Repertorium digitaler Quellen zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte in der frühen Neuzeit von Heino Speer

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Gunther Ullrich, (Hg.) Zwickauer Rechtsbuch [digitalisiert bis 2.11.4 (1.11.2023)]. In: Germanenrechte : Abt. Stadtrechtsbücher ; N.F., 2 (Böhlau Weimar 1941)

Heino Speer: Digitale Version (2021) und Revision (2023)
 

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TEI-SourceMetadata

Editorial

Transkribiert sind nur die Reimvorrede und das Rechtsbuch selbst [bis 2.11.4. (Stand 29.11.2023)] Ein Faksimile befindet sich im Internet Archive.

Zwickauer Rechtsbuch. Bearb. Gunther Ullrich.

Titelaufnahme DRW: Zwickauer Rechtsbuch / bearb. von Gunther Ullrich. - Weimar : Böhlau, 1941. - LXXXV, 263 S. (Germanenrechte : Abt. Stadtrechtsbücher ; N.F., 2) Zugl.: Bonn, Univ., Diss.

I. Teil

[1.1.]

[1.1.1.] Von macht des rates ane gericht.

Nu vernemet, waz macht und craft der rat habe ane daz gerichte. Zu dem ersten male, wenne der nuwe rat bestetigt wirt, daz ist, wenne der alde rat den nuwen gekuset und im der stat ingesigel geantwurt wirt: daz sol der burgermeister inne haben. Der rat sol denne zu dem ersten nach truwe und nach eren kisen vier scheppfen, di wise sin und recht kunnen versten; di sullen also lange sitzen als der rat, daz ist von sante Michels tag uber ein jar, bi dem richter urteil und recht ze vinden nach der stat recht uber alle recht und uber alle lute ane uber di, di man verderben sol, da sol der stat bote daz leste recht uber sprechen und an der scheppfe.

[1.1.2.]

Dar nach sol der schriber treten vor den rat und muten, ob er dem rate zu dinste vuge. Vuget iz in denne beidersit, so bestetig in der rat mit eim eide, daz er getruwe und gewer si an allen sachen, di dem rate an heimlicheit oder an offenbarigheit ...

[1.1.3.]

Der schriber ist pflichtig zu dienen, di brieve zu schriben und zu lesen und daz geschoz zu schriben und zu rechen. Der rat sol im ouch perment und wachs geben als vil, als er iz bedarf zu dem jar. Er ist auch pflichtig zu riten, wa in der rat in siner botschaft hin sendet, getruwelich zu werben, also daz der rat sol di kost tragen, di er di wile vortun mag.

[1.1.4.] Von des schriberes lon.

Sin lon ist zehen schefel kornis, also daz daz dritte korn weize si; der zins lit in der orbern mule, den sol man geben zu den vier quatertempere, zu jeder quatertempere drithalben scheffel. Ouch sol man im geben von dem garten, der da lit hinder den bruderen uber den graben acht und zwentzig schillinge, daz ist zu sant walpurgen tage vierzehen schillinge und zu sant Michels tage vierzehen schillinge. Ouch sol im der rat geben sechzehen ellen des besten grawen tuches, daz man veile vindet, und nicht des lichsten, oder also vil pfenninge da vor, als daz tuch mag wert gesin. Von summercleidern red ich nich, wen daz stot zu den burgern, daz si durch ir zuchte oder hubischeit willen eime schriber koufen einen schonen rok, ob si dunket, daz er also wirdig si, daz er iz verdienen kunne, als di stat des wol bedarf. Wenne man ouch ein gantz geschoz nimmet, so sol man imb geben einen vierdunk, von eime halben schoz einen halben vierdung, von dem hirtlone ein lot. Ouch sol im ein ingesezzen burger von eime betbrive geben einen halben grozen; ein uzwendig man einen grozen, ein jude einen grozen. Aber von bekentnisbrieven und von hantvesten sol ez ouch nicht uber einen halben vierdung komen; dar under mag ez wol sin, wer ez gewinnen mag mit des schribers gunst. Von leumuntbriven komt ez wol uf einen vierdung, ob er di bekentnis von dem schriber nicht neher gewinnen mag. Der rat mag ouch wol den schriber eren zu heiligen abenden mit eime bescheiden trancgelde nach siner zucht. Ouch gibt man im eine budenstat in dem jarmarkte; waz er der genizen mak als di burgere von iren buden, daz mag er tun mit eren.

[1.1.5.] Von des butils bestetigunge.

Der butel sol gen vor den nuwen rat, ob iz dem rate und im vuget, und sol sinen dinst dem rate bieten; vueget ez denne dem rate, so bestetige er in in der wise, daz er sol sweren den eit, daz er des rates heimlicheit ungemelt heimlichen und offenbar halde ane argelist und getruwe und gewer si dem rate, dar nach dem gerichte und den scheppfen gehorsam zu wesen, dar nach dem armen und dem richen, dem gaste als wol als dem burger zu ieren rechten zu vurdern, und wa er ervare lute oder keinerleie sache, di der stat schedelich ist, daz er daz dem rate zu wizzen wolle tun und nieman dar an ergern in nide noch in hazze, als im got helfe und alle heiligen.

[1.1.6] Von des butils lon und von siner gewalt.

Der rat sol im geben zu sant Michels tag sechzehen ellen grawes tuches und von iedem schoz ein bescheiden trancgelt. Alliz daz auch wazzer und weide suchet, daz sol im zu winachten zu dem heiligen abende geben zwene heller; wer im di gibt, den sol er vurdern ein gantzes jar mit ingebieten und zu allem sinem rechte imme gerichte oder hi vor, des er billichen hilfet.

[1.1.7.]

Wer uber einen manen dem butel den heiligen abent vor beheldit und im nicht gibt, der butel hilfet im nach der zit als eime gaste; daz ist, als oft er sin bedarf, als oft muz er im in gastes wise lonen, daz ist zu iedem male zwene heller. Ein gast, als oft als er sin bedarf, als oft sol er im zwene heller geben.

[1.1.8.]

[Ouch gibet man dem butel von dem frauwenhus alle sunnabende einen grosschen.]

[1.1.9.]

[Wisset, das wir mit volwort unser eldsten dem statknecht, des lon von alder ist gewest icliche woche zwene grosschen, sin lon gemeret haben mit drien grosschen, alzo das man dem alle sunnabende gibet funf grosschen, vier von der stad, einen von dem frauwenhus; ouch gibet man im zu dem hiligen abende ein bescheiden trancgeld. Dor uber sol er den burgeren, dem rath keine gabe, phenninge nach hulfe mere anheischen nach dor umme biten. Actum M° CCC° XCVIII° sabbato Invocavit.]

[1.1.10.]

[Der butel sol wol helfen von ungesezzen luten under eime schillinge und nicht dar uber, also daz er mit sime helfen rechte gebare.]

[1.1.11.]

[Er mag ouch eime yclichen manne, er si burger oder gast, einen in des andern hus versprechen oder uf halden uf recht und uf antworte ane des voites laube, also daz si dar nach komen vor gerichte und tun, waz recht si.]

[1.1.12.] Von des statloifers bestetigunge und sime lon.

Zu der selben wise sol der statloifer sinen dinst dem rate bieten; vugit iz in danne beidersit, so bestetige in der rat mit disem eide, daz er der stat botschaft an allen sachen getrulich und erlich an allen steten werbe, so er beste kunne und muge ane argelist und des rates heimlicheit, wo er di ervert, mit nichte wolle melden, und wa er des ratis arg oder der stat schaden ervert, daz er daz gegen dem rate melden wolle und wolle daz nicht lazen weder durch lieb noch durch leit, als im got helfe und alle heiligen.

[1.1.13.]

Wenne in di burger in ir botschaft versenden, so sullen si im di zerunge geben. Umme sinen dinst verlihet man im daz rufamt, daz ist von iecliches trankes uzrufen zwene heller ane reinval, welsch win oder Potzner, da gibt man im von zu vier heller.

[1.1.14.]

Wenne er ouch mit dem geschozze get, also daz er pfant nimt, und treit daz von der burger wegen, so gibt im ouch der rat ein bescheiden trancgelt, als si daz gut dunket.

[1.1.15.]

Man gibt im ouch zu sant Michels tag sehs ellen grawes tuches zu eime rocke.

[1.1.16.] Von der torwarten bestetigunge und irme lon.

Dar nach sol der rat senden nach den vier torwarten; vugen di den burgern, so bestetigen si di torwarten in der wise, daz si dem rate und der stat gemeinen, armen und richen, an dem tor und uf der mure zu dem tage und zu der nacht [getrew und gewer] und mit sicherheit zu behalden di sluzzele [unde ouch den tzol an dem thore, und wu mir der von der stad wegen bevolen wirt, gantz und gar antworten wil und ouch das wegegelt] ane alle argelist. Und wa si der stat schaden ervaren, daz si daz nicht wollen lazen durch lieb noch durch leit, si wollen ez dem rate zu wizzen tun und an allen schaden getruwe und gewer sin, als in got helfe und di heiligen.

[1.1.17.]

Ieclicher torwart sol gebieten in sime kirchspil di wache und uf dem tor zu huten, ob man ez bedarf.

[1.1.18.]

Ouch ist ein torwart pflichtig, di hege uf dem graben, di im gebur, gensit und dissit zu machen und zu bewaren mit den widen, di dar uf wahsen.

[1.1.19.]

Di torwarten sin ouch pflichtig, den burgern ze sagen, wenne icht gebrechen ist an der brucken, an den graben, an den tammen, oder ob der lute viech schaden tut an den graben, oder waz gebrechen an den slegen si, daz di der rat beware.

[1.1.20.]

Kein torwart sol ouch des nachtes sin tor uf sliezzen bi der burger hulde weder uzze lazen noch in, ez ensi denne, daz ein gezezzen burger notiges uz der stat sol und muz oder geste hat, di vor di stat gehoren, und kumt er danne mit in an daz tor, ist ez danne, daz man nicht groze var hat, so mag der torwart wol uz lan also, daz der wirt dem torwarten di brucke und daz tor helfe besichern.

[1.1.21.]

Ist ouch, daz ein burger uzwendig der stat ist oder geste, di gerne in di stat wollen, di sol der torwart nicht in lan, er si mit des burgers vrunden oder mit des gastes wirte amme tore also besichert, daz er ane var uf sliezzen muge; dem gaste mag er wol nach sinem wirte gen, ob er wil, oder im also liep dar umme tun.

[1.1.22.]

Wenne ouch ein offenbar urluge ist, daz man groze var hat, so sol in iclichem kirchspil ein man uz dem rate sines torwarten sluzzel des nachtes behalten, oder weme si der rat bevilhet.

[1.1.23.]

Der torwarten lon ist daz: in iclichem sime kirspil sol man im von ieder wache vier heller geben und von der halben zwene, und der graben sullen si geniezzen, so si beste mugen, an gras und an anderm nutze ane an holtze, da sullen si keines an tun wenne waz der ratlute wille ist.

[1.1.24.]

Ouch ist ir gewonheit: welch uzwendig man ein vuder holtzis vuret in di stat, der sol dem torwarte geben vome vuder ein holtz, daz weder daz groste noch daz cleinste si. Ouch sullen si schozzen und rechtes pflegen der stat, ob si icht erbes haben.

[1.1.25.] Von des turmers bestaetigunge und von sime lone.

Wenne daz geschiht, so sende der rat nach dem turmere, und vuget iz in beidersit, so bestetige in der rat mit dem eide, daz er der stat getruwe und gewer si, und daz er arm und rich us dem velde und in der stat tag und nacht in siner hute getruwelichen beware, dar zu daz gotzhus zu unser vrowen ane argeiist, so er beste kunne oder muge, als im got helf und di heiligen.

[1.1.26.]

Sin lon ist alle sunnabende dri schillinge heller und zu sant Michels tag sehs ellen grawes tuches.

[1.1.27.] Von des rates heimlicher bestaetigunge under in selber.

Swenne diz der rat geendet hat, so sol der rat ein heimlich gespreche haben mit im selben und sullen mit im enander sprechen und sweren den eit: Daz wir di heimlikeit, di dem rate widervert von vromden oder von vrunden, an keiner stat wollen melden weder wiben noch kinden, vrunden noch vromden durch liep noch durch leit und ouch wollen rugen, waz wir ervaren, daz dem rate und der stat, armen und richen, schade ist nach allen den geboten, di nach der stat gewonheit irsatzet sin, als uns got helfe und alle heiligen.

[1.1.28.]

Der rat sol ouch alle zit di zucht an im haben, daz der burgermeister stetes rede in dem rate und kein ander man nicht; wenne welcher vur den burgermeister rette ungeheizzen, der krenkite dem rate und im selber di ere. Hat ein man icht zu reden, der heize sinen burgermeister ein gespreche nemen und sage im denne, waz er wolle, daz gut und notdurftig si. Diz selbe sol der burgermeister tun, daz er keinez rede ane siner kumpan rat; er laze di lute uz und in treten und bespreche sich mit sinen kumpanen, so wirt nieman verdacht und werden beidersit gepriset an witzen und an eren.

[1.1.29.]

Welch kumpan einen rat meldet, daz er des von sinen kumpan mit rechte uberwunden wirt, der ist treulos und erlos worden und muz di stat rumen hundert jar und einen tag.

[1.1.30.]

Welch kumpan nicht kumt zu rechter zit oder uzen blibet von mutwillen, der muz amme sunnabende geben einen schillink heller und sus in der wochen sehs heller. Ist aber ein man in der stat nicht oder sprichet also ture, als er gesworn hat, daz er der glokken nicht gehoret habe, so blibet er ane wandil.

[1.1.31.] wy der rat die schephen kusit und setzt.

Di scheppfen sullen sweren also, daz si armen und richen, vrunde und vremde, recht wollen sprechen also verre, als si ez wizzen und kunnen, und wollen daz nicht vorziehen durch lieb noch durch leit, ez beneme in denne unwizzende oder kiesen ein bezzers, einem boesen widerzustene, da von si ez uf schieben, als in got helfe und di heiligen.

[1.1.32.]

Kein scheppfe sol ouch bi sime schepfamte weder vrundes noch vremdes wort sprechen ane sinen recht gebornen kinderen oder siner recht gebornen geswistere oder sines brotezzen, dem mag er wol helfen mit dem rechte und niemanne me, iz trete in danne selber an, so mag er vur sich selber sprechen, ob er wil.

[1.1.33.]

Wa dri scheppfen kiesen, daz einer wider si ist, amme rechten zu sprechen, oder zwene gegen zwein sich zweigen durch des willen, daz einer den andern nicht vordenke, so ziehen si sich mit eren in den rat und in daz buech; waz in daz recht dar inne sait, da bi sullen si bliben.

[1.1.34.] wi ein man von nuwens burger sulle werden.

Welch man von nuwens wil burger werden, der sol gen vur den rat und bitte, daz man in zu burger enpfa. Kuset danne der rat und ervert daz der rat, daz er ein bescheiden biderber knecht oder man ist, und wil recht nemen und recht tun, so enpfahen in di burger in der wise, daz er dem rate gebe ein [schoc grosschen, der geburen zu unser frauen kirchen ein groschen, zu sente Katherinen und sente Nicklas kirchen einer, den schepphen zwene grosschen, dem schriber ein grosschen, dem statknechte unde dem butel beiden gibet man eyn groschen;] wenne daz geschicht, so geb im der butel den eit, daz er mime herren N und den burgern von Tzwicko getruwe und gewer si, armen und richen, als ein vriger koufman sime rechten herren, als im got helfe und alle heiligen. Dar nach setze er einen burgen vor eine marg, daz er ein jar ein recht inseze si, wenne welcher vor dem jar wider uz zuge, der ist dem rate vervallen oder sin burge eine marg. Der burge sol eyn ingesezzen burger sin, den man gemanen mag.

[1.1.35.]

Hat aber ein man zu hant erbe mit koufe oder wi er ez hat, der bedarf keinen burgen setzen ane also vil, verkouft er sin erbe oder sin gut vor dem tage, wer iz denne koufet, der sol zu rechte uf di jarzal vollen uz sten vur di marg.

[1.1.36.]

Den tag als ein man burger wirt, sol der schriber schriben in der stat taveln, durch daz man der jarzal icht vergezze.

[1.1.37.]

Wenne daz jar uz kumt, so ge ein man oder sin burge vur den rat und bewise di besitzunge sines burgerrechtis jarzal; vindet danne der rat di bewisunge gerade an der stat tavele, so laze in der rat ab tilgen.

[1.1.38.]

Der rat sol ouch mit nichte di zu burger nemen, di ir ere und irn leumunt mit bosheit geswechet und gekrenket haben also, daz si des offenbar besagt werden.

[1.1.39.]

Welch man sin uzvart getut und anderswar keret, wolde der her wider keren, queme der vor einem manen wider, er bedorfte nicht anderweide burger werden; blibt er aber uzze uber einen manen, er muz von nuwens burger werden.

[1.1.40.]

[Ouch si wir rath unde rethe in eintracht komen unde in unser stat gesetz halden wollen, daz wir und unser nachkomen rethe der phenninge des schockes grosschen, das man zu burgerrecht gibet, nymandes da von icht wyder geben sullen, sunder wir rat und unser nachkomen rethe sullen di phenninge wenden an der stat harnasch und wafen, was man so getans geretes dar umme gezugen mag.

[1.1.41.]

Wizzet ouch, welch uzwendig man nimt hy zu stat ein wip, si si mait oder witwe, er muz sin Burgerrecht gewinnen. Des bedarf daz uzwendig wip nicht, ob si einen burger oder eins burgers sun nimt, durch daz si in sin recht tritt, wenne si in sin bette getrit.

[1.1.42.]

Ouch wizzet, daz kein man, ouch keines mannes kint, er neme wip oder nicht, di wile er uzzen ist, sin burgerrecht nicht verswigen mag, ob er erbe oder gut hinder im lat, da ein sin mait oder sin vormunde der stat rechtis von pfligt. Ist aber ein man uzzen lange wile oder kurtze unbehit und nimt kein wip uzzen, wenne der wider kumt und kan bewisen sin eliche geburt von vater und von muter hie zu stat angeborn, der beheldit ouch sin burgerrecht. Nimt er aber ein wip uzzen und kumt vor jare und tage, also daz er daz bewere uf den heiligen, daz er jar und tag nicht uz gewesen si, daz er sin wip nam, so beheldet er sin alde burgerrecht. Getar er ez nicht aber behalden uf di heiligen und ist uber jar und tag, er muz burgerrecht gewinnen.

[1.1.43.]

Welch uzwendig wip her keret, di nicht mannes nimt, di muz ouch burgerrecht gewinnen.

[1.1.44.]

Di wile ein man nicht burger ist worden, der muz ze rechte zollen, ob er icht beginnet.

[1.1.45.]

Bi einem manen sol ein ieclich man burger werden; wil er lenger hi sin, er sol kein gewerbe haben, daz sol im der rat verbieten bi sinen hulden.

[1.1.46.]

Ist ouch ein man also arm, da ez der rat erkennet, daz er nicht daz gesatzte recht mag gegeben, der rat sehe an sine vrumikeit und got zu vorderst und mach ez im nach siner macht.

[1.1.47.]

Wizzet auch, welch knecht eyn hantwerg lernit hi zu stat, wenne des lernjar uz kumt und sin hantwerg werken wil, der sol ee burgerrecht gewinnen, ee er keines beginne.

[1.2.]

[1.2.1.] Von der tuchmacher recht, wi die ir innunge haben mit gunst der raete.

Welch man von nuwens tuch machen wil lernen, der sol zwei jar vollinkumlich sin hantwerg lernen und sime herren dienen also, daz im selber di wile kein eigen tuchwerk enwirke, daz kein meister gestaten sol bi dem eide, als er gesworn hat; und were, daz ein lerknecht di zwei jar nicht uz diente und von sime herren zuge, in welcher wis daz si, daz ez von sin selbes mutwillen geschehe, er muz dem rate ein pfunt heller geben und den gewerken ein pfunt heller. Des geldes wartet man niendert anderswa wenne zu den meister, er verburge den kneht oder nicht. Ist aber, daz der meister den knecht ane schult vertribet, daz ez kuset der rat und di scheppfen mit samt den gewerken, so ge di buze uf den meister und nicht uf den knecht. Daz ist also: wenne ein manet verget, so ist di buze verworcht; wil denne ein knecht wider zu sime herren oder zu eim andern meister, der sol uf ander zwei jar reden und dienen und sol di erste dinstzit verlorn haben. Als ofte ein knecht sin jar nicht uz diente, als ofte hat er sine buze und zit verlorn, ob dy schult sin ist. Ist aber di schult des meisters, er halde gegen dem knechte um sine vorlorne zit ein wandel nach der gewerken rat.

[1.2.2.]

Wizzet ouch, queme ein uzwendig man her in dy stat, der anderswa gelernet hette daz hantwerg und der nicht gezogen und geboren were von der stat, der sol kein eigenwerk wurken, er enhabe vor zwei jar an knappen stat geerbeit [ader bewise, daz er anderswa gelernt hab, als hie gewonlich ist zu stat]. Dar nach gewinne er der stat recht und erbeite sin hantwerk selber, ob er iz vermag. Zuht er aber vor den zwein jaren von hinnen und kumt uber ein jar oder zwei oder ein halbiz wider, er muz uf ander zwei erbeiten an knappen stat.

[1.2.3.]

Ist aber, daz eines burgers sun hat gelernet daz hantwerg uzwendig des landes und ist uber zwei jar uzzen gewest und hat vater und muter und erbe da heime gelazen, da der stat ir recht von ist getan, oder ist arm und doch geborn von der stat, er tu recht und erbeite sin hantwerk mit eren. Hat er aber neher den zehen mile gelernt, kumt er her wider, er tu als ein vromder, als gesprochen ist.

[1.2.4.]

Ouch wizzet, daz kein man, der daz hantwerk erbeit, sol pflokken noch gnippen noch har noch keinerley bosheit zu werke legen noch tuch smeltzen, wenne wo ez di vier gewar werden, nach dem ez wirt zu werk getan, si sullen sich von der stat wegen underwinden, iz si vil oder wenik, und sullen di habe brennen uf dem markte nach irm rechte, wen marktag ist, und dem di habe mit rechte vorbrant wirt, der sol der stat vunf schillinge pfundischer pfenninge geben und den gewerken als vil.

[1.2.5.]

Ouch wizzet, welch tuchmacher syme tuche zu wintzik genge let, wen er zu rechte sol, daz ez zu smal ist, er muz dem rate vunf schillinge geben und den gewerken als vil.

[1.2.6.]

Ist ouch, daz einer sin tuch nicht wol geworcht hat, also daz er zu wenik hat in getragen, er muz ouch dem rate vunf schillinge geben und den gewerken als vil. Welcher ouch dy orter nicht glich machet, der muz den gewerken geben ein pfunt wahses.

[1.2.7.]

Ouch sult ir wizzen, wer kein bosheit tut uf dem hantwerke an dube, dem si sin hantwerk verlegit, [als ir horen sult: di vier sullen gen vor den rat und sullen bi irem eide den rat innern, ob di sache redlich ist; kuset daz der rat mit den gewerken, so sullen di vier mit des rates lob und geheiz den an sinem hantwerk vorlegen.]

[1.2.8.]

[Ouch wisset, kein innunge uber di beschriben gesetze sullen sie under in machen ane laub des rates noch der rat sol in daz gunnen ane laub der clugsten; wa si des uberwunden wurden, da sullen si kein der stat umme soitan wandel liden, wi der rat kuset, daz si vorburt haben.]

[1.2.9.]

[Ouch sullen sy an ir innunge keinen vorsprochen rat haben, so daz di vier nicht sullen sitzen iren heimlichen rat weder mit in selber noch mit iren vordern vieren noch mit niemande uffe dem hantwerk, sundern wenne si icht zu morgensprach wollen gen, daz sullen sy offenlich uffe sent Kathrinkirchof tun und wissentlich andern guten meistern. Di vier di sullen nichtes alleine beginnen wen zu der zit, wenne si di bosheit uf dem hantwerk suchen wollen. Waz sy bosheit uffe dem hantwerk vinden, daz sullen si den rat innern by iren eiden; waz umme dy bosheit vorschult ist, da neme der rat sin teil und dy gewerken ir teil.]

[1.2.10.]

[In allen iren gesetzen haben si keine besunderlich bus ane umme dy orter an dem wachs. Keine gesetze noch innunge, dy mit rat gemacht sin, di sullen si nicht abe nemen under in selber, es gesche mit laub des rates und der clugsten von der stat.]

[1.2.11.]

[Alle tuch, dy man graw wirket, dy sullen uffe daz smalste zweiger eln breit sin; des sullen dy vier gewerken by den eiden warten.]

[1.2.12.]

[Ouch ist gesazt mit rat der clugsten von der stat und vom hantwerk, daz der rat ein zeichen hat gegeben, da mit man alle tuch sol zeichen, dy zeichens wert sin. Di sullen si zeichen bi dem eide und uf den eit, di vier, als si der stat gesworn haben, daz si nicht enlasen weder durch lieb noch durch leide noch durch vorcht noch durch gunst noch durch miet noch durch red, si zeichen nach rechte und bewaren iren eit, ir sele und ir ere.]

[1.2.13.]

[Ouch wissit, daz ufloufte under dem hantwerke wurdin sint von des wegin, daz sumeliche meister warin, di da verwetin rot, bla, brun und grun und welchirlei varwe si gebruchin mochtin, di worchtin si uz den phifelerin und ouch uz den drischeftigin zcugin. Da satzte sich daz hantwerk kegin und woldin daz werin. Da satztin sich di rate da kegin und di gemeyn und kurin, daz iz der stat nutz und ere wer, des wart eyn einunge dar under gemacht mit rate der eldistin und allir hantwerk, daz alle, di da verwin woldin und werkin uz den phiphelerin bla, rot, brun ader welche varwe ez wer, di suldin ire tuch alz gut machin, daz eyn elle vir schillinge wert si bi dem minstin und nicht lichtir; waz si iz dar obir besserin, daz sal man in nicht werin, wi thure si iz machin.]

[1.2.14.]

[Alle tuch, di man bla verwet, di sal man an der wolle verwin, und alle ander tuch, wi si der varwe dar an gebruchin mugin, daz si ordelichin gut sin, daz mugin si thun.]

[1.2.15.]

[Ouch iz geret und gemacht, daz di vir meistir ire thuch sullin besehen alz andir tuch, wo si di vindin zcu hungerik und nicht vertik in iren rechtin, da sal man si um busin, alz under in gewonlich ist uf dem hantwerke, so daz si daz dem rate vorkundigin, daz dem sin buse mit gevalle bi dem eide, alz si gesworin habin.]

[1.2.16.]

[Ouch ist man tzu rathe wurden mit den eldesten unde clugesten der stad und mit dem hantwercke der tuchmacher, das kein meistir uf dem hantwercke verben noch meistern sal weder wolle, tuch noch hesten mit der steinvarbe, sundern dy varbe sal eyme iczlichen vorboten syen; wer dar ubir dy varbe arbeite ader dar myte besserte wolle, gewant ader hesten, alse ofte ein man das thut, also ofte musz her dar umme busen dem rathe tzwentzig schillinge heller unde den meistern ouch also vil.]

[1.3]

[1.3.1.] Von der beken recht und gesetze, wi si di halden sullen kein der stat.

Alle bekken, di da semeln und stollen bakken gestrichen, di sullen geschroten sin und von clarem, luterem mele sin ane alle bolle, und wer si anders buche, ez were von bollen oder von slecht malim mel und wolde di luter semeln glich baken, als oft er da mit begriffen wurde under den benken [ader in den husern] alle tage, als oft muz er der stat vunf schillinge heller geben, und des sullen alle tage warten di zwene, di dar uber gesatz werden bi dem eide, als si der stat gesworn haben. Wen welcher des uberkumen wird, der muste di stat rumen hundert jar und einen tag. Wer ez aber, daz si daz nicht wol erkenten, ob di semel gerecht oder ungerecht were, so sullen si dem, der si gebakken hat, bescheiden vur di burger, und der sol den burgern und in den wan versachen mit rechte.

[1.3.2.]

Nu wizzet ouch, welch beke bollen oder slecht malmel wil bakken, daz er iz zu rokken nicht entreit, der sol ez bakken also: wil er ez schiblecht backen, so sol daz brot ungestrichen sin, ane oben uf der mitte sol im ein sinwel strich eines grozen pfenniges breit werden getan; wil er ez aber backen lang in stollen wise, so sol er im an einer siten einen snit tun, als von alder recht ist gewest, und oben einen smalen strich zweiger vinger breit nach der lenge tun. Ist aber, daz iz ist geworcht als ein brot, daz heizet man gense, und ist nicht gesnitten, so tu er im ouch einen strich nach der lenge.

[1.3.3.]

Wizzet ouch, ein brot, daz heizet taschen, daz man daz zu male verbutet ane also vil in der vasten; wer si denne backen wil, der sol si backen von luter semil und sol den teik wol brechen und sol gesoten werden. Daz selbe sol man zu bretzen tun und zu den hornaffen.

[1.3.4.]

Wizzet ouch, welcher kolatschcn oder sinwel brot becket, daz um und umme gantz ist und uz und uz gestrichen ist, daz ez von clarer semeln sol sin als zu den gestrichen stollen.

[1.3.5.]

Wizzet ouch, daz kein becke kein cligen brot sol veile haben under den benken, sunder man sol ez da vor veile haben.

[1.3.6.]

Wizzet ouch, daz keine zwene becken eine bank sullen mieten noch keiner sol uf des andern gemiete bank rukken an keinem tag, sunder er sol sten uf sin selbes gemiete bank; wer aber, daz di benke also weren vormiet, der denne nicht enhat, der sol vur den rat gen und bitten, daz man im bewise, wa er sten sulle. Wo er denne stet mit irre gunst, da stet er wol.

[1.3.7.]

Wizzet ouch, wer uf des andern bank ructe, der muste vunf schillinge heller geben und jenir als vil, des di gemiete bank ist, und sullet daz also vernemen, di benke sin der burger oder niht.

[1.3.8.]

An allen disen geboten sult ir wizzen, wer di nicht heldet, der muz vunf schillinge heller geben, als oft er vellik wird, zu der stat.

[1.3.9.]

Wizzet ouch, wenne di brotbenke ane brot sten [in grossen heiligin tagin als osteren, pfingsten und wynachten, di sullen tzu busse gebin itzlicher XX schillinge: vindet man si aber sust in anderen tagin, so sol yeder becke tzehin schillinge gebin, es si denne,] daz er gewere uf den heiligen, daz er ane hindernisse nicht ungebaken si gewest, und des sullen di zwene warten, di uber daz hantwerk gekorn werden mit der stat boten, wenne si di burger heizen, und wer an allen den geboten, di benant sin, der zweier keinen betrubte oder der stat botten mit den worten, er muste sich mit im berichten, als er gnade an im vunde, und dar nach mit dem rate. Brech er ez aber mit den werken, ez ginge im an sinen gesunt und ouch an sin gut.

[1.4]

[1.4.1.] [Von der cremer recht und gesetzce, daz sy haben.]

[Diz ist der cremer recht, daz von unsin elderin her satzt iz. Zcu dem erstin, daz keiner, der hy wassir und weide suchit, widir uf dem markte noch vor den bruderin noch zcu kirchin stehen sal wen undir den cremin, di wile eyn cram ader eyn lyt irgint ledic ist. Wer, daz keyn cram noch lyt nicht wer, wer denne cram uf slahin wil, der sal daz thun hinden by dem nehistin an dem crame, alz man kegin dem kornmarte uz get und andirs nirgint.]

[1.4.2.]

2. [Ouch ist von aldir recht und gewonlich gewest, daz keyn gast hye uf slahen sal sinen cram wider vor der kirchin noch uf dem markte, wenne nicht markttage sint. Aber di markttage sint allen cramern vrie, wanne si komen, daz si denne us legen mogen ungehindert von recht.]

[1.4.3.]

[Wolde sich ymant des widir sy setzcin, so sullin sy nemin der stat botin, der sal yeme sinen cram uf hebin und sullin yn da zcu brengin, daz her halde der stat recht und ir gesetzce.]

[1.4.4.]

[Ouch ist recht, daz keyne lyt mer sullin sin an den eckin wen eyn, daz uz dem selbin crame get, der an der ecke lyt; daz sal an beyden ortern sin der cremen.]

[1.4.5.]

[Waz vorbaz ussewendik den kramen von benkin ader von lyden sint, dy sullin von rechte nicht sin.]

[1.4.6.]

[Ouch sullin di tzcwene alle wochin alle martage, wen iz yn fugit, daz gewichte besehen den gestin alz wol alz den in der stat an allir koufmanschaft uf yrem hantwerke, an sapheran, an phefer, an allin wurzcen; waz si valschis dar an vinden, daz sullin si brengin vor den rat und sullin des nicht vorswigen bi dem eide, alz si gesworin haben.]

[1.5.]

[1.5.1.] Von der muller gesetze und recht, wy si di kein der stat halden sullen.

Dy mulnere sullen ir steine haben ane alle gruben unden und ir louft umme di steine gantz und nicht witer tzwischen dem louft und dem steine wenne als ein stranc einiz dumen dikke da zwischen muge gegen. Wizzet ouch, daz zcwu unde zwentzig metzen sullen behalden einen statschefel und ein und zwentzig einen zinseschepfel.

[1.5.2.]

Ouch sullen si zu lone nemen von eime gehuften schefel eine gehufte metze, von eime gestrichen eine gestrichen metze, von eime halben eine halbe und dar nach nach dem minnern, als sich gezuhet. Wer ouch ee zu mule kumt, der sol ee malen. Ez sol ouch kein knecht in keiner mule sin, der sin gesinde habe bi im besunder; hat er gesinde, daz si nacht und tag in der stat. Iz sol ouch weder mulner noch knecht von keines mannes boten kein cligen nemen, gesche aber daz, mit dem ersten, daz der mulner des geware wirt, so sol er al zu hant den boten lazen; tut er des nicht und heldet in dar uber einen tag, er sol der stat eine mark geben: let er in aber zu hant, so blibt er ane wandel.

[1.5.3.]

Wirt aber der mulner des uber lanc gewar und getar daz behalden mit dem eide, ez stet im nicht zu var und blibet ane wandel.

[1.5.4.]

Man sol ouch von zwein vudern maltzes zwelf metzen geben, dar nach nach dem minnern, als sich geburt.

[1.5.5.]

Wizzit ouch, queme ein vrost oder ein sulch sne, der der stat schedlich ware oder mochte gesin und den mulen, welchen iz denne zu erst dringet, der sol zu den zwein gen und sol si umme hulfe bitten, daz er und sin mule gevertigt werde. Teten si des nicht und mochte daz mit zwein byderben mannen bewisen, daz siz im versaiten, ez muzt ieclicher dem rate dri marg geben. Und di wile di mule unvertig ist von dem gebrechen, der vor genant ist, di wile sullen di andern bi der vor genanten buze ungemalen sin, biz daz si mit einander vertig werden, ez heize si denne der rat malen. Und wenne ein groz wazzer kumt, daz in vluten get, so sol einer dem andern rumen und sin vlutrinnen uf zihen bi der vor genanten buze, durch daz si icht beide schaden entpfahen.

[1.5.6.]

Ditz ist geschehen in dem jar, als man zalt von Cristes geburt driezehen hundert jar in dem XXXIII. jar, daz ich, Johans Munzer, burgermeister, und ander min gumpan mit rat unser eldesten von der stat und mit rat achter unser ummegesessen mulner uns voreinet unde gesatz haben, welcher unser mulner einer der vor genanten stucke bruch wurde vom vroste, vom snede oder von der flut, der sol dem rate vervallen sin drier mark so getaner groschen, als genge unde gebe sin, und dem mulner eines fuders gutis birs.

[1.5.7.] wy hoch dy mulwer sullen sin.

Daz wer sol gelich sin den alden uveren und wenne daz wazzer clein ist, so sol daz wazzer den weren gelich sin und daz wer deme wazzer und der ubirval sol nider dem uvvir sin einer halben ellen.

[1.5.8.] wy lange daz holtz uffe den weren wachse.

Waz uffe den weren holtzis wechsit, daz sol man in dem anderen jar abe houwen [unden uffe der erden ane sturziln, und hinder dem wer sol man daz holcz als wol howen als dar uffe.]

[1.5.9.] wy man dy bruch halden sol.

Wer di obirmul hat, der sol obwendic des ubervallis yn dem were den bruch allein halden.

[1.5.10.]

[Geschicht aber obwendic des weres in ein nuwe lant ein bruch, den bruch sullen sy beide machen.]

[1.5.11.] [Wy lanc der uberval und wy ho er sin sol an den enden.]

Wenne daz wazzer im cleinsten her heim get genuc uffe dy siben rad, so sol daz wazzer dem uberval gelich sin, und an den enden des ubervalles sol der uberval dem alden ufer gelich sin.]

[1.5.12.]

[Der uberval sol hundert elen lanc sin.]

[1.5.13.] [Wy ho ein itlich vachbom sol ligen und der val.]

[Es ist ouch geteilt vor ein gotes und vor ein gemein lantrecht, daz alle vachboume der mulen sullen gelich ho ligen vom toten wag, da de mulen daz wazzer zu get in eime wer und in eime mulgraben, und sullen gelichen val haben us den wattrogen.]

[1.5.14.] [In welchem lager dy vlutrinnen sullen sin.]

[Man teilt ouch vor recht, daz dy nechsten vlutrinnen by den raden sullen gelich wit sin. Da nach dy nechste vlutrinne sol eines gemundes nider ligen wen dy bi den raden. Ouch sol dy oberste vlutrinne zweiger gemunde nider ligen wen dy mittelste.]

[1.5.15.] [Wi si di vlutrinnen halden.]

[Ouch teilt man, wenne einer sin vlutrinne uf zuhit, so sol der ander sin ouch uf ziehen und sol einer dem andern zu wissen tun.]

[1.5.16.] [Wy man di griessule halde.]

[Man teilt ouch, daz man dy griezsule sol vesticlichen in smiden mit vestem ysen, di sol niemande us nemen, es ensi denne, daz sy ein vlut ader ein vrost us stoz ader irfule, so sol man ein ander in smiden.]

[1.5.17.] [Von den kampraden wen dy truken sten, waz recht ist.]

[Ouch ist recht, wenne in der mitteln mul dy kamprad druken gen, daz si nicht genuc wassers enhat, so sol der muller di nechste vlutrinnen zu setzen by den raden; hat er denne nicht genuc, so setze er dy nechste da nach fur. Ditz selbe sol der obern mul ouch recht sin.]

[1.6.]

[1.6.1.]

Wizzet, daz kein vleischower sol under den benken pfinnecht vleisch noch suwin vleisch noch untzitig, keine gewessert vleisch, noch daz vleisch, daz di juden haben gesniten, mit nichte veile haben sunder di ligen vor den benken. Welcher derleye vlesch vorkoufte einen bizzen, ez were mit schroten oder gantze stukke [an howbt, an tzungen, an bursten, an clawen, an fusen adir wi man das benennen und namen gehaben mag], der mus dem rate vunf schillinge pfundischer pfenninge geben, als oft man in mit so getanem vleische begrifet.

[1.6.2.]

Aber unzitig vleisch und allez vieh, daz suche und veikeit an im hat, daz verbutet man bi vunf marken, und were einer als arm, daz er nicht vunf marg hette, er muste zu buze vunf jar rumen di stat. Tet ez aber dere zweier gesworn einer, da wer anders keine buze nach wen di stat rumen hundert jar und einen tag.

[1.6.3.]

Wizzet ouch, daz alle lute, arm und riche, di under di vleischbenke wandeln, sullen vrid und gemach haben, also daz si kein vleischewer betrube mit worten noch mit werkin, wen welcher ymanne betrubte an keiner hande sache, also daz er ez uberwunden mag werden mit zwein erbern mannen oder mit zwein vrumen vrowen, der muz nach sinem vrevil sich berichten mit dem richter, dar nach mit der stat und zu vort mit dem sachwalden, als er gnade an in allen vindet.

[1.6.4.]

Und wizzet me, daz welcher der zweier geswornen uber daz vleisch keinen betrubt mit worten oder mit werken umme der stat sache, er muz ez im und der stat, dar nach dem richter also swerlich verbezzern, daz ez im alzu swere wirt. Hat er des gutes nicht, man nimtz im abe am libe. Und dirre gebot sullen di zwene gesworne zu allen ziten warten, wenne man vleisch hat veile, und sullen niemanne ubertragen durch lieb noch durch leit noch durch miete bi dem eide, als si der stat gesworn haben. Tet ouch yman keinem vrevil an in under den benken, daz clage er mit rechte dem gerichte.

[1.6.5.]

[Ouch sol chein vleischower uf der gassen nach vor der tur nicht slachten by einer gesatzten buse sechtzehen grosschen; ir iclicher slachte in synem hofe ader huse; wer des nicht tun wil nach huses nicht enhat, der slachte vor der stat an dem wasser.]

[1.7.] Nu merkit umme der schuchwurchten recht, dy sy behalden von gesetze der raet und der stat.

[1.7.1.]

In ist gesatzt und geboten, daz sy kein innunge under in sullen machen by der stat hulde, es engesche denne mit rat des rates.

[1.7.2.]

Ouch ist in verboten lederstrichen; by wem sy daz gestrichen vinden, der sol dem rat an dy stat ein halp phunt haller geben und den gewerken als vil.

[1.7.3.]

Ouch sullen dy gewerken keinen man daz hantwerk lazen arbeiten uber einen manden, si enbrengen in vur den rat, daz er burger werde; wenne er denne burger worden ist, so geb er den gewerken ir wachs.

[1.8.]

Daz sullet ir wizzen, daz alle smide, di niderthalp der mur sitzen, mit nichte sullen smiden mit steinkoln, wen als oft da mit einer begriffen wirt, als oft muz er zehen schillinge heller geben.

[1.9.]

[1.9.1.]

Wizzet ouch, daz weder uzwendig noch inwendig priester noch munch sullen selber weder melzen noch bruwen ane als vil, sin si hie zu stat gesezzen, so mugen si wol melzen und bruwen als vil, als er in sinem huse bedarf mit sime gesinde zu trinken und nicht mer. Wer aber, daz kein priester melzte oder bruwete, und sich des einer sin vrunt wold annemen, der must ez dem rate bewisen uf den heiligen, daz di habe sin were ane alle argelist. Wa si aber mer melzen und bruwen wen si imme huse bedurfen, da sol sich der rat mit rechte zu halden.

[1.9.2.]

Wizzet ouch, ob si ez heimlichen wolden verkoufen, daz ez in kein birschroter sol schroten, ob ez bir ist. Ist ez aber maltz, ez muz der verrechten, der wirt im hus ist.

[1.9.3.]

Ouch sullet ir wizzen, welch man in der stat bier oder maltz wider kouft, der muz dem rate eine mark geben und di habe verliesen.

[1.9.4.]

Wizzet ouch, welch man nimt pfaffen gelt und ander lute gelt und erbeit da mit um winnuge und verswiget daz dem rate, also daz er nicht der stat recht von tut, er muz der stat eine marg geben [und di habe und daz gelt den burgern antworten].

[1.9.5.]

[Wisset ouch, daz kein man sol uf daz lant niemande weder melczen noch bruwen by einer mark.]

[1.9.6.]

[Ouch sullet ir wissen, daz niemant weder phaffen noch munchen und ouch keynerley usluten noch mynner weder erbe noch czinse uffe erbe noch kein geldent gut vorkouffen sol an als vil, ob ein burger hette ein sun, der ein prister wer, und het uf in erbe oder ander gut geerbet, der mac wol erbe kouffen oder geldent gut also bescheidenlich, ob er nicht phrund inhat, da. mit er vorlent sy.]

[1.9.7.]

[Daz sol er ouch czu gewere tun einem gesessen burger, der is vorrechte kein der stat, und sol sich vorwillekuren, daz er daz gut der stat mit nichte inphrinde; anders sol is im nicht geschehen. Waz gutis er ouch hat, ist daz er von der stat czuht, wil er iz behaldin, er sol einen gesessen burger dar ubir kisen zu vurmunde, der is nach der stat recht vorste. Ist er abir vorlent, er vorkouf einem burger sin gut, ob er wolle; keinis mag er abir me gekouffen.]

[1.9.8.]

[Ouch sullet ir wizzen, daz ein iclich man hy tzu der stat sin haws oder hawsere, di er hat in der stat oder da vor besetzen, ab er dy us lazin wiel mit fromen getruwen luten, dy der stat mitburgere synt, dy der herschaft unde der stat truwe unde gehorsame gelobet unde gesworen haben ...]

[1.9.9.]

[Ouch schol man keinen man hy tzu der stat tzu burger nemen, der anderswa in einer andern stat vor burgerrecht hat.]

[1.9.10.]

[Ouch schol kein gast hy tzu der stat by uns hy ligen yber einen manden, der kawfschatz tribe, da mite er andere unsere miteburgere an irer narunge vorhindere ader vorlege, wenne daz tzu wicbilde nicht recht ist.]

[1.9.11.]

[Ouch wisset, daz di monche, di parvusen herren unsers closters, in irem schafferyhus sullen weder bruwen nach meltzen denne alz viel, als si in dem closter zu irer notdurft bedurfen; andern luten inwennig der stat nach uswennig sullen ouch nicht gestaten, daz si dor inne meltzen nach bruwen bi der stat hulden, wi di namen haben.]

[1.10.]

[1.10.1.]

Tzu niunde male wisset, welcher hier, met oder win schenkit, der sol im huse und us dem huse allen luten volle mase geben, als ein gotlich recht ist.

[1.10.2.]

Tut er des nicht und gevellit an dem bir, als ofte mus er vunf schillinge heller geben, an dem met in der selben wise; gevellet er abir an wine, als ofte tzehen schillinge.

[1.10.3.]

Wirt man abir gewar, daz ymande sinen win mischit mit wazzer, den er schenkit, er mus tragen di hoesten buze und mus im den wein lasen setzen nach sime werde.

[1.10.4.]

Ouch sullet ir wissen, welche di sin, di zcweierly bier vur einerlye vorkaufen, also daz eins leger sei wen daz andere oder eines nit als gut als daz andere, als ofte di begriffen wurden, als offte musten si zehen schillinge heller geben und bi einem manden nymmir kein bier schenken noch keinerleige tranc, und da ist nicht vur zu biten.

[1.10.5.]

Ouch wisset by vunf schillingen, daz kein man sol sumer noch winter nepphe noch tupphel geben sunder di stotze und becher, da der burget zceychen an lit.

[1.10.6.]

Ouch sullit ir wissen, welch gast oder der nicht der stat burgerrecht gewunnen hat, wer wein schenkit, reival oder Botzner, der mus dem rat ein halbe mark geben und ein halp stubichein zu setzrecht und Elsesser, von Osterwein und von Wirzeburger oder welcherleige Vranken ein virdunc und ein virteil zu setzerecht; von lantwin ein halben virdunc und virteil zu setzerecht, von bire einen halben virdunc.

[1.10.7.]

Ouch sullit ir wissen, is sei burger, gast oder nicht gast, welcher vromde bier hi schenkit, der mus dem rate einen halben virdunc geben.

[1.10.8.]

Wisset ouch, in welches mannes hus ein gast schenkit und let er in hin varn, e er sich mit den burgern bericht, er mus is in selber geben.

[1.10.9.]

Nu wisset ouch, den bruwern sol man geben von zwein vudern drithalben schillinc haller, von anderthalben vuder zwene schillinge, von eime vuder achtzen heller, von eime halben vuder einen schillinc.

[1.10.10.]

Ouch gibt man in zum grosten gebruwe ein schuffen vol treber, von den andern gebruwen dar nach, und ein man bruwit vil oder wenic, von bier und von lantwin: uf und abe vir haller in den keler und dar us, sechs uf der leiter, von eim keler zum andern einen schillinc, uf der sleife acht heller.

[1.11.]

[1.11.1.]

Tzu dem zehenden male wisset, welch man meineide swert, er si arm oder rich, oder einen andern mit mutwillen und mit unrecht zu eiden tribit, und werden des di burger gewar von dem rate also, daz si kisen uf den eit, als si arm und rich und der stat gesworn haben, daz man im recht tu, er sol di stat rumen hundert jar und ein tac und nymmir dirre stat tugen zu einem burger, bis daz di hundert jar und der tac vorgee; von der zit, als er vorwisit wirt, dar nach mag er wol wider burger werden, hat es im got beschert, ob er wil.

[1.11.2.]

Und wen ein man vorwisit wirt, daz jar und den tac sol man beschriben, daz es allen retin gedechtig sei, und sinen namen.

[1.12.]

[1.12.1.]

Tzum elften male wisset, daz di herren vom Grunheime in irme hofe sullen halden zwu wache alle zit nach der stat gewonheit und zwene wepener, wenne man ir bedarf, und sullen weder melzcen noch bruwen wen als vil, als si in dem hofe zu irre notdurft bedurfen; andern luten sullen si ouch weder meltzen noch bruwen.

[1.12.2.]

Wissit ouch, daz si keinen mist sullen in selber uzwendik der muren vuren. Kein man sol sich ouch ires mistes underwinden, si inhaben im denne gegeben oder verkouft, im zu nutze und nicht in selber, wen welcher daz uberret wurde, der muste der stat ein mark geben.

[1.13.]

[1.13.1.]

Tzum zwelften male wisset, daz alle, di scheffil haben, sullen ir scheffil alle jare zu sent Michels tage eichen nach der stat scheffil, wen welcher da mit eime unrechten begriffen wirt, der mus kein dem rate tragen di hosten bus und kein dem richter, als ofte er begriffen wirt, gelicher vunf schillinge heller geben. Ouch vorbut man es in zu male in den gessen bi vumf schillinge hellern.

[1.13.2.]

Tzu glicher weiz sol kein man wolle noch hopphen in den gassen noch vorm wische veilsen, kauffen noch vorkaufen, bi eime schillinge.

[1.14.]

[1.14.1.]

Tzum dritzenden male wisset, daz kein hoke noch kein phragner nicht sol kaufen uf dem vrowenmarkt an eigern, buttern, an kesen, vlachs, obs, an mahen, an line noch keiner hande, di wil der wichs steckit, sundern dar nach; wenne welcher es tet und besait wurde mit rechte, der muste vunf schillinge heller geben. Ouch vorbut man es in al zu male in den gassen bi vunf schillingen heller.

[1.14.2.]

Tzu glicher wiz sol kein man wolle noch hopphen in den gassen noch vor wischin veilsen, kaufen noch vorkaufen, bi eime schillinge.

[1.15.]

Tzu dem virzenden male wisset, daz alle, di da haben zu wegen wolle, zin, unslit, bleige oder bech, sullen wagen zu der statwage, wen welcher anderswo wuge und nicht recht dem wagemeister tet, der muste der stat vunf schillinge heller geben und dem wagemeister dennoch sin recht geben, daz im geburt hette, ob er gewegen hette etc.

[1.16.]

[1.16.1.]

[Nu merkit und wissit, daz sich arm und riche voreynt und vorwillekurt habin in keginwertikeit drier rete, da Hannis von der Nuwinstat burgermeister waz: Wo eyn man stirbit, der nicht erbin lesit, und blibit sin frowe lebinde, di frowe sal noch yris mannis tode behaldin alle sin erbe, alle yre varinde habe, alle gerade ane allin ansprache yris mannis frunde, dy wile si lebt. Noch der frowin tode sal iz gevallin, wo iz billich hen vellit. Also sal der man glicher wiz sitzcin in alle synen rechtin noch syner vrowin tode, dy nicht erbin lasit, ane alle ansproche der frowin frunde, daz di keyne gerade vorderin sullin; daz sol man also vornemen, di wile sy wythewe ist; vorruckit sy yren withewenstul, so volge yedem man sin recht; blibt si aber witewe an ir ende, so erbt si ir drittel uf ire nestin frunt, di zcwei teil uf des mannis frunt.]

[1.16.2.] Der stat willekur.

[Ouch wissit, welch man in syner gewer sitzt jar und tag ane ansproche, dem iz sy neher zcu behalden, wen ymant si ym abe gewinnen muge, als recht ist; sal besibinde vor di gewer, sal bedritte vor di lehen, ab der richter und di schepphin tot werin.]

[1.16.3.]

[In dem selbin jar quamin sache und clage vor gerichte und in den rat von Nikil Lazans kindin und irer muter, von der Sidil Swerzcin und yren kindin, von der Goltsmidin und iren kinden. Itzlicher frowin starb eyn kint, di frowin sprachin den anval an an der kinder gut. Di sachin wurdin mit vorbedachtim rate der eldistin und der clugistin und gemeine der hantwerk uz gegangin noch nutz und noch recht und noch aldir gewonheit der stat, wen keyn man gedachte daz recht andirs gehaldin.]

[1.16.4.]

[Wen ein man gestirbit und wip und kint lesit, di frowe nymit an des mannis gut von aldir gewonheit und der stat recht ein dritteil und di kint di zcwei teil. Vorruckit di frowe iren witewenstul, so hat si keyn recht vorbas an der kinder gut, di einis vater kint sin. Wo der ein sturbe, daz erbit sin teil uf die anderin; ab wol czcwu mutere da sin, doch sin si ebinburtik von dem vater. Wer abir nicht wen ein kint, daz erbit neher uf di muter wen uf vetterin ader uf ymanden anders.]

[1.16.5.]

[Wer ouch, daz kinder werin von czcwen veterin und von einer mutir, ydes mannis kint erbit ein uf daz ander; ersterbin aber si sich beide uz, si erbin bedirsit uf di muter.]

[1.16.6.]

[Diz recht iz von alder behaldin durch des willin: waz gutis undir einem man erstirbit, ez si wenig ader vil, her habe lutzcil kinder ader wenig, doch so wirt der frowin ir drittel vollinkomelich, daz ir nimant vorsagin tar; do nimpt si man mit und enpfremdit daz dritteil iren kinden, daz si keinen anval dar an habin, dar um hat si keinen anval an der kinder gut.]

[16 a.]

[1.16a.1.]

Wenne alle gemachte ding und gesaczte in der zit mit der zit vorgenclichin sint, so ist nod, das di selben dinc mit einer wirdigen, erluchten schrift in eine ymmer wernde kuntschaft bracht werden. Hir umme nach dritteyls recht, des wir ouch in unser stat Zwicgaw gebruchen, das eine icliche frawe nach ires mannes tode nymet einen dritteil an allen den guten, di under irem manne sint erstorben, si sint varnde und unvarnde, von des wegen, zukumftige zweitracht zu vormyden unde uflowfte abe zu nemen, sint wir rath unde rethe, geswornen der stat Zwicgaw, mit wol bedachten mute eintrechticlichen nach vorsichtigen rate unser eldesten und clugsten mit volwort der ganczen gemeine in eynunge komen, gesaczt habin und setzen: das eyne icliche frawe hy zu der stat nach yres mannes tode mac andern man, ab sy des lustet, nemen mit yrem dritteyl und sol habin ane irer kindere unde nechsten willin mit irem dritteil macht unde craft yrem manne das zu gebin, ab si wiel, des es denne nach der frawen tode ist unde wirt, dor an yn ire kindere und nechsten nicht hinderen sullen.

[1.16a.2.]

Stirbet aber di frawe unde hat iren dritteil, erbe unde gute, varnde und unvarnde, irem manne vor gerichte nicht gegebin unde uf gelazin,si erbet iren dritteil uf ire kindere, ab si di hat; hat si der nicht, si erbet das uf ire nechsten, es si knecht ader mayt, di ir ebenburtic synt unde nicht uf iren man, nach der stat kure unde saczunge, der wir rath unde rethe und di gancze gemeine alle unser nachkommen nu unde her nach ewiclichen in der stat Zwicgaw wollin und sullen gebruchen und di unvorrucket halden. Der saczunge und kure si wir in eine worden nach Cristi geburt M° CCC° XCII⁰, da Conrad Rawber burgermeister und Hennel Crymptschaw, Nickel Hugo, Ulrich Clarer, Diterich Bottscher, Apel Trost, Conrad Beirstorf, Peter Glockengiser, Peter Storm, Heinrich der junge Caldenkuchen, Heinrich Thymer, Andres Milen ratesmanne waren.

[1.17.]

[1.17.1.]

Tzu dem vunftzehenden male wisset, daz kein man oben im walde sol holtz kaufen, der hy wesende ist, sunder er sol si selber, di vlosser und di waltlute, ir holtz lasen uffe dem wazzere her nider vuren und selber lazen vorkaufen, und wisset, welcher dar ubir trete, der muste dar ubir dem rate eine mark geben, da wer nicht vor zu biten.

[1.17.2.]

Doch wisset, wer kein waltman oder vlosser einem hie gesessen man schuldig und wil er im holtz dar an geben, er sol es im her nider lasen vuren und nemen an siner schult, es were denne, daz einer durch der schult di stat mide, so mochte ein man wol dort oben von jeme holtz nemen ane var ane siner schult, als so daz er vor dem rate gewer uf den heiligen, daz daz also si.

[1.18.]

[1.18.1.]

Tzu dem sechtzehenden male wisset, welchem manne man di wache gebutet und ist in so getanir schicht, daz man etlich vare hat, so sol itlich man, er sei arm oder rich, selber zirgelen und wachen bi vunf schillingen hellern, ob er da heim ist oder nicht sich ist; wer abir, daz man nicht var inhet und daz lant in gutem vride stunde, so mochte ein itlich man einen sinen knecht, den er getruwe erkent, oder sinen sun oder sinen vrunt, der achtzen jar alt wer, lazin cirgeln oder wachen oder einen also vornunftigen miten, der bi der jarzal si und getreuwe si. Is insol ouch kein torwart keim man keinen wachter miten, er wisse in getruwe und daz er di jarzale behalde und ouch andirshalp do zu tuge, anders er muste vunf schillinge heller geben vor jenen, den er in gemit hat, wurde er begriffin, anders wen daz gebot.

[1.18.2.]

Ouch sullit ir wissen, daz kein wechter noch kein zirgtgeler, wen er uf di wache got oder anhebt cirgeln, er sol sime torwarten zusprechen, durch daz er sich zu rechter zit bewise. Ditz selbe sol er tun, wen er abe get. Welcher des nicht intete, der muste geben deme rate einen schillinc heller, und des sol der torwarte alle sunnabinde gen vur di burger und sagen bi dem eide, als er der stat gesworn hat, welche sich an dem gebot vorsumit haben, des sol von allen luten unvordacht sin bi der burger hulden.

[1.18.3.]

Wisset ouch, welch man di wechter oder di circgler betrubit mit worten oder mit werkin, es get im swerlich an sine phenninge; het er nicht phenninge, er must di stat rumen als lange, bis daz er des sachwalden hulde irkrigte und ouch der burger. Brech er es abir mit den werkin, es ginge ime an sinen gesunt. Wisset ouch, welich man wachen oder zirgiln vorsumit, der mus vunf schillinge heller geben und acht tage uffe einem tore ligen, daz er nymmir da von sol kumen, uf welchem tor in di burger heisen.

[1.19.]

[1.19.1.]

Tzu dem sibenzehenden male wisset, quem ein gehuwe vor di stat oder in der stat oder daz ein veuwer uz queme, des got nicht inwolle, so sol itlich kirspil loufen zu sinem houbitman und von dem nicht loufen bi einer mark, im werde denne laube gegeben von sime haubitman oder werde es geheisen von dem rat. Waz man denne den man heiset, daz sol er tun mit gehorsam und bi so getaner bus, als man im denne gebutit. Wer es aber denne veuwir, so sol itlich man mit ime tragen ein axen, zuber, gelten, schufen und so getan gerete, daz dar zu nutze wer, und helfen getrulich leschen. So sullen di andern haubitlute, di daz veuwer nicht antrit, ir tor besetzen mit so vil luten, als si daz nach iren treuwen quemelich dunkit und nutz, und daz ander volke lasen laufen zum veure, und wer da zu leuft, der sol helfen, wen hulf er nicht, wer er gesessen, er muste dem rate geben vunf mark; war er abir ungesessen, man helt in uf vore einen ungerechten man und tut mit ime nach einis ungerechtis mannis recht.

[1.19.2.]

Ouch sullit ir wissen, brent ein hus, da ander heuser an stunden, wo es denne di lute aller quemlichiste dunkit, da sullen si mite den veuerhaken risen, durch daz daz veuer icht vurbaz kume; blibet es denne ane der stat und kumt nicht vurbas, man gilt im sin gezimmere von der stat wegen nach bescheidenheit. Trit abir daz veuer ubir, man gilt ime nicht.

[1.20.]

[Wen wir herkennyn manchirley gebrechin, da von dem armut groz schade enstet von hochcziten und von kindilbettin, di setzce wir in sulche mase und gewonheit, da von arme und riche ere, nucz, fromin und gemach nu und hir noch bi allin unsin nochkomelingin und alle rethe sullin behaldin vesticlich ane alle widirstose aller rete und allir lute, si sin an gewalt ader nicht.]

[1.20.1.]

[Zu dem erstin: wer sine kint zcu e gebin wil, der mag sine frunt biten zcu der uzgabe und ander bidirbe lute, so daz des abindis noch des morgins noch vor noch nach wertschaft machin sullin, di sich zcu der egabe gezcihen muge, ane des abindis alleyne so erloybit man des brutegamis vater und muter, gebrudern und swestern und der swester man und der bruder wip, ab si di habin, und ouch der brut vater, muter, bruder und swester, alz des brutegams frunt des abindes da zcu essinde und nimant me. Wurde daz bruch und nicht gehaldin, da werin der brute frunde um vorvallin vunf schog und des brutegamis alz vil. Werin si bedirsit alz arm, daz si des geldis nicht enhettin zcu gebin, so suldin si dy stat bedirsit rumen vunf jar und suldin bi keyme rate in komin, dy vunf jar quemin uz.]

[2.20.2.]

[Dar nach setzce wir mit rate der eldistin, daz man zcu keyner hochzcit mer sal biten, jungir noch alder, vrowin noch man, meide noch knechte wen achzcig mensche, io vir mensche zcu eynir schusselin und nicht me, daz sin zcu czcwenzcig schusselin. Wer daz breche, der sulde der stat sin vorvallin, der brut vater und des brutegams vater ader ire frunt, itlicher vunf schog; werin si alz arm und des geldis nicht hettin, so suldin si dy stat rumen vunf jar, glicher wiz alz vor beschribin iz.]

[1.20.3.]

[Ouch sal nimant reyen mit dem brutegam, her si denne in dy hochzcit geben, bi der selbin buse. Des abindis, wen man di brut geleit, sal nymant da essin wen vater und muter, bruder und swester, alz zcu der egabe.]

[1.20.4.]

[Des morgens am hochcittage sal man alle ding volendin noch gewonheit der stat mit bade und mit andern sachin und sal dar noch an keynem tage wertschaft uf richtin bi der selbin buse. Ouch setzce wir mit rate der eldistin, daz nymant mer spillute habin sal wen czcwene, dri ader vire und nicht mer, wi daz eyn man vormag; ir lon sal sin iodem man vunf schillinge bi der selbin buse.]

[1.20.5.]

[Ouch setzce wir mit unser aller rate, wen man eyn kint wil lasin toufin, da sal mit gehin di amme, di daz kint treit; ist iz eyn knecht, so sal da mit gehin eyn frow, di daz kint hebit und andir frowin dri und nicht me. Ist iz eyn meidechin, so sullin czcwu frowen mit gehin, di iz hebin und ander frowin czcwu. Wer daz nicht enhilde, der sulde dem rate gebin vunf phunt heller. Wer da vor bete, der sulde ouch vunf phunt gebin.]

[1.20.6.]

[Ez sal ouch nimant mer frowin besendin, frunde noch fromde, so daz keyne bi dem kintbette blibe, di wile man daz kint toufit, wen muter und swester. Wer daz breche, der sulde vunf phunt dem rate gebin.]

[1.20.7.]

[Alz manche frowe oberig mit dem kinde ginge, wen di da zcu geschikit werin, di frowin ader ire man suldin dem rate eyn phunt gebin; alz manche frow bi dem kintbette blibe, alz manch phunt muste man dem rate gebin, di frowin, di da blibin, ader ire man, di da bliben.]

[1.20.8.]

[Ouch setzce wir mit rate der eldistin und mit rate allir gemeyn und aller hantwerk, daz keyn frowe mer kindilbette habin sal wen, alz si dri wochin gelegin hat, eynin tag und vor noch nach nicht me. Da zcu sal si nimandis me besendin von patin noch von anderin frowin, wen di mite gehin zcu der toufe. Alz manche frowe mer da ginge, si sy gebetin ader nicht, di ader ire man suldin dem rate eyn phunt gebin.]

[1.20.9.]

[Ouch ist gesaczt, daz czu dem kindilbette nymant keyne wisate wider an phenningen noch an keynen sachin tragin sal noch gebin wen mutere und swester und di patin. Wer daz nicht hilde und bruch wurde, der sulde dem rate vunf phunt gebin; wer her alz arm und des geldis nicht hette, der sulde di stat rumin jar und tag.]

[1.20.10.]

[Obir alle dise gesetzce vorbinden sich arme und riche von der stat mit der rate und willin, di geschen sint mit den retin, daz di ewiclich blibin sullin von uns und von unsin nochkomelingin.]

[1.20.11.]

[Daz ist geschen in dem jar, da Heinrich Lebinberg burgermeister waz und sine cumpan Heinrich Steynhus, Herman Wishoit, Heinrich Hellinbrecht, Heinrich der alde schriber, Peter Mergintal, Herman Crasse, Nikil Prosse, Henil Hurleman, Heinrich Fullingast, Nikil Culpener und Peter Ruswin, und da bi warin alle hantwerk, alle gemeyn und di eldistin von der stat, Heinrich Czapphe, Nikil Jawer, Henil Nuwestat, Conrat Tschakan, Michel Cremer, Heinrich Crossener, Petir Winkeler, Hannis Schuczce und ander bidirber lute vil.]

[1.21.]

[Wisset, daz wir rete und rate mit ein ganczer volbort unsir eldsten durch armer lute willen czu rat sin worden, gesaczt und geboten habin, daz alle bader hy czu der stad ame mantage, mytwoche, sunnabunde cheine selebad sullin habin noch legen, sunder ame dinstage, donerstage, frytage mugen sy di wol habin umme daz, daz arme lute denne eren ruwin und gemach deste baz habin und ir ouch dy bader sundirlich deste baz gewarten mugen, got czu lobe und den selen zcu troste und allin gelawbigen selen, den man zcu troste und selicheit dy bade macht, und ouch daz dy bader den luten yr gelt abe dinen, das ys den selen zcu nucz und trost chome, das man yn dor umme gibt, und welch bader des bruchig wurde, der sol dem rat, alz oft er dor an bruchis fundin wirt, vor iczlichen tag besundern gebin einen halbin virdung Mysner groschen. Daz gelt sol der rat gar und unvorkurczt nemen und sol daz gebin halb in daz spital vor unser vrowen tor und halb in daz sichhus vor dem trenktor. Dyse saczunge sulle wir und alle unser nachchomen rete, dy bader hy czu der stat unvorwandelt gebiten und twingen zu haldin by der e genanten bus. Actum millesimo CCC LXXXIIII.]

[II. Teil]

[2.1] Wi Origines wizsaite von den sechs werlden und wi di herschilde da nach werden us geleit.

[2.1.1.]

Origines der wizsaite hi vor, daz sechs werlde solden wesen, di weren bi sibentusent jaren uf genumen und ime sibenden sullen si zugen. Nu ist uns kundic worden von der heiligen schrift, daz an Adam di erste werlde began; an Noe di ander; an Abraham di dritte; an Moysen di virde; an David di vunfte; an gotis geburt di sechste. In der sibenden si wir nu sunder gewizze zal.

[2.1.2.]

Zu dirre selben wize sin di herschilde us geleit. Der kunic vurt den ersten; di bischof und di epte und eptissen den andern; di leygen vursten den dritten sint dem male, daz si worden sin der bischofe man; di schepfenbaren vrigen lute und der vrien herren man den vunften; der man vurbas den sechsten, und als di cristenheit keine steticheit in der sibenden werlde enweiz, wi lange si sten sulle, also enweiz man ame sibenden Schilde nicht, ob er herschilde heizit ader lehenrecht gehaben mac. Di leigen vursten haben aber den sechsten schilt in den sibenden bracht, sint si sin worden der bischofe man, und also der herschilt ame sibenden zustat, also zuget di sippe ame sibenden.

[2.2] Wie dy sippe beginnet und wa sy endet und waz dy nagelmage heizsen.

[2.2.1.]

Nu merket, wa di sippe beginnit und wa si ende nimet. In dem houbit ist bescheiden man und wip zu sten, di elich und redlich zu sampne kumen sin. In des halses gelide di kindere, di ane zweiunge vater unde muter geborn sin; ist aber da zweiunge an, di mugen ame gelide nicht besten und stricken sich ane ein ander gelit. Ungezweiter bruder kint, di sten an dem lit, da schulderen und arme zu sampne gen; also tun ouch di swester kint. Ditz ist di erste sippezal, di man zu mage rechent: bruder kint unde swester kint. In dem ellenbogen di andere, daz sin der kint. In dem gelide der hant di dritte, daz sin der kint. In dem ersten gelide des mittelsten vingers di virde, daz sin der kint. In dem andern gelide des mittestelen vingers di vunfte. In dem dritten gelide des vingers di sechste; ame sibenden stet ein nagil unde nicht ein gelit, dar umme endit da di sippe und heizen nagelmagen. Di abir zwischen dem nagil und dem houbit sich gezihen, di nemen erbeteil zuvor.

[2.2.2] Wy di sippe ende nimt erbe zu nemen.

Di sippe endet an dem sibenten, erbe zu nemen, ob wol der babist erloubit, wip zu nemen in der vunften linien; wen er mac kein recht gesitzin, da mit er unser lantrecht oder lehenrechte geergern muge.

[2.3.] Wi uffe altwil, uffe twerge, uffe crupelskint weder irstirbet leen noch erbe.

[2.3.1.]

Ouch wissit, daz uffe altwil noch uffe twerg weder erstirbit lehen noch erbe noch uffe crupilkint, swa da den erben zu sten, di sullen sich ir underwinden und haldin in phlage.

[2.3.2.] Von stummen, handlosen, fuzlosen ader blinden kinden.

Wirt ouch ein kint geborn stum oder handelos oder vuslos oder blint, daz ist wol erbe zu lantrechte und nicht zu lehenrechte. Hat er es abir enphangen, e er wurde also, daz verlusit er da mite nicht. Aber uf den miselsuchtigen man erstirbit weder lehen noch erbe. Hat er es aber ere der suche enphangen und wirt er sinder sich, er verlusit sin recht da mit nicht.

[2.4.] Welcherley dinge zu dem erbe gehoren.

Nu vornemet, waz zu deme erbe gehoret bi wicpilde noch der ebenburtikeit. Da gehorit zu alles eigen, daz unbegabit ist, allis golt und silber, gewant, wullin und linin, phert, rinder, swein, di us des mannes hove gen. Gemeste swein gehoren zu der musteile, halp zu dem erbe. Ganze bachen siten, schuldern, schinkin, korncasten, melcasten, tische, stule, bencke, badelachen, hantvas, slechte casten, phannen, buten, di da stille sten in des mannes erbe, alle kessele sunder einen waschekessel, der gehoret zu der gerade; kufin, di ledic sin, di gehoren zu dem erbe, und hunre unde andere vogele unde hunde und katzen, morser und aller hande harnasch und wapen, sunder daz hi vor benant ist, allis silberin trancgevese, daz gehort zu dem erbe. Wo aber czwene man oder drie hergewete teilen sullen, do sal der eldeste teilen und der iungeste sal kisen, der eldeste nimit aber daz swert zuvort.

[2.5.] Welcherleyge dinge zu dem hergewete gehoren.

Nu horet, waz zu dem hergewete gehoret bime wicbilde. Da gehoret zu des mannes beste phert oder ein ors gesatelt und sin swert und sin schilt und sin beste harnasche, das er hatte zu eines mannes libe, und sine tegeliche cleider und ein herphul, daz ist ein bette und ein kussen und zwei lilachen und ein tischlachen, zwei becken unde eine twele und ein wenic kessel und ein kesselhake ader ander wapen, welcher hande di sin, daz ist ein gemeine hergewete, di man phliget zu wicpilde zu geben. Waz abir di vrouwe des dinges nicht enhat, des endarf si nicht geben, tar si daz behalden uf den heiligen, daz si es nicht enhabe.

[2.6.] Waz zu der hofspise gehorit und ouch waz der vrowen des gevolgen mac.

[2.6.1.]

Horet und vornemet von der gehoveten spise, di in des mannes hove erstirbit bime wicbilde, welch recht di vrouwen dar zu haben, ab si sich von iren kindern scheiden ader von des mannes erben nach dem drisigesten.

[2.6.2.]

Ist daz ir lipgeziuc, da dis dinc inne erstirbit, so nimet si is allis halp nach dem drisigesten von aller hande dinge, daz ir man zu spise haben solde zu eime jare. Waz dar u,bir ist, daz nimet sin recht erbe.

[2.6.3.]

Ist abir di stat der vrouwen lipgezuc nicht, do diz dinc inne irstirbit, so nimet si des dinges nicht mere wenne also vil, alse si es gessen und getrinken mac, di wile ir nicht geleistit sin ir phenninge, di ir gelobt worden, do si iren man nam. Al di wile so darf si ouch di gewere nicht rumen, di erben di wisen si abe mit minne ader mit rechte.

[2.6.4.]

Hat abir si burgen da vor, so endarfe si den erben weder manen nach minnen von rechte, so sol si ime di gewere rumen. Wenne gelubde brichet aller hande recht, do man es bezugen mac.

[2.7.]

(N)imt ein man ein wip, di gut ader v(arn)de hab hat, daz ir is(t, w)enne daz w(ip be)schrit de(s ma)nnes betbret, so (ist es daz s)in und si hat dar an nicht (mer w)en waz er ir gibt vor gericht; (waz er ir) des nicht gegeben hat (und) hat in des gutes gewer gesessen jar und tac ane (rech)t ansprach, und gewinnet nicht erben mit ir, daz gut erbet er uf sin erben billicher wen uffe der vrowen vreund, ob sie beide sterben.

[2.8] Waz zu der gerade gehorit und wem sy zu rechte gevolgen mac.

[2.8.1.]

Wolt ir nu horen, waz zu der gerade gehoret, da gehoren zu alle wipliche cleider und gesniten tuch, wullin und linen, daz vrouwen phlegen zu tragen und in iren geweren zu habene, und allis golt und silbir, daz geworcht ist zu vrowen zirde, alle vorspan und vingerlin, gurtule von siden geworcht, armgolt und ummehenge, sperrelachen, lilachen, badelachen, ummehenge, bette, phule, kussen, tischlachen, phannen, di man us mitet, einen kessel und einen casten mit ufgehalden liden, lin unde vlachs unde gesoten garn, bucher, di vrouwen phlegen zu lesen, gense, enten, schaf, di vor den hirten gen.

[2.8.2.]

Waz abir ir man ein cremer, daz er vil kolten hatte und schalunen und tepte, des mac di vrouwe nicht mer behalden wenne also vil, alse zu irme cramgewande gehoret, oder zu dem hosten ir itliches dri stucke.

[2.8.3.]

Waz er abir ein gastgebe, das er vil bette hatte in der gastkammern, da mac si nicht mer behalden, wen hi vor gesait.

[2.8.4.]

Stirbit einem manne sin wip, so nimet ir neste niftele di gerade, di sol deme manne berichten sin bette, alse es stunt, do sin wip lebete, sine banc mit eime phule, sinen tisch mit eime tischlachen und hantwelen, sinen stul mit eime kussen. Di neste gespinne, di nimit keine musteil.

[2.9.] Ob wip oder man stirbet, waz icliches gut dem andern gevolgen muge, und wy dy vrowe ir morgengab behalden muge.

[2.9.1.]

Nimt ein man ein wip bime wicbilde und stirbit der man, daz wip hat an sime gute nicht, er enhabe es vor gerichte in gehegettem dinge gegeben zu irme libe oder zu morgengabe. Kein wip mac morgengabe oder lipgedinge zu eigen behalden. Stirbit abir si, es vellet wider uffe des mannes erben kint. Hat ir der man kein gut gegeben, di vrouwe besitzet in deme gute und di kinder sullen ir geben ir notdurft, di wile si ane man wil sin. Hat abir der man schafe, di nimet daz wip zu der gerade.

[2.9.2.]

Wil man abir der vrouwen morgengabe brechen, si behelt si mit mannen und mit wiben selbe sibende, di da zu kegenwertic waren. Hat der man oder daz wip kinder, di uzgeradet sin, stirbit der man, di kinder, di in der gewere sin bestorbin, di nemen daz gut, di usgeradet sin, nicht; daz erbe mugen si abir nicht vorkoufen ane erben gelob.

[2.9.3.]

Di kindere, di abir in dem erbe bestorbin sin, stirbit der kein, daz gut teilen si gelich under ein ander, di beide busen dem erbe und binnen sin.

[2.9.4.]

Welich ir abir binnen den geweren ist bliben, und blibit er wol ein phaffe, er nimit doch di gerade, und ab do kein iuncvrouwe ist. Ist abir da eine iuncvrouwe und ein phaffe, di teilen di gerade gelich under sich.

[2.9.5.]

Wo abir ein erbe vorswestert und vorbrudert, alle di sich glich na der sippe gestuppen mugen, di nemen daz erbe glich; di sich neir gestuppen mugen, di nemen daz erbe zuvor.

[2.10.] Ob ein man stirbet, der kinder let, dy usgeradet sin oder unbestat sin.

Stirbit ein man, der kinder hat binnen wicbilde, di usgeradet sin von sime gute, und hat er einen sun ader eine tochter, di unbestat ist in sime gute, der mac wol sin gebowe vorkoufen mit der muter wille ane der kinder loube, di usgeradet sin.

[2.11.] Ob ein sun wip nimt bi des vaters libe oder ob zwen brudere zwo swestern nemen und wy ein wip wirt ...

[2.11.1.]

Nimit der sun ein wip bi des vaters libe, di im ebenburtic ist und gebinnit er sune bi ir und stirbit er dar nach, ere in sine vater geteilt von dem erbe, sine kinder nemen teil an ires eldernvater erbe gelich irme vettern an irs vater stat; alle nemen si abir einis mannis teil. Ditz inmac den tochter kindern nicht geschehin, daz si gelich teil nemen der tochter an des eldervater oder an der eldermuter erbe.

[2.11.2]

Nemen ouch zwene bruder zwu swestern und der dritte bruder ein vremde wip, der kinder sint doch gelich nahen, ir itlichem des andern erbe zu nemen, ob si ebenburtic sint.

[2.11.3]

Di tochter, di abir ime huse ist umbestat, di inteilit nicht der muter gerad mit der tochter, di usgeradet ist. Swaz abir erbis an si erstirbit, daz mus si mit der swester teilen.

[2.11.4]

Ein wip mac ouch mit unkuscheit ires libes ir wiplich ere crenken; ir recht verlusit si aber da mit nicht noch ir erbe.