Allerdurchleuchtigst großmächtigst undt un-
überwindtlichster römischer kayßer, auch zu Hun-
garn und Böheimb könig.
Allergnädigster herr herr.
Euer kay.
May. werdten verhoffentlich seith der ankunfft deß
courrier
Admiraldi meine 6 verschidene allerunderthänigst nachgeschickhtes
bericht schreiben de 20. undt 26. Julii, 8., 22. undt 27.
Augusti,
wie auch 4.
dieses, welche ich mehrern theill in ermanglung anderer gele-
genheit, den ohnkosten eigener courrier zu
erspahren, denen türckhischen
von hier nacher Wienn abgeschickten anvertrauet, empfangen, undt
was ich in ein undt andern allergehorsambst
angefraget, auch worüber
specialiter instruiret, undt berichtet zu
werdten, gebetten, allergnä-
digst vernohmen, absonderlich aber aus denen
beyden leztern ersehen
haben, daß hiesiger hoff vorhabens gewesen
(welches inmittelst auch
ohnfehlbahr mit dem den 7. dieses von hier endtlichen abgereyßeten
türckhischen courrier
geschehen seyn wirdt) dessen zu Wienn anwesen-
den pottschaffter abzuruffen, undt demselben zu befehlen, von euer
kay.
May. die abschiedt audienz zu begehren, auch den tag, wann
er selbe erlangen werdte, wie jegleichen den
seines vorhabenden
auffbruchs von dahr, allhehro zu berichten,
damit sie dardurch gelegen-
heit erlangen, auch mich abzuferttigen, undt
von hier wegg zu befürde-
ren. Weillen es nuhn einmahl zeith darzu,
undt ich verhoffentlich
lang genug allhier gewesen, es auch das
ansehen nicht hatt, daß ich die
völlige grenetz scheidung dieser orthen werde
erwartten, weniger dar-
zu etwas mit meiner anwesenheit beytragen
khönnen, indeme selbe
- 136v -
noch jahr und tag, undt auch noch länger
auffgezogen werdten khan,
nachdem ein undt anderer seine convenienz
dabey findet, es auch an
deme, daß ich mich über den 15. oder 20. Octobris
nicht werdte auffhalten
khönnen, gestallten ich dann verhoffe, daß die
resolution meiner den
vesier
jüngst übergebenen puncten mich nicht vorhinderen, sondern (ausser,
der 3 haupt puncten, wovon ich widerhohlte
meldtung gethan, daß darzu
schlechte hoffnung) alle dergestallten
resolviret werden sollen, daß ich
kheine ursach haben werdte, dargegen zu
repliciren, oder derentwegen
mich länger auffzuhalten. Zumahlen mein
längeres allhier verblei-
ben ohne dem nichts helffen, weder sie
Türckhen zu dem, was sie ab-
solute nicht thuen wollen, oder zu khönnen
vorgeben, nicht mehr bewegen,
auch meines darfürhaltens nicht rathsamb,
noch euer kay. May.
reputierlich seyn würdte, mich dergleichen
wegen under dero hohen nahmen
ohne habendes compelle weither vergebenß zu impegniren. Die Sciotten, ob sie
schon noch continuirlich bitten, weithere
instantias zu machen, wie ich
es auch nicht underlassen werdte, erkhennen
selbsten, daß bey dermah-
ligen vesier nicht
wohl möglich seyn werdte, etwas favorables für sie
zu erhalten, haben auff an handtgebung deß
öffter gemelten patris
Carmelitae (welcher inmittelst auß
meinen negotiiren für den guetten
patriarchen auch witziger wordten, undt gelernet, daß man allhier
mit lähren betrohungen, undt braviren ohne
nachtruckh, weniger,
alß
- 137r -
alß mit guetten wortten richtet, undt es ex
post in persohn selbsten gethan)
mich ersuchet, euer kay. May. allerunderthänigst zu bitten, daß sie
allergnädigst belieben möchten (seinem
vorgeben nach, ad imitationem
deß könig in
Franckhreich, alß er vor einigen jahren die restitution
Terrae
Sanctae denen patribus Sancti Francisci erhalten) an
den
gros
sulthan bey der abrayß deß türckhischen
pottschaffter von Wienn
ein schreiben abzulassen, solches demselben
auffzugeben, undt zu
recommendiren. Darinnen euer kay. May. ihn ersucheten, er-
sagte restitution der Sciotten, undt mithin
die cahsation deß so
praejudicirlichen hetscheriff zu verwilligen, weillen sie verhoffen,
wann solches geschehe, daß sie ohnfehlbahr
diese gnadt erlangen, der ve-
sier hierdurch auch (zumahlen wann
wider ihn nichts gemeldet werdte)
nicht offendiret wurdte, welches er anjetzo
selbsten wegen seines impegno,
undt daß all ihr übel von ihm herrühre, nicht
thuen wolle, oder khönne.
Ich habe ihnen geandtworttet, daß ich nicht
underlassen wolle, euer kay.
May. solches in underthänigkheit zu
hinderbringen, nicht zweifflendt, wann
dieselbe es thuen khönnen, undt der stylus
dero kay. hoff nicht
darwider seye, dergleichen angelegenheiten à
parte, undt auff diese weis
durch schreiben etwas zu recommendiren, daß
euer kay. May.
selbes zu befürderung deß catholischen wesens
besten, gnädigst gehrn
thuen werdten. Allein wisse ich nicht (wie
wahr, aber sehr zweiffle)
- 137v -
ob dergleichen à parte recommendation, oder
ersuch schreiben jemahlen abge-
gangen, oder abzugehen pflegen. Daß alßo
solches euer kay. May.
allergnädigsten belieben, undt dem
hergebrachten stylo allerunderthänigst
anheimb gestellet bleibet.
Gleiche beschaffenheit hatt es auch mit dem
Raguseer, der sehr lamentiret,
daß ich ihm auch nicht zu helffen weiß,
nachdeme ich alles gethan, undt
vorgestellet, was ich gekhönnet, forderist
euer kay. May. mir be-
fohlen, undt er selbst an handt gegeben. Aber
wider den wasser
strohm ist ohnmöglich zu schiffen, sonderlich
wo die segel, undt ruder
manglen, da ist gahr nicht forth zu khommen.
Er traget auff desperate
extremitäten an, ob es dermahlen de tempore,
undt mehr nutzen, oder
schaden bringen werde, mues ich dahin
gestellet seyn lassen. Er
hatt von mir derentwegen rath verlanget, den
ich ihme aber nicht
zu geben weiß, zumahlen es in dergleichen
fällen zu thuen, ohne dem
gahr gefährlich. Ich weiß nicht, ist es eine
animosität gegen die repu-
blique, oder die noth von geldt bey
hiesigen hoff so gros, oder aber hat
einer, oder der andere particular auff das
verfallene eine anweißung
erhalten, daß derentwegen umb so vill
stärckher darauff getrungen
wirdt, wie es anderer orthen zu geschehen
pfleget, wo man gemeinich-
lich solche angewisene ausständte mit mehrern
gewaldt, alß der herr-
schafften lauffende gefälle, zu ruin der
armen leuthe, eintreibet,
undt
- 138r -
undt der hiesige extra
envoye nicht einmahl von einigem ministro
vorgelassen, noch ihme, mit ihnen zu reden,
erlaubet, sondern er,
seiner anzeig nach, jedesmahl mit deme
abgewisen wirdt, daß, wann
er bezahlet haben werdte, oder geldt bringe,
man mit ihme reden,
oder selben vorlassen wolle. Ich habe eine
notturfft gefundten, euer
kay.
May. von allen diesen durch überschickhung eines aigenen cour-
rier parte zu geben, undt selbe
forderist nochmahlen allerunderthänigst
zu bitten, mich auff alle meine nach undt nach
gethane gehorsambste
anfragen allergnädigst zu bescheiden, damit
ich in tempore, undt noch
vorhehr, ehe der türckhische pottschaffter von euer kay. May. ab-
schiedt nimmet, undt von Wienn auffbricht, von ein
undt andern nach-
richt haben, mich darnach reguliren, undt
wir, so vill möglich, alles
zugleich zusamben treffen mögen, weillen
allschon gemelter massen
der winther herbeynähet. Insonderheit bitte
umb allergnädigsten befelch,
wie mich mit nehmung deß abschiedts bey dem
muffti, undt caimecan
zu verhalten, damit euer kay. May. weithers nichts vergeben,
allhier auch kheine offension verursachet
werdte, dann einmahl ist
nicht zu erhalten, daß sie türckhen mir die
oberhandt in ihrem hauß
geben, oder mich besuchen. Secundo, ob ich in meinen abzug wider so-
lenniter durch die statt, wie den einzug,
halten solle? Undt daß aus
ursachen, daß ich über den canal sehr weith, undt zu landt gutter
- 138v -
zwey stundt von der statt Constantinopel abgelegen,
in extremitate
Perae
nicht vill über 100 schritt von denen freydthöffen, undt landt-
strassen logiret, undt daß der weeg von hier
neben der statt vorbey gehet,
ich demnach von der landtstrassen wider in
dieselbe hinein, undt darinnen
wenigst gegen 3 stundt biß wider zu dem andern
thor auff die landt-
strassen reithen müeste (wovon die, so die
hiesige gelegenheit wissen,
am besten werdten bericht geben khönnen)
welches auff einer seithen
einem ein-, undt auff der andern einem außzug
gleich sehen. Dahehro
nicht weiß, ob es sich wohl schickhen, noch
auch, ob die Türckhen mich der-
gestallten in die statt auff einer seithen
hinein, undt auff der andern
wider hinauß führen würdten, weillen es ein
gantzer underschiedt von dem
einzug, wo ich vorhehro recta auff die statt
zukhommen, sondern
erst nach euer kay. May. allergnädigsten befelch zu accordiren
gesuchet werdten müßte. Tertio, wie mich mit dem euer kay.
May. allergnädigst bewußten donativ
zu verhalten, ob es abzu-
statten, wider zurückhzunehmen, oder wehm
allhier sicher zuzustellen?
Daß damit khein ohnglückh von feuer, oder
andern zufällen geschehe,
noch auch einige andere gefehrdte vorbey
gehen, undt es euer kay.
May. khünfftig doppelt zahlen
müessen, weillen dergleichen gro-
ßes geldt gefährlich jemandten zu vertrauen,
worbey auch zu
erwegen, ob mit dessen erlegung, oder
zuruckhhaltung mehr ge-
nutzet,
- 139r -
nutzet, oder geschadet, undt dero kay. credit
nicht periclitire, noch
prostituiret werdte, weillen euer kay. May. allergnädigst,
undt am besten bewußt, mit was condition das
versprechen geschehen,
nemblichen auff die erhaltung, oder die
execution deß fridens? Das
khan ich in underthänigkheit nicht verhalten,
daß der englische gesandte,
welcher dieses donativ in euer kay. nahmen
versprochen, sich
einen punto machet, damit seine gegebene
parola gehalten werdte.
Wie er es schon ein undt andermahl gegen mich
gemeldet, ich begehre
aber dießfalls nichts vorzuschreiben, sondern
erwartte dero aller-
gnädigsten befelch, weillen ich sonsten
nicht, was in sachen zu thuen,
noch ohne erlangten special darüber, von hier
abzurayßen weiß.
Quarto Was dem Mauro Cordato wegen
seiner beyden schuldten (de-
rentwegen ich meine underthänigste gedanckhen
den
30. Februarii
, undt
20. Julii
ohnmaßgeblich überschriben) zu sagen habe? Damit die-
ser mann über seine natürliche griechische
arth nicht gahr irritiret
werdte, sonderlich wann er auff allen seithen
lähr außgehen sollte.
Negst deme quinto, wann wider besser verhoffen die
kranckhheit umb
Belgrad
noch weither, alß dermahlen vorgegeben wirdt, alßo einreissen,
daß die auswechßlung nicht bey Salankement geschehen
khönnen sollte,
ob selbe anderwerths, undt woh vorzunehmen?
Undt ob ich, auch wo eine
quarantan zu machen obligiret seye? Welche
die Türckhen schwährlich
- 139v -
auff ihren territorio gestatten, undt mir
darzu die lebensmittel rei-
chen werdten, wann selbe aber in euer kay. May. landten ge-
schehen müeßte, so verhoffe ich, undt bitte
auch sexto darumben aller-
underthänigst, daß euer kay. May. denen jenigen dero kay.
commihsariis, welche den türckhischen pottschaffter auff die confinien
zu begleithen, undt zu providiren beordert,
allergnädigst anzu-
befehlen, daß sie mir, undt meinen bey mir
habenden cavallieren
undt leuthen, auch meinen, undt deren
pferdten, neben denen be-
dürfftigen fuhren undt rossen daselbsten, undt
auff der gantzen
zuruckhrayß biß nacher Wienn die nöthige provision
verschaffen.
Auch derentwegen so wohl an das königreich
Hungarn, alß die löbl.
oesterreichische ständte die behörige
verordtnung ergehen zu lassen.
Weillen mir ohnmöglich, selbe auß meinen
mittlen zu bestreitten,
nachdeme ich zumahlen auff meiner allhehro
rayß wegen deß vor-
mahligen langen auffenthalt, undt anderen
zufällen under weegs,
über 7.000fl. schaden gelitten. Forderist
aber widerhohle septimo
meine bitt wegen ersetzung der zu erlösung
der gefangenen bezahlt
undt accreditirten 23.000fl., wovon mir der
pater Trinitarius
in Wienn 5.000fl. guett gemachet, undt noch 1.000 zu bezahlen,
sich verobligiret. Daß also allein 17.000fl.
restiren. Undt
octavo umb euer kay. May.
allergnädigsten befelch, wie
mich
- 140r -
mich mit denen noch allhier in meinen
quartieren habenden, undt
in der zuruckhrayße zu mir weithers
refugirenden sclaven, undt Chri-
sten zu verhalten? Auch ob, undt wie vill nono euer kay.
May. noch weither darzu anwendten
wollen undt wohehr ich decimo
selbes quantum zu empfangen, weillen mir ohne
genugsamb sicher-
heit ohnmöglich ferner etwas zu accreditiren,
oder vorzuschießen,
nachdeme ich ohne dem schon ein großes, undt
weither ohnerschwingli-
ches gethan, der zeith noch ohngemeldet deß
großen ohnkosten, welchen
ich zu underhaltung der armen leuthen allhier
angewendet, undt
sich auch über 3.000 reichsthaler, wie der
pater Trinitarius, undt graff
von Sinzendorff bezeigen werdten,
belauffen thuet, der noch täglich
continuiret.
Mit dieser occasion berichte euer kay. May. in underthänigkheit,
daß dieses monath dem sulthan verschidene ohnglückhliche begebnussen
zugestandten. Erstlichen ist von anfang
desselben einer von seinen
printzen gestorben. Den 5. dieses ist eine
große brunst in des ve-
sier kuchel außkhommen, wiewohlen
ohne sonderbahren schaden, dann
sie zeithlich gelöschet wordten. Den 6. darauff hatt sich umb mittag
ein großes tonner wetter erhebt, undt
zwischen ein undt zwey uhr
in eine moschea,
woselbsten vorhehr das Franciscaner kloster
gestandten, undt welche sein sulthans mutter gebauet, eingeschlagen,
- 140v -
den thurrn von oben biß undten zerspalltet,
alßo daß er nuhnmehr in
großer gefahr, gähling einzufallen. Den 7. ist in dem großen
kay. serraglio in der nacht ein anderes feuer
entstandten, so über-
aus großen schaden gethan, der auff vill
1.000 reichsthaler aestimiret wirdt,
wovon aber nichts specialiter berichtet
werdten, weillen niemandt
hinein khan, selben zu sehen, so gahr auch
khein anderer Türckh, alß
die bostanzi. Herentgegen hatt sich den 9. in meiner gassen, eben
umb mitternacht eine brunst erhoben, die biß
in den tag gegen 10
uhr continuiret, davon zu beyden seithen der
gassen ins gesambt 28
mithin auch der armen patrum Franciscaner hauß, worinnen sie
sich bißhehro auffgehalten, undt mess
gelesen, in grundt, alßo, daß
man sich nicht mehr in selber erkhennen
khan. Worunder dem holländtischen
gesandten Colliers, undt seiner mutter die beyde schönste, undt größte
haußer disseiths deß canal in Pera völlig abgebrennet, dabey mein
hauß nicht ausser gefahr gewesen währe, wenn
sich einiger windt
erhoben hette, daß ich alßo in dem sommer in
das ohnglückh khommen
khönnen, in welches ich bishehro in winther
zu fallen, besorget. Das
glückh wahre, daß zwischen deß holländer, undt seines nachbaurn hauß
ein großer lährer hoff, auff der andern
seithen aber an deß Mammu-
ca hauß, auff mein einrathen, ein
guttes stuckh vorgebrochen wor-
den, wordurch das feuer zusamben gefallen,
undt nicht mehr weither
gekhönnet
- 141r -
gekhönnet, noch auch ihme Mammuca, der sonsten, der gefahr nach, der negste
wahre, einigen schaden gethan. Der sulthan wahre sambt allen ve-
sieren, undt ministris von anfang gleich zugegen, undt ist gebliben,
biß sie gesehen, daß man gesichert, daß das
feuer nicht mehr weither
gekhönnet.
So hetten auch mit endt deß vorigen, oder
anfang dieses monath, wie alle jahr
gebräuchlich, die pelegrinanten von Medine, undt Mecha allhehro
khommen sollen, welche mit verlangen
erwarttet worden. Es ist aber
indessen nachricht eingelanget, daß,
ohnerachtet derselben 40 bis 50.000 per-
sohnen gewesen, davon in ihrer ruckhrayß bey
dem pass Muken, we-
nigst 2 drittel von denen Arabern
erschlagen, undt umbgebracht wor-
den, aus ursachen, daß der jenige türckhische officier, welcher sie pelegri-
nanten geführet, einen andern officier der Araber, der selben die camel,
undt andere notturfften verschaffen, undt
sie begleithen sollen, den kopff
abhauen lassen, weillen er von ihm ein verlohrnes ross haben wollen, undt
selbes sich nicht gefundten. Derentwegen
sich die übrigen bey selben pass
gesamblet, undt auff obige weiß gerechnet,
welches nicht allein dem
türckhischen kayßer, sondern allen andern Türckhen sambtlich sehr zu
hertzen tringet, die so vill ohnglückhliche
begebenheiten auffeinander pro
omine alicuius mali maioris, undt in specie
einer großen enderung
in der regierung, oder doch deß ministerii
halten, wie dann der wenigste
- 141v -
theill mit dem vesier, sonderlich derentwegen, weillen er die meiste zeith
mit mahlzeithen zubringet, undt dem so
vehementen chihaja,
welchen er, der nichts, alß ein zöllner
gewesen, gesezet, undt dem-
selben alles thuen lasset, fast gahr niemandt
aber mit dem muff-
ti wegen seines großen gaitz,
interesse, undt injustiz zu friden,
wider welchen sie sich sehr beklagen, daß er
seine 18 söhne mit fremb-
den guett bereiche. Undt ist dieses allein,
was ich dermahlen von hier
berichten. Dabey aber auch nicht verhalten
khan, daß ich vernohmen,
daß der jenige türckh
Faisullah, welchen der reis effendi schon so lan-
ge zeith her gesuchet, von denen Türckhen zu
Wienn solle erfraget
wordten seyn, undt sich bey einer wittib, negst der statt Wienn, be-
findten, die auch willens, selben gegen
bezahlung herzugeben (wie
dann derentwegen auch allhehro an seine
freundt wegen deß abge-
forderten geldt geschriben, undt selbes
dahin geschickhet wordten,
seyn solle). Ich hielte ohnmaßgeblich für
thuenlich, weillen sie
Türckhen diesen menschen so starckh
verlanget, undt gesuchet, daß er
etwas angehalten, undt mit dem pottschaffter alldahr tractiret wer-
den solle, daß derselbe anderst nicht nicht
außgehändiget werdte, alß ge-
gen versicherung, daß die gefangene auß dem
bagno sambtlich nicht
länger sollen auffgehalten, sondern wo nicht
gratis, doch gegen an-
dere türckhen ohnauffgehalten außgewechßlet,
undt extradiret werdten,
sonsten
- 142r -
sonsten ist der guette lieutenannt Lenck in gefahr, daß er möchte
zuruckh gehalten, oder ein anderer ihme
gleicher officier (welches an sich so
ohnrecht nicht, wann ein gleicher vorhandten,
in dessen ermanglung
aber ihme allzu beschwährt währe) dargegen
begehret werdten, undt
ihme ergehen, wie denen, die so lang allhier
in den 7 thürren gesessen.
Schließlichen verhalte euer kay. May. in underthänigkheit nicht,
daß ich nuhnmehr verhoffe, morgen ohnfehlbahr das ferman zu bekhom-
men, den negsten tag
darauff die 100 etliche 50 gefangene, (welchen
numerum ich derentwegen biß die stundt deren
abrayß nicht eigentlich
berichten khan, weillen täglich einer
zuwachßet, ein anderer abgehet,
auch nicht versichert bin, welchen die
türckhen außschießen, oder
passiren lassen möchten) welche euer kay. May. kriegs
cantzelist Mozzi abführen wirdt, abschickhen zu khönnen. Sie werden
zwahr auff Belgrad, undt Peterwaradein dirigiret,
weillen ich aber
nicht gesichert, daß sie dahin, undt nicht
etwan wegen der under weegs
starckh grassirenden kranckhheit, über Temesvar geführet werden
müessen. So understehe mich, solches hiermit
gehorsambst anzuerrinne-
ren, undt allerunderthänigst zu bitten, dem
general Schlick, oder
wehr an selben confinien das
negste commando hatt
in talem casum, et eventualiter
allergnä-
digst anzubefehlen, wie es in Sibenbürgen mit vorigen
geschehen,
daß diese arme leuthe an denenselben an-
undt übernohmen, weither
- 142v -
geführet, undt verpfleget werdten. Wie ich
dann nicht ermanglet, er-
sagten cantzelisten Mozzi zu committiren, daß er, so baldt er nur
wahr nimmet, daß sie einen andern weg, alß
nacher Belgrad, geführet
werdten, alßo baldt, undt in tempore
demselben davon parte geben,
undt ihme mein requisition schreiben
zuschickhe, damit darzu in tempore
die benöthigte anstallt gemachet werden möge.
In der unterthänigsten
hoffnung, darahn nicht ohnrecht gethan zu
haben, der mich, in täglich
erwarttung deß courrier Admiraldi, zu kay. huldten undt gna-
den allerunderthänigst gehorsambst empfehle.
Eure rom. kay. may.
allerundterthanigst gehorsambster
Wollf g. z. Öttingen m. p.
Constantinopel in Pera,
den 13. September 1700 .