Zur Datierung: Im DRW wird das Meraner Stadtrecht entweder ohne Datierung oder
mit "14. Jh." datiert. Nun wird aber in VII 1 das Jahr 1337 erwähnt, so dass
dieses Jahr als Terminus post quem dienen kann.
Mit Hilfe eines OCR-Programms (Omnipage 18) aus dem Google-Digitalisat eines
Exemplars der New York Public Library in einen maschinenlesbaren Volltext
überführt und mit XML-Markup in Anlehnung an die TEI-Richtlinien versehen.
Die elektronische Version des Meraner Stadtrechts ist gegenüber der von Franz
Pfeiffer stammenden Edition geringfügig vereinfacht worden, um die Erfassung des
Textes durch Suchmaschinen zu erleichtern. So wurde die "ae"-Ligatur aufgelöst
in "ae" und der Zirkumflex über Vokalen wurde stillschweigend eliminiert. Denn
wieweit diese diakritischen Zeichen tatsächlich ihre Berechtigung haben, liesse
sich nur bei einem Vergleich mit der Handschrift feststellen.
Das Ziel dieser Version ist es einzig und allein, einen maschinenlesbaren Text
des Meraner Stadtrechts im Internet verfügbar zu haben. Heino Speer,
Klagenfurt am Wörthersee, 17. Juni 2018.
| Seite 413| Obwohl die
städteordnungen des mittelalters der natur der sache nach in vielen punkten sich
berühren und wiederholen, so besitzt doch in der regel jede derselben ihre
besondern eigenthümlichkeiten, die unsere kenntnis der sitten und gewohnheiten
gewisser zeiten und des gemeindewesens überhaupt zu erweitern geeignet sind, die
mittheilung des nachstehenden erst kürzlich aufgefundenen stadtrechtes dürfte
daher nicht unwillkommen sein. herr Matthias Koch, der in
seinen beiträgen zur geschichte der stadt Meran
(
Nationalkalender für Tirol 1840, Innsbruck bei
Wagner) dessen existenz noch bezweifelte, hat es später im archiv zu Meran
selbst entdeckt und mir seine abschrift freundlich mitgetheilt.
[I 1] Alle die veile habent brot und kaese und fuoter und smalz und salz
und honic und magen und unslitkerzen und wiltpraet und smalsat und obez
und knoflach und unslit und hüener und eier und smer und har und vadem
und griuze und nuzzen und kesten und swaz so getan klein kost daz ist,
und swer der ist der daz veile hat, si haben hiuser ze erbrehte oder
niht, oder alle ander die da gädemler sint: die sullent koufen und
mugent koufen nach der fruomessen ersten glocken, die man liutet ze vron
ampt ze sant Nicolaus, und vor niht. aver holz und höu und strouw
sullent und mugent si koufen fruo oder spat swenne sie wellent; und sol
man daz veile haben uf dem platze ennent der brucken. und milch und krut
sullent und mugent si koufen ouch swenne si wellent fruo oder spat, und
sol man daz anderswa nindert koufen noch veile haben wan uf dem
obezplatze vor der münze, und swer daz übervert und brichet, als ofte
und er daz tuot, der ist ze pene gevallen zwei pfunt und fünf
schillinge, halbiu
| Seite 414| dem
gerihte und halbiu der stat. swaz ein burger koufen wil daz veil ist, ez
si korn, fuoter, kaese, wildez oder zamez, grawez oder linin tuoch oder
swaz ez ist, daz sol der gädemler1
im lazen unde da von sten und in daz lazen koufen bi pene fünf pfunde
und fünf schillinge, halbiu der stat und halbiu dem gerihte. und swaz
ein burger des kouft, daz sol man im hin heim füeren und tragen.
[I 2] Ouch ist erfunden, daz ie der wirt oder gastgeber sinem gaste sagen
sol, daz der gast sine koufmanschaft sol veile haben hie vor uf sinem
laden als lange hinz daz man die fruomessen singet oder sprichet datz
sant Nicolaus; und in der selben wile sullent burger koufen und keine
gädemler. aftermalen nach der fruomessen sullent und mügent koufen
burger und gädemler.
[I 3] Und ob dehein gastgebe waere, der heimlich in sinem huse von sinen
gesten iht in koufte und er daz sinen gehusen2 mit teilen wolte oder
in ze gunst koufte, und wirt er da mite begriffen ane gevaerde, der hat
daz guot verlorn daz er kouft hat, und daz sol gevallen halbez dem
gerihte und halbez der stat.
Ez sol nieman, burger noch gädemler noch ander ieman, keinerleie korn noch
smalsat uzerhalbe der stat noch indert anderhalben iht koufen noch
verarren3, daz man zuo der stat füeret oder
treit veile, wan niur aleine uf dem kornmarkt an in den zwein frien
jarmerten, bi flust des selben kornes, halbez gevalle dem gerihte und halbez
der stat. und ob der kouf geschehen ist mit worten unde die pfennige dannoch
niht vergolten sint, dennoch sol der kouf der pene gebunden sin, ob der
hingeber siniu reht darnach tuot daz erz verkouft habe,
| Seite 415| oder ob er sin mit ander ieman überwart4 wirt.
ouch sol kein burger noch gädemler niht mer kornes koufen dan er in sinem
huse bedarf ane gevaerde, und durch keinerleie fürkouf, bi pene ie des
mutten zweier pfunde und fünf schillinge, halbez dem gerihte und halbez der
stat. ez sol kein burger noch gädemler der veilez brot bachen wil niht mer
kornes in koufen dan ie ze zwein bechen5. und alle die wile daz er daz brot
unverkouft hat sol er kein korn koufen, an in den zwein frien jarmerkten
aleine, bi pene zweir pfunde und fünf schillinge, als ofte ez gebrochen
wirt, halbez dem gerihte und halbez der stat. ez sol ouch kein burger noch
gädemler noch ander ieman kein korn in koufen durch fürkoufes willen, an
aleine die brotbechen, die gen hof bachent: die mugent mer korn koufen
swenne sin not ist, so diu herschaft hie ist. und swenne si daz koufen
wellent, so solnt si tuon nach der drizehener rat, ane gevaerde. ez sol ouch
kein kornmezze noch sin kneht niht me kornes in koufen dan er uf sinem
tische bedarf, und sullent ouch an korn noch an fuoter mit nieman kein teil
noch geselleschaft bi irem eide niht enhaben und bi pene ires amptes, wenne
daz geschiht und sich mit der warheit ervindet. ouch sol man den burgern ir
korn daz sie koufent da heim in ir huse mezzen, an aleine den die brot vaile
habent, den sol man daz korn mezzen uf dem kornmarkt, ouch sol man, weder
burger noch gädemler, kein korn niht koufen bi der naht, wan niur bi
schoenem liehten tage, bi pene zweier pfunde und fünf schillinge von ie dem
mutte, halbez dem gerihte, halbez der stat. würde aver einem burger des
kornes iht überic daz im niht geviele oder er des niht bedörfte, und
verkouft er daz, daz sol im sin an allen schaden.
Ez sullent vier man, die dar zuo erwellet werdent, alle zit, als ofte und sin
not geschiht, daz brot beschouwen unde
| Seite 416| besorgen bi
iren triuwen dar nach und daz korn ganc hat, ob ez ze klein oder ze liht si
an der groeze oder an der güete. und swa si ez ze kleine oder ze lihte
vindent, da sullent si daz selbe brot uf hefen gar unde gänzlich und sullent
die zwei teil geben in daz spital und daz ander dritteil an den hornval6, den uzsetzigen; und als ez die
XIII des rates mit den brotschouwern schaffent, so sullent sie ez schouwen
und sullent ez handeln ane gevaerde. swer ouch daz brot, so die schouwer zuo
gent, ab wege bringet, der sol ze pene geben zwei pfunt dri schillinge, und
ist daz er daz selbe brot verkoufet, der kumt in die selben pene, wan erz
niht verkoufen sol bi der selben pene. und waz ouch die selben
brotbeschouwer brotes nement und absagent, daz selbe brot sol man after des
niht verkoufen, swaz des ist, ez habe der beche uf der laten oder inrehalben
des laden, bi pene zweier pfunde dri schillinge. und swer die brotbeschouwer
übel handelt, ez si mit worten oder mit werken, der sol geben ze pene fünf
pfunt, halbiu dem gerihte und halbiu der stat, unverzigen unde ze behalten
dem sin reht hinz dem dem ez mit gereht wirt.
Ez sol menniclich der win schenken wil ganzlich daz gesatzte maz geben ze
allen ziten ane underlaz; und sullent ouch gleser und becher haben dar in
daz maz volliclichen ge. ouch sullent si bi halber und ganzer patzeiden7 und bi halben und ganzen
vierteilen win zuo koufen geben menniclich. ez sol ouch kein leitgebe nach
der winglocke niht schenken noch win geben in dem leithuse wan aleine dem
rihter und für daz leithus menniclich; an sine herberge hin heim swer win
nemen wil, dem sol man in geben, ez sol ouch kein leitgebe nach der
winglocken kein spil lazen geschehen weder umbe bereite pfennige noch umb
ledigiu. swelhez ouch under
| Seite 417| disen
obgenanten gesetzeden des wines ein leitgebe übervert, der ist gebunden ze
geben ze pene als ofte ez übervarn wirt zwei pfunnt und dri schillinge,
halbez dem gerihte und halbez der stat. ez sol ouch nieman in der stat win
schenken denn aleine der waht und stiure git. wolte aber ander ieman
schenken in der stat der waht noch stiure niht git, der sol geben an die
stat von ieglichem fuoder ein pfunt Berner. ez sol menniclich der schenken
wil daz maz geben wie er wil, doch über ein zehen niht, und sol doch geben
daz gesworne maz, ez si denne daz die drizehen ein anderz mit in schaffent
oder ordent. man sol ouch den Kriechel und Romaner schenken ein ganzez
trinken umb zwene zweinziger und ein halbez trinken umb einen zweinziger,
und Malfasier ein trinken umb dri zweinziger und ein halbez trinken umb
anderhalben zweinziger. und wenne man die wine her ziuget und in leit unde
die schenken wil, daz sullent si niht tuon, ez sin denne der drizehner dri
da bi. und ob si daz überfüeren, wenne sich daz erfünde, der ist komen umb
den win, halber dem gerihte und halber der stat. und ob er also daz maz niht
gaebe als oben geschriben stet, so ist er komen von ie dem trinken umbe zwei
pfunt, dri schillinge.
Ez sol kein fleischhäckel keinen nieren niht machen an keinem vihe, jungem
oder altem, wan als ez got gemachet hat, mit keinerlei gemächte, und ouch
niht uf blaejen. si sullent ouch keine hoden ab den remlern8 noch ab den kastroun9 niht
ab sniden, und sullent si an den stücken verkoufen dar an si sint. si
sullent ouch keine su niht slahen, veile ze verkoufen under der fleischbank.
ouch sullent si kein nunne10 noch kein rint niht abslahen
noch uf tuon, ez sin denne die dri da bi die dar zuo gesetzet sint oder
gesetzet werdent, oder ir einer. si sullent ouch kein unzitigez vihe niht
abnemen,
| Seite 418| ez si kalp,
kitze, lamp, spünnevärle oder swelher hande ez si. ouch sullent si kein
phindigce swin noch schelmigez rint niht verkoufen under der fleischbank, bi
pene fünf pfunde, halbiu dem gerichte und halbiu der stat. si sullent ouch
keine wurst niht machen danne mit dem fleisch daz von dem swine komen ist.
si sullent ouch kein ingeweide noch kein bluot noch keinerlei unsuberkeit,
von swelhcrleie sache daz si, in den bach niht werfen noch ander ieman
ze11 verhengen, die daz von in kouften. si sullent
ouch eim ieglichen der fleisch koufen wil, ob er dar nach fraget, sagen bi
irn triuwen an allez gevairde wenne daz fleisch geslagen si und welher hande
fleisch ez si. si sullent ouch daz fleisch niht anders zieren noch machen
danne üeblich rizen uf dem rücken mit dem mezzer. und swelhez der einez si
übervarnt, als ofte daz geschiht, als ofte sullent si gevallen sin in pene
zwei pfunt und fünf schillinge, halbiu dem gerichte und halbiu der stat. si
sullent ouch eim ieglichen ze koufen geben ein halbez stücke, swelher leie
ez si, ane rindrinez aleine, bi der vorgenanten pene. si sullent ouch eim
ieglichen ze koufen geben ein puggel, ez si von kitze oder von lamp, dar
nach und er koufen wil oder mac. si sullent ouch kein smeckendez fleisch,
swelher hande ez si, niht verkoufen bi der vorgenanten pene. swelher ouch
den drin fleischhäckeln an irn eit rette, daz sich mit der warheit ervindet,
der sol gevallen sin den burgern ze pene fünf pfunt, unverzigen des rihters
reht und ouch des dem ez mit gereht wirt.
[VI 1] Umbe pfant diu man riten sol unde pfant diu man füeren sol unde
pfant diu man tragen sol, daz sol der veiltrager, er oder sin kneht, in
der stat uf und nider tuon ane gevaerde, dar umbe daz diu selben pfant
einem ieglichen dester baz vergolten werden. und ob daz waere daz iht an
pfanten diu man us vrien niht verkoufte kein übertiure12 belibe
über daz gelt dar umbe er diu pfant verkoufte, und ob der daz niht naeme
hin wider des diu pfant sint gewesen
| Seite 419| unde dem
ez billich werden solte, inre vierzehen tagen, so sol er13 diu
übertiure des geltes legen hintz einem gemeinen piderben burger an
Meran, und sol da ligen als lange unz daz der uz kumt dem diu übertiure
des geltes billich werden sol; dem selben sol ez geantwurtet werden.
[VI 2] Ouch sol der veiltrager in sinem gewalte niht behalten ezzendiu
pfant14: er sol diu heizen antworten hinz einem
gemeinen gastgeber an Meran, an aleine swin oder ander kleinez viehe sol
unde mag der veiltrager wol behalten.
[VI 3] Ouch sol der veiltrager nemen ze lone waz er mizzet mit Münicher
ellenstabe von hundert ellen grawes tuoches, von dem hingeber einen
schilling und von dem koufer ouch einen schilling, und von dem zwilich
gelich als vile. von hundert ellen lininen tuoches sol er nemen sehs
Berner15 von dem hingeber,
und von dem koufer sol er nemen ouch sehs Berner.
[VI 4] Ouch sol der veiltrager nemen ze lon, so er häringe oder dürre
vische zelt, von dem hingeber von einem hundert häringe oder dürrer
vische einen visch ane gevaerde; und ob sie ander ieman selbe zeln wolte
von den koufliuten, dannoch sol im da von werden sin lon von der
zale.
[VII 1] Nach Kristi gebürte tusent unde driu hundert jar unde darnach in
dem siben unde drizigesten jar (1337), des samstages an sant Andres
abent habent gesprachet her Otte der Bon,
Thomas der Stapfel, Uolrich der
schriber, meister Albreht der
snider, Thomas Meister,
Dietmars sun, meister Wigant der
schuolmeister, Eberle der sun,
Fritz der sun, Geori der
sun, sin sun, Thomas der
smit, Fritz der Seibisch,
| Seite 420|Engelle Vende, Davit der
noder16, dise burger von Meran; Heinrich
Umhus, Heinrich Igels, Th.
Chöverle, die ze disen sachen ze bekennen gesament
worden, uf vorgeriht erteilt waz ze sprechen über des frien marktes
reht.
[VII 2] Swer ein pfant ab dem markte nimt mit gewalt daz uf in druf
gesant wirt, der hat gewalt begangen unde den markt gebrochen und ist
dar umbe minen herren libes unde guotes vervallen.
[VII 3] Swer ouch uf ein pfant bietet daz uf dem markte get, und im daz
umbe daz selbe gebot belibet, und er die pfennige niht git umbe daz
selbe pfant, der ist umb ein frävel komen als ofte die pfennige an in
gevordert werdent, einest im tage, unde diu selbe frävel (git?) 4
pfunt.
[VII 4] Swer ouch ein pfant uf den markt sendet unde daz verkouft unde
daz selbe pfant dem koufer niht antwurtet ze der zit und erz antworten
sol ze rehte, der ist ouch umbe die selben frävel komen, als ofte der
koufer daz pfant an in vordert, einest im tage.
[VII 5] Swer ouch ein pfant uf dem markt verkouft und daz tiurer git
danne ez im stet unde sin gülte ist, der sol die übertiure datz dem
veiltrager lazen, daz si dem gelter wider geboten werde unde daz er si
da vinde. swer ouch des niht tuot, der sol jenem uf den der schade get
sinen abe tuon und den schaden selbe gelten und liden. und kumpt daz für
gerihte, swaz danne von geriht bänne17
gevallent, die sol der rihter haben und anders niht.
[VII 6] Swelch leitgebe ouch winpfant koufen wil, der sol des ersten die
burger dar zuo nemen, einen, zwei, dri oder viere oder me, daz die
bekennen, ob ez ein solch pfant si daz uf den markt ze senden si oder
sust uf dem laden ze verkoufen. und swie si inz heizent verkoufen, uf
dem markte oder sust, also sol erz verkoufen, also doch daz dem gelter
diu übertiure wider gevalle. get aver im an der verkoufunge des pfandes
iht abe, dar umbe mag er sinen gelter für baz pfenden unde benoeten unz
uf ganze wernüsse siner gülte. diser sache aller sint die vor genanten
burger alle überein (komen), daz frier markt disiu vorgeschriben reht
hat und haben sol.
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Daz ist der lon den ein ieglich veiltrager nemen sol von dem vorgeschribenen
pfantverkoufen, und niht mer.
Von einem rainischen (rinischen?) grozen rosse daz verkouft wirt und niht
geloeset wirt sehs zweinziger; wirt ez geloeset, sol er nemen dri
zweinziger. von einem hengist der verkouft wirt und niht geloeset wirt sol
er nemen dri zweinziger; wirt er geloeset, sol er nemen anderhalbe
zweinziger. von einem ohsen der verkouft wirt und niht geloeset wirt zwene
zweinziger; wirt er geloeset, sol er nemen einen zweinziger. von einer kuo
oder von einem stier ouch als vil. von einem swin sol er nemen daz verkouft
wirt einen zweinziger; wirt ez geloeset, sol er nemen einen zehener. von
einem fuoder win sol er nemen einen zehener; wirt ez geloeset ouch einen
zehener; und ob des wines minre ist, sol er nemen ouch einen zehener. von
urbor sol er nemen einen zweinziger; wirt ez geloeset, sol er nemen einen
zehener. von guote daz under einer mark ist sol er nemen einen zehener, und
waz über eine mark ziuget, ez si wenig oder vil, ez werde verkouft oder
niht, sol er nemen einen zweinziger. von geizen, von schafen oder swaz so
getanes kleines vihes ist, ez werde verkouft und niht geloeset oder
geloeset, sol er nemen einen zehener.
[IX 1] Daz die winmezzer von burgern und gädemblern an Meran die wahte
und stiure gebent ze lone nemen sullent von einer ürn18
wines, swa sie die mezzent in der stat, niur vier Berner. von einem
fuoder wines in dem winmonde uzerhalben der stat oder in der stat einen
zweinziger. von den gesten in der stat oder uzerhalben der stat in dem
winmonde oder vor dem winmonde sullent si nemen ze lon einen zweinziger
von ie einem fuoder wines. von einem ieglichen vazze daz si mit wazzer
mezzent sullent si nemen ze lon niur
| Seite 422| einen
zweinziger, und ir knehte die daz wazzer schepfent sullent nemen ze lon
niur einen zweinziger. von einem ieglichen mutte öls oder honic sullent
si nemen ze lon einen zweinziger, und von ir ietwederm von einem halben
mutte einen zehener; und von einer gelten öls oder honic sullent si
nemen vier Berner. von einem halben fuoder wines sullent si nemen einen
zehener ze lone. swenne si hin für die stat in daz göu ürn, patzeiden,
pottigen bi einem fuoder pfehtent, da sullent si von nemen ze lon von ie
einer ürn sehs zweinziger und von ie einer pottigen, da si daz fuoder in
mezzent, dri zweinziger.
[IX 2] Ouch sullent si haben von patzeiden, pottigen, ölmutte, gelten und
stangen und kuofkar genuog, dar umb daz nieman dar an gesumet si, swenne
man ir bedarf, an gevaerde. si sullent ouch haben den kezzel dar in alle
winmaz und ölmaz bezeichent sint, dar umb daz ie dem man rehte gemezzen
unde gepfehtet werde sin maz.
[IX 3] Ouch sulnt die winmezzer von Marlingen und von Lanan, einer von
Marlingen und einer von Lanan, ieglicher alle jar sehs kriuzer von einer
ürn ze pfehten.
[IX 4] Die winmezzer sullent ouch nemen von ein fuoder wins in ze lazen
sehs zweinziger und von ein fuoder uz ze ziehen ein pfunt Berner.
[IX 5] Si sullent ouch warten uf den wal tag unde naht, als ob keinerlei
für üz kaeme, daz der walen vertiglich ge, und si sullent in ouch alle
samestage ordentlich mit einer houwen rumen durch die ganze stat
abe.
[IX 6] Si sullent ouch staete und empziglich warten mit allem irem ziuge,
scheffer, stangen und ander, ob fiur üz koeme, daz si da mit bereit
sin.
Ez sol weder burger noch gädemler noch ander ieman in der stat uf kein fuoter
niht lihen vor hin, noch vor hin koufen noch verarren, wan daz man daz
fuoter sol lazen füeren unde tragen in die stat uf den kornmarkt, ez sol
ouch
| Seite 423| nieman für
die stat dar nach niht riten noch gen noch keinen kneht noch boten darnach
niht senten uf die straze durch koufens willen. ez sol ouch menniclich daz
fuoter nindert anderswa koufen, an als vil als ein herre oder ein burger
oder ir boten kaemen und fuoter koufen wolten in der vrist und ein gädemler
in dem koufe waer oder kouft haet, so sol er da von sten und im daz lazen an
alle widerrede bi pene fünf pfunde, halbiu dem gerihte und halbiu der stat.
ez sol ouch daz selbe fuoter nieman, ez si burger oder gädemler, nimmer
koufen wan bi dem liehten tage. ez sol ouch nieman uzerhalben der stat daz
fuoter nindert in legen in kein göu noch verbergen noch heimlich in die stat
füeren noch mit ander ieman uzerhalben der stat pflihtteil noch gemein noch
geselleschaft niht haben, uf in ze koufen, bi pene des fuoters und zehen
pfunde, halbiu dem gerihte und halbiu der stat. ez sol ouch kein
hindergädemler kein fuoter niht koufen bi pene zweir pfunde und fünf
schillinge von ieglichem mutte19; und sol man den burgern daz fuoter in iriu hiuser
lazen füeren unde da mezzen, und andern liuten uf den kornmarkt. swaz fuoter
ouch die gädemler koufen, daz sullent sie offenlich veile haben in potigen
in den vordern gädemern und niht hin hinder bergen und uf tiurunge behalten;
und sol an dem mutte gewinnen niht mer danne einen zweinziger. und swer
wider ditze gesetze tuot unde daz fuoter hin hinder birget oder verlougent
und niht offenlichen in potigen in sinem gadem veile hat, der ist umb daz
fuoter komen und ze pene zwei pfunt und fünf schillige, halbiu dem gerihte
und halbiu der stat. ez sol ouch menniclich, ez si gastgeber oder gädemler,
daz fuoter verkoufen und geben bi einem rehten vierteil (der sehsiu?) gen an
ein ster20,
oder bi einem vierteil, der ahtiu gen an ein ster.
Swenne daz fiwer uz kumt, so sol ie von der fiurstat, ez si burger oder
gädemler oder ir gewisser bote, da hin komen mit einer fiurhaken oder mit
einer akes oder mit einem schaff wazzer und sol helfen retten. swer daz niht
tuot, der sol geben ze pene zehen pfunt Berner, und sol diu pene gevallen
der gemeinschaft der stat. und ist daz keinem sin hus abgebrochen wirt durch
rettunge des fiwers, dem sol man sin hus wider machen mit der selben pene.
möhte diu pene niht gelangen, so sol im diu gemeine dar zuo helfen dannoch.
koeme aver ieman daz fiwer ze nahen uf, an dem andern oder an dem dritten
oder an dem vierden oder an dem fünften oder an dem sehsten huse uf, der sol
umb die pene niht komen.21 in swes huse ouch daz fiwer uf kumpt, der sol
sin tor uf werfen und niht versperren und sol ouch schrien "fiwer! fiwer!"
daz man rette. swer daz niht tuot, der git ze pene fünf und zweinzig pfunt
der stat.
[XII 1] Ez sol nieman bi tage noch bi naht keinen harn noch huspaht noch
unsuber gespüele noch keine unsuberkeit, swie daz genant ist, her füeren
in die stat, noch in die straze niht werfen noch tragen, heimlich noch
offenlich, bi pene zweir pfunde und fünf schillinge, halbiu dem gerihte
und halbiu der stat.
[XII 2] Dar nach sol kein ovenkneht noch ofnerin kein vackellieht tragen
bi tage noch bi naht, an aleine in der laterne, bi der obgenanten pene
dem gerihte unde der stat.
[XIII 1] Ez sol kein gemeine fröuwele keinen frouwenmantel noch kursen
niht tragen noch an keinen tanz gen da bürgerin oder ander erbare
frouwen sint; und sullent ouch uf irn schuohen tragen ein gelwez vänle,
da mit man si erkenne, und sullent niht vehe vedern tragen noch
silbergesmide. und swelhez diser sachen ir ainiu des übervert, der sol
man daz nemen. und wer daz tuot, dem sol daz sin an allen schaden gen
dem gerihte und gen den burgern.
[XIII 2] Dar nach sullent die offen pfeffinne sin in den obgenanten
penen.
Dar nach ist erfunden, daz nieman sol kein linlach noch ander gewant an die
schranken uf der brukken henken bi pene zweir pfunde und fünf schillinge,
halbiu dem gerihte und halbiu der stat.
die in die stat ziehent und veile wellent haben; die sullent am ersten, ent
si iht koufen oder verkoufen, sich den burgern ze erkennen geben, ob si in
gunnen wellen ze koufen oder verkoufen. und swelher des niht taete oder
überfüere, dem sol man nemen waz er veile hat. ouch sol in der kornmezzer
kein korn mezzen noch salz, noch der veiltrager kein tuoch mezzen. ist aver
daz in daz die burger erloubent und in sin gunnen wellent, so sol man si
lazen veile haben und sol man in mezzen als andern gädemlern. ouch sol in
daz ir hofwirt in des huse si sint ze wizzen tuon.
der durch die münzen get an die fleischbank, daz in den selben wec bi tage
noch bi naht iht unsubers geworfen noch
| Seite 426| gozzen
werde, nemlich uz den drin hiusern diu zwischen der münzen und des Slitzgern
huse ligent, bi pene zweir pfunde und drier schillinge, halbe dem gerihte
und halbe der stat.
[XVII 1] Von einem fuoder win daz verkouft wirt ein zweinziger, halber
von dem köufer und halber von dem hingeber. von ie dem stücke gevärwetes
gewandes von wolle zwene schillinge, einen von dem hingeber und einen
von dem köufer. von ie dem stücke barchent einen zehener, halben von dem
hingeber und halben von dem köufer. von ie dem zentner wahs, kupfer,
bli, zin einen zweinziger, halben von dem verkoufer und halben von dem
koufer. von ie dem pferde daz verkouft wirt vier zweinziger, zwene von
dem verkoufer und zwene von dem koufer. von ie dem soume isen einen
zweinziger, halben von dem koufer und halben von dem verkoufer. ouch
sullent si den gesten helfen win koufen unde den gesten fuore gewinnen,
soumrosse, den selben win ze füeren, also daz man in gebe von ie dem
fuoder daz man in der stat an Meran verkouft einen zweinziger, halben
von dem verkoufer und halben von dem koufer. von ie dem fuoder win daz
man verkouft uzerhalben der stat zwene zweinziger, einen von dem
verkoufer und einen von dem koufer. aver die burger die ir wine in der
stat verkoufent sint niht gebunden den underkoufen ze lonen. wanne die
underköufel helfent gesten pfert zuo winfuore gewinnen, so sullent si
nemen von den koufern ze lone zwene zweinziger und von ie dem fuorman
der diu pfert lihet ouch zwene zweinziger, si gewinnen vil pfert oder
wenic.
[XVII 2] Also daz ditze ampt alle underköufel üeben unde tuon an allez
gevaerde unde daz si keinen kouf mit der hant dar slahen noch bestaeten,
ez werde e geben sant Niklaus kirchen an Meran der gotes pfennic, ein
zweinziger. und ob die underköufel der obegenanten koufmanschaft selbe
koufen welten, daz mugent si wol tuon ane gevaerde, und sullent
| Seite 427| darumb
an ir eide den si tuont über ir ampt niht gearquanet werden von den
burgern und ander ieman. unde den lon den die underköufel nement, den
sullent si mit einander geliche teiln an allez gevaerde; unde bi welhen
koufen oder verkoufen ir ein niht engegen gesin möhte, so sol der ander
da bi sin, ze übertragen den andern ane gevaerde.
[XVII 3] Ouch sullent si haben daz isen da mit man pfehten sol unde
mezzen die ellenstab ze einvaruem gewande, und darzuo unde da mit ein
brenisen da mit man ze ietwedrem orte uf die ellenstab brennen sol ein
kriuze. und sullent ze den zwen vrien jarmerkten ze pfingesten unde sant
Martins tage ie dem gaste geben und antwurten einen niuwen ellenstab,
der ein varwez gewant snidet und veile hat. und sol in den gast geben
umb einen ellenstab einen zweinziger, oder ander, swer der ist, der in
gerne hat oder haben muoz, den sol man in geben ane gevaerde.
Ez sol ein ieglich gebütel, swen er in der stat fürgebiutet, von einem
ieglichen der wahte und stiure git nemen ze lone von einem fürgebot
einen zehener; und von dem der niht wahte unde stiure git sol er nemen
einen zweinziger, uz genomen burgerknehte und antwürkerknehte, der sol
ir ieglicher ouch geben niur einen zehener. und swaz er datz einem
burger gastgeben oder gädemler oder antwürken verleit und verbiutet, von
einem der waht und stiure git sol er nemen ze lon einen zehener, und der
niht waht und stiure git oder ein uzerre man ist, sol er nemen ze lon
einen zweinziger. er sol ouch nemen ze lon von einem ieglichem dem er
von gerihtes wegen pfant sol antwurten dri zweinziger, und von dem er
ouch von gerihten wegen gewer sol antwurten, ez sin varndiu22 pfant oder
urbar, niur in der stat, dri zweinziger. er sol ouch nemen ze lon von
einem ster fuoter, ez si haber oder fuotergerste von dem hingeber niur
| Seite 428| einen
Berner; unde von einem ster salz sol er nemen ze lon von dem hingeber
ouch einen Berner.
[XVIII 2] Swenne ouch der gebütel wahter gewinnet die in der stat an
Meran wachent, da von sol er eines wahters lon uf nemen für sine müe. er
sol ouch der stat sweiner unde horter gewinnen, ir vihe, swin unde
rinder ze hüeten. den selben sol ein ieglicher der swin oder rinder für
tribet gebn kost unde lon. swelher daz niht tuon wolte, den sol er dar
umbe pfanten und sol ouch da von uz nemen sin reht.
[XVIII 3] Swenne ein burger oder einer der waht und stiure git mit einem
andern burger oder insaeze der waht und stiure git iht ze schaffen hat
mit dem rehten, daz der gebütel im die burger samnen sol, daz sol der
gebütel tuon: da von ist man im niht schuldic ze gebn. hat aber ein
burger oder einer der waht und stiure git ze schaffen mit einem uzern
man mit dem rehten, und im dar zuo der gebütel die burger samnet, so sol
er im geben zwene kriuzer und niht mer.
diu vordren tor in der gazzen bergeshalben, da man in den zwein vrien
jarmärkten aller leie gewant unde kramen veile hat, daz nieman sin vordrez
tor her uz in die strazen über die nuosche23 weder mit gewant noch mit ander ihtiu
verslahen oder verschrenken noch vermachen sol, bi pene fünf pfunde und dri
zweinziger, halbiu dem gerihte und halbiu der stat.
die da win schenkent, ez sin burger oder gädemler, an Meran, ez si umbe lon
oder eigen win. swer den trinken wil in dem leithuse oder uzerhalben des
leithuses under dem tor des selben leithuses oder uf dem laden des huses,
swie man den win schenket, der sol den win gelten mit bereiten Pfennigen
oder, ob er pfennige niht enhat, so sol er dem winschenken
| Seite 429| solhiu pfant da lazen da von er sins geltes gewert ane gevaerde, swelher
leie pfant daz sin, ane messegewant und waz zuo dem alter gehoeret und
ungebuntenz garn und ungegerwete hiute oder vel uz dem eschen24 und bluotigez
gewant, oder swaz so getanes dinges ist daz ein leitgebe niht nemen sol.
oder er setze im einen bürgen ane gevaerde nach wines reht, der im pfant
gebe und antwurte über naht ze bereiten unde des anderen tages ze verkoufen
ze voller werunge sins geltes. waer aver er solher man der niht gelten möhte
oder wolte, den mac der leitgebe wol pfenten ob er wil. ist ab er ein25 solher
man der wol gelten mag unde dar zuo gesezzen ist unde den win des er
schuldig ist ze gelten niht giltet und get da mit uz dem leithus ane des
leitgeben urloub unde kumpt des andern tages, vor ert man ze sant Niklaus
kirchen gar ze fron ampt gehütet hat, hinwider in daz selbe leitgebhus unde
giltet dem leitgeber sin gelt mit pfennigen oder pfanten da sich der
leitgebe an lat genüegen, wol und guot. geschaehe des aver also niht, so ist
er gevallen ze pene fünf pfunt unde dri zweinziger, halbiu dem geriht und
halbiu der stat. ist aver er ein uzerre man der niht waht und stiure git,
der ist komen umbe fünfzic pfunt gen dem gerihte, dannoch sol er dem
leitgeben sinen win gelten.
Swelher ouch der liute die in der stat gesezzen sin, ez sin burger oder
ander, den andern wundet, da von sol dem gerihte gevallen fünfzig pfunt.
swer ouch ez si, burger, edel oder unedel oder swie er geheizen ist, keinem
an Meran, er si rich oder arm, uf unzuht in sin hus git oder loufet oder
ieman dar in jagt, der flühtig wirt, mit nachvolgende, kumpt er innerhalb
des trupfstals, so sol er geben ze halber buoze dem er nach volget 25 pfunt
Berner, dem gerihte 25 pfunt, unde dem wirte under des trupfstal er kumpt,
sol er ouch geben 25 pfunt. kumpt aber der der in da jagt für baz unz über
daz drischüvel,26 so sol er ze ganzer buoze
ieglichem
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pfunt. waer ouch ez ein solher man der daz niht vergelten möhte und ungewis
darzuo waere, koment die burger darzuo, die sullent denselben uf haben, ob
si mügent, unz an daz gerihte. wolte aber sich derselbe weren unde sich niht
lazen uf haben noch vahen, geschaehe danne der aht von den burgaern, ez
waeren wunden oder totschlag, dar umbe sullent die burger in unser ungenade
niht gevallen unde sullent ouch uns und unsern rihtern dar umbe ungebunten
sin daz selbe mit aehte ze büezen. dar umbe ist ein brief und umb ander
gesetzet von künig Heinrichen, des datum lutet 1317 sambstag vor sant
Vitstag.