Wellen und Teilchenstrahlen
- Einleitung
- Wellen - Grundbegriffe
- Teilchenstrahlen
Einleitung
Welle-Teilchen Dualismus
Abbildung 1: Wellenpaket und Teilchenwolke
Am Anfang der Quantenmechanik steht die Beobachtung, dass sich Licht bei
manchen Experimenten so verhält, als ob es eine Welle wäre, bei anderen
Experimenten so, als ob es aus Elementarteilchen (Photonen) bestünde.
Bald
hat man erkannt, dass sich die Bewegung aller Elementarteilchen so
vollzieht, dass unter gewissen Bedingungen Welleneigenschaften (Wellenlänge,
Frequenz) sichtbar werden, unter anderen Bedingungen aber die
Teilcheneigenschaften (Impuls, Energie) in den Vordergrund treten.
Je nach
Art der Teilchen ist es schwieriger, bei ihrer Bewegung die
Teilcheneigenschaften oder die Welleneigenschaften nachzuweisen. Daher hat man
in der klassischen Physik bei Photonenstrahlen zuerst die Welleneigenschaften
entdeckt, bei Elektronenstrahlen jedoch zuerst die
Teilcheneigenschaften.
Tatsächlich kann man sowohl bei Photonen als auch
bei Elektronen folgendes Verhalten beobachten:
- Sie treten einzeln immer als Teilchen auf. Sie sind punktförmig, dh. wenn sie einzeln wo auftreffen, dann immer an einer bestimmten Stelle und nicht irgendwie verteilt wie eine Welle. Man kann ihre Geschwindigkeit und ihren Impuls messen. Beim Aufschlag übertragen sie Energie auf das getroffene Ziel.
- Ihre Bewegung folgt jedoch den Ausbreitungsgesetzen einer Welle, denn die örtliche Verteilung der Teilchen zeigt Interferenzerscheinungen.
Heute spricht man sowohl bei Elektronen als auch bei Photonen von Teilchen, deren mechanische Bewegung aber durch die Eigenschaften einer Welle beschrieben wird.
Kapitelübersicht
In der Folge wiederholen wir einige Grundbegriffe zum Thema Wellen, und zeigen
dann, wie man Teilchenstrahlen in der klassischen Physik beschreibt.
Das
wichtigste Experiment, das den Wellencharakter eines Teilchenstrahls nachweisen
kann, ist das Doppelspaltexperiment. Es dient zur Feststellung von Interferenz,
also einer typischen Welleneigenschaft. Wir werden es ziemlich ausführlich im
nächsten Kapitel behandeln.
Wellen - Grundbegriffe
Wellen - Das Wichtigste in Kürze
Abbildung 2: Momentaufnahme einer Sinuswelle
Eine Welle ist eine Erregung oder Schwingung, die sich durch den Raum
fortpflanzt. Die physikalische Größe, die diese Erregung beschreibt, nennen wir
die Wellengröße. Sie wird mathematisch durch eine
Wellenfunktion beschrieben.
Beispiele:
- Bei Wasserwellen ist die Wellengröße die Höhe der Wasseroberfläche über der Oberfläche des ruhenden Wassers.
- Bei Schallwellen ist die Wellengröße der Luftdruck.
- Bei elektromagnetischen Wellen (Radiowellen, Mikrowellen, Licht) wird die Wellengröße aus den elektrischen und magnetischen Feldern gebildet.
Im einfachsten Fall ist eine Welle ein Vorgang, bei der sich die Wellengröße
räumlich und zeitlich periodisch verändert. Die Wellengröße schwankt dabei um
einen Mittelwert, Wellenberge und Wellentäler wechseln einander ab. Als
Wellenberg bezeichnet man die Gegend um ein Maximum, als
Wellental die Gegend um ein Minimum der Wellenfunktion.
Die
Abbildung zeigt eine Momentaufnahme einer Sinuswelle. Sie wird
durch die Wellenfunktion
u(x,t) = A sin(kx - ωt + d)
beschrieben.
Hier ist A die Amplitude der Welle, k ist die
Wellenzahl und ω die Kreisfrequenz. Wellenzahl und
Kreisfrequenz hängen mit der Wellenlänge λ und der
Schwingungsdauer T zusammen:
k = 2π/λ
ω = 2π/T
Das Argument der Sinusfunktion, a = kx - ωt + d, heißt oft
Phasenwinkel, die Zahl d nennt man dann die
Phasenverschiebung.
Die Geschwindigkeit, mit der sich ein
Maximum (oder ein Minimum oder eine Nullstelle) der Welle fortpflanzt, nennt
man Wellengeschwindigkeit.
Übungsaufgaben
Übung:
Wo genau befinden sich die Maxima der hier
definierten Sinuswelle zur Zeit t=0?
Lösung: Dort, wo das Argument der Sinusfunktion einen der Werte ak = π/2 + 2 k π annimmt, wobei k eine beliebige ganze Zahl ist. Also bei xk = (π/2 + 2 k π - d)/k, mit k = 0, ±1, ±2, ±3, ...
Übung:
Mit welcher Formel beschreibt man eine Sinuswelle,
die nicht um den Mittelwert 0, sondern um einen Mittelwert u0 oszilliert?
Lösung:
u(x,t) = u0+A sin(kx
- ωt + d)
Übung:
Eine Sinuswelle werde durch die Formel u(x,t) = A
sin(kx - ωt + d) beschrieben. Wie lautet ein Formelausdruck für eine
Sinuswelle, die im Vergleich dazu eine halb so große Wellenlänge hat?
Lösung:
u(x,t) = A sin(2kx - ωt + d)
Übung:
...die doppelte Schwingungsdauer hat?
Lösung:
u(x,t) = A sin(kx - (ω/2)t + d)
Übung:
...zwar die gleiche Wellenlänge, aber eine doppelt
so große Wellengeschwindigkeit hat?
Lösung: Während einer Schwingung bewegt sich ein Wellenberg um
eine Wellenlänge vorwärts. Halbiert man die Schwingungsdauer T, wird die
Wellenlänge λ in der halben Zeit zurückgelegt, die Wellengeschwindigkeit
verdoppelt sich also. Die halbe Schwingungsdauer bedeutet doppelte
Kreisfrequenz. Wir müssen also ω durch 2ω ersetzen. Die Lösung ist daher
u(x,t) = A sin(kx - 2ωt + d)
Übung:
...die gleiche Schwingungsdauer, aber eine doppelt
so große Wellengeschwindigkeit hat?
Lösung: Verdoppelt man die Wellenlänge, muss ein Wellenberg
während der Schwingungsdauer T die doppelte Entfernung zurücklegen, die
Geschwindigkeit der Welle wird somit verdoppelt. Die doppelte Wellenlänge
erhält man, wenn man die Wellenzahl k halbiert. Die Antwort lautet
also
u(x,t) = A sin(kx/2 - ωt + d)
Übung:
...für die gilt u(0,0) = 0?
Lösung:
u(x,t) = A sin(kx - ωt)
Übung:
...für die gilt u(0,0) = 1?
Lösung:
u(x,t) = sin(kx - ωt + π/2)
Visualisierung von Wellen
In eindimensionalen Darstellungen visualisieren wir eine Welle durch einen
Funktionsgraphen. Je nach Anwendung beschreibt der Funktionswert die Höhe einer
Wasserwelle, oder den Luftdruck bei einer Schallwelle, usw. Die
Zeitabhängigkeit der Welle wird durch die Animation veranschaulicht.
In
zwei Dimensionen visualisieren wir eine Welle durch eine Dichtegrafik. Der Wert
der wellenförmigen physikalischen Größe u (die Höhe der Welle) wird dabei durch
einen Grauwert dargestellt. Hier sind die Wellenberge hell, die Wellentäler
sind dunkel.
Die gezeigte Welle wird durch die Formel
u(x,t) =
u0 + A sin(kx - ωt)
beschrieben. An einem festen Punkt x oszilliert die Größe u um den
Mittelwert u0, man beobachte zum Beispiel den
schwarzen Punkt an der Stelle x=0.
Die Schwingungsdauer ist die Dauer einer Auf- und Ab-Bewegung des schwarzen Punktes. Die Wellenlänge ist der Abstand zwischen benachbarten Wellenbergen (Maxima). Während der Schwingungsdauer bewegt sich die Welle um eine Wellenlänge vorwärts.
Kreiswellen
Eine sich gleichmäßig in alle Richtungen ausbreitetende Welle nennt man Kreiswelle (Dichtegraphik)
In zwei Dimensionen können sich Wellen in alle Richtungen fortpflanzen. Die
Animation zeigt eine Welle, die sich kreisförmig ausbreitet
(Kreiswelle). Wellenberge und Wellentäler bilden immer größer
werdende konzentrische Kreise, die von einem Erregungszentrum ausgehen. Die
Amplitude nimmt nach außen hin ab, da sich die Welle auf einen immer größeren
Bereich verteilt.
Eine solche Welle entsteht zum Beispiel, wenn man einen
Punkt der Wasseroberfläche periodisch erregt.
Analog dazu können sich im
dreidimensionalen Raum kugelförmige Wellen ausbilden
(Kugelwellen).
Eine Welle die sich in alle Richtungen gleichmäßig ausbreitet (3D-Darstellung)
In zwei Dimensionen können sich Wellen in alle Richtungen fortpflanzen. Die
Animation zeigt eine Welle mit kreisförmigen Wellenfronten. Die Amplitude nimmt
nach außen hin ab, da sich die Wellenenergie auf einen immer größeren Bereich
verteilt.
Eine solche Welle entsteht zum Beispiel, wenn man einen Punkt der
Wasseroberfläche periodisch erregt.
Analog dazu können sich im
dreidimensionalen Raum kugelförmige Wellen ausbilden.
Interferenz von Wellen
Interferenz bei der Überlagerung zweier Wellen mit unterschiedlicher Wellenlänge
Der Film zeigt zwei gut fokussierte Wellenzüge, die sich mit leicht
unterschiedlicher Wellenlänge und Ausbreitungsgeschwindigkeit nebeneinander
fortbewegen. Die Wellenberge sind hell, die Wellentäler dunkel.
Wenn man
die Wellenzüge zur Überlagerung bringt, zeigt sich im Überlappungsbereich ein
neues Phänomen: Ein periodisches An- und Abschwellen der Amplitude. Das neu
entstandene Wellenmuster scheint sich auch mit einer anderen Geschwindigkeit zu
bewegen als die beiden Teilwellen.
Die Effekte, die bei der Überlagerung (=
Superposition) zweier Wellen auftreten können, fasst man unter dem Begriff
Interferenz zusammen.
Die Überlagerung zweier oder mehrerer Wellen zu einer neuen Welle nennt man Superposition. Bei der Superposition beeinflussen sich die Wellen gegenseitig und es entstehen neue Wellenformen. Die Veränderung der Wellenbewegung bei Superposition nennt man Interferenz.
In vielen Fällen kann man Interferenz mathematisch dadurch beschreiben, dass man einfach an jedem Punkt die Wellengrößen addiert ("lineare Superposition"):
- Wenn zwei Wellenberge (hell) zusammenkommen, entsteht so ein besonders
hoher Wellenberg
(im Bild: hellgrau + hellgrau = weiß). - Addition von Wellentälern (negative Auslenkung) ergibt ein tiefes
Wellental
(im Bild: dunkelgrau + dunkelgrau = schwarz). - Kommen jedoch an einem gewissen Ort und zu einer gewissen Zeit ein
Wellenberg und ein Wellental zusammen, löschen sich die Wellengrößen an
diesem Punkt aus
(im Bild: dunkelgrau + hellgrau = mittelgrau)
Ein wichtiges Experiment zur Demonstration von Interferenzeffekten ist das Doppelspaltexperiment.
Interferenz zweier Kreiswellen
Interferenz bei der Überlagerung zweier Kreiswellen (Dichtegrafik)
In einer Wellenwanne wird durch einen Tupfer eine Flüssigkeitsoberfläche gleichzeitig an zwei Stellen in Schwingungen versetzt. Von diesen Störungen gehen zwei Kreiswellen aus, deren Interferenz man in der Wellenwanne beobachten kann (3D-Ansicht)
Der Film zeigt zwei Kreiswellen, die von zwei benachbarten Punkten ausgehen.
Man denke etwa an eine Wasseroberfläche, die im Gleichtakt an zwei Punkten
angeregt wird. Die beiden Kreiswellen breiten sich im selben Medium aus und
überlagern sich. Dabei entsteht ein interessantes Muster. Entlang gewisser
Linien scheinen sich die beiden Wellen annähernd auszulöschen. Diese Linien
sind annähernd gerade und scheinen von einem Punkt zwischen den beiden
Wellenzentren auszugehen.
Dieses Bild, das bei der Überlagerung zweier
Wellen entsteht, nennt man Interferenzmuster. Damit ein schönes
und gut sichtbares Interferenzmuster entsteht, müssen die beiden Wellen mit der
gleichen Frequenz und mit der gleichen Phase (also "im Gleichtakt") angeregt
werden.
Eine Erklärung für das Auftreten des Interferenzmusters liefert die
folgende Grafik:
Abbildung 3: Erklärung des Interferenzmusters. Die Kreissegmente markieren die Minima der oberen Kreiswelle (dunkel) und die Maxima der unteren Kreiswelle (hell). Dort, wo Maxima und Minima zusammentreffen, löschen sich die beiden Wellen aus, sofern ihre Amplituden dort ungefähr gleich groß sind.
Wir nehmen an, dass bei der Überlagerung zweier Wellen die Wellengrößen einfach addiert werden (man nennt dies lineare Superposition). Dann gilt das folgende allgemeine Prinzip:
- Wenn zwei Wellenberge zusammenkommen, entsteht ein besonders hoher Wellenberg
- Addition von Wellentälern ergibt ein besonders tiefes Wellental
- Kommen jedoch an einem gewissen Ort und zu einer gewissen Zeit ein Wellenberg und ein Wellental zusammen, löschen sich die Wellengrößen an diesem Punkt aus
Die Auslöschung ist nur dann perfekt, wenn am betrachteten Ort das Maximum der einen Welle genau so hoch über dem Mittelwert liegt, wie das Minimum der anderen Welle darunter (also, wenn die Amplituden der beiden Wellen an diesem Ort gleich groß sind). Bei den betrachteten Kreiswellen ist das nur angenähert der Fall, denn die Amplitude nimmt ja mit dem Abstand vom jeweiligen Zentrum ab. Besonders gut funktioniert die Auslöschung, wenn Wellenberg und Wellental an einem Ort zusammentreffen, der ungefähr gleich weit von beiden Wellenzentren entfernt liegt.
Stationäre Schwingungen
Ein schwingendes Seil
Betrachten wir ein gespanntes elastisches Seil, das an einem Ende befestigt ist
und am anderen Ende periodisch auf- und abbewegt wird. Wenn diese Bewegung mit
der richtigen Frequenz erfolgt, kann man das Seil zu einer Schwingung des hier
gezeigten Typs anregen.
Jeder Punkt des Seils schwingt dabei mit der
gleichen Frequenz auf und ab, die Amplitude dieser Schwingung ist aber von Ort
zu Ort verschieden. An manchen Stellen erfolgt überhaupt keine vertikale
Bewegung - man nennt diese Stellen Schwingungsknoten. Zwangsläufig
ist der Befestigungspunkt ein solcher Schwingungsknoten.
Die gezeigte
Seilschwingung ist ortsfest. Anders als bei einer fortlaufenden Welle scheint
sich hier keine Erregung von Ort zu Ort fortzupflanzen. Man nennt diese Art der
Bewegung daher eine stationäre Schwingung.
Übungsaufgaben
Übung:
Finde eine Funktion u(x,t), die geeignet wäre, die
in der Animation gezeigte Seilbewegung mathematisch zu beschreiben.
Lösung:
Da die Animation keine genauen Beschriftungen
enthält, gibt es viele verschiedene Lösungen, je nachdem, welche Annahmen
man trifft. Eine mögliche Überlegung wäre die folgende:
Wir nehmen an
dass sich der schwarze Punkt am Ort x=0 und der Befestigungspunkt bei x=L
befinden möge. Am Befestigungspunkt ist die Auslenkung natürlich immer 0:
u(x=L,t) = 0 für alle t.
Für das bewegte Ende bei
x=0 nehmen wir eine harmonische Schwingung an. Zum Beispiel
u(x=0,t) = A sin(ωt) für alle t.
Das ganze Seil
schwingt in diesem zeitlichen Rhythmus, jedoch mit einer Amplitude, die vom
Ort abhängt. Wir machen also den Ansatz
u(x,t) = A(x) sin(ωt) für
alle t.
Für die Abhängigkeit der Amplitude vom Ort nehmen
wir im einfachsten Fall wieder eine harmonische Funktion an, also zum
Beispiel
A(x) = cos(kx) für alle 0 ≤ x ≤ L.
Durch
die Kosinusfunktion ist bei x=0 die Amplitude automatisch maximal. Die
Konstante k muss nun so gewählt werden, dass sich am Befestigungspunkt x=L
ein Schwingungsknoten (eine Nullstelle der Kosinusfunktion) befindet. Es ist
k = 2π / λ, wobei λ die Periode der Kosinusfunktion ist (die "Wellenlänge").
Wenn wir die Schwingungsknoten abzählen, sehen wir, dass sich bei x=L die
fünfte Nullstelle des Kosinus befinden muss. Daraus erhalten wir die
Bedingung
L = 9 λ / 4 = 9 (2π/k) / 4 und somit
k = 9 π / 2 L.
Eine Funktion, die die hier gezeigte
stationäre Schwingung mathematisch modelliert, wäre also
u(x,t) = A
cos(k x) sin(ω t) mit k = 9 π / 2 L.
Stehende Wellen
Stehende Welle als Überlagerung gegenläufiger Wellen. Die rote Welle unten ist die Summe der beiden grünen Wellen oben.
Dieser Film zeigt die Überlagerung zweier gegenläufiger Wellen mit gleicher
Frequenz und gleicher Amplitude
u(x,t) = A sin(kx - ωt) + A sin(kx + ωt) = 2 A sin(kx)
cos(ωt)
Die Überlagerung wird erzeugt, indem man einfach an
jedem Punkt die Wellengrößen der einzelnen Wellen (die Auslenkungen)
addiert.
Diese spezielle Überlagerung zweier fortlaufender Wellen ist
selbst keine fortlaufende Welle, sondern eine sogenannte stehende
Welle. Die Wellengröße vollführt dabei eine ortsfeste Bewegung,
weshalb man auch von einer stationären Schwingung spricht.
Durch die Interferenz zweier gegenläufiger Wellen mit gleicher Frequenz und gleicher Amplitude entsteht eine stationäre Schwingung.
Es gibt Orte, an denen die Funktion u(x,t) immer verschwindet:
u(xn,t) = 0 für alle t, wenn xn
= πn∕k, mit n = 0,±1,±2,±3... .
Diese Orte nennt man
Schwingungsknoten. Überall sonst ändert sich die Wellengröße
zeitlich periodisch. Stehende Wellen sind also zeitlich periodische Vorgänge
(Schwingungen) mit räumlich feststehenden ("stationären")
Schwingungsknoten.
Es gibt Zeiten, zu denen die Funktion u(x,t) überall
verschwindet:
u(x,tn) = 0 für alle x, wenn tn = π(2n+1)∕2ω, mit n = 0,±1,±2,±3... .
Stehende Wellen - Die schwingende Saite
Eingespannte schwingende Saite: Schwingungsmoden mit feststehenden Schwingungsknoten.
Ein an zwei Enden befestigtes elastisches Seil ("schwingende Saite") kann
stehende Wellen ausbilden, allerdings nur mit bestimmten
Wellenlängen.
Nehmen wir an, die Befestigungspunkte des Seils haben den
Abstand L voneinander. Die Befestigungspunkte sind zwangsläufig
Schwingungsknoten (=Orte, an denen die Saite immer in Ruhe ist). Eine stehende
Welle hat eine bestimmte Anzahl n von "Schwingungsbäuchen" zwischen den
Befestigungspunkten. Die Animation zeigt stehende Wellen mit 1,2,3 und 4
Schwingungsbäuchen (bzw. 0,1,2 und 3 Schwingungsknoten zwischen den
Befestigungspunkten).
Die Schwingung, die (außer den Befestigungspunkten)
keine weiteren Schwingungsknoten und nur einen Schwingungsbauch hat, nennt man
die Grundschwingung der Saite.
Die Länge eines Schwingungsbauches ist genau die halbe Wellenlänge der
stehenden Welle. Es ist also L ein ganzzahliges Vielfaches der halben
Wellenlänge. Die einzig möglichen Wellenlängen der schwingenden Saite sind
daher
λn = 2L/n
(wobei n = 1,2,3,... die Anzahl der Schwingungsbäuche ist; n-1 ist die
Anzahl der Schwingungsknoten).
Die Frequenz der stehenden Welle ist direkt
proportional zu n und hängt außerdem von der Masse und den
Elastizitätseigenschaften der schwingenden Saite ab. Die Frequenz der
Grundschwingung nennt man Grundfrequenz.
Übungsaufgaben
Übung:
Ein gespanntes elastisches Seil hat eine
charakterische Wellengeschwindigkeit v (diese hängt von der Spannung und der
Massendichte des Seils ab). Finde eine Formel, die die Grundfrequenz f0 einer schwingenden Saite mit der
Wellengeschwindigkeit v in Beziehung setzt.
Lösung:
Geschwindigkeit, Wellenlänge und Frequenz werden
durch folgende Formel verknüpft:
v = λ/T = λ f
Dabei
ist λ die Wellenlänge, T die Schwingungsdauer, und f = 1/T die Frequenz. Für
die Grundschwingung ist λ = 2L, also gilt v = 2 L f0 oder f0 = v/(2L)
Teilchenstrahlen
Was sind Teilchenstrahlen?
Der Film zeigt die klassisch-physikalische Vorstellung von einem idealisierten Teilchenstrahl: Identische punktförmige Teilchen, die zufällig über den Strahlquerschnitt verteilt sind und die sich alle mit derselben konstanten Geschwindigkeit bewegen (hohe Teilchendichte).
Der Film zeigt die klassisch-physikalische Vorstellung von einem idealisierten Teilchenstrahl: Identische punktförmige Teilchen, die zufällig über den Strahlquerschnitt verteilt sind und die sich alle mit derselben konstanten Geschwindigkeit bewegen (geringe Teilchendichte).
Ein Teilchenstrahl besteht aus einer bestimmten Sorte von
Elementarteilchen, zum Beispiel Elektronen, die sich alle mit
ungefähr derselben Geschwindigkeit in ungefähr dieselbe Richtung
bewegen.
Ein Elektronenstrahl wird erzeugt, indem man die
Elektronen, die aus einem glühenden Draht entweichen, durch elektrische und
magnetische Felder beschleunigt und fokussiert.
Andere Quellen von
Teilchenstrahlen sind Kernreaktoren (Neutronenstrahlen) oder
Elementarteilchenbeschleuniger.
Der Film zeigt, wie man sich einen
Teilchenstrahl in der klassischen Physik vorstellt.
- Zu jedem Zeitpunkt haben die Teilchen einen bestimmten Ort (und eine bestimmte Geschwindigkeit.
- Die Flugbahn eines jeden Teilchens kann individuell verfolgt werden.
In der Quantenphysik hat sich diese Vorstellung als falsch herausgestellt. Zwar
denkt man sich die Teilchen noch immer als Massenpunkte, aber die Vorstellung
von der Bewegung entlang einer bestimmten Bahnkurve gehört in die Zeit vor der
Quantenphysik.
In der Praxis könnte man die einzelnen Teilchenbahnen
sowieso nicht genau verfolgen. Meist befinden sich in einem Teilchenstrahl
Milliarden von Teilchen, die sich außerdem mit extrem hoher Geschwindigkeit
bewegen. Mit Detektoren kann man immerhin die ungefähren
Teilchenorte messen und zählen, wieviele Teilchen pro Sekunde in ein bestimmtes
Raumgebiet (Detektoröffnung) gelangen. Detektoren sind heute so empfindlich,
dass sie bereits auf das Eintreffen von einzelnen Elementarteilchen
reagieren.
Elementarteilchen können aufeinander Kräfte ausüben (Elektronen
zum Beispiel stoßen einander wegen ihrer negativen Ladung ab). Für die von uns
betrachteten Teilchenstrahlen sollen die Teilchen im Strahl aber so dünn
verteilt sein, dass man ihre Wechselwirkung vernachlässigen kann (geringe
Teilchendichte).
Wir betrachten nur Teilchenstrahlen, in denen sich die Teilchen gegenseitig nicht beeinflussen. Jedes einzelne Teilchen bewegt sich so, als ob es alleine wäre.
Elementarteilchen sind extrem klein. Selbst wenn sich Milliarden Teilchen im
Strahl befinden, kann der Abstand der Teilchen untereinander groß sein im
Vergleich zur Reichweite ihrer Wechselwirkung.
Lichtteilchen (Photonen)
üben aufeinander überhaupt keine Kräfte aus. Lichtstrahlen können daher ruhig
eine hohe Intensität haben. Bereits ein normaler Laserpointer produziert ca 3 x
1015 Photonen pro Sekunde und der
Strahldurchmesser beträgt nur etwa einen Millimeter. Bei großer Intensität
(große Teilchenzahl) lassen sich quantenmechanische Effekte (wie zum Beispiel
die Wellennatur der Bewegung) natürlich leichter beobachten.
Visualisierung von Teilchenstrahlen
Da reale Teilchenstrahlen in der Regel Milliarden von Teilchen enthalten, macht
es keinen Sinn, einzelne Punkte zu zeichnen. Dann stellen wir einfach die
Teilchendichte durch einen Grauton dar.
Schematische Darstellungen (Dichtegrafiken) von Teilchenstrahlen:
Abbildung 4: Die Teilchendichte, visualisiert durch einen Grauton, ist in der Mitte am größten und nimmt zum Rand hin ab. Entlang des Strahls ist sie konstant.
Abbildung 5: Der dunkle Grauton symbolisiert eine geringe Teilchendichte (dünn besetzter Strahl, niedrige Intensität). Die Geschwindigkeit der Teilchen wird durch diese Form der Darstellung nicht visualisiert.
Anders als bei einer Welle, sehen wir in der Teilchendichte eines idealen
Teilchenstrahls keinerlei räumlich oder zeitlich periodische Struktur (eine
Welle hingegen hat Wellenberge und Wellentäler).
Wenn Teilchenstrahlen auf
Hindernisse treffen, können sie in alle Richtungen gestreut werden. Die
Teilchendichte ist dann stark ortsabhängig.
Teilchendichte
Abbildung 6: Momentaufnahme einer Teilchenwolke mit inhomogener Teilchendichte: Der Ort eines jeden Teilchens wird durch einen weißen Punkt markiert.
Abbildung 7: Momentaufnahme einer Teilchenwolke mit inhomogener Teilchendichte: Die Ortsverteilung der Teilchen wird durch eine kontinuierliche Funktion, die Teilchendichte, beschrieben. Der Funktionswert wird durch einen Grauton visualisiert. Dunkel sind die Regionen mit geringer Teilchendichte, hell sind die Regionen, wo sich viele Teilchen aufhalten.
Wenn sehr viele Teilchen (typischerweise Milliarden) in einem Raumgebiet vorhanden sind, ist es sinnlos, den genauen Ort und die Bewegung eines jeden Teilchens beschreiben zu wollen. Man verwendet dann eine kontinuierliche Größe, die sogenannte Teilchendichte, um die örtliche Verteilung der Teilchen zu beschreiben.
Homogene Verteilung: Wir betrachten zunächst den Fall, dass die
Teilchen im betrachteten Raumgebiet gleichmäßig verteilt sind. Das heißt:
Unterteilen wir das Raumgebiet in lauter gleich große Teilstücke der Größe ∆V
(wobei jedes Teilstück noch sehr viele Teilchen enthalten möge), so befinden
sich in jedem Teilstück (im Rahmen der Zählgenauigkeit) die gleiche Zahl ∆N von
Teilchen. Dann definiert man die Teilchendichte als den Quotienten
η =
∆N / ∆V.
Inhomogene Verteilung: Wenn die Teilchen nicht gleichmäßig
verteilt sind, dann ändert sich die Teilchendichte von Ort zu Ort. Man
beschreibt das durch eine ortsabhängige Funktion η(x) die an jedem Punkt x die
dort vorherrschende Teilchendichte angibt. Mit Hilfe von η(x) kann also man die
ungefähre Zahl der Teilchen berechnen, die sich in einem kleinen Volumen ∆V um
den Punkt x befinden. Diese Anzahl ist ungefähr
∆N = η(x)
∆V
Die Beschreibung der Verteilung von punktförmigen Teilchen
durch eine kontinuierliche Funktion η ist eine mathematische Idealisierung. Die
obige Gleichung ist nur dann einigermaßen genau, wenn das Volumen ∆V einerseits
so klein ist, dass die Funktion η an allen Punkten von ∆V ungefähr denselben
Wert hat, wie an der Stelle x (also den Wert η(x)). Andererseits muss ∆V aber
so groß sein, dass noch immer sehr viele Teilchen in diesem Volumenstück
enthalten sind. Wenn η(x) ∆V zu klein ist, würde aufgrund der zufälligen
Platzierung der Teilchen auch die Teilchenzahl ∆N starke zufällige Schwankungen
aufweisen.
In einer Dimension kann die Teilchendichte durch einen
Funktionsgraphen dargestellt werden. In der Ebene stellen wir die
Teilchendichte durch eine Dichtegrafik dar.
Aufgabe:
Übung:
Teilchendichte in einer Dimension:
Diese Abbildung zeigt links einige Beispiele von Teilchenstrahlen
(Momentaufnahmen), bei denen die Teilchendichte variabel ist. Wir wollen die
Teilchendichte längs des Teilchenstrahls durch eine Funktion beschreiben,
die nur von der Koordinate entlang der Strahlrichtung abhängt. Die
Dichteverteilung quer zur Strahlrichtung soll nicht beschrieben werden. Die
Funktion soll nur angeben, wieviele Teilchen pro Längeneinheit sich am
jeweiligen Ort im Strahl befinden. Rechts in der Abbildung befinden sich
einige Beispiele von solchen Dichteverteilungen entlang von
Teilchenstrahlen. Es ist die Aufgabe, herauszufinden, welche der
Teilchendichten 1-6 zu welchen Bildern A-F gehören.
Abbildung 8
Lösung:
A - 4
B - 3
C - 1 (vergleiche mit A,
dort ist die Dichte wesentlich höher)
D - 6
E - 2
F - 5 (der
Strahl weitet sich auf, aber die Anzahl pro x-Intervall bleibt konstant)
Teilchenstromdichte
Abbildung 9: In einem Teilchenstrahl mit Geschwindigkeit v passieren alle Teilchen im gezeichneten Quader innerhalb der Zeit t ein Rechteck A, das quer zur Bewegungsrichtung aufgestellt ist. Das Volumen des Quaders ist A v t.
Wir betrachten einen Teilchenstrahl, bei dem sich alle Teilchen mit der
Geschwindigkeit v in dieselbe Richtung bewegen. Wir denken uns nun eine Fläche
A senkrecht zur Bewegungsrichtung. Innerhalb der Zeit t legt jedes Teilchen die
Strecke s = v t zurück. In der Zeit t treten also alle Teilchen in einem
Volumen der Größe A v t durch diese Querschnittfläche A. Wenn im betrachteten
Raumgebiet die Teilchendichte η ist, so ist die Anzahl dieser Teilchen gleich
Teilchendichte η mal Volumen A v t, also
n = η A v t.
Dividiert man das durch Fläche und Zeit, erhält man die Größe
j =
η v.
Sie beschreibt demnach die Anzahl der Teilchen, die pro Zeiteinheit und
pro Flächeneinheit durch eine (quer zur Bewegungsrichtung gedachte) Fläche
treten. Man nennt sie die Teilchenstromdichte.
Die Teilchenstromdichte j = η v beschreibt die Anzahl der Teilchen, die pro Zeiteinheit durch eine (gedachte) Einheitsfläche quer zur Bewegungsrichtung treten.
In der Regel versucht man, Teilchenstrahlen so zu präparieren, dass alle
Teilchen eine bestimmte Geschwindigkeit v haben. In der Praxis werden die
Teilchen um einen Mittelwert <v> der Geschwindigkeit verteilt sein. Nicht
nur der Betrag der Geschwindigkeit, sondern auch die Richtung der Bewegung wird
dabei zufälligen Schwankungen unterworfen sein.
Die Teilchenstromdichte j
= η <v> beschreibt dann die mittlere Anzahl der pro Zeiteinheit durch
eine Einheitsfläche quer zur Bewegungsrichtung tretenden Teilchen.
Wenn die
Teilchendichte und die Strömungsgeschwindigkeit der Teilchen von Ort zu Ort
verschieden ist, dann ist auch die Teilchenstromdichte von Ort zu Ort
verschieden. Man beschreibt diese Situation idealisiert durch eine Funktion
j(x), die die Teilchenstromdichte am Ort x angibt.
Die Teilchenstromdichte
j(x) beschreibt die mittlere Anzahl der Teilchen, die pro Zeiteinheit durch
eine Einheitsfläche treten, die am Ort x quer zur Bewegungsrichtung der
Teilchen aufgestellt ist.
Aufgaben
Übung:
Was ist die physikalische Einheit der
Teilchenstromdichte?
Lösung:
Die physikalische Größe j = η v hat die
Einheitendimension von
Teilchendichte * Geschwindigkeit = (Anzahl /
Volumen) * (Länge / Zeit) = Anzahl / (Länge*Länge*Zeit).
Die
physikalische Einheit ist daher 1/(m2 s).
Massen- und Ladungsdichten und dazugehörige Stromdichten
Massendichte und Ladungsdichte
Wir betrachten einen Teilchenstrahl, der aus lauter Teilchen derselben Sorte
besteht. Alle Teilchen haben daher dieselbe Masse m und dieselbe Ladung e.
Wenn die Teilchendichte η ist, ist die Anzahl ∆N der Teilchen in einem
kleinen Volumensbereich ∆V gleich ∆N = η ∆V. Die gesamte Masse in diesem
Volumen ist daher
∆M = m ∆N = η m ∆V.
Die gesamte
elektrische Ladung im Volumen ∆V ist
∆Q = e ∆N = η e
∆V.
Wenn die im Raum verteilten Teilchen die Teilchendichte
η(x) haben, nennt man m*η(x) die Massendichte und e*η(x) die
Ladungsdichte.
Ströme von Massen und Ladungen
Mit der Bewegung der Teilchen im Strahl wird Masse transportiert, die Masse
"strömt". Sei <v> die mittlere Geschwindigkeit der Teilchen.
Die Größe
μ = η m <v>
bezeichnet man als
Massenstromdichte. Sie gibt die Masse an, die pro
Zeiteinheit durch eine Einheitsfläche (quer zur Bewegungsrichtung gedacht)
hindurchströmt.
Ebenso definiert man eine
Ladungsstromdichte
ρ = η e <v>
Sie gibt die Ladung an, die pro
Zeiteinheit durch eine Einheitsfläche quer zur Bewegungsrichtung
transportiert wird.
Impulsdichte
Oft beschreibt man den Bewegungszustand durch den Impuls, p = mv. Der
mittleren Geschwindigkeit <v> entspricht der mittlere Impuls <p>
= m <v> des Teilchenstrahls.
Die Massenstromdichte
μ = η
m <v> = ∆N <p>/∆V
ist daher gleich der Anzahl
der Teilchen mal dem (mittleren) Impuls eines jeden Teilchens dividiert
durch das Volumen, also der Gesamtimpuls pro Volumeneinheit. Die
Massenstromdichte heißt daher auch Impulsdichte des
Strahls.
Massenstromdichte = Impulsdichte
