Allerdurchleuchtigst großmächtigst
und unüberwindtlichster römischer kay-
ßer×, auch zu Hungarn× undt Böheimb× könig.
Allergnädigster herr!
1
Euer kay.
May.× habe ich zwahr mit dem courrier
Erasmo× auß Mustapha Bassa Kupri× under dem dato
24. Octobris
allerunderthänigst berichtet, daß ich den tag, alß
von Constantinopel×, oder vill mehr auß Pera× abgerayßet, undt
durch die vorstatt Eiupp× bey Constantinopel× marchiret, nicht
aber gehorsambst mit gemeldet, daß mich von
denen Tür-
khen niemandt anderst, alß der mich
beständtig begleitende
capidschi, undt mich
verwachende tornatschi Bassa von
dannen außgeführet, ohnerachtet mich 2 tag
vor meiner
abrayß der Mauro Cordato× versicheren lassen, daß
mich noch ein anderer agha mit seinen leuthen von Pera× auß
durch ersagte vorstatt× biß gegen Davud Bassa× führen wer-
de. Auß was ursachen nuhn selbes underlassen
worden,
ist mir ohnwissendt. Es hatt auch der englische pottschaff-
ter× vermeinet, man werdte mir,
weillen ich gemelter
massen zu Eiupp× durch geritten, daselbsten in deme
darinnen negst an den süessen wasser an die
strassen
gelegenen palatio, allwo mich der vesier× in vigilia San-
cti Matthaei zuvor tractiret, en
passant, ein tractement
[32v]
offeriren. Weillen solches aber nicht
geschehen, so schreibet er
mir, daß es derentwegen underlassen wordten,
weillen
ich so spath, undt erst nach 12 von Pera× auffgebrochen, undt
gegen 3 uhr dahin gekhommen, die türckhen aber
nicht in
brauch haben, dergleichen ceremonien so spath
zu machen,
(da mir doch dahmahls das essen nicht zu spath
gewesen
währe, weillen ich von zeith deß mittagmahl
deß vorigen
tag, al solito nichts gespeysset gehabt). Es
scheinet jedoch
eben derentwegen, daß sie es nie in sinn
gehabt, oder ihnen,
wann sie es auch vorgeben, nicht ernst
gewesen seyn mues,
weillen sie mir kheinen agha adiungiret, der mich sonsten
höfflichkheit halber, darzu einladen, undt
dahin führen sol-
len. Daß ich alßo nicht weiß, ob der pottschaffter×, dergleichen
zu schreiben, von dem Mauro Cordato× beredet
wordten,
oder er von sich selbsten die türckhen alßo
entschuldiget. Die
ursach betreffendt, warumben ich so spath von
Pera× auff-
gebrochen, ist, daß der von Lakowiz× so lang bey dem ve-
sier×, undt reis
effendi× auffgehalten worden, undt auff
die mir ertheillte expeditiones biß gegen 12
uhr wartten
müeßen
[33r]
müeßen, ohne deren ich nicht abrayßen khönnen,
noch wollen.
Solcher mein spather auffbruch, undt daß ich
so weith, undt
lang von Pera× nacher Eiupp× zu marchiren gehabt, ist auch
ursach gewesen, daß dem türckhischen kayßer× (welcher in
dem serraglio einer gewissen valida seiner ehefrau×, so
daselbst in Eiupp× lieget, über 4 stundt auff mein vorbey rei-
then gewarthet) die zeith zu lang wordten, er
selbes nicht
erwarthen khönnen, sondern, wie man mich
berichtet, zu
Davud
Bassa×, wo ich negst vorbey marchiret, mich all' in-
cognito gesehen. Bey der lezten brucken an
Eiupp× (allwo
man das alßo genannte süesse wasser passiret)
gleich ehe
man in selbe vorstatt khommet an einen brunn,
hatt sich
der Toekoeli× under einer zeldt mit all seinen leuthen be-
fundten, meinen außzug zu sehen, ich weiß
nicht mir, undt
forderist euer kay. May.× zu ehren, undt bezeigung
seines deroselben schuldigsten respect, oder
aus curiosität,
oder aber gahr zu einer bravur, weillen ich
wider seine an-
wesenheit daselbst in Constantinopel× protestiret,
mich dar-
gegen beschwähret, undt umb seine weithere
relegation ange-
suchet.
[33v]
So vill habe ich ex post vernohmen, daß sich
vill zu Constanti-
nopel× über solche seine kühnheit
verwundert. Wie ich wahrnehmen
khönnen, ist selber nicht einmahl in meinen
vorbeyrayßen
auffgestandten, mues aber auch bekhennen, daß
mir nicht
bewußt, ob er solches auch zum despect gethan,
oder ob er nicht
vill mehr so schlecht an salva venia dem pedal
bestellet,
daß er nicht mehr stehen khan, welches leztere
ich dar-
für halte. Ich habe solches von hier auß gegen
dem Mau-
ro
Cordato×, wie die beylag zeiget, mit dieser occasion
geandtet, weillen er selbst vor meiner abrayß
von mir
begehren lassen, solch mein desiderium an ihn
annoch
under weegs schrifftlich gelangen zu lassen,
ehe ich nacher
Belgrad×
khomme, mit anführung, alß ob von euer
kay.
May.× ich wehrender meiner ruckhrayß weithere
ordres bekhommen, dessen remotion zu urgiren,
ohn-
wissendt, ob er es verlanget, dardurch
gelegenheit zu
haben, es dem Toekoeli× zu zeigen, undt davon zu pro-
fittiren? (Wie ich verlässliche nachricht
habe, daß er
ohnerachtet aller mir gegebenen gutten
wortten, nacher
Scio×
[34r]
Scio× an deselbstige Griechen geschrieben, undt begehret, je-
mandten mit geldt nacher Constantinopel× zu
schickhen,
meine negotiation pro Catholicus zu
contracaricieren, weillen
ich mit großen eyffer, undt nachtruckh pro
eorum restitu-
tione sollicitire, damit ich nicht
praevaliere, oder ob es tout
bon gemeinet?
2
Euer kay. May.× khan ich auch in allderunderthänigkheit ohn-
benachrichtet nicht lassen, daß man mir biß dahehr in die-
ser meiner zuruckhrayß in kheinem stättl noch dorff
auff die weiß, alß wie in meiner allhehro rayße, weder
von denen vorsteher der orth, noch janitscharen, noch auch
von denen innwohnern entgegen khommen (ohnerachtet
man mir vormahl mit gewehr wenigst eine viertel stundt
davon vorgewarthet, undt mich in das quartier begleithet,
daselbsten empfangen, undt gratuliret) sondern blos
allein der tornatschi bassa, der sich mit seinen leuthen,
welche mich forth, undt forth begleithen, jedeß mahl vor
meinem quartier praesentiret, undt mich complimentiret,
so gahr daß der capidschi bassa sich biß dahehr (wann
[34v]
er nicht eine klag vorzubringen hatt) niehmahlen sehen las-
set, da er undt andere mich doch vorhehr alle mahlen mit
denen principalen deß orths über die stiegen (wo eine ge-
wesen) undt in das zimmer geführet. Zu Adrianopel×
aber, allwoh (weillen vorhehro erfahren, daß mich der bo-
stanzi bassa, undt janitscharen agha× empfangen wer-
den) ich einen kleinen einzug mit trompeten undt pau-
khen, doch ohne fahnen gehabt, mit vorführung meiner handt-
pferdt, undt vorreithung meiner cavallier, undt officie-
ren, undt in meiner zweyten gutschen zwischen meinen
trabanten, undt laqueyen gefahren, meine rayßwägen
aber nachgehen, sodann die pages, undt andere minorum
gentium nachreithen lassen. Da dann der bostanzi bassa
mir mehr, alß eine guette halbe, ja wohl 3 viertel stundt,
der jantischaren agha aber biß zu anfang deß freydt-
hoffs mit ihren bostanzi, undt janitscharen, so ihnen
zu fues auff gewarthet, entgegen khommen, meiner re-
spective alldahr erwarttet, undt mich sodann biß an
mein quartier, in hinwegg rayßen auch fast auff solche
weiß
[35r]
weiß wider zuruckh begleithet, ausser daß der bostanzi bassa
nicht für mein hauß gekhommen, mich abzuhohlen, sondern
vor der statt ausser der bruckhen über den fluss Hebrum
meiner in einem gartten erwarttet, undt mich von dahr eben
so weith begleithet, der janitscharen agha aber ist nicht in
persohn, sondern an dessen statt ein gewisser officier, mit
ohngefehr 30 pferdt erschinen, undt etwan eine halbe vier-
tel stundt mit geritten. Ersagter bostanzi bassa ist ein
gahr höfflich undt discreter mann, hatt mir insonderheit zu
erlösung einiger gefangenen gantz willig an die handt ge-
standten, sich auch offeriret, dergleichen khünfftig bey aller
occasion zu thuen, undt mir, wie in dem hineinrayßen
wider einen gahr feinen türckhischen klöpper, undt zeug ver-
ehret.
3
Alß ich den 27. von Usundsche Ova× nacher Kaiali× gerayßet,
ist mir under weegs deß gewesten seraskier× von Belgrad×
bruder,
ein auch überauß feiner mann begegnet, undt hatt mir
wehemüthig geklaget, daß 15 tag zuvor sein bruder× (wo-
von euer kay. May.× allbereith mit mehrern von
[35v]
Peterwaradein× auß, umbständtlich werden berichtet worden
seyn) erbärmblich ermordet wordten. Ich beklage ihn von
meinen orth gahr sehr, dann er auch gahr ein höfflicher
mann gewesen, der, wie ich vor diesem vernohmen, mit euer
kay. May.× guette nachbahrschafft gehalten, mir auch
in meinem allhehr, undt vorbey rayßen große ehr bezeiget,
die ich auch dießmahl von ihme zu hoffen gehabt, zumahlen,
daß ich geglaubet, mit ihme wegen der gefangenen wohl
auß zu khommen, da man anjetzo nicht weiß, wehr, undt
was für ein mann ihm folgen wirdt, undt wie mit ihme
umb zu gehen. Ich werdte zwahr versicheret, daß wann der
dermahlige bassa von Sophia× (wie vermeinet wirdt) an
statt seiner khommen solle, daß selber auch gahr ein friedt-
licher, tractabler, undt ein vernünfftiger mann seye. Die
zeith wirdt es geben. Ich hoffe nicht ohnrecht zu thuen, wann
ihme alßdann wegen euer kay. May.× gratuliren,
undt die guette nachbahrschafft, undt halthung deß friden,
auch sonsten ein undt anderes recommendiren werdte, ohnerach-
tet ich derentwegen noch kheinen befelch habe, noch in tempore
werdte
[36r]
werdte haben khönnen.
4
Alß ich nacher Philippopoli× gekhommen, bin ich eben mässig, je-
doch ohnvermuthet, weillen mein capidschi, noch tornatschi
bassa nichts davon gewußt, oder mich
advertiret, zwahr auch
gahr solenniter von dem commendanten über die janitscharen
undt 2 begen, die sehr
ville leuthe bey sich gehabt, wohl eine
halbe stundt ausser der statt empfangen, undt
biß in mein hauß
von einem dieser lezten aber (in dessen hauß
ich logieret
worden) biß in die zimmer desselben
begleithet, undt von
ihme mir selbes völlig übergeben worden, so
gleicher ge-
stallten ein sehr höfflicher mann, wie dann
nicht zu be-
schreiben, undt khaumb zu glauben, was hin
undt wider
under ihnen Türckhen für ville wackhere, undt
höffliche leu-
the gefundten werdten, die es wahrhafftig
vill großen
christlichen cavallieren, die ihnen nicht
wenig einbilden,
undt das gras wachßen hören, weith bevor
thuen. Wegen
berührter ohnwissenheit aber, habe ich
kheinen formal einzug
angestellet, sondern bin in meinem rayß wagen
fahrend
geblieben, doch seindt alle meine 8 trompeter mit denen
[36v]
cavallieren, undt villen anderen meinen
leuthen vor meiner
geritten.
5
Gleicher gestallten bin ich den 1. Novembris zu Tabar
Pasardschick×
von daselbstigen regenten, undt allhier den 6. von dem
vice regenten (weillen
der hiesige bassa, seraskier zu
Belgrad×
worden, undt vorgestern dahin gerayßet) mit
auch sehr villen zu pferdt, undt fues über
eine halbe
stundt weith remonstriret, von diesen auch
gahr in sein
hauß, worinnen ich ebenmässig das quartier
habe, undt
in mein zimmer begleithet worden, undt auff
die weiß,
wie zu Adrianopel×, eingefahren. Von kheinem der orth
aber hatt mich jemandt zuruckh begleithet,
ohnwissendt,
ob sie es de stylo alßo halten, wann man
abrayßet,
oder ob es darumben geschehen, weillen ich
jederzeith gahr fruhe,
undt vor tags auffzubrechen pflege. Morgen
gelibts
Gott, gehe ich nacher Nissa×, von dahr ich durch den cour-
rier Admiraldi× (welchen von Constantinopel× stündtlich
erwarttet, mit demselben zu vernehmen, ob,
undt
wie es sich mit meinem sohn× gebesseret, undt wann
er
[37r]
er von dahr auffgebrochen, undt durch die Wallachey× über
Siebenbürgen× nacher Wienn× seine rayß forthgesezet haben,
oder forthsetzen werdte). Euer kay. May.× willens al-
lerunderthänigst zu berichten, wie meine
rayße weither von-
statten gehet, undt wann ich werdte zu Belgrad× ankhommen
khönnen, weillen der weeg wegen deß
eingefallenen regen,
undt schnee, auch gefolgten frost (welche in
mitte deß De-
cember nicht schärfer seyn khan) über das
gebürg sehr
schlecht geworden, daß baldt ohnmöglich (wie
es der lezt von
dem türckhischen pottschaffter× angelangte courrier auch
be-
zeuget, undt erzehlet, daß es von Belgrad× allhehro noch
schlechter, alß in der gegendt seye) forth
zu khommen. Ich
hette nicht ermanglet, diesen courrier noch gestern abzu-
ferttigen, weillen ich aber verhoffet, der
Admiraldi× werdte
wenigst heuth ohnfehlbahr anlangen, umb
selben schickhen
zu khönnen, indeme ihn die ordtnung
betrifft, ich auch all-
zu sehr überhäuffet, undt darfür gehalten,
daß damit
nichts versaumet werdte, zumahlen dieser
ohne dehm
nicht mehr à tempo nacher Wienn× khommen khönnen,
[37v]
damit euer kay. May.× darüber vor ankhunfft deß
pottschaffters× nacher Essegg× eine weithere verordtnung
wegen der von ihme entführten gefangenen
dahin werden
überbringen mögen. Derentwegen ich auch dem
graff Qui-
do von Stahrnberg× von allem deme, was
in dieser ma-
teria euer kay. May.× ich in aller underthänigkheit
berichte. Zumahlen daß die Türckhen gegen mir
kheinen
gewaldt gebrauchtet, undt zu mir kheine
gebohrne Tür-
khen gekhommen, succincte parte gegeben,
weillen ich
praesumiret, euer kay. May.× werdten ihn under andern
auch auff das gewißen haben, was mit mir
passiret, da-
mit er sich solchen fall darnach zu
reguliren, undt euer
kay.
May.× allergnädigster verordtnung nachzukhom-
men wissen möge. Ich habe in übrigen auß der
von dero
löbl.
kay. hoff kriegs rath mir durch den türckhischen
courrier überschickhten nachricht de
dato 21. Octobris mit mehrern
ersehen, was mit mehr besagten pottschaffter× vor seiner ab-
rayß für eine weithere abredt sowohl wegen
der beyderseith biß-
hehro hinderhaltenen raitzen, alß deren auß
der bagno von Constan-
tinopel
[38r]
tinopel× dahin geschickhten gefangenen
(welche vermög deß cantze-
listen Mozzi× den 31. Octobris erstatteten bericht gestern zu Bel-
grad× angelanget seyn werdten, wie
dessen an mich erlassenes
undt hiermit khommendes schreiben mit mehrern
außweißet) de
novo abgeredet, undt verglichen wordten.
Erfreue mich darü-
ber von hertzen, undt wuntsche von Gott den
allmächtigen,
daß selbe alle vor meiner dahin khunfft
frey, undt in die chri-
stenheit gelassen worden seyn mögen,
zumahlen ich dardurch
einer großen sorg, undt beschwährnus
überhoben bleibe, mit
leuthen, welche khein wortt halten, weither
zu tractiren, undt
zu handlen. Mit allerunderthänigster bitte,
euer kay. May.×
wollen sich mit deme allergnädigst
vergnügen, was ich bißhehro
mit großer mühe, undt verlust grosser zeith
gethan, undt
dasselbe allergnädigst approbiren, wie ich
dann allerunderthänigst
verzeichnen khan, daß ich an eyffer, sorg,
fleyss, undt mühe
nichts ermanglen lassen, sondern angewendet,
was mir mö-
glich gewesen. Füge schließlichen in
underthänigkheit bey, was ich
mit meinem comitat für eigene pferdt, undt
wägen habe, undt
die türckhen mir biß gegen Salankement× verpflegen,
vorge-
spannet
[38v]
undt zu meinem forthkhommen verschaffet, undt
ich von darauß
wider biß nacher Wienn× nöthig habe, mit gleichmässiger allerun-
derthänigsten bitt, mir dergleichen auch
nacher Wienn× (wann an-
derst selbe wägen so gros, sonsten aber mehr)
in gnaden zu
verwilligen, undt zu verschaffen, wann ich
anderst forth, undt
dahin kommen solle. Mich anbey
zu kay. hulden, undt gna-
den empfehlendt.
Eure rom. kay. May.×
allerundterthanigst gehor-
sambster
Wolff g. z. Öttingen× m. p.
Sophia×, den 8.
Novembris 1700.