das in
der Judenburger Handschrift enthaltene Stadtrechtsbuch zuerst für Judenburg verfasst und
dann erst auf Wien umgeschrieben wurde, ebenso wenig wurde die in dieser Handschrift dem
Stadtrechtsbuche angehängte Handfeste im Jahre 1327 für Bruck erlassen und dann im Jahre
1340 der Stadt Wien ertheilt. Erscheint die Bewidmung Wiens mit dem Rechte eines so
kleinen Städtchens, wie Bruck im Jahre 1327 war, von vorneherein als höchst
unwahrscheinlich, so erweist sich die Verleihung einer mit der Wiener Handfeste
übereinstimmenden durch Herzog Albrecht im Jahre 1327 an Bruck und dann erst im Jahre 1340
an Wien, nach Erwägung nachstehender Umstände als ganz unannehmbar. Weder von jener noch
von dieser Verleihung hat sich — abgesehen von der mitgetheilten räthselhaften
Ueberschrift — irgend eine Nachricht erhalten; weder in der für Wien gegebenen Handfeste,
noch in den vielen Privilegien von Bruck findet sich eine Bezugnahme darauf. Im Jahre 1358
erlangten die Brucker vom Herzog Albrecht II. eine Bestätigung und deutsche Uebersetzung
des ihnen im Jahre 1277 von Kaiser Rudolf verliehenen und von den Herzogen Albrecht,
Friedrich und Rudolf erneuerten Privilegiums, wodurch Bruck die Rechte und Freiheiten
anderer Städte des Königs und des Reiches und namentlich das Recht der Salzniederlage und
Zoll- und Mauthfreiheit erhielt, und im Jahre 1347 hatte ihnen derselbe Herzog ein auf
Bierbrauerei und Weinschank bezügliches Privilegium verliehen;5.1 von einem andern Privilegium Herzog Albrechts II.
für Bruck ist nichts bekannt. Eine von Herzog Albrecht allein im Jahre 1327 für Bruck
ausgefertigte Handfeste, wie die in Rede stehende, stünde in schwer lösbarem Widerspruche
mit der Thatsache, dass Herzog Albrecht erst nach dem Tode König Friedrichs im Jahre 1330
die Regierung in Steiermark erlangt hat, vorher also höchstens mit Vollmacht und
Einverständniss seines Bruders Friedrich Regierungshandlungen in Steiermark hätte
vornehmen können. Aus dem Jahre 1327 ist auch keine einzige derartige Handlung Herzog
Albrechts in Steiermark zu finden, wogegen Privilegienverleihungen und andere Urkunden
König Friedrichs
| Seite 698| an
steiermärkische Städte bis zum Jahre 1330 vorliegen.6.1 Die Judenburger würden ihre Abschrift doch wohl kaum in Wien geholt
haben, wenn sie selbe von der steiermärkischen Nachbarstadt Bruck hätten bekommen können.
Uebrigens lehrt eine selbst nur oberflächliche Betrachtung des Textes der Wiener
Handfeste, dass eine mit dieser übereinstimmende im Jahre 1327 für Bruck unmöglich
erlassen worden sein kann. Laut des Eingangs wurde dieselbe auf Bitten des Bürgermeisters,
Rathes u. s. w. verliehen; aber in ganz Steiermark gab es im 14. Jahrhundert noch keinen
Bürgermeister, in Bruck namentlich nicht vor dem Jahre 1488. Das Institut der 'Genannten'
scheint in Steiermark niemals bestanden zu haben; jedenfalls wäre eine Vermehrung
derselben auf und über zweihundert für Bruck im Jahre 1327 unthunlich gewesen. Auch die
Bestimmung der Handfeste bezüglich der Hausgenossen und der Laubenherrneinung passt nicht
auf Bruck und der Satz; 'der rath soll ihn legen in Cherner thuern',
der in der Judenburger Abschrift lautet: 'der rath soll ihn legen in den
chercher oder in ein tuerem' weist doch ganz deutlich auf die Bestimmung der
Handfeste für Wien und deren Unangemessenheit für Bruck hin. Das Wörtchen Bruck in der
oben mitgetheilten Ueberschrift dürfte einem Versehen des Abschreibers zuzurechnen sein,
welcher im Jahre 1381 das Wiener Rechtsbuch und die Handfeste für die Judenburger
abschrieb, indem er statt Judenburg: Bruck schrieb, dann erst den Fehler bemerkte, den
richtigen Namen nachträglich beifügte und durch Strichelchen andeutete, dass dieser an der
Stelle von Bruck stehen sollte. Doch wie immer es hiermit beschaffen sein mag, sicher ist
kein haltbarer Grund vorhanden, die Albrechtinische Handfeste für Brucker Recht zu halten.
— Endlich bezüglich des Rechtes von Wiener-Neustadt, welche Stadt bekanntlich bald als zu
Steiermark und bald als zu Oesterreich unter der Enns gehörig betrachtet wurde, ist zu
bemerken, dass es als eine Quelle steiermärkischen Rechtes nicht gelten könne da zur Zeit
seiner Entstehung und nachher niemals mehr eine Realunion zwischen Steiermark und
Wiener-Neustadt bestanden hat und von einer Reception des Wiener-Neustädter Rechtes in
Steiermark nichts bekannt ist.
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Da es somit nach dem Gesagten als unzulässig erscheint, die besprochenen Rechtsdenkmäler
zur Ergänzung und Vervollständigung der sehr dürftigen Nachrichten über mittelalterliches
steiermärkisches Stadtrecht zu benützen, welche die bisher veröffentlichten Quellen
bieten, so musste die Auffindung des Pettauer Stadtrechtes um so mehr erfreuen, als
ungeachtet langjähriger und vielseitiger Nachforschungen in Steiermark und auswärts weder
dieses Stadtrecht, auf dessen einstiges Vorhandensein ein im steiermärkischen Landesarchiv
befindliches Pettauer Stadtrecht vom Jahre 1513 ziemlich deutlich hinweist,7.1 noch ein anderes
steiermärkisches Stadtrecht von grösserem Umfange zu entdecken war. Diese Auffindung ist
einer von Herrn Dr. J. Babnik aus Wien an das steiermärkische
Landesarchiv gerichteten und mir vom Archivsdirector Regierungsrath von
Zahn mitgetheilten Anfrage um Auskünfte über das in der herzoglichen
Bibliothek zu Wolfenbüttel verwahrte Manuscript des Pettauer Stadtrechtes zu verdanken,
durch welche ich veranlasst ward, um die Zusendung desselben zu ersuchen, die sofort in
dankenswerthester Weise erfolgte.7.2
Die dieses Stadtrecht enthaltende Handschrift findet sich in den 'Collectaneen zur
Geschichte der deutschen Sprache und Literatur' von Lessing
(
Bd. XII, 479 der Lachmann'schen, und
Bd. XII, 698 der Hempel'schen Ausgabe) mit den Worten
verzeichnet: ,Das Stadtrecht von Pettau (in Nieder-Steyermark, dem Bischof von Salzburg
gehörig) unter unsern Handschriften 55. 2. 4.' Laut Mittheilung des Herrn Bibliothekars
soll diese Handschrift vom Gründer der Wolfenbüttler Bibliothek, dem Herzog August dem Jüngeren von
Braunschweig, um 4 Reichsthaler erworben worden sein. Sie besteht aus 52
Pergamentblättern in Kleinquartformat, von denen die beiden äussersten an die Innenseiten
der mit rothem Leder überzogenen Einbandholzdecken angeklebt sind. Die Blätter 2-48 sind
fünfzehnzeilig linirt und der ganzen Breite nach, jedoch mit Freilassung breiter Ränder
mit einer schönen, grossen, scharfeckigen, gothischen Minuskel (nicht cursiv) beschrieben.
Das erste und das
| Seite 700| letzte
Blatt ist unbeschrieben. Für die rothen Artikelüberschriften wurden keine besonderen Räume
freigelassen, sondern diese — wie es scheint — erst nachträglich in die vom Texte nicht
ausgefüllten Zeilenreste eingetragen, sind daher zumeist sehr kurz, oder, wie die längere
Ueberschrift der drei ersten Artikel, auf die leeren Zeilenreste mehrerer Artikel
vertheilt. Der Codex ist sehr gut erhalten und zeigt fast gar keine Gebrauchsspuren.
Beachtet wurde er, wie scheint, nur von Stobbe, in dessen Buche:
‚Zur
Geschichte des deutschen Vertragsrechtes' (S. 218, N. 5) auf einen Artikel dieses
Strafrechtes Bezug genommen ist.
Laut des Vorwortes wurde das Stadtrecht im Jahre 1376 aufgeschrieben. Obwohl ich beim
ersten Anblick die Wolfenbüttler Handschrift für jünger hielt, überzeugte mich doch die
Vergleichung derselben mit mehreren unzweifelhaft der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts
angehörigen Handschriften, dass sie wirklich in dem angegebenen Jahre entstanden sein
konnte. Der Schreiber ist nicht genannt und fehlt auch jeder Anhalt zu einer bestimmteren
Vermuthung über denselben. Hätte der im Vorwort genannte Stadtschreiber
Jaclein das Buch geschrieben, so würde er dies wohl bemerkt haben. Es ist
auch nicht zu ersehen, ob diese Handschrift für die Stadt Pettau oder den Erzbischof von
Salzburg oder für die Pettauer Landgerichtsherrschaft oder für wen sonst geschrieben
worden, ob sie eine authentische Ausfertigung sei oder nicht.
Dagegen erfährt man aus dem Vorworte, dass das Pettauer Stadtrecht auf Begehren des
Salzburgischen Vitzthums Hanns Genschker aufgeschrieben wurde. Pettau
gehörte bekanntlich seit Jahrhunderten dem Erzstifte Salzburg. Laut einer von
Meiller (Salzb. Reg. 533, N. 94) als unecht nachgewiesenen
Urkunde Kaiser
Arnulfs vom 20. November 890 hätte das Erzstift die Kirche in Pettau sammt
dem Zehent und zwei Theile der Stadt mit Bann, Zoll und Brücke bereits von den Vorgängern
dieses Kaisers erhalten, von ihm selbst den dritten Theil der Stadt mit Ausnahme einiger
Güter und überdies noch hundert Huben und zehn Weingärten in der Nähe von Pettau. Diese
Urkunde diente vermuthlich als Vorlage der Urkunden Kaiser Otto II. vom Jahre
977 und 982 (
Juvavia, Anhang. Nr. 75 und
Nr. 77), durch welche dem Erzstifte der oben bezeichnete
Besitz
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wurde, und welchen im Wesentlichen gleichlautende Urkunden späterer Kaiser, wie namentlich
von Kaiser Otto
III. im Jahre 984, von Kaiser Heinrich III.
im Jahre 1051, von Kaiser
Heinrich IV. im Jahre 1057 (
l. c. Nr. 76,
99,
104), folgten. Abgesehen von
häufigen Besitzstörungen und manchmal lange andauernden Unterbrechungen bestand die
Herrschaft Salzburgs über Pettau bis zu der im Jahre 1565 durch Kaiser Maximilian II.
erfolgten Einlösung der seit 1506 nur mehr im Pfandbesitze des Erzstiftes gewesenen Stadt
Pettau.9.1 Zur Wahrnehmung und Ausübung der
erzstiftischen Rechte in Pettau und in anderen steiermärkischen Gebieten bestellten die
Erzbischöfe spätestens im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts Vicedomini zu Leibnitz, in
der Regel geistliche Personen, welche ein Pfarramt in Steiermark bekleideten.
Hanns Genschkar, auf dessen Begehren die Niederschrift des Pettauer
Stadtrechtes erfolgte, war vermuthlich sowie seine Vorgänger im Vitzthumamte,
Hanns Windischgrätzer und Konrad von
Weigolting, Pfarrer zu Pettau (Muchar, Gesch. v. Steiermark 7, 59).
Welche Veranlassung der Vitzthum hatte, die Aufzeichnung des Stadtrechtes zu verlangen,
war nicht zu ermitteln. Dass es nicht minder zur Wahrung der erzstiftischen als der
städtischen Rechte geschah, ist wohl kaum zu bezweifeln. Da in dem Stadtrechte nirgends
eine Bezugnahme auf eine bereits vorhandene Aufzeichnung desselben vorkommt, ist die im
Jahre 1376 geschehene vermuthlich als die erste zu betrachten; eine Vermuthung, welche
durch das Vorwort bekräftigt wird, indem dieses das Stadtrecht als Weisthum
kennzeichnet.
Laut des Vorwortes wurde das Pettauer Stadtrecht nach der Weisung der Rathsgeschworenen
des Jahres 1376 aufgezeichnet, und diese wiesen das Recht, wie es von ihren Eltern nach
deren Erinnerung in den Zeiten der Erzbischöfe Konrad und Heinrich und dann von
ihnen selbst gehalten worden ist. Erzbischof Konrad
III., an den hier zu denken ist, regierte in den Jahren 1291-1312; es reicht
demnach das in dem Pettauer Weisthum vermerkte Recht bis in die letzten Decennien des 13.
und in den Anfang des 14. Jahrhunderts hinauf, wie dies bezüglich der ersten Artikel des
Stadtrechtes urkundlich
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nachgewiesen werden kann. Diese Artikel betreffen die rechtliche Stellung der Stadt zu den
Herren von Pettau, deren neuerliche schriftliche Feststellung man für besonders wichtig
gehalten zu haben scheint, indem man sie gleich an die Spitze des Ganzen stellte.
Laut dieser Artikel hatten die Herren von Pettau, welche schon im 13. Jahrhunderte zu den
reichsten und mächtigsten Geschlechtern in Steiermark gehörten und nicht erst — wie
Meiller (
Salzb. Reg. Nr. 64, S. 524) meint —, um die Mitte des
13. Jahrhunderts, sondern schon viel früher und spätestens schon hundert Jahre vorher zur
Salzburger Kirche im Verhältnisse der Ministerialität standen,10.1 die Hut der Burg und Stadt Pettau mit
der Verpflichtung, den Erzbischof von Salzburg und dessen Leute in und ausserhalb der
Stadt mit ganzen Treuen zu beschirmen, demselben auf Verlangen die Burg zu räumen, einen
Getreidespeicher des Erzstiftes darin zu dulden und von der Burg aus gegen den Landesherrn
oder gegen die Nachbarn keinen Krieg zu führen. Dafür gewährte ihnen das Erzstift die
Behausung in der Burg, zwölf Hofstätten am Burgberg zur Behausung ihrer Leute, und
Mauthrechte nach altem Herkommen. Diese Bestimmungen beruhen auf jenen urkundlichen
Festsetzungen, durch welche die Zerwürfnisse zwischen den salzburgischen Erzbischöfen und
den Herren von Pettau im letzten Viertel des 13. und im Anfange des 14. Jahrhunderts
beigelegt und die Stellung und Verhältnisse der letzteren zum Erzstifte geregelt worden
sind. Eine Hauptveranlassung dieser Zerwürfnisse war unzweifelhaft die Erwerbung der vom
Erzbischofe Ulrich dem König Bela IV. von
Ungarn auf der Veste und Stadt Pettau eingeräumten und von diesem auf den
König Ottakar von Böhmen und weiter auf Kaiser Rudolf I.
überkommenen Pfandrechte durch Friedrich von Pettau im Jahre 1279
(Urkunde vom 25. October 1279, abgedruckt von Chmel in den
Wiener Jahrb. d. Liter. 1845, I, 261 nach dem Original im k.
k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv), der überdies durch mancherlei arge Ausschreitungen,
Gewaltthaten und Bedrückungen des Erzstiftes und der Unterthanen desselben den gerechten
Zorn seines Dienst- und Lehensherrn hervorgerufen hatte. Da
| Seite 703| eine
genauere Darstellung der sich durch Jahrzehnte hinziehenden, vor weltlichen und
geistlichen Richtern geführten Rechtsstritte zwischen den Salzburger Kirchenfürsten und
den Herren von Pettau11.1 hier weder möglich noch nöthig ist, genüge zur Bekräftigung der obigen
Bemerkung über die Zeit, in welche das Pettauer Stadtrecht hinaufreicht, die Anführung
einiger Stellen aus drei Urkunden, welche im Verlaufe dieser Streitigkeiten ausgefertigt
worden sind. In der einen vom 18. Juli 1280 erklärt Friedrich von
Pettau, nach Verzichtleistung auf die Stadt und Burgen wie auch auf die
Vogtei über die salzburgischen Güter in der Mark: "purchhuta mihi deputata
ego et heredes mei contenti erimus, scilicet muta et theloneo civitatis et iure, quod
habet salzburgensis ecclesia in theloneo nundinarum . . . Insuper post prohibitionem
archiepiscopi qui pro tempore fuerit, domino terre aut vicinis nostris de ipsis
municionibus bella non movebimus, licet contra Ungaros defendere nos possimus ... Item
si dominus archiepiscopus in castro pro tempore recipere se voluerit, purchgrafius medio
tempore in alio comodo se locabit; habiturus etiam in castro granarium, si sue placuerit
voluntati ..." Diese Urkunde11.2 ist der Revers des Pettauers
auf die m. m. gleichlautende Urkunde des Erzbischofs Friedrich.11.3 Nach erneuertem
Streite, in welchem dem Pettauer die Burghut über Pettau entzogen, dann aber auf Anlangen
Kaiser Rudolfs und Herzog Albrechts wieder
unpräjudicirlich rückgestellt wurde (Urkunde vom 16. März 1286, Original im k. k. Haus-,
Hof- und Staatsarchiv), kam wieder am 16. December 1286 ein Sühnvertrag zu Stande, worin
Friedrich von Pettau unter Anderem sagt: "ego itaque
de fideli custodia castrorum et civitatis ipsi domino meo nomine ecclesie sue corporale
prestiti sacramentum, ita tamen, quod ex tali commissione in castris et civitate
Pettoviense nichil plus iuris vendicem, quam michi in privilegio dato per venerabilem
dominum Fridericum olim archiepiscopum est permissum. . . . Cives Pettovienses tam in
civitate quam in terra fideliter defensabo, nec per me nec per aliquem de meis paciar
molestari ..."12.4 Das hier genannte Privilegium
| Seite 704| des
Erzbischofs Friedrich ist wohl kein anderes als die oben erwähnte Urkunde dieses
Kirchenfürsten. — Die dritte hier in Betracht zu ziehende Urkunde wurde am 4. October 1309
ausgestellt von dem Bischof Heinrich von Gurk, Gerol
Vitzthum zu Friesach, Friedrich von Leibnitz und
Ulrich von Walsee, Hauptmann und Truchsess von Steiermark, von
denen dieser als von Hertneid und Amelreich von
Pettau bestellter Schiedsmann, die anderen als Schiedsleute des Erzbischofs Konrad III. von
Salzburg urkundeten. Sie vereinbarten da unter Anderem: "Es
suͤllen auch die Pettower ir teglich gesinde herbergen auf die vorgenanten zwelf
hofstet. Es sullen auch die Pettower die mout in der stat, deu ir purckhut ist, nemen
als es von alter herkomen ist, und sullen von den purgern ze Pettow dehein mout nemen
... Es sullen auch die Pettower unsern herrn von Salzburg und sein leut bewaren und
beschermen in der stat und ausserhalb mit gantzen treun und ir purgsaͤss bewaren .
. ."12.1 Ein Blick auf die ersten fünf Artikel des Stadtrechtes zeigt die genaue
Uebereinstimmung ihres Inhaltes mit den oben mitgetheilten Urkundenstellen und bewährt die
Richtigkeit der im
Absatze e) des Vorwortes enthaltenen
Bemerkung der das Stadtrecht weisenden Rathsgeschworenen, dass sie von ihren Eltern über
das Rechtsverhältniss der Stadt gegen die Herren von
Pettau, wie es zur Zeit der Erzbischöfe Konrad und
Heinrich und seither bestand, unterrichtet worden sind.
Die wenigstens theilweise wörtliche Uebereinstimmung der ersten fünf Artikel mit den oben
bezeichneten Urkunden lässt kaum bezweifeln, dass diese bei der Niederschrift jener als
Vorlage benützt wurden. Und wie diese fünf Artikel auf jenen Urkunden, so beruhen die Artikel 13 -17 des Stadtrechtes
unzweifelhaft auf dem nachstehenden, von dem Marschall in Steiermark, Herdegen von
Pettau, im Auftrage des Herzogs Albrecht am. 24. August
1342 gefällten Schiedsspruche:12.2 "das die burger von Feustritz die burger von Pettau nicht irren sullen an iren
weinfueren und ander irer khaufmanschaft; was man des von Pettau fueret, die sullen seu
durch Feustritz lassen fueren an all irrung, wo man hin will. Also sollen auch die
burger von Pettau ungeirrt lassen die burger von Feustritz an den vier sachen . . . Es
schullen die burger von Feustritz an dem markhtag zu Pettau
| Seite 705| ir loden
niderlegen auf tische und die verkhaufen wem sie wellen und verschneiden bei der elln.
Welch burger von Feustritz khumbt gen Pettau mit ainem wagen, der sol geben vier phening
ze prugkhrecht ainsts in dem iar und sol das iar ledig sein, und welcher get zu fuessen,
der geit ein phening . . . Und ir rek und ir mäntl di sullen si legen auf tische und die
an dem markhtag verkhaufen wem si wellent, di seu darbringent. Auch sprich ich, das die
burger von Feustritz an dem markhtag zu Pettau ir geshnitens leder verkhaufen wem seu
wellen. Auch sullen die burger von Pettau an den vier sachen, die oben geschrieben
stuent, dieselben recht haben zu Feustritz, als si die von Feustritz habent zu Pettau.
Es sullen auch die burger von Feustritz weder wachs, heut, vell, palg, was gewegener hab
ist, oder zallkhauf, hinder dem viertl nit khaufen von gesten. Also sollen die burger
von Pettau thuen dann (!) Feustritz ... Was aber ausserleut sind, die nicht burger sind
zu Feustritz, gen den sullen die burger von Pettau ir alte recht haben ..." Einige
Artikel des Stadtrechtes beruhen unmittelbar oder doch mittelbar auf dem bekanntlich auch
in Steiermark verbreitet gewesenen Schwabenspiegel, namentlich die Artikel 150 - 160 auf Art. 8, 9 und 14 Schwsp. Lassberg, weniger Art. 26 - 29 des Pettauer Stadtrechtes auf Art. 156 und
154 Schwsp., wogegen die Artikel 30 und 31inhaltlich stärker mit
den entsprechenden Artikeln des Sachsenspiegels übereinstimmen. Die Artikel 192 und 193 über die Gerichtsbarkeit des
Landrichters beruhen vermuthlich auf dem im Jahre 1322 aufgezeichneten Weisthum über die
Rechte der Salzburger Kirche in Pettau.13.1 Mit diesen Artikeln schliesst das
Pettauer Recht; die noch folgenden zwei Privilegien erscheinen gewissermassen nur als ein
Anhang des Stadtrechtes. (In der Uebersetzung des ersten steht unrichtig Mainz statt
Metz.)
Andere bei der Zusammenstellung des Pettauer Rechtes benützte geschriebene Quellen als
die angegebenen waren nicht nachweisbar, obwohl nicht zu bezweifeln ist, dass der grösste
Theil seiner Bestimmungen, namentlich die über Handel und Gewerbe, über die Rechte und
Verpflichtungen des Richters und der Rathsgeschworenen, über die mannigfachen Abgaben an
| Seite 706| die
Herrschaft oder an die Stadt, über die sogenannte Freiung (Jahrmarkt), über die
Verhältnisse der verschiedenen Gerichtsgewalten im Pettauer Gebiete, die Stellung des
Vitzthums, über Polizeiwesen u. s. w. auf Privilegien oder Verfügungen der Landesfürsten
oder der Salzburger Erzbischöfe, oder auf gerichtlichen oder Schiedssprüchen, auf
Gemeindebeschlüssen u. s. w. beruhen. Alle diese einst vorhanden gewesenen Urkunden
scheinen unwiederbringlich verloren, das vorliegende Stadtrecht daher doppelt schätzbar,
insofern es als Ersatz der nicht mehr vorhandenen Privilegien u. s. w. gelten kann.
Um das Verhältniss des Pettauer Rechtes zu anderen Rechten zu bestimmen, wurde dasselbe
mit sämmtlichen gedruckten Stadt- und Landrechten und Weisthümern der
deutsch-österreichischen Länder, mit dem bairischen Landrechte, bairischen und fränkischen
Stadtrechten, dem Ofener Stadtbuch und den grossen mittelalterlichen deutschen
Rechtsbüchern verglichen. Diese Vergleichung ergab für fast alle Artikel des Pettauer
Rechtes, welche nicht eigenartige Pettauer Verhältnisse betreffen, mehr oder weniger
sachlich übereinstimmende Rechtssätze14.1 in den verglichenen Rechtsquellen,
so dass der durchaus deutsche Charakter desselben allenthalben deutlichst und unverkennbar
in die Augen springt;14.2 aber diese Parallelstellen finden sich nur ganz
zerstreut und vereinzelt in der einen und anderen verglichenen Rechtsaufzeichnung,
nirgends in grösserer Anzahl oder in der Reihenfolge des Pettauer Rechtes, niemals ganz
gleichlautend und häufig auch sachlich nicht ganz übereinstimmend. Die am genauesten
übereinstimmenden Artikel sind meist solche, die in weitester Verbreitung geltend waren.
Eine engere Beziehung des Pettauer Rechtes zu einem anderen Stadt- oder Landrecht, eine
nähere Verwandtschaft mit anderen Rechten, wie sie z. B. zwischen dem Wiener Rechte und
mehreren anderen Stadtrechten bestand, ist demnach nicht nachweisbar. Dass das Pettauer
Recht im Ganzen und in Einzelnheiten mehr mit den süddeutschen, namentlich mit den Rechten
der deutsch-österreichischen und bairischen Gebiete übereinstimmt als mit den
norddeutschen, ist eine nothwendige Folge der geschichtlichen
| Seite 707|
Entwicklung Pettaus und jedem Kenner des mittelalterlichen deutschen Rechtes so in die
Augen fallend, dass ein Nachweis dessen hier wohl unterbleiben kann. Das Gesagte dürfte
rechtfertigen, dass den einzelnen Artikeln des Pettauer Rechtes die Parallelstellen der
verglichenen Quellen nicht beigefügt wurden. Die wenigen, mit Bestimmungen des
steiermärkischen Landrechtes übereinstimmenden Artikel des Pettauer Rechtes findet man in
meiner Bearbeitung des ersteren bereits angegeben.
Das Pettauer Stadtrecht ist unter allen bisher bekannt gewordenen mittelalterlichen
Stadtrechtsaufzeichnungen aus den deutsch-österreichischen Ländern — vom Wiener
Rechtsbuche abgesehen — die reichhaltigste. Wenn auch bei Weitem nicht erschöpfend,
behandelt oder berührt es doch fast jede Seite des städtischen Rechtslebens. Am
zahlreichsten sind die Handel und Gewerbe betreffenden Artikel und die damit zumeist
zusammenhängenden Bestimmungen über Steuern und Abgaben; zahlreich die Artikel über die
Stadtverfassung, Verwaltung und Polizei, über das Gerichtswesen, das Verhältniss des
Landrichters zum Stadtgerichte und zu den anderen Gerichtsbarkeiten in der Stadt und im
Salzburg-Pettauer Gebiete, verhältnissmässig zahlreich und sehr beachtenswerth die
privatrechtlichen Artikel, dürftig die strafrechtlichen.
Dieser Stoff ist nun zwar nicht streng systematisch geordnet, aber doch scheint bei der
Anlage des Ganzen ein gewisser Plan vorgeschwebt zu haben, demzufolge die denselben
Gegenstand betreffenden oder sonstwie zusammenhängenden Bestimmungen in mehr oder weniger
langen Reihen aneinander gefügt wurden, so dass das Ganze gewissermassen in mehrere
grössere Abschnitte getheilt erscheint, zwischen welche aber einzelne nicht hineinpassende
Bestimmungen hinein gerathen sind. Den wichtigen Satzungen über die Rechte der Salzburger
Erzbischöfe (Art. 1 bis 5) folgt eine
Reihe der werthvollsten, vornehmlich auf Gewerbe und Handel bezüglichen Privilegien (Art. 6 - 25 excl. 19), dann nach einigen strafrechtlichen und einigen civilrechtlichen Artikeln
(27 - 31) ein ziemlich die Hälfte
des ganzen Stadtrechtes umfassender Abschnitt, der fast durchaus Bestimmungen über die
Rechte und Verpflichtungen des Richters und Rathes enthält (Art.
33 - 121), wo freilich die verschiedenartigsten
Gegenstände zur Sprache kommen und gelegentlich auch solche,
| Seite 708| die unter
den angedeuteten Gesichtspunkt nicht fallen; z. B. Art. 94 -
96, 98, 99 u. a. Auf diesen grossen Abschnitt und ein kurzes Kunterbunt (Art. 122 - 127) folgt eine Reihe von
Bestimmungen über den Handel mit Auswärtigen, das Gastrecht (Art.
128 - 140); ein Abschnitt über Familiengüterrecht,
Vormundschaft und Erbrecht (Art. 141 - 160), weiters einige Artikel betreffs der Gerichtsbarkeit über sogenannte
schädliche Leute und über Verschuldungen von Pettauer Bürgern gegen Diener der Herren von
Pettau und dieser gegen jene (Art. 162 - 168). Sodann folgt wieder ein längerer Abschnitt über das Recht in der Freiung
(Jahrmarktsfreiheit, Art. 169 - 185), und schliesslich noch Bestimmungen über die Verhältnisse, namentlich über
die Gerichtsbarkeit des Landrichters gegenüber dem Stadtrichter und den sonstigen
Gerichtsherrschaften in Pettau und dem Salzburg-Pettauer Gebiete (Art. 186 - 193). Der Artikel 194 ist die Uebersetzung eines königlichen Privilegiums;16.1 der Artikel 195 ein
landesfürstliches Privilegium der Salzburger Kirche allgemeineren, auch in Steiermark
wirksamen Inhaltes.
Bezüglich der Bearbeitung und Wiedergabe des Textes wurden die im ersten Bande der akademischen Weisthümerpublication von Siegel und Tomaschek
aufgestellten Grundsätze als massgebend betrachtet; doch schien es hier, wo es sich um
Wiedergabe der einzigen bisher bekannten mittelalterlichen Handschrift eines mindestens
für die österreichische Rechtsgeschichte sehr wichtigen Rechtsdenkmales handelt,
zweckmässig, alle bemerkenswerthen Eigenthümlichkeiten derselben bestimmt und deutlich
anzugeben oder — soweit dies mit bequemer Lesbarkeit des Textes vereinbar schien —
geradezu beizubehalten. Deshalb wurde nicht nur die mitunter recht ungeschickte
Eintheilung des Textes in Artikel fast unverändert beibehalten und jede Abweichung davon
bezeichnet, sondern selbst die bei der Kürze der meisten Artikel ziemlich überflüssigen
und meist nichtssagenden Ueberschriften derselben wurden mitgetheilt, fehlende aber nicht
durch selbstgewählte ersetzt. Bezüglich der Wortschreibung sei nur besonders bemerkt, dass
anstatt des handschriftlichen cz für z am Anfang und
inmitten der Worte, nicht aber für das deutlich
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unterscheidbare tz, z. B. in vitztumb, setzen u. s. w. z; statt v oder w in der Bedeutung von u, abgesehen von Eigennamen,
die unverändert wiedergegeben wurden, immer u gesetzt wurde. Das
Dehnungszeichen bei dem Worte an = ohne wurde leichterer Lesung halber
beigefügt. Alle sonst noch einigermassen bemerkenswerth scheinenden Abweichungen von dem
handschriftlichen Texte wurden in den Fussnoten angegeben, nur ganz unzweifelhafte
Schreibfehler oder Versehen ohne Bemerkung berichtigt. In der Handschrift sind die Artikel
nicht gezählt; die hinzugefügte Nummerirung und das alphabetische Inhaltsverzeichniss
werden der Benützung des Rechtsbuches hoffentlich willkommene Dienste leisten.
Obwohl, wie bereits bemerkt wurde, die besprochene Stadtrechtshandschrift kein Zeichen
amtlicher Ausfertigung an sich trägt, ist doch an der Giltigkeit und Anwendung der darin
verzeichneten Rechtssätze und Bestimmungen gar nicht zu zweifeln. In einer Urkunde vom
6. Juli 146617.1 sagt
Erzbischof Bernhard von
Salzburg: "das für uns khomen unser getreuͤ der richter,
der rat und die ganz gemain unser statt Pettau, und gaben uns zu erkhennen, wie sie etwa
vill recht und gewonhait zu gemainem nuz derselben stat brauchten und lang zeit her
braucht hietten, die in von weilent unsern vorfordern sel. ged. erzbischofen von
Saltzburg bestet weren, darumb sie uns der bemelten unserer vorfordern brieflich
khundschaft fuerhielten und sehen liessen und baten mit diemietigem vleiss, dass wir
dieselben recht und gewonhait zu vernewen, auch gnädiglich zu bestätten geruehten. Nun
wir aber genaigt sein, gemainen nuz unserer stat zu befördern, auch sie bei löblichen
gewonhaiten und gueten rechten vestiglich zu halten, haben wir ir vleissige bete
angesehen und in die bemelten ire recht und herkhomen vernewert und bestet, vernewen und
bestätten in auch die mit dem gegenwärtigen unserm briefe in nachgeschrieben forme. Von
erst, das in der vorstat khain man khaufmanschaft treiben soll; wellen aber die
hofstetter khaufmanschaft in der stat treiben an dem erchtag, das sullen sie thuen als
ander gest." Dieser Artikel ist übereinstimmend mit Artikel
6 des Pettauer Stadtrechtes. Demselben folgen in dem genannten Privilegium noch
fünfzehn Artikel, welche den Artikeln 7, 8,
| Seite 710|9, 10, 11,
12, 13 (erste Hälfte), 18 (excl. fine), 19 bis 25 dieses Stadtrechtes — abgesehen von ganz unbedeutenden
Abweichungen — dem Inhalt, Wortlaut und der Aufeinanderfolge nach genau entsprechen. Nur
in dem dem Artikel 22 des Stadtrechtes entsprechenden Artikel
über die zu Pettau bestehenden Freiungen findet sich der Zusatz: "in unserm
casten und ambthof". Dass in diese Bestätigung nicht auch die ersten fünf das
Verhältniss der Erzbischöfe von Salzburg zu den Herren von Pettau regelnden Artikel des
Stadtrechtes aufgenommen wurden, erklärt sich aus den inzwischen eingetretenen Aenderungen
dieser Verhältnisse, bezüglich welcher übrigens unzweifelhaft verbindliche, keiner
neuerlichen Bestätigung bedürftige Urkunden vorhanden waren. Andererseits beschränkte sich
die Confirmationsurkunde Erzbischof Bernharts nicht auf die oben
bezeichneten Artikel, sondern sagt im weitern Verlaufe: ""Wir wollen auch,
das die vorgenannt unser stat Pettau bei allen den rechten und gewonhaiten beleiben, die
sie unz her gebraucht hat an allen den stückhen, die hie nicht verschrieben sind."
Demnach dürfte die Vermuthung wohl gestattet sein, dass unter der "brieflich
khundschaft" der erzbischöflichen Vorfahren, welche die Pettauer dem
Erzbischofe Bernhart fürhielten und sehen liessen, das Stadtrecht
vom Jahre 1376, oder doch neben anderen Vorlagen auch dieses Stadtrecht zu verstehen sei.
Uebrigens lässt sich die fortdauernde Giltigkeit desselben im Ganzen und fast aller seiner
Bestimmungen bis in das 16. Jahrhundert in kaum anfechtbarer Weise darthun. Im
steiermärkischen Landesarchive befindet sich nämlich eine dem 17. oder 18. Jahrhunderte
angehörige Handschrift mit dem Titel: "Der Statt Pettau
Freyhaits-Abschrift", enthaltend die vom Salzburger Erzbischof Leonhart von
Keutschach am St. Oswaldstag 1513 bestätigte und reformirte Pettauer
Stadtordnung. Dieser Reformation und Confirmation muss aber das Stadtrecht vom Jahre 1376
vorgelegen haben, da es sich in derselben zum allergrössten Theile wiederfindet. Zwar ist
diese Stadtordnung weit umfangreicher als das Stadtrecht, enthält Bestimmungen über manche
in diesem gar nicht behandelte Gegenstände, z. B. über die von der Stadt zu verleihenden
Stiftungen und Pfründen, führt andere viel weiter aus, namentlich die auf Handel und
Gewerbe bezüglichen, bringt die Bestimmungen des Stadtrechtes oft in anderer Ordnung und
durch Einschübe neuer
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Bestimmungen getrennt (wie es scheint ganz planlos), manche auch mehr oder weniger im
Inhalt und sehr viele im Wortlaut abweichend; behält aber die meisten wenigstens dem
Inhalte und viele auch der Reihenfolge nach ganz unverändert bei, muss sie also als zur
Zeit der veranstalteten Reformation noch giltig und verbindlich angesehen haben. Die
Publication dieses Stadtbuches, wozu sich hoffentlich einmal eine gute Gelegenheit finden
wird, würde die obige Behauptung vollkommen rechtfertigen. Vorläufig möge hiezu die
Mittheilung einiger nicht für diesen Zweck besonders ausgesuchter Artikel desselben und
die nachstehende vergleichende Tabelle dienen. Ein Absatz des 118.
Artikels lautet: "Khumbt ain gast von Hungern mit vischen her gen
Pettau, die sol der gast vail haben drei ganze tag und die bei ainzigen oder gar hieigen
bürgern verkhaufen; ob er aber die in den dreien tagen nit verkhaufen nicht, so mag er
die verkhaufen wem er will, oder ferer füeren." Hierauf folgt: "Der
richter soll des fleissig sein, das die statt bei rechten beleib und nit gestatten, das
ain gast in der wochen mit dem andern handl, nur an dem ertag allain, mit kaufen und
verkhauffen, und das doch desselben tags derselb handl wider der stat recht nit
beschech." Man vergleiche damit Artikel 53, 54 und 12 des Stadtrechtes von 1376. —
Artikel 23 des Stadtbuches von 1513 lautet: "Ob
ain man oder ain frau etwas verlierent, was das sei, das ain ander findet und
wissentlich ist, und gibt das nicht wider so man darnach fragt, es ist der finder darumb
ze bessern. Ob aber der finder laugnet, so hat man den fund für dieperei. Gibt er es
aber wider so man darnach fragt, soll man im fundmiet geben. Und ob man dem, der solch
gut verloren hat, nicht glauben wölt, so soll er darzu thuen, was recht ist; saget er
aber rechte warzaichen zu der hab, so ist im zu glauben unberechtent." Man
vergleiche Artikel 100 bis 102 des
folgenden Stadtrechtes. —
Artikel 52 Stadtbuch: "Der richter soll auch fleissig sein, was der merer thail des rats der stat erfindet
und aufsetzt, das es dabei beleib." Vgl. Artikel 68 von
1376. — In der nachstehenden Tabelle bezeichnen die den Artikelzahlen beigesetzten
Buchstaben die Abschnitte der längeren Artikel in der Stadtordnung von 1513, die Sternchen
bemerkenswerthe Abweichungen der Artikel in dieser von den entsprechenden Artikeln im
Stadtrecht von 1376.
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[Auf eine Transkription der Tabelle wurde verzichtet und statt dessen das Seitenabbild eingefügt.]
Diese Vergleichung zeigt, dass von den hundert und sechsundneunzig Artikeln des
Stadtrechtes v. J. 1376 nahezu hundert und vierzig in die Reformation v. J. 1513
aufgenommen wurden und mehr als hundert davon im Wesentlichen ohne Aenderung. Das alte
Stadtrecht stand demnach zum grössten Theile noch im 16. Jahrhundert in Geltung.
Ich lasse nun den Text desselben folgen.
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a. Anno ab incarnacione domini m°. ccc°. lxxvi°. zu den zeiten des hochwirdigen unsers
gnedigen herren ertzbischoff Pilgereyms von Saltzburg b. Und zu den zeiten des
ersamen herren herren Hansen Genschker vitztum zu Leibnitz c. Und zu den zeiten
Petter Poltleins die zeit statrichter zu Pettau sind vermercht der stat recht zu Pettau
nach begier des selben vitztums und nach gedechnus der gesworen dez ratz der selben
zeit: d. Mertleins des pecken, Jureins des fleischacker, Petreins des hofsneider,
Lienhartz in der Tragassen, Jacleins des statschreibers, Hermans von Lindau, Hansen des
Graser, des schon Jacleins und Jacobs des Lindecker.
Zu den zeiten ertzpischof Cunratz. e. Von erst geben wir zu erchennen, daz wir von
unsern eltern gehort haben, die da gewesen sind zu den zeiten ertzbischoff Cunratz von
Saltzburg und darnach zu den zeiten ertzbischoff Hainreichs von Saltzburg, wie sie sich
gein der herschaft von Pettau und die von Pettau herwider gein der stat mit rechten
gehalten haben und mit welhen rechten die stat untz an seu herchomen ist in der freiung
und uber iar.
Zu den zeiten ertzpischof Ortolf. f. Die selben habent uns underweist der selbigen
rechten mit irrer gedechnuͤs und also haben wir dieselben rechten gehalten pei des
hochwirdigen unsers gnedigen herren ertzbischoff Ortolf zeiten des Weyssenecker. g.
Die selbig zeit war herr Hans der Windischgretzer vitztum ze Leibnitz und pfarrer ze
Pettau und Lewpolt der Czwickel war richter.
Her Cholman vitztumb. h. Nach des selben Windischgretzer tod wart zu einem vitztumb
genomen vitztumb Cholman und herr Cunrat von Wigolting der wart pfarrer hie zu Pettau.
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Hans Mawrer richter. i. Da Lewpolt der Czwickel starb da nam man zu einem richter
Hansen den Mawrer seinen aeiden.
Ertzpischof Pilgreym. k. Anno (mccc°.) lx°. iiii°. starb pischoff Ortolf; da wart
ertzbischoff Pilgreim zu herren erwelt der Puochaymer.
Herr Chunrat vitztumb. l. Pei des selben Pischof Pilgreyms zeiten starb vitztumb
Cholman; da wart zu vitztumb genomen her Chunrat von Weygolting unser pfarrer.
Hans Hallinger richter. m. Zu des selben vitztumb Cunratz zeiten starb Hans der
Mawrer; da nam man zu einem richter Hansen den Halinger.
Hans Genschker vitztumb. n. Da derselb vitztumb Cunrat starb da wart ze einem
vitztumb genomen herr Hans der Genschker.
Peter Poltel richter. o. Zu des selben vitztumbs zeiten starb Hans der
Haͤlinger; da nam man zu einem richter Petter Poltlein. der selb was richter
lxxiiii°. und v°. und anno vi°.
Es mag auch der von Saltzburg sich geziehen in die vest hie zu Pettaw wie offt es im hie
gevelt und schol im der von Pettaw die vesten raumen; aber er mag wol einen kasten darin
haben, ob er wil.
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Es schol auch der von Pettaw die maut, die im zu purchhuet geben ist, nemen alz es von
alter her chomen ist und schol man von den purgern zu Pettaw chain maut nich nemen.
Es schol auch in der vorstat chain man sein, der chaufmanschaft treib; wellen aber die
hofstetter chaufmanschaft treiben an dem eretag in der stat, daz schullen seu tun als
ander gest.
Es schol auch vor der stat chain pachofen sein da man vails prot inne pach, noch niemand
vor der stat chain vailz prot nicht haben, noch schuester noch lederer die schuchwerich
noch lederwerch wurchen, noch chain fleischker, der fleisch vail hat, alz die Pessnitz
sagt und die Traͤu; nur in der stat zu Pettau.
Es mugen auch die geufleischker an dem ertag in der stat wol bachein fleisch vail haben
und verchauffen pei gantzen pachen, pei halben, pei virtailn und nicht minner; aber in der
wochen schullen seu in der stat nicht vail haben.
Welicher purger auf das ungrisch oder anderswa vert oder sein diener oder sein hab dahin
sendet und chauffet da oder nimpt aus chaufmanschaft ân gevaͤr, da schol man zu
Pettau nicht von mauten.
| Seite 716|
Wer auch in die stat vert und enphacht purchrecht und sitz darinne geruet jar und tag,
damit hat sein herr nicht zu schaffen, er sei hold oder eigen man, und mugen wir in fur
unsern purger wol versprechen.
Chumpt ein gast von Ungern mit vischen, die mag der gast wol vail haben als lang er wil
und mag die visch verchauffen pei clain und pei grossen wem er wil.
Waz auch stet umb Pettau gelegen sind, der purger schullen in der stat haben ire handlung
als ander gest, wan man daz selbig tun mus in iren steten; ausgenomen die purger von
Feustritz, die mugen an dem marchtag ir loden niderlegen auf tisch und muͤgen die
verchauffen und versneiden bei der ellen wem sie wellen.
Es schullen auch die iuden in der stat zu Pettau weder schencken noch chainerlay
chaufmanschaft treiben und schullen auch mit leiden. so der stat ein grosz notdurft zustet
mit pessrung.
Es schol auch in chainen haus in der stat zu Pettau chain freiung nicht sein, dan da sie
von alter zu recht sein schol, daz ist in den zwain clostern und in dem obern des von
Pettau hoff, der pei den predigern gelegen ist.
Sich schol auch chain purger, in unser stat zu Pettau gesessen, an niemand herren, dann
an uns, unsern vitztumb zu Leibnitz oder unsern richter zu Pettau.
Man schol ze hals hintz chainer swangern frauen richten, die lebntigz chint trait; ist
aber die schuld so groz, daz man si
| Seite 718| darumb
maint zu toten, so sol man sei behalten in beschaidner vanchnuz untz daz si dez chindes
ledig wirt.
Swer ein fraun irer eren beraubt wider irn willen und hort man ir geschrai oder tut si
ez den leuten zu stunden mit clag und mit geschrai zu wissen und chumpt damit an daz
gericht, ob si ez erlangen mag, der richter schol ir richten.
Ist si maid gewesen, man schol in also lebntigen begraben; hat si aber ain man oder hat
ain man gehabt, so sol man im den halz mit ainer dilln abstoszen.
Swelich man dem andern sein gut ze halten geit, wirt ez im verstoln oder mit raub
genomen oder verprant oder stirpt ez, ob ez vich ist, mag der inhaber darumb sein recht
getun, daz es ân sein schuld geschehen ist, er ist im daran nichtz schuldig ze gelten.
Swaz aber ain man dem andern leicht oder setzt, daz schol er im unverderbt und
ungeergert hinwider geben oder er schol imz gelten nach seinem wert; stirbt aber daz
pharcht oder daz vich, daz im versatzt ist, ân sein schuld, der ez inne hat, mag er daz
beweisen oder recht darzu tun, daz ez ân sein schuld geschehen ist, er gilt sein nicht;
aber sein gelt, daz er darauf gelihen hat, daz hat er verlorn; ez si dan, daz ir gelubd
gein enander anders stee.
So geswistret mitenander tailn wellent, oder ander erben, die geleich gefreunt sind, so
schol der elter tailen und der iunger schol die wal nemen an dem tail.
Es haben die gesworen des ratz iercleich ainen richter zu erweln, oder als offt des not
geschicht, der unserm herrn von
| Seite 719| Saltzburg
um sein vodrung guͤt ist und den man genuͤtzen mag in der stat notdurft und der
auch der stat recht erchent und wais.
Und schol der selb richter unsern herren von Saltzburg oder seinen vitztumb, die weil er
daz gericht inne hat, iaͤrleichen geben virtzik march phenning.
So ist das der dienst, der zu dem gericht gehort. Die fleischker geben zins und
losung zwir in dem iar, aͤins nach der freiung geben seu zwelf march minner xx den.
und aͤins nach der liechtmess geben seu auch zwelf march minner xx den.
Der salczcherin schullen sein xxiiii, der geit iede zu unser frauen tag der gepurd x
den., das pringt ein libra den., und zu unser frauen tag der liechtmess als vil.
Leikebphennig nimpt man zwir im jar ab, ains im mosted und ains pein wein; geit
iedermann der da wein schencht iii den. Wer aber sein pauwein schencht, der geit
nichtz.
Wer aber in der zeit sein gruͤntrecht nicht geit, wil der richter darauf fragen, so
wirt im ertailt imer uͤber virtzehen tag lx den. als oft er darauf fragt; und schol
auch die selben heuser als oft nennen.
Es schol auch derselb richter alweg sein schreiber pei im haben in der schrang, der pei
aller chlag sei und vermercht die zeugprieff, die vor gericht ertailt werden.
Wer umb sein chlag fur gericht chumpt und rechtens darumb begert, dem schol der richter
richten. So sich aber zwen tail umb ir sach willecleich schieben an den vitztumb, daz
schol also besten untz auf sein chunft. Daz schol er dan nach rat ausrichten; daz aber
iedem tail nach der stat recht genueg geschech.
Was aber vor gericht mit chlag fur chumpt und darumb man redleich urtail an den vitztumb
dingt zu rechter zeit ee daz
| Seite 721| der
richter uber den dritten gewragt hat, daz schol also einen furganch haben und schol wider
fur recht chomen zu rechten taͤgen nach der statrecht; ist der vitztumb in dem land,
so schol die urtail fur chomen in vierzechen tagen; ist er aber auz dem land, so schol die
urtail fur chomen in sechs wochen.
Der richter schol des fleizsig sein, daz die stat pei recht beleib; er schol nicht
gestatten, daz in der wochen ein gast mit dem andern chainerlei handel treib, nuer an dem
ertag allain.
Er schol dez fleizsig sein, damit die purgerin von erst chauffen an dem ertag ir
notdurft und darnach die fragnerin, die es mit der losung verdient; aber den huchlerin
schol er nicht gestatten, daz seu auf gewin chauffen, waz man zu der stat pringt.
Aber was seu in den dorffern chauft haben, oder was seu selb da haͤim erzogen und
erpaut haben, daz haben seu in der stat verchaufft zu rechter zeit des morgens, die weil
man fruemess gesungen hat, untz auf das ampt, und dez abentz, die weil man vesper geleut
und gesungen hat und nicht lenger.
Und schol darzu sechen, daz man ein gleichen protchauf taͤglich hab nach dem und
der getraid vail ist, und daz die stat mit prot taͤgleich nicht versaumpt werd.
Der richter schol fleissig sein, daz man alle chotemper die feuerstet beschaut und waz
man ungewaͤrleich funde, daz man daz selb wende, und daz man daz choͤt aufheb
und auz fuͤr.
Wer vor gericht zu rechten taͤgen seine recht erlangt auf ein erb mit wissen ander
gelter untz daz im der scherm daruber erfunden und ertailt ist worden ân irrung und ân
widerred ander gelter, der schol furbas da mit geruͤt beleiben, es sei dann, daz
aͤin ander gelter in dem land nicht zu den zeiten gewesen ist und umb die chlag nicht
gewest hat; dem hat daz nicht geschat an seinem rechten, die weil seich der scherm nicht
veriaͤrt hat.
Chauft einer aͤin haus in der stat, so schol es der richter aufgeben und schol
darumb entphahen seine recht; von dem der verchauft hat schol er nemen zwai gruntrecht,
und schol nemen von dem der chauft hat ain gruntrecht. Und so daz geschermpt wirt jar und
tag, damit schol er furbas geruet beleiben.
So der richter chaufprief umb ein haus oder umb ainen acher sigeln schol, so schol er
den alten brief und den neuen genenander verhoren ob seu mit dem dinst unde rechten
pimerchen gleich sagen.
So ainer purchrecht enphecht, der swert ain aid und geit dem richter xl den. und geit
auf die stat xl den; hat er aber ain haus in der stat oder hat ein purgerin oder aines
purger tochter zu weib genomen, so ist er der phening ledig; aber er mus dannoch sweren.
| Seite 724|
Chlait ainer den andern in den pantaidingen, versitzt der antwurter, so ist er dem
richter ein wandel; ist das er aber antwurt und dem clager vervolt, so ist er dem richter
aber ain wandel; daz ist xii den. auf gnad.
Der gewondleichen steuer, die man gein hof geraicht hat, ist von alter alweg gewesen
sechzig march und dem vitztumb xii march; die hat man geben zwischen sanct Marten tag und
weinachten.
So man die gewondleich steuer anlegt, so geit der richter nicht steuer noch der stat
schreiber. Und das man die steuer inpringt, si sei clain oder groz, da von gevelt dem
statschreiber zwo march und dem schergen ein halp libra.
Hat ein gotzhaus zinsgelt auf heusern, die schullen umb iren versessen zins mit gerichtz
potten phenten in dem haus. Muͤgen seu sich aber in dem haus nicht gephenten, so
fragen vor gericht darauf; so wirt in ertailt: imer uber virzehen tag lx den.
| Seite 725|
Es hat auch der rat, so es die notdurft pringt, ein ratman zu setzen. Die nemen darzu
ainen, den seu erchennen, der darzu nutz ist und den man in der stat notduͤrft
genutzen mag, so des not geschicht und der auch der stat recht erchennet und wais
furzupringen.
Also mag auch der rat under den semelpechen der maister mer gemachen, wann des not ist,
damit die stat nicht versaumpt wirt, nach der leut und der stat notdurft, und muͤgen
die gepessern nach iren schulden, alz daz mit gewonhait von alter her chomen ist.
Und ist daz der aufsatz under den pechen : So die stat mit prot gesaumpt ist, so
schol der richter hintz ze allen pechen gen und datz zu welhem pekchen er mel vindet und
hat nicht prot auf den marcht oder in dem ofen oder taig in dem trog, der ist vervallen
der stat lx den, und dem richter lx den.
Wan aber die pekhen daz broͤt zu clain pachen, so schol der richter und die darzu
gesatzt sind daz selb prot aufheben und schullen es den armen leuten in daz spittal
senden.
| Seite 726|
Haben seu aber gesechen, das ein notdurft gewesen ist das prot zu verchauffen, so haben
seu daz prot gesnitten und gesatz zu verchauffen nach seinem wert.
Ain ieder schol dem auzwarten, daz im enpholhen ist. Ein ampman schol seinem ampt
auzwarten und den pauern auf dem urbar, die im entpholhen sind und schol seich chains
handels underwinden, der den purgern zu schaden chom.
Und schullen die iuden ire brief, die seu haben hintz den purgern, jaͤrlich
furtragen in die schrang fur den statrichter und ir vordrung darauf melden.
Aber ireu schreinphant, die seu von den christen habent, die muͤgen seu an dem
phinstag fur iren iudenrichter furtragen und iren rechten damit nachvaren.
Auf kirchen chlained, auf plutigs gewant, auf rochz garn, auf ungewundenz choren und auf
gesnittens gewant, daz noch unberait ist, schullen die iuden nicht leihen.
Ob ein man oder frau etwaz verleust, waz daz sei, und daz vindet ain ander und geit daz
nicht wider, so man darnach
| Seite 727| fragt,
wirt ez darnach offenbar, es ist darumb ze pessern; und ob es sein laugent, so ist es
verstoln.
Geit er es aber wider, so man darnach fragt, so ist im schuldig zu geben sein fundmiet;
und ob man im nicht glauben wolt, daz er ez verloren hiet, so schol er darzu tuͤn,
daz recht ist.
Es hat auch der statrichter ze richten in dem purchgraben, auf den pruken und auf den
griͤszen und in den muͤln, die auf der stat gruͤntten haften, und daz sich
zwischen den purgern verget.
Es hat auch der richter alle schuld zu pessern nach dez ratz rat; so man aber dem
richter und rat nicht gehorsam ist, so mag wol der vitztumb die selb schuld gepessern.
Ainem gesessen unbesprochen purger schol man nach sag umb chain untat anvallen, es si
dan, das man es mit weisung hintz im pringen muͤg nach der stat recht.
Chlagt ainer dem vitztumb uber ein purger, der vitztumb mag in ze red setzen, und vindet
er den purger mit solcher antwurt, das er dem claͤger gehilt, der vitztumb mag wol
schaffen mit im, daz er sich mit im richt nach der stat recht; scheubt sich aber der
purger mit antwurt fur daz gericht, so schol man in nicht verrer dringen.
Der richter ist nicht schuldig ainen gevangen lenger ze behalten, dan auf den dritten
tag, es sei dann, das er auf ain lengern tag zu dem rechten vergwist wirt.
| Seite 728|
Chumpt ein man gewichen in ains purger haus umb solich schuld, die den toͤd nicht
ruert, daz gericht schol im in daz haus nicht nachvolgen; aber der wirt schol in dem
gericht herauz antwurten, ob in der richter vodert.
Wais man den rechten gescholn chundleich, der den todslag getan hat, den selben schol
man darumb bechlagen vor gericht ze taͤgen alz recht ist; da selbs schol sich vergen
pan und acht.
So man aber den rechten gescholn nicht chundleich waiz, so schol man alle die in die
chlag nemen, die pei der tat dez aintails gewesen sind; so sich aber ainer auz den selben
meldet und sich des toͤdes anzeucht und tuͤt daz mit solicher redleicher
poͤtschaft, alz darzu gehort, hintz demselben schol man furbas chlagen umb den tod
und schol die andern alle auz der vodern chlag laszen. Dieselben schullen vor gericht
tuͤin, daz recht ist, und beleiben damit geruet.
In den fuͤrpan ze chuͤnden oder in die aͤcht ze ruͤffen, daz schol
der richter tun, der den pan hat, stend, ungeweist und schol von im tun allez waffen.
Chumpt aber der verwunt man lebmptiger auz dem statgericht in daz auszer gericht und
stirbt darinne, so mag man in wol in dem selben aussern gericht fur recht tragen; da selbs
schol sich vergen pan und aͤcht.
Der richter schol ains purger gedingten knecht oder sein diern umb seine schrangwandel
oder umb geltschuld nicht gevangen legen, ez sei dann, daz sein herr fur seu nicht
versprechen wel untz auf daz recht.
Man schol auch eins purger gedingten chnecht, der leikeb um sein weingelt oder der
spiler umb sein spilgelt, nicht enploͤszen noch abziehen, alz er mit gurtel umbvangen
ist, durch daz er seinem herren sein dinst nicht versaumpt.
Alle die weil ain gedingter chnecht oder ein versprochner knecht oder ain diern irem
herren ir zil nicht auzgedient haben, so schol seu niemand zu sich laden.
Von ainem dinstknecht oder von ainer dinstdirn schol man nichtz aufnemen in behaltnuz, es
sei den wissenlich, daz ez in rechliͤch zugehor.
| Seite 730|
Wan ein man sein verdeufte hab, ez sei ein phaͤrcht oder ain ander vich anvecht in
dem statgericht zu dem rechten, das schol er bestaͤten selb dritt; mag er aber der
zwaier zu sich nicht gehaben, so swer selb drei aid.
Chlagt ainer hintz dem andern umb ain erb, waz daz sei, und die paͤid auf weisung
gent, daz selb recht schol sich vergen ze virtzehen tagen und die weisung von der gewer
get fur, ob er die gewer rechliͤch inne hat.
Es schol auch ain gast dem andern des ertags under einem phunt gewegner hab nicht
verchauffen, noch chain gantz stuck barchant nicht versneiden, noch under ainem virtail
wachs noch palg nicht verchaufen.
Und sunderlich in der wochen schol ain gast dem andern nichtz verchaufen, chlain noch
grosz, haimleich noch offenleich. Welher gast daz ubervert, der ist darumb ze puͤsz
vervallen auf die stat v march den., dem richter lx den., jedem zwelfer lx den. und dem
schergen xx den.
Ubervert er der stat recht wissenleich zu dem andern mal, man sagt in den gewerf ab mit
den gesten; aber mit den purgern mag er dannoch gewerf haben ungevaͤrlich.
Treibt aber ein purger mit den gesten solchen handel, der gevaͤrleich geschicht und
seich davon nicht weisen laͤt, demselben
| Seite 731| sagt man
den gewerf und daz purchrecht ab, ob man in nicht anders gepessern mag an der hab.
Ez schullen die gest in iren gewelben eln noch wag nicht haben. Ez schol auch ein gast
dem andern sein hab nicht zaigen in der wochen; nuͤr allain schol er allen seinen
handel tuͤn redleich an dem ertag.
Und ob daz geschech, daz ain gast dem andern mit der werung an dem ertag ângevaͤr
mit der wag oder mit der zal nicht mocht genug tun, daz schol sich ângevaͤr hinnach
vergen an dem mittichen oder aines andern tags.
Man scholl nach sanct Mertten tag in die stat oder durch die stat chain wein furen. Wer
daz ubervert, dem mag man die wein auf die erden schlahen oder in das spittal den siechen
nemen, oder zu meinez herren von Saltzburg handen nemen.
Die selben wein mag er wol verchauffen auf daz lant, aber in der stat getar seu chain
purger nicht geschenchen, er hab seu dann redleich chauft vor sanct Mertten tag.
| Seite 732|
Ez mag ein vater seine chind verheiraten wie im gevelt nach seinem willen in der stat
oder auzzer der stat, zu vervaren oder auf leibgeding ân alle irrung.
Get er aber mit dem toͤd ab und hat seine kind mit heirat noch mit geschaͤft
von einander nicht getailt, so haben die chinder furbas geleich geerbet mit dem tail und
mit wartung ab ainem auf daz ander und sind ze furzicht nicht getailt warden.
Sind die selben chinder in solcher jugent gewesen und hat sei der vater nicht gevogt mit
ainem freund oder mit ainem fromden, so hat seu der rat gevogt nach iren treuen und sind
ze furzicht nicht verheirat worden.
Hat seu aber der vater mit geschaͤften gevogt mit ainem der im darzu gevallen hat,
wer der halt gewesen ist, der selb hat die chinder gehandelt nach seinen treuen.
Ist aber der selb gerhab und inhaber mit dem tod abgangen ee daz die chinder darzu
chomen sind, daz sie ains vogtz geraten moͤhten, der selb gerhab hat seu wol
muͤgen vogten mit ainem andern, wer im darzu gevallen hat, und hat darzu nicht
bedurffen der freunt willen.
Ist aber der selb gerhab ab gangen und hat die chinder nicht gevogt, so hat seu der rat
gevogt nach iren treuen, recht alz vor. Der selb gerhab, den der rat dar zu genomen hat,
er sei
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oder froͤmder gewesen, hat dem rat muͤssen verantwurten der chinder hab untz daz
die chinder zu in selb chomen sind.
Ist er aber abgangen ân erben und ân geschaͤft, die nachsten freunt die haben sein
hab geerbt und haben die gelter und die sel davon ausgericht nach rat.
Ist er aber abgangen ân erben und ân geschaft und hat nicht freunt gelaszen, die sein
hab erben scholten, der richter und der rat haben seich der hab underwunden zu des herren
handen und habent damit furbas gehandelt nach des herren wil.
Sa aber ein man abgangen ist ân erben und ân geschaͤft und hat ein wirtin gelaszen,
die nachsten freunt die haben dieselben sein wirtin von der hab auzgericht nach dem
rechten und haben das getan nach rat.
Wen ein man abgangen ist mit dem toͤd, der chinder hinder im gelaszen hat und hat
derselben chinder muter auch hinder im gelassen, der selben frauen hat nach gevolgt von
seiner hab, daz rechtlich gewesen ist; aver ir selbs haimsteuer hat sei gen einem andern
man nicht muͤgen verheiraten ze vervaren ân ir chinder willen.
Und so ains frauen die varund hab nachvolgen schol, daz ist wein, getraid, vich,
petgewant und ander hausrat, der in dem haus ist; aber chaufmanschaft, satz, geltschuld,
beraitschaft,
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nicht varunde hab; daz selb volgt den chindern und den geltern, wan es alles chumpt auz
der gelter hab.
Also mag auch ain iederman, so er des an im selbs enphindet, daz im daz wesen in der stat
nicht fugt, sich wol geziehen oder gesetzen war in gevalt ân alle irrung.
Ist daz ein man stirbt und gelten schol und hat nicht hinder im laszen, da von sein weib
oder sein erben gelten schullen, die schullen dez selben geltes ledig sein vor got und vor
den leuten.
Und ob das weib ein andern man nimpt, zu dem ir ire freunt guͤt geben, daz sie vor
nicht gehabt hat, oder ob sie ainen man nimpt, der guet hat, oder wie sei got berat, daz
sie pei ainem andern man zu guͤt chumpt, weder der man noch das weib geltent nichtz
des vordern mans geltschuld, nuer als vil seu got ermant und daz seu von aigem willen gern
tun wellen.
Und stirbt ainem man sein weib, der gelten schol und hat nicht zu bezaln und nimpt ein
ander weib, die im varund guͤt zupringt, er mag von der varunden hab wol gelten. Daz
ist da von gesatz, das der man des weibes vogt und auch maister ist.
Stirbt ainem vater ain chind, daz er verheirat hat und hat im guͤt auzgeben, es sei
ligund oder varund guͤt, und daz lat weder weib noch chind, der vater erbet des
chindes gut und mag der pruder noch die swester nicht geerben. Daz ist davon, daz es von
vater chomen ist.
Hat aber der sun ander gut gewunen, dann daz im sein vater gab, er geit ez mit gesuntem
leib oder an dem toͤtpett wem er wil. Get er aber ab ân geschaͤft, die nachsten
erben schullen daz guͤt erben und schullen der sel ir tail davon geben und den leuten
davon gelten; und mugen die selben erben geraichen untz in die sibend sipp.
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So man ain schedleichen menschen in der stat uberwinden wil, der nicht hanthaft hat, daz
schol geschehen mit siben; der selben hort der stat richter funf und der lantrichter die
zwen.
Wil aber der lantrichter durch des clager pet willen seine recht horen in der stat, daz
schol er tun mit des richter und des ratz willen unserm herren von Saltzburg und seiner
stat rechten ân schaden.
So der statrichter dem lantrichter ain ubersagten menschen zu seinen hanten aus dem
statgericht antwurten wil, daz schol geschehen enhalb des graben, da die pruken ein ende
hat.
So ain zerednuz geschehen ist zwischen den purgern oder iren knechten von des von Pettau
leuten, waz under augen nicht gerochen ist warden, darumb hat man furbas clagt.
Hat ein purger wider des von Pettau diener icht verschuldet, das hat der richter
gepessert. Also hat es auch der von Pettau wider gehalten: ob der sein ainer wider ain
purger icht verschuldet hat, das hat der von Pettau gepessert.
Von alter untz in Petreins des Kelner gewalt habent alweg die purger daz gericht in der
freiung gehabt zu der maut; die selben haben gewest und erchant der stat recht und ist
iederman unbeswaͤrt beliben.
Ob der innern ainer von ainer untat wegen gewichen hat auz der stat in daz lantgericht,
den selben hat der lantrichter dem gericht wider geantwurt in die stat. Also hat auch der
statrichter hinwider getan gein dem lantrichter.
Wie sich die purger veraint haben umb ain gesatzten lon gein weingarten mit des von
Pettau willen, daz ist verruft worden und staͤt belieben von innern und von
auszern.
Ez schol niemand flaͤisch vail haben in der freiung, wen der stat flaischker; die
schullen daz tun an den stetten als seu das mit gewonhait von alter her bracht haben.
Pekchen, fuetrer, fragnerin die schullen von den stetten, die seu in der freiung haben
under dem turn und zwischen den pruken der stat zinsen.
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Wer daz urlaub in der freiung von der herschaft nicht hat, der schol mit offen gatern
nicht wein schenken; er schol auch den wein mit phenwerten auz dem haus nicht geben.
Ez hat in der freiung der selb richter hintz zu ainem purger oder ze seinem knecht oder
diern nicht anders zu richten, dann als der statrichter uber jar recht hat ze richten.
Hat man icht ze chlagen hintz ainem purger in der freiung, darumb schol man in dez abntz
ze rechter zeit fur laden und daz selb recht schol der freiung richter hintz dem purger
verhoren in der stat, ains im tag. Aber an dem letzten tag der freiung mag man ain purger
furgeladen wie oft man wil.
Was in der freiung heuser in der stat oder aͤcher in dem purchfrid oder huttstett
an dem iarmarcht verchauft werden, die schol der freiungrichter aufgeben und nicht der
lantrichter.
Wirt ain urtail geding in der freiung ze rechter zeit, die schol gedingt werden an den
von Pettau oder an den von
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aber wider weisung oder anzug mag man chain urtail gedingen, recht alz uber jar.
Ez schol im iar der lantrichter oder sein scherg chainen purger noch chaines purger
knecht noch dinstvolch anvallen umb solch tat, die der statrichter oder der purger selb zu
pessern hat.
Hat der lantrichter hintz ainem in der stat redleich wandel zu vordern, die sich in
seinem gericht im jar gehandelt haben, daz schol er dem statrichter zu wissen tun. Der
statrichter schol den selben tail zu red setzen und ob er vernimpt an seiner antwurt, daz
er im daz wandel schuldig ist, so schol er mit im schaffen, das er sich darumb mit im in
virzehen tagen richt.
Ob ain gast hintz dem andern ze chlagen hat, die paid ze der stat arbeiten mit ir hab,
daz selb recht schol sich vergen vor dem statrichter und nicht vor dem lantrichter; wan ob
in der selben chlag ichtes verhandelt wurd, darumb werden nuer die von der stat gephrengt
und aufgehalten und nicht daz lantgericht.
Daz sind die sach, die der lantrichter auf meins herren guͤt von Saltzburg ze
richten hat ze Pettau.
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Item zu dem ersten mal hat er ze richten alle sach, da man den toͤd mit verdient,
wie die gehaszen sind. Item zu dem andern mal alle pluetig wunden, sie sein clain oder
grosz, die man frevenleich beget. Item zum dritten mal deuff, sie sein clain oder grosz.
Item zu dem virden mal straszraub und nottnuft. Item zu dem funften mal gewaltigs und
veintleichs haeimsuchen mit verdachtem muͤt und tur oder toͤr auffpruch. Item zu
dem sechsten mal umb solch gult, da ein herre zu seinem holden nicht richten wil, so daz
recht dreistunt an in gevordert wirt.
So sind daz die sach, die der lantrichter ze recht nicht richten schol. Zu dem ersten
mal all peulsleg und zerauffen, daz da geschicht ân vergiessung des plutes. Item zu dem
andern mal fluchen und schelten und ander ubelhandlung mit worten. Item zu dem dritten mal
umb gult, wie fraͤvenleichen die der gelter dem chlager vor hat. Item ze dem virden
mal etzat und phantung, die er nimpt auf seinen schaden, do er phentleich mit vert und
wandelt. Item zu dem funften mal all ubervang, die da geschehen an uberrainn und uberern.
Darzu schol der lantrichter niemptz holden vachen umb chain inzicht; er schol dez ersten
vragen, ob sein her oder sein amptman in zu ainem rechten stellen wil. Lubt daz der herre
oder der amptman, daz er ez tun wil, dez schol sich der lantrichter laszen genugen; wolt
man in aber nicht zu recht stellen, so mag in der lantrichter gevachen auf dem gut, als er
mit gurtel umbvangen ist also, daz von dem richter noch von sein helfern, noch von sein
schergen dez mannes herren guͤt an nichteu entphremdet werd oder peswart werd. Ez
schol auch marchtags der lantrichter nicht richten hintz den gesten, so ainer den andern
aufhabt oder verpeut umb gult oder um glub oder ander clain sach.
In dem namen der hailigen und ungetailten trivaltichait. Hainreich der sibend von gotts
genaden romischer chunig, ze allen zeiten merer des reiches. Vor unser kegenwurtikhait
wesenleich gesezzet unser lieber und getreuer furst der ersam erzbischoff ze Saltzburg, ze
Nuͤrenberg in unserm furnemen hof, vor des reiches kegnwurtigen fursten: dem von
Choln, dem von Trier erzbischofen, dem von Maintz (!), dem von Regenspurkch, dem von
Passau, dem
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Freisingen unde dem von Augspurg bischofen, den von Payern und von Osterreich herzogen und
andern des reichs grossen herren, hat begert mit urtail ze ervinden, ob iemantz leuten die
weg und uͤbung an den kunigleichen und offen strazsenn zu ir chaufmanschaft ze
treiben und andern irn gewerf ze tuen von den herren dez landes oder von ander jemand mug
oder schul verbotten werden? Hat die urtail der fursten darum erfunden, daz daz selb
niempt erlaubt ist und daz auch iemant dhainen schul an seiner chaufmanschaft und gewerf
irren. Darumb haben wir dieselb urtail, die von gemainem willen der fursten redleich ist,
bestaͤtigt von unserm kuniglicher gewalt und mit dem kegnwurtigen instrument und
kreftigen auch den mit bewarung unsers insigl. Geben zu Nurenberg nach Christi gepurd
tausant zwaihundert und in dem vir und zwainzigisten jar, in der zwelften indicion und an
der zehenden kalend Augusti.
Wir Albrecht und Leopold gebruͤder von gotts genaden herzogen ze Osterreich, ze
Steyer, ze Kaͤrnden und zu Krain, grafen ze Tyrol etc. bechennen und tuen kund, das
der erwirdig unser lieber freunt her Pilgreim, erzbischof cze Saltzburg, legat des stuels
ze Rom also von uns geschaiden ist, daz wir in wellen in allen unsern landen und
herscheften beleiben laszen auf wasser und auf land pei den rechten und freiungen und
gewonhaiten, die sein gotzhaus in denselben unsern landen und herscheften von alter gehabt
hat ân alles gevaͤrd, und wellen in und die seinen, sie sein edel oder unedl, dapei
behalten und schermen, daz in chain irrung davon widervar. Mit urchund ditz brieffs geben
zu Wyen am ertag vor dem hailigen auffarttag nach Christi gepurd dreuzehen hundert jar
darnach in dem sechs und sechzigisten jar.
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⇭13.1 Siehe Oesterreichische Weisthümer 6. 403. Der Art.192
findet sich nebst den Art. 183-185 und 191 im
Corpus
iur. germ. von Senckenberg-Königsthal aus einer Handschrift des 15. Jahrhunderts, welche
aufzufinden mir bisher nicht gelungen ist.