- 53r -

Auch allergnädigster kayßer undt
herr!


Werdten euer kay. May. auß meinem heutigen
PSto allergnädigst ersehen, welcher gestallten ich in
underthängikheit meldtung gethan, daß an dieselbe einer nah-
mens Mommars mir ein allderunderthänigst gestelltes
anbringen behändtiget, undt ich mich understandten, euer
kay. May. dessen ansuchen, in gleicher underthänig-
kheit, doch so vill es dero convenienz, undt interehse leyden
mag, zu recommendiren, dasselbe khommet sambt einer
mir nachgegebenen memoria hiebey, wiewohlen ich ver-
nimme, daß er dergleichen allbereith auch durch des herrn
cardinal von Collonitz eminenz überschickhet habe, stehet
alßo in dero allergnädigster disposition, es gehöriger or-
then gehorsambst erwegen, undt ihro darüber referiren
zu lassen, wie weith dero kay. interehse dabey versi-
ret, undt ob, auch welcher gestallten in ein- oder andere sie
ihme deferiren wollen, undt khönnen. Ich mues bekhennen, daß
es eine sach, so extra meam sphaeram, undt darumb ich
mich eben nicht annehmen sollte. Allein, weillen ich noch im-
mer erwarttet, daß mir etwas in puncto commercii all-
hier anzubringen wurdte auffgegeben werdten (ob ich es
schon schwährlich werdte außmachen khönnen) undt anscheinet,
daß dieser mann nicht allein verständtig, undt in handel
schaffen wohl erfahren, sondern von einer absonderlichen - 53v -
auffrichtig- undt redlichkheit seye, so habe ihme seine bitt
nicht abschlagen khönnen, zumahlen er contestiret, daß al-
les allein zu euer kay. May. glori, ehr, undt nutzen,
entgegen zu einigen schaden, oder beschwährnus derselben
nicht angesehen, wie dann von euer kay. May.
er der zeith nichts begehret, wan aber alles in solchen
standt eingerichtet seyn wurdte, daß euer kay. May.
davon ein ergiebigen nutzen genießen khönnten, solches
alßdann in deroselben allergnädigster disposition ge-
stellet bleibet. Dieser Mommars hatt mir auch in ver-
trauen einen vergleich zugestellet, welchen mit dem
türckhischen kayßer die generalstaaten von Hollandt
in anno 1091 nach der türckhischen zahl, getroffen, damit,
falls euer kay. May. davon dato kheine nachricht
hetten, sie auch allergnädigst erwegen lassen khönnen,
ob, undt was ihnen darauß bey khünfftiger einrichtung
des commercii wesen zu nutz khommen, oder dabey beobach-
tet werdten möge, habe alßo nicht ermanglen sollen, solches
euer kay. May. allerunderthänigst beyzuschliesen.


Negst deme allergnädigster kayßer undt herr, hatt
mir ein englischer khauffmann ein wundergroßes stuckh
ambra (welches euer kay. May. der türckische kay-
ser mit denen überschickhten praesenten, alß eine große - 54r -
rarität verehren wollen, sich aber mit demselben wegen anwei-
ßung der bezahlung nicht vergleichen khönnen) gezeiget,
undt mich ersuchet, euer kay. May. davon eine underthä-
nigste nachricht zu geben, undt zu vernehmen, ob sie dar-
zu nicht etwan ein allergnädigstes belieben tragen möchten.
Welchemnach ich dasselbe abrayßen lassen, undt den
riss davon hiebey schließe. Einmahl ist es ein sehr großes,
undt rares stuckh, dergleichen nicht baldt gesehen wordten
seyn solle. Was nuhn euer kay. May. darüber aller-
gnädigst befehlen, solches will ich in underthänigkheit erwartten,
ich habe vermeinet, den mann zu disponiren, daß ich es
mit dem courrier nacher Wienn schickhen möchte, damit
euer kay. May. es selbsten sehen khönnten, allein
wahr er auß allerhandt bedenckhen nicht zu vermögen,
empfehle mich anbey widerhohlt zu kay. huldten undt
gnaden.


Eure rom. kay. may.
allerundterthanigst gehor-
sambster


Wolff g. z. Ötting m. p.
.
Nachweis und Zitiervorschlag zu diesem Dokument: Siehe hier.