Allerdurchleuchtigst großmäch-
tigst undt unüberwindtlichster rö-
mischer kayßer×, auch zu Hungarn×, undt
Böheimb× könig.
Allergnädigster herr!
1
Weillen ich so ohnglückhselig bin, seith deß
20. Februa-
rii, undt alßo nuhnmehr über 3
gantze monath von
euer kay.
May.× nicht mit einigen befelch, oder den
geringsten zeillen begnadet wordten zu seyn,
es mir auch
mit denen gefangenen bißhehro sehr widrig
ergangen,
indeme mich in meiner gehabten hoffnung (die
hiesige kay.
sclaven alle mit einander schon vorlängsten
über Peter-
waradein×, undt durch die Wallachey×, mithin auch eine
guette
anzahl der zu mir refugirten, undt auff denen
gale-
ren außgelösten, in euer kay. May.× erblandten
schickhen zu können) hindergangen befundten,
wie nach-
gehendts mit mehrern erhellen wirdt, so bin
ich be-
müssiget wordten, wie ohngehrn solchen
ohnkosten auch
verursache, an euer kay. May.× überbringern die-
ses, dero courrier Amiraldi×, eigens abzuschicken, dero-
selben von ein undt andern nachricht zu
geben. Mit al-
lerunderthänigster bitte, mich nicht allein
hierauff, sondern
auch auff meine vorhehrige de 24. Februarii,
18. Martii,
undt 23. April, wie auch 11.
[134v]
huius, dereinst mit einer
allergnädigsten andtworth
undt befelch zu begnaden, undt wie mich in
einem, undt
andern zu verhalten, beliebig zu
verbescheiden, da-
mit ich mich, weillen nach vorbeylauffung der
allschon
angenährten sommers zeit, die herbst undt
winderliche
ohnvermerckht herbey schleichet, undt alßo das
übleste
wetter zu reyßen (wie ich es bey meiner
allhehro
rayß zu meinen schaden, undt ohngemach
erfahren) an-
nahet, wider von hier los machen, euer kay. May.×
allerunderthänigst bedienen, deme mir
allergnädigst an-
vertrauten officio abwarthen, mithin auch zu
meinen
verlassenen haußwesen sehen möge, forderist
auch da-
mit bey euer kay. May.× nach allschon 7 monathli-
chen abseyn, nicht gahr in vergessenheit
gerathe.
Belangendt diesemnach erstlichen die mir so
vill mahl ver-
tröstete loßlassung der hiesigen kay.
gefangenen,
selbe seindt mehrern theills nach meinen
leztern an
euer kay.
May.× abgelassenen, ohnversehens wider
auff die galeren, undt schiffen gethan
wordten, nuhn-
mehr
[135r]
mehr aber die Teutsche, welche ausser etlich
wenig aus
dem Römischen
Reich×, alle euer kay. May.× erb-
underthanen, auff meine durch den von Lakowiz× gethane
sollicitirung, undt embsige bemühung deß graffen
Carl Ludwig von Sinzendorff× (deme ich
zu solchem endte
undt zu außlösung deren auff denen galeren,
undt
schiffen befindtlichen, in meinem nahmen
commihsion er-
theillet) de novo zuruckh in das bagno
geliefert, undt al-
len die eyßen abgeschlagen wordten, daselbsten
sie, biß
zu deren abschikhung verbleiben werdten. Von
denen Hun-
garn, undt Croaten aber (ohnerachtet man mich
vorhehro
absque ulla reservatione mit loslassung aller
in dem
bagno befindtlichen getröstet) sonderlich
denen Raitzen,
hatt man türckhischer seithen lang nichts
hören wollen,
undt darfür gehalten, daß ich mich mit jenen
allein ver-
gnügen solle, undt sie zu deren abfolglassung
nicht ver-
bundten seyen. Ob ich ihnen schon durch den
von Lako-
wiz× so wohl, alß graffen von Sinzendorff× vorstellen
lassen, wie clahr der articulus pacis,
welcher generaliter
de captivis tempore tunc praesentis, nunc
autem praeteriti
[135v]
belli in captivitatem redactis, absque
distinctione unius
vel alterius nationis rede. Endtlichen, da
haben sie vorge-
wendet, man müeße per partes handtlen, undt
anfänglich
mit denen teutschen zu endt khommen, so forth
erst
die andere nationes angreiffen. Nachdeme man
alßo nach
der zeith mit denen Teutschen so weith
gelanget, wie gemeldet,
undt keine hoffnung erschinen, deren mehr zu
bekhommen,
undt verlanget worden, mit denen Hungarn den
anfang
zu machen, auch wegen abführung ein, undt
anderer gere-
det, ließe mir der reis
effendi×, undt Mauro Cordato×
durch den Lakowiz× anzeigen, daß sie zwahr die teutsche
nacher Belgrad× überbringen, dießelbe aber nicht auß-
folgen lassen, noch von denen hungarn reden
werdten,
biß nicht vorhehro auch ihre bey denen
Christen gefangen
gehaltene nationales ledig gelassen, undt dem
instru-
mento pacis zu folg, gegen diesen
außgewechslet wer-
den, weillen hiesiges volckh sehr hoch
anziehen würdte,
wan ich eine so große anzahl leuth auß dem
landt
führen, undt selbes volckh nicht wissen, oder
versichert
seyn sollte, daß auch ihre nationales auß der
harten
servitut
[136r]
servitut (wie das ihme Lakowiz× hac occasione zuge-
stellte
suppliciren zeiget) erlediget seyen. Die articuli
pacis wahren nicht für einen allein, sondern
für bey-
de theill gemachet, undt die kay. pietät
müste, so wohl
von einer, als der anderen seithen, undt wan
nach solcher
außwechßlung noch einige dieß- oder jenseits
übrig bleiben,
alßdann
erscheinen. Beklageten anbey, daß vergange-
nen herbst gegen so ville fürnembe standts
personen
undt officiers, so schlechte, undt elendte
leuthe, meistens
weiber, undt solche außgewechslet wordten,
welche von
ihrem herrn
von selbsten ihre freybrieffe gehabt, da-
rahn sie vermeinet gahr ohnrecht geschehen zu
seyn.
Auff das erste andtworthete der Lakowiz×, daß ihme
nicht bewußt, daß, undt wo sich in euer kay. May.×
landten annoch einige gefangene befindten,
sondern dar-
für halte, daß alle vorhandten gewesene
allschon abge-
folget wordten, undt wan deren annoch irgendt
einige seyn
sollten, müeßen sie auch nur privatorum seyn,
denen
euer kay. May.× solche, so wenig, alß sie Türckhen
ihrigen privatis einige derselben nehmen
khönnten,
[136v]
sondern solche muesten so wohl ihren herrn
bezahlt, ihnen
dero willen, alß wie ich allhier thuen mueßen,
gemachet,
undt alßo nicht blos außgewechßlet werdten,
weillen
dießfallß die
articuli pacis auch für beyde theille al-
ßo eingerichtet seyen. Euer kay. May.× hetten khei-
ne aigene gefangene, alß wie allhier, wo deren
aber noch einige
andere in euer kay. May.× landten vorhandten, ge-
höreten selbe gemelter
massen dero officiers
oder standte denen
undterthanen
zu. Es
würdten aber euer kay. May.× auff mein zuschrei-
ben, undt underthänigstes vorstellen nicht
ermanglen, an
orth, undt endte, wo sich solche (thuet dermahlen ohnwissendt)
auffhalten möchten, zu befehlen, daß die
possessores der-
selben angehalten werdten, sie umb ein
billichen werth
zu überlassen,
undt man die mesur nehmen, wie ich ein
undt andern allhier bezahlen müeßen (welche
wahrhaff-
tig bey villen
allzu excehsiv gewesen) undt ich allein
darumben abgestattet, von mir die
bevorgestandtene
größere ohngelegenheit wegen deß großen
zulauff mit
guetter manier abzuwenden. Wan die jüngste
auß-
wechßlung der gefangenen zu Salankement× nicht gleich
in
[137r]
in qualitate,
so habe die anzahl der andern, selbe qua qualität
gleichwohl übertroffen, undt seye ihr der
Türckhen glückh
gewesen, daß ihrer officiers nicht so vill,
alß euer kay.
May.× ihrer gefangen wordten. Wie ich
nuhn bey dieser be-
schaffenheit von denen kay. oder publicis
captivis kheinen
mehr, noch auch andere, alß Teutsche erhalten
khönnen, al-
ßo ist es mir auch mit denen privatis
captivis auff deren
galeren, undt schiffen ergangen, dan ohnerachtet ich mit dem
capitain
bascha Mezzomorto× durch den graffen
von Sinzendorff× über haupt einen
contract eingangen,
für jeden kopff von euer kay. May.× underthanen, undt
gewesten soldaten 100 thaler zu geben, so
habe doch nicht
allein davon mehr nicht, alß 50, sondern auch
gahr
kheinen Hungarn, noch von einer andern nation
umb solche
bezahlung haben können, alles under obigen
vorwandt,
daß man per
partes gehen, undt erstlichen mit denen Teu-
tschen eine richtigkheit machen solle. Dabey
ich es endtli-
chen auch der zeith umb so vill leichter
gelassen, undt
auff die verkhauffung der übrigen nationen
nicht mehr
so starckh getrungen, obschon bißhehro noch
instantias
[137v]
gemachet, undt ferner machen werdte, damit
nicht scheine,
ob selbe arme leuthe gahr währen abandoniret
wordten,
weillen zu
deren erledigung noch einmahl so vill geldt
alß bißhehro auffgangen, erfordert worden,
dermahlen zu
geschweigen, daß ohnmöglich gewesen währe, von
denen
türckhen alle übrige nationes zu erlangen,
weillen sie
ihre schiffe, undt galeren von leuthen nicht
entblößen
khönnen, undt alle andere nationes, wie sie es
offentlich
bekhennen, tauglicher, alß die Teutschen
halten, dermahlen
auch ohngemeldet, daß ich angestandten, ob
euer kay.
May.×
damit mehr gedienet, vill Hungarn in das landt
zu bringen, alß selbe ohnverursachender
dingen, undt sub
specioso praetextu daraus zu lassen, zumahlen
ich ohne
dem mit keinem geldt versehen, indeme deß patris
Trinitarii von dem cardinal Kolloniz× mitgebrachtes
längst auffgangen, die nebenst, undt mit mehr
er-
melten graffen× auffgenohmene 3.000 thaler (deren ter-
minus solutionis zu endt gehet) zu erledigung
deren
in meine quartier refugirten gefangenen schon
völlig
außgegeben, die ihme patri
Trinitario von meinen mit
allhehro
[138r]
allhehro gebrachten eigenen geldern
vorgestreckhte
4.000 thaler ebener gestallten zu desselben
außlösung
nicht erkleckhet, sondern ich auß mitleyden
gegen
diese arme leuthe, welche euer kay. May.× so
getreu gedienet, undt in dieses elendt
(welches ich
bey besichtigung ein undt anderer schiff, undt
galeren
sonderlich aber, alß einige derselben mich
ohnlängst zu
dem gros
vesier× geführet, wahrhafftig ohne verlieh-
rung viller zäher nicht ansehen khönnen) gera-
then, allhier
de novo 10.000 fl. auff meinen aige-
nen credit auffnehmen müeßen, in der
allerunderthä-
nigsten hoffnung, wie ich auch hiermit
underthänigst bitte,
euer kay.
May.× werdten (wo es nicht allschon
allbereith mehrmahls gebettener massen
underweegs)
nit allein
berührtes capital der 3.000 thaler sambt
deme damit verschribenen interehse, undt
zwahr noch
in tempore der versprochenen solution,
allergnädigst
allhehro schickhen, sondern auch mir, zu
wider habhafft
werdtung
dieser 10.000 fl. (für welche ich auch,
weillen sie in harten geldt, undt mehrern
theillß in
[138v]
goldt bezahlt
wordten, für 3 monath 7 per cento ver-
sprechen müeßen) allermildest verhülfflich
seyn,
undt etwan dero löbl. oesterreich. ständte,
welche
ohne dem in dergleichen fällen gahr
mitleydig, aller-
massen sie dem seel. graff Lesle× (der doch, undt
villeicht dato noch nie khein gewester
pottschaffter so
vill gefangene erlöset, undt frey gemachet)
eine
nahmhaffte summam mit gegeben, dahin mildest
dispo-
niren, damit sie euer kay. May.× mit einem er-
giebigen quanto under die arme greiffen,
undt mir sel-
ben vorschuß
allergnädigst anweißen, der ich ihnen
ein solches mittel durch meinen in Wienn× habenden
bestellten an handt geben lassen will, daß
ihnen die
auffbringung
derselben ohnschwähr ankhommen, undt sie an-
bey noch der beschwährnus, selbe in goldt
(bey welchen gleich-
wohl noch ein großer verlust, indeme allhier
ein guetter
duggat höher nicht alß für 2 1/2
reichstahler außgegeben
werdten khan)
einzuwechslen, undt eigens allhehro
zu übermachen, enthoben bleiben sollen. Wie
dann auch
mehr ermelter graff von Sinzendorff×, deme ich alle
diese
[139r]
diese gelder einhändtigen lassen, selbe
punctual verrechnen,
undt euer kay. May.× daraus allergnädigst er-
sehen werdten, daß für meine persohn, oder zu
meinen
nutzen, khein einiger heller davon nicht,
sondern alles
für die arme sclaven angewendet werdten
solle.
Negst deme, undt weillen ich gesinnet, den
patrem Trinita-
rium mit denen umb geldt erlösten
armen sclaven über
die Wallachey×, die auß dem bagno aber über Peterwa-
radein×, in euer kay. May.× erblandte zu über-
schickhen, so habe hiermit
allerunderthänigst vorschlagen
wollen, ob euer kay. May.× nicht allergnädigst ge-
ruhen möchten, zu mehrerer derselben
sicherheit, undt über-
bringung, an die wallachische, undt hungar.
grentzen
gegen Salankement×, die behörige verordtnung ergehen
zu lassen,
damit selben armen leuthen förderlich entgegen
gekhommen, sie übernohmen, undt, (wie ich
das verspro-
chen habe) daß es auch die Türckhen biß
dahin thuen
werdten,
underhalten, sodann nach berührten patris in-
tention, nacher Wienn×, oder wo sonsten hinaus er mit
ihnen vor hatt, verhülfflich zu seyn.
[139v]
Nachdem auch obangerührter massen die
Türckhen dahin
angetragen, undt deutlich genug zu vernehmen
gegeben,
daß sie nicht willens seyen, die kay. eigene,
dermahlen in
der bagno befindtliche sclaven außzuhändtigen
(obschon na-
cher Belgrad× zu schickhen) bevor nicht auch ihre
leuthe
so sich in Hungarn×, undt anderen orthen hin undt wider
befindten, frey gelassen werden, (welches ich
einmahl
nicht ohnbillich, sondern vill mehr dem
friden conform
befindte) so habe euer kay. May.× nicht weniger
allerunderthänigst hiermit anheimb stellen
wollen, ob ihro
allergnädigst beliebig seyn möchte, undt
zwahr aller-
förderlichst, aller orthen, sonderlich in
Hungarn×, undt Oester-
reich×
inquiriren zu lassen, wo sich noch einige dieser
undt insonderheit die in oben
beygeschlossenen suppliciren
enthaltene klägerinen
befindten, undt ohne distinction
der persohnen, hoch, oder jeden standts, an
alle, welche der-
gleichen sclaven bey sich haben, einen
ernstlichen be-
felch zu ertheillen, selbe alle ohne verzug
(damit die
von hier
nacher Belgrad× absendende arme leuthe all
dahr nicht lang auffgehalten, undt etwan
gahr in härte-
re
[140r]
re gefängnus, alß sie in der bagno gewesen,
geworffen
werdten mögen) auff anmelden der Türckhen
gegen bil-
liche
bezahlung los geben, undt kheinen derselben auß
suchenden interehse, aut spe lucri, et quidem
maioris
wie die fridens articulen lauthen,
zuruckhhalten, undt
daß euer kay. May.× widrigenfalls (wie dann in
talem eventum auch dergestallten gehörigen
orthen ein
anderer ernstlicher befelch, es zu exequiren,
ergehen
khunnte)
gemüssiget seyn wurdten, ihnen die gefange-
ne abnehmen, undt denen türckhen gratis
außhändti-
gen zu lassen.
2
Weillen auch ich nicht zweiffle, daß von
hieraus dem pottschaff-
ter zu Wienn
× gleichfalls anbefohlen werdten
dörffte,
dergleichen klagten, undt difficultäten bey
euer kay.
May.× anzubringen, undt vorzutragen,
so khönnte
ohnmaßgeblich die schuldt der längeren
hinderbleibung, ein
undt anderes annoch vorhandenen gefangenen,
damit von
euer kay.
May.× ab undt (wie an sich selbst wahr
ist) auff die türckhen gewelzet werdten.
Allermassen
ich dieser tagen auch gegen dem Achmet effendi (wel-
cher
[140v]
sich bißhehro der außlösung beyderseiths
gefangenen angenoh-
men, es annoch thuet, undt wie ich nicht
anderst weiß,
mit denen auß der bagno nacher Belgrad×, oder aber
wohl gahr
nacher Wienn× khommen wirdt
(von euer
kay. May.× eine gnadt zu erlangen)
gethan, alß
er mir nicht sagen khönnen, wehr dann
obberührte sup-
plicantinen seyen, wo sie sich
auffhalten, undt warumben
selbe, undt andere nicht außgelöset werden?
Deme remon-
striret, daß sie Türckhen selbsten darahn
schuldtig,
weillen sie
underlassen, selbe auffzusuchen, sich mit
ihren herrn abzufindten, undt sie los zu
machen,
gestallten, wan man offt berührtes
suppliciren recht
considerire, die supplicanten sich darinnen
mehr gegen
sie türckhen selbsten derentwegen, alß gegen
die Christen
beklagen, indeme die darinnen dem ansehen
nach
mehr erdichtete, alß wahrhafftig angeführte
beschwähr-
nus gegen die
Christen nur pro motivo vorgegeben
wordten, sie türckhen zu gleichmässigen
mitleyden,
wie die christen mit denen ihrigen haben, zu
bewegen.
Ich sezete noch weither hinzu, sie sollen
ihnen nicht ein-
bildten
[141r]
bildten, daß die Hungarn, oder andere mit
ihren gefangenen
undt großen ohnkhosten allhehro khommen,
ihnen selbe
feyll biethen,
umb quid pro quo, oder gahr ohnbezahlter
los geben werdten, sondern sie müeßen
selbsten dahin
rayßen, geldt mit sich bringen, undt thuen,
was ich
thuen müessen,
zumahlen nicht zu glauben, daß einer
von ihnen (wan ich nicht daher khommen, undt
mich aus
puren mitleyden, undt erbärmnus über diese
arme
leuthe über 20.000 fl. in schuldten gesezet
hette, die in euer
kay. May.× nahmen erhaltene zu
erlösen) mir mit
einigen der gefangenen auß hiesigen landt
entgegen
oder in die
christenheit gekhommen währe, mir selben an-
zubiethen, weniger ohne bezahlung los
zugeben, wel-
ches er bekhennen muessen, undt mir darauff
ver-
sprochen, es dem reis
effendi× alßo vorzustellen. Was
darauff erfolgen wirdt, stehet zu erwarthen.
3
Nachdeme, allergnädigster herr, obiges alles
schon ich vor
mehr als 14 tagen entworffen, undt mundiren
lassen,
in hoffnung alle tag darauff dießen courrier abferttigen
undt ablassen zu khönnen, so ist mir doch
solches da-
rumben
[141v]
ohnmöglich gewesen, weillen ich biß dahehro
von einem tag
zum andern von den Türckhen umbgeführet, undt
auffge-
zogen wordten, alßo daß ich weder mit den
gefangenen in der
bagno, noch mit denen auff denen galeren zur
richtig-
kheit khommen khönnen, weillen sie baldt
diesen, baldt je-
nen auff ein undt andere galeren genohmen, da
undt dorth
versteckhet, undt verlaugnet, also daß man
genug zu
thuen gehabt,
selbe wider zu findten, auffzutreiben, undt ohner-
achtet der von der Porten erhaltenen
commandementen, undt
ferman (worauß ich wahrgenohmen, daß man
auch allhier
in sachen, wo ein undt anderer ein interehse
dabey hatt,
undt ein wenig von ansehen, oder officio ist, nicht thuet, was
der herr befihlet) wider zu handt zu
bringen, wie ich dann
nach schon beschehener abfardte der 22
galeren, undt 5 schiff
in die 4 insulen gegen das Weisse Meer, noch
den lez-
ten abendt (durch zu solchem endt exprehse
gethane be-
suchung des Mauro Cordato×, undt hin, auch herschickhung
deß Lakowiz×) der dieser leuthen wegen gewißlich
große mühe
gehabt, undt fleyß gezeiget, auch in einem
tag zu zeithen 2 oder 3 mahl die hohe berge,
undt weithe
deß
[142r]
deß weegs auff undt ab, auch hin undt wider,
undt umb
desto geschwinder an orth undt endt zu seyn,
zu fues gangen,
weillen allschon gemelter massen das
pflaster, undt weeg
zu reithen, so schlecht, undt gefährlich)
erhalten, daß selbe
nacht ein agha mit dem
sprach knaben Canti× (welcher
auch dabey
gahr fleyssig gewesen, vill mühe gehabt, sich
eyfferig bezeiget, auch wohl auffgeführet,
und euer kay.
May.× mit der zeith noch gutte dienst
zu thuen vermögen
wirdt) in ersagte insulen zu meer
geschickhet, die entführ-
te sclaven, undt von dem gros sulthan× mir eigens
verehrte 26
Hungarn, Croaten, undt Raitzen auff allen
galeren, undt schiffen auffgesuchet, wider
allhehro gebracht,
undt in sicherheit gesezet, darauff sodann
erfolget, daß
nuhnmehr die anstallt gemachet wordten, die
umb geldt
außgelöste, undt ersagte 26 Hungarn auff den
Schwar-
zen Meer, wie heut so geschehen, durch die
Moldau×, undt
Wallachey×, die auß der bagni erhaltene 91 kay. aber
erster tägen
nacher Belgrad× zu schickhen. Mit ersagten
26 Hungarn hatt es diese beschaffenheit, daß
nachdeme
ich mich villfälltig bemühet, von selber
nation auch
[142v]
ein undt andern so wohl auß der bagni auff
maas, undt
weiß, wie die Teutsche zu erhalten, undt von
den galeren
einige umb die veraccordirte 100 reichsthaler
zu erkauffen,
undt los zu machen, solches aber allschon
berührter
massen nicht erlangen khönnen, ich dem reis effendi×
undt Mauro
Cordato× vorstellen lassen, wie solches
nicht allein sehr harth zu vernehmen, sondern
auch ex-
prehse contra tenorem articulorum lauffe,
forderist
auch mir so wohl von der nation, alß euer kay.
May.× selbst sehr übel auß- undt
dahin gedeuttet werden
dörffte, alß ob ich oder aus negligenz, oder
ohngleicher affe-
ction gegen
dieselbe, mich ihrer nicht gleich der andern
angenohmen hette, undt dahehr begehret,
wenigst für
dißmahl mir so wohl auß der bagni etliche zu
geben,
alß auch
einige von denen galeren umb paar geldt
zu verschaffen, von mir dergleichen üble
opinion ab-
zuwendten, sie dieses zu gemüthe, undt zum
bedacht
genohmen. Einige tag darauff hatt mir der
Mauro
Cordato× an die handt geben,
derselben 12 oder 14 von dem
vesier× für mich pro dono zu begehren, undt die nahmen
deren
[143r]
deren, die ich verlange, ihme zu schickhen,
so ich zwahr an-
fänglich zu thuen, bedenckhen gehabt, auß
sorg, es
möchte dardurch denen andern ein für alle
mahl prae-
iudiciret werdten, auff versicheren aber, daß
man
khünfftighin, insonderheit wan die Teutsche
zu Salanke-
ment× außgewechßlet wordten, auch von
diesen mehr
reden werdte, so habe ich an statt 14, 26
derselben, die
mir von dem
lieutenannt Lenck×, welcher die leuthe,
weillen
er mit ihnen schon lange jahr in der bagno
gewesen, gekhen-
net, undt mir für die beste, fürnembste,
undt wackherste,
wie sie es auch seindt, angeben, zusamben
schreiben las-
sen, undt dem Mauro Cordato× zugeschickhet, welcher mir
gleich den andern tag das ferman zu wegen
gebracht,
es geferttigter zugesendet, undt dabey sagen
lassen,
der gros
vesier× habe mir selbe zu einem zeichen seiner
gegen mich tragenden absonderlichen
affection, undt estime
eigens
geschenckhet, undt frey gemachet, ich sie nur abhohlen
lassen, mit andern von mir erlösten sclaven
über
die Wallachey× hinschicken, undt damit thuen solle, was
mir beliebet, wie er dann vermeinet, ich mir
darauß
[143v]
auff ihr manier einen großen nutzen erhalten
werdte,
allein begehre ich ihnen die freyheit, welche
ihnen die Tür-
khen gegeben, nicht zu benehmen, noch nur
damit einen
nutzen zu
schaffen, sondern lasse, undt günne ihnen
selbe von hertzen, wan sie nur euer kay. May.×
undt dero hohen erzhauß getreu bleiben.
4
Es hatt sich aber 2 täge darauff mit diesen
leuthen ein
neues incidenz ereignet, nachdeme ich dem capitain
bascha Mezzomorto× diesen kay. befelch
zugeschickhet,
hatt er den andern tag dargegen bey der
Porten excipiret,
mit vorgeben, daß dieses einige seiner
besten leuthe
seyen, die er
nicht entbehren khönne, darauff dieses
donum wider zuruckhgenohmen werdten wollen,
mit vor-
wandt, der vesier× habe nicht vermeinet, daß die ihme
überschickhte nomina Hungarn gewesen,
sondern Teu-
tsche zu seyn
geglaubet, darüber mich hoch beschwäh-
ret, daß man mich also vexiren wolle, den
Mauro Cor-
dato× errinneret, daß undt wie er mir
es, undt nicht
anderst selbsten vorgeschlagen, dabey es
geschinen, ihme
angst wordten zu seyn, alldieweillen er den
Lako-
wiz
[146r]
wiz× gebetten, nicht gegen den reis effendi× zu gedenckhen,
daß er mir es
an handt gegeben, mit vermelden, ich
solle die lista noch einmahl ab- undt zu
jeden nahmen
schreiben lassen, ungari, so wolle er sehen,
wie er die
confirmation erhalten khönne, so endtlichen
auch geschehen,
die arme leuthe aber gleichwohlen von dem Mezzomor-
to× weggeführet, endtlichen aber auf
obige weiß wider zu-
ruckh gebracht worden.
5
Mit diesem, allergnädigster herr, will ich
für dießmahl
schliesen, in erwarttung der einstmahligen
zuruckhkhunfft,
daß allschon vor 4 monath an dieselbe
abgelassenen cour-
rier, weillen ja gahr zu beschwährt,
in so langer zeith
undt auff so verschidene underthänigste
bericht, von euer
kay. May.× kheine andtwortt zu
erhalten. Undt nur
allein dieses beysezen, daß ob zwahr so wohl
die Tür-
khen, alß Moscowitter bißhehro nicht
gestehen wollen,
daß sie mit einander geschlossen,
ohnerachtet man in der
gantzen statt davon geredet, undt es für
gewiß gehal-
ten, daß es geschehen, ich es endtlichen
vor 3 tagen
gleichwohlen penetriret, allermassen der Lakowiz×
[146v]
den original
auffsatz deß vergleich gesehen, undt daß er
in 14 puncten bestehe,
undt daß der ar-
mistitium auff
35 jahr eingerichtet.
Ich habe vermeinet, selben
noch
vor abferttigung dieses courrier zu handt zu bekhommen,
zu solchem endte auch 50 reichsthaler
versprochen, es hatt aber
der effendi, derselben
ingrohsiret, sich entschuldiget, daß ihme
ohnmöglich
seye, mir selben vor negsten Freytag zukhom-
men lassen zu khönnen, auff dessen erhaltung
ich nicht
ermanglen will, zu trachten, euer kay. May.× sel-
ben auff das ehiste zuzubringen, mich anbey
zu kay.
huldten, undt gnaden underthänigst
gehorsambst empfeh-
lendt.
Eure rom. kay. May.×
P.S.
inseratur
extrac-
tui
Euer rom. kay. May.× schliesse hiebey
zuruck, die mir mitgegebene creditiv
die ich nicht gebraucht noch nottig gehabt.
Wie ich aniezo vernimme, so sollen die moscoviter keine formal
ambasciatori, sondern nur extra iaciati sagen, ob sie sich schon ambasciaden
nennen, daß ich also anstehe, wie selbe zu tractieren habe, und wohl furderlich
ordnung euer befelch oder directiven notig hette, mich wo möglich damit
undterthenigst schiken zu wollen.