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Ludwig Boltzmann
Ludwig Boltzmann, österreichischer Philosoph und Physiker, wurde 1844 in Wien geboren. Im Jahr 1863 begann Boltzmann das Studium der Physik an der Universität Wien bei Andreas von Ettingshausen und Josef Stefan. Nach seiner Promotion zum Doktor der Philosophie im Dezember 1966 lehrte Boltzmann von März 1968 bis Juli 1969 als Privatdozent für mathematische Physik an der Universität Wien, bevor er noch im selben Jahr als Nachfolger von Ernst Mach zum Professor für mathematische Physik an der Universität Graz ernannt wurde. Boltzmann blieb bis 1873 in dieser Funktion tätig und unterstütze August Toepler bei dessen Bemühungen um einen Ausbau des Physikalischen Instituts. Gemeinsam mit Toepler führte er unter anderem auch Klanganalysen durch, die es den beiden Wissenschaftlern ermöglichte, eine objektive Methode zur Analyse tönender Luftsäulen zu entwickeln (siehe Experimentierorgelpfeifen). In dieser Zeit unternahm Boltzmann zudem die ersten seiner zahlreichen Auslandreisen, im März 1870 nach Heidelberg zu Robert Bunsen, Gustav Kirchhoff und Leo Koenigsberger, im Wintersemester 1871/72 zu Hermann von Helmholtz in Berlin.
Nach einer dreijährigen Professur für Mathematik an der Universität Wien kehrte Boltzmann 1976 erneut an die Universität Graz zurück, diesmal in der Nachfolge Toeplers als Ordinarius für Experimentalphysik und Leiter des Physikalischen Instituts. Im Studienjahr 1878/79 wurde Boltzmann zum Dekan der Philosophischen Fakultät und im Studienjahr 1887/88 zum Rektor der Universität Graz ernannt. Auf diesen 14 Jahre währenden zweiten Grazer Aufenthalt sollten für Boltzmann schließlich noch vier weitere Professuren für Physik folgen: München (1890 – 1894), Wien (1894 – 1900), Leipzig (1900 – 1902) und Wien (1902 – 1906).
Ludwig Boltzmann gilt als ein Vollender der Klassischen Physik, zugleich als ein Begründer der klassischen statistischen Physik. Die Atomistik verteidigte er gegen die Ansichten anderer namhafter Physiker wie etwa Ernst Mach und Wilhelm Ostwald. Boltzmann leistete seine bedeutenden Arbeiten insbesondere in den Bereichen des Elektromagnetismus, der kinetischen Gastheorie, der Thermodynamik sowie der statistischen Mechanik. Aus seinen zahlreichen Publikationen seien hervorgehoben: Weitere Studien über das Wärmegleichgewicht unter Gasmolekülen (1872) sowie Über die Beziehung zwischen dem zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie und der Wahrscheinlichkeitsrechnung respektive den Sätzen über das Wärmegleichgewicht (1877). An einer schweren Neurasthenie und Depressionen leidend nahm sich Boltzmann im Alter von 62 Jahren während eines Sommeraufenthalts in Duino das Leben. (S.K.)
Literatur
- , Boltzmanns Hörsaal und von ihm in seiner Vorlesung verwendete Geräte, in: Ludwig Boltzmann. Vorlesungen über Experimentalphysik in Graz, hg. von Ilse Fasol-Boltzmann; Walter Höflechner, Graz 1998, S. 4.1-4.16.
- , Katalog zur Ausstellung Ludwig Boltzmann anläßlich des 100. Todestages. Physik an der Universität Graz, Graz 2006.
- , Science Trail Graz. Auf den Spuren wissenschaftlicher Leistungen von Weltrang, Persönlichkeiten und deren Wirkungsstätten, Wien/Graz 2020.
- , Atome, Wärme, Wahrscheinlichkeit – der Physiker Ludwig Boltzmann, in: Naturwissenschaft, Medizin und Technik aus Graz. Entdeckungen und Erfindungen aus fünf Jahrhunderten: vom „Mysterium cosmographicum“ bis zur direkten Hirn-Computer-Kommunikation, hg. von Karl Acham, Wien 2007, S. 117-127.
- , Von Naturbeobachtungen zur Nanophysik. Experimente, Wissenschaftler, Motivation und Instrumente physikalischer Forschung und Lehre aus vier Jahrhunderten an der Universität Graz, Graz 2003.
