Allerdurchleuchtigst, großmächtigst, undt
unüberwindtlichster römischer kayßer×, auch zu
Hungarn×, undt Böheimb× könig.
Allergnädigster herr!
1
Indeme ich willens gewesen den 14. currentis überbringern dieses
den courrier Soeteri× eigens an euer kay.
May.× mit dem
hiermit
khommenden, den tag zuvor allschon verferttiget gewesten
allerunderthänigsten schreiben abzuschickhen,
ist der tag zuvor, nemblichen
den 13. der,
den 4. Julii an euer kay. May.× von hier
gesandte Admiraldi×, abendts 7 uhr allhier bey mir angelanget,
welcher dießmahl wider einen guetten ritt
gethan, undt euer kay.
May.× allergnädigsten befelch, undt
erlaubnus de dato 27.
Augusti, mich von hier wider nacher
Wienn× zu begeben, undt
die-
ser orthen erlediget zu werdten, zu meiner
großen consolation
überliefert. Darfür hiermit
allerunderthänigsten dank erstatte.
Vor dieser allergnädigsten erlaubnus bin ich
nicht willens gewe-
sen, denen
Türckhen so gleich parte zu geben, noch auch umb eine
audienz, undt meinen abschiedt bey den sulthan×, undt gros
vesier× anzusuchen, sondern vorhehro
noch einige tag zu gewinnen,
undt mich zu bemühen, daß ich auff meine vor
einiger zeith mündt-
lich, undt
schrifftlich gethane anbringen eine schrifftliche andtwortt
erlangen möge, damit es mir nicht, wie dem
pohlnischen gesandten×
ergehen möchte, der auff diese weiß die
andtwortt nicht erwartten
wollen, undt sich alßo praecipitiret, daß er
derentwegen fast ohne
erhaltung
einiger resolution abziehen müessen. Wie ich dann
[174v]
den gefolgten tag darauff dem Lacowiz× derentwegen zu dem
reis effendi×
geschickhet, undt selbe sollicitiren lassen, damit euer
kay.
May.× davon underthänigste nachricht geben khönne. Sie Tür-
khen aber haben mein ansuchen umb eine audienz
nicht erwarttet,
sondern mir
selbe von selbsten auff Erchtag den 21. dieses bey
dem sulthan× praefigiret, undt anzeigen lassen, daß sie allschon
alle anstallt gemachet, daß ich den 10. tag
darauff von hier abray-
ßen werde, undt daß in 3 oder 4 täg meine
expeditiones alle
ferttig seyn werdten. Weillen euer kay. May.× mit dem ge-
sandten× zu Wienn× abgeredet, undt verglichen, daß den 28. Octobris
die außwechßlung zu Salankement× ohnfehlbahr erfolgen solle,
welchemnach er auch den tag seiner abrayß von
Wienn× schon deter-
miniret, undt sie demselben nach antretten
werdte. Ich mues
bekhennen, wie frohe ich auch bin, daß ich
einmahl von hier erledi-
get werdte, so ohnvermuthet, undt beschwährt
fallet mir dieser
praecipitanter
auffbruch. Undt daß mein courrier so lang auffge-
halten, undt ich nicht etwas zeitlicher
anvertiret wordten, da ich
mich noch gantz nicht zum rayßen
angeschickhet, undt erst ein undt
andere notturfft verferttigen lasse,
ohnwissendt, ob ich möglich da-
mit ferttig werdten khan, daß ich alßo
besorge, ich werdte nicht
allein meine beste sachen alle in höchster
ohnordtnung zusammen
richten
[175r]
richten, sondern auch die türckhische
resolutiones, wie sie fallen. Folglich
es mir mit
denenselben, wie dem Pollackhen× ergehen wirdt,
ohne
weithers repliciren annehmen müessen, undt
solchemnach noch wohl
so vill zeith haben mögen, vor meiner abrays
an euer kay.
May.× einen eigenen courrier überschickhen, undt auff die in bey-
khommenden schreiben enthaltene anfragen eine
andtwortt erwartten,
oder wenigst noch 8 tag, wann die
resolutiones, wie ich anjezo besorge,
schlecht außfallen sollen, dargegen repliciren
zu khönnen, zumahlen
ich ohnmöglich
auff meine gefahr nehmen khan, die donativ gelder
jemandten allhier in der frembde, ohne
special befelch, außzuhän-
digen, oder anzuvertrauen, weillen die summa
allzugros, undt
weder die todtfälle, feuer, noch andere
gefahren vorgesehen werden
khönnen, derowegen ich selbe besorglich
gezwungener wider mit mir
zuruckh nehmen werdte müessen.
2
Wegen der gefangenen werdte ich wider alle
gethane vertröstung, daß
sie gestern abrayßen sollen, bey der nasen
herumb geführet, ich
thue, was ich
will. Geben anjetzo vor, sie sollen 5 tag vor meiner
erst auffbrechen. Bey diesem allen doch werdte, wie bißhehro, thuen, was
mir möglich, undt nichts underlassen. Es ist
aber nicht zu hoffen,
daß die Türckhen der zu Wienn× mit der pottschafft gethanen abredt
mehr, alß denen fridens tractaten nachleben
werdten. Mit denen
[175v]
von Peterwaradein×
zuruckh geführten persohnen ist mir allhier
eine große verhinderung in weeg geleget
wordten, welche mir mehr
alß umb 50
persohnen schadt, weillen die Türckhen anjetzo gahr khei-
nen mehr, den sie von ihren glauben halten,
auß dem landt lassen
wollen.
3
Daß euer kay. May.× so gnädig seyn, undt mir das allhier für
diese arme leuthe außgelegte, undt
accreditirte allergnädigst be-
zahlen lassen wollen, darfür sage hiermit
allerunderthänigsten
danckh. Bitte aber die darzu parat vorhandtene
10.000 fl., so bey
dem Pestaluzzi× ligen, wie auch die von denen löbl. oesterreich.
ständten verwilligte 6.000 fl. meinem
bestellten in Wienn×, Johann
Jacob
Kistler×, der in meiner wohnung zu erfragen, gegen seine
interims quittung, ohnbeschwährt zustellen zu
lassen. Der hatt be-
felch, wie er sich damit zu verhalten. Ich
begehre mehr nicht, alß
was ich würckhlich hergeschossen, undt
accreditiret, undt ferner al-
ßo vorschießen werdte. Die rechnung über alle
außgaben, wie selbe
gelder zu der armen leuth besten angewendet
wordten, wirdt graff
Carl von
Sinzendorff×, wie euer kay. May.× ich
schon ein- undt
andermahl bereiths überschriben, fideliter,
undt punctual übergeben,
undt inmittelst allschon deß herrn cardinal Kollonitz eminenz×
überschickhet haben. Ich habe ihme die gelder
alle in seine händte
schießen
[176r]
schießen lassen, damit weniger diffidenz in
ihn, alß einen euer kay.
May.×
erlichen underthanen, alß in mich, da ich auß dem Reich× bin, gesezet
werdte. Wann ich darbey nicht cavallierisch
handtlen, sondern einen
nutzen suchen wollen (wie der graff Lesle× beschuldiget wirdt, welches ich
nicht weiß, wie es damit beschaffen) so wollte
ich die große summ ex
proprio nicht vorgeschossen, oder auff meinen
credit auffgebracht,
undt mich allein auff Gott, undt euer kay. May.× verlassen,
sondern eine anticipation erwarttet, oder
begehret, undt biß dahin mit
erlösung der armen leuthe innen gehalten
haben, welches dato nicht
geschehen. Es wirdt aber nicht nur allein der
graff von Sinzendorff×,
sondern auch der pater
Trinitarius sagen, ob ich darbey was zu
properiren
gesuchet, oder vill mehr meinen schaden gethan, undt ob
jemahlen einiger pottschaffter, oder sonst
jemandt das, was ich, gethan,
welches doch ohne eitlen ruhmb meldte.
4
Was euer kay. May.× der grenetz scheidung undt in specie wegen
Novi× ad longum sambt allen anderen davon anhängen mir aller-
gnädigst überschriben, darfür ich gleichmässig allerunderthänigsten
danckh erstatte. Davon hatt mir graff Marsigli× auß Brodt× durch
den dero allher geschickhten sprach knaben parte geben. Ich werdte
aber weder in dieser, noch in anderen materien wegen der praecipitanten
abrayß einige gelegenheit mehr haben, etwas vor- undt anzubringen
[176v]
oder zu negotiiren.
5
Gleiche beschaffenheit hatt es auch wegen deß Toekoeli×, undt dessen corruzen,
wiewohlen ich nicht ermanglet, derentwegen von dem englischen pott-
schaffter×, welcher dermahlen noch nicht allhier, sondern annoch zu Bel-
grad×, den extractum prothocolli, dessen euer kay. May.× mich
allergnädigst errinneret, zu begehren, den ich auch augenblickh-
lich erwartte.
6
Eine abschrifft von denen moscowitischen
tractaten ist dermahlen, undt
biß anhehro ohnmöglich zu erhalten gewesen,
ohnerachtet ich alle di-
ligenz anwendten lassen, undt nichts zu
erspahren gesuchet. Sol-
ches klagen auch die übrige pottschaffter. Es
solle aber, wie vorge-
geben wirdt, die ursach seyn, daß die
Tückhen, selbe publiciren zu
lassen, nicht getrauen, weillen sie besorgen,
von dem gemei-
nen volckh beschuldiget zu werdten, daß nicht
nur allein in den
carlowitzer friden, sondern auch bey diesen
tractaten, allzu
vill dem Reich vergeben wordten, so lieber
mit dem krieg
zu behaupten, gesuchet werdten sollen. Ich
werdte aber verläß-
lich berichtet, daß die Moscowiter absque
minima mutatione al-
les erhalten, was sie gefordert, undt von
welchen puncten ich vor
ohngefehr 3 monathen ein project
überschickhet.
7
Der patriarch×, verhoffe ich, werdte zu friden seyn, die übrige geistliche
desideria
[177r]
desideria stehen auff den erfolg, den ich täglich, ja stündtlich erwartte.
Wegen der debrecziner undt siebenbürger schuldt währe freylich guett,
wann ein vergleich khönnte gemachet werdten, aber wie khan solcher
geschehen, oder tractiret werdten absentibus partibus? Besser, undt leich-
der währe gewesen, wann euer kay. May.× einen macht spruch ge-
than, undt über das capital eines jeden à proportione desselben
einige jahr interesse, oder eine gewisse summa geldt zu bezahlen
aufferleget, undt mir, wo solches quantum sicher zu erheben, ver-
läßlich überschriben hetten. So hette ich mir getrauet, etwas zu rich-
ten, nachdeme zumahlen euer kay. May.× der Mauro Cordato×
solches nach
m
s
einem ersten schreiben von hier, alßo anheimb gestellet,
dermahlen aber, undt bey obigen umbständten, sorge ich, daß nicht
mehr campo, oder zeith haben werdte, alß vergangenes jahr zu
Salankement×, mit dem türckhischen pottschaffter× zu reden, oder zu
tractiren.
8
Daß die 4 toekoelische Hungarn, undt der
[?
Cleritsch
] mit dem Pollackhen×
von hier
abgerayßet, werdten meine vorhergehende underthänigste
schreiben geben.
9
Was euer kay. May.× wegen deß commercii, undt der consulum,
wie auch wegen eines residenten, oder internuntii allergnädigst resol-
viren werdten, stehet zu dero gnädigsten belieben. Ratione consulum
[177v]
revocire ich meine underthänigst gethane recommendation auß verschidenen
ursachen noch einmahl, in tertio aber, wann mir erlaubet ist, undt
es noch ein allergnädigstes gehör findet, widerhohle meine vorige recom-
mendation, undt bitte allerunderthänigst anbey, sie wollen ihnen
selbsten doch ohne noth kheinen beschwährlichen ohnkhosten veranlassen,
dann ich weiß leyder, daß euer kay. May.× ville sachen, nicht
dero, sondern andern zu dienen, undt auß dabey habenden parti-
cular absehen recommendiret werden. Will aber damit niemandt
an seinem vermeinten glückh, welches man offt hoffet, aber villmahl
mehr zu schaden, alß nutzen außschlaget, verhinderlich, oder schädtlich
seyn.
10
Mit contentirung der clermannischen wittib× werden euer kay.
May.× ein großes werckh der barmhertzigkheit thuen, undt so vill dardurch,
oder mehr bey Gott erhalten, alß wann sie etliche gefangene erlösen,
indeme sie dieselbe, alß gleichwohl eine wittib eines euer kay.
May.× getreu gewesten dieners erledigen, undt befreyen, daß
sie zumahl nach meiner abrayß von hier von ihren creditoribus
(denen sie auß ermanglung der ihr gebührenden bezahlung sich obli-
giren müessen) nicht ergriffen, in eine gefängnus, oder arrest ge-
leget, undt dardurch umb das wenige, was sie noch haben mag,
gahr gebracht werde. Gewiss ist es, daß, ob sie schon alt, doch
mitleyden
[178r]
mitleyden werth.
11
Denen beyden sprach knaben wirdt harth fallen, wann sie allein
allhier sollten gelassen werdten. Der Mammuka× hatt zwahr die
gelegenheit, bey seiner mutter× under zu khommen, die übrige aber bey
einem der beyden pottschaffter underzubringen, wirdt etwas schwähr
seyn, weillen der englische× (wiewohlen er sehr civil, undt in allen
sich zu euer kay. May.× diensten offeriret) etwas singular,
undt sein hauß von seiner nation besezet, welche denen teutschen
wenig geneigt zu seyn scheinen, daß sie alßo bey undt neben denen-
selben nicht gehrn seyn dörfften. Der holländtische× aber weiß nuhn-
mehr, nachdeme ihm sein hauß in grundt abgebrennet, selbsten nicht
underzukhommen. Mir währe eine gnade geschehen, wann das jenige,
so ihnen an geldt gegeben werdten solle, euer kay. May.× mir,
oder dem cassier allergnädigst zu determiniren beliebet hetten,
weillen in dergleichen fällen man baldt einem zu wenig, dem an-
dern zu vill thuet.
12
Nachdem ich dieß mein schreiben bis dahehr
gestern abendt schon ver-
ferttiget gehabt, undt die Türckhen mir den
ferman für den cour-
rier erst überschickhet, haben sie
mir den tag meiner abrays den
vor Michaeli verlängert, daß ich alßo denselben mit Gottes
hülff
undt beystandt gewiss abrayßen. Ob ich aber
den 28. Octobris
[178v]
Salankement× erreichen werdte, zumahlen ich allen vernehmen nach
biß dorthin 40
täge nöthig haben werdte, das stehet zu er-
wartten. Ich müeßte dann die gantze rayß
kheinen rast tag,
undt alle meine ross crepiren machen, andere
incidentien zu ge-
schweigen, zumahlen noch ohngewiss, ob mich
die an ein undt
andern orth
grassirende kranckheit den gerathen weeg wirdt
rayßen lassen, ohne mich, undt alle meine
leuthe in die grö-
ßte gefahr zu setzen. Wie dann auch
vergangenes jahr der türckhische
pottschaffter× einen andern umbweg
nehmen, undt ich derentwegen
so lang mich
under weegs mit meinen großen schaden auffhalten
müeßen. Gott wirdt aber alles nach seinem
göttlichen willen
schickhen, undt dirigiren.
13
Euer kay.
May.× berichte hiermit, daß vor 4 tagen der
türckhische kayßer× (wie ich vernimme gegen 100 beuttel geldt)
den fürsten in der Moldau× abgesezet, undt deß vorhehr gewesenen×
sohn, Constantinum Duca×, zum fürsten gemachet, der an sich
gahr ein
frommer, undt wackherer herr. Ich sorge immer,
es geschehe
gähling dergleichen anderwerths auch, weillen die perse-
cutiones noch aller orthen continuiren, undt
hiesiger hoff
geldt bedürfftig, dann der mehr geldt gibet,
welches alles ver-
mag, der
kommet vor, undt der kheines, oder nicht genug hatt,
bleibet
[179r]
bleibet zuruckh, wie es leyder in der gantzen
weldt gehet, undt derentwegen
die meiste ehrliche leuthe zuruckh bleiben
müessen. Ich mues hiermit
meinem vorigen schreiben noch hinzu setzen,
daß der sulthan× nach
den donnerstreich in die berichtete moschee,
resolviret, umb
dieselbe
herumb nicht allein ville haüßer abzubrechen, undt das
spacium weither zu machen, sondern auch denen
Griechen, undt
Christen befohlen, die negst verbleibende
alle, denen Türckhen
zu
verkhauffen, damit sie frey bleibe, vorgebendt, es seye
der geschehene streich eine straff Gottes,
daß sie Christen so nahe
darbey
gelitten wordten, daß man alßo die große verfolgung
der Christen aller orthen sihet. Womit
schließe, euer kay. May.×
mich allerunderthänigst gehorsambst zu
gnaden empfehlendt, undt
nochmahlen allerunderthänigst bittendt,
meiner gemahlin× den
außstandt
meiner besoldtungen, undt monath gelder zu bezahlen,
allergnädigst, undt nachtruckhlich
anzubefehlen, weillen sie biß
zu abrayß deß courrier Admiraldi× für heuriges jahr mehr
nicht, alß 1.000 fl. empfangen, welches mir,
undt ihr sehr
empfindtlich fallet.