[154r]

Auch allergnädigster kay-
ßer×
undt herr!

1
Lasse euer kay. May.× hiermit in underthänigkheit nicht
ohnberichtet, daß seith meiner leztern den 11. currentis
einem türckhischen courrir auffgegebenen allerunderthänigsten
bericht, der königl. pohlnische gesandter×, mir den 12. eius-
dem
die revisita gegeben, den ich ebener gestallten in mei-
nen hauß an dem absteig stein vor endte der stiegen, wie
er mich in dem seinigen (ausserhalb, daß bey mir selber
stein under dem gebäu, in seinem aber under dem freyen
himmel gelegen) empfangen, undt bey dem abschiedt wider
dahin begleithet, dessen leuthen ich auch gleich er denen
meinigen nichts, ausser allein seinen cavallieren et-
was zuckher werckh, cave, brodt von cioccolata, undt anderen
süessen pohlnischen gebackh gegeben, wordurch dann eine
sonsten inevitable geweste confusion, undt ohnordtnung ver-
hüethet worden. Er hatt sich bey mir über eine stundt auff-
gehalten, von allerhand discurriret, insonderheit auch von
seines königs× zug in Lifflandt×, davon er kheine aigen-
tliche wissenschafft gehabt, geredet, daraus aber erschinen,
daß seine republique× davon kheinen theill zu haben
>verlange, undt selben eben auß allerhandt besorgungen
nicht gehrn sehen dörffte. Ich habe ihme die sich annoch bey
mir auffhaltende, undt einige allschon mit geldt außge-
löste Pollackhen, euer kay. May.× geweste soldaten [154v]
offeriret, er hatt vermeinet, daß ich die übrige vorhehr
auch außlösen solle, nach welchem er sie anzunehmen
khein bedenckhen haben werdte, dessen aber ich bedenckhen,
undt umb so vill mehr trage, weillen ich darzu khein
geldt habe, undt meinen credit nicht weither impegniren
khan, biß ich deß gethanen halber wider contentiret, oder
versichert.

2
Wie ich in oben angezogenen meinen bericht gemeldet, so
hatt er zwahr bey der dem vesier× erstatteten visita
demselben khein praesent überliefert, nachdeme, dem sul-
than×
aber übergebenen, ihme einen kleinen silbernen
tisch, undt noch etwas anderes von silber in das hauß ge-
schickhet. Er hatt mir auch erzehlet, daß er mit seiner
türckhischen wacht wegen eines zu ihme refugirten pohl-
nischen sclaven einen scharmützel im hauß gehabt, wo
von es beyderseiths bluth gegeben, undt under andern
tschor batschi auch schläg bekhommen, welches die Türc-
khen sehr hoch angezogen, undt dato satisfaction, auch
restitution deß sclaven haben wollen. Wie es damit ab-
lauffen wirdt, stehet zu erwarthen. Er ist in einem sehr
großen palatio in der statt, ohnweith deß kay. serraglio
sambt allen seinen leuthen, undt pferdten logiret,
welches ringsumb mit einer hohen mauer umbgeben,
undt
[155r]
undt nur ein thor hatt, wordurch einiger sclav sich
baldt ohnmöglich einschleichen khan. Wan ich dergleichen ge-
legenheit hette, würdte ich aller ohngelegenheit, undt spesen
entfreyet blieben seyn, aber auch wenig seel erretten
khönnen, wan anderst die erlösete, undt salvirte inmittelst
undt biß zu ihrer nacher hauß khunfft, undt auch daselb-
ten nicht leichtfertiger, undt dihsoluter, auch ohnchristli-
cher, alß sie bey den Türckhen gethan, leben. Weillen man
wenig exempel haben wirdt, daß auß dergleichen leuthen
heylige wordten. Ihme patri Capuciner habe ich endtlichen
noch einen pass auff öffters hin undt wider schickhen deß
Lakowiz× (der sich in wahrheit damit, undt mit loßma-
chung der gefangenen sehr strapazziret, undt bemühet,
undt einmahl eine grose gnadt von euer kay. May.×
verdienet) verhoffentlich sich auch einen hohen staffel
in himmel gebauet (davon euer kay. May.×, wan der
pater Trinitarius ehest mit denen gefangenen zu Wienn× an-
khommet, undt wie ich verhoffe, alß ein wahrer geistli-
cher reden wirdt, particularia hören, undt selbe aller-
gnädigst erkhennen werdten) zu wegen gebracht, selber
wahr sehr restringiret, ohne repahs, damit er sich nie-
derst auffhalte, den gerathen weeg forthgehe, mit
kheinen christlichen underthanen mehlire. Undt dieses alles [155v]
hatt vill mühe gekhostet, biß sie mir es zu gefallen ge-
than.

3
Die neu gebohrene kay. tochter, wovon ich jüngst gemeldet,
dies falls bin
ich ubel berichtet
worden. Es
wahr schon ein
kindt von 3 jahr
[1] [2]
undt nicht von der principalin×, sondern von einer andern
gewesen, ist dem anderen tag (nachdem entzwischen den
dieses auß der ersten×, welche den älteren sohn× gehabt, ge-
bohrenen sohn×) gestorben, undt den gefolgten begraben wor-
den, wegen deren todt, undt daß sie den tag deß printzen× ge-
burth, so kranckh wahr, seindt alle vorgehabte, oder vorge-
gebene fest, undt solennitäten eingestellet geblieben,
ausserhalb, daß 3 tag nach einander, dreymahl im tag,
frühe, umb mittag, undt gegen abendt, alle stuckhe zu
wasser, undt landt, alßo deren über 1.000 auff einmahl
gelöset wordten. Es sollen deren metrehsen noch 5 schwanger
seyn, deren geburth auch ehist erwarthet wirdt.
Wie es mit denen moscowitischen tractaten stehe, khan man
(ich bin in massen, nachdeme dißes schreiben
schon vor einig tagen ingrossiren lassen, bericht worden,
daß der vergleich wegen [? attack] der aussen bezirke denen
wegen demolitionen, der [? ] bestelen lassen, der wirklich geschehen)

dato nicht aigentlich wissen, weillen selbe gesandtschafft
dato nicht auß gelassen wirdt, undt dahehro weder ich,
noch andere, welche sie nicht visitiret, zu ihnen khommen khön-
nen, einige geben vor, sie seyen geschlossen, andere, es
seye dato nichts geschehen, undt höret man fast alle
tag etwas anderst. Deren kriegsschiff, so vor einiger
zeith ohnversehens, undt wider der Türckhen willen in den
port
[156r]
port, undt canal× eingelauffen, hatt vor ohngefahr 14 tägen
abfahren wollen, ist auch weither an das Schwartze Meer
genähet, weillen die Türckhen aber gemuthmasset, daß
damit einige sclaven entführet werdten wollen, haben sie
selbes arrestiret, mit 3 galeren verwachtet, undt daß
selbe visitiren wollen, so der capitain aber dato nicht gestattet.
Endtlichen aber angehalten wordten, etlich undt 30 derselben
herauß zu geben, wovon sie die, welche rechte los brieffe
gehabt (undt nicht verborgener gezeichnete türckhen ge-
wesen) wider restituiret, undt diese zu sich genohmen, mit
welchen das trinckhgeldt nicht wohl wirdt zu theillen seyn.
Ob ersagter capitain selbe alle hinaus geben, oder nicht,
undt ob wahr, daß selbes schiff allein wegen deß contrari
windt dato nicht abgefahren, khan ich nicht wissen, die
zeith wirdt es geben.

4
Entgegen ist vor einigen tägen auch ein frantzösisches schiff
eingeloffen mit der andtworth wegen dessen pottschaffter×
anstandt mit dem degen. In wehme selbe aber bestandten,
ist mir aigentlich nicht wissendt. Einige gaben vor, der kö-
nig×
habe sein pottschaffters× thuen in allen approbiret,
undt ihme befohlen, selben zu insistiren, audienz zu be-
gehren, undt, wan ihme der degen nicht wolle gestattet wer-
den, seinen abschiedt zu nehmen, undt abzurayßen. Andere [156v]
aber halten darfür, der könig× habe seine action nicht
approbiret, undt gleichwohl dergleichen pro forma befoh-
len, er pottschaffter× werdte aber auch auff widrige
andtworth hiesiges hoff nicht von hier rayßen. So vill
ist es, daß er vergangenen mittwoch bey dem gros
vesier×
, undt dessen chihaia eine visita gethan. In
wehme sie aber bestandten, ist dato noch geheimb, undt
wirdt eben jezt gemeltes ohngleich davon spargiret, euer
kay. May.× aber werdten von dero daselbstigen ge-
sandten allschon nähere nachricht haben, wie ein undt
anderes zu Paris× auffgenohmen, undt was dem hiesigen
befohlen wordten.

5
Biß dahehr, allergnädigster kayßer× undt herr, ist die-
ses post scriptum den 21. May geschrieben wordten, in der
meinung, den negsten tag darauff gegenwärttigen cour-
rier abzuschickhen, wie dann die postpferdte würckhlich
von dem guberno schon verwilliget gewesen, weillen
es sich aber mit denen gefangene von tag zu tag ge-
enderet, heuth diese versprochen, morgen wider abgeleu-
gnet, einige baldt versteckhet, so gesuchet werdten
müessen, deren baldt mehr, baldt weniger verwilliget, in
summa ich von tag zu tag mit lähren auffhaltungen
umbgeführet wordten, alßo daß ich derselben wegen nichts
gewisses
[157r]
gewisses in underthänigkheit berichten khönnen, so bin ich ge-
müssiget wordten, mit dessen abschickhung biß heuth ein-
zuhalten. Indessen haben die türckhen an unßeren heyli-
gen Pfingsten
ihren kleinen bajerum celebriret, undt ist der
gros sulthan× wider offentlich in- , undt auß der moscheen
geritten, den zu sehen ich abermahl eingeladen
wordten, dahin ich auch, damit es das ansehen nicht gewinnen,
alß ob solche ehr, ihren kayßer× zu sehen, ich nicht achte, dar-
zu mezzo incognito, aber wegen ohnrecht angesagter
stundt, undt daß auch die schiff in dem canal× nicht zeitlich ge-
nug sich eingefundten, etwas zu spath, undt eben khommen,
alß er schon wider in dem zuruckh reithen wahr. Nach welchen,
weillen es noch zimblich fruhe, undt der pohlnische pottschaffter×
gleich deme hauß, wo ich zugesehen, gegen über wohnet, ich
die gelegenheit genohmen, selben (dardurch mir größte ohn-
gelegenheit, undt ohnkhosten, ein anderstmahl wider über den
canal× zu fahren, zu vermeyden, undt von denen Tür-
khen darzu ross zu begehren) besuchet, undt dieses da-
rumb, weillen, wan wir sonsten über landt zusammen
khommen müessen, wenigst 4 stundt brauchen, zu was-
ser aber über den canal× zu gehen, es nicht allein
für die pferdt gefährlich, undt ohngelegen, sondern
auch sehr khostbahr, wie ich allschon voriges mahl under- [157v]
thänigst berichtet, gestallten, wan wir mit unseren gantzen
corteggio zusammen khommen, undt selben über den ca-
nal×
führen lassen sollen, (die gefahr, mit denen rossen zu
geschweigen) weillen darzu ein sehr liderliches fuhrwerckh zu-
gerichtet) es jedesmahl hin undt wider über 150 reichsthaler
khosten wurdte, dessentwegen wir unß auch mit einander
underredet, daß, wan wir khünfftig zusammen khommen
wollen, einer mehr nicht, alß eine gewisse anzahl
ross mit sich an das wasser nehmen, undt der andere dem-
selben auch so vill auff seiner seithen (völlig zu
ihm khommen zu khönnen) dahin schikhen solle. Auff
welche weiß wir längstens in 3 viertel, sonsten aber
in 4 gantzen stundten, undt dieses auch nicht ohne große
ohngelegenheit zusammen khommen. Wie wir dann auch,
wan ein übles wetter einfallet, eben so wenig, alß bey
einem schönen- wegen üble deß weegs, unßere carohsen
nicht gebrauchen khönnen, sondern entweder jedesmahl,
undt zwahr wahrhafftig mit leib- oder doch lebens ge-
fahr reithen, oder zu fues gehen müeßen, indeme nicht
zu beschreiben, wie übel aller orthen die weege, undt
pflaster seyen, so gahr, daß man auch zu fues mit
harter mühe sicher forthkhommen khan, welches mir
das beschwährteste in dem gantzen landt ist, absonderlich
aber
[158r]
aber, weillen fürnemblich auff der europaeischen seithen nir-
gendt einige ebene, sondern überall nur berge, undt
thal.

6
Euer kay. May.× lassen hiermit in underthänigkheit auch nicht
ohnberichtet, daß der graff Adolph von Sinzendorff×, wel-
cher schon seith dem orth Walkowar×, undt allen umbständten
nach schon zu Wienn× selbsten nicht mehr wohl constituiret
wahr, endtlichen, nachdeme er in die dritte wochen ausser
hoffnung eines weithern leben, gelegen, allhier seel. ver-
schiden, den ich gahr ohngehrn verlohren, zumahlen er mei-
nem comitat eine große ehre gewesen, bitte anbey allerun-
derthänigst, euer kay. May.× geruhen ihro seine schwanger
hinderlassene wittib× mit ihren vier nuhnmehr vatterlosenDas Paar hatte drei Söhne, geboren zwischen 1685 und 1687. Ein viertes Kind ist nicht belegt. The couple had three sons, all born between 1685 and 1687. There is no record of a fourth child.
weißen allergnädigst befohlen seyn zu lassen, damit ihnen
khein leydt, sondern alle justiz widerfahre, (wie ohne dem
von niemandt anderst praesumire) zumahl ich vernimme,
daß er nicht allein große procehs, sondern auch ville activ
schuldten, sonderlich bey der löbl. hoff cammer zu fordern
habe, undt damit ihnen das, was dem vatter× versprochen
wordten, gehalten werdten möge.

7
Von denen 2 graffen, undt so vill cavallier, welche nacher
Jerusalem× abgerayßet, habe nachricht, daß sie den 15.
May
zu Scio× angelanget, undt daß sie willens gewesen, [158v]
weillen ihr schiff gahr langsamb gehen, daselbsten eine
andere geschwindere gelegenheit zu suchen, klagen, daß sie
großte gefahr von den ohngewitter gelitten, Gott lob aber
glückhlich dahin khommen, so euer kay. May.× in un-
derthänigkheit auch nicht ohnberichtet lassen wollen, der
mich zu kay. huldten, undt gnaden allerunderthänigst
gehorsambst empfehle.


Eure rom. kay. May.×
allerundterthanigst gehorsambster


Wolff g. z. Öttingen× m. p.
.
Nachweis und Zitiervorschlag zu diesem Dokument: Siehe hier.









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